Nr. 409 ♦ ZS. �ahrgaag Ausgabe ik Nr. 207 BezugSvretS» Slertclt3t)rl.30.— M monatL 10.— M. frei ins Haus, voraus zahlbar Pott- bczug: Monatlich 10.— M. einfchl.Zu- ftollunasgobühr Unter Kreuzband rite Deutschland. Dan�ig. das Saat- und Meinelgediet. low!? die ehemals deut- fchen Gebiete Polens Oesterreich. Ungarn und Luxemburg 20.- M, füt das übrige Ausland 27,— M. Postbestellungen nehmen an Oesterreichs Ungarn. Tschechv- Elawatel. Däne- marl. Holland. Luxemburg Schweden und die Schweiz. Der.Vorwärts- mit der Sonntags» deilnge„Voll und geif. der Unterhaltungsbeilage„HcimtDcir und der Beilage„Siedlung und Kleingarten- erscheint woäiemäglich zweimal. Son» tags und Montags einmal. Telegramm- Adresse; --Sazioibemotcal Berlin" Morgen Ausgabe berliner Oolksblatt c Srov- verlin 30 Pf. auswürts 40 Pfennig D SwzetgeupretS, Sil ochtgelpalten« Stonvarelllezelll toftet trüO M„mein» Anzeigen" da» leitgcdrurtte Won LSO M. Zulässig zwei settgedrurtte Worte i. jede« weitere Wort l.— M. 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Die reaktionären Pressehelden schmelzen zur Einheitsfront der sseigheit zusammen. Plötzlich sind sie alle demokratische Republikaner, sind sie alle Verteidiger der M e i n u n g s- f r e i h e i t und der P r e s s e f r e i h e i t. Sie haben alle gar nichts Böses getan. Sie betztcn nicht morgens und abends gegen alles was republikanisch ist, sie steckten nie die Köpfe zu- sammen um sich gegen die politische Demokratie zu ver» schwören. Sie erschwerten dem jungen Reich nie das Leben. Rein, jetzt, da sie A n g st haben, sind sie verkannte Engel, sind sie die wahren Freunde der Freiheit. Die Feigheit vom November 191? ist wieder dal Die Maulhelden, die Heimfrontkämpfer und Siegfriedenschreier, sie haben sich wieder einmal im Mauseloch zusammengefunden. Aber feige Gegner sind deswegen noch nicht ungefährlich: sie sind nur noch schärfer zu beobachten. Als offene ehrliche Feinde wagen sie keinen offenen Kampf mehr; sie wissen um so besser mit Waffen der politischen Intrige umzugehen. Schon z?id ihre Taktik die Konzentration auf einen Punkt, auf die Stelle der republikanischen Front, von der man an- nimmt, daß sie brüchig ist. Man will zwischen das republika- nische Bürgertum und die republikanisch fühlenden A r- beitermassen einen Keil treiben! Man will die regierende Koalition sprengen, den Reichskanzler isolieren. Wulle meint in der vorläufig letzten Nummer des„Dcutflben Abendblatts" ganz treuherzig, daß es bei der derzeitigen Zusammensetzung der Regierung doch„ausgeschlossen" sei, daß seine Zeitung verboten werden könne. Er hat sich getäuscht. Die Reichsregie- rung will und muß mit allen ibr zu Gebote stehenden Mitteln die Republik schützen, dafür stehen elf Millionen Arbeiter und Angestellte hinter ihr. hier gilt es Treue um Treue. Die Opposition soll und wird im neuen Deutschland nicht unterdrückt werden. Auch die neue Verordnung läßt sachlicher Kritik, sie mag so scharf sein, wie sie wolle, den weitesten Spiel- räum. Aber mit der Putschfreiheit, der Mordfrci- h e i t und ihrer Begünstigung durch eine skrupellose Presse soll aufgeräumt werden. Sicher soll, wie Dietzgen in seiner„Religion der Sozial- demokratie" sagte,„der Demokrat den Regenten nicht anstarren wie der Bauer den Pfaff, als zweibeinigen Herrgott, als den auserkorenen Besten oder höchsten"— das zitiert das „Deutsche Abendblatt"!— aber es soll und muß verhindert werden, daß jeder Wulle auf die Republik speit. Die„Kreuz-Zeitung" weist darauf hin, daß es den Demo- kraten in der Einheitsfront mit den Kommunisten nicht ganz wohl sei. hier haben wir wieder die eben gekennzeichnete Politik. Man will dem republikanischen Bürgertum graulich machen. Dabei wird natürlich unterschlagen, daß auch die „Freiheit" vor den„Turkestanern" ausdrücklich warnt, daß sie Die Redner der Parteien In der Demonstration am heutigen Rlittwoch im Lustgarten sind von der SPD.: Otto Wels. Otto Braun, Richard Fischer. Peter Graßmann, Ernst heilmann, Kurt heinig, Franz Krüger. Erich Kuttner, Heinrich Ströbel. Erwin Barth. Dr. Walter Zechlin und andere. Von der USP.: Paul Brühl. Artur Erispien. Wilhelm Ditlmann. Gustav Eckhard. Franz Künstler, Richard Krille, Georg Ledebour, Otto Weier. Dr. Rloses, Dr. Rosenfeld, Dr. Weyl. warnt„vor jenen unverantwortlichen Elementen, die auf Mos- kauer Befehl alle Aktionen des deutschen Proletariats zu putschistischen Zwecken ausnutzen, Zusammenstöße provozieren, damit Blut fließt und Konflikte geschaffen werden!" Der„Vor- wärts" hat schon am Sonntag vor den Leuten gewarnt, die am lodernden Feuer ehrlicher Empörung ihre Suppe kochen möchten. Und gestern schrieben wir abermals deutlich genug über die verdächtigen„Einheitsfreunde", deren Disziplinlosig- keit, Quertreiberei und Eigenbrötelei ein Verbrechen an der Arbeiterklasse, ein helfershelferdienst für die reaktionären Feinde der Republik ist. Dennoch wollen die Feinde der Republik die Hoffnung nicht aufgeben. Auch die„Deutsche Tageszeitung" warnt die Demokraten väterlich und freundlich. Sie meint, das foziali- stische Vorgehen sei„denn doch etwas zu stürmisch", um nicht in demokratischen Kreisen diesmal noch schneller als am 9. No- vember einer gewissen Ernüchterung Platz zu machen. Sprechen wir aus, was ist. Die Uebereinstimmung der reaktionären Presse zwingt dazu. Ihre Meinung wäre nicht so einheitlich, wenn ihr nicht die Demokraten in letzter Zeit verschiedentlich Anlaß gegeben hätten, zu glauben, sie könn- ten in ihnen im Ernstsall Stützen ihrer Politik finden. Um so erfreulicher ist, daß die Leitung der Deutschen Demokratischen Partei jenen Hoffnungen dadurch die Spitze abbricht, daß sie einen Aufruf veröffentlicht, den wir an anderer Stelle unseres Blattes abdrucken, durch den sie in die geschlossene Front aller Verfassungsfreunde, zum Schutze von Republik, Demokratie und Verfassung hörbar deutlich einrückt. P. M. meint im„Berliner Tageblatt" fragend und zu- sichernd zugleich: Wenn die Demonstrationen, die morgen stattfinden, als ihr Programm die Sicherung der Republik und ihrer Bolls- rechte, die Aufhebung des Belagerungszustandes, ein energifches Borgehen gegen die Mordhetzer, eine Berhinderung der militaristisch- nationalistischen Kundgebungen und endlich die Demokratisierung der Verwaltung hinstellen, so werden auch die weiten Kreise der Demokratie damit sympathisieren. Das genügt uns fürs erste. Auch die Demokraten brauchen darum keine Angst zu haben, daß Gewalt von links das demo- kratische Recht kränken könnte. Wenn die deutschen Sozialisten Bolschewisten hätten werden wollen, sie hätten es�am 9. No- .ich später Ar v. tzirfthfelö moröveröächtig. V e r ki n. 30. August.(XDXB.) ver ehemalige Fähnrich Oll- wig v. hirschfcld hat sich im Lause des gestrigen Tages aus dem Polizeipräsidium eingefunden und ist hier sofort zur Mordsache Erz- berger eingehend gehört worden. Vach seiner Beurlaubung aus dem Skrafgefängnis— am 27. April 1021— hielt sich v. H. zunächst in der Wohnung seiner Eltern zu Berlin-Steglitz auf. Ende Mai fuhr er mittels Fahrrades zu Besuch nach Rhcinsbcrg in der Mark, von dort nach einem Gut in der Rahe von Reuruppin und von da wieder nach Berlin zurück. Ende Juni begab er sich zu Bekannten nach Calmbach an der Enz, ungefähr 5 Kilometer von w i l d b a ch im Schwarzwald entfernt. Bon hier aus hat v. h. in der Folgezeit verschiedentlich Ausflüge, so nach Pforzheim und noch Wildbad ge- macht. Am Mordlage will sich v. h. ununterbrochen in Calw- dach aufgehalten haben und von dort am 20. August, also 3 Tage nach der Mordtat, nach Weimar abgefahren sein. Bach seiner eigenen Aussoge hat v. H. während seines Ausenthalls in Calmbach einen Sportanzug von rehbrauner Farbe und gelb gefärbte englische Feld- gamaschen gclragcn. Er ist ein schlanker, blonder junger Mann und trägt Kneifer oder Brille. Die Beschreibung, die von Augenzeugen über den einen der in Griesbach erkannten Täter gegeben wird, trifft also auf v. f). zu. Unter diesen Umständen ist Oltwig von Hirsch- seid vorläufig in hast beHallen worden, um so mehr, als auch eine auswärtige Pofizeibchörde den Verdacht einer Täterschaft des Ge- nannten geäußert hat. Die am 20. August festgenommene» T. und JB. sind gestern abend wieder entlassen worden, da ihnen der angetretene Alibi- beweis gelungen ist. Nach Auskunft der in Betracht kommenden auswärtigen Polizeibehörden haben sich T. und W. zur Zeit der Mordtat in Kassel bzw. Frankfurt a. M. aufgehalten und kommen daher nicht in Frage. Auch die in den Berliner Wohnungen vor- genommenen Durchsuchungen haben kein auf die Straftat bezügliches Material zutage gefördert. Die bei T. aufgefundenen Schriftstücke, die feine Zugehörigkeit zu einer Selbstschutzorganisation beweisen, werden zum Gegenstand eines besonderen polizeilichen Ermittlungs- Verfahrens gemacht werden. « Die Nachricht des„S-Uhr-Abendblattes", daß v. hirschfeld wieder entlassen worden sei, erweist sich demnach als falsch. Der Verdacht, daß er einer der beiden Mörder ist, besteht weiter. Ob er sich bestätigen wird, steht dahin. Aber schon der bloße Ge- danke, daß dieser Mensch Urlaub aus seiner höchst milden Strafhaft bekommen haben könnte, um den Mord, den er schon einmal versucht hatte, zu vollenden, ist geeignet, einem ob der Z u st ä n d e in unserer Justiz sämtliche haare zu Berge stehen zu lassen. Auf alle Fälle war dieser wegen Krankheit entlassene Häftling gesund genug, seinen Krankheitsurlaub zu großen Radtouren be- nutzen zu können. Ob er ihn auch dazu benutzt hat, einen von ihm schon einmal angeschosienen Mann nun auch wirklich zu erschießen, ob dieses fast Unfaßbare Wirklichkeit ist, muß die Untersuchung ergeben. vember 1918 wahrlich leicht genug gehabt, und auci wäre es nicht schwer gewesen. Aber die deutschen Arbeiter und Angestellten bleiben Sozialdemokraten. Sie werden heute mit jedem demonstrieren, der für die Erhaltung der Republik eintritt, und sie werden heute und immer jeden bekämpfen, der die politische Demokratie verraten will. Was der einzelne dabei sagt, gilt nicht viel, was das Ganze will, ist entscheidend. Paul S i n g e r, der gewiß zu den radikalsten Köpfen der deutschen Sozialdemokratie gehörte, sprach einmal in einer entscheidenden Stunde des preußischen Wahlrechtskampfes das Wort, die Partei sei unter voller Wahrung ihrer sonstigen Ziele bereit, Schulter an Schulter mit allen zusammenzustehen, die es mit der Erringung des gleichen'Rechtes in Preußen ehrlich meinten. Eine ähnlich entscheidende Stunde, nur noch ungleich bedeutungsoller als jene, erleben wir jetzt, und im Sinne Paul Singers können wir heute sagen: Wir sind bereit, Schulter an Schulter mit allen zusammenzustehen, denen es um den Schutz der Republik ehrlich zu tun ist. Darum werden wir Sozialdemokraten, deren Parteifahne die rote bleibt, heute unter schwarz-rot-goldenen Farben für die Sicherung der Republik demonstrieren. Unsere gute alte Fahne, die wir symbolisch— denn sie war ja polizeilich verboten— allen unseren Kämpfen im Kaiserreich vorantmgem werden wir nie verlassen. Aber neben ihr heben wir die alte schwarz-rot-goldene Fahne hoch aus dem Staube der Jahrhunderte. Ihr, die im Vormärz verfolgt und geächtet war, die im Jahre 1848 auf den Barrikaden flatterte, gilt auch heute wieder der wildeste haß der Reaktion. Gerade darum sei sie steil über den Kämpfen der Gegenwart aufge- richtet. In der Arbeiterfaust steht sie sicher und fest. Da holt ihr sie nie wieder herunter! verbot ües Uniformtragens. Durch MTB. wird folgende Verordnung des Reichspräsidenten auf Grund des Artikels 48 der Reichsverfassung vom 30. August 1921 veröffentlicht: Aus Grund des Artikels 48 der Perfassung des Deutschen Reiches wird zur Wiederherstellung der öffenilichen Sicherheit und Ordnung für das Reichsgebiet folgendes verordnet: 8 1. Zum unbeschränkten Tragen der ZNilitäruniform sind nur die Angehörigen der Wehrmacht berechtigt. 8 2. Ehemalige Angehörige der bewaffneten Wacht, denen die De-' rechtigung zum Tragen der ZNilitäruniform verliehen worden ist. dürfen hiervon bis auf weiteres nur aus besonderen An- l ä s s e n Gebrauch machen, die der Reichskanzler bestimmen wird. 8 Z. Zuwiderhandlungen werden mit Geldstrafe von S00 bis 10 000 ZNark bestraft und haben den Verlust der Berechtig g u n g zum Tragen der Uniform zur Folge. Wer ZNilitäruniform trägt, ohne daß ihm die Berechtigung hier- für verliehen worden ist oder nachdem er dieser Berechtigung gemäß Abs. 1 verlustig gegangen ist. ivird an Stelle der im§ 360 Ziffer S StrGB. vorgesehenen Strafe mit Gefängnis nicht unter einem ZNonat bestraft. Berlin, den 30. August 1021. Der Reichspräsident, gez. Ebert. Der Reichskanzler, gez. Dr. Wirth. Dieses Verbot stellt eine unbedingteNotwendig» keit dar. In einem Uniformträger erblickt die Oeffentlichkeit einen Vertreter der Staatsgewalt. Wenn auf„Front- kämpfertagen" und dergl. immer wieder Massen von uni- formierten Offizieren, Soldaten usw., oft gar noch mit um- geschnalltem Säbel, Seitengewehr und Revolver zusammen- strömen und dann unter schwarz-weiß-rotem Banner und den Klängen des„heil Dir im Siegerkranz" Paraden abhalten, so entsteht in der Oeffentlichkeit der erklärliche Eindruck, als ob derartige Verhöhnungen der Republik von der staatlichen Wehrmacht ausgehen oder aber, als ob eine illegitime Truppenmacht hier gebildet wird. Deshalb sollte der Erlaß namentlich von den Ange- hörigen der Reichswehr begrüßt werden, die ehr- lich der Republik zu dienen gesonnen sind. Denn natürlich werden die Exzesse nationalistischer Uniformträger regelmäßig der Reichswehr zur Last gelegt. Das Publikum glaubt eben, wenn es uniformierte Gestalten mit schwarz-weiß-roten Bändern sieht, daß das Reichswehrangehörige sein müßten. Das Ansehen der Reichswehr und das Vertrauen zu ihr wird dadurch sicher nicht gehoben. Die Reichswehr erhält jetzt ein Monopol auf die Uniform. Damit wird dann die Reichs- wehr volle Gelgenheit haben, zu beweisen, ob die bisherigen Provokationen wirklich nur von uniformierten Nicht- a n g e h o r i g e n der Reichswehr ausgingen. Die Reichswehr genießt jetzt vollen Schutz gegen Mißbrauch ihres Gewandes. Dafür trägt sie freilich für die Zukunft auch die volle Verantwortung dafür, daß nationalistische Provokationen Uniformierter nicht mehr vorkommen. Der /lusnahmezuftanü in Mittelüeutschlanü aufgehoben. Berlin,?0. August.(UJIB.) Durch Verordnung de» Reich». Präsidenten vom heutigen Tage ist der Ausnahmezustand in Mittel- deutschlqnd, soweit er zurzeit noch besteht, mit Wirkung ab l. September aufgehoben worden. Wann folgt die Aufhebung de» Ausnahmezustandes in Bayern? Zehn nationalistische ölätter verboten. Berlin, Z0. August.(WTB.) Auf Grund der Verordnung des Reichspräsidenten vom 29. August 1921 hat der Reichsminister des Innern das Erscheinen folgender Zeitungen aus die Dauer von 14 Tagen verboten: da»„Deutsche Abendblatt" lS-Ahr- Ausgabe des„Deutschen Tageblattes"), Berlin, das„Deutsche Tageblatt". Berlin, die„Deutsche Z e l t u n g". Berlin, da» „Deutsche Wochenblatt". Berlin-Ariedenau, da»„Span- dauer Tageblatt", Spandau, das„vSlkische Tageblatt". Spandau, den„Miebabacher Aazelger", Mies- dach(Oberbayern),„Völkischer Beobachter"(„Mllnchener Beobachter"), München.„Süddeutsche Zeitung", Stuttgart und„Hamburger Warte". Hamburg. wir stnö gonz klein! Die„Kreuz-Zeitung" behauptet, daß die Verordnung des Reichspräsidenten gegen die Hetzpress» lediglich mit„Entgleisungen kleinerer Blätter" motiviert werde. Da wir erhebliche Entgleisungen der„Kreuz-Zeitung" festgenagelt haben, so müssen wir annehmen, daß die„Kreuz-Zeitung" sich selber zu den kleinen Blättern rechnet. Welch rührende Bescheidenheit!-» In erregtem Tone beschuldigt uns die„Kreuz-Zeitung" der Fälschung ihres Zitate«. In Wirklichteit waren beim Zitieren aus dem Gedächlnis nur ein paar Worte geändert, nicht das Mindeste i m Sinne. Zum Beweis« setzen wir das Zitat hierher, wie es di«„Kreuz-Zeitung" selber gibt. Sie schrieb in Nr. 313 vom 12. Luli 1321 in einer Besprechung über den Reichstag: Aber leider ist daraus kein Verlaß, auch keine Aussicht. daß sich, wie an einem anderen V. November vor 120 Jahren in St. Cloud, ein kleiner General findet, der die 500 schmerzlos «nd radikal aufhebt, zum Segen von Land und Volk. Unser Verbrechen besteht darin, daß wir für den kleinen General seinen Nomen, Napoleon,«ingesetzt haben. Auch die Fastung der„Kreuz-Zeitung" ergibt den unzweideutigen und durch nichts wegzudebottterenden Sinn, daß sich heute ein General finden möchte, der wie weiland Napoleon den Konvent, heute den Reichstag auseinanderjagt. Wenn die„Kreuz-Zeitung" es heute so hinstellen will, als sei nur der prügelnde Herr Remmele von ihr gemeint gewesen, s o fälscht sie sich selber. Denn Herr Remmele mit allen seinen Partei-- � genossen zusammen ergibt noch lange keine MW. Der Satz war, wie i auch der vorhergehend« Satz und die Ueberschrift de» Artikels b«. � «eisen, auf den Reichstag al» Ganze« bezogen. Der vor-! hergehende Satz lautete: DI« erste Prügelszene im Reichstag. Wenn wir hoffen � könnten, daß sich diese Volksvertreter gegenseitig zum Tempel hinausprügeln. Und dann ging es welter: Aber leider ist darauf kein Verlaß usw. Wir begreifen, daß die„Kreuz-Zeitung" setzt krampfhaft be- müht ist, ihre damalige Ami;;mg als harmlos hinzustellen. Wir begreifen es, daß der am 12. Juli hochgeschwellte Mut des Ber- fasters inzwischen in die unteren Partien gesunken ist, aber deswegen ändert sich an dem eindeutigen Sinne des damaligen Satzes doch nichts. Als wir ihn in seinem wirklichen Sinne gleich darauf im„Vorwärts" festnagelten, hat die„Kreuz-Zeitung" damals nicht protestiert. Ihr jetziger Protest ist mehr als durch- sichtig. Kunügebung öer Demokraten. Die Leitung der Deutschen Demokratischen Partei veröffentlicht folgende Kundgebung: Die verbrecherische Hetze, die seit IM Jahren gegen die deutsch« Republik und die deutsche Demokratie von rechts und links getrieben wurde, hat zu den furchtbaren Folgen geführt, die jeder veranr- wortungsbewußte Politiker voraussah. Die politische Kurzsichtigkeit. mit der weite Kreise der Wähler- schaft die Radikalen rechts und links unterstützt haben, hat diesen Desperado-Politikern ihre Geschäfte erleichtert. Jetzt hängt die ruhige Entwicklung, die Ordnung und die Freiheit der Staatsbürger von der politischen Kraft und Ueberzeugungstreue aller derjenigen ab, die Deutschland nicht zum Schauplatz eines Bürgerkrieges werden lasten wollen. Di« Deustche Demokratisch» Partei ist berufen, alle Volksgenossen in der Treue zur Re» publik, zur Demokratie und zur Verfassung zu- sammenzuführen. Daß das gelingt, davon hängt die Gesundung Deutschlands ob. Bildet im ganze« Lande eine geschlostene Front aller Der- fassungssreunde, siodel Euch zusammen mit deu beiden anderen Re- gierungsparleien. Wendet Euch gegen den Wahn, daß Gewalt eine Erleichterung schaffen könnte. Der neue Aufruf der Reichsregierung gibt die notwendigen Mittel zum Schutze der deutschen Reichsverfassung und zur Siche- rung von Ruhe und Ordnung. Wir treten mit voller Kraft hinter die verfassungsmäßige Regierung. Die Beoölkerungsschichten, die in der Deutschen Demokratischen Partei ihre Vertretung haben, sind besonders berufen, dem gesamten deutschen Volk« ein Beispiel treuer Staatsgesinnung und aufopfern- der Pflichterfüllung zu geben._ Der Republikanische Reichsbunü. Der Republikanische Reichsbund teilt uns telegraphisch mit: Die Mitglieder des Republikanischen Reichsbundes werden auf- gefordert, sich an den Mittwoch-Demonstrationen der deutschen Ar- beiterschaft für die deutsch« Republik gegen ruchlosen politischen Meuchelmord und die dreisten Umtriebe der Anhänger einer Wieder- Herstellung des alten Obrigteitsstaates und der Monarchie in allen deutschen Gauen vollzählig zu beteiligen. Insbesondere werden die dem freiheitlichen Bürgertum angehörenden Mitglieder des Reichs- bundes gebeten, Schulter an Schulter mit der deutschen Arbeiter- schaft die Solidarität im Eintreten für die republikanische Derfas- sung zu bekunden. Der provisorische Vorsitzende des Republikanischen Reichsbundes. Karl Freiherr von Brandenstein, thüringischer Staatsminister a. D. Die Wenn,unü-aber-partei. Die Deutsche Volkspartei Sachsens verbreitet eine Erklärung, In der es u. a. heißt: Der Vorsiand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands hat in einem Aufruf zu den Straßendemonstrationen der Deutschen Volkspartei vorgeworfen, daß sie durch maßlose Hetze gegen die Verfassung das Treiben politischer Meuchelmörder be- günstige. Die Deutsche Volkspartei Sachsens weist diesen völlig haltlosen Vorwurf entschieden zurück. Sie hat sich bereit erklärt, im Rahmen der geltenden Verfassung am Wiederaufbau Deutschlands mitzuarbeiten. Die Verordnung der Reichsregierung enthält aber■ nicht nur Bestimmungen, die durch ihre Dehnbarkeit und Unklarheit Anlaß zu größten Bedenken geben, sondern soll nach den Erklä- rungen der Linkspresse einseitig gegen die sogenannten Rechtspar- teien angewendet werden. Aeußerst bedenklich und eine Gefahr für den Frieden ist e», wenn die neue Periode des Verfastungssturzcs eingeleitet wird durch ein« Flut von Demonstrationen, die von Berlin aus einheitlich geleitet werden und bei denen an der Seite der Mehrheitssozialisten die noch immer auf dem Boden der Dil- tatur des Proletariats stehenden Unabhängigen und die für die An- wendung des Terrors und die Herbeiführung der Räterepublik ein- gestandenermaßen kämpfenden Kommunisten mitwirken. Die Deutsche Volkspartei Sachsens muß fordern, daß der jetzt zu- sammengetretene Reichshaushaltungsausschuß sich von der Reichs- regierung bindende Sicherungen geben läßt, daß die Bestimmungen der Verordnung, soweit sie überhaupt durchführbar sind, gleich- mäßig gegen alle Parteien angewandt werden. poehner lenkt ein. Im Anschluß an die Münchener Mastendemonsiraiion war der Vorsitzende des Republikanischen NeichibundcS, Schmalit, ver- haftet und die Bundekakteu beschlagnahmt worden. Beide Maß- nahmen, ebenso wie die Verhaftung deS Vorsitzenden der Betriebs- räte. Gen. Freyberger, sind zurückgenommen worden. Die morgigen Versamminngen unserer Genosten sind für gc- schlossene Säle genehmigt worden. Auer, Gruber und Saeuger werden sprechen. München, 30. August.(Amtlich.) Die bayerische Staatsregie. rung legt Wert darauf, festzustellen, daß sie dem Artikel„Die Er- mordung Erzbergers" in Nr. 198 der„Bayerischen Staatszeitung" vom 26. August 1321 f e r n e st e h t. Er ist ausschließlich eigene Arbeit der Schriflleitung._ Erzbergers Seisetzung. Heute, Mittwoch, wird die Leiche Matthias ErzbergerS in seiner württembergischen Heimat Bieberach beigesetzt. Di« Stadt Bieberach stiftet ein Ehrengrab. Mit dem Reichskanzler und mehreren Reichs- minister» wird anch der ReichSlagspräsident und die wllrttem- bergische Regierung an der Totenfeier teilnehmen. Die ZentrumSfraklion des badii'chcn Landtages beabsichtigt, an der Mordstelle einen Gedenkstein zu errichten. Das bolschewistische Gespenst. Wie immer, wenn es gegen rechts geht, wird von der reaktionären Presse der Bolschewistenschreck aus der Versenkung geholt. Die rechtsstehenden Blätter wimmeln von Hinweisen auf di» kommunistische Gefahr, die doch viel ernster sei als die Revolverschüste„einzelner nationalistischer Fanatiker". Da wollen wir doch bemerken, daß eines der am weitesten rechts stehenden Blätter, die„Deutsche Zeitung", in ihrer Besprechung des kommunistischen Parteitages zu Jena folgendes ausführt: Die Partei ist gegenwärtig unbedingt sehr Nein. Das ließ sich aus den verschiedensten Bemerkungen entnehmen und war wohl auch die Beranlastung, Immer wieder zu betonen, daß von einem Zerfall der Partei keine Rede sein könne. Wer sich an die großen sozialdemokratischen Parteitage in Jena, zumal an die von 1903 und 1311 erinnert und sie mit dieser kommunistischen Musterung oer- gleicht, kann keinen Augenblick darüber im Zweifel sein, daß die KPD. zurzeit nur elnen winzigen Bruchteil der deutschen Lohn- arbeiterschaft vertritt. Die„Deutsche Zeitung" bescheinigt damit ihren Kalle- ginnen von der rechten Fakultät, daß der jetzt entfachte Kam- munistenschreck nur ein künstliches Ablenkungs- manöver ist, an dessen innere Berechtigung seine Urheber selbst nicht glauben. Die„Rote Fahne" stellt es in einem Artikel„Die neue Gefahr" als ausgemachte Tatsache hin, daß die Verordnung der Reichsregierung nicht gegen die Rechtsbolschewisten, son- dern allein gegen die Kommunisten angewendet werden wird. Sie versteigt sich sogar zu der Behauptung, die Verordnung schwäche nicht die Reaktion, sondern sie führe ihr neue Kräfte zu. Der„Vorwärts" wird sogar als Kronzeuge genannt, well wir auf die Notwendigkeit hingewiesen haben, die Verordnung wirtlich in dem Sinn« durchzuführen, in dem sie erlassen ist.' So ist die Sache denn doch nicht. Die inzwischen er- schienene Liste der von der Reichsregierung auf Grund der Verordnung verbotenen Zeitungen dürfte selbst die Hermann Heimholst. Zu seinem 100. Geburtstag. Von Dr. Walter Israel. Produktiver Köpfe gedenkt, man, indem man sich ihrer Schöp- fungen dankbar erinnert. Nicht leicht wird einem dies bei Helmholtz. Nicht nur schwer ist sein umfangreiches Wissen zu überschauen, auch seine eigenen Leistungen, seine Werke, die er der Nachwelt hinter- lassen hat, reichen in fast alle Gebtete de» menschlichen Forschens. Geboren am öl. August 1821 zu Potsdam, besuchte Helmholtz von 1838-�42 die alte Pepiniöre in Berlin und war dann bis 1848 Militärarzt. In diese Zeit fällt seine bedeutendste Leistung, die Auf- stellung des Prinzips der Erhaltung der Energie,«ine Wissenschaft- liche Tat, die allein genügt hätte, seinen Namen unsterblich zu machen. Sein Interesse wandte sich dann mehr und mehr der Physio- logie zu, er wurde der große Schüler Johanne» Müllers, des Be- gründcrs der modernen Physiologie. 1843—33 treffen wir ihn dann in Königsberg, wo er eine Professur für Physiologie Innehatte. Arbeiten dieser Zeit sind unter anderem„Heber die Fortpflanzungsgeschwindigkeit der Nervenreizungen",„Ueder das Wesen des Auges". Seine populärst« Erfindung gelang ihm Ende des Jahre» 1830: die Konstruktion des Augenspiegels.„Der Augenspiegel," so be- richtet Helmholtz an seinen Vater vom 17. Dezember 1830,„ermög- licht den dunklen Hintergrund des Auges durch die Pupille hindurch zu sehen... Bi» jetzt war eine Reihe der wichttgsten Augenkrank- heiten,.. eine Terr» incognita(unbekanntes Land), well man über die Veränderungen im Auge weder im Leben» noch selbst meistens im Tode etwas erfuhr. Durch meine Erfindung wird die speziellste Untersuchung der inneren Gebilde des Auges möglich." Man darf hinzufügen, daß nicht nur für Augenkrankheiten, sondern auch zur Feststellung von Gehirngeschwülsten, die sich durch Hirndruck im Innern des Auges erkennen losten, der Augenspiegel ein notwendiges Instrument darstellt. Sein Weg als Forscher und Lehrer führte Helmholtz nach Bonn (1833), Heidelberg(1838— 71) und Berlin, wo er bis zu seinem Tode (S. September 1894) blieb. Aus der Fülle seines Schaffens als Physiker wie al» Physiologe seien hier nur erwähnt seine Untersuchungen auf. akkiü ischem und elektrischem Gebiet, wie andererseits seine Theorie des Farbcnsehcns. Der Erklärung des Farbensehens legte er das(Besitz der spezifischen Sinnesenergien von Johannes Müller zugrunde. Dieses besagt, daß die großen Fundomentalverschiedenheiten unserer Empfindungen re- lativ unabhängig von den äußeren Reizen sind. Die Empfindungen beruhen hiernach auf„spezifischen Eigentümlichkeiten" jeweilig in Be- tracht kommender menschlicher Organe. Ein Beispiel: Da» Auge empfindet eine Farbe durch„Sehen" wie auch durch Stoß auf das Auge. Entsprechend nun sollen nach Helmholtz an jeder kleinsten Stelle der Netzhaut de« Auges drei verschiedene Fasern vorhanden seien.. Die erste verursach» bei Reizung ein„Rot", die zweit««in „Grün", die dritte ein„Violett". Die verschiedenen gleichzeitig mög- lichen Reizungen der drei Fasern werden durch Vermitllung des Gc- Hirns dann als eine der anderen bekannten Farben empfunden. Rot und Grün und Violett ergeben als gleichzeitige Empfindung Weiß. Wenn auch manches gegen dies« Theorie spricht, so ist sie doch der Grundstein weiterer Forschung geblieben. 1887 begegnen wir Helmholtz bei der Gründung der„P h y s i- k a l i s ch- T e ch n i sch e n R e i ch s a n st a l t", deren Präsident er im nächsten Jahre wurde. Sein Plan war es. nicht nur für die Technik hier eine Prüfungsstelle ihrer Meßinstrumente zu schaffen, sondern auch die Möglichkeit zu eigener wistenschaftlicher Forschung zu geben. Beides darf al» erreicht festgestellt werden. Ist doch dieses Institut ein« der wichtigsten Ställen der Technik und Wistenschaft geworden. Im Anfang war kurz auf das von Helmholtz aufgestellte Prinzip von der Erhaltung der Energie hingewiesen worden. Ohne auf die Prioritätsstreitigkeiten mit Robert Mayer eingehen zu wollen— m. E sind beide fast gleichzeitig und selbständig zu dem Satz von der Erhaltung der Energie gelangt—, kann gar nicht zu hoch die Bedeutung dieses Satzes eingeschätzt werden. Seit Newton datiert die moderne Physik, die dadurch gekennzeichnet ist, daß der Forscher nicht mehr nach dem Göttlichen sucht, welches den physikalischen Vor- gang bedingt, sondern ans da» Wie des Zusammenhang» der physi- kalischen Erscheinungen allein sein Augenmerk richtet. In diesem Streben nach gesetzlicher Erfassung des Seins ist der Satz von der Erhaltung der Energie ein ungewöhnlicher Fortschritt. Zeigt er doch z. B. den gesetzmäßigen Zusammenhang zwischen den Wärme- erscheinungen und den elektrischen und mechanischen auf. Heute weiß jeder, daß Wärme. Elektrizität nichts sind als Formen der Energie, daß diese selbst aber nichts ist als der Begriff für die„Fähigkeit, Arbeit zu leisten". Das Prinzip von der Erhaltung der Energie enthält in sich zwei wichtige Erkenntnisse Einmal, daß ein„Per- petuum mobile" ein Unding ist. d. h., daß ein« Maschine aus Nichts Arbeit nicht leisten kann. Bis zur Zeit 5ielmholtz'' waren die Der- suche stets wieder und wieder unternommen worden, eine Maschine zu kongruieren, die aus Nichts ewige Arbeit leistet. Für Helm- holtz ist„Bewegung Aenderung der räumlichen Verhältnisse". Das „Geschäft" der theoretischen Naturwissenschaft„wird vollendet sein, wenn einmal die Zurückleitung der Er'ch'inungen auf einfache Kräfte vollendet Tics bedeutet aber: Es ist Aukaabe, den Z sammcn- hang des Geschehens im Denken gemäß elnhell'ichsr Prinz'plen zu erfassen Diele gelten, wenn ber Versuch die Annohme be' ätizt. Dies gelang ihm. Als Zweites stand dem Prinzip die Auffastung entgegen, daß Wärme ein Stoff ist. Durch Helmholtz wird bewiesen. daß Elektrizität und Wärme nichts als Degrisfe für bestimmte physikalische Erscheinungen, für bestimmte Formen der Fähigkeit, Arbeit zu leisten, sind. Interessant ist es, daß dieser große Forscher auf dem Gebiet der exalten Wissenschaften sich philosophisch an dem allzu lang vergessenen Kant orientierte, aus ihn mit aller Deutlichkett hinwies. Helmholtz ist nicht irgendein Wissenschaftler, er ist die Ver- körperung einer Periode wesentlicher wissenschaftlicher Fortschritte. *« • Wenn Physiologen und Physiker, Mathematiker und Mediziner. Naturwissenschaftler und Philosophen sich an Helmholtz' Gedächtnis- tage mit seinen Leistungen beschäftigen werden, so darf doch über diesen Sonderstudien die gewaltige Einheit seiner Persönlichkeit nicht vergessen werden, die ihn zu einem Klassiker der Naturwissenschaften macht. In dieser Eigenschaft wird Helmholtz betrachtet in einem Auf- satz, den Dr. G. Mamlock in der„Deutschen Medizinischen Wochen- schrift" veröffentlicht. Helmholtz bildete in den siebziger und achtziger Jahren des vorigen Jahrhundert» einen bedeutenden Mittelpunkt für das ganze Geistesleben Berlins, denn er zog die ganze Summe menschlichen Wissens in den Kreis seiner Betrachtungen. Aus feinen Studien über Optik und Akustik ergab sich ganz von selbst seine Be- schäftigung mit Molerei und Musik, und in den schönen Wissenschaften hat er Mustergültiges geschaffen durch seine Reden und Vorträge, die in ebenso formvollendetem Stil wie kunswollem Aufbau die wichtigsten Probleme unserer Gedankenwelt behandelten. Helmholtz � gehörte nicht zu jenen Gelehrten, die in vornehmer Absonderung von der Menge ihre Ideen nur einem kleinen erwählten Kreise mit- teilen wollten, sondern er hielt es für eine wichtige Aufgabe der Wissenschaft, ihre Erkenntnisse zu verbreiten und dem ganzen Volke zugänglich zu machen. In seiner Schrift über die„P o p u l a r i- sierung der Wissenschaft" fordert er, daß die Naturwissen- schaften und das streng naturwissenschaftliche Denken zu einem Teil der allgemeinen Bildung gemacht würden, und er verlangt, daß�die einseitige Beschäftigung mit Physik und Mathematik durch das Stu- dium der Biologie, der Lebenskunde ergänzt werde. Durch diese Hervorhebung des pädagogischen Wertes des Naturstudiums ist Helmholtz zu einem der großen Erzieher unseres Volkes geworden. Die Wirkung des Naturerkennens liegt nach seiner Anschauung nicht nur in der Vermehrung des Wissens, sondern ihr tieferer Einfluß. beruht auf der Förderung des geistigen Fortschritts der Menschheit. Diesem Gedanken gab er in seiner Abhandlung über das Planeten- system den Ausdruck, daß Darwins Lehren uns zu der Erkenntnis gebracht habe, daß unsere Intelligenz, staatliche Ordnung und Gc- sttwng von unseren Vorfahren erworben sind, und daß das, was wir In dem gleichen Sinne erringen, das Leben unserer Nachkommen veredeln soll._ Der krkhilikenlaz zur Zllmfrage. Auf dem Katholikentage in Fra'klurt a. M. sprachen zu den Anträgen zur Kulturfraqe und zur Frage der Bekämpfung der Schundfilme Montigne-Walterbach für eine schärfere Filmzensur. Es dürfe nicht alles nur nach Berliner Moralbeqriffen beurteilt werden(?). Man habe dem Wesen der Schundfilme mit positiven eigenen einwandfreien Leistungen ent- gegenzutreten. Darauf ermahnte Brauer-Köln als technischer Leiter der Kölner Lichtbllderei zum Zusammenschluß aller auf diesem Gebiete tätigen Organisationen, der alsbald in Frankfurt erjvlgen müsse. Lies« Anträge wurden einstimmig angenommen. _ Heilage öes vorwärts GroßSerün disziplin. Eine Mahnung an unsere Parteianhänger. In den nächsten Tagen tritt die Sozialdemokratie Grost«BcrIiii§ in den Wahlkampf; einige Kreise haben bereits öffentliche Veriamm- hingen anberaumt, in denen zu den brennenden Fragen de§ kommunalen Lebens Stellung genommen werden soll� Getreu ihrer bisherigen Haltung in Wahllämpfen wird die Partei in diesen Versammlungen allen Gegnern unserer Anschauung die Möglichkeit geben, andere Aussassungen zur Geltung zu briizgen, wobei natürlich vorausgesetzt wird, das; solche Auseinandersetzungen sich in ernsten und würdigen Formen bewegen müssen. Leider sind diese Grundsätze der politischen Auseinandersetzungen in den Wäblerveri'ammlungen der letzten Jahre nicht immer beachtet worden. Namentlich bei den Wahllämpfen der letzten Reichstags- rmd LandtagSwahlen suchte ein gewisses Publikum die Versamm- lungSlokale zu Stätten wüsten Radaus herabzuwürdigen und somit jede ernste politische Auseinandersetzung zu hintertreiben. Durch solche Orgien wird unser politisches Leben mehr und mehr vergiftet. Die älteren Anhänger unserer Partei werden eS wissen, daß in sozialdemokratischen Versammlungen stets auf strenge Diiziplin gehalten wurde. Den, politischen Gegner ward stets die Möglichkeit gegeben, in der Debatte seine Auffassungen zur Geltung zu bringen, während denjenigen, die nur Lust am Radau bekundeten, die Tür gewiesen wurde. Die Sache der Sozialdemokratie steht zu hoch. als dah ste von gewissen Elementen diskreditiert werden dürfte- Die am 16. Oktober stallfindenden Wahlen für die Berliner Stadtverordnetenversammlung und die Bezirksveriretungen werden Bedeutung erlangen weit über die Grenzen Berlins hinaus. Von dem Verlauf unserer Wählerversammlungen wild nicht zum geringen Teil der Ausgang der Wahl abhängen. In dem Maffe, wie es uns gelingt, die Wähler in diesen Versammlungen von der Folgerichtigkeit des sozialdemokratischen Wirkens in den Körperschaften der Einheitsgemeinde zu überzeugen, werden wir am Tage der Wahl Erfolge zu verbuchen haben. Für unsere Parteigenossenschaft erwächst daher die dringende Pflicht, diese Versammlungen durch umfassendste Agitation zu wuchtigen Knndgebungen für die sozialdemokratische Sache zu gestalten und selbst durch zahlreiche Anwesenheit in diesen Versammlungen den ungestörten und würdigen Verlaus derselben zu sichern. Die Parteileitung Grofi-BerlinS wird dafür sorgen, daß in unseren Versammlungen einschlägige Referenten zur Verfügung stehen. Wenn alle Genossinnen und Genosten in diesem Wahlkampfe vollzählig ihre Pflicht erfüllen, brauchen wir um den Ersolg für unsere Sache nicht bange zu sein. Oer Morü in Pankow aufgeklärt. Geständnis der Wirtin. Das letzte Kapitaloerbrechen, der Mord an der 58 Jahre alten Verkäuferin Emma N e u m a n n aus der Schonenschen Straße-12, hat eine rasche Ausklärung gefunden. Wie wir mitteilten, hatte sich der Verdacht der Täterschaft oder Mitwisterschaft gleich bei Entdeckung des Verbrechens auf die Wirtin der Ermordeten, die Ehefrau des Bauschlossers Hoffmann, gelenkt. Der Befund allein hatte schon Frau Hoffmann verdächtig er- scheinen lassen. Die Lage der Leiche ließ darauf schließen, daß das Verbrechen nicht in dem kleinen Zimmer der Ncumann, sondern in einem anderen Raum ausgeführt sein mußte. Bei einer gründlichen Absuchung des Wohnzimmers der Frau Hofsmann wurden dann auch kleine Blutspritzer entdeckt. Außerdem ein Frauenhaar von der Toten. Weitere Blutspuren zeigten sich an der Tür des Hossmann- schen und des Reumannschen Zimmers. Auch an der letztgenannten Tür wurden Haare gefunden, die darauf schließen ließen, daß die Leiche nachträglich an den Fundort gebracht worden war. Dazu kam, daß Frau Hosfmann mit ibrer langjährigen Mieterin bisher ein sehr enges Freundschaftsverhältnis unterhalten hatte, das sich zuletzt aber in Haß umgewandelt hatte. Sodann hatte Frau Hoffmnnn auch einige, wenn auch geringfügige Kratzwunden' im Gesicht. Frau Hofsmann bestritt zunächst entschieden, etwas von! der Tat zu wissen Als sie nun aber gestern nachmittag wieder an die Stellen gefüh't werden sollte, wo sie sick) an dem Bormittag angeblich aufgehalten hatte, wurden ihr noch einmal alle gegen sie vorliegenden Verdachtsmoniente vorgehalten, und jetzt brach die Verhaftete plötzlich zusammen und legte ein G e- st ä n d n i s ab. Frau Lioffmann gibt zu, den Tod ihrer früheren Freundin herbeigeführt zu haben. Nach ihrer Darstellung hatte sie wegen des Auszuges, den sie verhindern wollte, mit ihr Streit be- �,>l»!lllIlil!ll!l!!!!i!ll!Il!I!Ii>!ilIlI!I!l«lIIIIIIIlIII!!!l>W!!!IIil!I!I!iIl!!li>Ii!l!!iiililllI!I!i!I!I>illIlil!i!lll!lll!!!llii�'i- || An unsere Leser! II Infolge der heute nachmittag stattfindenden i| i| Oemonslration wird die heutige Abendnummer ZÜ Ig von den Botenfrauen nicht auegetragen, um diesen ß W die Teilnahme am Dem onflrationszuge zu ermög> g k -D lichen. Ebenso schliepen die Auegabestellen der Zz || Zeitungszentrale nachmittags 2 Uhr. Die Abend, z k i|| zeitung wird deshalb mit der morgen früh er- Ii || scheinenden Nummer zusammen ausgetragen. Im Slraßenhandel ist die Abendausgabe des Zß 1 1„Vorwärts" erhältlich bei allen Straßenhändlern, Z| i| Kiosken usw.|t 1 1 Der„VorwartS"-Verlag(Hauptexpedition und 1 1 || Inferatenabteilung) schlicht um 4 Uhr. Die Parteigenossen, welche von den Abteilungen II i| zum Etrasienverkaus des„Vorwärts" bestimmt Zß k| sind, werden gebeten, heute nachmittag pünktlich Z ß II 2'/, Uhr sich in der Hauptexpedition, Lindenstr. 3,|M II 4. Hof, einzufinden.|| „Vorwarts"-Berlag G. m. b. H. kommen. Dieser habe zu Tätlichkeiten geführt, und als sie Fräulein Neumann einen heftigen Stoß versetzt habe, sei diese m i t dem Kopf so heftig aufgeschlagen, daß sie tot liegen gebliben sei. Iliff einen Raubüberfall vorzutäuschen, habe sie dann die Leiche in ibr Zimmer gebracht und ihr dort nach- träglich den Knebel in den Mund gc st eckt. Ob diese ihre Darstellung zutrifft, erscheint sehr zweifelhaft. Genauen Auf- schluß darüber dürfte die Obduktion der Leiche bringen, da bei der ersten Besichtigung am Tatort keine äußeren Verletzungen vorge- funden wurden. Wozu man Sie Elternbeiräte mißbraucht. Eine nationalistische Feier. Im Wilmersdorfer„Freiher r-vom-Stein-Ly- z e u m" fand am 27. August eine vom Elternbeirat dieser Schule veranstaltete„T a n n e n b e r g f e i e r" statt. Eltern. Schülerinnen und Fbcunde d»r Anstalt wurden von dem Elternbeirat, vertreten durch den Vorsitzenden Dr. Klink, zur Beteiligung an der Feier ein- geladen. Ein uns aus Elternkreifen zugehender Bericht zeigt, daß es sich um eine offenbar nationalistische Beranstaltung handelte. Schon einige Tage vorher wurde im-Namen mehrerer Eltern der Vorsitzende des Elternbeirats darauf hingewiesen, daß es nicht Sache des Elternbeirats sei, nationalistische Feiern zu ver- anstalten. Dr. Klink bestritt dielen Charakter der angekündigten „Tannenbergfeier", aber hinterher bewies ihre Aufmachung(Hinden- burg-Büftc mit fchwarz-weiß-rotcr Drapierung, schwarz-weiß-rote Fahnen und Fähnchen), daß der Verdacht mißtrauischer Eltern nur zu begründet gewesen war. Der Festredner, Pfarrer Mol- d a e n k e, kam'auch aus die vorjährige Abstimmung in Ostpreußen zu sprechen und lobte die monarchistisch-prcußische Ge- s i n n u n g der oslpreußischen Bevölkerung. Er hob hervor, daß von fast sämtlichen Häusern im Abstimmungsgebiet die schwarz- weiß-rote Fahne und nur von den offizielle» Gebäuden die schwarz-rot-goldcnc Fahne wehte. Die bei der Kundgebung vom „Ich will nicht die, die du bist. Ich wollte eine andere. Aber es scheint, daß sie nie gelebt hat." „Du sprichst so dunkel..." Er trat vor sie hin und nahm ihre Hand.„Sieh mich an," forderte er sie auf,„sieh mich an. Was siehst du?" „Du bist alt," antwortete sie erschreckt,„sehr alt..." „Ja, sehr alt, vorzeitig alt. Und ich bin es durch dich geworden, dadurch, daß ich auf dich warten muhte, so viele Jahre... Das Warten fraß an mir, zehrte mich auf. Und doch bin ich nicht gestorben. Denn ich sagte mir: Es kommt eine Stunde, da ich ihr gegenüber stehen werde, da sie alles wieder gutmacht, so daß ich ihr verzeihen kann.. Die Stunde ist gekommen, aber ich habe umsonst gewartet. Du machst nicht wieder gut, was du verdorben hast. Und ich kann dir nicht verzeihen." „Wie soll ich es gutmachen?" fragte sie beklommen. „Indem du mir das widergibst, was du mir genommen hast,— damals, als du mich betrogst." „Was habe ich dir da genommen?" „Den Glauben an dich," sagte er ernst.„Ihn fordere ich zurück. Und kannst du ihn mir nicht geben, dann,— dann habe ich mein Leben um ein Nichts vertan, dann ist jener andere um einer Laune willen gestorben, dann bist nicht du es gewesen, die mich betrogen hat, dann war ich einer, der sich selbst betrogen hat,— und dann kann ich gehen" Sie versank in ein langes Brüten. Dichte Nebel hingen vor den Tagen, von denen er sprach. Aber wenn sie sich an- strengte und ihre Augen scharf inachte, unterschied sie doch Einzelheiten, zusammenhangslose Bruchstücke aus einer Zeit, von der sie nicht geglaubt hatte, daß sie noch einmal in ihr lebendig werden könnte. Sie sah einen Mann, der sie. quälte. Und einen zweiten. den diese Qual ärger traf als sie selbst, der um sie- litt und für sie fühlte. Es gab Stunden zwischen ihnen, deren graue Dämmeriing etwas Unausgesprochenes erhellte. Ein Blick, ein Händedr-ck. ein Lächeln, ein halbes Wort, ein Seufzer, ein bedrücktes Wegsehen genügte ihnen, sich zu verständigen. Stumme Ver- sprechungen wurden gegeben, Hoffnungen wurden auf Augen- blicke rege, um sogleich wieder zu sterben. Beteuerungen wur» den verlangt und nicht verweigert. Und über alledem hing die zitternde Freude des Vertrauens und Bertrauendürfens. (Forts, folgt.) Mittwoch, 31. ftogast 192» 31. Juli d. J. Millionen aus dem Herzen gesprochene Mahnung: „Nie wieder Krieg!" nannte er ein vermessenes Wort; die daran glauben, seien unbelehrbare Narren. Dem Herrn Pfarrer wurde für seine Rede im Namen des„Treubundes" ein Blumenstrauß überreicht, aber von einem Herrn, der weder zum Elternbeirat noch zu den Eltern der Kinder dieser Schule gehört Daß zum Schluß ein ehrfurchtsvolles Telegramm an Hindenburg und Ludenoorff gesandt wurde, versteht sich von selbst. Wir können in der Veranstaltung einer solchen Feier in der Tat nur einen Mißbrauch des Elternbeirats sehen. Wollen die nicht nationalistisiben Eltern und Elternbeiratsmitglieder sich dieses Treiben gefallen lassen? Wer den Schaden hat... Eine wohlgelungene Satire auf das schwindelhafte Treiben der Wcttkonzerne ist das folgende Flugblatt, das gestern in den Straßen Berlins verteilt wurde: Wetlkonzern Wolkenkuckucksheim. 40 960: 10. 100 Proz. Dividende alle 2 Monate! Gcwinnkabclle: Bei einer Einzahlung von nur 1000 M. erhalten Sie noch 2 Monaten............. 2 000 M. „ 4............... 4 000 M. „ 6............... 8 000 M. „ 8............... 16 000 M. „ 10............... 32 000 M. „ 12............... 64 000 M- „ 14............... 128 000 M. „16............... 256000 M. „ 18............... 812 000 M. „ 20............... 1024 000 M. „22„............. 2 048 000 M. „ 24............... 4 096 000 M. Viermillionensechsundneunzigtausend Mark nach 2 Iahren! Diese Riesenquote: 40 960: 10, erzielten wiederholt unsere Renn- pferde„Ferner liefen",„Kuhschwanzmine" und„Gießkanne". In- folgedessen hat uns der Herr Finanzminister mit der Ordnung der Rcichsfinanzen beauftragt, indem er bei uns für das Reich einen kleinen Betrag anlegte. Die von uns ins Leben gerufene Eisfabrik hat bereits Verträge mit allen Apotheken und Krankenhäusern abge- schlössen, durch die unsere Mitglieder gegen Ausweis gratis beliefert werden. Also, wozu noch arbeiten?! Wettkvnzern„Wolkenkuckucks- heim" arbeitet für Euch! Das Direktorium ist unter Garantie nicht unbestraft und jeder Setuotion gewachsen. Unser Betrieb ist vom Gefundheitsministerium genehmigt! Wer also mit uns den Kampf gegen die Großbanken, die nur geringe Prozente zahlen, ausnehmen will, lege sein Geld bei uns an! Wir lassen das deutsche Volk nicht darben! Der Vorstand. Alt-Moabit 12!>, G. m. b. H. (In Alt-Moabit 12a befindet sich das Untersuchungsgefängnis. D. Red.) Betrogene Möbclkäufcr. Die Wohnungsnot rnitzte ein Schwindlerpaar aus, das noch Erbeutung von vielen tausend Mark jetzt verschwunden ist uiid van der Kriminalpolizei gesucht wird. Ein 29 Jahre alter Sattler Jakob Keller aus der Weser st raße 68 zu Neukölln und seine um 10 Jahre ältere Frau Elisabeth, geb. Lasin, machten durch Anzeigen und mündliche Mitteilungen bekannt, daß sie Neu- kölln zu oerlassen gedächten, um nach Rüsselheim bei Mainz, der Heimat der Ehefrau, überzusiedeln. Es fanden sich viele Leute, die gern bereit waren, dem Ehepaar alle Möbel abzukaufen, um äuf diese Weise in den Besitz der Wohnung zu gelangen. Das Schwindler- paar nützte diese Bewerbungen gründlich aus. Ein Käufer, ein Mann aus der Kaiser-Friedrich-S'raße, übernahm die Einrichtung für 20 000 Mark und zahlte 5100 Mark an. Ein anderer, der von dem ersten Handel natürlich nicht« wußte, zahlte 3 0 000 Mark, die das Ehepaar jetzt verlangte, gleich bar aus. Der dritte bot 33 000 Mark und zahlte 10 000 Mark an. Ein vierter zahlte 23 000 Mark bar aus. Als jetzt die Möbelkäufer einer nach dem anderen kamen, um die Wohnung zu beziehen, war das Ehepaar Keller spurlos verschwunden. Die Möbel sind noch da. Aber die erßen Käufer ließen sie gleich pfänden, so daß die späteren das Nachäffen haben._ Eine geheime Funkenanlage wurde von der Polizei besöblag- nahmt. Gegen den Eigeiniiiiicr der Anlage und gegen die nn der Ernchlung und dem Beirieb der bciinlickicii Fiintstelle sonst Beteiligten ist wegen Verstoßes gegen das Telegraphengesetz vom 6. April 1892 strafrechtliche Verfolgung eingeleitet. 691 Die Rächer. Noman von Hermann Wagner. Reisner kroch ein leiser Schauer den Rücken entlang. „Und bezüglich meiner,— was haben Sie da befchlosien?" Behrens nahm breit den Platz am Schreibtisch ein. den sonst Reisner innegehabt hatte.„Sie bleiben mein Schuld- ner," sagte er ohne Ausdruck.„Aber nachdem Sie sich so ge- fügig gezeigt haben, will ich meine Forderung nicht geltend machen, in keiner Weise... Darf ich fragen, was Sie mit Ihrer Frau verabredet haben?" „Sie können zufrieden fein, ich bin in jeder Weife zur Ohnmacht verdammt. Weder meine Frau noch mein Kind darf ich jemals wiedersehen." „Auch Ihr Kind nicht?" „Nein, auch mein Kind nicht." „So," sagte Behrens und trommelte mit den Fingern auf der Tischplatte, während er Reisner scharf ins Gesicht sah. „Und wovon gedenken Sie zu leben?" „Ich weiß es nicht..." „Verkennen Sie mich nicht," meinte Behrens mit einem -Anflug von Spott,„ich will nicht zu hart mit Ihnen ver- fahren... Meine Börse— steht Ihnen jederzeit offen." „Ich danke," sagte Reisner kurz. „Nun, vielleicht überlegen Sie es sich noch... Gibt es etwas, das wir zu besprechen hätten,— ich meine: etwas, das nicht ebensogut ein Anwalt regeln könnte?" „Nein." antwortete Reisner. Behrens lächelte grausam.„Dann halte ich unsere Unter- redung für beendet." „Für diesmal," sagte Reisner und zitterte plötzlich heftig. „für diesmal— ja." „Ich verstehe Sie nicht. Was wollen Sie damit sagen?" „Daß,— daß vielleicht— auch Sie einmal so gehen wer- den,— so ohnmächtig, so---" Reisner vollendete nicht, denn er kam ins Würgen. Er stülpte den Hut auf die wirren Haare, er atmete kurz und heftig und verließ das Zimmer, blieb draußen eine Weile stehen, als erwarte er noch etwas, und eilte dann mit hastigen Schritten aus dem Haus. » Behrens blickte ihm durch das Fenster nach und sein Mund verkrampfte sich. Dann ging er nachdenklich durch das Zimmer, trat von einem Gegenstand zum anderen, nahm dies und jenes in die Hand und entdeckte schließlich auf dem Schreibtisch das Bild eines Kindes. Er dachte: Das hat er vergessen, nicht einmal das Bild hat er mehr! Und er steckte es in die Tasche. Er drückte auf den Knopf einer elektrischen Glocke, um Prokop herbeizurufen. Aber niemand kam. Das Haus ist in Auflösung begriffen, dachte er, wie seine Bewohner es sind. Er griff in seine Rocktasche und nahm ein Papier aus einem Umschlag. Er hielt es gegen das Licht und prüfte es sorgfältig.. Er hat das geschrieben, ohne zu zittern, dachte er, in einem Zug. Der arme Mensch! Er zündete eine Kerze an und hielt das Papier an das Licht. Die Flamme fraß es leckend auf. Schließlich hielt er nur noch die Asche auf seinem Handteller. Er zerrieb sie und streute sie über den Teppich hin, um sie sodann mit einem schmerzlichen Ingrimm zu zertreten. Er zog eine Schublade des Schreibtisches auf und fand dort einen Brief. Der Umschlag hatte die Aufschrift: An meine Frau. Er riß ihn auf. Er las alles und prägte sich nur einen Satz ein: Lucie, vergiß nicht, daß ich nur ein Mensch war. Und er lächelte und steckte auch den Brief in die Tasche. Noch einmal sah er sich um, schloß dann leile die Tür hinter sich und pochte an jene zweite Tür, deren Schwelle er schon einmal übertreten hatte. „Lucie, ich versprach dir, noch einmal zu kommen- Ich bin da." Sie nickte ihm flüchtig zu:„Du bist hier der Herr, es steht ' ganz in deinem Belieben, zu koinmen oder zu gehen." „Ich bin nichr gekommen, um dich zu quälen," sagte er ! warm,„ich suche eine Möglichkeit, mich mit dir zu vcrstän- .digen." Sie schnitt ibm mit einer ungeduldigen Bewegung das Wort ab.„Ich bin zu allem üereit. Wenn du mich willst. -dann krmn� du mich baben. Mir ist alles gleich." „Dann will ich duff also nicht baben." Sie wurde durch den sonderbar feierlichen Ton seiner I Worte betroffen-„Nicht?"......... Neue MuniNonsfunde. Gestern vormittag wurde in der Woh- nung des Beamten Walter Feder, Sebastianstraße 80, eine Haussuchung vorgenommen, wobei die Beamten der Schutzpolizei 1200 scharfe Jnfanterie-Patronen Modell S8 fanden und beschlagnahmten. Die nur allein anwesende Ehefrau des Feder gab an, über die Herkunft der Patronen nichts zu wissen.— Ferner fand ein Untcrwachtmeister der Schutzpolizei auf einem Streifgange in Halensee am Zaun des Sportplatzes in der Cicero- straße eine 3,7-Zentimeter-Revolvergranate. Er überreichte seinen Fund der Schutzpolizei-Abteilung Wilmersdorf. Zum Spandauer Schulstrcik schreibt uns die Freie Schul» gefellschaft Spandau, daß dort 729 Kinder vom konfessio- nellen Religionsunterricht abgemeldet waren und daß nach ein- wöchiger Dauer des Streiks nicht nur diese 739 streikten, sondern eine amtliche Statistik sogar 836 meldete. Gegenüber einem im „Berliner Tageblatt" veröffentlichten Artikel des Geh. Regierungs- rats Menzel erklärt die Freie Schulgesellschaft, nie habe sie eine Still- legung der Spandauer Schulbetriebe beabsichtigt, sie werde aber die Schule ohne konfessionellen Religionsunter» r i ch t, wie der Deutsche Lehrcrverein sie fordere, die Einheitsschule, die Freie Schule durchzusetzen. Die Elternbeiräte aller Linksparteien Spandaus haben beschlossen, vom 1. Oktober ab mit Hilfe der Par- teien in den Schulstreik zu treten, wenn nicht bis dahin die Freie Schule in Spandau eingerichtet ist. Sie wollen den Verschleppungen ein Ende machen und die in der Verfassung zugebilligte weltliche Schule erzwingen. Erweiterter Nachtbetrieb der Straßenbahn. Anläßlich der Ver- längerung der Polizeistunde läßt die Berliner Straßenbahn über die jeyt planmäßig festgelegten Schlußzeiten hinaus auf folgenden Linien zunächst versuchsweise besgndere Spalwagen bis gegen 1 Uhr bzw. kurz nach 1. Uhr aus der Stadt verkehren: Linie 1. 6. 7, 9, 11. 13,. lö, 16, 2?, SS. 25, 30, 130, 32. 30. 40. 41 E. 47. 48. 49,.55, 57,. 61, 62. 69, 73,. 74, 76, 176, 80, 81, 82, 83, 91. 164, 168, C, F, N, R.. Eine Aktenmappe wurde von einem Parteigenossen gestern abend in dem Ningbahnzuge, der um 8 Uhr 8 Minuten vom Pots- damer Bahnhof abfuhr,, liegen gelassen. Sis enthielt verschiedene Exemplare des„Vorwärts", der„Freiheit", die neueste Nummer der „Arbeiterjugend" sawie eine Schlüsseltäsche. Der ehrliche Finder wird ersucht, die Mappe gegen gute Belohnung in der Expedition des„Vorwärts" abzugeben oder Nachricht zu geben, wo die Mappe abzuholen ist. Prozeß gegen öen Schulreformer Wpneken Rudolstadt, 30. August. Der bekannte Schulreformer Dr. Wyneken steht vor der Rudolstadter Strafkammer unter der Anklage, sich an ihm anoer- trauten Kindern sittlich vergangen zu haben. Das Gericht hat trotz Wynekens schärfstem Protest die Oesfentlichkeit samt der Presse ausgeschlossen und die Zeitungen damit auf eine Berichterstattung ongewiesen, die notgedrungen außerhalb des Saales durch Infor- mationen besorgt werden muß. Sollte die Richtigkeit dieser De- richterstattung nachher vom Gericht oder einer der Prozeßparteien bestritten werden, so wird auch das nur den Wert einer einseitigen Behauptung haben. Wann werden endlich auch die noch in ölte- stem Geist befangenen Gerichte einsehen, wie verkehrt der Aus- schluß der Presse ist, wenn schon die sonstigen Zuhörer, manchmal gewiß aus gutem Grund— etwa um nicht Gerichtsverhandlungen zum Sensationskitzel zu erniedrigen— entfernt werden? Die BS.-Korrespondenz gibt folgenden Bericht: Dr. Wyneken, der im 47. Lebensjahre steht, Vater zweier Kinder und von seiner Frau geschieden ist, gründete 1906 die freie Schulgemcinde Wickersdorf bei Saalseld in Thüringen, deren Leiter er bis 1910 war, um dann für einige Jahre Wickersdorf zu ver- Zilmschau. „Die Geliebte Noswolikys.» Die vchandliina gelellsihallllcher Ablmdilälen im Film findet immer ein dankbares Publikum, das sich mit Vergnügen an den sabelhaslen Kapriolen jener Leute ergötzt, die man im gemeinen Leben nur als meschugge bezeichnen würde. Darum liaben die filmlüchligcn Leute der Ufa sich den Roman di£ Herrn Georg Fröichel „Die Geliebte ZioSwolslyS" ausgesucht, in dem ein etwa» verdreht aulge- zogeneS Fräulein(lebeusüberdrüisigcs Theaterproletariati von dem Krösus RoSwolily kurzerhand vor dem Sprung in den nächtlichen Flug bewahrt wird und iozuiagcr, in ein helleres Leben gelangt. Das tüchlrge Fräul'in ent> wickelt ji.zwischcri neben gewissen hochilaplcrischen Talenten isie gilt für die Geliebte des Krösus, ist es aber nicht) ein vielsagendes spbinxqcbaren, das rhr nach einig n Abenleuern den KiöjuS iclbsi in die Arme Ircibt. Diese Gcichia je der ein sentimenlal kitschiger Schluß einen lehr laden Trumps auilctz>, wurde in außeiordtiillicher Äusmachurrg>m Usa-Palait vor- geiühii. Ava Ni cr i err mutzte ihren großen Talente» Gewalt an urr. um das iondcrbare Frärilcin in der richtigen Milte zwischen Kolotlc und süßem Mädel zu bailc». Paul W e g e n e r mühte sich mit dem Krösus Ras- wolsly, der leincm Temperament zu wenig Spielraum ließ; immerhin liev sich die Pcrsöniichleit verkennen. Tie Regie von Felix Bosch hätte eine settcre Hand ertragen. Ausnabmcn und ÄuSslatlung prächtig, nicht zu ver- gessen die schönen Revier-Ausiiahmen. Rote Schulwoche in Neukölln Religion ist privatfache! „Weltlichkeit öer Schule" ist eine alte sozialistische programmforöerung. Warum sabotierst öu sie, indem du dein Kind am konfefstonellen Religionsunterricht teilnehmen läßt! Groß-öerline? parteinacklrichten. Achtung, Fahnen! Jede Abkeilung Hai bis f p ä l e st e n s 2 Ahr mikiags im Bureau des Bezirksoerbandes. Lindensir. Z, eine schwarz-rot-goldene Aahne abzuholen. . Ordner unserer Partei, soweit sie ,»» ihre» Kreise»»l» solch« bestrmmt sind, treffen sich zum Zwecke der gemeinschaftlichen Dcmon- stralioii pünktlich il Uhr im Zrcrh-rtgcbSube, Breit« Strotze S—i, auf dem Hofe. lassen. Ostern 1919 übernahm er die Leitung wieder. Die Zahl der Schüler und Schülerinnen beträgt zurzeit 120. Knaben und Mädchen werden gemeinschaftlich unterrichtet und nehmen ihre Mahlzeiten zusammen mit ihren Lehrern ein. Jeder Schüler und jede Schülerin gehört zu einer Kameradschaft, die sich einen Lehrer als ihren Führer wählt. Die Anklage wirst Dr. Wyneken vor, daß er sich im Sommer 1919 und im Sommer 1920 on Zwei Kna- den feiner Kameradschaft, und zwar an dem 17jährigen Viktor B. und dem 12)4jähr!zen Heinz H., beide aus Berlin, vergangen habe. Durch Erzählungen der Knaben, über die ein früherer Hilfslehrer der freien Schulgemeind« Wickersdorf, ein Student Hoffmann aus Breslau, ein Proto/oll aufgenommen hat, kam die Angelegenheit in die Oesfentlichkeit. Den Vorsitz führt Landgerichtsdirektor Geheimer Justizrat Zotfch«, Anklagevertreter ist Staotsantvolt Bernhardt und Verteidiger Iustizrat Anton K ä n z l e r- München. Der Staats- anwalt beantragt wegen Gefährdung der öffentlichen Sittlichkeit Ausschluß der O'ffentlichkeit einschließlich der Presse- Vertreter. Verteidigung und Angeklagter widersprechen. Wnneken wies darauf hin, daß se-n Name in Verbindung mit der Schul- reform in Deutschland erst kürzlich auf dem internationalen Schul- kongreß in Calais an erster Stelle genannt worden fei, und daß deshalb die Oesfentlichkeit nicht nur Deutschlands sondern ganz Europas ein Interesse daran habe zu erfahren, ob er aus diesem Verfahren als schuldig oder nichtschuldig hervorgehe. Nach kurzer Beratung wird die OessenMchkcit ausgeschlossen. räumten, bekundeten, daß sie von dem Angeklagten niemals über sexuelle Dinge etwas erfahren, hätten. Sehr ausführlich äußerte sich oer Arzt der Wickersdorfe? Schulgemeinde, Dr. Gertz, über die dortigen Zustände. Der Zeuge, der an einer Reihe beut- scher und englischer Internate tätig war, berichtete, daß die Atmosphäre in Wickersdorf so rein gewesen sei, wie er sie nirgends wiedergefunden habe. Der jetzige stellvertretende Leiter oer Wickersdorfer Anstalt L u f e r k e äußerte sich übe: den Hilfslehrer Hoffmann, der den Anstoß zu dem Feldzug gegen Dr. Wyneken gegeben hat. Er be- zeichnet Hoffmann als einen sehr ehrgeizigen Menschen, der in Wickersdorf nicht die erhoffte Rolle gespielt habe und des» halb in seiner Eitelkeit gekränkt gewesen fei. Nach einer Reihe weiterer Aussagen, die neue Momente nicht brachten, wurde der Vater des 12 �jährigen H. vernommen. Er erklärte, daß er die ganze Angelezenhell nicht sehr tragisch genommen und dxshalb seinen Sohn ruhig in Wickersdorf ge» lassen habe, bis dieser aus eigenem Entschluß die Anstalt ver- lasseii habe. Dagegen habe er es sehr peinlich empfunden, daß, nachdem die Vorfälle ruchbar geworen seien, die Wickersdorfer Schulleitung es nicht für nötig gefunden habe, sich an ihn zu wen- den. Erst Dr. Wyneken habe gelegentlich einer Unterredung in Berlin sich wegen dieser Versäumnis entschuldigt. Der Verteidiger hatte außer den vom Gericht geladenen Eni» lastungszeugen sechs weitere Zeugen mitgebracht und beantragte unter Berufung darauf, daß an anderen Gerichten ebenso ver- fahren werde, die Vernehmung dieser Herren. Der Antrag wurde jedoch abgelehnt. Zeug« Dr. Kühnert-Iena bezeichnet« den Angeklagten als einen geradezu einzig in Deutschland dastehenden genialen Päda- gogen. Seiner Wirksamkeit steh« er kritisch gegenüber und müsse sich des Vorwurfes einer einseitigen Parteinahme für Wyneken erwehren. Wynekens Wirksamkeit dürfe nicht mit dem gewöhn- lichen Maßstab gemessen werden. Der praktische Arzt Dr. Je- rasch- Hamburg, ein früherer Schüler oer Wickersdorfer Schul- gemeinde bekundete, daß er noch jetzt mit tiefer Sympathie an Dr. Wyneken hänge, daß er den Umgang mit ihm als das Wertvollste feines Lebens betrachte. Eine sexuelle Einfiel- lung Dr. Wynekens in seinem Verkehr mit den Zöglingen habe er n i e bemerkt. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob er die Vor- nähme derartiger Handlungen bei feinem Sohn« dulden würde, erklärte der Zeuge sehr eni'chieden:„Bei Dr. Wyneken ja." In ähnlichem Sinne äußerte sich der folgend« Zeug« Dr. Kupf«n- der- München, der ebenfalls lange Zeit der Wickersdorf«? Anstalt angehört hat. Der Leiter der Lichtwark-Schule in Hamburg, Dr. Jäger, sagte aus, daß er erst durch Dr. Wyneken die Liebe zum Lehrerberus erhalten habe. Er selbst sei von der H a m b u r- ger Regierung beauftragt, die Ideen des Angeklagten, so- weit sie für die Hamburger Verhältnisie möglich seien, durchzu- führen. Der Schülerkreis Dr. Wynekens habe den Eindruck reiner und freier Mensch«» gemacht, ganz im Gegensatz zu der sonstigen Klein- und Großstadijugend. In später Abendstunde begannen die Plädoyers. ?ugenüveranftaltunyen. Berel» Arleitcr-Iugend. Sekretariat: SW. Tindeastr. 1, I. Aas link«, 2 Treppe» rrcht». Telepboa: BipU 121 08—10. Achtung! Das Iugendfekretariat wird heute um 3 Uhr geschlossen. Achtung! Alle Abteilungen treffen sich zur vemonfkration Mittwoch nachmittag Uhr, Neptunsbrunnen(Schloßplatz). Prenzlauer Derg. Treffpunkt zur Demonstration: Mittwoch nachmittag 4 Uhr, vanziger Straße. Ecke Pappelallee(Normaluhr). heute. Mittwoch, den 31. August, abends 7y2 Ahr: •«DnaSatf Köpenick. Germanen._________..._____.._____., I Dortrag:„Schönlieiten der Mark".—«raß-LIchterselde. Jugendheim Albrecht. straße IIa, Diskusiionsabend.— K-nladaes. Jugendheim Schule Adolfstr. 2Z, ~-----—*--------" Per Jugendheim Rummelsburgi l".— Sraß Slchterselde. I Zugelassen wurde lediglich ein Vertreter der Elt-rnschost der Schul- gemeinde Wickersdorf, Oberregierungsrat Dr. Forfter-Hamburg und Straße. Mädibenadend. Bortrag:„Die Krau im Haus und Beruf".— Osten, ein Vertreter der Justizbehörde. Pctcr-bn-gcr Viertel. Jugendheim Stroßmannstr. 0 iSchuIe), Burschenabend. r,-. fN-rnpfimurm h<> N r I f» Tlr«Mnn-k-n hnCi»r firfi Vortrag:„Gefahren der Großstadtjugend".— Prenzlaner Barstadt. Jugend- In seiner Vernehmung bestrstt Dr. Wyneken, datz er sich Senefeldcrstr. tn, Schul«, Vortrog:„Die Vorläufer der Geroerkschaften im ..'v... T.... V.. C.„■ V.« L..... �. k jT.(„ jS* If. ,J* /S cTr„...„.,.. m i„ y_<«•___ /»-_»___ r.»%_ r,.____ rtef*.. T 1—„mm„M_ Heute, Mittwoch, den 31. August: Z. Krci». Die Parteigenossen, die n i ch t von ihren Betrieben zur Demonstration inarschieren, tressen. sich ptlnktlich 8 Uhr >W»W»WR...... W. Äcttclbcckvlatz. •4. Kre». Prenzlauer Tor. Alle Genossen unb Genossinnen den Belricdsdemonstrationen anschließen können, triff dem Sencielderplatz zum gcmcinlchaftltchcn Abmarsch. Sämtliche Abteilungen treffen sich um tztztz Uhr in rschieren nach dem Ko"'-~~. rvelche sich nicht en können, treffen sich um 2 Uhr auf 0.«reis. Hatlefches Tar. Sämtliche.............. ihren Bcrkehcslokalen und marschieren nach dem liottbuser Tor. Bon dort Abmarsch um'M Uhr. Fahnen sind mitzubringen. 0. Km». Wilmersdorf. Abmarfq zur Dcmonstratwn Wtlhclmsauc, Ecke UHIand- straße. pünktlich 2,30 Uhr. 13. Kreis. Tempelhaf.'Die für heute angesetzte Kreisoertreterversammlung findet wegen der Demonstration am Freitag, den 2. September, abend» " Uhr, im Lnzeum, Martendorf, Am Bahnhof, statt. 10. Kreis. Pankow. Alle Genossen des 19. Kreises, die nicht von ihren Ar- bettsstellcn nach dem Lustgarten gehen, treffen sich um 2ftz Uhr Pankow, Kirche. 14. Abt. Nachmittags Ztzs Uhr Abmarsch zur Demonstration vom Lokal Krüger, Engclufer 23. 22. Abt. All« Genossinnen und Genossen, soweit sie nicht mit ihrem Betriebe demonstrieren, treffen sich am Mittwoch, den 31. August, bei Bauer, Große Frankfurter Str. 1, 3 Uhr nachmittags. Keiner darf fehlcnl 47. Abt. Die Genossen und Genossinnen treffen sich um 3 Uhr auf dem Zep?« lin-f"'" 33. Abt. lin-Platz. dt. Li-i, i m.«m: chterfeld«. Die Genossen treffen sich zwecks Teilnahme an der Bcr» liner Demonstration, soweit sie nicht IN Berlin sind, am Marktplatz, Moltke- itraß«, um 3 Uhr. Abt. Lankwitz. 8 Uhr Mitgliederversammlung bei Lehmann, Kaiser-Wil- Hdm-Straße. Tagesordnung: 1. Bericht vom Bezirkstag. Ref. Dr. Ostrowski. 2. Diskussion. 3. Die bevorstehenden Stadtoerordnctenwahicn. 30. Abt. Marieudorf. Alle Parteigenossen und-gcnossinnen, welche sich an der heutigen Demonstration d-tcillgc», rressen sich, soweit dieselben nicht mit ihren Betrieben obmarschiercn, um 2Vj Uhr auf dem Marktplatz, Marien- dorf, Chaussecstraße, zwischen Berg, und Kaiserstroßc, Bon dort gemein- samer Abmarsch na» dem Lustgarten. Keiner darf fehlen! 11». Aöt. Köpenick. Die Genossinnen und Genossen treffen sich nachmittags 2 Uhr Bahnhof Köpenick. 122. Abt. Biesdorf. Treffpunkt zur Demonstration 5 Uhr am Bahnhof. 123. Abt.«auUdors. Treffpunkt zur Demonstration btzb Uhr Zander-, Ecke Giefestraße. 123» Abt. Kanlsdorf-SLb. Treffpunkt b Uhr Im Iägerbelm. 124. Abt. MaHlsbuts. Treffpunkt 8 Uhr am Gut zur Demonstration. 130. Abt. Reinlckendorf-Oft. Abends 7>4 Uhr in der Aula de» Rralgpmna- siums. Berner Straße, Fortsetzung der Elternversammlung der weltlichen Schule. Zahlreiches Erscheinen notwcndigl z»nas»zialisten. Die für heute angesagten Veranstaltungen fallen aus. Bctei- ligung an der Demonstration. Treffpunkt 4db Uhr Lustgarten. Morgen, Donnerstag, den 1. September: 3. Krei». Wedding. 7 Uhr Pankstr. 00 bei«erfin, Versammlung sämtlicher Elternbeiräte. Wichtige Tagesordnung. Erscheinen unbedingt notwendig. All» soziallstifchen Lehrer sind hierzu eingeladen.— Borstandssißung mit den Abteilungsleitern 7 Uhr bei Kcrsiu, Pankstr. 10. 0. Krei«. H-llesche» Zar. 7 Uhr bei Wolff, Forster Str. 44, Sitzung der Ob. leut« der Elternbeiräte, Unbedingtes Erscheinen, hauptsächlich der soziali- stischen Lehrer, ist erwünscht. 7. K-el». Gharlottenvura. OcffenMche Versammlung abend» 7U Uhr In de» Siemrn-.Ober.Rcalsckule, Srdloßstr. 27. Thema:„Der neu« Schul- a:sc"cntwurs. Zkeserent: Dr. Lehmann. irgendwie an den beiden Knaben geschlechtlich vergangen habe. Im i übrigen berief er sich bei seiner Darstellung auf ein Rundschreiben, das er, nachdem der Dorfall in die Oesfentlichkeit gekommen war, zu seiner Rechtserti-'ung End« 1920 an die Eltern der Wickersdorfer Schüler hatte ergehen lassen. Darin betonte der Angeklagte, daß dl« fraglichen zwei Vorkommnisie, nämlich Umarmungen im nackten Zustande mit zwei Knaben, ober ohn« jede sexuelle Betätigung, zweifellos etwas Ungewöhnliches darstellen. Das Besondere, das in diesem Vorfalle tieye, erklärte Dr. Wyneken damit, daß unsere Kultur keine Nacktheit, sondern nur eine Ausgezogenheit mit geschlechtlichem Endzweck kenne. In dieser Anschauung habe sich in letzter Zeit ein gewisser Umschwung vollzogen. Es dürfe gesagt werden, daß diese Entwicklung unseres Geschmacks und unseres Urteils nicht an der Badehose halt machen werde, sondern, daß man die Nacktheit als etwa» Natürliches. Selbstverständliches empfinden werde. In der freien Schul- gemeinde habe man diesen Schritt bereits getan. Man bekenne sich wieder zur Nacktheit als einem natürlichen und sittlichen Zu- stand, der on sich kein« Sexualität aufkommen lasse und daher keinen aufreizenden Charakter trage. Die Wickersdorfer Jugend mitsamt iihren langjährigen Führern habe von jeher so empfunden. Er selbst, Dr. Wyneken, habe sich diese größer« Unbefangenheit der Nacktheit gegenüber seit vielen Jahren zu eigen gemacht, und halte sie für ein wichtiges Erfordernis der jetzigen Generation. Er halte es auch für wichtig, daß em Erzieher auch in diesem Sinne er- zieheri'ch wirke, seine Einstellung der Jugend übermittele und ihr hierin vorangehe. Was die Intimität der Beziehungen beträfe, die gelegentlich auch in Kuß und Umarmung ihren Ausdruck finden kann, so empfinde er, daß die Hauptarbeit der Erziehung geleistet werde durch die täglichen unmittelbaren Einflüsse eines im edleren Sinne kultivierten Gemeinschaftslebens der Jugend mit ihren er- wachsenen Führern. Das persönliche Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern werde beherrscht von dem Bewußts«in eines innigen Zusammengehens, tiefer Treue, von einer innigen Hingebung von der einen und von einer tiefen persönlichen Zuneigung von der anderen Seite. Der Ernst und die Heiligkeit eines solchen Der- hältnisses mache es ganz umnözlich, daß feine Ausdrucksform, wie- wohl auch einmal bei Kuß und Umarmung, eine triviale, fentimen« tale oder sinnliche werden könnte. Dr. Wyneken bestritt, wie er dies gelegentlich einer Elterversommlung gegenüber im Jahre 1920 getan hotte, ganz entschieden, homoseruell veranlagt zu lein. In längeren Darlegungen äußerte" sich Dr. Wnneken über seine pädagogische Wirksamkeit und über die Ziele, die ihm beim Aufbau der freien Schulgemeind? Wickersdorf vorschwebten. Die Zöglinge B. und H. seien von den Lehrern nicht günstig beurteilt worden, er habe sich ihrer angenommen, sie innerlich gefördert und zu tüchtigen Schülern gemacht. Kuß zum Abschied, Umarmung als J<-P«3vc}dnrf Mittelalter".— Rsfeutbal. Jugendheim Schule Kaftanien.Allee, Mitgliederver- fammlung.— Südost, Köpenick«» Viertel. Zugendheim Schule Wrangelstr. 123, Mitgliedern ersvmmlung.— Südwest,»elcheiidera«, viertel, gentraliimendheim 1.— vcdding. Jugendheim Müller-, Ecke Zie freigeioerischaftliche Jugend". Mitgliedern ersvmmlnng Llndenstr. 3, Mitgliedcrversammlun Triftstraße, Kinderhort, Bortrag: Vorträge, vereine unü Ver5l»mmwnaen. Freie Lehrrrgewerkschast. Mittwoch nachmittag 4 Uhr, Hinter der Garni- sonklrche, Abmarsch zur Demonstration. Alle Kollegen zur Stell«.— Intel. nationaler Band der Kriegsbeschädigten,-tetlnehmer»ad Kriegerhinterblirbeaen. Achtung Kriegsopfer! gu der pon den Parteien am Mittwoch, den 31. d. M., nachmittags 4 Uhr, Im Lustgarten einberufenen Demonstration gegen die in letzter Zeit erfolgten Auswuchs« der Reaktion, sordern wir restlose Beteiligung sämtlicher Kriegsopfer. Bon Mittwoch, nachmittag 2 Uhr, ad, bleiben dt« Ge- Ickäftsräume der Gauleitung Berlin-Brandenburg, Berlin SO. 33, Görlitzer Straße 40, wegen der Demonstration geschlossen.— Ortiansschnß für Arbeiter- icrstag, den 1. September, abends 8 Uhr, im Lokal ich-. Ecke Wilhclmstroße, erstmalig«ine Mitglieder- ae Rowawea. Tag-»ordnung: Bericht von der Gene- äste und Inter- tung veranstaltet am Donnerstag „Deutsche Festsäle", Friedrich-, Versammlung der Ortsgruppe 9._ raloersammluntz in Berlin und Wahl eine» Orttvorstande». essenlcn sind eingeladen.__ Mus aller Welt. Schlleßuag weilerer Sporttonzern«. In Dresden l/'ben in den letzten Tagen nicht weniger als sechs weitere Sportkonzerne ihr Dasein aufgegeben. Durch die Kriminal- pclizei wurden der Elbflorenzlonzern, der Fortunatonzern, der Handicapkonzern, der Matadorkonzern und zwei weitere Kon- zerne aufgehoben. Wettgelder wurden diesen Konzernen in Höhe von je 100 000 bis zwei Millionen Mark zugetragen. Bei allen Kon- zernen zeigten sich große Unterbilanzen. Geschäftliche Mitteilungen. Da« 7.Zlahrige GcschäftsjubilSnm felern im September d. Z. die V e i n- ** 5vn nrse 5 1* c 33 i n f e I h a u f• n in Vr.-Staraard(Staro- garb). Im Jahre 1846 grUndete der Kaufmann Winkelhausen nach seiner liebe?. ftcMung von Danzig nach Pr.-Staraard ein Kolonialwaren- und Destillations» aeschaft, aus dem die jetzige Wcltfcrma entstanden ist. 1200 Angestellte und «fettet stehen in ihrem Dienst. Di« bekannten Marken sind: Weinbrand "5l*i Reserve",„Weinbrand-Berschnitt",„Deutscher Rum", Wermunvein „Toroeuo. v. W. bestimmt. Griefkaften üer Reüaktion. Ja, sosern kein Testament vorhanden ist, da» etwa» anderes Auf Sic und Ihre übrigen Gefchister entfällt die Hälfte des Werte, des Nachlasses. Ihre Schwägerin'ist zur Auskunttserteilung verpflichtet. u. K. 4/8. l. Nein. 2. Di« Rachlaßsteuer. Ihre Höhe richtet sich nach dem hfliahrnck oeaen'eitiaer B-weonnn s-l in Wickersdorf durcbcius üblicki der Berwandtschaft und dem Wert des Nachlasses.— R. K. 24. Das . ni'• halten- Wahl- Vorschlag Str. l 1 Stimme, Wahloorichlag Rr.» SSlimmen. E, stnd demnach gewählt vom Wahivorschlaa Nr l 4 Vertreter, »nd zwar Rr. 1 bis 4 und 12 Erlagmänner. Nr.» bis>6. vom Wahlvorschlag Nr. Il die beiden vorgeschlagenen Vertreter. Die Giiliigkeit der Wahl kann innerHaid zwei Wochen nach der Be>annimachung des Wahlcrgebnill»» beim Borstand oderVe-stcherungsamt derEtadl Berlin angefochten werden. Von den wahlberechtigten Arbeitqebria ist nur ein»Ul- tiger Wahlvorschiag eii gegan- gen. enthaltend S Vertreter und SErs-gmänner, eingereicht durch Herrn Willi Stolle, Berlin- Marieydors, Ehausseestc. Wd, beginnend mit Willi Stolle, Avtetiungsvorstehec, Berlin- Mariendorf. Ehaulleestr. 268. Sämtliche Vertreter und Ersatz- männi-r dieser List» gelten ge- män 89 der Wahlordnung al» gewählt. Berltn-Marievdorf, den 29. August 1921. See Vorstand. Aug. Leip, Borstgeuder. Baechler, Schrislfllhrer. Obftv erkauf! (Aepfel und Birnen) findet an Bertiage», vormittag» 7—>2, nachmittag« 2-6 Uhr, aui hiesigem® tshol statt Veriand frei Hau» kann nicht«rsolgen. Stadtgut Osdorf, Bahuftatw»«rob-sicht-rlelde-vst. » m■ M»» kk, an■ nr»■»4»» sas■ m■ ill»■ bb-> B Schwarzorot'soldcne und i ParÄoJer, Psi««U Fatol, liefert zu Fabrikpreisen,! ■ PAUL KUST| i Erste Berliner Ähzeietien-, Band- und Fatinenlatirik- | Berlin C 19, Seydelstr. 19a.| für 60 Glyioran-Tahrscbein« crhalken Sie in jedem besseren GeichÄft eino echie Original- Dose Glyaoran-Scnuhcpcme gwUiV Sieh* doch mal. � die hübsche Kleine.'V: iammell Glvssomn- Fahr scheine- � Kriegsanleihe wird zu 84% in Zahlung genommen. Soeben erschien Nr, 49' 50 der Kleinen Bibliothek der Ryssischen Korrespondenz A. Bubnow 3758b» DieKauptmomenteinderEntwickluni) der Kommunistisch. Partei Rußlands Inhalt: Diel Perio-en der Parlelgeschichte/ Vom; Arbeiterzirkel zur»ozlaldemokratischen Partei/ Die'■ Entstehung des Bolschewismus und die grundlegenden; Etappen seiner Entwicklung/ Bildung der Kommunlsti-; sehen Partei RnBlands/ SchluBbemerkungen 78 Selten Preis H. 1. Zu beziehen durch Frankes Verlag g. m b h.. Leipzig i\2 4P10scUniänte[.. 750 1100 Pelzmäntel.... 2800 3400 Uister........ 265 417 Astrachanmäntel 300 480 Ipf7}i Sommermäntel u. Kostüme sehr sehr billig!!! Irapr. MSatel 140 Impr. Ssidcnmäatel 240 CovercoatmiDtel 176 Kostüme 208 aummlmüQtel f. Damen 298, fiamminiüntsi fJerren 372 Kantelkleider 330 Röcke 68 BaumwoHene Sportjacken 40 in blau Wollene a. kaastsaideaa Saarljacieji in aiiea Farben] 140 Westmann 1. Geschäft: Berlin W, 2. Geschäft: Berlin NO, MohrenstraBe 37a Gr. Frankfurter Str. 115 Kreuzfüchse 350 M. 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Schauspielhaus (KarlstralSe) 8; Die Weber(10. Abt, 6 Ab.) Do.S: Die Weber( 1 1. A., 6. A.) Theater i. ä. KSuigprätzer Str.' 7.3: Uhr; Notruf Donnerstag: Sntana Maske Mit dem Feuer spielen (Orska, Riemann, Bildi) Freiiag: Satans Maske— Mit dem Feuer spielen Komtidienliaus 7.30 Uhr: Der blonde Engel Berliner Theater Allabendlich 780 Uhr: Volksbühne Theater am Bülowplatz i'w Der Opernbali lessing-Theater Heute 7V, URr Qie Eallerina des Königs (Leopoldine Konstantin) Donnerstai» bis MontaR 7'/,: Ein idealer Gatte (Tilla Durieux) Deutsches Künslier-Thealer Heute 8 Uhr: Wem gehört Helene? Valettl, Waßmann, llerrmann Donnerstag bis Montag 7l/2: Die Ballerina des Königs Leopoldine Konstantin '>2ÄV KVL% o�T�e ß-Czinz,/ oC e c or � er-t Oentral�Tlieater 8 Uhr: Jlonka Morg. 8Uhr: Postmeisterio l>eiit»ch.Opeianhan» uhr Dolimaiins Erzähiiinger Krledr. Wiliiclui8t.'i,li. ühr: Die Kleine aus, der Hölle KT. SclmnHptelliaufS 7v, Uhr: Reigen notropol-Tli«-ater Jhf Die blaue Mazur Steile» 4>perettentheat. 7./5uhr American-Girl Kenc» Thcat. a. Zoo 7'/s u.. Die kleine Lecassol NciiJller-T2ieac«€!liarl* Tin uhr Nora SchloBpnrk- Th. Steglitz 7V. u,: Maria Magdalena Thuiin-Thenter 7% uhr: Mascottchen Th.awN' olieu(lorf|>lKtK u� Der Vetter aus Dingsda Tlieutor des Westens 7». u. Die Braut d.Lucuilus Th.i.d.Kommundnntenätr. 7 uhr Die Dielenhexe Wall in- r- Theater 7vJuhr. Nixchen Walhalla- Theater uhr; Die Sciieidungsreise Volksoperette Wallisilla-Theaifer Eröffnung i. September Die schone Helena Besidenz-Theater Täglich 7Vz Uhr PauJ Wegencr Irene Trieseh Paul Biensieidt in Totentanz trianon-Theafer Taglich 8 Uhr: ie8a Wüst 8 Uhr: Jugend CäSIliO-TBESTEB Lothringer Str. 37— Tägl. V«8 Das neue Eröffnungs- Progr. mit der Spilrbutionpasse Sxzetlenz ZKsxe. Vorher: Das laktige Singspiel Und wem es just passieret Sonntag SV?: Mittelarrest. Folies Caprice Linienstr,132 amOranienbg.T. Täglich 8 Uhr: D. Geliebte a.Teilung Fiebertaumcl Rcntschen�Keserltz mit Ferd. Orüneckcr Berliner frater Kastanien-Allee 7—9 Internationale Ringkampfs Konkurrenz :: Variete:: -rtstATfi, ««• )»»« t/, "h JV 7H Internationales August- Programm t Opium Träume' Einellftremsgesebichie| mit 24 L/aueo[ sowie 10 Sensationen! Theater a. KottbuserTor Tel.: Morltzpl. 16077 Täglich 7»,o Uhr Elite- Sänger — 10 Herren!— Komik! Typen! Lacherfolg I ? �3_V v kf. 1 1• 1 V8 u. 4-6 U h r �dmirals?alast 74/a Uhr; Die roten Schuhe Pelz- Haus LeipzigerStr. 58 Zahlungserleithlerung Haas» Heye- Ballett sowie der groPe — Variete-Spielplan— _ Rauchen gestattet! MWlMe. Hntstifdie Molen iiftD., Unfair, SicrtauHlmtaufd) chr-7obcif* Gustav Ratzel, wr".n Jlarkgrrafenstr. 50. VonvöttsstrevenSe und erfindet (Bufe®cibien(lnibnlid)lfit(n Unltldcnng unh Anregung gtbcnbf Vroschiire: Ein neuer Geist? srndet gratis ?. Erdniaun& Co., Brriin Jlbntcarähpr Str. 7V Ntttzeisen jeder Art: :Nu»b-, j?lach-, Quadrat- u. 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Ueber die mit dem gesetzlichen Achtstundentag innerhalb der Industrie gemachten Erfahrungen sind schon mancherlei Auslassungen von Unternehmerscite laut geworden, die mehr oder weniger von starken Vorurteilen beeinflußt waren und vorwiegend ungünstig lauteten. Derartige Urteile haben sich mehrfach auch in die Jahres- berichte der Gewerbeaufsichtsbeamten eingeschlichen. Das ist auch wieder in den jetzt vorliegenden der sächsischen Eewerbeaufsichtsbeamten aus dem Jahrs 1920 der Fall. Ja, es werden sogar sehr anfechtbare Berechnungen einzelner Großunter» nehmer wiedergegeben, die beweisen sollen, daß die Arbeitsleistung seit dem Bestehen des Achtstundentags wesentlich zurückgegangen sei und sogar die Stundenleistungen die frühere Höhe noch nicht wieder erreicht hätten. Wir wollen solche Behauptungen nicht ohne weiteres generell als unwahr hinstellen. Es bestehen leider auch beute noch, wie auch im Berichtsjahr 1920, eine Anzahl Ursachen, die sehr wohl ungünstig auf die Arbeitsleistung einwirken können, vor allem der noch immer schlechte Ernährungs- zustand, die Einwirkungen politischer Kämpfe— die sächsischen Gcwerbeaufsichtsberichte weisen besonnders auf den Kapp-Putsch hin—, die im Kriege abgearbeiteten Maschinen und Werkzeuge, schlechte Ersotzöle und Ersatzstoffe und viel- fach auch die Erwägung, daß rasches Arbeiten infolge ungenügender Aufträge nur einen früheren Eintritt der Erwerbslosigkeit zur Folge hat. Daß unter solchen Einflüssen die Arbeitsleistung niedrig bleiben kann, soll ja nicht bestritten werden, falsch ist es aber, diese Min- derlei st ungen mit dem Achtstundentage in Verbin- dung zu bringen. Dieser Fehler wird allerdings auch in den vorliegenden Jahres- berichten der sächsischen Gewerbeaufsichtsbeamten, wenigstens vereinzelt, gemacht. Es finden sich darin aber auch sehr beachtliche Mitteilungen über günstige Erfahrungen mit der achtstündigen Arbeitszeit. So wird aus dem Regierungs- bezirk Bautzen mitgeteilt, daß dort eine Leinenweberei nur 5 Tage z u je 8 Stunden am Tage arbeiten läßt,«eil die Erzeugung an den Webstühlen ganz erbeblich gestiegen ist und jetzt in S T o g e � dasselbe erzielt wird wie früher in 6 Tagen. In der Stickereiabteilung dieses Unternehmens wird jetzt, so heißt es weiter, nichtnurin8Stundendasselbegeleistet wie früher in 10,„die Arbeiten sind jetzt auch viel saube- rer, weil bei der kürzeren Arbeitszeit Augen und Nerven nicht in dem Maße angestrengt werden wie früher bei einer zehnstündigen Arbeitszeit." Ei" Glashüttenbesitzcr in demselben Bezirk hat bekundet, daß die Stücklohnarbeiter jetzt bei 8 Stunden das- selbe leisten wie in der längeren Arbeitszeit vor dem Kriege. Eine Bautzener Waggonfabrik hat einwand- frei festgestellt, daß durch die Einführung des Achtstundentags zwar die Gesamtleistung etwas zurückgegangen, die stündliche A r- beitsleiftung jedoch erheblich gestiegen und noch im Steigen begriffen ist. Neben ungünstigen, in der Hauptsache auf Kurzstchtigkeit zurück- zuführenden Urteilen finden wir in dem erwähnten Jahresbericht noch mehr Feststellungen über günstige Erfahrungen mit dem Acht- stundentage. Erwähnt sei nur noch die Mitteilung aus dem Kreise Ehomnitz, wonach dort der Achtstundentag bei den Arbeit- gebern immer mehr Freunde gefunden habe, und die Auslassung eines Direktors einer großen Teigwarenfabrik im Meißener Bezirk, der betonte, die Einführung des Acht- stundentags„sei keineswegs eine der Industrie schäd- liche Errungennschaf t". In einer Zeit, wo industrielle Scharfmacher dem Achtstundentag zu Leibe gehen möchten, sollten solche und ähnliche Beurteilungen nicht imbeachtet bleiben. GroßBerün Die Republik. von heute an— die Republik!— Zwei Lager nur auf Erden: Die Freien mit dem kühnen Rlick, Die Sklaven, um den Hals den Strick! Sei's! ZTlag's entschieden werden! Die Republik, die Republik! Vive la Republique! Sonst aber— hoch die Republik Z— stein Kriegen mehr und Spalten. Rur fester Bund zu Lieb und Glück! Rur Bruderschaft— die Republik— Und menschlich schön Entfalten! Die Republik, die Republik! Vive la Republique! Die Republik, die Republik! Wohlan denn, Rhein und Elbe! Donau, wohlan— die Republik! Die Stirnen hoch, hoch das Genickt Eu'r Feldgefchrei dasselbe: Die Republik, die Republik! Vive la Republique! Freiltgrath. Das politische Kleiü. Allzusehr sind wir geneigt, bei der heutigen heranwachsenden Generation den Wert aus ihre geistige Reife, sonderlich in ihren poli- tischen Anschauungen zu legen. Mir erscheint es als falsch: nichts zerstört mehr das Bild eines noch unvollendeten Menschen als die Frühreife. Natürliche Anmut verbunden mit dem flammenden Feuer jugendfrischer Begeisterung, mag sie auch über das Ziel hinaus- schießen, erscheint mir als das Primäre in der Forderung für die Jugend. Ich wollte sagen, um auf den praktischen Fall gleich zu sprechen zu kommen, es widert mich an, jugendliche Wandergenossinnen zu jeder alltäglichen Gelegenheit ihre dürftige saloppe Wandergarnitur zur Schau tragen zu sehen. Auf dem ersten Blick wollen sie an ihrem Anzug schon zu erkennen geben, daß sie diejenigen sind, die alle Brücken zu der bürgerlichen Welt hinter sich abgebrochen haben, daß sie in dem Kleid der Petroleusen sähig sind, zur Tat zu schreiten (o weh! die Taten mögt ihr sehen!). Alle Grazie und alle Anmut ist aus der Figur eines solchen Mädchens verschwunden. Aus einem groben, möglichst bunten kittelartigen Kleide hängen ärmellose Arme und nackte Beine, die zum Ueberfluß dann noch in ausgetretenen, absatzlosen Sandalen stecken. Das Haar ist am Hals abgejchnitten und wird durch ein Stirnband zu einer Gustao-Nagel-Frisur. Der ganze Körper hat keine Haltung und hängt in den Hüsten. So schreiten diese jungen Mädchen dahin ohne Grazie und Rhythmus, ohne freundlichen Anblick für die anderen, nur der Ausdruck ihrer künftigen Bestimmung: Gebärmaschinen. Liebe Iugendgenossinnen! Ich weiß, daß diese Philippika zweck- los ist, daß ihr mich auslacht. Auf Grund eurer klügeren politischen Moralanschauung, die euch berufen hat, die Trägerinnen großer weit- erschütternder Dinge zu werden, von denen sich mein beschränkter Verstand noch nichts träumen läßk. Ich wollte euch auch nur an dem kleinsten Zipfel eurer Eitelkeit etwas ziehen, damit ihr nach- denken lernt, daß Rom nicht an einem Tage gebaut ist. Ich wollte nur, daß eure braven Väter und Mütter nicht ganz in den Wind hineinreden, wenn euer Ideentreis ihre alten sozialistischen An- schauungen schon durchbrochen hat. Ich für meinen Teil liebe schöne, gutangezogene Frauen in einer natürlichen freien Haltung, ich liebe sie mehr als die zigeunernden Mädchen, die in rücksichtsloser Arro- ganz alles durcheinander werfen: Natur— Politik— Ideen und— Geschlechtlichkeir. Auch Männer gibt es dieser Art(ihr seht, ich bin nicht einseitig), die barfuß in Kniehosen und kurzer Joppe(möglichst ohne Hemd) wie aus einem russischen Gefangenenlager entsprungen austder Straße herunilaufen. Man sieht ihnen die wahrhaften An- archisten und Syndikalisten schon von weitem an, aber die Kenner sagen, das sind die Harmlosen im Geist, die lassen wir laufen, die tun keinem Hasen etwas zu Leide Daß diese Männer einen Schwur geleistet haben, vorerst kein Schcrmesser auf ihr edles Haupt kommen zu lassen, ehe die Diktatur des Proletariats eingerichtet ist, das ver- steht sich von selbst. Wie ich aber recht habe, das möge euch ein eklatantes Beispiel beweisen: Seht euch die Genossinnen an, die als Turnerinnen und in der Arbeitersportbewegung ihren Körper trainieren. Welche Anmut und Fülle des Schönen, die durch jedes Gewand hindurchleuchtet, auch wenn es ärmlich ist. Das Disziplinierte ihres Körpers kommt auch ihrem Wesen zugute, das ist das, was euch fehlt. Jugendwandern und Turnen, könnt ihr euch ein edleres Geschwisterpaar wohl vor- stellen, ihr künftigen Arbeiterfrauen? Bor Neid sollt ihr platzen, wenn euch das nicht gelingt! Die Demonstrationen und öer heutige Verkehr. Der Straßenbohnverkehr in Groß-Berlin wird sich trotz der Demonstrationen in gewohnter Weise abwickeln. Entsprechend dem gestrigen Magistratsbeschluh wird jedem Straßenbahner, der an der Kundgebung teilzunehmen wünscht, Urlaub erteilt werden, doch ist daraus Rücksicht zu nehmen, daß der Betrieb in vollem Um- fange aufrecht erhalten bleibt. Die städtischen Arbeiter und Angestellten, mit Ausnahme der Arbeitnehmerschaft in den lebenswichtigen Betrieben, werden um 2 Uhr die Arbeitsstätten oerlasien. Lohnabzüge für die ausfallende Arbeitszeit werden nicht vorgenommen. Die Verkehrsunternehmungen werden den Betrieb in gewohnter Weise durchführen können, da die Gewerkschaften sich mit den Be- triebsräten der Straßenbahnen, Hochbahn- und Omnibusgesellschaft in Verbindung gesetzt haben, um eine glatte Abwicklung des Ver- kehrs, die vor allem im Interesse einer ruhigen und schnellen Auf- lösung der Demonstration liegt, zu sichern. Absperrungen an der Bannmeile. Die Bannmeile wird heute, wie stets bei Demonstrationen, von Postenketten besetzt werden. Besonders auffallende Schilder sollen die Führer der einzelnen Züge rechtzeitig auf die Bannmeile auf- merksam machen und ihnen Gelegenheit geben, die Trupps abzu- leiten. Im übrigen werden bis zur Auflösung der Kundgebung verstärkte Patrouillen die Straßen durchziehen. Millionenöiebstahl in einem hötel. Der Zimmernachbar als Einbrecher. Ein dreister Juwelendiebstahl, der dem Dieb, trotzdem er gestört und gezwungen wurde, den größten Teil der Beute zurückzulassen, Juwelen im Werte von über eine Million Mark einbrachte, wurde in einem 5? o t e l in der Nähe des Gendarmenmarktes verübt. Dort war der Vertreter einer auswärtigen Iuwelenhandlung abgestiegen und hatte ein Zimmer im dritten Stock bezogen. In einer Hand- tasche führte er Juwelen aller Art im Werte von mehreren Millionen bei sich. Um zu oerhindern, daß ein Dieb die Zimmer- tür mit einem Nachschlüssel öffnen könnte, hatte er in das Schlüsiel- loch ein besonderes kleines Schloß eingeschoben, so daß die Tür nur mit einem eigens hierzu konstruierten Schlüssel zu öffnen war. Als nun der Vertreter der Iuwelenhandlung um 8 Uhr das Hotel verlassen hatte, machte sich sein Zimmernachbar an die„Ar- beit". Er rückte zunächst den Schrank, der vor der Verbindungstür in seinem Zimmer stand, etwas beiseite und erbrach diese mit einem Stemmeisen. Im Zimmer schnitt er die Handtasche auf und nahm daraus eine große Anzahl Schmucksachen. Als der Iuwelenhändler um 10 Uhr heimkehrte, entdeckte er den Diebstahl. Das Stemmeisen, mit dem der Dieb die Verbindungstür erbrochen hatte, wurde noch Sruöermorö. Eine Erinnerung von Hans Gothmann. Leutnant Helmut faß auf dem kleinen Balkon, der weinumlaubt schmale Blicke auf die Straße und ihr plötzlich kriegerisches Treiben gestattete. Sein zartes Gesicht, das von einer leichten Schwermut nicht ganz frei war, war streng und ernst. Seine Schwester, blond und mit einem Ausdruck in dem natür- lich frohen Antlitz, den nur ein gutes Herz zu schaffen vermag. räumte das Kaffeegeschirr ab und trat dann leise zu ihrem Bruder. „Du bleibst doch heute hier, Helmut?" fragte sie, besorgt und bittend. „Um vier Uhr tritt das Standgericht zusammen." erNärte er ruhig.„Ich führe den Vorsitz. Wir haben noch so ein paar Ha- lunken abzuurteilen. Werden einen tüchtigen Denkzettel bekommen." „Ihr werdet sie doch nicht töten?" fragte sie erschrocken und hielt ihr banges Gesicht vor feine ruhigen Augen. „Möglich ist es. Die haben es ja nicht bester verdient. Solches Gesindel ist nicht wert, daß es lebt. Und dann muß auch einmal ein abschreckendes Beispiel geschaffen werden, damit wir endlich Ruhe kriegen." „Aber Ihr habt doch die Stadt in Eurer Gewalt," sagte sie nicht ohne Vorwurf.„Es ging doch alles gut. Was haben denn die armen Menschen verbrochen? Ist es denn nötig, daß man über die Maßen grausam ist?" „Macht wird zur Farce, wenn sie nicht ständig ihren Gegnern fülflbar bleibt." Seine schmalen Lippen kniffen sich ein. „Du willst töten?!" Abwehrend hob fi« die Hände gegen den Bruder. „Verurteilen. In solchen Zeiten hat Gnade und Milde kein Wort mitzusprechen. Oder glaubst Du. daß jene, währen wir in ihre Hände gelangt, gnädig mit uns umgegangen wären? Wir j sieben im Kampf. Ich bin der Vollstrecker einer Macht, von der ich■ will, daß sie endgültig die Herrschaft habe, einer Macht, die jene' schon gestürzt hatten und die sich Herne wieder erhebt und nur sieg- hast bleiben kann, wenn sie ihre verhaßten Gegner erbarmungslos niederschlägt. Wir sind Soldaten." „Ihr seid Menschen!" Das war wie ein Schrei. Ihr Gesicht war wie von etwas Unfaßlichem entstellt. „Davon verstehst Du nichts, Schwesterchen," sagt« er bestimmt. „Aber rege bitte die Mutter nicht mit unnötigen Schreckensnach- richten auf. Du weißt, daß die paar Schüsse in der Stadt, Soldatenschritt und Kommandoton sie schon krank gemacht hat. Ihr habt kein starkes Herz. Soge ihr, ich gehe die Posten in der Stadt ab. Ich bin um S Uhr zurück. Und jetzt muß ich los." Er stand auf. Seine knabenhaft schlanke Gestalt reckte sich einen Augenblick auf. Else trat ihm in den Weg. „Sei Mensch, Helmut," bettelte sie,«und richte nicht über an- dere." „Mensch bin ich gern bei Dir und wo es sonst noch angenehm ist, Mensch zu sein. Wo ist mein Helm? Ich muh zum Dienst! Und Du weißt: Im Dienst, was es auch für einer sein mag, sind wir alle niemals Menschen." Lächelnd gab er ihr die Hand und wandte sich rasch ab, weil ihn ihr trauriger Blick gefährlich traf. Sie hörte, wie seine Sporen klirrten. Sie fror plötzlich und trat rasch vom Balkon ins Zimmer, das dunkel hinter schweren Vorhängen lag. « Das Standgericht trat um 4 Uhr zusammen. Punkt 4 Uhr erschien der Leutnant. „Sind die Kerls zur Stelle?" schnarrte er. Ein Feldwebel:„Jawohl, Herr Leutnant, sie warten." „Hereinführen!" In dem geräumigen Zimmer saßen vier uniformierte Menschen an dem Tisch. Ein paar Akten lagen da. Die Asche der Leutnantszigarette fiel auf den Tisch. Sechs Männer traten ein. Zwei Posten blieben schußfertig an den Tür- psosten stehen. Leutnant Helmut sah nicht auf. Er bemerkte nicht, wie dem einen der sechs, einem jungen Menschen, ein freudiger Schreck durch- lief. Nervös blätterte er in dem Schriftstück, sog an der Zigarette und warf den glimmenden Stummel fort. Die Sechs standen mit weiten Augen, in denen Bestürzung, Furcht und eine gewisse Neugierde unruhig flackerten. Sie waren junge Männer in Arbeiterkleidung, nur der eine hatte einen leise angegrauten Bart. Er machte den Wortführer. Ohne auszuschauen las der Leutnant die Namen vor. Als er „Heinrich Liebe" las, stutzte er einen Augenblick. Er griff mit der Hand nach der Stirn, wischte über sie, als wollte er sine plötzliche Erinnerung fortwischen. Dann fragte er doch: „Sie waren im Felde?"—„Jawohl."—„Wo?"—„Bei der sechsten Fußartillerie."—«Als was?"—„Als Bursche des Herrn Leutnants." Es war, als wollte Leutnant Helmut auffpringen. Der junge Mensch, in besten Augen er seine Blicke nicht zu senken wagte, starrte vornübergeneigt aus den scheinbar ruhigen Offizier. Aus seinem Blick sprach noch eine so große Ueberraschung und Freude, und er schien etwas so Unerhörtes zu erwarten, daß sein ganzer Körper zitterte. Aber der Leutnant schwieg. Länger, als Heinrich es ertragen tonnte. Mit ergriffener Stimme wollte er beginnen: „Herr Leutnant....." Leutnant Helmut schlug mit der Faust auf den Tisch. „Schweigen Sie, wenn ich Sie nicht frage...." Heinrich duckte sich wie unter einem Schlag. Gleich darauf er- klang es streng: „Emil Biskop...." „Hier!" „Sind die Leute geschlagen worden?" � „Jawohl, Herr Leutnant." antwortete der Feldwebel. „Sie sind Kommunisten?" Der Graubärtige antwortete:„Nicht alle." Er nannte drei Namen. „Sie wissen, daß seid gestern nacht das Standrecht ver- hängt ist?" „Jawohl..., ober..." „Schweigen Sie!... Sie haben gemeinsam in der Werder- straße gestern nacht eine Doppelpatrouille des Zeitkorps...... überfallen und der Waffen beraubt?..." „Jawohl, wir..." „Reden Sie nicht! Nach dem verkündeten Standrecht sind die..." er schnarrte die Namen...„zum Tode verurteilt. Das Urteil ist in einer Stunde zu vollziehen. Feldwebel, Sie stellen zwanzig Mann und übernehmen die Führung!" „Zu Befehl. Herr Leutnant!...." Der Graubärtige wagte zu sagen: „Dürfen wir denn nicht ein Wort zu unserer Verteidigung----" „Ich will nichts mehr hören. Der Tatbestand genügt." Leutnant Helmut stand auf, die drei Soldaten neben ihm klappten mit den Absätzen. Er hob eisig die Hand. Dann brüllte er, wie, um etwas in sich zu überschreien: „Ihr habt es ja nicht bester verdient, Ihr Halunken!..." Da stürzte Heinrich Liebe vor. „Herr Leutnant, ich bitte Sie..." „Ich habe jetzt keine Zeit mehr!" „Erinnern Sie sich denn nicht „Nein!" Die Tür schlug hinter ihm zu. Die sechs starrten sich ratl»»«. Der eine junge Posten grinste häßlich. Der Feldwebel fluchte gotteserbärmlich in sich hinein. gefunden. Seine Beute besteht in der Hauptsache aus mit Brillanten besetzten Platinringen und grüngoldenen Dainenhand- t a s ch e n. Auf die Wiederbeschaffung wird eine hohe Belohnung ausgesetzt. Zweckdienliche Mitteilungen, die auf Wunsch streng vcr- traulich behandelt werden, sind an die Dienststelle des Kriminal- komissars Gennat im Zimmer 105 des Berliner Polizeipräsidiums zu richten. Bon dem Täter fehlt bis jetzt noch jede Spur. Eisendahnzusammenstoft bei Niederschöncweidc. Ueber einen Eisenbahnunfall, bei dem leider auch einige Eisenbahnbeamte verletzt wurden, gibt die Eisenbahn- direktion Berlin folgende amtliche Mitteilung: Gestern abend um S.43 Uhr abends stieß eine Lokomotive auf der Strecke Neukölln— Niederschöneweide auf der eingleisigen Strecke Neu- kölln— Baumschulcnweg mit einem Güterzuge zusamm eV Beide Lokomotiven, ein Packwagen und ein Güterwagen wurden beschädigt. Leicht verletzt wurden Zugführer Mahler, Nieder- schöneweide, Schaffner Nölte, Adlershof, Lokomotivführer Böhm, Niederschöneweide, Heizer Leder-Oberschöneweidc, Lokomotivführer Brestar, Niederschöncweide, Heizer Gebert, Werkstättenamt I. Zug- führer Möhler mußte in das Krankenhaus Buckow überführt werden. 'Die übrigen Berletztcn konnten nach Anlegung von Notverbänden in ihre Wohnungen geschafft werden. Die Voruntersuchung hat er- geben, daß die nach Niederschönewcide bestimmte Lokomotive den Bahnhof Neukölln zu früh verlassen hat. Die Untersuchung ist noch nicht abgeschlossen. Eine Störung des Eisenbahnverkehrs trat durch den Unfall nicht ein, da der Verkehr durch Umleitungen aufrecht- erhalten werden konnte. Gegen die Tunzscuchs. Der Berliner Polizeipräsident beabsichtigt, gegen die sogenann- ten„wilden Tanzveranstaltungen" vorzugehen, weil, wie es in einer amtlichen Mitteilung heißt, darin eine Schädigung der Staatskasse erblickt wird. Nach Ablauf einer gewissen Frist, während der die Behörde vorerst mit Ermahnungen und Warnun- gen sich begnügen will, wird die Wucherabteilung des Polizeipräsi- diums mit allen zu Gebote stehenden Mitteln unerlaubte Tanzlust- barkeiten bekämpfen. Tclephongcspräche mit Vortagsanmeldung. Nach der neuen Fernsprcchordnung können vom 1. Oktober ab im Fernverkehr Gespräche bereits am Nachmittag des Vortags gegen eine besondere Gebühr von 30 Pf. für die Anmeldung eines jeden Gesprächs unter Angabe einer bestimmten Anmeldczcit bestellt werden(„Vortagsmeldungen"). Der Teilnehmer hat bei diesen Vortagsmcldungen den Vorteil, daß er die A n m c l d e z e i t belieb hg bestimmet» kann, seinerseits also nicht gezwungen ist, die Gespräche in früher Morgenstunde anzumelden. Daneden können auch vom 1. Oktober ab schriftlich« Vortagsanmeldungen sowie Daueranmcldungen zugelassen werden, das find Anmeldungen auf täglich zwischen denselben Teilnehmersprechstellen auszuführende Ecsprächsoerbindungen, die für einen längeren Zeitraum, z. B. l-l Tage, im voraus bestellt werden. Einrichtungen dieser Art werden jedoch nur in solchen Orten zugelassen, wo ein Bedürfnis dafür vor- liegt. Die gewerbsmäßige Anmeldung von Ferngesprächen durch Dritte ist nach der neuen Fcrnsprechordnung verboten und gilt als mißbräuchliche Benutzung des Anschlusses. Die Höchstdauer einer Fern gesprächsverbindung wird durch die neue Fernsprechordnung auf 13 Minuten begrenzt, damit die Leitungen künftig einem weiteren Kreise von Benutzern zur Verfügung gestellt werden können. Die Aufklärung der Verbrechen des Lustmörders Großmann schreitet immer weiter vorwärts. Nachdem dem Verbrecher bereits drei Mödchenmorde nachgewiesen werden konnten, geht die Kriminal- Polizei jetzt Spuren nach, die bald zur Aufdeckung eines vierten von Großmann verübten Mädchenmordes führen dürften. Es handelt sich dabei um das Verschwinden eines Mädchens, da» feine Sachen bei der Gepäckaufbewahrungsstelle am Schlefischen Bahnhof aufgegeben hatte, ohne diese bisher wieder abzuholen. Von dem Mädchen selbst fehlt seitdem auch jede Spur. Auch dieses Mädchen, das wahrscheinlich von außerhalb hier angekommen war, scheint dem alten Wüstling in die 5iände gefallen und von thyi er- mordet und zerstückelt worden zu sein.— Der Mord an der Ver- käuferin Emma N e u m a n n in der Schonenschen Str. 42 dürfte die heute angesetzte Obduktion der Leiche der Ermordeten völlige Aufklärung finden. Die Täterin, Frau Hoffmann, bleibt dabei, daß ihre Mieterin dadurch ums Leben gekommen fei, daß sie, als sie mit ihr in Streit geraten, hingefallen und schwer mit dem Kopf aufgeschlagen sei. Erst nachträglich will sie ihr dann den Knebel in den Mund gesteckt haben, um einen Raubmord vorzutäuschen. Die Potsdamer Opfer. Die Obduktion der Leichen der beiden am Sonntag tödlich getroffenen Teilnehmer der Demon- stration in Potsdam hat gestern nachmittag in der Halle des Leutnant Helmut ging rasch durch die Straßen, die fast menschenleer waren. Da und dort waren Straßenzüge durch Stacheldraht abgesperrt, einzelne Gebäude, Maschinengewehre drohten, und die Posten schritten stumm. Der Aufruhr lag gebändigt. Leutnant Helmut war es, als ob er ersticken müßte. Er hatte Furcht, jetzt nach Hause zu gehen. Er hätte es im Zimmer nicht ertragen. Er warf sich immer wieder in die Brust: „Ich habe meine Pflicht getan!" Aber dieser Heinrich Liebe! Das war' der treueste Kerl seiner Kompagnie gewesen. Der hatte mit ihm Essen und Gefahr geteilt. Aber konnte er ihn retten? Dann waren alle frei. Wie kam er bloß dazu, unter die Empörer zu gehen? Lieb hatte er diesen Menschen gehabt, der für ihn buch- stäblich durch'? Feuer gegangen wäre und gegangen war. Waren die anderen fünf etwa ebensolche Menschen? Im Grunde etwa gar nicht schlecht. Heinrich Liebe war nicht schlecht. Das wußte er. Waren die anderen etwa auch aufopfernde liebend« Menschen?... Leutnant Helmut versuchte die Gedanken von sich abzuschütteln. Aber er vermochte es nicht. Sie stoßen sich in sein Hirn mit un- erbittlicher Zähigkeit. Er schrie einen Posten an. Es half nicht«. Er ließ«inen Zi- vilisten verhaften, der Flugblätter abriß—— vergeblich—— dieser Heinrich Liebe hockte in jeder Ecke seines Gehirns, und wo er hinsah, sah er das breit« gutmütige Gesicht. Leutnant Helmut zog plötzlich die Uhr. In einer Viertelstunde war das Urteil vollstreckt! Er raste. Er sah und hörte nichts. Vis er das Gebäude sah, in dessen Hof... Da krachte eine Salve. Leutnant Helmut taumelte zurück. Aechzcnd und tränenlos schluchzend schlich er nach Hause. Als er zu Hause ins Zimmer trat, saßen Mutter und Schwester am Tisch und lasen. Er riß die Mütze ab und starrte geistesab- wesend auf das friedliche Bild. Die Mutter sah, daß etwas Furchtbares mit ihrem Sohne ge- schehen war. Er aber schrie: „Mutter, ich habe doch meine Pflicht getan! Nicht wahr, ich habe doch nur meine Pflicht getan!" Und dann tonlos: „Ich habe Heinrich Liebe erschießen lassen." Es war Helmut, als ob das Schweigen nach diesen Worten Mutter und Schwester in den Abgrund riß. Die Mutter fing den Sinkenden auf. Sie fuhr über seine Stivn. „Ich werde zu seiner Mutter gehen, Helmut!..., hörst Du?" Er hörte nichts. städtischen Krankenhauses stattgefunden. Die Toten sind rekognosziert. Der eine ist der am 1. Oktober 18SZ geborene Arbeiter Robert Franke aus Friedenau, Stubenrauchstr. 4V,- er gehört der DKPD. an. Der andere ist der am 21. April 1869 geborene Bauarbeiter Ernst R e g e n e r aus Steglitz, Mommsenstr. 35. Franke und Regener sind nach dem Obduktionsbefund an innerer Der- b l u t u n g gestorben. Die Leichen sind zur Beerdigung steigegeben worden. Franke soll auf Wunsch seiner Frau in Potsdam beerdigt werden. Zur Regelung aller mit der Bestattung zusammenhängen- den Fragen hat die Potsdamer Arbeiterschaft einen Ausschuh ge- bildet. Regener soll seinem Wunsche nach eingeäschert werden. Wiedereröffnung der städtischen Dadeansialt Gerichtstraße. Den Bedürfnissen der Bevölkerung des Nordens Rechnung tragend, wird die Badeanstalt in der Gcrichlstraße 65?69 auf Veranlassung des Be- zirksamres Wedding vom 1. September d. I. ab wieder geöffnet. Die Badeanstalt kann täglich von 12—7 Uhr benutzt werden. Der Preis für Wannenbäder beträgt 2 M., für Brausebäder 0,30 M. Verlegung der 17. vezirksoerfammlung. Mit Rücksicht auf die heutigen politischen Kundgebungen ist die Bezirksversammlung auf Donnerstag, 1. September, nachmittags 3 Uhr(im Lichtenbergcr Rathausc) verlegt worden. Die krcisvertrekerversammlung Cöpenick stellte in ihrer letzten Sitzung die Kandidaten zur Stadtverordneten- und Bezirksversammlung auf. Als Stadtverordnete wurden der bisherige Vertreter Gen. Fritz Woick fen. ans Cöpenick und der Gen. Aßmann aus Fricdrichshagen als Spitzenkandidaten auf- gestellt. Ferner soll beim Bezirksverband beantragt werden, den Genossen Stadtsekretär Otto Brinkmann(Borsttzender des Kom- munalbeamtenverbandes Groß-Berlin) an aussichtsreicher Stelle auf die Stadtwahlliste zu bringen. Als Spitzenkandidat für die Bezirks- Versammlung wurde Gen. Hermann Silberschmidt(M. d. R.) aufgestellt.— Beim Bezirksvorstand soll beantragt werden, daß auf dem zweiten zur Verteilung gelangenden Wahlflugblatt für jeden Wahlkreis gesondert die Kandidatenliste bekannt gemacht wird. In Poksdam veranstalten heute abend Vii Uhr die drei so- zialistischen Parteien eine gemeinsame öffent- liche Versammlung beim„Alten Fritz", in der von den drei Referenten über die letzten Vorgänge m Potsdam gesprochen werden soll.__ Groft-Serlinee Partemachrichten. 54. Stlt. Lankoüft. Me Versammlung findet nicht heute, sondern