Nr. 410 ♦ ZK. Jahrgang Ausgabe U Nr. 203 BezuffSpretS» SictteI13htL30,— M., monatL 10,— M. frei ins»aus, voraus zahlbar, Postbezug: Monatlich 10.— M. einschl. Fu- stellungsgebühr Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, das Saar» und Memelaediet. sowie die ehemals beul- schen Gebiete Polens. Oesterreich. Ungarn und Luxemburg 20.— 3JU für das übrige Ausland 27.— M. Polt» beltellungen nehmen an Oesterreich, Ungarn, Tschecho» Slowalei, Däne- Marl. Holland, Luxemburg. Schweden und die Schweiz, Der.Vorwärts� mit der Sonntags- beilage„Polt und geit*. der Unterhaltungsbeilage J&etnitDelt* und der Beilage.Siedlung und Kleingarten� «richernt Wochentag lich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: »Sozialdemotrnk verN«- Abend Ansgabe Devlinev Dolksblstt ( 20 Pfennig) Anzetgeupretöi Dt» achtgespaltene Ronparellleze», tostet UO M.„fllelne Unzelgeo* da, lettgedrurtte Wort 1�0 M. tzn- lässig zwei settgedrurit, üBotte), jede, weitere Wort U— M Stellengesuch, und Schlasstellenanzetgen da« erst, Wort ly~ M, sede, weiter, Wort SO Psg. Worte über 15«nchsiade» zählen für zwei Won«. Fannlien-An- zeigen für Abonnenten Zeil, lt.— M Vl» Preise verstehen sich»tnlchsteßltch Teuerungsxuschlaa tlnz eigen für die nächst, Nummn müssen dt, 5 Ah» nachmittag, tm Hauptgeschäft, Berlin EW W. Linden. llrahe S. abgegeben werden. Geüftnei von 9 Uhr früh dl» 5 Uhr abend», Zentralorgan der fozialdemokrati fchen parte! Deutfchlands Redaktion und Expedition: SA) HS, Linöenstr. Z Redaktion Moriftplatt IStifS— S7 ,>ernfprrr,ier. Moritzplah 1172»— K4 Mittwoch, den 31. August 1921 iL vorwärts-verlag G.m.b.H., SM HS, Linüenftr. Z Sen-ttfa,«- e-rf,«»»-- Verlag. Expedition und Inseraten- �»ycrnTyrcnfcr. au,tcUun9 Moribplah 11753-54 §ort mit dem Spuk! In einem hessischen Dorfe soll es gewesen sein. Vor einigen Iahren einmal. Da fing es nachts an gu spuken. Gläser und Geschirre flogen durch die Luft und meist den er- schrockenen Bewohnern an den Kopf, Gespenster wandelten in weißen Laken und stießen schreckliches Gewimmer aus. Das ganze Dorf war von Schrecken erfaßt. Bis ein paar beherzte Männer sich entschlossen, einmal der Sache aus den Grund zu gehen. Sie faßten denn auch richtig ein paar sehr lebendige Burschen, als diese gerade mit weißen Bettlaken vermummt in eine Bodenluke stiegen, wo ihr Borrat an Wurfgeschossen aus- gespeichert lag, verabreichten ihnen einen gehörigen Denkzettel, und seitdem hatte es im Dorfe ein für allemal ausgespült. In Deutschland spukt es feit mehr als zwei I a h r e n. Die Gespenster der Vergangenheit gehen bei hell- lichtem Tage um. Sie könen sich nicht damit abfinden, daß sie tot, im Strom der Geschichte begraben sind. In Potsdam, im Stadion, auf Kasernenhöfen veranstalten sie Prozessionen. In der alten Gespenstertracht. Aberchas genügt ihnen nicht, sie veranstalten auch ernsthafte Störungen. Nur daß sie nicht wie die hessischen Dorfgespenster mit harmlosen Bierseideln werfen, ihre Geschosse sind die Kugeln des Meuchelmörders. Das deutsche Volk hat sich diesen Spuk eine Zeitlang ange- sehen. Erst verwundert, daß so etwas überhaupt möglich sei, dann mit steigender Entrüstung. Aber jetzt ist das Maß über- gelaufen. In seinen breitesten Schichten ist das Volk ent- schloffen, dem Gespenstertreiben in Deutschland ein für allemal ein Ende zu machen. Das lebendige Geschlecht Deutschlands tritt heute an, Mann für Mann, Frau für Frau, um zu zeigen, daß Deutschland den Lebenden ge- hören soll und nicht den Gespenstern der Vergangenheit. Eine Willenskundgebung ist es, in der sich heute die gesamte republikanische Bevölkerung erhebt. Eine War- n u n g für alle, die sie etwa nicht verstehen wollen. Das werk- tättge Volk Deutschlands spricht heute klar und deutlich aus, daß es nicht einen Tag mehr gesonnen ist, sich die monarchistischen Provokasionen und Mordtaten gefallen zu lassen. Das werk- tätige Volk spricht aus, daß es mit unerschütterlicher Ent- schlössenheit zum Schutze der Republik bereit steht und jeden Schlag gegen die durch Volkswillen geschaffene Regie- rungsform mit einem zehnfach wuchtigeren Gegen- schlag gegenseine Urheber beantworten wird. Die Demonstration ist eine W a r n u n g an die G e g n« r der Republik, eine Mahnung an ihre Freunde. Wir mahnen alle Freunde der Republik, ihre Gesinnung nicht zag und schwächlich im Busen zu bewahren, sondern sie eben so offen und trotzig zu zeigen, wie unsere Gegner uns das bei ihren monarchistischen Demonstrationen vorgemacht haben. Wir mahnen die republikanischen Beamten und Angehörigen der Wehrmacht und Polizei. die vielfach unter dem reaktionären Terror ihrer Kollegen und Vorgesetzten zu leiden haben, sich auf das entschiedenste zurWehrzu setzen, indem wir ihnen geloben, daß das ganze werktätige Volt ihnen in diesem Kampfe zur Seite stehen wird. Wir mahnen die Freunde der Republik, dort, wo sie in der Minderheit sind, nicht den Mut sinken zu lassen, indem wir ihnen zeigen, daß an viel zahlreicheren Orten die Freunde der Republik die gewaltige Mehrheit bilden. Wir mahnen vor allen Dingen aber, indem wir unsere Demon- stration gemeinschaftlich mit all denen veranstalten, die ehrlich die heutige Staatsform zu schützen bereit sind, alle Freunde der Republik ohne Unterschied gur Einigkeit. Wir mahnen sie. schäd- liche und überflüssige Zwietracht zu unterlasien, wir mahnen sie, den selbstmörderischen Bruderkampf eingu- st e l l e n, der erst das Aufleben der monarchistischen Gespenster ermöglicht hat. Wir mahnen sie, sich nickt Feinde in den eigenen Reihen einzubilden, sondern die Front dorthin zu richten, mo der w i r k l i ch e Feind der Freiheit und des werk- tätigen Volkes steht: gegen rechts. Wir mahnen auch die unruhigen Geister auf der ä u ß e r- ften Linken, endlich diese Gefahr zu erkennen und uns in dem Kampf gegen rechts zu unterstützen, anstatt durch gemalt- tätigen Zlnsturm gegen die Republik von links her den Reaktiv- nören immer wieder das Rettungsseil in verzweifelter Situation zuzuwerfen. Bei der entschlossenen chaltung des Volkes ist der Kampf gegen die Reaktion heut» i n j e d e r B e- Ziehung aussichtsreich. Die zur„Einheitsfront der Feigheit" ins Mauseloch gutammengekrochenen Reaktionäre haben nur noch eine Lioffnung: daß ihnen k o m m u- nistische Unüberlegtheiten und Gesetzlosig- leiten Luft schaffen werden. Die deutsche Arbeiterschaft, deren überwältigende Mehrheit im Lager der sozialistischen Parteien vereinigt ist. verlangt mit aller Entschiedenheit von den Kommunisten, daß sie nicht wieder, wie leider schon so oft. dem Kampf gegen die Reaktion in den Rücken fallen- Sie wird furchtbar mit denen abrechnen, die es wagen sollten, durch putschistische Wahnsinnsstreiche wiederum das Prole- tariat um denSieg zu bringen. Vor allem aber richtet sich die Mahnung der heutigen Demonstration an die Regierung. Was die Reichs- regierung bisher im Kampfe gegen den Rechtsbolschewismus getan hat, findet die Billigung der werktätigen Bevölke- rung. Die Reichsregierung hat eine Verordnung gegen die systematische Verhöhnung und Untergrabung der Republik er- lassen und bisher auf Grund dieser Verordnung zehn rechts- bolschewistische Blätter mit dem Verbot belegt. Gut. Sie hat den monarchistischen Provokateuren das Tragen der Uniform verboten. Gut. Sie wird nach glaubhaften Ankündigungen der Reichswehr die Teilnahme an nationalistischen Feiern untersagen. Gut. Sie hat den Belagerungszustand in Mittel- deutschland restlos beseitigt. Gut. Aber sie darf i n k e i n e m Falle aufhalbemWege stehen bleiben. Sie möge sich das Wortes erinnern: Greif niemals in ein Wespennest, doch wenn Du greifst, dann greife fest! Wird der feste Griff gegen die Reaktion gelockert, so wird die Regierung nur schmerzhafte und blamable Wespenstich« davontragen.— Noch stützt sich in Kahr-Baycrn eine im Geiste monarchistische Regierung auf die Verewigung des Belagerungszustandes. Noch findet die Reaktion wirksame Stützpunkte in einem innerlich ihr geistesverwandten Berufsrichtertum, in einer reaktionären Fronde von Geheimräten und höheren Beamten. Der einmal beschrittene Weg des Kampfes gegen diese Clique, mag sie sich jetzt auch mausetot stellen, muß mit ä u ß e r st e r Ent- schiedenheit zu Ende gegangen werden. Solange die Re- gierung diesen Weg geht, wird sie die werktätige Bevölkerung der organisierten Geistes- und Handarbeiter geschlossen hinter sich haben. Die Reaktion mag heute heulend und wimmernd ihre Un- schuld an den Mordtaten beteuern. Die Mörder selber würden ihr wohl hohnlachend dieselben Worte entgegen- schleudern, die in Schillers Wallenstein der Mörder B u t t l e r dem Anstifter des Mordes, dem Grafen Oktavio P i c c o l o m i n i, ins Gesicht ruft: Der einzige Unterschied ist zwischen Eurem und meinem Tun: IhrhabtdenPfeilgeschSrst, ich Hab' ihn abgedrückt. Ihr sätet Blut und steht bestürzt, daß Blut ist aufgegangen. Die gesamte Reaktion ist mit schwerster Plutschuld beladen. Ihr künden wir schärfsten und schonungslosen Kampf an. Fort mit den Gespenstern der Vergangenheit, Freiheit und Lebens- luft in der Republik für das ganze deutsche Volk! Wer beging politische Morüe? Nach jedem nationalistischen Meuchelmord oersucht die Rechts» presse dasselbe Ablenkungsmanöver, indem sie auf die angeblichen „zahllosen" Morde hinweist, die seit der Revolution von Linksparteien begangen sein sollen. Es ist hier wieder eine ähnlich« Geschichts- legende wie die Dolchstoßlüge im Werden, die mit den Mitteln der infamsten Lüge gespeist wird. So, wenn Herr ReinholdWulle, der andere Leute„Heuchler" tituliert, wörtlich schreibt: „Die Gemahlin des Skagerrak-Siegers, des Admirals v. Schee r, wird ermordet, nur einem Zufall ver- dankte der Admiral fein Leben. Das ist nur ein kleiner Ausschnitt aus dem Verbrecheralbum der Linken." Die Gattin des Admirals v. Scheer ist bekanntlich gemeinen Raubmördern zum Opfer gefallen, deren Tat mit Politik nicht das mindeste zu tuu hatte. Nächstens werden wohl auch noch der Massen- Mörder Schumann und der Lustmörder Großmann zur Bervoll- ständigung des„Verbrecheralbums der Linken" herangezogen werden! Eine weniger perfide, aber ebenso bewußte Verdrehung ist es, wenn man Leute, die im offenen Kampf gefallen find, in der Liste der„Ermordeten aufführt. Unter politischen Morden können selbstverständlich nur wirkliche Mordhandlungen registriert werden, die mit kaltem Blut und unter sorgfältiger Aus- w a h l der Opfer gegen Personen verübt worden sind, die der Mörder wegen ihrer besonderen politischen Stellung aus der Welt fchafffen wollte. Solche politischen Morde«m Führern der R e ch t e n sind seit der Revolution und auch vor der Revolution von linker Seite in k e i- nemeinzigenFalle begangen worden. Man nenne uns einen einzigen politischen Führer der Rechtsparteien, der das Opfer eines Meuchelmordes geworden wäre. Einen einzigen nur! Es gibt keinen. Ludendorff, Helfferich, Hergt, Westarp, Reventlow usw. ersteuen sich alle der besten Gesundheit. Kein Mensch hat ihnen an da» Leben getastet. Bon kommunistischer Seite sind allerding« eine Anzahl Morde begangen worden, manche darunter in recht bestialischer Weise. Sie standen aber fast alle in Zusammenhang mit gleichzeitigen Kämp- en und Unruhen: unter den Ermordeten findet sich keine einzige ührende Persönlichkeit der Rechten. Die beiden einzigen p o l i t i- ch e n Morde der Kommunisten sind an fozialdemokrati- ch e n Führer verübt worden, nämlich die Ermordung des sächsi- chen Kriegsministers Neuring und der Mordversuch an dem Ab- geordneten Auer. Die sicher aufs tiefste zu verabscheuenden Geisel- morde entstanden in der Siedehitze des blutigen Bürgerkrieges. Poli- tisch führende Persönlichkeiten waren auch hier unter den Er- mordeten nicht. Im übrigen ist damals in München von beiden Seiten furchtbar gemordet worden: der Geiselmord hat fein Gegen- stück in der Ermordung der 2 1 katholischen Gesellen, in der Ermordung Landauers, Eglhofers und Sontheimers und zirka löl) Ziollisten, die in der Statistik als„tödlich verunglückt", nicht als im Kampf gefallen aufgeführt werden. Es liegt uns nichts ferner, als die kommunistischen Untaten zu beschönigen. Aber vorbedachte Morde an politischen Führern der Rechten, in der Art des jetzigen Mordes an Erzberger, haben die Kommunisten nicht auf dem Gewissen. Don sozialdemokratischer Seite sind th Deeckschland überhaupt keinerlei B.luttaten begangen worden. Wer uns vorwirft, die Atmosphäre des Mordes geschaffen zu haben, der lügt wider besseres Wisien. Wir fordern die Rechtspresse.auf, auch nur eine von sozialdemokratischer Seite in Deutschland begangene Bluttat nachzuweisen. Es wird ihr ebensowenig gelingen, wie einen ermordeten politischen Führer der Rechten namhaft zu machen. Vorbedachte Morde an politischen Führern hat allein die nationalistische Seite begangen. Auf ihr Konto fällt der Mord an Eisner, die Ermordung Liebknechts und R o f a L ux e m- burgs, der versuchte und der geglückte Mord an Erz- b e r g er, die Ermordung G a r e i s'. Diese Feststellung ist unerschütterlich. Keine Geschichtsfälschung der Reaktionäre kann sie aus der Welt schaffen. » Als Maßstab für die Mordseuche können mkH fcte FfcstfMfimgen in der hier schon besprochenen Schrift„Zwei Jahre Mord" von I. Gumbel dienen. Gumbel berechnet die Zahl der von rechts be- gangenen politischen Morde seit der Revolution auf 31$, der von links begangenen auf IS, wobei er allerding« alle widerrechtlichen Tötungen mitzählt, die anläßlich von Aufständen usw. begangen worden sind, nicht jedoch die Todesopfer der Kämpfe selber. Wir haben seinerzeit ausgeführt, daß Einzelheiten der Schrift«mfechtbar sind, im ganzen gibt sie jedoch ein richtiges Bild. Di» politischen Morde, von rechts überwiegen die von links ganz ungeheuer. Das Interessanteste ist nun, daß die von links begangenen Taten fast alle gesühnt sind, im ganzen mit 8 Todesurteilen»nd 239 Iahren Freiheitsstrafe, meist Zuchthaus. Dagegen sind die von rechts begangenen politischen Morde fast alle ungesihnt ge- blieben, den 318 Morden steht als gerichtliche Sesamistrafr nur gegenüber eine lebenslängliche Festungshaft(Graf Arko Valley) und 31 Jahre 3 Monate zeitliche Freiheitsstrafe. Davon entfallen allein 29 Jahre auf die Mörder der 21 katholischen Gesellen in München. In sämtlichen anderen Fällen sind gar keine Strafen»der n,r ganz lächerlich geringe verhängt worden. tzinöenburgs„teufUschi:* Msichten. Riesengroß in Esclsfußtritten gegen den ermordeten Erzberger zeigt sich die schwerindustrielle„Rheinisch- Westsälische Zeitung". Kein Wunder, wenn man bedenkt, wie gerade dieses Blatt und die hinter ihm stehenden Interessentenkreise gegen die Erzbergerschen Vesitzsteuern gekämpft hoben. Für das Maß der Verlcumdungs- sucht nur eine Probe. Als größtes Derbrechen seines Lebens wird Erzberger die Unterzeichnung des Waffenstillstandes im Walde von Compicgne angerechnet. Dazu schreibt das schwerindustrielle Blatt (Nr. 70S vom 27. August) in leicht erkennbarer Spekulation auf die Gedächtnisschwäche seiner Leser: Wir können diese Untat nur auffasien als die zieibcwußle leu Nische Absicht, Preußen und das Haus Hohenzvllern in den Abgrund zu stoßen. Ehe Erzberger den Waffenstillstand unterzeichnete, hatte er be- kaimtlich Hindenburg telegraphisch um seine Meinung ersucht. Unter dem 19. November 1913 telegraphierte Hindenburg zurück, Erzberger solle versuchen, in einer Anzahl von Punkten Milderun- gen durchzusetzen. Aber— so schloß das Telegramm: Können diese Punkte nicht durchgesetzt werden, so wäre gleichwohl zu unterzeichnen. Wenn Erzberger aus teuflischen Absichten unterzeichnet hat, so muß damals Hindenburg die gleichen teuflischen Absichten gehabt haben! Man muß öer Seftie öen Zaum anlegen!' Die„Kreuzzeitung"' fühlt sich einigermaßen be- drückt durch die Tatsache, daß der„Vorwärts" zur Begrün- dung der notwendig gewordenen Maßnahmen gegen die reaktionäre Gewalthetze auch ein Zitat aus ihren Spalten mitherangezogen hat. Ihre Verteidigungsversuche zeigen den großen Wandel der Zeit, denn Jahrzehnte hindurch war es gerade die„Kreuzzeitung", die im Chor der reaktionären Presse am lautesten alle möglichen Unterdrücknngsmaß- pahmen gegen sozialdemokratische und demokratische Bestre- bungen gefordert hatte. Dafür seien aus der langen Geschichte des reaktionären Hauptorgans einige Beispiele heraus- gegriffen. Im Winter 1M2 versuchte die Sozialdemokratie unter Anwendung vollkommen gesetzlicher Mittel die Vornahme von Neuwahlen vor Erledigung des hochagrarischen Zolltarifs durch den Reichstag durchzusetzen. Es war kein Putsch ä la Kapp, kein Mord wie der an Erz- beiger passiert, die bloße Tatsache, daß die sozialdemokratische Fraktion mit geschäftsordnungsmäßigen Mitteln für eine spätere Verabschiedung des Zolltarifs kämpfte, gab der „Kreuzzeitung" Anlaß, am 1. Dezember 1902 folgendes zu schreiben: Was wir gegenwärtig Im Reichstag erleben, ist nur ein kleines Vorspiel von dem, was kommen müßte, wenn wir es geschehen ließen, daß sich die sozialdemokratischen Banden mit ihrem frei- sinnigen Anhängsel mit der zerfetzten Zolltarifvorlage in der Hand laut johlend in den Wahlkampf stürzten. Nein, tiein, i> laut museler la bete, man mnß der Bestie den Zanm anlegen, solange es noch Zeil ist. Am 23. Oktober 1919 las man in der„Kreuzzeitung" aus Anlaß eines unbedeutenden Polizeikrawalls am Wedding das folgende: Wir bedilrfen scharfer, bis zur Vernichtung gehender Ausnahme- maßregeln, wie wir sie ähnlich schon gehabt und in einer unheil- vollen Stund« leider zu früh wieder aufgegeben haben; und wir bedürfen zu ihrer Durchführung einer nervenstarkcn, unerschütler- lich festen, zielbewußten Regierung, wie sie unser großer Kaiser in der Konfliktszeit in Männern wie Bismarck und Roon zur Seite hatte. Von besonders aktuellem Reiz ist auch, sich dessen zu er- innern, wie das heute um die Pressefreiheit lebhast besorgte Blatt Attentatsgeschickiten zu seinen Zwecken aus- zubeuten verstand. Am 4. Mai 1913 geschah es in Mann- heim, daß ein abgewiesener Bittsteller namens Jung auf den Wagen des badischen Großherzogs sprang und daß im Besitze dieses Mannes, der keiner politischen Partei angehörte(im Besitze, d. h. zugeklappt in der Tasche), ein gewöhnliches Taschenmesser gefunden wurde. Jung wurde als unheilbar geisteskrank erkannt und einer Irrenanstalt überwiesen. Aber am 5. Mai 1913 schrieb die„Kreuzzeitung": Wieder ist durch die göttliche Vorsehung ein verbreche- rischer Anschlag auf ein gekröntes Haupt verhütet worden. Jedem Monarchisten gibt dieser neue Fall aber Grund zum Nachdenken. Auch diesmal, wie bei den Attentaten auf den König von Griechen- land und König Alfonso von Spanien, beeilt sich die demokratische Presse, den Täter als geisteskrank hinzustellen. Gewiß zeugt die Art des Angriffs des Tapezierers Jung nicht von Intelligenz. Finden jedoch in dem Hirn eines geistig Minderwertigen die Ver- nichtungsideen der Propaganda der Tat einmal Eingang, so wirken sie erst recht gefährlich. Der Täter ist Anarchist, das steht bereits fest. Die Verantwortung für derartige Verbrechen fällt aber nicht nur dem internationalen Anarchismus zu, die Sozial- demokralie und die Demokratie bereitet ihm den Boden vor. Die heharbeit gegen König, Staat und Gesellschaft, gegen die Religion und alles, was Autorität heißt, erzeugt diesen haß. der schließlich zum Fanatismus wird. In der heutigen Nummer der„Kreuzzeitung" finden wir nun die Worte:„Wir denunzieren ungern." Das zeigt, daß die Erziehungsmethoden, die die„Kreuz- zeitung" stets aus den nichtigsten Ursachen für andere emp- fohlen hat. bei ihr selbst den fruchtbarsten Boden sinden. Denn vordem hat es keine Zeitung in Deutschland gegeben, die so oft, so gern, so bösartig und so verlogen denunzierte wie gerade die„Kreuzzeitung". „Man muß der Bestie den Zaum anlegen!" saures— Caillaux— Erzberger. Die Deutschnationalen können sich nicht genug darüber „entrüsten", daß die gesamte republikanische Presse vom „Vorwärts" und von der„Freiheit" bis zum„Berliner Tage- blatt" und zur„Germania" sie als die intellektuellen Mörder Erzbergers bezeichnet. Haben sie aber jemals dagegen protestiert, als wir behaupteten, daß die französische nationalistische Presse die geistige Schuld an der Ermordung von Jean I a u r h s am Vorabend des Kriegsausbruches trägt? Nun, die beiden Fällen liegen ganz ähnlich, nur mit dem Unterschied, daß die Hetze der deutschen Nationalisten gegen Erzberaer jene ihrer französischen Ge- sinnungsgcnossen an Gemeinheit. Rohheit und Eindeutigkeit in der Aufforderung zum Meuchelmord weit übertraf. Die gleiche Mordhctze, die eine gewisse Pariser Journaille gegen Jaurds führte, richtete sie auch gegen C a i l l a u x. Während aber in Jaurds der Anwalt des proletarischen Jnter- Nationalismus getroffen werden sollte, war der Zweck der Hetze gegen Eaillaux die Beseitigung der bürgerlichen Pazifisten und vor allem die Unschädlichmachung des Ver- fechters der demokratischen und sozialen Steuergesetzgebung. Und es ist sogar festgestellt worden, daß Jaurds Mörder Raoul Villain es a u ch auf Eaillaux abgesehen und ihn zwei volle Tage vor der Mordtat an Iaurds vergebens gesucht hatte. Ueber die Beweggründe dieses wilden Hasses der besitzen- den Klassen gegen ihn gibt Eaillaux in seinem Memoirenbuch „Meine Gefangenschaft" folgende Erklärungen, die wir im „Vorwärts" vom 1. Juni dieses Jahres abdruckten: „Ich bereitete die Neugestaltung der Zuckersteuer vor, und schon damit schuf ich die Umrisse einer Politik fiskalischer Erneuerung, die ich unaufhörlich fortentwickeln mußt« und deren charakteristische Merkmale waren: Herabminderung der Steuern auf die Artikel des unmittelbaren Bedarfs, erhöhte Besteuerung der oermögenden Klassen. Seitdem ist mir der Krieg erklärt worden von allen, die nicht begreifen wollen, daß man die Forste nur unter der Bedingung gesund halten kann, daß man das morsche Holz herausschlägt, selbst von allen, die dunkel die Notwendigkeit von Reformen einsehen und sich dennoch mit einem verzweifelten Egoismus an die Vorteile klammern, die sie in Händen halten.... Um der Umgestaltung vorzubeugen, um zum mindesten ihre Fälligkeitstermine hinauszu- zögern, Ist der Verwegene niederzuschlagen, der einen Neubau des alten fiskalischen Hauses im Schilde führt, das so bequem für die Ruhe der Eroß-Bourgeoisle eingerichtet war. Alle Hebel sollen in Bewegung gesetzt werden zu diesem Ziel und Ende." Und damals, am 1. Juni d. I., schrieben wir im Anschluß an dieses Zitat: „Unwillkürlich drängt sich bei dieser Schilderung, deren historische Wahrheit unanfechtbar ist, der Vergleich mit einem Manne, der bei uns ebenfalls zur Zielscheibe der konzentrischen Angriffe des reaktionären, st euer- scheuen Großkapitalismus wurde: Erzbcrgert Gewiß steht der französische Staatsmann, den man vielleicht als den gründ- lichsten Finanz- und Steuerfochmann der ganzen Welt ansehen kann, in vielen Beziehungen weit über dem deutschen Zentrumsführer. Indessen ist eine Analogie zwischen den beiden Fällen Eaillaux und Erzberger unoerkennbar. Diese Aehnlichkeit wird nun durch den Umstand vervollständigt, daß die Reaktion in den beiden Ländern den Deckmantel des Palrio- kismus benutzte, um sich ihres jeweiligen Gegners zu entledigen. Das eigentliche Kesseltreiben der Reaktionäre gegen Erzberger datiert von der Zeit der Friedensresolution und der Bekämpfung des U-Boot- Wahnwitzes und verstärkte sich nach der Einbringung der demokratischen Steuergesetze, die eine unvermeid- liche Folge des Zusammenbruches waren. Die im Sommer 1317 vorwärts! Zum Zt. A u zu st 1021. SSbne der Hrniut, Väter der Zuftunft, Debet dl« Stirnen furchtlos zum Licht. Oeifter der Coten find eure•ssubrer, rufen xur Cat, zun» crnlten Gericht. flieht loll der Stahl des feigen Barbaren morden mit Röhn den ftrieden der Welt; Berren und Diebe werft von den Chronen, die sie gebaut mit blutigem Geld. Wachset zu treuen Wächtern der Wahrheit, starken Hrmes löset den Knecht; lallt eure Kraft in Gbren bereiten freibeit und Weg dem neuen Geschlecht. eherner Will««ine die Scharen, gründe auf-fela des Rechts Republik. Piteder die Beuchter, nieder die Lüge, aufwärts und vorwärts zeigt das Geschick. Söhne der Hrmut, Väter der Zukunft, Zwietracht zertretet, Brüdern die Band— Morgenrot leuchtet, einft flammt die Sonne ob allem Volke, ob allem Landl Das 6crüncr Schtoßnmseum. Es trifft sich gut, daß am gleichen Tage, da Berlin für die Republik gegen die Rückwärtser demonstriert und sein feierliches Ge- löbnis zur Freiheit und zum Sozialismus erneuert, das Schloß der Hohenzollern volkstümlichen und kulturellen Zwecken geweiht wird. Am Mittwoch wurde die Presse zur Vorbesichtigung geladen; am Donnerstag wird das Museum dem allgemeinen Besuche geöffnet. Der Schöpfer dieses Museums, O. o. Falke, hat die Ausstellung und die Anordnung des Museums nach, folgenden Grundsätzen vor- genommen: Der Plan, in das Schloß ein Museum zu oerlegen, entsprang dem Wunsch, dieses glänzendste Denkmal preußischer Raumkunst unversehrt zu erhalten und zugleich öffentlich zugänglich zu machen. Da das Berliner Schloß nicht, wie etwa die Mllnchener Residenz, ein sehr vollzähliges Mobiliar aus dem 16. bis 18. Jahrhundert besitzt, so erschien es am vorteilhaftesten, zur Er- gänzung»er vorhandenen kostbaren Wandteppiche, Siluer- und Por- zellansachen, Bilder, Skulpturen usw. die Sammlungen des Kunst- gewerbemuseums heranzuziehen. Die Teile des Schlosses, die nach der künstlerischen Bedeutung ihrer Innendekoration für das Schlosimufeum in Betracht kommen, sind nun so umfangreich, daß es möglich war, alle' Sammlungen des Kunstgewerbemuseums in das Schloß zu überführen. Dabei ist der Versuch gemacht worden, zum erstenmal zwischen Schau- und Studiensammlungen zu scheiden, und diese strenge Trennung ergab sich ganz von selbst, da die Prackiträume unmöglich in der üblichen museumsmäßigen Dichtig- keit mit Sammlungsgegenständen besetzt werden konnten. Bei dieser Art der Ausstellung mußte aber auf eine stilgeschichtliche Entwicklung verzichtet werden.„Ueber die Frage, in welcher Reihenfolge die Kunstsachen in diese oder jene Räume eingeordnet werden müssen, hat im Schloßmuseum weniger der Direktor zu bestimmen, als viel- mehr die Arä)itekten Schlüter, Eosander, Eontard und Erdmanns- darf, die nicht mehr mit sich reden lassen." Nach diesen Weisungen der Innendekoration beginnt denn auch das Museum im Erdgeschoß mit den Spätstilen des 18. Jahrhunderts, denn die zwei mit wundervollen Deauvais-Teppichen von Boucher bespannten Haupträume zogen unweigerlich das französische Kunst- gewerbe der Louis XV.< und Louis XVI.-Zeit an sich. Die Gruppe wird durch zwei Zimmer mit deutschem und niederländischem Rokoko abgerundet, und danach erst folgt das romanische und gotische Mittelalter, das eigentlich der Zeit nach am Anfang stehen müßte. Daran schließt sich die rheinische und niederländische Renaissance. Im Mittelaesd>ob hat wieder eine durch zwei Säle gehende Folge von französischen Gobelins das französische Kunstgewerbe der Re- naissance und des Barocks um sich gesammelt. In die lange Flucht der pon Gontard und Erdmannsdorf ausgestatteten Königstammern sind Möbel des späten Rokoko und de? Berliner Klassizismus ver- teilt; mit ihnen geht die Sammlung des Berliner Porzellans zu- sammen. Der neuklassische Säulensaal hat eine Auswahl von Eisen- statuetten und Geräten der Berliner Eisengießerei aufgenommen, und der anstoßende von Schadow dekorierte Parolesaal ist der Skulptur gewidmet.'> Im zweiten Stockwerk beginnt die Mnseumssammlung in dem nördlichen Endstück der Galerie des Weißen Saales mit Email- Malereien des 16. Jahrhunderts. Die Kunstgegensiände. unter ihnen der berühmte Pommersche Kunstschrank, die in der Barockarchitektur der Paraderäum- aufgestellt sind, gewinnen gerade durch i'iese prunk- rolle Umgebung neues Leben. In der großen, mit sechs M e r c i e r- Teppichen aus der Geschichte des Großen Kurfürsten ausge- statteten Galerie wurde die Schausammlung der dcusschen Gläser untergebracht, und die beiden, noch Süden gelegenen Salons nahmen die alten Kostüme, Schmucksachen usw. auf. In den Festräumen des Schlüterbau-s beschränkte man sich auf die Unterbringung ein- zelncr Sommlungsgrupren, wie Elfenbeinfchritzcreisn, Bernstein- arbeiten, Daracksilber, Edelzinn usw. Im Rittersaal wurden die Goldschmiedearbeit.>n aufgestellt. Dm Vaterland als Soldat gedient hat", protestieren und die Regierung auffordern, gegen alle, die neue Unruhe und neues Unglück über unser Volk bringen, unnachsichtlich und unpartei- isch einzuschreiten. Zum Schluß heißt es: „Don unseren Bolksgenossen erwarten wir, daß sie endlich von den gewissenlosen Hetzern nnd ihrer Presse abrücken und die Achtung vor der ehrlichen Ueberzengung Andersdenkender bewahren." Wenn man annehmen wollte, daß dieser Satz sich gegen die ge- wissenlosen monarchistischen Hetzer und ihre Presse richtete, wäre man allerdings auf dem Holzwege. Die Offiziersbünde meinen selbst- verständlich allein die republikanische Seite, insbesondere richtet sich ihr Zorn gegen die Arbeiterdemonstrationen. Es spricht ein großes Maß von Unehrlichkeit aus der Behauptung, daß die An- griffe gegen reaktionäre Offiziere sich„gegen alles" richten, was„früher dem Vaterland als Soldat gedient" hat. Die Mil- l i o n e n, die als Soldaten im Felde standen, stehen zu ihrem überwiegenden Teile Im Gegensatz zu der Auffassung der Offiziere, die sich von jeher von der Volksgemeinschost aus- zuschließen bestrebt waren. Diese Tassache zu verwischen, soll den Bünden auch jetzt nicht gelingen. Ganz nach altem Muster! Aus Potsdam wird uns geschrieben: Am Montag nachmittag veranstalteten die ehemaligen Offi- ziere des ehemaligen 1. Garderegiments ihr alljährliches Adlerschießen, das mit einer St,-Ouentin»Fe>sr verbunden wurde. Diese Feier wurde ganz nach dem Muster der Vorkriegszeit ausgestaltet. Die erste Kompagnie des Reichswehrregiments Nr. 9 war als„Ehrentompagnie" aufgestellt und die Kapelle dieses Negi- ments lieferte die Musik dazu. Alles was an Hohenzollernsprossen noch In Potsdam aufzutreiben war, nahm an der militärischen Veranstaltung teil: Eitel Friedrich, Oskar und August Wilhelm mit ihren Frauen und die Kinder des ehemaligen Kronprinzen. Daß Eitel Friedrich, der Kapitalverschieber, die„Front der Reichswehrehrenkompagnie ab- schritt", braucht nicht besonders betont zu werden. Eine Frage ist nur, ob das angekündigte Verbot für Reichswehrangehörige, an solchen Demonstrationen teilzunehmen, dem Reichswehrregiment Nr. 9 schon bekannt war. als es diese Ehrenkompagnie samt der Re- gimetskapelle zur Verfügung stellte. Das Schloßmuseum wird am Donnerstag, den 1. Sep- tember, dem allgemeinen Besuch geöffnet und ist weiterhin täglich von 9 bis 3 Uhr zugänglich, wobei von Tag zu Tag wechselnd die eine Hälfte des Museums gezeigt wird. Am Sonntag, Montag, Mittwoch und Freitag ist das Obergeschoß mit 37 Räumen geöffnet, am Diene- tag, Donneretag und Sonnabend das Erdgeschoß und der 1. Stock mit 33 Räumen. Mittwoch ist der Eintritt frei: am Sonntag bc- trägt das Eintrittsgeld 1 M., Montag 5 M., an den anderen Tagen 2 M. Durch die jeweils geschlosienen Räume finden Führungen statt, zu denen Zusatzkarten zu 1 M. ausgegeben werden. Der Kniebis. Es ist eines der lieblichsten und reizvollsten Ge- biete des Schwarzwalbes, das durch die Bluttat von Gries- b a ch zu so trauriger Berühmtheit gelangt ist. Seit altersher sind die Kniebisbüdcr wegen ihrer heilkräftigen Quellen bekannt; freilich ist ihnen der große Strom der Touristen und Sommerfrischler stets ferngeblieben; aber wer Erholung inmitten einer herrlichen Landschaft und in tiesstem Waldessneden sucht, der wird kaum ein schöneres Fleckchen Erbe finden können, als es die kleinen Bäder an den Abhängen des Kniebis sind. Der Kniebis selbst ist nächst der Nornisgrinde die höchste Er- Hebung im nördlichen Schwarzwald, ein Gebirgsstock mit kahler und öder Hochebene, die mit Sümpfen bedeckt oder mit Heidekraut be- wachsen ist. Aber die einzelnen Berge und Hänge sind mit wunder- vollem Tannenwald dicht bestanden: die kleinen, am Kniebis ent- springenden Bergwässer schneiden tiefe Täler in das Bcrgmassiv und machen es von verschiedenen Seiten aus leicht zugänglich. Trotz- dem bildet der Kniebisstock seit altersher einen natürlichen Wald, um den im Laufe der Jahrhundert« oft gerungen worden ist. Sanft steigt aus der Rheinebene das Vorgebirge an; von Appen- weier, dem bekannten Eisenbahnknotenpunkt gegenüber von Straß- bürg, steigt die Straße nach Oberkirch on, einem reizenden Städt- chen, da»" den Mittelpunkt des Renchtalcs bildet. Drei Burgen schauen bei Oberkirch ins Land: im Nordosten die Schauenburg, weiter nördlich die Ullenburg und sdlließlich im Südwesten am linken Ufer der Rench Fürsteneck, das 1689 von den Franzosen zerstört worden ist. Inmitten lieblicher grüner Hänge führt die auszezeich- nete Staatsstraße südostwörts weiter nach dem 286 Meter hoch- gelegenen Städtchen Oppenau. Hier endet die Nebenbahn, die von Appenweier an den Fuß des Schwarzwaloes führt. Folgt man von Oppenau der nach Süden gebenden, eigentlichen Kniebisssraße, so überschreitet man auf zahlreichen Windungen in steilem Anstieg den westlichen Teil de? Veramassivs und a-langt zum Roßbühl, der mit 965 Meter die höchste Erhebuno des Kniebisstocks darstellt. Aber der Weg zu den Kniebisbädern führt, eine begneme, gut erhaltene Fohrstraße, weit sanfter emvor. Es Ist dies die Rench- tasstraße. die vom Bahnhof in Oppenau die Rench entlang aufwärts führt und diese häufig überschreitet. Von den Kniebisbädern ist das niedrigst gelegene, 38.1 Meter hoch. Bad Frelersbach am Eingang des büb'ch und romantisch peleaenen Dorfes Pet-rstal. Darüber lient Bad Peterstal. Dann folgt, 808 Meter hoch, Griesbach, ein liebliches Dorf an der-Mündung des Griesbache» in die Rench. Friedlich ist's hier oben; kein Kurpiatztrubel, kein Bäderluxus, politischer Morö an Roßbachleuten? B r e s l a o, 31. August.(Eigener Drahiberichi des �Vorwärks".) Im Kreise Oels, in der Nähe von Sybillenort, wo eine Hauptwerbe- stelle der Arbeitsgemeinschast Rotzbach sich befindet, sind in der Nacht von Montag zu Dienstag vier ehemalige Selbstschuhangehörige durch Kopfschüsse ermordet worden. Es liegen ernste Anzeichen dafür vor. datz es sich um einen politischen Mord handelt. Zwei Automobile sind bemerkt worden, die in der fraglichen Zeit die Chaussee, auf der die Mordtat stattfand, hin und zurück fuhren, und in denen wahrscheinlich die Mörder gesesien haben. Vei einem der Ermordeken wurden autzer dem Selbstschuhpapier polnische Papiere gefunden, ferner eine französische Ordensauszeichnung. Möglicherweise sind die Er- mordeten in dem Verdacht gewesen, mit Polen ln Verbindung zu stehen und Verrat geübt zu haben, wie in letzter Zeit verschiedentlich beslimmte Gerüchte behaupten, datz ganze Selbstschuhformationen nach der Auslösung der deutschen Abwehrorganisatloncn mit pol- nischen Kreisen in Verhandlung getreten wären. Unser vreslaucr Parteiblatt teilt in diesem Zusammenhange mit, datz vor einiger Zeit mehrere Landarbeiter angegeben haben, datz sie in vielen Orten von Vertretern der Arbeitsgemeinschaft Rotz- dach mit Ermordung bedroht wurden, weil man annahm, sie würden Geheimnisse der Arbeitsgemeinschaft, die sie anwerben wollte, verraten. Diese Fälle seien seinerzeit den Behörden mit- geteilt worden. Ebenso hätten verschiedentlich einzelne Angehörige des früheren Selbstschuhes die Befürchtung ausgesprochen, datz Mitglieder ihrer Formalion um ihrer politisch linksstehenden Gesinnung willen am Leben bedroht seien. Anch in der bürgerlichen Presse er- regt der Mordfall das grötzte Aufsehen. Wpneken verurteilt. Rudolstadt, 31. August.(BS.) In den späten Abendstunden be- gönnen gestern die Plädoyers. Staatsanwalt Dr. Bernhardt führte aus, die Beweisaufnahme habe ergeben, daß Dr. Wyneken sich in zwei Fällen an seinen Zöglingen vergangen habe. Er bean- traqte gegen den Angeklagten im Falle H. eine Gefängnisstrafe von 1 Jahr 3 Monaten, im Falle B. eine solche von 1 Jahr, zusammen 2 Jahre Gefängnis. Verteidiger Justizrat Dr. G ä n z l e r- München beantragte die Freisprechung seines Mandanten, da weder im Falle H. noch im Falle B. ein Beweis dafür erbracht sei, daß Wyneken sich eines Sitt- lichkeitsvergehens an den beiden Knaben schuldig gemacht habe.— Dr. Wyneken legte dann noch einmal seine Ideen in einem zwei- stündigen Schlußwort dar, das der Borsitzende mit den Worten be- endete: ,. Sind Sie noch nicht bald fersig? Mir haben hier doch kein Kolleg!" Darauf zog sich das Gericht zur Beratung zurück und kurz vor Mitternacht verkündete Landgerichtsdirektor Zetfche, nachdem die Ocffentlichkeit wiederhergestellt war, folgendes Urteil:„Der Ange- klagte wird wegen Sittlichkeitsverbrechens in zwei Fällen zu einem Jahr Gefängnis und zur Tragung der Kosten verurteilt." Die Nerkündung der Urteils begründung erfolgte unter er- ncutem Ausschluß der Oeffentlichkeit wegen Gefährdung der Sitt- lichkeit. « Beschuldigung öffentlich— Verantwortung und Beweis ge- heim— Verurteilung öffentlich— Begründung geheim: das ist wieder einmal eine Glanzleistung unserer untadeligen Justiz! In geheimer Feme wird da die wissenschaftliche und persönliche Existenz eines Mannes vernichtet, dessen Name weit über Deutsch- lands Grenzen hinaus zur Fahne schulreformerifcher Bestrebungen geworden ist! Es wird nicht an Stimmen fehlen, die eben gerade darin den Grund für das höchst anfechtbare Vorgehen der Richter von Rudol- stadt sehen werden. Solchen Verdacht nährt diese peinliche Ge- Heimjustiz. Die Lehrerschaft der Freien Schulgemeinde Wickersdorf erlätzt eine Erklärung mit sechzehn Unterschriften, in der sie Wyneken trotz des Urteils ihr volles Vertrauen erklärt. Neue Unruhen in Belfast dauern an. Die Eisenbahner Nord- Irlands haben 24 Stunden gestreikt. Gefangene Sinnseiner stehen im Hungerstreik. keinerlei großstädtische Unterhaltungen. Von Zeit zu Zeit öffnen sich oder- und unterhalb von Griesbach wundervolle Fernblicke'bis hinab in die Nhcinebene und über den Strom hinüber auf den Straßburger Münsterturm. Und wenn die Luft klar ist, so sieht man auf der anderen Seite des Rheintales in scharfen Konturen die blauen Hänge der Dogesen... Deutscher Rundgcsang. Die von Rechts schrieben über den Mann von Links: Er ist ein moralisch verkommener Mensch!— Er ist ein Verräter!— Zeit seines Lebens wird sich sein unheiwoller Einfluß zum Schaden des Vaterlandes geltend machen! 1 1 Ein Zeitungsleser von Rechts, der das alle Tage las und meinte, es müsse doch etwas Wahres daran sein, schoß, weil er es alle Tage las, den Mann von Links über den Haufen. Die von Recht» schrieben: So tief also ist der Haß im Volke gegen diesen unseligen Mann gewesen, daß es zu einer Tat ge- kommen ist, die wir aufs schärfste verurteilen müssen. Die von Links stellten die Tatsache fest, daß eben, weil die von Rechts alle Tage geschrieben hatten, es zu der unseligen Tat ge- kommen sei. Die von Rechts kreischten: Sie betzen! Hält man das für mög- lich! Sie appellieren an die Straße! Ei nun: So lange jene ihren unheilvollen Einfluß ausüben, wird Deutschland nicht zur Ruhe kommen! Ein Zeitungsleser von Rechts, der dies alle Tage las, meinte, es müsse doch etwas Wahres daran fein, und auf daß die Ruhe in Deutschland einziehe, schoß er einen von„Jenen über den Haufen. Woraufhin die von Rechts schrieben: So tief also ist der Haß im Volke gegen diesen unseligen Mann gewesen, daß es zu einer Tat gekommen ist, die wir aufs schärfste verurteilen müssen. Lübecker Kunstausstellungen. Drei wichtige Vorführungen bil- dender Kunst sollen in Lübeck anläßlich der Nordischen Woche zum 1. September veranstaltet werden und bis Ende des Monats pcöffnet bleiben. Eine große N o l d e- Ausstellung wird in der Katharinen-Kirche sämtliche religiösen Bilder des Künstlers zum ersten Male vereinen. In der schlichten, weißgetünchten gotischen Kirche wirken sie stark und überzeugend wie Andachtsbilder des Mittelalters. Auch die Jahrhundert-Ausstellung lü- b e ck i s ch e r K u n st ist besonders reizvoll durch das Gebäude, das sie beherbergt: die wiedererstandene Schönheit eines weiträumigen Vatrizierhause- vom Ende des 18. Jahrhunderts. Ausgewählte Möbelstücke beleben das Bild. Die Overbeck-Gesellschaft im Schabbel- Haus zeigt Nordische Kunst, und zwar in erster Linie Bilder von Edvard Münch. Bilder von Hammershoi schmücken die Diele. Ausgewählte Beispiele schwedischer Graphik zeigen den Zusammen- hang zwischen deutschem und nordischem Kunstschaffen. To« Jüdische Künftlerthenter(im Tieater i. d, Kommandanten. stral-c. wird am TonnerStaz mit»Der Berlassenen Schenke" von Peez Hirschbcin eröffnet. Tascha Leoutjew ist von der Berliner EtaatSoper für die Monat- September und OUober lS'Zl verpflichtet. Er tanzt am Donnerstag den gJaseph" i» der JojephSlegeude. Rllöeutsche Arbeit für Frankreich. P a r l s. 31. August.(LP.) Die letzten Vorgänge in Deutsch- land geben der Pariser Presse Gelegenheil, die„deutsche Gefahr" wieder in den Vordergrund ihrer Betrachtungen zu stellen. 3m „Radlcol" heißt es:„Seit dem Waffenslillsland ist die französische Regierung von dem Gedanken geleitet worden, datz die Sicherheiks- frage für Frankreich allen anderen Fragen vorangehe. Die Zeit ist nicht geeignet, diese Meinung zu ändern. Man dars zweifeln, ob diese Zeit je kommen wird. Mir dürfen nicht vergessen, datz nur unsere Kraft Deutschland zwingt, seine Berpflichkungen zu erfüllen." Der „Eclair" bedauert, datz die Zerstückelung des Deutschen Reiches nicht vom Friedensoertrage vollzogen worden sei. Er schreibt:„3m Rheinland, in Bayern und in Hannover gibt es Bewegungen, wenn auch sehr schwache, die nach Autonomie streben. Mir müssen diese Bewegungen unterstützen, auch wenn sie nicht von Republikanern stammen. Ein Deutschland, in dem Monarchien mit Republiken gemischt wären, würden uns die Sicherheit geben, die wir bedürfen, und es ist kein Grund, zu glauben, datz ein so gebildetes Deutschland uns nicht ebensogut bezahlen würde wie das sehige." London. 31. August.(MTB.) Die Morgenblätter be- schäsligen sich weiter in aussührlichen Telegrammen aus Berlin mit der kritischen Lage in Deutschland. Wirths Erklärungen, datz die Re- publik in Gefahr sei, finden grotze Beachtung.„Times" schreibt in einem Leitartikel, der Wiederausbruch einer heftigen monarchisti- scheu Attentatsagitation in Deutschland müsse aus die ober- schlesischeFrage ungünstig wirken. Der Berliner Bericht- erskatter des Blattes sagt, es seien zahlreiche willkommene Anzeichen vorhanden, datz, wenn die Regierung Wirlh die notwendige Fesligkeil zeige, es Ihr nicht an Unterstützung mangeln werde. Gefterreicbs Wehrmacht in Reserve. Wien. 31. August.(TU.) Namens der Inleralliierlen Generalkommission in Oedenburg hat General Gordon der öster- reichischen Regierung u. a. folgendes mitgeteilt: Ungarn hat West- Ungarn nicht übergeben, und es kann nicht die Aufgabe Oesterreichs sein. Westungarn durch militärische Kräfte zu besehen, sondern Oesterreich mutz warten, bis Ungarn seinen Verpflichtungen nachkommt. 3n informierten Kreisen verlautet, datz der Botschafter- rat in Paris an Ungarn ein kurzbefristetes Ultimatum richten wird, Westnngarn in vollem Umfange an Oeslerreich zu übergeben. Oeden- bürg ist noch immer in den Händen der Ungarn. Der ungarische Ministerpräsident Gras Bethlen erklärt. Ungarn müsse diese Zone so lange halten, bis Oesterreich Bürgschaft für die Zahlung von SVr Milliarden Kronen als Ablösung für die ungarischen Staatsgüter in Westungarn gegeben habe. Wien. 30. August.'(Pol. Korr.) Der französische Gesandte, der britische und der italienische Geschäftsträger haben heute beim Bundeskanzler vorgesprochen und ihm in der Frage der Verwendung der Wehrmacht geraten, sich genau an die Bestimmungen des lieber- gangsabkommens und an die Weisungen der Interalliierten General- kommisslon zu halten. Die Entscheidung der Botschafterkonferenz stehe jetzt unmittelbar bevor. Oesterreich müsse seine bisherige kluge und vorsichtige Haltung bewahren und alles ver- meiden, was seine gegenwärtige angesichts der Haltung Ungarns außerordentlich schwierige Lage zu gefährden geeignet wäre. Wiener Neustadt. 30. August.(WTB.) Mehrere Formationen des Bundesheercs gehen an die bisherige Grenze Westungarns ad, um gegebenenfalls die Gendarmerieabteilungen unterstützen zu können. Wien. 30. August.(Amtlich.) Aus Grund des heute der öfter- reichischen Regierung zur Kennnits gebrachten Beschlusses der Jnter- alliierten Generalkommission in Oedenburg wurde von der Ver- wendung des Bundesheeres im Burgcnlande zunächst Abstand genommen. Die Garnison Wiener Neustadt wurde durch ein Bataillon verstärkt. Für eine Unterstützung im Burgenlande in Betracht kommende Teile des Bundesheeres sind auch weiterhin in strenger Bereitschaft. p Inzwischen hat Räuberhauptmann Ostenourg, angeblich auf Weisung des ungarischen Kommissars Sigray, die kgl. ungarische Herrschaft in Oedenburg wieder aufgerichtet. Dieser Ostenburg kam- mandiert die offizielle Gendarmerie. Ein Ententeoffizier gefalle«. Wien. 31. August.(DA.) Wie im Parlament verlautet, ist bei den Zusammenstößen in Westungarn ein die österreichische Gen- darmerie begleitender Enienteoffizicr gefallen. In St. Margarethen, das von österreichischer Gendarmerie besetzt ist, brach abends ein Trupp von 50 Ungarn ein. Es kam zu einem Feuergefecht, die Ungarn wurden vertrieben, schleppten aber einen Gendarmen mit, den sie dann im Walde erschossen. Der Sekretär Schneider des ch r i st l i ch s o z i a l e n Abg. Dr. Mataja, der in St. Mar- garethen weilte, wurde gleichfalls verschleppt und soll auch erschossen worden sein. Oedenburg und dessen Umgebung war schon in den letzten Tagen von bewaffneten Banden überfüllt. Die Entente- Mission war wiederholt darauf aufmerksam gemacht worden. Die Oedenburger Stadtpolizei trug Bänder in den ungarischen Rattonal- färben mit der Ausschrift:„Nein, Rein, Niemals" U-Soot-prozeß in �onöon. London, 80. August.(Reuter.) In der Strafsache gegen den Führer des deutschen U-Bootes 55, Kapitänleutnant Werner, wegen der auf der Höhe der Scilly-Jnfeln erfolgten Torpedierung des englischen Hospitalschiffe» Torrington, wobei 34 englische See- leute umkamen, wurde heute der einzige Ucberlebende der Torring- ton, Kapitän Starkey. als Zeuge vor dem Polizeigericht ver- nommen. Die Anklage gegen Werner, der bisher von den deutschen Behörden nicht oerhaftet worden ist, lautet auf Mord. London. 30 August.(Reuter.) In dem Prozeß wegen der am 8. April 1017 erfolgten Torvedierung des Hospitalschisscs Tor- rington führte der Anwalt der britischen Regierung aus, daß das Schiff von Gibraltar nach Barry Roads fuhr und nur ein Geschütz lediglich zu Verteidigungszwecken an Bord hatte. Der Mann am Auszuck habe Rettungsboote gesichtet; daher fei der Kurs des Schiffes ein wenig geändert worden, damit etwaigen Urbcrlebenden Hilfe geleistet werden könnte. Plötzlich habe der Kapitan die Spur eines Torpedos bemerkt. Das Torpedo habe das Schiss getroffen, das beschädigt worden, aber nicht gesunken sei. Kurz daraus sei da» Unterseeboot an die Oberfläche gekommen und habe sofort das Feuer auf die Torrington eröffnet, ohne sie aber weiter zu beschädigen oder jemanden zu töten. Kapitän Stvrkey habe der Mannschaft befohlen, in die Rettungsboote zu gehen. Darauf mußten Startey und die Mann» fchaft eines der Rettungsboote auf das Unterseeboot kommen und sich auf Deck ausstellen. Starkey wurde später unter Deck oerhört und beschuldigt. P i r a t zu sein. Ein Unterscebootoffizier bemerkte, daß die Mannschaft der Torrington selbst für sich sorgen könnte. Die deurschen Seeleute fuhren in einem der Rettungsboote zur Tor- rington. Als sie zurückkamen, bemerkte man, daß sie Vorräte bei sich hatten, die aus dem zweiten Rettungsboot genommen worden waren. Das Unterseeboot tauchte für 20 Minuten unter, und die auf Deck befindlichen englischen Seeleute wurden herunlergespülk und ertranken. Zu dieser Zeit war kein anderes Schiff zu sehen. Das Untersee» boot breuzte beinahe einen ganzen Tag in der Nähe. Die See war vollkommen ruhig, die Rettungsboote waren in gutem Zustande. Während Starkey Gefangener auf dem U-Boot war, wurden zwei andere Schiffe fast in der gleichen Weise torpediert, und mit ihrer Mannschaft wurde ähnlich verfahren. Starkey wurde nach Deutsch- land geschickt, kehrte bei Beendigung des Krieges zurück und er- stattete darauf Bericht._ Süümöien im flufstanü. Von jeher wa/en die nördlichen Randgebirge Indiens ein un- ruhiger Boden. Früher unterstützte Kabul die Bergstämme, bis er selbst unterlag, dann Afghanistan, und in den letzten Jahren äußerte sich die weitwirkende Kraft des Bolschewismus, der den Orientvölkern die Befreiung von britischer Herrschaft ankündigte, in immer neuen Aufständen. Nun aber ist auch das südliche Borderindien in Bewegung und die englische Presse ist voll von Schauernachrichten über Verbrechen der Eingeborenen und über ihre Niedermähung durch die Maschinengewehre Seiner britischen Majestät, des Kaisers von Indien. Ein Beispiel dieser Meldungen: London, 30. August.(MTB.) Das Indische Amt meldet, daß die Truppen und Polizeistreitkräfte auf dem Marsche von Ealicut nach Malapuram am 26. August von einer bedeutenden Streitmacht der Moplahs, die mit Karabinern, Jagdflinten, Schwertern und Dolchen bewaffnet waren, angegriffen wurden. Die Rebellen stürmten mit ihrer traditionellen Wildheit und Todesverachtung in den Kampf, der fünf Stunden dauerte, ihre Verluste werden auf 500 Tote geschätzt. Auf britischer Seite fielen e i n Offizier und zwei Soldaten, 6 wurden verwundet. Die Abteilung hat Malapuram erreicht und die dortige Garnison nach Ealicut zurückgebracht. Mus öer Partei. Sozialdemokratischer Beamlcnlag. Die Unterbezirksleitung der SPD. für die vier Harzkreise Oschersleben, Halberstadt, Wernigerode und Quedlinburg hatte zu Sonntag, den 28. August, einen Beamtentag nach Halber- stadt einberufen, der sich zu einer imposanten Kundgebung der sozialdemokratischen Reichs-, Staats- und Kommunalbeamten ge- staltete. Wirkungsvolle Chorlieder der Arbeitersänger leiteten die Kundgebung ein, denen ein Prolog des Harzer Arbeiterdichters Fritz Cille folgte, vorgetragen vom Schauspieler Genosse Gürt- l c r vom Halberstädter Stadttheater. Oberbürgermeister Genosse Weber- Halberstadt wies in seiner Begrüßungsansprache auf die Bedeutung dieses ersten Beamtentages gerade in dieser Stunde hin. Alsdann legte in wirkungsvolle: Rede der Landtagsabgeordnete Ge- nasse R e u m a n n- Magdeburg das Verhalten der politischen Par- teien zum Beamtenrecht dar. Oberbürgermeister Genosse B e i m s- Magdeburg sprach über die Beamtenschaft und ihr Ver» hältnis zur Sozialdemokratie. Genosse Wäger- Berlin, von der Reichswerbezentrale der Partei beim Hauptvorstand, sprach als dritter Redner über Mittel und Wege in der Beamtenagitatton. Helle Begeisterung sprach aus den Worten aller Diskussionsredner und mit erfreulicher Einmütigkeit stellte sich die große Zahl der an» wesenden Beamten aus allen Orten der vier Kreise hinter die So- zialdemokratie. In einer einstimmig angenommenen Protestreso- lution wurde der Reaktion und den n a t i o n a l i st i s ch e n Hetzern der schärfste Kampf angesagt, die mit ihren reak- tionären Vereinigungen Sturm laufen gegen die Existenz der Be- amten, Angestellten und Arbeiter. Rückhaltlos bekannten sich die Beamten zur demokratischen Republik. Sie forderten ein freies Be- amtenrecht, den freien ungehinderten Aufstieg in die höheren Stel- len, die hinreichende Sicherung ihrer wirtschaftlichen Existenz gegen die immer schärfer einsetzende Teuerung, die stärkere Heranziehung der kapitalkräftigen Kreise zu allen Lasten, damit den Beamten ge- geben werden kann, was sie zur Erhaltung ihrer Kräfte für den Dienst der Gesamtheit brauchen. Sie gelobten, mit ganzer Kraft für die Sozialdemokratie einzustehen. So schloß diese würdig ver- laufen« Kundgebung mir einem vollen Erfolg für die Partei. Die Zeit ist öa! Endlich raffen sich unter der Einwirkung der arbeitenden Klassen die Behörden zu einem energischen Vorstotz gegen die monarchistischen Feinde der Republik auf. Es gilt, nicht auf halbem Wege stehen zu bleiben. Die schlimmste Gegnerschaft gegen alle sozialen und politischen Errungenschaften findet sich in jener bürgerlichen Presse, die Tag für Tag die Republik und besonders die sozialdemokratisä)« Arbeiterschaft und ihre Führer begeifert. Parteigenossen! Die beste Abwehr diese/ Feinde ist die Verbreitung der sozialdemokratischen Presse. Durch sie wird ein täglich wirkendes Gegengewicht gegen die kapitalistischen reaktionären Einflüsse geschaffen. Darum nutzt öie Stunde, werbt unablässig neue Leser für euer Blatt, das in allen Stürmen der Republik und dem Sozialismus dient. Entfaltet eine emsige und wirksame Werbetätigkeit! Die Zeit ist da und sie ist günstig! Jeder, der sich zur Republik und zum Sozia- lispius bekennt, werde Leser des „vorwärts*. Nachstehender Bestellzettel ist auszufüllen und an die .Hauptgeschäftsstelle des„Vorwärts", Berlin SW. 68, Linden- ftraße 3, einzusenden. Ich abonniere den„Vorwärts" mit der illustrierten> � Sonntagsbeilage„Volk und Zeit", der UnterbaltungSveilage< .Heimwelt" und der 14täAig erscheinenden illustrierten Bei-> läge„Siedlung und Kleingarten" in Groß-Berlin< täglich zweimal frei in? Haus für 10 M. pro Monat September.; Name——-------..-..................:: Wohnung: Straße Nr. vorn- Hof— Luergeb.— Seitenfl.-~.Tr. links— recht« bei____ OeweMhaftsbewegung Süc üie Republik! Dis Gewerkjchaften Huben wirklich alle Ursache, sich rückhaltlos für die Sicherung und Erhaltung unserer republikanischen Staats- Verfassung einzusetzen. Damit aber zugleich für all« übrigen Errungenschaften, die wir der Revolution verdanken. Die Kriegs- folgen in wirtschaftlicher Beziehung und die Zerreißung der politi- ichen Einheitsorganisation verhinderten es bisher immer noch, uns der Bedeutung der Errungenschaften der Revolution vollauf bewußt zu werden, sie gebührend zu würdigen und zu achten. Zugegeben, daß wir von politischen Freiheiten allein nicht satt werden, so bleibt doch zu beachten, daß wir es ohne dem noch weni- ger werden. Wir stehen am Anfang des Wiederaufbaus unseres Wirtschaftslebens, dessen Funoament die republikanische Staatsver- fassung bildet. Wird dieses Fundament zerstört, werden damit alle unsere Hoffnungen begraben. Mit unseren politischen Freiheiten steht und fällt der Achtstundentag, das Mitbestimmungsrecht in den Betrieben, kurzum all das, was wir der Revolution oer- danken. Wenn die Reaktion bald wieder kühner ihr Haupt erhob, die Nutznießer des gestürzten Regiments immer dreister auf den Plan traten und immer ungenierter die Konterrevolution propagierten, durch einen Meuchelmord nach dem anderen sich den Weg zur Ber- wirklichung ihrer verbrecherischen Absichten zu ebnen suchte, so schöpfte sie ihren Mut dazu hauptsächlich aus der politischen Uneinig. keit des Proletariats, aus der Zersplitterung seiner politischen Or- ganisation. Das Proletariat stünde heute den Dingen machtlos gegenüber, wenn es sich nicht in seinen Gewerkschaften die Einig- keit zu erhalten wüßte. Rur in unserer Geschlossenheit liegt unsere Macht! Und wenn wir heute nachmittag demonstrieren gegen die monarchistischen Staatsoerräter, gegen den Meuchelmord als politische Waffe, dann mögen wir uns darüber ktar sein, daß dies« Demonstration nur dann von nachhaltiger Wirkung sein kann, wenn wir alles dran- setzen, unsere gewerkschaftliche Einheit zu erhal- ten, unsere gewerkschaftlichen Organisationen zu st ä r t e n und durch die gewerkschaftliche Zusammenarbeit auch den Boden zu bereiten zur Wiederherstellung der politischen Einheits- front des klassenbewußten Proletariats. Der alten Losung der Machtlüsternen: Teile und herrsche! haben wir die Verwirklichung unserer Erkenntnis entgegenzustellen: Einigkeit macht stark! Patschcke und Oberpostrats Wen dt. wilhelminischer Zeit Wer weiß, wie in alle Andersdenkenden in rücksichtsloser Weise verfolgt wurden, dem erscheint diese zarte Rücksichtnahme der Geheimräte in recht sonderbarem Lichte. Jedenfalls sind es recht eigenartige„Stützen der Re- publik", die sich in einem republikanischen Staatsbetriebe an oberster Stelle befinden. Es dürfte endlich an der Zeit sein, mit diesen fortgesetzten Widerständen, die sich bei allen, auch den kleinsten Begebenheiten auswirken, gründlich aufzuräumen! „stützen der Republik" in der Reichsdruckerei. Die Arbeiter und Angestellten der Reichsdruckerei hatten ein« mütig beschlossen, sich an der Demonstration für die Erhaltung der Republik gegen die Reaktion vollzählig zu beteiligen. Um die Einmütigkeit dieser Demonstration für das gesamte Personal herbeizuführen, erging auch an den Beamtenausschuß die Aufforderung, sich an dem Aufruf zur Demonstration und an dieser selbst zu beteiligen. Die Antwort war, daß die Beamten auf dem Boden der Verfassung ständen und es jedem freigestellt sei, sich an der Demonstration zu beteiligen. Eine Beteiligung an dem Aufruf lehnten sie ab. Die Gründe für diese Ablehnung liegen einmal in der Abneigung, mit der Arbeiterschaft überhaupt etwas zu tun zu haben, da man sich über dem gewöhnlichen Pro- leten hoch erhaben fühlt und zum anderen durchaus in der reaktionären Gesinnung eines großen Teils der Beamten, die sogar damals beim Kapp-Putsch bis auf wenige Ausnahmen ihrem Unwillen Ausdruck gaben, gn ihrer Betätigung für die Kapp- Regie- rung gehindert zu werden. Um die Arbeiterschaft über die Ursache der jetzigen Bewegung aufzuklären, sollten kleine P l a- kate gedruckt werden, in denen alle Angehörigen der Reichs- druckerei, die auf dem Boden der republikanischen Staatsauffassung stehen, aufgerufen werden sollten, sich an der Demonstration zu be- teiligen. Die Herren Geheimräte und Oberposträte in der Direktion der Reichsdruckerei versagten die Genehmigung zum Druck dieser Plakate mit der Ve- gründung: „Die Direktion könne politische Aufrufe weder von links noch rechts gestatten und ließ durchblicken, dieser Aufruf könne die Ge- fühle Andersdenkender verletzen." Unter den„Andersdenkenden" kann man sich doch nur Monarchisten vorstellen. Und diese Feinde der Republik werden von der Direktion der Reichsdruckerei recht sorglich in Schutz genommen, damit ja nicht ihre monarchistischen Hakenkreuzgefühle verletzt werden. Das Gerede von über den Parteien stehend klingt nicht überzeugend aus dem Mund« eines Geheimrats Nicht demonstrieren— Ucbcrstunde» macheu! Im Betriebe der Kommerz- und Privatbank, Charlotten- st r a ß e 47, hat sich folgendes ereignet: Der Betriebsrat dieser Bank wurde bei der Direktion dahin vorstellig, den Angestellten zu gestatten, heute nachmittag den Be- trieb um Wö Uhr zu verlassen, um ihnen Gelegenheit zu geben, sich an der Demonstration zu beteiligen. Dieses Ersuchen wurde abgelehnt. Der Betriebsrat brachte dies den Angestellten in üblicher Weise zur Kenntnis mit der Aufforderung an sie, als wahre Republikaner und Demokraten den Betrieb nach Beendigung der Bureanzeil, d. h. um 5 Uhr, zu verlassen, ohne Rücksicht auf die sonst üblichen Ueberskunden, um gegen Reaktion und Meuchel- mord für Freiheit und Recht zu demonstrieren. Die Direktion hat den Betriebsrat zu sich gebeten und ersucht, den Anschlag aus dem Anschlagkasten zu entfernen, anderenfalls sie den Anschlag gewaltsam entfernen würde. Der Betriebsrat hat dieses Ersuchen selbstverständlich abgelehnt. Daraufhin hat die Direktion den Anschlag gewaltsam entfernt, gegen den ausdrücklichen Willen des Betriebsrats. Die Direktion hat ferner erklärt, daß sie, falls der Betriebsrat diesen Anschlag den Angestellten auf andere Art und Weis« zur Kenntnis bringt, sie dem Betriebsrat gegenüber von ihrem Hausrecht Gebrauch machen würde. Es bleibt abzuwarten, ob die Direktion die Unverschämtheit so weit treibt, heute sogar Ueberstunden zu fordern. Funktionäre der Holzindustrie, Streikversammlung. Die Versammlung findet morgen nicht um 11 Uhr, sondern um 10 Uhr statt._ Rustland- und Georgienhilfe. Bei der Gewerkschaftskommission Berlin und Umgegend gingen folgende Beiträge ein(in Mark): Aenne Grau 20, Frau Grybowski 20, Kollegenschaft der Gr. Berl. Straßenbahn, Dienststell« 20/21(Treptow) 1371,50, Parteillos Eliefe IS, Städt. Tischlerei Neukölln 482, Björn Hallström 5, Ber- band der Schuhmacher auf Listen 5000, Verband der Bauarbeiter auf Listen 10 000, Alfred Gottwald 40, Sparverein„Glückauf", Wrangelstr. 54, 200, Frau Haller, Großenhain i. S., 10, Verband der Textilarbeiter auf Listen 4500, Karl Gutsche 20, Verband der Sattler u. Tapezierer auf Listen 2658,95, Deutscher Eisenbahner- verband auf Listen 5000, A. Pelzmann 5, Arbeiter der Berl. Privat- Telephon-Ges., Bez. Moritzplatz, 375, Verband der Bauarbeiter auf Listen 16 000, Verband der Schuhmacher auf Listen 8000, Frau Herrfurth 10. U. K.. Bernau. Liste 1781: 219, Liste 1783: 130, Liste 1784: 131; vom Deutsch-sozialdemokratischen Verein Bergen in Norwegen 1738,75(150 Kronen), Verband der Transportarbeiter auf Listen 2500, Dr. Curt Boenheim 500, Verband der Glaser auf Listen 1000, Verband der Sattler u. Tapezierer auf Listen 2844,20, Verband der Textilarbeiter auf Listen 2500, Verband der Transport- arbeiter auf Liften 4800, O. Schuster 100, Verband der Maler auf Listen 3108, Verband der Sattler u. Tapezierer auf Listen 2217,50, Gesangverein„Kreuzberger Harmonie" 225, dessen Chormeister Schwarz 75, Bureauliste der Freigewerksch. Betr.-Räte-Zentr. 145: in Summa 75 965,90 M. Die Sammellisten Nrn. 1559, 1560, 5674 sind verloren ge- gangen: wir bitten diese anzuhalten und im Bureau der Gewerk- schaftskommsssion Berlin und Umgegend, Engelufer 24/25, abzu- liefern._ Frauenorganisation gegen Frauenarbeit. Der verband der weiblichen Handels- und Bureauangestellten ist mit dem Deutschnationalen Handlungsgehilfenverband im GkA. zusammengeschlossen. Er behauptet von sich, die Interessen der weiblichen Angestellten wahrzunehmen. Wie sieht nun diese Interessenvertretung aus? Gelegentlich der Wahlen zum Berliner Kaufmannsgericht hat der VwA. in Gemeinschaft mit dem DHV. und dem DBB. Provaganda für die sogenannte„Wertarbeitsliste" des DHV. gemacht. Er ging darin sogar so weit, daß er besondere Stimmzettelverteilerinnen aus den Reihen seiner Mitglieder stellte, die diesen die Stimmzettel für die„Wertarbeitsliste" empfahlen. Das geschah, obwohl während des Wahlkampfes der DHV. ein Flug- blatt herausgab, in dem er zum Ausdruck brachte, daß er nur auf die Wahrnehmung der Interessen der männ- lichen Angestellten eingestellt sei und für die Ein. schräntung der Frauenarbeit eintrete. Durch die Empfehlung der„Wertarbeitsliste" des DHV. hat demnach der VwA. sich gleichfalls zum Vertreter der F orderung nach Einschränkung der Frauenarbeit im Handels- gewerbe gemacht. Weibliche Angestellte, beachtet diese Tatsache und veranlaßt alle Kolleginnen, dem Verband der weiblichen Handels- und Bureauangestellten den Rücken zu kehren und einzutreten in den Zentralvsrband der Ange st eilten, der einzigen Organisation, die für Gleichberechtigung der weiblichen Ange st eilten eintritt. Die Lohnbewegung der Rollkutscher beendet. Die Rollkutscher und Speditionsarbeiter hatten am Dienstag wieder eine äußerst zahlreich besuchte Versammlung. Es galt die Stellungnahme zu den letzten Zugeständnissen der Arbeitgeber. P i s ch e l gab den Bericht. Nach Ablehnung der früheren Zuge- ständnisse durch die Versammlung am 25. August ist man nochmal an die Arbeitgeber herangetreten. Durch Schreiben vom 27. August machte der Lokalverein Berliner Spediteure weitere Zugeständnisse, die er als die allerletzten bezeichnete. Das vorletzte Angebot, die Wochenlöhne betreffend, wurde erhöht für die erwachsenen Roll- kutscher und Speditionsarbeiter von 370 M. auf 380 M, für die Jugendlichen unter 17 Iahren von 150 auf 153,50 M, für die Jugendlichen über 17 Jahre von 170 auf 173,50 M., für die Jugendlichen von 19 bis 20 Jahren von 205 auf 211 M. und für die von 20 bis 21 Jahren von 255 auf 263 M. Vom 21. Lebensjahre ab wird der volle Lohn gezahlt. Nach lebhafter Diskussion beschloß die Versammlung in ge- heimer Abstimmung, das Angebot der Arbeitgeber anzunehmen. Abgegeben wurden 1292 Stimmen. Für die Annahme stimmten 1051. „Gelbe wächterorganisalioa." Auf Grund zahlreicher Anfragen von Betriebsräten u. a. teilt der Deutsche Portierverband(Sektion 7 des Deutschen Transportarbeiteroerbandes) mit, daß es sich nur um die Firma Wachbereitschaft, Groß-Berlin, An der Spandauer Brücke 7, handelt. Die Organisation ist bereit, in dieser Frage jederzeit Auskunft zu geben im Bureau, Bayreuther Str. 31(Kur- fürst 9832). Der ZNetallarbeilerstreik in Halle a. d. S. mit etwa 8000 Ar- beitern geht weiter. Der Schiedsspruch wurde mit 2957 gegen 235 Stimmen abgelehnt. /lue aller Welt. Acht Millionen Mark Schadenersah für gestohlene Pakete. Die Elberfelder Strafkammer verurteilte einen Postschaffner, der sich seit 30 Jahren im Dienste befand, zu 18 Monaten Gefängnis und sprach ihm die Fähigkeit zur Bekleidung von Aemtern auf die Dauer von fünf Iahren ab, weil er in der Zeit von 1916 bis 1920 fortdauernd Posträubereien begangen hatte. Bei einer Haussuchung fand man ganze Warenlager gestohlener Pakete und sonstige Wertsachen bei ihm vor. Ein höherer Beamter der Düsseldorfer Oberpostdirektion erklärte in der Verhandlung gegen den Postschaffner, daß Elberfeld ein Hauptherd für Postdiebereieu sei. Im Laufe der letzten Jahre sind 10 000 Pakete gestohlen worden, und der Postfiskus hat inner- halb einer verhältnismäßig kurzen Zeit acht Millionen Mark Schaden- ersatz leisten müssen. Verantwortlich für b-n redakt. Teil: Viktor Schiff, Berlin: für Anzeigen: TS.»lotfe, Berlin. Vertag: vorwärts. Verlag@. m. 6,®., Berlin. Druck: Lor- »ärtS-BuSdruckerei u. BerlagSanttalt vani Singer u. To.. Berlin. Lindenstr. 3. Hierzu 1 Vellage. Gewinn-Auszug 18. Preuß.-Dudd.(244. Prcuß.) Klassen-Lotterie S. Klasse 1. Zi.hnng«lag SO Angust 1921 ainf jad» gezogene Mummet flnv zwei gleich hohe wewiune gefallen, und zwar|e einer auf Sie Lose gleicher Stummer in den bctOen Abteilungen I unb ll Chnt SewShr. A achdruck verboteu. I» der Vormitlagtzithung wurden Gewinne über ZgZ Marl gezogen: S an 100000 M 230182 4 an 10000 M 121643 181685 2 UN 5000 M 217553 8 au 3000 M 134581 207143 278483 18 an 1000 M 66898 70496 72050 102270 111514 167938 271014 273884 20 an 500 Zl 39(1 104538 140955 180838 211302 250209 270327 27 053 £71472 282167 In der Zlachmittasezt-hnng wurden Gewinne Über 393 Marl gezogen: 2 an 175000 M 227084 2 an 60000 H 182425 2 an 40000 M 45224 8 an 3000 M 188868 225220 286831 S an 1000 M 12901 58147 208771 237430 28 an 600 M 54888 71622 187664 146207 163080 184782 195443 202541 205809 213085 231001 237683 252149 271029 ÜXUSE Erhältlich in Apotheken und Drogerien. 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Spanbau: SN II ad, Maritzstr. 14, Garth. 3 St. Staaken: Frau stuf er au, Staaken, Scheidtstr. 12. Sndenbe: Ludwig Kolskestc. 36. Ticgiitz: Schildhornstr. 2s. Tegel, Borfigwalbe, Reinickrndorf.Best,«aidmaausln?!. frei« Scholle, Kermodors, Birleuwerder, Bergselde. tolpe und Borgsdorf: Borstgivalde. Röufchstr. 16. Ge- öffnei oon 9—6 Uhr. Teltow: st r ll g e r. Schönow, Dvrfstr. 9. Tcmpclhof: staifer-Wilhelm-Str. 13. Tempelhof: st a n d l e r, Hoheniallernkorfo ö. Trebbin: Göring, Vahnhofstr. 62. Trrpiow: Gramen».strefbolzstr. 412, dorn 1 Tr. Weitzenfee: Berliner Allee 64. Wildan-Krhenlehmr: R u d. L e t i o w. Wilhelmshagen, Keffenwlulel: Schulze. Wilhelmshagen. Wilhelmstr. ZI. Wilmersdorf: Kolsteinifchs Str. 19.«aiferplatz 16. Wittenau: Wilh. Zimmermann. Rofenihaler Str. 46. Woltersdorf: Schurbau«. Eichendamm 22. siehleabori. Schlochienlee Rikolasiee: W e g n e r stehlen- dorf. Teltower Str. 8. stentden. Miersdorf: Ernst Winterleld steuthen. sturfllrllenstr. 46. 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