flr. 41 3» 3$. Jahrgang Ausgabe A Nr. 209 Bezugspreis: SStcrtcIjäljrLSO,— 311., monotL 10,— M. frei ins Saus, Daraus joijlbat. Paii- dezug: Mouatlich IS.— ZU. eiufdjLSu* sirllungsgedühr Uuler Kreuzband für Deulsiiilaui), Dauzig, das Saar- und Memelfiebiel, fauue die ebemais beut- fchen Gebiete Polens Oesterreich. Ungarn und Luxemburg 20,- M.. fiit das übrige Ausland 27,— M, Post» bestellungen aehmen an Oesterreich, Ungarn, Tschecho» Slowafei, Dane- niarl. Halland, Luxemburg, Schweden und die Schweiz, Der.Vorwärts" mit der Sonntags» beilage„Bot! und Zeit", der Unter» halmugsbciiage„Seimtuelt" und der Vellage.Siedlung und Kleingarten" ericheint wochentäglich zweimal. Sonn» tags und Montags einmal. Telegramm• Adreste. .SozialOamottal Berlin" Morgen Ausgabe c OroB» Berlin SO auswärts 40 Pfennig mig J Berliner Volksblstt AnzetflcnpreiS, Die achtgefpalten, Nonvarelllezeile tostet bM M»Steine Anzeige»" da, fettgedruckt» Won IL« M. Sinnbild jener kapitalistischen Pressegewalt ansehen, die auf der einen Seite ihrem Haß gegen die Republik Luft machen, auf der anderen Seite ober die kleinen Leute, die noch immer aus Ge- donkenlosiokeit den„Lokal-Anzeiger" le'en. nicht vor den Kopf stoßen möchte. Daher beim„Lokal-Anzeiger" Demonstrationen, was beim „Tag" Provokationen sind._ Geane? öer Demonstration. Dem Betriebsrat der N o r d st e r n- F e u e r v e r s i ch e- rungs-Aktiengesellschaft in Schöneberg ging gestern folgendes Schreiben zu: „In Verfolg der gestern und heute mit Ihnen stattgehabten Be- sprechungen wegen vorzeitiger Befreiung vom Bureaudienste sür die Teilnahme an den heutigen Demonstrationen teilen wir Ihnen er- gcbenst mit, daß uns der Arbeitgeberverband nach-- stehendes Schreiben zugehen ließ: „Ein etwaiges Ersuchen der Betriebsvertretungen, die Betriebe bereits ab 2 Uhr nachmittags oder überhaupt vor der üblichen Beendigung der Dienststunden zu schließen, entbehrt jeder Berechtigung und ist daher abzulehnen. Sobald einzelne Angestellte um vorzeitiges Beurlauben nach- suchen sollten, gilt das gleiche. Denjenigen Angestellten, die trotz Verweigerung des vorzeitigen Betriebsschlusses oder der Be- urlaubung den Dienst verlojfeu, ist zu eröffnen, daß sie dies auf eigene Gefahr tun, und die Gcfchäftsleitung sich alle Maß- nahmen vorbehält." Wir sind hiermit nicht in der Lage, den vorgetragenen Wünschen zu entsprechen. Hochachtungsvoll Nordstern-Fsuerverfichcrungs-Aktien-Gesellfchaft Die Direktion. Unterschrift." Sollten die Berliner Scharfmacher immer noch nicht missen oder es schon wieder vergessen haben, daß solchen Volks- bewegungen mit den alten verbrauchten Methoden nun einmal nicht mehr beizukommen ist. dann kannten sie sich am Mittwoch rm Lustgarten einige Aufklärung darüber verschaffen. Wollen sie aber' den Standpunkt ihrer Hcrr-im-Hause-Fiktion weiter- bin aufrechterhalten, dürfen sie sich nicht wundern, wenn sie mit den tatsächlichen Verhältnissen gelegentlich in starken Widerspruch geraten. O Der Betriebsrat von Orenstein u. Koppel hatte mit der Firma vereinbart, daß es den Angestellten anbeimgestellt ist, an der Dsmonstration teilzunehmen und zu diesem Zwecke um 4 Uhr das Bureau zu verlassen. Jedoch würde bei schwacher Be- teiliaung die halbe Stunde innerhalb der nächsten Tage nachzu- arbeiten sein. Bei starker Beteiligung würde die halbe Stunde vom Gehalt gekürzt werden.— Hierzu wird bemerkt, daß die Beteiligung an der Beerdigung der Kaiserin seinerzeit ohne westeres, und zwar für den ganzen Tag gestattet wurde. » Auch das Landesfinanzami Groh-Verlin, Abteilung Reichsschatzverwaltung, bekundete eine sehr„zurück- haltende" Stellungnahme gegenüber dem Ersuchen der Angestellten lind Arbeiter der Zweigstellen I und II um früheren Dienstschluß zwecks Teilnahme an der Demonstration. Die Betriebsräte beider Zweigstellen setzten sich mit dem Vertreter des Chefs, dem Herrn Regierungsinspektor Lehmann, in Berbindung. Es wurde ihnen erklärt, da keine Order der vorgesetzten Behörde lReichsschatzminstterium) vorliege, könne die Genehmigung zu früherem Schluß nicht erteilt werden. Auf die weitere Frage, was geschehe, wenn jemand früher gehe, wurde sür diesen Fall frist- lose Entlassung angedroht. Die zuständigen Abteilungs- vorstände wurden angewiesen, den Arbeitern und Angestellten diese Entschließung bekanntzugeben, was denn auch von den Beamten (ehemaligen Militärbeamten) auf schnellstem Wege und mit offen- sichtlicher Befriedigung geschah, Man könnte über diesen Vorfall als einen Akt des Bureau- kratismus hinweggehen, wenn man sich nicht erinnern müßte, daß am Tage vor der Beerdigung der früheren Kaiserin— den Angestellten und Arbeitern, ohne daß sie darum gefragt hätten, mitgeteilt worden ist, daß, wer an der Beisetzungsfeier in Potsdam teilnehmen wolle, ohne weiteres Urlaub für diesen Tag erhalte. Damals also eine monarchistische Kundgebung in der Republik und dazu das Angebot eines ganztägigen Urlaubs, jetzt aber eine republikanische Kundgebung nicht nur, sondern zugleich eine Ehrung des auf monarchistische Umtriebe hin er- mordeten ehemaligen Finanz Ministers— und dazu lehnt eine hohe Finonzbehörde es ab, unter Androhung der Ent- lasiunq der Bitte der Arbeitnehmer zu entsprechen, sie auch nur etwa eine Stunde vom Dienst zu befreien.— Es scheint etwas faul im Staate der höheren Beamten, die im Dienste der Republik stehen!_ Nationaliftifcbe Gemütsmenschen. Ein Leutnant der Hamborner Schutzpolizei. Aus Hamborn wird der Dena gedrahtet: Als die Nachricht von der Ermordung Erzbergers In Hamborn bekannt wurde, lieh ein Leutnant der Schutzpolizei seine Hundertschaft antreten und hielt an seine Leute folgende Ansprache: „Kameraden, ich habe Euch eine freudige Mitteilung zu machen. Ein Revolulionsschwcln ist verreckt, hossentlich folgen ihm bald alle anderen Rcooiuiionsschweine nach." Diesd Aeußerung des Leutnants ist jetzt in Hamborn bekannt ge- worden und hat unter der Bcrgarbeitcrschaft eine gewaltige Erregung hervorgerufen, deren Folgen vorläufig noch nicht ab- zusehen sind. Zu den deutschnationalen Provinzblättern, die anläßlich der Ermordung Erzbergers in Orgien der Roheit schwelgten, gehört auch der„L a u e n b u r q e r Anzeiger". Er schreibt in seiner Nummer 20V vom 28. August 1921: Wir haben kein Mitleid mit dem Geschick eines Mannes, der kein Mitleid hatte mit dem Geschick seines Volkes. Dieser Wichtigtuer und Gernegroß, der um seiner Eitelkeit willen mit dem Leben eines 70-Millioncn-Volkes spielte, dieser Reichsverdcrber, der nicht einmal, sondern hundertmal Verrat am deutschen Volk und seiner Ehre geübt hat, der, dem der Kampf um Leben und Tod unserer Nation eine„Sach" war, nach der man„trinken und lachen" dürfe,— er ist durch raschen Tod dem Gericht des zur Besinnung kommenden deutschen Volkes ent- gangen. Millionen werden an seinem Grab stehen und ihm den Fluch eines gclchändeien und verelendeten Volkes nachsenden. ... Deutschland hat Ruhe vor ihm." Einen Gipfel erklimmt auch der deutschnationale Parteisekretär W. M a h r o n, der in Nr. 291 der„Stralsunder Zeitung" sein Ur- teil über den Mord in dem lapidaren Satz formuliert:„Nicht der Mörder, der Ermordete hat schuld!" Er trifft sich im Geiste mit dem Pastor K l a t t aus Neustadt ick vberschlcsien, der nach Meldung des ,,B. T,", im Lehrerzimmer des Gymnasiums ge- sagt hat:„Erzbcrger tut mir nicht leid, mir tut nur leid, der ihn erschossen hat." Herr Klatt ist Deutschnatio- naler. Als Pastor vertritt er wahrscheinlich mit besonderer Grund- lichkeit die deutschnationale Progrommfordcrung auf„Vertie- sung des christlichen Bewußtsein s". Seme Aeußerung liegt offenbar ganz im Sinne des Nazareners... Jeder Gipfel deutschnationaler Roheit wird noch durch einen andern überhöht. In der„Bielefelder Turnzeitung" ist zu lesen: Detmold, 29. August. Das folgende unerhört rohe Borkomm- nis hat sich in der„Graten bürg" am„Herman" am Freitag zugetragen. Dort fand ein Konzert statt, als die Nachricht von dem feigen Meuchelmorde an Erzberger bekannt wurde. Eine Anzahl wildgewordener Rechtsbolschewisten veranlahte daraufhin die kon- zertierende Kapelle, einen„Znbeltusch" und„Deutschland, Deutsch- land über alles" und„O Deutschland hoch in Ehren" zu spielen. Und es geschah unter dem losenden Beifall rasender Rationalisten. „O Deutschland, abgrundtief in Schande, daß die Verrohung de-- öffentlichen und privaten Moral bei Menschen, welche sich„national" nennen, einen solchen bodenlosen Tiefstand erreichen kann", so be- merkt das Bielefelder Blatt treffend dazu. Reaktionäre Quertreibereien. Eine Reichsratsdebattc über die Ausuahmeverordnnng. Der Rsichsrat war gestern abend zu einer Tagung zu» fammengetreten. Der Reichsminister des Innern, Genosse Gradnauer, eröffnete die Sitzung mit einem Nachruf für Erzberger. Namens der bayerischen Regierung gab Herr von P r e g e r dem Bedauern und der Ueberraschung Ausdruck, daß die Verordnung des Reichspräsidenten vom 29. August ohne jede Fühlungnahme mit den hauptb'eteiligten Lmidesregicrungen erlassen worden sei. Die Eile, die der Reichsregierung geboten erschien, dürfte keinen Grund abgeben, die Landesregierungen auf einem Ge- biete auszuschalten, das bisher als ihr ureigenstes gegolten habe. Die durch die Verordnung erfolgte Ausschaltung sei eine Maßnahme, die schwerste Bedenken der bayerischen Regierung erwecke. Die baye- rische Regierung hätte besonders gegen§ 6 der Verordnung Be- denken zu äußern gehabt, wenn ihr Gelegenheit gegeben worden wäre, ihre Stellungnahme vorher darzulegen. Sie sei der An- schauung. daß in derartigen Fällen nicht ein aus hohen Verwaltungs- beamten bestehender Ausschuß, sondern ein Gericht Recht zu sprechen habe, wie es im Prehgesetz und in den bayerischen Bestimmungen über den Ausnahmezustand vorgesehen sei. Diesen Bedenken müsse er hier Ausdruck geben, wenn er auch befürchte, daß keine M ö g- lichkeit bestände, daß die Reichsregierung die Verordnung ab- ändere. Er hoffe aber, daß die Reichsregierung beim Vollzug der Verordnung mit den Landesregierungen in Fühlung trete und nicht, wie das bisher geschehen sei, ohne vorherige Fühlungnahme Zei- tungsverbote von Berlin aus erlasse. Freiherr v. Gayl stellte namens der Mehrheit der Vertreter der preußischen Provinziolverwaltunzen folgende zwei Fragen an die Reichsregelung: 1. Ist die Rcichsregierung gewillt und in der Lage, die Verordnung des Herrn Reichspräsidenten vom 29. August gegen das ftaatsgefährliche Treiben der äußersten Linken an- zuwenden? 2, Ist die Reichsregierüng im Fall der Bejahung der ersten Frage bereit, ihre Auffassung von der Anwendbarkeit der Verordnung gegen die äußerste Linke zur Beruhigung weiter Voltskreise und zur Stärkung der Staatsautorität in geeigneter Form öffentlich bekanntzugeben? Reichsminister Dr. Gradnauer erklärte, er könne sich nicht erinnern, daß in den zahlreichen früheren Fällen, in denen ähnliche Verordnungen erlassen wurden, mit allen Landesregierungen vorher Fühlung genommen worden fei. Wenn vor Erlaß der Verordnung keine Fühlung mit allen Landesregierungen genommen worden set, so dürfe er jeden- falls versichern, daß keinerlei Absicht vorgelegen habe, die Landesregierungen zu umgehen. Die an Erzberger begangene Freveltat habe die Neichsregierung zum beschleunigt e n Ergreifen der Maßnahme veranlaßt. Nur die außerordentliche Eilbedürftigkeit und absolute Dringlichkeit der Lage erkläre es, daß eine vorherige Fühlungnahme unterblieben fei. In bezug auf ihre verfassungsrechtliche Grundlage fei die Verordnung des Reichsvräsidenten unangreifbar. Zu den von Freiherrn v. Gayl verlangten Erklärungen müsse er betonen: Es find im Laufe der leisten Jahre wieder- bolt Ausnahmeverordnnngen des Reichspräsidenten auf Grund des Artikels 48 der Verfassung erlassen worden. In keinein früheren Fall ist irgendwie davon die Rede gewesen, daß diese Verordnungen etwa nur gegen links und nicht auch gegen rechts gerichtet werden sollten, sondern sie sind allgemein gegen diejenigen gerichtet, die gegen die Verordnungen handeln. Nicht bestreiten könne er, daß der Anlaß zu dieser Verordnung in. diesem Fall im Gegensatz zu früheren Fällen, wo es der Linksradikalismus war, die Treibereien gewisser Elemente waren, die nach der Neberzeugung der Reichsregierung die schändliche Untat verckrsackt haben. Die Verordnung richte sich nicht gegen Parteien, fondern gegen alle Elemente, die in der Weise sich verhalten, daß dadurch der vsfentlichs Friede sckiwer gefäbrdet würde. Bayerischer Geinnbter v. P r e g e r bemerkt, daß er sich nicht gegen di« rechtliche Zulässigkeit der Verordnung ge- wendet habe, sondern gegen die politische Zweckmäßigkeit. Gerade in diesem Fall bättc Bayern geyöit werden müssen, da es der erste Fall fei, daß Bayern von einer vom Reichspräsidenten erlassenen Ausnahmeverordnung betrassea werde. Graf Vehr, Vertreter von Pommern, weist darauf hin, daß§ 1 der Verordnung nur die Befugnis zum Erlaß einer Der- ordnung, nicht ober die Verpflichtung hierzu enthalte, er würde daher eine Erklärung begrüßen, daß von den Rechten im vollen Maß auch gegen die Extremen von links wie von rechts Gebrauch gemacht werde. Minister Dr. Gradnauer erklärte demgegenüber, daß die Frage, ob der verordnungsmäßige Tatbestand erfüllt ist. der pflichtgemäßen Entscheidung der Verwaltungsbehörden und des Reichsministers des Innern anheimgegeben sei. Er werde die Verordnung in allen den Fällen zur Anwendung bringen, in denen er glaube, daß in einer den inneren Frieden gefährdenden Weise vorgegangen werde. Es müll- seiner Neberzcununa»nd seinem Ermessen überlassen werden, wenn dieses der Fall wäre. Der Vertreter Sachsens, Geheimrat Dr. P ö tz s ch, gab die Er- tlärung ab, daß die sächsische Regierung die Tendenz durchaus begrüße und gloufie, daß die Verordnung wesentlich dazu bes. tragen könne, auch gegenüber dem Rechtsradikalismus zu einer starken Beruhigung im Lande zu führen. Die Verhandlungen des Reichsrates zeigen, daß die Rechtsbolfchewisten die Verordnung gegen sie zu gern nach links umbiegen möchten. Auch Herr von Preger möchte gar zu gern im Auftrag seiner Regierung von der Reichsmacht einiges abbröckeln. Wir freuen uns der ruhigen, sachlichen und geraden Ant- wort, die der Reichsinnenminister den Herren Vorkämpfern des Rückschritts gegeben hat. Eine Kritik möchten wir aber im Interesse der Republik nicht unterdrücken. Uns scheint Gradnauer mit den Leuten zu höflich umzugehen. Reaktiv- näre Beamte und frühere Monarchisten sind gewöhnt, in ent- schiedenem Tone angeredet zu werben. Höfliche Behandlung legen sie als Schwäche aus. Jetzt muß kräftig zugefaßt und alles beim richtigen Namen genannt werden. Ueber den Ländern steht das Reich, wird dies zerrüttet, so sterben jene. Es ist das ureigenste Interesse der Länder, daß von der Reichs- regierung jetzt energisch vorgegangen wird. * Die Koalitionsparteien des bayerischen Land» taqes haben eine umfangreiche Kundgebung beschlossen, in de? sie nach vielem Hin- und Herreden wünschen, daß den ach so schrecklichen Linksbollchewisten de? Hals umgedreht wird, während man die braven Rechtsbolschewisten gelind« behandeln möge. Zum Schluß wird gehofft, daß die Reichsregierung im Einvernehmen mit der bayerischen Regierung einen Weg finden wird, der geeignet ist, die verfassungsmäßige Ordnung und Sicherheit aufrechtzuerhalten und schweren Auswüchsen der volitischen Kampfmethoden mit Erfolg entgegenzutreten, ohne daß die Länder im innersten Mark ihrer staatlichen Selbständigkeit getroffen werden, was nur neue Unruhe und neue Unordnung schaffen würde. Die Seüanfeiern verboten. Der Polizeipräsident Richter hat, wie wir schon im gestrigen Abendblatt meldeten, auf Grund der Aussührungs- bestimmungen zur Verordnung des Reichspräsidenten vom 2g. August Sedanfeiern verboten. Die Verfügung ist den in Frage kommenden deutschnatio» nalen Ortsgruppen zugestellt worden. Ueberdies haben die Polizeiorgane den Auftrag erhalten. die genaue Einhaltung des Verbotes zu überwachen. Es werden alle Versammlungslokale, die für die Sedanfeiern vor- gesehen waren, unter Beobachtung gehalten. Etwa doch trotz des Verbots Feiernde. Teilnehmerl Redner und Deranstalter, sind zur Anzeige zu bringen. Eine gestern für Treptow an- gekündigte Sedanfeier hat, wie die Polizei feststellte, nicht stattgefunden. Unseren Genossen und Genosiinnen wird durch die Maß- nahmen der Polizei einige Arbeit erspart. Aber vergessen wir nicht: iMßtrauen ist eine demokratische Tugend. Die Demonstration im Reiche. Düsseldorf, 1. September.(Eioener Drahtbcricht des„Vor- märts".) Die Düsseldorfer Arbeiterschaft versammelte sich erst am Donnerstag nachmittag, um das Treugelöbnis zur Republik zum ü Ausdruck zu bringen,"da zuvor«ine Genehmigung der Besatzungs- behörde notwendig war 60 000 Arbeiter und Repubiitaner, samt- liche sozialistischen Parteien, dl« Freien und Hirsch-Dunckerschen Gewerkschaften, sowie die Christlichen Arbeiter waren erschienen. Bon allen Parteien sprachen Redner zu den Massen, die sich um 5/4 Uhr zu einem imposanten Demonstrationszug formierten. Der Stroßenbahnverkehr war zeitweise eingestellt. Cuxhaven. 1. Sept.(TU.) Bei der gestrigen Demonstration wurden mehrere schwarzweißrote Fahnen und Exemplare rechts- stehender Zeitungen verbrannt. Demonstranten zogen vor das Rat- Haus und veranlaßten den Bürgermeister, eins Rede zu halten und die schwarzrotgoldene Fahne zu hissen. Bei mehreren früheren Hof- lieferanten wurde die Entfernung der Schilder verlangt. Bürger- meiste? Bkeiten hat an den Vorsitzenden der Sozialdemokratischen Partei ein Schreiben gerichtet, in dem er scharfen Protest gegen den ihn unter persönlicher Bedrohung angetanen Zwang einlegt. Speyer. 1. Sept.(„Frkf. Ztg.") Die gestrige Kundgebung endete mit einem Angriff auf das Regierungsgebäude. Jugendliche Kommunisten drangen in das Gebäude ein, rissen die noch in den Bureaus befindlichen Bilder und Büsten des letzten baye- rischen Königs herab und warfen sie auf die Straße. Auch das Wappen über dem Hauptportal wurde beseitigt und die Ueberschrift i„Königliche Regierung" mit Farbe überstrichen.(Diese Jugendlichen haben lediglich Arbeit zur Ausführung der Verfassung geleistet. Red.) Cassel, 1. Sept.(Eigener Drahtbericht des„Vorwärts".) Bor vielen Taufenden sprachen in der Sladthalle Genosi« H a u s ch i l d, sowie USP.» und KPD.-Redner. Er erwähnte u. a., daß täglich zahlreiche Todesdrohungcn an den zurzeit in Kissingen weilenden Oberbürgermeister Scheidemann eingehen: in einer einzigen Woche waren es 79.— Ein spontaner Demonstrationszug schloß sich ! an die Versammlung an. Bielefeld, 1 Sept.(Eig. Drahtber.) Die steiorganlsierte Ar- beiterscliaft dcmons-riert« mit roten und schwarzrotgoldenen Fahnen und Plakaten für die Republik und gegen die Reaktion. Die Ar- beiterschaft zog geschlossen aus den Verrieben zum Verfammlungs- lokal Zentralhalle am Kaiser-Wilhelms-Platz. Der Ausmarsch dauerte von 4 K bis SM Uhr. Ueber 20 000 Teilnehmer hatten sich«ingefunden, so daß von mehreren Stellen aus Redner zu den Versammelten sprechen mußten. Genosse S e v e r i n q wür- digte die Verdienste Erzbergers um die Republik und die Steuer- gesetzgebung, die ihn zum meistgehaßten bürgerlichen Politiker der Rechtsparteien gemacht hätten. Es fei hohe Zeit, dem Treiben der Rechtsparteien zur Beseitigung der Republik entgegenzutreten. Die Arbeiterschaft sei verpflichtet und berufen, das durch die Revolution begonnen« Werk der Befreiung des Volkes fortzusetzen. Durch die Einigkeit des Proletariats würde das gelingen. Im Sinne der mll stürmischem Beifall ausgenommenen Ausführungen sprachen noch ein Redner der USP. und der KPD. Die Demonstration löste sich nach einem Zuge durch di- Hauptstraßen der Stadt m größter Ordnung auf._ Gegen rechtsbolschewistische Lügen. Wolfs verbreitet folgende Feststellungen: In der Presie sind wiederholt Nachrichten über Begnadigung der am mitteldeutschen Aufstand beteiligten, durch die Sondergcrichte verurteilten Personen oerbreitet worden. Die Meldungen sind durchweg irreführend, in»- besondere, soweit zahlenmäßige Angaben über die Vegnadigungsfälle gemocht worden sind. Der Reichspräsident ist bei den Gnaden- erweisen in Uebereinstimmung mit den in der Reichstaqsresolution � über Die Begnadigung ausgesprochenen Grundsätzen verfahren. Es I hat insbesondere eine Nachprüfung der durch die Sondergerichte ver- i hängten Zuchthausstrafen stattgefunden, und hier hat die Gnaden» � instanz In den geeigneten Fällen unter Berücksichtigung der befon- ! deren Umstände de, einzelnen Falles in größerem Umfange Um- � Wandlung der erkannten Zuchthausstrafen in Gefängnisstrafen, in einigen Fällen auch in Festungsstrafen eintreten losten. Die Be- hauptung, daß Leute, die durch Gewaltakte. Mordbrennerei oder andere gemeine Verbrechen an dem Aufstand beteiligt waren, be- gnadigt und aus der Haft entlasten worden seien, ist falsch, der Reichsjustizminister wird bei der ersten Gelegenheit im Reichstag sich über die Handhabung des Begnadigungsrechtes äußern: eine zahlenmäßige Ueberstcht über das Ergebnis der Gnadenoerfahren wird dem Reichstag beschleunigt vorgelegt werden. In der Oeffent- lichteit wird auch die Nachricht verbreitet, daß Hölz begnadigt war- den sei oder werden soll: eine solche Maßnahme ist niemals in Er- wägung gezogen worden._ Hirschfelüs Urlaub. Die sozialdemokratische Fraktlcn des Preußischen Landtags hat � die folgende große Anfrage der Abgg. Braun und Genosten � an die Regierung gerichtet: Der zu Iahren Gefängnis verurteilte frühere Fähnrich Olt> l wig von Hirfchfeld ist wegen angeblicher Krankheit vier Monate | beurlaubt. Diese Maßnahme steht in krassem Widerspruch mit der � sonstigen Handhabung des Strafvollzuges Arbeitern gegenüber und hat in den weitesten Kreisen der Bevölkerung Empörung hervor- ; gerufen, die den letzten Rest des Vertrauens zu einer unparteiischen Rechtspflege nimmt. Was hat die Staatsregierung getan, um dieser ! Empörung Rechnung zu tragen? Was gedenkt sie zu tun, um für ! die Zukunft derartige unerhörte Skandale zu verhüten? Gin Seamter, öer Reichsfarben verbietet! Man schreibt uns: Im Preußischen Statistischen Landesamt, Lin- denstraße 28, hatten einige Angestellte eine schwarz-rot-gol- den« Fahne mit in das Dienstgebäude gebracht, um sie zur De- monstration mitzunehmen. Ein Angestellter hatte die Fahne aus einem Hoffenster gehängt. Sofort erschien der Vertreter des Präsi- deuten. Herr Regierungsrat Profcstor Dr. Sühnert, und ersuchte um Entfernung der Fahne, da es keine Dienstfahne sei. Da die Angestellten stch weigerten, die Fahne einzuziehen, wollte der Herr Prosestor sie mit Gewalt einziehen. Als ihm dies nicht gelang, holte er Verstärkung, nun zogen die Angestellten die Fahne ein. Auf die Frage, warum die Fahne entfernt werden müsse, antwortete Dr. Kühnert, die Beamten hätten sich darüber beschwert. Aus dem Rückwege von der Demonstration wollte man die Fahne im Dienstgebäude unterstellen. Der Hausmeister verweigerte den Angestellten den Zutritt zum Gebäude und die Unterstellung der Fahne, da jetzt keine Dienststunden seien und es sich um keine Dienst- sahne handele. Was geschieht mit dem Beamten, der das Aushängen der Reichs» färben verbietet?_ J/! öas wahrl Die„Rote Fahne" behauptet, daß die Menschenschinder vom Freikorps Aulock Walter und B i s k u p, die von der Breslauer Strafkammer wegen bestialischer Gesangenenmißhandlung zu lang- jähriger Gefängnisstrafe verurteilt, dann vom Reichsgericht in— u. E. rechtsirriger— Anwendung des Amnestiegesetzes freigelassen wurden, jetzt Gefangenenaufseher im Schweidnitzer Untersuchunzs- gefängn!» seien. Trifft diese Behauptung zu, so wäre das ein unerhörter Skandal. Leuten mit derart sadistischen Instinkten dürfen nie und nimmer wehrlose Gefangene unterstellt werden. Wir ersuchen den preußischen Iustizminister, Herrn am Zehn hoff, um schleunige Klarstellung der Angelegenheit._ Aufhebung der Zuckerzwangswirtstbast. Eine Berordnunz des Reichsministers für Ernährung und Land» Wirtschaft bringt die erwartete Aufhebung der Zuckerzwangswirt- schaft für Zucker der neuen Ernte. Für Zucker alter Ernte (1020) bleiben noch einige Lorschriften der Zuckeroerordnung als Uebergcmgsbestimmungen bestehen. Im Zusammenhang damit wer- den auch die Aerordnungen über Kunsthonig zum 1. Oktober 1921 und die Verordnungen über den Verkehr mit Süßigkeiten zum IS. Oktober 1921 aufgehoben. Die Reichszuckerstelle, die Landes- Vermittlungsstellen und die Zuckerzuteilungsstelle für das deutsche Sühigkeitsgewerbe in Würzburg bleiben bis zur Abwicklung ihrer Geschäfte noch bestehen. Di« Ein- und Ausfuhr von Zucker bleibt verboten. ver Skaafskommlstar an den Reichsbürgerrak. Auf das Schrei- den des Präsidiums des Reichsbürgerrats an den Staatskommissar für iiffentllche Ordnung wegen des in der„Sozialistischen Korrespon- Venz" erschienen Artikel» zur Ermordung des Abgeordneten Erz- berger hat der Staatskommissar bereits am Tage nach Eingang des Schreibens des Reichsbürgerrats, also am 28. August, folgendes er- widert:„3)ie Reichs- und Staatsregierung sind schon vor dem Er- scheinen des fraglichen Artikels in der„Sozialistischen Korrespondenz", auf den Ihr Schreiben Bezug nimmt, in Erwägung darüber ein- getreten, wie der fortgesetzten Hetze sowohl in der Presse, als auch bei Versammlungen, Feiern und dergleichen mehr wirksam entgegen- getreten werden kann. Diese Beratungen werden durch die Vor- gänge bei der Feier im Stadion am letzten Sonntag bei dem Front- kämpfertage und durch die Ermordung des früheren Ministers Erz- bcrger eine besondere Beschleunigung erfahren. Die Frage, ob der Artikel der„Sozialistischen Korrespondenz" nach den bestehenden Strafbestimmungen eine strafbare Handlung enthält, ist von der zuständigen Staatsanwaltschaft zu prüfen. gez. Weismann." Wie wir hören, hat die Staatsanwaltschaft ein Einschreiten abgelehnt. Der Nährwert öes Obstes. Bon M. A. v. L ü t g e n d o r f f. Die Bedeutung der Nährstoffe, die durch das Obst unserem Körper zugeführt werden, wkrd nur selten richtig beurteilt. Für die meisten Menschen gilt das Obst nur als Gcnußmittel. das, jeden Nährwertes bar, sozusagen zum Vergnügen oerzehrt wird, well es eben gut schmeckt, wogegen andere sich im Lob des Obstnährwertes gar nicht genug tun können. Gleichwohl kommt diese günstige Be- urteilung dem richtigen Schätzungswert der Obst- wie überhaupt der vegetabilischen Ernährung am nächsten. Durch die wissenschaftliche Forschung der letzten Jahre ist so ziemlich sichergestellt worden, daß gerade im Obst sehr wichtige Nährstoff« enthalten sind, und zwar solche, deren der Körper sowohl zu seinem Aufbau als auch zur dauernden Erhaltung seiner Gesundheit notwendig bedarf. Ueber die physiologische Bedeutung des Obstes haben erst kürz- lich Untersuchungen Ragnor Bergs sehr wissenswerte Feststellungen gebracht. Im allgemeinen— ja selbst in Forscherkreisen— wurden unsere Früchte bisher nicht als besonders wichtige Nährstoffspender betrachtet, und im Vergleich mit jenen Nahrungsmitteln, die' die Nährstoffe gewissermossen konzentriert enthalten, wie z. B. Fleisch, Fett und Mehl, sind die Frücht« fast nährstossarm. Die konzeMrierten Nahrungsmittel enthalten mehr anorganische Säuren, während die nährstoffarmen(Obst und Gemüse) wieder mehr anorganische Basen aufweisen. Nun Ist festgestellt worden, daß die Nahrung, wenn das dem Körper zugeführte Eiweiß voll ausgenutzt werden und seine Verbrennung ohne wesenlliche Bildung von Giftstoffen erfolgen soll, mehr Basen als Säuren enthalten muß. Ein Ueber- schuß an Basen unterstützt die Ausnutzungsfähigkeit der Verdau- ungsorgane: denn es wird dadurch nicht nur die Bildung gewisser Zersetzungsprozesse verhindert, sond.'.n es werden auch zahlreiche Krankheiten, die durch zu einseitige Ernährung mit konzentrierten Nahrungsmitteln entstehen, vermieden. Das ist einer der wichtigsten Gründe, weshalb Obst und Gemüse nahrhaft und bekömmlich auch ohne konzentrierten Gehalt an'kraftspendenden Nährstoffen sind. Die Basen verbinden sich alsbald mit den Säuren zu wertvollen Mineralstoffen, den sogenannten Nährsalzen. Darin allein liegt ober keineswegs die Bedeutung der Früchte- ernährung für den Menschen. Denn so ganz nährwcrtlos, wie viele das Obst hinstellen, ist es denn doch nicht. Allerdings enthalten unsere einheimischen Früchte zum größten Teil nur Wasser, sodann etwas Zucker und etwas Eiweiß: allein außer diesen Nährstoffen hat man in jüngster Zelt noch andere sehr bedeutungsvolle Bestand- teile im Obst nachgewiesen, Gruppen von wasserlöslichen Ernäh- rungsstoffen, jenen ihrer chemischen Natur nach erst zum Teil er- forschten Stoffen, die die Wissenschaft als Vitamin« bezeichnet. Diesem Gehalt des Obstes an Vitaminen scheint denn auch die Be- kömmlichkeil der Früchte, ihre die Verdauung belebende Wirkung sowie das erfrischende Gefühl, das wir bei ihrem Genuß empfinden, zu einem nicht geringen Teil zugrunde zu liegen. Nicht zu unter- schätzen ist natürlich auch der Gehalt des Obstes an wohlriechenden Stoffen und Fruchtsäuren. Diese Forschungsergebnisse haben das Obst nun»in der Tat unter die für unsere Ernährung wichtigen Nahrungsmitel gereiht. Gleich- wohl können die Wohltaten, die der Obstgenuß unserem Körper spendet, manchmal auch zweifelhafter Natur sein. Vor ollem ver- steht es sich von selbst, daß man kein unreifes Obst verzehrt. Daß man ferner gleich mit Obst oder unmittelbar auf das Obstessen kein Wasser trinken darf, ist ebenfall» eine bekannte Gesundheitsregel. Gekocht ist jedes Obst leichter zu verdauen als die roh genossene Frucht. Beim Kochen des Obstes wie auch bei der Herstellung von Trocken- und Konservenfrüchten muß aber vor allem eine zweck- mäßige Zubercitungsweise Platz greifen, bei der die nahrhaften und nährstostblldenden Bestandteil« den Früchten nicht entzogen werden. Die im Obst enthaltenen Basen und Vitamine sind im Wasser löslich. Werden also die Früchte in Wasser gekocht, so gehen diese nützlichen Nähr- und Ergänzungsnährstoffe auch ins Wasser über, und deshalb ist dann die erste Bedinguung. diese» Wasser mit zu genießen. Dasselbe gilt auch für da» Brühwasser der Gemüse. Auch beim Trocknen und Dörren des Obstes sollte den Früchten ihr Ge» halt an Vitaminen möglichst erhalten bleiben. Wenn man beim Trocknen der Früchte nicht über die Temperatur von SO Grad Celsius hinausgeht, so werden weder die Vitamin« noch überhaupt die aromatischen Geruch» und Geschmacksslofse des Obste» zerstört. Don dem gleichen Gesichtspunkte aus scheinen auch jene Kon- servierungsmethoden wenig zweckmäßig, bei denen man den Früchten Säuren wie Benzoesäure und Salizylsäure zusetzt, wogegen Essig-, Milch» und Zitronensäure eher verwandt werden können. Jene Säuren verlangen nämlich zu ihrer Neutralisierung einen ihrer Menge entsprechenden Gehalt der Früchte an Basen: nicht immer ist dieser Bedarf aber zu decken, und so sind denn solche Konserven, weil viel zu säurehallig, oft schwer verdaulich, wenn nicht überhaupt ungesund. Dierler Klasse. Langsam rollt der Zug durch dos Gelände der Stadt entgegen Es ist noch früh am Tage. Die Abteilungen vierter Klasse, in der Ich sitze, ist nur mähig besetzt. Meistens sind es Marktfrauen, die in hochbcladenen Kkpen und Körben ihre Garten- erzeugniss« In den Städten zum Verkauf anbieten wollen. In der vierten Wagenklasse ist man nicht wortkarg. Man kommt rasch ins Gespräch. Das dreht sich natürlich sofort um die hohen Preise, namentlich um diejenigen der landwirtschaftlichen Pro. dutte Städter und Bauer stehen sich, sobald diese» Gesprächsthema angeschnitten wird, sofort feindlich gegenüber. Gegen die Industrie» Produkte und di« Handwerkersorderungen zieht die ein« Partei, gegen die Höhe der Agrarprodukte die andere los. Zu einer Einigung gelangt man nicht: dazu sind beide Teile zu ooi eingenommen. Aber der ruhige Beobachter vermag doch auch hier zu lernen. Denn er steht noch ein, daß es nicht der kleine Sandmann und der Aufkäufer sind, die die Rieienprosite, welche man z. T. der Land- Wirtschaft nachrühmt, in die Tasche stecken. Auch sie sind Proletarier, die sich bitter schwer schinden müssen und kaum aus den Sachen herauskommen, so sehr reiht sich die eine Arbeit an die andere. Warentransport und Bahnfahrt sind geradezu unerschwinglich ge- worden. Mark kommt zu Mark. Und so erstehen Preise, die schier ins Schwindelhafte gestiegen zu sein scheinen. Unaufhaltsam rollt der Zug durchs Land. Seine Räder stampfen eintönigen Takt. Sie kümmern sich nicht um den Disput der Men- schen, die unversöhnlich und fast ohne eine Verständigung zu wollen, aneinander vorbeireden. Der Spätsommermorgen ist bereits zu seiner ganzen goldigen Schönheit erwacht Längst ist der Zug den Feldern und Wäldern der Vorstadtzone entronnen. Schon sammeln sich die Häuser dichter und dichter zu beiden Seiten des Schienen- stranges. Schon gleitet die Lokomotive durch die Stadt... Die Zahl der erwerbotäligen Frauen beitägt in Deutschland über V'/, Millionen, fast ein Drittel der gesamien ErwerbSarbeit liegt in Frauenhänden. Die Zahl der geprüften Handwerks- Meisterinnen, die ISlS noch 11000 betrug, ist auf 30 000 gestiegen. Auf allen Gebieten und in jedem Berns ist ei» Anwachsen der Frauenarbeit über da» Maß der Bevölkerungszunahme hinau» zu verzeichnen.. Roch einmal die Tvünschrirvle. In der„Ingenieur-Zeitung" in Cöthen werden wir darauf aufmerksam gemacht, daß in unserem Referat über das Problem der Wünschelrute, dos auf die Ver- össentlichungen dieser �Zeitschrift Bezug nimmt, irrttimlich gesagt ist, man wäre dort bereit» zu einem„Schluß" gekommen. Dies ist nicht zutreffend, sondern im Gegenteil geht die Diskussion zurzeit noch weiter. Es werden zunächst lediglich die Meinungen der oer- schieden«» Fachkreise wiedergegeben. Amundfen znrslckgetebrt. Ans Seattle in Alaska wird gewcldct, dah Rouald Amundsen» ExveditionSschiff Maud doit einaetioffei, i i. A niun dien proviantiert sicki für sitden Jahre und begibt sich dann wieder auf seine Reile nach dem Nyrdpol. Die VerwaltuugS-'llkademie Berlin veröffentlicht ibr Vorlesungsverzeichnis für da» Wintersemester 1g2l,22. Anmeldungen nimmt die GeschästSslelle, vrrltn\V 8. Tdarloltenstr. 50/51, vom 15. September an entgegen. Da« VortesuiigSverzcichnrS wird gegen Voreinsendung von 2 M. zuge'andt. Der Niederdentsche Bund wllnlckt«ine Bearbeitung der irrage. wie- West sich ein genieinsamer Besitz an VollSkunst und volkSlundlichen Ueber- belerungen siir die N eder lande rma Nirde' lachten«rwcilen lägt. Arbeiten sind obne NamenSneiinung mit Srichivorl biS 1. Juni 1922 an Dr. H. Fr. Btunck. Hambiirr, Parkallee 35, erbeten. Ter Jvlug ohne Motor. Dem Aachener Ingenstnr stlemvercr ge. lg"? nm Dienet ig der erst- Uebedandflur mit einem maloriojen F.ugz-il!. wobei daS Ztet vorder be>!imint war. Klcinpcrer startete von einem SltO Meter boben Puirlt der Sass-rkirpp- lRböi» in ei.e.-n Eindeit-r und lande.- nach 13 Miariten vor dem 5 Kilometer entjernten SecSjeld. 10 Minuten lang blelt er die Abflughöhc mne. Ter schnellste Zng der Welt. Die Engländer erbeben j-trt den Anspruch, das; aus idrrn Bahnen ein Zug die gröple Schnelligkeit aus einer langen Streit« enlialtet. Aus der lgreat Western Railwaii legen zwei Züge von Bristol zwrichen Badminton und Southall die Streck- von rund 150 Kilometer in 87 Minuten zurück Dabei erreicht der Zug aus einem Teil der Strecke eine Geschwindigkeit von 125 Kilometer in der Stunde. Hr. 413 ❖ ZS. Jahrgang Heilage öes Vorwärts Lrettag, 2. September 1921 Groß'-berlw Sxplosionsunglück in üen Deutschen Merken. Zwei Arbeiter getötet, drei verletzt. Tin schweres Exptosionsunglück, bei dem zwei Arbeiter getötet, mehrere andere schwer verletzt wurden, hat sich gestern in den Deut- schen Werken in Spandau abgespielt. Die Firma hatte für die Ze�pelinwerke eine größere Anzahl W a s s e r st a f f f l a s ch e n zu liefern Die großen Stahlflaschen, die einen Druck von fast 200 Atmosphären aushalten, waren in der Maschinenfabrik tzelagert worden und sollten von einem Werk- meister der Zeppelinwerke vor der Abnahme geprüft werden. Die als ordnungsmäßig befundenen Flaschen wurden zu einem vor dem Maschinenhause haltenden Waggon gebracht, wo sie dann weiter ver- laden wurden. Zu dieser Arbeit wurden fast nur Fachleute ver- wendet, da die Sauerstoffbehälter infolge des hohen Druckes, unter dem die Stahlflaschen stehen, stets eine gewisse Gefahr, namentlich bei falscher Bedienung, bilden. Gegen Ml Uhr mittags ertönte plötz- lich eine gewaltig« Explosion, die alle im Raum befind- lichen Personen zu Boden warf. Tie Tmen und Fenster wurden durch den ungeheuren Luftdruck herausgedrückt. Die in den nebenan befindlichen Werkstötten beschäftigten Arbeiter eilten in den Raum und fanden dort 5 Personen besinnungslos am Boden liegen. Der Sattler Robert M u t f ch k e'- Spondau, Gartenstr. lo. war von der erplodierendcn Flasche in Stücke gerisien worden. Schlosser Franz W ö r n e r, Kunertstr. 2 in Spandau wodnhaft, hatte schwere Bcr- letzungen am Kopf und an der Brust erlitten, so daß er aus dem Wege noch dem Spandauer Krankenhaule v e r st a r h. Der Dreher Albert chontelberg aus Spandau lebte noch, hatte jedoch so schwere Verletzungen am Rücken und am Dorm erlitten, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird. Die Arbeiter_ Franz S ch l o n s k i aus Staaken und Theophll Vrutt, Rigae�~tr. 74. hatten nicht unerhebliche Verletzungen an Beinen und Füßen er- litten. Eine sofort eingeleitet? Untersuchung ergab, daß offenbar einer der Arbeiter auf die Woslerstoffslasche ein Prüfungsmanometer aufgeschraubt hatte, ohne dazu berechtigt gewesen zu sein. Offenbar ist die Befestigung des Druckmesiers nicht mit der erforderlichen Sorgfalt geschehen, la daß atmosphärische Lust zu dem Wafserstosf trat. Seitens der zuständigen BeHorden ist ebenfalls eine genaue Untersuchung des Unglückfalls eingeleitet worden. Die Zeugen gegen öen Luftm�röer. Die Vernehmung des Lulimörders Großmann wurde gestern nachmittag, nachdem eine ganze Reihe von Zeugen vernommen und ihm gegenübergestellt worden waren, um 2 Uhr abgebrochen. Am schwersten belostet wurde der Verbrecher durch das Gutachten des Gerichtsarztes Prof. Dr. Strauch. Diese« hat durch eine mühsame, ganz svstematischc Untersuchung der Aschen- und Abfollreste. die in den Zimmerecken der Großmannschcn Wohnung gefunden wurden, Feststellungen gemacht, die Erohmann ungemein schwer belasten! In dem Zimmer Großmanns lagen in den Ecken oroße Schmutzhaufen, Rebe von Nahrungsmitteln aller Art, Käse, Obst usw.. die auch mit Aschenresten vermengt waren. Diesen Unrat hat nun Prof. Dr. Strauch genau untersucht und dabei die Feststsl- lung gemacht, daß sich unter der Asch- Reste von mindestens zwei menschlichen ch ä n d e n befanden. Außerdem wurden noch Knochentcile eines Brustkorbs vorgefunden. Wahr- fcbeii'lich hat der Verbrecher ganze Leichen auf diele Weise verbrannt. Die spärlichen Ueberrest« der Knochen hat er dann mit der an- deren Asche ausgeschüttet,«eil er es wohl für ausgeschlosien hielt, daß man daraus noch erkennen könnte, daß diese von einem Wen- schcn herrühren. Großmann will keine Erklärung dafür haben, wie diese Aschen- rcste in sein Zimmer gekommen sind. Er selbst habe sie jedenfalls nicht dorthin geschüttet. Außer diesen Knochenresten hat Prof. Dr. Strauch auch noch Korsett st anaen von zwc! Korsetts in dem Schmutzhaufen gefunden. Auch über deren Herkunft tonnte der Verbrecher keine Angaben machen. Die Leiche der ermordeten Verkäuferin Emma N e u m a n n aus der Schoncnschen Str. 42 wurde gestern nachmit- tag von dem(Derichtsarzt Prof. Dr. Strauch im Leichenschauhause obduziert. Die Täterin, Frau Doris choffmonn, die Wirtin der Neumann, hat, wie mitgeteilt, angegeben, daß sie die Neumann im Streit so heftig gestoßen habe, daß sie hinterrücks mit dem Kopf auf die Bettstelle geflogen und tot liegengeblieben sei. Die Obduk- Rote Schulwoche Neukölln Keiner öarf fehlen, der Jnkeresse an der wektkichcn Schule hol und Gegner der Schulrcakkion ist. am Sonniag. den 4. September, zum Demonftrations'Umzug. Erscheint alle, mit Rot und Bltimen geschmückt, um 10 Uhr vormittags, am Sörnerpark. * 14. Dezirk, Neukölln. Freilag. den 2. September. Neue Welt: Eltern Versammlung für alle Schulen Neuköllns. Saal» öWimg(3 Uhr. Beginn 7 Uhr. Elleriibeiräte erscheinen 1/}6 Uhr. tion ergab jedoch, daß diese Darstellung nicht richtig sein kann. Außer Kratzwunden und sonstigen Spuren eines Kampfes wurde I keine tödliche Verletzung gefunden. Der Tod der Verkäuferin ist i durch Erstickung eingetreten. Der Knebel, das lang» chandtuch, ist 1 der Neumann mit großer Gewalt in den Mund gestoßen worden, wobei die falschen Zähne des Oberkiefer? mit der Gaumenplatte so tief in den Kols gestoßen wurden, daß die Neumann erhebliche Ver- � letzungcn erlitt und an Erstickung verstarb. Daß Frau Hoffmann den Knebel, wie sie angibt, nachträglich der Neumann in den Mund gesteckt habe, um einen Raubmord vorzutäuschen, trifft nicht zu. Da- j gegen sprechen Blutungen im Munde, die ebenfalls bei der Obduktion sich deutlich zeigten._ Schiebunqen bei ösr ReiHsgetreiKestelle. Die Provisionen des Abkeilungsleikers. Ein großer Vestechungsprozeß, bei dem ein ehemaliger Ab- teilungsleiter der Reichsgctreide stelle die Hauptrolle gespi-lt hat, beschäftigte die Ferienstrafkammer unter Dorsitz des Landgerichtsrat Bogel bis zum späte» Abend. Die auf Urkunden- fälschung bzw. passiver und aktiver Vestechung lautende Anklage richtete sich gegen den früheren Abteilungsleiter Karl Best in Wil- mersdorf, die noch jugendliche Stenotypistin Gertrud Käthe in Charlottenburg und den Getreidehändler Ludwig E s ch m a n n in Eharlottenburg. Soweit Bestechung in Frage stand, hotte auch der Verein gegen das Bestechungsunwesen Strafantrag ge- stellt. Der Angeklagte Eschmann vertrat die Interessen des großen Anilin-Konzerns bei der Besorgung von Einfuhrgenehmigungen für Nahrungsmittel für die im Konzern beschäftigten mehr als IVÖOOü Arbeiter und wandte sich bei dem Bestreben, A» s l a n d s m e h l zu beziehen, mit entsprechenden Gesuchen an Best, der als Abteilunps- leiter in der Reichsqetrcidestelle eine besondere Vertrauensstellung bekleidete. Auf dessen Votum kam es bei Einfuhrbewilligungen in erster Reihe an. Dem Anilin-Konzcrn waren solche Gesuche in großem Ilmfange schon mehrfach genehmigt worden, es erging dann aber ein Erlaß der vorgesetzten Behörde, in dem ausdrücklich darauf auf- merksam gemacht wurde„ daß gemäß der Anweisungen des Reichs- ernährungsministeriums solche Sonderzuweisungen an Industrie- konzerne nicht mehr gemacht werden sollen, nachdem durch die Reichs- gcireidestelle seit Oktober v. I. Kochmchl an die Bevölkerung abge- geben wird. Das neue Gesuch Eschmanns fand bei Best anfänglich eine Ablehnung, dieser beförderte dann� aber die Sache und ließ durch die in seinem Bureau angestellte Stenotypistin Kothe, mit der er Beziehungen unterhielt und sie reich beschenkte, ein Schreiben an den Reichsbeauftragten anfertigen, mit dem Erfolg, daß mit Äück- ficht auf die Notlage der Anilinarbeiter die Einfuhr von 45 Tonnen Auslandsmehl aus Holland genehmigt wurde. In der Einfuhrbe- willigung, die von Best und einem zweiten Beamten zu unter- zeichnen war, stand ursprünglich 45 Tons, der Angeklagte Best soll aber, nachdem die Unterschriften geleistet waren, hinter die Zahl 45 durch die Kothe noch eine Null haben setzen lassen, so daß die Riefen- stimme von 459 Tonnen entstand, die 45 Waggons gefüllt haben würden. Best war dann der Ansicht, daß bei dem kolossalen Geschäft, das die Rotterdamer Firma auf diese Weise machte, auch für ihn etwas abfallen müsse, er«vandte sich dieserhalb an Eschmann, dieser wieder an die Rotterdamer Firma, und nach längerem Hin und Her verstand sich diese zur Zahlung von 180 900 Mark, von denen 129 999 M. dem Best katsächlich zugeflossen sind. Er hatte dann die Dreistigkeit, wegen des ihm vorenthastenen Rest- betrages von(59 000 M. noch klagbar zu werden. Der Staats- anmalt hatte die Vermutung, daß Best auch noch andere ähn- liche Geschäfte gemacht hat, und folgerte dies aus der aller- dings auffallenden Tatsache, daß Best eine Summe von 39 999 M. hinter sich hatte, die er nicht bei einer Bank, sondern bei einem Privatmann untergebracht hatte. Nach den Ergebnissen der Beweisaufnahme verurteilte das Ge- richt den Angeklagten Best zu 2 Iahren 3 Monaten Ge- f ä n g n i s und 5 Jahren Ehrverlust sowie zu 50 000 M. Geld- strafe, E s ch m a n n zu 20 090 M. Geldstrafe, die Kothe zu 1 Monat Gefängnis und 1099 M. Geldstrafe unter Zubilligung einer Bewährungsfrist Der Wert der empfangenen Destechungs- summe wurde dem Stckat für verfallen erklärt. Vorsorge für den Winter. Der Magistrat hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, zu dem Bestand seiner Schncepflüge zunächst zehn weitere zu bestellen. Durch die Eingemeindung wird außerdem eine bessere Ausnutzung der in den einzelnen Bezirken sich befindenden SchnecpfHize stattfinden können. Ferner wird beabsichtigt, eine Anzahl von Schnee- pflügen in Benutzung zu nehmen, die an Lastautos onge» hängt werden. Alt-Berlin kommt io auf ungefähr 190 Schnee- pflüge gegen 66 bisher. Um starken Schneefällen gewachsen zu sein, wie wir sie z. B. im Winter 1919/20 zu verzeichnen hatten, mühten allerdings etwa 159 solcher Schneepflüge in Tätigkeit treten können. Die leidige Geldnot hindert auch in diesem Fall«, euundlich Wandel Zu schassen. Immerhin iit zu hoffen, daß, wenn nicht außerordent- liche Witterungsverhältnisfe eintreten, die Verwaltung der Straßen- ' reinigung besser als in den vorhergehenden Wintern den Ansprüchen gewachsen sein wird. Wettkonzerne und Winkelbanken. Dom Zentralverband des Deutschen Bank- und Bankier- i gewerbes(S. 33.) wird uns geschrieben: Nach dem Zusammenbruch • zahlreicher Wettkonzerne besteht bei deren bisherigen Platzvcrtretern � anscheinend das Bestreben, zum Berufe des Bankiers und Wert- � papierhändlers umzusatteln und die von ihnen in ihrer früheren Tätigkeit angewendeten Geschäftsmethoden auch auf das Gebiet des Effektenhandels zu übertragen. Es wurde bereits kürzlich auf ein Bankkommissionsgcschäft von Bernhard O e t t m e y e r in Dresden hingewiesen, das die finanzielle Leitung einer iut�rnatio- nalen Montongesellschaft m. b. H. in Händen hat und gutgläubigen Einlegern eine Kapitalsverdoppelung binnen zwei Monaten sowie die Abgabe von Montananteilen mit garantiert 59 Proz. Jahres- dividende in Aussicht stellt. Es bestätigt sich, daß der Inhaber dieser Firma früher als Vertreter des K ö h n- K o n z c r n s tätig ge- wesen ist und in öffentlichen Anzeigen auf ein Stammkapital van 5 Millionen Mark hingewiesen hat, womit ossenbar die Einlagen der Kunden des Köhn-Konzerns gemeint gewesen sind. Von dem KSHn-Konzcrn ckammt augenscheinlich auch eine neugcgründete,.?ur Börse nicht zugelassene„Vankfirma" Otto H o ff m a n n u. Co. zu Berlin SO. 26, Skalitzer Straße 2, deren Hauptqeschäftsführung in den Händen eines Herrn Karl Heinz Greqgersen liegt. Herr Greggersen war in Drkslau und Dresden Generalvertreter des Köhn-Konzerns, dem er Betriebskapital insbesondere dadurch zu ver- schaffen suchte, daß er Krieasanseihebesitzern eine vorteilhafte Ver- waltung und Verwertung ihrer Kriegsanleihe anbot. Aus seinen Sonntag, 4. September; NMZMlVMMURs ZOT Dienstag, 6. September: OCMISCllC WÄlKFSaiSlllälllilgSll 71] Die Röcher. Roman von Hermann Wagner. Sie wosste nicht ungerecht sein, wie sie es diese Nacht nach gewesen war, sie wollte es zugestehen: er war nicht schlechte�, als es der Durchschnitt der anderen war, eher besser, und ganz gewiß, das sehe sie jetzt ein, habe sie nichts getan, um ihn besser zu machen. Schon nach einer kurzen Treue wandte er sich von ihr ab, nicht innerlich, nein, aber um so mehr nach außen hin, indem er Zerstreuungen suchte, weil er unfähig oder weil sie ihm nicht dabei behilflich war, eine ruhige Sammlung und Harmonie in sich selbst zu finden. „Von diesem Tag an graute mir vor ihm," sagte sie.„nicht weil er mich verließ, sondern weil er sich mit einem billigen Ersatz begnügte, der mich schändete. Es nutzte mir nichts, daß ich mir sagte, er sei doch der Vater meines Kindes. Das, was in meinem Kind von ihm war: lebte nicht mehr, er hatte es verloren. Er trieb nur noch als ein Wrack auf dem Wasser des Lebens umher, und ich wünschte chm den völligen Unter- gang. Auf ihn wartete ich, und ich opferte gern mein Ver- mögen, um ihn zu beschleunigen... Und dann, als er da war. gestern, diese Nacht, weit schlimmer und entsetzlicher, als ich es geahnt hatte, da überlief mich eine heiße Freude. Jetzt ist er tot, dachte ich, du bist gerächt. Und doch--" Sie unterbrach sich und sah ihn starr an. Er nickte heftig und fraget:„Und doch—?" „-- und doch fühlte ich in jenem Augenblick, da er zusammenbrach, daß ich ihn— liebte... Das, was von ihm in meinem Kind mar. lebte plötzlich wieder auf, es war Fleisch von meinem Fleisch, Eeist von meinem Geist, und je heftiger und erbarmungswürdiger ich es zucken sah, um so größer wurde meine Liebe, die plötzlich retten wollte und retten mußte und die nur darauf wartete, daß auch er dieses Eine, dieses Zusammengehörige und uns Einende erkennen würde und für dieses das Opfer bringen würde, das allein es wert war... Aber er erkannte es nicht. Er blieb das Wrack, das er geworden war und hatte keine andere Sorge außer der. es in Sicherheit zu bringen. Seine Furcht vor dir war größer als seine Liebe zu mir. Er wollt-» nicht ins Gefängnis kommen und so verriet er mich." „Und dieses kannst du ihm nicht verzeihen?" fragte er. »Nein," rief sie verzweifelt,»das nicht!" „Und alles andere hättest du ihm verziehen?" „Alles," schluchzte sie,„alles..." Er wich von il?r zurück, beglückt und schmerzdurchwühlt zu gleicher Zeit.„Du liebst ihn noch," sagte er düster,„du liebst ihn." „Nein," antwortete sie und starrte glanzlos vor sich hin, „ich haste ihn." „Das ist dasselbe. Lucie— glaub mir, das ist dasselbe." Er nahm abermals ihre Hand und strich liebkosend über sie hin.„Du sollst dich nicht schämen. Stolz sollst du sein. Es ist dein Recht, ihn zu lieben— es ist jetzt deine Pflicht." „Es gibt nur einen. Lzerbert, den ich habe," sagte sie weich, „ich weiß es, und das bist du." „Aber er bat d i ch," begütigte er sie,„und dieses, daß er dich hat, mit allem, was du bist und sein kannst, dies ist viel stärker... Du gehörst ihm und kannst dich niemandem schenken. Fühlst du das nicht?" Sie war sehr blaß.„Du magst mich nicht— du willst mich nicht haben?" „Ich müßte dich stehlen, Lucie, dem andern, der dich hat, müßte ich dich stehlen—: hätte ich dich dann?" „Ich wäre dir dankbar..." „Du würdest mich eines Tages verachten!" Sie hob unsicher den Kops und versuchte es, in seinem Gesicht zu lesen.„Ich verstehe eines nicht," sagte sie unter Erröten,„dieses Eine: warum, wenn du mich nicht willst, hast du— das alles getan?" „Um mich au rechen." lagte er. „Und wnhin soll die Rache gehen, deine Rache— zu welchem Ziel?" „SU? zum Ende." „Vis aum Ende? Was wird dos Ende sein?" „Der Anfong. Lucie— sein und dein Anfang... Denn ihr beide hatt-t noch nicht heaonn-n zu lehen. Euer Lehen war nur ein Vegetieren. Aber ihr sollt endlich leben. Es war hohe Zeit..." Sie stand aui und wuchte ein vaar Schritte durch das Zimmer. Dann schüttelte sie den Kons. Sie sagte,� und in ihrer Stimme mar Entstlssossenh-ut:...Nein, das kann ich nicht. Ich kann n'cht weh»' mit ihm leben." „Kannst du es ihm nicht verzeihen, daß er dich verraten j hat?" Sie blickte ihn erstaunt an.„Du fragst? Könntest du es l ihm verzeihen?" Seine Antwort war jenes sonderbare Lächeln, das auch sie noch an keinem Menschen wahrgenommen hatte und bei dessen Anblick ihr Herz zu heben anfing. „Habe ich nicht auch dir verziehen? Und dann"— er zog den erbrochenen Brief aus der Tasche und gab ihn ihr— „lies dieses... Er schreibt:„Lucie, vergiß es nicht, daß i ch nur ein Mensch war."... Verstehst du das? Und kannst du das vergessen?" Sie nahm den Brief, riß ihn in kleine Stücke und warf diese in einen Winkel.„Das find Worte. Ich bin zu müde, um über sie nachzudenken oder mich an sie zu halten... Ich will schlafen." „Ja, schlafe," sagte er und reichte ihr zum Abschied die Hcknd,„und warte auf einen Morgen" 27. Einen vollen Tag und eine Nacht war Reisner in Berlin umhergeirrt. Nun wurde es langsam Morgen. Er saß im ersten Stock eines Kaffeehauses in der Friedrichstadt. Die Frauen, die den Saal reinigten, hatten ihn schon einmal von seinem Platz getrieben. Jetzt sagte der Kellner abermals zu ihm:„Will sich der Herr nicht rückwärts bemühen— rück- wärts ist es sauber. Reisner" ging nach rückwärts und saß ganz allein. Er war sehr schwach und konnte sich kaum noch schleppen. Er holte nichts gegessen, nur getrunken und geraucht. Und auch ge- schlafen hatte er nicht— nun schon die zweite Nacht nicht ge- schlafen. Jetzt fiel ihm der Kopf nach vorn, und er schloß die Augen. Wie lange er so gesessen hatte, wußte er nicht. Ein Mann rüttelte ihn an der Schulter und sagte barsch:„Nicht schlafen, mein Herr!" Da sah er auf und erkannte, daß es sonniger Morgen war. An einzelnen Tischen saßen schon Gäste, frisch, ausgeschlaien und gesund, und tranken den Morgenkaffee, bereit, ihrer Ar- beit nachzugehen. Ich muß fort, dachte Reisner. aber wohin? Es war ihm unmöglich, noch einen zweiten Tag in Berlin umhsrzulau»en. Jedes Geräusch, das er vernahm, verursachte ihm Uehelkeit, der Anblick eines jeden Menschen tat ihm weh.'Er dachte an die vornehm-ruhige Abgeschiedenheit seines Zimmers daheim, und es legte sich wie ein eiserner Rina um seine Brust. Aber er überwand das. preßte trotzig die Lippen auseinander und trat auf die Straße. (Forts, folgt.) Äefchaftsbogen bezeichnete er eine angesehene Bank, bei der er nie ein Konto hatte, als seine Geschäftsverbindung, so daß diese sich ge- nötigt sah, ihm dies durch einstweilige Verfügung verbieten zu lassen. Getreu diesen Ueberlieserunaen verspricht die Firma Otto choffmann u. Co., ihren Einlegern bei einmonatlicher Kündigung 3 Proz. Zinsen pro Monat, bei dreimonatlicher Kündigung 4 Prpz. pro Monat, bei sechsmonatlichcr Kündigung S Proz. pro Monat; sie sucht im Jnseratenwege erstklassige Vertreter. „welch« mit ihr davon überzeugt sind, daß ein reelles Bankgeschäft eine monatliche Verzinsung in dieser chöhe bieten kann, wenn es will". Für jeden Verständigen kennzeichnen sich diese Anerbietungen als schwindelhaft.___ Eine gewaltige Demonstratio», so wird uns aus Nieder- varteien im KeschstaV'.-»raUirn-®üi>. Iüg-ndh-im N° l e h m e geschrieben, fand gleichzeitig mit der Berliner Demon- vtttemmiuna.— Issenehelm»Jon ftration aiif der„Dcrfaue" statt Die Kollegen der Wildauer Werk«' und sämtlicher Niederlehmer Betriebe ruckten in geschlostenen Zügen jiadisiSult, votikag! ,.«>-«!- uni> Vtiichte,, d-e an. Nachdem det Arbeitcr-Gesannverein die Demonstration durch den Festgelang von Uthmann eröffnet hatte, ergriff der 1. Bevoll- mächtigt? des Fabrikarbeitcrverbandes Genoste N«? m a n n dos Wort. Er geißelte in scharfen Worten das frech« Auftreten der Reaktion, gedachte in wormen Worten des ermordeten Abqeord- neten Erzberaer und sogt« den Meuchelmördern und deren chinter- männern schärfsten Kampf an. Besonders scharf kritisierte der Redner die chandlung-weise des heutigen Richterstandes, der es fer- tiq bringt, einem Derbreck'r wie Oltwig v. chirschfeld trotz seiner geringen Strafe noch 4 Monate Erholunosurlaub zu gewähren. Zum Schluß forderte der Referent die Einheitsfront des Prole- tariats, denn nur durch ein geschlossenes Auftreten der Arbeiter- chaft ist die Reaktion niederzuringen. Beim Baden ertrunken.?n der Nähe des Aussichtsturms bei MS. OTt, fflptntd. Die{flUBKaftverttrihnts findet Lsnntag fcüS Stlhr sen ftigenden Lokalen ans statt: fliestet Notstadt det Cchulz, Mllggelheimee eteftfie II.— Altstadt! bei MUllet. Aller Mark!». Damm-Haistadti Sahmel, flaiset-Wilbelm-Stk. 100, flölln. Noestadti StippekZhl, Schönet- lindet Sit. 5. Ss milssen alle Genossen zut Stelle sein. ?ugenüveranstaltunyen. «nein Iistettet-Zva-»».«eketaelat: SS. SS, Lindenste. S, I. Pos link», i Teenst«» recht«. Telephon! Rpl. III«»—1». Ireitag. den 2. Sepicmber: Vpk?r«hss. k!u«enöh«!m Hackenbetasttaste. Schule, Miisliebetnetsammlung. Ntist. Zugendheim Shausseestt. lest, Siachaiis, Miialiedetvetsammlung.— Hnlenfe«. Jugendheim Ioachim-Ftiedtich-Stt. SS/Zb, Mitgliederversammlung. — M»»blt. Jugendheim Waldenserstt. II, Iimmee II, Diskussion!„Pol�Iso e Sieichktag".—!SeukiI»-Süb. Zugendheim Nogatstt. 53, Miigliedee- ar...-------..---------- ikenbutget Str. 69/70, Jugendheim Franken- Staaten. Zugendheim iSarten- i„w VI"-,-»-- Mitgliedes.—«cistenfee. tstoelckpromenabe»" Ledigenheim, Noeteagi„SU Ätbiitetjugend und ihr» Segnet"._ Wirtschast Zur Wirtschaftslage. Die Zndustrl« läßt ein« merkliche Besserung in der Ge- schästslage erkennen. Bor ollem hat die Textilindustrie ihren Tief- stand überwunden und gegenwärtig sogar reichliche Beschäftigung aufzuweisen. Auch in der Eisenindustrie ist die Nachfrage lebhafter, so dah die H ü t t t n w« r k e wiederum eine gesteigerte Tätigkeit aufnehmen können. Die Belebung des Geschäftsganges macht sich .., hier auch bemerkbar in den Preisen, die bei einigen Sorten ziem- S ch i l d h o r n wurde gestern die Leiche»ine» Mannes aus der ljch erheblich ins Sewtcht fallen. Eine Ausnahm« macht der Schiffs- Havel gezogen. Der Unbekannte trug nur einen Ladeanzug. i bau. Die Werften hoben unter der Wirkung des Aufbaupr»- «utönaerfniie in y-nnljlck, niid FrnnzSkiked.«nfang Se», emster! gramm» ihre Leistungen sehr über das Maß der Aufträge gesteigert, riibtei die Ehr ch'chule für Pivletniier die m>i,!i Mtifäiigerfuil« für«e- so daß nunmehr b-t der Verzögerung der Zuwendung-n aus dem nosseri lind lVeno str-iielt oh-ne V orten ntntlle lülbendiiniertickit) ein. staatlichen Fonds, der für den Wiederaufbau der Flotl« beslimmt »lnmeldunarn am Mitlwom. den 7. Gestlember./von 7— g Nhr abends, und, jfi, Stockungen eintreten, die zu Arbeitcrentlaffungen geführt haben. 8- t pem ö— 7 Uhr nbenpa Ebensall«/ Im Bergbau haben wir rrfreulichermcis« in den verflossenen .eÄffÄÄi-ÄÄÄ'»"2!"»w- S"S'"«Ä'ViäÄ richtet. Anmeldungen am tchontag, den k.«�eplember und Mittwoch, den w der Forderung sowohl der �teui- c.s auch der B.aunkoh.n zu 7. Tepieinber. von 0-5 Übt nachwittaa«. �ie'lnm-ldiinaen finden'Mit/ verzeichnen. Die St«,g«rung der Förderung ging bei der Stein- in der L« E-emeincelchule. hinter der Garnilonlirche(illähe Bahnhos Börse),; kohle von 78,40 Millionen Tonnen auf 77,13 Millionen Tonnen, und Zimmer 7, Hof rechter Seilenflügel.• j bei der Braunkohl« von 01,44 Millionen Tonnen auf 69,83 Mil- ffittie trbwarzleberne«ktenrosche«nrde bon-ine««artelgenossen. lionen Tonnen. Leider genügt die Produktion nicht, um voll den am?ie>fstaflabeni) in ctm Rin�bahnznge. der um 8 Uhr 6 Minuten tiom! Ku decken, den die Industrie und unscre frohen Verkehrs- Potsdamer Vahiibos obiabr. liegen gelassen. Sie entbtel« oer chiede e i Institute haben. In letzter Zeit sind wieder erhebliche Mengen eng- Exemv�are de« �Ni-rmäriS", der.jstreibeli*,_die neueste Hammer der � lischer Kohle Über chamburg eingeführt worden. Uns wird berichtet, daß in der ersten Hälfte des August 32 000 Tonnen Steinkohle ein- gingen. Di« Preisdifferenz zwi'chen inländischer und englischer Kohle ist zwar noch erheblich, wenn aber unter diesen hohen Preisen Kohle«ingeführt wird, so gibt nur der Mangel an ge° nügender Belieferung durch einheimische Kohl« Erklärung dafür. Es muß immer wieder betont werden, wie wenig ein solcher Zu- stand vom allgemeinen volkswirtschaftlichen Standpunkt erwünscht ist, denn wir belasten damit imfer Einfuhrkonto erheblich und schädigen unser« Ausfuhrhandelsbilanz. Ergibt sich somit, daß im allgemeinen über eine bester« Lage der Industrie berichtet werden tonn, so wäre es verfehlt, aus diesen Erscheinungen zu folgern, daß wir bestimmt für längere Zeit eine Aufwörtsbewegung vor uns haben. Wahrscheinlich sind die grö- ! Rundschau" gestürmt und schließsich den polnischen Ttadtpräfldenten Maeiaswek schwer verletzt. Das Gericht oerurteilte 14 Angeklagte zu Gefängnisstrafen von 6 Monaten bis zu 2 Jahren, die übrigen Angeklagten wurden freigesprochen. fünffacher Mörder verhaftet. Der Jenaer Polizeibericht be- stätigt, daß der wegen Mordverdachts verhaftete Schleifer Willi Wenzel fünf Menschenleben auf dem Gewissen hat. Wenzel hat folgende Persoizen ermordet: Am 1. August 1017 die 19 Jabre alte Alma Spindler aus Kraltsdorf, am 1. oder 2. Februar 191? seine beiden Komplizen, die Einbrecher Paul Lust und Karl Neubert, am 19. November 1920 die lOjährig« Martha Luge. Die Leichen, die der Mörder auf seinem Berggrundstüik am Jenzlg ver- scharrt hatte, sind zum Teil bereits ausgegraben worden. Der Mör- der ist am 11. Mai 1894 in Jena geboren. Mieder ein Luftschiff explodiert. Das amerikanische Marineluft- schiff O 0 wurde in seinem Hafen in der Rockawayfpitze durch eine , Explosion zerstört. D6 war da» größte Morineluftschiff dieser Art. Drei Kilomeker Bahnstrecke zersiört. Infolg« des Einsturzes eines anderthalb Kilometer von der Eisenbahn entfernten Schutz- dammes wurde die Eisenbahnlinie Stockholm— Oestersund auf einer Strecke von 3000 Metern völlig zerstört. Zwei elektrische Ueberl-inhzentrolen wurden ebenfalls zerstört. Menschen sind nicht zu Schaden gekommen.__ Sport. »Arbeiter- Zuaend"'u-Me eine Schlstsseltafte. Tn«brück,« Finder wird er- luchl. die Moore gegen gute Velvbiiung in der ttx'redilitm de?.NvttcltlS" abzugeben oder Nachrichl zu geben,«o di« Mavpe" abzuholen ist. Nachtrag»nr L nilluag Muller und Kwd, klllrnsteiner Ttlaße:?«r. kehrtdund Thucinge», �iau t, 101 SB. Groß-Serimer parteinacbrichken. tze«!«:, Areitag. d«» 2. Sepkrmber: 7 Ustr flteisvetlreiervotsalnmluni Sei Rabe. Fichte- Rennen zu ftar'shorfl. Donnerstag, 1. September. Ca» Deullt,« Jagdrennen, da« Haupkereigni« de« Tage», sab Fusianella, die al« Favoritin in« Rennen ging, al« sickere Siegerin. Im Herkiiles-Jagdreimen war da« Ende so knapp, daß di« Zielphoto- arophie den Kapfliea Bernstein« bestätigen mußte. 1. Sprinoinsseld-Hstrdenr« n-n« n. 20 000 R. 8000 Meter. 1. Obutu? lGorsler). 2. Merkur sTblel), S. Herzar It(Dr. Müller). Tot.: lllr'.o Pl. ist, lt. 19,10. Ferner liefen: Komoran(4), Telerlnchen, Wr>. Nnfa, Eudrnn ges.— 2. P r e t S von Etarlottenthal. 25 oao M. 0409 Meter. 1. Lustfadrt l?i«mar-D. S. Zivilist fKuknIie»), 8. Salhr(V. Letvlckst. Tot.: IS: 10. PI. 10. 10:10. Ferner lies: Meister- weite— 3. Sommetpret«. Bf f 00 CT 2800 Meter. 1. Rolenset» eikl. f.*. Scholz). 9. Meisterin sftibr).«. R-ivt sDrrtzer). Tot.: 11: 10. Pl. 12. 15:10. Ferner lie'en: Gonntag«rnhe(gel.). Hossart(ges.). 4. H e r- tute». Jagdrennen. 25 000 CT. 4000 Meter. 1, Bernstein so Maldau). 2. Barbar sBeck). 8. St. Martin so. Pelzer). Tot.: S7: 10. Vt. 84, 95, 18.' Ferner liefen: Frei, Patella. Tillh. Toriolan II, Bonts. 5. Deutsche« Jagdrennen. 45 000 CT. 5000 Meter. 1. Fusianella sGor?ler). 2. Mannotata(®ait Müller). Tduniggut sDyhr). Tot.: 12 t 10. Pl. II, SO: 10. Firner tiefen: Alerich(4,), Samum. 6. Prri« von M ö n ch» b e i m. 20000 CT. 8000 Meter. 1. Solberg sKardel). S. Rappel- köpf sTtibr). 3. German sSurst). Tot: 17:10. Pl. 11, 13. 12:10. Ferner liefen: Herzog(4.), Adolar(angeh). Silvertaler,«lmanach(gtf). 7. rkartsborltcr A u» g I«: ch. 20 000 4«. 1600 Meter. 1. Mai- kotten sjsubnke), 2. Naive lDenzel), 3. Kasjeniammer(Ltaudsttger). Tot.: 124:10. Pt. 36. 39, 17:10. Ferner liefen: Uugnr(4.), Orkan, Malente, Skapa, Primadonna, vbendsturm, Undtne, Brandmeister, Eleaner& Arbeitersport. v. Jt'.ci». Aalleschr, Sit sttaß- L9. 13. flet>». Semrers«f. T Uhr flteter«ers»mvilung tn Matienbers,!»__,_________ D............................. Kbe�dasttd'.�'J"«" �"ltande. treffen sich ein. salbe stund, j �„«n Aufträge, die für einige Industrien in Frag« kommen, zu 13. Stzri.i. beute abend TH Uhr in«iederschine-! rückzuführen auf die�drohenden S�t« u« r n. die den Anlaß geben, weide, StUnanee®tt. 18. Abt.-~' B bei DchSö». zuichti«. Tei»e»«rdnun«. 7:4 Uhe AuzetvrdentNche Mitzliederversammmn« in Sch«i!>t» Se- "------ Mi. M| Bezirke: Sl«,*1»,»SO,»14,»SS und»17 bei Heese, Bvcttag übet:„Neueste Steigniss« und Stellunznahwe zur Swdtvetvtdnetenwabl". Sief. Hein. Mlchassobauv. ZtUlytstr. 1». Abt. 3 Ilbe Ätiung der Stemelet Ttt. f«. Bvri zur Stabtvetvtdnetenwab.............. Zungfazialisten. Truppe»'«*:«: TW Ilbr im Zuaendb«!». Breit. Str.»», Sinaans binter dem Finanzamt, Bvrira»!„SvS'.aUeniakratie und Kirche'. Sief, flurt Hinke.— Gruppe Nvrbtn: Ist Uhr Kemelndeschul. Buiduset Sita». 3—0, Mi-elledertetkammlun«. Gruppe Sichterfclt«: TS KI)t Äugendheim, Slbtechlfit. 14», Lortrag:„Di. votitische Lag»". St.s. Han» Wurst.— Srupne Herm-does: 7>, Upt Fuz-ndhelm, Bar-nstraste,?lorlrag: „Die Iung1o,IaI>1ienta«ung und ihr. Auawirkunien". Res. Gen. Ribert fleller,— G.nppe Schin-deta KeieSeuau: TV» Übt bei Riese, Akazienste. 14, Pazifistischer Abend. Sämtliche jungen P»t..im!esli»drr herzlich will» kommen. Morgen, Sonnabend, den 3. September: 3. Abt. Die AliigbläUee sind«6 6 Uhr abend« bei Schiern, Shaelvttenste.«, abzuholen. 11. Abt. Pünktlich H? Ilde Bersammlun« bei Fanktionlre und Bettlebever- traueusleute bei Fraufe, MariannenpIaN IS. Lehe»ichiige Tagesaeb- nuna. Beginn oünktlich Mt Uhr.— Sonntag, den 4. September, früh 8 Ußr. Flugblaitoerdreiwng von den Lokalen: Braudt, Muokauee Sie. 1, fleause. Nariannenola» und Slorariu«. Adald.ristr. IS. 47. Abt. Ab 5 Uhr nachmittago Fluablattrierbreitung von folgenden Lokalen: Illmer, Buchst,.», Radzou, Brüsseler Str. 4». Senkel, Utrechker Str. 1«. 188. Abt. F>tebrich,h««n, Nachmittags 5 Uhr Sammelpunkt der Mitglieder am Bahnhof»um Demonstrationsauiflug nach Stkn.e. 3. fleel». Wedplua. Sanntaq, den 4. Septemdee, Bestchtigun« und Ftiheung durch Alt-V.rtin. Treffpunkt vormittags 18 Uhr am Untergrundbahnhof fllostetftraste. 13. Krei«. Sonntag, den 4. September, Ansstluq nach dem Botanischen kbarlen. ... ag,...................____________,., Berfammlung bei Teilnehmet Eingang fliinigin-Luise-Sttoste um l Uhr. Ad Stadtbahn Äsab.rfchSn.weibe 11)67. ab Erostgörschen Straft. 11,14 übe. 18. Abt. Trefspunkt zur Flugblatwetbreitung am Sonntag früh 8 Uhr bei Siebtke, Littau.t, Ecke Geaubenzer Straste. t. Sonnta» früh» Uhr ssluablattri.rbreitung. Alle«.»offen und«.- nofflnnen haben(ich in ihren Begirkslokalen pünktlich einzufinden. Di. Genossen de» Stadtbezirks 139» treffe» stch beim Genossen Ddrlng, Lands» beegee Alle. 137/133. Die Funktionäre holen ihr Material schon am Frei- ta�und Sonnabend in den bekannten Stellen. Die Genossen holen ssch die Flugdlätter Sonnabend abend 6—7 llh» oder Sonntag vormittag 8—18 Uhr de: Rahnsdorf, Peleesdurgee Str. 88. 13. Do« Erscheinen der Genossen, besonder« der Funktionäre, ist Eheenpfltck-e. . Abt. Die Genossen ttefsen stch am Sonntag zur Fltiablaitverdteituna früh 8 Uhr bei Gott, flnlprodestraste und hei Audeeget, Friededetgetstt. 1, und bei Schälzel, Eothenius-. Ecke Thornee Steaste. 38.«b!. ffha'tpttenbutg. Sonntag, de» 4. Septembee Bestchtlgung de» Botanischen Gartens in Dahlem. Treffpunkt früh 8,88 Uhr flant- Ecke Wil- meesdoefee Strasse. Rachzüglee fahren mit der Linie w M« Lichterfelde, flurkürstensteasse. Ecke Unter den Eichen, und find 18 Uhr am Wirtschaft»- gedäude. bah für bestimmte Waren zeitig Aufträge gegeben werden und die Lager vollgepfropft werden. Für den Außenhandel kommt nonirlick auch die Entwertung der Mark hinzu, die es gestattet, zu mäßigen Preisen nach dem Ausland die Waren anzubieten. Es besteht deshalb auch bereits wieder»in« starke Abneigung im Aus- lande gegen die Einfuhr der billigen deutschen Waren, zumal man im Auslande darauf bedacht ist, durch Preissenkung den Absatz zu heben. Das üble unserer Lage in wirtschastttcher Beziehung zeichnet sich eben an der Gegenüberstellung de» beiden entgegengesetzten Tendenzen! während wir im Unland« fortgesetzt zu höheren Preisen kommen, geht das Ausland in der Preisbildung zurück. Wir werden uns damit immer mehr dem Auslandsmarkt anpassen, d. h. wir bringen unsere entwertet« Mark im Warenpreis mit dem Preis der Länder der hochwertigen Valuta ins Gleichgewicht. Die weitere Folg« wird fein, daß wir unseren V 0 r s p m n g im Außenhandel nach und nach verlieren, und die Krisi?, die auf dem Weltmarkt seit langer Zeit die Industrien stark beschäftigt, auch bei uns nachhaltiger zur Gellung kommt, als dos bisher geschah. Vorträge. Vereine unü Versammlungen. Reick«ba»d de« Seleaibefchlhlgie», Bezirk 4 fSüdeul. Sonntag, den 4. Geptemder. W»h1I8t!gke!isfest im..Dajjenhoker", silkl-tuftr.?'» frlie-n. Bock- drauerei), unter giliiaer Mitwirkung der„Topographia", Gesanonerein Ber- ltn.r Buchdruckee und SK-Iftgtessee, sowie de.„Freien Turnerfck'ast". Dee Reinerlra« dieser Beronstaltung fliesst dem Welhnachtssrnd« des Bezirks zu. Ilm zahlreiche Befeiltgung biliel der Ausfchiiss.— Die Deutsche BuHdeucker- 6>lenvg,»»he«.«e,eini»»n,„«ipize-echeea'. Ortsgruppe Gross. Berlin, erojinet «m Dienstag, den 6. Septembet, abend» 7 Uhr, Im Lyzeum, Temoelhofer Ufer 4, Ihr Wintersemester, und zwar flurfe für Anfänger, Fdriaeschrittene und bei genligender Beteiligung auch einen flurfu« für Dedaitenschrist. Anmeldungen »erden vom Borükenden, Fr. Mühle,«.»8, Urdanstr. 83, lt oder am Schul- deeinn entgegennommen._____ Mus aller Welt. vi« Bromberger Zulluunihea vor cherichk. Bor dem Brom- berger Bezirksgericht fand in diesen Tagen die Verhandlung gegen die Houptanstifter der Bromberger Unruhen vom Juli d. statt. Die Angeklagten, Angehörige der„nationalen polnischen Arbeiter- vartei", hoiien eine Reihe schwerer Exzesie verübt, Schaufenster mit deutschen Aufschriften eingeschlagen, die Druckerei der„Deutschen achmtflag s Uhr. TN« Laufe geyen durch er Strass«, Gleimstrasse. Swiuemllnder Strasse zurück zur Rudolf-Mosse-Strasse. � eine abqetllrzt« Strecke.— Aus dem anstaltunaen sehr willtommen. Ardelter-Stabfahrer-Bnnd„E-lidarität'. temdee, Fortsegung der Deneraluersammlung, Schwedter abends pünktlich 7 Uhr. Erscheinen oller ist Pflicht. In tag, den 4. September, nach Eberswalde: Start: früh....____ Sportolass Schönhauser Allee(Stadionplatz) werden dann noch diverse Stafetten» Einzelläufe und Wetlspiele ausgetragen. Die Ardeiterschaft ist zu diesen Ber- 1. Bez.: Freitag, den I. Sem Schwedter Strasse bei Büttner, tzngendaötellnng: Sonn- » WWWWWM. ch««unssestr. 7. Nächst« Abteilungsfldung: 1. Seaiember, abend« 7 Uhr, Runaest». 7.— Touren fti, Sonntag, den 4. September. 1. Sbt. Schnitzeljagd; Bichtung flarllhorst. End- ziel: Hirfchgarten. Start: 11 Uhr Bülawsttasse. 2. Abt.: Wolziger See; Start: 3 Uhr früh Planufar 83, Ecke Wilmostrass«. 3. Abt.: Badetour nach Lieben- berget Mühle; Start: 6 Uhr früh Lansttzer Platz. 4. Abt.: Badmvur nach florbistrvg; Starte s Uhr. Nachmittags nach Nudsw(Lindenoark): Start: 1 Uhr Weberwiese, Ecke Frankfurter Allee. 3. Abt.: Teupitz; Starr: 8 Uhr. Nachmittags nach EichwalSe(Witte); Start: 11 Uhr Eomturelpiatz. 8. Adr.: Bestchtigung de» Krematoriums(Baumfchulenweg): Start: 7 Uhr. Rachmittaa, nach flaulsdorf-Süd(Sanssouci); Start: 11 Uhr flopenhagener Str. 28. 7.«bi.: Nachttour nach dem Sprerwald; Start: abend» t Uhr. Sonntag nach dem Pätzer Pardersee: Start: 5 Uhr. Mach Muageldeim: Start: 7 Uhr. Nach Grünau, Äravelotte. flöpenicker S-r. 78; Start: 14 Uhr Schutstratze, Ecke Prinz- Eugen-Strasse. 8. Abt.: Ferch-Mitteldusch; Start: 3 Uhr früh. Nachmittag« nach Wannfee; Start: 1 Uhr Waldstr. 8. 1». Abt.: vehnitzsee; Start: 3 Uhr. Nachmittags nach Waibmannslnst; Start: 12 Uhr Eomenlusplatz. It. Abt.: NUderedorfer flatkberg.- Start: ö Uhr. Nachmittag» nach flauIsdorf.Süb(Sans- fonei): Start: 11 Uhr Seestr. 101. 11. Abt.: Metarfahree. Freienwalde: Start: O'l Uhr Ringhahnhof Frankfurter Allee. Ortsgruppe Beandendueg: Banner. weihe Uhr. Die Ortsgruppen find sehr willkommen. Ort-gr. Spanban: Glindower Alpen! Start: 7 Uhr früh Schiitzenhaus. Ortegr. Lichtenberg: Schnitzeljagd nach Elchwolde; Start 7 Uhr det flriehn. 0rt»gr.«rlssenfee: Röntgenthal; Start: 18 Uhr vormittag» Berliner Allee 131. Vrtagr. Pank»»: Rüdersdorf: Start: 8 Uhr. Nachmittag» Schöneich» tMann): Start: 1 Uhr Florastr. 24. Oet»gr. Reinickendorf: Nach Potsdam: Start: 7 Uhr de! Muster. Blbelter-Rabkabeer-Derein„Oross-Berliii'. Sonntag. 4. September, früh 3 Uhr, Buckow(Märkische Schweiz): nachmittag 1 Uhr, SchSneich«(Manns), Start: Mariannenplatz. Freie Tuenerfchafi Schäneberg-Berli». Sonntag 1 Uhr nachmittags Schule Graunstrasse. 2% Uhr Abmarsch nach dem Sportvlatz Schönhauser Allee.— Zssrttwoch: Turnratsptzung Seydelstr. 3, Punkt 7 Uhr.— Gefelligkeitsausschuss- Sitzung Beuthstr. 8, 7 Uhr.______ VZettcr bi« Tonnadend mittag. Ziemlich ftoarm. überwiegend be- wollt. Im flüstengebiete ine;! oerstreilete. im Innenlande mehr vereinzelte Negcnsälle bei mägigen westlichen Winden. (Schluss de» redaktiinele» Teil«.) Kauiaussohlau der zur Erhaltung gesunder Haut glänzend bewährten und olle Hauistörung vermieden durck tägl. en werden tägl.Gebrauch ZNgrrkoUu-Lsife l- verren- n. Damnibclilctdimg M. K Jg K Ig«■* Heike Mvmenie, iraiee««»wslii ■V©Afey U a Mam ventAAl Mcterweu« Koch& Seeland, � Gerlrandlenslr. 20/21%;■ Oeiiisclier Meta larbdtafverb, PenvaltungsftcQc Berlin. Den Milgtiedern zur Nachricht, datz unser Kollege. der Uhrmacher Walter Scliöiirock Loddinstr. It. am 30. August gestorben ist. Ehre seinem Andenten! Einäscherung am Sonn- abend, de» 8. 0 M, nach- mittag» tj>,, Uhr. Im flrema- torium Baumjchulenweg. Rege BrteUigung wird er- wattet.___ Nachruf. Ferner starb unser Kollege, de: Schlosser Natter Jando Huisilenstr. 78, am 25. o. M Ehr» feinem Iladenken 1 Die v tioermeiang. 4t Wäsche» Hof j im Leltzhan» Moritzplan 58a! oertaust staunend billig SssemDen 22, Beintieider 20, Pettbejüge 70, grosse Teppiche 805, flUnstler-Gardinen 55, St.po- und DiwandrSen. Daunen- Betten.— Nur igelegenheitskäufe.— fletne Lomdardmare._ Landhaus mit Odstqarien verkäuflich Prele 55 800 M. bar Schulze. Erkner, Scharnwederstr I. Vvmöttssttevnide Dtid Ersillder Gu'.e Becdtenstmogiichteiten. «usklSruna au» itlnreguu, gebend» Broschüre: Sta n«u»e lSeks«?(endet gratis- 3. atömann&.be- sonders prelsweri, Gr.36-40 Stiefel, Derbyschnltt. eckte Lackkappen, sehr elegant und haltbar.... Gr. 37-39 Hör 125r essssssssseässs«?« Nur anzffje; 400 LrMMi5e- 2.fi« i «u» I« MaSatoffen j eleg. 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BSjr* Di» Bezirksleiter. die«it der Vornahme der Kahle» der Auslchussmilgiieder beauftragt find,»erden ersucht, die «nnahmrertlärunq der Kandidaten spälrste»« hrutO,»r»Iwg, 7-0 Ahr oveuba, im Bernandohaua, Linien strasse 83. So, gwwier ch bei»utsche abzugeben. 3m Austrage der VenMltuna:«utsche. 1 � rillanten, Juwelen Kf»! äff aach8 84- T-Noelel,. mit Llnsprlts. NSchsl _.._„f schmerzld� Umarb.schlecnts.Ofb Rep Zahn-Arzt Pr.Wolt 5of Porgdamertt-M-Hochh-st Sorr? 7 Nachstehend unterbreiten die Ortsverwoltung des Deut- fchen Metallarbeiterverbandes und das Metallkartell den Schiedsspruch, der am 31. August 1921 von dem Schiedsgericht, welches von dem Herrn Reichsarbeitsminister angesetzt war, gefällt wurde. Schiedsspruch. Der zur Schichtung von Lohnstreitigkeiten in der Ber- liner Metallindustrie vom Reichsarbeitsministerium eingesetzte Schlichtungsausschuß hat in der Sitzung vom 31. August 1921 unter Mitwirkung 1. des Oberregierungsrats Dr. Caesar, als Vorsitzenden» 2. des Referenten Grzinski, 3. des Regierungsrats Dr. Tiburtius — als unparteiischer Beisitzer— 4, des Iustizrats Waldschmidt, 5. des Regierungsbaumeisters Pfeil. 6. des Fabrikdirektors Hasse als Arbeitgeberbeisitzer— 7. des Mechanikers Putsche, 8. des Wertzeugmachers Zippel, S. des Formers Bredow — als Arbeitnehmerbeisitzer— einstimmig folgenden Schiedsspruch gefällt: 1. Die Tariflöhne der männlichen Arbeiter über 21 Jahre werden um 75 Pf. pro Stunde erhöht. Die Akkordbasen wer- den den Einstellungslöhnen gleichgesetzt. 2. Arbeiter von 18—21 Jahren«chatten ewe Echöhung ihrer Tariflöhne um Kö Pf. die Stunde. 3. Jugendliche Arbeiter unter 18 Jahren erhalten eine Erhöhung ihrer Tariflöhne um 39 Pf pro Stunde für das 14. bis 13. und 13. bis 16. Jahr, um 45 Pf. pro Stunde für das 16. bis 17. und 17. bis 18. Jahr. 4. Arbeiterinnen an Maschinen und Handarbeiterinnen, deren Leistungen nicht mit den Leistungen männlicher Arbeiter verglichen werden können» erhalten eine Erhöhung der Tarif- löhne um 59 Pf. Die Affordbasis wird auf 3,75 M. pro Stunde erhöht. 5. In der Glühlampenindustrie beschäftigte Arbeiterinnen erhalten in Gruppe I 59 Pf. Erhöhung des Tariflohnes, die Akkordbasts wird auf 8,35 M. erhöht; in der Klasse II eben- falls 59 Pf. Erhöhung des Tariflohnes, die Akkordbasis wird auf 3,75 M. erhöht. 6. Jugendliche Arbeiterinnen unter 18 Jahren erhallen im Atter von 14 bis 15 und 15 bis 16 Jahren eine Erhöhung der Tariflöhne um 25 Pf. pro Stunde, im Alter von 16 bis 17 und 17 bis 18 Jahren um 39 Pf. pro Stunde. 7. Die Teuerungszulagen werden auf 24 M. erhöht, und zwar sowohl die Ehefrauenzulage sowie auch für jedes Kind zu gewährende Kinderzulage. Bezüglich der Erhöhung der einzelnen Akkordsätze infolge Erhöhung der Akkordbasen gilt, daß bei sämtlichen Akkord- sätzen, bei denen der Arbeiter die neue Akkordbasis erreicht oder darunter bleibt, eine Echöhung der Akkordsätze im Verhältnis der neuen Akkordbasis zur alten Akkordbasis vorgenommen wird. Akkorde, bei denen die neue Aktochbasis bereits jetzt um mehr als 20 Proz. überschritten wird, werden nicht erhöht. Akkorde, bei denen die Akkordverdienste zwischen diesen beiden Grenzen liegen, werden nach gleitenden, fallenden Um- rechnungssätzen erhöht. Der Umrechnungssatz ist bei Akkorden, bei denen die neue Akkordbasis bereits erreicht wird, das Der- hältnis neuer Akkordbasis zu alter Akkordbasts, er endet bei Akkorden, bei denen die neue Akkordbasis plus 29 Proz. be» reits erreicht wurde, mit dem Umrechnungssatz 1. Die Zulagen beziehen sich auf die Tarifsätze. Auf Grund des Tarifs gewährte Künstler- und Ausgleichszulagen bleiben auch nach der Erhöhung der Tarifsätze bestehen, sowett die Zu- lagen nicht ausdrücklich unter Vorbehalt gewährt worden sind. Die Erhöhungen treten mit dem Beginn der auf den S1. August 1921 folgenden Lohnwoche in Kraft. Die Parteien haben sich bis zum 3. September 1921, nach- mittags 5 Uhr, dem Reichsarbeitsministerium gegenüber über Annahme oder Ablehnung des Schiedsspruches zu erklären. Berlin, den 31. August 1921. Am 25. August 1321 hatten die Berliner Metallarbetter, soweit sie in den Betrieben des Verbandes Berliner Metall- industrieller beschäftigt sind, zu dem Verhandlungsergebnis s durch Urabstimmung Stellung'genommen. Mit Zweidrittel- mehrheit wurde das damalige Verhandlungsergebnis abge- lehnt. Infolgedessen fanden am 27. und 30. August 1921 erneut Verhandlungen zwischen dem VBMJ. und dem DMB. statt. Bei diesen Verhandlungen wurde die Protokollnotiz III beseitigt und die Akkordüberschreitungen anstatt 19 Proz. auf 20 Proz. erhöht. Lohnerhöhungen wollten die Unternehmer nicht gewähren, weil sie dazu keinerlei Mandate von ihren Mandatgebern hatten. Deshalb zerschlugen sich die VerHand- lungen und die Verhandlungskommission des VBMJ. gab folgende Erklärung ab: Die Derhandlungskommission des VBMJ. ist nicht in der Lage, bezüglich der Erhöhung der Lohnsätze, nachdem diese von den maßgebenden Organen des Verbandes abgelehnt ist, weitere Zugeständnisse zu machen. Der VBMJ. wird des- halb den Herrn Arbeitsminister um unverzügliche Einberufung eines Schiedsgerichts zur Entscheidung über die strittige Frage ersuchen. Falls aber der DMV. bis Mittwoch, 3 Uhr, wo eine neue Sitzung der Verbandsorgane stattfindet, ein festes An- gebot mit gegen die Forderung vom Sonnabend ermäßigten Lohnsätzen machen kann, will die Verhandlungskommission des VBMJ. sich für die Annahme eines solchen Angebots in den darüber befindenden Sitzungen der Verbandsorgane voll ein- setzen. Die Entscheidung würde spätestens Donnerstag nach- mittag erfolgen, so daß noch an diesem Tage die beiderseitige Unterschrift vollzogen werden könnte. Berlin, den 39. August 1921. Darauf gab. die Verhandlungskommission des DMB. fol- gende Erklärung ab: Die Verhandlungskommission des DMV. erklärt, daß, wenn die Kommission des VBMJ. der Erhöhung der Ein- stellungslöhne auf 80 Pf. zustimmt, sowie die anderen, heute gemachten Zugeständnisse aufrechterhält, sie sich bei ihrer Mit- gliedschast mit allem Nachdruck für die Annahme einsetzt. Ein niedrigeres Lohnangebot kann die Verhandlungskommission des DMV. nicht machen. Ist über vorstehende Differenzen ein« Einigung hier nicht zu erzielen, so ist die Verhandlungskommission des DMV. be- reit, gemeinsam mit der Kommission des VBMJ. das Ar- beitsministerium unter folgenden Bedingungen anzurufen: 1. Der vom Schiedsgericht zu fällende Spruch gilt mit Wirkung von der auf den 31. August 1921 folgenden Lohnwoche. 2. Das Schiedsgericht muß spätestens bis Donnerstag, den 1. September 1921 zusammentreten. 3. Ueber den Vorsitz muß heute noch eine Verständigung erfolgen. Berlin, den 30. August 1921. Daraufhin ging je ein Vertreter des VBMJ. und des DMV. zu dem Herrn Reichsarbeitsminister, um ihm die Si- tuation vorzustellen. Dieser erklärte sich bereit, noch am Mitt- woch, den Ül. August 1921, ein Schiedsgericht mit drei un- parteiischen Vorsitzenden einzusetzen. Demzufolge wurde am Mittwoch, den 31. August, in stundenlanger Verhandlung von früh 10 bis 6 Uhr abends der oben angeführte Schiedsspruch gefällt. Nach Bekanntgabe desselben nahmen die Funktionäre des Metallkartells Stellung und beschlossen einstimmig, den Spruch den Kolleginnen und Kollegen zur Annahme zu emp- fehlen. Maßgebend für diesen Beschluß waren folgende Ge- sichtspunkte: 1. Die Stundenlöhne wurden erhöht. Zum Beispiel: es erhält ein verheirateter Arbeiter in Klasse I mit zwei Kindern eine Zulage pro Woche von 61,87 M. verglelch der bisherigen Akkordverdienfie mit den sich au» dem Schiedsspruch ergebenden neuen Verdiensien. (durchgeführt für Klaffe I und IV.) Klaffe I. Klage IV. vergleich der bisherigen TarifftundenlShne mSnnlicher Arbeiter über 21 Iahre mit den Sätzen des Schiedsspruches. Verdien st sähe in Mark. 1 BiZ 6 Tage nach Einstellung. 2. Die Akkordüberarbcit wurde von 19 auf 20 Proz. erhöht. Die Protokollnotizcn sind gefallen. Weil bei dem jeweiligen Stand der Bewegung auf dem Wege der Verhandlung ein günstigeres Ergebnis nicht zu er- zielen ist und wir einen Weg finden müssen, um eine neue Grundlage zu schaffen, empfehlen wir� die Annahme des Spruches. Die Funktionärversammlung des DMB. hat mit größter Mehrhett beschlossen, eine Urabstimmung in den Be- trieben vorzunehmen. Es kann infolgedessen nur nach dem Statut abgestimmt werden, und zwar, wer für Annahme des Schiedssprüche» ist. schreibt auf den Stimmzettel:„Annahme. wer für Ablehnung desselben ist, der schreibt auf den Stimm- zettel:„Streik". Jede andere Bezeichnung eines Stimmzettels ist ungültig. Die Ablehnung des Schiedsspruches mit der statutarischen Mehrheit bedeutet den Streik für die Kalle- ginnen und Kollegen der Metallindustrie. Deshalb empfehlen wir noch einmal, klar und nüchtern zu erwägen, und aus- gehend von diesen Gesichtspunkten empfehlen wir unseren Kolleginnen und Kollegen die Annahme des Schiedsspruches. Die Urabstimmung findet am Freilag, den 2. September. in allen Betrieben, die dem VBMJ. angehören, statt. Die Abstimmung ist so vorzunehmen, daß an der Urabstimmung die organisierten Kolleginnen und Kollegen der dem Metall- kartell angeschloffcnen Organisationen teilnehmen, und hat in jedem Betriebe der Betriebsrat für jede Abteilung eine Kollegin oder einen Kollegen zu bestimmen, welche die Stimm- zettel ausgeben und einsammeln. Die Ausgabe der Stimm- zettel erfolgt nur unter Borzeigung des Mitgliedsbuches. Das Stimmenergebnis wird im Beisein des Betriebsrats festge- stellt und muß spätestens bis Sonnabend früh 3 Uhr im Wer- bandshause, Linienstraße 83/85, Zimmer 10. abgeliefert sein. Die abgegebenen Stimmen müssen gesondert für jeden Betrieb in je einem geschlossenen Kuvert getrennt nach„Annahme" oder„Streit" abgeliefert werden. Auf dem Kuvert, das ver- schloffen sein muß, muh das Stimmenergebnis und der Betrieb vermerkt sein. Nach Bereinbarung mit dem VBMJ. kann die Abstimmung innerhalb der Betriebe während der Arbeits- zeit vorgenommen werden. Die Kurzarbeiter und Aussetzer haben sich im Laufe des Freitags zwecks Abstimmung nach ihren Bettieben zu begeben. Das Bureau des DBIB� Zimmer 19, ist geöffnet am Freitag bis 9 Uhr abends und Sonnabend, den Z. September, von 7 Uhr früh an. Dort wird lediglich das Abstimmungsergebnis entgegengenommen. Wir weisen noch einmal darauf hin, daß unsere Kalle- ginnen und Kollegen das Abstimmungsergebnis pünktlich ab- liefern möchten, weil die Frist, die in dem Schiedsspruch ge- setzt wurde für Ablehnung oder Annahme, am 3. September, nachmittags 5 Uhr, abläuft. Also bis 5 Uhr müssen wir dem Reichsarbeitsministerium Mitteilug gemacht haben über Annahme oder Ablehnung des Schiedsspruches. Das Metallkartell: Deutscher Metallarbeiter-Verband. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Verband der Maler. Trausportarbciter- Verband. Verband der Fabrikarbeiter. Verband der Gärtner. Verband der Kupferschmiede. Verband der Maschinisten nnd Heizer. Verband der Tapezierer. Verband der Glasarbeiter. Verband der Lithographen und Steindrncker. Verband der Buchdrucker. Verband der Buchbinder. Gewerkverein der Metallarbeiter. Verband der Buch- und Steiudruckerei-Hilfsarbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands. [j�eater�UchftspgeSe eftc/J Opernhaus Cosi ian tutte _ 7'/- Uhr__ Schauspielhaus Die Räuber W, Ühr Deutsches Theater T�jUhr Potasch u. Perlmutter So. 71/«: Pot&sch u. Perlmutter Karainerspiele 8 Uhr. Mesallianz So.VjS: Er ist an allem schuld; Spieler; Helraisactras Gr. Schauspielhaus (Karlsuaße) 7: Florian üeyer(Auß Ab.) So. 7: Danton(Auß AbonnA Titeuter i. ü. KöniffgrStzci1 Str. Bis Sonnlag täg'ich /.3üUhr ZKtsnZAksske Mit demFeuerspielen Maria Orska, Riemann, Bildt Berliner Theater Allabendlich?-» Uhr; Das Volksbuhne Theater am BQlowplat? 7 Uhr: Dan Postamt/ Dio Komödie der Irrunses Lessing-Theater Heute bis Momaß Vi*: Sin idealer Gatte (Tüla Durieux) Ooatsches Kilnstler-Tliealer Heute bis Montag 7»/,: Ois iaüeriM lies Köülgs Lcopoidinc Konstantin CIRCSSfARMEILI Sonnabend, 3. Sept., abds. 8 Uhr SSSJfi. 2 ziüis VsrslallDiipg nachm. 4 Uhr u. abends S Uhr Bahnhof � Fricdrichsir. Gala- B Resideuz-Theater Täglich TVoUhr PauS Wej;ener Irene T riesch Paul Biensicldt in Totentanz CSenti*al-The4&ter u' Die Postmeisterin Uvutst'h.OpernhauM t1/, uhr; ßsr üßeWerdzi'gii FriedL*. Willi cliust.TI». v/.uhr American-ßirl Kl. StrlimiHikiellinn» 7*/, uhr: Reigen ffle tro pol-TJi«'ater Jh? Die blaue Mazur Keaci« t/,u.: Die Königin i Haclil Xene« h. X«« s uhr Die kleine leeassoi Xene* Volksthcater TV? u: Die LokaSfeahn Schiller-Thcat.CliHrJ. 7'/. uhr: Nora Schloßpark> Th. Steglitz 7v.u.: Hapia filagdaiena T h n 1 1 rv-Th e u t ei n* u.: Mm' Oleii, Lotie Tli.nm V<»lleiidorfplatr. uhr, Der Mer ans Dingsda TheHtor A 31 E X- Paletots, Kostüme, Röcke, Kleider. Burschen-Anzüge Oute Ware— Solide Preise— Große Auswahl M. Beiser, Lothnnoer Str. 67 Potsdamer Srr. 38 Turmstr. 12 Cr an ff ü h r n n � Der Silberkönig II.Teil: Der Maua der Tat| mit: Bruno Kästner Alexandrrp!,-Pass. 1 TeM; Per 13a HSr« Friedenau, Rheinstr 14 Atlas, der Gewaltige I. Teil: Der Stamm der grünen Schlangen I Ansteckende, nachts unerträglich juckende Haut- ausschlüge in wässr lgenBIäschen und kleinen raten Punkten ver» schwinden in wenig Tagen durch ReicheTs fttC�ebaifcm 9,50. Otto Aelchel, Berlin A3, SO, Eisenba hntte. 4. Obstvprkauf! (Acpfel und Birnen) 1 i findet an Werktagen, varmittags 7—12, nachmittags 2—6 Ufir, auf hiesigem(Butehoi stall. Seeland frei Hans lann nicht erfolgen, Ztadtiiut Osdorf, Palinstatisn vrosi.dichterfelde.Ost. Wohnunm-�mt&mzte A. SCHÄFER Spedition(gegr. ifsd Lagerhaus Berlin-Wilmersdorf, Wiiheimsaue 36 Lanpjähiigc bewährte Vertreiungen in ganz Deutschland. ;>.y Rat, Beistana, mäßige Preise, Teilzahlung, Ehe-. Alimenten-, Strat- sachen. Steuern, Gnadengesuche. Landgerichtsrat Dr. v. K i r c h b a c h. Gesellschaft m. b. H.. Alexanderstraße 45(am Aiexanderpiatzl gegenüber Uetz)(9—7) Glänz Erfolse 1 Beobachte Tel.: Könf�st. 3595 MW.WkMe!Me für Gen SknüMels ßößrlottenoiits. 1 1 Auf Grund des Mab laus- schreibens für die Wahlen der Versicherten- und der Arbeit- geberoerlreler �um Ausschuß vom 39. Juli J9Z1 ist sowohl von den Versicherten als wie auch von den Arbeitgebern nur je eine Lifte eingereicht worden. Die Liüe der Versicherten de- ginnt mit dem Namen»Karl Virchner" und endet mit dem Namen �Selma gernickc�. Die Liste der Arbeitgeber beginnt mit dem Namen»Richard Ionas� und endet mit dem Na- men„Hermann Bandowsiy�. Beide Listen entsprechen ihrem gesamten Inhalte nach den Vorschriften der Wahlordnung. Da von beiden Gruppen der Wahlberechtigten nur ie eine Liste vorliegt, findet eine Stimmabgabe nicht statt, sondern es gelten die darin vorgeschlagenen"Bewerber als gewählte Vertreter der Ver- sicherten bzw der Arbeitgeber zum Ausschuß(Z 9 der Wahl- ordnung). Die Amtsperiode der ge- wählten Vertreter beginnt am 1. Januar 1922. Eharlottcnburg. den 3>. August 1921. Der ttasseuverftand. Ahrens._ 8 10 Prozesse, Betircnstraße 5 t 8 Uhr: Else Krüger Pilz und Naumann Karl Greß Herbert u. Schüller 4 Daniels Bia Manen Hilde Aderhold Canova Wilkens Schulhoff Georg Tucher Eugen Transky Admirals?alast ' 7:• Uhr- AbrnKadabra Reines Variefö-Prograinui Rccchen{gestaltet 8 Uhr: Tficntsr a.KottbuserTor Tel.: Moritzpl. 16077 Tüjiich 7", Uhr Eilte- Sänger 5— 10 Herren I— Willi Komik I Urkom. Typen I Größter Lacherioig I Vrkf. U I1/- u.4-öUhr liiiePisi STETTINER SINGER Abds. 7'/, ü. u Stg. nehm. 3 U Nm. halbe Pr. Varlet6 D6»hoff-Brcttl l Ziehung 3. bis 6. 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Von hier aus gehen die Fäden nach Prag und Belgrad und mit den deutschen Monarchisten bestehen nach der Unterbrechung durch den Krieg wieder jene traditio- nellen Bande herzlicher Bundesgenossenschaft gegen Demo- kratie und Sozialismus, die im kaiserlichen Deutschland ihre herrliche Krönung mit der Auslieferung politischer Flüchtlinge an die Schergen des Zaren erreicht haben. Es wird behauptet, daß in diesen russischen Kreisen auch terroristische Pläne gegen russische Demokraten und Sozia- listen geschmiedet werden. Ungleich polnischen Deserteuren und geflüchteten Ostjuden wird die russische Junkerschaft natür- lich nicht etwa durch Jnternierung belästigt, sondern führt durch ihre großen Geldbestände ein recht angenehmes Leben. Die offizielle Zentrale ist die Vertretung der— Rott- schak-Negierung, In den Zelten-, obwohl das Koltschak-Unternelimen mit der katastrophalen Niederlage und der Hinrichtung Koltschaks geendet bat, erfreut sich diese Der- tretung einer nicht bestehenden„Regierung" noch gewisser An- erkennung im A u s w ä r t i g e n A m t des Deutschen Reiches, das mit der Moskauer Sowjetregierung einen Wirtschafts- und Freundschaftsvertrag abgeschlossen hat. Es wird be- hauptet, daß von Russen, die im Auswärtigen Amt vorsprechen, Papiere verlangt werden, die von dieser„Koltschak"-Bertretung ausgestellt sind. Vielleicht kümmert sich die R e i ch s r e g i e r u n g mal auch um diese Zustände und erledigt sie gleich in einem Auf- waschen! Wir setzen hinzu, daß wir von den altgedienten Herren des Auswärtigen Amtes Abhilfe nicht erwarten. Oder wünscht man auch noch Differenzen mit der Sowjet- regierung, die z. B. jetzt in Wien gegen russisch-monarchistische Treibereien protestiert hat und mit der Polen und Rumänien in einem fleißigen Notenkrieg wegen Duldung feindlicher Agitation stehen? Wir für unseren Teil wünschen nicht, daß die deutsche Republik in den Anschein irgendeiner antisowjet- russischen Gemeinschaft mit welchen Nachbarn Sowjetrußlands oder eines freien Rußlands immer komme. Prüfungsausschuß für Gberschleßen. Der Völkerbundrat hat die Vertreter Belgiens, Brasilien», Chinas und Spaniens als diejenigen Mächte, die nicht schon an dieser Angelegenheit mitgewirkt haben, mit der Prüfung der oberschlesischen Irage betraut. Deutsche und polnische Oberschlesier können zur Er- teilung von mündlichen Auskünften über Orksoerhältnisie berufen werden. heraus mit üem Surgenlanö! Dien, 1. September.(TU.) Die Bolschafterkonferenz hat Ungarn aufgefordert, Westungarn sofort vollständig an Oester- reich herauszugeben(Ungarn hat nämlich Oedenburg als zweite Zone und Pfand für Oesterreichs Verpflichtungen„erklärt"), sie macht Ungarn für alle Aolgen verantwortlich. Oesterreich wurde aofgefor- dcrt, erneut seine Bereitwilligkeit zu erklären, nach vollzogener Uebcrgabe Westungarns mit Unzarn die finanziellen und anderen Acagen, die ans der Ucbergabe resultieren, zu regeln. Der Aus- wärlige Ausschuh des Tlationalroles hat es heute gebilligt, daß die Regierung. bisher nur diplomatische Mittel angewendet hat. Die Kegiernng soll jedoch die Alliierten ersuchen. Oesterreich zu gestatten. auch militärische Machtmittel zur Aufrechlcrhaltung der Ordnung im Burgeulande anzuwenden. 3m übrigen erklärt sich der Ausschuh damit einverstanden, daß die Regierung nach der restlosen Ueber- gäbe des Burgenlandcs mit Ungarn Verhandlungen über die finan- ziellen und Grenzsragen beginne. Budapest, Z. September.(DA.) Die Polizei entdeckte eine „kommunistische Derschworung" und verhaftete 45 Personen. Straßenkämpfe in Kalkutta? Paris, 1. September.(DA.).Petit Journal" meldet aus Kalkutta: hier sind Skroßenkämpfe zwischen aussländischen Einge- borenen und britischen Truppen im Gange. Innerhalb der Stadl wurden Barrikaden errichtet. Indische Geistliche verfluchen ösfentltch vor den volkomassen olle Europäer. Alle britischen össentlichen Gebäude stehen unter militärischer Bewachung. Der»Matin" meldet aus London: Die Regierungskreise sind über die letzten Drahtmel- düngen aus Indien in vollkommener Bestürzung. Der vizekönig von Indien hat über Kalkutta und Bombay den verschärften Aus- nahmezustand verhängt. In 7 Provinzen haben die Eingeborenen den heiligen Krieg gegen Europa verkündet. London, l. September.(DA.) Aus Kalkutta wird folgender amtliche Bericht verbreitet: Eine fliegende Kolonne kam auf der Rückkehr von Malapuram mit den Aufständischen am 2g. August bei Pukkatur ins Gefecht. Die Moplahs büßten dabei 4 0 0 Tote ein. Auf britischer Seite wurden 2 Soldaten getötet und V verwundet, darunter 1 Offizier. An der Malabarküste treffen fortgesetzt aus allen Teilen Indiens Verstärkungen ein, darunter auch zahlreiche Kavallerie. Die Moplahs fliehen in die Berge. Nach den letzten Telegrammen aus Indien hat die Slnkunft der sehr erheblichen Ter- .stärkungen zwar eine gewiss« Beruhigung und Entspannung in der Lage an der Malabarküste herbeigeführt, d och wird die Situation immer noch für sehr ernst«wachtet. Der beste Beweis dafür ist darin zu erblicken, daß die indische Negierung über das ganze Malabargebiet den Kriegszustand verhängt hat. Nach einer Meldung aus Shoropur bestätigt es sich, daß die Erhebung der Moplahs die Folge einer geheimen natio- naiistischen Verschwörung ist, die darauf abzielte, die brittsche Re- gierung in Indien lahmzulegen. Eine sehr verdächtige Roll» hat auch die h I n d u. P o l i Z e i gespielt, auf deren Verrat zum großen Teil die zeitweiligen Erfolge der Aufständischen zurückgeführt werden. Einigung in Bromberg. Zum Stadtpräsidenten von Bremberg wurde rem den deutschen und polnischen Stadtverordneten in einer vertraulichen Sitzung einstimmig Stadtrat Lukowski gewählt. Die Sinnfeiv.errcgierung ist zu neuen Verhandlungen mit Lloyd George bereit: das irische Volt fordert friedliche Lösung. Der Weltkongreß der Zlonisten hat bei gewalliger Beteiligung in Karlsbad begonnen. Die Errichtung des Judenstaates in Valästina ist bekanntlich durch die Dalfoursche Deklaration noch im Kriege feierlich versproihen worden. Das Aernsprechpersonal gegen das„Deusiche Tageblatt". Das „Deutsche Tageblatt" ha: in seiner Nummer 101 vom 80. August in einem Artikel. Vorsicht am Fernsprecher!" eine vom„Vorwärts" in der Nummer 404 vom 27. August mitgeteilte angebliche tele- phonische Unterhaltung des Gencralmajcrs B. Hierselbst mit einem Bekannten über die Ermordung des Abgeordneten Erzber�er wieder- gegeben, die der Gewährsmann des„Vorwärts", der den Bekannten des Generals gleichzeitig teleohollisch angerufen hatte, infolge einer Doppelocrbindung mit angehört dat. Das„Deutsche Tageblatt" be- hauptet demgegenüber, daß der„Vorwärts" von dieser Unterhaltung nicht auf dem von ihm anaegebenen Wege, sondern natürlich nur durch Verletzung des Dienstgeheimnisies durch einen Angehörigen des Fernsprechamtes erfahren habe. Diese Unterstellung wird als Verleumdung des Fernfprechperfonals vom Reichspostministerium zurückgewiesen. die Pflicht öe? deamtenscbast. Zweimal innerhalb kurzer Zeit ist die Beamtenschaft ge� zwungen worden, Stellung zu wichtigen politischen Ereig- nissen zu nehmen. Das erstemal war es im November 1918. wo sie sich nach der militärischen Niederlage und dem Zu- sammenbruch des alten Systems restlos den fozialdemokrati- schen Bolksbeauftragten zur Verfügung stellte; das zweitemal war es in den K a p p- T a g e n, wo sie— abgesehen von einer kleinen Zahl rechtsbolschewistischer häherer Beamten— Schulter an Schulter mit der Arbeiterschaft für den Schutz der verfassungsmäßigen Regierung eintrat. Run ist ein drittes politisches Ereignis von so großer Tragweite ein- getreten, daß es nicht vorübergehen kann, ohne daß die Beamtenschast sich dazu äußert. Eine solche Acußerung ist auch bereits erfolgt, und zwar durch den Deutschen 2 e a m t e n b u n d als die Vertretung der gesamten Beamten des Deutschen Reiches. Diese Aeußerung entspricht dem Verhalten des Deutschen Beamtenbundcs während der Kapp-Tage. Treue der verfassungsmäßigen Regierung unter allen Umständen ist ihr Inhalt. Aber bei dieser Kundgebung der Gcsamwertretung darf es diesmal nicht bleiben, sondern jeder einzelne hat die Pflicht, innerlich zur Klarheit zu kommen. Die bis jetzt den Rechtsparteien zugehörigen Beamten werden sich die Frage vorlegen müssen, ob sich ihre Würde mit derjenigen der Leute vereinbaren läßt, die durch hetzerische und verleum- derische Schreib- und Redeweise Meuchelmörder erziehen und über gelungenes Mordwerk ihrer Freude versteckt oder offen Ausdruck verleihen. Und sie werden vor Beantwortung dieser Frage auch daran denken müssen, ob sich ihre Interessen mit denen monarchistischer Schreihälse— steuerscheuer Großagrarier. kapitalgieriger Großindustrieller und arbeits- scheuer Kriegsgewinnler— verknüpfen oder mit denjenigen der Arbeitnehmerklasse und des einsichtsvollen Bürgertums, das zu den Opfern bereit ist, die die Republik zum Wohle der Dolksgesamtheit von ihnen fordert. Allerdings, Hochschullehrer der Medizin, die Totengräber zu Ehrendoktoren machen, Geschichtsprofessoren, die Wilhelm den Entflohenen zum Helden stempeln. Richter, die den Mord an einem Vertreter der Republik auf ideale Gesinnung zurück- führen, Staatsanwälte, die nationalistische Strafgefangene in die Sommerfrische senden, Regierungsbeamte, die noch immer der verlorenen Hoffähigkcit nachtrauern, werden sich der- artige unbequeme Fragen nicht vorlegen. Diese Männer sind entweder Nutznießer des alten Systems gewesen oder waren durch Bande der Verwandschaft oder Freundschaft mit der Klasse der Bevorrechtigten verbunden. Diese Leute werden ihre Mitgliedschaft daher stets dort suchen, wo man für Wie- derherstellung des alten Obrigkeitsstaates— für Monarchie und für Schutz des Geldbeutels— bemüht ist, und erst mit der Pensionierung wird ihr gefährliches Spiel beendet fein. Aber die andern, die sich noch bei den letzten Wahlen für Wiedereinfübrung der Monarchie aussprachen, weil sie glaub- ten so dem Volksganzen und sich selbst am besten zu dienen sie, die bisher einseitig und falsch unterrichtet, waren und daher nicht wußten, daß die Monarchie weiter nichts war als Sachwalter der Iunkerkaste, werden durch die neueste Tat monarchistischen Mördergesindels zum Nachdenken angeregt werden. Und viele von ihnen werden zu der Erkenntnis ge- langen, daß das Wohl der Volksgefamtheit ebenso wie die Interessen des einzelnen in seiner Eigenschaft als Mensch, Staatsbürge? und Beamter am besten durch die demokratisch- republikanische Staatsform gewahrt werden. So werden sich zu der großen Schar der treuen Republikaner Tausettde von pflichtbewußten Beamten neu zugesellen, um darüber zu wachen, daß diejenigen, die so oft von der erdolchten Front sprechen, keinen Dolchstoß führen gegen die Heimat, die deutsche Republik.— Achtung, Schmußkubel! Politisch nicht ganz unbekannte Kreise lassen zurzeit in einer Berliner Druckerei in großer Auflage zwei Flugblätter drucken, die in den nächsten Tagen verbreitet werden sollen. Was man beabsichtigt, das geht schon aus der Ueberschrift der beiden Schimpfzettel hervor. Das eine richtet sich gegen denReichskanzlerWirth und die Wiedergutmachung. das andere beschäftigt sich mit„Hoffmann, Hölz u. Co.". Beide Flugblätter verzichten darauf, die Verfasser zu nennen, beide strotzen in gleicher Weise von Verdrehungen, Schmähungen und Unwahrheiten. Also Achtung, Arbeiter und Arbeiterinnen. Wenn ein Flugblatt unter der Ueberschrift„Dolksbetrug" Euch zugesteckt wird, dann fragt die Verbreiter, w e r das Flugblatt verbreiten läßt und wer es bezahlt hat. Parteitag Oer hakenkreuzler. In der Erössnungssitzung de» Deutschnationalen Parteitages in München hat mit seinem sckönsten Pathos der Parteivorsitzende Hergt jede Mitschuld an dem Morde Erzbergers weit von seiner Partei fortgewiesen. Aber er hat sich oerraten: die Deutschnational« Volks- parket sei, so meinte er, an der Ermordung Erzbergers genau so un- beteiligt wie an dem Kapp-Putsch. Lügner müssen ein gutes Ge- dächtnis haben. Herr Hergt möge das seine schärfen lassen: Am IS. März 1020 suchte der sozialdemokratische Abgeordnete Heilmann Herrn Hergt auf und fragte ihn, ob die Deusschnationale Dolkspartci im Interesse der deutschen Zukunft und Wiederaufrichtung öffentlich scharfe Stellung gegen Kapp nehmen wolle: Herr Hergt lehnte un- bedingt ab und versicherte, daß nach seiner Ueberzeugung die Ar- beiterschaft kampfunfähig und die Herrschaft der Kapp und Lüttwitz gesichert' sei. Erst nach der Niederwerfung der Kappisten durch das gesamte werktätige Volk waren die Deutschnationalen die Unschulds- engel, die von dem Kapp-Putich völlig überrascht, ihn von vornherein für ein Wahnsinnsunternehmen gehallen und mtt ihm nicht das Geringste gemein gehabt hätten! * München. 1. September.(DdZ.) Der groß« Saal de- Löwen- bräu ist dicht be'etzt. Anwesend sind 1200 stimmbewchtia'e De egierte. 1200 anaemeldcte Gäste, zahlreiche mcht aerneide1« Teilnehmer, auch viele weibliche. Das Rednerpodium ist mit s ch w a r z w e i ß r o t e n und blauweisten Vann-rn«sthmückt. Hergt sagt zur Erössnung, es komm« jetzt auf jeden deutschen Mann und jede deutsch« Frau an, wo die Srieg»?arole des deutschen Proletariat» ertönt fei. Und genau so wie beim Kapv-Putsch wolle man eine Schandtot den Deutschnationalen an die Rockschöße hängen. Man hatte uns sogar«ine Mörderzentrale genannt(Pfuirufe), aber wir dürfen un» nicht provozieren und zu Handlungen fortreißen lassen, die unser Schild beflecken. Da» Baterland muß größer wer- den, deutsch sein ist alles.(Lebhaste? Deifall.) Hilpert- Bayern bezeichnet die Ansicht, daß in Bayern der weiße Terror herrsch«, als«ine Legende. Oberst X y l a n d e r redet in voller Uniform(Verbot gilt nicht! Red.) vom Geiste Bismarcks. Nach weiteren Begrüßungsansprachen folgt Hergts SttudtZojisdedcht! * Das Sirenen'ied von der Engelsgeduld des deutschen Volkes gegenüber dem enientistischen System will nicht mehr bestehen. Das Volk hat die Schlaffheit überwunden und die Losung unseres Partei- tage? ist:„Heraus aus diesem Wahn". Wir verlangen Revision des Verfailler Friedens und ungetei'ts Uebcrweisung ganz Oberjch-esiens an Deut'chland. Die Regierung, die einer Teilung Oberfchlesiens zustim- men würde, müßte die volle Verantwortung dafür tragen. Im weiteren Verlaufe seiner Red« sagte Hergt der Megienrng schärfsten Kampf an. Genug mit den Fehlern.. Ein« wuchtige Kundgebung des kan.zen Volkes und vor allein des Reichstaoes wegen Oberschlcsien muß kommen. Vor der Gefahr einer, künftigen Krieges soll-en sich un'ere Gegner jedenfalls hüten.(Dravc!) Auch bei den Sanktionen ist die Negierung nicht energisch genug gewesen. Ein Verhandeln wegen ihrer Beibehaltung kann es nicht geben. Gewonnen haben wir also durch die Unterzeichnung nichts, verloren haben wir die Ehr«. Es muß zur Reaktion kühnen, wenn deutschvölkiiche Kreise sehen, was hinter dieser Demokratie steht.(Bravo!) Der Reichs- Präsident ist noch immer im Amt, obwohl er immer daraus hingewiesen hat, daß er nicht der lego'e Präsident ist. Seine Tätigkeit hinter den Kulissen ist nicht zu enllchuldioen. Deshalb werfen wir aufs neue die Frage auf, ob er verfassungsgemäß der Präsident ist. Wir sehen in Weimar nur eine Episode, die uns von unserem letz'en Ziele, der Wiedereinführnng der M o n» orchie, trennt.(Stürmischer minutenlanger Beifall.) Nur unser« Gegner sind intolerant. Wir stehen auf dem Boden der Ver- fassung, in der nusd'ücklich steht, daß sie abgeändert werden kann. (Erneuter Deisall.) Davon werden wir zu geeigneter Zeit Gebrauch machen. Wir verlangen die Revision van Versailles und lehnen ttds Erfüllung ab. Eine neue Einigung.'grund'age würden wir mit beraten und lelbst zu Opfern für den nun einmal verlorenen Krieg bereit fein. Wir wollen dies« aber freiwillig geben und nicht unter Zwang. Das Verständnis dafür wird auch bei den Geanern klar werden.— Innerpolitisch müssen wir in die allerschä-sste Oppo- sition treten und selbst den Ministersturz nicht scheuen. Wenn die Sozialdemokratie lann wieder einmal nickt mitmackien will, werden wir die Hände nicht zur Hilfe bieten. Se'bstverständlich werden wir unsere Opposition in gesetzlichen Bahnen halten. Stege rwald ist ein deutscher Wann. Wir erkennen sein« sack-lirf» Arbeit an. Leider liat er sich neuerdings wieder auf eine Politik der Milte eino�cbworen. Aber«r hat das Verdienst, Preußen wieder seine Stelluna im Reiche ver- schafft zu haben. Wir wollen abwarten, ab er sich in den neuen Kämpfen wird behaupten können. Unsere Bestrebungen nach einer crroßen Rechten müssen dos Leitmotiv untrer Beratungen sein. Unser Programm unterscheidet sich nur wenig von dem der Volkspar'ci. Aber auch das Zentrum bedarf unseres Interesses. Es befindet sich zurzeit in einer inneren schweren Krisis. Die Sozialdemokratie scheidet für uns aus. Da gibt es keine Brücke. Was Herr v. Campe noch von der Sozialdemokratie erhn'st, daran glauben wir nicht mehr. Das wäre«ine innere Unwahrheit, zumal wenn man an die Hetze nach dem Falle Erzbcrger denkt. An dieser Wahnsinns- tat tragen wir keine Schu'd. Das bat unsere erste Auslassung bereits klarae stellt. Es fragt sich nur. wer die Srfmld an der ganzen Verraltung der Sitten trägt. Wir verlangen Rechen- schaft von der Regierung, wie sie dazu kommt, unter Bruch der Verfassung den Ausnahmezustand gegen die Reckte zu erlassen, ohne die Länder verasiungsgemäß zu befragen. Wir werden mit ollen Mitteln gegen diese Ausnahme- bestimmungen Stellung nehmen und uns de Maßnahmen unter keinen Umständen gefallen lassen. Unsere Reichztaaafraktion wird nach Schluß der Ferien sofort bei der Negierung Protest einlegen. (Branol) Hergt teilt mit. daß das Zentrumsmitglied Dr. Martin Spahn der Deutlchnotionalen Partei beigstKten ist(Beifall.) Dr. Hilpert sagt in dem Bericht über die Tätiokest der Partei in Bayern, es sei«Ine Lüge, zu saaen, das banerrcha Volk habe die Revolution gewollt: fremde Elemente hätten sie aemacht und aus der Einheitsfront gegen diel« fei die Partei entsprossen.— Eine Rätezeit dürfe nicht wiederkommen, de s h a l b habe auch die bayerische Regierung Protest gegen das Ausnahmegesetz erhoben(und handhabt selbst eins geaen links! Red.) A's in den Tagen des Kavp-Putsckes die„Umbildung" der Reaierunq ersolate, konnte unsere Partei nicht überaanaen werden. So ist die büraerliche Regierung in Bayern zustande gekommen. Der Legende. als ob Herr von Kabr nur das Instrument der Deutschnationalen sei, müsse dritten Lehrjahre 39 Pf. und im vierten Lehrjahre 49 Pf. pro Stunde. � Beide Vcrhandlung-parteien erklärten sich bereit, das Ergebnis wenn auch schweren Herzens und ohne Befriedigung vor ihren Auf- traggebern zu vertreten. Mit dieser weiteren Verein- barung dürfte nunmehr die große Bewegung der A»rbeiter, Ange st eilten und Beamten des Reiches a l s beendet zu betrachten sein. Wir werden darauf noch zurückkommen. 5!um Streik im NahnmgSmittel-Grohhandel� Die Uineriiehmer ma-ben die qrönten Anstrengungen, um durch Wubung von Arbeitswilligen'brs Betriebe wieder in Gang zu bringen. Ans den Reihen der Streckenden gelingt ihnen dies nicht, da die Streikenden treu zur Fahne halten und jeden Arbeitswilligen- dienst entschieden ablehnen. Durch Inserate in den bllrgerl'chen Zeitungen haben sich zwar einige Arbeitswillige gemeldet, nachdem sie aber erfahren haben, daß ihnen Streilbnich zugemutet wird. die Annahme der Arbeit abgelehnt. Einige Arbeitswillige, die es dennoch»ntentommen haben, mit dem Fuhrwerk bestreikter Firmen auf die Straße zu fahren, haben diese würdelose Tätigkeit bald wieder eingestellt, nachdem ihnen die Kutscher ans anderen Fuhr- betrieben klar gemacht hatten, daß ste Verrat an ibren kämpfenden Kollegen begehen. Die Unternehmer versuchen die Streikenden dadurch einzuschüchtern, daß sie den Streikenden ihre Papiere zu- gi-senden mit der Drohung, wer bis heute die Arbeit nickt auf- nehme, sei enilasien. Alle diele Maßnahmen der Unternehmer .lhaben ihre Wirkung auf die Streikenden bisher versagt. Die Stimmung der Streikenden ist nach wie vor zuverstcktlick. Leider find wieder einige Fälle zu verzeichnen, wo Boltzeibeamte aick den Wsgen der bestreikten Firmen Platz nahmen. Im übrigen haben sich d>e Beamten der Schutzpolizei vollkommen neutral ver- halten. Die Streikenden ersticken die Kollegen aus den F u h r- betrieben um ihre strengste Solidarität. Zur LohnSewegung der Gochbahner. Am 19. Anglist reichten die Bediensteten, Handwerker und Arbeiter der Direktion ihre Lohnforderungen ein mit dem Ersuchen, baldmöglichst zu verbandeln. In der Zwischenzeit haben Staatsbehörden. Kommunen und zahlreich» Vrivaiiinternebmer verhandelt, nur dt« Hochbahndirektion bat es b i s heuteckock nickt für noilvendig ge- halten die Angele genheit zu erledigen. Es war den Organisationen und dem V-treb?rnt bekannt geworden, daß der zustehende Direktor, Baurat Pavel, vor kurzem noch verreist sei. In einer Betriebsveriammliina verlangten die Versammelten, daß die Direktion bis zum 1. September vei handeln muß. In der darauf folaenden Aussprache mit der Direktion tat dieie ganz er- staunt. Sie war der Anstckt. die Verhandlung käme immer noch zurecht. Baurat Pavel käme erst am 7. Septxmber zurück. Am 31. August veriammellen sich die Hockbahner nach der Demonstration in Haberlands Festsälen� und nahmen erneut zu dieser Angelegenheit Stellung. Die Versammelten verstanden das Vorgeben der Direktion nicht, verlangten vielmehr in einer Relo- luiioit. daß bis zum l. September, mittags 12 Uhr, die Direktion erklären soll, ob sie bereit iei, sofort zu verhandeln. Erfolgt keine zusagende AilSkunft. so steht sich das Petional gezwungen, am 2 September frfib den Betrieb ruhen zu lassen. Dies zur Kenntnisnahme der Bevölkerung, falls heute der Hochbahnbetrieb ruhen sollte. Wir boffen, daß die Direktion im letzten Augenblick die Situation erkennt und den Wünschen der Angestellten Rechnung tragen wtrd._ Lohnbewegung der Teltower Kreisarbeiter. In einer vom Gesamtbetriebsrat der Teltower Kreisbetriebe am 29. August in der Fichte-Realschule, Schöneberg, einberufenen Vollversammlung der Arbeiter und Angestellten referierte R o- ch o w s k i vom Verband der Gemeinde- und Staatsarbciter über die gegenwärtig. Wirtschaftskrise und über die aus ihr sich er- gebenden Folgen für die Arbeiter und Angestellten. Die nach Abschluß des letzten Vertrages geäußerte Hoffnung ouf ein« Stabilisierung der Wirtschaftsweise hat sich als trügerisch erwiesen. Die Lebensweise der Arbeitnehmer hat sich besonders in der letzten Zeit außerordentlich verschlechtert, als Folge der steten Teuerung auf allen Gebieten. Daraus resultiert für die Ar- bellenden die Notwendigkeit erneuter Lohnforderungen. Die gene- relle Forderung auf die„Brotzulage" ist im Interesse der Arbeiten- den besonders zu begrüßen; sie wird ihre Wirkung nicht verfehlen. Wenn die Gemeinde- und Kreisarbeiter und Angestell- ten ihre Forderung nicht in derselben Höhe wie die Kollegen in der Privatindustrie gestellt haben, so ist das unter Würdigung der sozialen Leistungen der Kommunen und Kreise geschehen. Einem Beschluß der Funktionäre, auch diesmal die gleichen Forderungen der Kreisverwaltung zu unterbreiten, wie sie die städtischen Arbeiter Berlins gestellt haben, wurde von der Der- sammlung einmütig zugestimmt. Hoffentlich wird die Kreisverwaltung von Teltow den Forderungen der Arbeite? und Angestellten gegenüber dasselbe Interesse bekunden, wie den Forderungen der Beamten, indem sie den Verheirateten einen einmaligen Betrag von 3999 M., den Ledigen einen solchen von 2299 M. gewährte. Unter Berücksichti- gung dieser Tatsache ist von der Versammlung beschlossen worden, daß den verheirateten Arbeitern und Slnnestellten«in Betrag von 2909 M., den ledigen ein solcher von 1999 M. gewährt werden soll. Die stark besuchte Versammlung bekundete zum Schluß den«in- mütigen Willen, die aufgestellten Forderungen zur Durchführung zu bringen. Wie nachträglich bekannt wird, hat der Krcisausschuß in einer Sitzung am nächsten Tage die Forderungen der Arbeiter als be- rechtigt anerkannt und dem Antrage aus Gewährung einer einmaligen Beihilfe von 2999 bzw. 1990 M. in der Weise ent- sprachen, daß diese als Vorschuß auf die demnächst statt- findende Lohnerhöhung betrachtet werden soll. Im übrigen beab- sichtigt der Kreisausschuß, sich die Berliner Lohnrege- l u n g zu eigen zu machen, jedoch mit der Einschränkung, daß für die im Weichbilde Berlins befindlichen Kreisbetriebe der volle Lohn gewährt werden soll, dagegen soll in allen aus dem Teltower Kreisgebiet gelegenen Betrieben der Lohn nach Ortsklassen, ähnlich wie es die Besoldungsordnung für Beamte vorsteht, ab- gestuft werden._ vom Streik öer Holzarbeiter. Die Funktionäre der streikenden Holzarbeiter hörten in einer stark besuchten Versammlung am Donnerstag den Situationsbericht des Bevollmächtigten Böse. Di« Gesamtzahl der Betriebe, die seit dem Beginn des Streiks bis zum 31. August als bestreikt ge. meldet wurden, betrug einschließlich der inzwischen durch Bewilli» gung«ingetretenen Abgänge 707 mit 9847 Ausständigen. Zurzeit befinden sich noch im Streik 9382 Personen aus 646 Betrieben. Die große Masse der Streikenden gehört mit 8423 dem Deutschen Holzarbeiterverband an. 582 sind in anderen Verbänden organisiert und 870 Streikende unorganisiert. Was die Aussperrung betrifft, so kann sie als ge- scheitert betrachtet werden, denn insgesamt haben bis heute nur 34 Firmen mit nur 179 Personen ausgesperrt. Diese Zahl steht in gar keinem Berhältnis zu der der Streitenden. Andererseits find der Manteltarif und die neuen Lohnsätze anerkannt in 283 Betrieben, in denen zu diesen neuen Bedingungen 3394 Personen arbeiteu. Unter diesen Detri-ben sind 34, die erst bestreikt waren und dann durch die Bewilligung aus der Streikliste ausgeschieden. — Für den Rücktransport der Ausstellungsgegenstände von der Messe haben die Arbeitgeber beim Polizeipräsidenten den Schutz der Polizei nachgesucht Das Polizeipräsidium hat die Arbeitgeber angewiesen, sich wegen des Rücktransports dieser Möbel an die gegnerischen Organisationen zu wenden. Im Laufe der eingehenden Diskussion sicherte ein Vertreter des Transportarbeiteroerbandeg den Streikenden die größtmögliche Solidarität der Kuticher zu.' Silbermann von der A f a erklärte, die Streikenden seien der Solidarität des Afa-Bundes sicher. Den Afa-Mitgliedern sei es zur strengsten Pflicht gemacht worden, jed» Streik- arbeit strikte abzulehnen. Ein Vertreter der Werkmeister betont: Ihr Kampf ist auch unser Kampf. Kein Werkmeister in der Holzindustrie wird Streikarbell machen. Tagesverdienst von 18 M. für Lohnarbeiter ergeben und von 8 bis 9 M. für Akkordarbeiter bei durchschnittlich 50 bis 60 Adressen in der Stunde. Und mit einem solchen Einkommen wollen sich die Adressenschreiber zunächst begnügen. Im Adressenverlag von Adolf Schuft ermann, Berlin SO., Rungestr. 22/24, sollte der Betriebsrat, welcher der Einladung zu der Versammlung nicht gefolgt war, der Firma am 22. August die gestellten Forderungen unterbreiten. Er bracht« die Antwort � des Chefs, daß derselbe bereit sei, die Lohnsätze um eine Mark > pro Tag zu erhöhen— anstatt wie gefordert, um 6 M.— und die Akkordsätze um 10 Pf. pro Hundert— anstatt um 70 Pf.— Der Betriebsrat weigerte sich eine Betriebsversammlung einzuberufen. Eine solche fand dennoch nach Bureauschluß statt und die B e r- sammelten stimmten dem Angebot der Firma z u. Allerdings vorbehaltlich der Erfüllung der gestellten Forde- rungen. wozu ihnen jedes Machtmittel fehlt, da sie nicht gehörig organisiert sind. Es wurde auch ein neuer Betriebsrai gewählt; der als Borsitzender desselben vorgeschlagene Kollege wurde jedoch am Tage der Wahl des neuen Betriebsrats entlassen. Immer noch gibt es Arbeiter und Angestellte, die es nicht begreifen können, daß sie ihrer Gewerkschaft angehören müssen, wenn sie nicht in Rot und Elend untergehen sollen. Wer das durchaus nicht begreifen'will, dem ist beim besten Willen nickt zu helfen. Den Herren Adressenverlegern aber sei dringend empfohlen, sich einmal gründlich mit der Frone einer ganz wesentlichen Besserstellung ihrer Angestellten zu befassen, bevor die Oeffentlichkeit sich näher damit beschästigen muß. heule. 3 Uhr, bei Okko, Oslendslraße, alle SPD.- Kollegen und-Anhänger._ Der Araklton�vorsland. Gruppenvcrsamutlung der Metallindustrie. Die am Mittwock, den 3l. Nugiiit er., ausgefallene Gruppen« Vollversammlung der Metallindustrie findet am Montag, den 5. September 1921, abends 6 Uhr in der Brauerei Königstadt, Berlin, Schönbouler Allee 10/ll, statt. Wir bitten dnnaend um vollräbligeS und pünktliches Erickeinen. Freigewerkichaitlicke BetriebSrätezenirale für den WirtichastSbezirk Groß- Berlin. _ I. A.: E. Barth. Uebler Nachklang von der Temonstration. Das Personal der Druckerei Boll wollte am Mittwoch die � Arbeit eine Stunde früher beginnen, um diese Stunde nachmittags für die Demonstration zu gewinnen. Doch hotte sich das Personal angeblich mit der Geschäfteleitung nicht darüber verständigt. Ms die Arbeiter am Mittwoch morgen um 7 Uhr kamen, war keine Arbeit da. In dem uns vorliegenden Bericht heißt es wörtlich: „Da die Gelchäftsleitung dem Personal, das eigenmächtig zur Arbeit erschienenZQ�oo moderner Verorbeilung........................ W Ulster cheviot, ilQftootciAoo In verschiedenen Farben.......... J �\p Gummimäntel-'Z/lrtoo moderne Form, hochgeschlossen und offen zu tragen Regenmäntel AQÖ00 aus imprägnierten Sloisen..................... Beinkleider ycoo QCoo moderne Slretjen, hallbare Stoffe....../ J Zr J IEinsegnungs--�CA00"XC�00 I Anzüge �..... 250 J 30 Harran-HancLchiihe Herren-Mochö-Ersafz-s Q75 mit Druckknopf.................................■•2' Herren-Schweden /iC|75 gesteppt, mil Drudcknopf........................ Herren-Schweden gelascht, besonders haltbare Quatltäl.............. Herren-Nappa f&15 gelascht, durdigeiärbl............................''<*£ Herrenstiefel Boxkaii, chevreau, mit-a cfeQOO und ohne LacKkappe, randgenäht.............. H Uf Herrensfiefel la Boxkalf, randgenäht. Fabrikat„Hassia"........................... � Jfa