Nr. 475» 3$. Jahrgang Ausgabe A Nr. 210 BezugSpretS» . htLSO,— M. numatL Hl—#t frei ins Saus, voran» zahlbar. Polt- be.'.ug� Monatlich 10,— M. einschl. Fu- stcllungsgebuhr Unter Kreuz danb rii» Deutschland. Danzig. das Saar- and Menielgebiet, sowie die ehemals deut- schen Gebiete Polens Oesterreich, Ungarn und Luxemburg ZV,- M.. für das übrige Ausland Z7.— M Pofi- bestellungen nehmen an Oesterreich, Ungarn. Tschecho- Slowaiet. Dane» ma'rl. Holland. Luremburg. Schweden and die Schweiz. Der»Vorwärts� mü der Sonntags- beilage„Volk und �eit� der Unter» Haltungsbeilage„Seimwe'r" und der Beilage„Siedlung und ikleingarlen� erscheint wochentLglich zweimal. Sonn- tags und Montag» einmal. Telegramm-Adreffe. »Sozialdemorrot Sern«* Morgen Ausgabe c QroB- Berlin SO Pf. auswlrts 40 Pfennig D Bciiiitcr Oolksblatt SlnzrtgenpretS, SM» achtgespalten» SkmivarewezeN» loste« üliv M.Sie«»» Itn, eigen»- da» seltgedruckt« Wort HSV M. 000 Mark und mit Gefängnis oder mit einer dieser Stra- fen bestraft.' Bei dieser Klarheit der Verordnung und des Tatbestandes nehmen wir an, daß es sich bei der uns gemeldeten Absicht des bayerischen Staatsanwalts um einen— groben Unfug handelt. Tie Kahr-Regierung mit den zwei Gefichter«. Wir lesen im„Berliner Tageblatt' folgend« Fragen der demv» kratischen„Süddeutschen Presse' an den bayerischen Ministerpräst- deuten: „Sind Herrn v. Kohr die Zusammenkünfte in Rosenheim be< tonnt? Weih er, auf welche Weise die herrer. Ehrhardt und Genossen die„Einreise" nach Bayern bewirkten? Kennt er ihre Legitimatio- neu?"— Das demokratische Blatt, dem natürlich die Verantwortung für diese Meldung überlassen werden muß, teilt dazu weiter mit: , Zwischen der Kappistenzentrale in Salzburg und der„Orfa" in Rosenhcim besteht eine innige Berbindung. Die bekannten Putsch- affizicre, Kovitänleutnant Ehrhardt, Oberst Bauer, Major Bischof, 5iauptmann Pabst und andere sind stets bei den Sitzungen in Rosen- heim anwesend. Sie tonnen ja von Salzburg in zwei Schnellzug- stunden hinüberfahren. Die letzte dieser Sitzungen fand am Sonn- abend, 27. August, in Rosenheim statt, an der die genannten Offiziere alle teilnahmen, dazu der bekannte Oberst Tylander, Herr Kanzler und Herren„von einer anderen Organisation". Auch Ludendorff zvurde erwartet... er war aber von seiner norddeutschen Propa- gandareise noch nicht wieder zurück. In dieser Sitzung in Rosenhcim wurde mit Genugtuung von der Ermordung Trzbergers Kenntnis genommen und die Hoffnung ausgesprochen, daß die sozialistischen Arbeiterkreise in der Erregung über den Mord sich zu Gewalttaten binreihen lassen und damit bewaffneten Hilfskräften Gelegenheit zum Einschreiten geben werden. Ob dieses Eingreifen zu einem Rechts- putfck genügen würde, wagte man noch nicht zu entscheiden." Wir sind auf die Antwort der bayerischen Regierung recht neu- gierig. Verbot aller militärischen Meiern in Sachsen. Das sächsische Ministerium des Innern hat die Polizeibehörden des Landes angewiesen, auf Grund von§ 4 der Verordnung des Reichspräsidenten vom 29. August 1921 bis auf weiteres a l l e m i l i- tärisch-na'tionalistischen Veranstaltungen, insbe- sondere alle Negimentsfeiern, zu verbieten. Bekenntnis zur Republik im besetzten Gebiet. Köln, 2. September.(WTB.) Auf seiner Reise durch das rhei- nisch-westfälische Industriegebiet traf der Reichswirtschaftsminister Genosse Schmidt heute von Krefeld in Köln ein. In den Räumen der Handelskammer fand ein Empfang durch führende Vertreter der Industrie und des Handels, namentlich durch die Präsidenten der handelskamnter, des Vereins der Industriellen des Regierungsbe- zirks Köln und des Verbandes Kölner Großfirmen statt. In der Begrüßungsansprache sicherte der handelskammerpräsidcnt. Geheim- rat Hagen, namens der Erschienenen dem Reichswirtschaftsminister t der demokratisch-republikanischen Regierung die U n l e r st ü tz u n g zu, in der Erwartung, daß die Reichsregicrung die berechtigten und immer schwerer wahrzunehmenden Interessen der besetzten Gebiete nachdrücklich fördern und unterstützen würde. Die Bussprache über Hapern. In seiner Rede vor dem Uebermochungsausschuß des Reichs- tags führte der Reichskanzler Dr. Wirth weiter aus: Der Weg, den wir zu gehen gedenken, ist der Weg der Ver- Handlung, und wenn wir unsere Verordnungen herausgeben mußten, ohne die Länderregierungen vorher benachrichtigen zu können, so sei das ein Akk der Rolivehr der Reichsregierung oewesen, um Schlimmeres zu verhüten. Es gehe ein furchtbares Grollen durch dos arbeitende Deutichtand, und diese Spannung darf nickst mehr vergrößert werden. Er möchte nicht den Tag erleben, an dem der Kampf unter dem Schlachtruf:„hier Vrolctariat— hier Bürgertum!" anhebe. In diesem Falle stehe er auf der Seite des Proletariats! Im übrigen will die Reichsrcgierung abwarten, wie sich die bayerische christliche Arbeiterschaft einstellen werde. Die Reichsregierung hatte niemals die Absicht, die Länderregierungen auszuschalten. Es mußte aber rasch gehandelt werden, und er habe die Ueberzeugung, daß die letzten gewattigen Demonstrationen einen anderen Verlauf genommen hätten, wenn die Arbeiter aller Rickstungen nicht die Ueberzeugung gewonnen hätten, daß die Reichsregierung Verfassung und Republik schützen will. Er betone nochmals, daß zu einem Konflikt mit Bayern kein Anlaß vorliege, daß man im Wege der Verhandlung zu Enstpannung gekommen wäre. Das Ziel sei die Rettung des Volkes und des Reichs. Inzwstchen ist ein A n t r a g eingegangen, der Ausschuß wolle be- schließen, die Reichsregierung aufzufordern, den Reichspräsidenten zu veranlassen, gemäß Artikel 48 der Reichsversassung die Aufhebung des Ausnahmezustandes in Bayern zu verlangen. Abg. Dr. Suhl(D. Vp.) erklärt feine volle Zustimmung zu jeder verfassungsmäßigen Aktion der Reichsrcgierung zum Schutze der Verfassung. Wörtlich sagt er:„Wir stehen treu auf dem voden der republikanischen Reichsverfassung nste sie ist und werden sie schützen!" Die Methode des„Miesbacher Anzeigers" lehnt Kahl ab. Jedoch verlangt er, daß bei Anwendung der Verordnung gegenüber der Presse gleiches Recht nach rechts und links gekte. Das Verbot des „Lokal-Anzeigers" wegen Uebernahme eines Artikels des„Mies- bacher Anzeigers" sei nicht gerechstertigt, denn die Uebernahme sei nicht im Sinne der Aufhetzung erfolgt. Er verwahre stch ganz ent- schieden dagegen, daß unter dem allgemeinen Titel„Rechtsparteien" die Deutsche Volkspartei mit zu oerstehen ist. Im übrigen sei zu prüfen, ob dieser Ausschuß überhaupt zuständig sei, die Sache zu diskutieren und entsprechende Beschlüsse zu fassen. Sachlich ist erwünscht, im kleinen Kreise die uns bewegenden Dinge zu besprechen, doch die Rechtsfrage müsse aufgeklärt werden. Die Verfassung gibt dem Ausschuß keine handhabe, dem Plenum vorzu- greifen, denn der Ueberwachungsausschuß sei nicht dazu da. alle Sorgen der Regierung zum Gegenstand der Erörterung zu machen und entsprechende Initiative zu enstalten. Den Wunsch nach Auf- Hebung des Ausnahmezustandes in Bayern teile er materiell nicht, er sei aber verständlich. Schließlich erklärt Abg. Kahl, daß auch nach seiner Ansicht der„Miesbacher Anzeiger" ver- boten werden müsse. Er verwahre stch ferner dagegen, daß der „Vorwärts" leichtsinnigerweise die Deutsche Volkspartei als Rechts- panei bezeichne, die die Derfasiung stürzen will. Der Reichskanzler Dr. Wirth empfiehlt dem Abg. Kahl, auf die „Tägliche Rundschau" einzuwirken, daß sie die Art ihrer Schreib» weise ändere und auch Angriffe gegen die Hoheitszeichen der Re- publik in Formen kleide, die noch erträglich feien. Otto Braun lSoz.): Die Erklärung des Abgeordneten Kahl, daß er treu auf dem Boden der Reichsoerfassung stehe, ist sehr erfreulich. Politisch wäre es von größerem Wert, wenn der Abgeordnete S t r e s e m a n n für die Deutsche Volkspartei diese Erklärung wieder- holen würde. Noch wertvoller wäre es, wenn die Führer der Deut- schen Volkspartei dafür sorgen würden, daß dieses Treugelöbnis für die republikanische Reichsversassung sich auch in der Presse und in den Versammlungen ihrer Partei auswirken würde. Daß die Volks- partei nicht zu den Rechtsparteien gerechnet werden will, ist neu. Herr hergt hat gestern noch auf dem Parteitag der Deutschnationalen in München die Deutsche Volkspartei für die Rechtsparteien in An- spruch genommen. Die Stellungnahme des Vertreters der bayerischen Regierung läßt erkennen, daß diese die Verhältnisse völlig verkennt, wenn er meint, es seien keine neuen Momente eingetreten, die die Aufhebung des Ausnahmezustandes rechtfertigen. Tatsächlich ist der Ausnahmezustand in Bayern längst verfassungswidrig, da die Momente, die zu seiner Einführung beitrugen längst fort- gefallen find. Wenn jetzt die Teuerung und die Ausregung der Nolksmassen gegen diese zur Rechtfertigung der Aufrechterhaltüng des Ausnahmezustandes angeführt werden, so ist das völlig abwegig. Da die Teuerung außerhalb Bayerns noch größer ist, müßte im ganzen Reiche der Ausnahmezustand verhängt werden. Wenn stch aus der Teuerung eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit ergibt, so muh die Teuerung und nicht die, die gegen die Teuerung waren, bekämpft werden. Die Behauptung des bayerischen Vertreters, daß der Ausnahmezustand in Bayern nicht einseitig gehandhabt werde, entspricht nicht den Tatsachen, wie jeder Zeit durch Tatsachen be- wiesen werden kann. Der Reichskanzler hat festgestellt, daß in Bayern mit zweierlei Maß gemessen werde. Wenn der bayerische Vertreter die Verantwortung für die Schimpfartitel des„Miesbacher Anzeigers" ablehnt, so muß man die Frage aufwerfen, warum die bayerische Regierung gegen dieses Blatt, daß an Roheit nicht zu überbieten ist, nicht l ä n g st ein- schritt. Tatsächlich ist der„Miesbacher Anzeiger" die volks- tümliche Ausgabe der„Bayerischen Staatszeiwng". Welch letztere im Ton wohl etwas vornehmer, im eigentlichen Wesen aber auch die Billigung der abscheulichen Ermordung Erzbergers bewiesen. Ent- scheidend ist nunmehr, ob die bayerische Regierung bereit ist, die Verordnungen der Reichsregierung' durchzuführen. Darauf muß der bayerische Vertreter klipp und klar Antwort geben. Weitere Ver- bandlungen mit der bayerischen Regierung zu pflegen hat wenig Zweck, wir werden daher dem Antrage zustimmen, der an den Reichs- fräsidenten die Forderung stellt, von der bayerischen Regierung die hleimige Aufhebung des Ausnahmezustandes zu verlangen. Die Verordnung des Reichspräsidenten kann nur ein vorübergehender Notbehelf fein. Die Reichsregierung muß schleunigst dem Reichstage gesetzliche Mahnahmen zum Schutze der Republik zur Beschlußfassung unterbreiten. von den bürgerlichen Parteien wurde ein Antrag eingebracht, die Verhandlungen mit Bayern wegen Aufhebung des Velagerungs- zustandes fortzusetzen. Montag Weiterberatung. Wulle möchte Hetzen. Wie uns mitgeteitt wird, hat 5)err Reinh. Wulle für seinen „Deutschen cherold", SW. 11, 19900 Eintrittskarten für eine dem-! nächst im„Sportpalast" stattfindende„Izeerschou schwarz� w e i ß r o t" drucken lassen. Hat er zu dieser„republikanischen"! Feier die Genehmigung bekommen oder möchte er hintenherum eine; Kontrollversammlung abholten?.| ?n gespannter Lage. Die Erregung der Arbeitermassen über die nationalistischen Provokationen und Mordtaten dauert unge- schwächt an. Die Rechtspresse sucht die Bewegung jetzt durch sensationelle Meldungen über„Gewalttaten" in Mißkredit zu bringen. Ziehen wir ihre üblichen Uebertreibungen ab, so bleiben nur Gewalttaten relativ harmloser Natur übrig. In einer Reihe von Städten, wie Ludwigshafen, Heidelberg, Weimar, hat die Menge in den AmtsgebäudenKaiser- t»: f S»--___ v c... fi.__—_____ c«»_ r-r-• c.l___' r___ indem nämlich die betreffenden Amtsstellen recht- zeitig und von sich aus die Entfernung der monarchi- schen Symbole vorgenommen hätten. Zeit genug haben sie wirklich gehabt, beinahe drei Jahre. Wir möchten nur wün- schen, daß die Borfälle den Behörden zur Warnung dienen, bei denen sich etwa ähnliches ereignen könnte. Wir sind ge- wiß keine Freunde gewalttätigen Vorgehens, aber noch we- niger sind wir Freunde davon, daß die Massen zu solchem Vorgehen unnötig provoziert werden. Die Vorfälle sollten jedenfalls eine Mahnung an die Reichs- und Landesbehörden sein, durch rücksichtslose Entfernung des gesamten monarchischen Hokuspokus aus öffentlichen Ge- bänden wenigstens diesen Zündstoff aus der Welt zu schaffen. Gerade die Parteien, die immer von der Notwendig- keit des inneren Friedens reden, sollten am energisch- sten diese Forderung unterstützen. » Die Deutsche Volkspartei hat gestern im Reichstagsaus- schuß ein Bekenntnis zur Verfassungstreue abgelegt. Das Bekenntnis entstammte dem Mund des Herrn Professors Kahl. Die Botschaft hör ich wohl... aber gerade der Mund, aus dem sie kam, hat sie verdächtig gemacht. Professor Kahl war es, der auf dem ersten.Parteitag der Deutschen Volkspartei in den starken Brusttönen, über die er reichlich verfügt, das Bekennt« is zur Monarchie ablegte, und es ist noch gar nicht lange her, daß ein gewisser Dr. S t r e s e- mann in Göttingen gesagt hat:„Ich bin Monarchi st aus Herz und Verstand." Die Deutsche Volkspartei hat am 13. März 19M einen Aufruf erlassen, in dem die Re- gierung Kapp als„die neue Regierung" anerkannt wurde. Die Partei des Herrn Strefemann hat es sich durch ihre widerspruchsvolle Politik selber zuzuschreiben, wenn man in ihre Loyalitätserklärungen, mögen sie auch noch so empha- ......\ Ihre die wenn nicht im Reich, so doch mindestens in Preußen erreichen wollen. Wir können daher die jetzigen Bekenntnisse nur als zweckfördernde Mittel werten, die einer b e st i m m t e n Situation entspringen. Herr Professor Kahl hat beson- ders gegen den„Vorwärts" polemisiert, weil dieser die Volks» partei zu den Rechtsparteien rechnet, die an der Ermordung Erzbergers moralisch mitschuldig sind. Herr Kahl möge sich nur in Ruhe durchlesen, was gewisse fünszigprozentige Blätter geschrieben haben. Solange die holde Preßgemeinschaft zwi- schen Deutschnationaler und Deutscher Volkspartei besteht, wird man die innere Verwandtschaft beider Par- teien wohl nicht ernschast bezweifeln können. » In der b a y e r is ch e n K r i s e ist eine kleine Entspannung insofern eingetreten, als wenigstens die offene Verhöhnung des Reichsrechts von der bayeri'' mehr geduldet wird. Der„Miesbacher Anzeiger" ist am Er- n u n g des Reichsrechts von�der bayerischen Regierung nicht bacher An._ scheinen gehindert worden. Zu übermäßigem Optimismus icyemen geytnoerr woroen. Zu übermäßigem Optimismus ist indessen kein Anlaß, was reaktionär in Deutschland ist, schart sich um die Regierung Kohr. Es besteht nach wie vor kein Zweifel, daß sie das Zentrum der Widerstände gegen die republikanischen Anordnungen der Reichsregierung bilden wird. 0- lieber die preußische Regierungsfrage wird viel und unnützes Zeug geredet. Fast alle Meldungen der bürgerlichen Presse über Umbildung der Regierung Steger- wald eilen den Tatsachen weit voran. Offizielle Verhandlungen haben überhaupt noch nicht stattgefunden, allenfalls eine erste Fühlungnahme zwischen führenden Per- sönlichkeiten der beteiligten Parteien zwecks Herbeifübrung von Verhandlungen. Besonders getadelt werden muß die Art, wie die„Rote Fahne" kritiklos Meldungen der S�si- sationspresse übernimmt, um auf diese Weise Erregung in die Arbeiterschaft hineinzutragen. Ein Vormittagsblatt hotte behauptet, daß Strefemann mit dem Reichspräsidenten und Reichskanzler Verhandlungen zwecks Eintritts der Deut- schen Volkspartei in die Reichsregierung geführt habe. Diese wenig zuverlässige Quelle genügt der„Roten Fahne", um die heftigsten Angriffe gegen. die Sozialdemokratie zu richten. Mittlerweile stellte sich heraus, daß die angebliche Besprechung gar nicht stattgefunden hat. Die ganze Erregung war also umsonst, die„Rote Fahne' hat eine Sensations- Meldung für bare Münze genommen, deren Charakter sie leicht hätte durchschauen können, wenn sie nicht von vornherei» darauf eingestellt wäre, besinnungslos alles zu glauben, was sich gegen die Sozialdemokratie ausschlachten läßt. Unsere Stellung gegenüber der Deutschen Volkspartei haben wir gestern bereits so klar gekennzeichnet, daß wir es hier nicht noch einmal zu wiederholen brauchen. presse und Pressefreiheit. Ter Reichsverband der deutschen Presse protestiert. Der Vorstand des Vezirksverbands Berlin des Reichsver- bandcs hat einen Beschluß gesaßt,„getreu der Stellungnahme, die die Organisationen der deutschen Presse st c t s eingenommen haben", scharf Einspruch gegen die neue Verordnung des Reichspräsidenten zu erheben. Besonders das Verbot des „Berliner Lokal�Anzeigcrs" hat es den Herren angetan. * In diesem Zusammenhang ist es beachtenswert, daß eben der Schriftsteller Robert Breuer aus dem Reichsverband ausgetreten ist. Er schreibt dazu: Ich begründe meinen Austritt mit dem journalistischen Ver- halten des derzeitigen ersten Dorfitzenden de» Derbande», des Herrn Dr. R i p p l e r, anläßlich der Ermordung Erzbergers. Der Reichsverband ist ein« Dcrufsorganisation, deren Wirk- samkeit jedermann, unbekümmert um dessen politische Stellung, zu- gute kommen soll. Das setzt voraus, daß die Mitglieder, welcher Partei sie auch angehören mögen, gleichermaßen Achtung und Für- sorge im besonderen durch den ersten Dorsttzenden erfahren, und daß sie solcher Wirksamkeit auch gewiß sein können. Nachdem Herr Dr. R i p p l e r in einem in der„Täglichen Rund- schau" veröffentlichten Artilet eine ganze Gattung von Mitgliedern und nicht nur die Angehörigen einer Partei, sondern die Bekenner einer Gesinnung allgemeingültig als„Pressedemokraten" i n f a- m i e r t hat, kann ich solcher Gewißheit nicht mehr sein. Herr R i p p l e r hat ganz gewiß, wie sedes Mitglied des Per- bandes das uneinschränkbare Recht politischer Meinungsfreiheit; es steht ihm als dem Inhaber des höchsten von der Kollegenschaft zu vergebenden Ehrenamtes aber nicht zu, einer ganzen Gruppe von Mitgliedern bewußt das Stigma einer Berufsauffassung zweiten Grades aufzudrücken und solch« Aussonderung durch einen rohen Hinweis auf die hinlänglich bekannte„Blutsverwandtschaft" noch zu verschärfen. Solch Verfahren des Herrn Dr. R i p p l e r verstößt überdies so sehr gegen den journalistischen Anstand, dessen Wahrung zu den Hauptaufgaben des Reichsoerdandes gehört, daß mir auch insofern die Vorstandschaft des Herrn Dr. Rippler keine genügend« Gewähr für die Durchführung der Grundsätze des Reichsver- bandes gibt." Wir können dazu nur noch bemerken, daß es uns nicht erinnerlich ist, daß der Reichsverband der deutschen Presse „stets" gegen die Unterdrückung der Pressefreiheit eingetreten fei. Dazu war wohl das Verbot des„Lokal-Anzeigers" ein größerer Anreiz, als andere Gelegenheiten. Der„Lokd-�tozeiger� erscheint wieder? Berlin, 2. September.(MTB.) Wie wir hören, ist das Verbot des„Berliner Lokalanzeigers" und des„Tag" aufgehoben worden. Ein neues Leitung Sv erbot. Die„Hallrsche Zeitung" ist gestern nachmittag für die Dauer von 14 Tagen verboten worden, well sie einen Auszug eines Ar- tikels aus dem widerrechtlich erschienenen„Miesbacher Anzeiger" gebracht hatte. Eine Erläuterung zur Uniform-verorönung. Das Wolffsche Telegraphenbureau meldet amtlich: Bis zum Er- laß der Ausfiihrungsbestimmungen gemäß Z S der Verordnung des Reichspräsidenten vom 20. August 1921 über das Berbot des Uni- formtragens hat der Reichskanzler mit sofortiger Wirkung die Er» laubni, zum Tragen der Uniform bei LeichenbegSng- nissen von Kameraden erteilt. Ein Zltig ins hungernöe Rußland. Während die Hilfsaktion für Rußland durch die Sowjetregierung selbst in Frag« gestellt wird, steigt das Elend in Rußland von Tag zu Tag. Erschütternde Bilder von diesen grausigen Zuständen«nt- wirft der Flugberichterstatter der„Daily News" Major W. T. Blake. der nach einer aufregenden Flugreise die Gebiete an der nissisch-pol» nischen Grenze besucht hat, wo sich die Ströme der nach Westen flutenden hungernden Vauernmassen anstauen. „Meine Reise noch Rußland", schreibt er,„hat mir unauslöjch- bare Eindrücke von dem Grauen dieser hungernden Millionen ver- mittelt. Hunderte von tragischen Bildern zucken durch mein Hirn, eine unendliche Zahl, von Gefühlen des Schauders, des Mitleids, der Verzweiflung haben mich beim Anblick diese» gigantischen Schreckgespenstes durchwühlt. Ich will nur einige charakteristische Einzelheiten mitteilen, die eine schwache Ahnung von der ungeheuren Tragödie geben. Die Flüchtlinge fluten in einem mächtigen Strom von Osten nach Westen: es ist ein herzzerschneidendes Wogen einer sterbenden Menschheit, die vor den Geißeln de» Hunger» und des Todes flieht und auf dem Wege zusammenbricht, um sich niemals wieder zu erheben. Nur den Obdachlosen ist gestattet, Ruhland zu verlassen. Dieser strenge Befehl hat seltsame und furchtbar» Folgen. Die Bauern verbrennen absichtlich ihre Häuser, um dadurch zu Obdachlosen zu werden. Züge von Minsk in Rußland bringen Tau- sende von hungernden Flüchtlingen über die Grenze. Es ist ein rührender Anblick, dies« Waggonladungen von abgemagerten Skeletten und zerlumpten Unglücklichen zu sehen, die nach Bora- n o w i t s ch i, dem Hauptzufluchtsort in Polen, gelangen. Biele sind geradezu nackt und fo schwach, daß sie aus den Zügen herausstürzen und zusammenbrechen. Gruppen stehen zusammen, um sich gegen- seitig das Ungeziefer abzusuchen Viele Kinder sind nur noch eine Mass« von Schmutz und Lumpen. Die Augen sind verklebt, und Fliegen sitzen in Schwärmen auf ihnen. Der ganze Ort ist erfüllt von dem Gestank verfaulender Menschen. Irgendwelche Hygiene ist nicht vorhanden. Niemals habe ich einen so unbeschreiblichen Schmutz gesehen. niemals Menschen, die auf einer so tiefen Kulturstufe zu stehen scheinen. Sie erinnerten mich an die Menschen der Steinzeit. Der Zusammenbruch der Zivilisation wirft sie in«ine so ferne Vergangen- heit zurück. Sie haben sich seltsame Hütten aus grünen Zweigen zurechtgemacht, sie leben in den Unterständen der alten Schützen- graben, in denen einst Deutsche und Russen gegeneinander kämpften. In P i n s k, einer der Hauptstädte des„weißen Rußland", fand ich die Verhältnisse nicht besser. Männer und Frauen, von der Ruhr vollkommen entkräftet, lagen unter Haufen von Lumpen, zu schwach, um ihre am lebendigen Leibe faulenden Glieder zu heben. Zur Er- höhung des Unglücks ist der größere TeU der Stadt niedergebrannt, Die Mörder Erzbergers. Auf der Spur der Verbrecher. Offenburg. 2. September.(MTB.) Die Staatsanwalischaft hat über die Mörder Erzbergers festgestellt, daß st« vom 21. August bis zum Mordtage(26. August) im Gasthause„Zum Hirschen" in Oppcnau unter den offenbar falschen Namen Franz Riese, Stud. jur. aus Düsseldors und Knut Bergen, Stud. phil., aus Jena logiert haben und am 26. August mit dem um 6,46 Uhr abends von Oppenau abgehenden Zug« mit einer Fohrkarte 4. Klasse nach O f f e n b u r g abgereist sind. v. Hirschfeld bleibt in Haft. In der Sache des an dem Reichsminister a. D. Crzberger ver- übten Mordes hat dos Am.sgertcht Oberkirch in Baden auf Antrag der Staatsanwaltschaft in Offenburg Haftbefehl gegen Oltwig von Hirschfeld erlassen. Zugleich hat das Amtsgericht Ober- kirch das Berliner Polizeipräsidium ersucht, den hier in Haft be- findlichen von Hirschfeld dem Amtsgefängnis Oberkirch zuzuführen. Diesem Ersuchen ist am gestrigen Abend entsprochen worden. Die»repvblikantsche� poftverwaltung. Aus dem Reich« der Beschwerden, die uns von Arbeitnehmer- feite über die Verhinderung an der Demonstration zugehen, seien noch folgend« erwähnt: Beim Postscheckamt verhandelt« der Bctrieberat mit dem Amtsleiter über den Wunsch des Personals, den Betrieb am Mittwoch von 4 bis 6 Uhr ruhen zu lassen. Der Betriebsrat wurde zunächst befragt, um was für«ine Demonstration es sich denn eigentlich handle. Der Betriebsrat gab die nötige Aufklärung, worauf ihm gesagt wurde, das sei ja e i n e p o l i t i s ch e S a ch«. Er als Amtsleiter fei zur Ueberwachung des Dienstes da und mit Politik befasse er sich nicht. Er gebe sein« Einwilligung zu dem Verlangen auf keinen Fall. Auf. den Einwand, daß es sich um«ine Kundgebung zugunsten der republikanischen Regierung handle, entgegnete der Herr, das fei ihm ganz gleich. Er wurde nun daran erinnert, daß B e- urlaubungen bei der Beerdigung der Exkaiserin erfolgten, worauf der Herr Amtsleiter sagte:„Das ist doch etwas anderes, ob man zur Beerdigung eines Menschen geht oder zu einer politischen Demonstration." Ueberdies heb« der Amtsleiter von den damaligen Beurlaubungen kein« Kenntnis gehabt, sondern die Stellen« Vorsteher hätten die Erlaubnis dazu gegeben. Di« Frage des B«- trlebsrat», ob heut« die Stellenoorsteher dioselbe Befugnis hätten, Urlaub zu«rieilen. wurde bejaht— mit der Einschränkung, daß in jeder Stelle drei bis vier Mann beurlaubt werden könnten. Trotz alledem fanden sich 200 Mann zur Demonstration ein, während von den 600 Sekretären und Direktoren kew einziger dabei war. Auch der famose Beamtenausschuß, der sich stets„auf den Boden der Tallachen" stellt, blieb unsichtbar. Den Angestellten und Arbeitern aber, dle jederzeit für die Re- publik«intreten, drohen Entlastungen. Die llohnfrage in de? Stadt Derlm. Die Funktionär« der am Lohnkartell beteiligten Verbände der vereinigten städtischen Arbeiter und Angestellten nahmen gestern in übervoller Versammlung zu den letzten Zugeständnissen des Ma- gistrats Stellung, die Stundenzulagen von 80 Pfennig für die männlichen Personen und von 60 Pfenn iq für die weiblichen Personen zusicherten. Auf Empfehlung von Lohnkartell und Tarifkommission wurde von der Versammlung einstimmig das Zugeständnis für ungenügend erklärt und deshalb abgelehnt und mit überwältigender Majorität beschlos- sen, die Organisationen zu ersuchen, schnellstens den S ck l i ch- tungsaueschuh Groß-Verlin anzurufen. Ferner wurde einstimmig einer von der Vollversammlung der Elektrizität»- arbciter angenommenen Resolutton zugestimmt, in welcher e» unter anderem heißt:„Tarifkommission und die in Frage kommenden Ge- werkschaiten sollen an den Forderungen festhalten. Sollte sich der Magistrat weigern, den berechtigten Forderungen zuzustim- wen, sind die Kollegen gezwungen, zu den äußersten Mitteln zu greifen, damit die Verhandlungen nicht unnötig verschleppt werden. Vi» zur endgültigen Entscheidung wird ein« Frist bis zum 8. September gestellt. Inzwischen soll der Schlich- tungsausschuß seinen Spruch fällen. Ferner werden die sozialistl- scheu Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung ersucht, jedweder Tariferhöhung für Gas, Elektrizität, Wasser und Straß-nbahn nicht zuzustimmen.' Ee muß die besitzende Klasse schärfer belastet werden." und außer den Flüchtlingen sind noch weiter« 10 000 Menschen obdach- lo?. Bon der Spitze der Haupttirche, die am Rande de» verbrannten Teiles steht, hat man das Bild eines riesigen Kirchhofs, dessen Trümmer da» Grab Unzähliger werden. Di« amerikanische Hilfs- geselllchaft ist solchem Elend gegenüber machtlos. Die Leute sterben wie die Fliegen, wobei Hunger die Hauptursache ist. Die Bauern, die nach an Ort und Stelle geblieben sind, stehen vor der Mistern Wahl, ob sie ihre gering« Ernte zur Saat verwenden oder den Winter über hungern wollen, oder ob sie das bißchen Getreide auf- essen, um dann einem um so sichereren Hungertod entgegenzugehen. Bon Pinsk bis Wilna und von PInsk südlich bis zum Dnjepr entlang werden dle alten deutschen und russischen Schützengräben pon den hungernden Bauern bewohnt. Skelett« von Pferden liegen vermischt mit denen von Menschen: 5)unde und Vögel fressen die Knochen ab und bleiben in Schwärmen an den Stätten, ein Zeichen, daß sie neue Nahrung erwarten. Je weiter man östlich kommt, desto schlimmer wird die Hungersnot. Im Winter werden die Hungernden nicht mehr die Grenze überschreiten können, dann werden sie in ihren Dörfern erfrieren." Das jüdische Künstler lhealer in der Kommandantenstraße wurde mit einem Stück„Die puste K r« t s ch m e"(Die verlassen« Schenk«) von Perez Hirsck,b«in«räffnet. Eigentlich eine alte— nicht- jüdische, nur mensckiliche Alltagstragödie mit etwa» Svmbolik und Gcspensterspuk. Dargestellt von wirklich hervorragenden Künstlern, die einer großen europäischen Bühne all« Ehre machen würden. verfehlte das Stück nicht seine Wirkung. Ungewöhnlicher Applaus setzte nach jedem Akstchinh im dichtbesetzten Hause ein. Es Ist eine Ironie des Schicksals, daß gerade auf dieser Bühne, wo der„Berliner Jude" an den lächerlichen Geschmacklosigkeiten der seligen Gebrüder Herrnseld sich zu ergötzen pflegte,«in großes, zum Teil auch„echt germanisches" Publikum wirklich gute jüdische Kunst zu genießen bekommt, Bei dleler Gelegenheit kam es so recht zum Bewußtsein, wie schnell und ausgezeichnet sich dos jüdische Theater entwickelt hat, das schon in Rußland, Zlmerika und England ausgezeichnete schoulpiele- rische und literarische Kräfte besitzt Die Dramatiker Perez, Gordon, Pinski und Kebrin baben Werte oeschcffen, die literarisch» D»dcu- i tunq haben. In dieser„jüdischen Spreche"(die von dem deutschen i Besucher wirklich nicht ganz verstanden werden konnte), die altes dentjches Sprnchgut nus dem Mittelalter mit Hebräisch und Slawisch mischt und für ungefähr acht Millionen Menschen immer noch die Mutter- und Vorzugssprache bildet, sind Werte entstanden, auf die man eigentlich immer wieder aufmerksam machen muß. Es ist in erster Linie da» verdienst des Berliner Rechtsanwalts Gronemann, die jüdisch« Künstlertruppe aus Ruhland hierher ge- bracht zu haben, deren Darbietungen die Leistungen der jüdischen Kammerspiele in Wien weit übertroffen haben. Das Stück: Ein Dorfjude verheiratet feine Tochter mit einem jungen Mann, den er für sie auserkoren hat. Dem Cousin der volksparteiliche Deamtenfreundlichkeit. Nachdem die mühevollen und ergebnisreichen Verhandlungen der Spitzenorganisationen mit den Regierungsvertretern in der Hauptsache beendet sind, kommt die Deutsche Volkspartei mit ihrer Arbeitsgemeinschaft Grvß-Berlin hinterher, um Stimmung unter den Beamten für sich zu machen. Als Einleitung zu einem Reichs-- beamrentag ihrer Partei am heutigen Tage hatte sie zu gestern eine Versammlung nach der Philharmonie einberufen mit der Tages- ordnung:„Die Rot der Beamte n". Landtagsabgeordneter v. E y n e r n bezog sich auf eine Bemer- kung im„Vorwärts", indem er sagte, er kenne keinen Beamten, der sich so erniedrigte, die Republik öffentlich oder heimlich zu be- schmutzen. Wer e» tue, gehöre nicht in das Beamtentum hinein. („Sehr richtig!" wurde gerufen, und auch wir sagen:„Sehr richtig!" Red. d.„Vorw.".) Nicht richtig aber sei, die Bevölkerung als Richter über die Be- amten einzusetzen und sie(Wen? Die Bevölkerung oder die Be- amten?) zum Widerstand gegen die Staatsgewalt aufzufordern.— Dunkel ist der Rede Sinn. Reichstagsabgeordneter Beuermann sprach dann über wirtschaftliche Fragen des Beamtentums. Er wandte sich gegen die politische Durchseuchung der Beamtenschaft, gegen das Hineinschieben stellungshungriger Parteisekretäre und gegen die schmähliche Eesinnungsriecherei. Die Dolksbeauftragten hätten den Beamten Versprechungen gemacht, die bis zum Frühjahr 1920 unerfüllt geblieben wären.(Warum und weshalb, das scheint Herr Beuermann dabei zu erwähnen vergessen zu haben.) Durch die erfolgte Desoldungsreform sei die Beamtenschaft zum Unter- Proletariat geworden. Es gäbe keinen Stand im Staatvleben, der in seiner wirtschaftlichen Existenz so sehr gefährdet sei wie die Be- amtenschaft.(Es gibt nach diesen Ausführungen offenbar keine zweite Partei, die die Demagogie so weit treibt, wie die Agitatoren diejer.Volkspartei".) Der Redner klagte dann, daß die jetzige Aktion zur Regelung der Beamtengehälter nicht richtig eingeleitet sei, der Vorstand des Beamtenbundes habe den Beamtenausschuß nicht hinzugezogen, seine Haltung sei derart gewesen, daß man den Beamten die Zweifel an der neutralen Führung dieser Organisation(die Herr Beuermann in die Debatte bringt) nicht verdenken könne.„W e nn der Deutschs Beamtenbuno wirtlich neutral sein wolle, dann hätteerauchzuderErmordungErzbergersschwei. gen müssen. Nach Beendigung der jetzigen Besoldungsvcrhond- lungen muffe ein neues Besoldungsgesetz ausgearbeitet werden, worin dos Friedensgeholt in die jetzige Währung umzurechnen sei al» Grundgehalt. Der„lebhafte Beifall" für diese Glanzleistung ist begreiflich. Meyer- Herford faßte die Forderungen der Beamten dahin zusammen, daß das Staatsintereste die Erhaltung des Berufsluam- tentum» gebiete, daß es Staatspflicht sei, den Beamten die Sicher- heit der Stellung, die Fürsorge für das Alter und die ausreichende Besoldung zu geben. Di« Dolkspartei hat ihr gutes Herz für die Beamten reichlich spät entdeckt, so spät, daß man auch in Beamtenkreisen ihrer Plötz- lich so ausdringlichen Freundschaft ziemlich skeptisch gegenübersteht. Der StänMqe Ausschuß be» preußllch-n Landkages beschäftigte sich am Freitag mit der Frag« der Zubilligung von Tcuerungszu- schägen an Beamte auf Grund der Vorlage, die dem Rkichsrat zugegangen ist. Danach sollen für die preußischen Beamten 1100 Millio- neu Mark oerwendet werden. Der Ausschuß bedauert, daß Preußen zu den Verhandlungen des Reichs mit den Beamten nicht yinzuge- zogen worden ist. Die Vorlage wird unverändert angenommen unter Ablehnuna eines Zentrumsantrage», die evangeliscken und katholischen Geistlichen in die Borlage miteinzubeziehen.— Allgemein wurde verlangt, daß diese Aufbesierunoen bis zum Zusammentritt des Land- tages ausgezahlt sein sollen, wobei von verschiedenen Rednern Klagen der'Beamten vorgebracht wurden, daß ihnen die Gehaltsausbesie- rungen de? Besoldungsordnung vom 17. Dezember vorigen Jahres immer noch nicht zugute gekommen sind. Aus dem Slarqarder Znlernierunqslager entlassen. Am 8. August war datbamllich mitgeteilt worden, daß der bekannt« russische Musik- Professor Rosebery d'Arguto insolge einer Zuschrift, die er an die„Rote Fahne" gesandt hatte, sestgenommen und, weil er den Meldungsvorschriften für Aus'änder nicht genügt hätte, bis zu seiner Ausweisuno ins Jnternierungslagcr Stargord verbrach! worden sei. Herr Pros. Rosebery d'Arguto bittet mitzutellen, daß die Be- hauptung, c? se! nicht gemeldet gewesen, sich als irrig herausge- stellt uni> daß er aus dem Internierungslager wieder entlassen worden ist. Auch der Ausweisungsbeschs ist zurückgenommen worden» und Prof. Rosebery d'Arguto hat sein« künstlerische Tätig- keit in Berlin wieder aufgenommen. Braut gelingt e», die Braut, die er liebt und von der er geliebt wird, während eines extatlschen Tanzes am Hochzeitstage unbemerkt in einen Wald zu entführen, wo ein Kampf starker Leidenschaften an- hebt und alle starten urwüchsigen Gefühle zweier Unglücklichen zum Ausdruck kommen. Unter den Darstellern zeichneten sich besonders Herr S ch n e i e r, der den Dotcr gab, Frau V l u m e n t h a l(die Frau) und die Herren Z e l l a s s o imd A s r o aus, die alle stärkste schauspielerische Wucht bewiesen. S. D e m b i tz e r. Die Königin der Rachi im Reuen Operckkenkheaker. Alle gegen- wärtigen Operetten tragen weibliche Namen als Motto:„American Girl",„Braut des Lucnllus",„Nixchen",„Strohwitwe",„Frau im Hermelin" usm. Da» Ift recht so: denn nur aus dem Temperament der Frau, aus ihren Kostümen und ihrer Tanzleidcnschost wächst dem Komponisten seine Kunst leicht zu. Die„Strohwitwe ist jetzt an die Komische Oper übergesiedelt und weist sich auch mit der reizenden Eili Leux als beste, zugkräftigfte tomische Oper au». Zur„Königin der Nacht", dje ihr Licht im Neuen Operetten- theater leuchten läßt, haben Arnold und Bach, die lustigen Väter der„Spanischen Fliege", einen sehr amüsanten Text geschrieben. Man denke sich mit allem Trum und Dran eine Situation, wo im Hans« des Sicherheitskommisiars von Berlin während seiner Ur- laubszeit ein Nachtlokal etabliert wird und wo die rührige Polizei den nächtlich zurfickgckchrten Regierungsrat und die ganz« Gesell- schaft noch dem Alexanderplatz entführt. Wirklich sehr komisch und luftig. Wo der Schwant Platz läßt, fängt Kollo an die Leier zu schlagen. Er macht das glänzend und geschickt, bald spaniscß, bald im Jimmy, bald mit einem Kabarettstück, ein bißchen sehr im Klischee stecken bleibend, aber blitzsauber und wirksam. Die ungezählten Spitzen- und Seidenroben der Alice.Hcchy sind ebenso kostbar, wie sie mit Eleaanz auf einem schönen Körper getrogen werden. Sie selber begeistert, graziös, volloergnügt ugd Laune aufwirbelnd. Sherry Sikla, In ollen Resid-niztheatersitilatioven der Provinz voll draller Komik, desgleichen Wenck und Paul Müller. Den Lebe- männern rmd Liebhabern leiben Bsrron und Untertircher ihr frisches Spieltalent. Cläre Grünberg sah verlübreriich genug aus, um alles glauben zu machen. Unter den tobend Gerufenen hätte man oerne alle Dekorotionskün'''ler und Schneider gelehen, denn es mar ein restloser Erfolg auch im äußeren Bild, das ein Fest für die Augen wurde._ K. S. Ilm M, ästen?estan'vlel' an? beginnt t>gs neue?>öonn-ine"t nrn Montag, den•>«. T-vIemder mit der mg der.Nüuöer' in riter völigrn Kteinfzenirrung Karl Hein; Martins. Im Tentlehen tIvernhan« gastiert am Sonntaz Zrair Szkrönyl von der Wiener SlaalSoper als ToSca. Als zwei, e» russisches Kastsvlel lm Theater de? Westen« wird am Sonnlag, nachmittag« 2 Ndr, da« Drama von S. Potavento ge- geben, wobei da? Mitglied de« Moskauer Kistrstler-Tbralcr« Slcsan KuSnczofj in der Houpirollc zum ersten Mal in Berlin austritt. TaS Konzert des berliner Sebrergesangvercin» am Sonnabend, I. September, abend» 7V, Uhr, findet nicht im Garten, sondern im grotzeu«aale de« Reit«« Welt statt. Nr. 4?5»3L. Jahrgang Sonnabenh, z. September 1921 Groß-Serliner Alle Lasten ans die t Das Rückgrat der städtischen Finanzen bildete früher die Ein- kommen st euer. Das ist heute nicht mehr der Fall, da den Ee- meinden die Erhebung selbständiger Zuschläge zur staatlichen Ein- kommensteuer verboten ist. Das Reich überweist vielmehr von sich aus den Kommunen einen Anteil der staatlich veranlagten und ein- gezogenen Reichseinkommensteuer. Dieser Anteil wird zurzeit er- rechnet nach dem Ist der Gcmeindecinkommensteuer des Jahres 191g mit einem Zuschlag von 35 Proz. Wie wenig dieser Steucrbctrag geeignet ist, die durch die Kriegswirtschaft und die Kriegslasten hervorgerufene Finanznot der Ge- meinden zu mildern, beweist der Berliner Haushaltsplan, bei de>n einem Bedarf von 5 Milliarden eine Einnahme von wenig über 1 Milliarde aus der Reichseinkommensteuer gegenübersteht. Auch Groß-Berlin sind also die Hände gebunden. Es darf keine direkte Besteuerung seiner Einwohner vornehmen. Dieselben kapital!- st i s ch e n Parteien, die ihm das ganze Finanzelend der Kriegserbschaft überlassen haben, geben ihm als schwachen Trost das Recht, neue indirekte Steuern zu erfinden, um seinen Etat zu balancieren. Im Reiche sorgt die vereinigte Reaktion dafür, daß die besitzenden Klaffen bei der Deckung des staatlichen Bedarfs möglichst geschont werden, und den Gemeinden ruft man zu: Seht zu, wie ihr fertig werdet! Wir wissen, daß die Finanzen Groß-Berlins noch durchaus nicht die schlechtesten von den Städten der deutschen Republik sind. Aber auf die Reichshauptstadt hat man es nun einmal ganz besonders scharf abgesehen, doppelt scharf, weil hier eine sozial! st ifche Mehrheit am Ruder sitzt. Man möchte gar zu gern den Kredit der Rcichshauptstadt untergraben, ihr die Balancierung des Etats unmöglich machen und dann nach Demagogenart sich in die Brust werfen:„Seht euch die sozialistische Mißwirtschaft an! Sie hat Berlin in den Bankrott geführt!" Diesen billigen Triumph der Reaktion zu verhindern, mußte die erste und wichtigste Aufgabe der sozialdemokratischen Finanzpolitik im neuen Groß-Berlin sein. Ganz sicherlich wäre an einem wirklichen Dankrott Berlins die sozio- listische Verwaltung am o l l e r w e n i g st e n schuld gewesen— muß sich doch jeder halbwegs Bernünftige sagen, daß die Kriegs- defizitwirtschaft und die durch den Krieg herbeigeführte finanzielle Steuerbelastung sich noch jahrelang und einstweilen immer stärker und fühlbarer auswirken muß. Aber die Reaktion rechnet hier wie überall mit dem kurzen Gedächtnis gewiffer Schichten dds Bürgertums, und der deutschnationole Stadtverordnete und Pfarrer Koch hat bei seiner Etatsrede im Frühjahr schon den ver- logenen Versuch unternommen, die steigende Schuldenlost Berlins der„sozialistischen Mißwirtschaft" aufs Konto zu setzen. Damals haben die Massen der Berliner Bevölkerung wohl den D e m a g o- gentrick des Herrn Pfarrers noch durchschaut. Aber wenn es uns nicht gelungen wäre, den Berliner Etat für 1921 zu balancieren, so hätte der deutschnationale Lügenfeldzug neue Hilfskräfte erhalten. Die Reaktion hätte es leichter gehabt, ihre eigene Riesen- schuld an der Rot Berlins hinter dem Verleumdungsgeschrei von der„Mißwirtschaft" zu verbergen. Unsere Fraktion war bei dieser Sachlage sich von vorn- herein darüber klar, daß neue Einnahmequellen für die notleidenden städtischen Finanzen erschlossen werden müßten. Es bestand auch kein Zweifel darüber, daß ein Festhalten an irgendeiner Steuerdogmatik der Rot des Augenblicks nicht gerecht werden konnte. Unsere an sich wohl begründete Ablehnung indirekter Steuern war nicht aufrechtzuerhalten, wenn das Defizit nur durch neue Steuern zu decken war und den Gemeinden nur das Rocht zur Schaffung indirekter Steuern zustand. So haben wir denn— und mit uns die Unabhängigen— einer Reihe neuer indirekter Steuern Miserere Zustimmung gegeben und dadurch den Unentwegten von ganz links die Gelegenheit geboten, ihr sattsam bekanntes Geheul vom„Prinzipienverrat" zu erheben. Und sie haben es selbstverständlich getan. Aber just in einem Augenblick, wo den Kam- ,2, Die Rächer. Roman von 5) e r m a n n Wagner. Die Geräusche der Straße waren erwacht und brüllten mit neuer Kraft in den jungen Tag hinein. Kein Mensch achtete des anderen. Man hastete vor- und rückwärts, eiserne Roll- lüden wurden hochgezogen, ein Geschlecht der Arbeit machte sich breit. Die Müßiggänger schliefen noch, sie hatten hier nichts zu suchen. Aus alledem bin ich ausgeschaltet, dachte Reisner. �ich bin ein Rad, das gebrochen ist, das man beiseite geworsen und durch ein neues ersetzt hat. Es vollzog sich alles so schnell in dem Fieber der Zeit. Gestern stand man noch im Mittel- punkt einer Bewegung, heute brach man zusammen, und die West redete gleichgültig davon, morgen war man vergessen. Man lag am Weg, kein Vorübergehender wandte den Kopf nach einem, denn niemand hatte Zeit. Er überschritt den Fahrdamm, überquerte die Leipziger Straße und flüchtete in eine Nebengasse. Dort hingen Schilder an den Türen, die möblierte Zimmer anboten. Er ging wahllos in das erste Haus. Ein unrasierter Mann in Filzpantoffeln öffnete ihm und führte ihn durch einen finsteren Flur in ein Eckzimmer, das die gute Stube der Familie war. Plüschmöbel, die noch Kampfer rochen, ein bronzierter Lüster mit nie angebrannten Kerzen, ein Vertikow, auf dem zahllose billige Nippes standen, ein Schreibtisch aus weichem Holz, ein Teppich, über den zum Schutz ein Hader gezogen war, ein Bett, das kalt und feindselig aussah— das war das fein möblierte Zimmer. Reisner fragte nach dem Preis. Der Mann tat. als müsse er erst überlegen, und rief schließlich seine Frau, eine üppige Vierziqerin. die notdürftig Toilette gemacht hatte, die noch ungewaschen war. mit wirr über die Stirn hereinhängenden, ungekämmten Haaren, ver- drießlich ob des Aergers mit den Kindern, die in der Küche lärmten, und doch zugleich süßlich und entgegenkommend lächelnd. „Vierzig Mark," sagte ste in einem Ton, der verriet, daß sie in der Familie die Herrin war,„aber den Kaffee extra." Reisner zahlte und bat, man möge ihn allein lassen, er wolle schlafen. Er verriegelte die Tür, entkleidete sich und Steuerpolitik. l'agfähigen Schultern! munisten eigentlich der Irrsinn ihrer Prinzipien- r e i t e r c i hätte selbst aufgehen müssen Ausgerechnet bei der Aus- dehnung der Biersteuer auf die neue Einheitsgemeinde wollte uns ihr Sprecher Letz darauf festnageln, daß wir entgegen unserem Pro- gramm eine indirekte Steuer bewilligten. Und er merkte nicht, daß eine Aufhebung der bestehenden indirekten Bierbesteuerung keinem einzigen Arbeiter sein gelegentliches Glas Bier verbilligt haben würde, dafür aber den„armen" Großbrauereien ein w i l l k o m- mcnes Millionengeschenk in den Schoß geworfen hätte. Es sind eben Pechagitatoren, unsere kommunalen Kommunisten— diese Prinzipienfesten, die„niemals eine indirekte Steuer bewilligen" und dann 8 Tage darauf der WoHiiungsluxussteuer zustimmen und später für eine Autosteuer eintteten. Da gab es auf einmal keine „Prinzipien" mehr, weil man befürchten mußte, daß auch Prinzipien- festeste Wählerkammunisten die Ablehnung einfach nicht v e r st a n- den hätten, weil die Arbeiterschaft besser als ihre scgenannten Führer darauf hingewiesen hätte, daß es eben„solche" indirekten Steuern oibt und„solche", daß es in dieser Zeit außergewöhnlicher Rot ein Wahnsinn wäre, den auggesprochenen Luxus unbesteuert zu lassen, nur weil man aus Prinzip gegen jede indirekte Steuer ist. Neue Steuern durften freilich nur bewilligt werden— und sind auch von uns nur bewilligt worden—, wenn sie o u s s ch l i e ß- lich die wirtschaftlich starken Schultern belasteten oder sogar den Luxus und die Verschwendung betrafen. Der Arbeiter, der Angestellte, der Beamte trägt schon schwer genug an de in Steuerabzug, durch den sein Anteil an der Reichssteuer vor- weggenommen wird. Er kann und soll mit neuen indirekten Steuern nicht eher belastet werden, ehe nicht die besitzenden Kreise verhüll- nismäßig ebenso stark und stärker zu den allgemeinen Lasten herangezogen sind. Für die Steuerpolitik unserer Partei in Groß- Verlin galt also als Norm, daß wir nur solchen Steuern unsere Zustimmung gaben, die sich auf die deutlichen Anzeichen eines W o h l st a n d e s, der. über den Durchschnitt hinausgeht, gründeten. Wir haben bei diesem unseren Grundsatz und bei unseren eitt- sprechenden Anträgen die geschlossene Front der bürger- lichen Parteien gegen uns gehabt. Wie immer, wenn es an den Geldbeutel der Besitzenden geht, haben sich hier, die bürgerlichen Demokraten mit den übrigen reaktionären Parteien sehr schnell zu einer Waffenbrüderschaft zusammengefunden— zum Schutze ihrer heiligsten Güter. Ja, die Rechtsparteien haben sich nicht mit der Ablehnung im Rathause begnügt, sondern mit Hilfe ihrer„Verbindungen" und „Beziehungen" in den reaktionären A m t s st u b e n der Ministerien auch bereits beschlossene Steuergesetze nachträglich zu sabotieren oersucht. Lcider ist ihnen dies verschiedentllch gelungen, und wir sehen hier wieder, wie die Kommunalpolitik im letzten Grunde aufs innigste mit der„großen" Politik zusammenhängt. Eh« wir die Reaktion in Reich und Ländern nicht niedergerungen haben, wird auch eine sozialistische Gcmeindcpolitik immer wieder auf tausend Widerstände und Hchwie/igkeiten stoßen. lieber unsere kommunale Steuerpolitik aber dürfen wir getrost das Urteil unserer Wählerschaft erwarten. Von allen unseren Wählern, von den breitesten Schichten der Arbeiter-, Ange- stellten- und Beamtenschaft wird kein einziger etwas von denjenigen Steuern, die wir neu beschlossen haben, bishergemertt haben oder in Zukunft merken. Don der Wohnungsluxusstcuer über die Auto- und Pferdesteuer bis zur Hausangestelltensteuer trifft keine einzige die Schultern derer, die nicht tatsächlich über einen gewissen Wohlstand verfügen. Wir haben in unserer Steuerpolitik den einzig bleibenden Grundsatz zu verwirklichen versucht, daß die Lasten der Allgemeinheit wirklich auf die tragfähigen Schultern gelegt werden. Und so soll es bleiben. So wird es bleiben, wenn die Sozialdemokratische Partei im neuen Stadtparlament den aus- schlaggebenden Faktor bilde t. Richard Lohmann. warf sich auf das Bett, dessen roher, gestärkter Ueberzug ihn gruseln machte. Draußen lärmten erbarmungslos die Kinder und tram- pelten mit den Füßen, die Frau schimpfte im rohesten Berliner Dialekt, man hörte das Klirren von Kaffeetassen, wie aus weiter Ferne kamen die Glocksnsignale der Elektrischen und irgendwo krächzte ein Grammophon das Lied:„Ach, das haben die Mädchen so gerne..■" Von diesem Lärm, der ihn feindselig anbellte, umstellt, schloß Rcisner die Augen und schlief ein. Er erwachte durch ein Klopfen an der Tür und sah auf die Ubr. Es war zwei Uhr nachmittaags. Er fuhr in die Kleider und öffnete. Die Wirtin schob ihre Fülle durch die Tür und verlangte, daß er den Anmeldeschein ausfülle. Er tot es, und sie stellte erstaunt fest, daß er in Berlin- Grunewald zu Hause mar.„Sind Sie auch ein Dauermieter?" fragte sie bösartigen Mißtrauens. Erst jetzt bemerkte er den gemeinen Zug in ihrem Gesicht. Die Art. wie sie sich aufgedonnert hatte, die Fülle ihres über- quellenden Körpers gewaltsam zusammenpressend, ließ ihn noch deutlicher hervortreten. Reisner fetzte sich an das Fenster und brütete vor sich hin. Die Kinder lärmten noch immer, besonders die Stimme eines Knaben tat sich hervor, frühreif, brutal und ordinär. Die Zeit schlich mit schlepnender Langsamkeit. Reisner war es, als stecke er in einem Sack, den man oben fest zugeschnürt hatte. Vom Flur her kamen leise, longsam schlürfende Schritte. 'Der Wirt, schien es. machte in feinen Filzpantoffeln einen Spaziergang. Wie eine Wache, die man vor meiner Tür postiorf h-ft. dachte Reisner. Er überdacht? leine Lage. Er tat es-um erstenmal und lab"im erstenmal auch klar: sie war trostlos, sie war ver- zwe'Mt.' Wohin er st� auch wandle er lab di« di» er cu-ben wallte nerftaast. Die Ldee dasi er eine kleine Aaenttir über- nabm. war einlach lächerlickv(Pefpftt den Fall, daß er eine bekommen bätte. er war nicht imstande, ibr vorzustehen. Er kannte nicht reden, kein Wart. Und er füblte, daß da? nicht bester werden wü'de. In lein.-ni Gehirn war irgend etwas zerbra-ben. Er spürte einen klallenden R'ß. Er hatte ein unermeßliches Rnhebedürfnis. er lehnte sich nach einem Schweigen, das endlos war. Die lärmenden Kinderstimmen hämmerten auf seine Nerven ein, die schlür- durch öas Spreetal. Quer durch das Spreetal führt uns eine Wanderung von Erkner nach Königswusterhausen. Wir beginnen sie in Erkner. Rechts unter der Bahn hindurch und über das Vcrbindungsflish des F l a k e n f e e s mit dem Dämeritzfee kommen wir zur Kirche. Auf der Chaussee nach Neu-Zittau verlassen wir den freundlichen Ort. Zu beiden Seiten des Weges schweift der Blick über die weiten Wiefenflächen des Spreetals, di« von dunklem Kiefernwald eingerahmt werden. Rechts ragen die M ü g g e l» berge und die Gosener Berge auf, mit dem Dorf Gosen davor. Wir kommen an der Siedlung Schönschorn st ein vor- über und haben bald darauf Neu-Zittau erreicht? kurz vor dem Ort überschreiten wir die Spree. Neu-Zittau ist ebenso wie Gosen und Friedrichshagen ein« Kolonistensiedlung, die in der Mitte des 18. Jahrhunderts angelegt wurde. In östlicher Richtung ziehen wir aus dem Dorf hinaus nach Burig an der Spree. Von hier folgen wir dem Friedersdorfer Weg: er führt dauernd durch Kiefernwald. Nach etwa% Stunden macht der Weg eine scharfe Biegung nach links. Der nächste Gestellweg bringt uns nach rechts auf den Stahlberg, der sich 85,5 Meter übex den Meeresspiegel oder 53 Meter über den Dämeritzfee erhebt. Don hier oben hoben wir einen prächtigen Ueberbiick über das Waldgebiet bis Wusterhausen hin, von wo uns die Masten der Telefuntenstation grüßen. Meilen- weit erstrecken sich die Kiefernwälder durch das ebene Land. Die schnurgeraden Gestellwege sind häufig von Birken eingefaßt, deren helle Laubkronen sich deutlich von dem dunklen Grün der Kiefern abheben. Das Spreetal oildet einen Teilabschnitt des großen Ber- liner Urstromtals. Auf dem Talsand, der an manchen Stellen, wie in den Püttbcrgen bei Wilhelmshagen und zwischen Erkner und Fürstenwalde, zu großen Dünenzügcn zusammengeweht wurde, siedeln sich anspruchsoollcre Pflanzen nicht an. So sehen wir denn hier den innigen Zusammenhang der geologischen Verhältnisse mit dem Pflanzenwuchs, einen jener Zusammenhänge, denen wir in der Natur überall begegnen. Vereinzelt steigen aus der Talebene Berg- kuppen wie Inseln empor, lo der Stahlberg, auf dem wir stehen, die Gosencr Berge und die Müggclberge. Sie sind bei der Aus- wafchung des Tals durch die Fluten der eiszeitlichen Schmelzwässer als Ueberreste der ehemaligen Hochfläche stehen geblieben. Vom Stahlberg steigen wir zur Chaussee hinab und wandern über den Oder-Spree-Kanol, der vom Seddinsee auf möglichst geradem Wege nach Fürstenwalde und weiter zur Oder führt. Jen- feits der Brücke auf dem Kablower Gestell(dl) gen Südwest. Bald hinter der Kreuzung des Weges Fürstenwalde— Königswusterhausen (in der Nähe des Jagcnsteins dll) rechts ab auf dem sich schlängeln- den Weg zur kleinen Siedlung Uklei um Ukleifee. Wir wandern rechts um die Ansiedlung herum(Wegweiser„Kablower Ziegelei", später„Niederlchme") und kommen beim Jagenstein Qt an die Straße von Fürstenwalde. Dieser folgen wir in südwestlicher Rich- tung über die Bahn von Be:skow bis zur Zernsdorfer Chaussee kurz vor Neue Mühle. N e u e M ü h l e an der Dahme ist ein beliebtes Ausflugsziel, besonders für Dampferpartien. Im Süden der Siedlung liegt der Tiergarten, ein schönes Laubwaldgebiet, das eine angenehme Abwechslung zu den durchwanderten Kiefernwäldern bildet. Die Chaussee führt au der Spukbrücke vorüber nach Königswusterhausen, einem Marktflecken an der Notte, die hier in die Dahme mündet. Nicht weit vom Bahnhof kiegt.lios ganz von Efeu umsvonnene Jagdschloß, in dem der„Ea'.daten- könig" seine„Tabakskollegien" abhielt. virgina Moll vor Gericht. Bei der gestrigen Verhandlung wurde die Einfuhr der konden- sierten Milch auf Grund der dafür erteitten Ausfuhrbewilligung be« handelt. Der Vorsitzende hiell hierbei der Angeklagten vor, daß sie in der Borunterjuchung selbst zugegeben habe, daß sie in Amerika keinen Menschen Hab«, der ihr auch nur einen Pfennig geben konnte. Die ganze Liebesgabe ngeschichte sei Schwindel, sie wäre allerdings ein glänzendes Geschäft gerporden, wenn die Sache so weitergegangen wäre. Die Angeklagte widersprach dem und behauptete, daß sie so reichlich mit Einfuhrscheinen versorgt worden sei, daß sie viel davon sogar fortgeworsen habe. --------------------------------------------- senden Schritte des unrasierten Mannes draußen brachten ihn zur Verzweiflung. Und es war ihm unmöglich, noch einmal das Gesicht der Vermieterin zu sehen. Alles das tat ihm nicht nur weh. es engte ihn ein, wie einen, der nahe daran ist, zu ersticken. So machte er in kurzen Abständen ein paar Schritte durch das Zimmer, blieb stehen, starrte irgendeinen Gegenstand versunken an und schrak dann plötzlich auf. Wo war er und wohin gehörte er? Er hatte kein Daheim. Er gefiel sich in der Vorstellung. in einem Krankenhaus zu liegen, wo Schwestern sich mit leisen Handgriffen um ihn bemühten. Diese Ruhe, dieses Schweigen brauchte er, die Apathie eines Menschen, dem alles gleichgültig ist, weil vielleicht schon der Tod lauernd um fein Bett schleicht. Alles Denken war ausgeschaltet, es war ihm abgenom- men wie eine Bürde, der er nicht mehr gewachsen war. Andere dachten für ihn. Das war so wohltuend. Die Ge- danken waren durch ein vages Gefühl ersetzt, das halbwach träumte und oft ganz schlief. Er war wie ein Nachtwandler. Die Welt war voll von Geheimnissen für ihn, die er überwunden hatte. Er stand außerhalb der Welt. Und plötzlich nahmen seine Vorstellungen noch etwas Ruhigeres an. Er sah sich im Gefängnis. Dieses war noch friedvoller als das Krankenhaus, denn es war schon wie der Tod. Wie war es nur möglich gewesen, daß er sich vor ihm so gefürchtet hatte? Er kannte es docb. Auch dort war es nicht nötig, daß man dachte. Einmol überwunden, hatte die Einsamkeit des Gefängnisses keine Schrecknisse mehr. Man lebte ruhig und war aller Konflikte enthoben. Eine tiefe Nacht kam. ernst und doch barmherzig in ibrem ehernen Schweigen, und man ertrank in ihr zu einem langen Schlaf. Alle Wünsche gingen heim, aber es gab auch keine Absagen. Des Lebens wechselvoller Kamvs war ans- gehoben, es gab keine Niederlagen und keine Siege Keine Zukunft lockte und keine Vergangenheit schreckte, indem sie da? Gewissen aufwühlte. Min träumte in dem ewigen Gleichmaß einer Gegenwort, die einen der Notwendigkeit jedes Handelns enthob. Man war eine Nummer. Den Men- schen hatte man abgelegt, begraben. Der Friede des Grabes war um einen.(Fortsetzung folgt.) Lange Erörterungen drehten sich um d!e Errichtung van Küchen für die AnzesteUten der Reichsstelle für Textilindustrie und des Reichskommissariats für Ein- und Ausfuhrbewilligung, für die die Lebensnüttel fast ausschließlich im Jnlandc gekauft wurden. Die Angeklagte schilderte den Hergang der Gründung und be- hauptete, daß die Betriebsräte das maßgebende Wort gesprochen und darüber gewacht hätten, daß ihre Forderungen in bezog auf diese Küchen befolgt würden. Die Anklage steht auf dem Stand- punkt, daß diese Küchen nur eingerichtet feien, um Frau Moll als Wohltäterin bckanntzu machen und um eine möglichst unbegrenzte Zahl von Einfuhrbewilli- gungen zu erlangen. Die Anträge an die maßgebende Stelle führten ein ganzes Register unglaublich hoher Mengen Lebensmitteln aller Art auf, die angeblich zur Abfendung bereit- - lägen und für die die Einfuhrbewilligung erbeten wurde. Eine be- sondere Rolle spielte die Einfuhr von 200 Ovo Kilo von Kentucty- Preßtabak, die angeblich für Vergleuie bestimmt waren. Die An- geklagte hatte nach längeren Konferenzen mit den Abgeordneten K l a u ß n e�r und D a n n e m a n eine Deputation aus Senften- berg empfangen und deren Wunsch nach billigen Lebensmitteln an- gehört Frau Moll war dann nach Senftenberg gefahren, um sich das Bergwerk zeigen zu lassen. Sie behauptete, daß die An- regungcn zu den Bestellungen nicht von ihr, sondern stets von den Betriebsräten ausgegangen seien. Rechtsanwalt Dr. I a f f ö wies darauf hin, daß viele Antrage auf Einsuhrbewilligungen gar nicht von der Angeklagten ausgegangen fein könnten und es könnt« mög. lich sein, daß mehrere unter ihrem Namen abgesandte Telegramme ohne ihr Wissen abgegangen seien. Bei der Erörterung der einzelnen zollfreien Einfuhren wiesen die Verteidiger darauf hin, daß der Reichsbeauftragte bzw. die in Frage kommenden Beamten des Wirtschaftsministoriums sich mit dem Verhalten der Frau Moll einverstanden erklärt hätten, trotzdem es ihnen klar fein mußte, daß es sich nicht um Liebesgaben handelte. Der Vorsitzende hielt der Angeklagten vor, daß aus einer ganzen Menge von Telegrammen, die bei Hirschfeld gefunden, hervorgehe, daß sie dis Secle des ganzen Unternehmens ge- we'en sein müsse und daß ihre Behauptung, daß sie sich fast gar nicht um die Geschäfte gekümmert habe, nicht den Tatsachen ent- sprechen könnte.— Zum Schluß dc� gestrigen Verhandlung stellte R.-A. Grünspach an die Angeklagt« Moll die Frage: Ist es richtig, daß Sie dem Mautner erzählt haben, Sie hätten Vcrbin- düngen in den höchsten Kreisen, insbesondere auch: Sie hätten im Hause des Reichspräsidenten Ebert oerkehrt?— A n g e k l.: Ich habe dies Herrn Mautner erzählt und es entspricht der Wahrheit. — R.-A. Dr.? a f f c: Zu diesem Thema ist der Legationsrat Walter als Zeuge geladen worden, der bekunden soll, daß die Angeklagte bei dem Reichspräsidenten ein- und ausgegangen sei.— R-A. Grünspach:?st es richtig, daß die Angskl. Moll auch mit einer Angestellten des Hirschfeldschen Unternehmens beim Reichspräsidenten gewesen ist?— A n g c tt.: Auch das ist-richtig. Die Verhandlung wurde hierauf auf Sonnabend g'� Uhr vertagt. Der verstockte Massenmörder. Die Vernehmungen des Lustmörders Großmnnn brachten gestern trotz seines fortgesetzten Leugnen? durch die übereinstimmenden Aussagen von etwa 30 Zeugen den Beweis, daß auch die S o s- n o w s k i zu den Opfern des alten Wüstlings gehört. Großmann, der zunächst bestritt, daß es sich um die Sachen der S o s n o w s k i handeln würde, die bei ihm gefunden wurden, gibt jetzt die Mög- lichkeit zu, daß es deren Kleidungsstücke fein könnten, kann sich aber, wie er sagt, nicht erklären, wie diese in sein Zimmer ge- kommen sind, ebensowenig wie die Knochenreste von menschlichen Körpern, die der Gcrichtsarzt Prof. Dr. Strauch in Aschenresieu vorgefunden hatte. Gestern wurde dem Verbrecher auch das che- mische Gutachten des Chemikers Dr. Barnes vom Nahrungsmittel- Untersuchungsamt vorgehalten. Dieses erkennt der Verbrecher ein- fach gar nicht an. Er sagt, daß er auf der Bank Katzen und Hunde geschlachtet habe und das an dieser und anderen Gegenständen ge- fundene Blut und die Fleischfasern von diesen Tieren herrühren müssen. Katzenblut ist nach seiner Behauptung von Menschenblut nicht zu unterscheiden.. Der Befund hat jedoch einwandfrei ergeben, daß es sich um Msnschenblut und Fasern von Menschenflcisch handelt. Für die Gerüchte, daß der Verbrecher das Fleisch seiner Opfer zum Genuß verkauft oder verarbeitet hat, sind bis- her noch keine ficher-n Beweise vorhanden. Ebenso hat man für die Zahl der mutmaßlichen Opfer des Lustmörders noch keine sicheren Unterlagen. Ein falscher„Hildebrandt". Ein Schwindler treibt seit einiger Zeit in Groß-Berlin sein Unwesen, der sich als Vertreter der Schokoladenfabrik von Theodor Hildebrandt ausgibt und es hauptsächlich auf kleine Geschäftsleute abgesehen hat. Diesen erzählte er, daß sie wieder be- liefert werden sollen und nimmt Beslellungen gleich entgegen. Zum Schluß bietet er ihnen dann einen Karton mit Zuckerwaren zum Kauf an. Diesen lehnen die Geschäftsleute in der Regel ab. weil sie für diese Zuckcrwaren keinen Bedarf hoben. Der 5zcrr Vertreter erklärt Ihnen nun weiter, daß sie die Zuckerwarcn schon nehmen müßten, um„ins Geschäft zu kommen" Wenn sie die Zuckerwaren nicht abnehmen würden, so würden sie auch keine an- der« Ware erholten.. Wenn die Geschäfte dann die Zuckerwaren ge- kauü haben, so stellt sich heraus, daß diese viel zu teuer sind. Um sie mit Gewinn abzusetzen, müßten sie die Zuckerwaren über den vorgeschriebenen Höchstpreis verkaufen. Da dann auch die ver- fprochenen Schnkolodenlicferimgen ausblieben, so sahen die Ee- schälisleute bald, daß sie einem Schwindler ins Garn gegangen waren. Nachdem dieser sein Treiben eine zeitlnnq unterbrachen hatte, taucht er neuerdings wieder aus und sticht auf die olelche Weise Pleffermünzstan-'en abzufetzen. Geschäfte seien hierdurch vor diesem falschen Vertreter gewarnt. Obcrschsesiertag in den Kaffeehäusern. Der Verband der Kaffcehausbcsitzer Deutschlands veranstaltet am heutigen Sonnabend im gesamten deutschen Knffeehausqewcrbe einen allgemeinen Ovfer- taa für Oberfchlcsten. Die Spende soll in der Weise zusammen- gebracht werden, daß heute in allen Kaffeehäusern Deutschlands so- wie in den Konditoreien aul alle Speisen und Getränke »in Zuschlag von 10 Prozent erhoben wird, außerdem zahlt jeder Kaffeehausbesitzer aus eigenen Mitteln 5 Prozent von der Gesamtlosung als Spende. Der Berliner Polizeipresident- hat auf Antrag des Vereins der Kaffcehousbelltzer von Groß-Berlin und der Provinz Brandenburg die heutige Polizeistunde auf L U b r verlän-ert für alle die Betriebe, die sich an dem Hilfswerk betelsinen. Zur Kantrolle find besondere volizeiliche Auswelle ausgefertigt und dem veranstaltenden Verein zur ordnungsmäßigen Bertülung zugestellt worden. Die Verwendung von Hotels zu anderen Zwecken als denen des Hotclbetriebee, insbeloedere zu Geschäfts- und Bureauzwecken, be- darf nach einer Berfüaung des preußischen Woblfahrtsmini'lers der Genehmigung der zuständigen Konimunal-Aullichtsbehörde. Für Berlin ist daher die Genehmigung des Oberpräsidcnten notwendig. Die Stadsistste Volkebadeanstalk in der Gerichkstraße ist mit dem 1. September 1021 wieder dem Verkehr überacben worden. Zu- nach''""-t-Vn nur Wannen- und Brausebäder zum Preise von? W bv". O.vO M. aboeaeben. Anfang Oktober wwd alsdann c*''etr'-bnobms der beiden Schwimmhallen erfolgen. Die ?Vu„ f{.ir y!x.nvtzung der Schwimmhallen betragen für Erwachsene 1,50 M., für Kinder 1 M Die Betriebszeiten sind einstweilen auf die Zeit von 12 bis 8 Uhr abends festgesetzt. Reue Jugendherberge der Stadt Verlin. Die Stadt Berlin richtet in W o l s s l a k e i. Krämer, in der Nähe von Vehlefanz, eine neue Jugendherberge für 14 Personen(Betten mit Decken) ein. Es wird nochmals auf den Besuch der Jugendherberge in Buckow iMär- bische. Schweiz) hingewiesen, die, obwohl in herrlicher Gegend ge- legen, bisher merkwürdigerweise wenig besucht worden sit. Anmeldungen an Fr. Thiele, Buckow(Kr. Lebus). Lindenstr. 55. r 3n einer äffenfsichen Versammlung, die unsere Partei für Rosenthal, Wittenau und Wilhelmsruh am letzten Donnerstag abhielt, referierte Genosse Fuß über die kommende ! Stadtverordnetenwahl. In der Diskussion stimmten 1 Kommunist und der unabhängige Stadtrat Sekte(Reinickendorf) mit dem Redner I in dem Ruf'überein: Fort mit dem Bruderkamps: die ganze 51raft des Proletariats gegen die scstgeschmiedcte Reaktion! Folgende vom Referenten eingebrachte Resolution fand dann Annahme: Die heute am 25. August von der SPD. einberufene öffentliche Bersnmmlung für Rosenthal-Wilhelmsruh und Umgegend bekennt sich offen zu den Forderungen der sozialdemokratischen Fraktion: Schärfste Bcsteue- Rote Schulwoche in Neukölln Strich öen Terror Deiner Inverwanöten unü er- fülle Deine Gewissenspflicht. öefreie Dein Kinö vom Religionsunterricht! rung des Besitzes und Erfassung der Goldwerte. Die ohnehin ge- drückte Lage der Arbeiterschaft macht eine noch stärkere steuerliche Belastung geradezu unerträglich, und sie wehrt sich mit allen Mitteln dagegen. Die Versammelten erwarten von der Arbeiterklasse — gleichviel welcher Richtung der einzelne angehört—, daß schon bei den kommenden Wahlen sie die ganze Schlagkraft der gewerk- schaftlichen und politischen Arbeiterorganisationen gegen die geeinte Reaktion wendet. Nur so Ist es möglich, die Demokratie fest zu verankern und dem Sozialismus den Weg frei zu machen für die Befreiung aus der Lohnknechtschaft zum freien Menschentum. Für Pauisen. In einer gut besuchten ElternvenanNnlüNg der M. Gemciudeichiile in der Poppelollee sprach Genosse Kreuziger über Paulien» Schuipiogramm. Nach einer Su§sp>ache. an der sich die anwesenden Gegner nur schwach beteiiiglen, wurde einstimmig bei einigen Stimmenthastiiiigen folaende Eutschlietzung ange- nommen:.Die Elieniichait der 17. Gcineiudeschule stell! sich nach einem einführende» Referat deS Lebrers Kreuziger auf den Boden ocs Paulseaschen Schulprogranims und verspricht, an seiner Ver- Ivirklichung mitzuarbeiten." Ein Volksfest veranstalten die Anhänger der weltlichen Schule in Lichtenberg am Sonntag, den 4. September, im Restourant„Reu- sceland", Besitzer Schonert, am Rummelsburger See. Wir bitten alle Genossen, recht zahlreich zu erscheinen. Das Fest der goldeneu Hochzeit begingen am 2. Scpicmbcr der Wcbei mrlüer Adolf B r ö ii ck c und Frau Klara geb. Shurzer. Berlin, GneisemNtllr. 6». Frau Brösicke ist Boienfrau bet der Z. Z. und erfreut sich in ihrem Abonncn tciikrciZ grosier Beliebtheit. Buo öen Kreisen. Am 23. August tagte die Kreisdelcgiertenversammlung des 20. Bezirks. Genosse B r o l c»t sprach über die„Bedeutung der Stadt- und Bezirksverordnctcnwahle n". Er zeigte zunächst, wie durch die Wühlarbeit der Bürgerlichen der Ma- gistrat nicht zur rubigen Arbeit kommen konnte. Ein Ergebnis dieser Wühlarbeit ist die Nichtigkeitserklärung der Wahlen des 20. Juni. Redner kennzeichnete die Größe des Arbeitsfeldes des Magistrats und der Stadt- und Bezirksverordneten in Groß-Bcr'tn und ging dann auf den Gntsarbciterstreik ein. Er besprach einige Mißstände in der Güterverwaltung und schilderte die Wohnvcrhält- nisse der Schnitter im Gegensatz zu den Wohnungen der höheren Gutsbcamten. Brolat forderte rücksichtslosen Kampf gegen die bürgerlichen Parteien, mit deren Sieg Groß-Berlin fällt, zum Schaden der arbeitenden Massen. In der Diskussion wurde darauf hingewiesen, daß die Be- schuldigungen der Bürgerlichen, die Mißstände in Berlin seien die Folge der sozialistischen Wirtschaft, unbegründet sind. Die Miß- stände sind auf die Kriegswirtschast zurückzuführen. So zeigt das Material der Straßenbahn große Mängel, die Gasanstalten können noch nicht rationell arbeiten, da die Maschinen technisch nicht voll- kommen sind, und vieles andere liehe sich noch anführen. Die Ber- sammlung setzte die Wahllisten der Stadt- und Bezirksverordneten fest. Der Bildungsousschuß gab bekannt, daß im Herbst, beginnend am Freitag, den 21. Oktober, in Wittenau(Zeichensaal der 1. Ge- meindeschule, Rosentbaler Straße) ein Kursus mit dem Thema „Kommunaler Sozialismus" stattfindet. In der Verkrekerve'sammlnng des 15. Kreises am 30. August gab Bezirksverordnercr Genosse Birnbaum den Tätigkeitsbericht der Bezirksverordnetensraktion. aus dem zu entnehmen war, daß die Fraktion zum Wohle der Alloemeintzeit trotz vieler Hindernisse gute Arbeit geleistet hat._ Nach lebbaster Diskussion führte Birnbaum im Schlußwort aus, daß die Parteigenossen sich rege an den vom Be- zirksamt getroffenen Bildungzveranstaltunqen, vornehmlich an der Volkshochschule beteiligen müßten, denn„Wissen i st Mach t". Die Vezirksverordnetenliste erhält mehr als 30 Vorschläge und beginnt mit Alwin G e r i s ch- Baumschulenwea. Wilhelm S tr ie d e r- Trep:ow, Ernst S ch m a l z- Ad'ershof, Willi Birn- bäum- Oberlchöneweid«, Maraarct« Bundesmann- Nieder- schönewelde. Paul Fischer- Nieder'choneweide. Hermann D ü h- r i n a- Jobannisthal, Emma Wissel!- Treptow usw Nach einer eingehenden Aussprache über die politische Lage wurde eine Entschließung«instimmig angenommen, in der der M o r d a n E r z b e r g« r ous das schärfste verurteilt wird und verlanot wird, daß alle der Republik feindlich gesinnten Beamten aus der Verwal- tung ausgemerzt werden. Bon der Reichsregierung wird erwartet, daß sie den nationalistischen Hetzern mit aller Energie entgegentritt. Der tatbereiten Understützuno der sozialistischen Arbeitcr'chaft kann sie hierbei sicher sein.— Diese Entschließung soll an Parteioorstand und Reichrminister des Innern weitergeleitet werden. Mit einem begeistert ausgenommenen Hoch aus die Sozialdemokratie schloß der Vorsitzende Genosse Jung die Versammlung. ] Eharlottcrikurg-iLplNida». Die Zurrslische Kvreihstimd« flnbct leben Lennaiend I von 5— v Uhr im Jugendheim, Charlotrenburg, Rosinenskr. 4, statt, gei- ' tungsquittungcn, Partei- oder Gewerkschaftsbuch legitimiert. g. Abt. Bczirksfiihrer! Abholung der Flugblätter ab nachmittags Z Uhr vom Genossen Glaser, Kottbuser Ufer 33,40. ! 13. Abt. Tic Funktionäre holen von ä Uhr ab die Flugblätter bei Wlesnewski. I Prinzenstr. 110, ad. i 17. Abt. Ad nachmittags 5 Uhr Flugblattverbreitung von folgenden Lokalen: Unterer Bezirk: Mnrrcr, Cavriviftr. b: Oberer Bezirk: Zacharias, Stra- lauer Allee, ienfeits der Bahn: Kienitz, Rcvaler, Glk« Cilllon-Dach-StraKe; Stralau wie Äblich.___... 20. Abt. File die Flugblattvcrbreitung holen sich die Genossen die Flugblätter aus dem Lokal Bohnsdorf, Petersburger Sir. 86, von 5—7 Uhr oder Sonntag vormittag 3—10 Uhr. Sämtliche Funktionäre müssen«nbedingt er- scheinen. 30. Abt. Tie Genossen treffen sich um 7 Uhr abends bei Berger, Levctzow-, Gikc Iagowltratzc, zur Abholung der Flugblätter. •1!5. Abt. Bon 5—7 Uhr Abhole» der Flugblätter bei Pose, Koloniestr. IS, und Icserick. Schwcdenstr. IIa.■.„.. 48. Abt. Ab 5 Uhr nachmittags Flugblaltverdreitung von folgenden Lokalen aus: L-wandowsli, Srestr. 104: Grunewald. Kameruner Str. 19; Tande, Mllllcrstr. 02».,.__ 82. Abt. Steglitz. 8 Uhr Sitzung des Agitationsausfchusses bei Tlement. Sllnpelftr. 7. Die Bezirksführcr müssen die Flugblätter abholen. A-iilöNn. 31. Abt. Ab nachmittags 4 Uhr Materialausgabe bei M-ufl-r, Müu- chener Ctr. 23. Fahnen und Arn, binden find mitzubringen.— 92.«dt. 7 Uhr Familienabcnd Im Deutsche» Wirtshaus, Bergftratz«. 102. Abt. TiiUMschnlcnweg. Ziachmittags ä'ä Uhr Flugblattverbreikung. Treff. Punkt bei Saß, Baumschulcnftr. 72. Alle müssen zur Stelle sein. 108. Abt.»Sven ick. Aus zur Gegendemonstration nach Erkner. Treffpunkt 4'z Uhr Bahnhof Köpenick. 123. Abt. Kaulsdork. 7 Uhr bei Schwarz, Hähnower Str.», wichtig« Zusammen- kiinft der Funktionäre. Morgen, Sonntag, den 4. Seplember: 14. Abt. Früh 8 Uhr Flugblattvcrbreitung bei Krüger, Engelnfer 23: Stein, Luifcnufcr 14: Fifä-er, Scbastianstr. 32. 24. Alt. Früh 3 Ubr Flugblattverbreitung von folgenden Lokalen aus: Rod- »er. Finmannclkirchstraßc: Winzer, Christburger Str. 9: Schütz, gelter- I strafe'1, 32. Abt. Die Flugblattverbreitung findet von früh 8 Uhr ab von den Zahl- abeudlotaleu: Blcssin. Etargarder Str. 3,«attner, Elcimstr. 4o, und Wolter, Äorsärcrsir. 1. aus statt. ! 37. Abt. Früh 3 Uhr Flugblattvcrbreitung vom Lokal Hübner, Wilsnacker > Straße 31, aus..... 44. Abt. Die Genossen und Genossinnen der Abteilung treffen sich früh 8 Uhr bei Saßinann, Stettincr Straße, zur Flugblattverbreitung..... Wilvicrsdorf. 71. Ab«.!> Uhr früh Flugblattverbreitung vom Lokal Ionaß, Durlachcr Str. 8. aus.— 72. Abt. Ab 3 Uhr früh Flugblattverbreitung vom Lokal des Genosse» Hauler, Augustastr. 13, aus..„_, S-bänrb-rg. 78. Abt. Die Mitglieder treffen sich zur Flugblattvertellung pstnkt- � lich 3 Uhr bei Händel, Borbergstr. n, und Äopinski, Ebersftr. 36. Zahl- reiche Belciligunq unbedingt erforderlich.— 80. Abt. Die Genossen treffcii siih i»r Flugblattverbreitung vormittags 0 Uhr in folgenden Loialen: Be- -irk 1: bei Gürlich, Eck- Rubens, unb Begasstraße: Bezirk 2: bei Lahn, Riibcnsür. 43: Haar. Ecke.hauvt» und Stierstraße. 81. Abt. Friedenau. Pünktlich 3 Uhr Flugblattverbreitung vom Lokal Uldrich, Sandjerustr. 80. aus... 86. Abt. Marienborf. Früh 8 Uhr Flugblattverbreitung von den bekannten Lokalen aus. Die Flugblätter sind von dem AbteilungsvorNand, Burg- grofcnstr. 3, abzuholen. Sonnabend 7 Uhr treffen sich die Genossen auf dem Raihausvlatz.. 117. Abt. Lichtenbetg. Fluablaltverteiluug vom Genossen gandcreit, Prinz. Albert-Slr. 32, aus. Feder muß unbedingt erscheinen! 130. Abt. Panfow. Flugblattverteilung bei Korgelowski, glorastr. TZ. 8. und 0. Gruppe bei Eohukc, Wollankftr. 31. ?uaenüveranstaltungen. Perein Arbeiter-Iiigen». Sekretariat: SD. 68. Liudeastr. 3, 2. Hof link«, 2 Trcpven rechts. Telephon: Mpl. 121 08— 10. Achtung! Alle«bt-ilungc» treffe« sich am Sonntag früh«m 8 Uhr am Bahnhof Rennbahn zur Gegendemonstration gegen den„Rationalt» fiilibcn Rummel" im Stadion. Sämtlich« rot- und fch-arzr-tgoldrne s Fahnen sind mitzubringen.|| Halenfee. Eine Gründungs, und Werbefeier findet um 6 Uhr im Zetchrn- faal der 2. Gememdeichule, stoachim-Friedrich-Str. 35/38, statt. ®ii: n. il-b!>>»g Mitglieder! Di- Rachtwanderung findet, nicht statt. Die Abteilung b-lcUiqt sich g» der Gcaendcmonstratlon gegen den„Ratlgnalistifchen AuniMrl" im Siadion. Treffpunkt Sonntag früh 6 Uhr Moritzplatz(Normal- ! uhr)."_ Vorträge, verewe und Versammlungen. Treptow-Gternmarte. Die Gletscher der Schweizer Alpcnwelt werden in herrlichen Ziaturaufiiahnien in dem Film:„Wunder des Schneeschuhs" gezeigt. Boiführnug in der Zrcptow-Sternwarte am Sonntag, den 4. September, 4 und 8 Uhr, Miitwdäi, den 7. Ecpiembcr. abends 8 Uhr, Sonnabend, den. 10. Erp- temoer, abends 3 Uhr. Auhcrd-m finden noch folgende Vorträge statt: Sonn- tag, den 4. Lcpicmber, abends 0 Uhr:„Das Berner Oberland" lFilme). Dienstag, de» ti. September, abendp 7 Uhr:„Ciitstchen und Vergehe» der , Erde"(Borlrgg mit Lichtbilder» von Herrn Dir. Dr. Archenhold). Mit dem . großen Fernrohr werden bei klarem Wetter und Austreten von Flecken von 2 bis i: Uhr die Sonne, vo» S'h bis 11 Uhr Fixsterne, Doppelsterne, Ringnedel in ! der Leier oder Mond beobachtet. Führungen durch das astronomisch- Museum � siiideu täglich von 2 Uhr»ochmittogo bis 8 Uhr abends statt.— Längeech« Tcwpclhof. M. b. A. S. B. Alle Sängerinnen und Sänger treffen sich am Sonntag na'' mittag'iS Uhr in der Dorfaue, Ecke Berliner Straße, zum Ab. morsch nach Schöneberg zur Teilnahme an dem»ssentlichcn Konzert zum Dcfl-n der Riijj!a»dhilf-. Vollzähliges Erscheinen Ehrenpflicht. Rus aller Welt. Vuhrcpldcmic am Niederrhein. In München-Gladboch herrscht Typhus und Ruhr. In der Stadt kamen bisher 67 Ruhr- fälle. 52 Tpyhussälle und 4 Todesfälle, im Landkreise 37 Ruhrsälle, 38 Typhusfälle und 11 Todcssälle vor. Die Epidemie scheint ihren Höhepunkt erreicht zu haben. Apachenkamps in Cekke. Wie die Pariser Blätter melden, wurde Donnerstag nachmittai am hellen Tage ein Steuereinnehmer in Cette, der 1 Million 60 000 Frank bei sich hatte, aus der Straße niedergeschlagen und beraubt. Passanten und Gen- darmen verfolgten die drei Räuber. In der Nähe de» Babnhofs entspann sich eine w ü st e Schießerei, bei der zwei Räuber nieder- geschossen und ein Polizist verwundet wurde. Der dritte Räuber er- gab sich. Einer der Räuber ist tot. der andere schwer verletzt. Sport. D-r Deutsche Rcichsansfchuß für Leibesübungen hält heut«(Sonnabend) uvei Sitzungen ab. Am Vormittag tagt unter Leitung von Staatssekretär L-ewatd der Lorstand, um die laufenden Verwaltungsangelegcnhetten zu er» / ledigen. Er wird auch zu den Eportgefctze» Stellung nehmen. Am Nach- ____ i., iii._ i K � sii f CTtmunn< Ziimfchau. Ew TetflllPÜ'm„Söhne de» Nacht--(1 Teil.Die Verbrecher tK.m b H.) läuft im Marmorbaud. Technisch ist stmbere Arbeit geleistet worden. Vlinderlchänc Bilder und ein- Neaie. die dos llnmoglichi'e mkal-ch mach», Iroßdem aber die spi-U'-gbattc und unklare Handlmlp nicht fiberzeugend zu aeslaNen vermag. Auch die bortziigstchen Leistiinncn der Darsteller kannten den indaltlichen Mangel mcht wettmachen Bei vielen neuen Films gew/nnt man den Eirdnick. daß die Dickiler mit den yetztunaen d-r Technik mcht schritt stalten k sinnen»»d daß sie sich kiamafstait und dach vergestltch ste. müden, etwa» Nene« z» schaffen Sa kommt k«. dar«in nicht nur technisch guter Film ein Ereignis aus dielem Gebiete darstellt. Groft- berliner purtemackm�ten. Alle ivr veröffenllichung bestimmken Parksinachrichken müssen an den vezirksoerband Groß-Verlin(SPD.). Lindenslr. Z, gesandt werden. Von den Kreisen, Abteilungen usw. direkt an die Redaktion gesandte Porkeinachrichten bleiben unbeachtet. heute. Sonnabend, den Z. September: 7. fteei«. Charlottcnburg. Elteriisteirälc und Erztebungsberechtigte Irenen sich nachmittags 5 Uhr am Bahnhof Heerstraße zur gemeinsamen Besi ltläung der Charlottenburger Saldschule, ow tetciligur.g erwartet die Arbeits- gemeinschast der SPD.-Ntarnheirat«. Arbeitersport. Arbeiter-Athleten. Bi-.nd. 4.«reis. Brandenburg.(Mitglied des Sport- kartells Groß-Lcr!in für Sport und Körperpflege.) Sonnlag, den 4. September, großes, demonstrativ arrangiertes Werde-sportfest in folgenden Lokalen, wo- 'elstfi auch sportliche Vorführungen im Ringen, Heben, Bozen und Artistik statt- ii'-ien. 1. Neukölln,«arlsgarteu, Karlsgartcnstraße: 2. Philipp-Hans-F-st- älc, Treptow, Parkstr. 2; 3. Kaffee Bcllcvue, Rummclsburg, Hauvtstr. 2; 4. Pharus-Säle. Miilicrstr. 142; 5. Köpenick, echweizergarten: 6. Vergnügung,- park, ftunzfernheide, Tieptower Weg. Es ist Pflicht eine» jeden Bundeskollegen sowie Arbciteisportler, sich an diesem Feste zu beteiligen, um dasselbe zu einem gewaltigen zu gestalten. Tic östlichen Albeiter-Schachvereinc svielen am Sonntag, den 4. September, zu: Propaganda in Ollt-Etienicki, Im Bereinslokal von Arlt, Tentonenstr. 41, vormittags 3 Uhr. Alle Schachfreunde von Alt-Eltenicke stnd dazu eingeladen. Briefkasten öer Redaktion. Briefliche Auskunft wird nicht- rt« U f.- Jeder fstt den Brief- tasten bestimmten Anfrage füge man e i n e n Buchstaben und«ine Nummer bei. Eilige Anfragen trage man in der Iuristifchen Sprechstunde, Lindenstr. 3, 1. Hof vart. links, vor. Schriftstücke und Verträge sind mitzubringen. B. 50. Fwcifelhast. Kündige» Sie.— F.?. 05. Ja. Die Bestimmung, auf die sich Igie Firma deruft, tritt vorausstch.tlich erst am 1. Januar 1322 tu Kraft.-- A St 7. Sic müssen den Lcrlrag erfülle».— M. 9t. 60. 1. 65 Jahre. 12(*i Bcitragswscheu. 2. Berlin, Lindenstr. 114.— E. R. 56. Lehnen Sie die Zahlung ab und lassen Sic das Wiet-lnigiiugsamt entscheiden.- Rr. K. 54. Neichen Sie ein Beschwerde beim Zentralwohnuiigsamt, Reue Friedrich- straße 73/30, ein. Charlotte. Verein der Freidenker für Feiierbestattung, Oranienstr.»8/84. G. e. 100. 1. Nein. 2. Unscres Wissens der Deutfchdemokrakischcn Partei. Wrtter titö Sonntaq mittass. Etwa« lühler. zeilweise Hefter, aber veiäniMillch. issn der Küste»unächn noch einzelne Regenschauer, lonit meilt trocken bei mätzigen nordweiUichea Winden. Das Cnöergebms. Don T h. K o tz u r. Die große Lohn- und Gehaltsbewegung der Arbeiter, Ange- stellten und Beamten des Reiches hat ihr Ende erreicht. Die be- ruienen Gewerkschaftsinstanzen sowie die zuständigen Vertreter der Reichsregierung haben zu dem Resultat der Verhandlungen Stellung genommen und ihre Bereitwilligkeit erklärt, aus ihre Auftraggeber in dem Sinne einzuwirken, daß auch sie sich mit der veränderten Such- läge abfinden. Maßgebend für das Verhalten der Re- gierungs- und Organisationsvertreter ist die Tat- fache, daß die durch die gegenwärtige Teuerungs- welle verursachte große Not durch sofortige Aus- Zahlung der neuen Einkommensbezüge gemildert wird. Diese Auffassung hat zur raschen Erledigung der Verhond- lungen geführt und bei den Verhandlung-parteien eine gewisse Nachgiebigkeit veranlaßt. Die Frage ist nun: Wie wirkt das Endergebnis dieser großen Bewegung aus die be- teiligten Arbeiter, Angestellten und Beamten? Zur Stunde läßt sich darüber ein abschließendes Hsteil noch nicht fällen. In den nächsten Tagen dürften im ganzen Lande Dersamm- lungen stattfinden, um zu der brennenden Eintommensfrage Stellung zu nehmen. Es erscheint zweckmäßig, nicht nur im Hinblick aus die Erörterungen in den Versammlungen, sondern vor allem auch auf die Oeffentlichkeit eine Erläuterung zu den getroffenen Verein- barungen zu geben. Die jetzt abgeschlossene Bewegung stellt die größte in den bis- bcrigen wirtschaftlichen Kämpfen dar. Sämtliche Spitzenorgani- sationen aller Richtungen waren mehr oder weniger stark an den Verhandlungen interessiert und am Verhandlungstische wurde über das gesamte, mehrere Millionen starke Heer der Reichsbeamten, An- gestellten und Arbeiter entschieden. Die Verhandlungen wurden im Gegensatz zu früheren Bewegungen von vornherein auf zentraler Grundlage zwischen Reichsregierung und den Vertretern der Spitzen- organisationen geführt. Die letzte große Bewegung, die Im Januar dieses Jahres ihr Ende erreichte, hatte eine ungeahnte Mißstimmung in alle Kreise des Reichspersonals hineingetragen, weil das von den Gewerkschaften Geforderte in keinem Verhältnis zu dem Erreichten stand. Es kam deshalb darauf an, bei den gegenwärtigen Berhand- lungen diese unsoziale Abstufung aus der Welt zu schaffen. Aus diesem Grunde knüpften die anläßlich der gegen- wärtizen Bewegung eingereichten Forderungen an die im Januar gemachten Zugeständnisse an und sahen in erster Linie einen sozialen Ausgleich vor. Außerdem wurde mit Rücksicht aus die augenblickliche große Notlage ein gleichmäßiger Teue- rungszuschlag für alle Arbeiter, Angestellten und Beamten gefordert. Diele letztere Forderung wurde zum Prinzip erhoben, um das oei den Verhandlungen heiß gerungen wurde. Ein Vergleich des Ausganges der Ianuarbewegung mit der jetzt beendeten zeigt ohne weiteres den sehr auffallenden Unterschied in dem Endergebnis Die über 21 Jahre alten Lohnempfänger er- halten ohne Rücksicht auf die bisherigen Bezüge gleichmäßig in jeder Ortsklasse 1 M. Zulage pro Stunde" Demnach"erhält der" Arbeiter in der Ortsklasse E 80 Pf. mehr als bei der letzten Bewegung, der in der Ortsklasse D 70 Pf., in L 60 Pf., in L SO Pf. und tzn A 40 Pf. mehr. Rein objektiv betrachtet, muh ohne weiteres zugegeben werden, daß die geforderte Verringerung in der bisherigen Spannung de» Lohnsätze nicht eingetreten ist dafür aber die Zu- läge von 1 M. in allen Ortsklassen durchaus sozial wirkt. In der Presse wurde die jetzt bewilligte Teuerungszulage wieder- holt als„B r o t z u l a g e" bezeichnet. In diesem Zusammenhang darf daran erinnert werden, daß die Regierung die jetzt in Kraft getretene Brotpreiserhöhunq mit 105 M. pro Kopf und Jahr be- rechnet, also für eine sünsköpsige Familie 525 M. Die durchschnittliche Lohnerhöhung beträgt allerdings für den unverheirateten über 21 Jahre alten Arbeiter sowie für den mit mehr oder weniger Kindern gesegneten Familienvater 2400 M. Darin liegt zweifellos eine große Härte, aber diese gleichmäßige Zulage entspricht der grundsätzlichen Auffassung der Gewerkschaften, die sich bekanntlich auf den Boden des Leistungsprinzips stellen. Liegen nun die Verhältnisse bei den Arbeitern ziemlich einfach, so kann das leider bei den Beamten nicht behauptet werden. Aus diesem Grunde ist auch ein Vergleich zwischen dem Arbeiterlohn und dem Beamtengchalt nicht ohne weiteres möglich. Die tarif- lichen Löhne der Arbeiter gliedern sich in 7 Lohngruppen, 7 Alters- stufen und. 5 Ortsklassen! für die weiblichen Beschäftigten kommt noch eine L. Lohngruppe hinzu. Das gesamte Jahreseinkommen der Ar- bciter schwankte bisher, soweit es sich um männliche Beschäftigte handelt, zwischen 5503 M. und 14 774 M., für weibliche Beschäftigte zwischen 37S6 M. und 8514 M. Dazu kam ein Kindcrzuschlag von 430 M. pro Kind und Jahr. Bei den Beamten gliedert sich das Gehalt auf Grund der Ve- soldungsordnung nach IS Besoldungsgruppen und den Einzelaehältern für die höheren Beamten, ferner nach 5 Orts- klaffen und in den ersten 7 Besoldungsgruppen noch 8 Auf- rückungsstufen von zwei ßix zwei Jahren. In den höheren Besoldungsgruppen verringern sich die Ausrückungsstufen um einige Jahre. Während sich der tarifliche Arbeiterlohn nur aus Grundlohn. Teuerungszuschlag und Kinderzulage zusammensetzt, gliedert sich das Beamteiieintommen nach Grundgehalt, Ortszuschlag, beweglichem Teuerungszuschlag, Kinder- zulage und beweglicher Kinderzulage. Das Gesamt- s einkommen eines Beamten schwankte bisher zwischen 7750 M. pro Jahr in der ersten Besoldungsgruppe und Ortsklasse E und 45 900 M. in der Besoldungsgruppe 13 und Ortsklasse k\. Dazu kamen Kinder- Zuschläge nach Ortsklassen abgestuft, die für ein Kind im Alter bis zu 6 Jahren 1200 M. in der Ortskmsie A und 840 M. in der Orts- klasse E schwankten. Für Kinder bis zu 14 Iahren waren die Sätze 1500 M. in A und 1038 in E. Aus dem bisher Gesagten ergibt sich eine sehr komplizierte Be- rcchnungsmcthode und auch eine unübersehbare Zahl von Gehalts- sätzen. Zwischen den Arbeiterlöhnen und den Beamtengehältern laufen dann noch die Bezüge der außerplanmäßigen Beamten, die auf Grund einer sogenannten Diätenordnung ermittelt werden. Es genügt, darauf hinzuweisen, daß bei den Verhandlungen sowohl von den Vertretern der Regierung wie der Gewerkschaften zugegeben werden mußte, daß die schwierige Frage der Diälare und die prak- tische Auswirkung der zugestandenen Verbesserungen erst nach gründlichster Prüfung und Berechnung zu übersehen sei. Zum besseren Verständnis fei darauf aufmerksam gemacht, daß die Diätare in ihrer Mehrheit aus dem Arbeiterocrhältnis hervorgehen und bis zu ihrer Ueberführung in das Beamtenverhältnis nach dem Lohn- tarifoertrag gelöhnt werden. Da aber nun die Diätenordnung nur bestimmte Prozentsätze des Einkommens des planmäßigen Beamten vorsieht, andererseits aber der ins Beamtenverhältnis übergegangene Arbeiter in seinen Bezügen nicht geschädigt werden konnte, mußte zu dem Mittel der Ausgleichszulage gegriffen werden. Das hatte den großen Nachteil, daß z. B. bei der im Januar beendeten Be- wegung viele Diätare ihren Teuerungszuschlag auf die Ausgleichs- zulage angerechnet bekamen und praktisch somit keine Ausbesserung ihrer Bezüge erhielten. Das Wort von dem Diätarelend war deshalb auch keine Phrase. Die Wirkung der Lohnerhöhung für die Arbeiter ist bereits oben dargestellt. Hinzugefügt kann noch werden, daß die jugendlichen Arbeiter von 18 bis 21 Jahren bei der vorletzten Lohnbewegung mit den über 21 Jahre alten gleichgestellt wurden. Diesmal erhalten sie pro Stunde nur 80 Pf., die unter 18 Jahre alten Arbeiter erhalten 50 Pf., die unter 16 Jahre alten Arbeiter 30 Ps. pro Stunde. Im übrigen braucht auf Einzelheiten der getroffenen Verein- barungen im allgemeinen nicht eingegangen zu werden, weil darüber in früheren Nummern des„Vorwärts" das Erforderliche gesagt wurde. Bezüglich der Einkommensverbesserung für die Beamten ist noch hervorzuheben, daß die Spannung von 15 Proz. zwischen den Orts- klassen bis E auf 8 Proz. verringert worden ist. Dieser Fort- schritt ist um so mehr zu begrüßen, als es den Gewerkschaften nicht gelang, bei der neuen Ortsklasseneinteilung die Klassen D und E zu beseitigen. In ähnlicher Weise wie die verringerte Differenzierung zwischen den Ortsklassen wirkt auch die neue Kinderzulage sozial ausgleichend. Die Kinderzulage erhöht sich jetzt für Kinder bis zum 6. Jahre pro Kopf und Jahr in Ortsklasse und B um 240 M., in Ortsklasse C, i D und E um je 360 M.: für Kinder bis zum 14. Lebensjahr erhöht sie sich in Ortsklasse A um 300 M., in B um 288 M.. in C um 438 M., in D und E um 462 M.: für Kinder über 14 Jahre in A, B und C um 360 M. und in V und E um 540 M. Die jetzt beendete Bewegung stellt eine Etappe auf dem Wege zur Verbesserung der Einkommeiisocrhältnisso dar. Je nachdem die Teuerung sich verschärft und die zu erwartenden neuen Steuern das Lohn- oder Gehalbseinkommen belasten, wird eine zweite Etappc die Folge sein. Schließlich sei noch erwähnt, daß auch die Ein- kommensbezüg» für die Beamten- und Arbeiter- Pensionäre sowie für die Witwen und Waisen eine e ntsprechende Aufbesserung erfahren. Für die Be- amten ergeben sich die Verbesserungen aus dem Pensionseraänzungs- gesetz, für die Arbeiterpensionäre sind die dazu erforderlichen Vor- arbeiten im Reichsarbcitsministcrium in vollem Gange. Auf die Tatsache, daß bei den größeren Teuerungszulagen der höheren Besoldungsgruppen auch höhere Steuersätze in Ansatz kommen, sei nur nebenbei aufmerksam gemacht. Wir sind davon überzeugt, daß das Gesamtergebnis in weiten Kreisen der Arbeiter, Angestellten und Beamten nicht befriedigen wird,' aber den Kritikern darf gesagt werden, daß sie, falls sie am Verhandlungstisch mitgewirkt hätten, ohne weiteres zu der Ueber- � zeugung gekommen wären, daß seitens der Gewerkschaftsführer nichts unversucht geblieben ist, um ein noch aünstiqeres Resultat zu erzielen. Die letzteren konnten sich aber am Schlüsse der ausgedehnten Ver- Handlungen der Auffassung nicht verschließen, daß die äußer st e Grenze der Verhandlungsmöglichteiten erreicht und ein anderes Resultat nur im Wege des Streiks zu erzielen ge- wefen wäre. Daß der Streik angesichts der von der Regierung ge- machten Zugeständnisse nicht mehr zur Anwendung kommen kann, darüber wird kaum noch irgendwo ein Zweifel bestehen. ihre Interessen vict mehr noch als früher kollektiv als Klasse, nicht individuell wie früher als Einzelperson zu ver- treten. Gerade die größten Werke waren es, die zuerst diesen Weg gegangen sind, in der Erkenntnis, daß die Möglichkeit der Aufrechterhaltung der kapitalistischen Wirtschaftsform nur unter Preisgabe der eigenen Selbständigkeit besteht. Hapag-Deutsche Werft-Gute Hoffnungshütte schließen sich zusammen. AEG.-Krupv- Linke-Hofmann-Werke-Rheinische MetaUwarcn-Fabrik(Ehrhardt)- Eisen-Grohhandel Wolf-Köln gehen eine Interessengemeinschaft ein. Alle diese Firmen haben wiederum ihrerseits eine große Reihe von Firmen in sich aufgenommen. Bei dem sogenannten Slnilinkonzern hatte diese Entwicklung bereits vor dem Kriege eingesetzt. In der Brau- und Spritindustrie haben die größten Firmen Konzerne ge- bildet, wie beispielsweise Schultheiß-Patzcnhoser mit Kahldaum- Breslauer Svritfabrik. In der Textil- und Bekleidungsindustrie ist der gleiche Vorgang zu verzeichnen. Es sei hier nur auf den Kar- stadt-Konzern hingewiesen. Da- gewaltigste Beispiel kapitalistischer Konzentration ist die Siemens-Rhein-Elbe-Schuckert-Unioit» welche die- Siemens u. 5)alske A.-G., die Siemens-Schuckert-Werke G. m. b. H., die Schuckert-Werke, die Gelsenkirchener Bergwerksgesellschaft, die Deutsch-Luxemburgische Bergwerksgesellschnft umfaßt, während letztere beiden wiederum der Bochumer-Verein für Bergbau- und Gußstahlfabrikation und jedem einzelnen dieser an sich schon ge- waltigen Werke eine Reihe weiterer Unternehmen außerdem ange- schlössen ist. Die Gründe, welche beispielsweise die Siemenswerke geleitet haben, ihre Selbständigkeit aufzugeben, hat der Vorsitzende des Aufsichtsrates Karl Friedrich von Siemens in der Generalversammlung im Dezember 1320 wie folgt gekennzeichnet: „Unsere Pflicht ist, auch unter Zurücksetzung persön- licher Gefühle mitzuarbeiten an der Entwicklung von Wegen, welche es unserem Aaterlande ermöglichen, bessere Tage zu erreichen. Das kann aber nicht in der Befriedigung des Egoismus, sondern nur in der Unterordnung unter höhere Gesichtspunkte geschehen." Dieser Ausspruch beleuchtet blitzartig die ganze Situation?md kennzeichnet mehr als vieles andere die gewaltige Umstellung, welche der Krieg auch innerhalb der kapitalistischen Wirtschaftsordnung selbst hervorgerufen hat. Wenn auch die„Besseren Tage", denen „unser" Baterland entgegengehen soll, im Sinn« des Herrn von Siemens dem Kapital zugute kommen sollen, so steht doch un- zweifelhaft fest, daß der Einzelegoismus des Unternehmers so gut wie überall der Klassensolidarität der Unternehmer weichen muhte. Aus diesen Gründen ist die gewaltige Siemens-Elbe- Schuckert-Union entstanden, die von ihren Gründern selbst„Werk- union" genannt wstid. Auf dem Wege dieser Entwicklung stoßen nun die Interessen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer aufeinander. Die Arbeit- g e b e r treffen ihre Maßnahmen, um die Klassenherrschaft des Kapitals zu sichern, die Arbeitnehmer erstreben die Beseiti- gung der Klassenherrschaft und wollen den Sozialis- mus an die Stelle des Kapitalismus setzen. Es arbeiten so zwei große Kräfte: der Kapitalismus als ein Teil von jener Kraft, die das Böse will und das Gute schafft, das Proletariat bewußt als Kulturkämpscr daran, einen Zustand zu erreichen, in welchem es keine Klassen, sondern nur noch Menschen gibt. Wirtschaft Konzenkralion und Klassenkampf. Seit dem Kriege hat die Verbandsbildung in Handel und Industrie und die Konzentration der Betriebe einen starken Auf- schwung genommen. Auf die>e Weise sind auch die wirtschaftlichen| Verhältnisse grundlegend andere geworden, haben sich geradezu gewaltige Umstellungen vollzogen, die den Charakter j der kapitalistischen Wirtschaftsform außerordentlich beeinflußt haben und für die Arbeiter von größter Bedeutung sind. Vor dem! Kriegs waren, im großen betrachtet, die Unternehmer Herren ihrer Betriebe und konnten innerhalb derselben schalten und walten nach Belieben und eigener Verantwortung. Heute ist dies anders, geworden und die von dem Kapitalismus durch den Weltkrieg selbst � geschaffenen Zustände baden de Selbständigkeit des Einzel unter- nehmers so gut wie ausgehoben und die Kapitalisten gezwungen, Reichswirlschafisrat aeoen Wasscrkraslsteuec. Der Wirtschaftliche und der Kohlenausschuß des Vorläufigen Reichswirtschaftrates beschäftigten sich in einer gemeinsamen Sitzung am 1. September mit einer Eingabe der Handelskammer B r e s- lau, die die Einführung einer Wasserkraftsteuer vorschlägt. Zup Begründung wird in der Eingabe angeführt, daß durch eine Er höhung der Kohlenstcuer ohne gleichzeitige Schaffung einer enr- sprechenden Wasserkraftsieuer die Konkurrenzfähigkeit der Industrie- zweige, die auf die Ausnützung der Kohlen als Kraftquelle ange- wiesen find, schwer beeinträchtigt würde. Es fei eine Forderung der Gerechtigkeit, durch steuerliche Belastungen der Wasserkraft einen Ausgleich zu schaffen Zu der Eingabe waren eine Reihe von Sachverständigengutachten eingeholt worden, die darin über- einstimmten, daß eine Besteuerung der Wasserkräfte nicht angebracht lei. Der Ausbau unserer Wasserträste sei noch zu sehr in der Entwicklung begriffen, als daß sie schon eine Steuerquelle bilden könnten. Auch die Vereinigung der Elektrizi- tätswcrte erklärte sich grgen die Absichten der Eingabe. In der Ans prache wurde eine Besteuerung der Wasserkräfte allgemein abgelehnt, besonders die Vertreter Süddeutsch- l a n d s hoben hervor, daß der mit Wasserkräften reicher gesegnete Süden eben darin nur einen bildligen Ausgleich für die höheren Transportkosten finde, die er infolge seiner Entlegenheit von den Lagerstätten für die durch Wasserkraft nicht ersetzbare Kohle auf- wenden müsse. Eine Besteuerung der Wasserkräfte werde nicht nur auf den Ausbau von Kraftwerken, sondern vor allen Dingen auch auf den finanziell meist daraus sich gründenden Wasserstraßenbau lähmend wirken. Dieser Auffassung schlössen sich auch Rocjicrungs- Vertreter Württembergs und Bayerns an. Die Ausschüsse faßten daraufhin gemeinsam folgenden Beschluß:„Der Wafserwirtschasts- und oer Kohlenausschuß des Vorläufigen Reichswirtschastsrates haben sich in gemeinsamer Sitzung dahin schlüssig gemacht, daß dem Antrag der Handelskammer Breslau auf Einführung eince Wasserkraftsteuer keine Fo'ge zu geben ist. Sie sind der Ansicht, daß der mit allen Mitteln zu fördernde Ausbau der Wasier- kräfte dadurch gehemmt und teilweise unterbunden werden würde. /'.......... EXTRA BILLIGES ANGE Steingut Teller, tief und flach....... Tasse mit Unt., weiß und bunt... SatT Schüsseln, 6 teilig, weiß... Satz Schüsseln, 7 teilig, weiß... Waschbecken, creme...... Waschgarnituren, Steilig..... 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ONobcr. eoentl. sofort. �_____ dir Geschäftsstelle des„Borwärts" unter k>. 29. der P.irleipresfe. erste Kraft selbständige! Leiiartitler, S�svHlStellW oder auch späler. Angebote a» Der Parteitag üer Rechtsbolschewiften. Zweiter verhandlungskag. München, 2. September.(DDZ.) Vor Eintritt in die Tages- ordnung teilte Staatsministcr a. D. herg! mit, daß einzelne vor- gesehene Vorträge fortfallen muffen, darunter der des Pro- fessors v.©ruber über die völkische Frage als Raffen- frage. Seit Hannover stehe in dieser Beziehung der Standpunkt der Partei unverändert fest, und der heutige Parteitag solle auch wissenschaftlich die Haltung der Partei begründen, dazu gehör» aber nicht diese Frage, und die Tagesordnung sei st a r t über» lastet So habe man sich schweren Herzens entschloffen, diese Frage zu vertagen und eine besondere Tagung vor- zubereiten, die schon in allernächster Zeit stattfinden soll«. lOffen- bar kann man sich noch immer nicht entschließen, auf das �Zuden- geld" ganz zu verzichten. Red.) Sodann nobm Chestedakteur Abg. Paul Bäcker-Berlin das Wort und protestiert« im Namen der vergewaltigten P reffe der Rechten gegen die Z e i t u n g s v e r b o t e der Regierunng. Toppelt w o h l t u e n,d sei es, daß der Parteitag auf b a y e- r i s ch e m Boden stünde, wo doch noch ein Stückchen deutschen Rechts geborgen sei. s?!!) Möge Bayern, fuhr Redner fort, das Seine dazu beitragen, daß das verletzte Recht im Reiche wieder» hergestellt wird. Bon dem Reichskanzler ober, der mehr So- ztalist als Zentrumsmann ist, kann die Stellungnahme nicht wunder- nebmen. Jetzt gilt es, der Unabhängigkeit der Rechts- pflege zu Leibe zu aehen. Gegen diesen ersten Schritt zur Sowsetregiernng Deutschlands erheben wir warnend unser« Stimme. Wir sollen die Wahrheit nicht verkünden, aber ste spottet oller Schranken und wird st-.b durckseßen, bis es einst wieder heißt: Ein t'olk, ein Reich, ein Kaiser.(Stürmischer Beifall.) Redner bringt sodann eine Entschließung ein, welche die Mordtat an Erzberger verurteilt und die v« r» logen« und volksoergiftende Hetz« g«aen die national gesinnten Kreise zurückweist. Die Entschließung hält unter Ab» lehnung aller Gewaltmittel daran fest, den politischen Kampf aus dem Boden von Recht und Gesetz zu führen, sie protestiert gegen die Maßnahmen der Reicksregierimg und laot schärfsten Kampf bis zur Wiederherstellung der ver- . faffunasmäßigen Recktsglcickheit an. Professor Dr. Vrunskaed-Erlangen spricht sodann über v 0 l- tisch-nationale Erneuerung, die im Intereffe der Selbsterbaltuna und der Würde Deutschlands not- wendig sei. Der Wille der Notion ist dazu bestimmt, daß die 5ckeale des Belkes in die Wirklichkeit umgesetzt werden; dazu gehört Macht, und es gibt nichts Lächerlicheres, als den Geist von Weimar und Potsdam gegeneinander ouszu- spielen.(Beifall.) Fort mit dem Internntionalis- mus, zurück zum reinen Volkstum, wie es seine Blüte von l 7 50 bis 1830 batte, zum nationalen Kulturstaat. Fort mit dem Torrismus und allen undeutschen cehrmischauungen. die sich setzt bei uns breitmachen. Scham und Schande rührt unsere wieder ouk. Der d e» t s ch- v ö l k i s ch e Geist hat sein Ziel in der Bereicherung der Seele, nicht in der Anhäufung irdischer Güter. 'Was sauste nu, Ei'el-Schieberich?) Der Antisemitismus ist eine negative Waffe, unsere positiven Aufgaben der Erneue- rirng des Volkstums sind wichtiger. Zweifellos ist das Juden- tum ein fremdes Volkstum in unserem Volkstum. Mr achten diese« Bolksinm(?), wie wir unser eigenes Bolkstum achten, aber es wäre wahnwitzig, diesem Volkstum unsere Fü h r e r sch oft anzuvertrauen.(Stürmischer Beifall.) Aber wir dürfen nickt vergessen, daß unser Volkstum stark genug gewesen ist, einzelne Elemente aus jenem fremden B�kstum zu uns herüber» mzicben(bzw. und vor allem ihre Moneten). Aber das ünd Au s n a b m e e r ick ein u n g e n: im alluemeinen bat der H"de kein völkisch-s Empfinden. Der zersetzende, scharf anasysierende 'Rand ist seine Waffe, dazu die skn'velsole Verwendung der anqe- l'äuften Gelder. Unsere Zutnnst lieat nickt in der Mauserung > der Sozialdemokratie sondern in einer kröltioen Förde» rung der nationalen Arbeiterschaft. lBeilall.) Der ArNRer muß entproletariliert und durch Siedlunaen ansässig aemacht werden. Lib-rall«mus, der sich nicht aus den Boden kcusmmkiiee Anschauung stellen kann, ist sinnlos. Redner schließt mit Arndts Warten: Di« Treue stets zuerst, zuletzt im Himmel und auf Erden.(Sttirmilch-r minvtenlanaer Beifall.) Frau Abg. Paula Wüller-Otfried aibt einen Ueberblick über die Kleinarbeit und schildert die Mitarbeit der Frau an der völkischen Erneuerung. Die Folge des F r a» e n st i m m» rechts dat zu einer Stärkung der Rechtsparteien ge» Wirt. Die Frau hat zu foraen, daß die Märchen ,i unserer Schuld a m Krieae verstummen, daß unsere Ju o weiß, daß nur Undank den blanken Sckild unserer Helden de- sudelte und daß unsere riebe noch immer unserem Kaiser und nnlarem llandessürsten gilt.(Beifall.) Rednerin plädiert für ernstes Eintreten im völkischen Sinne und vraktischen Antisemi» t i s m u s. Die Saat muß gesät werden, wenn auch erst die kam- wende Generation ernten wird. Dorum: Arbeit von Frau zu Frau christlich und national! Das ist unser Versprechen an Partes.(Stürmischer Beilall.) Staatsminister Dr. Wallraf forscht über die Ereiqnisie in der ÜP e st m a r k. Wir dürfen ha? Deutschlandlied nickt mehr singen, aber es klinot in unstrem Innern Dort kann es k'tn Feind töten. (Beifall.) Dar demokratische Gedanke vom Elnheilsslsst ist nicht einmal ein schöner Traum. Auch wir wollen unsere Eigenart behalten unter dem alten sckwarzwetßroten Bonner. Der alt« deutsch« Kaiseraar wird uns den Morgen bringen.(Stür- Mischer Beifall.) Noch der Mitkaoevauke erlloltet Abg. Dr. Röffcke Berichs über ve A>f,e!t»n des Ausschusses kür Untersuchung der hohen Preise für landmirtschostliche Produkte. Redner kommt zu dem Schluß, doß, von Ausnahmen aboelehen, die Land- Wirtschaft nicht zu hohe Preise nebme. Man muß daran denken, doß unsere Landw-rtschost noch der jahrelang betriebenen Ausbeutung des Bodens, der Maschinen und Geräte zur Reu- beschoffuna der Ausstattung gezwungen ist. wenn sie Deutschland ernähren soll. An der Lrotteueruno. trägt die Landwirtschaft keine Schuld, vielmehr das Auslandgetreide. Der jahrelang niedrig n<-ho.ltene Brotvreis war nur eine volittfche Vorspiegelung. Der Reichszuschuß mußte eben durch dl- Steu-rzaHler onsaeqlichen werben. I-bt ober, wo dos Reick kein« Z"schüffe webr lettten kann, w'Re d-r �rotnreis erböbt tv-rd-n. Redner ovvelliert an die Land» wirte. die Umlage pünkttich z" entrichten. Sie mürben bowit dazu b-ib-aaen, o"ch di- letzten Vorwürfe gegen die Landwirt- schoft zu entkräften.(VeifoU.) Dr. Eberl« hält das R-s-rat über Wiederaufbau und M i t t e l st a n d. Aktiengeselllchasten v-rdrönaen die Brivotb-trsebe,. »nd die B-'densprkulotian fübrt zur Sckaffuna neuer Großstädte. R mackt sich der k a v s t 0 l i st i s ch e Druck ebenso wie aegen den Arbeiter auch aeaen den ks-i'-en Gewerbetreibenden aets-nd. ilntz wenn ww nnck WabrbR ringen, wollen mtr offen --'Neben, dnf' e«! eine Echnsti r-'n a-bifbe�'w Dertt'-e'snnds itt. nickt --Pf 50 iinbrrn d-w'U b-b»n. A-bon"'--"-- tzntt, » nickt die �ns, n-ewi-re-, f*—»en. wnß rino»'-e!'�en------�-n. B-dner plädiert für staatlichen D!" soziale Spannung kann nur durch Förderung des Mittel stände? ausgeglichen werden, denn hier bietet sich die Möalichkeit z"m Aufstieg Es falgt eine kurze Ans- ip r a ch e, in der sich der Abg. Lind dafür aussprach, die deutsch- nationalen Grundsätze bis in die kleinste Bauernhütte hineinzu- tragen und die Drücke über die Gegensätze zu schlagen, die leider die verswchle Huden, wangswirischaft geschaffen liabe.(Die..verfluchte I-idenzwongswirtschast" wurde bekanntlich Anfang ISIS mit der Brotrationierung eingeführt und während des Krieges auf besonderen Wunsch der Obersten Heeres- leitung immer mehr ausgebaut. Verantwortlich für die„Juden- zwangswirtschalt" sind u. a. Bethmann Hollweg, Helfferich, von Vatocki, Ludendorff, Wilhelm II., Edler von Braun, Hindenburg, General von Stein, kurz lauter Juden.) Rüsten wir uns zum letzten Kampf gegen rote und goldene Jnter- national«! Kapitän Kiefewetter-Hamburg spricht über die Flaggen- frage. Dos Verhalten des Reichstages hat schwer ent- täuscht. Wir wollen unsere alte Fahne auch in Zukunft behalten, Profeffor Pikker-Hamburg beklagt die Jugendvergiftung. die im Krjeg zu Verrat und Desertion geführt habe. Höchste Zeit sei es, den neuzeillichen Bestrebungen entgegenzutreten, welche di« Jugend Gott uns Kaiser vcrgeffen ließen. Ge- rade H a m b u r g sei mit seinem Schulwesen am schlimmsten daran, denn hier werde mit den Schuleinheitsbe strebungen geradezu Unfug getrieben. Er bitte die Reichstagsfraktion um ihren Beistand. Herr von Forsiner Greifswald beklagt die schwere Verurteilung des U-Boot-Leutnants Dithmar uno bittet, dem un glück- Henojpnnen! Genossen! mu alle m MtoiMeilai am Sonntag morgen. Treffpunkt um y Uhr tu den Sezkrkslotalen. lichen Opfer der Politik von hier aus die Sympathie zum Ausdruck zu bringen. Jedenfalls muffe dt» Partei dafür sorgen, daß da« Urt.N im Reichstag besprochen werde. Redner schließt mit der Mahnung, nie den Tag der Rache vvd Vergeltung zu vergessen. SerstRLrnberg fft nicht damit einverstanden, daß der Antiiemifismus nur eine negative Waffe fei. Im Gegenteil, er soll unser deutsches Fühlen und Denken von dem Züdischev Schmutz befreien. Das Zeitungsverbot beleuchtet den Weg, den das Reich jetzt geht. Wollen wir warten, bis jüdisch- rot« Flut auch zu uns kommt, bis unser« Führer am Laterne pfähl hängen, bis es zu spät ist? Herr Hergt hat In lehr anständiger Form vom ententistischen System gesprochen. Warum hat er nicht deutlich von dem IlldischenSypem gesprochen. Das hätte jeder Deutsche verstanden. Wir wollen jedenfalls, daß das Kind beim Namen genannt wird, und wir Wüllen alle, ob wir wollen oder nicht,»inmal durch das jüdische Laosoleum hindurch.(Beifall.) « Aus Losteu der Steuerzahler. Im„Schweidnitzer Kreisblatt" Rr. 203 gibt der Kreisarzt D r. G e i ß l e r aus Herzberg an der Elster bekannt, daß er zwecks Teilnahme am Parteitag der Deutschnation a l en bis zum 4. September beurlaubt fei usw. Dies geschieht im a m t l i ch e n Teil, für den der Staat Inseration«gebühren bezahlen muß. Niemand wird Herrn Dr. Geißler seine Teilnahme am Hakenkreuzlertag verweisen wollen, aber die Unkosten möge er selber tragen.. versuchte Sabotage. „Tcmokrntcn" an der Arbeit. Die Eingriffe staatlicher Behörden in di« stödtisch« Selbstverwaltung haben in der letzten Zttt wiederholt unseren schärfsten Protest herausgefordert. Wie bei der Steuergesetzgebung, so haben sich auch in der Schulpolitik die Parteien des Bürgerblocks hinter di« staatlichen Behörden gesteckt, um hier das zu erreichen, was ihnen innerhalb der Berliner Verwaltung selbst unmöglich war. Die gestrig« Sitzung der Schuldeputation hatte sich mit einem der haarsträubendsten dieser Fäll« zu beschäftigen. Im Ver- folg eine« Magistratsbeschluffes halt« der Oberstadtschulrat von Berlin eine Rundfrage an alle Berliner Schulen gerichtet, durch die das Material für die Einführung einer kollegialen Schul- oerfaffung in Groß-Verlin geschaffen werden sollte. Dieses selbst- verständliche Recht der Schuwerwaltung, Fragen an die Schulen ihres Amtsbereiches zu stellen, durchkreuzte die Potsdamer Regierung durch einen Erlaß an die städtischen Schulen, in dem es wörtlich heißt:„Wir ersuchen Sie daher, den Lehrerkollegien ... eine Befolgung der Anregung des Herrn Stadtschulrat Paulsen in unserem Namen zu untersagen." Das Provinzialschulkollegium hatte für die ihm unterstellten Schulen eine nicht ganz so plumpe Form wählt, die aber faktisch aus dasseloe hinauskam. In der gestrigen Sitzung der Schuldcputation standen die Antwortschreiben der Deputation an Regierung und Pro- oinzialschulkollegium zur Debatte, die die Rechte der städtischen Selbstverwaltung wahren sollten. Man hatte nun meinen sollen, daß die berufenen Vertreter der Selbstverwaltung hier samt und sonders wie«in Mann die Uebergrisf« der Regierung zurück- gewiesen hätten. Statt besten erlebte man das beschämende Schauspiel, daß die bürgerlichen Purteien— wieder unter Voran- tritt des Demokraten Herrn Merten— sich hier als Verteldiger der Uetergiiffe der Regierung aufspielten. Sie fanden kein einziges Wort lür die bedrohte städtische Selbstoerwal- tung, ste waren einverstanden damit, daß der Berliner Schuloer- waltung auch die allernotdürstigsten Rechte und Berechtigungen ein- fach aus der Hand genommen werden sollen. Von dem Vertreter unserer Fraktion ist diese skandalöse Haltung gerade der Demokratischen Fratlion und ihres Wortführers gebührend festgenagelt worden. Rur um di« ihnen verhaßte freiheitliche Schul- verfaffung und di» ihnen noch verhaßtere Beteiligung der Eltern an der Schularbeit zu hintertreiben, geben die bürgerlichen Parteien kalt lachend die allcrclementarsten Recht« städtischer Selbstverwal- tung preis. Als in der Abstimmung die sozialistischen Parteien in der Mehr- heit blieben, versuchte der Bürgerblock die Absendung der beiden Schriftstücke an Regierung und Provinzialschulkollegium durch die Forderung einer zweiten Lesung zu sabotieren. Aber auch diesen Gewaltstreich wußte unser« Fraktion zu durchkreuzen, indem auf ihren Antrag deschloffen wurde, die nächste Sitzung der Schul- deputation bereiis ani Sonnabend abzuhalten. So ist zu hoffen, daß die beiden Dokument« kommunaler Selbstachtung, in denen die städtische Schulverwaltunz ihr« Recht« wahrt, allen reakv ti o n ä r e n und„d e m o t r a t' s ch e n" Quertreibereien zum Trotz bereits heute abgehen können. Republikanische Schuhpelizei. Ein erhebendes Bekenntnis zur Republik legte die Magdeburger Schutzpolizei ab. Um 7 Uhr morgens versammelten sich die Beamten im großen Saal des Kon- zerthauses. Polizeipräsident Gen. Krüger hielt eine Ansprache, noch dieser wurde«instimmig eine Entschließung angenommen, in der die Schutzpolizei ihre Treue zur Verfaffung und Republik betont und sich gegen all» gesetzwidrigen Gewalttaten wendet. Die Versammlung war von den drei großen Organisationen der Schutzpolizei gemein- schaftlich veranstaltet. Keine Anhörung Deutschlands?\ Senf, 2. September.(DIB.) Der polnische Delegierte bei der vötkerbundsoersammlung, Professor Askenasy, machte bei dem Vorflhenden des Völkerbundrat» einen Besuch, in dem er den polnischen Standpunkt zur Frage der Teilnahme Poleng an den Beratungen über die oberschlesische Frage darlegte. Er bestätigte außerdem feine Aufsassung in einem Schreiben an den Porsitzendeo des Pölkerbundraks, das folgenden Wortlaut hat: „Beseell von heißem Betfrauen in den Völkerbundrat und entsprechend der mündlichen Erklärung, die mir gestern Eure Exzellenz gegeben, habe ich die Ehre, im Austrage meiner Regierung dem völkerbundrat mitzuteilen: Obgleich die polnische Regierung an dem Recht festhält, das ihr nach§ S des Artikels 4 des Paktes zusteht, macht sie gegenwärtig keinen Gebrauch von diesem Recht." 8 S des Artikels 4 besagt: Jedes Mitglied des Bundes wird aufgefordert, einen Delegierten zu ent enden, der an den Sitzungen teilnimmt, wenn eine Frage vor den Rat gebracht wird, die dieses Mitglied besonders angeht.' Damit soll, offenbor auf französischen Wunsch, einer An- hörung der deutschen Vertreter vorgebeugt werden. Polen kann um so leichter auf das ihm zustehende Recht„verzichten", als es ja in Frankreich einen unbedingten Vertreter seiner Wünsche und Interessen im Völkerbundrat besitzt. Dazu kommt noch der Umstand, daß die polnischen Delegierten im Völkerbund jederzeit durch„inoffizielle" Pesuche und Be- sprechungen in der Kulisse die Möglichkeit befitzen, die Mit- alieder des Rates zu bearbeiten und zu beeinflussen, während Deutschland jede Einmischungsmöglichkeit versagt ist. Der Völkerbundrat hätte u. E. vernünftiger und gerechter gehan- delt, wenn er die beiden Parteien ausgefordert hätte, ihm ihre Ansichten vorzutragen. Der Brief Askenasys sieht viel zu sehr nacks einer abgekarteten Sache aus, als daß er ge- eignet wäre, Deutschlands Vertrauen in den Völkerbundrat zu heben. Das nackte Ergebnis dieses Techtelmechtels bleibt näm- sich für uns: Deutschland wird überhaupt nicht angehört, ohne jeooch die Garantie zu erhalten, daß auch Polen nicht etwa unter der Hand doch angehört wird. Senf, 2. September.(EP.) Auf das(oben abgedruckte) Schrei- ben Dekenazys hat Präsident Jshii mit einem Schreiben qeant- wartet, in dem er für das dem Rat ausgesprochene Vertrauen dankt und erklärt: Wenn die polnische Regierung später einen Anspruch hinsichtlich des genannten Paragraphen machen sollte, würde ich nicht verfehlen, ihn dem Völkerbundrat zu unter- breiten. Senf, 2. September.(WTB.) In Erklärungen an die hiesige Presse betont« Bourgeois- Frankreich nochmals, daß die Ueberweifung der oberjchlesischen Frage an den Viererrat das Desintereffement der Vertreter der Großmächte nicht bedeute, die vielmehr in engem Kontakt mit dem Viererrat bleiben würden. Auch hob Bourgeois hervor, daß die gegebenen- falls anzuhörenden Bewohner Oderschlesiens, polnische und deuisthe Persönlichkeiten, aber keine Vertreter der Regierungen sein werdeu. » In feiner gestrigen Sitzung beschäftigte stch der Völkerbundrat in der Hauptsache mit der durch den von jugoslawischer Seite unter- stützten M i r i d i t e n- Aufstand geschossenen Lag« in Albanien. Die Frage wurde an die Vollversammlung oerwiesen. Ministerrat in Paris. Paris, 2. September.(MTB.) B r i a n d unterrichtete heute den Ministerrat über die äußer« Lax«. D o u m e r berichtete über die Arbeiten der interalliierten Iiyanzkonferenz. die kürzlich in Parts zusammentrat und zu dem Abkommen vom 13. August führte. Die Minister werden heute nachmittag die Ve- stimmunzen dieses Abkommens prüfen. Pari», 2. September.(WTB.) Hawas meldet: Im Laufe der zweiten Zusammenkunft des Ministerrates, der heut« nachmittag stattfand, hat der Ministerrat die Beschlüsse beraten, die durch die Finanzkonserenz vom 13. August vorgeschlagen worden waren unter dem Vorbehalt des französischen Delegierten, seiner Regierung dar- über Bericht zu erstatten. Der Ministerrat war der Ansicht, daß mehrere von diesen Beschossen einerseits im Widerspruch ständen mit den Bestimmungen des durch die Anwendung des versailler Vertrages aufgestellten Zahlungsstakuis. und daß sie andererseits den Befugnissen der Reparalionskommifsion Abbruch tüten. Unter diesen Umständen wurde beschlossen, mit den Verbündeten die strittigen Punkte in versöhnlichem Geiste noch einmal zu er- wägen und mit ihnen solche Lösungen zu suchen, die geeignet wären, die Rech:« eines jeden im Einklang mit den Bestimmungen des Friedensvertrages und den späteren Abmachungen zu wahren. Die Regierung wird Derhanillungen in diesem Sinne anknüpfen. Minister L o u ch e u r erstattete über die Wiesbadener Verhandlungen Bericht. Obwohl dieses Kommunique auf ein deutliches Abrücken des Ministerrates vyrn Finanzminister D o u m« r schliefen läßt, meldet Est-Europ« als Ergebnis dieser Sitzung, daß«ine Finanz- min i st e r k r i s« vermieden worden ist. Weiter berichtet dies« Agentur, daß der Ministerrat beschloß/ den Kricgsminister B a r t h o u zu beaustragen, di« Regierung am 3. Oktober in M e tz bei der Ent- hüllung des Denkmals für den verstorbenen Führer des Re- vanchenationalismus Paul Deroulede zu vertreten. Das französische Tcfizit. Paris, S. September.(WTB.) Wie„Libsrte" mitteilt, bleiben die französischen Steuereinnahmen gegenüber den An- sätzen des Budgets weiter ernsthaft zurück. Das Defizit betrage im August mehr als 3 SLfl 000 Frank und sei seit Beginn des Jahre höher als 25 Millionen Frank. des Jahres höher als 23 Millionen Frank. Turati für Koalitsonsvolitik. Malland. 2 September.(TU.) Die Mailänder Sektion der Sozialdemokratischen Partei hat mit der Erörterung der politi- schen Richtlinien für den kommenden Kongreß begonnen. Turati legte in einer zweistündigen Rede die maßgebenden Gründe dar. die eine Mitarbeit der Sozialdemokratie ratsam er- scheinen lassen. Nicht persönlicher Ehrgeiz beseele ihn, sondern die Uebcrzcugung, daß die Sozialdemokratie dem Wohle der Arbeiter Massen durch volle parlamentarische Mitarbeit bei der Wandlung des sozialen Geistes der Nation weit besser dienen werde als durch ihre bisherige unfruchtbare Gesnerschaft. Abküstunqi Aus New Park wird vom I. September gemeldet, daß der U« b e r d r e a d n o u g h t Washington vom Stapel ge» lassen wucd«. Das Schisf verdrängt 33 390 Tonnen, wird e l e k- irisch betrieben und seine Bemannung beträgt 1411 Ossiziere und Mannschaften. � well ihre Kunden Monatsnboimenten sind: im Gegenteil, sie„sparten solchen Togen die Löhn«. Hat s« ewer der Wettenden, die sich der Dienste dieser Gesell. schost bedienen, schon einmal nachgedacht, wie sie ihre Angestellten bezahlt? Man kann schon sagen: w sedem anständig geleiteten Betrieb gab es keinerlei Disserenzen wegen der Demonstration. Nur die Scharfmacher im Arbettgeberverband und die Räte und Kommiß- knechte in den Amtsstuben machten allerlei Späne, um die republi- konische Demonstratiän zu beeinträchtigen. Der Ersolg entspricht ganz ihrer Ohnmacht._ Die Elektrizitätsarbeiter zur Lohnfra'ge. Am Donnerstag fand In der Stadthalle ein« stark besuchte Doli- '' GewerGhastsbewegung Keine Zersplitterung See Hilfsaktion für Rußlanü. Der Internationale Gewerkschastsbund erinnert an den ein- mlltigen Beschluß seiner Berliner Konferenz am 13. und 14. August, „Die schon im Gang befindlichen Sammlungen für die Hungern- den in Rußland im Interesse ihrer sofortigen und wirksamen Ber- Wendung zusammenzufassen, zu erweitern und zu zentralisieren." Da die Amsterdamer Internationale in ihren Reihen Gewerkschafter jeder politischen Richtung vereinigt, ist sie die berufene Organisation, um diese Aufgabe internationaler Solidarität zu lösen. „Die Bereinheitlichung der gesamten proletarischen Hilfsaktion", von der die Kommunisten redeten, war gewährleistet, indem die——......—„.————■ ,,„ Amsterdamer Internationale durch die Tat bewies, daß für sie Versammlung der ElettrizitStsarbeuer Groß- Berlins statt. Der Bor- Gegensätze der Taktik die internationale Einheit der Arbeiterbewe- sistende des Betriebsrats. L i e d l o f f. gab den Bericht der l.oyn- gung nicht erschütter» können. kommission, welcher darauf hinauslies, daß der Magistrat pro Stunde Als sie ihren Beschluß bereits gefaßt hatte, trat„das Ausland-«> Bf- si-r die männlichen und öv Pf. für die weiblichen und lugend. komitee zur Organisierung der Arbeiterhilfe für die Hungernden In lichen uns als sein Sußerstes Zugeständnis anbot. Der Rouege Rußland", der Sekretär Münzenberg und ein deutscher Vertreter mit H o ch s ch i l d vom Zentralverband ergänzte die Ausfuhrungen und dem Ersuchen an den Vorstand des Internationalen Gewerkschafts, wies auf den Kamp? der Festangestellten hin. welche schon i->t dem bundes heran, eine Internationale Zentralstelle zur einheitlichen«pril ohne Tarif sind. Alle Diskussionsredner stellten sich auf Leitung des Hilfswerkes zu schaffen. Zu diesem Anttag konnte sich den Standpunkt, daß das Ergebmsder Berhandlunaen für uns voll- der Borstand nur ablehnend verhalten. Sein Beschluß bot genügende ständig unannehmbar sei. Sie forderten d,e anwesenden Vertreter Gewähr zur Bereinheitlichung der Hilfe. Diese Ansicht wurde durch der drei sozialistischen Parteien aus. sich äußern, ob sie gewillt die Aeußerungen der Presse in allen Ländern bestätigt. Außerdem von ihren Fraktionen zu verengen, daß den berechtigten ffor- erheischte die bisherige Haltung der Kommunistischen Internationale derungen der städtt'chen Arbeiter Genüge gleistet wird. Die Ber- und ihrer Führer eine Beglaubigung dieses Antrages, eine direkte trete? der Partei««, welche darauf zum Wort kamen erklärten daß Aufforderung ihres Dorstandes zur gemeinsamen Aktton. die Forderungen von ihrem Standpunkt°u- völlig berechttgt feien Diese Borsicht war nicht unbegründet. Selbst diese Gelegenheit,' rmd sie sich dafür einsetzen würden, daß dteselben in der S.abtoer- wo internationale Kameradschaft die Losung sein sollte, wird zu mehr ordnetenoersammlung zur Annahm« gelangen. Es wur�bann de- oder minder versteckten Angriffen auf die Amsterdamer Wosim, die Torckkommission und die m Frag« kommenden Gewerk- Internationale mißbraucht. Es ist eine bedenkliche Methode. Wmflen verpflichten, unbedingt an den ous�stellten Forderungen 5,'?.. SS jt CCi�u�lL___:nc j____ r.irr____......... e................ tf m Xms tftlhfttffhkVtt TttCn tDCtlCr �11 Zum Schlüsse wurde eine kommunistische Resolutton eingebracht, die in die Forderung ausklang, alle für das hungernde Rußland ge» sammelten Gelder an das Auslandskomitee abzuliefern. Schti- mann wandte sich gegen diese Quertreiberei und die Resolution wurde gegen wenige Stimmen abgelehnt. torisch regsamsten und aktivsten Arbeiter sind, durch die Verbände seziattstischen Fraktionen der Sk�tt�ordnetenv�sammlung verlangt. de- Internationalen Gcwcrkschaftsbundes nur zum Teile erfaßt«.«..«*" Ji* ro* V Tarif er hw Huna werden", zttöt und Strastenbohn zu sttmme«. daß sie sich daiur einsetzen sollen. Geradezu niedrig aber Ist die gemeine Verdächtigung, die da» Besitz ftärfer heranzogen wird und daß dem V°rs»sag« der Exekutivkomitee der Kommunistischen Internationale in einem Betr.ebsrate in bezuq auf Hebuna der �"dukt'vitot �re�melnen. Schreiben vom 13. August an den Parteitag der Bereinigten Kom- Werke Folge geleistet wird. D« Versammlung steht auf dem Stand- punkt. daß durch d-eie Maßnahmen.die Deckungsfrag« ohne weiteres munistitchen Partei Deutschlands auszusprechen sich nicht scheut:,„ „Die Frage der Hilfeleistung der hungernden Gouvernements ��«.rgung finden kann.- an und es wird zweifelsohne ein politischer Kampf ent-? Auch Handschuhmacher und �>mi>schuhnähennnen sahen Nch brennen: Die internationalen Sozialdemokraten und die Unav- wr Forderunp einer Wirtschaftsbeihttse aezwunaeu. Die Fabritan- hängigen, wie auch ihre Cchutzherren, die Bourgeois, werfen mit ien lehnten die Forderungen ab. Eine Versammlung am 29. August einem jeden Tage die Maske immer mehr von sich und zeigen den befaßte sich mit dem Verhalten der Unternehmer und be rfnan, den wahren Geist ihrer„Unterstützung". Die Dereinigte Kommunistische Fabrikanten ein Ultimatum zum 1 September mittags 12 Uhr zu Partei Deutschlands muß imstande fein, sich an die Spitze der Be- stellen. Zu Berhandlungen wurde«me Kommission bestellt. D»« wegung zu stellen und alle Werktätigen, die Sowjctrußland helfen Unternehmer verhandelten nicht, we�alb am Donnerstag mittag um wollen, um sich zu vereinigen." j 1 Uhr die Arbeit eingestellt wurde. Belchlossen wurde, datz die Fa« Da das Auslandkomitee für Russenhilfe im Auftrag der» o m. � bnkanten für den durch dm Streik m u n i st i f ch e n Internationale handelt, wirft die angeführte Stelle"ufzukommen Hadem � lediglich die durch � bewirkte vielleicht auch ein Streiflicht auf den wahren Charakter seiner„Ber- Derz°a«ning von Berhandlungen über die Wirtschastsbeihilfe den einheitlichung" der Hilfsaktion. In diesem Augenblick diesen Entstellungen und Verleumdungen entgegenzutreten entspricht nicht der Größe der Aufgabe, die der Internationale Gewerkschastsbund übernommen Hot. Um der drohenden Zeriplitterung der kiilfsaktion für Rußlaich und Georgien vorzubeugen, fordert der Internationale Ge- werkfchaftsbund im Einklang mit seinen bereits veröffentlichten Kund- gedungen alle Arbeiter auf, dasfür die Linderung der Not in Rußland bestimmte Geld an die von den Landes- zentralen der Gewerkschaften bestimmten Sam- meist ellen abzuliefern, damit unseren russischen Kameraden .auf schnellstem Wege tatkräftig geholfen werden kaum a-•«. Der Internationale Gewerkschaftsbund erwartet von allen Ar- I Der Geschäftsgang ist gut und die Unternehmer sehr wohl in der Loge, die gefordert« Wirtschastsbeihilfe zu bewilligen. T!e Berliner Bnchhandlnngsgehilfeu vor dem Kampf. Am 1. September waren die Bu-bbandlungSgehilfen in den Kammeriälen versammelt D'e Tarifkommiision emv?obl der Ber- «ammlung. da« Angebot der Arbeitgeber, eine Geholtserhöbung von 20 Proz.. anzunebmen. Einstimmig kam zum Ausdruck, daß trotz der Emvkeblung durch die Taritkommiision die Angestelltenfwait dieie» Anerbieten ablehnen müsse, da selbst nach dieser Zulage die Angestellten de» Buchhandels zu den fchleckitestbezahlten«iigestellten ....-----—...—.— Groß- Berlins gebären.— Wenn die Arbeitgeber des Buchhandels beitern. daß sie trotz der unwürdigen Unterstellungen Sinowjews ihr nicht noch im letzten Augenblick ihr Angebot erheblich vergrötzein. Bestes tun werden, um das Hilfswerk für Rußland zu einem Wahr- düifie es zu einem Streik tm Buchbandel kommen. zeichen proletarischer Gemeinschaft zu machen. Keine bessere Am- wort kann der Kommunistischen Internationale erteilt werden, als ihr schnödes Mißtrauen durch Opferwilligkeit zu beschämen. „Wenu der Brotpreis auf 7 Mark erhöht wird.." Dann wollen die Bäckermeister eine Lohnzulage machen von 35 M wöchentlich. Mit diesem Ergebnis der Berhandlungen des Zcntralverbandes der Bäcker und Konditors» befaßte sich eine Ber- fammlung der Bäcker und Bäckereiarbeiter am Donnerstag in den Germaniafalen". Der Vorsitzende Sch u m a n n berichtete über die Gegner der republikanischen Demonstration. Das Elektriziläkswerk Südwest A.-G.. Berlin-Wilmers- dqrs.M°tzstr.48. gab den Angestellten und Arbeitern auch n i ch t»Germanialalen". Der Aorf.tzenoe v-y u m a n n o-r.�le,e uver o.e eine Minute früher frei, trotz des Ersuchens des Betriebsrats. Verhandlungen und te.lte das Angebot m,t.. Er uberlasse es der Der Prokurist hat sich schon früher geäußert, er pfeife aus den Versammlung, weiter zu entfche.d-n. müsse«doch bemerken, daß Betriebsrat. Erst nach Betriebsschluß, um 4 Uhr. konnten die das als Borbedingung für die Zulage gemachte„Wenn einer Ab. Freund« der republikanischen Staatsverfassung nach dem Lustgarten lehvung gleichkmnme, da der Magistrat einem Antrage auf weitere fahren. Eine Einheitsfront verhindern die Deutfchnationalen unter E�dohung des B�otpreifes,� der�Abrund�ng� von�k,9a M. �auf 7�M. den Angestellten. Die Elto-Verlaqs-Gefellschaft für Rennberichte, Berlin, Karl- straß« 31, hat am Dienstag abend ihren Angestellten«ine Ber- gütung von fünf Mark versprochen, falls sie aus tue T« iln�ahm e ander Demonstration verzichten. wahrscheinlich nicht stattgeben werde. Aber auch die Gesellenschaft könne die volle Abwälzung der Lohnzulage auf das Markengebäck nicht unterstützen. Das markenfreie Gebäck erfordere ebenfalls die Arbeitskraft der Gesellen zu seiner Herstellung und rechtfertige allein schon die Lohnerhöhung. Deren Höhe von 35 M. stehe nicht ein- mal im Einklang mit dem Berdienst an dem markenfreien Gebäck. Eine solche Prämie für Gesinnungslumperei kann sich Herr Hirsch Letzteres dürfe nicht auf Kosten des Martenbrotes im Preise niedrig schon leisten. Zahlt er doch seinen weiblichen Angestellten einen Tage- gehalten werden. Die Diskussionsredner wandten sich gegen die lohn von fünfzehn Mark bei durchschnittlich sechsstündiger Arbeits- Lohnerhöhung als zu gering, wie gegen den Vorbehalt einer Zu, zeit, Sonntags 24 M., bei täglicher Kündigung. Alle 10 Tag« gibt es stimmung des Magistrots zur Preiserhöhung für das Markenbrot. einen freien Tag— ohne Bezahlung. Am Donnerstag dieser Woche Die Versammlung lehnte das Angebot ab und beauftragte den Bor- sielen die Rennen aus. Die Gesellschaft hat dadurch keinen Schaden, stand, die nunmehr erforderlichen Maßnahmen schleunigst zu treffen. Verftändigung zwischen Zivil- und Militärmusikern. Für das außerdienstlich eöffentliche Musizieren der Militär- mustker sind vom Reichswehrministerium im Benehmen mit dem Deutschen Mustkerverband neue Bestimmungen erlassen worden. Das Abkommen ist freiwillig und soll sich vorzugsweise auf die Veranstaltung musikaliscki wecwoller Musikausführungen der q e- schloffen en Musikkorps ersttecken. Die Interessen der Zivil- berufsmusiker sollen durch die außerdienstliche Musiktätigteit der Militärmuflker nicht geschädigt werden. Spielaufträge für das Kleinspiel oder Einzelspiel sind nur von dem ö f f e n t- lichen Arbeitsnachweis anzunehmen. Wo ein solcher nicht eingefetzt ist, sind Spielaufträge mit der örtlichen Kommission — die aus mindestens zwei Zivil- und zwei Militärmusikern besteht — oder den Bezirksoertretcrn des Deutschen Musikerverbandes zu vereinbaren. Die Forderungen der Militärmustker sind den Sätzen der Zivilmusiker anzupassen. Bei Ankündigungen in den Tages- blättern ist nur die Benennung des Truppenteils und der Name des Musikmeisters sowie die Heraushebung einiger musikalisch be- sonders wertvoller Musikstücke zulässig. Uniform darf nur ausnahmsweise angelegt werden. Bei Lohnbewegungen der Musiker haben sich die Militärmusiker jeder Einmischung zu enthal- ten. Die Musikausübung bei parteipolitischen Beranstaltungen ist den Militärmusikern ver- boten. Die Militärmustker sind verpflichtet zum Spielen bei der Truppe, auf Märschen, in Lazaretten und dergleichen. Sie müssen, bei der berittenen Truppe, als Signalbläser und Meldereiter evtl. auch als Pferdehalter verwendet werden. Die Musik hat dienstlich regelmäßig für die Mannschaften und Unteroffizier« auf dem Kasernenhof zu spielen, und je ein- bis zweimal im Monat zu Fest- lichkeiten des Truppenteils, der Unteroffiziersvereinigungen und zu den Zusammenkünften des Offizierkorps. Sportliche Aufführungen der Truppenteile sind Dienst, auch wenn Zivilpersonen, z. B. Frauen der beteiligten Soldaten, daran teilnehmen. Tanzfestlichkeiten werden nicht ols Dienst angesehen. Tie Streikbewegung im Saargediet. Der vor mehreren Wochen begonnene Ausstand in der Tafel- alaSindustrre dauert an. Während die Arbeiter an ihren Forderungen festhalten, erklärt der Arbeitgeberverband die Ein» iübrung der Frankenlöhnung als undiskutabel und eine Lobn» auibesserung in Mark nur denkbar, wenn die Koblenpreise und damit die Gestehungskosten ermäßigt würden. Das Ausfuhrgeschäft ruhe vollkommen und die Konlurrenz. namentlich der Tichecho« slowakei, mache viel zu schassen. Für das Röchlingiche Eisen» und Stahlwerk in Völklingen erklärte der Schlichtungsansichuß die projetiierte Lohnberabsetzung um 15 Centimes pro Mann und Stunde nach Einsichtnahme in die Geschäftsbücher für grundsätzlich berechtigt._ Travsportarbetter-Derband.?abalvr»»che. Sitzung sümtlicher Funktionäre aus de.i gigarettensabriken heute V Uhr bei Feufara. Melchiorstr. 15.— Technisches Biihn«»Personal. Sonntag vormittag g Uhr im Gewerlschaftshaus, Engelufer 14/13, Saal 1, Mitgliederversammlung. Stellungnahme zum neuen Tarisabschlutz._ flus der Setriebsräte-praxis. § 97 BRG. Die Abänderung eines S ch i e d S» fprucheS über Verweigerung der Zustimmung zur Entlassung eines B e t r i e b S v e r tr e t u n g s m i t- gliedeS ist unzulässig. Der Schlichiungsausschutz Frank» surt a. M. bat am 25. Mai 1021 unier dem Vorsitz von Oberlandes» gerichtsrat Böaer entschieden, daß ein Schiedsspruch vom 14. 4. 21, wonach die Zustimmung zur Kündigung eines Belriebsvertrctungs- Mitgliedes, weil derselbe im Dienste überflüssig sei und an seine Stelle ein Beamter treten soll, verweigert wurde, aufrecht erhallen bleibt. Der Antrag auf Zustimmung zur Kündigung war wiederholt worden. Aus der Begründung de» Schllchtungsausfchusses ent- nehmen wir folgendes: „Die erkennende Kammer gebt nicht so weit, die Zulässigkeit einer Abänderung unbedingt zu verneinen. Sie läßt aber nach ihrer bisherigen Praxis eine Aufhebung und Abänderung nur unter der Voraussetzung zu, daß neue tatsächliche Momente zutage treten, die bei der früher ergangenen Entscheidung noch nicht vorhanden oder noch nicht bekannt waren, so daß eS sich in gewissem Sinne »m einen neuen Streitiall bandelt. Ein solches„neues Momentist aber nicht darin zu sehen, daß ein anderer SchlichiiingSausschuß entschieden hat, daß es grundiätzlich keine unbillige Härte bedeute, wenn an Stelle von Angestellten Beamte eingestellt würden. Der Antrag der Oberpostdireltion mußte daher als unzulässig zurück» gewiesen werden." Dieie Entscheidung ist von Wichtigkeit für BetriebSvertretungS- Mitglieder. Wenn die Ziistimmimg zu deren Enilanung vo» der Betriebsvertretung verweigert wird und sich der SchlichtungSouSichuß dem anschließt, ist ein neuer Antrag, welcher sich nicht auf neue Gründe stützen kann, unzulässig. Verantwortlich für den redakt. Teil:«iltoe Schilt. Berlin; für Anzeigen: T». Gioite. Berlin. Verlag: Vorwärts-Veriaq G.m.b.H.. Berlin. Drmt: Vor» «ürl»-Buchdruckerei». LeriagSanitall Paul Singer». To.. Berlin, üindeuttr. 3. Hierz» I Beilage. Äwieilj L d-ichwerUche LeidessUUe deiettlgt auch ohne Diü: unschädl.i- ckc». natürlich. EnlfettungS' mittet lieber 30 Jahre rna i. ochsten Lnoigen bewährt. ! Pak. 15.—, 3 Pa 43.50 3(