Nr.41S ♦ ZS. Jahrgang Ausgabe B Nr. 207 Bezugspreis» SletWiatU 80,— SU, monctt Ml-«. frei ins Hans, osrotts zahlbar, Post» bcsug: Monatlich 10,- TO. einfehCftn. stellungsgebllhr. Unter Kreuzbant ntt Dcutschiand. Donzig, das Eaa» und Meinelciebiet, sowie die ehemals denr» fchen Gebiete Polens, vesterrelch, Ungarn und Luxemburg 20,- 30, fttt das übrige Ausland 27,— SB. Post» beftellungen nehmen an Oefterreidb Ungarn. Tscheche• Slowakei, Dänemark, Holland. Luremburg. Schwede» und die Schweiz, Der»Borwätts" mit der Sonntags- beilage.Poll und Zeif. der Unter» baltungsbeilage �eimwelt* und der Beilage„Siedlung und Kleingarten� ericheint wochentäglich zweimal, Eon»- tags und Montags einmal. Telegramm-Adreffe t »Sozialdemokrat Seena*' Abend Ausgabe Devlinev Volksblstt (20pksnnig) «nzetgespretS» Die echt« elpalten««onparelllezelle kostet UO 30.»ZUetae Stazetgeo" das tettgebrudt» Bort WO 30.ilien-3ln- zeigen für Abonnenten geile 8,— 30. vi« SJtetfe oerstehen sich einschließlich Teuerungszuschlag. Anzeigen für die nächste Rummer müssen bis 5 Ahr nachmittags im Hauptgeschäft. Berlin EW SS. Linden» strafte 8. abgegeben werden. Geöffnet oon 9 Uhr früh bis S Uhr abends. Zcntfalorgan der rozialdemokrattfcben Partei Deutfchtands Redaktion und Expedition: SV öS, Lindenstr. Z Äe-�kt,»-«'i?ie'p> Redaktion Morihplah ISlitü— S7 hPrr«,fherrt»irr.«.xpx.pjtion Moriliplat, ll?«»— Montag, den S. September 1921 vorwarts-verlag G.m.b.y., SW öS, Lindenstr. Z akerAkttrei�p»?- Berlag, Expedition und Inseraten- Morittplah 1175S-54 Ernste Enge in Sapem Besprechungen in Nürnberg. Nürnberg, S. September.(Eigener Drahtbericht de»»vor- wärt»'.) Nm Sonntag sand hier eine Konferenz statt, an der führende Genossen an» allen Teilen vayern» nnd vom parlelvorstand die Genosten Hermann Müller nnd Otto Wels teilnahmen. Gegenstand eingehender Beratung war der So n» flltl zwischen der bayerischen nnd der Relchsregiernn� der in den nächsten Tagen gebielaisch eine Lösung verlangt. E» besteht kein Zweifel, daß die bayerische Arbeiterschaft geschlossen hinter der Reich»regiernng steht und bereit sei, die Regierung wirlh mit allen Mitteln zn unterstützen. Die soziallstischen par- leien Bayern» fordern, daß dem relchsfeindllchen Treiben der prenhischen Ofsizierscliqnen in München sofort ein Ende berellel wird. Die bayerische Arbellerschafi ist insbesondere enkschlosten, die Aufhebung de» Belagerungszustände» durchzusetzen, der in Bayern nur ganz einseitig gegen link» angewendet wird und unter desten Schuh in Bayern der polllische Mord heimisch wurde. Die SPD. ist gewillt, hierbei gemeinsam mit der llSP. vorzugehen. Sie wird dafür Sorge trage»», daß die Leitung der Bewegung in den Händen der soziallfii- scheu partÄen bleibt und dadurch alle Berwirrnngsver- suche der Sommnnisten hintangehalten werden. Ebenfalls am Sonntag haben hier Besprechungen von bayerischen Gewerkschastsvertrelern stattgefunden, an denen auch der Bundesvorstand de» ADGB. durch L e l p a r l und Graß- mann ans Berlln beteiligt war. Gegenstand der Aussprache war ebenfall» der gegenwärtige Sonflikt zwischen Bayern und dem Reiche, der auch die Zntereflen der Gerverkschafken in hohem Matze berührt, heule oder morgen wird der Landesausschuh der Gewerk- s chafien Bayern» zusammentreten, um eventuell entscheidende Beschlüsse zu fassen, die sich auch gegen jede Sonderaktion der Kommunisten richten werden. Neue tviüerftänüe. Münch«»», 5. September.(Eigener Drahlberichl de»»Vor- wärt»".) Die einzige heute mittag erscheinende bürgerliche Iei- hing München», die»Münchener Zeitung-, unterstützt offenfichMch nach Anweisung der durch die Rückkehr de» Mnisterpräfidimlen zum Widerstand gegen die Reichsregiernng neu gestärkten Regierungsorgane die neu eingeleitete Abwehraktion gegen Berlin. In Leitartikeln»Auf dem Wege zur Berliner Diktatur- nnd„Mehr würde- wird eine derartige skrupellose Hetze gegen die Reichsregierung neuerdings entfacht, dah man meint, es würde der Boden für eine Abtrennung vom Reich und zum mindesten für eine offene Obstruktion systematisch vorbereitet. Dem Reichskanzler, der fich schon heule nicht mehr al, Reich»- tanzler de» deutschen Bolke» benehme, sondern als Führer besten. was man al» Proletariat zu bezeichnen pflege, wird»orge- morsen, er spiele mit dem Gedanken eine, Bürgerkriege» und gefalle sich in der Rolle des Führers der einen Partei. Die Absplillernngsbewegnng in Nordbayern sei ein Werk der Reichsregienmg. Die Reichsverordnnng wird Nakiona- llstengeseh und ein Gegenstück de» Sozialistengesetze» genannt.' Im übrigen wird die Aeutzerung eine» Dortmunder Blatte», datz e» viel- leicht nötig sein werde, die republikanischen Bataillone marschieren zu lassen, zur Auspeikschung einer künstlichen kriegerischen Stimmung benutzt. Dem heute nachmittag angesetzten Ministerrat rust da» Blatt zu:„Kein Kompromitzl Es gibt nur ein Entweder— Oder, sonlk fallen wir in die Zeil vor dem Mai ISIS der Slastendiklaknr zurückf- wie weil die Begriffsverwirrnng durch eine derarflge Hetze ge» diehen ist. zeigt der Schlutz des Arlikels, der die Landesregierung zwischen den Zellen auffordert, nnlerUmständengegenda» Parlament zu handeln nnd festznbleiber». Die Lage zwischen München und Berlin hat eine wesentliche Zuspitzung dadurch erfahren, datz der Reichsminister des Innern die bayerische Regierung aufforderte, die„Müncheu-Augsburger Abendzeitung- zu verbieten und hierüber nach Berlin Mitteilung zu machen, ferner, dah er die Regierung aufforderte, eine repnbli- kantsche Kundgebung in Koburg nicht stören zu lasten durch bayerische Sicherheilspolizei. Angeblich besteht in bayerischen Regierungs kr eisen keine Reizung, dem Berllner Begehre« aus Unterbindung der„München-Augsburger Abendzeitung- zu enl- sprechen. Ob wegen der Koburger Sache elwas nnlsrnommen wer- den soll, war bisher nicht zn erfahren. Die Entscheidung dürfte heule nachmittag fallen. Wie wir erfahren, hat die Kundgebung in koburg zn Blnlvergletzen geführt. Es wurde die Bersammlnng der SPD. und der USP. unter freiem Himmel durch Hand- granatcnwürfederSlchcrhellspollzel gestört— wobei mehrere Personen, darunter zwei Kinder, verletzt wurden. Die Ber- sammlung war trotz des Ausnahmezustandes polizeilich genehmigt worden, doch war der Demonstraflonszug von dem Sladlkomman» danlen verboten worden. Die Regierung für öie Reichswehr. Berlin, S. September. Der Reichspräsident hat nachstehende Kundgebung für die Wehrmacht des Reiches erlassen: Die politische Erregung der letzten Zeit hat bedauerlicherweise dazu geführt, daß in verschiedenen Fällen Angehörige der Wehr- macht in den Straßen ohne jeden Grund angegriffen, beleidigt und sogar mißhandelt worden sind. Derartige bedauerliche Aus» schreitungen finden nur dadurch ihre Erklärung, daß die Uni- form inden politischen Strettder Parteien hineingezogen wurde, es wurde nicht mehr unterschieden zwischen dem Vertreter der oerfaflungsmäßigen Wehrmacht, desten Berufskleid der W a f f e n r o ck ist, und dem politischen Gegner, durch den man sich provoziert glaubte. Die Reichsregierung ist entschlosten, diesem Zustand ein Ende zu machen. Durch Verordnung des Reichspräsidenten auf Grund des Art. 48 der Verfassung und auf besondere Befehle des Reichswehrministers ist für die Zukunft jeder Mißbrauch der Uniform verhindert. Die Regierung muh daher von allen K r e i- s e n des Volkes und allen Parteien verlangen, sie h» ihrem Bestreben, der Wehrmacht des Reiches die gebotene Achtung und Geltung zu sichern, zu unterstützen. Der Soldat ist der Bürger im Waffenrock, der Vertreter der verfastungsmäßigen Wehrmacht des Reiches, ihn als solchen zu achten, ist ein Gebot der Selbstachtung des Volkes. Die Autorität des Staates macht es der Reichsregierung zur Pflicht. Ausschrei- tungen gegen die Wehrmacht des Reiches und Angriffe gegen ihre Angehörigen mit den ihr zu Gebote stehenden gesetzlichen Mitteln zu begegnen. Wirth gegen Sie Reichsverüerber. Der Wahlkreisverband der Groß-Berliner Zentrumsorganisatlon veranstaltete am gestrigen Sonntag vormittag in der Stadthalle eine große Kundgebung, in der der Reichskanzler Dr. Wirth und der Reichstagsabgeordnete Dr. Pfeiffer sprachen. Schon lange vor Beginn der Versammlung war der riesige Raum mit seinen Galerien überfüllt, so daß viele tausend Personen keinen Einlaß mehr fanden, obgleich aus dem Hofe des Stadthauses noch eine Parallelversamm- lung abgehalten wurde. Der Reichskanzler wurde von der Menge stürmisch und andauernd begrüßt. Nach einleitenden Worten des Versammlungsleiters nahm Reichskanzler Dr. wirth zu einer einstündigen Rede das Wort. Der Reichskanzler begann: Werte Freunde in Berlin! Die hie- stgen Parteifreunde sind an mich herangettcten mit der Bitte, bei der heutigen Kundgebung einige Worte an Sie zu richten. Ich bin dieser Aufforderung gern nachgekommen, allerdings unter der Be- dingung, daß ich frei von der Leber weg sprechen kann, wie ich es gewohnt bin.(Beifall.) Ich denke zurück an die Zett vor sieben Iahren, als die Atmosphäre in Europa vergiftet war. Die Männer des Krieges sagten: Es muß losgehen!, als in Serajewo der Fürstenmord geschah. Als sich das Gewitter über Europa zu- fammenzog, war kein Blitzableiter vorhanden. Trotzdem nach der Mordtat oon Serajewo unzweifelhaft während der politischen Ber- Handlungen eine Annäherung der Völker stattgefunden hatte, hat man das Ultimatum in die Welt geschickt. Dadurch entstanden Trümmer und Millionen sind um ihre Kinderjahre gekommen. Das große Elend, das damals über die Welt gekommen ist, ist noch nicht zu Ende. Nach sieben Iahren stehen wir nun wieder vor dem frischen Grab eines meuchlings ermordeten Führers. Heute morgen bm ich von befreundeter Seite gefragt worden, ob es wahr fei, datz Erzberger aus den knien rutschend die Mörder um sein Leben angefleht habe. Das ist wieder so eine von Berlin ausgehende Verleumdung, durch die das politische Leben vergiftet wird. Der Abg. Dietz erzählte mir auf seinem Krankenbett den Vorgang, soweit er dazu bei seinem leidenden Zu- stand imstande war. Dietz ist schwer verwundet. Er hat noch eine Kugel in der Lunge stecken. Dietz sagte, daß er mit Erzberger in ein politisches Gespräch verwickelt war:„Erzberger entwickelte Ideen über die Behebung der Wohnungsnot, als zwei Herren(Zuruf: „Lumpen waren es, nicht Herren!") elastischen Schrittes an uns vor- übergingen. Die beiden kehrten gleich wieder um, kamen hinter uns her und feuerten in einer Entfernung von höchstens 30 Zentimeter auf mich und Erzberger. Erzberger hatte überhaupt keine Zeit mehr, auf�ie Knie zu fallen.-(Große Bewegung.) Jetzt wagt man, so rief der Kanzler weiter aus, Erzberger den Stempel der Feigheit aufzudrücken. Wer so stirbt wie Erzberger, der ist nicht feig, er stirbt für sein Vaterland! Erzberger hat fich nicht danach gedrängt, die Verhandlungen im Walde von Compiegne zu führen. Nachdem setzt die Schüsse gegen Erzberger gefallen sind, darf das deutsche Volt nicht wieder ohne Blitzableiter bleiben. Nein, wir wollen auf dem Platz sein. Wo auch die Rcak- tion ihr Haupt erhebt, wird das werktätige Boll zur Stelle sein. Wir stehen auf dem Boden des Rechts. Die Aufgabe der heutigen Regierung muß sein, die Ouellm der Reaktion zu verstopfen. Die Leute, die am 9. November in den Mauselöchern saßen, mißbrauchen jetzt die Freiheit zu politischen Verunglimpfungen des Voltes. Mit dieser Affenfreiheit muß ausgeräumt werden. Wer hätte es für möglich gehalten, datz ein Regierungsorgan wie die»Laygrifche Staatszeitung- in solcher Weise gegen die Regierung hetzt, wie dieses Blatt es kürzlich getan hat. Der Reichskanzler ging dann auf die Zustände in Bayern ein. Er wies auf das bekannte Schmähplakat, lvelches in München unter Duldung der Be- Hörden angeschlagen werden konnte, hin. Die 22' Anklagepunkte, so erklärte der Reichskanzler, die dort gegen Erzberger erhoben wor- den sind, sind so dumm, daß sie selbst der dümmste Setzerlehrling in Berlin als erlogen erkennen muß. Der Reichskanzler schilderte dann den Gang der bereits bekannten Berhandlungen im Reichs- tagsausschuß. Die größten Hetzer in Bayern, so führte Dr. Wirth weiter ans, stammen gar nicht aus Bayern, sondern sind Flucht- linge der Reaktion, die da glauben, die Reaktion nach Süd- dentschland verpflanzen zu können. Ich glaube, daß wir im Laufe dieser Woche zu einer freundschaftlichen Einigung mit der bayerischen Regierung kommen werden. Das ist ja das Wesen des Bolksstaates, daß er den Konflikt nicht auf die Spitze treibt. Ein Gesetz gegen Verleumdungen. Wir haben den Gedanken des Rechts der Selbstbestimmung der Völker in der Welt populär gemacht. Der Kanzler erinnerte dann an die politischen Vorgänge am 10. Mai, dem Tage der Annahme des Ultimatums. Wer will, daß das demokratische Selbst- bestimmungsrecht Einfluß auf die Welt gewinne, der er- hebe sich in Deutschland gegen die Reaktion und bekenne sich zur Fahne der deutschen demokratischen Republik. Wir brauchen ein Gesetz— und ich will mich dafür einsehen, datz es schnell kommt—, welches Me Ehre unserer Mitbürger, die im politischen Kamps stehen, schützt. Genau so wie das in England und anderen parlamentari- scheu Ländern bereits der Fall ist. Kommt ein derartiges Gesetz nicht, so wird sich kein Mensch mehr in Deutschland finden, der bei den jetzigen Derhältnissen in die politische Ärena steigt. Ich habe bei der Zusammensetzung meines Kabinetts nicht noch der Parteistellung gefragt. Ich habe mir die tüchtigsten Leute geholt, wo ich sie nur finden konnte. So habe ich mir einen Mann herangeholt, der mit seinen Ideen und Anschauungen seiner Zeit weit voraus geeilt ist. Er hat ein ungeheures Einkommen im Sttch gelassen, er hat am Tage des Eintritts in die Regierung seine vielen gut bezahlten Aufsichts- ratsstellen niedergelegt, um dem deutschen Bolk und der deutschen Republik zu dienen. Gegen diesen Mann ist jetzt eine elende Hetze im Gange. Mein Kollege Waller Rathenau hat dem deutschen Vaterlande und dem deutschen Volk bisher schon mehr genutzt, als die ganze Stadion-Gefellschafl zusammen.(Stürmischer, anhalten- der Beifall.) Und einen solchen Mann bezeichnet man als„v«> fluchte Iudensau-.(Zuruf:„Rathenau ist gar kein Jude!") Ja- w o h l, R a t h e n a u i st e i n I u d e. Er ist seinem Glauben und seinem Gott Ken geblieben. Und wir als Katholiken müssen vor einem solchen Mann erst recht den Hut ziehen. Dr. Wirth kam dann auf die„giftigen Artikel in dem erbärmlichen Wisch" zu sprechen, der sich„M i e s b a ch e r Anzeiger" nennt, und schiU derte dann die ungeheure Erregung, die sich der Masten bemäch- tigte, als er, der Reichskanzler am offenen Grabe Erzbcrgers sprach. Gewiß hatte Erzberger auch Feinde, aber daneben auch Freunde, die sich aus dem Staube gemacht haben, als die ersten Angriffe gegen Erzberger laut wurden. Der Reichskanzler sprach dann über die gegen Erzberger schwebenden Versahren und betonte, daß der Untersuchungsrichter, der die Steuerprozesse vorzubereiten hatte, unaufgefordert zu dem Redakteur einer süddeutschen Zentrums- zeitung gekommen fei, und diesem erklärt habe, daß es der Unter- suchungsbehörde trotz heißen Bemühens nicht gelungen fei, Erzberger etwas Strafbares nachzuweisen. Der Reichskanzler erklärte, daß er sich in die Berfahren gegen Erzberger nicht eingemischt habe, soweit es sich um rein preußische Angelegen- Helten handelte. Der Vorwurf der Kapitalsverschiebung hat mich zum Eingreifen veranlaßt, denn hier handelte es sich um eine Reichssache und da habe ich meinem Freunde Erzberger einen großen Dienst erwiesen, indem ich die Untersuchung auf alle Erz- bergerschen Steuererklärungen ausgedehnt habe. Mit der Unter- suchung beauftragte ich einen Beamten, der nicht Katholik war. Das Ergebnis der Untersuchung war so, daß ich nur sagen kann, es stände gut im deutschen Vaterland, wenn alle ihre Skenererklärnn- gen so gewissenhaft abgeben würden wie Erzberger. Der Reichs- kanzler kam dann nochmals auf die monarchistischen Bestrebungen zu sprechen und. erklärte: vergangenen Dingen nachzutrauern ist nicht Politik. Der Reichskanzler richtete dann scharfe Angrisse gegen das Großkapital. Dieses habe die Zahlungen der Goldmilliarde sehr erschwert. Es habe nicht patriotisch, sondern aus Egoismus und Gewinne sucht gehandelt, weil es die. Ablieferung der Devisen immer wieder verzögerte, in der Hoffnung, daß der Dollar weiter steigen werde. '(Bewegung.) In den weiteren Ausführungen verteidigte dann der Reichskanzler sein Programm gegenüber den Angriffen von rechts und betonte, daß nur auf dieser demokratischen Grundlage Deutschland und die Welt wieder zu gesunden Zuständen kommen können. Dabei sprach sich der Reichskanzler besonders hart über gewisse militärische Führer während des Weltkrieges ans, die, solange Sie die Macht dazu hatten, die politischen Führer immer wieder an ne Wand drängten. Schließlich erklärte Dr. Wirth, daß er keinen Augenblick von seiner Politt' abgehen werde und bereit sei, gegen die Reaktion alle staatlichen Machimikte! einzusetzen. Endlich wies der Kanzler noch darauf hin, dah das Zentrum stch noch niemals gescheut habe, schwierige Posten zu besetzen und daß«» sogar wiederholt C�nt« für den undankbaren Posten des Reichssinanz- Ministers gestellt b»tre, den jede ynoere Partei immer wieder abge- lehnt hat Der Kanzler schloß mit einem politischen Ausblick, in dem er der Hoffnung Ausdruck gab, daß unsere Nachkommen wieder in einem glücklichen Deuischlond.eben werde». Die Ausführungen des Reichskanzlers, die minutenlangen Bei- fall hervorriefen, wurden durch Ausführungen des Abg. P s e i s s e r ergänzt, der überwiegend einen Abriß der politischen Tätigkeit Erz- bergers gab. Er erzählte u a. zum erstenmal in der Oeffentlichkeit, daß Gencralseldmarschall v. hindenburg nach Abschließung des Masfenslillstandes am 30. Dezember 1918 in Pfeiffers Gegenwart und in Anwesenheit des Generals Grüner dem Abg. Erzberger ausdrücklich noch einmal für die Dienst» gedankt habe, die jener denk deutschen vaterlande durch Abschlieszung des Waffenstillstandes ge- leistet habe. Erzberger wollte diese Aufgabe nicht annehmen und auch er, Pfeiffer, habe ihn dringlichst vor der Fahrt in den Wald von Eompiegne gewarnt Nach mehr als zweistündiger Dauer ging die große Berfomm- lung ohne Zwischenfall auseinander. fiuf öer wacht. Saffel, 5. September.(Eigener Drahtbericht des„Vorwärts".) In der Erwartung, daß die Reaktionäre die vom Polizeipräsidenten verbotenen S e d a n- und Tannenbergfeiern gestern doch abhalten würden, harten SPD. und IlSP. und Gewerkschaftsbund für den Sonntag die Parole„Bereithalten" ausgegeben. Die an- gesetzten 8 Bezirksoerfammlungen waren insgesamt von niehr als 10 000 Mitgliedern besucht. Dieser Bereitschaft ist es wohl zu danken, dechz die Reaktionäre sich an das Verbot hiesten und den Versuch nicht unternahmen, die verbotenen Feiern abzuhalten. wie wir Kahr„vedeumSeteiV. In unserer Abendausgabe vom 1. September und Morgenaus- gäbe vom 2. September(hergestellt am Abend des 1. September) stellten wir fest, daß der„Miesbacher Anzeiger" trotz des Verbotes der Reichsregierung ungestört erscheinen könnte. Dar- über find die„Münchener Neuesten Nachrichten" in helle Wut ge- raten und haben das Berbot des„Vorwärts" gefordert, well er die Regierung Kahr verleumde und verächtlich mache! Nun übersendet uns ein Munchener Leser Nr. 203 des„Mies- bacher Anzeiger" vom 2. September 1921, den er im offsnen Handel hat erwerben können. Das bayerische Revolverblatt ist also nach unserer Feststellung immer noch erschienen und in den Münchener Straßen oerkauft worden. Später soll dann das Blatt allerdings beschlagnahmt und verboten worden sein. Jedenfalls entsprach unsere Feststellung am 1. September durchaus dem da» maligen Stand der Dinge. Daß wir die Handlungen der Regierung Kahr bereits 24 Stunden vor ihrem Eintreten voraussagen, wird billigeriveise niemand von uns oerlangen können. In unserer(am Abend des 2. September hergestellten) Morgenausgabe vom 3. S«p- tember haben wir das inzwischen ergangene tatsächliche Verbot des �.Micsbacher Anzeigers" prompt— sogar im Fettdruck— mitgeteilt. Ein früherer Termin war unmöglich, da ja am Vormittag des 2. September der„Micsbacher Anzeiger" noch«rfchien. Worin nun eigentlich die„Verleumdung" der Regierung Kahr bestehen soll, bleibt Geheimnis ihrer Münchener Preßreptile. Das gewinnbringende Schimpfen. Vielleicht interessiert es an dieser Stelle, einiges über den Her- ausgeber des„Miesbacher Anzeigers' zu erfahren. Man muß nicht glauben, daß dem Herrn Klaus Eck feine Schimpfereien Herzens- .fachen sind. Er hat vielmehr erkannt, daß sich durch die literarisch« Auswertung bajuvarischer Kraftausdrücke Geld, viel Geld ver- dienen läßt. Der große Patriot war vor dem Kriege Milstär- tsüchtling, der nach der Schweiz desertierte, um sich der Wehr- Pflicht zu entziehen.. Vielleicht rührt daher seine Sympathie für fürstliche Deserteure. Auf Grund der Amnestie kam er in der Kriegs- zeit zurück. Damals saß er mit seiner neunköpfigen Familie bettel- arm in Miesbach. Heute ist Herr Klaus Eck Besitzer einer Villa und mehrerer Grund st ücke, die er sich olle redlich erschimpft hat. Er hätte auch nach der anderen Seit« geschimpft, wenn dies das gleiche oder mehr eingebracht hätte. Denn es ist noch nicht so lange her, daß er sozialdemokratischen Vertretern er- klärt hat, er würde genau so radikal für die Sozial» Sonntagsfreuöen. Von Otto Bach. I. Ich liege mit einigen Genossen am Strande des Schwielow- Sees. Proletarisches Sonntagsoergnügen. Silberhell spiegelt sich die Sonne in den beweglichen Wellen, leise säuselt der Wind durch die Bäume und behaglich streckt sich der Mensch ins grüne Gras, satt und zufrieden. Auf der anderen Seite des Sees tummeln sich jung und alt in den Wellen. Man versöhnt sich mit seinem Proletarierlos, ja man freut sich darüber, daß man sich ohne Mittel so billige kulina- rische Genüsse verschaffen kann. Doch schon regt sich auch der Neid der besitzlosen Klasse. Majestätisch kommt ein Dampfer quer über den See, buntes Treiben herrscht an Bord und die Klänge der Musik- kapelle wehen leise zu uns herüber. Ach, wenn man doch auch auf dem Dampfer sein könnte. Ein herrliches Leben. Aber— der Dampfer wimmelt von Menschen, s'ist ein Massenoergnügen, diese Dampferfahrt. Da möchte ich eigentlich doch nicht dabei sein, lind der Dampfer führt eine schwarzweißrote Flagge. Da wäre ich sowieso nicht mitgekommen. II. Kaum wieder zurückgekehrt zu einem Gefühl satter Behaglichkeit, da appelliert ein neuer Eindruck an meine proletarische Begehrlich- keit. In stolzer Fahrt rattert ein Motorboot an uns vorbei. Muß schön sein, so zu fahren. Dies Vergnügen ist auch individueller, aber ich glaube, das Rattern des kleinen Motors würde mir die Sonn- tagsstimmung verderben. Dieses Rattern erinnert zu stark an dumpfe Maschinensäle, und unwillkürlich steigt mir ein Oelgeruch in die Nase, den ich in der Fabrik so gerne wahrnehme. Ich möchte doch nicht im Motorboot fahren.— Die Tranben sind ja so sauer. 117. Am schönsten sind doch die Segelboot« auf den Seen. Bei diesem Sport kann man seine Geschicklichkeit und Geistesgegenwart ins Zeug legen. Er ist nicht so mechanisch wie Dampfer und Motorboot- fahrten. Eben kommt ein schönes Boot leichtbeschwingt angeschossen. Ein kurzer Ruck, ein Knirschen im Sand, und das Boot steht neben uns am Strande. Die Insassen entsteigen, legen sich ins Gros und lassen sich von der Sonne bescheinen. Das tun wir auch. Sie baden. Wir auch. Aber schön sieht sie aus, die Segeijolle. Die edlen For- men, dieses weiße Linnen, wie schön es sich abhebt vom blauen Himmel. Ich möchte eigentlich auch ein Segelboot haben. Stundenlang brennt die Sonne auf uns herab und bräunt die Haut. Der Tag geht zur Neige. Die Segler rüsten zur Abfahrt. Schon seit einer Stunde. Da wird im Takelwerk herumgebastelt, und gewaschen muß das Boot auch werden. Und die Kissen und Decken und Ruder und Stangen, alles wird verstaut—— ein ganzer Haushalt. demokratie schreiben, wenn diese ihm die gleiche Abon» nentenzahl garantierte. Daher jetzt auch die abgründige Wut des Herrn Eck, daß die Sozialdemokratie jetzt in Miesbach ein eigenes Organ, das„Miesbacher Echo", gründet. Es geht um fein Helligstes — um die Abonnenten! Em würdiger Vorkämpfer der bayerischen Reaktion! Der Vöirerbunö schützt Sie Reaktion! Aus dem Saargebiet wird uns geschrieben: Demonstrationen für die demokratische Repu- blik sind im Saargebiet oerboten! Um auch im Saar- gebiet für die demokratische Republik, gegen die monarchistischen Rüpeleieu in Deutschland zu demonstrieren, kamen in Saarbrücken die Freien Gewerkschaften und die Sozialistischen Parteien überein, gemeinsam für die Volksrechte, gegen die Reaktion und Morde an den Lolksführern in drei Versammlungen in Sa arbrücken, Neunkirchen und Völklingen zu demonstrieren. Die Regierungskommisston bzw. die Oberste Polizeiverwallung in Saarbrücken o e r b o t jedoch diese Versammlungen unter der Begründung, daß die Porgäng» im Reich uns Saarabicr nichts angingen und weil die Gefahr vorläge, daß unsere Ruhe und Ordnung gestört werden könne. Das tut die Verwaltung des sogenannten.demokratischen" Völkerbundes. Die Arbeiterschaft, die Angestellten und Beamftn des Saargebiets denkennatürlich nicht daran, sich mit dieser zarten Rück- sichtnahme ihrer Regierungskommission zufrieden zu geben. Gerade dos Proletariat des Caargebiets ist berufen, die Brücke zwischen den Genossen im Mutterlande und den Genossen jenseits zu bilden. Auch das Proletariat an der Saar wird sich seine demo- kretischen Rechte unter keinen Umständen nehmen lassen und wenn es von feiten einer„demokratischen" DeHörde versucht werden sollte. Der Gberftaatsanwalt. Am 10. Juli wurde der Schriftsteller Fleischmann in Bad Langenau, Grafschaft Glatz, von 2S Angehörigen des sogenannten Selbstschutzes überfallen und schwer mißhandelt. Fleischmann hatte in seiner in Breslau erscheinenden Wochenzeitung die antirepublikanischen Umtriebe des Selbstschutzes gekennzeichnet. In Langenau weilte er zur Kur. Bei L. sich aufhaltende Selbstschutzleute, die unter Führung eines Studenten O l b r i ch standen,� besetzten etwa 25 Mann stark das Kurhaus, sperrten alle Ausgänge und fielen dann über Fleischmann her. Das Eingreifen einiger Kurgäste verschaffte dem Ueberfallenen und aus mehreren Wunden Blutenden eine Atempause. Er konnte aber das Haus immer noch nicht verlassen. Nach ein paar Stunden wurde Fleischmann noch einmal verprügelt und mit dem Tode bedroht. Nur dem Einschreiten einiger anderer Herren verdankte er es, wenn er nicht totgeschlagen wurde. Auf die erstat- tete Strafanzeige erhielt Fleischmann nunmehr folgenden Bescheid: Der Oberstaatsanwalt. Glatz, den 2S. August 1921. 2 I. 05 521. Auf Ihre bei dem Herrn Landrat in Havelschwert erstattete Anzeige wegen der Prügelei am 10. Juli 1921 in Bad Langenau eröffne ich Ihnen, daß die Täter nicht haben ermittelt werden können. In Bad Langenau oder Umgebung sind sie nicht mehr aufhattsam. Im übrigen bemerke ich, daß auch elu öffentliches Znteresse au der Strafverfolgung nicht vorhanden ist, und es Ihnen anheim- gestellt wird, die Angelegenheit im Wege der Prioatklage zu verfolgen....... Das zu den Akten überreichte. ärztliche Attest erhallen Sie an- liegend wieder zurück. gez. Roling. Die Antwort des Oberstaatsanwalls ist in politischer>pie in juristischer Beziehung klassisch. Daß er die Selbstschutzleute, deren Namen zum Tell bekannt sind, nicht ermitteln kann, ist nur so ein Charakteristikum nebenbei. Noch wesentticher erscheint hier, daß der Staatsanwalt den Mißhandelten auf den Weg der Privat- klage verweist. Dazu ist er gar nicht berechllgt, denn die Privat- klage ist nur für einfach« Körperverletzung gemäß 8 223 StrGB. zuständig. Zweifellos handelt es sich hier aber um gefährliche Körperverletzung nach ß 22?a des Strafgesetzbuches und zwar gleich aus vier Gründen, well sie„von mehreren gemeinschaft- Ich packe meinen Rucksack, eins, zwei, drei bin ich fertig. Leichten Schrittes und frohen Herzens gehe ich nach Hause. Ich bin doch stoh, daß ich kein Segelboot habe. Die Tribüne:„Der wetttauf mit dem Schalken" von W i l h e l m von Scholz. Die ersten Szenen dieses Schauspiels in ihrer schwebend rätselvollen Dämmerstimmung versprechen viel. In ihnen spiegelt sich die abwegig grüblerische, den dunklen, aus den Tiefen des Unbewußten aufsteigenden Derschlingungen zugewandte Eigenart des Autors so rein und eindrucksvoll wie in den besten semer kleinen, um irgendeinen bedeutsamen intimen Zug, ein Lastendes Gespräch gruppierten novellistischen Skizzen. Die Exposition belichtet mit einer Fülle beziehungsreicher Wen- düngen das Verhältnis eines träumerisch visionären Dichters zu seinem Weibe, in welchem er die ttefste Resonanz der eigenen Wesensart gefunden zu-haben glaubt. All seine Kräfte fühll er wunderbar gesteigert. Dieses stille Besettgtsein, die im Gefühle des Zusammenklanges schwelgende Verzücktheit gewannen in dem erstaun- lich nuancierten und doch auch wieder so einfach schlichten Spiele Winter st eins einen Ausdruck von überzeugender Natürlichkeit. Der Dichter sitzt am Schreibttfch, mit jagendem Stifte die Bilder festzuhalten, die die Inspiration ihm zuführt. Der Gedanke an die Frau und an das Glück, das ihm durch sie geworden, scheint jede Hemmung weggefegt zu haben. Sie unterbricht ihn bei der Arbeit mit einer leisen Regung ihrer Eifersucht. Was er so liebe, sei doch im Grunde eigentlich gar nicht sie selbst, nur seine Einbildung von ihr. Was wisie er denn überhaupt von ihr? Hat er sie je nach ihren früheren Erlebnisien gefragt? Auch diesmal weicht er aus, er will nicht wissen, was früher war. Das würde in sein sicheres Ge- fühl nur eine Trübung bringen. Er hat sich von ihr ein Bild zu» recht gemacht: daß sie, gelellet und behütet, ihm als dem Manne, welchem sie bestimmt war,«ntgegenreifte. Und eingesponnen in seinen Träumen und Poetenegoismus, gleitet er bald in die ihm gewohnten Bahnen. Um sie kreist alles, von ihr erhalten die Ge- stallen Licbt und Farbe. Mit diesem eigenartigen, psychologisch reizvoll ausgemallen Hintergrunde oerschlingt sich eine sellsam spukhafte Geschichte, die. in den ersten Stadien entschieden spannend, im weiteren Verlauf dann frellich sehr viel gewaltsam Konstruiertes ausnimmt An Stelle innerer Anteilnahme tritt die ziemlich müßige und leere Neugier. Ein psychovathischer Herr, in dem man gleich einen der früheren Liebhaber der Frau vermutet, erscheint und fordert von dem Dichters- manne Rechenschaft darüber, wie er von den inttmsten Geheimnissen seines Lebcnsgange- Kenntnis erhallen habe. Vom Ausland« zurück- gekehrt, hatte er zufällig dem Kunstabend», an dem der Dichter ein Kapitel seiner neuen Arbeit vorgelesen, beigewohnt und mit Eni- setzen in jedem Zug der Hauptfigur sein eigenes Konterfei erblickt. Eine ungeheuerliche Indiskretion! Er soll ihm sagen, wer sie be- gangen hat. Nur jene Frau, die er einst liebte und deren Treulosig. keit ihm alle Zuversicht des Lebens nahm— so ist er überzeugt—, kann den Verrat begangen haben. Indes der Dichter scheint jene Mutmaßung nicht einmal zu ahnen. Niemand habe ihm etwas ge» jagt, die Testall sei sein« eigen« freie Schöpfung. Freilich, eine solch«. lich", durch„hinterlistigen v eberfall', mit„gefähr« lichen Werkzeugen", in„einer das Leben gefähr-» denden Weise" verübt wurde. Bereits einer der vier Gründe hätte genügt, die Körperverletzung zu einer gefährlichen im Sinne des Strafgesetzbuches zu stempeln, bei der der Staatsanwalt zum Einschreiten in jedem Falle verpflichtet ist. Der Staats- anwall übersieht olle vier Gesichtspunkte, er übersieht sogar, daß hier vielleicht auch das noch schwerere Delikt des Landfriedens. b r u ch e s in Frage kommt und verweist den Kläger auf den Weg der Prioatklage!— Das ist die rein juristische Seite. Aber selbst wenn der Staatsanwalt ein Recht gehabt hätte, den Kläger auf den Weg der Prioatklage zu oerweisen, so mußte er hier doch zweifellos ein öffentliches Interesse für gegeben erachten, da es sich um ein politisches Attentat zur Unterdrückung der Mci- nungsfreihell handclle. Wir erwähnen hier zum Bergleich, daß der Breslauer Staatsanwalt gegen einen Republikaner, der einen Hakenkreuzler zum Ablegen des Hakenkreuzes aufforderte, so» fort im öffentlichen Interesse einschritt. $uc öas Suegenlanü. Dien, 5. September.(WTB.) Gestern fanden Massen» kundgebungen für das Burgenland statt bei denen die Regierung aufgefordert wurde, die Entente auf den unhaltbaren Zustand aufmerksam zu machen und die schleunig« Räumung des Burgenlandes mit allem Nachdruck zu verlangen. Gleichzettig wurde gegen die Teilung des Burgenlandes durch Ungarn entschiedenste Verwahrung eingelegt. Trotz der Versicherung der ungarischen Regierung, fie werde dem Bandenwesen im Burgenland Einhalt gebieten, finden weitere Ueberfälle statt, so bei Oesersdorf und Hohenburg. Ein schwer verwundeter ungarischer Soldat wurde gefangengenommen! Der österreichische Minister des Innern und der Heeresminister begaben sich nach Matterndorf im Burgenland. ?rlanü lehnt ab. London, 4. September.(Reuter.) Die Sinnfelner haben die Ariedensoorschläge Lloyd Georges abgelehnt In der Erklärung heißt es, daß das Volk Irlands keine frei» willige Union mit England anerkenne und das fundamentale natürliche Recht in Anspruch nehme, frei für sich selbst zu wählen. um sein nattonales Geschick zu verwirklichen. Die englischen Der» mittlungsvorschläge vom 20. Juli lehne man unwiderruflich ab. Man sei aber damll einverstanden, daß ein neutraler unpar» teiischer Schiedsrichter zwischen Irland und England ent- scheide. Die Iren würden mir Widerstand leisten, wenn die Eng» länder damit drohten, ihren Standpunkt mit der Gewalt zu unter- stützen. Drohungen mit der Gewall müßten ausgeschaltet werden. um es zu ermöglichen, daß Bevollmächtigte zusammentreten, die durch keine Bedingungen behindert würden außer durch die Tat- fachen selbst. Die Iren schlügen als Berhandlungsgrundsatz vor: „EineRegierung mitEinwilligung der Regierten", den die Engländer immer als einen speziell englischen Standpunkt für sich in Anspruch nähmen. Auf dieser Grundlage sei Irland bereit sofort Bevollmächtigte zu ernennen. Die Preß Association meldet, es verlaute, daß die Antwort der Sinnfeiner in Regierungskreisen als eine endgültige Berwer- f u n g der Lorschläge der Regierung, Irland die Stellung eines Do- minions einzuräumen, angesehen werde. Die Lage werde für äußerst ernst geHallen. Der engllsche Arbeiterführer Thomas erklärt« einer EE.-Meldung zufolge in einer Rede in Cardiff, daß seiner Meinung nach keine englische Regierung Irland zu einer freien unabhängigen Republik machen könne. Es wäre daher ein Der- brechen, das irische Volk in derartige Hoffnungen zu wiegen, um es zu veranlassen, neue Opfer zu bringen. ver Schweizer sozialdemokrattfche Parkellag beschloß den Leitritt zur Wiener Arbeitzgemeinschaft Die DSZlP. in der Tfchechossowakei. Am 1. September erschien in Prag die erste Nummer des„Sozialdemokrat", Zentral- vrgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakei. bei der ihm eine fremde unbewußte Macht gleichsam die Feder führte. Die Erinnerungen der Frau, ihr Denken an den einst Ge- liebten hat sich— so deutet hier das Drama an— auf den Poeten übertragen. Und das Ungettärte des Vorganges fetzt sich im Geist des Fremden dann obendrein noch in die Zwangsvorstellung um, daß diesem Dichter eine Art dämonischer Gewalt oerliehen sei, daß er selber als bloßer willenloser Schatten der Gestalt, die jener schuf, im Leben existiere, daß ihn das Schicksal treffen müsse, das jener für fein Phantasiegcschöpf ersinnen werde. Er reoolliert dagegen. Doch nur, um schließlich, als er nach scheinbarer Eroberung der einst Ge- liebten von jenem abermals aus ihrer Gunst verdrängt wird, sich zu erschießen, wie es fein Gegenbild in dem Roman tut Die Aufführung des nur drei Figuren zählenden Werke» unter Roberts Regie war feinsinnig in jedem Punkte abgetönt Winter st eins prachtvolle Leistung standen Elfe Heims und F o r st n« r als verständnisvolle Partner zur Seite. Las Stück wurde, namenllich nach dem ersten, seinem besten Akt«, stark ap- plaudiert' dt. Sonyek lu Irland. Wie Dubllner Blätter berichten, befinden sich die großen Mühlen- und Bäckereianlagen der Firma Cleeve in dem in der Grafschaft Limerick gelegenen Bruree vollständig in den Händen des irischen Transportarbeiterverbandes, lleber dem Haupt- tor der Mühle prangt in riesengroßen Buchstaben die Inschrift „Bruree-Sowjet-Arbeitermühlen: Wir mache» Brot aber keinen Profit." Darunter liest man:„Die Bruree-Mühlen und»Bäckereien sind jetzt Eigentum der Arbeiter. Die Mühlen und die Verkaufs- laden sind für de» Vertauf von Brot, Mehl und Kleie geöffnet Wir hoffen, durch Ausschallung jeden kaufmännischen Gewinns die Preise herabsetzen zu können. Auf Befehl der Arbeiter!" Als die Arbeiter von dem Unternehmen Besitz ergriffen wurde sofort die rote Fahne auf dem Gebäude gehißt. Gegenwartig weht daneben auch die Flagge der irischen Republik. Die Zwistigketten. die zwi» schen den Arbeitern und dem Besitzer im November des vorigen Jahres wegen der Entlassung eines Arbeiters ausbrachen, haben mtt der Erklärung des Sowjet-Regiments ihr Ende gefunden Die Führer versichern, daß die Produkttim verdoppelt fei. Schonung für das Elchwild. Der Elch,«in in alten Zeiten über ganz Deutschtand verbreitetes Wild, ist jetzt bis auf einige Rest- bestände in Ostpreußen völlig ausgestorben. Dies« ostpreußischen Be» stände haben aber während der Kriegszeic nattirlicherweise stark ge- litten, so daß Gefahr vorliegt, daß Deutschland dieses Ueberbleibfel ieiner allen Fauna gänzlich verliert. Iagdfveunde und die Heimat- pflege haben sich deshalb des Elchwildes angenommen und der Ober» Präsident von Ostpreußen hat im Einvernehmen mit den Ministern für Landwirischaft und für Volksbildung(letzterem untersteht die Naturdentmalpflege) sür die Jahre 1921, 1922 und 1923 eine völlige Schonung des Elchwildes angeordnet. Zum ersten Male hat hier die Regierung von den Befugnissen Gebrauch gemacht, die ihr durch da» neue Feld» und Forstpolizeigesctz von 1920 verliehen worden sind. Eine ragung Wo���t���"racht?Ä»her Netnate 5. Internationaler öuchöruckerksngreß. Wien, den 4. September. Die älteste gewerkschaftliche Internationale, die der Buch- drucker, hält vom S. September ob ihren 8. Internationalen Kon- greß in W i e n ab. Dem Internationalen Vuchdruckersekretariat sind 20 Organisationen mit weit über 160 00v Mit- gliedern angeschlossen. Bon den angeschlossenen Organisationen -laben sich zur Teilnahme gemeldet: die Landesorganisationen der Buchdrucker in Böhmen, der Niederlande, in Jugoslawien, Däne- mark, Frankreich, Deutschland, singarn, Bulgarien, Mähren, Luxem- bürg, Italien, OesterreiM, Schweiz, Siebenbürgen, Bannt und Nor- wegen. 2on� nicht angeschlossenen Organisationen haben sich drei englische mit je einem Delegierten angemeldet. Ferner werden ver- treten sein die Internationalen der Lithogrovhen und Steindrucker sowie der Buchbinder. Auch soll der Allrussische Industrieverband der polygraphischen Gewerbe die Absicht haben, zwei Vertreter nach Wien zu entsenden. Die Tagesordnung des Kongresses umfaßt u. a. folgende Punkte: Bericht der Sekretariatskommisiion; Gegenseitigkeitsoer- träge; Industrieverband; Technische Entwicklung im Graphischen Ge- werbe; tarifliche und taktische Fragen; Frage der Pressefreiheit: An- schluß der dem Internationalen Buchdruckersekretariot noch fern- stehenden Verbände; Anträge usw. Der Kongreß wird versuchen. Richtlinien fürdie künf- t ige Wirksamkeit aufzustellen, was angesichts der nationalen Verschiedenheiten in der theoretischen Auffassung wie in den prakti- schen Gepflogenheiten und auch in der Gesetzgebung keine leichte Auf-- gäbe sein wird. Bon mehreren Verbänden liegen Anträge vor, so vom franzö- sischen Verband über die unter den einzelnen Verbänden abzu- schließenden Gegenseitigkeitsverträge; ein anderer über eine internationale Einheitsorgonisation mit den Lithographen und den Buchbindern: von dem norwegi- schen Verband über die Schaffung einer internationalen Reserve- k a s s e; vom österreichischen Verband über die Beitragsleistung auf Grund der Geldwährung eines jeden einzelnen Landes. Wie hier aufgezeigt, gelangen Fragen und Anträge von außer- ordentlicher Wichtigkeit und Tragweite in Wien zur" Behandlung. Es wird mit eine der Hauptaufgaben der Konfereenz sein, die voll- kommene Geühlosienheit der Buchdrucker aller Sprachen herbeizu- fuhren. Der deutsche Verband, als die größte-Buchdruckerorgcmisa- üon, wird seinen guten Willen und seine ganze Kraft für die er- habenen Ziele einschen. Wir werden über die Verhandlungen und Beschlüsse des Kon- greffes na'' Schluß zusammenfassend berichten. Wirtschaft Die Belebung der Industrie.' Die Berichte, die die preußischen Handelskammern über den Geschäftsgang in Handel und Industrie im Monat August dem Handelsministerium erstattet haben, losten eine Belebung fast aller Zweige des Handels und der Industrie er- kennen. Diese ist in erster Linie eine Folge der Entwertung der Mark. Die Markverschlechterung führte zu beträchtlichen Aufträgen aus dem A u s l a n d e, obwohl die deutschen Preise gegenüber denen vom Mai und Juni beträchtlich anzogen. Aber auch im Inland zeigte sich große Kauflust, die zum Teil wohl einem vorhandenen Bedarf entsprach, zum nicht geringen Teil aber der Sorge vor wei- teren Preissteigerungen entsprang. Aus der Konfektion wird sogar mitgeteilt, daß sie schon für den Sommer 1922 bis- p o n i e r t wäre. Die Belebung von Handel und Industrie hat die in den letzten Monaten verminderten Klagen wegen unzureichender Kohlenbelieferung wieder sehr laut werden lasten. Dabei ist aber bemerkenswert, daß an Rohbraunkohle Ueberfluß herrscht. Im mitteldeutschen Braunkohlenrevier mußten Feierschichten ein- geleM werden. Offenbor ist die mit vielem Tamtam propagierte Umstellung der Industrie auf Braunkohle bereits zum Stillstand ge- kommen. Die gesamte Eisenindustrie berichtet über lebhaften Geschäftsgang; nicht gleichmäßig, aber im allgemeinen, bester ist auch die Lage der Maschinenmdustrie. So ist der Automobilbau gut be- schäftigt, der Lokomotivbau hat bis zum Anfang nächsten Jahres genügende Aufträge. Eine Belebimg zeigt auch die Elektro- t e ch n i k. Allgemein gut lauten die Berichte aus der T e x t i l- i n d u st r i e. Ebenso liegt es bei Häuten und Fellen sowie in der Schuhsabrikation und im Schuhhandel. Die chemische Industrie verzeichnet lebhaftes Geschäft bei erhöhter Nachfrage im In- und Ausland. Nicht schlecht geht es auch der Zementindustrie. während über die Lage der Feinkeramik noch geklagt wird. Die G l a s i n d u st r i e, bis auf Spiegelglas, ist ebenfalls gebestert. Aus der Holzindustrie lauten die Berichte nicht einheitlich. Die Brauereien verzeichnen einen stärkeren Absatz, ebenso die Tabakindustrie. Bei allen diesen Berichten muß man sich vergegenwärtigen, daß sie von interessierter Seite stammen. Die Interestenten pflegen aber so lange zu klagen, bis man die Besserung nicht mehr leugnen kann. Ueberall finden sich in den Berichten Seitenhiebs auf die Lohnbewegungen der Arbeiter, obwohl die Löhne im Ver- hältnis zu den Preisen weit zurückgeblieben sind; die Wirkungen der Lohnbewegung auf die Rentabilität der Unternehmungen wird oft grau in grau gemalt, wenngleich man wisten mußte, daß bisher den erhöhten Löhnen nur doppelt aesteigerte Gewinne gegenüberstehen. Man kann sich asto ein Bild machen, wie die Geldentwer- ' t u n g dem Privattapital in die Hände arbeitet, während das Reich dabei Milliarden zusetzt. Hoffentlich zieht die Stcuergesetz- gebung daraus die richtigen Schlüste! Auflösung der Keichsfleischstelle. MTB. meldet: Da die seit Wiedereinführung der freien Wirtschaft für Schlachtvieh und Fleisch eingetretene günstige Entwicklung der heimischen Fleischversorgung die weiter« Beibehaltung einer besonderen Reichsstelle für die Zwecke der Ueberwachung der Fleischversorgung entbehrlich erscheinen läßt, hat der Reichsminstter für Ernährung und Landwirtschaft die Auf- lösung der R e i ch s fl e i f ch st e l l e, Verwaltungsabteilung. zum 1. Oktober d. I. verfügt. Die Reichsfleischstelle, Ge- schäftsabteilung, befindet sich bereits feit 1. April d. I. in Liquidation. Schuhzölle aegen Deukschlauds Außenhandel. Nach einer Havas- Meldung aus Melbourne sind wegen der deutschen Anstrengungen, den australischen Markt zu erobern, besonders auf dem Ge- biete des Klavierhandels, die Zollsätze auf diese Artikel um 10 Proz. erhöht worden. Ver Zlbbau des Jriedensverkrages. Die wirtschaftliche llndurch- führbarteit des Friedensvertrages hat auf verschiedenen Gebieten be- wirkt, daß die Ententestaaten die Ihnen zustchenden Lieferungen nicht in Anspruch nehmen. Die Weftschifsahrtskriese, im wesentlichen eine Folg« des die Kaufkraft Mitteleuropas vernichtenden Diktats, hat es dazu kommen lasten, daß man auf die Lieferungen neuerbauter Schiffe verzichtete. Die Kohlenlieferungen haben, nachdem schon das Abkommen von Spa die im Friedensvertrag vorgesehene Menge herabgesetzt hat, ebenfalls abgenommen, nachdem Frankreich die ihm zustehenden Mengen an Rohbrauntohle und Koks nicht mehr gebrauchen kann. Endlich hat Frankreich, wie die„Köln. Volksztg. hört, noch nicht eine einzig« von den ihm im Friedensvertrag zuerkannten 50 000 Tonnen Teer abgenommen, da ihm angeblich die deutschen Inlandsvreift zu hoch seien. In Wirklichkeit stehen die deutschen Jnlandsvreise teilweise noch erheblich unter den Weltmarktpreisen.— Diese Beispiele zeigen, wie sehr stch der wirtschaftliche Teil des Friedensvertrages von selbst überlebt und daß dieser Prozeß fort- schreiten wird, wenn man nicht durch Revcmchegeschrei die Ansprüche der Vertragsgegner unnötig reizt. GroßSerün die Ernteausftellung öer Laubenkoloniften. „Segen ist der Mühe Preis." Der Verband der Laubenkolonisten Berlins und Umgegend, angeschlossen dem Zentralverband der Weingarten- oereine Deutschlands, veranstaltet zum 15. Male seine Aus- stellung von Erzeugnissen des Gartenbaues und der Kleintierzucht. Am gestrigen Sonntag wurde die Aus- stcllung, die diesmal auf dem Viehhof an der Eldenaer Straße in einer riesigen Glashalle untergebracht ist, durch den Verbandsvor- sitzenden Steinweg ohne besondere Feierlichkeit eröffnet. Die wieder sehr reich beschickte Ausstellung bietet das gewohnte Bild: eine Fülle von prächtigen Blumen, Früchten und Gemüsen, unter denen so manches Stück durch erstaunliche Größe sich aus- zeichnet, und eine statlliche Schar von Kleinvieh, oft aus wertvoller Raste, von Hühnern, Tauben und Kaninchen, auch von Gänsen, Ziegen und Schafen. Alle diese Proben des Erntesegens und der Zuchtersolge sind ein ehrendes Zeugnis für den Fleiß und das Können der L a u b e n k o l o n i st e n, die in Garten- bau und in der Viehzucht durch sachkundige und planvolle Arbeit es zu achtunggebietenden Erfolgen gebracht haben. Die Bewirtschaftung von Laubenland hat allmählich eine Vollkommenheit erreicht, die gründliche Fachkenntnisse voraussetzt, wie sie viele Laubenkolonisten tatsächlich haben. Ein beachtenswerter Beitrag hierzu ist in der Ausstellung die von Erwin Lötzsch zusammengetragene höchst lehr- reiche Sammlung von Schädlingen des Obst- und Gemüsebaues. Daß die Laubenkolonien im Laufe der Zeit sichdurchsetzten, haben sie auch ihrer Organisati on zu danken. In der Aus- stellung sieht man ein Tableau, dos den Aufftieg der Groß-Berliner Organisation der Laubenkolonisten zeigt. In 1905 bestand diese aus 1 Kolonie mit 1200 Ouadratruten Land, in 1921 aber umfaßt sie 595 Kolonien mit 1200 000 Quadratruten Land. Zum Gauvcrbcmd Groß-Berlin gehören jetzt 750 Vereine mit 56 000 Mitgliedern. Inzwischen ist das Laubenkoloniewcsen öffentliche Angelegenheit ge- worden, zu deren Förderung jetzt has Kleingartenamt der Stadt Berlin berufen ist. An der Ausstellung betelligt sich das Kleingartenamt mit Tabellen und Plänen. Behörden und Körperschaften haben die Bedeutung der Lauben- kolonien gewürdigt durch Stiftung von Ehrenpreisen für die Aussteller, zum Teil auch durch Entsendung von Vertretern zur Aus- ftellungseröffnung. Unter den 70 Preisen seien hier nur genannt diejenigen des Reichsarbeitsministeriums, des preußischen Wohlfahrts- Ministeriums, des preußischen Landwirtschaftsministeriums, der Stadt Berlin, des Verwaltungsbezirks Weißenfee, der Stadt Wien(l), der Landwirtfchaftskammer Brandenburg, der Handelskammer Berlin. des Verbandes der Laubenkolonisten Berlins und Umgegend, der Deutschen Gartenbaugesellschaft. Die Ausstellung ist noch geöffnet am heutigen Montag bis abends 9 Uhr, am morgigen Dienstag von morgen» 9 Uhr bis abends 6 Uhr. Slawen im Haus. Die vom Verbände der Gärtner und Gärtnerei-ArbeUer im Lehrervereinshaus am Alexanderplatz veranstaltete Blumen. ausstellurug gibt einen guten Anschauungsunterricht, wie mit einfachen Mitteln die köstlichsten Wirkungen erzielt werden können. Ein«streben nach erhöhter Kullur geht durch die Arbeiterschaft. In allen Lebensäußerungen macht es sich bemerkbar. Lebensfreude soll geweckt werden trotz aller Not, die uns umgibt. Da ist ein kleiner Tisch mit blütenweißem Linnen gedeckt und in der Mitte prangen in einer zierlichen Schale Büschel mit roten Beeren, von denen einige Dolden scheinbar ganz zufällig daneben gestreut sind. Wenn man sich vorstellt, daß zwei lieb« Menschen an solch einem Tisch in einer traulichen Stunde zusammenkommen, dann gewinnt man ein Bild von anziehendster Intimität. Die ganze Ausstellung, die leider schon heute geschloffen wird, ist über- Haupt auf höchste Persönlichkettskultur eingestellt. Allen EreigNisien des menschlichen Dasems, der Trauung und dem Alltagsleben, der Festesfreude und dem Begräbnis ist der Blumenschmuck angepaßt. Man freut sich der unerhörten Anpasiungsfähigkeit und ist stolz auf diese Arbeiterkünstler. Der jchlichte Zweig einer Kiefer schmückt einDtucksvoll und würdig das Bild unseres alten Bebel. Basen sind mit losen Astern fast schmucklos gefüllt und wirken gerade deshalb. Hochzeitstafeln sind durch einfache Ranken freundlich ge- staltet. Ueberhaupt ist der ganze Brautfchmuck, duftige Myrtenkränze und wunderfeine Sträuße, so schön gefertigt, daß denen, die im Begriffe sind, die schwerste Lebensarbeft auf sich zu nehmen, leicht und froh zu Mut« werden muß. Wie freundlich sind auch in der Begräbnisabteftung die Urnen geschmückt. Da ist aus dunklen Strohblumen ein winzig kleiner Tempel errichtet, in dem gelbe Blumen wie goldene Sterne leuchten und in der Mitte steht die einfache Urne. Ein lichter Kranz ziert eine andere und man könnte wohl glauben, daß sie die Reste eines jungen Mädchens enthält, und wieder andere Urnen sind mit bronzenen, tiefernsten Blumen- ketten umwunden. Da sind Kränze aus kostbaren Blumen, leuch- tend-rote und zart-weiße und auch vielfarbige, solche aus einfachem Heidekraut und andere, in denen Chrysanthemen vornehm thronen. Auch Stilleben, aus prächtigen Früchten zusammengestellt, wer- den gezeigt. In einer Ecke blühen die Herbstestinder aus Wald, Flur und Heide inmitten von feuchtem Moos, aus dem drei rote Pilze wie ein Fanal herausleuchten. Sicher lasten sich aus Salbei und Katzenpfötchen, Schafgarbe und Herbstzeitlose, aus den Blüten der wilden Möhre im Berein mft Weiderich und Malven die lieblichsten Sträuße binden. Welch Gegensatz bilden zu diesen ein- fachen Kindern des Nordens die lebensfreudigen japanischen Nym- phaceen, die links vom Eingang ein Wasferbastin füllten. In zierlichen Aquarien waren Wasserpflanzen vertreten. Es ist ein Vorteil, daß die Ausstellung räumlich recht begrenzt ist. Das kommt den einzelnen Leistungen zugute, die der Besucher viel aufmerksamer und frischer betrachten kann als in einer größeren Ausstellung, die ihm kaum Zell zum Erfassen des Gebotenen übrig läßt._ Der Raubmorü bei Lanüsberg. Ausgrabung und Obduktion der Leiche. ' Die Aufklärung des Mordes an dem Schwerkriegsbeschädigten Franz Schröter, der in der Marienthaler Straße 24 zu Baumschulenweg wohnte, hatte am Sonnabend in Z a n s i n bei Lands- berg, dem Wohnort des Täters, große Aufregung hervorgerufen. Zur Nachprüfung feines Geständnisses waren Berliner Kriminal- beamt« mft ihm dortbin gefahren, um in dem Garten des Gehöftes Nachgrabungen nach, der Leiche anzustellen. Bei den Nachgrabungen stießen die Beamten zuerst auf das künstliche Bein des Ermordeten. Daraufhin wurde die betreffende Stelle in einem weiten Umkreise ausgehoben, um die Leiche unser- fehrt bergen zu können. Das gelang auch. Dabei zeigte sich, daß die Leiche des Erschlagenen in ein l'A Meter tiefes Loch geworfen worden war, das aber fo schmal war, daß das�Genick des Toten gebrochen und der Kopf auf den Brustkasten gedrückt worden war. Die ausgegrabene Leiche wurde sofort von der anwesenden Lokalbehörde. dem Oberstaatsanwall von Landsberg und der Ge- richtskommistion besichtigt und dem zuständigen Kreisarzt obduziert. Die Obduktion ergab, daß dem Manne die Schädeldeck« on mehreren Stellen eingeschlagen und auch der Oberkiefer zertrüm- m c r t worden ist. Dieser Befund bestätigt das Geständnis des Mör» ders, nach dem Schröter mit einqm schweren Holzkloben erschlagen worden ist. Die Auwejenheft des früher schon übel belemodeteu Be- sitzerfohnes, der auch in einem anderen Falle schon einmal des Mor» des verdächtigt worden war. versetzte die Bewohner des Dorfes in große Aufregung. Um das inmitten des Ortcs gegenüber der Dorf» kirche belegene Gehöft hatte sich eine große Menschenmenge ange» sammelt, die, als der Verbrecher mit siuem Fuhrwerk nach der Bahn- station Londsberg gebracht wurde, versuchte, das Fuhrwerk anzu- halten und den Verbrecher zu lynche n. Nach der Ausgrabung wurde Pcfchke wieder nach Berlin gebracht und hier gestern dem Schlächter Schimmel aus Zansin nochmals gegenübergestellt, den er der Mittäterschaft beschuldigt. Zur Aufklärung des ganzen Treibens der Verhafteten ist es von großer Wjchtigkeit. daß sich alle Personen, die den Besuch oder Schreiben von Guts- oder Lculdwirtschaftsverkäufern erhalten haben. unverzüglich bei Kriminaikommiffar Trettin im Zimmer 103 des Polizeipräsidiums meiden, insbejondore auch eine Familie in der Ioachimftraße, die von Schmerfe ausgesucht worden fein soll. Die Kriminalpolizei hegt den dringenden Verdacht, daß die Verhafteten allein oder mit noch anderen Spießgesellen weitere Verbrechen dieser Art auf dem Kerbholz haben. Sie hofft auch jetzt den Fall Grötchkc aufzuklären. Verschärftes Vorgehen gegen die Tpielklubs. Die Berliner Kriminalpolizei plant ein besonders energisches Vorgehen gegen die immer mehr um sich greifende Spielwut weiter Kreise. Unternehmer und Spieler kamen bisher verhältnismäßig glimpflich davon. Vielfach beschränkte man sich darauf, ihre Persön- lichkeiten festzustellen. Von nun an soll die ganze Gesellschaft. die man bei verbotenem Glücksspiel antrifft, außerdem ober auch der W o h n u n g s i n h a h e r, der seine. Räume zum Glücksspiel zur Verfügung gestellt hat, nach dem Polizeipräsidium oder nach der nächsten Wache und unter Umständen von dort gleich zur Staatsanwaltschaft in Maabil gebrocht werden. Dia zum Spiel benutzten Räume werden versiegelt und dany sofort dem W o h- nungsamt zur Verfügung gestellt. Außerdem haben sich diese Wohnungsinhaber wegen Beihilfe vor dem'Strafrichter zu verantworten. Den neuen Transport mit den wenig eleganten und bequemen Wagen hat ein' Klub in Charlottenburg bereits kennen- gelernt. Es waren etwa 40 Personen anwesend, als die Beamten die Gesellschaft überraschten. Provokationen in Pankow. Am Sonnabend veranstaltcte der„Gemeinnützige Derein ehe» nvakigsr Angehöriger des Lehr-Infameric-RegimaMs" ein Wohltätig» Icb.sfeft im Bürgerpark, bei dem 2 Militärkapellen mitwirkten. Tüe Arbeiterschaft betrachtet aber alle dies« Feste in der jetzigen Zeit als ein« Provokation, da di« bisherigen Erfahrungen bewiesen haben, daß solche Feste der nationalistischen Hetze Vorschub leisten. So wurde bk Fortsetzung dieses„Wohltätigkeitsfestss" durch die Arbeiterschaft verhindert, woniber der„Lokalanzeiger" Zeter und Mord schreit. Di« Veranstalter hätten viel klüger getan, das Fest abzusagen, um so eine unnötig« Verschärfung der gespannten Lage zu verhindern. Die gestrige Kommunist. ndcmonstrakion im Lustgarten erfreute sich, wohl infolge d«s schönen Wetters, einer regen Beteiligung. Es wurde zur Hilfsaktion für Sowjstrußland ausgsfordert, und da die Ausführungen d«r kommunistischen Redner sich in maß- vollen Worten bewegten, kam es zu kemerlei Zwischenfällen. Die Polizei hatte sich in der Hauptsache mit der Absperrung der Dann» meile begnügt. Ein Dooksvnglück auf dem Hermsdorfer See ereignete sich gestern nachmittag. Ein mit sieben Personen besetzter Kahn kenterte aus noch nicht geklärten Gründen, und alle Personen fielen ins Wasser. Es gelang, fünf Personen lebend zu bergen, zwei fanden den Tod, den 33 Jahre alte Eheftau Martha Ihde, geborene Wolf, au; der Weidmannftr 3 zu Weidmannslust und deren drei Jahre altes Töchterchen Hertha. Während die Leiche der Frau bereits geborgen werden tonnt«, ist di« des Kindes noch nicht gelandet worden. Der Hofsieferanken-Honig. In der in Berlin erscheinenden Monatsschrift„Der Naturarzt" preist ein ehemaliger oldenburgifcher Hoflieferant seine Ware folgendermaßen an:„Der frühere Titel Hoflieferant beweist die Güte meines Ho- nigs.' Der Hoflieferantentitel wurde früher bekanntlich oft„ge- schoben" und hatte mit der Güte einer Ware, wenn man auch bei Hofe stets gut zu schlecken verstand, nicht immer etwas zu tun. .Hoffentlich ist der Honig dieses Ex-Hoflieferanten bester, als es die Fürsten waren, die solchen gewinnbringenden Titel dem Meistbie- tenden verliehen._ Wetter für morgen. Verlt« und llmgegend. NachtS kühl, um Mittag ziemlich warm. vielfach beiter, vorübergehend aber stärker bewölkt bei mähigen westlichen Winden, keine erheblichen Niederschläge. Hroß-Serliner parteinachrichten. SS. Sit., Tempelhok. Heute abend S Uhr bei Schmehle, Friedrlch-WUHelm-Etr 90: Enaer« Porstandslivung. II. Arti», Schöueberg Friedenau. Dienstag abends 7'/, Uhr: Kreisvorstants- ühung bei Drundt, Meinlnger Str. 8. ». fttei", Wtim.rsdart. Mittwoch, 7. Sept., abend» 7>/, Uhr: Kreisdeiegi-rten» Versammlung im Diktoria-Garten, Wilhelms-Aue 1X4/3, Sport. Rennen zu Grunewald. 4. September. Das Omnium sah Sausewind unter Geza Ianek als Sieger vor Ulan II und Parther, während Wollenstem den Hoppegartcner Ehrenpreis an sich brachte. l. Preis von Schönburg. 19 000 M. 1000 Meter. 1. Seattle (Sbeiti, 2. Sarabande(Kögler). 3. Crestalta kFanke). Tot.: 48:10. P'atz z 31,128:10. Ferner liefen: Danae, Offensive, Rabenfeder.— 2. Er» nti'nteruvgSrennen der Stuten. 25 000 3®. 1000 Meier. I. Min nie(Holgar». 2. Rebe(TarraS). 3. Caia Bianca(.(?. Schnudl». Tot.: 100:10. Pla«: 41,29.21:10. Feiner liefen: Matiel«,-Mafforn, Riartc, Nordlee, Mal a vropos, Cigaiista, Sennerin, Ravennm— 3. Hopvcgartener Ehrenpreis. 80 000 M. 1000 Meter. U Wallcnilcin(Zimmermanns. 2. König MidaS(LIcjnik), 3. Graf Ferry ,O. Schmidt». Tot.: 50: 10, Platz: 18, 18, 13: 10. Ferner liefen: Flächt. liiia, Perlschnur, Gondel, Lorenz».— 4. H a m i l k a r- Rennen. 21000 M. 2000 Meter. 1. Weser(Staudinger», 2. Wotkenschieber(Otesnik). 3. Feldgrau(Zimmermann). Tot.: 27:10, Platz: 13. 15:10.' Ferner liefen: Monila, Widerhall.— 5. O m n i n vi. 55 000 M. 3000 Meter. 1. Sausewind(Oft. Ianct», 2. Man II(Lüncberger). 3. Marther(Dauek). Tot.: 40. 10. Platz: 20, 33, 28: 10. Ferner liefen: Funkspruch, Nofenrilter, Naurasos. Persicus, Einhart.— 0. G a l t e e- M o r c- R c n n c n. 30 000 M. 12 000 Meter. 1. Prlorin 1(8. Ianek», 2. Contrabent(Tarrai-», 3. Joachim Ernst(Bruno Wenzel). Tot.: 20:10. Platz: 12.14,21:10. Ferner liefen: Bernhard, Gietzback, Whist. T-ioSeur. Heinrich Geh. Meister. — 7. S t e i n o r t e r Ausgleich. 24 000 M. 1400 Bieter. 1. Baun» steil,(2. Tarier». 2. Sonnenrose(H. Schmiöi), 3 Pwlzer(Wenzel». Tot.: 40:10, Platz: 15, 22, 17:10. Ferner liefen: Lc.'vng. Touschka, Prüfung, Münze. Mus aller Weit. Eisenbahnunglück bei Iserlohn. Das Eisenbahnbetriebeamt gibt bekannt: Am 4. September um 2 Uhr 15 Minuten nachmittags fuhr auf dem Bahnhof Iserlohn der Personenzug 888 von Schwerte nach Iserlohn dem Personen- zug 1317 von Letmathe nach Iserlohn in die Flanke. Bier Personen sind getötet, ein« Person schwer und 20 leicht ver» letzt. Bon den vier Getöteten sind bisher festgestellt: Karl Breuer aus Rcinermark bei Hennen, August Boing aus Bickerfclb bei Hörde.. Wilhelm Hanert aus Leckingsen bei Iserlohn. Bier Personen» wagen sind beschädigt. Der Beirieb wurde nach tuyzer Unter. brechung um 8 Uhr abends wieder im vollen Umfange aufgenommen. Di« Uncherfuchung der Schuldfrage ist eingeleitet. �ewerMsfisbewegung Zur Lohnbewegung öer stäStifcheu Arbeiter. Die BS.-Korrespondenz weist auf die eigenartige Situation hin, die sich nach den Beschlüssen der letzten Funktionärkonferenz ergibt. Es ist zwar der Schlichtun gsausschuß angerufen, zugleich aber aus Verlangen der Elektrizitätsarbeiter dem Magistrat ein Ultimatum bis zum kommenden Donnerstag gestellt. Wohl könnte der Schlichtungsausschuß inzwischen einen Schiede- sp-ruch fällen und es feien auch bereits für morgen vormittag Der- Handlungen angesetzt worden. Der Magistrat wünsche jedoch die Anwesenheit des Stadtkämmerers Dr. K a r d i n g bei den Derhand- längen, der aber bis Donnerstag dienstlich oerhindert sei, so daß vor Ablauf des Ultimatums wahrscheinlich keine Verhandlungen vor dem Schlichtungsausschuß stattfinden tonnten. - Wir sind schon der Meinung, daß in solchen Situationen der- artige Schwierigkeiten nicht gemacht werden sollten. Hat der Stadt- kämmerer kerne Gelegenheit, bis Donnerstag zu den Verhandlun- gen vor dem Schlichtungsausschuß zu kommen, dann müßte an fein« Stelle eben ein anderer Magistratsvertreter hingehen. Es wäre nicht das erstemal, daß der Oberbürgermeister bei solchen Der- Handlungen die Stadt Berlin vertritt, zumal er. als früherer Käm- merer die finanzielle Lage der Stadtgemeinde sehr wohl überblickt. Es mag auf zwei, drei Tage bei der Regelung der Dinge nicht unbedingt ankommen, zumal den Arbeitnehmern dabei nichts ver- loren geht. Doch nachdem sich die Vertreter der Arbeitnehmer nun einmal auf einen bestimmten Termin festgelegt haben, sollte man die Möglichkeit der Herbeiführung eines Schiedsspruches bis dahin wirtlich nicht an der Personenfrage scheitern lassen. Ist keine Berständigung über eine Verlegung der Verhandlun- gen vor dem Schlichtungsausschuß mit den Arbeitnehmervertretern zzi erzielen, dann müssen diese auch ohne Beteiligung des Stadt- JaMmerers vor sich gehen._ | Beendigte Lohnbewegung der FuhrwerkSkntscher. , In einer Versammlung am Donnerstag in den Eentral-Festsälen, Alt« Iaköbstr. 32, die überaus stark besucht war, beschäftigte man sich hingehend mit dem vom Schlichtungsausschuß Groß-Berlin gefällten Schiedsspruch, durch diesen Schiedsspruch sollen die Löhne der Schwer- und Leichtfuhrwertstutfcher folgend« Regelung erfahren: Mit Wirkung vom 1. September 1981 beträgt der Wochenlohn für Schwersuhrwertskutscher SSO M.. für Leichtsuhrwerkskutscher 325 M.: sür jugendliche Autsch« nn Alter bis 18 Jahren, die nur Zeitungs- und Aktenwagen fahren. 220 3Ä.; für Leichtfuhrwerks- kutlscher, Stalleute und Wächter, die durch Unfall od« Invalidität weniger leistungsfähig sind, können besondere Lohnvereinbarungen getroffen werden, jedoch dürfen dieselben nicht unter den Satz von 295 M. liegen. Für unständig« Arbeiter pro Stunde 8,25 M. Ar- beiterinnen«halten pro Woche 240 M. Für Ueberstunden werden 7,75 M.. an Jugendlich« 4,75 M. je Stund« gezahlt. Für reguläre Nachtarbeit werden je Stunde 8 M. gezahlt. Für das Füttern der Pferde, Reinigen der Geschirr« und Ställe, sowie Wagenschmieren, einschließlich der Pferdepfleg« cm den Sonntagen vormittags wird für die erste Stunde 8 M., bis zu zwei Stunden 12 M. gezahlt. Diese Tätigbat darf zwei Stunden nicht übersteigen. Für Stall- und Wachdienst sowie Füttern der Pferde an den Sonntagen abends«halten die Kutscher 8 M. In der lehr lebhasten Diskussion kam zum Ausdruck, daß die zugesprochene Lohnzulag« die Wünsch« der Arbeiterschaft nicht befriedige, da dieselbe für die eingetreten« enorme Preissteigerung aller Lebensmittel- und Bedarfsartikel keinen genügenden Ausgleich bietet. Als weitere Belastung dürste das Steuersystem nicht unbeachtet bleiben, auch evtl. die Kurzarbeit. Da die Kollegenfchaft mit aller Schärfe und Energie an den ge- stellten Forderungen festhielt, muhten die Arbeitgeber ihre Kurz- sichtigteit für die Notlage ihrer Arbeiterschaft ändern. Auch der von den Arbeitgebern angerufene Schlichtungsausschuß, der vor kurzer Zeit bei anderen gefällten Sprüchen die Anschauung oertrat, daß ein Aus- gleich von 8 bis 10 Proz. für die Teuerung genüge, konnte diese Auf- fassung nicht mehr aufrecht«halten. Mit Rücksicht darauf, daß der Arbetterschast auf wirtschastlichem Gebiet« noch weitere schwer« Kämpf« gegen die sich entwickelnde Teu«ung bevorstehen, sei die Notwendigkeit gegeben, das Pulver augenblicklich noch trocken zu hasten, um die Arbetterschast für den gesamten Kampf vorzub«e!ten und alle Kräfte darauf zu konzen- trieren. Unter dies« Voraussetzung wurde von d« Lohnkommission die Annahme de» Schiedsspruches empfohlen, was die Ver- fammlung auch beschloß. Die Arbeitgeber haben in ihrer Innungsversammlung de« Schiedsspruch ebe»fall» angenommen. Damit ist dl« Bewegung abgeschlossen mW treten die genannten Lohnsätze ab 1. Septcmber 1921 m Kraft. Lohnbewegung des technische« Bühnenpersonals. In einer Lolloerfammlung de» technischen Bühnenpersonals am Sonntag berichtete Schäfer über die bisherigen Lohno«hand- lungen. Auf die Forderung einer Teu«ungszulage Hab« der Ver- band Berliner Bühnenleiter erklärt, vorläufig 180 M. 4 conto zu zahlen. An diese Bewilligung sei der Wunsch geknüpft worden, daß ! man unverzüglich in Beratungen über den neuen Lohntarif treten möge. Die Versammlung solle nun beschließen, welche Forderungen an die Arbeitgeber zu stellen sind. Die folgende Aussprache drehte sich vornehmlich um die Frag«, ob es zweckmäßig« sei, die Forderungen nach prozentualen od« pauschalen Sätzen zu bemessen. Vollständige Einigtest herrschte dar» üb«, daß an den sozialen und ideellen Bestimmungen des noch de- stehenden Lohntarifs festzuhalten ist. Insbefondne dürfe an dem Achtstundentag nicht gerüttelt und die achtstündige Arbettszett nicht auf verschiedene Tageszeiten verlegt, d. h. nicht in mehrere Perioden zerlegt werden. Beschlossen wurde, für die vollbeschäftigten männlichen Ange- stellten eine Lohnzulage von 50 Proz. zu fordern, für die nicht voll beschäftigten Angestellten aber(Reinemachefrauen. Garderoben- frauen. Logenschließer usw.) eine solche von 100 Proz. Hi«auf wurde eine Kommission gewählt zur Verfechtung dieser Forderungen. Achlung. Spedistonskutfcher! Die Darmarbeit« Berkms ein- schließlich der Kutsch« stehen im Streik. Von den Darmfirmen wird versucht, den Betrieb mit Hilfe der Speditionsgeschäfte austecht- zu«halten. Wir ersuchen die S p e d i ti o n s t u tsche r, jeden Transport von Därmen abzulehnen. Zentraloerband der Fleische«. NchNma! Schwargt-pfi-Wilda». Die Nrbrit wird n» Diemlag. den«. Bevttmba. morgen» 7 Uhr wieder aufgenommen. Der Betriebsrat. Berantwortlich für den reda». Teil: vi»»,«chitz. Berlin; fitr Anzeige»! TA. Glocke, Berlin. Verlag:»orwärtS-Beria« G.m.b.H., Berlin. Druck: Bor- witrtK.Bulbdruckerei» BerlagSanltalt Ba»l Singer«. Co.. Berlin. Llndenltr. s. „Die Neueste Deuffdie Mode' �m'�ä�Schnlttmuster-Verkaufsstellen in Berlins Brette 5lr.il ♦ RelnKKettdorler Slr.lS» OraEilenflr.« ♦ Rene Sdiönhanler 5tr.11 Bankeftr. 7» Srohbeerenar. 60, Ecke Yorkstr.• FranJdarter Mlet 64 Hokcniokeltr. 14• FranlcdnrOr. 23» Damlstcr Skr. 85• Praulaner Allee 181 SdiOa&aiifer Allee m« zoffener strafte. 35* Haolenlfelskraftc 108 Baotttaiif fr. Hann, Alexanderplalz, Landstterder Sir. 60-§3 WCJKGn SIND DIE NEUEN MODELLE AtüenllOl: Bismarc kstr. SS BanoMuiicroed:, Baumschulenslr. 18 Schlllerstr. 83 Berlin« Str. 121 ____|j Thorvraldsenstr. 3 Meartd» leide: B«iin«sir.ioo «roft-LldüerfeHie: Hlndenburgaamm 38a jokMuaislkal: Johannes- Wern«-Str. 23 BarMlorä: Treskowaüee 99a Schlofistr, 3 lidücnkerd: Kantstr. 44 WÜhelmsir. 66, Cek«~ Seumeslr. 26, Eck« Wchdoh-r, ßathausstr. 7 MazkOlin: HobrechUtr. 18 Kalscr-Frledrlch-SU. III Slelnmelzstr./Ö, EmserStr.tO* metferfdiSakanlen: Kaiser- Wilhelm-Sir. 63 Oft.-Stköaeweifle:Frisch«n»trj3 PaakOWJ Dammerowstr. 62 Schönholzer Sir. S RebdCfteML-W.: Elchbonwtr. 14 Bofenlkal I: Hauputr. 18 SAladiieiilee: viktoriartr.il SdHtacbert: L«uth«»ir.« Aposlel-Paulus-Str. 23 nementstadl: Nonnendamroflß _______ Morltzrtr, 23 Klosterstr, 3 Slephanrtr. 5 Tegel b« Berlin t Schlieperrtr, 13 Treptow: Graetckrtr. 22 Welfteaiee: Berliner All« 30«. 94 Prenzlou« Promenade 19 Wlhocndorf: Detmolder Sir. 10 ZcUendorf-Mltt«; TeliowerStra | I «ufterdem Schnlflmusfer-Lager In sfimfllctien Filialen der Firma HhE Splndler. PKrberel und dnendittte WnJbfannnnlt 6 Sondervorstellungen Das Amerlcan-fiirl Im Friedrich-Wilheimstädtisch.Theater für die Abonnenten des„Vorwärts11. Von Montag bis Sonnabend, den 10. September, bei Vorlegung dieses Abschnittes. •••••••••••«2* j Auf j allen Plätzen halbe j Kassenpreise! j I 8 Aßzirue, oCe c a s yß c Keebm 4 Uhr; Jagend 8 Uhr: Parzellen in«ggerndert. 15 Minuten vom Bahnhof Slrauederg ent» kernt, zu vertaufen. Kühn 4 Co. Berlin, Dorckttr. II. Kurf. 286S ..»arm ,u emdsthlen ist 2n«Ic«'» Patent- dleäilinat Salt« gegen unrein« Heut. Miteller. Knötchen, Pusteln usw. Hpezial» «rzt ve, W." Dazu Enckooh-Cremetnicht fettend u. fettb altig). In ollerApoth., Drogerien, Partümerie- u, SstjeurgelchälUa«Mtltch. SMttWiiWM Asjei.- Da, hiestge«kwerlschastokartell sucht zum baldigen««tritt! .w.» Arbeitersekretär. Derselbe hat w erster Linie die Recht» fragen de» Betrieb»- rlltegesehes, Tarif- und Schlichwngawesen» sowie de» neuen Ardeiterrechts zu bearbeiten. Refleltiert wirb nur auf ein««elf« Nras«. GeHall»ach lleberemkunft. Die Bewerbungen find bi» spätesten» 25. Sept. mit einem Aufsatz über die Tätigt»» ctara ArS«tt»rs»tr«>ar, an den Nllg. veutschen S>ei»«rtschoft»dan«, Ort» an». schütz Hostel, Spohrftr.«. einzufinden. lSi/ll HM, Tetlrnlilx. 5 J. Oarantie K r o a c n „_ 18 N. Tab ozleb. mit Einiprltx. höchst ,,...«chmeerie. Umarh.sahlechis.Oed llep 7sbn-4rrt Or.Walf nof PotsdsmerttJö.hochb-St Spn.9 7 Alis mg Walthorias Hignfoniltetn »»es. ii.........-- i■■ I II (D«lUl.t) 12 Fl. 25 Mk.,30F).«0Mk. fe,,k» l» Apolk-Dret, somI dir. v. Laborat. E. Waith ar. Hall«».S�TroIh« 143 k»»t» •xtra- •ttrkt Soeben erschien! Soeben erschien! Karl Radek (Referat überdieTaktikderKommunistischen Internationale, gehalten auf dem III. Weltkongreß, Moskau, Juli 1921.) Inhalt: Das allgemeine Bild der Weltlage./ Die Theorie der holländischen Schule./ Die Erfahrungen der Massenkämpfe: a) Der englische Bergarbeiterstreik./ b) Der italienische Kampf, c) Der De�emberstreik in der Tschechoslowakei, d) Die Marzaktion./ Die Losungen der nächsten Zukunft/ Schlußfolgerungen./ Schlußwort. |: 86 Seiten. Preis broschiert 1,50 M, gebunden 6 M. Zu beziehen durch die iog Carl Bop Bai. Ms Hamburg II 3*2»* sowie durch alle Bncbbandlungen und Organisationen der VKPD. Srillanlenill _ opacioijD,?ceve Sllkcr ha«. 8». Rebenstelle 6. 8-1 nn» t-fh Ute. Wohnungg-Augtauich I A. SCHÄFER Spedition(gegr. isso Lagerhaus Berlin-Wilmersdorf, Wilhelmsaue 36 Lahifjahrige bewährte Vertretungen in ganz Deutschland. Verkaufe RSHwafchi»«». Teilzahlung. Hahn�Prenzlauerstr. 20.' Staunenerregeudl Rotfüchse SV, Nreu'fUchfe 75 Marl an! Aloslafüchfe! 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