flg. 41 9 ♦ 3$. Jahrgang Ausgabe A Nr. 212 Bez«ssvretS» TierteljShrI.Z0.— M.. Mona«.«>.— Si. irei ins Saus, voraus zahlbar. Pvit» berug: Monatlich 10,— strllunzsgebühr Unter Deutschland. Danzig. l Memclgebiet, sonn» die ehemals deutschen«Sebiete Polen» Oesterreich- Ungarn und Luremtmra M,- M, Hit das übrige Ausland Z?,— M. Post» bestellungen nehmen an Oesterreich. Ungarn. Tscheche- Tlowalel. Dan» mut, Holland. Luremdurg. Schweden und die Schweiz. Der.SJormärts* mit der Sonntag»» beilag».VoU und Zeit', der Unter- haltungsdeilage �ermweln and der Beilage.Siedlung und Rlftngat»«* erscheint wochentdglich zweimal. So«»- tag» und Montag» einmal. Morgen-Ausgabe c OroB» ri Idernotnil~ berliner Volksblatt AnzetgenpretS, Sie»chtgrloalten, RonpareiUezetl» doltel tM M..Alctn»«njelgw da» feNgedruckl» Wort UA M.(zulässig zw" lettg, druckt» Wörter sede» «eitere Wort l.— M. Stellengesuch» and Schlafftellenanzetg»» da» erll, vor»•/— SU sede» wetten Wort « äfft. Wort» über 15 Buchltaden «Ahle» für zwe» Worte ffamilien-A». »»igen für Abonnent«» Zeil» M. Dt» Dreis» versteh»«(Ich einschltehlt» r»»«ruag»zulchlaft. «nzelge» tllr dt, adchste Rumme, müsse» dt» S Ahr nachmittag» UN Hauptgeschäft. Berlin SW 68. Linden- Stahe 8, abgegeben werden. Seilffn« »»»» Uhr früh di,» Uhr adend». X �entrawrgan der rozialdcmokratifchen parte! Dcutfchlands Neüaktton und Expedition: SW 08, Lindenstr. Z Qeterninrckck-r- Rrdaktio« Morihplatz IKlvS—»7 �crn,preaicr. Moritzvlatz»l7Sa-S4 Dienstag, den E. September INÄI vorwärts-verlas S.m.b.h., EW OS, Lindenstr.Z RerttibteebeV: Verlag. Expedition und Inseraten. .V y,«bteilung Morihplah 11753—54 Noch keine Klärung. Die Telunion verbreitet mit viel Eifer Stimmen •/VUH-UUt l IUI lCjl.Cl44-14•/ vviny V-/---—-------- Ueberheblichkeiten. Durch diese von der Kahr-Regierung eifrigst genährte Auffassung wird die politische Lage durch- aus nicht erleichtert. Man leie nur mit einiger Auf- merksamkeit die nachfolgende Auffassung„maßgebender bayerischer Regierungskreise" über den Stand der VerHand- lungen zwischen München und Berlin. Die Verhandlungen zwischen München und Berlin wegen der Verordnung des Reichspräsidenten sind noch nicht zu Ende geführt und werden auch den für heute einberufenen Ministerrat beschäf- tigen. Bis jetzt ist lediglich die eine Zusage erreicht worden, daß von Berlin aus ohne voOrrgehende Verhandlungen mit München der Ausnahmezustand in Bayern nicht aufgehoben wird. Im übrigen hat die Lage eine wesentliche Zuspitzung da- durch erfahren, daß der Reichsminister des Innern Dr. Gradnauer an di« bayerische Regierung ein Telegramm schickte mit dem Er- suchen, das Erscheinen der.München-Augsburger Abendzeitung" wegen ihres Artikels„Auf dem Wege zum Sowjetregiment" auf eine angemesiene Zeit zu verbieten und über die von der bayerischen Regierung getroffenen Maßnahmen nach Berlin Mitteilung zu machen. In einem weiteren Telegramm Dr. Gradnauers an die bayerische Regierung wird mitgeteilt, daß der Abgeordnete Klingler in Koburg sich telegrophisch an die Berliner Regierung gewandt habe mit dem Ersuchen, die Sicherheitspolizei in Koburg, die eine republikanische Feie» zu stören drohe, zurückzuhalten. Auch hier, er- suchte Dr. Gradnauer, das weitere zu oeranlasien und nach Berlin Mitteilung zu geben. Wie die Telegraphenunion zuverlässig er- fährt, besteht in maßgebende» bayerischen Re- gierungskreise» keine Neigung, dem Berliner Be- gehren auf Unterbindung des Erscheinens der„München-Augsbirrger Abendzeitung" zu entsprechen. Ob wegen der Koburger Sache etwas unternommen worden ist, darüber konnte bisher nichts in Erfahrung gebracht werden. Die Entscheidung über das Verbot dürfte jeden- falls am heutigen Montag zu erwarten sein. Es ist verständlich, wenn aus diesen Gründen der Hal- timg der Kahr-Regierung in Arbeiterkreisen nach wie vor die größte Aufmerksamkeit gezollt wird. Wir wissen, daß die Eisenbahner sich sehr ernsthast über die bayerisch« Frage unterhalten, uns stt bekannt, daß in der Pfalz die Bestre- bungen, von der Münchener Regierung loszukommen, wenn sie nicht Vernunft annimmt, überall im Wachsen sind. Die derzeitige Regierung in München sollte doch nicht ver- gessen. daß es in dem katholischen Bayern auch unter den Nichtsozialdemokraten viele Leute gibt, die den Mord an dem Katboliken Erzberger und sein« Verherrlichung in be- stimmten Münchener Kreisen durchaus nicht billigen. Wie wir erfahren, beraten zurzeit die Gewerkschaften Bayerns über die Forderungen, die eine Delegation der sozialistischen Parteien und der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter morgen dem Ministerium Kohr unterbreiten werden. In diesem Zusammenhang ist die Sozialdemokratische Partei Bayerns mit der Leitung der USP. in Verbindung ge- treten. Die sozialdemokratische bayerische Landtags- ftaktwn tritt morgen zu einer Beratung zusammen. O Das Wolffsche Telegraphenbureau verbreitet folgende �Richtigstellung": Unter der Ueberschrist„Reue Widerstände" teilt der„Vor- wärts' in seiner Abendausgab« vom S. September in einem eigenen Drahtbericht u. a. mit, die Lage zwischen München und Berlin habe eine wesentliche Zuspitzung dadurch erfahren, daß der Reichsminister des Innern die bayerische Regierung aufgefordert habe, eine republikanische Kundgebung in Koburg nicht stören zu lassen durch bayerische Sicherheitspolizei. Diese Mitteilung trifft nicht zu Das Reichsministerium des Innern hat vielmehr ein Telegramm des Landtagsobgeordneten Klinger, in welchem dieser gebeten hatte, gegen ein etwaiges Vor- gehen der bayerischen Schutzpolizei bei der fraglichen Beranstaltung einzuschreiten, lediglich der bayerischen Regierung zur Prüfung der Angelegenheit übermittelt. Wir möchten demgegenüber auf die oben abgedruckte Meldung aus„maßgebenden bayerischen Regierungstreisen" hinweisen. Es heißt in ihr wörtlich:„Im übrigen hat die Lage eine wesentliche Zuspitzung dadurch er- fahren, daß der Reichsminister des Innern an die bayerische Regierung ein Telegramm schickte usw." Wir stehen also in unserer Auffassung, daß die Lage zwischen München und Berlin eine wesentsiche Zuspitzung erfahren habe, nicht allein. Es sollte uns lieb sein, wenn wir Unrecht haben. Leider scheint es so, als wenn wir doch recht behalten sollten: der nachstehend abgedruckte Bericht unseres Münchener Korre- fpondenten gibt dazu einiges Material: München, 5. September.(Eig. Drahtbericht des„Vorwärts".) Die bayerisch« Regierung, deren Gesamtministerium den ganzen Tag über beraten hatte, ohne daß sie zu«ine« endgültigen Ergebnis gekommen wäre, hat ihre endgültige Beschlußfassung bis zur Stellungnahme der Koalitionsparteien vertagt. Unterdessen hat die bayerische amtliche und nichtamtliche Presse ein Wutgeschrei über das Eingreifen des Reichsministeriums in die baye- tischen Berhälwisse ausgestoßen, das seit Bestehen der deutschen Republik se inesgleichen sucht. Die„Augsburger Abendzei- tung", deren Schriftleiter uns eben mitteilt, daß das Blatt nicht an eine Einstellung feines Erscheinens denke, erklärt der Reichsregie. rung in dem„Bayerns Kamps ums Dasein" überschriebenen Leit- artikel den Kamps bis aufs Messer. Die Reichsoerordnun» gen hätten die Staatshoheit der Länder mit einem Federstrich beseitigt, die Staaten wären Polizcibezirke der Berliner Regierung geworden, Bayern hätte sein kulturelles Eigenleben und seine Polizeihoheit verloren, der sozialistische(!) Reichskanzler trete nicht auf die Seite des Reichs, sondern auf die einer Klasse. Und dann kommt die Bekräftigung der Gedankengänge jenes Artikels, dessent- wegen die Reichsregierung das Erscheinen des Blattes hatte unter- binden wollen: Wir sollen auf den Weg der allmählichen Bossche- wisierung gedrängt werden. Adolf Hoffmann hofft bald einen großen Erfolg nach Moskau vermelden zu können. Die Erklärung des„Vorwärts" in dessen Sonntagsnummer fei eine offene An- kündigung der Diktatur des Proletariats, der Preisgabe von Gesetz und Recht an die Willkür der Straß«. Der Artikel gipfelt in dem Satze:„Will man in Berlin Bayern noch einmal den Schrecke« einer Räteherrschast aussetzen? Die.Aufhebung de» bayerischen Ausnahmezustandes ist unmöglich, well die Berliner Verordnung die revolutionäre Bewegung in Layern aufs neue entfacht hat." Db:„Münchener Neuesten Nachrichten" schlagen denselben Ton an. Sie fordern angesichts der Kampfansage des„Vorwärts" eine Er- klärung der Reichsrtgierung, daß diese«inschlleßlich ihrer sozialisti- schen Mitglleder diesen dunklen Machenschaften fernsteh«. Das Zeit» alter des vormärzlichen Absolutismus scheine in der neuen deutschen Republik noch übertroffen zu werden. Selbst die amtliche„Bayerische Staatszeitung" stellt sich würdig an die Seite ihrer nationa- listischen SchwefterbMtter. Die scharfen Worte de« Reichskanzlers in der Groß-Berllner Zentrumsorganssation seien ebenso verwerflich wie die Tatsache, daß dieser das offene Grab Erzbergers zu einer Stätte der Polemik gemacht hat. Während der deutschnationale Parteitag in spaltenlangen Be- richten wiedergegeben wird, versucht das Blatt durch gewandte Re- daktion und geschickte Unterstreichungen, die Auslassungen des Reichs- kanzlers in einem rein parteipolemischen und sozialistischen(!) Sinne wiederzugeben. O Coburg, 8. September.(WTB.) Die Zahl der bei den Un- ruhen verletzten Personen wird jetzt auf zwanzig angegeben. Der Mogistrat der Stadt Coburg gibt bekannt, daß das Aufgebot der Landeepelizei ohne den Willen des Oberbürgermeist.'r» erfolgte. Zur Erörterung der Angelegenheit wird der große Gemeinderat einberufen. Die Vorstände der sozialistischen Parteien verlangen in einer Eingabe an das Reichsministerium des Innern L b b e r u- fung de» Staatskommissars Dr. Fritsch und sofor- tige Entfernung der chundersschast der Landespolizei. Thuriuger Lüge« widerlegt. Das Thüringer Innenministerium tellt un» drahllich aus Weimar mit: In Nr. 414 der„Deutschen Allgemeinen Zeitung" findet sich eine Drahtmeldung aus Jena, überschrieben:„Gespannte Lage in Thüringen". Die darin gegebene Darstellung der äugen- bllcklichen politischen Lage in Thüringen ist unzutreffend. Eine allgemeine Erregung, die die Herbeiführung verhängnisvoller Ereignisse aus den breiten Volksschichten heraus befürchten keß«, ist nicht zu bemerken. Einige im Verfolg der Verordnung des Reichspräsidenten vom 2g. August veranlaßt« Regierungsmaßnahmen werden in der Notiz völlig entstellt und aufgebauscht berichtet. Es ist unwahr, daß der Leiter des Gaujugendtages des DHD. in Schutzhaft genommen worden sei. Der Iugendtag wurde verboten, well diJ Abhaltung einer Sedanfeier auf öffentlichem Platze vorgesehen war. Unwahr ist ferner, daß mehrere deutschnationale Versammlungen verboten und dem deutschnationalen Redner Kaul-Zwischau verboten worden sei, in Thüringen zu sprechen. Wahr ist, daß eine Versammlung in Sonneberg wegen Beschönigung des Erzberger- Mordes durch den genannten Redner vom Stadtvorstand ge» schlössen wurde. Der Geschäfteführer des Bürgerbunde» und Leiter der BB.-Korrespondenz, Hauptmann a. D. Waas, ist seit einigen Tagen aus Weimar verschwunden, nachdem diese Korrespon- denz als Haupwerbreiterin vieler lügenhafter Artikel und Notizen über Thüringen und thüringische Beamte, insbesondere über den Minister Freiherrn v. Brandenstein, festgestellt werden konnte. Heratungen öes Reichskabinetts. Das Reichskabinett beschäftigte sich in einer am Montag ab- gehaltenen Sitzung hauptsächlich mll geschäftsordnungsmäßigen Fragen. Innerpolitisch« Angelegenheiten, so die bayerisch« Frag«, wurden nicht behandelt. Im Anschluß an die Erhöhung der Beamtengehälter usw. stimmte das Kabinett den vom Reichsarbeit«- minister vorgelegten Grundsätzen zur Aufbesserung der Kriegerhinterbliebenenreuten usw. zu. Die Republik und ihr Strafrecht. Don Johannes Werthauer. � Der nachstehende Artikel ging uns bereits vor einigen Tagen zu, noch ehe die jüngsten Verordnungen und Ankündigungen der Reichsregierung bekannt waren, Raummangel hinderte bisher sein Erscheinen. Wenn der Artikel daher auch in einzelnen Punkten bereits ver- wirklichte Forderungen ausstellt, geben wir ihn dennoch wieder, weil wir mit dem Verfasser der Ansicht sind. daß die Reichsregierung noch sehr viel weiter gehen muß, um die reaktionäre Fronde niederzuringen. Ueber einige der Mittel, die hier empfohlen werden, kann man bezüglich ihrer Zweckmäßigkeit geteilter Meinung sein, in der Gesamttendenz stintmen wir dem Verfasser zu. Red. d.„Vorwärts". Die Ermordung Erzbergers hat wieder einmal eine Er- regung hervorgerufen, welche die Verhinderung solcher Taten in der Zukunft verlangt. Es wird aber wohl, wenn der erste Unwille sich gelegt hat, beim alten bleiben, da die Schützer des Unrechts, sobald sie nur Zeit gewonnen haben, auch bald wieder die Oberhand gewinnen werden. Das Volk kennt nämlich die Ursachen der Uebelstände und den Weg zu ihrer Beseitigung nicht genau. Ich habe als Verteidiger Erzbergers in seinen Wieder- ausnahmebestrebungen. die in Kürze zur vollständigen Re- habüitierung desselben geführt haben würden, seine glühende Vaterlandsliebe und Pflichttreue schätzen gelernt. Da gerade er als Opfer der Uebelstände, die seit Jahrzehnten zum Scha- den Deutschlands in der Rechtspflege bestehen, gefallen ist, halte ich mich für verpflichtet. Ursache und Weg kurz zu weisen. Die Hetze gegen Erzberger beruhte auf dem Wunsch, in ihm die Republik zu treffen, ferner well gerade er für das Reich die Tteuermacht erkämpft hatte und die Sabotierer der Steuerabgabe jede wirksame Besteuerung mit allen Mitteln hindern wollen. Man oerbreitete über Erzberger zunächst die Verleumdung, daß e r an dem Abschluß des W a f f e n st i l l- stände» schuld sei. In Wirklichkeit hatte Ludendorsf den sofortigen Abschluß verlangt, und man hätte der Regie- rung und Erzberger höchstens zum Vorwurf machen können, daß man das Verlangen Ludendorffs nicht abgelehnt habe. Dann ging man zu persönlichen Verleumdungen übe". Republikanische Staatsmänner sind in Deutschland jetzt fast schutzlos, weil im Komps gegen die Berleumdnng die Ge- setzgebung unzureichend ist und die Rechtspflege ver- sagt hat. Vom ersten Tage der Verhandlung im Helfferich-Prozeß ab wurde auf Grund der Verhandlung gegen Erzberger durch Presseanyrifte dessen Ansehen systematisch herabgesetzt, um die Steuergesetzgebung zu stören, während er Tag für Tag neben der Verhandlung— ein grandioses Beispiel von Pflichttreue — gerade doppelt eifrig für die Finanzlage des Reichs ar- beitete. Demnächst kam das Urteil, welches Verletzung der Eides- Pflicht— zu Unrecht— feststellte. Die Unrichtigkeit des Ur- teils konnte erst viel später dargetan werden. Obwohl schon beim Durchlesen des Hessferich-Urteils dessen Mängel erkenn- bar sind, wurde es fortgesetzt gegen Erzberger verwandt, um ihn politisch unmöglich zu machen. Durch die Benutzung der Verhandlung und des Urteils wurde gegen Erzberger die Stimmung hervorgerufen, welche die sittlichen Hemmungen selbst der monarchischen Verbrecher im Volke selbst lähmen. Die Art der Bestrafung im Falle Hirschfeld, das Urteil im Fall des deutschen Prinzen, wel- cher einen Fremden körperlich verletzt hatte, die Nicht- be strafung von über 200 militaristisckfen Mördern und Kapp-Verbrechern. haben den Mut der Mörderzentralen so gestärkt, daß sie die freiheitlichen Volksführer straflos zu be- seittgen hoffen konnten. Die erregte Voltsmeinung fordert deshalb mit Recht, daß die Axt an die Wurzel der Uebelstände gelegt und nicht etwa die Erregung wieder dadurch verpufft werde, daß etwa mit der Ermittlung und Bestrafung der Mörder Erz- bergers die Sache für erledigt gehalten werde. Die nächsttiegenden Forderungen sind folgende: 1. Die Unabsetzbarteit der Richter muß in Wegfall kommen. Sie sollte eine outokratische Kabinettsjustiz mögllchst verhindern. Gegenüber einer V o l k s r e g i e r u n g ist sie ohne jede Grundlage und ge- reicht zum schweren Schaden. Der Richter ist entweder Voltsbeauftragter oder Beamter und muß daher entweder durch die Voltsver- tretung oder gemäß der Beamtengesetzgebung absetzbar sein. Man könnte verlangen, daß der Richter überhaupt mit der Politik sich nicht beschäftigen soll. Solange aber die Gesetz- gebung einen antisemitischen Abgeordneten als unparteilichen Richter erachtet, solange muß von der Fiktion ausgegangen werden, daß politisch« Tätigkeit die Unparteilichkeit nicht be» , einträchttgt. Diese Fiktion muß aber den Richter als neutralen Volksbeauftragten anerkennen, der eom Volt er- nannt und abgesetzt wird, oder der Richter ist Beamter und de» Leamtenrecht untenoorfen. 2. Hinzu kommt, ba& die Spruchrichter auch für gröbste s? a h r l ä ss i g k e i t nicht haften!.! Ein Richter, sogar Vor- sitzender eines Richtervereins, hat z. B. im chauvinistischen Gedankengang entgegen der klaren Strafprozeßordnung mir verboten, in der Sitzung den Beweisantritt für die Nicht- schuld des angeblichen Kriegsbetrügers vorzutragen, und dann ein den Unschuldigen entehrendes Urteil gefällt, so daß erst die zweite Instanz diese Beweise erheben und die Unschuld des Mannes feststellen konnte. Dies ist theoretisch nichts anderes, als wenn in Paris der Mörder von Iaurds freigesprochen ist. Der Vorsitzende eines Jugendgerichts nahm, als die beiden Schöffen freisprechen wollten, entgegen den klaren Vorschriften der Prozeßordnung den Schöffen ihr Recht auf Urteil und dem Angeklagten sein Recht auf Freisprechung. Beide Fälle sind dem Justizminister unterbreitet, der nichts dagegen machen kann. In einem Arrestprozeß verwirft ein Zivilgericht den Widerspruch gegen einen Arrest, indem es aus beigefügten Strafakten die Angeklagten verwechselt, obwohl klar auf das Erforderliche hingewiesen war. Die Rechtsverwaltung, also der Justizminister, ist völlig machtlos. Er darf vor Rechtskraft des Urteils sich in die richterliche Tätigkeit nicht einmischen. Nachher aber ist es natürlich zu spät. Der Justizminister müßte deshalb gegen- über Rechtsrügen im Parlament sagen:„Ich habe kein Recht, irgendeinen Fall vorher oder nachher zu beeinflussen. Ich bin ein Minister, der die Verwaltung juristischer Angelegenheiten hat, ich habe aber mit der Urteilstätigkeit der Richter nichts zu tun." Es fehlt also auch hier jede Kontrolle. Gegenüber den Anwälten haben die Richter die Fahr- lässigkeitsverantwortnng derartig gestaltet, daß die Versiche- r'mgsgesellschaft die Versicherung der Anwälte etwa der der Chauffeure gleichgestellt hat. Die Unabsetzbarkeit und NichtVerantwortlichkeit des Rich- lurs ist eine der Ursachen der Uebelstände, unter denen das Volk leidet. Sic rührt daher, daß die Juristen meist die Gesetze machten, so als ob-die Chauffeure bestimmen könnten, wie weit für zu schnelles Fahren jemand verantwortlich zu machen ist. Hier muß sofort, und zwar wegen der Haftung durch einfaches Gesetz abgeholfen werden. 3. Der Obrigkeitsstaat hat durch das Reserve- leutnantstum in äußerst geschickter Weise versucht, auch in die Beamten- und richterlichen Kreise das Gefühl, daß Gemalt vor Recht gehe, und den Gedanken der obrigkeitlichen Ab- hängigkeit hineinzutragen. Mit dem militaristischen Geiste sollte der herrschende Teil des Volkes mit dem Gedanken der Ungleichheit der Kasten, dem Dünkel gegen die Arbeiter und Soldaten durchsetzt werden, um wie die Syphilis im Körper korrumpierend zu wirken. Die Republik muß Richtergrsmien schaffen, welche treue republikanisch gesinnte Volksrichter find, sich dem Arbeiter gleich fühlen und den Kastenunterschied der Geburt und des Erbrechts innerlich überwunden haben. Hier kann die Ber- waltung sofort wirksam helfen.. 4. Durch Gesetz ober kann und muß sofort bestimmt wer- den, daß in Strafsachen nur e i n juristischer Richter und mindeltens-z w e i Laien in. jeder Sitzung mitwirken muffen. Das Schwurgericht ist unverändert zu lasten. Es ist ferner durch Gesetz zu bestimmen, daß es nur Reich srichter gibt. 5. Den U n i v e r f i t ä t e n ist jedes Vorrecht zu nehmen, das sie von den Fortbildungsschulen des ganzen Landes Unter- lckeidet. Dies kann im Verwaltungswege geschehen, und zwar sofort. Durch das Tragen der früheren militärischen Uniform wird absichtlich das Volk verhöhns, der arbeitende Teil auf- gereizt und gegen die Republik demonstriert. Es muß durch Gesetz das ostentative Tragen der Offiziersuniform verboten und jeder gesetzliche Schutz der früheren Uniform aufgehoben werden.(Ist inzwischen geschehen. Red. d.„V.".) 6. Die Republik ist schutzlos. Die Hochverratsbestimmun- dm Seebaöe. Von Alexander Seidel. O ja, Travemünde ist schön, wenn man die Kraft hat, einen Mit rührender Geschäftigkeit zur Schau getragenen Hurrapatriotismus nur als Requisit der Belustigung auszufasjen, wie sie das Seebad außerdem in Gestalt von Llumentorsos, Schönhcitskonkurrenzen, Jazz-Vands und anderen Kulturerrungenschoften bietet. Ich z. D. finde ein unbeschreibliches Vergnügen darin, zuzusehen, wie ein Trupp teutonischer Hcldensöhne in kindlicher Freude Sandfestungen auftürmt und im Spiel mit solchen Miniatur-Zwingburgen seinen militärischen Instinkten Befriedigung schafft. Und wie erheiternd wirkt ein schwarzweißrotes Fähnchen als Krönung der Strandburg, zumal wenn Wilhelms des Fluchtgewandten Heldenantlitz mit ge< sträubten Schnurrbartspitzen auf ihm prangt. Erfrischend für Leib und Seele kränklicher Stadtkinder wirkt ein Ferienaufenthalt an der See. Freund der Kinder, nicht Züchtiger, ist der moderne Lehrer, und es ist wohl auch so gedacht, daß sich bei solchem Ferienaufenthalt der Pädagoge eingehend mit ihnen abgibt, sie z. B. anleitet, wie man im Sande einen. Schützengraben mit Brust» wehr und allen sonstigen Raffinements anlegt, ihnen monarchistische Banner in die Händchen drückt, stramme Soldatenlieder einübt und die-vom Bade heimkehrende geschlostene Kompagnieformativn das militärische„Wögtreten" wiederholen läßt, wenn es nicht klappte. Auch ich bin sehr dafür, daß die Kleinen von unserem unvergeßlichen lsiehe Unterschriften auf den Gedenkblättern) Kaiser erfahren. Man lasse sie den alten Singsang in zeitgemäßer Form ruhig weiter singen: Der Kaiser ist ein lieber Mann, er wohnet jetzt in Doorn; kein Ort war ihm zu weit von hier, als er den Krieg verlor'n. Oder man spiele mit den Knaben das Rcigenfpiel:.„Das ist die Garde, die unser Kaiser liebt", wobei der Kommandierende die Jungens mit einem Gewehrkolben bearbeite und zum Schlüsse dem ein Eisernes Kreuz aus Pappe anhefte, der bis zur Ohnmacht mit einem frifch-fröhlichen„Zu Befehl, Herr Leutnant" zu antwotten vermag. Wie herrlich klang uns in früheren Zeiten dos melodische Klirren der Sporen! Welch ein Genuß war es für das Auge der Untertanen, das forsche Zusammenklappen zweier Leutnantsabsätze zu sehen! Wir mußten auf viele Genüsse verzichten. Doppelt groß meine Freude, im Familienbad einen sehnigen Hünen, er trug zum schwarzen Bodetrikot ein stilvoll schwarzgerandetes Monokel, bei der Begrüßung einer Strandfee die nackten Hacken untadelig zusammen- kloppen zu sehen. l.' Im Hafen liegt unser einst so berühmtes Schiffchen Panther. Zwar macht es keine Sprünge mehr nach Agadir. leistet sich aber im nunmehrigen kleinen Maßstab allerhand Hegatzliches: Läuft da er» gen pasten nicht. Gegenwärtig- kann Regierung und Derwal- tung die Hochverräter nicht fasten, weil die Bestimmungen auf die Monarchie zugeschnitten waren- und die Staatsform nur gegen Gewaltanwendung schützen. Die umge Republik muß wirksam durch das Strafgesetz so wie früher die monarchische Staatsform geschützt werden. Es muß bestimmt werden: Jedes Unternehmen, die Republik durch öffentliche Verächtlichmachung zu gefährden, wird mit Freiheitsstrafe bestraft, insbesondere der verdeckte Erwerb von Zeitungen zu diesem Zwecke. Die vorstehenden Anforderungen beschränken sich auf das Allernotwendigfte. Dies kann in den nächsten Tagen ge- fchehen. Es hat dann Erzberger nicht umsonst sein Leben dem Vaterland geopfert. An dem Tode ist nichts mehr zu ändern. Die Bestrafung seiner Mörder ist für die Ursachen, welche den Mord veranlaßt, haben und welche weiter besteben, gleich- gültig, wenn das Notwendige nicht geschieht:„Mann über Bord, Volldampf voraus!" Die Verbrecher selbst sind schon am Werk, um die Besierungsbestrebungen zu sabotieren. Andere beschäftigen sich angeblich eifrig mit der Eni- deckung der Mörder, als. ob dies die Hauptsache sei, nur um das Volk abzulenken. Sic wissen, daß die Mörder- und Verleumderzentralen ebeiffo wie bei Liebknecht. Gareis und anderen die Täter schon schützen werden, deren Entdeckung infolge der gegenwärtigen Berhältnisse insbesondere auch in Bayern unmöglich ist. Durch diese Bestrebungen darf das Volk sich nicht ab- halten- lassen, das Notwendige zu tun, um künftig die durch Rechtsmängel möglich gewordene Gefährdung der Republik und der republikanischen Staatsmänner zu beseitigen. Wenn der Reichstag, der in feiner jetzigen Zusammensetzung zum Teil, ein Ergebnis der Irreführung des Volkes durch gekaufte Zeitungen ist, dem nicht beistimmt, muß er aufgelöst werden. Entscheiden die Wählen dann nicht für die Republik und deren Sicherung, sondem für Absolutismus, Militarismus und kapi- talistischen. Steuerbetrug, so können die in Deutschland vor- handenen besseren Elemente eben den Untergang Deutschlands nicht hindern:, sie. haben dann aber ebenso wie Erzberger ihre Pflicht bis zum Aeußersten getan. Stegerwalüs Stanöpunkt. Verbreiterung nur nach rechts und links. Die..Deutsche Allgemeine Zeitung" weiß zur Regierungs- frage in Preußen folgendes zu melden: Die Frage der Regierungsumbildung in Preußen ist, wie wir aus parlamentarischen Kreisen hören, in den letzten Tagen über das Stadium der Vorverhandlungen noch nicht hinaus- gekommen. Nach wie vor oertritt Ministerpräsident Stegerwald seinen bekannten Standpunkt, daß es sich empfehle, ein Kabinett von der Deutschen Volksparlei bis zur Sozialdemokratie zustandezu» bringen.. Ihm erscheint eine Erweiterung seines augenblicklichen Kabinetts nUch b'ei'dön Seiten als das einzig Ge- geben e. Herr Stegerwald ist von seiner einmal gefaßten Idee so durchdrungen, daß ihn auch neue politische Ereignisse be- deutungsvollster. Art davon nicht abbringen können. Im all- - gemeinen kein.gutes�Zeichen für einen Politiker. Doch kann uns bei der ganzen Ängelegenheit die persönliche Auffassung Stegerwalds ziemlich gleichgültig sein. Wir haben schon oin- mal betont, daß die Sozialdemokratie nicht als Bitt- stelle rin vor der Tür des. Kabinetts Stegerwalds erscheint und um Aufnahme bettelt, am allerwenigsten um Aufnahme zu Bedingungen, die ihr schon zwanzigmal an- geboten worden sind, und die sie schon z w a n z i g m a l abgelehnt hat. Die Frage ist vielmehr, wie lange das Zentrum selber und. daneben die bürgerlichen Demokraten es vertragen werden, im Reiche mit Herrn Wirth an der Spitze gegen die Deutschnatio- n a l e n und in Preußen mit Herrn Stegerwald an der Spitze, gestützt uu f. die Deutschnationalen, zu Personendampfer mit schwedischer Flagge in den Hafen ein. Ich hatte mir gerade von dem Matrosen, der mich auf dem Schiff herum- führte, sagen lassen,„daß die schwarzweißrote Fahne der Mannschaft größter Stolz sei," da klingen von dem schwedischen Dampfer die Töne des Liedes„Deutschland, Deutschland über alles" herüber. Alles springt an Deck, Begeisterung für den wackeren Schweden in aller Mund! Stürmisches Hurra! Mir wollte der solchermaßen für Deutschland blasende Schwede nicht recht in den Kopf hinein, und richtig, wie das Schiff anlegt, entsteigt ihm— eine Kapelle der biederen Reichswehr und ein ehemaliger General, wohlempfangen von einem Kriegerverein mit Regenschirmen und Heimtriegerbäuchen. Man hatte den Dampfer gemietet für eine festliche Propagandafahrt. — Seid nicht zu optimistisch, liebe Matrosen des Panther, solange euer Kommandant abgetakelte Generale bei ihren Geschäftsreisen für die Firma Hohenzollern u. Co. in großer Uniform empfängt, wird euch kein ausländischer Dampfer Deutschland, Deutschland über alles" entgegenjubeln! Der Zauberer Siemens. Ein hübsches Erlebnis von Werner Siemens wird von Dr. Arndt>n der„Deutschen Revue" in Erinns- rung. gebracht. Bei der Kabellegung durch das Rote Meer bestieg Siemens eines Tages mit mehreren Ingenieuren die Eheops- Pyramide. Es herrschte ein starker Sandsturm, der auch die Spitze oer Pyramide in Wüstenstaub hüllte. Oben oernahm Siemens ein merkwürdiges Zischen in der Luft und beim Aufheben des ousge- streckten Fingers über- dem Kopf verspürte er ein« seltsam prickelnde Empfindung. Es war sich sofort klar, daß es sich um einen elek- irischen Borgang handelte, hüllte-ine� gefüllte Sektflasche mit metallisch belegtem Kopf in feuchtes Papier und verwandelte sie dadurch in eine Leydener Flasche, die stark geladen wurde, wenn man sie hoch über den Kopf hielt. Man konnte aus ihr laut klatschende Funken von etwa ein Zentimeter Schlagweite ziehen. Diese Blitze aus der Weinflasche erfüllten die arabischen Führer mit größtem Mißtrauen. Um noch Schlimmerem vorzubeugen, packten sie plötzlich die Begleiter Siemens, um sie gewaltsam hinabzube- fördern. Als der Anführer mit derselben Aufforderung an Siemens herantrat und dessen linke Hand schon erfaßt hatte, hob Siemens die Flasche empor und senkte den Flaschenkopf langsam der Rase des Arabers zu. Siemens selbst erhielt dabei eine heftige Er- schütterung, der Anführer mußte also einen noch stärkeren Schlag verspürt haben. Er war auch lautlos zu Boden gefallen, erholte sich aber bald wieder und stürzte schreiend in Riesensprüngen die Pyramide hinab. Die Sardinen kommen! Die großen Heereszüge der Sardinen, die olljährlich im englischen Cornwall und in der französischen Vre- tangne auftreten, sind wieder erschienen. Die Sardinen-Saison nimmt ihren Anfang. In den letzten Augustwochen halten die so- genannten Wächter Tag und Nacht an der Küste Ausschau, um sofort mit dtm uralten Ruf„Heva!", der„gefunden" bedeuten soll, dav Herannahen der silbrig schimmernden Fischmaffen zu ver- künden..Wenn diese Kunde in die Fischerdörfer von Cornwall dringt, dann entfaltet, sich sofort„das aufgeregteste Leben und Treibe». Auf ihr» Schulter« schleppe« die Lisch«: die gewoltige« regieren. Wir warten diese Entwicklung in Ruhe ab, mld in» sofern dürfte die„D. A. Z." recht haben, wenn sie weiter schreibt, daß vorerst in der preußischen Regierungsfrage Eni- scheidungen von besonderer Bedeutung nicht fallen werden. Lefitz verpsiichtet. In der Deutschen Lolkspartei macht sich neuerdings ein Hang zur„Realpolitik" geltend. Nach den Abgeordneten Dr. o. Campe und Kahl ist es jetzt Dr. Strefemann selbst, der in einer öffentlichen Versammlung in Magdeburg erklärt hat, die Partei müsse aus der negativen Opposition zur demo- kratischen Regierung heraustreten und eine gewaltsame Aenderung der Verfassung ablehnen. Seine Rede, die eine positive Mitarbeit der Deutschen Volkspartei bei den Steuersragen in Aussicht stellt, erfährt eine eigenartige Beleuchtung durch einen Artikel der„Köln. Ztg.", die schreibt: „Die Tat muß folgen. Die Partei des Besitzes muß anerkennen, das der Besitz verpflichtet, sie muß in Gegenvorschlägen zu dem Wirthschen Steuerprogramm, das sie wegen seiner Ordnung?- lofigkeit verwirft, aufs klar st e den Beweis erbringen, daß der Besitz bereit ist, zu opfern und zu steuern bis zu eiuer Grenze, die lediglich von der Noiwendigkeit gezogen wird, die natio- nale Produktion bis zum höchstmöglichen Maße zu steigern. Es ist nicht zu bestreiten, daß auch bei der uns allen obliegenden Steuer. Pflicht zwischen Worten und Wirklichkeit ein Wider- sinn klafft, der schon aus Gründen der öffentlichen Moral beseitigt werden muß, daß Lohn- und Gehaltsempfänger mit Recht darauf hinweisen, wie ihre Steuerpflicht einer u n e n t r i n n» baren Kontrcklle unterliegt, die bei den produzierenden Stän- den und den freien Berufen fehlt, daß zwischen dem verschwende- rischen Aufwand weiter Kreise und der kümmerlichen Lebenshaltung anderer, besonders des verarmten Mittelstandes, ein Gegensatz sich ausgetan hat. der unerträglich ist. Die Spekulations- und Spielwut, die im Volte eingerissen ist, macht vms zum Gespött des Auslände-., und trotz der reichlich im Lande umfließenden Geldmittel fordert die Regierung vergeblich zur Ablieferung von Auslanddeoisen aus, deren sie zur Bezahlung der Kriegsschuld so dringend benötigt. Wir sind durch den Krieg arm geworden und werden unsere Schuld nicht bezahlen können, ohne unser Nationalvermögen dazu in An- spruch zu nehmen: wieweit das durch Erfassung des Gewinns aus den Gold» und Sachwerten, die die Sozialdemokratie for- dert, möglich ist, ohne diese Werte dem Zugriff des Auslandes preis- zugeben, wird ernstlich ins Auge zu fassen sein. Daß alle Schichten des Volkes nach dem Verhältnis ihrer Kraft an der Last, die auf uns ljegt, in gleichem Maße zu tragen haben, ist selbstverständlich: zu warnen aber wäre vor einem Verfahren, das etwa den Verzicht der Arbeiterschaft auf verfassungsrechlliche Zugeständnisse wie den Achtstundentag in die Rechnung einsetzen möchte." Ungewöhnlich verständige Worte! Die„Köln. Ztg." ist nach der„Deutschen Allgemeinen" des Herrn Stinnes das zweite Organ der Deutschen Volkspartei, das in eindeutiger Weife zugibt, daß mit den bisherigen Besitzsteuern eine tai- sächliche Erfassung des Besitzes nicht erreicht wurde. Und zum ersten Male vernimmt man, daß auch der Großindustrie her Gedanke einer Belastung der Gold- und Sachwerte nicht undiskutabel ist. Wir würden nicht anstehen, diese Erkenntnis zu begrüßen und Schlüsse daraus zu ziehen, hatten wir die Gewißheit, daß es der Deutschen Bolkspartei mit dem Kurswechsel ernst ist. Bisher aber haben wir dafür keinerlei Anhaltspunkte. Den Idealismus einzelner bürgerlicher Redakteure in allen Ehren. Aber wie sollen wir an eine Bereitwilligkeit der Großindustrie in der Besitzsteuerfrage glauben, nachdem am Sonntag der Reichskanzler erneut bestätigen mußte, daß die Großbanken, deren Bertreter bei den Demokraten sitzen, die Ultimatums- ersilllung durch eine von kläglichem Eigennutz getragene Devisenpolitik sabotieren? Müht sich nicht ein Teil der demo- kratischen Presse fett Jahr und Tag, dem Kapital seine Verpflichtungen gegen das deutsche Volk klarzumachen? Und hat nicht trotzdem Herr G o t h e i n, der im Vorstand der Sardinennetze herbei, die sie im Boot zu dem Fang mitnehmen. Die Zahl der Fische ist außerordentlich groß, und es kommt vor, daß 12 bis IS Bootladungen mit einem einzigen Fischzug herauf- geholt werden, und nicht selten sinken die Boote unter der Last der Fische, die auf sie ausgeschüttet werden. Die Sardinen, die wie flüssiges Silber aussehen, werden hastig aus den Booten in Schub- karren geschaufelt und zu Wagen gefahren, auf denen sie dann vom Strande abtransportiert werden. Die Sardine ist dem Hering ähnlich, aber kleiner und dicker und von einer viel schöneren Fär- bung, die am Rücken blaugrün und am Bauch silberweiß ist. Wenn diese wimmelnden Fischmengen mit dem Grundnetz aus der Wasser- tiefe herausgezogen werden, dann bietet sich ein wundervolles Farbenspiel dar. Der größte Teil des englischen Sardinenfanges wird eingesalzen und geht als Nahrungsmittel nach dem südlichen Europa. In der Bretagne ist die Sardinenfischerei höher ent- wickelt. Die von Kopf und Eingeweide bestellen Fische werden in Oel gekocht und dann als die bekannten Oelsardinen in den Handel gebracht. Wie alles in der Welt, so ist auch die Sardine nach dem Kriege sehr viel teurer geworden. Eine Ausstellung„Deutscher Einbandkunst" wurde im Weißen Saal des Schloßmuseums eröffnet. In der Ausstellung, die von dem Iakob-Krausse-Bund, der Vereinigung Deutscher Kunstbuch- binder veranstaltet wird, werden neben etwa 200 künstlerischen Buchbinderorbellen von Mitgliedern des Bundes 40 der seltensten Einbände aus dem Besitz der preußischen Staatsbibliothek gezeigt. Aus der vormals königlich preußischen Hausbibliothek sind 50 Ein- bände ausgewählt, unter denen die aus dem Besitz Friedrichs des Großen hervorragen. Von Jakob Krauste, der im 16. Jahrhundert als Hosbuchbinder des Kurfürsten August von Sachsen wirkte, haben die sächsische Landesbibliothek in Dresden und das sächsische Haupt- staatsarchiv 12 der schönsten Einbände ausgestellt. Joseph Mann aus der Böhne gestorben. Während der gestrigen Aufführung der Verdischen Oper„Aida" in der Staatsoper brach gegen S Uhr abends der Opernsänger Joseph Mann plötzlich t o t zusammen. Ein Herzschlag hatte seinem Leben ein Ende gemacht. Die Vorstellung wurde sofort abgebrochen. Theaterchromk. Im Schauspielhause wird am Dienstag die Darstellung von Schillers„fticsco" wieder aufgenommen, mit Ernst Teuisch in der Titelrolle, Dagny Servacs als Imperial! und Fritz Kortner als Verrina. Das Theater i» der Königgrätzer Straß« wird im Laufe der nächsten Monate Carl Sternheims Schauspiel„Manon Lcscaut", F l e r s und C a i l I a v e t s Lustspiel„Die Fahrt ins Blaue", Strindbergs nachgelassene Tragödie„Sokrates", Ferdinand Crommelvnks Werk „Ter gewallige Hahnrei". Wilhelm S t ü ck l c n s Drama„Einöds Tochter", Frank Wedekinds Schauspiel„Hidalla", Dimitri Mercschkows- kis Drama„Zar Pauls Tod" zur Darstellung gelangen lassen. Außer- dem stehe» Verhandlungen mit dem Moskauer Künstler- Theater wegen eines Gastspiels vor dem Abschluß. Die Kapellmeistersragc i» der Staatsoper. Entgegen anders lautenden Nachrichten gibt die Intendanz bekannt, daß die Frage der Neubesetzung der Stelle eines zweiten Kapellmeisters noch nicht entschieden ist. Einst-. weilen wurde Herr Gustav Brecher eingeladen, aushilssweise zwei Auf. sührungen des lausenden Spielplans als Gast;u dirigieren. „Der Kvlturrwg" heißt eine neue Zeitschrist sVerlog Berlin W. SO, GetSbergstr. 29), die zugleich ei» Bcrcuislaltungsaickmcdiger rnch Nochrichte». Uott tut Knmnwramusationm ist. !fc« 419 ♦ ZS.Fahegaug Heilage öes vorwärts Vleastag, s. September 1921 DieMbeiterfrage»«Hroß-Serliner Gemeinde Notwendigkeit der verantwortlichen Mitarbeit der Arbeiter. Die Lohnbewegung der Berliner Tutsarbeiter schien an- fangs nicht von allzu großer Bedeutung, namentlich, was die Zahl der Beteiligten anbelangt. Im Verlauf de? Bewegung aber traten alle die Probleme zutage, die in bezug auf die Beschäftigung von Ar- b-itern und Angestellten in der Gemeinwirtschaft überhaupt erst noch zu lösen sind. Musterbetrieb, gute, möglichst bessere Arbestsverhältnisse, wie in der gleichen Betriebsart der Privatindustrie, und doch keine Defizitwirtschaft, sondern einen, wenn auch nur bescheidenen Gewinn. Das ist das zu lösende Problem. Muster- betriebe, auch im Sinne der m ihnen beschäftigten Arbeitnehmer, können Betriebe aber nur dann sein, wenn sie«ine entsprechend hohe Ergiebigkeit der Produktion zu verzeichnen haben. Es muß auch weiter Aufgabe des Magistrats bleiben, dies nach Möglichkeit zu fördern durch Zentralisation und äußerste Sparsamkeit in der Verwaltung. Einführung verbesserter Arbeitsmethoden und vor allem durch rationelle Ausnutzung der Arbeitskrast, was durchaus nicht gleichbedeutend sein soll mit übler Ausbeutung. An einer fach- gemäßen Verwendung der Arbeitskräfte ist aber die Stadtverwal- tung in den letzten Iahren vielfach behindert gewesen. In erster Linie durch die Folgen des Krieges. Infolge der DemobUmachungs- bestimmungen ist auch die Stadtverwaltung gezwungen, Arbeits- kräfte auch dann weiter zu beschästigen, wenn sie nach Lage der Sache mit weniger auskommen könnte. Zudem verpflichtet uns das Fürsorgeamt, Beamte und Angestellte aus den besetzten und ver- lorenen Gebieten einzustellen, statt überflüssig werdende aus an- deren Verwaltungszweigen dahin zu versetzen, wo solche fehlen. Und schließlich fordert die soziale Pflicht ganz allgemein, mit Arbeiter- entlasiungen äußerst sparsam umzugehen. Aber besonders haben die vielen Streiks und Streikandrohun- gen der städtischen Arbeiter der Stadt Schaden zugefügt. Die Forderungen der Arbeiter und Angestellten wurden meist mit Drohungen sofortiger Arbeitsniederlegung begleitet und oft sind die Ansprüche einer an Zahl nur geringen Arbestergruppe zum Anlaß genommen worden, die gesamten Betriebe der Stadt lahmzulegen, wodurch dem Gemeinwesen ungeheure Ver- luste zugefügt worden sind, gar nicht zu reden von dem Schaden in politischer Beziehung, denn alle diese Vorkommnisie waren Wasser auf die Mühlen der Reaktion. Wirtschaftlich waren sie geeignet, die Idee der Sozialisierung und Kommunalisierung auf das ärgste zu diskreditieren. Wenn unter diesen Um- ständen auch die sozialistischen Magistratsmitglieder nicht immer den Forderungen der Arbeiter und Angestellten im vollen Um» fange nachgeben tonnten, so ist das um so mehr zu begreifen, als ja schon die zerrütteten Finanzverhältnisse der Stadt zu äußerster Sparsamkeit zwingen. Es ist natürlich viel einfacher, ober im höchsten Grade verwerflich, wenn Vertreter eines Gemeinwesen» leichten Herzens aus agitatorischen Gründen alle Forderungen be- willigen, ohne Rücksicht darauf, daß dadurch die Schulden immer mehr anschwellen und der Kredst der Stadt untergraben wird. Wenn dieselben Vertreter dann auf der anderen Teste die Deckung der von Ihnen beschlossenen Ausgaben und selbst den von ihren eigenen Par- teimitgliedern mit aufgestellten und beschlossenen Etat ablehnen, dann ist damit ein Grad der Verantwortungslosigkeit er- reicht, der schlechterding» nicht mehr zu überbieten ist. Wenn wir zu gesunden Zuständen kommen und die zahlreichen Arbeiteunterbrechungen vermeiden wollen, dann müssen in der Zu- kunst andere Wege gesucht werden. Das S t r e i k r e ch t, da» sei gleich hier gesagt, muß selbstverständlich auch den städtischen Ar- beitern in vollem Umfange erhalten bleiben. Aber die Arbeiter müssen sich, mehr wie bisher, bewußt werden, daß sie nicht privatkapitalistischen Interessen, sondern dem Gemeinwesen dienen, daß alle überschwenglichen Forderungen, die nicht au» den Errräg- nissen des Betriebes selbst gedeckt werden können, der Gemeinde und damst ihren eigenen Arbeitsbrüdern wieder zur Last fallen. Jede Erhöhung der Löhne und Gehälter hat weitere Steigerungen der Preise für Gas, Elektrizität, Wasser und Erhöhung von Ge» bühren zur Folge gehabt, die nur deshalb nicht im vollen Um- fange auf die Mieter abgewälzt werden können, well zurzest noch die Zwangswirtschaft die Hausbesitzer daran hindert. Die stetig sich steigernde Belastung der Stadt durch Löhne und Gehäller hindert ferner den weiteren Ausbau der sozialen Für- sorg«. Wir können nicht in dem Maß« für die Erwerbs- losen, für die Armen und Altpensionäre sorgen, wie wir es möchten. Das grauenvolle Elend, das es hier zu lindern gilt, sollten die städtischen Arbeiter, die immerhin eine, wenn zur- zeit auch bescheidene, so doch in der Regel auf Lebenszeit gesicherte Existenz haben, bei allen ihren Forderungen nicht unbeachtet lassen. Unsere Jugend- und Kinderpflege, wie die allgemeine Wohlfahrtspflege, müßten Millionen mehr zur Verfügung haben, um auch nur einigermaßen den berechtigten Anforderungen ent- sprechen zu können. Wenn schließlich den Arbeitern ein getreues Bild unserer städti- schen Finanzen gegeben wird, so werden sie sich der Einsicht nicht verschließen können, daß sie auf geraume Zeit hinaus ihr« Forderungen auf das Aeußerfte bejchränken müssen. Dabei soll kein Wort gesagt sein gegen die berechtigten Ansprüche der Arbeiter unv Angestellten an einen erhöhten Lebensgenuß, aber die ollge- m�ine Lage in Deutschland, die Verarmung unsere« Volkes, die Besteuerung, die die Entente uns aufzwingt, bringen uns eben alle in die bedauerliche Lage, unsere Ansprüche an das Leben und an die Kultur herabsetzen zu müssen. Auch der Umstand, daß den städtischen Arbeitern und Angestellten nach einem arbeits- reichen Leben im hohen Alter«in Ruhegehalt, das sie vor äußerster Not schützt, gewährt wird und das den Etat der Stadt mit vielen Millionen belastet, sollte bei der Beurteilung der Gesamtlage der städttschen Arbeiter nicht außer Berücksichtigung gelassen werden. Auf der anderen Seite muß den Arbeitern in den gemeinwirt- schaftlichen Betrieben Gelegenheit gegeben werden, bei der Rege- lung der Arbeitsbedingungen und bei der Fest- setzung der Löhne mitzuwirken. Dazu bietet das Gesetz über die Betriebsräte die geeignetste Grundlage. Die in Aussicht stehende Schlichtungsordnung wird eine weitere Handhabe dazu bieten, Differenzen in stiedlicher Vereinbarung zu beseitigen. Wenn in diesem Gesetz, wie es heißt, der Derhandlungszwang vorgesehen ist, so werden die Arbeiter, am allerwenigsten die städti- schen, hiergegen etwas einzuwenden haben, denn zu Verhandlungen haben sich die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter stets bereitge- funden. Wenn aber in Zukunft der Austragung von Konflikten durch Streiks noch ausgiebiger vorgebeugt werden soll, so muß der Gang der Verhandlungen ein anderer werden als bisher. Hat erst die in Frage kommende Berufsgruppe und hat erst die Organisation sich auf bestimmte Forderungen festgelegt, haben die Arbeiter sich sozusagen schon darauf eingerichtet, dann bestehen sie auf ihren ver- — wie das beim Gutsarbeiterstreik der Fall war—, daß vielleicht bei erster nicht ganz gründlicher Beratung die verschiedenen politischen Parteien sich festgelegt haben, oder infolg« nicht ganz genügender Unterlagen, dann fällt e» den Instanzen und Korporationen schwer, von dem einmal gefaßten Beschluß zurückzugehen und der Konflikt ist da. Der Konflikt mit dem Magistrat, der nunmehr er st in diesem weit vorgeschrittenen Stadium Stellung nimmt und der, nicht aus bösem Willen, sondern, weil er aus besserer Kenntnis der Finanzlage der Stadt sich in die bittere Notwendigkeit versetzt sieht, die Forderungen abzulehnen oder doch herabzudrücken. Auch oder vielmehr erst recht der„sozialistische Magistrat" muß nach dem Grundsatz handeln: Das Interesse der Allgemeinheit istdemdes einzelnen oderdem einzelner Erwerbs- gruppen voranzustellen. Wollen wir au» diesem Di- lemma heraus, dann muß, wie gesagt, ein anderer Verhandlungsweg gesucht werden. Beide Kontrahenten, der Magistrat und die Arbeiter, müssen in direkter, zunächst unverbindlicher Aussprache über die Not- wendigteiten und Möglich leiten verhandeln. Eine zum Städtischen Lohnamt ausgebaut« Institution vereinigt Ma- gistratsmitglieder und Vertreter städtischer Arbeiter. Das Amt hat die statistischen Unterlagen zu beschaffen über die Löhne in den gleich- artigen Betrieben in der Privatindustrie. Die Indexziffern der Lebensmittelhaltung und Bedürfnisse sind zu prüfen. Hier hat der Magistrat Auskunft zu geben über die finanziellen Verhältnisse der Stadt. In diesem Gremium sind die Vertreter der Arbeiter nicht Partei, treten nicht als G e g n e r des Magistrats, sondern als gleichberechtigte Mitglieder auf: Sachverständige und Auskunftspersonen werden herangezogen. Erst wenn hier eine Klä- rung über das Notwendige und Mögliche erzielt ist, sollten Vor- schlüge an die betreffenden Arbeitergruppen gebracht werden. Heute wird jede Lohnforderung städtischer Arbeiter vom ersten Augenblick an zu einer P a r t e i s r a g e. Ob das im Interesse der Arbeiter liegt, wage ich zu bezweifeln, in dem der Allgemeinheit sicherlich nicht. Das letzte Wort bleibt selbstverständlich der Stadtverordneten- Versammlung. Solche Einrichtung läge in der Richtung der gewerkschaftlichen Forderung noch Fabrit-Konstitutionalismus, bei der die Alleinherr- schaft des Besitzers der Produktionsmitel aufgehoben ist. Das Der- antwortungsgefühl der Arbeiter würde wachsen. Mehr und mehr müssen sie sich einleben in den Gedanken, daß das ihnen an- vertraute Gut, Betriebskapital, Arbeitsgerät usw. der Allgemein- hett, also auch ihnen mitgehört und das sie zu hüten und zu schonen haben. Der von mir vorgeschlagene Weg würde dazu bei- tragen, die Arbeiter mit diesem Gedanken zu durchdringen. Um aus unserer Notlage herauszukommen, muß alles getan werden, den wirtschaftlichen Frieden aufrecht zu erhalten, die Ergebnisse der Produktion zu erhöhen, das Vertrauen zu unserer Verwaltung zu stärken. Ohne die Mitwirkung der Arbeiter ist dies un- möglich: ss» müssen also zu aller Verwaltungsarbest heran- gezogen werden, um mit ihrem wachsenden Selb st bewußt- sein gleichzeitig auch ihr Verantwortungsgefühl zu stärken. »Morüfache Erzberger". Der Worklaut des amtlichen Aufruf». An den Anschlagsäulen Groß-Berlins ist ein Aufruf erschienen, der eine genaue Bejchreibung der Mörder Erzbergers sowie eine im Faksimile wiedergegebene Schriftprobe der Täter enthält. Der Austuf hat folgenden Wortlaut: „Mordsache Erzberger". lieber die beiden Täter, die am Freitag, den 26. August 1921, vormittags gegen 11 Uhr, bei Griesbach in Baden den Reichstags- abgeordneten Erzberger durch mehrere Reoolverschüsse getötet haben, ist nunmehr festgestellt, daß sie vom Sonnabend, den 21. August, bis zum Mordtoge im Gasthaus„Zum Hirschen" in Oppenau unter den offenbar falschen Namen 1. Franz Riese, stud. für., aus Düsseldorf, 2. Knut Bergen, stud. phil., aus Jena, gewohnt haben und am 26. August 1921 mit dem um 6 Uhr 45 Min. von Oppenau abgehenden Abendzuge mit Fahrkarten 4. Klasse nach Offenburg abgereist sind Die von den Tätern vorgenommenen Eintragungen im Fremdenbuch des Gasthauses sehen folgendermaßen aus:(Folgen Schriftproben im Faksimile.) Beschreibung. 1. D e r G r ö ß« r e: 2ö— 36 Jahre alt, etwas über 1,76 Meter, schlank, aufrechter Gang, runde», gesundes Gesicht, Haare blond, teils als gescheitelt, teil» als zurückgestrichen geschildert, jedenfalls nicht kurz, kleiner Schnurrbart. Oberer Rand des linken Ohres zackig verstümmelt. Vielleicht wird versucht, diesen Fehler durch Heftpflaster zu verdecken. 2. Der Kleinere: 2S— 36 Jahre alt, etwas kleiner. Figur etwas stärker als der Größere, aber noch schlank, Haar dunkler, ebenfalls nicht kurz: Gesichtsfarbe auch gesund, aber nicht so frisch wie bei dem anderen: kleiner Schnurrbart: quer über die Nase, etwa über halber Höhe bläuliche strichförmige Narbe(kein Kneifer- oder Brilleneindruck). Kleidung: Die Täter trugen bei der Ankunft und Abfahrt in Oppenau dunkelblaue Straßenanzüge. An den dazwischen liegen- den Tagen haben sie Anzüge getragen, die teils als schwarzblau, teils als rehfarben bezeichnet werden. Der eine hatte noch einen 74] Die Rächer. Roman von Hermann Wagner. „Erbittert Sie das?" fragte Behrens rasch. „Nein," gestand Reisner und holte ttef Atem,„es... es— befriedigt mich. Daß es so ist, das macht es mir leichter. das alles zu tragen. Ja... Es mag sein, daß mir nicht un» recht geschieht. Aber dies, daß sie ganz verschont bleibt, daß sie glücklich werden und sich freuen darf, daß sie reich bleibt, ihr Kind behalten darf und nur nöttg hat, mich mit dem Fuß wegzustoßen,— das..." Reisner Äugen glänzten wie im Fieber, �... das— ist doch ein Verbrechen, an dem gemessen meine Schuld geringer und leichter wird." „Wehren Sie sich doch!" rief Behrens aus.„Warum wehren Sie sich nicht?" Reisner sah scheu zur Sette.„Rein, ich wehre mich nicht. „Warum?" „Weil.. Reisner stockte.„Ich weiß den Grund nicht. Aber ich kann nicht. Und ich mag nicht. Meine Frau soll tun können, was sie will. Und Sie sollen es auch. Ich hasse Sie nicht. Gar nicht. Sie sollen beide glücklich sein,— ja, ich wollte, daß Sie es würden... Aber ich will Ruhe. Ich brauche Ruhe. Die soll man mir lassen." „Und die suchen Sie im Gefängnis?" „Ja," rief Reisner leidenschaftlich aus,„ja.. Und er seh Behrens plötzlich prüfend in die Augen, gleichsam erstaunt. d,ß jener so ftage.„Wissen Sie das nicht, daß es allein im Gefängnis die Ruhe gibt, die ich brauche? Wissen Sie das nicht? Sie?!" Doch Behrens überhörte die Frage. Er legte Reisner die Hand auf die Schulter und rüttelte ihn.„Sie sind krankhaft überreizt. Besinnen Sie sich! Wer zwingt Sie, solch eine Dummheit zu machen?,— denn es ist eine Dummheit!... Wer? Niemand tut es. Im Gegenteil, man will Ihnen helfen. Ich will es sicher... Ich bin reich. Ich kann nicht einmal einen kleinen Tell der Zinsen verzehren, tue mir mein Vermögen abwirft... Sie sollen es g»t haben. Si« solkn gehen können, wohin es Ihnen beliebt, und soll reichlich haben, was Sie brauchen, mehr als reichlich... Vergessen Sie Ihre Frau! Streichen Sie sie aus Ihrem Gedächtnis! Und führen Sie in der Fremde«in Leben, da» Ihnen wirtliche Ruhe bringt,«. Können Sie da« nicht verstehen»" „Nein," sagte Reisner blaß. „Was hält Sie ab?" „Etwas, das ich jetzt eben sehe, jetzt, in diesem Moment, da Sie das alles zu mir jagen.. „Was?" Reisner fuhr sich durch die grauen Haare.„Dieses, daß ich sehe, daß sich jeder Mensch— sein Glück erst... verdienen muß!" Sein Atem ging kurz und hastig, als er nach einer Weile noch hinzusetzte:„Und Sie haben in einem doch recht, wenn Sie mich damit auch höhnen wollten,— ja, in einem haben Sie ganz recht!" „In einem?" „Darin, daß Sie sagen, ich könnte noch hoffen... Ja. das tue ich jetzt. Ich hoffe noch. Ich kann noch hoffen!" „Worauf?" fragte Behrens von oben herab. „Auf den Tag, an dem ich wieder frei werde. Es wird der Tag meines ersten Glücks sein. Ja. Denn dann— bin ich — niemandem mehr... etwas schuldig.,." Behrens zuckte nur ungeduldig mit den Schullern.„Sie sind ein verrannter Mensch, Ihnen ist nicht zu helfen!" „Nein," beharrte Reisner fest und schickte sich an, zu gehen, mir ist nicht zu helfen." „Warten Sie," rief ihn Behrens, der ihn scharf beobachtet hatte, an,„geben Sie dies da her!" Und er zog aus der inneren Rocktasche Reisners einen Revolver heraus. „Ja, behalten Sie ihn," sagte Reisner,„ich brauche ihn nicht." Und er ging. Behrens wartet« eine Weile und verließ dann gleichfalls die Wohnung. Er sah Reisner unten eben um die Ecke der Gasse biegen und folgte ihm in einem gewissen Abstand. Er mußte viel Geduld haben, denn Reisner ging sehr langsam und doch wie blind. Auf dem Potsdamer Platz wäre er beinahe in die Räder eines Automobils gelaufen.„Mensch. können Sie nicht aufpassen?" schrie ihn der Chauffeur an. Allein Reisner hörte es nicht. Wie im Traum ging er weiter. kreuz und quer, durch Straßen. Gassen und Gäßchen, um schließlich vor einem großen Gebäude Hall zu machen, vor dessen Tor sein Schritt stockte. Wird er es tun? dachte Behrens, der unweit von ihm stand und ihn beobachtete. Reisner tat es. Langsam, den Rücken leicht gebeugt, stieg er die Frettreppe hinauf. Die Tür fiel hinter ihm zu. Behren» ging vor de« Portal auf und ab. eine kurze. genau abgemessene Strecke, wie eine Wache. Wird er zurück- kommen? dachte er. Und er nahm sich vor, eine Stunde zu warten. Allein aus der einen Stunde, die er hatte warten wollen. wurden zwei Stunden, denen er weitere dreißig Minuten anhängte. Aber Reisner kam nicht zurück. Da blieb Behrens ein letztes Mal vor dem dunklen Portal stehen, das den anderen verschlungen hatte. Es ist geschehen, sagte er zu sich, es ist geschehen... Er kehrte wieder um und schlug langsam und erschöpft den Weg nach seiner Wohnung ein, zufrieden und heiter und doch zerschlagen: ein Mensch, der fein letztes Ziel erreicht hatte und der sich nun ausruhen durfte. Er rief feine Wirtin zu sich herein.„Frau Piefecke," sagte er zu ihr.„morgen ziehe ich fort." „Wirklich?" sagte sie erschreckt.„Und ich hatte gedacht..." Er nahm sie bei der Hand und führte sie durch das Zimmer, von einem Möbelstück zum anderen...Sehen Sie her: das alles kaufe ich Ihnen ab, für so viel Geld, daß Sie sich dafür Besseres anschaffen und in eine freundlichere Gegend ziehen können, wo Sie leicht Ihren Unterhalt finden werden. Nur eines müssen Sie mir versprechen: dies alles wird morgen vor meinen Augen zerhackt!" „Zerhackt—?" „Zerhackt und verbrannt, das ist meine Bedingung." Sie griff nach einem Zipfel ihrer Schürze und zupfte ver- legen daran herum. Ihre passive Feindseligkeit Behrens gegenüber hatte sich schon lange verloren. Nur war sie noch unsicher, als wisse sie nicht, was sie mit dem Sonderling an- fangen solle.„Warum kaufen Sie mir dies wertlose Zeug ab?" fragte sie.„Was haben Sie davon?" „Eine Freude, kümmern Sie sich nicht darum." Und er ging, als sie sich entfernt hatte, von einem Möbel- stück zum anderen, betrachtete ein jedes und streichelte es wie ein Wesen, das zwar noch lebte, das aber alt und krank war und sich nach dem Tode sehnte. Dann setzte er sich an eines der bsinden Fenster und starrte in die Dämmerung hinaus. Es war ihm recht schwer ums Herz. Er legte die Arme auf den Fensterrahmen, bettete den Kopf darauf und schloß die Äugen. So kostete er inmitten eines trauernden Schweigens die schmerzliche Wehmut eines Menschen aus, der weiß, daß er «m«ndgültig ollein stehst.(Forts, folgt.) » helleren, grauen gesprenkelten Anzug mit gleichförmigem Stoffhut. lieber den dazu gehörigen langen Hofen mit Umschlag haben sie zeitweise dunkle Ledergamaschen getrogen. Ueberhaupt scheinen sie Kleidung und Haartracht öfter gewechselt zu haben. Die Täter führten drei flache braune Handkoffer mit je zwei Schlössern, gelben Schutzreifen aus Holz und gelben Nägeln mit sich, einen größeren schon länger gebrauchten von etwa 1 Meter Länge und zwei kleinere neue.— Am Tatort wurden ge f u n d e n: Eine unabgeschossene Patrone(9 Millimeter), auf dem Hülsenboden gezeichnet„9. 18. 8.", ferner vier Hülsen(9 Millimeter), davon zwei gezeichnet„6.18.5.", eine„9. 18. 5.", eine„8. 18.R. >1.5.": fünf Hülsen(7,65 Millimeter), gezeichnet„Ii.>1. 5." Die Reichsregierung hat eine Belohnung von 100 000 Mark. das badische Justizministerium außerdem eine solche von 20 000 Mark für die Aufklärung des Verbrechens ausgesetzt. Sachdienliche Angaben oder Hinweise, die zur Feststellung der T.iter oder ihrer Hintermänner führen, nimmt jede polizeiliche Dienststelle in Groß-Verlin, insbesondere das Polizei- Präsidium Berlin, Abteilung I A, Zi m m e r 269, Hausanschluß 313, jederzeit entgegen. Wie uns mitgeteilt wird, ist beobachtet worden, daß an einigen Stellen, z. B. am Bahnhof Friedrichstraße, und zwar unter der Ueberführung, also an einer der belebtesten Stellen Berlins, mehrere Plakate kurz nach ihrer Befestigung von unbekannter und un- berufener Hand wieder heruntergerissen worden sind. Wir ver- weisen deshalb auf den Z 134 des Reichsstrafgesetzbuches, der sot- genden Wortlaut hat:„Wer öffentlich angeschlagene Bekannt- machungen, Verordnungen, Befehle oder Anzeigen von Behörden oder Beamten böswillig abreißt, beschädigt oder verunstaltet, wird mit Geldstrafe bis zu dreihundert Mark oder mit Gefängnis bis zu sechs Monaten bestraft." Demzufolge hat jeder Republikaner und im übrigen jeder Staatsbürger, der etwa einen Täter beim Abreißen solcher Plakate beobachtet, die Pflicht, den nächsten Polizeibeamten zur Feststellung der Personalien des Betreffenden zu veranlassen. der unter den gegenwärtigen Umständen strenge Bestrafung zu ge- wältigen hat. Prozeß Virginia Moll. Aentucky-Tabak für die oberschlesischen Bergleute. Am ges�igen dritten Tage begann die Vernehmung der zahl- reich erschienenen Zeugen. Äach den Bekundungen des früheren Angestellten des Rcichsbcauftragten für Ueberwachung der Ein- und Ausfuhr, Kaufmann Reinhold Falken heim, stand die Bewilli- guiig von Einfuhrscheinen für Liebesgaben dem Reichskommissar zu, der die Anweisung und Erlaubnis zu erteilen hatte, aber seiner- seits wieder einzelne andere Stellen, die Fettstelle usw., dazu dele- gierte. Bei den von Frau Moll eingeführten Waren habe nach den vorhandenen Grundlagen kein Grund vorgelegen, eine Nachprüfung vorzunehmen, ob es sich um Liebesgaben handelte. Eines Tages habe Herr o. M a s s o w ihm tclcphonisch mitgeteilt,' daß der Reichs- beauftragte von Flügge bei ihm gewesen und ihn beauftragt habe, für glatte Einfuhr der an Fran Moll adressierten Sendungen zu sorgen. Danach hat der Zeuge gehandelt. Der Zeuge Oberzoll- inspektor Bardenhausen bekundete, daß nach einem Erlaß des Reichsfinanzministers Liebesgaben der Frau Moll zollfrei ab- zufcrtigen seien. Sehr lange Erörterungen drehten sich um das große Ken- tucky-Tabakgeschäft, welches die Firma Pfannenschmidt u. Drcyer mit dem Tabaksabrikanten Otto Brinkmann in Köln ab- geschlossen hatte. Der Zeuge Pfannenschmidt, welcher seit langer Zeit große Lieferungen für die oberschlesischen Gruben ausführr, hatte mit Brinkmann ein Geschäft auf Lieferung von 400 000 Kilo Kentucky-Preßtabak im Werte von 24 Millionen Mark abgeschlossen. Drinkmann sollte die Einfuhrgenehmigung beschaffen. Es traf dann auch sehr schnell die Einfuhrbewilligung seitens des Reichsbeauf- tragten ein. Der Tabak sollte angeblich für die ober- schlesischen Bergleute bestimmt sein und angesichts der damals bevorstehenden Abstimmung zur Hebung der Stimmung in diesen Kreisen dienen. Mit den Einsuhrpapieren fuhr der Zeuge nach Bresloit, um sich dort von der Deutschen Bank das Geld zu beschaffen. Diese hat dann ein Akkreditiv von 6 Millionen Mark für Köln ausgestellt, wogegen ihr der Tabak zunächst verpfändet wurde. Die Bergleute haben von dem Tabak nichts zu sehen be> kommen, denn die 18 Waggons K entucky. Tabak sind beschlagnahmt worden. Auch über diesen Tabak ist die Berfallserklärung ausge- sprachen worden. Der Zeuge Reg.-Rat Hans Kaiser, seinerzeit Dezernent in der Auslandsabteilung der Reichsstelle für Textilwirtschaft, bekundet, wie er Frau Moll kennen gelernt hat. Der Zeuge hat aus allen begleitenden Umständen, durch die Empfehlungen der Angeklagten Moll, durch die persönliche Bekanntschaft der Gräfin v. Klinkowström uiw. usw. die volle Ueberzeugung gehabt, daß es sich bei Frau Moll um eine sehr einflußreich«, seriöse Dame l)andelte. Auch der Refe- rent beim Reichsbeauftragten. Zeuge Ewald o. M a s s o w. hat den- selben Eindruck gehabt. Der Reichsbeouftragte Herr v. Flügge ist eines Tages mit Frau Moll in das Amtszimmer des Zeugen ge- kommen, hat sie vorgestellt als die Lesterin eines amerikanischen Hilfskomitees für ganz Deutschland. Daran knüpfte sich der Aus- druck des Wunsches, daß den Liebesgabensendungen der Frau Moll an den Grenzen keine Störung bereitet werden solle. Danach ist dann verfahren worden. Zeuge Wilhelm v. Flügge, Rejchsbeauftragter für Ueberwachung der Ein- und Ausfuhr, läßt sich ausführlich über die Or- ganisation dieser Reichsstelle und über die Richtlinien, die für die Bewilligung von Einfuhrscheinen im allgemeinen und für die Liebes- gaben der Frau Moll im besonderen bestanden. Irgendein Zweifel an der seriösen Tätigkeit der Frau Moll wäre in keiner Weis« be». rechtigt gewesen. In dieser Beziehung äußert sich der Zeuge ähnlich wie die Vorzeugen.— Der Vorsitzende hält es immerhin für eigen- artig, daß man sich nicht recht genau nach den Verhältnissen der Wirtschaftshilfe erkundigt habe und offenbar die Prüfung der Frage, was Liebesgaben sind oder nicht, recht mangelhast war, denn es fei keine Klarheit darüber geschaffen, wem nun eigentlich die Prüfung der Grundlagen oblag. Die Verhandlung wird heute, Dienstag 9% Uhr, fortgesetzt. Japanische Hilfe für de« deutschen Kinderschutz. Eine Reihe deutscher, in schwerer Not befindlicher karstativer Kinderheime besonders auch der Reichsanstalt zur Be- kämpfung der Säuglings-und Kleinkinder st erb- l i ch k e i t. dem Auguste-Viktoria-Haus, find in letzter Zeit aus Japan erhebliche Mittel zugeflossen, und zwar haben sywohl in Japan lebende Deutsche als auch Japaner sich an der großzügigen Aktion beteiligt, die es gestattet, einzelnen speziell genannten Häusern Summen zuzuführen, die durch ihre Höhe nicht nur einen Augen- blicksersolg garantieren, sondern die Fortführung ihrer Tätigkeit durch eine Reihe von weiteren Monaten gestatten. In Anerkennung der bedeutsamen Aktion hat der Direktor der Reichsanstalt zur Be- kämpfung der Säuglings- und Kleinkindersterblichteit, Professor L a n g st e i n, dem Professor Sota, Direkto» des Takoo-Inftituts für Tuberkulofeforschung, den Plan einer Arbeitsgemein- f ch a f t auf dem Gebiete des Säuglings- und Kleinkinderschutzes unterbreitet, wobei japanischen Aerzten die Möglichkeit gegeben wird, sich in Deutschland auf dem Gebiete des Säuglings- schutzes und der Kinderheilkunde wissenschaftlich und organisatorisch heranzubilden.-...... ver Köhn-Prozeß ist in ein neues Stadium eingetreten. Rechts. anwalt Georg Tarnowski, der auch die Verteidigung Köhn» mit übernommen, hat gegen den Konturseröffnungsbeschluß des Amts- gerichts Berlin-Schöneberg vom 20. August 1921 sofortige Beschwerde erhoben. Der Anspruch der Antragsteller auf Rückzahlung ihrer Einlagen sei nicht anzuerkennen, da sie sich keinen Augenblick darüber unklar sein konnten, daß die eingezahlten Gelder zum Ab schlüsse von Wetten bei Pferderennen verwendet werden sollten. Sie seien zwar nicht Gesellschafter oder Teilhaber der Firma Köh« aber doch Mitglieder der Wettkonzerne der Firma Köhn geworden hätten also zum Konzern der an den Wetten teilnehmenden Per- sonen gehört. Als solche hätten sie den Gemeinschuldner beaustragt, für sie Wetten bei Pferderennen abzuschließen. Es handle sich somit um eine Geschäitsbesorgung. Bei Annahme einer solchen seien die Einleger als Wettbeteiligte Spieler, es stehe ihnen daher auch eventuell- der Spieleinwand entgegen. Die vielfach erörterte Angelegenheit der Frauen-Bank, deren Zusammenbruch seinerzeit großes Zlufsehen erregt hat, hat nunmehr endlich ihre Erledigung gefunden.— Wie noch bekannt sein dürste, rief im Jahre 1914 der Zusammenbruck der mit großen Hoffnungen gegründeten Frauen-Bank berechtigtes Aufsehen hervor, um so mehr. da in diese Angelegenheit bekannte Persönlichkeiten aus der Berliner Frauenbewegung verwickelt waren, die heute im politischen Leben eine große Rolle spielen. Gegen die Mitglieder des weiblichen Bank dirrktormms und des Aufficktsrats wurde ein Ermittlungsverfahren wegen Depowerbrechens, Bilanzverschleierung und Konkursoer brechens anhängig gemacht, welches mehrere Jahre schwebte. Aü Grund des von Rechtsanwalt Dr. Iuliusberaer I zusammen getragenen Entlastungsmaterials ist jetzt mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft das Verfahren gegen die Vorstands» und Auf fichtsratsmitglieder der Frauen-Bank endgültig eingestellt worden. Räfsclbafier Leicher. fund bei Potsdam. Gestern wurde in der Havel bei Potsdam eine männliche Leicke gesehen, die heute zur Er ' mittlung des Todes und näheren Ausklärung nach dem Havelufer beim Proviantamt in der Leipziger Straße gebracht wurde. Die Leiche war arq verstümmelt. Der linke Arm und das linke Bein fehlten vollkommen. Der Körper war unbekleidet, lieber den rechten Fuß waren Strumpf und Schuh gezogen. Dieser Umstand erregt Verdacht. Die Staotsanwoltschaft ist sofort in Kenntnis gesetzt worden und wird durch eine Leichenschau die Todesursache fest- stellen lassen. Ungefähr 2 bis 3 Taae kann der Tote im Wasser ge- legen haben. Er man etwa 45 bis 60 Jahre alt gewesen sein. Der Mann ist zirka 1,80 Meter groß, hat dunkles Haar, kleinen gestutzten Schnurrbart und am Scheitel Glatzebildung. ver Millionendiebstahl in der Spandau er Zitadelle spielte bei einem schon mehrere Monate zurückliegenden Münzverbrechen eine Rolle, das jetzt feine Aufklärung gefunden hat. Damals ent- stand bei einigen in Berlin ansässigen Rumänen der Plan, falsche Leina ten herzustellen, um Aufkäufer damit zu betrügen. Durch Vermittlung eines rumänischen Flüchtlings namens Horschkowitz wurden die Rumänen mit dem Mitinhaber einer Ber- liner Steindruckerei, Georg Sternfeld, bekannt, der sich bereit erklärte, die falschen Noten herzustellen. Sternfeld wußte de» bei ihm beschäftigten Lithographen Erich Mendelski zu bestimmen, die erforderlichen Druckplatten anzufertigen, die dieser in der Wohnung eines Kaufmanns Bergan herstellte. Der Verbleib der Scheine konnte nicht festgestellt werden. Während Bergan behauptet, sie vernichtet zu haben, erklärt Mendelski, daß er die Scheine an Ru- mänen oerkauft habe, indem er gewisse Druckfehler durch die Art ibrer Verpackung zu verbergen gewußt habe. Sternfeld und seine Freunde scheinen eine vom Mißgeschick oerfolgte Falschmünzer- bände zu sein. Sie haben selbst erzählt, daß sie bereits die braunen Fünfzigmark-Hilfsban knoten vom 30. November 1918 gefälscht hatten, daß sie aber die ganze Druckauflage ebenfalls hätten vernichten müssen, da die Noten unmittelbar nach ihrer Fertigstellung gerade von der Reichsbank eingezogen worden seien. Da diese Umstände darauf schließen lassen, daß Sternfeld und seine Genossen ihr Handwerk schon längere Zeit betreiben, werden alle Personen, die über sie Bekundungen machen können, aufgefordert, sich bei dem Leiter der Falschgeldabteilung der Reichsbank, Kriminalkommissar von Liebermann, in der Kurstraße 49, III Treppen, zu melden. Mehrere Portemonnaies mit Zuhält sind vor längerer Zeit in dem Arbeitsnachweis der Stadt Berlin, Fackableilung für die Meiallindustrie, Abt. II, Wusterhausener Sir. 15, gefunden worden. Da sicherlich Arbeitslose das Geld verloren haben, bitten wir die Verlierer, sich beim Arbeitsnachweis zu melden. Es handelt sich zum Teil um recht erhebliche Beträge. ZirtuS Taraselli, der dank seiner guten Leistungen wobl eines rege» Zuspruchs sicher sei» darf, hat sein Zelt am Bahnhof Friedrich- strotze ausgeschlagen. Tie Schulrciterin Frl. Netsi Blumeufeld gibt die Hilfen etwas grob. Mit den Arme»«acht sie oft eine Hätz- liche Schwimnibcwegung und so wirkt die Figur zuweilen nicht gut. doch gibt ihr Schimmel, sansimüiigen Ausdrucks, recht viel her und die Rum- mer findet lebhaften Beifall. Frl. Kitty Maron zeigt Zwerg-Esel, die liebenswürdigerweise aus dem Leipziger Zoologischen Garten zu uns kamen, um hier in der Manege herumzulaufen und über«in liegendes Kamel und ein Lama zu springen. Sie machen ihre Sache recht sauber. Ebenso die beiden Shetland-Ponies, ein Rappe und ein Schecke. Marino macht u. a. auf schwankendem Blast unter der Zirkusdecke einen Kopfstand. Er spielt mit seinem Leben, da zu semem Schutz nicht mal ein Ztowey ge- spannt werden kann. Kraft, Eleganz, Gclniiigkeit und Wagemut zeigen die Waltcr-Truppe, 2 Merandis und die Gcschw. Weise. Die Numnier der zwei ArtonS, sie sind bekannt als exakte Hand-Bolsigere, mutzte vor- zeitig abgebrochen werden, da der eine Artist, der Untermann hatte offenbar sehr schwer zu tragen, durch einen Sturz auf den Kops arbeitsunsähig wurde. Ersreulichcrweise soll der Künstler keine nachteiligen Folgen davon. getragen haben. Mit Anerkennung muß man der Freiheitsdressuren de« Herrn Boma gedenken. Die Pferde sind tadellos gehalten, glänzend im Fell und die Zoumnna steht in der Farbe prächtig zum Haarkleid. Hier spielt nicht nur das Geldverdienenwollen, sondern vor allen Dingen die Lieb- zum Tier eine große Rolle. Spaßmacher sorgen natürlich sür Kurzweil. Zilmschau. Die Schauburg hat wieder ein abwechslungsreiche« Programm. DaS Lustspiel, Li e s e r k S Traum' hat recht nett gemachte vergnügliche zwei Akte. Die Lübnenschau heißt:„Die Modepuppe." SS wird diesmal nicht nur sich ausgezogen, sondern auch gesungen und getanzt. Der Hauptanziehungspunkt ist aber der Albertini-Film»Der König der Manege�. Bezeichnenderweise findet er immer den I-mtefte» Bei- fall, wenn die rode Kraft dominiert. In seinem ganzen Ausbau oersteht e« der Film, in Spannung zu hallen. Die Darsteller, allen voran Luciano Sllbertini, sind nicht nur gute Schauspieler, sondern auch hervorragende Artisten. Man siebt zirzensische Leistungen, tollkühne Kletterpartie» in der Zirtuskuppel, Menschen mit ftaxken Nerven und sehr baltbar« Telegraphen- drähte: sowie Jack, den Wunderanen, der aus jeden Fall Erstaunliches leistet. „Mit Büchse nnd Spate»". Di« Erlebnisse eine« amerikanischen Ingenieurs in Mexikos Peirolernnseldent bringt das U. T.. Kurfürsten- dämm, unter diesem Titel. Ein Film in amerikanischer Manier, inhalt- sich bedeuiungsloS, aber reich an sensationellen Szenen, guten Bildern und sehr flott in Regie und Tempo. Bert Shiell gab in sehr shmpathischen Spiel die Hauptrolle. Ihm voraus ging der vom Oberschlefier-Hiisswerk heraus- gegebene Film„Der Kamps um die Heimat". Aber warum mutz eine so gute und ernsthaste Sache in de» geschmacklosen Rahmen einer unwahrscheinlich konstruierten Liebesgeschichte gebracht werden? Gerade, weil man das Unwahre dieser auf Zigeuner-Humbug ausgebauten Liebes- geschichte spürt, wirkt dann das wirklich Wadre des Films nicht so über- zeugend aus den Zuschauer, wie es im Jntercss« der guten Sache sein sollte und sein müßte. Die Hauptrollen logen in den Händen von Wilh. Diegel- mann, Margit Barnah nnd A. von Schlettow. Sroß-öerliner Parteinachrichten. und Bezirksverordnetenwahlen am AuS Anlaß der Stadt 16. Oktober findet am Sonntag, de» 11. September, vormittags» Uhr in de« Gernumm-Sälen. Lhausseepr. IIQ«« BEtvria» IllßeroröeatNcher öezkrkstag statt. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zur Stadtverordnetenwahl. 2. Aufstellung der Kandidaten. Zur Teilnahme berechtigt find die in den AbteilungSverfamm- lungen gewählten Delegierten, deren Zahl nach den im abgelaufenen Geschäftsjahr an die Bezirkskasse geleisteten Mitgliederbeiträge» feststeht(Sieh4 Uhr erweiterte Borslandssitzung mit sämtliche» Funktionären bei Ionasi. Durlacher Str. S. 7t. Abt Dahle». 8 Uhr Mitgliederversammlung bei Schilling, Sänizin-Luife- Straße 42. Erscheinen unbedingt erforderlich. Borstandssitzung um 7 Uhr d-s-lbN. 32. Abt R-ukälln. 7% Uhr Funkt ionärfitzung bei Wolf, Saifer-Friedrich», Eck« Rosegaerstraßc. 104. Abt. Riede rschäneweid«. TU Uhr im Lokal von Grahl, Berliner Str. 129, Borflandssitzung mit Revisoren, B-zirksftihrern und deren Stilloertretern. 109. Abt Friedrichshag«». Die für Dienstag, den t. September, angesetzte bssentlich« Wählerversammlung findet erst am Donnerstag, de» s. Sep. tember, statt. 11t. Abt. Lichtenberg. 8 Uhr Funktionärkonferenz der Parteifunktionäre nnd Betriebspertrauensleute im Lokal Schlenkrich, Simplonstr. 42. Erscheine» dringend notwendig. 128. Abt Kewersborf. 8 Uhr Zahlabend im Lokal Lücke, Saifer-Wilh«Im.Steche. Die Laubenkolomsten werden gebeten, am gahlabend teilzunehmen. Franenveranstaltvngen am Mittwoch, den 7. September: 11. Kreis Schtznebrrg.Friedruau: Alle Frauen, die sich an der Ferienkolonie beteiligt haben, treffen sich bei Rotz in gehlendorf um 8 Uhr zum gemül. lichen Beisammensein. 8. Abt Frauenausflug nach Bohnsdorf. Treffpunkt Görlitz« Bahnhof früh 10 Uhr: Nachzügler nachmittags 2 Uhr. 123. Abt«aalsdorf. 7)4 Uhr bei Hllbner, Bahnhofstraße, Bortrag d« Genofst» Hoppe._ Mus öer Partei. Parteitag der badischen Sozialdemokratie. Auf dem außerordentlich badischen Parteitag in Durlach hat die Partei die eudgülsige Aufstellung der Kandidaten zu den am 30. Oktober stattfindenden Landtagswahlen vorgenommen. Der Parteivorstand hatte zur Tagung Adolf Braun entsandt, die pfälzische Sozialdemokratie war durch G e r i s ch, die hessische durch W i t t m a n n- Offenbach vertreten. 216 Delegierte waren anwesend Di« Liste des Bezirksvorstandes und Parteiausschusses wurde mit großer Mehrheit angenommen. Eine Anzahl alter Abgeordneter, wie Geiß, Stockinger und Weber, schieden aus. S t r o b e l sprach über die Bedeutung der Landtagswahl und die Genossin Bloß nahm zu den Frauenfragen Stellung. Die Partei hofft im Hinblick auf die derzeitige Situation bei der Wahl gut abzuschneiden. Minister R e m m e l e schilderte die Arbeit In der Regierung, deren Stellungnahme in der Erzberger-Sache nach eingehender Begründung durch S ch ö p f l i n gebilligt wurde. Genosse Geck sprach sich in einem besonderen Dortrag für einen Block der republika- nischen Berteidigung aus und verurteilte, daß unsere Parteigenossen in Württemberg und Preußen ihre Machtpositionen preisgegeben haben._ Sport. Rennen z» Karlshorst, Moutag, 3. September. Das deutsch« Hürden» rennen wurde zu einer ziemlich zahmen Affäre, da sich nur 3 Pferde dem Starter stellten. Alle drei kamen wohlbehalten ein, michin lohnt« sich das Rennen für jeden Teilnehmer. 1. Preis von Fürstenhaus. 1. Traudi(Danek), 2. Ekkehard(Otto Müller), 3. Grazie(G. yanek). Tot: LS: 10, Platz: 13, LS, IS: 10. Ferner liefen: Rauch. Burgntter, Schade, Turfball, Aoung Star, Lieberich, Welcome Sing, Element, Stikt Galerie (Tarras) wurde aus dem Rennen zurückgezogen und die daraus gemachten Einsätz« rewurgezablt— L. Strausberger Jagdrenne». 1. Glücksstein(Wrobel), L. Daereghem(Schneider). 3. Innsbruck(Bo- rowski). Tot: 76: 10 Platz: 80, 16, 18: 10. Ferner liefen: Ranunkel, Liese, angehallen, Galilei, Rio.— 3. Kinder-Jagdreunen. 1. Putnik(Rennen), 2. Corona(Stielau), 3. Reichsgräfin(Kardel). Tot: 69: 10, Platz: 30, 16. Ferner lief: Hellebarde n.— 4. Ulmen-Jagd. rennen. 1. Tarlatan(v. Keller), L. Satyr(v. Pelzer). Tot: II: 10.— 5. Deutsches Hürdenrennen. 1. Rittersporn(P. Lewicki). 2. Widerstand(Brown), 3. Sankt Marsin(Mchan). Tot: 33: 10.— 6. Preis von Wartenburg. L Reseda(Ssielau), L. Mardoniu» (Johnson), 3. Mittelstraße(Bnchholz). Tot: S40: 10. Platz: SS, 15, 22: IE Ferner liefen: Wehrmann ll, Alarich, Sonnenblume, Teterinchen, Wotan.— 7. Preis von Langeburg. 1. Fontafee(Miban), 2. Trompeter n. (Bismarck), 8. Sinn Fein(Scholz). Tot: 147: 10 Platz: 29. 18, 19: 10. Ferner liefen: Wanderstab, Rapi, Mint Fish. Smaragd, Anarchist u, Radrennen ans der Olympitbaha. Internationale« Haupt- .ahren, 3 Runden: 1. Stabe 2 Min. 53 Sek. 2. Häusler, 3. Hahn, 4. van Rek(Holland). Häusler wurde wegen Behinderung van Rcks in ew« Geldstrafe von 200 M. genommen.— Großer Deutscher S t e h erpreiS: 1. Lauf über 40 Kilometer: 1. Stellbrmk 32 Min. 43 Sek.. 2. Thomas(360), 3. Witsig(1710). 4. Appelhans(2130), 5. Sebre- selb(5740 Meter zurück): 2. Lauf über 60 Kilometer: l. Stellbrink 49 Min. 68% Sek.. 2. Thomas(130), 3. Appelhans(3850), 4. Witsig(6210), 6. Schre» £16/8910 Meter zurück): Gesamtergebnis: 1. Stellbrink 100 Kilometer. 2. Thomas 99,510 Kilometer, 8. Appelhans 94,020 Kilometer, 4. Witsig 92,080 Kilometer, 5. Schrefeld 83,550 Kilometer. Witsig hatte wiederholt Rad- und Mowrschaden und Schrefeld fehlt noch rein alles' z» einem Fahrer bmter Motoren.— Vorgabefahren, 2000 Meter: h lO), 2. Schwab(10), 3. Otto Tietz(100), 4. Siepel(80), 6. Schöllner i Ü?�er Borgabe).— Entschädigungifahren, 2 Runden: L«endelbacher, 2. Packebusch. 3. Schöllner. 4. Kops, 5. Osk. Tietz. Boxkampf Brelteusträter-Trake. Der nächste Kampf des deutschen Schwergewichtsmeisters Hans Breitensträter findet am Freitag, den ll September, wiederum im Floragarteu, Kantstr. 9, statt Als Gegner ist diesmal der zur besten internationalen Klaffe zählende eng- lisch« Schwergewichtsboxer Harry Drake ausersehen. Di« Jockei« Blume, Kasper und Rastenberger sind mit fristloser Lizenz. «ni.ziehung bestraft worden. Rastenberger ist ver Stalljockei von Schwarz. Weiß, denn er reitet für den staatlichen Rennstall Grabitz. Kasper war für den von Hauptmann Bauer geleiteten Stall täsig. Gewa Janek wird, soweit ihm da« sein Sewickit und die Verpflichtungen für den Sa- nielschen Stall erlauben, die Graditzer Pferde reiten. Die drei BestvaW haben beim Obersten Schiedsgericht Berufung eingelegt «» schwerer U» fall ereignete sich aufder Radrennbahn in Dortmund «e Überhaupt sehr mck P- wünschen übrig laßt Der die Dortmunder Bahn sehr genau kennende Menne wellte tm zweiten 30-Kfl°meter.Louk de« Goldenen Rade« den suhrenden Bruckner überholen. Bei dem sick, ��-nd-n Kampf ��ckne��ritttnacher Menne« Schrittmacher föÄsrsÄ isä? M zur Staötverorönetenwahl 1 Heute abend* Uhr: Große öffentliche Wählerversammluugeu (Mitte): Sophiensäle. Sophiekstr. 17.18. Kreis(Medding): Pharussäle, Müllerstr. 142. 114. r-Lyzeum. Berliner Straße. (Lantwih): Lehmann. Saiser-Milhelm-Straße. 14. Srei»(Neukölln): Schultheiß- Ausschank. Wintergarten, Ig. 20. 1. Sreis Z._________ Aula des Schiller-Lyzeums. Pankstr., Ecke Bölkcherstr. 4. Sreis(Prenzlauer Tor): Bötzow-Brauerei. prenzl. Allee. 5. Sreis(Friedrichshain): Königsbaak. Gr.Frankfurt.Str.117. 6. Sreis(Hallesches Tor):pahenhoser-Brauerei.Fidiciust.2.Z. 8. Sreis(Spandau): bei Soch, Feldstr. SZ. (Siemensstadk): Rest..Heidekrug-(3nh. Marsaudt), Nonnendammallee 89. (Staaken): Restaurant Bornemauu. Referenten: Heinrich vahlke, Sarl Bauer. Dr. Bendiner. Otto Brinkmann, Friß vrolat. Eugen Brückner, Otto Frank. Johannes haß. Richard Joachim, Dr. Sallmanu. Richard Seller, Erich Suttaer, Dr. Lohmaan, Joseph Mühlmauu. Nikolaus Osteroth, Dr. Ostrowski. Schllenz, Heinrich Ströbel, Sarl wermuth.__ r_ 15. Sreis 16. Sreis 17. Sreis Hasenheide 35. (Oberschöneweide): Frischenstraße. Aula des Realgymnasiums, «esellschafkshau». Friedrichst.137. (Lichtenberg): Schulaula. Marktstr. 16. 17. Sreis(Karlshorst): Förstenhau«. Auguste-Vittoria-Straße. Tresckowallee. Ecke (Biesdorf): Rest. Porath, Marzahner Str. 31. Sreis(Sarow): bei Berndt, Dorfstraße. Sreis(Reinickendorf-Oft): Bürgergarten, Hauptstr. 51. Morgen, Mittwoch, üen 7. September: 2. Sreis(Tiergarten): 1. Nationalhof. Bülowstr. 37. 2. Aula der Kirschner-Oberrealschule, Zwinglisir. 2. 16. Sreis(Köpenick): Gr. Saal d. Stadttheater».«.Marktplatz. Sarl hetzschold. Albert Horlitz. Prille, Willi Siering, Friedr. ?ugenüveranftaltungen. Lerem Lrbeiter.Z»gend. Sekretariat: SW. 68, Linde astr. 3, i. Pos link». 2 Treppe» recht». Telephon: Mpl. 121 88—10. Heute, Dienstag, den 6. September: Alle Zieigentiinjer, die sich am abend 7 Uhr auf der Treptower Auch dieienigea Abteilungen, die»och pflichtet, Zngendgenoffe» ,u sende». Zteinickeadorl-Ost: Seebad Refidenzstraße, Bortrag:„Schiffsbrand auf hoher See".— Ztosenthaler Vorstadt: Jugendheim Strelitzer Str. 42/43, Mitglieder- oersauunlung.— Schlncberg I; Jugendheim Rubens-, Eike Hauptstrabe, Mit- akedernerfammlung.— SchZnebera ll: Jugendheim Franlenstr. 18< Schule), Mädchcnabend. Vortrag:.�lörperiultur".— � Tegel: Jugendheim Bahnhof ftrahe IS, Diskufstonsadend:„Was wA'....... und Jugendpflege?-— Wilmersdorfs" Mitglied erverfammlung. will der Ortsausschuh fllr Leibesübungen : Jugendheim Schule iloblenzer Straße, öriefkaften üer ReSaktion. Briefliche Auskunft wird nicht erteilt. ». a. 38. Un« ist ein Mittel für diesen Zweck nicht bekannt.— A. St. 34. Wenden Sie sich an die Biedersee-Stiftung(Stiftungsdeputation des Mag,. ftrats); bringen Sie doch Ihre Frau in der Unioersitäts-Fraueicklinik unter. Mus aller Welt. Müchtlingselend i« Befsarabien. Das Komitee der jüdischen Delegationen in Paris erhielt aus authentischer Quelle Nachrichten über die Lage der an der russisch- rumänischen Grenze befindlichen jüdischen Flüchllinge aus der P o g r o m- U t r a i n e. Aus dem jüngsten Bericht einer nach diesen Gebieten entsandten jüdischen Persönlichkeit aus Kiew geht hervor, daß diese Flüchtlinge tatsächlich o o g e l f r e i find. Sie werden von verschiedenen Banden geplündert, von Sowjetbeamten einerseits, von Gendarmen und rumänischen Soldaten andererseits. Diejenigen, denen es gelungen ist, unter der größten Gefahr den Dnjestr zu überschreiten und sich nach Befsarabien zu flüchten, sind nach zwei Monaten zurückgeschickt und der Sowjetmacht ausgeliefert worden. Die meisten dieser Flüchtlinge kommen in den Wellen des Dnjestr um oder sie werde» in Höhlen von Räubern er- mordet. Tausende von ihnen irren ohne Obdach durch kleine Grenzdörfer und ertragen unmenschliche Leiden. Die Sowjetregierung entschließt sich noch immer nicht zur erlaubnisfreien Auswanderung, welche einzig und allein imstande wäre, dieser Situation abzuhelfen. Di« Schließung der rumäni- scheu Grenze verschlimmert außerordentlich die Situation. Der Gönner. Der tschechoslowakiscken Republik haben französis ä> Offiziere für 140 Millionen Kronen Geschütze angehängt, die sick nachher als unbrauchbar erwiesen, da aus ihnen bereits über 5000 Schüsse abgegeben waren.— Der französische Oberst Bossu, Kom« mandeur des tschech. Artillerieregimerns in Olmütz, weigert sick. die Kaserne zugunsten de» Art.-Reg. 53 zu räumen, das wiederum den Winter in den Baracken von Leipnik frierend verbringen soll. Vorträge, Vereine unö Versammlungen. «und religilfer Sozialist«», Kropp« Rcukölln. Mittwoch, abends 8 Uhr, Monatsversammlung aller b Bezirke im großen Saal der Philipp-Meianchton- Kirche, Hertastr. 8. Bortrag über„Das Quäkertum", Miß Sites, Mitgl. des Borstandes der engl..amerik. Quäkerkommifston in Berlin. Aussprache. Per- schiedene». Säfte und Freunde willkommen.— Schnhocrband der Schwerhörigen. Donnerstag, 8� September,'AS Uhr, in der Reuen Philharmonie, Köpenickcr Orlich:„Meine erste Fahrt in tag, den 8. September, 7� Uhr, Manatsverfammlung im Eophien-Lnzeuni, Weinmcisterftraßc. Dr. Klauber berichtet über den Prager Kongreß.— Reich». band der Kriegsbeschädigte», Ortsgruppe 8 Rv. Mittwoch, den 7. September, 7i4 Uhr, Bcrfammlmrg für Hinterbliebene, Unrons-Festfälc, Greifs- walder Straße 222. Für Kriegsbeschädigte Dienstag, den 8. Sep- tember, 7f, Ilhr, Unions-FeftsSI«, Greiswalder Straße 222.— Internationaler Bund der Kriegsopser, Ortsgruppe Südwest. Mitgliederversammlung am Mit«- wach, den 7, September, Bock»Brauerci, Fidicinstr. 2-8, Bericht vom Gcwert schastskangreß in Moskau. Referent Genosse Gras, Bericht über die Berschmel- zung der Gaue Berlin und Brandenburg,— Arbeiter-Samaritee-Bund, Mit! wach, den 7. September, 7 Uhr, findet der 3. Vortragsabend in der Obcrreal schule, Schillerstr. 123/127, Eh-rlottenburg, statt. var-GliilikDrper2S | He/Jsfes Lichf bei geringstem Gasverbrauch Bestes Erzeugnis der Aueriicbt Geseihehaft Beriin Ol? RtzirKsverb.RerllnSPD 89. Abteilung. Unser Genosse----- Willi Kflnernirnd ist»erstorben. Die Ein» äscherung erfolgt am Mut- wach, den 7. September, nachm, 2>/, Uhr, im Krema- torimn Vaumschutenweg. Ehre seinem Andenken! Der Abteilmigsnorstaud. l>8iilieliel flelz iZidiltelkelb, Berwaltungsslelle Berlin. Muhruf. Den Mitgliedern zur Nach- richt, daß unser Kollege, der Gußputzer S7/I Max Franke Eharlottenbg,, Echloßstr. 33 am 30, August gestorben ist. Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, daß unsere Kollegin, die Arbeiterin Frieda ßuhn Steglitz, Filandaltr. 34 am L Septbr. gestorben ist. Ahr« ihrem Andenke» I Di« Ortsoerwaltnng, SeMklMMMliierliM Veru/situogbitelle llekiili X ü. 54, Clnienltr. 83— 85 Geschäftszeit von norm, s Uhr bis nachm. 4 Uhr Telephon: Ami Norden 183. 1238, 1887, 8714 Am Donnerstag, den 8. September, nachm. S Uhr Versammlung aller Betriebsräte der Gruppen 19 und 29 in der Schnlanla, ktoppenplatz 12. Tagesordnung:!. Die mirtschaftlich« Cage unserer Gruppe. 2 vertcht aon der v«lrleb»ra»e- Geueral- oersammlnug(stehe Nr. 18 der Wochenbeilage der Metall» arbetter-Zeitungs.— Achtung! Achtung! Die vertran«n»ma»»erlonferenz de» Siemen»- tonzerns am Mittwoch, den 7. September 1S2l. findet nicht t» Eladttheater Alt-Moadtt, sondern in Siemensstadt. Alna. iestsüle, statt. 87/2 Beginn pünktlich 4 Uhr. Die 0r«»vermol»nng. Achtung -ZilllllllöllW! Achtung! UejmerlcbeSterbe-u.Kraiiktn- Unterstützungskasse Nr. 23. Freitag, den 16 Sept.. abend» « Uhr, Usedomstr. 33: Außer- ordeutl. G-ueraloersammlung. Ta ges o r dnun g: 1. W-tgernng de» Borstande«. die von den Revlloren de au- tragt« außerordentliche Gene- raloeriammluna»inzaberufeu. 2 Willkürliche Abänderung von Satzungen ohne Erlaubnis der Generawersammlg, 2 Erhöhte Beiträge u. leine entsprechende Leistung. 4. Besprechung und Leschlußfafiung über KZ 18, 17, 33 und 34, 3, Berschiedene». Mitgliedsbuch I 3731b Der Sekoantmachuug. Di« vom Ausschuß der unler- zeichneten Kasse am 8. Juli d. Z. beschlossene Krankeuordnung für die Mitglieder der Allge. meinen Orts trau eukasse für Teltow und Umgegend ist durch Beifügung de»«er- ficherungoamte» de» Kreises Teltow vom 28 August 1821 genehmigt worden. Druckftücke ber Krantenordnung können von der Geschäftsstelle der Kasse, Teltow, Brette Str. 13, bezogen werden. 8/11 Teltow bei Berlin, den 28. August>821. Orr Dorfi Hönde «meine ber AN« »rank,'' und Ort»- für Teltow �vihne/* �auaen� Fufllohl-no-, H0r«nn«. alt eingewurzelt» Leiden, entfernt «tt abl oluter Sicherh eit ,Bosro' Sei» 30 Jahren dewährt 4.80. Otto Kelcbel, Berlin«Z, «ifenbohapr. 4. Heute» Tieustag» nachmittags 3 Uhr. im „Alte« Askani er", Anhaltstraße 11: Sliße öffentiie Betlammlong WlWr MMeWn il« MWiAle Tagesordnung: 1. Ergebnis der Verhandlung mit de» Unter- nehweru.— 2. Beschlußfassung über die zu ergreifeudeu Maßnahmen. AlleArbeitnebmer d. Filmindustrie Laben zu erscheinen. Bekanntmachung. Die Fftma Knorrbrem.se. Afti-ngesellschaft zu Berlin- Lichtenberg, hat die Genehmigung zur Ausstellung eine» zweite» Luftdruckhammer» in der Schmiede aui ihrem Grundstück an der Hirsäjberger Straße zu Berlin-Lichtenderg beantragt Etwaige Einwendungen gegen diese Anlage find bei dem unterzeichneten Etadtousschuß binnen 14 Tagen, vom Tage nach der Beröffentlichung ab gerechnet, schriftlich in doppeller Aus- fertigung oder zu Protokoll anzubringen. Roch Ablouf dieser Frist können Einwendungen nicht mehr erhoben werden. Be- schreibung und Zeichnungen der geplanten Anlage liegen in unserem Bureau, Karlshorst. Tresckowallee 44, Zimmer 8, au den G-ichäitstagcn in der�geit von 8— 2 Uhr während der oben erhobenen TW» ___ tsekretär Weigel, auf Montag, den 28. September 1821, vormittag« 11 Uhr, in unserem Bureau ein Termin anberaumt, zu dem die Unternehmerin sowie die Widersprechenden unter der Eröffnung geladen werden. daß auch bei ihrem Ausbleibe» mit der Erörterung der Ein. Wendungen vorgegangen wird. Berlin(Karlshorst), den 2 September 1821. Stadtausschusi Berlin(Abt. V) Z.V: Witzle. K.$?. Uder, 86. 16, Sngelujer 5 Zigaretten, Kau-, Rauch- u. Schnupftabake G.A.Hanewacker• Goldfarb« Landfried• Eicken* Raulino Oldenkott ♦ Geöffnet h-2 u..1—5 Uhr. Moritzpl. 3014 1372i' Zcutralverband der Angestellten(Afa) J. A.: Silbermanu. Zentralverband der Film- und Kinoaogehörigen F. All P. Bardeleben. Vaimn nni. 0 H. Teilzahlg. 3 j. Garantie Kronen Z.d lliü VOD 0 an 18 M. Zabnzleb. m it Einsprilz. höchst ' �„„f" schmerzld. Umarb.schlechts.Geb Rep Zahn-Arrt Dr.WoH so! 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Mit solchen Erfahrungen auf einige gutgemeinte Reden oder Artikel hin an die Bereitschaft des rechtsgerichteten Bürgertums zur Besitzsteuerfrage zu glauben, fällt schwer. Es kann uns aber nichts daran liegen, mm Männer in das Kabinett zu bekommen, deren höchste Aufgabe ist, unter dem Dementi ihrer Presse den Steuervorlagen die gegen das Kapital gerichteten„(Ziftzähne auszuziehe n". Und um den guten Willen zur Mitarbeit offen und ein- beutig vor aller Welt zu b e w e i f e n, ist in dem öffentlichen Parlament wie in den Ausschüssen auch für die Deutsche Bolkspartei Raum genug._ Die Taktik der Nechtsbolschewiften. Tie Kommunisten möchten zu gern Dummheiten machen. Die gesamte Rechtspresse hallt wie auf Verabredung von dem Geschrei wieder: Rettet uns vor den Kommunisten, das sind die wahren Feinde der Republik. Die Ursache dieser chilferufe liegt offen auf der chond. Man will, da man eben selbst noch gestohlen hat, ungeschoren davonkommen und ruft deswegen: Haltet den Dieb. Es wird jetzt versucht, mit vereinter Macht die neuen Verordnungen des Reichspräsidenten, die gegen das gemeingefährliche Treiben der Rechtsbolschewisten gerichtet sind, gegen links umzubiegen. Man muß leider sagen, daß die Kommunisten der Reaktion dies recht leicht machen. Berlin fällt dabei angenehm auf. Die Kommunisten haben sich an der Demonstration vom vergangenen Mittwoch zum Schutze der Republik zwar uneingeladen beteiligt, sie haben sich dabei aber im Interesie der Sache im wesenllichen durchaus vernünftig verhalten. In Berlin setzt sich die alte politische Schulung der Arbeiter eben doch durch. Wenn einzelne Führer aus der Reihe tanzen wollen, dann werden sie von den Arbeitern selbst zum richtigen Wege zurückgebracht. Auch die„Rote Fahne" ist schon so weit vernünftig geworden, daß man bei ihr gelegentlich lesen kann, daß es notwendig sei.�die deutsche Republik gegen die Re- aktion zu schützen. Was sie" darüber hinaus schreibt, ist gut ge- meintes dummes Zeug, das verdientermaßen nicht ernst genommen wird. In der Provinz haben wir aber kommunistische Organe, die sich einbilden, der Arbeiterbewegung dadurch zu dienen, daß sie es erzwingen, daß die Verordnungen des Reichspräsidenten gegen s i e angewendet werden. Dieser konsequenten Dummheit ist das Hallesche kommunistische Organ und jetzt auch der Frankfurter �Kommunist", sowie die kommunistische„Rote Fahne des Ostens" zum Opfer gefallen. Wir können den Regierungsorganen nur empfehlen, die Kommunisten nicht ernster zu nehmen als sie oerdienen. Man versteht aber die Nervosität der Behörden, wenn immer wieder Meldungen kommen, wie aus Herford, Augsburg und aus anderen Städten, die von einer Art Radaubolschewismus berichten. Selbstverständlich ist die Zeit vorbei, da wir uns anti- republikanische Demonstrationen gefallen ließen. Das kann aber doch nicht dazu führen, daß man daraus einen Rummel für halbwüchsige und politisch unreife Lausbuben macht, die sich Kommunisten nennen, ohne eine Ahnung davon zu haben, was das eigentlich heißt. Die„Freiheit" beurteilt die Situation ebenso wie wir, wenn sie meint, daß es den kommunistischen„Kindsköpfen" sehr ähnlich iahe,„die ja jetzt nach dem Ausschlüsse aller anderen aus dem letzten Parteitag ganz unter sich sind", daß sie„absichtlich provozieren, um sich ein billiges Martyrium zu verschaffen und die Regierung zu diskreditieren. In der Richtung dieser„Taktik" liegt es ja auch, daß die kommunistische Presse in den letzten Tagen gegen die sozio- ! slischen Parteien loszuhacken beginnt". Man soll aber auch bei den Behörden nicht gleich nervös werden, wenn ein kommunistischer Zeitungsesel etwas unmanier- 'Ich brüllt. Viel richtiger scheint uns da die Stellung des Polizei- Präsidenten von Hannover zu sein, der in einer Bekanntmachung betont, daß er gewillt sei, erlaubte Versammlungen unter allen Umständen vor Störung durch Unbefugte zu schützen, daß er aber an gewisse Kreise dringend die Warnung richten müsse, „das provokatorische Hissen von schwarzweißroten Fahnen usw. zu unterlasien, ebenso in den Versammlungen und Veran- staltungen jener Kreise die offensichtliche Verhöhnung der republi- konisch gesinnten Klassen und die verleumderischen Angriffe auf die Beamten der Republik sowie alle auf den Umsturz der Re- publik hinzielenden Redensarten zu vermeiden. Da die äugen- blickliche gespannte Lage im Innern des Reiches lediglich der ver- werflichen politischen Hetze gewisser Kreise in Verbindung mit dem Mordattentat auf Erzberger zuzuschreiben ist, so werde ich diesem Treiben, soweit es sich in den Versammlungen und anderen Ver- anstaltungen dieser Kreise bemerkbar macht, ebenfalls mit dem größten Nachdruck entgegentreten." Besondere Beachtung verdient immer wieder das Verhalten der großen Depeschenbureaus. Im besonderen die Telegraphen» Union tut sich in der Verbreitung von Schauergeschichten seit einigen Tagen besonders hervor. Sie überfüttert die Zeitungen systematisch mit unglaublich«inseitigen und übertriebenen Nach- richten. Es wäre der Erwägung wert, nachzuprüfen, ob nicht die neue Verordnung des Reichepräsidenten auch gegenüber derlei Nach- richtenverbreitungen anzuwenden ist. Ein weiteres verbot. Der„Sturm", ein deutschvölkisches Hetzblatt in Hannover. "esten Herausgeber der wegen Betruges mit 2Vz Jahren Gefängnis vorbestrafte Georg Ouindel. wurde, wie wir erfahren, wegen ketzerischer Artikel vom Oberpräsidenten R o S k e für 14 Tage ver- bokeu und die Nummer vom 4. September beschlagnahmt. « MTB. meldet aus Königsberg: Der Verband der Ostdeutschen Presse hat gestern dem Reichsinnenminister Dr. Gradnauer eine Entschließung gegen das von dem Königsberger Polizeiprädenten erlassene Verbot der„O st preußischen Zeitung" über- sandt. Nach der Begründung des Polizeipräsidenten ist das Ver- bot der„Ostpreußischen Zeitung" wegen einer aus der Widerspruchs- losen Wiedergabe der Rede des Hauptschriftleiters B a e ck e r auf dem deutschnationalen Parteitag resultierenden Zustimmung und wegen der Ausfuhrungen des Leitartikels in Nr. 11 des Blattes er- folgt.— Soweit das Agenturtelegramm. Was wir von diesen Protesten halten, haben wir bereit« verschiedentlich ausgeführt. Wir möchten hier nur eins bemerken: es wäre im Jntereste der Deutschen Republik zu wünschen, wenn olle Verwaltungsorgane im Reich und in Preußen dieselbe Tatkraft an den Tag legen würden, wie der Polizeipräsident von Königsberg, unser Genoste L ü b b r i n g. Ostpreußen ist unter dem Schutz des Belagerungszustandes, ebenso wie Bayern, zu einem Schlupfwinkel der militaristischen Reaktion geworden, und es ist gar nicht auszudenken, was aus der Provinz im Laufe der letzten Monat« geworden wäre, wenn es nicht Lüb- bring gelungen wäre, unter Ucberwindung aller Hinderniste eine republikanisch zuverlässige Sckwtzpolizei zu bilden. Deshalb ist er auch der von der ostpreuhischen Iunkerreaktion bqstgehaßte Mann. Namentlich die»stpreußisch« Presse, die fast durchweg ultrareattionär ist. oerfolgt ihn mit grimmiger Wut. Die»Ostpreußisch« Zeitung", die in besonders nahen Beziehungen zu Kapp stand, entspricht� ungefähr der Tendenz nncb der Berliner„Deutschen Zeitung" und wird auch von deren früherem Redakteur Dr. B ü l ck geleitet. Als im Februar 1919 Kurt Eisner ermordet wurde, brachte sie die Mel- dung unter der Ueberschrift:„D a s En dedes Uebels!" Danach mag man ihre Sprache in letzter Zeit ermessen. »*' Der Bezirksverband Brandenburg des Reichsverbande« der deutschen Presse macht uns darauf ausmertsam, daß«r auch schön während des Krieges verschiedenrlich Gelegenheit genommen habe. gegen die Einschränkung der Prestesreiheit zu protestieren. Zwischen damals und heute bleibt sachlich ein kleiner aber grundlegender Unterschied. Damals war es verboten, die Wahrheit zu sagen, heute soll es erlaubt sein, die Mehrheit des deutschen Volkes so viel und so gemein zu beschimpfen, als man Lust hat und fertig bringt. Deswegen mußte die Unterdrückung der Preste damals be- kämpft werden, heute handelt es sich um den Schutz der anständigen Presse, ganz gleich welcher Richtung gegen unsaubere und gemeingefährliche Reptile._ Die Postbeamten für die Republik. Eine überaus stark besuchte VertrouenSmännerversammIung der Beamten für P o st u n d T e l e g r a p h i e, die am 1. September stattfand, beschäftigte sich auch mit den Angriffen der Reaktion gegen Verfassung und Republik. Alle Redner erklärten ohne Ausnahme, daß sie es für ielbstverständliche Pflicht nicht nur der Postbeamten. sondern der Beamten überhaupt erachteten, sich rück» baltlos auf feiten der Republik zu stellen und ihrerseits mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln für ihre Erhaltung zu wirken. Diese Auffastung fand in folgender E n t» s ch l i e ß u n g ihren Ausdruck: „Die am 1. September versammelten Vertrauensleute der Beamten für Post und Telegravhie erneuern ihr Bekenntnis zur Republik. Sie sind gewillt, die Regierung und verfafsuug mit allen Mitteln gegen jeden Augriff zu schützen. Die Versammelten sind aber der Ueberzeugung, daß die Republik nnr dann gesichert ist, wenn endlich ein moderner und sozialer Geist in Regierung und Verwaltung einzieht. Sie erwarten daher, daß die Regierung auf diesem Gebiete endlich die ersten Schritte tut und mit der Demokratisierung der Verwaltung beginnt". Dem Wunsche, der hier ausgesprochen wird, können wir unS nur in vollem Umfang anschließen. Die Vollversammlung ües Völkerbundes. Wellington Koos Eröffnungsrede. Genf, 5. September.(WTB.) Die erste Sitzung der dies- jährigen Völkerbündversammlung vollzog sich in weniger feierlicher Weise als die letztjährige. Eine ganze Reihe von Dele- gierten war noch nicht erschienen. Interesse erregte die öfter- r e i ch i s ch e Delegation, die nach der alphabetischen Anordnung in der ersten Reihe Platz gefunden hatte. Die Sitzung wurde eröffnet vom chinesischen Delegierten, Wellington Koo, Präsident des Völterbuudrotes. Er machte seine Ausführungen in englischer Sprache. Man spürte der Rede die wohlvorbereiteten Bemühungen an, nirgend« anzu- st o ß e n und keine gefährlichen Probleme zu berühren. Die Rede brachte das unvermeidliche Lob der bisherigen Völkerbundarbeit und der moralischen Autorität dieser Institution, wurde aber ohne Uebertreibung und allzu starke Betonung gehalten. Wellington Koo begrüßte die Vertreter der im letzten Jahre neu aufgenommenen Staaten und stellte fest, daß der Bölkerbund von 41 auf 48 Staaten angewachsen fei. Als den wichtigsten Punkt der diesjährigen Tagung bezeichnete der Präsident die Ab- rüstungsfrage. Er fügte hinzu, daß sie nicht schnell gelöst werden könne. Van Karnebeck(Holland) zum Präsidenten gewählt. Bei der Wahl des Präsidenten und Lizspräsi- d e n t e n schlug Balfour(England) van Karnebeck(Holland) vor. Ionesru(Rumänien) brachte da Cunha(Brasilien) in Vorschlag. Restrepo(Kolumbien) bekämpfte die Nominierung irgendwelcher Kandidaten. Nach einer kurzen Debatte wurde be- schloffen, sofort zur Wahl ohne Nominierung überzugehen. Bei der Abstimmung erhietten van Karnebeck 19 Stimmen, da Cunha 12, Bianca(Uruguay) 4 Stimmen und Motto(Schweiz) zwei Stimmen. Da niemand die absolute Mehrheit erzielt hatte, mußte zur zweiten Wahl geschritten werden. Bei der Wahl des Präsidenten der Völkerbundversammlung im zweiten Wahl- gang wurde van Karnebeck mit 22 Stimmen gewählt, während d a Cunha 13 Stimmen und M o t t a 1 Stimme erhielt. Abgegeben waren 38 Stimmen, davon eine weiße. Das Ergebnis wurde mit lebhaftem Beifall begrüßt, woran sich die französisch« Dele- gation nicht beteiligte. Der neugewählte Präsident der zweiten Völkerbundverfamm- lung, van Karnebeck(Holland), dankte in einer mit großem Beifall aufgenommenen Rede für seine Wahl, die er auch als Sympathiekundgebung für feip Vaterland � bezeichnete. Weiter ge- dachte er dann der Verdienste seines Vorgängers, de» Präsidenten der ersten Völkerbundoersammlung, des belgischen Delegierten Hymans. Er führte aus, daß die vorige Völkerbundverfamm- lung die Grundlage zum Dölkerbundwerte gelegt habe und diese Versammlung jetzt an die eigentliche Arbeit herantrete. Die Wahl des Vizepräsidenten wurde noch längerer Debatte auf Grund eines Antrages B r a n t i n g(Schweden) vertagt, weil im vorigen Jahre erst die Kommissionspräsidenten gewählt wurden und dann aus ihren Reihen der Vizepräsident au« der Voll- Versammlung. Die Sitzung wurde darauf um Uhr geschloffen. wachsenüe Spannung in Irlanü. London, 5. September.(WTB.)„Star" meldet: Die Ex- tremisten beider Parteien in Irland bereiten sich auf das Scheitern der Verhandlungen zwischen der britischen Regierung und den Sinn- feinern vor. In U l st e r seien bereits 10 ovo Freiwillige eingetragen worden und in wenigen Tagen würden Waffen und Ausrüstungs- gegenstände verteilt werden. Laut„Manchester Guardian" ist man dagegen in hiesigen gut unterrichteten Kreisen der Ansicht, daß die vorgeschlagene Konferenz zwischen der britischen Regierung und den Vertretern der Sinnseiner stattfinden werde. Eine ßalscbmelöung üer„Dailp Mail". Berlin, 5. September.(WtV.) Nach einer Londoner Meldung berichtete die„Daily Mail", im deutschen Reichsfinanz. Ministerium werde gegenwärtig eine Denkschrift aus- gearbeitet, die beweisen solle, daß Deutschland kein« weiteren Reparationszahlungen mehr leisten könne. Diese Mel- dung, die bedauerlicherweise auch in deutschen Zeitungen Auf- nahm« gefunden hat. entbehrt jeder Begründung. Sie ist geeignet, Deutschland aufs schwerste zu schädigen und hat ver- mullich die Bestimmung, irgendwelche« du»kle» Börsen» «auöver» ja dienen. 61 Einrichtungen in Petersburg. Terijaki, 5. September.(OE.) Die Petersburger„Prawda" bringt einen dem Petersburger Sowjet vorgelegten Bericht über die Petersburger Verschwörung. Danach sollen über Z00 Personen an der Verschwörung teilgenommen haben. In Finnland hätten Zweigstellen der Pariser Verschwörungszentrale bestanden, deren Leitung Prof. Grimm und Prof. Nowitzki in Helsingfors in Händen gehobt hätten, die mit General W r a n- gel in Verbindung gestanden haben sollen. 30 Proz. der Der- schwörer seien Sowjetangestellte gewesen, ferner Professoren, Studenten und einige Kommunisten, bl Teilnehmer der Verschwörung sind erschossen worden, darunter Prof. Taganzew und seine Frau, Fürst Uchtomski, Fürst Tumanow, der bekannte Staats- rechtslshrer Prof. Lasarewski, Prof. Tichwinski, der Geologe Koslow- sti, der Dichter Gumilew. Der Petersburger Sowjet fordert in einem Beschluß strenge Maßnahmen zur schleunigen Unter- drückung aller Versuche, im gegenwärtigen schwierigen Augenblick einen neuen Bürgerkrieg heraufbeschwören zu wollen. Die Peters- burger„Prawda" und„Krasnaja Gaseta" suchen die Auslösung des autonomen Allrussischen Hilfskomitees mit der Petersburger Ver- schwörung in Zusammenhang zu bringen. Die Moskauer„Prawda" beschuldigt das Komitee, noch der Besitzergreifung der Regierungsgcwalt gestrebt zu haben. WLrtslchafi Starte Zunahme des Lanknotenumlaufes. Der Banknotenumlauf der Reichsbant hat in der letzten August-Woche um annähernd drei Milliarden Mark zugenommen. Es laufen somit jetzt für 80 Milliarden Mark Bank- noten um, dazu kommen an Papiergeld noch 7,8 Milliarden Mark an Darlehnskassenscheinen. Die Zunahme des Notenumlaufs be- trägt genau 2,88 Milliarden. Das Verhältnis zur Golddeckung er- höht sich jedoch dadurch, daß dem Goldbestände der Reichs- dank zur Deckung der ersten Goldmilliarde 08 Millionen Mark in ausländischen Goldmünzen entnommen und in Zahlunq gegeben werden mußten. Der gesamte Papiergeldumlauf der Reichsbank stellt also in der letzten August-Woche einen Rekord dar, der bisher noch nicht erreicht worden ist und der deutlich zeigt, wohin wir bei der gegenwärtigen Finanzpolitik des Reiches steuern. Die Börse hat auf die starke Vermehrung des Banknotenumlaufs mit einem Haustetaumel reagiert, der derart stark war, daß für einzelne wich- tige Spekulationspapiere, wie die Aktien des Stinnes-Konzerns, in- folge des starken Kaufandranges kein amtlicher Kurs fest- gestellt wurde, und daß selbst ein sonst ziemlich gleichmäßig be- wertetes Papier wie die AEG.-Aktien um volle 100 Proz. hinauf- schnellten. Man kann sich daran ein Bild machen, wel$e Preis- und Gewinn st eigerungen die Börsenspekulation von dieser neuerlichen Geldentwertung erwartet. Licht strafbare Sleuerhinterziehung. Herr Dr. 6. W olff schreibt uns: Wie kann man Steuern hinterziehen, ohne sich strafbar zu machen? Diese Frage zu stellen, erscheint dem Laien vielleicht wie ein Witz. Aber es ist keiner— dem einen deshalb nicht, weil er keine Antwort weih, dem anderen, weil ihm als Arbeiter, Angestellten und Beamten von vornherein klar ist, daß ihm ja doch nicht oc- hylfen werden kann. Das ist nun für die Arbeitnehmer richtig, für deren vollständige und mehr als rechtzeitige Steuerleiftung durch den Steueravzü'g Vorsorge getroffen ist— aber für die Arbeit- gebe? ist die oben- gestellte Frage nicht ohne weiteres ein« schlechte Scherzfrage—, es gibt vielmehr Antworten darauf, deren Erfolg zweisellos zu fein scheint. Allerdings nicht jeder, kleine, selbständige Kaufmann und Handwerker, und kein geistig Schaffender wird von diesen Antworten Gebrauch machen können, aber für unsere Reichen, unsere Großindustriellen und Großkaufleuts sind die Weg« gangbar, die eine Berringerung der Steuern an das Reich ermöglichen, ohne daß eine strafrechtlich verfolgbare Steuerhintcr- ziehung vorliegt. Es ist kein Geheimnis, daß nach dem bisherigen Steu errecht ein Unternehmen als G. m. b. H. oder Aktiengesellschaft weniger Steuern zahlt als eine Einzelfirma, und wer es noch nicht weiß, der lese die in 2. Auslaqe bereits vorliegende Broschüre des Steuersyndikus W. Benck,„Steuerlich zweckmäßige Gesellschaftsformen(Verlag Spaeth u. Linde, Berlin), die die nötigen Raffchläge enthält. , Aber nicht genug damit, daß Erwerbsgcsellschaften weniger Steuern aus ihren Gewinnen zu zahlen haben als Einzelpersonen: die Steuersachverständigen, die nichl für die Reichs- finanzen, sondern für die Privatfinanzen ihrer Kunden �arbeiten, gehen noch gründlicher vor. So ist in der„Deutschen S t e u e r- z e i t u n g"(„Aelteste Monatsschrift auf dem Gebiete des Steuer- wefens", Iahrganz 10, 1921, Nr. 3) von Dr. Klotz die Frag« er- örtert worden, „ob und unter welchen Voraussetzungen die Formen der G. m. b. H. oder der Kommanditgesellschaft Steuereesparungen ermüg- lichen und wie. bei veränderten Gewinnen des Unternehmens, für beide Gesellschaften die Gesamtsteuerbelastung und die etwaigen Steuercrsporungen sich stellen," d. h. in welcher Gesellschaftsform größere„E r s p a r u n g e n" an Steuern erzielt werden. Es sind ganz hübsche Summen, die der Verfasser als.Ersparungen" herausrechnet, als Ergebnis stellt er jedenfalls fest: „Auf der Grundlage der heutigen Steuergesetzgebung wird für Neuanlage oder Umwandlung von Betrieben, die völlig der wirtschaftlichen Kapitalanhäufung zu dienm bestimmt sind, die Form der G. m. b. H. bebrütende S t e u e p« r s p a r u n. gen ermöglichen. Betriebe, die teilweise ihren Gewinn an ihre Gesellschafter oerteilen, teilweise ihren Gewinn zurückzubaltsn beabsichtigen, werden ebenfalls zur Steuerersoarung die Form der G. m. b. H. wählen. Erst wenn die Ausschüttung des Gewinns über einen gewissen Höchstgrad (etwa drei Viertel des Reingewinns) hinausgeht oder der Gewinn völlig verteilt werden soll, wird die Form der K o m m a n d i t> gesellschaft eine privatwirtschajtlich günstigere Steuerbc- lostung ergeben." Aber die Reichs»egierung plant in der angekündigten Novelle zum Körperschaftssteuergesetz die Beseitigung oer bisheri- gen Teilung der Besteuerung von Erwerbsgcsellschaften nach Maßgabe des erziellen und verteilten Gewinns und Erhöhung des Satzes der Körperschaftssteuer auf 30 Proz. des steuerbaren Ein- kommens(während der Steuersatz bei Einkommen von Einzelpcr- sonen ndch dem Einkommensteuergesetz bekanntlich bis 00 Proz. steigt!), und schon sind dem Berfaster der oben erwähnten Bro- schüre fortgesetzt Anfragen zugegangen, wie er sich„angesichts der geplanten Novelle zum Körperschaftssteuergesetz nunmehr zu der Fraq« der Umwandlung stelle". Nun, er glaubt die besorgten Kapi- talisten beruhigen zu können— seine Ausführungen in der gleichen Nummer der oben genannten Zeitschrift gipfeln in dem Rät, „die Umwandlungstransattion, wenn man sie schon erwogen hat, soweit zu fördern, daß der Entschluß ohne weitere Verzögerung dann in die Tat umgesetzt werden kann, wenn die Novelle zum Körperschostssteuergesetz ergangen sein wird". Inzwischen wollen wir aber wünschen, daß der Reichstag und die Reichsregierung allen diesen Plänen einen Strich durch die Rechnung macht. Das verlangt nicht nur das Interesse des Reichs und seiner Finanzen, sondern entspricht auch der Gerechtig. keit gegenüber denen, die keine Möglichkeit zu Manipulationen Hab«, durch die für die eigene Tasche zu» Schah« der Gesamtheit jS&BMUtfpoBBtgot" erzielt GsWörWisjwbsVegung Einigung der Metallarbeiter in tzalle. Halle a. d S, 5. September.(Eigener Drahtbericht des „D o r w ä r t s".) Der gegenwärtige Streik der hiesigen Metall- arbeiter hat die erfreuliche Folge einer Wiedervereinigung im Deut- fchen Metallarbeiterverband, Ortsgruppe Halle, gezeitigt. Heute wlrd in der Hallefchsn sozialistischen Presse das Ergebnis der Wiederver- einigungsverhandlungen zwischen den beiden Gruppen mit den Be- dingungen der Wiederaufnahme der abgesplitterten Mitglieder in den Deutschen Mctallarbeiterverband veröffent- licht. Zugleich damit gibt die bisherige Verwaltung des abgefplitter- ten Teiles in einer besonderen Erklärung ihre Zustimmung zu diesen Aufnahmebedingungen und die Schließung der Ver- waltungs stelle Lerchenfeld st raße bekannt. S�omit ist eine ebenso unrühmliche wie das Verbandsleben schädigende' Episode zu einem glücklichen Abschluß gebracht worden. Es handelt sich hier um den Dsutschnationalen Hcmdlungs- gehllfenverband(DHV.), dessen Name in dem ausführlich wieder- gegebenen Artikel wohl absichtlich fortgelassen wurde. Walter Lambach, M. d. R., Fraktionsmitglied der Deutschnationalen Volkspartei, ist das bekannte Vorstandsmitglied des DHV. Aus der Notiz geht ferner klar hervor, daß die„gewerkschaftliche� Orgoni- i sation des DHV. nichts anderes als eine Zweiggeschäfts stelle jener rechtsbolschewistischen Partei darstellt, die als Nomensnachfolgerin der altpreußischen Konservativen Partei den Sammelpunkt des als intellektuelle Urheber politischer Mordtaten be- rüchtigten Klüngels bildet. Diesen geschworenen Feinden einer wahren Menschheitskultur, die den erbärmlich st en Betrug am deutschen Volke begingen, der je einer Volksgesamtheit gegenüber geschah, halten irregeleitete Angestellte mit pseudonatio- naler Gesinnung nach wie vor den Steigbügel. Dieser zwar nicht > neue, aber in München wiederum zutage getretene Verrat an den Klosseninteresien der Angestelltenschaft fällt um so schwerer ins Ge- wicht, als die Not und das Elend der großen Mehrheit der Ange- stellten in Handel und Industrie durch die Schuld jener Desperado- Politiker ins Ungeheure wächst. Die freiorganisierten Angestellten werden nicht verfehlen, diesen neuesten Betrug des DHV. allen Be- rufsangehörigen im Reich einzuprägen. der Arbeitnehmer die Verhandlung als ergebnislos. Sie lehnten es ab, dieses Angebot dem Personal zu empfehlen. Die Versammelten lehnten das Angebot der Direktion ganz entschieden ab und ersuchten die Verhandlungskommission, erneut in Verhandlungen zu treten und an ihren Forderungen festzuhalten. Ein Antrag, bis zum 7. d. M. die Verhandlungen zu beenden, fand einstimmige Annahme. Mit einem Appell dos Betriebsrates an die Versammelten, fest und einig zusammenzustehen, schloß die imposante BersammlunA »helft Sowjetrußlanü Der Bevollmächtigte des Metallarbeiterverbandes Berlins, Ge- nosse Z i s k a, teilt uns in Abwehr einer Unterstellung in der „Roten Fahne" Nr. 390 auf Veranlassung der Ortsverwaltung eine längers Erklärung mit, der wir entnehmen: In der Verwaltungssitzung am 19. August stellte der Kollege N i e d e r k i r ch n e r, der der Kommunistischen Partei angehört, den Antrag, der Vertreter der Metallarbeiter in der Berliner Ge- wcrkschoftskommission soll für die Herbeiführung eines Beschlusfes derselben eintreten, durch welchen der ADGB. aufgefordert wird, zur Kontrolle über die Verwendung der für die Russenhilfe gesam- mclten Gelder eine aus allen drei politischen Parteien zu bildende Kommission zuzulassen. Daraufhin erklärte Ziska, daß auch er in der Gewerkschoftskommission dafür eingetreten wäre, daß bestimmte Sicherungen für die gewerkschaftlich organisierte Arbeiterschaft ge- geben sein müßten, wenn sie für Ruhland Gelder sammeln soll. „Ich forderte die Sicherung deshalb, weil die Lösung des Hunger- Problems in Rußland unter den gegenwärtigen Verhältnissen eine reine Geldfrage ist und auch von den herrschenden russischen Ge- nosscn nur als ein? solche angesehen wird, weil ja sonst die inter- nationale Arbeiterschaft von ihnen nicht zur Sammlung von Geldern aufgefordert werden könnte. Daraus aber, daß man mit großen Geldsummen der furchtbaren Not der russischen Proletarier helfend beikommen kann, ergibt sich zwingend, daß die gewaltigen Summen, die die herrschenden russischen Genossen zur Vergiftung der Arbeiter- bewegung in allen zivilisierten Staaten der Erde aufbringen, sehr wohl � mit dazu verwendet werden können, die Not der russischen Brüder zu lindern. Dse Gewerkschaftskommission machte sich meine Argumentation nicht zu eigen, unter der für mich allerdings verständlichen Be- gründung, daß genügend Erfahrungen vorliegen, daß zwischen evtl. abgegebenen Versprcchunaen und der Erfüllung derselben ein weiter, bisher unüberbrückbarer Weg liegt. Ich erklärte dann am Schlusie meiner Auskührungen, infolgedessen bekommen die russischen Kol- legen und Genossen das von der deutschen Arbeiterschaft zu sam- melnde Geld bedingungslos." Die„Rote Fahne" legte den Standpunkt Ziskas dahin aus,„er halte es für selbstverständlich, daß die Sammlung und Abführung der Gelder vom ADGB. nur erfolgen dürfe, wenn Sowjetrußland sich bereit erklärt, Konzessionen an die Menschewisten einzugehen, ins- besondere die wegen konterrevolutionärer Umtriebe Verhasteten freilasse. Diese Darstellung ist für die Zwecke der„Roten Fahne" natür- lich wirksamer, ist dafür aber von A bis Z erlogen. Aangestelltcntaqung der Teutschnationalen Volksvartei. In einem bürgerlichen Blatte Münchens liest man, daß „die in der der Deutschnationalen Volkspartei zusammengeschlossenen Privatangestellten wäh- rend des Parteitages ebenfalls eine Tagung abhielten, auf der rund 2L0 Ortsgruppen und Kreisvereine vertreten waren. Reichs- tagsabgeordneter Lambach wurde einstimmig wieder zum Vor- sitzenden gewählt und hielt einen Bortrag über„Deutschnationale Angestelltenvolitik im Reickstage". In bezug auf die verschiedenen nationalen Gewerkschaftsrichtungen stellte sich die Bersammlung auf den Standpunkt, daß die Partei völlige Neutralität zu wahren hat. Die in der letzten Zeit von dem volksparteilichen Abgeordneten Geisler gegen den Abgeordneten Lambach erhobenen Anwürfe wur- den in einer Entschließung einstimmig zurückgewiesen. Entschließungen wurden weiter angenommen zur Sonntagsruhe, zur Kapital- und Gewinnbeteiligung, zur Angestelltenversicherung, ferner für die Schaffung von Handelsaufsichten und für die Förderung des Arbeits- vertragsrechts." Werkmeister und Holzarbeiterstreik. Die außerordenlliche Mitgliederversammlung des Bezirks- Vereins 24, Fachgruppe Holzindustrie, des Deutschen Werk- meisterverbandes am 30. August im„Schultheiß", Neu« Jakob- straße 24/26, befaßte sick mit dem Streik in der Berliner Holzindustrie. Der Berbandsoertreter Keller schilderte eingehend die Situation und beklagte schließlich, daß in einer ganzen Reihe von Betrieben von den darin tätigen Werkmeistern Streikarbeit ge- macht würde. Es müsse alles darangesetzt werden, derartige Bor- kommnisse zu verhüten und die Solidarität mit den streikenden Holz- arbeitern streng zu wahren. In der Aussprache wurde kritisiert, daß die Geschäftsstelle nicht schon vor dem Beginn des Streiks für�den Streikfall notwendige Verhaltmaßnabmen gegeben hat. Es wären dann Klagen über eine angeblich große Zahl von Streikbrechern aus den Reihen der Werkmeister vermieden worden. Die Erklärung des Verbandsvertrcters W., die Werkmeister dürften alles tun, was sie bisher auch getan und wozu sie vertraglich verpflichtet find, habe Verwirrung angerichtet. Wenn der Werkmeister sich guck in regu- lären Zeiten durck produktive Mitarbeit für eine rasche Erledigung eiliger Aufträge betätigen könne, sei im Falle eines Streiks solche Tätigkeit zu unterlassen, da sie ols Streikarbeit und damit als ver- werflich gewertet werden muß.'Es könne sich im Streik niemand hinter vertragliche Verpflichtimgen verschanzen. Silbermann vom Zentralverbaud der Angestellten forderte volle Solidarität mit den streikenden Holzarbeitern. Genz vom Holzarbeiteroerband gibt seiner Befriedigung über den Verlauf der Verhandlungen Ausdruck. Folgende Entschließung wurde einstimmig angenommen:„Die orga- nisierten Werkmeister der Fachgruppe Holzindustrie erklären sich in dem jetzt immer mehr verschärfenden Kampfe der Berliner Holz- arbeiter solidarisch und verpflichten sich, jegliche Tätigkeit, die sich nicht auf aussicht'ührende oder anleitende Tätigkeit bezieht, strengens zu unterlassen."_ Zur Lohnbewegung der Hochbahner. Die Bediensteten, Handwerker und Arbeiter des Hochbahn- bettiebes nahmen am Sonntag den Bericht über den Stand der Lohnbewegung entgegen. Die Vertreter der zuständigen Or- ganisationen gaben Bericht über die am 1. September statt- gefundene Versammlung. Nachdem die Verhandlungskommission die Höhe und die Not- wendigkeit einer Lohnerhöhung eingehend begründet hotte� erklärte die Direktion, daß eine Aufbesserung der Löhne erfolgen müsse, den Ernst d-er Zeit nicht verkenne, ober nicht in der Lage sei, die Forderungen im vollen Umfange zu erfüllen. Nach längeren Verhandlungen bewilligte sie zu den bestehenden Monatslöhncn für Verheiratete 50 Pf., für Ledige 40 Pf. und für Frauen 35 Pf. Zulage pro Stunde. Die Kinderzulage soll von 60 aus 75 M. pro Monat erhöht werden. Die Verhandlungskommission lehnte den Unterschied zwischen i verheiratet, ledig und weiblich ab und erklärte, über da» minimale j Angebot der Direktion nicht verhandeln zu können. Könnte die ! Direktion keine weitere Zusage machen, so müßten die VerHand- ! langen abgebrochen werden. Nach längerer Beratung machte die Direktion ein neues Angebot, das aber eine wesentliche Aenderung nicht brachte. Der Unterschied zwischen Verheirateten und Ledigen und die 40— 50 Pf. Lohnerhöhung pro Stunde blieben bestehen. Die Zulage für Frauen sollle auf 40 Pf. erhöht werden. Die Erhöhung der Kinderzulage wurde abgelehnt. Der Forderung des Verkehrs- Personals, die Funttionszulage zu erhöhen, trat man näher. Soweit sie 26 M. und 13 M. pro Monat beträgt, sollte sie um 20 Proz., soweit sie 52 M. beträgt, um 10 Proz. erhöht werden. Alle anderen Forderungen wurden abgelehnt. Da die Direktion erklärte, weitere Zugeständnisse nicht machen zu können, bezeichneten die Vertreter Streik im Berliner Darmgewerde. Die im Zentralverband der Fleischer organisierten Darmarbeiter haben eine Lohnforderung von 35 Proz. gestellt. Um den allgemeinen Branchenverhältnissen Rechnung zu tragen, haben die Arbeitnehmer von ihrer ersten Forderung von 50 Proz. Lohnauf- schlag Abstand genommen, um ihre Forderung ohne Arbeits- niederlegung durchzubekommen. Sie haben ober die Rechnung ohne die Herren Arbeitgeber gemacht, welche der Meinung sind, daß die Teuerungswelle mit einer 20prozentigen Lohnaufbesserung aus- geglichen ist. Alle Darmarbeiter haben dieses Angebot mit Eni- rüstung abgelehnt und sind am 1. September in den Streik getreten. Verschiedene Firmeninhaber versuchen Streitposten an ihrer Tätigkeit zu hindern. Die Kutscher der Firmen haben sich mst den Streitenden solidarisch erklärt und verweigern jede Streikarbeit. Die Firma W. Iantzen, Greifswalder Str. 224, hat infolge des Ver- Haltens der Betriebsräte Pähl und K u tz e r das zweifelhaste Glück, mit einer Handvoll Arbeiter, welche den Wert einer Organisation noch nicht erkannt haben, ihren Betrieb aufrechtzuerhalten. Der Herr Iantzen scheute sogar nicht davor zurück, den Kollegen Kadolzki, welcher die Forderung sachlich begründen wollte, mit Gewalt aus dem Betriebe zu entfernen. Der Einwand der Arbeitgeber, daß das Sortiergeschäft bei Be- willigung der Forderung unrentabel sei, fällt weg, weil schon vier Firmen, welche auf Sortierarbeit eingestellt sind, den Tarifvertrag anerkannt haben. Schlächtergesellen, übt Solidarität, holt selbst keine Därme ab. Verweigert die Verarbeitung von Därmen, wenn sie nicht von Firmen kommen, welche bewilligt haben. Nachstehende Firmen haben den Tarif anerkannt: Hugo Steinte G. m. b. H., Neue Friedrichstr. 11, Gengelbach, Zehdenicker Straße, Neu- mann, Martin-Opitz-Str. 5, Berliner Darm-Import G. m. b. H., Marienburger Str. 29. Darmarbeiter, bleibt standhaft, laßt Euch durch Versprechungen nicht ködern. Es geht um Eure Existenzl Die Streikleitung. Roßlandhilfe. Die Liste Nr. 428S ist als verloren ge- meldet worden. Zeicknungen sind auf dieser Liste nicht gemacht worden. Wir bitten dieselbe anzubalren uud an die unterzeichnete Organisation, Zimmer 35, abzuliefern. Deutscher TranSportarbeiterverbond. SPD.- uud llSPV.-Aunkklonäre der Gemeindebetriebe Groß. Berlins. Alle im Lohnkartsll für die Gemeindebetriebe organi- sierten Funktionäre, die der SPD und USPD. angehören, werden dringend ersucht, zu einer Versammlung am Dienstag abend 7 Uhr im Lokal„Bubisäle", Neue Königstr. 26, zu erscheinen. Zutritt nur gegen Vorzeigung von Mitgliedsbüchern und Partei- ausweisen. Die Fraktionsvorstände. Drutscher Tra»»p»rtarbeiter»«rbaud. Handelshilfsarbciter und-arbeite- rinnen au» den Sngro». und Detailbetrieben der Putzbranck«(Damenhitte, Blumen und Federn): Mittwoch 6 Uhr bei Witt«, Postftr. 29, Gruppenverfamm- lung.— Chemische Branche: Dienstaa 7 Uhr im Dresdener Safino, Dresdener Straße SS, allgemeine Branchenverjammlunz sämtlicher Untergruppen.— Branche 3 t sAlt-Wetall-Troßhandel): Mittwoch 6 Uhr im Saal 5 de» Dewerl- schaftshause», Engelufer 24/35, Dollversammlung. Verband der Buchbinder und Papieeperarbelter. Sartonbranche: Mitt- woch'Ai Uhr bei Boeler, Weberstr. 17, Branchenversammlung für die Etui- und Aartonnagenindustrie. Tagesordnung: Bericht von den Weimarer Der. Handlungen uud Urabstimmung. Die Urabstimmung über das Angebot der Unternehmer findet in der Bersammlung statt. Die Mitglieder stnd demnach verpflichtet, vollzählig zu erschein:». Werlmcisterverband, Berlin 24. im Schultheiß, Neu« Iolobstr. 24/26, geordnetes, ituppc. lwderru zindustrie: Dienstag 7 Uhr Ab- Wetter biß Mittwoch mittag: Vielfach heiter, in de« Tages, stunden milde, aber veränderlich, bei mäßigen westlichen bis nordwestlichen Winden. Oeflich der Oder leichte Regensälle. Verantwortlich für den red alt. Teil Berit». Biltor Schill, Berlin: Tb.«locke. Berlin. Verlag: VorwärtS-Verlag m. b. H.. Berlind Enitff'Uor -------- wärts-Burbdruckeret u. LerlagSanttalt Baul Singer iL Eä„ Berlin, Lludeuftr. 3. Hierzu 1 Beilage. f. Herren- a. Damenbciileldnn� bette FabriHeie,«rotte Aatwakl Veruam metenveUe Koch& Seeland» � fiertrandfenstr. 20/21 Ä- Stoffe ifeH Damen-Wäsche •••••*•••••«•• 2350 Hemd wä«hOiwr sn