M.422 ♦ ZS. Jahrgang Msgabe B Nr. 209 Bezugspreis» T'--rt«lMrl.S0.- M.-nonall�«»— 9L frei ins Sau», varau» zahlbar. Paft- bezug: Monatlich Iii.— M. einschl. gu- sicllnngzgediihr. Unter Kreuzband ftir Deutschland. Danzig. das Saar- und Wrmeiqedist. sowre die ehemals beut- fchcn Dediete Polens. Oesterreich, Ungarn und Luxemburg 20,— DU für das übrige Ausland 27.— M. PoÜ- beiiellungen nehmen an Oesterreich, Ungarn, Tschecho- Slowakei. Däne- Marl. Holland. Luremburg. Schweden und die Schweiz. Der„Vorwärts* mit der Sonntagsbeilage„Volk und Zeit*, der Unier- haliungsbeilage„Heimwelt* und der Beilage.Siedlung und Kleingarten* erscheint wochentäglich zweimal. Sonn» tag» und Montag» einmal. 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Expedition und Inserate«. �rrniprecyer. Teilung Morihplah 11753-54 Mirth über die!> 3m Keinen Purk hinter der Reichskanzlei empfing Dr. Wirth den Berliner Vertreter der.Daily Mail". Aus seinen Aussührun- gen sei folgendes hervorgehoben:„Für den Augenblick befürchte ich keinen monarchistischen Staatsstreich, aber wir müssen auf der Hut sein. Das deutsche Volk fügt sich allmählich den demokratischen Grund- sätzen. 3n der Zukunft wird es sich selbst regieren und dem Pro- blem der Verantwortlichkeit Rechnung tragen müssen, statt daß es, wie unter der Monarchie, ja und nein sagt. Es kann immer man» archistische Agitation geben— dir monarchistische Bewegung kann so- gar einen großen Anteil bei der Einigung der Par- teien des republikanischen Blockes haben. �Hatie doch Frankreich eine monarchistische Partei noch nach der Gründung der dritten Republik. Eine solche Partei bildet gegenwärtig das Zentrum der mouarchlsch-milikaristlschen Bewegung ln Bayern. Aber nicht alle Bayer n'sind Monarchisten, und nicht alle Monarchisten sind Bayern! Ich bin enlschlosseu, mit Bayern nicht zu streltea. Es ist ein Land, das immer lebhaftes Empfinden für feine Unab- Hängigteit hatte. Doch glaube ich, daß eine Vereinbarung möglich fein wird, wie sie in der A b r ü st u n g s f r a g e und in der Frage, der Einwohnerwehren möglich war. Der Kanzler Wirth kam sodann auf die R e p a r a t i o n s- fragen zu sprechen und erklärte, daß es schwierig war, die ersten Zahlungen zu erfüllen. Als man sich die auswärtigen Devisen verschaffen mußte, sank der Markkurs immer weiter, was wiederum dazu führte, daß die Beamten höhere Ge» Hölter forderten, wodurch dem Staate 19 Milliarden Mehraus- gaben erwuchsen Außerdem hätten die Währungsspekulanten, dte wußten, daß Deutschland bis zum 31. August zahlen mußte, gegen das Reich gearbeiiet, so daß sie eine Steigerung des Markkurfes ver- hinderten. Sollte die Mark immer weiter sinken, so würde eine Zeit kommen, in der man einsehen müßte, daß die Grenze der Leistungsfähigkeit Deutschlands erreicht wurde. Deutschland werde keine Proteste mehr in Form von Noten oder Memoranden erheben— niemand liest sie— Deutschland wird fortfahren zu arbeiten,' � bis die Ereignisse für sich selbst sprechen. Alles hänge von der Lösung des oberschlesischen Problems ab. Deutschland lege dieser Lösung und der Bewertung der Sanktionen cm Rhein die größte Bedeutung bei. Man müsse endlich einsehen, daß nicht nur die wirtschaftlichen, sondern auch die militäri» sch en Sanktionen fallen müssen. Eine merkwürdige Unterredung. Herr vou Preger im„Berliner Lokal-Anzeiger". Der bayerische Gesandte in Berlin, v. Preger, hat sich vom ..Lokal-Anzeiger" interviewen lassen. Wenn das, was dieses- „hervorragend objektive" und regierungsfeindliche Blatt mit- teilt, richtig ist, dann muß man die größten Befürchtungen hegen. Herr v. Preger versteht die Meinung seiner Regierung so einzukleiden, daß man erst bei genauerem Hinsehen begreift, was sie dem„Lokal-Anzeiger" sagen wollte. Man ist nach Herrn v- Preger in den Münchener maßgebenden politischen Kreisen der Auffassung, daß die Roichsregierung es auf eine Kraftprobe ankommen lassen wolle. Es heißt dann weiter: 3n München werden Auslastungen des Reichskanzlers kolportiert, die diese Austastung zu fördern geeignet sind und natürlich zu einer Derschärfung der Situation das ihrige beitragen. Es darf aber nicht übersehen werden, daß hinter der Regierung Kohr über zwei Drittel des gesamten bayerischen Bolkes stehen, wie es die Wahlen zur Genüge bewiesen haben. Falls die Reichsregierung auf ihrem Verlangen, den Ausnahmezustand aufzuheben, bestehen bleiben sollte, tritt die Gefahr in den'Vordergrung, daß die Regierung Kahr zurück- tritt. Ob dieser Rücktritt jedoch ohne weiteres glatt v o n st a t t e n gehen würde oder ob an dies Ereignis nicht irgendwelche unliebsamen Erscheinungen sich a-n- knüpfen würden, mag dahingestellt bleiben. Die Regierung Kahr genießt in Bayern eine solch große Popularität, daß ein durch die Reichsregierung erzwungener Rücktritt des bayerischen Mini- steriums unter Umständen sogar eine Bewegung im Volke auslösen könnte, deren Tragweite vorderhand nicht zu übersehen ist und die dem Gedanken der Reichseinheit auf keinen Fall förder- chch wäre. Das sind schlecht verhüllte Drohungen mit einem reaktiv- nären Putsch. Die Reichsregierung sollte sich diesen Ton eines bundesstaatlichen Vertreter? energisch verbitten. Herr v. Pre- ger meint weiterhin noch: Die Drohung mit dem Generalstreik, wie es in den Nürnberger Verhandlungen der sozialdemokratischen Parteien und Gewerkschaften zum Ausdruck kommt, ist meiner Meinung nach nichts anderes als ein Blufft denn es wäre Verbrechen und Unvernunft zugleich, unseren todwunden Wirstchaftsksrper wegen des Fortbestandes des Aus- nahmezustandes in Bayern, der in außerordentlich milder Weife ge- handhabt wird, neuen Torturen zu unterwerfen. Auch die Drohung r. mit einer Abtrenung Nordbayerns oder Frankens vom bayerischen Staate ist kaum ernsthaft zu werten. Sollte die bayerische Regie- rung tatsächlich von ihrem bisher vertretenen Standpunkt abgehen, so würde das Opfer nicht etwa aus Furcht vor der drohenden Geste der Sozialdemo kratte gebracht werden, sondern um dem Reich nur im Kampf um seine Existenz bedrohende Erschütterungen zu ersparen. « Wir registrieren diese polltischen Naivitäten, die Herr v. Preger zum besten gibt, ohne dazu Stellung zu nehmen. Für uns lohnt sich das nicht. die offiziöse bapristhe Meinung. Kein Verzicht Bayerns auf den Ausnahmezustand. Zur Abreise der bayerischen Unterhändler nach Berlin meldet die„München-Augsburger Abendzeitung", daß die Gefamlregterung und die Koalition auf den Ausnahmezustand in Bayern gegen- wärtig nicht verzichten könne, und daß die bayerischen Unier- Händler versuchen werden, die Reichsverordnung vom 29. August dahin abzuändern, daß die Exekutto- und Polizeigewall Bayern erhalten bleibe. Die Abordnung wird frühestens am Sonnabend in München zurückerwartet, so daß also vor Montag nächster Woche eine abschließende Stellungnahme der Reichsregierung und der bayerischen Regierung kaum möglich sein dürfte. Aussprache im Ausschuß des bayerische« Landtages. München, 7. September.(TU.) 3m ständigen Ausschuß des bayerischen Landtages kam es gestern abend zu nochmaligen Aus- einanderfetzungen über die politische Loge. Die Mehrheitssozial- demokraten und Unabhängigen forderten, daß schon morgen eine neue Sitzung des ständigen Ausschusses stattfinde und erklärten, daß es«in Hohn und ein Spott wäre, wenn man den Landtag vor voll- endete Tatsachen stellen und ihn nicht hören würde, ehe die bayerische Regierung in Berlin das letzte Wort gesprochen habe. Es handle sich hier um eine hochwichtige Angelegenheit für die ganze deutsche Republik. Auch die blutigen Ereignisse in Koburg müßten schien- »igst besprochen werden. Die Mehrheit dürfe nicht noch Willkür- licher vorgehen, sondern müsie sich dem Gebot der Gerechtigkeit unter- stellen. Der bayerische Gesandte in Berlin habe im Ueberwachungs- ausschuß des Reichstages ausdrücklich erklärt, daß die bayerische Re- gkerung zunächst den Landtag hören müsie. Das Ergebnis der Aus- einanderfetzungen war, daß mit den Stimmen der Koalitionsparteien beschlossen wurde, morgen und übermorgen krtne Sitzung'des ständigen Ausschusses abzuhalten. Der' sozialdemokratische Ausschuß- Vorsitzende beraumte später die nächste Ausschußsitzung auf Frei- tag an. Die bayerischen Demokraten für einen Ausgleich. Die deutsch-demokratische Landtagsfraktion hatte gestern zu- sammen mit dem erweiterten Landesvorstand der Partei, wobei Vertreter aus dem ganzen Lande anwesend waren, über die Lage beraten. Die Bersammelten waren einig in dem entschlossenen Willen, alle Schritte zu unterstützen, die zu einem Ausgleich der zwischen dem Reich und Banern entstandenen Spannung führen können. Dabei wurde als selbstverständlich erachtet, daß die Rechtskraft der Reichsverfassung als verpflichtend anzusehen ist. 3m übrigen wurden die kürzlich vom Landesvorstand und von der Fraktion erlassenen Richtlinien gebilligt. » München, 7. September.(Eigener Drahtbericht des„Vorwärts".) Die heutigen Morgenblätter beurteilen den Konflikt zwischen Bayern und dem Reich schon bedeutend leidenschaftsloser als in den letzten Tagen, so daß sich der Verhandlungswille der bayerischen Regierung bereits auszuwirken scheint. 3edoch werden in der Presse noch ein- gehende Forderungen erboben. Die„Münchener Neuesten Nach- richten" stellen folgende Mindestforderungen auf: Vermeidung wei- terer Eingriffe in die bayerische Verwaltungshoheit, Ueberlassung der Durchfiihrung der Reichsoerordnungen an die bayerischen Behörden sowie deren Revision, ferner Beibehaltung des Aus- nahmezustandes. Die„Münchener Zeitung" stößt folgende Drohung aus: Wenn Herr o. Kahr wollte, so bedürfte es nur einer klaren Unterrichtung des bayerischen Volkes über das, was man Bayern schon angetan hat und antun wolle, verbunden mit der kurzen Frage, ob das hingenommen werden solle, um einen Sturm ohnegleichen im Lande zu entfesseln. Gegen die Trenftungspläne der nordbayerischen Sozialisten wird ein Aufruf des Bundes der Land- wirte mit dem Sitz in Nürnberg veröffentlicht, welcher gegen diese Abtrennung im Namen der nordbayerischen Vaiiemschnst protestiert. Das„Münchener Tagblatt" glaubt durch Vöbeleien über den Berliner Zaunpfahl und vom Sozi, der die Obrigkeit nach dem Grundsatz führt: Wenn der Bauer auf den Gaul kommt, reitet er schärfer als der Iqelmann, die bayerischen Rcftrvatrechte aufrechtzuerhalten. Wie wenig das Blatt auf eine Verhüllung feiner Handlung aus dem „Miesbacher Anzeiger" legt, beweist die Tatsache, daß ein Artikel, der mit dem Namen de» ehemaligen Schriftleiters„aus der Ber- bannung" gezeichnet ist, sich damit rühmt, daß fein Blatt zuletzt in München 1 M. und in Berlin für 30 M. verkaust worden fei. Morgan war nicht tu Berlin. Morgan läßt durch feinen Pa- rrfer Vertreter das Gerücht dementieren, wonach tf sich I ringst incognito in Berlin aufgehalten habe. Er habe auch nicht die Ab- stcht nach Deutschland zu kommen. Lanöbesteuerungun» öesifigrenze Don Eduard David. Die Frage, wie die ungeheure Steuerlast verteilt werden soll, die uns durch die Reparatwnsverpflichtungen auf- gezwungen wird, droht eine schwere innerpolitische Krise heraufzubeschwören. Die Sozialdemokratie und mit ihr alle, die mit Vernunft und Gerechtigkeit an das Problem heran- treten, find der Ueberzeugung, daß die Finanznot des Reichs ohne Zugriff auf die realen Besitzwerte nicht überwunden werden kann. Die Millionäre rufen die Millionen Kleinbesitzer zum Kampf für das heilige Eigentum auf die Schanzen und hoffen, hinter dem breiten Rücken jener Schutz für ihre angehäuften Riesen- vermögen zu finden. Das wird ihnen dadurch erleichtert, daß bis jetzt unsererseits viel zu wenig hervorgehoben worden ist, daß die Forderung auf Wegsteuerung eines Teils der Sachwerte sich n i ch t gegen das kleine Eigentum richtet, das lediglich der Verwertung der eigenen Arbeitskraft dient, sondern nur gegen das kapitalistischer Gewinnerzielung dienende große Eigentum. Der Genosse und frühere preußische Landwirtschafts- minister Otto Braun hat neulich auf der branden- burgischen Parteikonferenz auf die Tatsache hingewiesen, daß die seitherige Steuerpraris die kleinen Landwirte je Hektar ihrer Betriebsfläche viel höher besteuert als die Eroßguts- besitzer. Nach einer dem Reichstag am 19. Mai d. I. vom Reichsfinanzminister gemachten Mitteilung hat z. B. das Landesfinanzamt Königsberg i. Pr. als Durchschnitt der Jahre 1914 bis 1919 folgende Normalrcinerträge für den Morgen (~ Z4 Hektar) als angemessen bezeichnet: a) bei klxinem Besitz bis zu 60 Morgen 60 bis 100 M., d) bei mittlerem Besitz von 60 bis 400 Morgen 30 bis 80 M.. c) bei großen Betrieben über 400 Morgen 25 bis 60 M. Danach wurde bei Veranlagung des Reichsnotopfers der Bodenwert für die kleinen Besitzer bis zu 1500 M., für die mittleren bis zu 1200 M., für die großen dagegen nur bis zu 1000 M. berechnet. Mit dieser dem volkswirtschaftlichen Interesse unseres Landes schnurstracks zuwiderlaufenden Steuerpraxis ist schleu- nigst Schluß zu machen. Die- Steuerkrast der Flächen- einheft ist im Großbetrieb nicht geringer anzusetzen als im Kleinbetrieb, so daß die Progression der Steuersätze bei ivachsendem Einkommen und Besitz ringebrochen zur Geltung kommt. Die Großen mögen ebenso viel je Flächeneinheit herauswirtschaften wie die Kleinen: können sie das nicht, dann mögen sie das Land denen überlassen, die es können! Das ist die eine, die laufende Einkommen- und landwirtschaftliche Besitzbesteuerung betreffende Forderung, die wir erheben müssen. Die Masse der kleinen Bauern wird uns dabei freudig zustimmen und unterstützen. Zum zweiten kommt die einmalige Wegsteuerung eines Teiles des Landbesitzwertes in Betracht.« Bei dieser sind die Zwerg, und kleinbäuerlichen Be- sitzungen, auf denen in der Regel nur die Arbeitskräfte der Familie des Besitzers, nicht aber fremde Lohnarbeiter beschäf- tigt werden, freizulassen. Denn hier handelt es sich nicht um den Besitz kapitalistischer Produktionsmittel. Die Höchstgrenze des freizulasienden landwirtschaftlichen Grundeigentums wird man je nach der Bodengüte zwischen 15 bis 20 Hektar(60 bis 80 Morgen) zu ziehen habest. Zu schärfstem Zugriff fordern die Riesen betriebe heraus, zu denen wir alle Betriebe über 500 Hektar rechnen. Sie wirtschaften in der Regel ans größeren Teilen ihrer Fläche ganz extensiv, häufig mit Vorwerken, die ausgedehntem Weidegang dienen. Betriebe über 500 Hektar gab es nach der Zählung von 1907 im damaligen Reich 3498. Sie nahmen aber nicht weniger als 2,55 Millionen Hektar in Anspruch. Darunter befanden sich 369 Betriebe über 1000 Hektar mit e�er landwirtschaftlich genutzten Gesamtfläche von nahezu y2 Million Hektar. Dabei darf nicht vergessen werden, daß die Zahlen der Betrieb sstatisftk noch keineswegs die Konzentration des Grund b e s i tz e s in ihrer ganzen Schärfe heraustreten lasien. Viele großen Grundeigentümer besitzen mehr als ein Land- gut, und soweit große Grundherren ihren Landbesitz in kleinen Losen an Bauern verpachtet haijen, tritt er in der Groß- betriebsstatistik überhaupt nicht zutage, sondern versteckt sich in der Zahl der Kleinbetriebe. 0 Prof. I. Conrad hat im Jahre 1888 aus dem Eller? holzschen Handbuch des Grundbesitzes im Deutschen Reich eine Üebersicht über die Besttzverbältnisie in den 7 östlichen Pro- vinzen Preußens herausgearbeitet. Danach befanden sich die in jenen sieben Provinzen vorhandenen 16 406 Güter über 100 Hektar in der Hand von 10 988 Besitzern. Während si-' nun in der Letriebsklasie van 100 bis 400 Hektar die Zahl der Betriebe mit denen der Besitzer noch nahezu deckt(5606 Güter auf 6437 Besitzer), gehen die Zahlen der Güter und der Be- sitzer für die noch größeren Liegenschaften immer weiter aus* einander,' In den steben östlichen Prom«qe« Preuß«» gab e» damals 1SSS Grundeigentümer mit Eigen- tumstomplexen von über 1000 Hektar Fläche. Von den 10 406 Großgütern gehörten diesen 1SW> Magnaten 6155, das sind 39,3 Proz. Di» Gesamtfläche, über die sie verfügten, umfaßte 4 916 897 Hektar, das sind nicht weniger als 81,66 Proz. der in Betracht kommenden Fläche der sieben östlichen Provinzen(17,59 Proz. der Acker- und Wiesensläche, 36,26 Proz. der Waldfläche). Von diesen 188Z LatifundieÄesitzern gehörten 77,4 Proz. dem Adel an. Besitzungen von 5000 Hektar und dar- über gab es 159. Sieht man von dem hier mitgezählten preußischen Domänenfiskus ab, so bleiben 158 Privatbesitzer, die über 1830 Güter mit einer Gesamtfläche von 1 768 046 Hektar(692 250 Hektar Acker und Wiese, 936 388 Hektar Wald) verfügten. Unter diesen Besitzern befanden sich 15 Souveräne und Mitglieder regierender Häuser mit 306 Gütern und 374 733 Hektar Fläche, und 123 sonstige Besitzer aus adligen Häusern mit 1353 Gütern und einer Gesamtfläche von 1 223 116 Hektar. Nur 10 bürgerliche Besitzer mit zu- sammen 80 Gütern und einer Gesamtfläche von 82 375 Hektar waren in diese Gruppe von Latifundienbesitzern eingedrungen. D i e 20 größten Land herren besaßen insgesamt 6 78 Güter mit 5 88056 Hektar Fläch«(189 393 Hektar Acker und Wiese. 367 190 Hektar Wald): jeder einzelne hatte durchschnittlich iast 34Güter mit über 29000HektarFläche! Im einzelnen ergibt sich dabei folgendes Bild: In diesen Zahlen veranschaulicht sich die Machtposition der Grundherrenkaste, die das alte Preußen-Deutschland von Ostelbien aus beherrschte. Sie ist auch durch die S t a a t s u m w ä l zu n g vom November 1918 in ih,t«m wirtschaftlichen Le.stand..nicht er» schüttert worden. Und weitere Milliarden- yzerte sind ihr inzwischen durch die Hoch- steigerung aller landwirtschaftlichen Pro- dutte zugeflossen! Hier vor allem kann und muß fest zugegriffen werden, um dem Reich ein ausgedehntes Mit- besitzrecht an Grund und Loden als Unterlage seines Kredits und seiner Zahlungsfähigkeit zu verschaffen. In allen osteuropäischen Staaten ist«ine gesetzliche Höch st besitzgrenze für Grund und Boden festgelegt worden, über die hinaus alles Land zu billigsten Preisen oder ganz ohne Entschädigung an den Staat abgegeben werden muß. Die Höchstbesitzgrenzen bewegen sich zwischen 200 bis 500 Hektar. Auch die deutsche R»publik sollte diesen Weg de- Das Surgenlanö. Do» schöne Vurgenland, dessen erste deutsche Bewohner vor H00 Iahren nach dem Siegeszuge Karls des Broßen hier«in« blü- hende Kultur begründeten und das seitdem ein deutscher Stammsitz gewesen, ist nun der Gegenstand eines erbitterten Kampfes, da die Ungarn mit Gewalt das Dcutschösterreich zugesprochene Land fest- halten wollen.' Ein anschauliches Bild dieses Landes, das jetzt in aller Munde ist, entw'rft Hugo Pifsl in der„Deutschen Revue". Landschaftlich wechselt in diesen Gauen die AlpenweU mit reich- gesegnetem Hügelland und Ebenen, geziert von blühenden Städten und Dörfern, von zahlreichen Burgen und Schlösiern, waldgcschmückt und rebenumkränzt. Den Namen erhielt das Land von den vielen Städten, die auf„Burg" endigen. Die Ortschaften liegen oft sehr malerisch, und ihre Häuser zeigen altväterliche Bauart; sie stammen noch vielfach aus dem Mittelalter. Im großen und ganzen herrscht Wohlhabenheit, und nm die Gebirgsbewohner an der Westgrenze fristen ein dürftige» Dasein. Die Leute des Burgenlandes nennen sich seit Jahrhunderten„H e a n z e n";' ihre Stammverwandten de- wohnten auch noch Teile von Steiermark und Niederösterreich. Der Name soll angeblich von einem Grafen Henzo von Güssing her- stammen, der im IS. Jahrhundert eine bedeutende Rolle in West- ungarn spielte. Seine zahlreichen Untertanen nannte man Henzos Leute, woraus Heanzen entstanden ist. Daß die Deutschen im Burgenlande trotz aller Bedrängnisse ihren guten Humor bewahrt haben, zeigen die einzelnen Spitznamen der Stammesgruppen. Die Leute um St. Gotthard und Güssing herum heißen„Kotzenheanzen", weil sie angeblich totzengrob sind. Im Rosaliengebirge westlich von Oedenburg hausen die„Repetierheanzen", deren Mundart dadurch ausfällt, daß�fic viele Ausdrücke wiederholen. Im Tale des Pinta- flüßchene und dessen Seitentälern sind die gutmütigen„Geduld- heanzen" zu finden. Die Günser Deutschen heißen„Pummheanzen". wa» soviel wie echte Heanzen bedeutet. Zwischen Oedenburg und Rußt wohnen die„Spiegelheanzen", so benamst, weil ihre Rock- ärmel wegen Nichtgebrauches des Taschentuches einen Spiegelglonz haben sollen.* Die Bauern des Burgenlandes sind fest» stramme Leute, so lang« sie jung sind: bald aber sehen sie sehr abgearbeitet aus. Ueder- mutiges Gejohle im Wirtsbaus ist nie zu hören, auch nie fröhlicher Gesang in Feld und Garten. Die Mädchen altern infolge der schweren Arbeit sehr rasch. Die Tracht ist einfach und dunkel, ohne jeden Schmuck. Die Bauern tragen hohe Stiefeln, und legen die Arbeitsschürze auch in der Stadt nicht ab, da sie auf dieses Ab- zeichen ihres Standes stolz sind. Ueberhaupt ist ihnen ein starte» Selbstbewußtsein»igen. Die Mundart der burgenländischen Bauern ist ziemlich schwer verständlich, wogegen der Städter ein gute» Deutfch spricht, Ueberhaupt sind die Städter ander» geartet al» ht» schreite«. Ds» ist Sie fcrftt« Maymistme, tmt tzer Fin«mz- katastrophe vorzubeugen. Das Reich wird auf diese Weise Großgrundeigentümer auf größtem M a ß st a b. Zugleich kann es fo der extensiven Wirtschaft auf den Latifundien ein Ende machen durch Weiterbegebung des Landes in HeimstäUenrecht oder Dauerpacht an bäuerliche Siedler, die vorzugsweise aus den Kreisen der Landarbeiter und Kleinbauernsöhne zu holen sind. Lei einer solchen Finanz- und Agrarpositik werden wir die gesamte werktätige Landbevölkerung auf unserer Seite haben. Die vorgeschlagenen Maßnahmen dienen der steuer- lichen Gerechtigkeit und dem volkswirtschaftlichen Fortschritt. Sie sind aber aucb notwendig zur Sicherung der so- zialen Demokratie. Denn die wirtschaftliche Macht- Position der großen Grundherren ist zugleich die st ä r k st e Trutzfest« und- Ausfall st ellung der mon- archistisch-militaristischen Reaktion, von der die schlimm sie Gefährdung der deutschen R e- publik ausgeht. Es ist die höchste Zeit, daß dieses aus der Feudalzeit in das 20. Jahrhundert hineinragende Bollwerk alter Herrenmacht niedergelegt wird. fln alle Deutstben! Wulle an der Arbeit. Bor«inigen Tagen machten wir darauf aufmerksam, daß Herr Wulle demnächst im Sportpalast eine schwarzweiß- rote Heerschau zu veranstalten gedenke. Uns liegt jetzt das Plakat für diese rechtsbolfchewistische Versammlung vor. Es werden„alle Deutschen" eingeladen, die sich zu den alten Farben schwarzweißrot bekennen. Die Heerschau schwarzweiß- rot soll om Sonntag, den 2. Ottober, 10 Uhr vormittags im Sportpalast, Potsdamer Straße, stattfinden.„Die geschlossen« Feier enthält als Kernpunkte die Stiftung der deut- schen Ehrendenkmünze des Weltkrieges durch den Ordensrat des Verbandes nationalgesinnter Soldaten und die feierliche Weihe der fchwarzweißroten Fahne des Deutschen Herolds E. V.". Dazu sollen die.Herren Wulle und v. G r ä f e- Goldebee reden. Wir sind der festen Ueberzeu- gung, daß diese beiden theoretischen Vaterlandsverteidiger nicht nur die Ehrendenkmünze des Weltkrieges bekommen, sie wer- den auch eifrigst dafür sorgen, daß die schwarzweißrote Heer- schau zur Besänftigung der Rechtsbolschewisten dient. Selbswerständlich kommen wir zurzeit auf die Leranstal- tung, die man zum Einheitssatz von 8,50 M. genießen kann, noch zurück. Beachtenswert erscheint uns überdies, daß schon jetzt Eintrittskarten für die Heerschau oerkauft werden, und zwar im Bureau des Verbandes nationalgesinnter Soldaten, des Nationaloerbandes deutscher Offiziere, der Deutschen Volkspartei, der Deutschnationalen Volks- partei und des Deutschen Herold. Schrittmacher öer Reaktion. Die„Vossische Zeitung", deren Speziasität es feit etlichen Iahren ist, in fast allen außenpolitischen und innerpolitischen Fragen unfehlbar daneben zu hauen, wendet sich lebhaft gegen die Ausführungen des Iustizrats Werthauer in unserer gestri- gen Morgenausgabe über„Die Republik und ihr Strafrecht". Insbesondere die Forderung nach Abschaffung der Unabsetz- barkeit der Richter erscheint ihr als ein v e r f a s s u n g s- widriges Begehren. Mit sittlicher Entrüstung ruft sie aus: „Ts ist ein klaff-nder Widersprach» wenn man auf der einen Seite da» Volk zur Berteidigung der Ver- fassung aufruft und auf der andern Seite einen ihrer wich- tigsten und wesentlichsten Grundsätze beseitigen will." Wir müssen die Lesart, als ab der Artikel Werthauers zu einem Verfassungsbruch anreizen würde, als eine bös- artig« Unterstellung zurückweisen. Wir sind un» allerdings dessen bewußt, daß ein- Gefetz, das die Unabfetzbarkeit der Richter aufhebt, eine Berfassungs änderung bedeutet, daher einer Zweidrittelmehrheit des Reichstages bedarf. Solche Verfassungsänderungen sind bereite in diesem Jahre Dorfbewohner, haben eine große Borllebe für Belustigungen und sind von der Leichtlebigteit»er Madjaren angesteckt. Der deutsche' Städte» erliegt in immer größerem Umfang dem ungarischen Gin- fluß, nur noch der Bauer und der Kleinstädter bekennen sich»ffen zum Deutschtum. Zur Zeit de» Umsturzes gab es im Burgenlande nicht ein« einzige deussch« Schule mehr, und die Lugen» wird mit allen möglichen Mitteln dem madjarischen Einfluß unterworfen. „Niemand im Reiche", sagt Piffl,»hat«ine Ahnung, mit«el- chen Mitteln gegen seine Stammesbrüder vorgegangen wird. Daß Oedenburg noch stark deussch blieb, ist dem regen Verkehr mit Wien zu danken, doch schon begau» man statt der doppelsprachigen Straßen- tafeln nur rein ungarische anzubringen, wie die» z. B. im erzdeut- schen Eisenstadt der Fall ist und man selbst in deutschen Dörfern solches durchsetzte. Unter den übrigen Städten de» Burgenlande» sind es vornehmlich St. Gotthard, Lltenburg, Eisenburg, Wieselburg und Eisenstadt, die noch deussch genannt»erden können, währen» da; freundliche Günz bereit» mehr als zur Hälft« Madjaren zählt, d. h. Renegaten." Außer vielen landschaftlich bemerkenswerten Gegenden gibt es im Burgenland« auch historisch interessante Städte, s» die riesige Gräberstätte aus der Hollstadter Periode bei Oeden. bürg, das römische Mithräum am Neusiedler See usw. Die Heanzen haben der Welt Franz. Liszt geschenkt, die Heidbauern Haydn, und noch so mancher Gelehrte und Künstler stammt aus dem Burgenland. polltik und Schöithellskonkurrenz. Nicht geringe Aufregung hat in der politischen Welt Washingtons die Entdeckung hervorgebracht, daß der Multimillionär Manuel Harrick, der Vertreter de» Staate» Oklahoma im amerikanischen Repräsentantenhaus, sich«n«ine An- zahl junger Damen der guten Gesellschaft mit der schriftlichen Auf- fordcrung gewandt hat, sich an einem von einem Lokalblatt veran- statteten Schönheitswettbewerb zu betelligen. Der Herr Abgesrdnete bot in seinem Einladungsschreiben überdies der Preisträgerin gleich» zeitig sein Herz, seine Hand und sein vermögen an. Herr Harrick bekannte sich ohne weitere» al» der Schreiber dieser»riefe, machte aber zu seiner Entschuldigung geltend, daß ihn bei der Abfindung nur die Absicht geleitet habe. Materia! zur Unterstützung de» Gesetz. antrage» In die Hönde zu bekommen, den er im Repräsentantenhaus eingebracht hat und der den Zweck oerfolgt, die von den amerikani» schen Zeitungen immer häufiger veranstalteten Schönheitswettbewerbe al» Unternehmen zu brandmarken, die zu verbieten sind. Herr Harrick hat es allerdings für angezeigt gehalten, sich in den an die Schönen Amerika, gerichteten Briefen al» ein Mann zu nihmen, der ein fleckenloses Leben geführt hat und der»ersichern darf, daß er. noch ehe acht Jahre»ergangen find, an der höchsten Stelle des Staates stehen>md die Frau seiner Wahl zu dieser Höhe emporheben werde. De? seltsam« Gesetzgeber oersichert, daß er unter 50 abgesandten Briefen nur cine Ablehnung erhalten habe. Er hat allerdings in seinen Briefen nicht oerfehlt, den jungen Damen zu verstehen zu geben, daß es sich hier um den„größten Preis handelt, den ein« Frowin der Welt gewinnen kann". Herr Harrick behauptet, daß er Me»»«trag ta* tafcn viaoft gelMw hat. «ssedechskt vsrtzensmmsn worden. Es blieb dem„demokrati- schen" Ullstem-Blatt vorbehalten, in der Verdächtigung un- serer diesbezüglichen Absichten der Reaktion voranzugehen. Im übrigen ist die„Bossische Zeitung" mit ihrem Urteil über die Frage selbst schnell fertig: Daß die Ilnabsehbarkcit im Interesse unserer Rechkspsiege unbedingt aufrechterhalten werden muß, bedarf keiner längeren Erörterung. Sie ist die Grundlage einer unabhängigen Rechtspflege, und drefe ist gewiß doppelt notwendig in einem Staat, dessen Bevölkerung durch Parteileidelsschaft so auseinander- gerissen wird, wie es in Deutschland leider heute der Fall sst. Wir sind im Gegenteil der Ansicht, daß dieses Thema einer sehr gründlichen Erörterung bedarf. Wir geben aller- dings Zu, daß die Aussichten der Erlangung einer Zweidrittel. Mehrheit sehr gering sind, wenn alle Demokraten in � dieser Frage so kurzsichtig und rückschrittlich urteilen, wie div „Vossische Zeitung". preußischer Untersuchungsausschuß. Arn Mittwoch setzte der Untersuchungsausschuß des Preußischen Landtages über den Mitteldeutschen Aufstand seine Be- ratungen fort. Auf der Tagesordnung stand die Vernehmung von Zeugen, die gemäß der Verfassung öffentlich war. Bei der Zeugen- Vernehmung, zu der die Genossen Severing, Hörsing und andere Re- gierungsbeamt« al» Zeugen geladen waren, wurde auf Lorschlag des Borfltzenden Kuttner(Soz.) von einer eidlichen Vernehmung ab- gesehen. Nach Erledigung einiger Lorsragen gab zunächst Mieist« a. D. Severing eine Darstellung der Ursachen de» Aufruhrs, in der er u. a. ausführte: Tie Unzufriedenheit mit den wirlfchafllichen Der- Hältnissen, der Terror in den Bezirken nahm in erschreckender Weis« zu und wurde von den zuständigen Behörden aufmerksam verfolgt. Don einem Einschreiten wurde auf Bitten der zuständigen Gewer'- schasten, die nur eine Verschlimmerung davon befürchteten, ab»«- sehen. Ausländer haben sich dort in großer Zahl aufgehalten. Ich war bereit, Ausländer auszuweisen, die den wirtschaftlichen Frieden zu stören suchten. Di« rechtsstehenden Selbssschutzorganisationen, die über hinreichend Waffen verfügten, erregten das Mißtrauen der Arbeiterfcbafl Daß Mißtrauen trug dazu bei, auch hier die Abliefe- rung der Waffen zu oerzögern. Ich habe aber stets darauf gedrungen, bei der Enlwaffnungsaktion mit größter Reutealltät gegen rechts und links vorzugehen. Die Notwendigkeit eine» zentralen Polizeiorgans ge« rade in der Provinz Sachsen wurde anerkannt und ein halbes Jahr vor den Unruhen sind dementsprechend Vorbereitungen getroffen worden. Bei dem Berliner Dynanzitattentat stammten Teile des Sprengstoffes aus Mitteldeutschland und dies« Warnungsflgnils oc- anlaßten mich, den Oberpräsidenten anzuweisen, rechtzeitig«inzu- greifen. Wir kamen in einer gemeinsamen Besprechung mit dem Öberprästdenten und dem Merseburger Regierungspräsidenten zu dem Beschluß, daß die Polizei einmarschieren sollte, da die einzelnen Gendarmen des Terrors in deck Betrieben überhaupt nicht mehr Herr werden konnten. Beschlossen wurde damals, welche Lmtsvor- steher und Gemeindevorsteher aus ihren Aemtern zu entfernen seien, die sich bei ihrer Amtsführung von den bestehenden Beschlüssen bc< stimmen liehen. Bei der Besprechung, an der Vertreter aller poli- tischen Parteien, außer den Kommunisten, teilnahmen, wurde von rechter Seite den geplanten Maßnahmen widersprochen. Alarmierung der Reichswehr haben wir vor allem mit Rücksicht auf die oberschlefische Abstimmung in Uebereinstimmung mit dem Reichs- kabwett oermieden. Am 17. oder 18. März rief die„Rote Fahne" mit Hinweis auf Oberschlesten und die Sanktionen am Rhein die Arbeiter überall zur Aktivität auf. Al» danach die Arbeiter gegen die Schupo aggressiv wurden, erwog das Kabinett nochmals d?» Einsetzen der Reichswehr. Ich wußte, daß die Reichswehr nur weitere Kreise der Arbeiterschaft dem Ausstand geneigt machen und die Gefahr verlwößem würde, es haben sich hinterher die auf» gebotenen Polizeikräfte als genügend erwiesen. E» wäre viel gewonnen, wenn in Zukunft solche traurigen Er- eignisse nicht von verschiedenen Seiten zu parteipolitsschen Zwecken ausgeschlachtet würden. Was gegen die Landrät« de» Ausstands- gebietcs, besonders in Bitterfeld, sowie gegen den Oberpräsidenten vorgebracht worden ist, beruht aus tendenziöser Erfindung, lieber die Beteiligung einiger Amts« und Gemeindevorsteher am Ausstand lag am LI.-April, al» ich mein Mnisterium ausgab, noch kein ab- schließendes Ergebnis vsr. Auf Ersuchen des Dorsttzonden erftattet Abg. Severing über den Terror in den Betrieoen und über da» Auftreten verdächtiger Densschl-rnd» größter Buchbinder. Der Iakob-Krauße-Bund, die Bereinigung der deutschen Kunstbuchdinder, die setzt im Weißen Saal de» Berliner Schloßmuseums eine schön« Ausstellung deutscher Einbondkunst veranstaltet, hat sich ihren Namen gegeben nach dem größten deutschen Buchbinder, nach Jakob Krauße, dessen un- überttoffene Meisterwerke eine Hauptzierde der Ausstellung bilden. Diesen hervorragenden Künstler kennt man erst seit dem Jahr« 1897 näher, oi» Prof. Berling im sächsischen Haupsstaatsarchiv Einbände de» Meisters entdeckte. In jüngster Zeit bat man nun werwolles neue» Moteriol über Krouße und sein« Arbeiten zusammengebracht, und im Katalog der Ausstellung wird darüber Nähere« berichtet. Krauße war Hsfbvchbinder de» Kurfürsten August von Sachsen. Im Iahte 1566 wurde er au» Augsburg berufen. Jährlich erhielt er 50 Gulden und außerdem wurde ihm jede Arbeit für den Hof beson- der» dezahlt. Eine zweite Bestallung van 1575 sicherte ihm ein höheres Gehalt zu. Krauße hat in der Zeit von 1566 bis zu seinem Tod« 1585 zweifessos eine große Menge Bücher gebunden. Während zu- nächst nur etwa 70 Bände nachgewiesen werden tonnten, hat setzt Dr. Arthur Richter in der sächsischen Landesbibssothek L 0 0 n« n« unbekannte Einbände entdeckt. Um diese kostbaren Bände zu schützen, wird dort ein« besondere Iakob-Kra»ße-Ab- t e i l u n g eingerichtet. M Die ne« aufgefundenen Prachtbände find sämtlich rsich»er- gsftete— bisweilen auch versilberte und bemalte— Kalblederbände mit Goldschnitt. Sie gewähren einen guten Einblick in da» Kunstschaffen diese» Meisters. In den reichoergoldeten Verzierungen der Einbanddeckel«ffenbart sich ein bewundernswerter Reichtum der Entwürfe, in den oft farbigen Goldschnitten eine üppige Phantasie. Krautzes Bedeutung füi, die Geschichte der deusschen Buchkunst be- ruht darin, daß er die Neuerungen der Renaissance in Deutschland einführte. Er hat eine ganz neue Ornamenttb im deusschen Buch- einband geschaffen, bei der die Figur gegen das rein Ornamentale, besonders gegen di« Arabeske, zurücktrat. In technischer Beziehung bestopden die von ihm zuerst verwendeten Neuerungen im viel- seitigen Färben de? Leder» und in der Anwendung von Gold- und Silberdruck. Krauße hat eine solche Fülle schöner und Material- gerechter Einbände geschaffen, daß er damit alle anderen deusschen Buchbinder weit übertraf. In der«olttbübne. Tbeater am vAowPIah. wird in Abänderung de» Spielplan» am Sonntag nachm. 2'/� Uhr„Die lange Jule' und abends VI, Uhr.Das Pouamtt und.Die Somodi« der Irrungen» gegeben. Im Neuen Voltstbeater werde«»ort«-d-nd yvgenb- freunde' gegebe«, nicht wie im Annan»ntell«ngegsban war,»Di« Latalbahn'. Ein Theater ausgesperrter Schanfpieler. jst, H amd n-r g wird unter dem Namcn.Frei« Bühne" Milte September ein« neu» Bühne eröffnet. Sie wird von den ausgesperrten Schauspielern de» Attonncr StadtthcaterS In Form einer®. rn. d. ö. inS Leben genjltn. Zu©efchöftsfühiem wurden u. o. Mari« Borchardt. BezirlSobmann der Lühnengenossenichast, und Dr. Czempiu gewählt,»er die tttnMertlch» Leitung übernimmt. DaS Unternehmen, daS jür«tne» gerrtig«« SiudrilZ- preis»er Arbeiter- und«ngestellWi�chait Im lAewerlichattzthau» Mimge»»Pb. biet*,«4*«m da BdhaMHMlMchaft»efttht. BusMnder und dergleichen eingehenden Bericht. Die Zeitungsnach- richten üder massenhaftes Auftreten von Ausländern waren starl» übertrieben. Die Orgesch war innerhalb des Aufstandsgebickes überall bewaffnet und organisiert und deshalb ließen die Arbeiter sich schwer über- zeugen, daß die Waffen abgegeben werden mußten. Von einer ge- Heimen roten Armee kann kaum gesprochen werden, da die Lewaff- nung und Organisation der Aufrührer sehr mangelhaft waren. Diel gefährlicher waren die Eprengstoffvorräte der Aufständischen. Mein Eindruck war der, daß die Kommunistische Partei das Signal gegeben hat, zwar nicht für einen spezifisch mitteldeutschen Ausstand, wohl aber für ein allgemeines Vorgehen, um die Situation auszunutzen, die durcb Oberschlesien und die Sanktionen entstanden war. De- tallierte Angaben lagen vor allem in Ostpreußen vor. (Fortsetzung in der Morgenausgabe.) Ein neues Plebiszit in Gberstblesien? L o y d o n. 7. September.(Dcna.) Zn hiesigen Kreisen, die stets ausgezeichnet unterrichtet find, wird mit Hcstlmmlheii behauptet, daß man sich in London und Paris ernstlich damit befchäflige, der Völkerbundkommifflon eine neue Abstimmung in Ober- schlefien vorzuschlagen. Der Plan werde bereits uach allen RIch- tungen hin ernstlich erwogen. Ende des oberschlefischen Belagerungszustandes. Veuthen, 7. September. Der Belagerungszustand ist heute mittag für ganzOberfchlefien aufgehoben worden. Vor öerEntstheiöung über Krieg oöerZrieöen Ter heutige Ministerrat in Schottland. London. 7. September.(EE.) Die englischen Minister haben sich gestern abend in Flugapparaten nach Schottland begeben, während ihnen eine Unzahl von Sekretären und Maschinen- schreibcrinnen folgte. Nur B a l f o u r und Fisher(die in Bens anwesend sind. Red.), werden diesem Ministerrate nicht beiwohnen, doch werden der Dizcköntg von Irland und General T u d o r, der Chef der britischen Truppen in Irland, zugegen sein. Gestern be- gab sich L l o y d G e o r g« im Auto auf das Schloß Draham, wo er eine Vorbesprechung mit den bereits anwesenden Kabinetts- mitglledern hatte. Heute wird sich Lloyd George nach Moy Hall be- geben, wo er eine Unterredung mit dem König George haben wird. Man glaubt, daß die Antwort der englischen Regierung heute nachmittag dem Major Barton übergeben werden wird, der dann sofort nach Dublin zurückkehren»ird. Gestern empfing De Baker« im Mansionhause zu Dublin zahlreiche Journalisten und g«b ihnen gegenüber folgende Erklä- rung ad:„Die Händler des englischen Weltreiches versuchen Irland eine politische Margarine zweiten Range» zu verkaufen und geraten in Zorn, weil wir nicht zugeben wollen, daß es Butter fei, was sie ust» verkaufen wollen und weil wir mißtrauisch sind der Reklame gegenüber, mit der das uns angebotene Produkt begleitet«ird. Die englische Presse fragt, ob wir den Frieden wollen. Wir wün- schen ihn glühend, und wir wünschen, daß die Dinge so gehen, wie wir es wollen. Jede Scheinheiligkeit muß vermieden werden. Wenn England ein Ulttmatum an uns richtet, dann soll geschehen, was England will. Aber Derhandlun- gen. die von Drohungen begleitet sind, werden nicht zum Frieden, sondern zum Kriege führen. Irland und England sind Nachbarn. Die Gewalt der Tatsachen hätte die beiden Völker bereits feit Iahren zu freiwilliger Zusammenarbeit führen müssen, sie wären wahr« Fyeunde geworden, wenn nicht die verbrecherischen Ma- növer der englischen Staatsmänner zwischen beiden Völkern unüberstetgbare Hiadernisse errichtet hätten. Aber das werk von Pitt muß zersiörk werden, auch die kleinsten feiner Trümmer müsien verschwinden, wenn man die Grundlage für eine.wahrhafte Union zwischen England und Irland finden will. Wir bemühe� uns in diesem Augenblick, diese Grund- läge zu finden. Wir wissen, was wir tun/ Ter GcwerkschaftSkongrest siege« Gewaltanwendung. London. 7. 2eptemb«r.(WTB.) Der parlamentarische Ausschuß des Gewerkschaftskongresse» uud der nationale Voll zugsausschuh der Arbeiterpartei hoben gestern in Ear- difs in einer gemeinsamen Sitzung ein Telegramm an Lloyd George über die irische Krisi» beschlossen, in dem erklärt wird. es müßte» seht neue Schritte getan werden. Die britische Re- gieruug müßte die Vertreter des irischen Volkes zu einer ft o n f e- renz eiuladen. 3n einer Entschließung wird nachdrücklich erklärt. daß ein K r i e g mit den Sinnfeinern n i e m a l s die Genehmignng des britischen Volkes erhalte« würde. Die Gewerkschaft»- uud Ar- bciterbewegung des Laude» mühte einem Zurückgreifen auf die Ge- walt bis zum-äußersten Widerstand leisten und auf der sofortigen Einberufung einer Friedenskonferenz bestehen. Forderungen znr ArbeitSlosenfrage. London. 7. September.(MTB.) Der Gewerkschaftskongreß in Cardiff nahm gestern nachmittag eine Entschließung an, in der er seiner ernsten Besorgnis über die Zunahme der Ar- beitslosigteit Ausdruck gibt und erNärt, daß es die Pflicht des Staates fei, den Arbeitslosen Arbeit zu verschaffen oder eine ent- sprechende Unterstützung an Arbeitswillige zu gewähren. Der Kon- greß billigt die Aktion der Behörde der Armenverbände, die sich be- müht hattsn, den Arbeitern beizuspringen, ist aber der Ansicht, daß die Arbeitslosen von der Nation unterstützt werden müßten. Schließ- lich verlangt der Kongreß die sofortige Einberufung de» Parlaments, damit zur Hebung der Arbeitslosigkeit geeignete Maßnahmen getroffen«erden könne«. Schärfere Tonart gegen Ungarn. London.«. September.(MTB.) Wie Reuter erfährt. Ist auf italienisch« Vorstellungen hin besthlosien worden, die interalliierte Note, die bei U n g a r n wegen der nicht erfolgten Räu- mung eines Teile» des Oesterreich durch den Friedensvertrag zuge» sprochenen Westungarn Vorstellungen erhebt, schärfer zu fasten. Di« vom Dotschafterrat vor einigen Tagen enttvorsene, aber noch nicht formell überreichte ursprüngliche Note wird daher durch einen Zusatzparagraphen verschärft werden. Noch kein« amerikanische Note in Varl« eingekrossea. Gegen- über der von uns wiedergegebenen Meldung des„Intronsigeant*, wonach eine Note der Vereinigten Staaten betreffend den deutsch- amerikanischen Friedensvertrag in Paris eingetroffen sei und dort große Bewegung hervorgerufen habe, wird offiziös in Paris bekanntgegeben, daß von einer solchen Note bisher noch nicht» bekannt ist. verichkigung zum Programmenkwnrs. In dem in Nummer 399 abgedruckten neuen Entwurf, Abschnitt Gesundheit»- pflege, wirt« die Uebernahme de» gesamten Heil- und Geiund- heitswesens in den Gemeindebetrieb verlangt. Das ist ein Druckfehler: es soll heißen: Uebernahme in den Gemein betrieb, wie es überdies aus den Srtä uterungen dieser Programmforderung zweiselssoei hervorgeht. GroßSerün Monarchiftifches Raritätenkabwett. Wird einer das Telephonbuch unterhalte, cd finden? Aul den ersten Blick mögen wobl die meisten eS als allzu langweilige Lcklüre ablehnen. Aber wer an das Kapitel P o tö d a n, gerät, kann doch ein paar heiler« Minuten habe». Voraussetzung ist allerdings, daß er nicht selber zu den Na- iltäten gehör,, die darin olS Reliquien der»guten alten Zeit Wilhelms II." sich mit feierlichem Ernst immer noch behaupten. Willst Du diese Sehenswürdigkeiten in all' dem Glanz ihrer Titel do» damals bewundern, so schau Dir im letzten Tclephonbnch ihr Gewimmel an. Wir können Dir aber die Versicherung geben, daß auch in der demnächst erscheinenden Neu- auflag« des TclephonbuchcS keiner der Titel fehlen wird. Bestaunen wirst Du da einen»Hof-Baurat�, einen»Hof-Photographen", einen „Hof-Klempnermeister". einen.Hof-Malcrmcister'. einen»Hof- Zirnniermeister", einen»königlichen Hof-Zimmermeister", einen „königlichen Hof-Möbelsabritanten", ein paar»königl. Kommerzien- räte*. einen»königlichen Kammerherrn', einen Feinkosthändler und „Hoslieferanten Seiner Majestät des Kaiser« und Königs', einen Konfitüreniabrikanten und»Hoflieferanten Seiner Majestät des Kaisers und König?', einen Kunsthändler und»königlichen und königlich-prinzlichen Hoflieferanten', einen Konditor und»Hof- lieferanlen Seiner löniglicken Hoheit des Prinzen Eitel Friedrich von Preußen'. Diese Liste macht auf Vollständigleit keinen An- spruch. In dem Telephonbuch, daü nächstens berauSkommt, wird auch noch oufaeführt stin die. Hofhaltung Seiner königlichen Hoheit de» Prinzen Oskar von Preußen', die»Hofpcrwallung des Prinzen Friedrich Sigismund und Friedrich Karl von Preußen', das »Schloß Seiner königlichen Hoheit deö Prinzen Friedrich Leopold von Preußen.' Auch werten ehemalige O'fiziere wieder mit ihren klangvollen Titeln aufmarschieren, deren Wirkung durch Hinzufügung der Namen von längst nicht mehr existierenden Regnnentern gesteigert werden soll. Man wird lesen z. B. von einem»Leutnant im 3. Garde-Ulanen-Regiment', von eineg,»Hauptmann im 1. Garde- Regiment zu Fuß' usw. Ach ja, so ein Verzeichnis von Telephonteilnchmern aus Pots« dam ist wirklich amüsant. ES erinnert an ein Kabinett zur Ausbe- Wahrung von allerlei auSgestopfien Raritäten» Verbrecher auf Reisen. Aufklärung eines Raubmordanschlages.— Die Täter verhaftet, überführt und geständig. Eine gefährliche Verbrecherbande, die vor keiner Gewalttat zurückschreckte, ist nach langen Ermittlungen jetzt von der Kriminal- Polizei hinter Schloß und Riegel gebracht worden. Die Verhaftung der Berbrecher erfolgte wegen de» seinerzeit ausführlich berichteten Raubmordversuchs an der Antiquitäten handle- rin Jeanette Bibo in der Dorothcenstr. 38. Die Nach- forschungen ergaben jedoch, daß die Bande schon seit Ausbruch der Revolution zusammenarbeitete und eine ganze Reihe von Straftaten auf dem Kerbholz hat. Ihre Mitglieder waren ein Josef Wildes und Erich Jansen, die beide aus Münster in Westfalen stammen, und ein Willy Schneider aus Berlin und dessen junge Frau. Dos Ehepaar Schneider war während und nach der Kncgszfjt sehr häufig in Münster in Westfalen, um dort Geschäfte in Zigarren zu machen. Dabei machte es die Bekanntschaft des Wilbss und feine? Freundes Jansen. Zunächst wurden Einbruch ein Zigarrengeschäften und anderen kleinen Handlungen ausgeführt, die auch glückten, aber weniq„Verdienst" abwarfen. Auch Diebstähle auf der Reichsbank und anderen öffentlichen Anstalten brachten nicht genug ein. Man sann auf einen großen„Coup' und kam darauf, dem Dom in Münster einen nachtlichen Besuch abzustatten. Mit dem nötigen Handwerkszeug ausgestattet, wurden die Fensterscheiben ein- gedrückt. Die Eiscnstangen aber widerstanden ihren Bemühungen. Mehr Glück hatten sie dann bei?er M a u r i t i u s t i r ch e dort, in die sie auch unbemerkt durch ein Fenster gelangten. Eine Eni- täuschung brachte ihnen dann aber die gewaltsame Oeffnung des Tabernakels. Sie fanden darin zwar mehrere kostbare Meßkelche, nicht aber die besonders wertvolle große goldene, mit Edelsteinen besetzte Monstranz, aus die sie es hauptsächlich abgesehen hatten. Die Kelche brachte dann Schneider sofort nach Hannover, wo er einen Hehler hatte. Dann brachen die Verbrecher in die Kapelle de» Schlosse» Bentburg«in und stahlen aus dieser verschiedenes wertvolles Meßgerät. Nachdem auch dieses zu Geld gemacht worden war, siedelt« die ganze Gesellschaft nach Berlin über und quartierte sich hier in einem vornehmen siotel der Friedrich st adt ein. Da» flotte Leben wurde fortgesetzt, und so woren die Mittel wieder bald erschöpft. Milbe» und Schneider legten sich setzt auf N a n b- Überfälle. Mißerfolae brachten sie dazu, diese Tätigkeit aufzu- geben und ein„großes Ding zu drehen'. So kamen sie darauf, die Antiquitätenhändlerin Jeanette Bibo in der Dsrothecnstr. 32 in ihrer Wohnung zu überfallen und zu berauben. Schneider kannte diese von früher und wußte, daß dort Hobe Werte zu holen waren. Am 17. Dezember v. I. schritten dann Wilbes und Ianten, der sich in» zwischen wieder erholt hatte, zur Ansführunq der in allen Einzel- heiten vorbereiteten Tat. Die ganze Beute, die sie dabei in der Hast miMehmen konnten, bestand aus einer Brieftasche, die bv M. bares Geld und einige Schmucksachen enthielt. Nachdem es dann gelungen war, die ganze Gesellschaft zu über- ftihren und zu einem Geständnis zu veranlassen, wurden alle vier gestern dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Unsere Wähleroersammlungen. Zu nnseren gestrigen Wählerversammlungen, die. wie wir in unserem heuttgen Morgenblatt ausführlich berichtet, als Auftakt zur Berliner Stadtverordnetenwahl abgehalten wurden, trogen wir noch die folgenden nach: Die Kommunalwähleroersammlung im 9. Kreis, die im Diktorlagarten in Wilmersdorf stattfand, hatte sich eines guten Besuch» zu erfreuen. Genosse Heinrich S t r ö b e l führte aus, daß die Berliner Stadtvcrordnctenwahlen nicht für sich allein, son- der» im Rahmen unserer ganzen Politik zu betracyten seien. Es han> delt sich darum, daß eine sozialistischz Mehrheit zustande kommt, am besten eine sozialdemokratische Mehrheit. Doch wären wir schon froh, wenn wir wenigstens eine sozialistische Mehrheit erreichen würden: im Reich, in den Staaten und in den einzelnen Kommunen. Selbstverständlich läßt sich ln einem Gemeinwesen wie Berlin sozialistische Politik nur in engen Grenzen treiben, solange es uns nicht gelingt, im Reiche und in den Staaten sozialistische Po- litik zu treiben. Immerhin hätte� im Gemeinwesen Berlin mehr ge- schaffen werden können, wenn nicht die vielen Reibungen zwischen den verschiedenen proletarischen Gruppen vorhanden gewesen wären. In seinen weiteren Ausführungen machte es sich Genosie Ströbel zur Aufgabe, die Frage der Berliner Stadtoerordnetenwahlen im Rahmen unserer Gesamtpolittk zu behandeln, indem er eingehend in Interesianter Weis« di« größeren politischen Zusammen- bange in Erwägung zog. Dabei gab er, gestützt auf verschiedene Tatsachen, der'Hoffnung Ausdruck, daß die Zeit jetzt kommen möge, wo ein einheitliches Zusammenarbeiten zwischen SPD. und US?, möglich ist. Die Wcrbekroft des Sozialismus würde dadurch verzehnfacht, ja verhundertfacht werden. Unter stt'irmischem Beifall schloß Redner mit begeisternden Werbeworten für die Wahl. I» der Diotussion vertrat Röt«r alo erst« 9Uda« jeuw» ' kommunistischen Standpunkt, v. a. bemerkte tr. Bei der ncukichen großen einheitlichen Demonstration habe jeder Arbeiter das Gefühl gehabt, der Bruderkampf werde aufhören. Dem stehe entgegen der Ruf in dem sozialdemokratischen Wahlflugblatt: Keine Stimme den Kommunisten. Statt dessen müßte man sagen: Wir wollen uns gegenseitig als Brüder, als Ardeiter, als Proletarier betrachten. Ge- nosse Stadtrat Kohl gab dem Vorredner auf seine Ausführungen, die der Rechtfertigung des kommunalen Wirkens der Kommunisten dienen sollten, eine treffende Antwort. Auch Genosse Ströbel ging kritisch in seinem Schlußwort, das lebhasten Beifall fand, darauf ein. Die Versammlung in den S o p h i e n s ä l e n war gut besucht, auch der weibliche Teil der Wählerschaft war in erfreulicher Stärke vertreten. Die Ausführungen des Referenten, des Genosien Dr. L o h m a n n, wurden mtt lebhaftem.Beifall aufgenommen. Der erste Diskussionsredner, ein Vertreter der BKPD., sorgte in unerwarteter Weise für den in diesen ernsten Zeiten nötigen Humor. Seine •Slusfiihrunqen lösten mitunter so stürmische Heiterteitsausbrüche aus, daß die VKPD. im Wahltreis Berlin-Mitte eigentlich erledigt sein müßte, denn: Lächerlichkeit tätet!— Nachdem noch fünf Redner ge- sprachen hatten, die den Standpunkt der SPD. vertraten, wurde die Debatte auf Antrag geschlossen. Dem Referenten war es daraufhin ein leichtes, dem einzigen zu Wort gekommenen Gegner, einem kom- munistischen Stadtrat von Berlin-Mitte, unter stürmischer Zustim- mung der Bersammelten die notwendige Erwiderung zu erteilen. Seht euch die Oberschlesien-Werber an! Das Ringen um Oberschlesien ist Anlaß und Vorwcmd für allerlei nicht ganz klare Unternehmungen Ein Parteigenosse warnt uns vor dem im Juli dieses Ialzres in Berlin gegründeten„Der- ein ehemaliger Oberschhesier 1921', der völlig neu- tral sein wollte. In der Gründungsversammlung sollen ehemalige Offiziere gegen die Republik und gegen die derzeitige Regierung ge- sprachen haben, so daß der Verdacht deutschnationaler Propaganda nicht ungerechtfertigt scheint. Ein uns sorge- legte? Flugblatt an die„Kameraden" sagt:„Alle Brüder, die sich im Selbstschutz bewährt haben, haben die heilige Pflicht, dem Ver- ein beizutreten.' Also die Se l b st s ch u tz. Brüder sollen hier bei- einander gehalten werden. Das ist ein Grund mehr, diese„Käme- raden'-Organisation mit Mißtrauen zu betrachten. Auch Geld- s a m m l e r n, die Hilfe für Oberschlesien fordern, soll man Vorsicht entgegenbringen. Man muß sich da immer erst vergewissern, wsl- che» Zwecken die Spenden dienen werden. Kürzlich erschienen in einem Berliner Geschäft zwei in nicht mehr neuen Militäruniformen umhergehende Männer, die auf den ersten Blick an ehemalige Balti- kumer erinnerten. Einer von ihnen zeigte ein von zwei Offizieren irgendeines Truppenteils unterschriebenes, schon ziemlich zerrissenes Beglaubigungsschreiben vor und gab schriftlich an, daß er für„OFK, Schwarze Schar, 2. Kompagnie', sammle. Wer kann uns sagen, was für eine Organisation das ist? Der Sammler nannte sich Leutnant Zimmermann und teilte mit, daß Spen- den auch nach Zieaenhal» im Kreis Reiße unter der Adresse »Germanenbad' gesandt werden könnt'" Neukölln als Hafenstadt. Die Ausgestaltung des Neuköllner Hafen- und Industriegebiets, die Anfang dieses Jahres eine längere Unterbrechung ciiabrcn hone, macht seit einigen Monaten weitere Fort ichritte. Die Stadtverwaltung beschäftigt zurzeit dort eiwa Stiv Arbeiter, um 'unächst den Bau der weitverzweiglen Judustriebabn iowie zweier Straßenbrücken baldmöglichst zum Abschluß zu bringen. Der rasche Fortgang der Arbeiten wird allerdings bei diesen im Zuge der Köllniichen- und Grenzallee belegenen Brücken infolge umfang- reicher und schwieriger Robrverlcgungcn stark behindert. Tcoy:em ist damit zu rechnen, daß diese Brücken noch im Laufe dcS IahrcS dem öffentlichen Verkehr übergeben werden können. Für die Regepe ivosferabsührnng deS GebittS östlich des' Nenlöllner Schiffahrld« tonals sind zwei NcaenauSläsie im Bau. von denen der eine voraus- sichtlich' Ende September fertiggestellt sei» wird. Von besonder« Bedeniung für die Industrie ist die Jnbelriebnahme des neuen, zwischen Ober-»rnd Unrerbasen belegenen 10 700 Onadratmeter großen HandelSbafen«, dessen neuzeiiliche Hebeanlagen errichtet sind eine iabrbare Verladebrücke mit b Tonnen und ein Drehkran mit 2.5 Tonnen Traglrakt— ein bequemes Ein-»nd Ausladen von Srück- und Manengütcrn auf einem Ladeplatz von 3890 Quadratmeter Grundfläche ermöglichen. Ein werierer Lade- platz mit einem I,k-Tonnen-Dreblran ist gegenüber dem Neu- köllner Gaswerk läng» der Ziegrastraße in einer Länge von 570 und einer Breite von 20 Metern bergerichiet. An der Kaiser- Friebrich-Brücke. die fortan für Neukölln Ausgangspunkt iiir den Perionendampserverkehr nach der Oberspree bildet, sind die Treppen- anlagen mit den unter der Brücke befindlichen Warle- und Neben- räumen gleichfall« sertiggestellt, io daß auch diese Einrichtungen in Kürze dem Verkehr übergeben werden sollen. Ein zweiter Frühling hat in Berlin seinen Einzug gehalten. An ungewöhnlich vielen Bäumen bemerkt man diesmal den neuen Trieb, der nach heißen Sommern oft im Auauft oder September auf- tritt. Daß in diesem Jahre auch manche Ob st bäum« aufs neue blühen, haben wir bereits gemeldet. Jetzt wird uns berichtet, daß am Kottbuser Ufer nicht weniger als fünf Kastanienbäumein voller Blüte stehen. Sie haben unter dem Einfluß der Sommerhitze längst ibre Blätter verloren, ober di« kahlen Aweiac haben sich zum zweiten Male mit prächtigen Blüten bedeckt. In Gärten kann man sogar be- obachten, daß Erdbeeren zum zweiten Male Früchte tragen. ver Spandauer Schulslreik ist nicht obne Erfolg geblieben. Wie gemeldet wird, sollen mit Einverständnis der Re- gierrrng der freien Schule besondere Räume zur Verfügung gestellt werden. Es handelt sich um 800 bis 200 Kinder in Spandau und etwa 200 Kinder rn Staaken. Zm Streit erschosien wurde in der vergangenen Nacht der 38 Jahr« alte Artist Arthur Pfefferkorn au» der Swinemünder Straße 1. Pfefferkorn geriet in emem Schanklotal in der S w i n«» münder Straße 1, an der Eck« des Zionstirchplatzes mit dem Lckcrlinhaber in Ltrett, der ihn schließlich durch zwei Schüsse in den Hinterkopf tödlich verletzte. Der Vorgang bedarf noch der Auf- klärung. Da kein« Notwehr vorzuliegen scheint, wurde der Schont- wirt vorläufig festgenommen. Lelcheniellfunde Inder Havel. Der«eichenfund. der vor einigen Tagen die Poksdamer Behörden in Anspruch nahm, um die näheren Umstände aufzuklären, die zum Tode de« verstümmelten Unbekannten führten, wird heule wieder durch da? Aulstscben eines A r m e S aus der Havel Erinnerung gebrocht.'Unweir der Uebersabrtsstclle nach Neu-Babclsberg ist ein linker Arm gefunden worden, der an- scheinend eines der fehlenden Gliedmaßen der Leicbe ist. von der Arm und Bein abgetrennt waren. Heute nachmittag findet die Obduktion bei verstümmelten Körper» statt, von der Ruischwß über die Todesursache erwartet wird. Durch di« örtlich auseinander- liegenden Fundstellen der Körperteil« wird die Angelegenheit noch rätselhafter. Sie erinnert an die Leichenteiliunde in Belli». »Die Reaktion in den Mocbiter Schulen." Mit den unhaltbar gewordenen Zuständen in den Moabitcr Schulen wird sich heute abend 75* Uhr im Moabitcr Stadttheater. Alt-Moabit 41/48, eine Elternv ersamwluna beschäftigen, in der als Redner der drei sozialistischen Parteien dl« Lehrer Schöne, Kramp« und Ponsong sprxchen werden. �ugenöveranstaltungen. Verein AebeitereInsend. Sekretaeiat: SV. 68, Linbenste. 9, A, Hof Rufe* 2 Lr-ppea reckt». Telephon: Mpl. 121 06— IS. Heule. Mitlmoch. den 7. September: �M�»»N»rs�B«such da«btetluug Tempelhat. Tresipualt 7 Uhr«sacach« OewerMoftsbewegung Kommunistische Moral! Im Hauptausschuß der Erwerbslosenfürsorge Groß-Berlins wurde in der Sitzung vom letzten Sonnabend u. a. über die Frage beraten, ob einem Erwerbslosen wegen ungebührlichen De- tragens auf der Erwerbslosenfürscrgestelle die Unterstützung zeitlich oder dauernd entzogen werden kann. Der Z IS des Statuts der Erwerbslosenfürsorge der Stadtgemeinde Berlin, vor allem der§ 10 der Reichsoerordnung der Erwerbslosenfürsorge, gibt die rechtliche Handhabe dazu. Den besonderen Anlaß, über diese Frage grundsätzlich zu ent- scheiden, gab dem Hauptausschuß das Betragen eines Erwerbslosen in der Geschäftsstelle Steglitz. Die in der dortigen Erwerbslosen fürsorgestelle tätigen Beamten wurden beschimpft und mit Tätlichkeiten bedroht und durch Radau- und Tumultszenen die Fortführung des Betriebes erheblich gestört. Aehnliche Vor- kommnisse, ja noch viel schlimmere, sind auch aus der Erwerbslosen- fllrsorgestelle Lichtenberg zu verzeichnen. Dort kam es sogar vor, daß mehrere Beamte durch solche skandalösen Vorgänge arbeite- u n f ä h 5g wurden. Dort haben die irregeleiteten Arbeitslosen ihr Schicksal in die Hände eines früheren Baltikumoffiziers gelegt, unter besten anoertrauter Führung die„Ruhe und Ordnung" im Betriebe aufrechterhalten und die Interessen der Erwerbslosen mahrgenommen werden sollen. Während nun im Hauptausschuß in der Verurtellung solcher Borgänge nur eine Meinung vorherrschte, konnte man es von dm Kommunisten Ostrowski und C h r i st anders hören. Ihre Susführungen liefen direkt auf eine Billigung derartiger Vor- g inge und auf eine Derherrlichung dieser„Helden" hinaus. Man braucht nur, meinten diese beiden, an Stelle der gewerkschaftlichen Arbeitslosenvertretung durch sofortige Neuwahlen Arbeitslosenräte r ählen lassen, die das„Vertrauen der Masten" hätten, dann würde o'kes m Ordnung sein. Der Standpunkt, den der Havptausschuß emnehme, sei ein Hcrr-im-Hause-Standpunkt. Mit erfreulicher Deut- I hkeit zeigten diese Herren nun sofort, wie man den Herrn-im- � ause-Standpunkt sich zu eigen machen kann, um seinen Willen durchzudrücken, indem sie durch ihr Geschrei die Fort» führung der Verhandlung in Frage stellten, weil sich der Hauptausschuß ihrer Ansicht nicht anschließen wollte. Sie glaubten, die Mehrheit hätte sich ihrem Willen zu beugen, nur sie hätten im Hauptausschuß zu bestimmen. Das ist echt kommunistische Moral, bei der man keinen Unterschied zu machen vermag zwischen dm Arbeitslosen von Beruf mit ausgesprochenem Ver- brecherinstinkt und denjenigen Arbeitslosen, die ernstlich bemüht sind, Arbeit zu bekommen. Während man bei den ersteren sofort er- k nnen kann, daß es sich um verbrecherische Elemente handelt, kann man es bei den letzteren wohl verstehen, wenn sie gelegentlich einmal ihrer Verärgerung Luft machen, die auf Grund der Notlage, in der sie sich befinden, durchaus begreiflich erscheint. Im übrigen liegt das Auftreten der beiden kommunistischen Vertreter nicht nur nicht im Interesse der Arbeiterschaft, die sich mit Abscheu von solchen Elementen abwendet, sondern es ist auch, namentlich soweit Herr Ostrowski in Frage kommt» direkt als dumm zu bezeichnen. Darin kann er von niemanden mehr übertroffen uerden. Wir gratulieren der KPD. zu solchen Vertretern, die die Grablegung der KPD. nur beschleunigen werden. Der Beschluß des Houptausschustes ging dahin, denjenigen Sr- werbskvsen, die sich in dem geschilderten Sinne betragen, die Er- roepbslosenunterstützung zu sperren. Mttlass««-; von 3000 Arbeitern in der Reichsdruckerei? Die„Rote Fahne" bringt in der heutigen Morgenausgabe einen Alarmbericht unter obiger Marke. Die unterzeichneten Ver- I'ändler der Arbeiterschaft der Reichsdruckerei erklären hierzu folgendes: Der Bericht in der„Roten Fahne" ist in bezug auf die Arbeiterentlassungen unwahr. Es ist de- dauerlich, daß sich Leute finden, die in unverantwortlicher Weise etwas in die Osffsntlichkeit bringen, was jeder tatsächlichen Grund- läge entbehrt und nur zu dem Zwecke gebrocht wird, die Arbeiter- schaft zu beunruhigen und zu zersplittern. gez. Hölzner, Buhmann, F. Krenzlin, Fr. Haberditzl, Anton, Gg. Richter, E. Richter, K. Wolf, Wuthe. sensationelle Mittellungen darüber, daß all das für die Agitation Das Darenhaus Hermann Tietz engagiert seit einiger Zell hinausgeworfene Geld aus unlauteren Machenschaften und aus � � v � öffentlichen Mitteln stammen soll. Die Presse hat sich schon mehrfach mtt dem Essener Werkmeister-Bund und seiner wahnsinnigen Agttatton beschäfttgen müsten. Die deutschen Werkmeister werden aus den gegen den Wsrkmeister-Bund Essen erhobenen Anschuldi- gungen, die mtt aller Bestimmtheit auftreten und mit aktenmäßigem Zahlenmaterial belegt sind, ihre Schlüsse ziehen. Wie Gewerkschaften gemacht werden. Seit Anfang 1920 muß sich der Deutsche Wertmeister- verband, Dusseldorf, der 1884 gegründet wurde und als einzige starke Berufsverttetung der deutschen Werkmeister mit 150 000 Mtgliedern noch heute besteht, gegen eine Neugründung wehren, die unter dem Namen D e u t s ch e r Werkmeister- Bund von den christlichen Arbeitergewerkschasten und dem Deutschnationalen Handlungsgehllfen-Berband geschaffen wurde. Man wählte absichtlich den zu Verwechslungen Anlaß geben- den Namen, um leichter Zersplitterungen schaffen zu können, weil der Deutsche Werkmeister-Verband den christlichen Arbeiterorgani- sationen und dem DHV., der sich mit ihnen koaliert halle, nicht Hand- langerdienste leisten wollte. 200 Mitglieder hatte so der Werkmeister- Bund, dessen Sitz Essen wurde, gewonnen. Für diese wurde eine Zeitschrift in 40 000 Exemplaren gedruckt und eine großzügige Pro- naganda mit Hunderttausenden von Flugblättern getrieben, die von Verdrehungen und Verleumdungen strotzen. Die wirklichen Gewerk- ichasten wunderten sich, woher das Geld für eine solche Agitation omme. Die Nr. 35 der„Rheinischen Republik" vom 27. August und äe Nr. 3ö„Das fteie Wort" vom 4. September veröffentlichen jetzt Teilweise Einigung mit de« Kiuowusitern. Zwischen dem Wirtschaftsbund Deutscher Film t h e a t e r IE. B.) und der Ortsverwaltung Berlin des Deutschen Musikerverbandes wurde nach zwsttägiger Verhandlung ein neues Tarifabkommen abgeschlossen. Eine wesentliche Aenderung hat da? Entlohnungssystem erfahren. Während stüher die Musiker gestaffelte Stundenlöhne erhielten, werden jetzt einheitliche Wochenlöhne für alle Musiker in Höhe von 466 M. gezahlt. Was den sozialen Teil des Vertrages anbetrifft, so muß anerkannt werden, daß der Wirffchaftsbund im Gegensatz zu anderen Arbeitgeberverbänden, ein annehmbares Entgegenkommen zeigte. Die Parteien beschlossen ferner, die Errichtung eines paritätischen Arbeitsnachweises nach Möglichkeit zu beschleunigen. Ist nunmehr mit dem Wirffchaftsbund Deutscher FUmtheater, dem Ufa, Decla, Biophon-Theater, Dereinigte Neukölln, Goldschmidt, Melamersohn(Film-Palost Koppenstraße), Star und Schauburg, Potsdamer Platz, ange- hören, der Wirtschaftsfriede gewahrt, so verhüll sich der Verein der Lichtbildtheaterbesitzer den gerechten Forderungen der Musiker gegenüber leider immer noch vollständig ab- lehnend. Kraukenkafseu-Ausschustwahl in Nowawc-d. Die Wahl der Arbeitnehmer zum Ausschuß der Allge- meinen Ortskrankenkasse für Nowawes und Umgegend ist a m Sonnabend, den 10. September, von 12 b i s 8 Uhr. Wahl- lokal ist die Turnhalle der Gemcindeschule IV in der Scharnhorststraße. Jedes Kassenmitglied, das am Tage der Wahl 21 Jahre all ist, ist wahlberechtigt. Als Legitimation gilt für freiwillige Mitglieder die Mitgliedskurts lZahlkarte). Pflichtmitglieder erhallen von ihrem Arbeitgeber eine Legitimattonskcrte. andernfalls müssen sie dieselbe bei der Krankenkasse abholen. Für die sreigewer�schaftlich organisierten Kassenmitglieder gilt die vom Gewerkschaftskortell aufgestellte L'.ste 2 mit dem Namen Albert Rose beginnend. Die Wahl der Arbeitgeber- Zlusschußmitglieder ist a m Montag, den 12. September, von 4 bis 7 Uhr im kleinen Saal der Thalia-Klause. AK Wahllegittmatoin dient die letzte Beitrags- quittung. Das Gewerkschastskartell hat auch für diese Wahl eine eigene Liste aufgestellt, und zwar- Liste 1 mit dem Namen Paul Neumann beginnend. Die Anhänger und Freunde der Gewerkschaften stimmen für diese Liste. Tue jeder seine Pflicht, damtt die große Mehrzahl der Sttmmen auf unsere Listen entfällt. Der Kartellausschuß. I. A.: K. Dürre. Portier uud Haiisbcffeer. Seit Monaten führen die Portiers und Hausreiniger einen Kampf um tarifliche Regelung der Lohn- und Ar- beitsbedingungen. Aber der Hausbesitzer, der es nicht ver� säumt, in der Presse und in Eingaben an die Behörden darauf zu dringen, die Mieten zu steigern, denkt absolut nicht daran, daß sein Portter und Hausreiniger auch ein Mensch ist, der leben will: daß dessen Arbeit keineswegs leicht oder angenehm ist. Die Portiers, die zu den schlcchibczahllesten Arbeitnehmern gehören, verlieren schließlich auch die Geduld. Dies kam zum Ausdruck in einer Ver- sammlung in den Spichernsälen, wo das ungeheure Weh dieser schwerbedrückten Menschen zutage trat. Dort wurde die Rücksichts- lostgkeib der Hausbesitzer gegen ihre Arbeiter in schärfster Weise ge- brandmarkt. Die Versammlung gab ihrer Entrüstung über die dauernde Verschleppung der Regelung tariflicher Zustände in der Annahme folgender Resolution Ausdruck: „Die in den Spichernsälen tagende zahlreich besuchte Versamm- lung der Wohnhausporffers nimitit Stellung zu der jetzigen wirt- schaftkichen Notlage und protestiert mit aller Enffchiedenhcit gegen den ablehnenden Standpunkt der Hausbesitzer zwecks Schaffung eines Tarifvertrages und den Ausspruch der Hausbesitzer:„Der Portier ist nur Gelegenheitsarbeiter". Sie beauftragt die Seklions- leitung, zu veranlassen, beim Schlichtungsausschuß endlich einmal den Abschluß eines Tarifvertrages herbeizuführen. Seit Monaten sind die Portiers tariflos und werden noch heute weit unter den alten Sätzen entlohnt, die den jetzigen Preisen für Lebensmittel und son- stige Bedarfsartikel geradezu Hohn sprechen. Auf Grund der jetzi- gen Lebensmittelpreise ist es nicht möglich, bei den niedrigen Löhnen auch nur das Notwendigste zum Leben zu kaufen, so daß, wenn keine Abhilfe geschaffen wird, olle dem wirtschaftlichen Ruin entgegen- sehen. Die Versammelten lehnen jede Verantwortung ab für die Folgen, die entstehen könnten, wenn von feiten der Behörden die Verhandlungen hinausgezogen werden." Die Portiers haben also das Warten und das Herumführen an der Nase satt: sie erwarten aber auch die Unterstützung der übrigen Arbeiterschaft. Pflicht der M i e t e r s ch a s t ist es aber auch, sich einmal den Porffer anzusehen und ihn auf seine Orgonisationspslicht hinzuweisen. Denn das dürfte ja auch dem Dümmsten klar sein, daß nur die geschlossene Masse etwas erreichen kann; auch die Por- tiers und Hausreiniger können etwas erreichen, wenn sie es wollen. Eltern, gebt acht! Folgend« Zuschrift des Zentralverbondes der Angestellten empfehlen wir der Beachtung aller Ellern. deren Kinder jetzt vor der Schulentlassung stehen: alle jugendlichen Angestellten gewerblich und enffcheidet nach drei Monaten, ob sie sich zur kaufmännischen Laufbahn eignen, wer enllassen oder wer weiter als gewerbliche Kraft behalten wer- den soll. Die Firma gibt also den kaufmännischen Angestellten nicht von vornherein Gelegenheit, sich kaufmännisch einzufühlen. Es ist den gewerblichen Angestellten nicht gestatte, sich Warenkenntnisse Berkaufsprdxis und dergleichen anzueignen. Die jugendlichen An- gestellten dürfen in den ersten drei Monaten nur einen Lauf- dienst zwischen Lagertisch und Kassentisch oerrichten. Trotzdem will man sich nach Ablauf dieser Zeit ein Urtell über ihre kaufmän- nische Begabung bilden können. Wir warnen die Ellern, ihre Kinder auf Grund solcher En- gagements unterzubringen: in Wirklichkeit dienen sie nur dazu, das Gehalt zu drücken. Eine jugendliche kaufmännische Angestellte hat bei Tietz im ersten Jahr 285 M. zu beanspruchen: ge- werblich eingestellt verdient sie zirka 45 M. die W�che. Der halbe freie Tag, der den kaufmännischen Angestellten zugute kommt, fällt für die gewerblichen fort. Außeröem können die jungen Menschen, gewerblich eingestellt, alle 14 Tage an die Luft gesetzt werden. während sie kaufmännisch nur von einem Monat zum an- deren oder sechswöchig zum Quartal gekündigt werden können. Wir machen die Ellern nochmals darauf aufmerksam, daß sie vor der Annahme solcher Engagements sich im Iugendsekretariat des Zentralverbandes der Angestellten, Belle-Alliance-Str. 7/10, Auskunft holen können. Beilegung des Operettenmusiker-Souflikts. Unter diesem Stich- wort verbreitete die„B. Z. am Mittag" die Nachricht, daß die Orchestermusiker des Nollendorf-Theaters und auch die des Berliner Theaters entgegen den Weisungen ihrer Organisation wieder in die Betriebe hineingegangen seien. Demgegenüber legen wir Wert dar- auf, der Wahrheit gemäß zu erNären, daß die genannten Orchester mit unserem Wissen und unserer Zustimmung den Dienst wieder aufgenommen haben. Vorstand der Ortsoerwaltung Berlin des Deuffchen Musikerverbandes. Streik der Magdeburger Metallarbeiter. Die Funktionäre und Betriebsräte lehnten den Schiedsspruch ab. Sie halten an der Min- destzulage von 2 M. pro Stunde fest. Die Urabstimmung ergab eine große Mehrheit für den Ssteik, für den etwa 30 000 Arbeiter in Frage kommen._ .".cntraloetbcnv der Angestellte». Donnerstag: Textillndustrie- und Großhandel, Saini-, Seideniraren-, Paumwoll-, Leinen» und Kietdersloff-Grosihandel Funktionär- vertmninlung 7 Uhr im Schultheiß, Reue Zakobstr. 24/25.— Rechtsanioall-Burean, Mitgliederversammlung 7>,, Uhr Im Englischen Host Alexandcrstr. 27c. Mirt schaft Auskunft erbeten! Die„Sozialistische Korr." schreibt: Im Handelsteil der Börsenblätter liest man Berichte über die Gläubigeroersammlung der verkrachten Züricher Depositen- dank. Danach waren dort 310 Gläubiger vertteten, denen der ge- richtliche Sachwalter mitteilte, daß das Institut ebenso wie die mit ihm verewigte Züricher Industrie- und Effektenbank schon längst zahlungsunfähig waren. Millionen seien an einen einzigen Schuldner verloren worden, der in Berlin bereits zweimal den Offenbarungseid geleistet hatte, aber durch Organisationen von Kapitaloerschiebungen aus Deuffchland zeitweise über große Kcrpi- talicn oerfügte. Es soll jetzt versucht werden, binnen Monatsfrist die beiden Banken zu sanieren, und zwar, wie in der Gläubigerver- sammlung mitgeteilt wurde, mit Hilfe deuffchen Geldes. B e r- Handlungen über den Zufluß deutschen Kapitals würden augenblicklich in Berlin geführt. Die Berichte, namentlich auch der Schweizer Zeitungen, lassen gar keinen Zweifel darüber, daß die genannten Banken überhaupt nur zum Zwecke der Kapitoloerschiebung aus Deutsch- land gegründet worden waren. So große Schadenfreude man darüber empfinden mag, daß die Kapitalschieber ihr Geld verloren haben, so kann doch die Sache damit nicht abgetan sein. Hat sich die deutsche Staatsanwsltschaft schon dafür interessiert, sind die Finanzministerien schon darüber im Bilde, wer die 310 Gläubiger sind, die Forderungen im Konkurs der Banken angemeldet haben? Wieviele davon sind Deuffche? Haben diese Deutschen seinerzett ihren Schweizer Kopitalbesitz bei den deuffchen Eteuerbe- Hörden angezeigt? Was ist gegen den Mann unternommen worden — es ist der Name eines Rittmeisters B o r ch a r d t genannt war- den—, der die Kopitalverschiebung nach der Schweiz organisiert hatte? Ist festgestellt worden, auf welchem Wege diese Kapitaloerschiebungen vor sich gegangen sind, und wa» ist geschehen, um weitere Kapitaloerschiebungen in der Form angeblicher Sanie- rungsgelder für diese Banken zu verhindern? ' Es gibt so viele Fragen, welche der Fall der Züricher Depositen- dank aufwirft, so viele Fragen, die von großem Interesse für die deuffchen Finanz- und Strafbehörden sein müßten. Es würde die OeffenUichkeit sicher befriedigen, zu hören, daß diese Behörden recht eingehend nachgeforscht und recht kräftig zugepackt haben. Und das haben die treuen Beamten der Republik doch sicher getan, nicht wahr?___ Der Wiederaufbau der deuffchen haudekslotte. Die deuffche SchiffsbautätVgkeit war bisher in diesem Jahre recht leb- Haft. Für Hamburger Reedereien wurden in den ersten sechs Mo- naten 24 neue Dampfer mit 142 000 Tonnen Tragfähigkeit in Dienst gestellt, davon der Hauptteil für die Firma Stinnes. Auch Stettin und Bremen haben ihre Flotten erheblich vergrößert. . Schukzollpolltik auch ia Jinnlaud. Wie„Dagens Preß" er- fährt, wird die Regierung dem Parlament eine Gesetzesvorlage vor- legen, die die Erhöhung der Zölle von 1919 um 200 bis 900 Proz. vorsieht. Für Luxuswaren sollen die Zollsätze noch stärker erhöht werden. Verantwortlich für den redalt. Teil: Biltor Schiff, Berlin: fllr Anzeigen: To. Glucke. V erlin. Verlag' Sorwärls-Lerlag®. m. t>. H.. Berlin. Brückl Bor- wärtS-Buchvrvckerei n. VerlagSanslalt Bau!«inaer v. To.. Berlin. Linürnftr. 3. Ii3utz@isen , Stabelssn, Bleche, T-Träger, U-Eisen, Rehre, \ Ketten, Lsgerbäcke, Riemenscheiben, FuBsianzen ' usw. in verschied. Dimensionen haben abzugeben " Natzeiseaabtellimg, B!n.-Neakö!ln ■ Wcscrstr. 35'86— Tel. Neuk. 4170 1 COHN& BORCHARDT ij Zentrale; Lichtenberg, Rittergutslr. 47/48 ; Telegr.- Adresse„Erzcobor". Tel. 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