flr.4S3 ♦ 38. Ilahrgaag Ausgabe& Nr. 214 Bezugspreis» BlftteljäJitLSOv- M. monotL 19,— St. frei ins Saus, voraus zahlbar, Poll» bequg! Monatlich lv,— M. einschl. Ru» st-llungsgedllhr. Unter Kreuzband für Seutfchlaud. Danzig. das Saar- und Memelaebiet. sowie die ehemals deut- schen Debiet» Polens, Oesterreich, Ungarn und Luietndurg 20,— M, für das übrige Ausland 27,— M. PoÜ- h-stellungen nehmen an Oesterreich. Ungarn, Tschecho- Slowakei, Däne» maii, Holland, Luxemburg, Schweden und die Schweiz, Der.Borwarts" mit der Sonntags- deilage.Voll und Reit�. der Unter. hallnngsbeilage �Heimwelt� und der Beilage„Siedlung und Zileingarten� ericheint wochentöglich zweimal. Sonn- tags und Montags einmal. Telegramm-Adresse, «SozIalSemolrn» Äerli»- Devlinev Volkslilstt c 0ro>»ver«n 20 Pf auswBrts 40 Pfennig D SlnzetgenpretS, W»»chtgesvalten,«onpareillezekl» lostet llst M,.filcln» tinjeigeo" das fettgedrnckt, Wort Ich« Hl(zu* lässig zwei lettgedrnck» Worte», lebe, «eitere Wort U- M. Stellengesuch, und SchlafsteUenanzetgen das erst, Wort U— SU»edes weiter, Wort >0 Vig. Worte Über ld Buchstaben zählen für zwei Worte. ffamtlien-Au. zeigen für Abonnenten Reil,&— M, Die Preise verstehen sich«inlchliehlich T-uerungszuschl-g, Anzeigen für dl« nächst« Rümmer müssen die 9 Ahr nachmittags im bauptgeschäft,äkerlin SW 83. Linden. strafte 8, abgegeben werden. Deöffnet von 9 Uhr früh bis S Uhr abend». Zentralorgan der rozlaldemoferatlfcben parte! Deutfchlands Redaktion und Expedition: SW 68, Linden str. 3 ZSvrnitori'eh**' Redaktion Morttzplatz 151»5— 97 ,Vernfprcryer. �xp�ttion Moritzplatz 117SZ— 54 Donnerstag, den September 19ÄI. vorwärts-verlag G.m.b.H., SW bS, Linüenstr. Z > Verlag. Expedition und Inseraten» . Abteilung Moritzplatz U75S-54 Es wird weiter verhandelt! Verl in. 7. Scpiember. flSTV.)(Amtlich.) heule nnchmiilog um 4 Uhr begannen in der Reichskanzlei die B e» sprechungen der Reichsrcgierung mit den vertre- lern der bayerischen Regierung und der bayerischen Soalitionsparteien. Sie nmrden um Uhr abends abgebrochen und werden morgen früh um 9 Uhr fort- gesetzt rverden. Besprechung der Koalitionsparteien. Am Donnerstag, vormittags 19 Uhr, werden die Führer der Koalitionsparteien des Reichstags eine Kon- ferenz abhalten, um zu der politischen Lage Stellung zu nehmen, besonders um die b a y e r i s ch e Frage zu besprechen. Gemeinsames vorgehen. Am Mitkwoch fand eine vertrauliche Aussprache von Der- tretern der Sozialdemokratischen Partei mit solchen der USP. über die politische Lage statt. Man war sich einig darin, daß sich zum Schutze der Republik ein gemein- sames Vorgehen beider Parteien empfiehlt. Im Vordergründe stand die b a y e r i f ch e F r a g e. Es wurden die Maßnahmen besprochen, die bereits bei den B e r a t u n» gen in Nürnberg eingeleitet worden sind, sowie die Unterstützung, die die gesamte Arbeiterschaft, falls es notwendig werden würde, der bayerischen Arbeuerschaft leisten würde. Allseitig wurde betont, daß die sofortige Aufhebung des Belagerungszustandes»n Bayern unerläßlich fei. Wie in diesen Fragen, so ergab sich auch eine weitgehende Uebereinstimmung hinsichllich der Maßnahmen, die auf dem Wege der Gesetzgebung zum Schutze der Republik zu treffen sind. Am Wenb nahmen die Vertreter der beiden Parteien Gelegenheit, den Reichskanzler und den Reichs- minister des Innern über ihre Auffassung zu unter- richten. Insbesondere lenkten sie die Aufmerksamkeit der Re- gierung auf die Tatsache, daß auf Grund der Verordnung des Reichspräsidenten neuerdings wiederholt kommunistische Blätter verboten worden sind. Di« Vertreter der Parteien ließen keinen Zweifel darüber, daß der im wesentlichen gegen die Rechtsbollchewisten gerichtete Charakter der Verordnung nicht durch untergeordnete Der- waltungsorgans verwischt und nach links umge- bogen rverden dürfte. Die Regierungsvertreter betonten ihre Uebereinstimmung mst dieser Auffassung, erklärten jedoch, daß, wenn linksstehende Blätter zur Gewaltanwen- d u n g gegen die Verfassung oder die Vertreter der Re- publik aufforderten, die Verordnung auch gegen sie Anwen- dung finden müsse. Die Besprechung wird am Donnerstag abenb fortgesetzt werden, nachdem die Beratungen mit den bayerischen Vertretern beendet sein werden. Kohr läßt verbieten! Jedoch nicht etwa die d e u t s ch n at i o n a l e Hetzpresse, um deren Verbot der Reichsminister des Innern ihn ersucht hatte, son» dern— Plakate der Sozialdemokratischen Partei und der Gewerkschaften! Unser Münchener Korrespondent drahtet uns den Wortlaut dieser Plakate, hier ist er: I. An das freie und deutsche schaffende bayerische Volk! Gegen Recht und parlamentarische Uebung haben die K o a l i- tionsparteien des Landtags am Dienstag, den 6. September, durch einen Beschluß im Ständigen Ausschuß die Besprechung der gegenwärtigen ernsten Lage vereitelt, die Regierung konnte sich ihrer Verpflichtung entziehen, norden schwerwiegend st en Entscheidungen die Meinung der berufenen Vertretung des gesamten bayerischen Voltes einzuholen.... Selbstsüchtige Eigenbrötelei, engstirniger partitularistischer 'Eigennutz haben neuerdings das ganze deutsche Volk in einem Augenblick in Schwierigkeiten versetzt, in dem schon die außen- politische Loge Deutschlands die geschlösiene Einheitlichkeit des Volkes und die rückhaltlose Unterstützung der Reichsregierung und der Re- publik oerlangt. Nicht nur die Interessen der deutschen Arbeiter allem, die wirtschaftlichen und politischen Interessen des gesamten schaffenden Volkes ohne Unterschied des Berufes stehen auf dem Spiel. In Bayern selbst wird der Ausnahmezustand aufrecht- erhalten und ohne Grund und Notwendigkeit einseitig unter schmäh» licher Nichtachtung des Grundsatzes der Gleichheit vor dem Gesetze durch Verwaltung und Justiz nur gegen linksstehende Parteien an- gewendet. Unter seinem Schutze können sich die rechtsputschistischen bochverräterischen Bestrebungen breitmachen, geduldet von der gegenwärtigen Regierung Kohr. Soweit konnte es kämmen, daß gegen friedliche Bürger, die in der höchsten, durch Meuchelmord von rechts gefchastenen Rot des Volkes ihr Treuebekenntnis zur Verfassung und gegenwärtigen Staatsform bekundeten, obne jeden Grund Panzerautos aufgefahren, Maschinengewehre ein- gefetzt und Handgranaten geschleudert wurden. Soweit haben wir es gebracht, unter.Führung" eines Mannes, der bei jeder Ge- icgenheit ein Lippeubekennknis zur Reichslreue ablegt und zur vertrauensvollen Zufaistmenarbeit aller Schaffenden aufgerufen hat. Schamlos und verlogen wird in steigendem Maße gegen Reich und Reichseinrichtungen gehetzt. Wir wissen, die Maßnahmen des Reiches, des Reichspräsidenten und des Reichstages richten sich nicht gegen das bayerische Volt: sie dienen lediglich dem Zwecke, die Verfassung zu schützen und den Meuchelmord nicht zu einem ständigen Kampsmittel gegen die Re- publik und ihre Führer werden zu lassen. Wir wissen, die weitesten wirklich vaterländisch gesinnten Kreise auch des bayerischen Volkes stehen geschlosien hinter der Reichsregierung und der Mehrheit des Reichstages. Bayern darf nicht länger der Hort der Unruhe, der Valksverhetzung und der Reichsverdrossenheit sein. Die Entscheidung über d-e Aufhebung des Ausnahmezustandes für Bayern muß fallen. Angesichts der einmütigen Haltung aller übrigen deutschen Länder und der Empörung auch des ganzen außer- bayerischen Volkes steht die bayerische Reaktion auf verlorenem Posten. Aber die maßlose Verblendung der bayerischen Regierung kann dazu führen, daß schwerste politische Kämpfe entstehen. Wir rufen allen freiheitlich Gesinnten zu: Seid wachsam und gerüstet! Arbeiter, Dolksgenvsien, hütet Euch vor planlosen Aktionen, unternehmt nichts gegen die Parole Eurer Führer, die erforder- lichenfalls rechtzeitig kommen wi.d. Alle notwendigen Maß- nahmen sind vorbereitet! Unser gutes Recht und die Gesetzlichkeit muß zum Ziele führen. Sozialdemokratische Partei Bayerns. II. Aufruf an alle Arbeiter, Angestellten und Beamten Bayerns. Durch den heute durch nichts mehr begründeten Belagerungs- zustand in Bayern haben sich Zustände herausgebildet, die es not- weiMg machen, daß auch die Gewerkschaften zur Lage Stellung nehmen. Die Gewerkschaften im besonderen sind durch den Belagerungs- zustand in ihrer Entwicklung und Tätigkeit auf das schwerste be- drängt. Das wichtigste Recht des schaffenden Volkes, das Koalitions- recht, ist durch den Belagerungszustand unterbunden. Mit den klein- lichsten Polizeimitteln der Vergangenheit, die einem Freistaat Hohn sprechen, wird das schaffende Volk durch dieses Ausnahmegesetz schikaniert. Dagegen gilt es Front zu machen. Auf der Gegenseite sehen wir, daß sich die Feinde des schaffenden Volkes hemmungslos auswirken können. Dieser � verfassungswidrig? Zustand muß geändert werden. Die fortwährende Gegensätzlichkeit der bayerischen Regierung zur Reichsregierung stellt die Reichseinheit in Frage. Mit der Gefährdung der Reichseinheit werden schwere wirtschaftliche Stärun- gen ausgelöst. Das schaffende Volk ist der leidtragende Teil. Dieser Zustand andauernder Beunruhigung mutz behoben werden. Die Vertreter der freigewerkschaftlich organisierten Arbeiter-, Angestellten» und Beamtenschaft Bayerns haben die notwendigen Maßnahmen beraten und sich für den Schuh der demokratischen Republik und der Einheik des Reiches erklärt. Sie fordern von der bayerischen Regierung Aufhebung des Ausnahmezustandes und wenden sich an das ganze schaffende Volk Bayerns mit der Auf- forderung, die Gewerkschaften im Kampfe für Recht und Freiheit nach Kräften zu unterstützen. Die Vertreter der Gewerkschaften sind sich in dieser schweren Stunde der vollen Tragwelte ihres Handelns bewußt und folgen nur dem Drängen der um die Anerkennung ihrer Gleich- berechtigung ringenden Arbeiter, Angestellten und Beamten. Wir fordern Euch auf, bereit zu sein, wenn der Ruf des gemein- famen Handelns an Euch ergeht: denn der Ausnahmezustand muß fallen. Nürnberg, den 8. September. Der vorstand der freigewerkschafksicheu Landeszcntrale Bayerns. Diese beiden Aufrufe sollten morgen als Plakate in München angeklebt werden. Die Polizeidirektion oerweigerte jedoch die Abstempelung, verbot das Anfchlagen und ord- nete in der Druckerei die Herausgabe und Vernichtung der Platten an! Zur selben Zeit hängt noch an den Straßenecken ein Plakat der„nationalsozialistischen Arbeiterpartei", das die so- genannte demokratische Reichsregierung unter der Ueberfchrift „Judenfreiheit in der Republik" beschimpft! Während die„Bayerische Staatszcttung" die Wege für einen Ausgleich durch Verhandlungen offenläßt und zugibt, daß der feste Wille bei den Koalitionsparteien, vor allem der Bayerischen Volks- Partei, bestehe, es unter keinen Umständen auf einen Bruch mit dem Reich ankommen zu lassen, daß aber auch in Berlin der Wille zum Entgegenkommen vorhanden sei, nimmt es sich sehr sonderbar aus, daß der Leitartikel des Blattes mit einer Aeußerung der Münchener Pressestelle des französischen Geschäftsträgers, des Münchener Berichterstatters des„Ma- tin", sich beschäftigt, der die„Berdienste" der jetzigen bayerischen Regierung in der Bekämpfung des Bolschewismus und die Not- wendigkeit ihrer Erhaltung für die französischen Interesien darlegt. Die von Poehner immer noch nicht verbotene �MünchewSlugsburger Abendzeitung", deren Chefredakteur der be» kannte Kappist Pfarrer Traub ist, drückt sich mäch deutlicher aus, indem sie die Besprechung dieser«Matin"-Notiz mit dem Titel .Ein wink vards" bezeichnet. Im übrigen versucht dieses Blatt, die Berliner Der- Handlungen nach Möglichkeit zu sabotieren. Es wirft die �rage aus: „Sind denn Berhandlungen überhaupt noch möglich in einer Frage, wo das Recht Bayerns so klar vor aller Augen liegt, daß es mr- mittelbar vom bayerischen Bolt bis weit hinein in die Kreise der Linken empfunden wird?" Schließlich führt es die Verordnung des Reichspräsidenten damit an, daß es behauptet, der Reichspräsidenl selber sei der lebendige Widerspruch der Derfassung. Er sei ja selbst gar nicht vom Volk gewählt. In revolutionären Zeiten kann so ein Zustand hingenommen werden. In ruhigen Zeiten widerspräche er dem natürlichen Rechtsempfinden des Volkes. Wenn aber verhandelt werde, dann könne dies nur in der Form des Derhandelns von Staat zu Staat geschehen, nicht in der Form, daß eine Provinz, in der einige Regierungsmaßnohmen ungünstig wirkten, eine De- putation an die Regierung entsendet. Dieser Gebrauch endet meist damit, daß man den Leuten freundlich auf die Schultern klopft und daß es dann beim Allen bliebe. Die Landeszentrale Bayern der freien Gewerkschaften hat die gestrige Weigerung des Ministerpräsidenten, sie zu empfangen, als eine schwere Beleidigung de» arbeitenden Volkes empfunden und darauf verzichtet, sich ein zweitesmal einer Ablehnung auszusetzen. Deshalb hat sie ihre Dele» gierten aus dem Lande wieder zurückgezogen. Run erNärt die „Bayerische Staatszeitung", der Ministerpräsident hätte sich wäh- rend des ganzen Mitttvochvormittag zum Empfang der Geweri- schaftsführer bereit gehalten. Es fei aber von Seiten der Gewerk- fchaftsführer keinerlei Mitteilung mehr erfolgt, auch keine Besuchs- anzeige. Aus diesem Grunde sei der Empfang der Gewerkschafts- führer beim Ministerpräsidenten bis zur Stunde unterblieben. Ministerpräsident von Kohr fei noch niemals einer Besprechung aus- gewichen, von welcher Seite sie auch begehrt worden fei. Gegenüber der Umgehung des Presieverbotes durch das„Miesbacher Tagblatt" nimmt sich ein eben erscheinender Erlaß der Münchener Polizeidirektion gegen das Wieder- erscheinen des Münchener USP.-B l a t t e s ganz merk- würdig aus. Die Ablehnung wird damit begründet, daß nach den bestehenden Bestimmungen keine rechtliche Grund- läge dafür bestehe, daß ein Zeitungsverbot überhaupt jemals auf- gehoben werden müsse. Die Ersatzblätter des„Kamps", nämlich die„Münchener Morgenpost", und das„Mitteilungsblatt der USP." hätten sich derselben aufreizenden Sprache bedient wie der„Kampf". Es sei daher absolut keine Gewähr dafür gegeben, daß nach Aus- Hebung des Erscheinungsverbotes der.Kampf" eine wesentlich andere Schreibweise und eine gemäßigtere Sprache führen werde als vor dem Verbot, weshalb dem Gesuch nicht stattgegeben werden könne. Eine neue Poehner-Figur ist in Bayern in der Person des Staatssekretärs für das Verkehrswesen, Frank, erstanden, der die Geschäfte des verleumdeten Frauendvrffer mit einem Erlaß über- nimmt, indem er verspricht, sein Amt mit Gerechtigkeit und Wohlwollen führen zu wollen. Zur Orientierung, wie man in Kahr- Bayern Minister wird, sei festgestellt, daß Frank jahrelang der erbittert st e Kämpfer gegen die Sozialdemokratie innerhalb der bayerischen Perkehrsbeamtenschaft war und im Pro- zeß Auer im Februar 1912 als Nebenkläger eine ganz dunkle Rolle gespielt hat. Es hat sich damals herausgestellt, daß die von Frank entscheidend beeinflußte Münchener Eisenbahndirektion die wohl- wollende Sozialpolitik des Derkehrsministers stets durchkreuzt hat. Ein neues würdiges Gegenstück zu Poehner betritt mit Frank die politische Bühne Bayerns! « Nachdem eine Reih« von bayerischen Zeitimgen einem vom Bersassungsausschuß des Reichswirtschaftsrats ausgearbeiteten Plan zur wirtschaftlichen Gliederung des Reichs die gänzlich falsche Tendenz eines politischen Teilungsplans unterge- legt hatte, nimmt auch die„Kreuzzeitunz" in ihrer Morgenausgabe vom 7. September diesen Vorwurf auf und spricht von einem Plan der„Zerstückelung Bayerns", der nicht geeignet fei, die Lag« zu bessern. Hierzu erfahren die PPR. von unterrichteter Seite: Die poli- tische Schulung und Einsicht der„Kreuzzeitung" kann nicht so niedrig eingeschätzt werden, daß sie die wahre Bedeutung des Plans des Reichswirtschafsrats nicht erkannt habe. Man muß also in der Aeußerung des Blattes eine bewußte Irreführung und Aufhetzung der öffenllicheu Äleinung Bayerns gegen das Reich erblicken. t?in neues Verbot. Königsberg, 7. September.(MTB.) Die„Ostpreußische Zei- tunz" ist heut« erneut verboten worden. �, Stegerwalös Auffassung. Der preußische Ministerpräsident Stegerwald hat das Bedürfnis gefühlt, noch einmal seine Anschauung zur iiage kund zu tun, und zu diesem Zweck die Form eines Zwiegespräches mit dem Chefredakteur seiner Zeitung„Der Deutsche" gewählt. Slegerwald formuliert die Lage dahin, daß die Sozial- demokratie für eine Verstärkung der Linke n eintrete, wähnend Zentrum und Demokraten sich„g e g e n e i n e Z c r- r e i b u n g der Mitte"(?) einsetzen. Würde es sich bei den Auseinandersetzungen bloß uni m ehr Brot für die breiten, uichtbefitzenden Volksschichten handeln, dann stände er, der Ministerpräsident, unbedingt an der Seite der Sozial- demokratie. Aber eben nur hypothetisch. Denn— so führt Stegerwald gleich fort— der Mensch lebt nicht von Brot allein! Gegenwärtig handele es sich um die Frage, ob jetzt schon in Deutschland die Entscheidung zwischen rechts und Wnks gekommen fei. Stegerwald v e r- n e i n t diese Frage und unterstreicht in diesem Zusammen- hang seinen Gegensatz gegenüber dem zu den Deutschnatio- nalen übergetretenen Herrn Spahn jun., womit er wohl dessen Liebeswerbe» eine— freilich sehr gelinde— Absage erteilen will. Für Stegerwald ist eine Rechtsmehrheit wie eine Links- Mehrheit gleich unerträglich, wobei er nur übersieht, daß er in Preußen n> i t Hilfe dieser angeblich unerträglichen Rechts Mehrheit regiert. Er will eine„kompakte Mitte einschließlich eines starken Arbeiter- flügels", was nur eine theoretische Uinschreibung des von ihm gewollten Blocks von der Deutschest Bolkspartei bis zur So- zialdemokratie ist.— Einige Beachtung verdient sein Wort über die Steuerfrage: Die bürgerliche,, Kreise, die den Wiederaufbau unseres Landes frei von politischer und klassenpolitischer Enge wollen, müssen ins- besondere bei der bevorstehenden Steuergesetzgebung erkennen, daß die nichtbesihenden kreise nicht einseitig den Packesel für die Gesell- schaft abgeben können. Ungeheure Teuerung auf der einen Seit« und unübersehbare Massen Verbrauchssteuern aus der anderen Seite sind»ine politische Unmöglichkeit. Leider vergißt Herr Stegerwald, daß es mindestens eine gleichgroße politische Unmöglichkeit ist, die Besteuerung des Besitzes mit dem in der D e u t s ch e n Bolkspartei organisierten Großkapital durchzuführen. Den Streit um�Monarchie und Republik erklärt Steger- wald für eine„Sonntagsaugelegenheit", da mindestens «1 Proz. des deutschen Volkes wüßten, daß in absehbarer Zeit in Deutschland an eine Monarchie nicht gedacht werden könne. Angesichts der Borgänge der letzten Zeit erscheint diese Auf- fassung reichlich naiv. Herr Stegerwald aber braucht sie als Voraussetzung seiner Forderung eines ,', starken Koalitions- blocks, der willens ist, die gegenwärtige Verfassung mit allen staatlichen Machtmitteln nach allen Seiten hin zu verteidigen". Wir können in einer Partei, die immer wieder ihr Bekenntnis mr Monarchie ablegt, keine taugliche Stütze eines solchen Koalitionsblacks erblicken. Ueber die preußisihe Regierungsfrage sagt Stegerwald: Die preußische Regierungsumbildung liegt nicht, wie man in verschiedene» Kreisen annimmt, bei mir, sondern bei dem Z e n- t r u m und der Deutschen demokratischen Partei. So- weit ich die Dinge übersehe, entspricht das, was einzelne große Zei- tynzen der beiden Parteien bringen, nicht den wirklichen Anschauungen und dem Kräfteverhältnis in bei- de n P a r t e i e n. Herr Stegerwald will mit diesem Satz offensichtlich zum Ausdruck bringen, daß das Zentrum und die Demokraten in Preußen von einer Aenderung des Kabinetts Stegerwald nichts wissen wollen. Er muß es wohl misten. Jedenfalls haben wir bei der ungeklärten Stellung dieser beiden Par- teicn keine Ursache, ihm zu widersprechen. Aber Herr Steger- wald möge alsdann die Redensarten wie„Kampf gegen die Zerreibung der Mitte" und„kompakte Mitte einschließlich Neue Sucher. '' Von Max 5iochdorf. In jenen noch nicht verschwundenen Togen, da Europas geistiges Dasein von sehr fleißigen Politikern des national beschränkten Miß- traucns arg benachteiligt wurde,' träumten glücklichere Künstler da- von, daß die Dichter und Maler der europäischen Erde und der übrigen vier Erdteile wie Pioniere der edleren Seelensammlung herumgesühn werden sollten. Man müßte Gelder sichern, um Dichter, Maler und Tonschöpfer aus Kosten der kulturbedürftigen Menschheit reisen zu lassen. Die Halle» der Hotels sollten Vortrags- säle werden, die Wände dort müßten mit Bildern der Lebenden und Ringenden geschmückt sein. Und alles hätte unter dem Zeichen des Austausches zu geschehen, derart, daß ma.i sich mit diesen auserwähi- ten und begabten Menschen berühre und anfreunde. Nein, dieser Künstlertraum wurde keine Wirklichkeit. Aber schon ist die Neugier der Künstler auf ihre Kameraden in allen europäischen Ländern außerordentlich gewachsen. Engländer, Franzosen und Italiener greifen jetzt begierig zu deutschen Werken. Leider wird auch diese Auswahl nicht ganz mit lauterer Absicht vorgenommen. Wenn die Franzosen z. B. Bernhard Keller- man n s Roman„Der neunte November" drucken tS. Fischer, Berlin), tun sie es aus zweideutigen Gründen. Kellermann sollte ein Richter jener Zeit sein, die zum 9. November 1918 geführt hat. Dieser Lyriker des Wortes versagte aber vor der Macht der Ereignisse. Er schilderte, trotzdem er überall einen Anlauf aus die tieferen Erscheinungen machte, Deutschlands Kriegskrankheit nicht wie ein ungebeuer besessener Prophet des Unglücks. Er übte nur die Kritik des beengten Kleinbürgers. Gewiß, hie Kritik werde ihm nicht vorgeworfen. Ihm sei nur die Mattigkeit der Gesinnung rtachgesoat. Wir ertragen die von reaktionärer Gesinnung getragenen Werke Dostojewskys, weil der Rüste die ungeheuerste Gläubigkeit zeigt. Wir empfinden aber die Lauheit Kellermanns als geringe Erquickung. Dieses laue Buch eigneten sich nun die Franzosen an. Kellermann urteilt als Moralist. Vielleicht werden alle Besiegten und darum auch Kellermann als Anwalt der Besiegten zu sittlich er- regten Grüblern. Bielleicht werden alle Siegreichen und darum auch der französische Schriftsteller Paul Reboux zu logisch eifrigen Grüblern. Paul Reboux' Roman„Der einzige Weg"(deutsch im Verlag Grethlein) wurde hier schon in seinen politischen Schluß- folgerungen erwähnt. Den künstlerisch aufblickenden Beobachter be- schäftigt dieses Buch zunächst wegen seiner vollkommenen Kunstlosig- keit. Es besitzt geringe dichterische Werte, es ist fahrig und zer- schlissen im Aufbau. Es fällt in die Gattung der Familienromane, soweit es sich um die seelischen Dinge handelt. Aber der Kriegs- freiwillige Reboux festelt, wo die Phantasie und einstimmende Dichterkraft versagen. Dieser vornehme, bei den reinsten Gesinnungs» freunden Frankreichs Anlehnung suchende Kopf empfiehlt die aus der Vernunft gebotene Freundschaft zwischen Deutschland und Frankreich. Der Roman ist ein aufrichtiger Pazifistenroman. Der Versaster ist ein Verteidiger des deutschen Volkes. Sozial- kritiker S t e? n h e i m bat feine letzten Romane geschrieben, um nicht das deutsche Volk in seiner Hilflosigkeit zu rechtfert�v?. sondern die wenigen Edelleute de» Geistes, die er im Gegensatz zu der ,m. I eines starken Arbeiterffugeks" beiseite lasten. Denn die Situation ist so, daß der angebliche Mann der Mitte es für durchaus erträglich hält, ohne Arbeiterflügel, aber gestützt auf ein- kompakte Rechtsmehrheit zure- gieren. Diese Tatsache kennzeichnet Stegerwalds europäische Wendungen eben als d l o ß e Redensarten, wie wir sie oft aus seinem Munde gehört haben, die aber immer nur die harte Wirtlichkeit verschleieru sollten, daß das Herz des Herrn Stegerwald auf der rechten Seite schlägt. Aber dem- gegenüber steht die andere Tatsache, daß die gegenwärtige Politik der R e i ch s r e g i e r u n g sich doch nicht mit leichtem Lächeln als„Sonntagsarbeit" abtun läßt und Herrn Steger- wald sowie die preußischen Regierungsparteien kurz über lang Zwingen wird, unter Beiseitclastung aller schönen Worte durch �tatcu Farbe zu bekennen. Das unfchuiöige Großkapital. Der Zentraloerband des deulschen Bank- und Bankiergewerbes hat bestritten, daß die Großfinanz, soweit sie in den Großbanken vertreten ist, an den, Sinken der deutschen Valuta schuld habe und. daß sie die Beschafsung der Devisen erschwere. Interessant ist in diese,» Zusammenhang eine Aeußernno, die Major S e q u i n aus Zürich als Vertreter Schweizer K a u f l e u t e bei einem Empfang vor der Hamburger Handelskammer getan hat. Dieser führte nach der„Kölnischen Zeitung" aus: „Alle Bemühungen aber, die Gcidoerhältniste wieder gesund zu machen, müßten ergebnislos bleiben, solange die in der H o ch- s i n a n z wirksamen Mächte, die dos Heft in Händen hätten, s i ch abseits hielten. Die Banken wollten offenbar die bis- herigen glänzenden Geschäfte aus den Valutaschwan- kii n g e n noch möglichst langx weitermachen. Die Hocküinanz "sollte sich aber ihrer weit wichtigeren Rolle erinnern, zum Besten der Gesomtwirtschnft, des Mittelstandes, der Industrie» und der werktätigen Bevölkerung zu wirken. Sie sollte ihre über die gcrze Welt gespannten Verbindungen und ihre Kapitalien wieder in den Dien st der Allgemeinheit stellen." Daraus ergibt sich, daß der Reichskanzler vollkommen recht hatte, wenn er in vorsichtiger Form auf die Kurstreibereien hinwies, an denen die Banken, wie wir festgestellt haben, zweifellos mit schuld tragen. Es ist schlimm genug, daß die Wahrheitsliebe ihrer maßgebenden Verbände erst durch ausländische Gäste geweckt werden muß. •. Aufammenftöße in Speper. Aus Speyer(Pfalz) verbreitet Wolffs Bureau folgende augenscheinlich aus Kohrs Polizeiquellen stammende Meldung: Wegen der mit Gewalttätigkeiten verbundenen D e m o n- stration in der vorigen Woche, bei der das Regierungsgebäude demoliert wurde, lM die Polizei n«ue Verhaftungen vor- genommen. Die Arbeiter verlangten die Freigabe der Der- hasteten und find heute vormittag in den Aussland gelrelen. Um 11 Uhr vormittags wurde das Regierungsgebäude von der Menge gestürmt. Bei dem Zusammenstoß zwüchen der Polizei und Demonstranten f i« l e n E ch ü s s e, ein Arbeiier wurde getötei, mehrere schwer verletzt. Es„fielen Schüsse!" Das heißt, im Auftrage dör Kahr-Regie- rung ist auf die Arbeiter geschossen w o r de n, die den Schutz der Republik nicht sabotieren lassen wollten! Speyer, 7. September.(WTB.) Ueber die heuttgen Zpsammen- stöße werden noch folgende Einzelheiten gemeldet: Im Laufe der Nacht waren vier„Rädelsführer", die anläßlich der Kundgebung vor acht Tagen den Bildersturm im Regierungsgebäude veranlaßt hatten, verhaftet und in das Amtsgerichtsgefängnis überführt worden. Von der Arbeiterschaft wurde die Herausgabe der(Be? fangenen verlangt und, um dieser Forderung Nachdruck zu ver- leihen, der Generalstreik oerkündet. Dieser Parole wurde zum größten Teil Folge gegeben. Frühmorgens schon sammelte sich eine große Menschenmasse vor dem Amtsgerichts- gefängnis und versuchte die Gefangenen zu befreien, was aber nicht gelang. Hierauf zog die Menge vor das Polizeigebäude in der Ab- ficht, in dasselbe einzudringen. Sie wurde von der Polizei daran empfindlichen Masse für die Träger des freiesten Menschentums hält. Er sieht die Menschen aber oberflächlich, weil er sie immer als Aesthetiker betrachtet. Er ist ein Literat für Literaten. Er spielt mit den Dingen und den Menschen. Er liebt sie nicht. In seinem Roman„Europa"(Verlag Kurt Wolfs) wird nicht das Schicksal der Welt abgehandelt, sondern das Leben einer jungen Millionärin, die nach einigen Liebesabenteuern einem Aufftande der revoltierenden Menge zum Opfer fallt. In dem Gehirn dieser jungen Dame spiegeln sich Kriegsnöte und politische Kämpfe so oberslächlich, wie es eben bei einem Wesen geschieht, das in Palästen wohnt, die Schlafwagen der Luxuszüge zum Philosophieren und die Tafeln der eleganten Hotels zum Sammeln von Menschenkenntnissen benutzt. Man zögert, verallgemeinernd die ethische Neigung des deutschen Kriegs- und Rcvolutionschronisten und die advokatorische Hellsichtigkeit des Franzofen Reboux als besondere und nationale Eigentümlich- keilen der Schriftsteller zu werten. Trotzdem scheint es kein Zufall, daß bei einem russischen Revolutionschronisten, bei V i c t o r P a n i n, der Hang waltet, die Neigung zur religiösen Frömmigkeit und mystischen Ienseitigkcit ganz zu erfüllen. So müssen doch irgendwie Triebe, die als nationale Triebe anzusehen sind, die Art bestimmen, in der sich der einzelne Schriftsteller zu seiner Welt stellt. Panins Roman„Die schwere Stunde'(Paul Casiirer, Berlin) nimmt das Unbewußte und Gläubige des russischen Revolutionär» sehr ernst, mag es nun zum Guten oder zum Bösen ausschlagen. Daher ist sein Romontagcbuch so rührend und entwaffnend. Man denke sich die Geschichte des genialen Mannes, der sich ganz still in den Verfall seiner Familie und seines Volkes ergibt. Seine Freunde werden zu jenen abgestumpften Halbtiercn, die das Reich des Sowjets bewohnen. Der Sohn stirbt dem Chronisten, Freundin, Mutter, Tochter, die Arbeit, alles entrinnt ihm. Sein Schrei ist trotzdem kaum eine Verzweiflung. Rur das Gewimmere lallt, wenn es weit kommt. Es entgleitet jede Hoffnung- Panln warnt, indem er auf den Ruin seines Landes zeigt. Von solcher Strenge des Urteils rückt der Holländer C. M. d e I o n g beslisien ab, wenn er in seinem„Untergang" Zerfall und Aufschwung eines Menschen schildert, der sich als ein sczial Experi- mentierender in die Tiefe des niedrigsten Proletariats begibt.(Ver- lag Vorwärts.) Dieser Holländer will alles durchkosten, was an wirt. schaftlichem Unglück und an sittlicher Sklaverei über den Schicksals- bruder zu kommen vermag. Er sucht mit einigem Eifer die schmutzige Alltäglichkeit Londoner Spelunken und Lasterhöhlen auf. Er wird, obwohl er ein„Gebildeter" ist, zum verstoßenen Arbeitslosen, die ekelhafteste Prostitution berührt ihn. Nichts zerschlägt ihn, ihn hebt alles in seinem stündlich wachsenden Erbarmen mit jenen, die müh- selig und beladen sind. Sein Buch ist männlich, trotzdem es ungeheuer überladen ist mit Schwermut Der Holländer schreibt schon nicht mehr mit der Freiheit des Dichters. Sein Buch hat mehr dokumentarischen als künstlerischen Wert. Die Scharsstchtigkeit und das Gefühl üben sich an dem Schick- sal des Proletariers. Die Hellsichtigkeit und die belebende Herzens- sreude entfalten sich bei Emil Ludwig, wenn er von der kostbaren Persönlichkeit Goethes spricht. Ludwig hat mit feinen Nerven und mit der Erfahrung eines Mannes, der sich viel in der Welt umsah, die Seelenbiographien Richard Wagners und Bismarcks geschrieben. Er leidet gewiß an einer Ueberschätzung pompöser und feierlicher verhindert, die einige SchreckfchSsie abgab. Die Meng« zog damt weiter vor das Rathaus, um sich hier Eingang zu erzwingen� wobei es zu Zusammenstößen mit der Schutzmannschaft kam, d i e von der Schußwaffe Gebrauch machte, wobei vier Are beiter verletzt wurden, von denen einer gestorben sei» soll. Drei Schutzleute wurden schwer mißhandelt. Sämtliche öffent, iichen Gebäude sind geschlossen. Das Regierungsgebäude ist stark besetzt. i Kommimiftenverhastungen in Sraunschweig V raunschweig, 7. September. In Verbindung mit de» kürzlichen Dynamitanschlägen auf verschiedene G e< bäude in Braunschweig sind dieser Tage auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft mehrere Kommunisten verhaftet worden, die in dem dringenden Verdacht stehen, an den Dynamits attentaten beteiligt gewesen zu sein. Unter ihnen befindet sich die Kommunistin Frau Faßhauer, frühere braunschweigische Kuliusministerin. Die Verhafteten sind auch verdächtig, an dem nächtlichen U e b e r f a l l auf den Harzort Braunlage und auf das Postamt in Vorwohle im November v. I., sowie an dem Raybüberfall auf einen Geldtransport im Dezember 1929 beteiligt gewesen zu sein. Der kürzliche Ueberfall auf den Generaldirektor Meyer der Alfeld-Delligser Maschinenfabrik, bei dem es auf einen Lohntransport abgesehen war, ist, wie die Nachforschungen ergebe» haben, die Tat einer sechsköpfigen Bande, deren Führer ein Bergs mann August Ehbrecht aus dem preußischen Ort Meimerhausen. Kreis Alfeid, ist. Ehbrecht ist flüchtig. Die Ehbrechtsche Bande soll es auch gewesen sein, die in Delligsen das Auto des Landrats Dr, Loeb aus Hameln anhielt. (Der„dringende Verdacht" der Staatsanwaltschaft ist noch kein Beweis für die wirkliche Schuld der Verhafteten, auch wenn diese Kommunisten sind. Man wird die Untersuchung und die öffentliche Gerichtsverhandlung abwarten müssen. Red.) Die Lage im Leinetal. Von der Presiestelle des Oberpräsidiums Hannover wird mit« geteilt: In der Nr. 499 der„Roten Fahne" vom 6. September wird unter der Ueberschrift:„Die Orgeschmanöver im Leinetal", eine Zu- sammenstellung von Behauptungen gebracht, die den Tatsache» nicht entsprechen. Es wird behauptet, daß im Leinetal, i» der Gegend von Alfeld(Provinz Hannover) täglich O r g« s ch« Manöver stattfinden, Einwohnerwehren und Kriegeroereine von Offizieren zusammengerufen werden. Ein aus ehemaligen Offiziere» bestehender Reiterverein soll eine„Geländeübung" abgehalten haben, bei der Gewehre und Maschinengewehre verwendet worden seien. Richtig ist lediglich, daß anläßlich der Teuerungsdemonstratione» der Arbeiter Zusammenrottungen von Kommuniste» im Kreis Alfeld stattgefunden haben und Terrorakte gegen Land» wirte verübt wurden, so daß Schutzpolizei eingesetzt werden mußte. Die„Rote Fahne" hat in der gleichen Notiz behauptet, der sozialdemokratische Landrat von Alfeld habe erklärt, wenn die Schupo in den Kreis komme, werde er die Gesamtarbeiterschaft zum Generalstreik aufrufen. Auch diese Meldung stimmt nicht. Landrat Beuthhausen hat eine derartige oder ähnliche Aeußerung nicht getan, Kabinett Stegerwald und Beamlentlebe. Bei den gestrige» Verhandlungendes BeamtenauSschusieS lehnten dieRe- gierungövertreter«ine Acußerung in Gegenwart der Be» amtenvertreter ab. ES kam zu einer längeren GeschästsordnungS» debatte, in deren weiterem Verlauf die Beamtcnvertreter gebeten wurden, den Verhandlungssaal zu Verlasien. 5)ie sozialdemo- kratische Partei hat gegen diese« Geschäftsordnungsgebare» gestimmt und verlangt, daß die Regierungsvertreter im Beisein der Beamtenvertreter in der offiziellen Sitzung sich äußern sollen. Darauf erfolgte die Aussprache zwischen den Regierungs» und de» Beamtenvertretern. Sozialdemokratle und Landwirtschaft. Im HauptanZschuß de» Preußischen Landtages führte Abg. Wendel(Soz.) Klage über das unsoziale Verhakten eines großen Teil» der l S n d» lichen Arbeitgeber. Menschen, er hat es aber gelernt, Zusammenhänge des Kulturellen zu erkennen, die dem gewöhnlichen Historiker fremd bleiben. So wurde seine G o e t h e- B i o g r a p h i e, die bei Cotta erschien, wirk- lich zu dem, was der Aerfasier beabsichtigte: zu der„Geschichte eines Menschen". Die Philologie, die nur eine Sondertaste von� Lesern fesselt, schädigt die meisten Goethebücher. Ludwigs dreibändiges, vornehm stilisiertes Wert ist erfreulich frei von solcher Ueberstacht und es vermittelt trotzdem das Wesen der Universalität Goethes mit großer Eindringlichkeit. Wir brauchen aber diese intime Kenntnis Goethes immer wieder. Denn selbst dort, wo unsere schmerzlich er- wetterte Weltanschauung von heute sich widersetzt, müsien wir uns gehorsom der erzieherischen Lehre fügen, die das halbgöttüche Dasein dieses Mannes der Welt gebracht hat. 150mal:„Der Vetter aus Dingsda." Die Operetten erzielen keine Dauererfolge mehr— stellen die Bühnenstatistiker fest. Sicher- lich gibt es kurzlebige genug, bei manchen möchte man eine Tot- geburt wünschen. Aber melodiöse, beseuernde und einschmeichelnd« Werke wie Künnetes„Vetter aus Dingsda" machen ihren Weg! im„Theater am N o l l e n d o r f p l a tz" wurde am Dienstag die 159. Aufführung gefeiert. Das graziöse Spiel, in dem es klingt und singt, volkstümlich weich und operettenmäßig forsch, in dem An- mutiges und Keckes in der Vertonung glücklich gemischt sind, gefiel dank der fein abgestimmten Aufführung außerordentlich. Einige Rollen sind neubesetzt. Als lyrischer Tenor führte sich Helmut Reu- q e b a u e r sehr glücklich ein: sein Josef Kühbrot war gesanglich und darstellerisch eine Prachtlcistung. In der kurzen Partie des Bataviers zeigte Kurt Lilien(vom Carl-Schultze-Theater) komische Begabung. Die Julia sang Charlotte Börner. Die Stimme hat gute Qualität, ihr Spiel ist vornehm, kann aber noch freier werden. Ilse Mar» w e n g a und Mizzi Schütz brillierten in ihren allen Rollen, ck. Eine amtliche Nntersuchung über die Berliner Musen«»» Neubauten hat Ludwig Hofsmanu wcgrn der BMuldigungen, die'gege» die Leitung der Neubauten aus der Berliner MuseumSinsel erhoben worden sind, beantragt) Karl Sckesslcr hatte vor kurzem schwere Borwürse gegen die Art erhoben, w.e der Berliner St-dtbaurat die Pläne seine« Freunde« Messel zur RuSsübrung bringt; Porwürsc. die sich sowohl gegen die ttnftle- risch« und technische Seite der Bauarbeiten wie insbesondere gegen die .grohmannSsüchtige-' Verschwendung richteten. Preise für niederdeutsche Komödien, die der Niederdeutsche Bund zuiannnen mit der Niederdeutschen Bübne in Hamburg ausgeschrieben hatte, wurden verteilt an Paul Schrrrek sür seine Komödie.Sttatenmufik", (3000 2«.), Hermann Botzdorf für seine VolkSkonrödie.De rode Uennerrock» (2000 M.). Ludwig Hmrichsen sür.Opa' und Bruno Peyn sür.De Fischer un fin Fru". Ein Institut sür praktische Psychologie soll in D ortmund er» richtet werden. ES soll iich in eine Abteilung sür Schulpsychologie und ein« solche sür WirtschastSpsychologie gliedern. -raute-ErinnernugSmarke». Aus Anlaß de« Tante-Tage« wird Italien eine Neine Reihe von Erinnerrm gSmarten veröffentlichen. Tie lebt noch— die Hard-nich-.Zukunft». Vom 1. ON. ab er» scheint sie im Berlage von Erich Reitz. Nr. 423 ♦ ZS.�ahrgaag Heilage öcs Vorwärts Vonnerstag, s. September 1�1 GroßGerün Ein stiller Winkel. Wenn man mit der.47" oder„57" nach Niederschönhausen fährt und in der Kaiser-Wilhelm-Straße an der Haltestelle hinter der Kirche aussteigt, bemerkt man zunächst einige Gartenhäuser. Man ahnt nicht, daß sie den„L r o s e- P a r k" verbergen, der im Sommer dieses Jahres von der Gemeinde der Oeffenllichkeit über- geben worden isti Eine Gartentür trägt die Hausnummer 16. Durch sie hindurch gelangen wir sofort in den Part, der eigenartig, geheimnisvoll, fast verwunschen anmutet. Links von der Gartentür rankt edler Wein am Giebel eines ehemaligen Herrenhauses empor und umschließt ein Fenster, aus dem rote Fuchsienblüten lugen. Es fehlt nur noch ein süßer Mädchenkopf und ein Freier im altmodischen Gewände und ein Tpitzwegsches Gemälde ist fertig. Ein kleiner Bub schaut sehnsüchtig nach den letzten Weintrauben empor:.Ich kann nich rauftlettern", sagt er traurig und schüttelt sein Lockenköpfchen. Nach dem Park hinaus läuft dle Veranda dieses Hauses, deren Dach von vier dorischen aus Holz gefertigten Säulen getragen wird. Hohe Lhornbäume spenden dem Eintretenden Schatten, und hübsche Buchsbaumanlagen bilden gleichsam den Vorhos. Viereckige Säulen, die von Körben gekrönt sind, in denen sich Hortensien wiegen, stehen rechts und links, und dann teilen sich die Wege. Enge, kleine Wege, in denen man oft nur allein gehen kann, die aber von Liebenden sicher auch gemeinsam und wahrscheinlich sogar mit Vorliebe be- nutzt werden.(Zu„Mondscheinpromenaden" ist jedoch keine Ge- legenheit, da der Park mit dem Eintritt der Dunkelheit geschlossen wird.) Zu beiden Seiten dieser Wege stehen undurchdringliche Mauern von dichtem Strauchwerk oder düsteren Tannen. Hin und wieder treffen wir breitere Wege, auf denen auch die Sonnen- strahlen spielen. Niedrige, grün gestrichene Bänke sind für den Ruhebedürftigen da, auch in zierlichen Lauben darf man sich niederlasien. Niedliche Serpentinen führen auf einen Hügel, und nach dem Ueberschreiten einer kleinen Holzbrücke erreicht man eine von diesen Lauben, die mit Stroh gedeckt ist und aussieht, wie die Nachbildung eines vor- geschichtlichen Hauses. Waflerbasiins sind auch da, leider sammelt sich in ihnen nur Staub und trockenes Laub, das Wasser fehlt. Dieser Mangel hat sich im Verein mit der großen Trockenheit sehr bemerk- bar gemacht: überall ist das Gras verdorrt und müde hängen die Zweige und Blätter vieler Bäume und Sträucher. Einige Teile des Parks sehen ganz alt und verstaubt aus. Auf einer tr'- wenigen freien Flächen steht eine ganze Tannenfamilie. In der Mitte reckt eine alte knorrige ihr Haupt. Irgendein Rankengewächs hat sich mit ihrem Stamm und den Zweigen vermählt, so daß es fast an- mutet, als ob hier ein Nadelbaum breite Blätter trage. Um diese Großtanne herum hat sich eine Menge kleinerer geschart wie die Kücken um die Henne. Eine ganze Reihe von freundlichen Wegen ist durch Gitter, einige sogar durch Stacheldrahtverhau abgesperrt. Was mag da- hinter alles verborgen seinß Auf diese geheimnisvolle Frage ist der ganze Park eingestellt, man glaubt in eine romantische Welt versetzt zu sein. Man würde sich nicht wundern, wenn aus den Gebüschen Rokokodomen hervortreten und mit ihren gepuderten Partnern ein zierliches Menuett tanzen würden. Die Vergangen- heit öffnet sich hier der neuen Zeit. Der polizeipräflöent an öle öeamtensthast. Der Polizeipräsident von Berlin hat folgenden Erlaß an die ihm unterstellte Beamtenschaft gerichtet: „Die zum Schutz der Republik von der Reichsregierung ge- troffsnen Maßnahmen stellen bei ihrer Durchführung die Beamten- jchost des Polizeipräsidiums vor Aufgaben, deren Lösung in erster Reihe von der Besonnenheit und dem Takt der Beamten abhängt. Nur eine vom Vertrauen der Bevölkerung getragen« Polizei-Beamtenschaft kann den Anforderungen ihres verant- mortungsschweren Dienstes gerecht werden. Pflicht jedes einzelnen Beamten ist es daher, sich— dienstlich wie außerdienstlich— so zu betätigen, daß Zweifel in seine Verfassungstreue nicht entstehen können. Insbesondere die Schutzpolizei, die ihre Waffen trägt zur Auf- rechterhaltung der öffentlichen Ordnung, zum Schutze der Republik und ihrer Verfassung, muß sich bei allen ihren Maßnahmen ihrer hohen Vertrauensstellung bewußt sein." Glitö! ßWWe iiMoiMn heute, Donnerstag, öen 8. September, abends 7 Uhr: 11. Kreis(SchöneSerg): llhland-Schule, kolonnenstr. 22— 24. (Friedenau): Lürzerfaal des Friedenauer Rai- Hauses, Laulerplatz. 16. kreis(Friedrichshag.): Gejellschafishaus, Friedrichsir. 1Z7. Referenten: Franz Ezemiuski, Johannes Haß. Kasper. Warnung vor versammlungsfprengungen. Das Berliner Polizeipräsidium läßt folgende Warnung durch das offiziöse Depeschenbureau verbreiten: In verschiedenen Fällen sind politisch harmlose Vereinsveranstal- tungen und öffentlich« Versammlungen planmäßig unter Anwendung von Gewalt gestört und gesprengt werden. Der Polizeipräsident von Berlin ist nicht gesonnen, eine der- artige Verkümmerung der verfassungsmäßig gewährleisteten Vereinsfreiheit zu dulden. Er hat feine�Organe angewiesen, in allen solchen Fällen nachdrücklichst gegen die Ruhestörer einzu- schreiten. Im übrigen vertraut der Polizeipräsident darauf, daß die Ueberfälle nicht auf Weisungen irgendemer politischen Par- tei zurückzuführen sind, sondern daß sie von einzelnen besonders radikalen Mitgliedern oder Mitgliedergruppen auf eigene Faust unternommen werden. Der Polizeipräsident erwartet, daß die in Betracht kommenden Parteileitungen von selbst ihre Mit- glieder anhalten, in Zukunft derartige gemeinschödlich« Treibe- reien zu unterlassen, da dieses Treiben eine unnachsichtliche Destra- sung wegen Landsried cnsbruchs nach sich ziehen muß. Virginia Moll vor Gericht. Schluß der Beweisaufnahme. Rechtsanwalt Dr. Joffe nahm Bezug auf eine aus der Presse- abteilung der Reichsregierung herausgegangen« Mitteilung an die Presse, in der es heißt: „Irt dem wegen Schleichhandels gegen die Frau Moll vor der Strafkammer in Moabit verhandelten Prozeß wurde die Behaup- tung der Angeklagten über ihre angeblichen Beziehungen zu dem Reichspräsidenten widerlegt. Der als Zeuge vernommene Legations- rat Walther sagte aus, daß von Beziehungen keine Rede sei: die Angeklagte, die sich in dem ausländischen Hilfswert, insbesondere in der Speisung von deutschen Kindern aus amerikansschen Mitteln, betätigt hatte, ist lediglich auf Vorschlag der deutschen Gesamtorganisation dieses Hilfswerks im Sommer 1920 mit etwa 80 anderen Ausländern und Deutschen, die diese Wohltätigkeitsorganisationen vertraten, zu einem Tee bei dem Reichspräsidenten geladen gewesen, und sie ist nachher bei ähnlichen Anlässen noch insgesamt dreimal dienstlich empfangen worden. Irgendwelche weiteren Beziehungen haben nicht bestanden." Zu dieser Mitteilung behauptete der Verteidiger, daß alles, was seitens der Angeklagten und der Verteidigung hierüber vorgetragen worden, in vollem Umfange in der Haupwerhandlung erwiesen worden sei. Legationsrat Walther habe unter seinem Eide bestätigt. 1. daß Frau Moll einmal im Hause des Reichspräsidenten Ebert zum Tee geladen wurde bzw. den Tee dort genommen hat: 2. daß die dienstlichen Beziehungen der Frau Moll zum Bureau des Reichs- Präsidenten so weit gingen, daß Frau Moll mit dienstlichen Anliegen sich ohne weiteres an ihn als den'Adlahts des Reichspräsidenten wenden konnte. Etwas darüber Hinausgehende« sei nicht behauptet worden. Staatsanwalt Dr. Ziegel widersprach dem Verteidiger. Aus der Bekundung des Herrn Legationsrats Walther gehe klar hervor, daß Frau Moll nur deshalb zu dem Tee des Reichspräsidenten hinzu- gezogen worden ist, da sie auf Grund ihrer Beziehungen zu den Quäkern und amerikanischen Persönlichkeiten auf die Liste gesetzt worden war.— Der Vorsitzende bat, weitere Erörterungen über diesen Punkt zu unterlassen. Es sei nicht Aufgabe des Gerichts, festzustellen, was der Legationsrat Walther gesagt hat. So viel gehe aus der Aussage hervor, daß Frau Moll den Zutritt zum Reichspräsidenten erhalten hat, weil man sie als Mitglied der Quäkerkommission gehalten hat. Es ist ja. meinte der Vorsitzende, eine ganze Reihe von Behörden der Frau Moll gutgläubig entgegengekommen. Nach kurzer Vernehmung des Untersuchungsrichters über einen strittigen Punkt machte der ehemalige Vorsitzende des Betriebsrats der Reichsstelle zur Uebcrwachung der Ein- und Ausfuhr länger« Ausführungen über die Tätigkeit der Frau Moll bei Einrichtung der Küche für die Angestellten. Frau Moll hat dem Zeugen gegenüber davon gesvrochen, daß ihr nach deutschem Gelde ein Betrag von etwa 77 Millionen Mark zur Verfügung stünde. Nach der Bekun» dunq des Zeugen war Frau Moll oft bei dem Reichsbeauftragten o. Flügge und dessen Stellvertreter. Der Angestelltenausschuß hatte keinerlei Machtbefugnisse bei Erteilung von Einfuhrbewilligungen, auch der Küchenbetrieb ging den Ausschuß in finanzieller Beziehung nichts an. Ueber die vermögensverhälknisse macht der zum Testamentsvollstrecker des verstorbenen Ehemannes Moll und zum Vermögensoerwalter bestellte Rechnungirat Rege- l e r einige Mittellungen. Danach hat der am 13. Oktober 1920 oer« storbene Börsenmakler Moll mündelsichere Wertpapiere im Nominal- werte von 300 090 Mk. hinterlassen. Dazu tritt noch der Nachlaß eines verstorbenen Onkels im Werte von 42 600 M., so daß ein Zinsgenuh von ca. 13 00— 14 000 M. herauskommt. Hinzu kommt ferner ein schuldenfteies Grundstück in Hubertushöhe, das außer- ordentlich reizend gelegen ist und einen realen Wert von 200 000 M. und einen Liebhaberwert von vielleicht 400 000 M. darstellt. Ueber die Modalitäten, unter welchen Einfuhrbewilligungen erteilt wurden und wer nun eigentlich für diese Bewilligungen die maßgebende Instanz war, wurden noch Reaierungsrat Rau, Hilfs, referent im Ernährungsministerium und Geh. Regierungsrat Dos« vernommen. Nach der Bekundung des erstgenannten seien als Liebesgaben diejenigen ausländischen Sendun- gen zu v e t r a ch t e n, die an inländische Empfänger gehen, ohne daß dafür eine Leistung an das Ausland gewährt wird. Derartige Sendungen sind zollfrei, bedürfen keiner Einfuhrbewilligung und genießen unter Umständen Frachtfreiheit. Rechtsanwalt Dr. Arthur Ball stellte durch Befragen des Geh. Rat. Base fest, daß auch dieser dasselbe getan habe, was dem Angeklagten Mautner zum Vorwurf gemacht werde, daß er sich bemüht habe, den nicht von den Quäkern abgenommenen Rest der Kondensmilch an Behörden ab» zugeben. Schließlich wurde Fräulein Dr. phil. Wegen er, die sich selbst gemeldet hatte, als Zeugin vernommen. Sie gab der Angeklagten Moll mit Bezug auf ihre charitative Tätigkeit das denkbar günstigste Zeugnis. Sie habe sich in den Swdentenküchen durch tägliche Mit- Hilfe in der Bedienung aufs beste bewährt, sich die Dankbarkeit der Studenten erworben, die allgemein empört feien über die Art, wie man die wirklich Humanitären Bestrebungen der Frau Moll herab- setze und habe Anspruch auf weiteste Anerkennung. Dielen Studenten habe sie durch ihre Konnexionen ausgeholfen. Die Beweisaufnahm« wurde hierauf vorläufig geschlossen und die Sitzung auf Freitag 954 Uhr vertagt. Die örei Gpfer öes Luftmoröers. Zur Aufklärung der Lustmorde des Händlers Großmann nahm die Kriminalpolizei gestern noch einmal eine gründliche Durch- suchung der versiegelten Wohnung des verhafteten Verbrechers vor. Veranlassung dazu gab besonders, daß Zeugen und Zeuginnen auf Sachen aufmerksam gemacht hatten, die Großmann belasten mußten. Verschiedene Sachen dieser Art wurden in der Tat in seiner Woh- nung noch gefunden, außerdem aber auch noch etwas Fleisch, das dem Chemiker der Polizeipräsidiums zur Untersuchung übergeben wurde. Großmann bleibt allen diesen Funden gegenüber hartnäckig bei seinem Leugnen. Wie wir früher schon mitteilten, bekundeten mehrere Zeugen. daß Großmann an bestimmten Stellen Pakete in den Luiscnstädti- schen Kanal und das Engelbecken geworfen habe. Es ist möglich, daß er Leichenteile eingepackt und beschwert hat, um sie zu versenken, und daß deshalb das Abfischen des Wassers erfolglos geblieben ist. Beim Einwickeln der zerstückelten Leichen mag er auch Kleidungs- stücke oder Teile von ihnen benutzt haben. So ist in seinem Zimmer die Hälfte eines Unterrocks gesunden worden, dessen anderd Hälfte 78] Die Rächer. Roman von Hermann Wagner. „Er sagt aus, daß Sie es besitzen." erklärte der Unter- suchungsrichter. «„�a, ich h a b e es besessen." „Sie ha—---?" „Ich habe es vernichtet," erklärte Behrens. „Erlauben Sie: wieso—?" „Es beliebte mir so," erklärte Behrens kalt. „Und Sie behaupten, daß die Unterschrift der Frau von Mansch echt war?" „Sie war es in einem gewissen Sinn. Wie aus der von mir beigebrachten, amtlich beglaubigten Erklärung der Frau von Mansch hervorgeht, durfte Reisner glauben, daß er in einem dringenden Fall das Recht hatte, � die Unte-schrift für Frau von Mansch zu leisten. Er hat des öfteren von ähnlichen Rechten Gebrauch gemacht. Es entsprach dieses einer Ge- pflogenheit, die stch zwischen den beiden im Laufender Jahre herausgebildet hatte. Es war nicht das erste Geschäft, das sie gemeinsam machten. Es war nur das unglücklichste. Daher die nervöse Ueberreizung Reisners." Der Untersuchungsrichter spielte nachdenklich mit einem Bleistift.„Reisner behauptet, daß Sie der Geschädigte seien," sagte er nach einer Weile.„Ich möchte Sie fragen, woher es kommt, daß Sie sich seiner so lebhaft annehmen?" Behrens lächefte.„Lebhaft? Das kann man wohl sticht gut sagen." „Run: doch annehmen..." „Warum?" Behrens hielt den Beamten eine Weile mit seinem Blick fest, drang in sein Innerstes ein, ließ sich dort nieder und war nicht mehr daraus zu vertreiben.„Warum, Herr Untersuchunosrichter? Dafür gibt es einen einfachen Gnind: den der Menschlichkeit... Würden Sie jemandem. von dem sie wissen, daß er krank ist, die Hisse versagen?" Der Unkerfuchungsrichter schwieg. Er stützte den Kopf mit beiden Händen und dachte nach. Es war klar, daß er Behrens durchschaute. Silber nicht minder klar war, daß der Fall nicht so schwer log, wie es anfangs den Anschein gemacht hatte. Welchen Entschluß würde er fassen? Lucio zerrte au ihrem Taschentuch. Jeder Nerv zitterte w ihr. Welche Stunde! Und plötzlich schrak sie auf, denn der Untersuchungsrichter hatte auf den Knopf einer elektrischen Glocke gedrückt. Das Signal durchschnitt fchrill das Zimmer nebenan. „Führen Sie den Untersuchungsgefangenen Reisner vor," sagte der Beamte zu dem eintretenden Diener. Lucie klopfte das Herz. Sie sah zu Behrens hmüber, als suche sie bei diesem Hilfe. Doch Behrens bemerkte sie nicht. Er hatte den Kopf gesenkt und schien in Nachdenken versunken. Bange Minuten verstrichen. Lucie seufzte und betupfte immer wieder ihre Stirn. Der Untersuchungsrichter musterte sie verstohlen. Sie empfand sein Interesse wie ein indiskretes Betasten. Endlich ging die Tür auf. Bon einem Beamten geleitet, erschien Reisner. Er sah verfallen aus, feine Lippen waren schmal und blaß, seine Augen hatten keinen Glanz. Lucie schien es, als feien feine Haare, seitdem sie ihn nicht mehr gesehen hatte, weiß geworden. Sie stand auf und ging ihm zögernd entgegen:„Her- mann." Erst jetzt bemerkte er sie. Er erschrak. Und als sie ihn umfaßte und den Kopf an leine Brust drückte, spürte er ein Wanken in seinen Krien und mußte, um nicht zu fallen, nach der Lehne eine? Stuhles greifen. „Herr Rei-ner, bitte, setzen Sie sich," sagte der Unter- suchungsrichter freundlich.»2ch möchte Sie in Ihrer Sache befragen.". Reisner gehorchte mechanisch. E? sah zv Boden. Noch immer spürte er die bebende'Schwäche in den Knien. „Herr Reisner. hören Sie mich an," wandte sich der Untersuchlmgsrichter an ibn.„Bleiben Sie dabei, jene Bürg- schaftserklärung mit dem Namen der Frau von Mansch unter- schrieben zu haben?" Reisner starrte ausdnickstos vor stch hin. Er hatte Muhe, den Sinn der Frage zu erfassen. Wie kam man überhaupt dazu, ihn nochmals zu fragen? Seine Augen wanderten durch den Raum, als suchten sie die Lösung dieses Rössels. Und plötzlich trafen sie mit denen des Behrens zusammen. Die beiden sahen sich ein: Weile stumm an. Es waren kaum drei Sekunden und es schien doch«ne Ewigkeit. Reisner wußte mit einem Male Bescheid. Ein heftiges Zittern befiel ihn und fein Kopf fiel nach vorn. Der Untersuchungsrichter wiederHolle seine Frage ia scharfem Ton. Reisner nickte matt.„Ja," sagte er mechanisch. Lucie bekam einen Weinkrampf. „Ich bitte um Rube," verwies sie der Untersuchungs- richter. Und sich an Reisner wendend, fuhr er fort:„Gut. Sie geben das zu... Jetzt möchte ich Sie noch fragen: glaubten Sie irgendein Recht zu haben, das zu tun?" Reisner horchte auf. Ein Recht? Warum fragte man Reisner horchte auf. Ein Recht? Warum fragte man ihn ihn das? Und ganz jäh stieg ein bluttoter Zorn in ihm hoch. Derselbe, der ihn geschüttelt hatte, als die Frau, die sich jähre- lang an ihn gehängt hatte, plötzluh zur Verräterin an ihm ge- worden war. Er wollte sprechen, doch die Stimme versagte ihm. Er machte eine erbitterte Geste.„Ia" stieß er hervor. „Welches Recht glaubten Sie zu haben?" fragte der Un- terfuchungsrichter ruhig. Reisner fuchtelt« wild mit den Armen.„Manche Rechte," schrie er heiser,„ja, manche Rechte.. Aber mit einem Mal fiel ihm ein, daß seine Frau zugegen war, und er wurde tiefrot und verschluckte den Rest seiner Worte. „Und würden Sie jenes Dokument nicht unterschrieben haben, wenn Sie diese vermeintlichen Rechte nicht besessen hätten?" Reisner wurde wieder von dem dunklen Zorn gepackt. „Nein," rief er heftig aus,„nein!" Ein bleiernes Schweigen hing über dem Zimmer. Deh- rens hatte sich nicht mehr gerührt. Lucie faß mit geschlossenen Augen halb abwesend auf ihrem Stuhl. Der Untersuchungsrichter stand plötzlich auf. Er schellte nach dem Schriftführer.„Gut, wir wollen protokollieren." Cr diktierte die Aussagen des Behrens und den Inhalt der Erklärung der Frau von Mansch, die den Akten einver- leibt wurde. Reisner hörte zu und alles erschien ihm wie ein Traum. „Ich bitte zu unterschreiben," wandte stch der Unter- suchungsrichter an Behrens.. Das zweite Protokoll enthielt die Aussagen Rewners. der gleichfalls unterschrieb.• (Forts, folgt.) feh't. Jetzt lLßt die Kriminalpolizei an den von den Zeugen ange- gebenen Stellen das Wasser durch Taucher absuchen. Die Erwitte- lungen richten sich augenblicklich besonders auf den Verbleib von zwei Frauen und einem Mädchen, die mit Großmann zu tun gehabt haben und seitdem verschwunden sind, und zwar handelt es sich um folgende Personen: Frau Elisa Pursche, geborene Pechmann, die am 13. April 1SS5 in Köpenick geboren ist und in Berlin einmal in der Wein- straße? gewohnt hat, eine Frau Anna Baarz, qeborene Nikolai, die 30 oder 31 Jahre alt ist und das Dienstmädchen Emma Baumann, das am 12. November 1908 in Kirschdorf im Kreise Wismar geboren ist. Frau Pursche schrieb früher regelmäßig alle 14 Tage an Ange- hörige und Bekannte, hat aber seit Anfang Juni nichts mehr von sich hören lassen. Fron Baarz ist aus Bromberg nach Berlin ge- kommen und hat hier schon seit sechs Wochen ihr Gepäck auf dein Schlesischen Bahnhof liegen. Man rechnet damit, daß sie gleich bei ihrer Ankunft dorn Großmann in die Hönde oesallen und nicht mehr dazu gekommen ist, dos Gepäck abzuholen. Frau Pursche scheint die Ermordete zu sein, deren Kopf aus den einzelnen im Wasser ge- sunden Teilen von den Gcrichtsärzten wieder zusammengesetzt ist. Bekannte, die sich den ausgestellten Kopf angesehen haben, wollen ihn bestimmt als den der Frau Pursche wiedererkennen. Säkiwerer Zus«iinm»nstost zweier Elektrische». Am Molkenmarkt stießen gestern nachmittag 4'a Uhr infolge Zurücksprstigens einer Weiche zwei Straßenbahnwagen zusammen. Einer derselben von der Linie 72 kam vom Mühlendamm her und fuhr in der Richtung Spandauer Straße. Vor dem Gebäude des Polizeiamts I am Molkenmarkt sprang die bereits gestellte Weiche zurück, sodaß der Wagen entgleiste und mit einem anderen aus der entgegengesetzten Richtung kommenden Wagen der Linie 99 mit voller Gewalt zusammenstieß. Dabei wurde die hintere Plattform des letzteren Wagens vollständig zertrümmert. Außerdem gingen samt- liche Fensterscheiben beider Wagen in Scherben. Bon den Insassen wurden mehr oder weniger erheblich durch Glassplitter 8 Personen verletzt und mußten auf den nächsten Rettungsstellen verbunden werden. �wei Spielklubst ausgehoben. Die Ekücksspielcr sind unverbesserlich. Keine Warnung scheint sie abzuschrecken. Obwohl in den letzten Tagen durch die Presse ging, daß das Spielerdczcriiat der Abteilung W. der Kriminalpolizei jetzt mit verschärften Maßregeln gegen das Glücksspiel vorgehe, oer- sammelte sich gestern am hellen Mittag in dem Kaffee Landgraf in der Kurfürstenstraße 7S ein Rvulettcklub. Der Inhaber des Kaffees hatte der Gesellschaft eine kleine Likörstubc zur Verfügung gestellt, und bald war das Spiel in vollem Betriebe. Gegen 1 Uhr kamen plötzlich Beamte des Spielerdezernats, überraschten die Gesellschaft, beschlagnahmten das wertvolle Spielgerüt und versiegelten die Likör- stube und brachten alle Beteiligten nach der nüchsien�Wache und von dort mit dem blauen Wagen nach dem Polizeipräsidium. Hier blieben sie in Gewahrsam und wurden gestern der zuständigen Stelle der Abteilung W. vorgeführt. Bier russische Staatsangehörige, die sich unter den Spielern befanden, wurden der Abteilung la des Polizeipräsidiums überwiesen. Ferner wurde eine Lacearatgescllschaft gestern abend von den Beamten in einer Seitenstraße des Kurfürftendamms überrascht, daß nicht nur das Spielgerüt, sondern auch noch S400 M. Spielgelder beschlagnahmt werden konnten. Diese Gesellschaft spielte in einer Privatwohnunz. Auch die Baccaratspicler wurden mit der „Blauen Minna" nach dem Polizeipräsidium befördert. Gvfsr öer flutocasece!. Dior Ischwere Unfälle an einem Tag. Eine nicht geringe Mißstimmung hat sich im Berliner Publikum gegen dos immer rücksichtsloser werdende Fahren der Automobile in den belebten Vcrkehrsstrahen eingestellt. Unfälle, durch Automobile hervorgerufen, bei denen Personen, vielfach Kinder und ältere Leute, Schaden erleiden, ereignen sich täglich. Bon dem gestrigen Tage sind aber ist cht weniger als vier ernste Unfälle zu melden. Aus dem Alepanderplatz wurde der 69 Lahre alte Rentier Paul Schrödtcr aus der Prenzlauer Allee von einem Kraftwagen überfahren und trug Haut- abschürfungen und Kopfverletzungen davon. Bor dem Hause Königstraße 14 wurde gestern nachmittag der 23 Jahre alte Reisende Map Blumenthal von einem Auto der Eisengießerei„Vulkan"� in Oranienburg umgestoßen und zog sich Verletzungen am linken Auge zu. Als gestern nachmittag der �jährige Arbeiter Walter Krahn auf seinem Rade die. Gitschiner Straße entlang fuhr, wurde er vor dem Hause Nr. 198 durch eine Kraftdroschke angesohren und zu Boden geschleudert, wobei er Verletzungen am linken Oberarm erlitt. Sein Rad.wurde n�llständig zertrümmert. Die Automobilbesitzer sowie die Ehauffeure dürfen sich deshalb nicht wundern, wenn die Abneigung gkgen das Auto, das vielfach mit Recht als das Verkehrsmittel der Reichen angesehen wird, von Tag zu. Tag wächst und die Empörung sich auch einmal in recht drastischer Weises Lust macht, wie der folgende vierte Fall beweist: Der Kupfcrschmiedcmoister Exnst M aus Ehorlottenburq fuhr gestern nachmittag in höchst unachtsamer Weise in seinem Kraftwagen die Zimmerstraße entlang. Nachdrm er bereits einen anderen Kraft- wagen angefahren hatte, geriet bei der Kreuzung der Markgrafen- straße die 33jähr!qe Frau Klotz unter die Räder seines Automobils. Zeugen des Vorfalles hielten den Wagen an, und eine schnell sich ansammelnde Menge belle M. aus feinem Wagen heraus und ver- prügelte ihn derart, daß er aus Mund und Nase' blutete. Beamte der Schutzpolizei, die inzwischen herbeigerufen worden waren, fanden M. in einem Lokal und führten ihn samt seinem Auto nach der Wache des 12. Polizeireviers. Die verunglückte Frau Klotz wurde nach der Rettungsstelle in der Kommandantenstraße geschaift, wo der Arzt Quetschungen des Unterleibs und der Oberschenkel feststellte. Wir wissen wohl, daß die„intellektuellen Urheber" dieser Un- fälle vielfach wenige'- die Ehaziffeur? als die Gäste sind, die die Führer oft durch Trinkgelder zu schnellstem Fahren anspornen. Gerade das veranlaßt uns. an die älteren und oeräntwortungs- bewußten Chauffeure die Bitte zu'richten, auf ihr» Kollegen ent- sprechend einzuwirken. Wenn das nämlich nicht bald geschieht, wer- den letzten Endes die Ehauffeure den Schaden haben. Großfeuer in Luckenwalde. In der vergangenen Nacht ist die Pianoforte» und Flüoeifabrik von Gebr. Niendorfs niedergebrannt. Große Mengen Nutzholz wurden dabei ein Raub der Flammen. Der Schaden beträgt etwa 3 Millionen Mark. „Ein Schicksalstag für Grcß-Derlln." Im„Fürstenhaus" zu Karlshorst sprach vor einer sehr gut besuchten Versammlung der Genosse Dr. Bendiner. Der 16. Oktober, so fübrte er aus, ist ein Schicksalstag für Groß-Derlin Klar ist dieses Mal die Parole. für uns gegeben. Komps gegen die Reaktion und Festhalten an der Einheitsgemeinde. Mit den"niedrigsten Mitteln versuchen die reak- tionären Parteien unsere große fruchtbringende Tätigkeit für das Gemeinwesen zu hintertreiben. Änd es doch gerade dies« Parteien gewesen, die durch die wahnsinnige Kriegswirtscliaft nicht nur die Gemeinde, sondern auch das ganze Reich dem Ruin entgcgenqeführt haben. Heute, wo der größte Verderb«r am Volksleben, der General Ludendorff, der von der damaligen Regierung einen sofortigen Waffenstillstand verlangte, die Männer, die seinem Verlangen statt- gaben, hinterher Verräter schimpft, sei es unsere Hauvtaufgnbe, alle Anhänger dieser Kreise aus den veranstvortstchen Stellen zu bringen. Sind es doch gerade die wohlhabenden Gemeinden, die noch heute gegen die Einheitsgemeinde Sturm laufen, weil die besitzenden Klassen auch mit allen Mitteln dabin arbeiten, ihren Geldsack weiter auf Kosten der Allgemeinheit zu füllen, aber sich stets weigern, zum Wohle der Gesamtheit ih'-e Kosten beizutragen. Di« Reaktionäre au» den Schulen zu beseicigen, sei mit unsere Hauptaufgabe, und uqsere ganze Kraft ciuzusetzon zur Durchführung von Paulsens Schulprogramm. Ziu Schck?>,«g einer treien. sittlich und ethisch hochstehenden Generation, zum Wahle des Ganzen. � Wohl wissen wir auch, daß das Existenzminimum bei weitem in großen Teilen der Arbeiterschaft im Gemeindebetriebe noch nicht erreicht ist; jedoch dürfe man auch die schlechte finanzielle Lage mit in Betracht ziehen, welche uns so sehr auf allen Wegen hindert, soziaii- stische Wirtschast und Politik zu führen. Doch mit Stolz können wir auf unsere Arbeit zurückblicken in der Zuversicht, daß Bestmögliche für die Arbeiterschaft herausgeholt zu haben. Der stürmische Beifall bewies, daß die Worte auf guten Boden gefallen waren. Und selbst einigen prominenten �Vertretern der KPD.' gelang es nicht, Stimmung für sich zu erzielen. Eine Zugendweihe der freireligiösen Gemeinde findet Sonntag, den 11. September, vorm. 19 Ubr, in der Aula der Körncrschule in Köpenick statt. Eintrittspreis 2 M. sKinder unter 10 Jahren hoben keinen Zutritt.) Karten bei Ccklag, Kietzer Str. 6, im Laden. Fest- redner ist Dr. Lohmann. Freireligiöse Gemeinde(Ortsgruppe Cöpenick). Das nächste städtische Volkskonzert des Philharmonischen Orchesters unter Leitung von Richard Hagel findet am Donnerstag, den 8. September 1921,' in der Brauerei Happoldt, Hasenheide 32/33, statt. Beginn 8 Uhr. Tie Zigarcttcnfobrik Wenrsii teilt un» mit Dezilg auf die üln- gaben ober die Polsteistimdcnäber chreiiungen mit, daii sie mit dem darin nenannten»Wevesii-Klub- nicht identisch in und mit ibm leineriek Ver- bindung unterhält. Die Firma bat eine Straiverfolzung dieser V-rc!nizung wegen unrechtmäßiger Beilegung der Firmenbezeichnung eingeleuet. BezirksbikdungSausschuft Grosz-Berlin. Heule abend, plinktlich 6 Uhr. im Tchimg-lsaal bei BezirlFhorfiandeZ. Lindenitr. g, 2. Hof, 2 Treppen: Wichtige Sitzung de« gesamten Äildungs- «usschusseS. Tie Mitglieder de; B i l d u n g S a u S s ch u j s e s Wilmcrs- d ors sind beionderS eingeladen. Tbeateroorslegungen: Sonntag, den 11. September, im Reuen Volks- tbeater„Tie Loialbadn' von 2. Thoma. Sonutaa, den 25. September, im Tbraler der Freien VoltSbühne am Billowplatz.Das Postamt" vvn Tagore und„Die Komödie der Juungen" von Shakespeare. Die Vorstellunqen beginnen nachmittag? piinitlich 3 Ubr. Veriosiing der Karten um 2 Uhr. EintiiltSpreiS einichließlich Tbealeizeltel und Irleiderablage 4.59 M. Am Sonntag, läsn 9. Oltober, nachmittags 21/, Uhr. im Deutschen Opernhaus„HoffmaimS Erzählungen". Karten zum Vreise von L M. bei den Obleuten der KrelSbildungsausschltsse und Im Bureau d«S BezirlS- biloungsansschusses, Lindenllr. 3, 2. Hos. 4 Treppen. Zimmer 12. An den gleichen Slellcn sind die Lehrpläne der Sozialiltilchen Bildungsschaie zu haben. Wir bllten dringend, Karlen und Marten sür die Festlonzerte ei»- zulösen._ Serlwer var!et6s. Zra Mulergarleuprogramin hat man zum Beginn der Winter- saison einer Reihe tüchnger Artisten ein breiteres Betätigungsfeld zugewiesen. Erstklassig ist der in Berlin schon von anderer Stelle her bekannte Balance-Akt der zwei Orantos, der eine völlig auS- geglichene Leistung auf dem Gebiete der Parterre-Akrobalik dar- stellt. Picardh ist ein sicher und geschmackvoll arbeitender Fuß« jongleur, dem sich der Reckakt von Sonnetty und Bertram eben- bürlig erweist. In einer originell ausgemachten paniomimi'chcn Szene„Delirium" verblüffen die beiden BriautS. während Fritz Svira in einer Kiste eine lebende Frau zersägen läßt swas ihr dem Anschein nach sehr gut bekommt). Zu erwähnen wären noch die Tänze der ungemein geschmeidigen Tarmora und die hübschen Hundedressuren Rafahetles. Die Scaln lLutherstraße) wird in ihrem EröffnungSprogramm ihrer alten Liebe, den hübsch inszenierten Tanzbildern, nicht untreu. HannS Görard, an dieser Stätte nicht unbekannt, und Claudia Pavlova tanzen sehr ernsthaft und mit viel Kultur, die Russin hätte allerding»»och etwas zu lernen. Das Zigeunerballelt Dabo war i« dieser Gesellschaft etwas deplaciert, im übrigen hat man bier auch schon einen besseren Czardas gesehen. Gute Jongleure sind die drei Blanks. AmadoS spielt Diabolo mit seltenem Ge- schick, und die Pätzold-Comp. gibt humoristische Radfahrszonen in tineueichter Vollkommenheit. Auch das übrige Gebotene hielt sich auf beachtenswerter Höhe. Das Apollo-Theaier hat ebenfalls wieder ein großes Ballet „Eine Rachc in Sevilla' auf sein Programm gesetzt. Es ist das übliche Spiel mehr oder weniger beschwingter Beine, die sich durch allzu bunte und glitzernde Gewänder nicht sehr beschwert fühle». Der schwedische Illusionist Tegethoff zeigt seine in Berlin nicht unbekannten Darbietungen. Berühmte Vertreter ihres Faches sind die vorzüglichen Schleuderakrobaten Karleys, die sich diesmal in einer geschmackvoll gebauten Szene„Im Foyer" produzieren Sontey und Partner stellen sich in einem tollkübnen Propellerakt vor. und Alice Masson zeigt in einer hübschen Illusion, das man auch im Zuschauerraum„Ballon fahren" kann. Zum Schluß sollen au» Fritz SieidelS noch immer unerschöpste Humoristila nicht un- erwähnt bleiben. ftue aller Welt. Feuersbrunst i» Südtcrok. Eine heftige Feuersbrunst hat in Südtirol das Dorf Mol- t en o z e r st ö r t. Molteno ist ein Sommcrhurort auf ungefähr 1990 Meter Höhe über dem Meere. Uebcr 129 Häuser fip.d ver- brannt. 799 Personen wurden obdachlos und nächtigen im Freien. Der italienische Gouverneur in Trient hat sich nach dem Orte begeben, um für dringende Hilfe zu sorgen. Zuzunsten der Ob- dachlosen wird eine Sammlung veranstaltet. Ein Schwindler als Polizeihaupkmanv. Der als Polizeihaupt- mann der Schutzpolizei aus Königsberg nach Draunschweig berufene angebliche Rittmeister a. D. Wilhelm Dau wurde heute, einer Meldung der„Braunschweigischen Landeszcitung" zufolge, von der Strafkammer des Landgerichts Braunschweig wegen Betrugs- Versuches zu 1999 M. Geldstrafe verurteilt. Er hatte be- hauptet, er sei in Hankow in Ostosien kaiserlicher Polizeihauptmann gewesen und sei Rittmeister o. D., während er in Wahrheit die Stellung eines Amtsdiencrs und Inspektors einer Gemcindepolizei in Hankow bekleidet hotte. Großfcucr in Kassel. Ein Großfeusr, wie es seit vielen Jahren Kassel nicht erlebt hat. brach am Dienstag in dem Häuserblock zwischen Sedanstraße, Orleanssttaße und Wolfhager Straße aus. Um 9 Uhr abends bemerkte man aus dem zwei Stockwerk« hohen Hause der Firma Detheneu. Grohmeyer helle Flammen herausschlagen. Das Feuer war im ersten Stock, in dem Stoffe lagerten, auf bisher noch unaufgeklärte Weise zum Ausbruch gekommen und mußte nach Geschäftsschluß zwischen 6 und 9 Uhr entstanden sein. Der sofort alarmierten Feuerwehr gelang es zwar nicht, das Gebäude zu retten, jedoch konnten die benachbarten Häuser vor den Flammen geschützt werden. Nach drei Stunden brach das Haus in>> t z u- sammen. nachdem 8 Benzinfässer explodiert waren. Menschen- leben sind nicht zu beklagen. Der Materialschaden ist nicht besonders groß, da das zweite Stockwerk nicht belegt war. Sroßfeuer in einem Kaffee. Wie„Liberte" aus B a y o n n e meldet, ist am Dienstag in einem Kaffee infolge einer Explosion Feuer ausgebrochen. Sechs Personen wurden schwer oer- letzt, eine davon ist bereits gestorben. Vorträge, vereine unS versammteü�en. vcrbaud der Liingco» und Zaberlulusenkrattlle», Bezirk 7 u. Lichtexberz. Die am.31. August angesetzte Versammlung im Lokal von A. Schmidt, Bor. baaener Str.«1, konnte wegen der Bemonst. rtion nicht statisint:», ste findet demmmt am Freitag, den«. September, 3 Uhr. im Lokal A. Schmidt, Box- Hagener Str.«. statt. �____ SLetter bio Ztzreiiag mittag. Ziuiien und üb?> wiegend heiler. In de» Mltiagssilmden...um, in der Nayl zum Fcell.iz wieeer sehr Ahl. Sind Soiöwerte steuerlich erfaßbar! Gegenüber der Forderung nach Erfassung der Goldwerte wird oft geltend gemacht, daß der Gedanke einer Beteiligung des Reiches an der Industrie und Landwirtschaft sich schwer oder überhaupt nicht durchführen lasse. Dieser Einwand zeugt von einer solchen Unkenntnis der Entwicklungsrichtungen in der Wirtschaft der letzten Jahre, daß man sich darüber wundern muß, wie er überhaupt auf- tauchen konnte. Man braucht nämlich nur einen Blick auf die privat» wirtschaftlichen Zusammenschlüsse und auf die neueren Praktiken im Hypothekenwesen zu tun, um zu sehen, daß das, was zur Er- sossung der Goldwerte erforderlich ist, von Privaten längst ge- tan wird. Es kommen zwei Möglichkeiten in Betracht: die Beteiligung an Industrie und Handel durch Aktien oder Anteilscheine und die- jenige am Grundbesitz in FcN:m einer Eokdhypothek. Werden Unternehmungen nach amerikanischer Art zu einem T r u st zusammengeschlossen, so übernimmt die Holding(Be- teiligungs-)Gesellschaft die Aktien und Anteile der einzelnen Unter- nehmungen und gibt an ihrer Stelle neue, auf den Trust lautend« Papiere aus. Ein ganz selbstverständlicher Vorgang, der auch bei Zusammenschlüssen in der deutschen Industrie in ähnsicher Form aufgetaucht ist. Der Trust übernimmt dann die ökonomische und finanzielle Leitung, die Gewinnverteilung uff. Ein Gemeinschafts- unternehmen höherer Ordnung tritt so an die Stelle der früher neben- und gegeneinander aroeitenden Einzelunternehmungen, eine Art Oberdirektion mit entscheidender wirtschastlicher Gewalt— und es geht. Für das Reich kommt eine solche trustartige Zusammenfassung der Industrie mfolge der Verschiedenartigkeit der einzelnen Unter- nehmungen natürlich nicht in Frage. Nach den bisherigen Bor- schlagen ist aber auch nicht geplant, durch die Anteile entscheidenden wirtschaftlichen Einfluß aus die Industrie auszuüben. Ledig- sich ein Teil, vielleicht ein Viertel bis ein Fünftel des Unter- nehmungskapitals soll vom Reiche in Anspruch genommen werden, und auch das nicht mit dc.r Absicht, in sämtliche Generaloersamm- lungen einen rcichsamtlichen Bedenkenmacher hinzuschicken. Die große Mehrheit der Aktien und Anteile, damit die Wirtschaft- liche Verantwortung bleibt bei den Privatwirt- s ch a s t e r n. Ein Stimmrecht würde das Reich überhaupt nur da auszuüben haben, wo das Industrie- und Handelskapital weiter durch eine Ausstapelung stiller Rücklagen oder durch andere Machenschaften über die tatsächliche Rentabilität des Unternehmen» hinwegzutäuschen sucht. Da damit gerechnet werden muß, daß das doch geschieht, wäre nicht ohne weiteres den Privatunternehmungen ein Rücklaufsrecht auf die Aktien zuzugestehen. Sonst würde jede» Unternehmen die Reichsantcile gerade in dem Augenblick zurück- zukaufen bestrebt sein, wo durch Bilanzverschleierungen oder durch einen vorübergehenden Konjunkturrückschlag oder andere Umstände die Aktienkurse zufälligerweise niedrig gehalten werden. Eine S p e r r f r i st für die Wahrnehmung des Rücktaufsrechts für mehrere Jahre würde schon genügen, um diese Möglichkeit zu unter- binden. Im übrigen aber wäre das Reich als Anteilseigner der Industrie nichts weiter als ein Zinsnehmer, wie jeder andere Aktionär auch, und es ist doch recht unwahrscheinlich, daß es seinen geringen Einfluß auf das Gesamtunternehmen dazu ausnützen wird, die Produktion zu hemmen, an deren Förderung es noch viel mehr interessiert ist als jeder Spekulant. Das Reich brauchte also nur dsi» Funksionen eines Ver- «alters von Aktien auszuüben, was man z. B. jedem Testaments- Vollstrecker ohne weiteres zutraut, und es hätte darin viel weniger Rechte und Pflichten, als etwa Stinnes durch den Rhein-Elbc- Konzern auf die Bvchumer Gußstahlaktien oder auf die österreichische Alpine Montangesellschaft. Warum sollte das, was unter Privaten bei bedeutend erschwerten Bedingungen ohne weitere» geht, nicht möglich sein? Die Goldhypothek auf landwirtschaftlichen und städtischen Grundbesitz wird als etwas ganz Ungeheuerliches hingestellt. Auch hier vergißt man, daß die Goldhypothek keine Sache ist, die sich irgendein Sozialist aus den Fingern gesogen hat, sondern daß sie im städtischen Grundbesitz, gebilligt durch ein internasionales Ab- kommen und den Gesetzgeber, noch au» der Dorkriegszeit her existiert. Es handelt sich um die auf Goldmark lautenden Hyp»thsken, die insbesondere von Schweizer Geldgebern besorgt worden sind und bei deren Erledigung sich infolge des Balutattef- stände? Schwierigkeiten ergeben hatten. Tatsache ist also, daß der Grundsatz praktisch angewandt wird, wo Hypotheken im Ausländ aufgenommen wurden, Taffach« ist aber auch, daß diese Art der Gold- Hypothek zweifellos schwieriger zu verwallen ist als die gewöhnliche, in Goldmark eingetragene Hypothek. Wurde doch mit den Schweizer Gläubigern ein Abkommen notwendig, wonach die Zinsen nicht in ollen Fällen gleichmäßig in Goldmart bezahlt werden, sondern die Zinssätze sich ermäßigen, wenn die Valuta unter»inen bestimmten Satz sinkt. Das gibt dann natürlich zu Auseinandersetzungen zwischen Gläubigern und Schuldnern Anlaß. Das aber würde in Wegfall kommen, wenn die Goldhypothek auf Grund des heutigen Goldsrtrages der Volkswirtschaft aufgenommen wird und der Zins sich automatisch de r Geldentwertung anpaßt, die z B. der Landwirt in den Getreidcpreisen zum Leidwesen der Ber- braucher sehr angenehm empfindet, die er aber auch an ihnen messen kann. Es brauchten dann nur, ähnlich wie nach dem Ge- stehungskostenindex in der Landwirffchaft ein gleitender Getreide» preis errechnet würde, die tatsächlich zu zahlenden Zinsen nach Dalutastichtagen zu bestimmten Umrechnungskursen festgestellt werden. Die Verwaltung der Goldhypotheken erfordert schon deshalb keinen besonderen Aufwand, weil sie nötigenfalls den in der Hypothekenverwaltung geübten Hypothekenbanken überlassen werden könnte und mit dem Reich lediglich eine Verrechnung zu erfolgen brauchte, wie sie bei anderen Steuern durchaus üblich ist. Die angeführten Beispiele zeigen, daß es mit der„Undurch- führdarkeit" der Reichsbeteiligung an Industrie, Handel und Grund- besitz nichts auf sich hat. Was das Privatkavital mühelos bewälffgte, kann dem Reich in seiner schwersten Finanznot nicht unmöglich sein, wenn man nur ernsthaft an die Lösung der Aufgabe herantritt. Hände weg! Der Dollar ist weiter auf 94 gestiegen. Die Börse taumelt von einer Kurssteigerung zur anderen. Die Banken werden mit'den Aufträgen trotz Ueberstunden und Börsenruhetagen nicht mehr fertig. Immer lauter wird die Ansicht vertreten, daß auch Proletarier sich an der Jagd um das golden« Kalb beteiligen. Wir glauben nicht, daß proletarische Kreis« für die Spekulation in größerem Umfange in Betracht kommen. Leider läßt es sich aber vermuten, daß manche dennoch, um sich ein Nebeneinkommen zu sichern, bei Winkelbankiers u. dgl. spekulieren. Wer da» tut, be- gibt sich in das Lager derer, deren üble Profitgier von der sozialistischen Presse seit jeher gegeißelt wurde. Er ist nicht mehr der Bruder do-ssen, der für die Beseitigung des Mehrwert» kämpft, wenn er selbst darauf spekuliert. Darum, Hände weg! Wer sich nicht warnen lassen will, hat es sich selbst zuzuschreiben, wenn er von unsauberen Maklern begaunert wird oder bei einem Rück- schlag der Kurse— der unausbleiblich ist, wenn sich die Mark bessern sollte— seine sauer erworbenen Spargroschen verliert. Meterveremstag. Am 8. Ceptcm&tr wurde fn Dresden der 16. Bundestag de» Bundes deutscher Mieter vereine eröffnet. Reichstags» abgeordneter Genosse Silberschmidt begrüßte die Delegierten namens der sozialdemokratischen Reichstagsfroktion, de. Allgemeinen Gewerkschaftsbundes und der Afa. Die sozialdemokratische Reich»- tagsfraktion werde mit aller Entschiedenheit für den Mieter- schutzgesetzentwurf des Mi-wbundes eintreten und ihn zum Siege führen. Die bisherige Ordnung im Wohnungswesen war � bisher der Aufgabe nicht gewachsen, sie ist e» auch heute nicht und wird es auch in Zukunft nicht sein. Die Wohnungsfrage sei keine Parteifrage, sondern zur V o I k s s a ch e geworden. Die Quelle des Uebels war, daß der Mieter bisher nur Objekt des Hausbesitzers war, während»r jetzt Subjekt werden will. Reichstagsabg. K u h n t von der USP. erklärt«, der Einladung gern gefolgt zu sein, well seine Partei wisie, daß auch die Mieter| zu der Erkenntnis kommen werden, daß nur die Gemeinwirtschaft unsere Ziele verwirklichen könne. Weiter sprachen di« Landtagsabzg. E b e r t für die Rommuni- sten und Clauß(Dem.) für die bürgerlichen Parteien. Stadtrat B r u m b y- Berlin für den Verband deutscher Einigungsämter so- wie Vertreter der christlichen Gewerkickaften, des Deutschen Beamtenbunde,. der Oberpostdirektion Dresden. d«s Gewerkfchastsringes der Angestellten u. a. Hierauf wurde In die Tagesordnung eingetreten. Zunächst er- stattete der Bundesvorsitzende den Bericht des Vorstandes. Daraus geht hervor, daß seit der letzten Verbandstagung im H«rbst ISIS der Miclerbund eine Millionenorganisatton geworden ist. Entkleidet jedes politischen.und religiösen Eharak- ters, sei die Mieterorganisation berufen, Trägerin des Woh- nungswesens zu fein. Aus diesem Grunde fordere sie ein Mitbestimmungsrecht. Die soziale Gesetzgebung Hove aus einem Hauptgebiete versagt, nämlich in der Wohnungsfrage. Des- halb sei es unbegreiflich geblieben, wenn die. Arbeit des Mieter- bundes zum Reichsmietengesetz nicht so gewertet wurde, wie sie es verdiente. Di« Mieterfchutzgesetzgebung die von sozio- lem Empfinden diktiert sein muß, versagt in der Praxis leider nur zu oft. Eine große Zahl der Einigungsämter hat den sozialen Ge> danken der Schutzgesetzgebung nicht erfaßt, deshalb drängt sich, je länger um so nachdrücklicher, die Forderung der Umbildung dieser Aemter hervor. Die Wohnungsnot zu heben, gibt es nur das ein« Mittel: Bauen! Der Bericht betont dann die zwingende Rotwendigkett f u n d a- mentaler Aenderung in unserer Wohnwirtschaft. Der spekulativ« Mißbrauch unseres Wphnwelens muß überwunden werden. Dabei lassen wir uns— mit der verfasiung— von dem Grundsatze leiten, daß der kleine Eigenheimbesitz das Ziel unserer Wohnungspolitik sein muß, durch welches der deutschen Familie eine Wohn- und Wirt'chaftsstätte gesichert werden soll. Die Tagesordnung weist mehrer« Vorträge über s«hr wichtige Fragen der Wohnwirtschaft auf. An erster Stelle stand«in Por- trag des Stadtrats Friedrich H o f m a n n, Vorstand des Leipziger Siedlungsamts, über, Gemeintvirkschast im Wohnungswesen. Da» Wohnungswesen vor dem Kri«g« krankte hauptsächlich an der großen Siedlungsdichtigkeit, der Wohnungsüberfüllung, einem wiederkehrenden Wohnungsmangel, der Tendenz zur Mietzinssteige- rung und Kündigung der Wohnungen. Räch dem Krieg« stei- gert« sich der Wohnungsmangel zur Rot, weil die Wohnungserzeu- gung infolge der Unrentabilitöt der Bauunternehmung eingestellt wurde. Man hatte die Befriedigung des Existenzbedürfnissts der Wohnung dem privatwirtschaftlichen Eigennutz überlassen, die kllnf- tigen Bewohner vom Einfluß auf die Gestaltung d«s Wohnungs- wesens abgedrängt, die Mieterschaft unter dem Zwange gehalten, die Preise, di« der Bodenhandel, der Bauunternehmer, der Hausb«� sitzer ihr auferlegten, zu zahlen, obwohl doch diese MietzinszahluiM gen jene vorangehenden wirtschaftlichen Unternehmungen erst er- möglichen. Der Genossenschaftsgedank«, und zwar eine durch öffent- liches Recht festgefügte Mekergenostcnschaft wird, in rechter Weise aufgebaut und mit den rechten Aufgaben betraut, un, aus unserer gegenwärtigen Wohnungsnot heraus- reißen und zugleich die alten Schäden der Vorkriegszeit lindern und endlich beseitigen. Nach dem Entwurf des Dorttagenden zum „Reichswohngenoisenschaftsgesetz" sollen die Be- wohner der Miethäuser des gewerbsmäßigen Hausbesitze»— je höcysten« 3000 Wohnungen— zu einer Wohngenossenschast zusammengeschlossen wenden. Das Aussuchen der Mietwohnungen erfolgt mit der gleichen Freiheit wie bisher. Die Wohnqenossen haben keinen Anteil zu erwerben, sondern nur Ihren Mietzins pünktlich zu zablen, wobei es kein Aufnehmungsrecht gibt. Die Wohngenosienschaften übernehmen die gesamte Bewirtschaftung de» ihnen unterstellten gewerbsmäßigen Miethausbcsitzes ihres Bezirks, der Wohngenosse kann nur auf Grund eines omi ihm begangenen Vertragsbruches aus der Wohnung entfernt werden. Der Mietzins-wird unter Aufsich« des Mieterausschusses vom Vorstand auf Grund der reinen wirklichen Sachkosten nach gesetzlichen Vor- schristen festgesetzt. Di« Vollversammlung, der Mietcrausschuß, der Ausfichtsrat und der Vorstand sind die Wohngenossenschaften, di« zum Wohnverband und zu Landesverbänden und einem Reichs- verband zusammengefaßt w.rden können. Die Wohngenossenschaften sorgen auch für Bodenenkschuldung und Boden wer ksenkunz. Wer die Mietpreise de» vorhandenen Wohnunasbestandes bestimmt, ist auch maßgebend für die Dodenpreis« des künftigen Wohnlandes. Di« Befreiung des Wohnboden» von der Spekulation hat zur Folg«, daß die Bebauungspläne, die Bodenaufteilung, die Bauweise nicht mehr nach kapitalistischen Rücksichten zu geschehen braucht. Der Flachbau und E i g e n b e s i tz eine» Kleinhause» wird erleichtert. Fexner sind die Wohngenossenschaften ein neu«, Finanzorgan, das die einwandfreie Aufbringung gemeinwirtschaftlichen Kopital» und stine übersichtliche Verwendung für Reparaturen, Unterhaltung und Baukostenzuschüsse zur Belebung der Wohnungserzeugung und zur Vermehrung des allgemeinen Wohnraumes ermöglicht. Auch da- durch wird der Produktionsprozeß der Wohnung«� beeinflußt, daß die Wohnungen nicht mehr für die Ungewißheiten' des Wohnungs- markte», sondern für den Wohuverband wie aus feste Bestellung gebaut werden. Dann sprach Dr. Fischer- Frankfurt a. M. über gemeinwlrtschastliche Wohnungspolitik. Die Behörden haben ihrer Aufgab« auf dem Gebiete de, Wohnunas- und Siedlungswesens nicht gewachsen sein können, weil ü« zu sehr Verwaltungsbehörde sind. Eine Behörde, die lediglich da» ausführt, was von oben befohlen wird und die nun plötzlich die Befugnis bekommt, in das Heiligtum des Privat- rechts einzugreifen, muß versagen. Deshalb gehen- wir weiter als der Vorredner, der neben der Ueberfülle von Behörden noch ein« neu« Organisation stellen will, wir wollen statt dieser Behörden eine gemein wirtschaftliche Organisation, die die De. wirtschaftung im gesamten Wohnungs- und Siedlungswefen über- nimmt. Zur Beseitigung de» Wohnunaselends genüge«s nicht, den vorhandenen Wohnraum durch eine Organisation zu verwalten, sondern«s müsse der Wohnraum auch oermehrt werden, es muß ge- baut werden, und zwar richtig gebaut werden. Wir müssen aber da» Grundstückseigentumsrecht beseitigen. Es liegt gar kein Grund vor, warum der Hausbesitzer Eigentümer des Grunostücks bleiben soll. Das Derfügungsrecht ist ihm ja schon zum Teil genommen. Dann ist auch der Grundstücksspekulation schon ein Riegel vorgeschob«». Ein Hauptaugenmerk ist auch auf die Tilgungsfrage zu richten. Wir können natürlich nicht den einzelnen Hypothekarier und Hausbesitzer für di« heutigen Zu- stände verantwortlich machen, wir bekämpfen da» System, und des- halb würde bei einer Enteignung entschädigt werden müssen. Die gesamte Rechtspflege für da» Stedlungs- und Wohnungswesen muh einheitlich geregelt werden, di« Miet- und Pachteinigungsämter müssen zu Volksgerichten werden, die alle Streitigkeiten auf diesen Gebieten zu erledigen haben(Lebhafter Beifall.) Der Nachmittag bracht« dann zwei Referate über Reichsmieten- und Mieterfchuhgefeh. Der erste Referent Rechtsanwalt W. Groß.Dr«»den legte d«r Versammlung folgend« Leitsätze vor: Die Mieterschaft fordert von dem R«ichsmietenges«tz: 1. Fest- Haltung de» F r i e d« n» w t r t e» der Grundstücke für die Ver- zinsung de» Kapital»; 2. Dreiteilung der Miete in Kapitolzins (Grundmicte). Betriebskosten und Unterhaltskosten; 3. Festhaltung der Zuschläg« für Betrieb und Unterhallung als Z w« ck b e t r ä g e, die der Pfändung und Abtretung entzogen sind; 4. gesetzliche Fe st legung des Mitbestimmungsrecht, der Mieter und gesetzliche Anerkennung der Mietervertretung(Mieterausschuß) als Organ in der Verwaltung de» Grundstücks; 6. Einführung d«s Gesetzes als zwingende. Recht. Sie fordert von dem Iflicterfchuhzefttz 1. Ausschluß de» freien Kündigungsrechts de» Ver- mieters. Die Lösung«ine« Mietverhältnisses über Mieträum« ist nur zulässig a) wenn ein wichttger Grund in der Person des Mieters gegeben ist und die Interessen d«» Vermieters an der Lösung des Mietverhältnisses die Interessen de» Mieters an dem Bestehenbleiben de» Mietvechältnisse» überwiegen, d) im Falle, daß ein wichtiger Grund zur Lösung des Mietverhältnisses in der Person des Vermieter» gegeben ist, b«t überwiegendem Interesse des Ver- Mieters dann, wenn dem Mieter andere seinen Lebens- und Wirt- fchaftsoerhältnissen entsprechende Räum« zur Verfügung gestellt und ihm die mit der Uebersiedlung zusammenhängenden Kosten erstattet werden. 2. Leibehaltung der Einigungsämter und Sicherung ihrer Rechtsprechung durch unabhängige, im Hauptberuf tätige Vorsitzende(Angliederung an die Amtsgerichte) unter Beibehaltung der Laienrichter). 3. Schaffung einer B e r u- fungsin stanz unter Hinzuziehung von Laienrichtern. Rechtsanwalt Dr. Anger- Berlin behandelte die Ausgestaltung des Mieterschutz, und Bodenrechts. Cr forderte den Erlaß eines Reichsgesetzes, durch das das bisherige Mieterschutz-, Pächterschutz- und Wohnungsmangelrccht« i n h e i t- lich von Reichs wegen übersichtlich, klar und einfach endgüllig dauernd geregelt wird. Di« Gemeinwirtschaft bedürfe der Vorbereitung durch ein solche« Gesetz, in welches diese dann einge- baut werden könne. Es handle sich dabei um eine Aenderuug des Bürgerlichen Gesetzbuchs. Dieses Gesetz soll an- wendbar sein auf all« Rechtsverhältnisse, kraft deren jemand einem anderen die Benutzung von Grundstücken oder Grund- stücksteilen zu gewähren hat, also Miet-, Pacht-, Erbbau-, Altenteils- Verhältnisse usw. Der Inhalt diefles Gesetzes soll zwingenden Rechts sein, d. h.«ntgeg-nsteheade Parteiverernbarungen sollen keine Rechtswirksamkeit haben. Durch den InHall dieses Gesetzes soll die volkswirtschaftliche Notwendigkeit und Zweckmäßigkeit'im Interesse de» Gemeinwohls dem Grundsatz der Bertragssreiheit im Interesse de» einzelnen vorangestellt w«rden. Das billige Ermessen der Einigungsämter bilde eine Gefahr, das durch feste gesetzliche Bestimmungen ersetzt werden soll. An die Vorträge schloß sich ein« lebhafte Aussprache. In einer zweiten nichtöffentlichen Sitzung wurden Orgcmisattons- fragen erledigt. Eine Reihe von Entschließungen, die sich an die Forderungen der Referenten anlehnten, wurden emstimmig angenommen. Groft'Serltoer partetnackrichten.• heule. Donnerstag, den S. September: t. Arel» Mitte. Sie ktreisvorstsndsfizung mit den«bteilungsleitnusen i)t abend» 7 Uhr im Restaurant„Biirzerheim-, Alte Schönhauser Str. z»/tt. t. Xrei» Premliraer Berg. Alle Genossen treffen sich abend» I Uhr bei Ä. Bue», Prenzlauer Allee 18». ZI. Abt. 7H Uhr gunttionürkonfereni hei Berger, Zagow-, Ecke Leoctzowftraür. •1. Abt. Neukil». 7 Uhr Funttionürsihung bei Lauer, Reuterstr. 80. Die Mitglieder de» Borstandes treffen sich Zh Stunde früher. Iiinasezialistea. Sroppe«panda»: 7% Uhr im Jugendheim Altes Schützenba»,, Neuendorfer Ltr. 2, Bortrag Uber„Grundbegriffe der So>iologie. Refe- rent Otto Bach.— Sriqi»« Britz: 7H Uhr im Jugendheim sshausseeste. itt, Bortraa über„Noinmunale(tragen".—«-»»»- Lüden: 7f4 Uhr Juristische Sprechstunde, hindenftr. 3, Vortragsabend.— Gruppe Trept»»: 7i* Uhr Grnppe Friednch»hai»: 7Zü Uhr Semeindeschule Stratzmannstr. K. Thema: „Reickogründung und ttornmune".—»ruppe ssiebeichshagen: Di« heutige Beranftaliung sallt»u». Beteiligung«n der ösfenilichen Wöhlerpersanim. Nin, der Partei.—,»rnppe Schinhnnser«»rjtedt: 7>4 Uhr bei Carl, Wichertstr. SS, v»rtrag:„Palutafragen". Reserent Denosse Zahn. Morgen, Freitag, den 9. September: I. itrei, SZedding.» Uhr ttreisvorstandosstzung: 7H Uhr Sitzung mit de» Ab- teilungeieitungen bei Rerfin, Pankstr.#0. Erscheinen unbedingt erforderlich. 13. Rrei» Tempelhef. 7 Uhr Sitzung des Rreiivorstandes und der Bezirleuer- ordnetenfraktion t« Tempelhof, Dorsstr. U. Bollzöhlige» Erscheinen unbedingt notmendig. Rees«. 7 Uhr Sitzung de« Rrei,iIIbung«au»schuss« tu Reinickendorf, Ber- malwng-gedäude, Zimmer 80, Haupt str. 48. 14. Abt. 7>4 Uhr wichtig« Sitzung der BezirtefUhrer, Beiriebovertrancndleut» und Elternbeiräte bei Krüger, Sngelufcr 23. Erscheinen dringend notwendig. 1». Abt. 7sh Uhr im Lokal von August Grosse, Blumenstr. 33, Borsta»d»Iltzun» siimillcher Bezirloführer sowie aller Wahlhelfer. 17. Abt. 7 Uhr bei Zacharias, Stralauer Allee 22, Ecke Soffestratze, ffunttionär» konferent sämtlicher Begirkoführer, BetriebovertrauenZlrute, Elternbeiräte und Frauenagitationomitglieder. Erscheinen ist Pflicht. 22. Abt. 7Ztz Uhr wichtige Funkiionärsttzung hei Pnuer, Erotze Frankfurter Ltratze 1. Erscheinen sämtlicher Betriebovertrouenileute und Eliernbeträte ist Pflicht. Wichtige Tagesordnung. Rur die Tätigkeit in der Gewerkschaft entschuldigt. Erscheinen notwendig. 2». Abt. 8Ztz Uhr wichtige Befprechung aler Funktionäre und Betriebs»«» traucnsleute bei Wlchmann, Beitzeuburger Str. 1. »chineterg. 73. Abt. 7Zb Uhr erweiterte Vorstand, sitzling im Rlaffenzimmer 14 der Schule Feurigstr.»7. Sehr wichtige Tagesordnung. All- ffunttionär« müssen erscheinen.— 7». Abt. 8 Uhr bei Rosenau, Hahensrkedberg-, Ecke Rolonnenstraße, erweitert« Vorstandosttzung. Alle gunitionare werden er- sucht, pünktlich zu erscheinen. Mänueech«,?rie»rich,h«:n: Von 7—10 Uhr Extrallbungsstunde in der Schul» aula Peteroburaer Sir. 4.— Eonnabend, den 10. Scvicmber, 7stz Uhr, Viertelfahreoversammluno bei Pohnsdorf, Peleroburaer Sir. 86. Aichttg« Besprrchang ,1er»italleber de» BLB., die auf dem Boden ber SPD. itehen, um 8 Uhr bei Schulz. Elisabethstr. 80. Erscheinen ist unbedingt er» orberlich. Mitglieder de» DSB., die sich zur SPD. zählen, find miizu- iringcn.. Zungs-naliste».»rupp« Lchäneberg-ffriebeuan: 7Ztz Uhr bei Rtese, Akazien- siratze 14, Borirag:„Parteiprogramm". Referent Brasch. Akl« jungen Parteimitglieder find herzlich willkommen. » Line Ronseeenz»ee erwachse»«« Mitarbeiter be« Berel»» Arbeiter-Zugeab Grotz-Serli» findet am Sonnebend, den 10. d. St., abends 7 Uhr, im Zentral- juaendheim, Lindenstr. S, 2. Hos, 8 Trp. linke, statt. Tageeordnung:„Sie Mitarbeit in den Bejirkajugendäiniern und die Ausgaben der Iugendhelfer". Refe» rent Genosse Eriäp Ollenhauer. Bestimmte» und pünktliches Erscheinen ist ! unbedingt notwendig. ' 4. Rrei» Prenzlener Tor. Sonnabend, den 10. September, abends 7 Uhr, im l grotzen Saale der Brauerei Iuliuo BStzow, Prenzlauer Allee, 1. Stiftungsfest unseres«Lnnerchors. Gesangliche Boriräpe, Reziiationen ernster und heiterer Art, Tanz. Eintrittskarten 4 2,30 M. einschlietzlich Tanz zu haben in den Bezirkslokalen, bei den Mitglieder» und an»er Abendkasse. ?ugenüveranstaltungen. Verein Arbeiter. stngend. Letretarint: EM. 8«, Lindenstr. 3, 2. Hof link», 2 Treppe» rechts. Telephon: Mpl. 121«3—10. Heute. Donnerstag, den S. September: soll".— Rirderschineweide: Jugendheim Berliner Strotz«, Bortrag: „Sozialismus, Rommititlsmu» und Bolschewismus".— Neiden: Iuasno- heim Schule Puiduser Siratze, Siskufstoü:„Vegetarismus".— Osten (Stralauer Viertelt: Ehrenbergstr. 23, Lefeabend:„Fritz Reuter".— Schönhauser Borstabt 7:.Tonnenburger Str. 20, Mitgliederversammlung.— Steglitz II: Jugendheim Iohanna-Siegen-Etr. 23, Siekulstvn:„Zweck und Ziele des Vereins Arbeiter-Iuaend".— Lüden: Jugendheim Schule Stallschrelber» strotze 54», Dtekusston:„Günther Hopses Schrift". Be fonders günftige 00 larlrptf_ AnTiIno«»»gr»».. o-di»ksrbi»»..*»■ jaU\CU-»l3£UlJC«treift and in anderen»ehSnen F arbenstnllungea. rnod, TernrbeUnt. U. 759, 690, 899, 300 Jackett- Anzüge jgQ<*> 135 nehm» Maohart. . M 9U0 Jackett-Anzüge nrknim.......... Sport-Anzüge mii Br9'c,,"h""'- Uns*, nun fcontsn Süiffon»er- �|QQ00 . 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Täglich 7.30 Unr: Volksbühne Theater am Bülowplatz �uhr Die lange Julie Lessing-Theater Heute bis ionntag 7I.'z Uhr: Ein idealer Gatte Tills Durleuz) Montag 7: Peer Gynt Deutselies Künstler-Tiieater Allabendlich 7l/z Uhr: Die Ballerina des Königs ( Leopoldine Konstantin) JComiscke Oper rViUhr qxe, THUhr eftrohivlfwe Optrttte ronCeo Siech CASINO-THEATER Loihringer Str. 37— Tägl.>/«S Das neue ErSffnungs- Progr. mit der Spitzbubenposse Satans Maske toeMewz �e. � vorher: Das laktißeSiiißSDiel Mit dem Feuer spielen Maria Orska Riemann/ Bildt Komhdienhaus Täglich 7.30 Uhr; Max Pallenberg Hans Waßmann im neuen Burleskenschwank Jonnys Busenfreund Berliner Theater Uhr: Nur noch 4 Vorstellg. Central-TUeater uDiePostmeisterin Deatsch. Opern hnas .'"fr. Tannhänser Frledr.wu lielraeit.Vh. T-z-uhr American-Girl KL Schansplclhani. V'/zUhr: ReSgCIl Metropol-Theater Jhr: Die blane Mazur »feue« Operettemheat. s uhr: Die Königin d. Nacht tA'eue« Theat. a. 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Aussuhriiche Bewerbungen sind bi» zum 20. Sep» tember b. 3- an den Stadwerordnetenvorfteher Groß» mann bier einzureichen. Ascherslebe», den 5. September 1921. Vor Magistrat lüedlige Lillriedler möglichst gelernte Werkzeugmacher, welche durchaus selbständig in der Lage find, Cxcenterpreffen nnd Preffen für Schnttte und Stanzen einrichten zu lönnen, werden sofort eingestellt. LdrlcdL Krsetz, Derllu SO 58, Elsenslr. 8D/86. --------■ Kjijzjki lellengesuche BervielfSltiqnngen, erst. klaffig, Ernst, B-lsorlei» straße 30. Humboldt 6535.» Junger redaktionell de, äh-gter Buchdrucket 21 Jahre, politisch und gewerkschaftlich organisiert stenographie» tunbig, zurzeit ichon als Berichterstatter für Partei» «W Reklamezettel 20 Mk H' HllfsredatteUr fAnS* 9 Stil proben stehen zur Berftiguna. Zulchriften erbittot VÄafcÄt.|°'.«°N°°«°.Y.SrimmenLVamm..S.roh»r.27l. Severins uns hörsing-m Minister a. D. Severing(fortfahrend): Ueber Ostpreußen lag ein Bericht vor, wonach ein regelrechter Dienst orgapistert war und alle Vorbereitungen getroffen waren, geschloffen vorzugehen� Vom Vorstgenden befragt, wa, die eigentliche Ursache für den Aufstand gewesen sein dürfte, erklärt der Zeuge: Schon während der Kriegszeit und insbesondere nach der Revolution war Mitteldeutsch- land und besonders Sachsen der stärkste Herd der Unruhen. Schon 191g hätte die Polizei stärker organisiert sein müssen. Die Arbeiter hätten sich jedenfalls von ihr nicht provoziert fühlen können. Selbst nach der Auffassung der unabhängigen Führer sei die Polizei b e- sonnen und maßvoll vorgegangen. Die restlose Befriedigung ihrer Wünsche besonders im Leuna-Werk ohne Zustimmung der Lei- tung hätten zweifellos den Glauben erweckt, daß jetzt keine Macht mehr existiere, di? irgendwelchen Forderungen Einhalt gebieten könn«. Dazu komme, daß der Kommunistische Parteitag nirgends einen so starken Widerhall gefunden habe als gerade in Sachsen. Gerade hier haben die Massen geglaubt, der Tag sei nicht mehr fern, um russische Methoden in Deutschland einzuführen. Die außerordentlichen Behörden müßten, so äußert sich der Zeuge weiter, nachMoglichkeit ein- geschränkt werden. Der Staatskommissar sei in den ordentlichen Behördenapparat einzubauen. Vieles Wichtige über den mitteldeut- schen Aufstand befinde sich nicht in den Akten, weil die Berichte mündlich erstattet wurden. Der Zeuge äußert sich sodann zu dem Punkt: Bewährung der Landräte, Amtsvorsteher usw. Der kommissarische Landrat C a s p a r e k habe als Vermal- ?■ tungsbeamter das geleistet, was man von ihm erwarten konme. Was t die Unterschlagung von Militärgut anlange, so sei er wegen Betrugs- Versuchs zu 6 Wochen Gefängnis verurteilt worden; das Berufung?- oerfahren sei nicht zum Austrag gekommen, da die Revolution aus- brach. Jedenfalls geht daraus, daß er später einen höheren militä- rischen Rang erhalten hat, wohl hervor, wie schließlich seine Hand- lungsweise von den militärischen Behörden beurteilt sein wird. Eine Bestätigung ist bis zum Abschluß des Verfahrens zurückgestellt wor- ' i den.— Berichterstatter Dr. Liebknecht(USoz.) richtet hierauf an den Zeugen die Frage: Wollte man durch„Aufstechen des 1 G« s ch w ü r s' die Aktion zur Entladung bringen, wie es itt einem i Artikel des Zeugen im„Getreuen Ekkehard" heißt? f, Der Zeuge erwidert: Die verhältnismäßig schwache Verwen- 1 dung von polizeilichen Kräften hat— eine unbeabsichtigte und un- f vorhergesehene, ober durchaus willkommene Nebenwirkung— den � vorbereiteten Ausstand zum Ausbruch gebracht. Der Zeuge macht L. weitere Mitteilungen von den Maßnahmen der Regierung zur Auf- £ klärung der Dynamitfunde in Mitteldeutschland im Zusammenhang ß mit dem Auftreten von Hölz.— Aus die Frage des Bericht- erstatters Dr. v. Dryander(Dnatl.), was die Behörden auf den - umfassenden Bericht über den bevorstehenden Ausbruch des Auf- standes unternommen hätten, der vom Reichskommissor erstattet sei, erwidert der Zeuge, daß von der Preußischen Staatsrcgierung auf . diesen Bericht nichts unmittelbar veranlaßt wäre, wohl aber auf \ die Berichte und Mitteilungen der eigenen Behörden. Von dem ; Bestehen von jv Sampsorganisationen in Milleldeukschland mit ausgedehntem Kurierdienst ist dem Zeugen nichts bekannt. I Auf die Frage des Berichterstatters, was nun auf die Lageberichte - des Staatskommissars seitens des Ministeriums des Innern geschehen sei, erwidert der Zeuge, fast in jedem Monat hätten Bespre- chungen mit dem Oberpräsidenten stattgesunden, in denen mündliche Anweisungen erteilt worden seien. Schriftliche Erlasse seien nicht erfolgt. Neben der Orgesch richteten sich die Maßnahmen der Regierung auch gegen alle orgeschähnlichen Organisationen, nicht spe- ziell in der Provinz Sachsen. Es hat sich im März gar nicht um eine rei» lokale Bewegung in Mitteldeutschland gehandelt, sondern um eine zentrale Bewegung der Kommunisten. Material für eine Rechtsputschgefahr in der Provinz Sach- sen lag vor. Der Oberpräsident hat gerade mit dieser Rechtsputsch- aefahr die Verhängung des Ausnahmezustands begründet. Seine , Aufhebung habe der Oberprästdent schon im April und Mai für angebracht gehalten, aber der Reichsminister des Innern hielt die Aufhebung mit Rücksicht auf die Rechtsputschgefahr noch nicht für an- gebracht.— Die Frage des Abg. Dr. v. Dryander, ob dem Zeugen feit dem März 1920 von einer Aktion der Rechtspusschisten, auch in Abwehr von Linksputschen etwas bekannt geworden sei, wird verneint. Abg. Dr. v. Dryander fragt weiter, ob bei den Märzunruhen 1920 die Waffen der Einwohnerwehr von den Gütern durch df» Aufständischen in großem Umfang weggeholt worden seien. Der Zeuge erwidert: Das war eine ganz allgemeine Erscheinung. Deshalb habe ich mich gegen die Einrichtung der Ein- wohnerwehren gewandt, allerdings nicht speziell in Sachsen. Auf weitere Fragen des Berichterstatters erwidert der Zeuge, feitevs des Reichskommissars seien erhebliche wastenfunde auf feiten der Rechten gemacht worden. Daß sich in der Hand der Kommunisten Listen über Waffenlager der Gegenseite befanden, sei ihm nicht bekannt. Die Vernehmung des früheren Ministers Severing wird ab- gebrochen. Es wird zunächst Oberpräsident Hörsing. der nur heute zur Verfügung steht, vernommen. Ueber die Frage, ob bei dieser Vernehmung Severing anwesend bleiben dürfe, da ja nach den Vorschriften der Strafprozeßordnung die Zeugen bei der Aussage von anderen Zeugen den Raum zu verlassen haben, wird mit 10 gegen 8 Stimmen beschlossen, die Teilnahme zu ge- st a t t« n. Die in der längeren Erörterung vorgebrachten juristischen Gründe gegen die Zulassung blieben unbeachtet. Hierauf wird dem Zeugen Oberpräsident hörsing das Wort erteilt. Man muß, so führte er aus, zum Verständnis der Vorgänge vom K a p p- P u t s ch ausgehen. Militär und Polizei nahm eine Haltung ein, die die Arbeiterschaft nicht verstand. Da beide, sich nicht klipp und klar zur Verfassung bekannten, mißtraute man ihnen. Während der . Reichstagswnhl spitzten sich die Verhältnisse zu. Links wurde ein Putsch von rechts, rechts ein solcher von links an die Wand gemalt. Am 9. August habe ich die Spihelzenkraie in Magdeburg. die Fabrik für Sensationsnachrichten über die Rote Armee, aufge- deckt. Als der Belagerungszustand aufgehoben war, waren die Re- gierungspräsidenten die zuständige Behörde. Dann kam das Ent- waffnungsgesetz; auch seine Durchführung siel ihnen zu. In dem Industriegebiet war di« Waffenaogabe schlecht. Der Wassenschmuggel stand in Blüte. Inzwischen mehrten sich die F e l d- diebstöhle. Ich habe mehrere Konferenzen mit den Landwirten abgeholten, um dem zu steuern. Die Landwirtschaft verlangte Schutz- organisationen, die ja nach dem Friedensvertrag verboten waren. Es wurden bewaffnete Feldhüter eingestellt. Die Felddiebstähle sind auch dann zurückgegangen. Ende September brach bei den Riebeckschen Montanwerten eine Bewegung aus, in der unerfüllbare Forderungen gestellt wurden. Schon hier tonnte ein großer Terror festgestellt werden. So wurde die Arbeiterschaft einfach gezwungen, das Hallesche kommunistische Blatt zu halten. Im Frühjahr d. I. brachen dann neue Bewegungen in den L e u n a- Werten und bei einem Werk in Eisleben aus. Im ersteren Werk wurde di« Arbeitszeit von Stz Stunden über den Kopf der Gewerkschasken hinweg einfach auf öS Stunden herabgesetzt. In Eisleben nahmen die Zu- stände erschreckliche Formen an. Schon damals wandte sich das Kcwersschaftstartell gegen den Frevel, der mit der Arbeiterschaft ge- trieben wurde. Ich habe Kommissare entsandt, und die Ar- beiterschaft ging dann wieder in die Betriebe. Eines Tages erschien der Direktor vom Leuna-Werk bei mir und teilte mit, daß ; es so nicht wettergeh«. Wert« von Tausenden von Marl wurden! weggeschleppt. Wächter, die einschreiten wollten, wurden nieder- geschlagen. Ich bin dann nach Berlin gefahren und habe von dem Minister Severing die Zusage einer Polizeiaktion er- halten. Für diese wurde der 19. März bestimmt, da man wegen der Abstimmung in Oberschlesien keinen früheren Termin bestimmen konnte, um nicht Agitationsstoff zu schaffen. Als das Attentat auf die Siegessäule geschah, zeigte sich, daß die Bombe in Hettstedt an- gefertigt war. Angesichts dieser Tatsache wurden noch mehr Polizei- kräste, als anfänglich in Aussicht genommen waren, eingesetzt. Außer- dem war die gesamte Polizei in Alarmbereitschaft. Die Arbeiterschaft war vier Tage vorher, bevor am 19. die Polizei in die einzelnen Orte einzog, durch einen Aufruf aufgeklärt. Der Erfolg war. daß nach meiner Ansicht rncM einmal 30 Proz. der in der Kommunistischen Parlei vereinigten Arbeiter an den Aufstünden beteiligt waren. An einen geschlossenen Ausstand glaubte man über- Haupt nicht. Erst jetzt habe ich erfahren, daß am 17. der allgemeine Aufstand beschlossen worden war. Das Militär habe ich nicht eingesehk. Wir wollten Verbrecher unschädlich machen und nicht Krieg führen. Hätte man Militär eingesetzt, so hätte es meines Erachtens ein Blut- vergießen ohnegleichen gegeben; der Aufstand hätte sich auf das ganze Reich verpflanzt. Eine Rote Armee gab es nach meiner Kenntnis dort weder 1920 während des Kapp-Putfches, noch während dieses Ausstantchs. Das Vorgehen war nötig, um die Staatsautorität wiederherzustellen und gegen Verbrechen einzuschreiten. Grausam- keten sind auf beiden Seiten vorgekpmmen. Die 1000 Mann Polizei- truppen, die ich zuerst angefordert hatte, sind auf meine Veranlas- sung durch ihre Führer vor Grausamkeiten eindringlich gewarnt worden. Von dieser Seite ist auch nichts vorgekommen. Dagegen ist es möglich, däß von Polizeimannschaften, die aus ande- ren Provinzen kamen, Uebcrgriffe erfolgt sind. Seitens der Auf- ständischen sind zahlreiche Grausamkeiten und Uebergriffe vorgist kommen; so sind mehrere Polizeibeamte, die nicht im Kampf waren, erschossen worden. Besonders grauenhaft ist auch die Verschleppung von Geiseln, die Mitnahme von Personen aus dem Bürgertum, die gar nichts mit dem Kampf zu tun hatten. Auf dem Transport sind von ihnen drei oder vier erschossen worden. Außerdem ist von Gei- sein noch Geld erpreßt worden. Die Leichen ermordeter Polizei- beamten sind aufs schändlichste verstümmelt worden. Man ist mit größter Roheit der Polizei gegenüber vorgegangen. Auf Beftagen des Vorsitzenden, Abg. K u t t n e r(Soz.), teilt der Zeuge ergänzend mit: Die Zahl der Ausländer ist in der Provinz Sachsen außerordentlich groß. Die Zahl der agi- tatarisch oder gewerbetreibend umherziehenden Ausländer feftzu- stellen, ist aber nicht gelungen. Besonders find viele Russen während des Aufstandcs in der Provinz Sachsen festgestellt worden, deren Zahl mit 2000 bis 3000 wohl nichf" zu hoch angegeben wird. Sicher haben die Leute einen sehr unheilvollen Einfluß auf die Ar- beiterschaft ausgeübt, dagegen sind sie sicher nicht an den Kämpfen selbst beteiligt gewesen. Von Organisationen. die einen bewaffneten Kampf gegen die Staatsverfassung gewollt hätten, ist dem Zeugen nichts bekannt, ebensowenig von einer Ver- bindung der Magdeburger Spitzelzentrale mit irgendeiner größeren Organisation. Allerdings habe diese Zentrale von irgendeiner Stelle große Geldmittel erhalten. Zur Frage des Einflusses der kommunistischen Parteien erklärt Oberprösident Hörsing, er sei erst seit dem Kampf um das Leuna- Werk von einer zentralen Aufstandsparole überzeugt ge- wefen. Man habe damals z. B. auch den Redakteur Lowitzki und einen Herrn Lemk von der Leitung der VKPD. in Halle bei den Kämpfen gesehen. Daß beiden kommunistischen Bezirkssekretariaten Haussuchungen stattgefunden habett, nimmt der Zeuge mit Sicherheit an. Er persönlich glaubt an einen Zusammenhang zwischen den DörgSiigen in Mitteldeutschland und den Aufruhrbewegnngcn in anderen Gegenden. Positive Ausforderungen zum Auf- stand habe die kommunistische Presse erst während der Un- ruhen gebracht. Des weiteren glaubt der Zeuge, daß die Eisenbahn- attentate, namentlich das des Jakob in Ammendorf, von den Auf- ständischen Verbrechern zugeschoben werden könnten, denn die Kam- munisten hätten ja nachträglich sogar Hölz für sich in Anspruch ge- nommen. Die Vernehmung des Oberpräsidenten Hörsing wurde so- dann auf die Mängel in der Vehördenorgornisation erstreckt. Er gab an, daß die Einrichtung der Meldestelle beim Ober- Präsidium auf Verfügung des Staatskommissars ssir die öifentliche Ordnung geschehen sei. Die gtatrechtliche Zulässigkeit dieser Behörde habe er nicht nachzuprüfen gehabt. Die Z i v i l k o m m i s i a r e bei der Schutzpolizei seien nach dem Kapp-Putsch eingerichtet worden. Sie hätten sich bewährt durch ihre vermittelnde Tätigkeit zwischen der Zivilbevölkerting und der Polizei. Ein besonders starker Wechsel bei den oberen Beamten der Schutzpolizei in der Provinz Sachsen wird von dem Zeugen bestritten. Verabschiedungen von Offi- zieren seien auf keinen Fall infolge von Schikanen des Zivil- kommiffars Kunzmann erfolgt. Oberpräsident 5)örsing bestreitet auch, bei der Auswahl der Amtsvorstcher und Ortspolizeibehörden unoor- sichtig gewesen zu sein. Er habe z�B. 108Personen trotz ihrer Wahl durch den Kreistag n i ch t b e st ä t.i g t. Die von einem Land- rat eingeführten Klausurarbeiten hätten sich bei der Prüfung der Amtsoorsteher auf ihre Eignung bewährt. Die MIlgliedschast bei der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei habe er allerdings nicht für einen Hinderungsgrund gehalten. Nach der Spaltung auf dem Parteitag in Halle sind aber Kommunisten nicht mehr als In- haber der Polizeigewalt bestätigt worden. Nach dem Putsch hat sich ein Teil der Amtsoorsteher sehr übel benommen. Gegen sie ist das Disziplinarverfahren eingeleitet worden. Es kamen darauf die Fälle der Landräte Raute und Easparek zur Sprache. Zeuge Oberpräsident Hörsing gibt die Möglichkeit zu, daß er im Wahlkampf in einem Brief die Ernennung Rautes vom Minister erbeten haben könnte. Die Vorwürfe gegen Raute und Easparek hätten sich jedoch alle als unbegründet erwiesen. Zum Fall Easparek gibt der Zeuge an, er habe bes. der Staatsanwaltschaft in Halle eine Reihe von Strafanträgen gegen die Beleidiger Cafpareks gestellt. Die Staatsanwaltschaft habe aber_nur die Bcschuldiger Easpareks ver- nommen und ihn, den Oberpräsidenten, ersucht, die Anträge zurück- zuziehen. Das habe er nicht getan, sondern die Durchführung ver- langt. Die angebliche Unterschlagung Easpareks im Felde stellt der Zeuge als die I n t r i g e eines Feldwebelleutnants hin, der den damaligen Ortskommandanten Easparek aus seiner Stellung in Rumänien verdrängen wollte. Der Antrag, dem kommissarischen Landrat Easparek 6000 M. Zulage im Jahre zu gewähren, sei von unabhängiger Seite, nicht von kommunistischer ausgegangen. Die Zulage sei aber niemals bezahlt worden, weil der Minister solche Zuschüsse aus den Kreiskommunalkasien oerboten habe. Easparek habe seit der Spaltung der Unabhängigen Partei die Kommunisten mit aller Schärfe bekämpft und sei dafür von dem„Klassen- kämpf", dem kommunistischen Organ in Halle, in unerhörter Weise angegriffen worden. Daß Easparek für Moskau ge- sprachen habe, bestreitet der Zeuge. Die Ablehnung polizeilichen Ein- greifen» in Sangerhausen sei nicht auf die Bemühungen Easpareks zurückzuführen gewesen, sondern� daraus, daß dem Oberpräsidium gar keine Polizeitruppen zur Verfügung gestanden hätten. Im Gegen- teil hqbe Easparek, der ein Gegner des Eingreifens der Polizei ge- wesen sei, erklärt, wenn Polizei nach Sangerhausen geleitet werden müsse, werde sich auch die Möglichkeit finden, sie unterzubringen. Easparek habe seine Vorgesetzten während des Putsche? stets auf dem laufenden gehalten, bis durch das unerwartete Eingreifen der Hölz- schen Banden das Unglück geschab. Am Tage, als der»?lnir»hr aus- brach, Hobe er allerdings dem Führer der unzufriedenen Menge, dem kommunistischen Stadtrat Franzke, dieSorgesür dieofsent» l r ch e Sicherheit überlassen, er habe bas aber nur getan, weil in zwei Stunden die Ankunft eines Zuges mft Polizei- truppen in Aussicht stand, die dann die Ruhe zweifellos wieder- hergestellt hätten. Leider habe sich die Ankunft dieses Zugc� ver- zögert. Daraus könne man aber Easparek kaum einen Vorwurf machen. Oberpräsident Hörsing stellt dem Landrat Easparek das Zeugnis aus, daß er ein überaus fleißiger und tüchtiger Beamter ge- wefen sei. Easparek sei auch nicht seines Postens enthoben worden, sondern sei auf eigenen Wunsch ausgeschieden, weil er der maßlosen Hetze nicht mehr gewachsen war. Oberprösident Hörsing bestreitet des weiteren, daß er Land- gemeinden schuldhaft ohne den nötigen polizeilichen Schutz gelassen habe. Die Zahl der Gendarmerie sei unzulänglich ge- wesen, ihre Vermehrung iei aber nicht möglich gewesen, solange die Verhandlungen zwischen Preußen und dem Reiche und zwischen dem Reiche und der Entente noch schwebten. Es wird darauf die Polizeiaktion besprochen. Auf den Vorwurf, daß er seine Maßnahmen nicht in Uebereinstimmung mit den Offizieren getroffen habe, erwidert der Zeuge, namentlich die früheren General st absoffiziere, die jetzt bei der Polizei find, seien der Meinung, man müsse die Polizei an einzelnen Punkten konzentrieren, um sie für eine Aktion fest in der Hand zu haben. Er halte diese Taktik für falsch, denn man begünstige dadurch an den nichtgeschützten Orten die Bildung von Aufruhrherden. � Dieser taktische Irrtum der General- stäbler sei z. B. in Eisleben verhängnisvoll geworden. Man habe die Strecke zwischen Merseburg und Eisleben ungeschützt gelassen und habe dann später ein größeres Aufgebot hinschicken müssen, weil sich dort Herde des Aufrubrs gebildet hatten. Es wird dein Oberpräsidenten weiter zum Vorwurf gemacht, daß dix Aktion auf Eisleben mit ungenügenden Kräften unternommen worden fei. Der Zeuge erklärt, Major Folte habe den Auftrag ge- habt, mit ZOO Mann nach Eisleben und mit 200 Mann nach Hett- stedt zu gehen und dann abzuwarten. 1500 Mann habe er nicht nach Eisleben schicken können, denn das tue man nur, wenn man Krieg führen wolle. Ein solches Aufgebot hätte die Bevölkerung in Auf- rühr bringen müssen. Hier aber sei nur ein polizeilicher Z w e ck zu erfüllen gewesen, für den 500 Mann genügten. Oberpräsi- dent Hssrsing meint, man könne kaym davon sprechen, daß Major Folte in Eisleben eingeschlossen mar. Die Polizei sei in der Nacht stark beschossen worden, am-anderen Morgen habe sie sich aber s o- sort freigemacht und das Rathaus besetzt. Er hob? aber so- sort beim Minister Entsatz beantragt und zwei Tage später seien 2000 Mann aus Düsseldorf eingetroffen. Nebrigens seien nicht ein- mal die Straßen von den Aufruhrern zerstört gewesen, denn nachts habe ein Panzerauto der Polizei in Eisleben Munition bringen können. Von einer Blockade könne man also nicht sprechen. Munition hätten die Polizisten mitgehabt, soviel sie tragen konnten. Sie seien auch alle mit Gewehren ausgerüstet gewesen. Den letzten Punkt der Vernehmung bildeten Uebergriffe und Graufamkeilen der Polizei. Lberpräsident Hörsing bemerkt dazu, daß der Reichstaasabgeordncte Krüger, der sich mit Polizeioffizieren zum Leuna-Werk begeben hatte,'dort keine Grausamkeiten habe feststellen können, wie sie von der„Roten Fahne" behauptet wurden. Ueber angeb- licbe weitere Grausamkeiten in Gröbers habe auf feine Veranlassung Maior S ch ü l z, ein erfahrener Kriminalist, tagelange protokollarische Vernehmungen und Untersuchungen angestellt. Die Widerspruchs- vollen Zeugenaussagen hätten keine positive Schuld erwiesen. Die Akten feien zur weiteren Untersuchung und Verfolgung der Ober- staaksanwaltschaft in Halle überreicht worden. Von einem Beschluß der Besatzung von Leuna, keinen Widerstand zu leisten, habe die Polizei keine Kenntnis erhalten. Sie habe so handeln müssen, wie sie gebändelt habe. Erschießungen Wehrloser nach der Ein- nähme seien durch die Ermittlungen nicht festgestellt. Daß Not- st a n d s a r b e i t e r, die sich am Kampfe nicht beteiligt haben, grau- famerweise in einem Silo untergebracht worden sind, dürfte richtig sein. Als die �Polizei eingedrungen war, wollte natürlich jeder nur als Nvtftandsnrbeiter dabei gewesen sein, nicht aber, als Kämpfer. Die Polizei hätte das nicht sofort feststellen können. Damit ist die Vernehmung des Oberpräsidenten Hörsing beendet. Am Donnerstag werden als weitere Generalzeugen Re- gierungspräsident v. Gersdorff und Regierungsrat Kilhorn ver- nommen werden. Außerdem soll auch die Vernehmung des Ministers a. D. Severing zu Ende geführt werden. Schluß 6 Uhr. Völkerbund und Zrieöensrevifton. In der gestrigen Sitzung des Völkerbundes kam eine in mehr als einer Hinsicht bedeutsame Frage zur Sprache. Die Ver- treter Bolivias stellten den Antrag, eine Völkerbund- kommission zwecks Revision des Friedensver- träges zwischen Ehile und Bolivia aus dem Jahre 1901 einzu- setzen. Die öffentliche Meinung Bolivias betrachte den Vertrag als unausführbar. Bolivia verlange hier vom Völkerbund eine Maß- nähme der Gerechtigkeit, sie versagen, hieße die Grundlage des Völkerbundes verleugnen. Der Vertreter Chiles führte demgegenüber aus, daß er zwar jedem Vorgehen des Völkerbundes zustimmen werde, das den Ver- sammelten gestatte, sich eine eigene Meinung zu bilden, solange da- mit nicht die Zuständigkei t des Völkerl�undes präjudi- ziert werde, sollte aber Bolivia aus der Revision beharren, dann werde er durch seine Gegenstimme die für die Revision erforderliche Einstimmigkeit der Versammlung sprengen. Der Vertreter suchte die Versammlung durch den Hinweis muf die Folgen einer Präze- denzfalles für sich zu gewinnen. Sollte dieser Vertrag revidiert werden, so würden eines Tages alle Besiegten kommen und die Revision aller Friedensverträge der vergangenen Jahrzehnte be- antragen. Der Völkerbund hätte dann die ungeheuerliche Aufgabe, die Ergebnisse aller kürzlich beendeten Kriege wieder auszuheben. Auf Dorschlag des vielgewandten Präsidenten van Karnebek wurde beschlossen, die Exposees der bolivischen und chilischen Dele- gierten zu drucken und den Versammlungsteilnehmern zuzustellen, damit diese sich in der Frage ein Urteil bilden können. Der inter- essante Streitfall dürfte damit aber kaum erledigt sein, da das An- sehen des Völkerbundes eine ernstere Lösung derartiger Fragen verlangt. 100 000 Millionen neue Steuern. Der ungeheure Fehlbetrag im Reichshaushalt von 50 Milliarden Mark und die Reparations» leistungen in mindestens gleicher Höhe zwingen Deutschland zur Ein- fllhrung neuer Steuern, die wohl doppelt so hoch sein werden wie alle bisher bestehenden Abgaben zusammengenommen. An der Aufbringung dieser Steuern hängt die Erfüllung des Ultimatums, die Verhinderung neuen feindlichen Einmarsches, die Möglichkeit friedlicher Entwicklung in Europa. Die Verteilung dieser Riesen- lasten auf die verschiedenen Schichten der Bevölkerung wird von aus- schlaggebender Bedeutung sein für Deutschlands soziale Struktur. Die ensscheidende Frage sowohl für die Erfüllung der deutschen Zahlungspflichten wie für die innerpolitische Situation ist die Er- fassung der Goldwerte, derjenigen deutschen Vermögensteile, die durch die Entwertung des deutschen Geldes an Wert nicht verloren haben; die Besteuerung derjenigen Personen, die inmitten von Deutschlands allgemeiner Verarmung nicht'ärmer, sondern reicher geworden sind Hie Proletarier— hie Besitzer von Goldwerten!, so lautet der Schlachtruf, so stehen sich die Heere gegenüber. Für diese Kämpfe bedarf die sozialdemokratische Partei des Rüstzeuges, das die bei der Buchhandlung Vorwärts, Berlin SW. 68. unter dem Titel:..100 000 Millionen neue Steuer n." Wer soll sie zahlen? Proletarier oder Besitzer von Goldwerten? Von Ernst Heilmänn erjcheinend« Broschüre bildet. GsWerWostsbewegung Streik in öer Lilminüuftrie. Die Urabstimmung dei� Filmangehörigen am Mittwoch hat nach den bisher vorliegenden Resilttaten«ine Vierfünftelmehr- beit für den sofortiges, Htre�ik ergeben. Aus einigen kleineren Betrieben stehen diHÄbstimmungsrefultate noch aus, deren Ziffern aber nichts mehr öipern khniten. Das kaufmännische Personal hat sich nach der B.5x-Kofcrespvndenz mit den übrigen Ar- beitnehmern solidarisch erklärt und'legt ebenfalls die Arbeit nieder. ?m ganzen dürfte die Zahl der Streikenden etwa 8000 bis 9000 betragen..' Das Iofa-Atelier, das m»der großen Flugzeughalle in Johannisthal seinen Sitz hat, mutzte schon gestern morgen seine Pforten schließen. In diesem BetriÄ qi waren nämlich die technischen Arbeiter fristlos entlassen jvo�den, weil sie am Dienstag nachmittag zur Teilnahme an der' großen Arbeitnehmerversamm- lung das Atelier vor dem festgesetzten Schluß verlaflen hatten. Das übrige Personal dieser Firma erklärte sich darauf mit seinen aus- gesperrten Kollegen solidarisch, so daß der ganze Betrieb stillgelegt wurde. Lohnverhimdlnngen der Kinovorführer. Auch die dem Zentralverband der Film« und Kinoangehörigen angeschlosiene Gruppe der Kinovorführer steht in Lohnver Handlungen mit den Arbeitgebern. Soweit diese mit dem.Wirt schaftsbuud deutscher Filmtheater* geführt worden sind, ist eine Einigung erreicht worden. In einer am Mittwoch stattgehabten Versammlung der Berufsgruppe wurde von den Rednern Barde leben und Schneckenhaus hierüber folgendes mitgeteilt: In Gruppe 1, zu der Kino? bis zu 250 Sitzplätzen gerechnet werden, soll der Wochenlohn 300 M., in Gruppe 2. die bis 500 Sitzplätze haben, 400 M. und in Pruppe 3, die über mehr Sify Plätze verfügen, 450 M. betragen. Wenn die Arbeitszeit 48 Stunden in der Woche durch Filmtausch übersteigen sollte, so ist den Vorführern wöchentlich ein freier Tag ohne Lohnabzug zu gewähren.' Außerdem soll ihnen nach je zwölf Tagen ein Tag ohne Lohnabzug freigegeben werden. Jeder vierte Tag von diesen soll ein Sonn- oder Feiertag sein. Gesetzlich fest- gelegte Feiertage werden nicht in die 12 Tage eingerechnet. Ersatz- Vorführer werden vom Arbeitsnachweis des Zentralverbandes der Arbeitnehmer vermittelt. Diese erhalten für den Tag den sechsteu Teil des Wochenlohnes der Gruppe 2. An U r l a u b werden im ersten Jahr 7, im zweiten und dritten 14 und nach drei Jahren 24 Tage gewährt. Freie Tage werden auf die UrlaubSzeir nicht angerechnet. Ueber Streitigkeiten entscheidet eine paritätisch zu» sammengeietzte Schiedskommission. Der Vertrag soll vom 1. Sep- rember 1921 bis 30. September 1922 gelten; die festgesetzten Löhn« jedoch nur bis zum 31. Dezember I92t.— Die Vereinbarungen haben nur für die Mitglieder des Zentralverbandes Gültigkeit. Mit dem.Verein der Lichtbildtheaterbesitzer Groß-BerlinS* steht der Zentralverband noch in Unterhandlung. Diesem sind die gleichen Forderungen unterbreitet worden. Am Freitag soll darüber verhandelt werden. Im Falle der Ablehnung wird am selben Tage eine Versammlung die weiteren Schritte beschließen. S ch i e m e n z(vom Musikerverband) gab die Erklärung ab, daß die Musiker mit den Kinoangehörigen möglichst Hand in Hand gehen würden. Die Vereinbarungen mit dem„Wirtschaftsbund der Filmtheater* wurden ohne Gegenstimme angenommen. In der folgenden Aussprache wies Schneckenhaus darauf hin. daß es Pflicht aller Kinoangehörigen fei, die Arbeiter« presse zu lesen und endlich andere Zeitungen auS dem Hause zu schaffen.— Ein Antrag, bei Ablehnung der Forderungen seitens des.Berein« der Lichtbildtheaterbefitzer* sofort»n den Streit zu treten, wurde«instimmig angenommen. heutige» Verhältniffen doppelt ms Gewicht fallen, ist doch wohl jedem einsichtigen Menschen klar. Im Intereffe der Reinmachefrauen, unserer Schuljugend und des Ansehens des Magistrats fordern wir, daß diesen Zuständen ein schleuniges Ende bereitet wird. Stundenlöhne von 1,70 M.«nd 1,8« M. Unter den heutigen Verhältniffen zahlt der Magfftrat den Rein- machefrauen der Gemeindeschulen diese chungerlöhne. Alle Versuche der Organisation, den Frauen einen entsprechenden Lohn zu verschaffen. schlugen fehl. Einen ganz eigenartigen Standpunkt ver- tritt der Magistrat in dieser Sache. Er macht gellend, daß als Arbeitgeber die Schulwarte der einzelnen Schulen in Betracht kommen, die vom Magistrat für die Reinigung eine bestimmte Summe bekommen und die Frauen entlohnen. Die Schulwarte sagen, eine Erhöhung des Stundenlohnes könne nicht in Frage kommen, da die von der Stadt gewährte Summe zu gering sei. In allen Verhandlungen erklärte der Vertreter des Magistrats, daß die Frauen nicht dem Magistrat unterstellt sind. Wie kommt es aber, daß die Frauen der Betriebskrankentasse der Stadt Berlin als Mitglieder angehören?— Durch die Zugehörigkeit zu dieser Kaffe wird doch dokumentiert, daß die Frauen bei der Stadt Berlin in Arbeit stehen. Den Elternbeiräten empfiehlt der Zentralverband der Hausange st eilten, der uns von der Existenz dieser Zustände Mitteilung macht, sich die Reinigung der Schulräume etwas näher anzusehen. Nach einem Rundschreiben des Magistrats sind die Räume dreimal wöchenllich zu reinigen. Es findet aber sehr oft eme viermalige Benutzung statt, ehe eine Reinigung vorgenommen wird. Daß unter diesen Verhältniffen für unsere Jugend gesundheitliche Schädigungen entstehen, welche bei den Beendigung des Streiks im Nahrungsmittelgrohhandel. Am Dienstag fand vor dem Demobilmachungskommisiar eine Verhandlung zwischen den Arbeitgebern und der Lohnkommission der Arbeitnehmer im Nahrungsmittelgroßhandel statt, welche zu folgendem Ergebnis führte: Die Parteien vergleichen sich dahin: Die Löhne werden mit Wirkung vom 1. August 1921 ab folgendermaßen festgesetzt: für Kutscher. Kraftwagurführer, Maschinen- führer und MeisW....... 860,— M. per Woche . Lagerarbeiter. Wächter, Kaffenboten und Kontorboten....... 815,—... , Arbeiterinnen......... 205,—... , Arbeiterinnen im Kaffeegroßhandel.. 195,—,,, Diese Lohnfestsetzung gilt bis 81. Oktober 1921 und kann mit monatlicher Frist und zwar erstmalig am 80. 9. 21 gekündigt werden. Maßregelungen auS Anlaß des Streiks finden n i ch t statt. Eine Versammlung der Streikenden hat diesen VergleichSvor- schlag angenommen, ebenso haben auch die Arbeitgeber in ihrer Versammlung dem Vergleichsvorschlag zugestimmt. Daraufhin ist in allen Betrieben die Arbeit wieder aufgenommen worden. Einige der Streikenden wurden nicht wiedereingestellt, weil man ihnen eine strafbare Handlung während des Streiks vorwarf. Darüber, ob eine strafbare Handlung vorliegt, wird eine paritätische Kommission entscheiden._ Neue Lohnsätze der Gsfigarbetter. Di« in den Berliner Essigfabriken beschäftigten Arbeiter, Ar- beiterinnen und Kutscher haben nach dem bestehenden Tarifvertrag ihre Lohnsätze im Hinblick auf die koloffale Teuerung zum 31. August gekündigt. Gefordert wurde ein Zuschlag von 40 Proz. zu den bestehenden Löhnen. Bor einigen Tagen fanden Verhandlungen mit den Arbeitgebern statt, die zu einer Einigung führten. Vom Deutschen Transportarbeiterverband, dem die Beteiligten restlos als Mitglieder angehören, berichtete P. Liebenow über das Ergebnis der Verhandlungen. Zugestanden wurden für Ar- bester 80—90 Pf. pro Stunde, für Arbeiterinnen 80 Pf., für Jugendliche 60—65 Pf. und für Kutscher 45— 55 M. pro Woche. Die Diskussion war sehr lebhaft, verschiedene Redner waren der Ansicht, daß die Zugeständnisse mit Rücksicht auf die sehr erheb- liche Teuerung nicht genügen, von einigen Arbeitern wurde ge- fordert, die Täsigkeit in den Betrieben sofort einzustellen. Die Lohnkommisston verttat dagegen den Standpunkt, die jetzigen Löhne anzunehmen und bald darauf die Kündigung derselben ein- zureichen. Nach längerem Für und Wider nahm die Versammlung mit knapper Majorität die neuen Lohnsätze an. Mit dieser Anerkennung ist für einige Zeit in der Essigindustrie der Wirffchaftsfriede gesichert. Verhandlungen wegen Neuabschluß des Tarifvertrages, der noch bis 31. Ottober d. I. läuft, werden päter stattfinden._ Die Lohnbewegung der Hochb aHuer. Die Verhandlungen zwischen der Direktion der Hochbahngesellschaft und den Angestellten über die kürzlich eingebrachten Forderungen sind, nach der BS.- Korrespondenz, auch am Dienstag noch nicht endgültig zu Ende gebracht worden. Die Hochbahner werden w einer N a ch t o e r- s am m lung über die neuen Vorschläge der Direktion abstimmen, so daß erst im Laufe des heuttgen Tages eine Entscheidung darüber, ob das Personal in den Ausstand treten wird oder nicht, mit Sicher. heit zu erwarten ist. Zur LohttbewAuug iu Oberschlefien. In Kattowitz fand eine Sitzung des Ärbettgeberverbandes statt, um zu den Lohn« forder ungen der Bauarbeiter Stellung zu nehmen. Die Bauarbetter haben eine Zulage von 2 M. pro Stunde oerlangt. Di« Arbeitgeber sind gewillt, eine solche von 50 Pf.(II) zu zahlen. Falls es nicht zu einer Einigung kommt, drohen ernste Verwick- lungen.' Der Reichsarbettsminister hat sich erboten, dt« Vermittlerrolle in den oberschlestlchen Lohnstreitigkeiten zu übernehmen. Die Spitzen- verbände der Reichsarbeitsgemeinschaft haben Vertreter oberschlesi- cher Bergarbeiterorgamsationen nach Berlin berufen, auch der Ar- leitgeberverband Oberfchlesien« ist vertreten. Bei der ersten Be- prechung mit dem Reichsarbeitsminister sagte dieser seine Vermitt« lung zu, glaubte jedoch nicht verhehlen zu können, daß die I n t e r- allierte Kommission in Oppeln Schwierigkeiten bereiten werde. Im Laufe der nächsten Woche soll in Berlin die oberschlesische Lohnfrage geregelt werden. Auch die polnisch« Berufsvereinigung ist mit diesen Verhandlungen einverstanden. Der Metallarbelt erstreik l» Halle fand durch die Annahme eines Schiedsspruches fein Ende. Die Arbeit wird heute wieder auf- genommen. Spv� und USVV.-FuoMonSre der Semeindebekrlebe Berlins. Heute abend 7 Uhr in de» Musiker-Fcstsälen, Kaiser-Wilhelm- Straße 31, wichtige Versammlung. Erscheinen aller auf dem Boden der USPD. und SPD. stehenden Funktionäre dringend notwendig. Zutritt nur gegen Vorzeigung des Verbands- und Parteiausweises.— Die Fraktionsvorstände. C9S.-SCda9atBritet. Frettag VersmmNwnq der JWIe«« de»»Uteliued« OBerfptes, ScansfonnototenfadtH und RAE. bei Karl Schöps tu ZUederschSue- weide, Srllnauer Str. S.— SPD.-Bertrauenslente. Polizeideamte. Heute 5 Uhr in der Bockbranerei, Fidirinstraße, Boll»«- fammlung. Deutscher Sran,pvrt«. I80 Tauben......... � 650 Spiegelkarpfen''ÄIS80 Suppenhühner pw-IS50 Grüne Heringe, pimui 220]g. Gänse Pid.12501500 Gr. Salzheringe.1.0«,. 25 k». Rebhühner....... sacklS50 Fettheringe......... s»a50pi- Hirschfleisch ph 75° ThOrlnaer 4| QO Rotwurst Art. w Landleberwursfpid.1100 Sülzwurst........ piu»d1400 Bauernmettwurst pw-IÖ50 Corned beef. Pi.nd 9 25 Rhabarber..... � Rotkohl----------- pt-Kl 60p(. Einlegegurkenpiund 90pl Kochbirnen Phnd Kochäpfel...... 35->1 Tiroler Aepfel � 1 10 Berga motten 0� 1 29 Bücklinge 490 Harzer Käse Piu„d8S0 Riesenflundern�Äß20 Spitzkäse..............?>»»-, 2�° Rotbars.............. Piund450 Qoudakäse........ Pw-ilZ00 Lachsheringe...** 1 0 Tilsiter Käse...... Ptundig90 RäucheraaleuaA.pid.g�00 Margarine Mwswd. 680