ng.4ft44 3S. Jahrgang Ausgabe V Nr. 2IH Abend-Ausgabe BezsgSPrri»» «'.«teNSHU. M.»»«ltl. K�-» frri Ins»aus, mcaus zahlbar bezog: SKonoCith w,— M. rtnfd peilunasflebübt Untn Stcnizbanb 1 Deotschlaod. Danzig, bas Saat» und SRetnelsebtet forste We ehemals beut« schen De biete Polens, Oesterreich, Ungarn unb SuiemduI 2l>,— M, für das übrige Ausland 27,— St Post. beileCungen nehmen an Oesterreich. Ungarn. Tscheche. Elowafei, Dänemark bolland, Luremdurz. Schmede» und die Schmeij, Der»Bormärt»- mst der Sonntags- beilage»Boll und Reit-, der Untern haUnngsdeilage»Heimmelt- und der Beilage»Eiediung und Klewgarten- «rjchetnt wocheniaglich zmeimal. Sann» tags unb Montags einmal, ■«ojl Telegramm» Adrrffe> »jlalbraistral DertJ»" Verliner Volksblatt � 20 Pfennig j SuietgeupretS» Sit schtgefpeüten« Slonporettlrjeft» tostet UO M«meto»»n zeigen- bas tettgedrockte SBott WO M< zulässig jroet fettgedruette Worte», febe# weitere Wort t— M. Stellengesuche und Schlafftellenanzelgen bas erste Wort t— 38,(ebes weitere Wort » Ctg. Worte Uber U Buchstaben zählen für zwei Worte, ffamilieo-An. zeigen für Abonnenten geile U— 9L Die«reife oerstehen stch einfchlleilich Teoerungszufchlag, »»zeigen für die nächste Nummer mllffeu dt» B Ahr nachmittag» tm Hauptgeschäft, Berlin EW W. Linder». strotze 3, abgegeben werden Geöffnet oon» Uhr früh dt» S Uhr abend». Tentralorgan äer fosiaiÄemokratifcken Partei veutfcklancks Neüaktion unö Expedition: SV SS, Linöenstr.Z Redaktto» Mnrihpfatz IS1»�-S7 �ernipreaier. �xpebttio» Morihplah 117SS-S4 Donnerstag, den 8. September 1921 vorwarts-verlag G.m.b.H., SW öS, Linöenstr. Z Rernfbrethet: ♦ B erlag, Exveditio« und Inseraten. . zHrtetlung Morihplatz U753— 54 Kohr ober öas Reich! Ueber den Fortgang der Verhandlungen zwischen dem Reich und der bayerischen Kahr-Regierung hört man wenig Erfreuliches. Das ist auch nicht anders zu erwarten. hetzt doch die gesamte Berliner Rechtspresse, um den baye- rischen Unterhändlern den Rücken zu stärken. Die»Kreuz- Zeitung- schreibt, daß die rote Hetze in Bayern hauptsächlich von Berliner Drahtziehern besorgt würde. Dabei stellte erst gestern, wie unser Münchener Korrespondent meldet, unser Münchener Parteiblatt erneut durch umfangreiches Ma» terial unterstützt sest, daß in Rosenheim die bekanntesten bayerischen»Saupreußen- Ludendorff, Oberst Bauer, Ehrhardt und andere Reichsverderber ihr Stelldichein haben. Bon diesen Zentren aus wird die»bayerische Bolls- jeele- zum Kochen gebracht. Es ist deswegen klar, daß die Haltung des bayerischen Ministerpräsidenten v. Kohr gegenüber den E e w e r t» schaftsführern eine von den Maßnahmen ist, die b e» wüßt zum Konflikt treibt. Man will es darauf an- kommen lassen. Das Reich soll gezwungen werden, sein Recht durchzusetzen. Dann hofft man wohl auf«ine neue so» genannte patriotisch« Welle, die Herrn Kohr auch gegon den Willen der derzeitigen bayerischen Koalitionsparteien noch h ö h e r h e b t, als er jetzt steht. Es bleibt doch sehr beachtens- wert, daß die»Freiheit- authentisch zu berichten vermag, daß Herr v. Kahr in letzter Zeit mit dem vormaligen Kronprinzen .Rupprecht eingehende Verhandlungen gehabt hat. In Berlin ist es auch— und das fällt uns besonders auf— die»Deutsche Wgemeine Zeitung- des Herrn Stinnes, die jeden Schritt des Herrn v. Kahr beschönigen läßt. Heute morgen begründet sie an der Hand einer Stunden- ta belle, warum Herr v. Kahr die bayerischen Gewerkschafts- führer nicht habe empfangen können. Derlei Versuche sind nur lächerlich. Daß ein Minister keine Zeit hat, um eine wichtige Besprechung zu erledigen, kann man nur denen er- zählen, die keine blasse Ahnung von der Tätigkeit eines Mi- nisters haben und die an die Absicht g l il u b e n. daß Herr v. Kahr die Gewerkschafter empfangen wollte. Es gilt bei den Reaktionären nur eines. Herr Kahr soll unter allen Umständen gehalten werden, well er das System vertritt, das man in Preußen verloren hat. Deswegen schreibt die»Tägl. Rundschau-:»Der Rücktritt Kohr» wäre eco Per- tust nicht nur für Bayern, sondern für das Reich, für die Reichseinheit.- Die Wirklichkeit liegt gerade nmzekehrt. Ge- winnt das System Kahr gegenüber dem Reich mehr als es berechtigt ist zu fordern, dann haben wir als Resultat des politischen Mordes an Erzberger keine Festigung der Republik, sondern einen Sieg der R e chts b o l s che w> st e n. dann haben wir einen ganzen Staat, der die Reichseinheit de- wüßt zerstört. Wo man auch hinsteht, die derzeitige Regierung in Bauern gibt sich alle Mühe, Haß zu säen und den Gegensatz zwischen Bayern und dem Reich zu ver- r L ß e r n. Was will man denn sonst mit der Umbildung der Technischen Nothilfe in den„Notbann", was hat es sonst zu bedeuten, daß dessen Arbeitsvorschristen zum Teil geheim ge- halten werden? Die„München-Augsburger Abendzeitung ist bis heute noch nicht verboten, obwohl der Reichsminister Grabnauer die Berordnung des Reichspräsidenten so weit- herzig ausgelegt hat, daß er sich nicht an die örtlichen Polizei- behörden, sondern an die bayerische Landesregierung wandte, mit dem Ersuchen, dem Hetzblatt den Mund zu verbieten. Herr v. Preger, der Vertreter der Kahr-Regierung in Berlin. benutzt den»Berliner Lokalanzeiger- als Sprachrohr. In München werden die zur Verfassungstreue aufrufenden Pla- kate der Gewerkschaften verboten, aber Herr Poehner gestattet den sogenannten Nationalsozialisten an allen Plakatsäulen jede beliebige Beschimpfung des Reiches. Das Maß wird zum Ueberlaufen voll dadurch, daß ein Berliner Mittagsblatt be- richtet, daß die bayerische Regierung den Belagerungs- zustand noch weiter aufrechterhalten will und daß dieser ihr Wunsch die Richtlinien für die bayerischen Dele- gierten darstelle. Ietztist'sgenug. Wir verlangen, daß die Regierung sich nicht zum Narren halten läßtl' Die Verhandlungen müssen heute erledigt werden. Morgen tritt der Reichstagsausschuß zusammen. Er möge die Reichsregierung beauftragen, von ihren verfassungsmaßi- gen Rechten Gebrauch zu machen. In einer Zeit, da der Bölkerbund über das Schicksal Oberschlesiens verhandelt, da von der Einheit des Reiches die Erfüllung der Reparativ- nen und damit die Erhaltung des Ruhrgebietes, unseres ge- samten volkswirtschaftlichen Lebens abhängt— was ist in solcher Zeit die verderbliche Treiberei einer Münchener Esique anderes wert, als daß sie gründlich beseitigt wird? Die Arbeiter in Bayern und in ganz Deutschland haben ihre Vorbereitungen beendet, Wir wollen den * inneren Frieden. Wer ihn stört, wird von uns mit allen Mitteln zur Ordnung gerufen werden. Es ist hohe Zeit. Die Reichsregierung mag das Wort sprechen, das uns zu geordneten Zuständen zurückführt. • München, 8. September.(Eigener Drahtbericht des„Vorwärts-.) Die Münchener Presse sucht unter unverminderter Hetze gegen die Reichsregierung die bayerische Regierung vor der Möglichkeit eines Auswcichcns vor dem durch die deutsche Arbeiterschaft verstärkten Druck der Reichsregterung zu bewahren. Die„Münchener Zeitung- erklärt, die Vertreter Bayerns hätten nur beschr-änkte Boll- machten. Die endgültige Entscheidung werde in München fallen. Das. Miesbacher Tagblatt erfährt von»sehr gut unterrichteter Seite-: „Das Staatsministerium hat die Koalition vollständig hinter sich, in dem Bestreben, Uebergriffe der Bertiner Regierung energisch zurück» zuweisen. Die bayerische Abordnung habeden Auftrag, sich auf kein Kompromiß einzulassen. Berlin habe es also in der Hand, einen Bruch mit Bayern zu vermeiden. Die„Augs- burger Arbeidzeitung" fleht w einem Artikel unter der lleberschnst »Bayern als Bannerträger des Föderalismus", die übrigen Bundes- staaten um Unterstützung an. mit dem Satz«:„Bayern kann in die- fem Kampfe wohl die Fahne voraustragen zum Siege, es ist aber die Gefolgschaft aller jener in Deutschland notwendig, die nicht willens sind, Deutschland an der sozialistischen Einheitsstaatstheorie zugrunde- gehen zu lassen." Unterstützt wird die bayerische Presse durch Auslassungen des alten Offizierkorps. Der Landesverband Bayern des Douffchen Offizierbundes hat beim bayerischen Ministerpräsidenten feierlichen Protest gegen den Unisormerlaß eingelegt und in der Presse ein i>s« o F» ewr �*1 /«>»ai»»«»en«f rc v. CrVI—____-__ e großes Jammergeschrei erhoben. Ein Kvjähriger Artilleriegeneral stellt sich in den Dienst der Hetze der»Augsburger Abendzeitung- ln Form eines offenen Brieses an den Reichspräsidenten, in dem er diesen fragt, ob er sich seinem Wunsche gemäß im Rocke des Königs begraben lassen dürfe oder ob sein« Nachkommen für ihre Pietät mit einer Strafe belegt würden I Die„Münchener Post- bringt neues Material zu der Veröffent- lichnng der süddeutschen Presse über eine Ka p pi st e n-Z e n tr a l e in Rosenheim unter Beteiligung Ludendorffs, Zlylcmders, Oberst Bauers und des Kapitän Ehrhardt. Die Auflösung der Einwohner. wehr sei größtenteils nur eine Entwaffnung saktion der sozialdema» kratsschen und der demokratischen Mitglieder gewesen. Die rechts- stehenden Mitglieder seien in'Krieger- und Regimentsvereinigungen zu einer neuen Organisation zusammengeschlossen. Die bayerischen Unabhängige« z«r Lage. Der Landesvorstand und die Landtagsfraktion der USP. Bayerns richten In einem Aufruf an die schaffende Bevölkerung Bayerns die fchrirfffpft fRnrmiit-FA nAnt%Y» K«a f�<-ir»ortfe+» a TO S!a S*a TOmaPü.*** v*«, uic uuijcrisaje zuutuKiju/uii üma�cn. ine Ziroeueqc�ajr lvird aufgefordert, jede Stunde bereit zu fein für den Fall, daß die durch Bayern gefährdete einheitliche deutsche Republik einen Ruf an Bayerns Arbeiter ergehen lassen müßte. Deutsche Volksparteiler für den Ausnahmezustand. Der Wahltreisvorstand Oberbanern-Schwaben der Deutschen Voltzpartei richtet« ein Telegramm an die Reichstagvabgeord» neten der Partei, in dem es heißt:»Wahlkreisvorstand Oberbayern» Schwaben erbittet schärfstes Eintreten für Aufrcchterhaltung von Ausnahmezustand, Polizeigewalt und gefährdete Justizhoheit von Bayern.- Vom.Kriegsschauplay des Herrn Kahr. Speyer, 7. September.(WTB.) Aus Anlaß der gestrigen Vor- kommnisse in Speyer hat der Provinzdclegierte der Pfalz die Befehls- gswalt über Gendarmerie und Polizei in der Kreishauptstadt über- nommen und dem Regierungspräsidenten und dem stellvertretenden Bürgermeister in Speyer gegen Mittag die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung zugesichert. Preffefreiheit. Der Verein Berliner Presse fühlt sich bemüßigt, eben- falls Stellung zu der Verordnung des Reichspräsidenten zu nehmen. Er behauptet, daß er dazu berechtigt fei, weil Ihm Journalisten und Schriftsteller der verschiedensten politischen Richtungen ange- boren. Nach unserem Wissen sind Sozialdemokraten nicht darunter. Wir freuen uns ja, wie energisch der Verein Berliner Presse stch der Interessen des Rechts und der Pressefreiheit annimmt. Wir müssen aber sagen, es wäre uns wesentlich sympathischer, wenn er sich in Zukunft ebenso ernsthast bemüht, darauf Rücksicht zu nehmen, daß in Tagen, da Deutschland in größter Not schwebt, ernlchtzumfröh» lichen Tanz auffordert. >;eitungsvcrbot. Der Reichsminister des Innern hat die Derbreiwng der in Danzig erscheinenden Halbmonatsschrift für den deutschen Osten, „Die Ostwacht", für die Zeit vom 8. bis einschließlich 21. September 1921 verboten.. die Umbildung der preußischen Negierung. Am heutigen Nachmittag beginnen die osflziellen Verhandlungen zwischen dem preußischen Mnisterpräsidenlen Stegerwald und den Vertretern der alten SoalMo» über dl« Umbildung der preußischen Regierung. Vermögenssteuer an öer Quelle. Die Erfassung der Goldwerte ist zum gemeinsamen Finanzprogramm der gesamten arbeitenden Bevölkerung geworden. Die Gegner, welche diesen Plan aus ihrem wohlverstandenen' kapitalistischen Interesse heraus bekämpfen, werfen den Verfechtern dieser Idee Agi- tationspolitik vor. Es sind das dieselben Kreise, die amtliches Aktenmaterial ohne die geringste Rücksichtnahme auf außen- politische Wirkungen der Oessentlichkeit preisgeben, weil sie hoffen, damit ihren Geldbeutel retten zu können, dieselben Kreise, die vom Hansabund bis zum Landbund gegenwärtig eine gemeinsame Fryjit bilden, um die einzige soziale Er- rungenschaft der vom Finanzminister vorgelegten Vermögens- steuergesetze wieder zu beseitigen, nämlich die Heran- ziehung der landwirtschaftlichen Vermögen nach ihrem ge- meinen Werte, nicht, wie bisher, nach chrem Ertragswerte. Diesem ausschließlich von der Rücksicht auf das eigene Besitz- und Klasseninteresse ohne Verständnis für die gesamtwirtschaft- lichen Fragen und Aufgaben diktierten Verhallen sollen im folgenden noch einmal mit aller Klarheit die Volkswirtschaft- lichen Gesichtspunkte für unsere Stellungnahme gegenüber- gestellt werden. In seiner Reichstagsrede vom 6. Juni 1921 hat der Reichs- tanzler das Gejamtaufkommen aller beabsichtigten direkten und indirekten Steuern auf rund 80 Milliarden beziffert, den Bedarf von 100 bis 110 Milliarden. Nach seiner eigenen Rechnung ergab sich also ein Defizit von mehr als 20 Milliarden/ Dabei waren sich aber die gesamte Presse von rechts bis links und alle Finanzkenner darüber einig, daß so- wohl die Einnahmen überaus optimistisch gerechnet, wie auch die Ausgaben ganz zweifellos erheblich unter ihrer tat- sächlichen Höhe angesetzt waren. Im Hinblick auf die seit dieser Zeit eingetretene neue Entwertung der Reichsmark, unter Einbeziehung der ganz erheblichen Posten aus dem außerordentlichen Etat, welche die Betriebsverwaltungen des Reiches betreffen und auf Jahre hinaus noch als Fehlbeträge in der Gesamtbilanz des Reiches auftreten werden, ist das tatsächliche Defizit des Reiches bei Durchführung sämtlicher vorgelegter Steuerprojekte mit rund 50 Milliarden nicht zu hoch beziffert. Wie soll dieses Defizit gedeckt werden? Der Kanzler verwies auf den in seinen verheerenden Wirkungen für die Volkswirtschaft sattsam bekannten Weg des Notendrucks. Der einfachste Mann weiß heute, daß jede Umdrehung der Notenpresse eine einseitige Bermehmng der Geldzeichen gegen- über den Waren und damit eine weitere Preissteigerung be- deutet. Diese Preis st eigerung muß notwendig auf die Warenausfuhr hemmend wirken und damit den internatio- nalen Wert der Mark abermals tiefer treiben. Reue Ver- teuerungen der notwendigen Einfuhren für den Lebensmittel- und Rohstoffbedarf wirken auf eine weitere Verminderung des Realeinkommens der breiten Massen hin. Was bedeutet aber dieser ganze Prozeß, wenn man ihn finanzwirtschastlich auffaßt? Einseitige Vermehrung des Papiergeldes heißt Wertverminderung aller Gcldvermögen und Geldeinkommen. Notendruck ist also ein Eingriff in die Sub- stanz des Vermögens. Die gedruckten Noten nahmen zwar keine sichtbaren Teile des Vermögens weg, aber sie setzen den Wert des Vermögens, seine Kaufkraft, herab. Nun ist es aber gerade das Wesen des Notendrucks, daß er nicht I e i ch m ä ß i g in die Substanz aller Vermögen eingreift. ie Enteignung, die in der Wertverminderung besteht, be- schränkt sich einseitig auf die reinen Geldeinkommen und Geld- vermögen. Er trifft also einseitig und ausschließlich diejenigen Klassen der Bevölkerung, die jn Gestalt von Lohn und Ge- 'alt sowie in fester, in Geld ausgedrückter Kapitalrente ihr inkommen beziehen. Das sind diejenigen Volkskreise, die bisher allein die ganze Last der finanziellen Verarmung Deutschlands zu tragen hatten. Es sind die breiten Schichten der Arbeiterschaft, die heute höchstens zwei Drittel ihres Realeinkommens der Vorkriegszeit beziehen, die Gruppe der Beamten, die fast auf ein Drittel ihres Friedenseinkommens gesunken sind, und der Kreis der Kleinrentner, denen noch nicht einmal ein Zehntel ihres früheren Einkommens ge- blieben ist.------...........-..... die Bef einen vermehrt sich das Vermögen der Sachwertbesttzer bei jeder Geldverschlechterung. Man hat die Behauptung unrichtig ge» nannt, daß die Sachwertbesitzer ihre Vermögen durch die Geldentwertung vermehrt hätten. In Goldmark gerechnet, stellt sich die Sachlage so dar, daß die Sachwertbesitzer ihren alten Goldwert, im ganzen betrachtet, bewahrt haben, während die Empfänger von Geldeinkommen und Besitzer von Geldvermögen bis auf geringe Bruchteile ihres früheren Be» sitzes enteignet worden sind. Der vom Reichskanzler vorgeschlagene und bei Ablehnung der Erfassung der Goldwerte unausweichliche Weg des er- neuten Eingriffs in die Geldeinkommen und Galdver- mögen auf dem Wege des Notendrucks muß daher«a aller Entschiedenheit bekämpft werden. Die fundamattalsten Erfordernisse steuerlicher Gerechtigkeit vvrtang«, dech eMich einmal die bisher von der Eeldentmertung nicht betroffenen Objekte steuerlich herangezogen werden. Bon moralischen Grundsätzen aber ganz adgesshen, sind die Geldeinkommen und Geldvermögen überhaupt nicht mehr in der Lage, die Lasten länger nach allein zu tragen. Die einsetzende Lohn- welle, von der wir erst leise Anzeichen bisher verspürt haben, ist der deutlichste Beweis dafür, daß der Konsum der breiten Massen eine starke Belastung eben nicht mehr verträgt. Was nützt es dann dem Finanzminister, auf der einen Seite Steuern zu erheben, die er durch neue Lohn- und Gehaltszuschläge auf der anderen Seite selbst wieder ausgleichen muß. Das Reich muß endlich dort zugreifen, wo, verglichen mit der Substanz- Verminderung aller Geldeinkünfte, noch unberührte Re- fernen volkswirtschaftlicher Werte liegen. Diese Reserven sind aber mit den gewöhnlichen steuerlichen Mitteln der Er- fassung auf Grund von Selbsteinschätzungen, wie es das Ver- mögenssteusrgesetz beabsichtigt, nicht zu erfassen. Die Steuer- erhebung durch Selbsteinschätzung, eine zweifellose Errungen- fchaft der neuzeitlichen Finanzpolitik, hat so lange Sinn, als nur geringe Bruchteile des Einkommens und Vermögens er- faßt werden sollen. Man kann bei den ungeheuren Wirtschaft- lichen Nöten der Gegenwart vom einzelnen nicht verlangen. daß er am Jahresende noch erhebliche Bruchteile seines Einkommens für die öffentliche Hand zur Verfügung hat. Das hat man bei allen Festbesoldeten sehr wohl begriffen. Ihrer Selbstein schätzung hat man es nicht überlassen, wie hoch sie ihre Einkünfte bewerten wollen. In der Form der Lohn- steuer nimmt man ihnen, noch ehe ihre Geldeinkünfte in ihren Besitz gelangt sind, ihre Steuern an der Quelle ab. Der Grundsatz der Steuererfassung an der Quelle, den man für die breiten Massen als richtig befunden hat, muß endlich auch auf die Besitzer der großen Sachwertvermögen Anwendung finden. -lic Quelle der Einkünfte dieser Vermögensbesitzer sind die Produktionsmittel. Eine Quellsteuer für die Sachwertbesitzer, entsprechend der Lohnsteuer für die Festbesoldeten, stellt sich also dar als unmittelbare Beteiligung der Allgemeinheit an den Sachwerten selbst, d. h. an der Gesamtheit der Produktions- mittel. Aber damit sind die Gründe für die Erfassung der Goldwerte nicht erschöpft. Auch eine unmittelbare Beteili- gung des Reiches an den Goldwerten wird, wenn sie in mäßiger Höhe neben den übrigen Steuern vorgenommen wird, das Defizit von öv Milliarden aus den Jahrsserträg- nisten nur zu einem Bruchteil decken können. Es unterliegt keinem Zweifel, daß bei dem gegenwärtigen Stande der Pro- duktivität der deutschen Wirtschaft die Peparationslasten aus den lausenden Erträgnissen nicht gedeckt werden können. Aus einem Volkseinkommen von noch nicht 3l) Eoldmilliarden im Jahre 1620 können nicht ohne weiteres neben den Be- lastungen, welche die innere Liquidierung des Krieges uns auferlegt, noch rund Goldmilliarden für das Ausland weggenommen werden. Leichtsinnige Finanzpolttiker glauben, durch rücksichtslose Belastung des Konsums, etwa durch eine beliebige Erhöhung der Umsatzsteuer, die Lasten doch noch aus den laufenden Erträgnissen decken zu können. Sie vergeben, daß jede weitere Einschränkung des Verbrauchs der Massen die breiten Schichten der Bevölkerung unter das physiologische Existenzminimum hinunterdrückt und damit auf •Z.0 duktivität infolge zunehmender Erschlaffung der Arbeitskraft den nachteilig st en Einfluß haben muß. Nur ems Umorganifation der Volkswirtschaft unter dem Ge- sichtspunkt strengster Rationalisierung, äußerster Verwinde» rung aller Rslbungsoerluste kann die Wirtschast im Laufe der Zeit in den Stand setzen, aus ihren Ueberschüssen die Gesamt- wst zu decken. Eine wesentliche Voraussetzung dafür wird cme erhebliche Steigerung der Ausfuhr sein müssen, so weit- gehend, daß die Betriebsmittel der Industrie wieder voll be- Ichastigt und damst die Generalunkosten der Produktion er- heblich herabgesetzt werden. Diese Umstellung der Produktion wird, auch im Hinblick auf die internationalen Zusammen- hange, einige Jahre brauchen. Gerade diese Jahre werden aber für die Reparationsleistungen die allerwichtigsten fein. �jn ihnen muß der ehrliche Wille zur Erfüllung bis a n die Grenze der Leistungsmöglichkeit dargetan wer- den, wenn anders für die Zukunft Erleichterungen erhofft werden dürfen. In diesen Nebergangsjahren bleibt also kein anderer Weg zur Deckung des Defizits als der Eingriff in die Substanz und die kapitalisierte Verwertung der Substanz. Das Reich wird den ihm übertragenen Teil der Sachwerte nicht als eine laufende Einkommensquelle verwenden können. Es wird gezwungen fein, diese Objekte in ihre Kapitalwerte zu verflüssigen, um damit möglichst schnell möglichst große Summen bereitzustellen. Es liegt auf der Hand, daß für eine solche kapitalisierte Verwertung nur Sachwerte in Frage kommen können. Auf den reinen Kredit des Reiches hin werden trotz der Darlehen, welche ausländische Finanzkonsortien uns bisher zur Verfü- gung gestellt haben, Summen in der benötigten Höhe nicht gegeben werden. Kredite von solchem Ausmaße brauchen bei der gesamtwirtschaftlichen Lage Deutschlands einen sachlich fundierten Untergrund. Diesen Untergrund stellen die Goldwerte in Industrie, Handel, Landwirtschaft und Banken dar. Gestützt auf seine Anteile an diesen Sachwerten, können das Reich oder die von ihm damit beauftragten Institute in ganz anderem Maße als bisher Anlechen aufnehmen. Da- neben besteht die Möglichkeit, die betreffenden Anteile des Reiches-auch durch unmittelbaren Verkauf im Inland oder Ausland zu verwerten, wenn nur durch eins entsprechende Ausgestaltung der Rechtsbefugnisse der Anteilseigner dafür Sorge tragen wird, daß die damit in gewissem Umfange ver- bundene finanzielle Ueberfremdung keine schädliche Wirkung auf unsere Jndustriepolitik ausübt. Wenn von gegnerischer Seite gerade die Ueberfrem- d u n g immer im Kampfe gegen die Goldwerterfassung in den Vordergrund gestellt wird, so muß in diesem Zusammenhang auf die überaus interessante neueste Veröffentlichung der Sozialisierungskommission über ihre Verhandlungen zur Repa- rationsfrage hingewiesen werden. Hier haben sich über die Frage der Ueberfremdung zahlreiche wissenschaftliche Autori- täten der Nationalökonomie geäußert und alle v ö l l i g ü b e r- e i n st i m m e n d. Dabei verdient es besondere Hervorhebung, daß auch�ein in nationalistischer Beziehung gewiß untadeliger Herr wie Professor Schumacher, der bekannte Borkämpfer für die alldeutschen Kriegsziele, die Ueberfremdung in gewissem Umfange als eine unausweichliche Folge unserer Währungs- Verschlechterung hingestellt hat. Dieselben Leute, die heute am 'lautesten den Kampf gegen die Erfassung der Goldwerte führen, wollen das Reich auf der anderen Seite noch weiter in die Politik der Gsldverfchlechterung hineintreiben und da- mit im Ergebnis die unorganisierte Ueberfrem- dung in noch viel stärkerem Maße als bisher fördern. Es kommt ihnen eben im Endergebnis gar nicht auf den Kampf gegen die Ueberfremdung an. Sie wehren sich nur dagegen, daß die vom Ausland nach Deutschland investierten Kapitalien in chrem Nutzeffekt der Allgemeinheit und nicht ihren Privatinteressen dienstbar gemacht werden. Im übrigen würde eine in vorsichtigen Formen durchgeführte Ver- flüssigung der Reichsanteile eine durchaus förderliche Wirkung auf den Wertpapiermarkt ausüben. Wenn die rund 80 Mil- liarden- flüssigen Gelder, die ihre Wirkung zurzeit in den un- geheuerlichsten Kurstreibereien an der Börse ausüben, sich zu einem erheblichen Teile der Aufnahme dieser Reichsantelle zuwenden würden, dann würden sie auf Umwegen an die» jenige Stelle gebracht werden, wo sie eine segensreiche Wir- kung ausüben können, in den FinanzsäckeldesReichs. Hünft'ge wenZung in üer irifthen Irage! London, 8. September.(EE.) Gestern morgen um 7,30 Uhr verließ Lloyd George Vraham und begab sich nach Moy Hall, wo er mit dem Könige das Frühstück einnahm. Er hatte mit ihm eine zweistündige Besprechung, in deren Verlauf der König wieder- holt den Wunsch ausdrückte, daß die Verhandlungen mit jenen geführt werden sollten, die die große Mehrheit des irischen Voltes bilden. Dann begab sich Lloyd George nach Inverneß, wo er bei seiner Ankunft begeistert begrüßt wurde. So- fort trat der Ministerrat zusammen, dem Lloyd George in großen Umrissen sein« Vorschläge bezüglich der Antwort auf die irische Note darlegte. Er erklärte dabei seinen Kollegen, daß der Brief De Daleras von ihm an diesem Morgen noch einmal auf- Kunst auföerLübecker�NoröfjchenVoch� Lübeck, das statistisch genommen eine Viertelmillionenstadt mit einer aufblühenden Industrie und einem alten, auch durch den Krieg keineswegs beeinträchtigten Handel ist, stellt sich dem Auge kunst- und kulturgeschichtlich als eine machwolle Hauptstadt an der Ostsee dar von der gleichen Bedeutung wie Kopenhagen oder Stockholm. Wenn dieser Stadtstaat mit seinem Hafen jetzt um die Vormacht im Ostseebecken kämpft, so leitet er dies mit einer Reihe festlicher und bildender Veranstaltungen ein, zu denen er in erster Linie die Nach- i barn aus den nordischen und baltischen Reichen zu Gaste lädt. Er z wirbt mit den Elementen seiner Vergangenheit, die unbehelligt von wirtschaftlichem Niedergang und politischer Entstemdung ihn durch die Jahrhunderte mit dem Norden verbanden und ihre sinnbildliche Sprache noch heute über die staatlichen Grenzen tragen. An die Umrisse der Lübecker Kirchen wird man weit eher in Stockholm er- innert als etwa in Mitteldeutschland, die gotischen Giebelfassaden ! der Bürgerhäuser findet man ebenso östlich bis ins Baltikum hinein wie nördlich bis nach Bergen hinauf, lübische Kunstwerke stehen in den Kirchen Dänemarks und Schwedens. Im Rahmen dieser.Nordischen Woche", die im Gegensatz zu den sonstigen Messen eine kleine Industrie- und Handelsschau den künst- lcrischen und kulturellen Veranstaltungen unterordnet, gibt es drei Kunstausstellungen abweichenden Wertes und Wesens. Die wechseln- den Macht- und Besitzverhältnisse der Zeit bieten auch hier, wie mehr- fach sonst im Lande, Gelegenheit, ursprünglich anderen Zwecken zuge- dachte Gebäude der Kunstschau dienstbar zu machen. Der junge Lübecker Museumsdirektor Carl Georg Heise, den der sonst recht s beharrliche Lübecker Senat mit dankenswerter Selbstüberwindung 1 aus Hamburg berufen hat, will der alten, feit der Franzosenzeit ver. ; weltljchten Katharinenkirche mit dem inbrünstigen, aber doch i recht erdenschweren Kolorismus des Schleswigers Emil R o l d e ! eine neue religiöse Beseelung geben. Vor dem Chor steht ein durch f die Rahmen mehr zusammengeschlossenes, als gegliedertes Attarwerk: Leben und Leidensgeschichte Christi, dem die gotischen Strebepfeiler des Hauses einen unerreichbaren Himmel bilden. Noldes Gläubig- keit ist gewiß die vitale expansive Farbenfreudigkeit unserer Zeit, die im ungezügelten Sinnesausbruch noch Dasein und Schöpfer preisen mag; aber das Figürliche ist nicht die Primitivität unseres Gefühls noch unserer Vorzeit, sondern die über Gauguin trans- portierte tropische Tierhaftigkeit. Einen Ueberblick über Lübecker Kunst des vergan- genen Jahrhunderts sehen wir in dem B e h n s ch e n Hause, einem Patrizierhause des Empire von überwältigender Imposantheit und Reinheit des Stils. Hier versteht man die klar- äugige Sachlichkeit eines Geschlechts, das dem schwerfälligen Mittel- alter«beaso abgewandt erscheint wie dem zermürbenden Jndustrialis- mus. Besonders typisch hierfür ist der Porträtist Träger, der etwa zwischen Grass und Krüger steht und in einer Reihe von Por- trätzeichnungen einen Einblick in die Emsigkeit, aber auch in die kühle Diesseitigkeit seiner Werkstatt tun läßt. Einen anderen Lübecker: Overbeck sehen wir hier noch in einigen seiner besten und tiefsten Bildnisse, bevor ihn die blutleere Theorie des nazarenischen Klassizismus ins völlig Schemenhaft« führte. Arbeiten von Ullrich H ü b n e r, Gotthard Kühl und Linde-Walther erinnern daran, daß auch diese Künstler in Lübeck zu Hause sind, aber jetzt elftem weiteren Kreise angehören. Schließlich ist noch in dem prachwollen Barockpalast des söge- nannten Schabbelhauses eine kleine moderne Ausstellung den nordischen Gästen gewidmet, dessen Hauptanteil von Edvard Münch -bestritten wird. Die Werke sind zum größten Teil aus der letzten Berliner Munchausstellung sowie aus dem Hamburger Museum bekannt, zum Teil, aber nicht zum wesentlichsten und besten, ent- stammen sie Lübecker Privatbesitz. Jedoch deutet der Umstand, daß Münch sich lange in Lübeck aufgehalten hat, darauf, daß dieses Milieu verwandte, jedenfalls produktive Kräfte in ihm erweckt haben muß. A. F. C. Innsbrucker Herbstbtld. Aus Innsbruck wird geschrieben: Der Herbst, der schon bedächtig durch die Wälder steigt und fahle Lichter in die Bäume hängt, der die rosenroten Glocken des Heidekrautes auf den Almen in violettes Blut taucht, hat sich auch in die schöne Bergstadt Innsbruck, die Stadt des deutschen Fremdenstroms und der Weltvaluten geschlichen. Der Fremdenstrom stockt, die Aushänge mit den wechselnden Kursen verschwinden, man wird bald in Innsbruck nur mehr in der katastrophal entwerteten deussch-österreichischen Krone zahlen können. Herbstlich stöstelnde Fremde hüllen sich in Lodenmäntel, in den Hotels rüsten die zudringlichen Nachtgetiere ab. Aber dieser Bergherbst, der um den Felsen der Frau Hitt zersetz� Nebelschleier windet, schenkt der Stadt doch manches Bild von ent» zückender Eigenart und unvergeßlicher Einprägsamkeit. In den Alpen oben hat der Abtrieb des Wsideviehs begonnen. Mit althergebrachten Feierlichkeiten geschieht dieses, und es wäre nichts für Innsbruck wesentliches an dieser Alpenseier, würde sie nicht in die Stadt hinunter ausstrahlen. Eigenartig und reizvoll ist es, wenn die Kühe, von der Alpe zu Tal getrieben, den Hauptver- kehrsweg, die Maria-Therefen-Straße, bevölkern. Um die Hörner der Tiere sind Kränze von Reisig gewunden, aus dem tiestotes Heidekraut leuchtet, aus dem die schuppigen Kolben von Tannen- zapfen baumeln. Die Leitkuh trägt an breitem, alten, wetterzer- schund«en Lederband eine tiesbummernde Glocke um den Hals und läutet herbstlichen Alpensegen in das Getute italienischer Autos und dos Bimmeln der Straßenbahnen hinein. Senner und Sennerinnen mit blumenumwundenem langen Bergstock treiben die Herde vor sich her. Welch ein Spektakel. Dies herbstliche Bild mitten In die bunt- bewegte, selbst in den Herbst hineingleitende Stadt gestellt, ist eine der vielen Sehenswürdigkeiten der Fremdenstadt Innsbruck. M. Pr. merffam durchgelesen worden st! und nur zwei wichvge Punkt« ent- halle, daß der Inhall ober keineswegs enimutigeud sei, so daß«S unbedingt notwendig wäre, die Derhandlungeu mit de» Siaustitiern fortzusetzen. Wenn die Führer der Sinnfeiner als Grundlage für diese Verhandlungen das Angebot der englis ch�e n Regie» rung, das darauf hinauslaufe, Irland das vtatut der Dominions zu geben, annehmen würden, müßt« man eine neue Begegnung in Erwägung ziehen. Man müsse jedoch den Sinn- feinern eine Frist setzen, um eine Entscheidung in dem einen oder dem anderen Sinne bezüglich des englischen Angebotes treffen zu können. Um 1 Uhr wurde die Versammlung unterbrochen und um 2 Uhr wieder fortgesetzt. Um 3 Uhr wurde der irische Kurier. Major B a r t o n, herbeigerufen, der 50 Minuten später Inverneß mll der neuen Note der englischen Regierung verließ. Dem.Daily Telegraph" zufolge soll Lloyd Georg« in seiner Note die Vertreter der Sinnfeiner zu einer Konferenz am 2 0. September nach Schottland eingeladen haben. Nach offi- zieller Sitzung wurde von englischer Seite eine Kommission eingesetzt, die außerordentliche Bollmachten erhtell für den Fall, daß die Sinnfeiner sich abermals ablehnend oerhalten ! sollten. Diese Kommission besteht aus Lloyd George, Cham. berlain, Lord Curzon, Northington.Evan», Churchill, Ehortt, Munro und dem Lordtanzler Lir- kenhead, dem Staatssekretär für Irland, Greenwood, und dem Schatzkanzler Robert Horn«. Der Stanö üer oberschlesisthen ßrage. Paris. 8. September.(EE.) Dem Genfer Berichterstatter des „Petit Parisisn" zufolge versammellen sich gestern nachmittag die vier Mitglieder der Kommission, die die oberschlesisch« Frage zu studieren hat. Jedes Mitglied dieser Kommission ist damit beschäftigt. einen Einzelbericht auszuarbeiten, der dann mit den anderen Einzelberichten zu einem einzigen Bericht verarbeitet werden soll. Dieser Gesamtbericht wird dann dem Völkerbunde unterbreitet wer- den. Er wird jedoch keine Lösung der vberschleflschen Frage vor- schlagen, sondern nur ein neues Studium des gesamten Pro- blem- bedeuten. Zwischen Balfour und Bourgeois finden zahlreiche Besprechungen in der oberfchlestschen Sache statt. Man erklärt in offiziellen Kreisen, daß der itallenische Vertreter S c l a l o j a energisch den von B o n o m t in Paris vertretenen Standpunkt ver- tsidigen werde und mehr der englischen Anschauung geneigt sei. Der Vertreter des„Petit Parisien" hatte eine Unter- redung mll dem brasilianischen Vertreter Da Cunha, der ihm erklärte, daß die vier Berichterstatter immer noch die ANensamm- lung über Oberschlesien studieren. Eine Entscheidung sei noch uichk gelrofsen, und die Sachoersiändigeu seien noch nicht berufen worden. Denn die vier Berichterstatter wollen sich von nie- wand beeinflussen lassen und wünschen nur, daß Recht �und Gerechtigkeit in dieser Angelegenhell triumphieren möchten._ �ngora nicht erobert. Sowohl türkischer- wie auch griechischerseit» wirb die Nachricht der Eroberung Lngora« durch die Türken, die be- reits vorgestern gemeldet und gestern.bestätigt" wurde, de» mentiert.» Amerikas Sonöerfrieöen unö öie Alliierten. Washington. 7. September.(Reuter.) Die amerikanische Regierung hat wahuahmeu ergriffe«, um die alliier len Mächte über die verhaudlungen zu informieren, die zwischen Deutsch- land und Amerika zur Aussetzung des Arledensvertrages geführt haben, doch geschieht die» nlchk aus amtlichem Wege. und man unierstreicht den uichkamlllcheu Charakter dieser Miiei- lung ea. Ihre Uebermittlung läßt erkennen, daß es sich um ektten reinen höflichkeilsakt handelt. Mau läßt sogar durchblicken, daß bereits vor der Veröffentlichung des Wortlaute» des Ariedensvertrages zwischen Deutschland und Amerika die Amerikaner Grund hallen, zu glauben, daß dieser Wortlaut auf telnerlcl Widerstand auf selten der Alliierten stoßen würde,_ pallenberg im tiomödienhau». Die neu« P allenbergschau der kommenden Saison betitelt sich„Ionnys Busenfreund" und ist von den Herren Julius Horst und Alexander Engel nach einer amerikanischen Burleske zurecht geschustert. Sehr viel flüchtiger und mit sehr viel gröberen Effekten als die vorjährige.Sache mit Lona" hatte hier die Erfindung nach Mustern des Pariser Schwank- gearbeitet, der bei allem tollen Durcheinander doch auch feinere Pointen und Ironien nicht ausschließt, so schwebte über dem Busen- freund der Geist von.Charleys Tante". Der Schwank schlug in oft zirkusmäßige Clownspähe um. Auch die bescheidenste Rücksicht- nähme auf Menschenmöglichkeiten war über Bord geworfen. Ein kleiner Teil der Zuschauer schien Anstoß daran zu nehmen und de- monstrierte mit Zischen, doch ohne durchzudringen. Und wenn dos Lachenkönnen, das Lachenmüssen bis zum Schreien gesteigert, als Maßstab für die Leistung gelten soll, war Pallenberg» Erfolg ein voller. Er, den man in der„Famille Schiemeck" und anderen Stücken zuerst als virtuosen Spezialisten drollig aufgeregter, strellsüchtiger Temperamente kennen lernte, der dann in.Lola" als unternehmungslustiger Draufgänger von höheren Semestern das Parterre amüsiert hatte, figurierte hier in der Rolle eines sittsam schüchternen Iunggesellentrottels, den seine enthusiastische Liebe für den focht- sinnigen Freund auch um das letzte bißchen Verstand bringt. Gleich sein Erscheinen, das friedfertige Antlitz, der lang« hilflos vorge- streckte Hals, der altjüngferlich zierlich vorgespreizte klein« Finger entfesselle, noch ehe er den Mund geöffnet, Ausbrüche der Heiter- keit. Und diese Miene still ergebenen Ernstes, mll der er alles duldet, sich einer nächllichen Bekannten des Herzenssteundes als Gatten vorstellen läßt, für ihn den Kranken spiell, die Klarinette bläst und auf Geheiß als korpulente Dame auftritt, bewahrte ihm unwiderstehliche Komik bis zum Schlüsse, entschädigte durch immer neue Variationen für die Gewaltsamkell der szenischen Harlekinaden. Aus dem flotten Ensemble ist insbesondere noch 5)err W a ß m a n n, Freund und ehelicher Uebeltäter, zu nennen. dt »Da, hat st« schon!" Ein großer Lerlag— so berichtet das „Tagebuch"— veranstaltete in einer großen Berliner Buchhandlung ein« Ausstellung seiner Bücher. In den hinteren Räumen ist gleich- zeitig eine Modenschau. Eine elegante junge Dame, die die Moden- schau besucht hat, rauscht auf dem Rückweg durch die Ausstellung. Plötzlich sagt sie:„Herrgott! ich brauche ja noch ein Weihnachts. geschenk für mein« Freundini"—„Vielleicht irgendein schönes Buch?" fragt jemand..Nein, danke, das hat sie schon!" Eine Expedition nach der Heimat de» Aale». Das Geheimnis, das so lange um die Wanderungen des Aals gebreitet war, ist zwar in neuester Zeit aufgeklärt worden. Aber seine eigentlichen Laich- Plätze sind noch immer nicht entdeckt. Die dänische Regierung hat daher eine wissenschaftlich« Forschungsreise nach dem Atlanttschen Ozean ausgerüstet, die die Laichplätze des Aals feststellen soll. Di« Expedition soll 10 Monate dauern. Sjie wird Neufundland besuchen, die Gewässer des Aequawrs, Weftmdien, Kap Verde und besonder« Aufmerksamkeit dem Sargassomeere zuwenden. Der Äntersuchungsauskhuß. 5m Untersuchungsausschuß des Preußischen Landtages wurde am Donnerstag unter dem Vorsitz des Slbg. K u t t n e r(Soz.) die Vernehmung der Generalzeugen fortgesetzt. Er- schienen sind zunächst Regierungspräsident v. Gers- d orff und Regierungsrat Silhorn von der Regierung in Merseburg. Regierungspräsident v. Gersdorff erNärt zur A u s l ä nd e r- krage, die polizeiliche Kontrolle habe in den letzten Jahren stark gelitten, weil viele neue Amtsvorsteher noch nicht ge- nugend eingearbeitet waren. Namentlich den Ausländern in Leipzig und den Vororten ivar es leicht gemacht, unterzutauchen und wieder zu erscheinen, wie sie wollten. Beim Mansfelder Streik tauchten auch sofort Russen auf. Polizeilicher Nachweis sei aller- dings nicht möglich. Auf Fragen der Abog. Kilian(KPD.) und Dr. Liebknecht (U.Soz.) gibt der Zeug« an, daß die Ausländer zum Teil ch a n d e l s- leute, zum Teil aber russische Emissäre waren, die auch Ver- sammlungen abhielten. An der Zugehörigkeit dieser Rusien zur Kommunistischen Partei könne kein Zweifel bestehen, da sie von Holz. Josef Schneider und anderen bekannten Kommunisten ein- geführt waren. Der Zeuge ist der festen Ueberzeugung, daß schon vor dem Kapv-Putsch eine organisierte Rote Armee bestanden habe. Schon 43 Stunden nach dem Ausbruch des Kapp-Putsches seien militärisch straff organisierte Kompagnien durch Merseburg marschiert. Die Entwaffnung sei leider nicht in dem nötigen Maße durchgeführt wor- den. Viel Waffen hatte die Einwohnerwehr, die bei den Un- ruhen fast restlos in die Hände der Aufständischen fielen. Schließlich waren die Waffen auf der rechten Seite fast ganz erfaßt, auf der linken fast gar nicht. Die Polizei war zu schwach, um in die ge- führdeten Gebiete hineinzugehen. Es wurden nur kleine Trupps geschickt, die aber nicht annähernd soviel Waffen fanden, als nach Ueberzeugung der Polizei vorhanden waren. Er selbst dabe als Organ des Entwaffnungskommisiars sogar Straffreiheit ver- sprechen, wenn die Waffen nur abgeliefert würden. Trotzdem seien noch zahlreiche Waffen in den Händen radikaler Elemente geblieben. Ueber das Vorhandensein einer Roten Armee im Aufruhrgebiet be- fragt, erklärt der Zeuge: Sveziell in Leuna waren 16 K ö m p a g» nien vollständig militärisch aufgestellt mit In- santerie-Artillerie-Abteilung, mit Funker- und Panzerzügen. Die Aushebungen wurden in den Dörfern mit Billigung der Ge- meindevorsteher vorgenommen, die Einwohnerschaft wurde zusarnmengeblasen und aufgefordert, den Aufftändischen beizutreten. Radfahrerkolonnen waren ständig unterwegs, so daß sich das Bild einer unter der Oberfläche fest organisierten Masse ergab. Darüber, daß diese Truppenbildung langer Hand vorbereitet ge- wesen oder beim Aufftand ad hoc entstanden seien, hätten be- stimmte Nachrichten nicht' vorgelegen, sonst hätte er zu- gegriffen. Abg. Heidenreich(D. Dp.) fragt, ob dem Zeugen in amt- licher Eigenschaft von nachgeordneten Organen oder sonstwie Mel- düngen zugegangen feien über das Bestehen einer Roten Armee, unter Nennung der Vertrauensleute und Angabe der Zahl der vor- handenen Gewehre. Dem Zeugen sind diese Nachrichten nur von privater Seite zugegangen, die Organisatton selbst sei nicht ange- geben gewesen, so daß ein Zugreisen unmöglich gewesen sei. Diese Nachrichten waren teils Tatarennachrichten, zum Teil zuverlässig. Sobald nach den Gewehren. Maschinengewehren und sonstigen Waffen auf Grund solcher Meldungen nachgeforscht wurde, waren die Waffen schon längst wieder beiseitegeschafft. Abg. Heidenreich fragt weiter, ob diese Meldungen besonders auch hinsichttich der Führer sich nicht später doch bewahrheiten hätten, so sei doch einer dieser Führer, Otto H e n n i g, im Aufstande gefallen. Zeuge v. Gersdorff bestätigt, daß vorher Bezeichnete tat- sächlich später aktiv aufgetteten seien. Auf eine weitere Frage des Abg. Hekdenreich erklärte der Zeug«, es fei anzunehmen, daß die Waffenlager, die in rechtsorientierten Kreisen gefunden worden seien, aus den Beständen herrühren, die von der Regierung den Gütern und den Einwohnerwehren zum Selbstschutz zur Verfügung gestellt gewesen seien, weil andere Waffen nicht da waren. Die Waffen der Einwohnerwehr seien fast restlos nach dem Kapp-Putsch in die Hände der Kom- m u n i st e n gefallen. Später seien große Waffenfunde auf rechts- gerichteter Seite nicht gemacht worden. Abg. Kilian fragt, ob dem Zeugen bekannt sei, daß auf dem Bahnhof Bergra-Kclbra ein Waggon Handfeuerwaffen, die für die Für st l. Stolbergsche Verwaltung gewesen seien. angehalten worden sei. Der Zeuge verneint dies. Eine Waffen- Verschiebungsangelegenheit, an der der kommunistische Stadt- rat Osterburg in Halle beteiligt gewesen sei und nach der der Abg. Heidenreich fragt, ist nach Aussage des Zeugen noch nicht abge- schlössen. Tatsächlich sind städtische Kraftlastwagen in Hall« zu Waffentrans portep mißbraucht worden. Bei der freiwilligen Waffenabgabe seien überhaupt keine großen Mengen Waffen erfaßt worden, in dem großen Merseburger Bezirk im ganzen etwa 1606 Waffen, diese seien zum größten Teil von rechts gekommen. Bei den Streifen durch die Dörfer in Gruppen von sechs bis acht Mann feien im wesentlichen bei Linksorientierten Waffen beschlagnahmt. Abg. v. Dryander: Es ist namentlich in den kommunisti- fchen Berfammlungen stark mtt der Gefahr eines Rechtsput- s ch e s operiert worden. Hat nach Ihrer Auffassung im Regierungs- bezirk Merseburg eine solche Gefahr bestanden? Zeuge: Im Merseburger Bezirk hat dies« Gefahr überhaupt nicht bestanden, denn die linksradikalen Elemente sind dort sehr stark vertreten und auch die ländlichen Distrikte sind fast überall bei uns von so sinksstehenden Elementen durchsetzt, daß man einen Rechtspuffch für unmöglich hält, die Orgesch- und sonstige Oraanisattonen sind restlos aufgelöst und wir haben keinen Zweifel darüber gelassen, daß wir gegen illegale Organifottonen von rechts wie von sinks scharf vorgehen. Bon den USVD. und SPD. hat auch nicht ein positiver Fall gemeldet werden können. (Fortsetzung in der Morgenausgabe.) Da» Recht der deutschen Revolution. Unter diesem Titel ist eine Schrift de« au» den Revolutionstagen rühmlichst bekannten Genossen Dr. Walter Lamp'l, jetzt Senator in Altona, er- schienen, die neben ihrem wissenschaftlichen Werte auch große volitische Bedeutung besitzt. Der Verfasser gibt eine reichhaltige Zusammenstellung und feine Würdigung weitverstreuter Aeußerungen der Wissenschaft über die Frage, wie auS Rechtsbruch neues Recht hervorgeben könne, wie Macht zu Recht werde, wie die vollendete Tatsache Rechtsverbindlichkeit erlange. Der politische Kampf nötigt uns immer wieder Gegnern entgegenzutreten, die entweder die Revolution vom 0. November als einen Rechtsbruch, unfähig Recht zu schaffen, brandmarken oder umgekehrt für den Kapp-Putsch dasselbe Recht beanspruchen wie für die November-Revowtion. Auf den ersten Einwand ist zu erwidern, daß Macht-- nicht etwa vor Recht geht, aber selber Recht wird, wenn sie von Erfolg begleitet ist auf den zweiten, daß Rovember-Revolution und Kapv-Putsch sich unterscheiden wie Macht und Gewalt, daß Gewalt nicht« ist al« Drohung auf der einen und Furcht auf der anderen Seite. Da Macht aber nichts andere« als die Anerkennung durch die Macht- unterworfenen, die sich teils freudig, teils in dem Bewußtsein einer historischen Notwendigkeit.auf den Boden der Tatsachen stellen. Lampl bezeichnet die Revolution von 1S18 sehr hübsch al« Art de» allerdings unorganisierten Volksentscheides". Und so läßt sich seinem wohlbestellien wissenschaftlichen Arsenal noch manche geschliffene Waffe für den politischen Kampf entnehmen. Die Reparasionskommissiau hat ein« amtliche Mitteilung der- öffentlicht, daß die am 31. August fällige«ine Milliarde S o l d m a r k von Deutschland voll bezahlt wurde. GrofrBLrM Die Versammlungsfreiheit. Der Polizeipräsidenk an die politischen Parteien. Der Polizeipräsident von Berlin hat den politischen Parteien eine Einladung zu einer Aussprache zugehen lassen, die folgenden Wortlaut hat: „Die gegenwärtigen politischen Vcrhälknisse. die Zweifelles auf die Wahlbeweguug zur Berliner Stadloerord- nelenversamtnlung einwirken werden, haben in Berlin Zustande gezeitigt, die die vccsassungsmähig garantierte Verfamm- lungsfreiheit bedrohen. Ich habe bisher davon abgesehen, ans Grund der Verordnung der Re-chsregierung. besonders einschnei- dende Alaßnahmen zu treffen, die iu ihrer Auswirkung schließlich alle Parteien in ihrer Betätigung behindern würden, verschiedene vorkommuisse der letzten Zeit zwingen mich seht, die angedeuteten Maßnehmen erneut in Erwägung zu ziehen. Bor der endgültigen Anordnung lade ich die Vertreter aller Parteien zn einer Aussprache ein. Bei der politischen Reise der Berliner Bevölkerung und ihrer gut durchgebildeten Organisationen nehme ich an. daß die Aussprache eine Verständigung bringt, die ein behördliches Eingreifeu möglichst vermeiden." Wir können diesem sehr vernünftigen Gedanken des Berliner Polizeipräsidenten durchaus zustimmen. Es werden sich bei der an- gekündigten Aussprache Zwischen den Parteien dann hoffentlich leicht Mittel und Wege finden lasten, die verfassungsmäßig garantierte P-rfammlungsfteiheit in vollem Umfange zu wahren. Gegen öle Reaktion in öer Schule. Die von uns für Mittwoch angekündigte Elternoersamm- lung in Moabit beschäftigte sich mit Dingen, die in der 231. Gemeindeschule vorgekommen sind und Beachtung ver- dienen als kennzeichnende Probe der reaktionären Stimmung vieler Lehrerkollegien. Am 31. August, dem Tag« der großen Lustgartendemon» st r a t i o n zum Schutze der Republik, wünschte der zum Kollegium der 231. Schule gehörende sozialistische Lehrer Schoene, vom Nachmittagsunterricht teilweise dispensiert zu werden, um an der Kundgebung teilnehmen zu können. Rettor Timm lehnte ab, weil„die Schularbeit viel wichtiger als die Demonstration" sei, Schoene aber erklärte, er werde gemäß seiner Ueberzeugung dennoch gehen, und er tat das auch. Den Unterricht gab an seiner Stelle eine ständige Vertreterin, so daß kein Ausfall nöttg wurde, aber das Lehrerkollegium antwortete dem Demonstranten mit einer fast ein- wütigen Mißfallenskundaebung, weil er„Parteiarbeit über Schul- arbeit gestellt" habe. Als Schoene von dem Schuldezernenten Nydahl auf seine Bitte um Schutz und Genugtuung die Antwort erhielt, ihm fehle das Disziplinarrecht, wandte er sich an das Pro- vinzialschulkollegium, dessen Entscheidung jetzt noch aussteht. In der Versammlung berichtete Schoene nicht nur über diesen Konflikt, sondern teilte auch noch einige andere Vorkommnisse mit, die den an der 231. Schule herrschenden reaftionären Geist beleuchten. Beim Tode der früheren Kaiserin habe Rektor Timm in der Lehrerkonferenz offizielle Worte der Trauer gesprochen und habe gebeten, zur Ehrung sich von den Plätzen zu erheben. Schoene sei sitzen geblieben, worauf dann Timm in der nächsten Konferenz ihn« Mißfallenserregung vorgeworfen habe. Schoene schilderte in seinem Referat auch die Widerstände, die dem sozialdemokratischen Ober- stadtschulrat Paulsen von reaktionären Lehrern bereitet werden. Diese lehnen eine Stellungnahme zu Paulsens bekanntem Programm ab, und auch in der 231. Schule tat man das mit der Erklärung, jenes Programm sei eine Privatangelegenheit. Schoene richtet« an die Versammlung die sehr beherzigenswerte Mahnung, die Ar- beiterbevölkerung möLe sich hinter die fozia- listische Lehrerschaft stellen, damit diese ihren schweren Kampf gegen die Reaktion erfolgreich durchfechten könne. Der frühere Lehrer M e n z empfahl in seinem Referat, nötigenfalls auch dos Mittel des S ch u l st r e i k s anzuwenden. Als dritter Referent sprach Krampe, Vorsitzender der Moabiter Arbeitsgemeinschaft fozia- listtscher Elternbeiräte, der betonte, daß in der Unterstützung Paulsens die Arbeiterschaft völlig versagt habe. Rektor Timm und einige der zu ihm stehenden Lehrer nahmen in der Diskussion das Wort zu ihrer Verteidigung, wobei Timm unter anderem die sonderbare Erklärung abgab, beim Tode der früheren Kaiserin habe er nicht in der Konferenz, sondern vor ihrem Beginn gesprochen imd nicht offiziell, sondern— offiziös. Ein paar Eiternbeiratsmitglieder beklagten, daß in dem Kampf gegen die Reaktion die Elternschaft nicht ihre Pflicht tut. Eine Resolutton wendet sich an die Schulverwaltung, besonders an das Provinzialfchulkollegium. Sie fordert auch für Paulsen das Difzi- plinarrecht sowie Sitz und Stimm« im Provinzialschulkollegium. • In der von der Arbeitsgemeinschaft der SPD.- Elternbeiräte Charlottenburgs einberufenen Eltern- Versammlung, die kürzlich in der Aula der Siemens-Oberrealfchule tagte, referierte Genosse Dr. Rich. L o h m a n n über den vorliegen- den Reichsschulgesetzentwurf und die künftige kommunale Schul- Politik in Groß-Berlin. Die Stellungnahme der Berfamittlungsteil- nehmer zu den mit lebhaftem Beifall aufgenommenen kritischen Aus- führungen des Referenten fand ihren beredten Ausdruck in der vom Genossen Dr. K a w e r a u gestellten, einstimmig angenommenen Entschließung, der wir folgendes entnehmen:'.Die heute versammelten Eltern, Elternbeiräte und Schulinteressenten verlangen, daß die drohende Konfesssonierung im vorliegenden Reichsschulgesetzent- wurf mit allen Mitteln bekämpft wird unter Berufung auf die Ar- tikel der Reichsverfassung, die die Einheitsschule ohne Rücksicht auf Konfession, Stand und Vermögen fordern, und die eine Schwächung und Zersplitterung leistungsfähiger Schulorganisation ablehnen. Wir fordern ferner, daß ein Gesetzentwurf vorgelegt wird, der das ge- iamte Groß-Berliner Schulwesen auch innerlich einheitlich kommunalisiert, um dem Hin und Her zwischen den streiten- den Instanzen der Potsdamer Regierung, de« Provinziaifchul- kollegiums und des Magistrats ein Ende zu machen. Erhöhung der UnierstützuugShSchstsätze. Der Magistrat ist dem Besä-Iuß der Stadtverordnetenversammlung b.etr. die Erhöhung der UnterstützungShöchstsätze beigetreten. Al« Unterstützungsböchstsötze, die von den Lrmenkommisfionen be- willigt werden dürfen, gelten nunmehr: I. Laufende Unterstützungen: einzelne Personen..... bis zu 140 M. kinderlose Ehepaar«......, 200, Famili-n mit unerwachs. Kindern bei 1 Kind......„, 240, bei 2 Kindern.....„, 280, für jede« weitere Kind..„, 40, Mehr II. Pfleg egeld für 1 Kind..., 80. HI. Zusatzunterstützungen an laufend unterstützte Pei- sonen innerhalb drei Monaten einmal bis zu ö0M. über die Säge zu I hinaus. IV. Einmalige Unterstützungen an andere Personen bis zu 180 M. Für Alt-Berlin waren bisher folgende AuSführungSbestimmung-n; maßgebend: Zu I bis Hl: Unfall-, Invaliden-, Altersrente, Rente au« d-r Angestelltenverstcherung oder sonstige au« Reichs-, Staat«- oder Gemeindemitteln gewährte dauernde Bezüge find zur Hälfte an- zurechnen(wegen Pensionen f. jedoch§ 80,4 der Alt- Berliner An- Weisung betr. die Verwaltung der offenen Armenpflege). Zu 1 bis IV: Neben Erwerbslosenunterstützung dürfen laufende Unterstützungen überhaupt nicht. Sonderunter- ftützungen nur in ganz besonder« gearteten Fällen mit Genehmigung der Kreisversammlung gewährt werden. Zu I, III und IV: Der Ehrensold wird in keinem Falle mit- berechnet.(§ 50,4 der Anweisung.) Zu Hl und IV: Die von der Kommission bewilligten Natu- ralien sind in den Betrag einzurechnen, nicht aber die vom Arzt verordneten diätetischen Heilmittel, Milch und Fleisch. Zu I bis IV: Die Genehmigung zur Ueberschreitung oder zur Wiederholung innerhalb vier Monaten sieht der Kreis- Versammlung, in dringenden Fällen dem Kreisvorstehcr zu. Voraus- sichtlich werden in der nächsten Sitzung des UnlerstützungsausschusseS der Wohlfahrtsdeputation diese AiissührungSbestiminungen zum Teil abgeändert und ihr Geltungsbereich auf Groß-Berlin aus- gedehnt werden. Die eingangs erwähnten Unterstützungshöchstsätze gelten je: och schon jetzt für den Gesamlbezirk Groß-Borlin. Die Krcisvorsieher und Armenkommissionen der Bezirke 3, 4 und 8 sind benachrichtigt. Sorgt für Licht auf den Treppenaufgängen! Dom Bezirksamt 17 wirb uns gcjchrieben�Die Bezirksvorsteher und Wohlfahrtspfleger haben im vergangenei�Winter mehrfach darüber geklagt, daß die Treppenaufgänge der Prioathäuier entweder gar nicht oder sehr unzureichend beleuchtet waren. Die Ehrenbeamten sind infolge ihrer Berufstätigkeit gezwungen, ihre Feststellungen währendder Abendstunden vorzunehmen. Die Arbeit wird jedoch außerordentlich erschwert, zum Teil geradezu unmöglich ge- macht, wenn die Treppenflure gar nicht oder nicht ausreichend be- leuchtet sind. Die Eigentümer werden daher gebeten, für eine aus- reichende Beleuchtung ihrer Häuser zu sorgen. Es mag noch daran erinnert werden, daß die Besitzer der Häuser gesetzlich ver- pflichtet sind, die Treppen und Flure vom Einttitt der Dunkel- heit an bis zur Schließung der Häuser ausreichend zu beleuchten, andernfalls die Polizeibehörde einschreiten kann. Außerdem trifft bei vorkommenden Unglücksfällen, die durch die Richtbeleuchtung oder nicht ausreichende Beleuchtung entstanden sind, den Hauseigentümer die Haftung. Die Innehalwng der Vorschrift liegt also im eigensten Interesse der Hausbesitzer._ Noch ein Fahrpreisgeheimnis. Wir kritisierten vor einiger Zeit die Erhebung verschiedener Fahr- preise auf ein- und derselben Eisenbohnstrecke. Aus unserem Leser- kreise werden wir nun erneut aus einen ganz ähnlichen Mißstand bei der R o r d b a h n aufmerksam gemacht. Der Einsender schreibt: „Am Sonntag, den 28. August, fuhr ich mit meiner Frau und sechs anderen Bekannten von Schmargendorf nach Woidmanns- l u st. Die Fahrt kostete pro Person ILO M. Zurück ko st«te dieselbe Strecke 1,40 M. Als ich den Fahrkartenverkäufer in Waidmannslust darauf aufmerksam machte, bekam ich die Antwort: „Diese Karten führen wir hier nicht." Darauf förderte ich eine Fahr- karte bis Gesundbrunnen für 70 Pf. und eine Zuschlagkarte für 50 Pf, Auch das wurde mir verweigert mit dem Bemerken, daß der Preis, wenn ich bis Schmargendorf will, 1,40 M. beträgt. Mir blieb also nichts weiter übrig, als diesen Preis zu zahlen."— Wird die Eisenbahndirektton auch das mit dem Mangel an geeigneten Fahrkorten zu rechtfertigen suchen?__ Die Wärme im Havshalt«nd Kleingewerbe. Die am 20. August unter diesem Namen im Schloß zu Chor- lottenburg eröffnete Ausstellung, die von der preußischen Landes- kohlcnstelle, dem Reichskohlenrat und der Stadtgemcinde Berlin ge- meinsam veranstaltet ist, hat bis Ende des Monats 10 000 Besucher gehabt. Sie gibt Gelegenheit, sich über den sparsamen Be. triebvonHeiz-undKochanlagen.die verschiedenen Arten von Zentralheizungen, Oefen und Herden, ihre häusigsten Mängel und.deren Behebung zu unterrichten. Führer sind ständig zur Erklärung anwesend. In der Hausfrauenabteilung werden Herde für Kohle, Grude und Gas in verschiedenster Ausführung praktisch vorgeführt und ihre beste Ausnutzung gezeigt. Die Ausstellung ist täglich, auch Sonntags, von 10— 7 Uhr geöffnet. Der Eintrittspreis beträgt 2 M., Sonntags bei Konzert 3 M., für Schulkinder die Hälfte. Die Oberklassen der Schulen werden unter Leitung der Lehr- kräfte nach rechtzeitiger Anmeldung kostenftei durch die Ausstellung geführt. Die Zentralstelle für Srankeuernährung ist gänzlich aufgelöst. Die letzten Abrechnungsarbeiten werden ab 10. September 1921 von der Deputation für das Gesundheitswesen unter der Firma„Depu- tation für das Gesundheitswesen, Abrechnungsstelle der Zentralstelle für Krankenernährung" übernommen. Kein Slraßenobsthandel an Sonntagen. Die Handels» kämm er zu Berlin hatte an den Polizeipräsidenten unter Bezug auf 8 55a, Absatz 2, der Gewerbeordnung, der die unteren Derwal- tungsbehörden zu Ausnahmen von dem allgemeinen Verbot des Straßenhandels an Sonn- und Feiertagen ermächtigt, den Antrag gerichtet, den Stroßenhandel mit f r i s ch e m O b st mindestens für die Monate Mai bis September an Sonn- und Feiertagen freizu- geben. Der Polizeipräsident hat darauf erwidert, daß bereits zahl- reiche Ausnahmegenehmigungen gemäß 8 55a der Gewerbeordnung erteilt worden feien. Ein Anttag des Reichsoerbandes Deutscher Obst- und Gemüsehändler, den namentlich für die Außenbezirke in Frage kommenden Sonntagshandel, der zur Dertsuerung der Ware Anlaß gäbe,' fei von ihm kürzlich abgelehnt worden. Anderer- feits vermöge er der allgemeinen Freigabe des Obststraßenhandels an Sonntagen nichtzuzu stimmen: eine solche wäre auch mit den gesetzsichen Bestimmungen nicht vereinbar. Die Tauchcrarbeilen im Engelbecken, die, wie wir berichteten, gestern vorgenommen wurden, um den Wassergrund nach Leichen- teilen abzusuchen, waren erfo'lglos. Dem ungewöhnlichen Schauspiel wohnte eine große Menschenmenge bei, die erregt die ent- setzlichcn Verbrechen des Lustmörders Großmann besprach. Groß- mann hatte bekanntlich zugegeben, daß er Pakete in den Luisenstädti- scheu Kanal geworfen habe, die allerdings nur Papier und sonstige Sachen enchalten hatten. Es unterliegt jedoch keinem Zweifel mehr, daß sie die Leichenteile bargen, die nacheinander geborgen wurden. Die Sedauschießerei in Stralau gibt dem für Stralau, Treptow und Vaumschulenweg erscheinenden„Südost-Anzeiger", der im Dienste der Rechtsparteien steht, erwünschten Anlaß, von einem„Ueberinll" der„Ortsgruppe" Stralauer Tor und Andreasplatz zu sprechen. Was für ein« Ortsgruppe das war, wird wohlweislich verschwiegen. Dem Ueberfall seien Frauen und Kinder zum Opfer gefallen. Am Abend vorher sei in Treptow, wo im„Paradiesgarten" ein Neuköllner Vcx- ein eine Schanfkier veranstalten wollte, ein ähnlicher Ueberfall ge- plant gewesen. Eine mit Samaritern und Verbandzeug ausgerüstete Störungskolonne sei vor den„Paradiesgarten" gezogen, habe jedoch nicht gewußt, daß die Sedanseier hier abgesagt war.— Dazu ist zu bemerken: Richt ein Ueberfall durch Arbeiter fand statt, sondern es ist gegen die Brüskierung eines Regierungsver- bvtes protestiert worden, worauf sofort Schüsse aus den Reihen der stark bewaffneten Rechtsbolschewisten das Signal zum Angriff gaben. Wenn Frauen und Kinder der Feiernden verletzt sein sollten, wovon bisher nichts bekannt geworden ist, so fällt die Ver- antwortung hierfür auf die Feiernden selbst, da sie mit Zwischenfällen rechnen mußten und trotzdem Frauen und Kinder in eine schwer bewaffnete Versammlung mitgebracht haben. Endlich wäre die Dar- sicht, Samariter nach Treptow mitzunehmen, durchaus berechtigt ge- mefen, da die Rechtsbolichewisten bej Versammlungsprotesten gegen ihre Haltung schon häufiger ohne weiteres Gebrauch von Schuß» woffen gemacht haben._• Hroß-öerlmer partefnachrichtea. #. Niels, tzallffches Tor. Sfaiilcrtc g-c'svsrgendeiitzunz Freitag alend 7 Uhr M Rew>, Utbanftr. 29. 25. Abt. Freltaa,, den s September übende 7'/z Uhr, Fnnltior.ärtonfrrenz bei Richter, Neue König str. Z4. OeroeMhastsbewegung Die Steuerfrage vor den Betriebsräten. .Steuer g. Korreferent Emil Barth. Beide Referenten hatten Leitsätze für'hr Referat ausgestellt. Kurt H e i n i g führte aus: Steuerfragen sind Machtfragen. Man kann Steuerfragen von oer grundsätzlich wünschenswerten und von der praktisch möglichen Seite aus behandeln. Bestimmte prak- tische Ziel« sind nur zu erreichen bei Schaffung der dazu notwendi- aen Boraussetzungen. Da- gemeinsame Handeln der beiden soziali» stifchen Parteien ist die erste Voraussetzung zum Erreichen praktisch möglicher Ziele. Durch welche Hauprfaktoren werden unser« der- zeitigen Reichsfinanzen bestimmend beeinflußt? Wir produzieren nicht nur für den Verkauf, sondern auch für die Wiedergutmachung. Die für die Wiedergutmachung produzierten Waren gehen nicht in den Warenkreislauf ein. sie fließen nach dem Ausland ohne Ver- gütunz und zu Lasten des Reiches ab. Wir müssen auch in Geld wiedergutmachen. Diese Zahlungen erfolgen in Gold oder in Gold- werten durch das Reich. Das Reich muß das dazu notwendige Gold mit Papiergeld k.Alfen. Daraus entsteht ein« weitere sinan- zielle Sonderlast, di» ebenfalls durch Steuereinnahmen gedeckt wer- den muß. Praktisch erreichbare Maßnahmen, um das Reich für die ihm auferlegten finanziellen Sonderlasten tragfähig zu machen, sind: Alle Warenlieferungsvcrträge der Wiedergutmachungen müssen den Unternehmergewmn im Interesse der Allgemeinheit beschränken sRormalwertsoerträge): die Reichsregierung muß auf steuerlichem Wege für die Goldwiedergutmachungen inländische Gold- und Sach- werte in die Hand bekommen. Praktisch erreichbar wäre vielleicht außerdem noch, daß die Betriebsräte in die Normalwerksverträg« eingeschaltet werden und daß sie bei einer Umgestaltung der Steuer- Pflicht der Wiedergutmachungsindustrien als Steuerkontrolle wirken. Grundlegend sür die Durchführung irgendeines Steuerprogramms Ist di« Hebung der Produktion unter gemeinwirtschasllichen Gesichts- punkten. Emil Barth legte seinem Korreferat Leitsätze zugrunde, die u. a. erklären: Da di« Unternehmer industrieller, gewerblicher, landwirtschaft- licher und Handelsbetriebe gegenüber gleichen Unternehmern in England und Amerika nur ein Fünftel und ein Achtel an Löhnen be- zahlen, muß jeder Unternehmer die gleiche Summe wie die von ihm gezahlten Löhne und Gehälter an Steuern bezahlen. Die erhöhten Löhne plus Steuer, das ist die Befamtbelastung, beträgt dann drei Fünftel der englischen und drei Achtel der amerikanischen Löhne. Die Konkurrenzfähigkeit Deutschlands bleibt also trotzdem gesichert. Alle übrigen Steuern, mit Ausnahme der Erbschaftssteuer, die, um vorgenanntem Prinzip zu entsprechen, mit 40 Proz. erhoben werden muß, werden aufgehoben. Mittels der Summen, die über die Behürfnisse des Etats hin- ausgehen, muß großzügig von Reichs wegen der Wohnungsbau und der Ausbau der sozialen Fürsorge vollbracht werden. Die Aussprache, an der sich mehrere Redner beteiligten, ergab wenig neue Momente. Schließlich stimmte die Bersammlung einem Antrag zu, nach dem die Referate als Information über die Steuer- frage entgegenzunehmen sind. Ein anderer Antrag, der die Einberufung eines Rätekongresses für Deutschland verlangt, wurde dem Zentralrat überwiesen. schwerd« anbringen? Rein, das wirft du alles nicht tun, denn es wird dich die Wut packen, wenn du nur noch einen Funken Ehr- gefühl in dir hast und du nicht ganz und gar ein elender Knecht bist. Du wirst diesem Bruder auf der Stelle die Beleidigung zurück- geben, wenn du dich nicht noch zu ganz anderen Handlungen hin- reißen läßt. Aber nun wird das eintreten, auf das man das ganze angelegt hat, du fliegst raus, zumal wenn du so ein Hetzer bist, der ein« Anzahl roter Kreuze besitzt; dann kanst du darüber nachdenken, wi« herrlich weit wir es schon wieder bei der Eisenbahn gebracht haben, und wie schnell die Fahrt geht, damit wir wieder zu den Verhältnissen gelangen, wo es nur Knecht« und Herren oder, militärisch ausgedrückt, Borgesetzte und Untergebene gibt. Darum Augen auf, Eisenbahner, ceingefaßt in die Speichen, damit der Karren nicht wieder in ivn vorkriegszeitlichen Sumpf hineinrast. Stellt dieser übermütig gewordenen Bureautratie, die sich einst so feige vor euch oerkroch, Klassenbewußtsein entgegen und stellt euch auf den Kamps«in, der nicht nur geführt werden muß um Berbesserung eurer wirtschaftlichen Lage, sondern deshalb, daß mit der frech gewordenen Gesellschaft ein für allemal endgültig aufgeräumt wird." Wir geben diesen Eisenbahnerbrtes im vollen Wortlaut wieder, um der Oesfentlichkeit zu zeigen, wie von einer gewissen Sest« in den Reichsbetrieben gegen die Arbeiterschaft vorgegangen wird und um dem Herrn Reichsoerkehrsminister«in ungeschminktes Bild von der Erregung zu geben, die infolg« der Behandlung der Arbeiterschaft durch die Eisenbahnbureaukratie ge- schaffen wird. Wir oerlangen, daß auch im Reiche des Herrn Gröner der Arbeiter als Mensch behandelt wird und nicht als— Hundsfott!_ Was geht in den Eisenbahnbetriebe« vor! „In den einzelnen Dienststellen geht man systematisch dazu über, olle die Kollegen, insbesondere di« Funktionäre und Betriebsräte, die sich bis jetzt noch ein steifes Rückgrat und Klassenbewußt- iein gegenüber der Verwaltung bewahrt haben, durch Subjekte, ie sich bei der Verwaltung Liebkind machen wollen, zu provozieren, um sie dann aufs Pflaster werfen zu können. Ein großartiger Trick wird bei dieser Gelegenheit in Anwendung gebracht. Nach dem ß 2« l. e. des Reichslohntarifvertrags kann jeder Bedienstete, der einen Vorgesetzten, dessen Stellvertreter oder deren Familienange- hörige beleidigt, sofort aus dem Eisenbahndienst entlassen werden. Der Bevienstcte dagegen kann, wenn er von einem Vor- gesetzten beleidigt wird, sofort und ohne Kündigung die Arbeit niederlegen(Schön, nicht wahr? Wer lacht da?) oder ober er kann, weil ihn«in Vorgesetzter nicht beleidigen darf, über diesen Beschwerde führen.(Großartig!) Auf keinen Fall aber darf er sich erlauben, dem Vorgesetzten, wenn er von diesem beleidigt wurde, die Beleidigung zurückgeben. Dadurch würde die Autorität de» Vorgesetzten untergroben.(Ganz wie beim Militär.) Merkst du etwas, dummer Eisenbahner? Nun denke dir doch einmal die Konsequenz aus Do ist nun ein so niederträchtiger Hetzer, den die Verwaltung auf dem Strich hat, und denke einmal nach, wa» sür nützlich« Subjekte bei der Eisenbahn noch oorhaitdei» sind, sogar solche, die vor den gemeinsten Denunziationen lhrer eigenen Arbeitsgenossen nicht zurückschrecken. Ein solches Sub- jekt wird, was natürlich jeden Augenblick passieren kann, zum V arges etz t« n dessen gemacht, über dem schon das Fallbeil der Ent- lassung schwebt und der mit drei oder noch mehr roten Kreuzen bei der Verwaltung in der Kreide steht. Und nun, Freund Eisenbahner, denke dir den Fall, du bist bei der Arbeit oder im Dienst, du ruhst dich für«inen Augenblick von der Arbeit aus; da fährt dich plötzlich und unvermittelt ein solches der Verwaltung ergebenes Subjekt, was natürlich in diesem Augenblick dein Vorgesetzter ist, an und beleidigt dich daurch, daß es dich anschreit, du seist faul, arbeitest überhaupt nickt und hieltest noch di« anderen von der Arbeit ab. Und nun zum Ueberfluß kennst du den Bruder, der zwar jetzt dein Vorgesetzter ist und dir di« Beleidigung zufügt, von dem du aber ganz genau weißt, daß er, wenn er selbst mitarbeiten muh, im höchsten Maße die Eigen- schoften entwickelt, di« er dir jetzt frech ins Gesicht schleudert. Was wirst du nun tun? Vor allen Dingen wirst du erst ein- mal ganz sprachlos fein. Wirst du aber dann sofort deine Arbeit niederlegen, um diese Stätte zu verlassen, wo du fo beleidigt worden bist, oder wirst du bei dem nächst höheren Vorgesetzten deine Be- KPD.-Zentrale und Arbeitslofigkett. Wie sich die Zentrale der Kommuni st ischen Partei zu den Bestrebungen der Gewerkschaften, Arbeitslose in den Betrieben unterzubringen, stellt, mag folgendes Vor- kommnis erhellen. In der Druckerei Friedrichstadt, in welcher die „Rote Fahne" gedruckt wird, sind an der Wseitigen Rotations- maschin« zwei Hilfsarbeiter beschäftigt. Beim Druck der Zeitung werden aus einer anderen Abteilung noch zwei Hilfsarbeiter heran- gezogen, um die übliche Besetzung der Maschine(neben den Druckern vier Hilfsarbeiter) zu erreichen. Diesem die Interessen der arbeitslosen Kollegen schädigenden Gebaren der Ge- schäftsleitung versuchte die Berliner Ortsverwaltung des Ver- bandes der graphischen Hilfsarbeiter und-ar- beiterinnen dadurch entgegenzutreten, daß sie die Zentrale der Kommuni st ischen Partei ersuchte, auf die Leitung der Druckerei einzuwirken, um im Interesse der Arbeitslosen Ab- Hilfe zu schaffen. Und was antworten diese Männer, die sonst Erwerbslose auf die Gewerkschaftsführer Hetzen, weil diese angeblich die Interessen der Arbeitslosen oerraten, was antworten„Genosse" Friesland und „Genosse" Eberlein? Wir können Euch nicht helfen, es handelt sich hier nach Ansicht der Druckereileitung um eine nicht zu klärende Differenz über die Aus- legung des Tarif», geht bitte an den Schlichtung»- ausschuß l O diese Helden, die Tarife nicht anerkennen, die die Schlichtungs- ausschüsse als kapitalistische Gebilde in Grund und Boden verdom- men! Wo bleibt da ihre Theorie? Die arbeitslosen Kollegen aber erkennen daran, wo ihre„Freunde" sitzen. Die Kommunisten in der Zentrale, diese Bonzentöter, enthüllen in dieser Angelegenheit An- sichten, vielleicht unbewußt, die ein Gewerkschaftsführer sich niemals zu eigen machen darf. Mag nach den Buchstaben des Tarifs die Druckerei v i e l l e i ch t Im Rechte sein. Parteibetriebe oder solche, in denen die Parteien großen Einfluß als Austroggeber haben, sind verpflichtet, bahnbrechend in der Bekämpfung der Arbeits- losigkeit voranzugehen. Eine Schande muß es für einen solchen Le- trieb sein, vor den Schtichtungsausschuß gebracht zu werden. Mit großen Worten in Volksversammlungen ist der Arbeiterschaft nicht gedient, Taten wollen wir sehen! Wir kennen aber die Lorliebe dieser Helden für kapitalistische Schlichhingsausschüsse. Schon einmal haben uns kommuniftifche Großsprecher vor den Schlichtungsausschuß gezerrt, und es auch fertig gebracht, ein« Entscheidung zu erzielen, daß bei Anstellungen in den Gewerkschaften noch kapitalistischen Methoden verfahren wird, und nicht die Willenskundgebung der Mitglieder ausschlaggebend ist! Merkt Euch das, Arbeitskolleginnen und Kollegen, und erkennt, was diese Herren sind, wenn man sie der Phrasen entkleidet und ihnen die Maske herunternimmt: Handlanger der Reaktion. H—-«. Generalversammlung der Fabrikarbeiter. In der Generaloersammlung am 28. August kam es gleich zu Anfang zu einer heftigen Debatte wegen Zulassung der infolge ihrer Teilnahme an der Jenaer Konferenz ausgeschlossenen Mit- q!ieder. Schließlich wurde der Antrag auf Zulassung mit erheblicher Mehrheit abgelehnt. Dem Geschäftsbericht, den Reimann gab, ist zu entnehmen, daß das letzte Quartal mehr dem inneren Ausbau der Organisation gewidmet war. Größere Lohnbewegungen wurden nur wenige geführt. Dagegen sind zurzeit all« Tarife gekün- d i g t, so daß in nächster Zeit mit schweren Kämpfen zu rechnen ist. Zur Stärkung des Kampffonds soll in einer außerordentlichen Generaloersammlung Ende September zur Beitragsfrage Stellung genommen werden. Reimann wandte sich mit scharfen Worten gegen die Praktiken der sogenannten kommunistischen Frak- tion, die den Ausschluß von zwei Mitgliedern zu einer niedrigen per- sönlichen Hetze in Flugblättern und Versammlungen benutzt. Der Antrag der Kommunisten, die Ausgeschlossenen als Einzelmitglieder (entgegen den Verbandssatzungen) zu führen, sei abzulehnen. Der Kassenbericht balanziert in der Hauptkasse mit 527,38 M., in der Lokalkasse mit 628147 M. In der Diskussion wandten sich die Anhänger Moskaus gegen den Ausschluß der Teilnehmer an der Jenaer Konferenz, während die andere Seite sich gegen die Auffassung der Kommunisten aus- sprach. Der Antrag, die ausgeschlossenen Mitglieder als Einzelmit- glieder weiterzuführen, wurde gegen wenige Stimmen abgelehnt. Durch Beschluß wurde es abgelehnt, in das noch schwebende Verfahren einzugreifen. Ein« der üblichen kunununlfllschen Reso- lutionen wurde abgelehnt und die Resolution Ilgen, die zur Einig- keit der Arbeiter in de» kommenden Kämpfen auffordert, ange- nommen. Ein Antrag aus Vergrößerung der Erweiterten Verwaltung zur Vertretung der Betriebsräte fand einstimmige Annahm«. Ausge- schlössen wurde das Mitglied Franz Müller, Beusselftr. 62, wegen Streikbruch._ Die Lohnbewegung der Hochbahner. Die Verhandlungen zwischen der Direktion der Hochbahn und oen Angestellten, die gestern bis in die späten Abendstunden hinein- dauerten, haben zu keiner Einigung geführt. Die Direktion wollte die Löhne für die männlichen Arbeiter um 60 bis 70 Pf. pro Stunde. für die Arbeiterinnen um 50 Pf. und die Kinderzulage von 60 M. auf 75 M. erhöhen. Die Vertreter des Personals berichteten in einer um Mitternacht auf dem Gleisdreieck abgehaltenen Verfamm» lunz, die diese Zugeständnisse ablehnte. Die Versammlung beschloß, den Schlichtungsausschuß zur Fällung eines Schiedsspruches anzu» rufen._ Die Bnchdrnckerinternationale für Amsterdam! Der 8. Internationale Buchdruckerkongreh in Wien beschloß gestern mit 20 gegen S(?) Stimmen, sich in Uebereinstimmunz mit den Gewerkschaftsorganifationen aller Lander auf den Boden der Amsterdamer Gewerkschaftsinternationale zu stellen. Der Buch- druckerinternationale können daher nur solche Organisationen ange- hören oder beitreten, die auf dem gleichen Boden stehen. atnzkllxmdel: Mtgliederversaw«- rv«reln»hau», Ateranderftr. 40 41.— Metall: Fachzrupp«»- Haverlands FestsiUm, Neue Friedrichftr. W.— Slettro-Drog- andel: Mitgliederversammlung i Uhr in der alten Deheimcatatnelp«, Jerusalem«! Zeutrawcrband der Angestellte». Freitag lung 7Vi Uhr im Lehrerveremehau», All Versammlung 7 Uhr' trage 8— Chirurgie-, Mechanik-, Lab-,r.»Appar., Dental-Deport-: Mitglieder- versainllUuug 7>/, Uhr in den Sophie nsillen, Sophienftr. 17/18.— Relche- und Slaalsang-Mllv: Mitgliederversammlung 7 Uhr Rosenthater Hab Ztosenthaler Werkmelster-Verbaud, Bezlrl-verein Berlin 23. gnckrrwaren-Zudustrie. Generalversammlung Freitag 8 Uhr im Lereinvlotal Neu» Zalodstr. 28. Wirtschaft Veredelungskredlke. Die Unsicherheit der deutschen Fertigindustrie hat zu einem er» heblichen Teil ihren Grund in der Unsicherheit der beut- s ch e n V a l u t a. Die ausländischen Rohstosse und Halbfabrikate müssen in ausländischer Währung berechnet und bezahlt werden. Tritt ein plötzlicher Sturz des deutschen Geldwerts ein, so müssen er- höhte Summen für die ausländischen Produkt« bezahlt werden. Verbessert sich rasch der Wert des deutschen Geldes, so treten leicht ungeheure Lerluste ein, weil die nun erfolgenden Be- stellungen viel billiger werden und die teuer erkauften Produkte zum neuen Marktpreis abgesetzt werden müssen. Di« Absatzstockung im Frühjahr 1S20 ist auf solche Erscheinungen allein zurückzuführen. Ein Beispiel: Am 16. August kostete ein amerikanischer Dollar 96 M.. aber am 18. August nur noch 83 M. Zehn Tage früher kostete er 80 M. Wer vor 10 Tagen sür 10 000 Dollar Baumwolle kaufte, mußt« dafür 800 000 M. bezahlen, am 16. August mußten dafür bereits 960 000 M. und zwei Tage später 830 000 M. bezahlt werden, für eine ganz gleiche Baumwollieferung. Bei diesem Risiko hält sich naturgemäß jeder Vorsichtig« zurück. Auch die Lieferung ausländischer Waren auf Kredit ist unter Umständen ein gefährlicher Dienst. Wenn die Kredite zu einem Zeitpunkt fällig werden, an dem die deutsche Valuta sehr tief steht, so besteht die Gefahr großer Verluste. Denken wir daran, daß der Dollar im Sommer 1920 einmal 35 M. und vor«in paar Tagen 96 M. kostete. Ein Ausweg, der den Bezug ausländischer Waren ermöglicht und der deutschen Arbeiterklosse Beschäftigung gibt, wurde in den sogenannten Veredelungskrediten gefunden. Diese Art der Kredite gelangte schon vor Jahr und Tag zur Anwendung in dem Abkommen deutscher und nordischer Gewerkschaften wie In dem deutsch-holländischen Wirtschaftsabkommen. Neuerdings hat die „American Produce Export und Import Corpora- tion", hinter der die Baumwollpflanzer stehen, die Ihre Ware nicht loswerden, weil die oalutaschwachen Länder nicht zu kaufen wagen, eine ähnliche Kreditform für die deutsch« Textilindustrie vorgeschla- gen. Ei« will für 7 Millionen Dollar T« x t i l Material auf Kredit an die deutsche Industrie liefern. Dafür will sse Garn fabriziert haben, das in der Hauptsache nach Rumänien verkaust werden soll. Der Berkaufserlös soll als Deckung für den Rohstofftredft dienen. Dadurch wird das hohe Risiko beseitigt. Natürlich kann das Rohmaterial auch gekauft werden. Für die deutschen Interessenten hat die Darmstädter Bank di« Führung übernommen. Die Baum- wolle nimmt ihren Weg von Amerika über Deutschland, wo fle zu Garn.veredelt" wird. Wir stecken unsere Arbeitskrast hinein und bekommen den Veredelungsgewinn. Da, Risiko von selbständigen Baumwolltäufen unter den heftigsten Valutaschwankungen wird von uns genommen. Fusion in der Elektroindustrie. Zwischen den vorständen der Elektrische Licht- und Kraftanlage-Attiengesell� sch a ft und der Aktiengesellschaft für elektrische An» lagen wurde ein Vertrag vereinbart, demzusolge von Beginn des laufenden Geschäftsjahres an der gesamte Geschäftsbetrieb der Anlagegesellschast für Rechnung der Elektrisch« Licht- und Kraftanlage- Aktiengesellschost geführt werden soll. Der Bertrag bedarf noch der Genehmigung der Generalversammlung. Es Ist lediglich die formale Bestätigung für einen Zustand, der schon längst bestanden hat, da die Elektrische Licht- und Kraftanlage-Aktiengesellschaft bis auf wenige Aktien über das gesamte Kapital der Anlagegesellschast verfügte, und zwar seit 1903. Eine andere Gesellschaft, deren Namen noch nicht mitgeteilt wird, soll demnächst ebenfalls geschluckt werden. Verantwortlich für den redakt. Teil: Biltor«chill, Berlin: für Änjelgen: Tb. Stocke, Berlin. Verlag: Borlvärts-Lerlag G.m.b.H.. Berlin. Drnck: Bor- milrtS-Buchdruckerei n. BerlaaSanttalt Bau! Sinaor n. Co.. Berlin. Sinbrnttr. 8. Schweißluß' FuSpiiiter„Pfeltlerol" Leidende sollten nur 1 den antiseptischen benutsen. Beseiujt den lästigen Schweißgeruch und verhindert Brennen und Wund- • werden der FüBe. Streudose ä 2,30 und 2 Matk. Reicht mehrere Monate. PrflservatlY-Creme„Pfeifferol" �'.1� Wundlaufen Crh�ltlich in Apotheken und Drogerien. Apoth. Otto Pfeiffer& Plehler. 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