Nr. 425 ♦ ZS. Jahrgang Ausgabe Sk Nr. 215 Bezugspreis t LlertkljShrl. 30,— M„ monatL 10,— M. ftet ins Saus, voraus zahlbar, Port- bezug: Monatlich 10,— M. e>nIchl.Zu- sicllunqsgcbühr Unter Kreuzband rüt Deutschland, Danzig, da« Saar- und Memelaebiet. sowie die ehemals beut» schen Esdiele Polen«, Oesterreich. Ungarn und Luxemburg 20,— TO, für das übrige Ausland 27.— M. Post» bestellungcn nehmen an Oesterreich. Ungarn, Tschecho» Äiomater Däne- marl, Holland, Luremdurg, Schweden und die Schweiz, Der„üorwarts* mit der Sonntagsbeilage.Volt und s�eit�, der Unterhaltungsbeilage �eimwelt" und der Beilage.Siedlung und Kleingarten� «schein» wochentäglich zweimal. Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Abreise! «Zozlaldemokro» PetOn* Morgen Ausgabe c Groß- Berlin SO Pf. auswßrls 40 Pfennig D berliner Volksblatt Anzeigenpreis» Die achlgespalten» Donvareillezell» tostet ÜÜO M..filrlne tSnjrtgcc* da» teitgedruett» Wort IL» M,»zu- lässig zwei tengedriiiti» Atories, lebe» weiter»«ort l.— M. ktrllengesnch, und Schlatstellenanzetge» da» erst» Wort U— Bb. lebe« weiter» Wort >0 Psg, Wort, üb« lb Buchstab»» zählen sür zw»,«orre, ffannlien-An. zeigen für Abonnenten geil» 3,— M, Die Preis, versieden sich»lnschließlich Teuerungszuichlag, Ilnzetgen sür dt» nächst» stiummn mästen di»» Uhr nachmitlog» un Hanvtgeschäst, verlin SW«8, Linden. strosie 3, abgegeben werden,«eoftnel von 9 Uhr sriih bis 6 Uhr abend», Zentralorgan der rozialdemokratlfcben partei Deutfcblands Reüaktion und Expedition: SW 08, Lindenstr. Z Rrdaktion Moritiplah 97 ,ikern,prrn,rr. Morihplah 11763—»4 Freitag, den 9. September ISÄI vorwärts-verlag G.m.b.H., EW öS, Lindenstr. Z Äkernlvrcdier' Berlag. Expedition nnd Intcratcu. . z�,�l»ng Moripplnl. ,1743-44 München hat öas Wort. Berlin. 8. Sepkember.(WTB.) Die Beratungen der Reichsregierung mit den Vertretern der bayerischen Regierung und der bayerischen Soalillonsparlcien haben heule nach- mtitag einen vorläufigen Abschluß gefunden. Die bayerischen Vertreter reisen heule abend nach München und werden das Ergebnis der Besprechungen mit der Reichsregie- rung der bayerischen Regierung und dem Ständigen Aus- fchug des Landtags unterbreiten, der am Sonnabend zusammentritt. An die heutig« Sitzung des interfraktionellen Ausschusses der Mehrheitsparteien schloß sich eine Kabinettssitzung. die bis nachmittags iA5 Uhr dauerte. Darauf erfolgten wieder Besprechungen der Bertreter des Reichskabinetts mit den Vertretern der bayerischen Regierung und der bayerischen Koa- litionsparteien. Um 6 Uhr— mit einiger Verspätung— begannen dann die-gestern abgebrochenen Besprechungen des Kanzlers mit den Vertretern der Sozialdemokraten und Un- abhängigen von neuem. Diese zogen sich bis in den späten Abend hin. Ueber das Ergebnis der Verhandlungen soll vorläufig Stillschweigen bewahrt werden. Die Aussichten für eine Eini- gung zwischen Berlin und München werden als recht günstig angesehen. Fest steht vorläufig nur das eine, daß der U e b e r- wachungsaus schuß des Reichstages feine für morgen angesetzte Sitzung nicht abhalten wird: sie wird auf Sonnabend nachmittag, vielleicht sogar auf Montag verschoben werden, damit die bayerischen Vertreter genügend Zeit haben, die Sachlage in München zur Klärung zu bringen. Verhsnülungen unü— Praxis., Alünchen, 8. September.(Eigener Drahtbericht des„Vorwärts.) Zum Beweis, welche Bedeutung es in der Praxis haben würde, wenn die bayerische Regierung auf dem Verhandlungsweg die Einführung der Reichsoerordnungen durch bayerische Behörden durchdrücken könnte, mögen folgende Tatfachen dienen: Während die Plakatisierung des gestern im„Vorwärts" veröffentlichten Aufrufes der bayerischen Gewerkschaften vom Palizeiprösidenten verboten wird, hängt gleich- zeitig in den Straßen Münchens ein knallrotes Plakat der „Ratianalsozialiften" mit einer handgreiflichen Verhöhnung der Reichsverordnung. Es heißt dort:„Der Redner des Abends spricht „mit geziemender Ehrfurcht und Ehrerbietigkeit" über das Thema: „Der Johannis des I u d e n ft aa te s, Matthias van Butten» Haufen, fem Werk, fein Geist." Die heutige Nummer der von dem Preußen Troub redi- gierte„München-Augsbutger Abendzeitung"— die längst verbaten sein sollte— strotzt von Beleidigungen der Mitglieder der Reichs- regierun?: „Das Recht, die Unifarm zu tragen, hat S e i n e M a j e st ä t der König, unseren preußischen Kameraden der Kaiser ver- liehen, nicht der Sattlergehilfe Ebert. Nach der famosen Weimarer Derfaflung soll der Präsident vom Volk gewählt werden. Herr Ebert aber ist nicht vom Volt gewählt, sondern von einem Haufen bolschewistischen Straßengesindels, das ihn zum Dalksbeauftragten erkor. Somit bestreiten wir alten Offiziere Ebert das Recht, über unsere Uniform zu verfügen. Wir Offiziere in Bayern werden sie nach wie vor tragen, wann es u n s paßt. Herr Wirth, der Sie sich Reichskanzler nennen: rote Verbrecher der Parteien, die Sie jetzt auf die Straß« gerufen haben, um Ihr wackliges Thrönlein zu stützen, haben seinerzeit einem Oberstleutnant die Hände abgehackt, einem Fliegerhaupt- mann den Körper zerrissen. Als Sic das gehört haben, haben Sie sich da auch die Haare gerauft und geheult, wie jetzt am Sarge Erzbergers? Unser Rock, in dem wir 4% Jahre gekämpft haben, wird uns nur nach heiliger, wenn er van solchen Leuten zu be> sudeln versucht wird. Aber auch der Haß und die grenzenlose Ver- achtung gegen alles, was Demokratie und Nepubliv heißt, wird größer und größer, ihn zu vertiefen, wird unser« Antwort sein." Der Troub tut, als wüßte er nicht, daß Ebert von der Ratio- naloersammlung, und zwar auch van den Abgeordneten der bayerischen Volkspartci, zum Präsidenten gewählt ist. Die Rational- Versammlung ist nach der„M,-A. Abendztg." also ein„Haufen bolschewistischen Straßengesindels" gewesen. Ein Blatt, das so schimplt, wird in Bayern nicht verboten. In Berlin wird ver- handelt und in München wird weiter geschimpft. Der Schriftleiter des„Miesbacher Anzeiger" kündigt in seinem Ersatzblatt eine Zivilklage gegen den„Borwärts" an. für Sie verfasiung. Das braunschweigische Staatsministerium hat einen Aufruf » n A l l e erlassen, in dem es sich mit dem Aufruf der Reichsregierung vom 29. August 1921 und allen zum Schutze der Verfassung und der Republik getroffenen Maßnahmen einverstanden erklärt. Das Staaisministerium will die Reichsregierung in Uebereinstimmung mit der großen Mehrheit des braunschweigischen Volkes in entschlossenem Vorgehen gegen alle Feinde der Verfassung und der Republik unterstützen, Das biaunschweigische Staatsministerium dankt der Bevölkerung fllr di« WLkd«. Ordnung und Selbstzucht bei den D«monstrationen zur Verteidigung der durch die Revolution geschaffenen Verfassung?- mäßig.'» Grundlagen des Reiches und Landes.— Aeuherste Selbstzucht sei auch fernerhin die oberste Pflicht des Staatsbürgers. Die van der Verfassung gegebenen Rechte des Staatsbürgers würden unler allen Uinständen gewährleistet. Diese Rechte schlössen jedoch die Pflicht sür jeden Staatsbürger in sich, sich auf den Boden des ver- sassungsmäßigen Zustandes zu stellen. Insbesondere hätten alle, die die Ehre haben, dem Staateals Beamte und Angestellte zu dienen, die oberste Aufgabe, die Verfassung anzuerkennen, zu schützen, zu verteidigen und in ihrer demokratischen Weiterentwicklung zu fördern. Das Staatsministerium verlangt von allen Beamten und An- gestellten vollste Pflichterfüllung und Treue gegen die Republik, Auch für die Lehrerschaft sei jede Verhetzung der Jugend im notirnalistischen, militaristischen und monarchistischen Geiste grabe Pfl-chtvcrletzung und Verbrechen. Ter Aufruf schließt mit dem Wunsche, daß die Deoölkerung des Freistaates Braunschweig in Treue und Hingabc an die republikanische Verfassung des Reiches und des Landes dazu beitragen möge, demokratische Ordnung und Wirtschaft- lichen Wiederausbau zu erreichen. tzüter öer Reichsverfassung. Der rechtsbolschewistische„Tag" ist sehr empört darüber, daß die Arbeiterschaft die Reichsregierung im Kampfe gegen die bayerische Fronde unterstützen will. Ganz Zorn schreibt das edle Blatt: Seit wann sind„die Massen" Exekutivorgan der Re- gicrung?„Welcher Derfassungsartikel macht sie zu Hilfstruppen der Reichsregierung? Ja, welcher Verfassungsartikel?! Die Herren auf der Rechten haben allen Anlaß, nach Vcrfassungsartikeln zu fragen. Sie müßten nur auch fragen: Welcher- verfassungeartikel gestattet es der Regie- rung Kohr, reichsgesehlichen Anordnungen nicht Folge zu leisten? Nach der Verfassung bricht Reichsrecht Landesrecht. Aber wenn den Herren Reaktionären eine Vcrfasiungsbcstimmung nicht paßt, dann erklären sie einfach in diesem Punkt die Verfassung, für„ver- fehlt", und dann ist nach ihrer Ansicht niemand mehr verpflichtet, sich darum zu kümmern I_ tzörsing, üer �schwarze Nann�. In der„Deutschen Tageszeitung" finden wir die reizende Ueber- schrift„Herr Hörsing als Oberzensar". Neugierig suchen wir, was denn dieser von Kommunisten und von der Reaktion gleicherweise bestgehaßte Mann wieder einmal eingebrockt hat. Also da finden wir eine Karrespandenzmeldung, daß einige bürgerliche Blätter in Magdeburg sich über den dortigen Polizei Präsidenten bei seinem Vorgesetzten, dem Regierungs Präsidenten beschwert haben, weil der erstere beabsichtige, die Presseverordnung auch auf den Nach- r i ch t e n l e i l der Blätter auszudehnen. Auf Grund dieser Mel- dung legt nun das Agrarierblatt las: Die Ausfassung des Herrn Hörsing ist wohl das Ungereimteste, was auf diesem Gebiete bisher überhaupt oersucht worden ist. Eine Maßnahme im Sinne des Herrn Hör- sing heißt den Nachrichtendienst der Zeitungen überhaupt unter- binden: denn wenn der Plan Hörsings durchgeht, wird dieser Nachrichtendienst einer höchst subjektiven Beurteilung unter- stellt---- Wenn die„Deutsche Tageszeitung" in ihrem Eifer„für deutsche Art" nur ein ganz klein wenig aufmerksam gewesen wäre, hätte ihr nicht entgehen können, daß die Magdeburger Blätter sich un- möglich über den Ober Präsidenten Hörsing beim Regierungs- Präsidenten beschweren können. Tatsächlich heißt der Polizei- Präsident, gegen den sich die Beschwerde richtet, Krüger und nicht Hörsing. Das weiß man in der Rechtspresse natürlich sehr genau. Aber wie man für alle Dinge zwischen Himmel und Erde bisher Erzberger verantwortlich machte, so will man jetzt augenschein- lich aufs neue die Hetze gegen H ö r s i n g eröffnen, der der Re- aktian ein Dorn im Auge ist. Wir nageln das nur fest. Die Deutsch- nationalen stellen so lange„schwarze Männer" auf, bis irgendeiner ihrer Angehörigen den tötenden Revolver zieht. Dann natürlich waschen sie ihre Hände in Unschuld! Massenkunögebung in Hamburg. Hamburg, 8. September.(Eig. Drahtbericht des„Vorwärts".) Nach der Riesenkundgebung für die Republik am 31. August hatte die Sozialdemokratische Partei Grvß-Hamburgs in der Erkenntnis, daß der Kampf gegen die Reaktion nicht ruhen dürfe, zu heute abend in allen Stadtteilen Hamburgs große Volksversammlungen einberufen mit dem Thema„Dn Kampf der Sozialdemokratie gegen Lebensmittelteuerung, für Besitz, und Galdwertebe- steuerung". Die Versammlungen waren durchweg glänzend be- sucht und von regem Kaupfgeiste erfüllt. Neues Verbot eine« Rechksblattes. Wie die PPN. erfabren, hat Oberpräsident NoSke das deutschnational«„Göttinger Tage- blatt" wegen Verächtlichmachung deS ReichSpräii- den ten auf 14 Tage verboten und die Beschlagnahme der Rr. 210 vom 8. September angeordnet. Kabinett Stegerwald bleibt. Scheitern der interfraktionellen Verhandlungen. Wie nach der Ankündigung des Herrn Stegerwald über die Stimmung in den preußischen Koalitionsparteien anzu- nehmen war. haben sich die Verhandlungen zwischen diesen und der Sozialdemokratie über eine Umbildung des Kabinetts Stegerwald zerschlagen. Ueber die am Donnerstag abgehaltene interfraktionelle Sitzung, die im Abgeordnete.:- haus unter dem Vorsitz des Präsidenten L e i n e r t stattfand und an der teilnahmen: vom Zentrum die Abgg. Herold, V r u st und G r e b e. von den Sozialdemokraten die Abgg. Siering, Limbertz und Bartels, von den Demo- P1* �09- L> e f e r, Schreiber und Jansen- (Vornicke), wird folgender ofsizieller Bericht gegeben: Auf Einladung des Präsidenten des Preußischen Landtages fand am Donnerstagnachmittag eine Verhandlung zwischen den früheren Koalitionsparteien, Sozialdemokratie, Zentrum und Demokraten statt. Gegenstand der Verhandlung war eine Aussprache über die etwaige Neubildung der preußischen Regierung. Nach zweieinhalb- ständiger Beratung war festzustellen, daß eine Uebereinstimmung einstweilen nicht erreich! werden könnte. Die Besprechungen sollen zu gegebener Zeit fortgesetzt werden. Ueber den Verlauf der Besprechung wird durch die PPN. noch eine Reihe von Einzelheiten mitgeteilt. Dieser Bericht lautet: .. Nachdem Landtagspräsident Leinert unter Hinweis auf die lungsten politischen Ereignisse und eine Anregung des Minister- Präsidenten Stegerwald die Einberufuna der Besvrechung begründet hatte, wurde seitens des Zentrums zunächst die Forderung erhoben, daß der Vorsitzend« der Sozialdemokratischen Landtagssraktion Abge- ordneter S i e r i n g den Vorwurf widerrufe, den er seinerzeit bei fcer Bildung des Kabinetts Stegerwald gegen die Unterhändler des Zentrums und der Demokraten erhoben habe, nämlich, daß das Kabinett Stegerwald ans Wortbruch und Treubruch hervorgegangen sei. Abgeordneter Siering bedauerte, zu einem solchen Widerruf nicht in der Lage zu sein, da die ausgestellte Behauptung seiner festen und unwandelbaren Ueberzeugung entspräche: wohl aber sei er bereit, gemeinsam mit den Herren van den anderen Parteien ein« geeignete Formulierung zu suchen, welche das Moment der persönlichen Beleidigung ausschalt« und nur den o b j k t i v e n Inhalt der Behauvtunq ausrecht erhielte.— Als allgemeine politische Orientierung hielten sodann Zentrum und Demo- traten daran fest, daß die Neubildung der preußischen Regierung nur aus der Basis der breiten Koalition, d. h. unter Hinzuziehung der Deutschen Volksvarlei stattfinden könne. Von sozialdemokratischer Seite wurde dieser Gedanke a b a e l e h n t: es könne sich jetzt lediglich darum handeln, daß die Sozialdemokratie wieder in die preußische Regierung eintrete, damik Preußen eine Regierung erhalte. welche die gleiche Tendenz und die gleiche Zusammensetzung hätte, wie das Kabinelt Dr. Wirth im Reiche. Eine Vereinigung der ver- schiedenen Standpunkte war nicht zu finden. Präsident Lei- n e r t schlug vor, vorläufig eine Regierung der alten K a a t i- t i a n zu bilden und nach ihrem Zustandekommen mit der Deutschen Volkspartei über ihren etwaigen Eintritt in die Regierung zu verhandeln. Auch dieser Vorschlag wurde v v m Z em t r u mm n d d en Demokraten abgelehnt. Unter diesen Umständen ging die interfraktionelle Besprechung gänzlich ergebnislos auseinander, und es ist nicht anzunehmen, daß vor dem Wiederzusammentritt des Landtages. Ende September, noch irgendwelche weiteren Versuche zur Umbildung der preußischen Regierung unternommen werden. Da inzwischen auch Präsident Leinert dem Minister- Präsidenten Stegerwald erklärt hat, daß er seine Mission als gescheitert ansehe, und Stegerwald den daraus folgen- den Standpunkt gebilligt hat, daß Genosse Leinert vorläufig keine weiteren Schritte unternimmt, so kann man von einem endgültigen Scheitern der Verhandlungen sprechen, obwohl die offizielle Verlautbarung noch einen Aus- blick auf spätere Verhandlungen offen läßt. Daß die Sozialdemokratie nicht zusammen mit Der Deut- schen Volkspartei in ein Kabinett gehe, war schon seit den Frühjahrsverhandlungen hinlänglich bekannt. Die inzwischen eingetretenen Ereignisse haben den Standpunkt der Sozial- demokratie voll gerechtfertigt, den bürgerlichen Mittelparteien aber hätten sie Alllaß sein müssen, ihren Standpunkt zu revidieren, ohne die Deutsche Volkspartei keine Kabinettserweiterung vorzunehmen. Zentrum und Demokraten hätten diese Revision vornehmen könnest, ohne sich dem Tadel der Inkonsequenz auszusetzen, denn durch die Umgestaltung der politischen Lage seit dem Frühjahr wäre eine Abweichung der bürgerlichen Parteien von dem damals eingenommenen Standpunkt vollauf g e- rechtfertigt gewesen. Hat sich doch in Teilen dies-r Parteien dieser innere Umschwung vollzogen. So schrieb noch am Donnerstagnachmittag das bürgerlich-demokratische„Ver- liner Tageblatt" in einer Besprechung der Stegerwaldschen Auslassungen: Er(Stegerwald) spricht es zwar nicht aus, läßt es aber zwischen den Zeilen lesen, daß seiner Aussassuncz nach der notwendige Eintritt der Mehrheitssozialdemakratie in die preußische Regierung auch den Eintritt der Deutschen Valkspartei bedinge. Wir haben bei der Reu- bildung der preußischen Regierung nach den Fsbruarwahlen den- selben Standpunkt vertreten. Seitdem ist die Deutich« Volks- parte! aus der Reichsregierung ausgeschieden, die Mehrheitssozialdemokratie eingetreten. Der jetzigen Regierungs- kaalition im Reiche steht die Deutschs Volkspartei teils abwartend, teils in Opposition gegenüber. Sie hat es abgelehnt, di« I scharf» Wendung gegen recht«, die di« Regierungsparteien im Reich in voller Geschlossenheit vollzogen haben, mitzumachen. Ginig« Aeußerungen oolksparteilicher Führer, die aus eine Wandlung deuteten, wurden nachher abgeschwächt. Der Kampf des rechten gegen den linken Flügel verhinderte eine entschiedene Stellung- nahm«. Was die Stunde verlangt, ist aber eine preußische Regierung, die der Reichsrcgierunz homogen ist, weit nur dadurch ein« rcibungs- lose Zusammenarbeit in der jehigen aefahrvollen Situation ermöglicht ist. Die Schwierigkeit der bayerischen Frage wird, wie man auf beiden Seiten empfindet, durch den Mangel an Homogenität zwischen bayerischer Regierung und Reichsregierung erhöht. Wollte man also jetzt auf der Hinzunahme der Deutschen Volkspartei in Preußen be- st e h e n, so würde dadurch die Situation nicht erleichtert, sondern belastet. Es scheint. uns unumgänglich, daß zunächst durch den Eintritt der Mehrheilssoiialdemokratie, die hoffentlich die Fehler ihrer früheren Jntransigenz nicht wiederholen wird, dem Bedürfnis des Augenblicks genügt, und daß dann von der Entwickelung im Reiche die weiter« Ausgestaltung auch der preußischen Regierung abhängig gemacht wird. Dieser Standpunkt deckt sich fast genau mit dem Vermitt- lungsoorschlag, den Genosse Leinert nach dem Bericht der PPN. noch in letzter Minute gemacht hat, der aber bezeich- ncnderweise von den Demokraten selber und dem Zentrum abgelehnt worden ist. Vielleicht wird in der Partei die Meinung auftauchen, daß auch dieser Vermittlungs- Vorschlag schon ein zu weites Entgegenkommen bedeutet habe. Er hat jedenfalls das eine Gute gehabt, die bürgerlichen Mittelparteien restlos ins Unrecht zu setzen und den Widerspruch der von den preußischen Frak- t i o n e n des Zentrums und der Demokraten betriebenen Politik mit der Meinung eines großen Teils ihrer eigenen Parteifreunde aufzudecken. Denn wie das „B. T." zutreffend bemerkt, ist sein oben wiedergegebener Standpunkt auch sonst in der demokratischen Presse und in Zentrumsblättern vertreten worden. Diesen Widerspruch aufzudecken, ist keine agitatorische Spielerei, sondern es steht eine ungeheuer ernste Frage dahinter, ob nämlich Zentrum und Demokraten d i e Politik des Reichskabinetts Wirth unter- stützen wollen odernicht. Ihr gestriges Verhalten in der preußischen Regierungsfrage ist das Gegenteil einer Unterstützung. Dies muß den beiden Parteien kurz über lang zum Bewußtsein kommen, und insofern kann man von dem gestrigen Tage sagen, daß das Scheitern der Verhandlungen die preußische Regierungsfrage in keiner Weife gelöst, sondern er st recht akut gemacht hat. Kommunistischer Unstmt. Aus Halle wird uns geschrieben: Unter dem 2. September hatte die Bezirksleitung der VKPD. Halle— Merseburg einen neuen OffenenBrief an das hiesige Ge- werkschaftskartell, an die SPD., die USP. und an andere Arbeiter- organisationen gerichtet. In diesem Offenen Brief wurde das Ge- werkschaftskartell aufgefordert, alle LohnbewegungZn ein- heitlich zu führen, für eine mindestens lOOprozentige Aufbesserung der Löhne, Gehälter und Unterstützungen ein- zutreten, eine allgemeine Demonstration einzuleiten, eine sofortige Konferenz aller Gewerkschaftsfunktionäre und Betriebsräte' anzu- beraumen und beim ADGB. die schleunige Einberufung eines Reichsbetriebsrätekongresses zu beantragen. Ferner wurden SPD., USP., Mieterbund, Kriegsbcfchädigtenverbände und einige syndikalistische Bereinigungen unseres Bezirks zu einer Sitzung ein- geladen. Es war vorauszusehen, daß diese neue Aktion der Kam- munisten, die nur rein parteiezoistischen Bedürfnissen entsprang, wegen ihrer Sinnlosigkeit und Unburchführbarkeit auf stärksten Widerstand stoßen würde. Nachdem unser Parteiblatt, die.Volksstimme", bereits am Montag die durchsichtige Tendenz des neuen kommunistischen Angebots bloßgestellt und eine scharfe ab- lehnende Stellung zum Ausdruck gebracht hatte, ist das hiesige unab- hängige Organ denselben Weg bei der Beurteilung des Offenen Briefes gegangen und hat sich gegen diese kommunistische Aktion, die sie als Bauernfang bezeichnet, gewandt. In einer besonderen offi- ziellen Antwort der USP. in Hall« wird das Borgehen der Kommu- nisten als elende Heuchelei bezeichnet, das nur dazu angetan Der Ring öes poipkrates� Ein Schulaufsatz. Das übliche Schulaufsatzthema: Freie Behandlung-der Ballade vDer Ring des Polykrates", griff ein Untertertianer in der folgenden Form an, der man eine gewisse dramatische Origi- nalitöt nicht wird absprechen können. Die Seichtheit olles„Nach- erzählens" ist hier produktiv überwunden. Eine Unterhaltung in der Küche des Polykrates. tiluf der Intel Eamos, in dem Cchloff« des mächtigen nnd glücklichen Känigs Polqirate». Iii einer wunderbaren, weißen KUaie. Ueberoll glänzen prächtige Äasserslltn. M. Coquin— der Rai); Anna— Köchin; Marie und Martha— Abwäschfrauen; Pick— Kochiunge.) M. C o q u i n: Der König hat einen Gast aus Aegypten: er will was Aegyptisches essen. Was kochen wir nur! P i ck: Machen wir ihm ein Nilpferd zu Mittag. A n n a: Ach, hör doch auf mit deinem Quatsch! Pick: Er kann sich eins leisten, so ein Glückspilz hat Geld genug. Marie(steht am Fenster und trocknet Teller ab): Da kommt der Fischer. Martha: Mit einem schrecklich großen Korb. Fischer: Guten Morgen, meme Herren. Ich habe»inen Fisch gefangen, wie ich ihn seit 20 Jahren nicht gesehen habe. P i ck: Einerlei, wir brauchen etwas Aegyptisches. Der König will es haben. Fischer: Das ist noch besser alz ägyptisch, das ist wohl ein russischer Fisch? M. C o g u i n: Zeigen Sie bitte den Fisch. Fischer(nimmt einen sehr großen Fisch heraus): Da ist er. Martha: Au, ein Haififch, er beißt!(Läßt den Teller fallen.) Anna: Hör auf. dummes Mädel! M. Co quin: O ja, das ist besser als ein Niclpferd. Fischer: Klar, es ist besser. Er kostet 1000 Mark. M. Coquin: Für unteren glücklichen, reichen König spielen 1000 Mark keine Rolle. Do haben Sie das Geld. (Der Fischer geht weg.) Anna: Marie, gib schnell die Wage und das Messer her. M. Coquin: Laß mich, Anna! Diesen Fisch will ich selbst zerschneiden.(Er schneidet den Fisch, und unterdessen steckt Pick einen Kuchen in den Mund.) Martha: Pick hat wieder einen Kuchen geklaut! P i ck(mit vollem Mund): Du hast gestern vier stibitzt. M. Coquin: Ach, das spielt ja keine Rolle. Anna: Nein, ich erlaub nicht, daß Ihr hier Kuchen klaut. M. Coquin: Mein bestes Solinger Messer ist zerbrochen! Das ist ein komischer Fisch. P i ck: Ach, das spielt ja keine Rolle. M. Coquin(zieht aus dem Magen des Fifches einen wunder- ist, Verwirrung in die Reihen der Arbeiterschaft zu tragen. Auch das hiesige Gewerkschaftskartell tritt in einem Schreiben, welches heute in der sozialistischen Presse von Halle veröffentlich wird, mit gleicher Schärfe gegen das Ansinnen der Kommunisten, sich als Werkzeug porteiagitatorischer Bestrebungen benutzen zu lassen, ent- gegen. Die ganze sinnlose Aktion, die dem vermorschten kommu- nistischen Parteikörper neues Leben einflößen sollte, ist somit zu Schall und Rauch geworden. «rDie veruneinigten�. Die kommunistische Abgeordnete Frau W a ck w i tz ist aus der kommunistischen Reichstagsfraktion ausgetreten und bleibt vorläufig als„Wiche" im Reichstag. Den gleichen Schritt hat bereits vor einiger Zeit der kommunistische Abg. T e u b e r unternommen, so daß es jetzt drei kommunistische Richtungen allein im Reichstage gibt, und zwar: die eine Richtung verkörpern die vier aus der Kom- munistischen Partei ausgeschlossenen Abgg. Levi, Geyer, Düwell und Reich, die zweite wird von den beiden kommunistischen „Wilden" gebildet und in der dritten Richtung verbleiben die übrigen Kommunisten, zu denen noch der Abg. Herzfeld(Mecklenburg) gehört, der von seinem Wahlkreise vor wenigen Wochen als unfähig zur Bekleidung öffentlicher Acmter erklärt wurde. Verhöhnung öer Reichsfiagge. Offenbar ermutigt durch die bayerische Fronde ist die„Kreuz- zeitung" wieder bei ihrer alten Manier der Verächtlich- inachung der Republik und ihrer Einrichtungen angelangt. Sie berichtet einen Vorfall aus Bogota, der Hauptstadt der süd- amerikanischen Republik Kolumbien. Dort hatte der deutsche Ver- trcter Dr. Roland aus Anlaß des kolumbischen Nationalfestes die Neichsflagge gehißt, und wie sich das für einen Beamten der Republik selbstverständlich gehört, die geltende Neichsflagge schwarz- r o t g o l d. Einige Sllldeutsche in Bogota wollten den deutschen Ver- treter mit Gewalt zwingen, die schwarzrotgoldene Fahne durch die schwarzweihrote zu ersetzen, die sie bereits ZU diesem Be- Huf mitgebracht hatten. Dieses Vorgehen findet den Beifall der „Kreuzzeitung". Unerhört findet sie es dagegen, daß der bedrohte Gesandte zum Schutze gegen die alldeutschen Lümmel polizeiliche .Hilfe erbat, die ihm auch alsbald gewährt wurde. Ihre besondere Verachtung der Reichsfahne drückte die„Kreuzzeitung" dadurch aus, daß sie beständig von der schwarzweitzroten„F a h n e", ober von dem schwarzrotgoldenen„Tuch" redet und das Hissen der Reichsfarben als„neudeutsche Blamage" bezeichnet. Das ist die Illustra- tion zu der Beteuerung der reaktionären Presse, daß sie gar nicht daran denke, die Republik und ihre Wahrzeichen absichtlich verächtlich zu machen. Die vorschlage öes Vohnungsausjchuffes. Der vom WohnungsowZfchuß des Reichstages eingesetzte, auZ ReichstagSmitgliedern und Sachverständigen bestebende Unteraus- ichuß hat seine Arbeiten zur Begutachtung der Vorschläge über die künftige Organisation des MetwohnungSwesenS und Beschaffung der Mittel zum Wohnungsbau vorläufig beendet. Die Mehrheit beschloß, dem Ausschuß zu empfehlen, daß der Vorschlag deS Stadt« rats H o fm an n- Leipzig über die Begründung von Wohn- genossenschaften zur Verwaltung der vorhandenen Woh- nungen deS gewerbsmäßigen Hausbesitzes näher geprüft werden soll. Weitergehende Vorschläge des Allgemeinen Deutschen Ge- werkschaftsbundes fanden keine Mehlheit. Die Beratungen über die Organisation der Baustoffbewirtschaftung soll demnächst fort- gesetzt werden. Zur Aufbringung der Mittel für die weitere Finanzierung der Bautätigkeit soll dem Ausschuß eine Erhöhung der Wohnung'abgabe unter der Boraussetzung vorge- schlagen werden, daß gleichzeitig geprüft wird, inwieweit aus der Rohstoffproduktion Mittel für diesen Zweck flüssig gemacht werden können._ England und Irland. Ja der Antwort der britischen Re- gierung an de Valera wird an diesen die Frage gerichtet, ob er bereit sei, am 20. d. M. an der Konferenz in Inverneß teil- zunehmen. baren Ring hervor): Mein Gott, der königlich« Ring! Wie kommt er in des Fisches Mag-n? Alle: Was, ein Ring, ein königlicher Ring? M. C o q u i n: Ja, der Ring, den der König immer trägt. Marie: Hat der König seinen Ring in die See geworfen? Anna: Das Glück oerläßt ihn nicht. M. Coquin: Pick, Zylinder und Frack her! Ich gehe zum König. (Der Koch geht weg.) Martha: Das ist nicht gerecht: seine kostbaren Ringe wirft der König heraus und uns zahlt er so ein kleines Gehalt. Marie: Du hast recht. Pick: Ja, der König ist nicht gerecht. Anna: Ich diene ihm nicht mehr. Martha: Er ist ein schlechter Monarch. Marie: Ein Tyrann. Pick: Hoch die Rcoalutionl Alle: Wir gehen los! (Sie verlassen die Küche.) I Das Fabrikkino. Eine Statistik hat ergeben, daß in Amerika heut« schon nicht weniger als 44 000 Kirchen— davon 17000 katho- lische— ihre Pforten dem Film geöffnet hoben. Szenen aus der Bibel, in Heller Leinwandschrift erglänzend« Zitate und kleine Schau- spiele mit religiöser Tendenz sollen den Geistlichen unterstützen und di« Gotteshäuser wieder anziehender machen. Nach der Stätte der Andacht hat sich der Film nun in Amerika auch die der Arbeit er- obert. Das mutet auf den ersten Blick doppelt erstaunlich an in einem Lande, in dem man dl« raffiniertesten Systeme ersonnen hat, um die Kräfte des Fabrikarbeiters auch auf das letzte Minutenteikchen auszunützen. Hat man doch Frauen die Besichtigung von Fabrik- räumen verboten, nur weil das Nochschauen der Arbeit«? einen Arbeitsverlust kosten könnte. Und nun soll in den geheiligten Fabrik- räumen gor geflimmert werden? Des Rätsels Lösung lieqt auf psychologischem Boden. Indem man den Arbeitern in den Pausen ein Filmlustspiel oder eine inter- essante Filmschau vorführt, will man ihre Nerven auffrischen. Er- müdungserscheinunnen verscheuchen, kurz stimmungssördernd wirken. Die Zeit vor der Pause verliert so ob des bevorstehenden Lichtspiels von ihrer Eintönigkeit. Und wer eben«in fröhliches Spiel mit angesehen hat, wird selbst guter Stimmung Bereits find«ine Reih« von Fabriken dazu übergegangen, in den Räumen, in denen die Arbeiter ihren Lunch einnehmen, die qroße Leinwand aufzuspannen. Sicher ist es verfrüht, heute schon der Frag« näher zu treten, wann das Fabrikino nun auch zu uns kommen wird. Solange die omerika- nischsn Arbeitssysteme in unsere Fabriken nicht eingedrungen sind, sind auch die amerikanischen Stimmungmittel nicht vonnöten. Das Gewissen des Künstlers. Eine Geschichte von dem greisen Altmeister des Impressionismus Claude M o v e t. die das sirenge Gewissen dieses Malers seinen Werken gegenüber beleuchtet, wird im„Courier de la Semaine" erzählt. Ein Bilderhändler besuchte kürzlich den Meister in seinem Atelier zu Giverny und zeigte ihm Die völkerbunötagung. Die gestrige Sitzung der Bölkerbundversammlung eröffnete B r a n t i n g- Schweden mit einer scharfen Kritik an dem Jahres- bericht des Lölkerbundrates. Man habe bei den Beschlüssen des Völkerbundes verschiedentlich das Gefühl, daß sie nicht vom Völker- bund selbst, sondern von anderer Stelle gefaßt worden seien. Mit besonderem Nachdruck forderte Branting, daß die Völker- bundoersammlung das Hauptorgan des Bundes bleiben müsse. Man geht wohl in der Annahme nicht fehl, daß Branting damit sagen wollte, wichtige Streitfragen, deren Schlichtung dem Völkerbund anvertraut worden sei, seien allzu oft Kommissionen über- wiesen worden, deren sachliche Eignung nicht immer die beste ge- wesen sei. Lord Robert C e c i l- England versuchte die Angriffe zu mildern. In der o b e r s ch l e s i s ch e n F r a g e gab er folgende Er- klärung ab: Ich will nichts in der Sache selbst sagen, aber die Hoff- nung aussprechen, daß der Völkerbundrat nicht nur eine völlig ge- rechte Lösung finden wird, was selbstverständlich ist, sondern eine Lösung, die aller Welt gerecht erscheint. Denn es genügt nicht,- daß eine Lösung gerecht ist, sie muß auch als gerecht empfunden werden. Den polnisch-litauifchen Könflikt in der Wilna- frage und seine lange Dauer nannte Cecil einen internationalen Skandal, der den Weltfrieden gefährde. Die Brüsseler Verhandlungen führten bekanntlich zu keiner Einigung. Ein neuer Vermitllungsvor- schlag des Völkerbundes sieht in militärischen und außenpolitischen Fragen eine Art Konvention zwischen Litauen und Polen vor und gibt dem Bezirk Wilna eine gewisse Autonomie unter litauischer Kontrolle. In der Mandatsfrage(Zuteilung der ehemals deutschen Kolonien), die zu Reibereien mit den Vereinigten Staaten ge- führt hat, schob er die Schuld an der Verzögerung eines Ucberein- kommens Amerika zu und suchte den Völkerbund von dem Vorwurf zu reinigen, die Mandatsausübung sei nur eine versteckte Annexion. In der A b r ü st u n g. die über das Stadium der schönen Reden noch nicht hinausgekommen ist, bemerkte Cecil, man rüste weiter, weil ein Staat vor dem anderen A n g st habe. Der Völkerbund könne seine Feinde nur von seinem Wert überzeugen, wenn er mutig auf dem Wege der Abrüstung fortschreite,..ufa&C • Die fünfte Kommisston für die politischen Angelegen- heiten trat gestern zusammen, um die Aufnahmegesuche Ungarns, Lettlands, Litauens und Estlands zu be- sprechen. Es wurde eine Unterkommission von 7 Mit- gliedern ernannt, die in jedem einzelnen Falle folgende 5 Fragen zu beantworten hat: 1. Ist das Aufnahmegesuch an den Völkerbund regelmäßig erfolgt? 2. Ist die Regierung cke jure oder de facto anerkannt? 3. Besitzt das Land eine regelmäßige Regie- rung, bestimmte Grenzen und wie groß ist die Bevölke- r u n g? 4. Wird das Land selbständig �regiert? S. Welche Handlungen seiner Regierung liegen vor a) über intcr- nationale V e rpflichtungen, b) in betreff der Vorschläge des Völkerbundes über die Rüstun gs fragen. Der Bericht des Unterausschusses soll die Grundlage für die allgemeine Debatte in der Vollsitzung des Ausschusses bilden. Vor Schluß der Sitzung, die, wie bisher alle Kommisssons- sitzungen, geheim war, betonte Lord Robert Cecil, daß die Kom- Mission das Recht habe, öffentlich zu tagen, da nach der Ge- schäftsordnung alle Verhandlungen zwar geheim fein sollen, aber nur, wenn nichts anderes beschlossen werde. Lord�Robert Cecil beantragte infolgedessen, daß in Zukunft die Vollsitzungen der sechs Kommissionen öffentlich sein müssen. Der Antrag wurde ein st immig angenommen. « Der Zwischenfall zwischen Bolivien und Chile soll der„Suisse" zufolge einer Lösung entgegengehen. Beide Völker sollen sich, so heißt es, damit einverstanden erklärt haben, den Streitfall vor einen Ausschuß zu bringen, welcher prüfen soll, ob die Angelegenheit dem internationalen Gerichtshof zu unterbreiten oder durch den Völkerbund selbst zu regeln sei. ein Bild aus seiner Jugend, das datiert und signiert war. Das Werk, das noch ganz unter dem Einfluß Eourbeis stand, zeigte deut- lich die Schwächen des Anfängers. Monet betrachtet sich das Bild aufmerksam, dann stößt er einen Fluch aus und bringt ihm mit einem Faustschlag ein großes Loch bei.„Damals war ich noch ein elender Stümper," schreit er wütend. Der Händler scheint ganz un- tröstlich über die Vernichtung des Bildes und erklärt jammernd: „Ich hatte es so teuer� bezahlt, nicht wegen seines Wertes, sondern weaen der Signatur. Sie müssen mir den Schaden ersetzen, Meister." „Wählen Sie sich was aus," sagt Monet verächtlich und weist in eine Ecke des Ateliers, wo ein Haufen Bilder aufeinanderliegt. Der Händler läßt sich das nicht zweimal sagen, sucht lange iknd geht unter Dankesbezeigungen mit einem reifen Werk des Meisters sort. „Du läßt dich doch immer von den Händlern anführen," sagt zu Monet ein Freund, der zugegen war.„Der Mann hat döch das Bild bloß gekauft, um diese Szene hervorzurufen."„Denkst du, das weiß ich nicht auch?" antwortet der Meister.„Aber mir ist das ganz recht. Ich wünschte, ich wäre reich genug, um alle meine alten schlechten Bilder auf diese Weise vernichten zu können." Das Land der Freihdtsstalue. Eine Bewegung, Eugene D. Debs, den sozialistischen Kandidaten für die Präsidentschaft, der wegen eines Vergehens gegen das Spionagegesetz immer noch d»- Gefängnis sitzt, freizubekommen, wird von sozialistischer Seite neuer« Vings ins Werk oesetzt. Der sozialistische„Milwaukee Leader" hat dcn englischen Dichter Bernhard Shaw, der als einer der Mitarbeiter an einer vor Jahresfrist erschienenen Schrift„Debs und die Dichter" seiner tiefen Sympathie für das Schicksal von Debs Ausdruck qe- geben hatte, gebeten, an dieser Kampagne teilzunehmen. Shaw hat mit folqendem Brief abgelehnt: „Wenn man schon Mr. Debs für«ine außerordentlich milde Be- merkung ins Gefängnis gesperrt hat, wie würde man da erst mit mir verfahren, der vor der Oeffentlichkeit nie den Mund auftut, ohne Dinge zu sagen, die Mr. Debs bis auf den Grund feines empfind- samen Herzens chockiercn würden? In den elektrischen Stuhl mich setzen, womöglich. Nein. Ich weiß, wo ich sich« bin, und das ist außerhalb Amerikas. Sie erinnern sich wohl, was ich den Kaiser in meinem Kriegsstück lagen ließ:„Die Freibeitsstaiue ist schon an ihrem rechten Ort— auf dem Grab der Freilieit." Hatte ich so sehr unrecht?" Mniit. Die unter Paul E ch e i n p s l u g staUfmdendcn Sinfonie- konzertc mit dem Blütbner-v'.chcstcr werden in der kommcni'cn Saison in erweiterter Form sortgeseht. Sie finden im Abonnement statt. Außer den großen Sinfonikern finden auch ein« Anzahl Uranifübrungen statt. Ten, Klassi'chcn Tbeater siir die Seliranttalte» Groh-Berlilis stehen für da? Abonnement seiner mr Ollober beginnenden Wintcrsviclzeit folgende Auffnbrungcn zur Veriiiaung: ini Kroßen Schauspielhaute an Sonntagnachmittagen Schillers.Räuber- und olle anderen dort geocbenen Klassiker: in der Volksbübne Shakespeares.König Lear«: im Schiller- Tbeater Kleists.Prinz von Homburg-, Sbakclpeares.Ein Wintrrmärchen-, Ibsens.Die Stützen der Kefellschast-; tm Kleinen schauspiclbau'c KoctheS „Iphigenie-. Außerdem Sondervorstellungen in allen ersten Tbealern. Opernvorstellungen im Deullchen Opernbgule an Sonntag- und Docheniag». Nachmittagen:.Tie Schwäßerin von Saragossa-,.Der Postillion von Lon» jumeau-,.Der Troubadour-,.Die lustigen Weiber von Windsor-,.Fidelio-, .FigaroS Hochzeit-,.Zar und Zimmermann'. Bestellungen' in fast samt- lichcn Groft-Berliner Schulen. Prospekte von der GejchäslSstelle, Wer- u euch euer Str. IS. Nr. 425 ♦ ZS.Fahrgang Seilage öes vorwärts 5re!tag, 9. September 1921 Die Stadtverordneten zum Kall Rudolph-Iranzke Die in der Presse vor einer Reihe von Wochen erörterte Affäre des in der Hauptfürsorgestelle für Kriegsbeschädigte angestellt gewesenen Dr. Rudolph-Franzke kam gestern endlich � auch in der Stadtverordnetenversammlung zur Besprechung. Anfragen der Deutschen Volkspartei und der Demokratischen Partei ersuchten den Magistrat um Auskunft, die dann durch drei Magistratsmitglieder so erschöpfend ge- geben wurde, daß von der ganzen Aktion nicht viel übrig blieb. Vergeblich mühten sich Demokraten, Deutschnationale und Deutsche Volkspartei, an Hand dieses Falles eine a l l g e- meine„M i ß w i r t s ch a f t" bei der Kriegsbeschädigtenfürsorge glaubhast zu machen. Mit den Kom- munisten und Unabhängigen wies auch die sozial- demokratischeFraktiondieseVersuchezurück, von denen unser Redner sagte, daß sie nur aus dem Bedürf- nis der W a h l p r o p a g a n d a zu erklären seien. Der Vor- schlag,-die Geschäftsführung der Hauptfürsorgestelle für Kriegs- beschädigte durch einen Ausschuß prüfen zu lassen, fand die Zustimmung aller Fraktionen. Sitzungsbericht. Auch die heutige Sitzung beschäftigen zunächst Dringlichkeits- antrage. Von der linken Seite wird die Aufhebung der Verordnung über den Achtuhrhäuserfchluß bzw. die alsbaldige Zustimmung der Versammlung zu dem Spruch des Schlichtungsausschusses zwecks Vermeidung eines Streiks der städtischen Gas- und Elektrizitäts- orbeiter gefordert: beide Anträge stoßen bei der Rechten auf Wider- spruch und kommen daher heute nicht zur Verhandlung. Die D. Vp. hat beantragt, den Magistrat zu ersuchen, bei der jetzt erfolgenden Neuregelung der Zuschüsse für Privatschulen auch für eine angemestene Erhöhung der Bezüge der Schuldiener, Heizer und des Reinigungspersonals Summen in die Vorlage einzustellen. Der Antrag, den die äußerste Linke mit Gelächter ausnimmt, wird als dringlich anerkannt und gelangt sofort zu einstimmiger Annahme. Dr. Caspori(D. Vp.) teilt mit, daß seine Fraktion aus die Einbringung eines Dringlichkeitsantraoes betr. die planmäßige Störung der Zusammenkünfte und Wohltätiakeitsveranstaltungen der Deutschen Volkspartei verzichte, da der Polizeipräsident für Montag eine Besprechung dieser Vorkommnisse mit Vertretern aller Parteien angesagt habe. Hierauf tritt die Versammlung in die Tagesordnung ein und wendet sich nach Erledigung einiger Gegenstände von minderer Be- deutung der Beantwortung der Anfragen zu, die am 4. August von der Deutschen Volkspartei und von den Demokraten gestellt morden sind und die Geschästsführung der 5)auptfürsorgestelle für Kriegsbeschädigte bzw. die darin angeblich zutage gettetenen„groben Mißstände" und die Anstellung und Entlassung des juristischen Hilfsarbeiters Dr. Rudolph-Franzke betteffen. Kröpelin(D. Dp.) begründet die Anftage seiner Partei. Er beschuldigt den Stadtrat S t o l t, seine Amtspflicht vcr- nachlässtgt zu haben: Dr. Rudolph sei seine rechte Hand gewesen. Tatsächlich habe der Magistrat den Herrn Dr. Rudolph, der diesen Namen zu führen gar nicht berechtigt war, fristlos entlassen müssen. Nichts liege an der Persönlichkeit des Herrn Franzke, auch nichts an Herrn Stolt: es komme auf das System an: Vertreter einer Partei, die bloß mit der Faust die Welt re- gieren wollen, gehören in solch« Aemter nicht hinein. Da zu» gleich eine Magistratsoorlage wegen Neueinrichtung von Stellen in der Hauptfllrsorgestelle der Kriegsbeschädigten- und Kriegerhinter- bliebenenfürsorge zur Erörterung steht, die Ausschußberatung er- fordert, so beantragt der Redner, diesem Ausschuß auch die Befugnis zu überttagen, die bisherige Geschäftsführung der Hauptfürsorgestelle einer Prüfung zu unterziehen. Stadtsyndikus Dr. Lange trägt ausführlich den Sachverhalt vor, soweit er die Persönlichkeit des Dr. Rudolph-Franzke bettifft. Der Herr, der in Erlangen rite promoviert hat, ist aus Grund seiner Bewerbung und seiner Zeugnisse am 21. März 1921 angestellt worden. Seine fristlose Entlassung mußte erfolgen, da nach den angestellten Ermittlungen die Führung eines Namens, zu dem er nicht berechtigt war, das Verschweigen der Tatsache, daß er ein Kriegsbeschädigter war, und die Nichtoerwendung eines ihm zur Abttagung einer Schuld auf seinen Antrag überwiesenen Renten- Vorschusses von 3500 M. für den gedachten Zweck feststand. Stadtrat Stolt wendet sich in eingehender Darlegung gegen die Angriffe des Stadto. Kröpelin. Er erklärt zunächst, daß er für die von ihm als Leiter der Stelle crlasienen Verfügungen die volle Verantwortung übernimmt, daß ihm das Dezernat zu- geteilt worden sei, als er krank lag, daß er sich zur Information das Material ins Schönsberger Krankenhaus habe schicken lassen, daß er am Tage seines Dienstanttitts bestimmt habe, daß sämtliche Ein- gänge ihm vorzulegen seien, bevor sie in den allgemeinen Geschäfts- gang gehen. Dies- Anordnung sieht er als etwas Selbstverständ- liches an, ebenso feine Anweisung an Dr. Rudolph, die Eingänge zu prüfen und auf die einzelnen Dezernate zu verteilen. Im weiteren verteidigt er seine Amtsführung, die durchaus von dem Beftteben getragen worden sei, die sozialen Mißstände, die auf diesem Gebiete vorlagen, möglichst zu mildern. Lagen solche vor, so kommen sie auf das Konto der alten, der früheren Verwaltung. Von einer kommunistischen Zenttale in der Hauplfürsorgestelle kann keine Rede sein. Zur weiteren Klärung der Dinge wird die gerichtliche Verhandlung der Klage dienen, die der Magistrat auf Anregung des Redners in der Sache gegen die„Deutsche Tages- Zeitung" anstrengen wird. Vom Oberbürgermeister B ö ß wird bestätigt, daß den Stadtrat Stolt wegen seiner angefochtenen ersten Verfügung ein Vorwurf nicht trifft. Wenn dann angedeutet worden sei, daß die Reichs- rcgierung auf den Magistrat eingewirkt habe, um ihn zu der von ihm vorgelegten Neuordnung der' Stelle zu veranlassen, so sei diese Annohme hinfällig: es handle sich um die eigene Initiative des Magistrats. Die Versammlung beschließt, in eine Erörterung der Angelegen- heit einzutteten. Merten(Dem.) behandelt vornehmlich die in der Presse besprochenen Fälle, in denen Stadttat Stolt den Kriegs- beschädigten ungebührlich entgegengetteten sein soll, um daraus den Schluß zu ziehen, daß der Leiter der Stelle kein Vertrauen verdient, und schließt mit dem Ausdruck der Hoffnung, daß die geplante Re- organisation nicht im Geiste des Herrn Stolt ausfallen werde. Stadtrat Stolt verliest zur Widerlegung die von ihm in diesen Punkten erstatteten amtlichen Berichte. Nachdem Schulze(Dnat.) die Angriffe Mertens noch unter- strichen, führt Brückner(Soz.) aus, daß es darüber keinen Stteit gebe, daß die Kriegsbeschädigten- und Hinterbliebenenfürsorgc durch- aus in sozialem Sinne wahrgenommen werden muß. Tatsächlich stehe in Berlin diese Fürsorge auch auf der 5?öhe der Zeit: nur ganz vereinzelt seien die Beschwerden, und die hervorgetretenen Mängel sei man zu beseitigen bemüht. Daß der Magistrat einmal jemand nach nicht genügender Prüfung auf einen immerhin verantwor- tungsvollen Posten gestellt hat, könne man ihm nicht zum Vorwurf machen. Ihr Urteil behalte sich die Partei bis nach Abschluß der Ausschußverhandlungen vor. Aus der Führung eines doppelten Namens einen Vorwurf herzuleiten, hätte gerade die Rechte die ge- ringste Veranlassung. Als 1848 Prinz Wilhelm von Preußen unter dem Namen Lehmann als Postillon verkleidet ins Ausland floh, habe man daran— keinen Anstoß genommen, und die Köpenickiade des„Hauptmanns" Schuh- macher Voigt sei doch auch noch unvergessen. Man knache hier um einen Einzelfall doch nur deshalb so viel Aufhebens, weil es sich um den Kommunisten Stolt handle. Auch M a n a f f e(US.) findet, daß hier heut« viel Zeit vertan und viel Geräusch gemacht wurde„um eine Omelette". An der weiteren Erörterung beteiligen sich noch Dörr(Komm.), sowie wiederholt Merten, Kröpelin und Stadtrat Stolt. Darauf wird die Magistratsvorlage in einen Ausschuß verwiesen und diesem auch die von der Deutschen Dolkspartei beanttagte Be- fugnis erteilt. Die Torlage wegen Uebernahme der Bürgschaft für eine Hypothek von einer Million Mark auf die 18 Einfamilienhäuser des Hcimstätten-Bauocreins Neu-Heiligensee e. G. m. b. H. geht an einen Ausschuß, der Antrag der Kommunisten wegen Unterstützung der Erwerbslosen usw. während der kommenden Wintermonate an den ständigen Ausschuß für Erwerbslosenfürsorge. Nach'8 Uhr erfolgt der Schluß der öffentlichen Sitzung._ die Knüppelgaröe. Welch sonderbare Auffassung die Teutschnationalen von den Rechten Andersdenkender in einer ö f f e n t li ch e n Versammlung haben, lebrt ein Vorfall, über den uns folgendes mitgeteilt wird: Am Mittwoch abend fand in der Brauerei Königstadt am Schönhauser Tor eine von der Deutschnationalen Volks« Partei einberufen« öffentliche Wählerversammlung statt. Unsere Genoffen waren in stattlicher Anzahl frühzeitig er« schienen. Bereits eine Stunde vor Eröffnung wurden, anscheinend von einem Vorstandsmitglied der Deutschuationalcn Volkspartei, die Genoffen unter Hinweis auf den HausfricdenZbruchparagrapben aufgefordert, den Saal zu verlassen. Unsere Genossen verwiesen auf die öffentliche Bekannlmachung. Nun wurde die Schupo herbei« geholt, die verlangte, daß innerhalb zehn Minuten der Saal von unseren Genossen verlassen sein müßte. Durch Verhandlungen mit dem Leiter der Versammlung wurde schließlich erreicht, daß unsere Genossen im Saal blieben und uns ei» Korreferat zugestanden wurde. DaS Versammlungslokal wurde aber abgcsperri. Die Aus- fllhrungen der ersten Reserentin, die indirekt den Mord an Erz« berger verherrlichte, wurden trotzdem noch mit Ruhe angehört. Erst als der ziveite Referent, ein Herr Kaufmann, auf Zwilchen- rufe die Parteigenossen mit Gesindel. Pöbel und dergleichen titulierte und provozierend gestikulierte, wurde die Versammlung erregt und artete schließlich zu Prüg eleien aus, da der deutschnalionale „Selb st schütz" mit Gummiknüppeln und Schlagringen auf die Parteigenossen einschlug. EinBanklehrling hantierte mit einem Revolver. Einer der Schläger wurde auf Verlangen unserer Genossen festgestellt. ES handelt sich um einen Albert Heide- mann. Raumerstr. 31. DaS Versammlungslokal wurde schließlich durch die Polizei geräumt. Man ersieht daraus, mit welch rücksichtslosen Mitteln die Re« aktion vorzugeben versteht, wenn sie durch unbequeme Besucher ihrer „öffentlichen" Versammlungen in die Lage gerät, sich vor einem größeren Kreis verantworten zu müssen. Zu diesem uns zugegangenen Bericht wird uns noch von anderer Seite ergänzend mitgeteilt, daß mit der deuffchnationalen V e r- sammlungsleitung ein Abkommen getroffen worden war, nach dem den zahlreich anwesenden SPD.-Anzchörigen für die Aussprache ein Redner zugestanden wurde. Auch in diesem Bericht wird lebhaft Klage über das unerhörte Verhalten des Herrn Kauf- mann geführt, der sich wie ein echter Renommierheld hinstellte und den Gegnern zuschrie: Ich bin mit den Franzosen und Engländern im Krieg fertiggewordcn und werde auch mit Ihnen fertig werden. Ganz absunderlich aber müssen sich diese Vorkommnisse in dem Köpfchen des Berichterstatters der von WTB. herausgegebenen Berliner Lokalnachrichten spiegeln. Die genannte Korrespondenz läßt, nachdem sie darüber berichtet hat, daß„mehrere hundert Per- sonen versucht hatten, eine Versammlung der Deutschnationalen Volkspartei im Böhmischen Brauhaus zu stören", sich also ver- �nehmen:„Aehnlich erging es einer zweiten Versammlung der �Deuffchnationalen in der Brauerei Königstadt in der Schönhauser Allee. Hier versuchten gegen 8'/- Uhr abends radikale Elemente, in den Versammlungsraum einzudringen. Zluch hier gelang es der Schutzpolizei, die Ruhestörer zu zerstreuen, wobei vier der Haupt- fchreicr sistiert wurden." Den richtigen Hergang und Verlauf er- sieht man aus dem obigen Bericht. Wenn man sich die„radikalen Elemente", mit denen das Spießertum graulich gemacht werden soll, genauer ansieht, dann merkt man, daß bei Elemente die ersten vier Buchstaben Elem zu viel sind. Streicht man sie weg, so bleibt eine ... Ente übrig. Weiterhin erfahren wir noch, daß gestern(Donnerstag) abend zu �8 Uhr von der Deutschnationalen Partei, Ar- beitergruppe Norden, nach dem Hause Grcifenhagener Straße 20, eine öffentliche Versammlung einberufen war. Auf den daffir verbreiteten Handzetteln waren Gegner ganz beson- ders eingeladen. Di« Gegner fanden sich auch fein sittsam ein in Gestalt von 200 SPD.-Parteigenossen. In dem Maß, wie unsere Genossen in die Erscheinung traten, schwanden die deutsch- nationalen„Arbeiter" aus dem Saal, bis unsere Genossen nebst einigen anderen Gästen allein übrig blieben. Um ViS Uhr jedoch erschien die freundliche Sipo und veranlaßt« die„Auflösung" der Versammlung, trotzdem sie erst zu s48 Uhr einberufen war. Helden sind diese Deuffchnationalen— Heldenl Verein Berliner Buchdrucker und Schriskgießer. Rokakioncr! Freitag, den 9. September, abends 6 Uhr, pünktlich, im Gewerk- schaftshaus(Restaurationsräume) Versammlung. Jeder hat zu er« scheinen. Gustav Huf. Alb. Massini. IT] Die Rächer. Roman von Hermann Wagner „Ihr Fall ist noch keineswegs klar oder erledigt," sagte der Untersuchungsrichter zu ihm.„Ihr Geständnis, daß Sie das Dokument mit dem Namen der Frau von Mansch unterschrieben haben, bleibt bestehen. Ob Ihre Unterschrift zu Recht erfolgt ist, das wird erst die Einvernahme der Frau von Ma.- risch erweisen. Aber da sich niemand als geschädigt erklärt � und da Sie, der Sie sich selbst bezichtigt haben, nicht sluchwer- dächtig sind, steht dem nichts im Wege, daß ich Sie aus der Untersuchungshaft entlaste... Herr Schriftführer, proto- kollieren Sie: Da gegen den Beschuldigten ein Fluchtverdacht nicht vorliegt und da die Untersuchung außerdem Momente ergeben hat, die die Tat des Beschuldigten in einem milderen Licht erscheinen lasten, wurde die über ihn verhängte Unter- suchungshaft wieder aufgehoben." Die Amtsmiene des Beamten milderte sich ein wenig. Er machte Reisner ein Zeichen.„Sie können gehen. Sie sind frei." „Wie?" ftagte Reisner abwesend. Da spürte er Lucies Hand auf seiner Schulter.„Komm," sagte Lude leise,„komm.. Er stieg die vielen Treppen wie betrunken hinunter. Das grell« Tageslicht draußen blendete ihn. Er griff sich an die Augen.„5ch verstehe noch nicht, was ist geschehen?" Sie schob ihren Arm unter den seinen und winkte auch Behrens.„Komm," wiederholte sie nur,„du wirst alles er- fahren" Er faß ganz apathisch im Auto, und ganz von selbst fielen ihm die Augen zu. Zuweilen öffnete er sie halb, um zu Behrens hinuberzufeben, der ihm stumm gegenüber faß. Aber er schloß sie sogleich wieder. Er wnr nicht mehr fähig. zu denken. Ich lebe jetzt nur noch von Minute zu Minute. sagte er zu sich. Und es machte ibn zufrieden, die Hand Lucies In der seinen zu fühlen. Allzu schlimm konnte es um ihn also nicht stehen. Ach, wenn er doch einmal Gelegenheit hätte, ruhig und traumlos zu schlafen! Daheim angekommen, geleitete Ihn Lucie auf sein Zim- mer. Er ließ sich führen wie ein Kind. Er bestaunte alles, als sehe er es zum erstenmal. Dann ließ er sich in den Klub- scssel fallen, stemmte die Ellenbogen gegen die Knie und stützte so den Kopf. Er sank in ein schlafähnliches Brüten. Mühsam löste sich aus dem Wirrwarr seiner Gedanken endlich ein einzelner los: der, daß er jetzt frei war. während er doch noch die Nacht im Gefängnis verbracht hatte, daß er daheim in seinem altvertrauten Zimmer saß und nicht in dem beklemmend feindseligen Raum, vor dessen Tür ein unrasier- tcr Mann mit weich schleichenden Schritten als Wache gei- tcrte, und daß Lucie mit ihm sprach, sich um ihn bemühte, wo sie ihn doch noch vor wenigen Tagen angespien hatte... Was war geschehen? Und plötzlich befiel ihn eine grenzenlose Angst. Es war ihm unerklärlich, woher sie kam, aber sie war da, durchdrang � ihn, bewirkte, daß er stöhnend auffuhr, die Augen aufriß, nach einem Feind suchend, der irgendwo versteckt sein mußte,— irgendwo, denn er spürte dessen Macht. Er stieß einen leisen Schrei aus, denn er hatte Behrens gesehen. Der saß ihm gegenüber, schon lange Zeit, und be- trachtete ihn. „Sie sind krank," sagte Behrens freundlich.„Fühlen Sie es nicht, daß Sie krank sind?" „Ich weiß nicht," antwortete Reisner unsicher und fuhr sich über die Stirn hin,„aber es i� möglich..." „Sie müssen fort," erklärte Behrens bestimmt,„es ist 1 hohe Zeit, daß Sie fortkommen." Reisner hatte wieder die Empfindung, daß er im Kran- kenhaus fei und daß Fremde sich um ihn bemühten. Er streckt» I sich in wohliger Mattheit und seufzte.„Aber wohin?" fragte er bekümmert. „Wohin möchten Sie? Haben Sie einen Wunsch?" Reisner entsann sich Kärntens, der Kühe, der abendlich funkelnden Fenster, des Rauches, der still aus den Esten in die Luit stieg. Er lächelte zaghaft.„Ich mächte nach Kärnten, in ein Dorf..." Behrens schüttelte den Kopf.„Rein, das ist nichts für Sie. Sie muffen weiter. Sie müssen in ein Land, in dem man Sie nicht erreicht." Er sab Reisner fragend an.„Ich hätte einen Borschlag. Wollen Sie ihn hören?" „Ja," antwortete Reisner traumhaft. Behrens suchte in feiner Brieftasche und entnahm ihr einige Papiere.„Sehen Sie her. Das find drei Fahrscheine für einen Schnelldampfer, der in drei Tagen von Holland nach Amerika fährt... Wollen Sie sie benützen?" Reisner machte ein ungläubiges Gesicht.„Drei Fahr- scheine? Was soll ich mit drei Fahrscheinen? Ich verstehe , nicht--" „Erlauben Sie, was ist da unverständlich? Ein Fahr- gjein für Sie, einer für Ihre Frau, der dritte für Ihr Kind." ehrens wurde ungeduldig.„Die Sache ist doch klar. Ihre Frau ist einverstanden. Es fehlt nur noch, daß Sie sich ent- schließen �.. Run?" Reisner lächelte schüchtern.„Meine Frau... ist ein- verstanden—?" fragte er. „Ja," sagte Behrens trocken. „Und Sie—7" „Ich? Sie sind komisch. Was hat die Sache mit mir zu wn?... Ich bleibe hier." „Ich dachte..." „Was dachten Sie?" Was ist das? fragte sich Reisner, plötzlich erwachend. Spielt man mit mir? Träume ich? Bin ich in einer anderen Welt? Er suchte in dem Gesicht des anderen zu lesen.„Es war doch abgemacht," stotterte er, ,chaß Sie,— Sie und meine Frau,— daß Sie beide..." Behrens stand auf.„Unsinn," sagte er leicfffhin,„Unsinn ' dummes Zeug... Ibre Frau denkt gar nicht daran. Und i ich..." Er sprach drohend.„Wie denken Sie.sich das über» Haupt? Glanben Sie, daß man eine Frau und ein Kind so einfach— los werden kann?" Er lachte.„Hirngespinste! Denken Sie nicht mehr daran. Oder denken Sie, daß es ei» wüster Traum war... Fertigt" Reisner lelmte sich in den Stuhl zurück und preßte die Hände gegen die Stirn. Es war zuviel, was da mit einem Mal auf ihn eindrang, er konnte es nicht ordnen.„Aber meine— Sache.. sagte er. Behrens wehrte kurz ab.„Lasten Sie das. Kümmern Sie sich nicht darum. Es sind Schritte eingeleitet, die die Affäre niederschlagen werden. Aena'tigen Sie sich nicht." Er sprach kurz, heftig und schnell und fand den Ton, in dem Reisner einfach ertrank. Er berührte alles mit wenige« Worten und hatte es damit auch fffwn erledigt: Reisners Fälschung, die keine eigentliche Fälschung war, Reisners Ber» mögenslage, die keineswegs so verzweifelt aussah und die zu ordnen er auf sich nahm, und Reisners Flucht, die allen Wei- terungen einen schnellen und starken Riegel vorschob. 1■•......(Forts folgt.) Gartenfest der Einbrecher. Dai! Tlnbreckier naÄ einem gelungenen Slreiche ihren Raub- �ug zu„feiern" Pflegen, ist bekannt. In der Regel aber sucben sie dazu ihre Stammtaschemmen auf. Anders machte es eine Bande, die dem Kaufmann Mackenzie in Lichterielde-West, Unter den Eichen 63, einen unerbetenen nächtlichen Besuch abstatlelen. Die Verbrecher drangen durch den Vorgarten und da-Z Klosettfenster in die Räume ein und holten für 30 000 M. Schokolade, Kaffee, Milch, Weine und Liköre, sowie die grosie Registrierkasse. Ungestört der- onitalteten sie von dieser Beute gleich im Vorgarten ein Zech- gelage. Dann bogen sie einige Eiscnstäbe des Zaunes so um. dag sie dre Kisten bequem aufstellen und verlasen konnten. Wahrschcin- lich haben sie die Sachen mit einer Kraftdroschke weggeschafft. Der Chauffeur, der sie gefahren hat. ohne zu wissen, das; es sich um Einbrecher bandelte, wird ersucht, sich bei Kriminal-Oberwaibt- meister Stoll im Zimmer 102 des Berliner Polizeipräsidium zu nielden._ 3 Millionen Kronen gestohlen. Ein schlechtes Valntageiwnft machte ein Mann aus Prag, der nach Berlin kam. um für 3 Millionen österreichische Kronen zu der- schieben. Um das Geld herüberzubringen, hatte er in seinem Koffer einen ziveitcn Boden eingeschraubt. So glaubte er, es vor jedem Zugriff gesichert zu haben. In dem Pensionat mugte er sich mit einem Lager begnügen, das man ihm auf dem Wohnungsflur her- richtete. Seinen Koffer aber ließ er in dem Berliner Zimmer stehen, in dcnr ein Galizier schlief. Dieser, der sich Jäger nannte, zog am nächsten Morgen ans und kam nicht wieder. Als dann der Millionär seinen Koffer öffnete, um die Kronen an sich zu nehmen, um Käufer für sie zu suchen, entdeckte er zu seinem Schrecken, daß der ganze Schatz, den er mit Wäsche noch zugedeckt hatte, ver- schwunden war. Der Galizier wird jetzt gesucht. Der Prager aber wird sich nun auck, noch tvegcn unerlaubter Einfuhr ausländischer Valuta vor dein Strafrichter zu verantworten haben. Erbschaft, die wir von den reaktionären Kreisen im Roten Hause nach dem Krieg übernommen haben, der Zusammenbruch unserer Wirt- schaft. die politischen Wirren stellten unsere Partei vor Aufgaben, die unüberwindlich schienen. Er st nach Jahren wird die Ge- schichtsschreibung festftellen.in wie hervorragen- der Weise die Sozialdemokratie in Reich, Staat und Kommune unter den schwierig st en Verhält- nissen das deutsche Volk in zielbewußter Weise vorwärts und aufwärts geführt hat. Wir können und wollen nicht sagen, daß wir die heutigen Verhältnisse für befriedigend ansehen, und es bedarf der vertrauensvollen Mitarbeit aller Volks- 9. Kreis, Schmargendorf, im Lpzeum, SpanöauerStr. heute,§reitag, den 9. September 1921, abends 7 Uhr Thema: Die Kullurpoiitik der Sozialdemokratie und die Stadtverordneienwahlen. Referent: Konrad Haenisch, Kultusminister a. D. Handelsanwalt Wauer verhaftet. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft bei dem Landgericht I ist gestern der Gencralbevollinächtigte deS Köhn-sionzernS, der Hafldels« anwalt Gerbard Wauer verhaftet und in das Moabiter Unter- sucbungsgefängniS eingetiefert worden unter dem dringenden Wer- dacht, an den von Köbn begangenen Straftaten beteiligt zu sein. Wie wir erfahren, wird Wauer beschuldigt, durch die Gründung der „Aktiengesellschaft für Svorlunternehmungen", die er im Juli an- geblich zur Rettung der Gläubigerernlagen vornahm, die Gläubiger benachteiligt zu haben. Von Rechtsanwalt Kurt PincuS ist sofort gegen diesen Hastbefehl Beschwerde erhoben worden mit der Begründung, daß Wauer jede Benachteiligung der ca. 80 000 Köhn- Konzerngläubiger fern gelegen babe und er bei Durchfährung seiner Pläne, ähnlich ivie im Klante-Konzern, den Gläubigern alle Ein- lagen gerettet hätte._ Ein Schüler als Lebensretter. Der ISjährige Schüler Paul Goebel, Sobn deZ städtischen Straßenreiniqers Zranz Goebel in Berlin, Urbansir. 23 wohnhast, hat am 26. Juni d. I. den Schüler Kurt Grüiiiug, Urhanstraße 29 wohnhaft, vom Tode de? Ertrinkens aus dem Ilrbaiihasen gerettet. Der Polizeipräsident bringt diese von Mut und Entschlossenheit zeugende RetlungStat mit dem Au-5druck seiner besonderen An- erkennung zur Lsfeinlichen Kenntnis. Teutschnationale Lehrcrhetze. Im gegenwärtigen S ch u l k a m p f ist ein« Gerichtsoerhand- wmg von besonderem Interesse, die am 7. September vor dem hiesigen Schöffengericht stattgefunden hat. Dort ist nämlich abermals ein Deutschnatianaler seiner verdienten Bestrafung zugeführt war- den, der sich nicht gescheut hotte, die Ehre seines politischen Gegners auf das ärgste zu verunglimpfen. Es handelt« sich um die Klage des Berliner Lehrers Oskar Hübner gegen den Bäcker- meister Hildebrondt, Glogauer Straße, der von jenem be- hauptet hatte, er stünde in Verhandlungen mit einem Herrn „Cohn"(ohne Vornamen und Adresse in der angeblichen Abschrift de» Briefes vorweisen zu können), der ihm 16 000 M. zahlen wollte, falls es dem Lehrer 5)., der damals Stadtverordneter unserer Partei war, gelänge,„den Religionsunterricht aus der Schule zu b e s e i t i g e n."(I) Obwohl dieses angebliche An- erbieten so unsinnig ist, daß auf ein derartiges Gerücht kein ver- nünftiger Mensch hineinfällt, haben doch zahlreiche deutsch- nationale Kollegen und Kolleginnen des Lehrers H. diese Verdächtigungen dazu benutzt, gegen H. wegen seiner Agitation für die weltliche Schule eine w ü st e Hetze zu eröffnen. Unter diesen hat sich besonders der bisherige Stadtverordnete und R e i ch s t a g s a b g e o r d n et e der D e u t s ch n a t i o n a- len Volksparlei, Lehrer Schulze, hervorgetan, der seiner Immunität wegen bisher nicht belangt werden konnte. Hildebrandt erhielt 100 M. Geldstrafe. Auftakt zu den Stadtverordnetenwahlen im 16. Kreis. Köpenick. In einer imposanten, von etwa 1000 Personen be- suchten öffentlichen Volksversammlung referierte Genosse Silberschmidt über die bevorstehenden Stadtverordnetenwahlen. Die genossen und-genossinnen, wenn wir geordnete Zustände uns er- kämpfen wollen. In diesem Kampfe wird die Sozialdemokratie Führcrin des Volkes sein. Der zweite Redner, Genosse Brink- mann, sprach besonders zu den zahlreich anwesenden Frauen, in- dem er sie an die bitteren Kriegsjahre erinnerte und besonders her- vorhob, am Tage der Wahl daran zu denken, wem sie all dieses Elend zu danken haben. Allseitiger lebhafter Beifall bewies, daß die treffenden Ausführungen größten Anklang fanden. Anwesende Gegner hatten nicht den Mut, sich zum Wort zu melden. Mit einem warmen Appell an die Versammelten, die Wochen zur rastlosen Agi- tation und zur Aufklärung auszunutzen, wurde die anregend ver- laufene Versammlung geschlossen. „Feuer in den Kabelwerken Dr. Cassierer. Charlottenburg, Kett- -lerstraße 3—6." Dieser Ruf alarmierte am Donnerstag mittag die gesamte Charlottenburger Feuerwehr. Als die Löschzüg« an der Brandstelle ankamen, standen im 2. Geschoß des ausgedehnten Fabrik- gebäudes Gummistoffe, sowie Holzwände, Schränke u. a. in Flammen. Diese hatten reiche Nahrung gefunden und verbreiteten einen unaus- stehlichen Qualm, der die Löschung sehr erschwerte. Doch gelang es, den Brand zu löschen. Der Betrieb des Kabelwerkes unterliegt keiner Unterbrechung. Die Höhe des Schadens war nicht festzustellen und ist durch Derficharung gedeckt. Für eine halbe Million Pelzwaren erbeuteten Einbrecher in der vergangenen Nacht in einem Pelzwarengeschäft im Westen der Stadt. Die Diebe, die von dem Bureau eines Rechtsanwalts aus die Wand durchbrachen und so in die Geschäftsräume gelangten, erbeuteten je 12 Seal-Elektrik-, Seal-Kanin- und Breitschwanzmäntel, je 6 Jacken, 120 Pelz-Kolliers und Muffen, ein echten Silberfuchs u. a. m. Arbelkerrisiko. Bei der Maschinenfabrik Erich am Ende in> Weißensee waren mehrere Arbeiter und ein Vorarbeiter mit dem Abladen eines SOO Zentner schweren Dampfkessels beschäftigt. Beim Abladen des Kessels kippip durch Unvorsichtigkeit der Wagen nebst Kessel um und benrub zwli Arbeiter unter sich, so daß der eine, mit Namen Mut, 72 Jahre alt, auf der Stelle tot war und ein anderer, namens Breitag, 62 jährig, mit schwachen Lebenszeichen in das Weißensser Krankenhaus gebracht wurde. Es bleibt beim Oetsbeiefporlo. Wie das Reichspostministerium mitteilt, ist die Nachricht, daß eine Wiederbeseitiguna der Ortsbrief- gebühr beabsichtigt sei, aus der Luft gegriffen. Auch die weitere Be. hmiptung, daß hie Reichspostoerwaltiing schon bei der letzten Ge- bührenerhöhung mit einem Verkehrsrückgang von 34 v. H. gerechnet habe, entspricht nicht den Tatsachen. Granaten auf den Schienen. Gestern vormittag fanden Bahn- beamte am Stellwerk B auf dem Bahnhof Grunewald zwei Era- naten, Kaliber 10,5, mit Zündern. Eine herbeigerufene Streife der Schutzpolizei brachte die gefährliche Munition nach der Rathaus- wache der Kolonie Grunewald. Die beiden Granaten scheinen � russischer Herkunft zu sein. Dem Siedlungsamk der Stadt verlin gehen täglich zahlreiche Anträge auf Gewährung von Landesdarlehen zur Schaffung neuer � Wohnungen zu, Um den Antragstellern unnütze Kosten zu er-> sparen, macht aas Siedlungsamt bekannt, daß neue Gesuche keine Aussicht auf Berücksichtigung haben. Dem Siedlungsamt liegen bereits Anträge auf Bezuschussung von 10 000 Wohnungen vor, die zur Verfügung stehenden Mittel reichen jedoch nur für höchstens 1400 Wohnungen. Die Generalversammlung der Arbelkersamarikerkolonne Verlin E. V. findet am Sonnabend, den 10. d. M„ abends 7 Uhr, in der Schule Hinter der Garnisonkirche statt. Erscheinen- aller Mitglieder erforderlich. Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt- gegeben. Städtische Girokasse in Riederschönhausen. Die Sparkasse der Stadt Berlin hat am 1. September 1921 eine weitere Girotasse in - Bersin-Riederschönhausen, Blücherstraße 1, unter der Firma:„Giro- lasse Nr. 165 der Stadt Berlin" eröffnet. In der gleichen Weise wie die anderen Berliner Girokassen befaßt sich auch diese Girokasse Nr. 165 mit dem Depositen-, Kontokorreiii-, Scheck- und Giroverkehr, dem An- und Verkauf von Wertpapieren, Sorten und Devisen, der Verwahrung und Verwaltung von Wertpapieren, der Beleihung von Wertpapieren, Kreditgewährung, der Ausstellung von Reise- kreditbriefen, der Verwahrung von Wcrtgegenständen, der Ausführung auch anderer bankmäßiger Geschäfte. Filmvorsührnug. Ein Märchenfilm sowie naturwiffenIchafllicheFUme werden von der Jugcndnbicilung des Zentrawerbandes der Angeilellten am Sonnabend 7 Uhr im Köllnischen Gymnasium. Inselstr. 3/5. vorgesührt. Karlen zu 2 M, Belie-Allianeestr, 7/10 und Kommandantenstr, 63/64, Lewm- soyn, Münzslr. 19, Giebel, Engeluser 13, Konsum, Kurjürstenstr. 17, Holm, Rotherstr. 1._ Grsß-Serliner Partswackrichten« heule, Freikag, den 3. Sepkember: 114. Abt. Lichtenberg. 7!4 Uhr Funttionä-fitzung bei Schwarzer, Gabriel.M-r- Strafe 17. 117. Abt. Lichtenberg. VA Uhr Vorstandssitzung bei Zandereit, Prinz-Albert- Straße 32. Alle Funktionäre, Vertrauensleute und Elternbeiräte müssen erscheinen.. 131. Abt. Sttederschönhauseu. VA Uhr Funktionärsitzung bei Denker», Tresttw-, Ecke Uhlandstraße. Tagesordnung: Vorstandswahlen. � Wegen der Wichtig» feit der Tagesordnung Erscheinen aller Genossen Pflicht. Iungsozialisten. Grnppe Norden: Uhr Gemeindeschule Putbuser Str. 3/6, Literaturabend. Referent Alfred Fntsche.— Lichterselde: 7� Uhr im Jugendheim Albrecknstr. IIa. Thema:„Partei— und Iungsozutlisten". Schonebcrg: 7% Uhr bei Riefe, Akozienstr. 14, Vortrag über„Das alte und neue Parteiprogramm". Referent Brafch.— Pankow: VA Uhr im äugend» heim Breite Str. 32(Eingang hinter dem Finanzamt), Diskufsionsabend« Frauenveranflallungen am Freilag. den 3. September: 107. Abt. Alt.SlieniSc.FalZcnbtrg. 7H Uhr bei KUngenberg, Grünauer Str. 29. Referent Genosse Gustav Weide:„Weltansck)auung und Ethik". Morgen, Sonnabend, den 10. September: 4». Alt. 7 Uhr Funktionärsitzung bc! Schmidt, Wiclefstr. 17. W. Abt. Nculöla. 7� Uhr Funltionärsitzung bei Nsntcr,«aifet.u..wuu). Strafte 143. Alle Funktionäre müssen an dieser Sitzung teilnehmen. Lor» stand-sitzung«H Uhr. Sämtliche Zahnen und Armbinden mitbringen. UN. Abt. TrePtoo,. 0 Uhr wichtige Hankzettelverbreitung. Treffpmrtt in de« bekannten Lokalen........—.. 112. Abt. Rahnsdo-s-Wilhelmshagen-HefienwinIel. S Uhr Mitglledervers-mm. lung im Rest. Lebitzki). Rahnsdorfer Mühle. Wichtige Tagesordnung. 137. Abt. Rei-ickendorf.Wcst. 7 Uhr bei Strauß, Scharnweberstr. 109, Funk. tionärsitzung. Vollzähliges Erscheinen unbedingt erforderlich. 141. Abt. Roscuthal. 8 Uhr bei Milbrod, Nronprinzenstr. 5, FunktionSrfltzung. Erscheinen jedes Funktionär« in Anbetracht der wichtigen Tagesordnung ist Pflicht..._„ Arbeitsgemeinschaft sozieldemekratifcher Lehrer und Lehrcnnnen Groft-Berlin». 5 Uhr Sitzung im Stadthaus, Klosterftraße, Zimmer 339. Tagesordnung: .Lehrerschaft und Gewerlschaft". Referent P. Eratzmann, Z. Vorsitzender de» ADGV. Gäste willkommen. Achtung, itonsumgenossrnschaftker! Dil SPD.-Genossenschaftsräte und Fnizk- tionäre der Partei werden zu einer Vollversammlung 7 Uhr abends nach dem Büroerheim, Alte Schönhauser Str. 23/24, eingeladen. EPD..MitglIed«- buch legitimiert. Tagesordnung: Endgültige Vefchltchfassung«der gemeinsame Aufstellung der Kandidatenliste mit den Genossen der USP. Beson- dere Einladungen erfolgen diesmal nicht. 72. Abt. Wilmersdorf. Sonntag, den 11. September, Familienausflug nach de« Grunewald. Kaffeclochcn im Frauzenbader Garten, Franzenberger, Erle Elgersburger Straße. Treffpunkt mittags 1 Uhr Hagelberger Platz. Freunde und Bekannte willkommen._ vortrage, vereine unü Versammlungen. Pereinigung für Schul- uud Erzichungsfragea, Treptow. Am Sonnabend, den 10. Srotember, abend» 3 Uhr, spricht in der Aula des Realgnmnastum», Reue Arugallee 7, Herr Rektor O. Seinig über„Unterricht nach dem Arbeits- fchulprinzip und Verwirklichung der Gemeinschaftsidee". Arbeiter-Stenv- äraphen-Verein„Etolze-Schrey". 13. Verwaltungsbezirk(Mariendorf, Tempel- Hof usw.): Freitog, den 9. d. M., obends IVs Uhr, Beginn des neuen Steno» araphie-Anfängerturiu» im Gnmnastum. Maricndorf, ßaiferstratze. Der Kur» jus umfoftt 15 Abende und koste:, einschließlich der Lehrmittel, für Jugendliche 15 M., für Erwachsene 13 M. Lehrer Genosse Schräder.— Schleiier-Verein „Rübezahl", Ebarlatteuburg. Versammlung Sonntag, den 11. September, Klh Uhr, bei Grimm, Kaiser-Friedrich-Str. K3. Vortrag des Oberlehrer» Rafchte über„Wanderungen durch die Mark. Gäste willkommen. Arbeitersport. Arbeiter-Radfahrer-Derei»„Grotz-Verlin". Sonntag früh 3 Uhr„Rund um Berlin", 120 Kilometer: nachmittags Ilb Uhr Duchholz(Kähne). Start Mariannenplatz. Sportitrtell Schöaeberg-Friedeaan. Sonntag, den u. September, Sportfest auf dem Zugendheimplatz, Haupt-, Ecke Rubensstrasse. Deginn ltzZ Uhr. Em- tritt 1,50 M. Arbeltslose und Kinder haben freien gutritt. Freie Turner schast Schäneberg-Berlin. Bezirk Schöneberg: Sonntag Karlellsportfest, Zugendheimplatz Hauptstrasse, 2 Uhr.— Bezirk Narben: Sonntag Abturnen, Niederschönhausen, Bismarckstr. 44. Arbciter-Turn- und Sportbund, 1. Kreis, 5. Bezirk. Sonntag, den 11. Sep- temdcr, nachmittags 2 Uhr, peranitalten die Schüler- und Schülerlnnen-Abteilun» gen der Dezirksvereine auf dem Eichc-SPortplatz am Elektrischen Werk in Köpe- nick ein Sportfest. Abmarsch 1 Uhr vom Wilhelmsplatz in Köpenick. Da die blauen Turn- und Sportvereine unter Hinzuziehung der Schulen am selben Tage ein gleiches Fest peranftaltcn, ist es Pflicht eine» jeden Verein», stark anzutreten. Die Fuhbast. Abteilung der Freie« rnrnerschaft Eharlottenbnrg hat am kommenden Sonntag, nachmittags 4 Uhr, die 1. Mannschaft der Freien Turnerschast Rathenow zu Gaste. Beide» sind au»gesprochene Kom- binationsmannfchaftcn, die alles daran setzen werden, den Sieg an ihr« Farben zu heften. Guter Arbeitersport ist zu erwarten. Epielort: der in der Kepler- strasse an der Dasansialt gelegene Sportplatz der Freien Turnerschast. Wetter biS Donnabend mittafi. Trocken und überwiegend heiter, in den Mittagsstunden, namentlich im Binnenlande, warm bei meist schwachen, veränderlichen Winden. Man fördere ausdrücklich „Pfe/T- S/aar- G/ühkörper und achfe auf die�Pfeir-Schutzmarke r- Glühkötper,., 23%Of&s-Ersparnis Angora-Kayinchen gibt im volkswirtschaftlichen Interesse zweck» Wollgewlnnung zu gewissen Bedingungen ad die, »M-ZMüle s. ikliM Leipzia, Uferstraße 19. MeliMgsWewm Nur«lleln die Kunstspielpianos und Flügel beides vereinig! ermöglichen sielchzeitig Wiedergabe der MusikstOcke nach AuffaMung de» KOntflers und Selbslnuoncicrung von 585 M. an mit.der unübertrefflichen SIebfeuetung und der langbewährten Spezialkonstruktion erhalten Sie nur von der Deutschen PatenffDrudeofen- Fabrik Waüer Riesciiei& Co. m. b. H. BERLIN C. 13 Jerusalemer Straße 15 Mlanten perlen, tSoIh-, Silber- Sechen, Biotin- Bcnch tanft A. Pub», Seydel- »tr. 32, ffickh. Spittf Imarlt Verwalter der üädtischen Sparkasse, Nebenstelle 6. 6—1 und 2—5'/, Uhr. dÄ Wanz«n jte? haben Sie? Da« Ist Ihre Schuld� BUlief«, e»>l Inn«« Vernichtung ' Hrtw f Jfe-i»«.'Xfts.'ian w• haben Sie? Cot Ist Ihre Schuld! HIMirr«, nsiliknie Bernlchrong j ' von Wanzen, Zlbhen, Läusen, Mollen' mit Brat in wenigen Stunden durch mein opxaralloseä Blaftnolyn» �rnainng«- Systim. 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Angesetzt« Fahrten müsien ausfallen. tion von 1818".— Tharlotteuburg: Jugendheim Rofinenstr. 1, tion und Sozialismus".— Halcufee: Jugendheim Ioachlm-Fri ortrag: WWW »ortrag:„ReN. >-Är. d Sozialismus".— Haleusee: Jugendheim IoachlmLriedrlch�Str. 3SISS, :„gweel und Ziele der Arbeiterjugend".— Moabit: Iugcndhei« erstr. 21, Mitgliederversammlung.— Riederfchönhausen: Schule Blanken» heute, Freitag, den S. September: Adlershof: Jugendheim Hackcnbergstrage, Vortrag:„Der Lehrling Im Mittel- rtrag:„Die alier".— Britz: Jugendheim Chaufseejtr. 18(Rathaus), Vortrag:„Di- Revolu- Sinläßkarten für Jugendliche im Jugendsckretariat zu haben. ________... tlung I..._______ Strahmannstr. 6, Bortrag:„Utopiftischcr Sozialismus".— Schäneberg I: Jugend� heim Rubens-, Eck« Hauvtstrahe, Mädchenabend. Vortrag:„Die Frau und der Sozialismus".— Schoneberg II: Jugendheim Frankcnstr. 1»(Schule), Vortrag: Spaltungen in der proletarischen Jugendbewegung".— Tempelhof: Juaeuh- heim töermaniastr. 8/7, Mädchenabend. Vortrag:„Die Frau und der Sozialis- mus".— Weitzens««-. Jugendheim Woelckpromenadc(Ledigenheim), Mitglieder- Versammlung. Zur vpern-AufsShrnng„BalkLre" am Donnerstag, den Ib. d. M., sind la«-" �..... Briefkasten der Redaktion. Briefliche Auskunft wird nicht erteilt. Z. i«o. 115 M. F." für jedes betreffenden Wohnungsamtes.— F. K. 165. Ja. Die gesetzliche Vorschrift, die Ihr Arbeitgeber im Auge hat, ist noch nicht in Kraft getreten.— A. B. SO. Zweifelhaft. Sie hasten, wenn man annimmt, daß Sie grob fahrlässig gehandelt haben.— Inge 1000. Rur den vereinbarten Preis.— M.». IIS. 1. Nein. 2. Entrichten Sie die Wochenbeiträge weiter. Sobald Sie invalide geworden sind, haben Sie Anspruch auf Invalidenrente.— Dietrich 72. Nein.— L. K. 14. 1� Ja. 2. Nein. 8. Kommt nicht in Frage.— Schulze 29. l. Jnva» lldcnmarken. 2. Alle Arbeiter sind versicherungspflichtig. Auf die Höhe des Arbeitsverdienstes kommt es nicht an.— K. D. 94. Rein, werden Sie aber nochmals vorstellig. äsokolies Metalarbiltorferti. Verwaltungsstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nach- richt, daß unser Kollege, der Dreher 97/5 priem am K. Septbr. gestorben ist Ehre seinem Andenken I Die Einäscherung sindet heute, Freitag g.September, nachm. 1'- llhr, im Krema- torium Gertchtstraße statt. Rege Beteiliaung erwartet Die Orrsoerwaltung. WäseheNof | m>LeihliausMorihpl.5ös I oerk. staunend billig Hemden I 22, Beintleider 20, Bettbezüge 1 70, große Teppiche 395, Kunst- I ler-Dardinen 55, Step?» und i Diwandecken. Daunenbetten. I Nur Gelegenheitskäufe. Keine Lomdardware. Leber 30 Zahre bewährt! MWWÄill wurde ich, obwohl ärztliche Hiife vergebens war, von meiner 1 C fl) t C d. Reichels Flechtenbalsam, so schreiben viele! Fl. 12,50. Otto Reichel, Berlin 43, — Eisenbahnstr. 4.— Zg.GSnse, Hühner, Tauben »ehdlätter Pjd.iSM. O.JgolzÄÄ LeWelMeNmeikmerliM Verwallungsltcilc Berlin X R. 54, Clnlenftr. 83—85 Geschäftszeit von vorm. 9 Uhr bis nachm. 4 Uhr Telephon: Amt Norden 185. 1239. 1987, 9714 Melltiae smitoMiie flu MM«! imö ümoegenii. Bekanntmachung. Auf Grund des s 90 der Satzung sind für die Wahlperiode vom 1 Januar 1922 bis 31. Dezember 1925 in getrennter Wahl- Handlung zu wählen: 15 Arbeltgebervertreler und 30 Ersahmänner. 30 Versichertenvertreter und 60 Ersatzmänner. Die Arbeltgeber wählen am Zreitog, den ZI. Otlaber 1021. von nach,«. 1 bis 6 Uhr im Restaurant SchSp», BerIin-Niederschöneweide,GrünauerStr.8. Die Herst eherlen wählen am Donner»tag. den 20. Oktober 1021 von aocmittogs 10 bis nachmittags 7 Ahr a) im Bezirk I(alle diejenigen Kassenmitglieder, derm Be- fchästtgungsort in Berlin-Treptow, einschließlich Daum- schulenweg liegt) im Restaurant OruHn, Berlin-Treptow, «rätzstraße 28. b) im Bezirk II(alle diejenigen Kassenmitglieder, deren Be- schäftiaungsort in Berlin-Äiederlchöneweide und Johannis- ihal liegt) im Restaurant Schöps, Derlin-Riederfchäue- weide, Grünauer Straße 8. c) im B-zirk IM(alle diejenigen Kassenmitglieder, welche in den übrigen Ortschajtcn des Kassenbezirt» ihre Bejchäf» tignng haben) im Restaurant vajchin, Berlin-Adlershof, Sedanstraße 3. ä) Berechtigte Kassenmitglieder üben ihr Wahlrecht bei der- jcnigen Wahlabteilung aus, in deren Bezirk sie wohnen, außerhalb des Kassenbezirk» Wohnende wählen in dem ihrer Wohnung am nächstgelegenen Wahlbezirk. Die Wahlberechtigten werden hiermit aufgefordert, Wahl- Vorschläge gesondert tstr Arbeitgeber und Versicherte bis spätestens Donnerstag, den S. Ottober 1021, nachmittags AlmiilMiW(§t.-Bftlins! ConntOfl, den II. September, vormittags v'/.UHr, im Berliner Klubhaus. Ohmitraste 3(in Nähe der Köpenicker und Brückcnltratze): Kroße SffentlieheVersainmIttng Tagesordnung: 1. Slellunanahme zum Tarif. 2. Anschluß an den Metallarbester-Berbanb. 3. Freie Aussprache. Für all« Uhrmachergehilfe» Im Lade», imd Großbetrieb ist e» bringend« Psticht, zu erscheinen. Fahrverdindunq �.Stadtbahn Zannowitzbrücke, Untergrund- bahn Znsetbrücke, Straßenbahntinlen l, 2, 3. 4. 0, ld, ll. 1». 22. 28. 29, 30, 37, 4l, 45, 46, 49, 83, 87, 88, 99. Dentscber ltletallnrbeiter-Vrrbasck. Verrla Ketliuer Uhimocherxetilltru von 1870. KOLA-DULTZ 6 Ahr, dem Kassenooistand einzureichen. Die Wadloorschläge müssen von mindestens je 10 Wahlberechtigten der betreffenden Gruppe mit zusammen mindestens 30 Summen unterzeichnet fein. Die Stimmabgabe ist an die WahlvorfchiSge gebunden. Mit dem Wahlvorschlage für Derstcherte ist von jedem Bewerber eine Erttärnng darüber vorzulegen, daß er zur Annahme der Wahl bereit ist. Die aus den eingereichten Wahlvorschlägen stch ergebenden Anstände müssen bis zum Sonnabend, den 15. Ottober 1921, befetliat fein. Die Arbeitgeber- und Mitgliederverzeichnlss« können werk» täglich von 3 bis 1 Uhr im Äassenlotal Berlin-Adlershof, am Bahnhof, eingesehen werden. Einiprüche gegen die Richtigkeit sind spätestens bis zum Donnerstag, den 6. Ottober 1921, beim Kassenvorstand unter Beifügung von Beweismitteln einzulegen. Die Wahlvorschläge liegen vom gleichen Tage ab von 8—1 Uhr in der Haupttasse zu Adlershaf zur Einsicht au». Auf bte etulchlägtgen Bestimmungen der Satzung und Wahl- ordnung wird besonder» hingewiesen. Der Wahlausschuß ist befugt, die Wahl- und Stimm- berechtigung sedes Wählers zu prüfen, und wird daher die rechtzeitige Beschaffung eine» Ausweises empiahlen. Die Ausweise werden von den jeweiligen Arbeitgebern oder den zuständigen Verwaltungsstellen der Kasse in den Geschäfts- stunden von 8— l Uhr ausgegeben und sind dort einzujordern. Ohne Ausweis dari nicht gewählt werden. Die Arbeitgeber erhalten die hierzu notwendigen Formulare auf der Hauptkasse tu Adlershos oder aus den zuständigen Zahlstellen in der Zelt vom 7. Oktober bis 20. Oktober 1921 von 8—1 Uhr. Berlin-Adlershof, den 8. September 1921. S/li Der vorstand der Allgemeinen Ortskrankenkafle für Adlershof und Umgegend, dlsu Knappe, Vorsitzender. NSERATE verbargen VORWÄRTS ERfOlfi! 14, Teilzahlg. 5 j. Garantie Kronen „ 18 M. Zahnzieh, mit Einspritz, höchst , � �„r schmerzld. Umarb.schlechts.Geb Rep. Zahn-Arzt Pr.Wolf sof Potsdamerst.55.Hochb-St. Sorz.Q-?- Zähne ton 8 Ctimmung, Denken, Tätigkeit sowie jede Bewegung des Körpers sind abhängig vom Gehirn. Mattigkeit,•Niedergeschlagenheit, Erschöpfung, Nervenschwäche und allgemeine Körperschwäche sind Zeichen mangelnder Nervenkraft. 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In Naumburg sind allerdings zwei Funkapparate bei rechts- stehenden Persönlichkeiten gesunden worden, der Besitz solcher Apparate ist aber nicht verboten. Trotzdem wurden die Apparate beschlagnahmt, well sie vielleicht verschobenes Hecresgut darstellen. Die Bernehgumg windt« sich darauf der Vcteiligung kommunistischer Parteien an der Entstehung und Leitung des Aufstandcs zu.— Zeuge bekundet: Wir hatten die Ueberzeuaung, baß ein derartiger Aufstand geplant war. Die polizeiliche Aktinn kam zu einem Zeitpunkt, wo die Vorbereitungen der Ausrührcr noch�nicht obge- schlössen waren. Ohne Zutun der Parteien wäre der Aufftand bestimmt nicht gekommen. Abg. Dr. Liebknecht: Also die Hörsinqsch» Aktion war der unmittelbare Anlaß? Haben Sie vor deren Folgen gewarnt? Zeug« v. Gersdorss: Im G-genteil, ich stand van jeher aus dem Stand- punkt, daß das Einrücken von Schutzpolizei in Eisleben zur Beruhigung und Verhinderung von Verbrechen notwendig war. Unsere Meinungen gingen nur insoweit auseinander, als ich -Lage mh Aussichten det Eine Unterredung mit der Ein Mitglied unserer Redaktion hatte mit dem Reichswirtschafts. minister Genossen Robert Schmidt, der soeben von einer längeren Informationsreise im rheinisch-westfälischen Jndustriercoier und im besetzten Gebiet zurückgekehrt ist, eine Unterredung. Ueber seine Eindrücke befragt, antwmtete der Minister: „Der Eindruck, den ich bei meiner Reise in dem rheinisch-west- Mischen Jndustriebezirk gewonnen habe, ist ein günstiger. Bei dem gegenwärtig besseren Geschästsgang macht sich in der Industrie fast allgemein eine gewisse Hosfnungsfreude bemerkbar, wo- bei man sich allerdings darüber nicht täuscht, daß dieser Aufschwung in der Industrie kein Zeichen einer dauernden Besse- r u n g bedeutet. Die Konkurrenz, die die Industrie auf dem Weltmarkt zu bestehen hat, wird an Schärfe nicht abnehmen, sondern aller Voraus- ficht nach eher zunehmen. Von dieser Erkenntnis beherrscht, be- obachtet man in zahlreichen Betrieben der Großindustrie eine sieber- hafte Tätigkeit, den technischen Fortschritt mit großem Eifer auszunutzen. Groß« bauliche Veränderungen, die gegenwärtig nur mit erheblichen Kosten durchzuführen sind, erfolgen, um die wirlschaftlichsle Ausnutzung der Pekriebscinrichlungen zu erzielen. Man erkennt, daß die Konturrenzfähigkeit der beut- schcn Industrie nicht nur in der Qualität der Ware sondern auch in der rationellen Anwendung technischer Hilfsmittel begründet ist. Die Betriebe, die der Kriegsindustrie dienten, sind restlos um- gestellt auf die Ariedensproduktion. Die Umstellung wurde durch die E n t e n t e k o m m i s s i o n vielfach erschwert. Große Vetriebsräume stehen leer, bedeutsame, mit schweren Kosten errichtete Bauten versinken in Schutt und Asche, weil man befürchtete, daß sie schnell wieder der Rüstungsindustrie dienstbar gemacht werden könnten. Das wäre noch verständlich, wo die fraglichen Einrichtungen lediglich für die Kriegsindustrie geeignet sind. Vielfach handelt es sich aber um Anlagen, die ohne große Aenderungen vorteilhaft für Frisdensarbeit in Betracht kämen. Nicht alle Beschwerden und olle Vorstellungen haben zu einer ver- ständigen Lösung geführt, vielmehr sind leider recht viel Werte zerschlagen und der Industrie da Schaden zugefügt, wo nach dem Friedensvertrag jede Berechtigung dazu fehlte." Ueber die Lage einzelner Gewerbezweige im besetz. ten Gebiet sagte Genosse Schmidt: „Die Solinger Kleineisenindustrie führt besonders auf dem Auslandsmarkt einen verzweifelten Kampf, um ihre Kon- turrenzfähigkeit durchzusetzen. Die Hindernisie, die dem Ab- satz entgegenzutreten, sind besonders in den hohen Zolltarifen des Auslandes und den besonderen Zuschlägen für deutsche Waren begründet. Es muß natürlich die Aufgabe der deutschen Regie- r u n g sein, auf eine Beseitigung der Hindernisse, die dem Handels- verkehr entgegenstehen, hinzuwirken, damit dem Warenverkehr un. serer deutschen Industrie der Weg geebnet wird. In der Textilindustrie bemerkt man noch einen erheb- lichen Rückstand der Beschäftigung gegenüber der Vorkriegszeit. Aber im Verbältnis zu den letzten Monaten ist auch hier eine Z u n ach m e in der Beschäftigung zu beobachten und der Fortschritt ist unverkenn- bar. Erfreulich sind die Bemühungen,«ine immer größere Voll- etwas peffifrustischer war als Oberpräsident Hörsing und betont habe, daß ein größeres Aufgebot nach Eislcben geschickt werden müßte. Es werden sodann die Mängel der Dehördenorganisation be- sprachen. Die Verbindung mit dem Ober Präsidium war insofern kompliziert, weil man nicht genau wußte, ob die Melde- stelle ein Organ des Oberpräsidenten oder des Staatskommissars Weißmann war.— Dr. v. Dryander: Das ist mir von großer Bedeutung, denn es bestätigt, daß nicht einmal der Regierungs- Präsident von Merseburg wußM in welchen Jnstanzenzug eine Stell« eingereiht war, die während des ganzen Jahres in größtem Um- fange Verfügungen bei nochgeordneten Behörden erlassen Hot. Zur Wirksamkeit einer der Zioilkommissare bei der Schutzpolizei erklärt der Zeug«, das Wirken des Herrn sei nicht günstig gewesen. Die von ihm angeknüpften Verhandlungen zwischen Major Folte und der Eislebcner Arbeiterschaft hätten den Anweisungen des Mi- nisters direkt widersprochen.— Abg. Drescher weist darauf hin, daß die Zivilkommissare nur eingesetzt wurden, weil in allen Kreisen der Arbeiterschaft das lebhafte Mißtrauen herrschte, die Polizei werde die Aktion nicht im Sinne des Ministers durchführen.— Berichterstatter Dr. v. Dryander fragt den Zeugen, ob er sich eines Erlasies des Oberpräsidcnten erinnere, durch welchen die Richt- l i n i e n des Ministers für die Zivilkommissare dahin ergänzt wurden, daß diese bei ollen Beschwerden über Sipo-Beantte, auch bei Beschwerden über Nichteinstellung in die Polizei, mitzuwirken haben und bei Beschwerden über Beamte vertraulich Rot erteilen sollen. Der Zeuge bejaht dies..— Es kommt dann die Frage der Bewährung der Landräle und Amtsvorsteher zur Sprache. Zeuge v. Gersdorff erklärt hierzu: Die Amtsvor- steher werden vom Landrat vorgeschlagen und vom Oberpräsidcnten bestätigt. In einzelnen Kreisen war die Besetzung dieser Stellen rein parteipolitisch aufgezogen, sobald die L i n k s r a d i t a l e n die Mehrheit hotten. Früher wurden beispielsweise Gastwirte, bei denen es schwer hält, objektiv zu bleiben, nicht in diese Acmter genommen, ebenso Landbriefträger, Eisenbahnstreckenbeamte usw., die vielfach tagsüber außer Haus waren und deshalb kein« ständige Fühlung mit der Bevölkerung hatten. Besonders im Saolekreis und im Mansfelder Bezirk wurden nach dem Halleschen Parteitage nur kommunistische und andererseits unabhängige Amtsvorsteher in Dorschlag gebracht. Während des Aufstandes haben einig« voll- ständig versagt, andere haben sich positiv aus die Seite der Unruhe- stifter gestellt. Eine ganze Reihe Straf, und Disziplinarverfahren wurden eingeleitet, die zum Teil durch freiwillige Amtsniederlegung erledigt wurden. Abg. Dr. v. Dryander fracst, ob die Polizeiverwaltung in Hall« als ausreichend anzusehen sei. Zeuge v. Gersdorff verneint dies, auch hinsichtlich eines Der- gleichs mit anderen Städten. Nach der Mittagspause erklärt Zeuge v. Gersdorff zu Fall Easparek: Easparek hat erklärt, er betrachte die ihm zur Last ge- legten kommunistischen Aeußerunoen als sein staatsbürgerliches Recht, ganz abgesehen von seiner Tätigkeit als Landrat. Er hat auch keinen Zweifel daran gelasien, daß er gewaltsamen Umsturz der Re- giermm anstrebte. Den bekannten kommunistischen Führern Franzke und Franke hat Easparek völlige Freiheit zur politischen Betätigung gelassen und die pflichtgemäße Meldung von dieser kommunistischen Tätigtest kurz vor der Besetzung von Sangerhausen Unterlasten. Mit dem Vorgehen Hörjings, dem Aufruf an die Arbeiter und der Ablehnung des Einsetzens von Reichswehr war Zeuge durchaus einverstanden. Er be- stätigt auch die Aufsastung Hörsings, daß infolge dieser Maßnahmen sich nur 33 Proz. der Kommunisten am Aufstand beteiligt haben. Damit ist die Vernehmung des Regierungspräsidenten v. Gers- dorff beendet und es folgt die Vernehmung des Regicrungsrates K i l h o r n, von dem nur einige Ergänzungen gewünscht werden. Am Freitag vormittag um 13 Uhr sollen als weiter- General- zeugen vernommen werden: Oberpräsidialrat Brey er und Ministe- rialdirigent A b e g g. Für Sonnabend sind geladen: Reichsentwaff- nungskommistar Dr. Peters und Regierungsrat F r e y f i n g. Der Montag soll sitzungsfrei sein. Der Vorsitzende erhält die Er- mächtigung, fiir die nächste Woche noch weitere aus der Mitte des Ausschusses vorgeschlagene Zeugen zu laden, namentlich Werk- direktoren, Betriebsratsmitglieder und Polizeibeamte. Außerdem sollen in der nächsten Woche Minister a. D. Seoering und Ober- Präsident Hörsing nochmals vernommen werden. Schluß 5 Uhr. westdeuffchen Zndustne. > Rcichswirtschaftsmimster. kommenheit in der Herstellung und Verwendung von Kunstseide zu erreichen. Die Produkte haben sich verfeinert, die Anwendung ist vielgestaltiger geworden und manche Fabrikationsnachteilc über- wunden. Die Entwicklung dieses Fabrikationszweiges ist noch nicht zum Abschluß gekommen. Die Ware wird sicherlich in immer größerem Umfang« Verwendung in der Weberei finden. Von den Leiden des besetzten Gebiets durch die künstliche Zollgrenze teilte der Minister folgendes mit: Ueber die Wirkungen der Sanktionen wurden sowohl von Unternehmern wie von Arbeitern laute Klagen geführt. Di« DeHinderungen im Liandelsoerkehr zwischen dem besetzten Gebiet und dem übrigen Deutschland werden schwer empfun- den, ohne daß auf eine bedingungslose Annahme der Anforderungen, die vom O b e r st e n Rat für die Aufliebung der Sanktionen gestellt werden, gedrängt wurde. In enger Verbindung damit wurde wie- derholt bei den Besorechungen mit den Vertretern der 5)and«lskam- mcrn betont, daß die B e st r e b u n g e n, die auf eine Ablösung der Rheinlande vom übrigen Deutschen Reich hinausgehen, in den schwer bedrängten Provinzen keine nennenswerte An- hängerschaft mehr aufweisen. Die Industrie lege Wert darauf und ebenso die Arbeiterschaft, oaß sie politisch treu zum Reich halten. Auf die Frage, in welcher Weise die gegenwärtige Teuerung auf di« Gestaltung des Arbeitsverhältnisses in West- dcutschland zurückwirke, erwiderte Genosse Robert Schmidt: „Beachtenswert erschien mir hierbei die wiederholt geäußerte Ansicht, daß die Arbeitsgemeinschaft, die berufen sei, einen Ausgleich der Interessen Zwilchen Unternehmern und Arbeitern herbeizuführen, aufrechterhalten werden müsse. Man müsse sich in der Industrie damit abfinden, daß auf die Gestaltung der ArbeitsverhülMiste auch die Arbeiterschaft einen Einfluß ausübe. Es sei die Grundlage für eine normale Ent- wicklung der Industrie, die Gegensätze, die zwischen Unterneh- morn und Arbeitern entstehen, auszugleichen.' Wiederholt wurde auch erklärt, daß die Anwendung des BetriebsrStegcfehes nicht die von Unternehmerseite gehegten Befürchtungen be- mahrheitet hat, vielmehr auch hier der Gedanke sich immer mehr Bahn bricht, daß durch eine Vermittlung, di« in der Vertretung der Arbeiterschaft vorhanden ist, berechiigten Wünschen der Arbeiter ent. sprachen weiden kann. Der große Industriebezirk mit seiner großen Arbeiterbeoölkerung braucht eine sozial gesicherte Grundloge, die am ehesten fest begründet werden kann in einem verständigen Abmesien der Pflichten und Rechte. Wenn die Auffassung sich allgemein Bahn bricht, dann wird dem Aufbau unseres Wirtschaftslebens ein kräf- tiger Impuls gegeben werden, der zum Borteil beider Teile aus- schlagen muß. Schwere, harte Arbeit ist noch zu leisten, aber mir scheint, daß das Bild unserer wirtschaftlichen Entwicklung kein trübes ist, daß vielmehr unter der kräftigen Initiative der Indu- strie und unter Mithilfe einer intelligenten, arbeitsfreudigen Arbeiter- schaft ein A u f st i e g erreicht wird, der uns wieder auf die Höhe der Leistung bringt, die uns zu Gleichberechtigten, wenn nicht zu Führenden in dem Wettbewerb auf dem Weltmarkt erhebt." WirtfehM valulaliefsiand— Börsenhausse. Der Dollar, der vor dem Krieax gegen 4,20 M. umgewechselt wurde, stieg an der gestrigen Börse bis auf 37,15 M. im Preis«. Die deutsche Reichsmark, di« vom Reichskanzler noch vor kurzem mit Groschenmark bezeichnet wurde, ist also im Ausland nicht einmal einen Sechser mehr wert. Die Besitzer von Papiergeld flüchten ihre KapiMen weiter in Sachwerte.£it Aufträge auf Wertpapiergclchäste haben sich bei den Banken derart gehäuft, daß man sich in Berlin zu einer o i« r t ä g i» genBörsenpause genötigt sah. Die Börse findet für Esfekten erst Montag wieder statt. Daß in den Kreisen derer, die sich jetzt mühe- los an der Not des Volkes bereichern wollen, eine Ernüchterung eintritt, ist leider nicht anzunehmen.„Egoismus ist die stärkste Grundlage des Geschäftsbetriebes, ganz davon abgesehen, daß man aus Patriotismus keine Goldmart prägen kann." Das erklärte ein Geschäftsinhaber der Diskontogesellschaft Zynisch einem Ausfragcr. Offenheit ist immer erfreulich. Wir wissen jetzt wenigstens aus bester Quelle, daß die Goldmarkzewinne der Großbanken im Kriege nicht aus Patriotismus entstanden sind, wie sie bisher immer behaupteten. Vielleicht erinnert man sich auch einmal daran, wenn man di»„Sach- verständigen" der Banken als Nothelfer in dem Lalutaclend anruft. Die Indexzahlen der„frankfurter Zeitung". Diese v»n un» wiederholt erwähnte Schrift, die umfassendes Material für die Be- urteilung Ö- Veränderungen in der Wirtschaft seit dem Kriege ent» hält und r-J dabei ebenso auf eigene Berechnungen des Handele- blattes wi� anderweitige Statistiken stutzt, ist nunmehr in fünfter, völlig verg�-ter und bedeutend erweiterter Auflage erschienen (Verlag Sozietätsdruckcrei). Sie enthält neben den Uebersichtc� und Maßziffern für Preise, Löbne, Valuta- und Börsen- kurse u. ö. auch di« wichtigsten Angaben über die Entwicklung der Staatzsiaanzen, ein«: Reihe von Produktionsziffern und Angaben über den internatioNclcn Außenhandel. Die Fülle von Zahlen- Material, die hier auf kleinem Raum zusammengefaßt ist, macht das Büchlein zu einem sehr wertvollen Handweiser für jeden, der ssch rasch über die Grundtendenzcn der heutigen Wirtschaft unterrichten will. vlle AmarUaschtffahrl des Norddeutschen Lloyd. Durch die Auseinandersetzung zwischen der United States Mail To. mit dem omertkanilchen Schisfahrtsamt schien das Schiffahrtsabkommen, da» der Norddeutsche Lloyd mit dieser Gesellschaft abgeschlossen hatte, bedroht. Wi« nun die Verwaltung de» Norddeutschen Lloyd be- kanntgibt, sind die von der United States Mail Co. betriebenen früheren deutschen Passagierdampfer an das amerika» Nische Schisfahrtsamt zurückgegeben und von diesem drei leistungs- fähigen amerikanischen Schifftihrtsgruppen zum gemeinschaftlichen Betrieb« unter dem Namen United States Lines über- geben worden. Für den Betrieb bleibt der Rumpf des Stabes der United States Mail Co. in Tätigkeit. Die Dampfer werden auf den alten Routen nach den alten Fahrplänen verkehren. Der Lloyd führt die Generalagsnturgcschäfte fort. Die Interessen der Passagiere und Verlader werden durch die Aenderung nicht berührt. Erhöhung der Aenerversscherungen aus dem Lande. Aus zahl- reichen Anträgen auf Gewährung von Staatsdarlehen für abgebrannte Wirtschaftsgebäude geht hervor, daß die Gebäude nur mit ganz niedrigen Beträgen gegen Feuer versichert waren, so daß aus der Entschädigungssumme lediglich ein geringer Teil der Neubaukosten bestritten werden kann. Der preußische Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten hat deshalb, wie die PPN. von zuständiger Stelle erfahren, an die Landeskulturamts- Präsidenten vor kurzem ein Schreiben gerichtet, in dem ersucht wird. durch die Kulturomtsoorstcher auf eine Nachprüfung und Er- höhung der Feuerversicherungen auf dem Lande hin- zuwirken. Es heißt in dem Schreiben, daß: wenn auch im allge- meinen di« alten Versicherungen nicht um soviel gesteigert werden können, daß sie die jetzigen Neubaukosten erreichen, es doch dringend erforderlich sei, daß eine angemessen« Erhöhung vorgenommen werde. V-rabsäumung dieser selbstverstälidlichen Pflicht müsse alz Fahr- l ä s s i g k e i t ausgefaßt werden, die eine etwaige Notlage des Ab- gebrannten nicht als unverschuldet erscheinen lasse und die Gewäh- rung staatlicher Beihilfe zum Wiederaufbau ausschließe. GeVerMafisbeVegung Schiedsspruch für öie stäötifthen Arbeiter. so Pf. bis t ZU. Zulage pro Skunde. Vor dem Sckilichtungsausschuß wurden Donnerstag die Tarif- Verhandlungen zwischen dem Magistrat und dem Lohnkartell für die Gemeindebetriebe geführt. Den Vorsitz führte Genosse Rudolf W i s s e l l. Wortführer der Arbeitnehmer war Genosse P o l e n s k e vom Gemeinde- und Staatsarbeiterverband, der in längeren Tlus- ftihrungen die Forderungen der städtischen Arbeiter und Angestellten nach einer Lohnerhöhung von 1,50 b i s 2,50 M. für die verschiedenen Zlrbeitnehmerkategorien begründete. Den Standpunkt des Magistrats legte Stadtrat S ch l i ch t i n g dar. Er betonte, daß der Magistrat grundsätzlich auf dem Standpunkt stehe, dah bei Teuerungen eine Erhöhung der Löhne und Gehälter eintreten müsse. Die Lohnfrage lasse sich aber von der Deckungsfrage nicht trennen. Nach eingehender Berechnung habe der Magistrat sich entschlossen, eine Stundenlohnerhöhung von(50 bis 80 P f. zu be- willigen. Die Stadt Berlin sei aber gezwungen, den Gaspreis um 25 Pf. pro Kubikmeter, den Preis für elektrischen Strom um 50 Pf. und ferner die Tarife der Straßenbahn zu erhöhen. Schlichting verlangte eine Abänderung der Ergänzungsbestimmungen des bis- hsrigen Tarifes und zwar soll der Passus gestrichen werden, der das Bestehenbleiben besserer Lohnbedingungen, wo solche bereits zu verzeichnen sind, verlangt. Ferner müsse ein Zusatz in dem neuen Tarifvertrag aufgenommen werde», wonach im Falle von Einsprüchen gegen Entlassungen keine Entschädigung über 14 Tage hinaus gezahlt werden solle. Er schloß seine Aus- führungen mit dem chinweis, daß der Magistrat nicht in der Lage sei, weitere Zugeständnisse zu machen, weil er sich sonst der Gefahr einer Unrentabilität seiner einzelnen Werke aussetzen würde. P o l e n s k e erwiderte, der Staat sei den Wünschen seiner Arbeiter in viel weiterem Maße entgegengekommen, obgleich auch seine Finanzlage eine schlechte sei. An Hand von Bcrechnun- gen wies er nach, daß die vom Magistrat beabsichtigte Erhöhung des Gas- und Strompreises der Stadt Berlin eine M e h r e i n- nähme von zirka250 Millionen im Fahr bringen würde, während die jetzigen Zugeständnisse des Magistrats eine Mehr- ausgäbe von zirka 91 bis 92 Millionen bedeuten würden. Nach sehr ausgiebiger Besprechung wurde ein Schieds- s p r u ch gefällt, der den Magistrat verpflichtet, mit Wirkung ab 1. September an die erwachsenen männlichen Arbeiter und Hand- werker eine Erhöhung der Löhne um 1 M., für die weib- lichen und jugendlichen eine Erhöhung von 80 Pf. pro Stunde zu zahlen. Die Regelung gilt bis zum 30. November. Der Vertrag ist kündbar am 1. November. Die Parteien haben sich innerhalb einer Frist von 8 Tagen für oder wider zu entscheiden. Die Gemeindearbeiter werden in einer Urabstimmung die Entscheidung fällen. In der Begründung des Schiedsspruches wird ausgeführt, daß angesichts der bestehenden und voraussichtlich noch steigenden Teuerung eine Erhöhung der Löhne angemessen erschien. Der Schlichtungsausschuß habe dabei sowohl der schlechten Finanzlage der Stadt Berlin, wie auch der Notlage der städtischen Arbeitnehmer Rechnung getragen. Wenn auch die augenblickliche Preissteigerung keine Lohnerhöhung um 1 M. pro Stunde rechtfertige, so habe der Schlichtungsausschuß dennoch der mutmaßlichen Entwicklung der Teuerung Rechnung getragen, um für absehbare Zeit den städtischen Betrieben Ruhe zu verschaffen. Zum Tarifvertrag für �estüesoldete städtischer Werke. In der Stadtverordnetenversammlung baben die Fraktionen der Sozialdemokraten und der Unabhängigen folgenden gemeinsamen Antrag eingebracht: Die Sladlverordnetenversammlung wolle beschließen, den Ma- gistrat zu ersuchen, den am 29. August 192l ergangenen einstim- migen Schiedsspruch des Groß-Berliner SchlichtungSast�schusieS, nach dem für die restbesoldeten Angestellten der städtischen Werke ein Tarifvertrag abgeschlossen werden soll, anzuerkennen. Forderungen der städtischen WerkS angestellten. Der Magistrat will die Angestellten der GaS- und ElektrizitätS» werke und der Hakenanlagen in ein Beamtenverhältnis bringen und sie damit in die BeioldungSordnung einreiben. Die Angestellten wollen davon nichts wissen und brachten die Angelegenheit vor den SchlichtungSauSschuß. Dieser stellte sich auf den Stand- Punkt daß die Angestellten der genannten Werke nicht ohne weiteres der Beioldungkordnung eingegliedert werden könnten und daß der Magistrat, wie mit seinen anderen Angestellten, so auch mit diesen ein Tarifabkomnren treffen müßte. Der Magistrat erkännte diesen Spruch de« SchlichtungSauSschnsseS nicht an, sondern hat jetzt den Demobilmach unaSkom in issar angernken. Ausl.-Speck(W16m Zwiebelwursi. /»/w 14 m Roiwurst..... Pfimd 14 m Landleberwurst p/dl7 m Sülzwurst.... Pfmd 16 m Paste tenleberw.Pfdl8 m Jagdwurst.. p/w 20 m Mettwurst(grobe) Pfund 24 M Kunsthon ig, m-Pake. 45» Weizenmehl.. Pfund Söo Mildi- Süß-Speise � Paket 6 250 Gr. Inhalt.... 2�0 Maisgrieß enibmeri aw 2 m Hähnchenfee12:c145o Junge Kapaune Pfd. ISso Suppenhühner w. 15 so Junge Gänse.p�nd 14so Bücklinge.... PMnd 4go Sprotten,,,,..Pfund 6so Schellfische Sro Flundern commp$led 4so 6ss Aale oer£l,'f,ert'idtiaiJ//u'nd25/n Speisefett..�12«« Margarine pfdnd 12m 13m Margarine 7 so PfiaumenmuSrtlu'ffi 5 20 Ver Streik in öer Jilminöuftrie. Seit gestern befindet sich die überwiegende Zahl der Arbeiter und Angestellten der Filmindustrie im Streik, nachdem monatelang schon vergeblich versucht worden ist, auf friedlichem Wege zu einer Verständigung mit den Unternehmern zu gelangen. Die Tarifver- Handlungen wurden durch ihr Verhalten sabotiert und selbst der un- parteiische Vorsitzende der Schl'chiungskommission stellte das Ver- halten der Arbeitgeber als ein provokatorisch wirkendes fest. Diesem wurde noch durch ihr Angebot, auf den unterm 31. Juli 1920 abgeschlossenen Tarifvertrag ganze 20 Proz. als Zuschlag zu bewilligen, die Krone aufgesetzt. Außerdem hatten sie noch den Bn öie öerlmer HeVerksthasten! Es ist wiederholt versucht worden, den.vorwärts" dadurch zu kommunistischen Zwecken zu mißbrauchen, daß ihm für den vcrcinsunzeiger des gewerkschaftlichen Teil» lelephonisch An- zeigen übermittelt wurden, die nicht von den Gewerkschosten ausgingen. Dir sehen uns daher veranlaßt, an alle Berliner Gewerkschaften die dringende Litte zu richten, sämtliche Ver- sammlungsanzeigen für den redaktionellen Teil des»Vor- wärls" mit ihrem Stempel zu versehen. Einsendungen der geuannlen Art. die dieser notwendigen Anforderung nicht ent- sprechen, bleiben in Zukunft ebenso ausnahmslos unbe- rücksichtigt, wie solche, die trlephonisch aufgegeben werden. Gewerkschafksredaktion des„Vorwärts". Wunsch nach eine- Verlängerung der Arbeitszeit und Umwandlung der Wochenlöhne in Stunoenlöhne Die im Mai 1920 mit den Konzernen der Ufa, Decla und Hansa abgeschlossenen Tarife sehen für die kaufmännischen Angestellten allein schon eine wesent- lich höhere Bezahlung vor, als heute diese Herren glauben bieten zu können. So würden nach dem Angebot der Arbeitgeber ein Meister 384,«ine Kleberin 144 M. wöchentlich, ein kaufmännischer Ange- stellter im 23. Lebensjahre 810 M, selbständige Buchhalter, Registra- turvorstände und Kassenvorstände ein Anfangsgchalt von 1050 M. monatlich, steigend bis 1500 M., erhalten. Diese wahren Hunger- löhne mußten selbstverständlich abgelehnt werden und die Antwort ist durch den Streik gegeben worden, in den die Arbeitnehmer gc- schlössen eingetreten sind. Die erste Versammlung der Streikenden hat gestern im Gewerk- schaftshaus stattgefunden, dessen großer Saal von einer Kopf an Kopf gedrängten Menge dicht gefüllt war. Die Leitung hatte neben den Vorstandsmitgliedern die aus 15 Personen bestehende Streik- kommission. Bardeleben und Silbermann konnten er- freulichcrweis« berichten, daß nur noch einige klein« Betriebe in Tätigkeit geblieben sind. Von mehreren Betrieben sind die F o r- derungen bereits bewilligt worden und während der Versammlung liefen noch neue Bewilligungen ein. Schars kritisiert wurde eine Zuschrift der Arbeitgeber, in der die plötzliche Einstellung der Arbeit abfällig beurteilt und gesagt wird, daß die Arbeitgeber nur zu Verhandlungen bereit sein würden, wenn in sämtlichen Betrieben die Arbeit wieder aufgenommen werde. Zu Verhandlungen hätten sie doch seit fünf Monaten schon Zeit gehabt. B o h n«, vom Verband der Maler, sprach die Solidarität seiner Kollegen mit den Streikenden aus. Bardeleben und Silber mann mahnten noch besonders zu voller Einigkeit und dazu, nicht in Sonderverhand- lungen einzutreten, sondern die Arbeitgeber an das Bureau in der Charlottenstraß-- 5 zu verweisen. Wenn die Geschlossenheit aufrechterhalten werde, sei an dem Erfolg nicht zu zweifeln. Appel vom GdA. gab die Erklärung ab, daß diese Organi- sation vollständig mit der streikenden Kollegenschaft gehe und daß, soweit nicht alle Angehörigen derselben schon die Arbeit niedergc- legt hätten, dies daran liege, daß den Fehlenden der Streikbeschluß noch nicht bekannt geworden sei. Pukalka, Preuß und andere Redner forderten gleichfalls auf, unbedingt in geschlossener Front zu oerharren. Bardeleben erklärte noch, daß auch die in Frage kommen- den Buchdrucker sich den Streikenden anschließen würden, sobald an ihr Solidaritötsgefühl appelliert werde. Die Versammlung nahm bis zum Schluß einen würdigen Verlauf._ Die Beamtenrätewahlen bei der Eisenbahn. Am 8. und 7. d. M. haben die Wahlen zu den Betriebsräten bei der Eisenbahn stattgefunden, bei der sich die Reichsgewertschaft Deutscher Eisenbahnbcamtcn und-anwärter, die Gewerkschaft Deut- scher Eisenbahner, der Deutsche Eisenbahnoerband und der Allge- meine Eisenbahneroerband mit eigenen Listen gegenüberstanden. Die Ergebnisse liegen bis zur Stunde erst von einigen Direktionsbezirken Pommerns und aus Süddeutschland vor, doch lassen sie nach der L.S.-Korrespondenz schon jetzt erkennen, daß die dem Deutschen Beamtenbund eingegliederte Reichsgewerkschast Deutscher Eisenbahnbeamten und-anwärter wohl die Mehrheit der abge- gebenen Stimmen auf sich vereint hat. Im Bezirk Berlin-Osten ergab die Wahl folgendes Resultat: Reichsgewerkschast 7000 Stim- men, Gewerkschaft Deutscher Eisenbahner 980 Stimmen, Deutscher Eisenbahnerverband 370 Stimmen, Allgemeiner Eisenbahnervcrband 33 Stimmen._ Die örusseler Gerverkschastswoche. Nationalistische Ausschreitungen. TU. meldet aus Brüssel: Die belgische Arbeiterpartei hatte in la Louvitre eine Gewerlschaftswoche organisiert, an welcher auch Vertreter des Auslandes, darunter Sassenbach als Ver- treter der deutschen Gewerkscha'ten, teilnabmen. Sassenbach wohnte in demielben Hotel wie die belgischen Sozialistenführer de Brouckere und De man. Der Wirr des Hotels hatte aber Sassenbach qezwungeit, das Hotel zu verlassen, worauf die beiden Belgier als Protest ebenfalls das Hotel räumten. Im Laufe des Tages haben die belgischen. n a t i o« len" Vereine gegen die Anwesenheit des deutschen Delegierten durch Plakate Protest erhoben. Bei den sozialistischen Kund« gedungen, welche Mittwoch abend stattfanden, kam es zu Zusammen- stoßen zwischen belgischen Patrioten und Sozialisten. Es ge- lang den Soziali st en, den belgischen Patrioten» vereinen sämtliche Fahnen abzunehinen. Die so- zialistische Veisammlung, an der auch ein Italiener teilnahm und in der Saisenbach sprechen sollte, wurde infolge andauernden Lärms und Zwischenrufen wie:»Nieder mit den Boches!" gesprengt. Auch in später Stunde fanden noch Zusammenstöße statt, wobei mehrere Personen schwer verwundet wurden. Fast wie bei uns mit Ausnahme von Bayern, wo eS noch schlimmer zugeht._, Die Hirsch-Dunckerschen Bergarbeiter des Ruhrbezirks nahmen in einer in Wanne abgehaltenen Konferenz zur Lohnfrage Stellung. Nach eingehender Aussprache wurde eine Entschließung angenom- men, worin zum Ausdruck gebracht wird, daß die vom Zechenver- band für den Ruhrbezirk zugestandene Lohnerhöhung von zehn Mark im Durchschnitt je Mann und Schicht den Bedürfnissen der Bergarbeiter in keiner Weise gerecht werde. Die Konferenz erklärte sich zwar für die Annahme des Angebots, beauf- tragte aber die Leitung der Organisation in der Arbeitsgemeinschaft der vier Bergarbeiteroerbände, eine weitere Lohnforde- r u n g zu beantragen. Transporlarbeiterslreik in Köln. Nach Ablehnung des Schieds- spruches, der eine 23proz. Lohnerhöhung zum 1. September und eine 30praz. zum 1. Oktober vorsah, ist die Transportärbeiterschaft Kölns am Mittwoch in den Streit getreten. Die Ausführung von Lebens- mitteltrawsporten und die Fütterung der Pferde wird nach einer Meldung der TU. des Herrn Stinnes angeblich gewaltsam unter- Kunden. Die Arbeiter fordern eine 50proz. Erhöhung auf die jetzigen Bezüge. Gewerkschastskommission Steglitz, Bezirk 12. Sonnabend 4 Uhr findet vom Restaurant„Albrechtshof" aus die Beisetzung der Asche des Genossen Regener, welcher in Potsdam erschossen wurde, statt. Die organisierte Arbeiterschaft wird ersucht, an dieser Feier geschlossen teilzunehmen. Deutscher Vauarbeiterverband, Bezirk Steglitz: Die Beisetzung der Asche des in Potsdam erschossenen Kollegen Ernst Regner findet Sonnabend, den 10. September, nachmittags iYi Uhr, vom Albrechtshof, Steglitz, aus statt. Wir ersuchen unsere Kollegen, sich alle daran zu beteiligen. Die Bezirksleitung. Die österreichischen Staatsbcdiensteten haben an die Regierung die Forderung nach Auszahlung von 2000 bis 4000 Kronen als Aushilfe gestellt. Streik der Wiener Bühncnangchörigen? An den Wiener Theatern ist eine Lohnbewegung im Gange. Man erwartet für heute die Entscheidung, ob der Streik der Bühnenangehörigen ver- mieden werden kann. Freie Lehrergewirsichast. Sonnabend 7 Uhr Dcschaftssitzung im Rathaus, gimmer 63. Berantwortlich für den redakt. Teil: Viktor Schiff, Berlin; für Anzeigen: Tb. Glode. Berlin. Verlag: Vorirärts-Leriag G.m.b.H.. Berlin. Lrud: Vor- märtS-Buchdruclerei u. VerlagsonliaU Vau! Singer». Co.. Berlin. Lindenltr. 3. Hierzu 1 Vellage. Jorgssms Mttar HlHrrholiw» Seife i. Herren- u. Damenbclileldunö Ja ÜlIL.« h« BES beste Fabrikate, grosse ans wähl w m" Verkant meterweise Hoch& Seeland,&£ Gcrtraufllcgstr. 20/21 N T omaten Italienische Pfund 1 80 Eßbirnen. ßw GOpf. Kochbirnen aT°%and GOpi. Eßäpfel...... Pfund I20 Kartoffeln. p�d 60t. Mohrrüben... PfandöSPf. Rotkohl..... Pfund 7 5 Pf. Rotkohl hoild.. Pfund 1 M Kohlrabi», Monde) 1 40 Rhabarber...PfanuSSpf. Grüne Heringe Pfd. 2eo Goldbarse..«w 2io Scharbenzung. Pfd 270 Schellfische... w™ 290 Edcl-Krebsc SÄ, 20% Tilsiterkäse. Pfund 11«, Liptauerkäse. sa* 22s Landkäse große.. 3«* 375 Romaiourkase Mdc 7 so Spitgkäse.... Pfund 9so Goudekase den. Pfund 14 so Schweizerkäse Pfd. 26 m Dornet 12m Weinbr*- Ver sehn,& 36m Gjtxd.. Fiosdie 43m Preise einschließlich Flasche u. Steuer A�totheim iiikmkHVHUei Frisches Fleisch HammelvorderfleisdiPM. 9m Kalbskamm u. Brusi pu.lOso HlciItlJBlCl$CGUlC ganz a. geteilt Pfd. LL M JC&lilSkClllC ganz and geteilt. Pfd. LoJ M Hammelrüdten..... pa. 11 m Kalbsnicrcnbraien.. m 12 m Schw.-Sdiinkcnv Rücken 15 so Suppenfleisch........ p«. 9 so Schweinebauch°. Blatt«a. 15 so Gehacktes Ä, u"d. 11* Spezialmischung A. gemahlenem Bohnenkaffee pfunc 7 M 'sotio(Reis mit Fleisch- u. Mieren- Rindfleisch....0»» Sso "omaten)____ /.w 3 m Pudding..... /w 4 m Rindfleisch. p0„ 12. m ofelmus..... ,|i t>ose 4so Ärmeeration..Do* 62s Rindfleisch.*�17 so 'eißelbeeren- Würstchen amorik. do* 620 Leberwurst. � 7 2s iompoti..... �doooIIm Corned Beef. 97s Blutwurst...*000. 7 2s Erfrischungsraum: AJ CLt X ip Cltl~Stollßri 5 M