Nr. 427 ♦ ZS. Jahrgang Ausgabe A Nr.2Ib BeznffSvreiS, BIerteIiShri.ZU.— monail. M.— M. frei ins Saus, voraus zahlbar. Post- bezug: Monatlich l«.— M. nnichl.Zu- strüungsgebühr Unter Kreuzband lür Deutschland. DanKlg. das Saar» und Mcmelaebiet. sonne die ehemals beut- schen Gebiete Bolen» Oesterreich. Ungarn und Luxemburg 20,- M.. für das Übrige Ausland 27,— M. Pol» beitellungen nehmen an Oesterreich. Ungarn. TIchechv» Slowatet. Dänemark, Holland. Luremdurg, Schweden und die Schweiz. Der.vorwärts" mit der Sonntags» beilage.Boll und steil", der Unter» haltungsbeilage„Heimwelt" und der Beilage„Siedlung und Kleingarten" erscheint wochcntäglich zweimal. Sonn» tags und Montag, einmal. Telegramm» Adresse; .Soziaidemokrol SerNa� argen Ansgabe c m bauvtgeschälr. Berlin SW«i. Linden» ärahe ch abgegeben werden. Deoffne» ooa» Uhr srüh bis S Uhr abend» Zentralorgan der foztaldemokratirchen Partei Deutfcblande Neüaktion und Expedition: CN) CS, Lindenstr. Z «?<.»»M«'ht»<»rfi�r» Redaktion Morichplay 151»5— 97 lycrmprccncr» �cOition SBkoriitpla« n7 53-.r>4 Sonnabend, den 10. September 1931 Stimmen öer Vernunft in Genf. Genf, 9. September.(WTB.) Die heutige Sitzung der Völker- bundsversammlung» die um lO'A Uhr unter dem Vorsitze van Karne- beeks eröffnet wurde, beschloß, den Wunsch Lord Robert C e c i l s bezüglich der Oeffentlichkeit der Ratssitzungen erst am Ende der Debatte über die Berichte des Rates zu diskutieren, ihn, wie bereits mitgeteilt wurde, einer Kommission zu überweisen und erst nach Berichterstattung der Kommission in der Versammlung zu besprechen. Neun Redner waren für die Debatte des Rats- berichte? eingetragen, drei Redner nahmen in sehr ausführlichen Darlegungen dos Wort, nämlich Lafontaine, Nansen und der Perser Cokah-el Dauleh. Alle drei Redner begegneten dem größten Interesse, weil sie mit Freimütigkeit und Mut die all- gemeinen Probleme der Weltpolitik behandelten. Der Delegierte Lafontaine (belgischer sozialistischer Senator. Red.), der bereits im von- gen Jahre mit Wucht und Frische gegen das vorsichtige Zögern der Diplomaten eintrat, entwarf ein eindrucksvolles Bild der s ch w i e- rigen Weltlage. Wir erleben, so führte er aus, einen Niedergang. Das Ende und eine Lösung ist noch nicht ge- sunden. lieberall herrscht Elend. Sechs Millionen Arbeitslose in den Bereinig- ten Staaten, 30 Millionen Hungernde in Rußland, ein hinsiechendes Armenien, ein Hilferuf der Georgier. Griechen und Türken morden einander, ohne daß die Well den Wul hol, einzugreifen. Die Bemühungen sind auf das Schlimmste gefährdet und gehindert. Leider findet man von jenen Tendenzen, die die Welt bewegen, nichts im Bericht, weil er von dem Generalsekretär und seinen Beamten versaßt ist. Von dem Bericht selbst stellte der Redner fest, daß der Völkerbund keinen Aorlschrilt gemacht habe. Die Ratifikationen für den internationalen Gerichtshof sind nur zögernd eingetroffen. Rur zwölf Staaten wollen die Klausel unterzeichnen, die den Gerichtshof obligatorisch machti Die Welt sei beherrscht von INißlrauen in den lilassen, wie auch bei den Regierenden. Tiefen Eindruck machte der Redner, als er an die gestrige Darlegung Lord Robert Eecils über die beschleunigte Ab- r ü st u n g erinnerte und ein Bild des Schreckens eines künftigen Krieges entwarf. Was auch der Weltkrieg Ent- fetzliches hatte, mehr als man sich je gedacht hat, so wird doch der künftige Krieg an Schrecken und Entsetzen unsere Vorstellungen übertreffen. Man braucht sich nur die furchtbare Wirkung der L u s t s ch i f f a h r t im Krieg vorzustellen, die ganze Städte und ihre Bevölkerung vernichtet, Frauen, Kinder und Greise. Das muß endlich gesagt und von aller Welt beachtet werden. Es muß sich überall ein so großer Protest gegen den Krieg erheben, daß auch in dieser Versammlung der Dille entsteht, den Schrecken des Krieges ein Ende zu machen. Die wirtschaftliche und finanzielle Hilfe der Welt erfülle ihn ebenfalls mit st a r t e m P e s s i m i s- m u s. Die Völker würden aufs schlimmste zu leiden haben, vor allem an den Folgen der Kriegsanleihen. Dos sei eine Ungercchtig- keit, und man müsse sich fragen, ob nicht die Gerechtigkeit vcr- lange, daß diese Schulden vom Völkerbund übernommen werden. Lafontaine hielt diesen Plan nicht für eine Utopie. Die Länder, die nicht am Kriege teilgenommen haben, und solche, die geringere Verluste erlitten haben, müßten den anderen Ländern zu Hilfe kommen. Im Zusammenhang mit dieser Anregung kam der Redner auf den bereits früher von ihm vertretenen Gedanken der Bildung eines Weltmarktes, auf die Unter- drückung der Zollgrenzen unter den Völkern zu sprechen, einem Plan, den man noch für einen Traum halte. Der n a t i o» ncrle Egoismus sei gegenwärtig auf dem Hohe- punkt angekommen. Die Völker müßten diesem Zustand ein Ende machen. Die schwungvoll vorgetragene Rede fand lebhaften Beifall. Der norwegische Delegierte Nansen beschränkte sich nach kurzen Worten über die wünschenswerte Oeffentlichkeit aller Völkcrbundsnngelcgen- h e i t e n auf die Betonung der Notwendigkeit, möglichst die Diploinalie überhaupt auszuschalten und größere Sparsamkeit im Völkerbund walten zu lassen. Er wandte sich dann der russischen Frage zu, die er als die wich- tigste Frage der Gegenwart kennzeichnete. Er bedauerte, daß der Bericht des Rates dieser unglücklichen Lage mit'einem Worte er- wähnt, trotzdem das russische Problem das ernsteste sei, mit dem sich die Welt zu beschäftigen habe. Cr jugte wörtlich: Europa kann nicht ohne Rußland leben. da seine wirtschaftliche Notwendigkeit für Europa derart ist, daß alle Anstrengungen unseres Erdteiles, sich wieder auszurichten, zu einem Mißerfolg verurteilt sind, wenn wir nicht Nuß'ano zu Hilfe kommen In seiner Eigenschaft als Oberkommissar der Genfer Roten Kreuzkonserenz für Rußland hat Nansen tiefen Ein- blick in das Elend dieses großen Reiches erhalten. Wenn man von Moskau an der Wolga entlang, nach dem Kaukasus niedersteigt, sieht man das furchtbarste Elend. Hier ist die a a n z e E r n t e v e r- n i ch t e t, für Vieh und Mensch blieb nur ein halbes Pfund Getreide täglich. Nansen prüfte die bereits bekannten Vorschläge zur Hilfe- leistung und wies dann den Einwand zurück, daß die Angaben der russischen Regierung über die Zustände im Lande kein Vertrauen verdienen. Er erklärte in kategorischer Weise, daß man bei der Durchführung des Hilfswerks sich in jeder weise aus die Sowjet- regierung verlassen könne. Er habe bereits bei den Verhandlungen über die Rückbeförderung der Kriegsgefangenen die Er- fahrung gemacht, daß die Sowjetregierung streng ihre Ver- pflichtungen erfülle. Trotz des Kriegszustandes habe sie mehr als die versprochen« Anzahl Gefangener heimtransportiert. Auch die Kleider für die Kriegsgefangenen sind trotz des unge- heurcn Wertes, den die Bekleidungsstücke in Ruhland haben, stets unter die ausländischen Soldaten verteilt worden. Es könne daher kein Zweifel darüber bestehen, daß die Sowjetrcgierung jetzt, wo es sich um Rußland selbst handle, absolut zuverlässig sei. Diese Erklärungen machten tiefen Eindruck in der Der- sammlung und auf der Tribüne. Will die Welt Rußland zu Hilfe kommen? fragte Nansen, und er antwortete mit der Feststellung, daß die a m e r i k a- nischen Hilfsgesellschaften gemeinsam mit der Roten-Kreuz-Or- ganisation und der Internationalen Organisation für Kinderhilfe bereits Bewundernswertes getan haben. Außerdem hätten verschiedene Regierungen schon auf die Hilferufe gehört. Nansen erklärte sich glücklich, darunter die Regierungen Schwedens, Norwegens. Dänemarks, Estlands, Litauens und Deutschlands nennen zu können, die sofort Lebensmittel geschickt haben und ihre Absicht äußerten, der russischen Bevölkerung zu Hilfe zu kommen. Ungeheure Eile sei aber geboten, wenn man noch den wichtigen Wasserweg der Wolga benutzen wolle, bevor er zufriere. 20 000 bis 30 000 Menschen schweben in Gefahr. Drei gute Ernten genügen, um Rußland wieder hochzurichten. Nansen sag"- mit erhobener.Stimme: Ein Teil bte Mcuschheii muß dem anderen zu Hilf« kommen. Wir dürfen nicht mehr warten. Die Zeit drängt, unsere Verantwortung steht auf dem Spiel. Die Versammlung nahm die Rede Nansens mit stark'em Bei- fall auf. Nansen brachte dann folgende Entschließung ein: „Die Versoiymlung überweist einem Ausschuß das. Problem der 5)ungersnot, richtet einen dringenden Aufruf an die Re- gierungen, damit sie die notwendigen Kredite gewähren und fordert den Völkerbund auf, internationale KreditorgaNisationen zur Verfügung zu stellen zum Zweck der Verwendung der verfügbaren Summen und der Kontrolle der von der russischen Regierung als Garantie und Bürgschaft gelieferten Pfänder." . Es entbehrte nicht eines gewissen Reizes, daß der einzige der drei Redner, der bestimmte konkrete polnische Fragen anschnitt, der persische Delegierte Eojah-el-Dauleh war. Unter dem Beifall eines Teiles der Versammlung stellte er fest, daß in der Abrüstung noch nicht viel geschehen sei und deshalb die Welt die Augen auf Washington richte, damit die modernen Kriege, die aus unserer Tugend eine Blukjugend machten, ein Ende fänden. Hierauf kritisierte er besonders energisch die Tätigkeit des Bölkerbundes im griechisch. türkischen Krieg, siagte, warum der Völkerbund diese Zustände dulde, und forderte ihn auf, seine Vermittlung anzubieten. Er führte noch aus, daß man die oberschlesische Frage gerecht regeln müsse, die zu einem europäischen Skandal geworden sei und von der ein großer Teil des Friedens Europas abhänge. Hierauf schloß der Präsident die Versammlung um �2 Uhr, nachdem er mitgeteilt hatte, daß noch sechs Redner das Wort zum Bericht des Bölkerbundrats verlangt haben. die englischen Gewerkschaften gegen Sie Kriegshetzer. London, 8. September.(WTB.) Auf dem Gewerkschafts- k o n g r e ß in Eardiff erklärte der ehemalige Präsident der Bergleute S m i l l i e, die Lösung des Abrüstungsproblems hänge von der internationalen Einigkeit der Arbeiter ab und davon, ob ihr erbitterter Kampf stark genug fei, um sie gegen ihre Regierungen mißtrauisch zu machen. Die Gewerkschaft der Berg- arbeiter habe beschlossen, im Falle eines drohenden internationalen Krieges die Bergarbeiter aller Nationen zu einer Konferenz zusammenzuberufsn, um eine sofortige Stillegung der Arbeit aller Bergarbeiter der Well zu erreichen. Diese Entschließung sei mit überwältigender Mehrheit angenommen worden. Des weiteren drückte der Cardiffer Gewerkschaftskongreß in einer Entschließung sein tiefstes Mitgefühl mit dem russischen Volte in seinem augenblicklichen Unglück aus und sordcrte die britischen organisierten Arbeiter auf, das russische Volt finanziell bis zum äußersten zu unter st ützen. Der Generalrat wurde in der Entschließung aufgefordert, einen Fonds zur Bekämpfung der russischen Hungersnot zu gründen. Die britische Regierung wurde aufgefordert, die russische Regierung a n z u- erkennen. Der Nachfolger des Reichskommissars von Stark. Dem als Reichskommissar für die besetzten Gebiete in Koblenz in Aus- sicht' genommenen Fürsten Hatzfeld-Wildenburg ist seitens der Botschasterkonfercnz das Agrement erteilt worden. vorwärts-Verlag G.m.b.H., Ew H8, Linöenstr. Z » Verlag,(Expedition«»d Inseraten. 9jjacjt,t,lat) 1(753-51 Stockholm und Genf. Don Adolf Köster. Der unlängst in Stockholm beendete 19. Kongreß der Interparlamentarischen Union war zum ersten Male von Mitgliedern der deutschen Sozialdemokratie besucht. Das ist ein Zeichen nicht nur für das wachsende Ver- antwortungsbewußtsein innerhalb unserer deutschen Partei, sondern auch für die zunehmende praktische Bedeutung, die den Arbeiten der Interparlamentarischen Union seit der Ent- stehung des Genfer Völkerbundes zukommt. Das Ziel der Interparlamentarischen Union, die vor dem Kriege eine nur lose zusammenhängende Vereinigung von Parlamentariern oller Länder mit weit überwiegend bürgerlichem Einschlcg war, muß sein, sich das zu schaffen, was ich in Stockholm eine „legitime Repräsentation" genannt habe, d. h. sich zu einer Art V 0 l k s k a m m e r des Genfer Völkerbundes zu erweitern, hinter der nicht nur die beschränkte Anzahl der mehr oder minder zufällig starken nationalen Gruppen der Interparla- mentarischcn Union, sondern die gesamten nationalen Parlamente der einzelnen Länder geschlossen stehen. Das wird sie nicht am wenigsten dadurch erreichen, daß ihr vor- wärtstreibender, heute noch schwacher proletarischer Flügel kräftig und dauernd verstärkt wird. Das kann und muß er- möglicht werden. Wenn die der zweiten Arbeiterinternationale angefchlosse- nen nationalen Arbcitergruppen in ihren eigenen Ländern mit der bürgerlichen Demokratie zusammenarbeiten, können und dürfen sie auch auf dem Gebiete internationaler Abrüstungs- und Friedenspolitik die Zusammenarbeit mit bürgerlichen Anhängern einer internationalen Rechtsordnung nicht zurückweisen. Die Würde und die unvergleichliche Be- deutung unserer proletarischen Arbeiterinternationale wird dadurch nicht beeinträchtigt. Unsere Genossen in den skan- dinavischen Ländern haben seit vielen Iahren das Werk der Interparlamentarischen Union gefördert. Unsere Stimme wird um so gewichtiger sein, je aktiver wir uns in Zukunft an ihren Arbeilen beteiligen. In Stöckholm waren außer den drei skandinavischen Staaten nur noch Deutschland und Hol- l a n d durch Abgeordnete der. Sozialdemokratischen Partei vertreten. Alle übrigen Delegierten gehörten den konservativen und liberalen Gruppen der verschiedenen nationalen Parla- mente an. Die belgische und französische Bruder- vartei blieb bedauerlicherweise dem Kongreß fern, nachdem durch eine bürgerliche Zufallsmehrheit in ihren nationalen Gruppen ein bedingungsloses Zusammenarbeiten, ja, ein Zu- sammentreffen mit den Deutschen ohne vorausgegangenes nochmaliges deutsches Schuldbekenntnis abgelehnt worden war. Durch diesen Eigensinn bürgerlicher Parlamentarier ist das Ansehen Belgiens und Frankreichs nicht gefördert, die Stoßkraft der Stockholmer Beschlüsse bedauerlicherweise gc- schwächt worden. Wir Deutsche hoffen, daß der nächstjährige Kongreß der Interparlamentarischen Union nicht nur eine ge- schlossene Beteiligung aller wichtigen, ehemals feindlichen Ländergruppcn, sondern auch eine styrke Vertretung der europäischen Sozialdemokratie bringen wird— zum Wohle der europäischen Arbeiterbevölkerung und im Interesse der großen Friedensgedanken, für welche die Interparlamentarische Union seit Jahrzehnten kämpft. Der Kern der Stockholmer Verhandlungen bestand nicht in den verschiedenen Kompromißbeschlüssen, mit denen sie äußerlich endeten, sondern in der Tatsache, daß hier eine große Anzahl zum Teil führender Parlamentarier aus Amerika, England, Italien, Japan, Deutschland, den nordischen und anderen mittleren und kleinen Staaten zum ersten Male unabhängig von ihren Regierungen zusammen- kamen und in einem lediglich nach vorwärts gerichteten Geiste der Versöhnung und der Verantwortlichkeit Mittel und Wege suchten, neben dem als Regierungsorgan wirkenden Genfer Völkerbund und über seine zurzeit politisch begrenzten Wir- kungsmöglichkeiten hinaus dem Friedenswillen der Parlamente, d. h. der durch sie repräsentierten Volks- Massen energisch und selbstbewußt Geltung zu verschaffen. Wenn auch nicht alle Reden in Stockholm von diesem vor- wärtsdrängenden Willen Zeugnis ablegten, und wenn auch die geflissentlich betonte Zurückhaltung der amerikanischen Delegierten in allem, was die spezifische Formulierung des Völkerbundgedankens in Genf betraf, die Arbeit nicht erleich- terte, so war doch in der Sache die große Mehrheit des Kon- gresses darin einig: Der Völkerbund von Genf ist lediglich ein Ansang— er muß universal sein oder er wird nicht sein—; auch für diejenigen, die wie pnr Deutsche noch nicht hinein- sollen, oder wie die Amerikaner noch nicht hineinwollen, steht fest, daß der Völkerbund nur dann seine Aufgaben erfüllen kann, wenn er aus den politisch-egoistischen Eierschalen, die heute noch an ihm hängen, sobald wie möglich befreit und zunächst einmal zu einer wirklichen und reinen Rechtsinstanz und Rechtsgemeinschaft ausgebaut wird. Es war sachlich zweifellos einer der Höhepunkte des Kon- gresses, als der deutsche Delegierte S ch ü ck i n g in zwei- maligen Ausführungen mit der ganzen Autorität, die ihm sein tiefes, völkerrechtliches Wissen und sein jahrzehntelang tapferer Kampf für den internationalen Rechtsgedanken verleihen, für diese EntPolitisierung des Genfer Völker- bundwerkes sich einsetzte. Er tat es. indem er gleichzeitig einen warmen Appell an die amerikanische Delegation richtete, dafür zu sorgen, daß Amerika durch B e i t r i t t zu dem unvollkommenen Werke von Genf die Möglichkeit schüfe, dieses Werk selber weiter zu entwickeln. Wer da weiß, daß die amerikanische Opposition gegen den Genfer Völkerbund von Anfang an in der Befürchtung wurzelte, Amerika möchte durch Beitritt zum Völkerbund in einen politischen Pakt verstrickt werden, anstatt daß es lediglich eine Rechtsinstanz anerkannte, der wird verstehen, daß Schllcking hier an die einzige praktische Möglichkeit rührte, Washington mit Genf in Harmonie zu bringen,— daß er mit seinem Appell, der sicherlich nicht in, Sinne Clemcnceaus, wohl aber hoffentlich im' Sinne der großen Mehrheit des amerikanischen Volkes war, wahrhaft praktische Politik trieb. Denn der Völkerbund, nach dem die Welt sich sehnt, darf nicht die Clemenceausche Bersicherimgs- gesellschaft auf Gegenseitigkeit sein, die den Staatenbesitz der Sieger von 1918 garantiert. Er darf freilich ebensowenig von den Angehörigen der besiegten Mächte lediglich als das poli- tische Instrument angesehen werden, durch das sie ihre ver- lorenen Territorien wiedergewinnen. Er soll zu einer lebendigen Rechtskultur und Arbeitsgemeinschaft werden, die die natürlichen Kräfte keiner Nation hindert, aber Ventile und Regulatoren schafft, durch welche die Uebertragung aller wirt- schaftlichen und politischen Konflikte durch Waffengemalt auf ein Minimum reduziert, wenn nicht unmöglich gemacht wird. Der Genfer Völkerbund in seiner heutigen Gestalt stellt diese Gemeinschaft nicht dar. Den Willen zu dieser Gemein- schaft zu schaffen, reicht auch kein Bündnis einer Anzahl von Regierungen aus, als welche sich der Völkerbund van Genf heute darstellt. Diesen Willen zu schaffen, ihm eine Stoßkraft zu geben, die den Apparat der Regierungsbureaukratien von Genf lediglich umgestaltet, dazu bedarf es der Stoßkraft der großen Massen, die, zusammengefaßt in ihren Parteiführer und Parlamentsvertretern, über die Grenzen ihrer Länder hinweg sich die Hand reichen und als internatio- nale Volkskammer gleichberechtigt den lebendigen Völkerbund von unten schaffen, der ihnen bisher nur unvollkommen und verzerrt von oben aufoktroyiert war. Wenn die Interparla- mentarische Union sich auf diese ihre Kernaufgabe energisch besinnt, wird, sie das erhalten können, was ihr heute noch fehlt: Die Macht, die vom Reden zum Handeln schreitet. Aufhebung von Zeitungsverboten. Der Reichsrat gegen �rückwirkende Kraft". Am Freitag nachmittag tagte im Reichsministerium des Innern unter Vorsitz des Reichsministcrs Dr. Gradnauer der Ausschuß des R e i ch s r a t s, der auf Grund des Z 6 der Verordnung des Reichspräsidenten vom 29. August 1921 über die Beschwerden der verbotenen Zeitungen zu entscheiden hat. Die bcschwerdeführen. den Zeitungen waren vertreten. Es wurde insbesondere die Rechts- frage behandelt, ob der Verordnung des Reichspräsidenten„rück- wirkende Kraft" innewohne. Von feiten der Beschwerdeführer wurde darauf hingewiesen, daß sowohl§ 2 des Strafgesetzbuchs als auch Artikel 116 der Reichsoerfassung einer Interpretation wider- spreche, die der Verordnung des Reichspräsidenten rückwirkende Kraft verleihe. Es wurde auch betont, daß die Fassung des Wort- lauts der Verordnung einer solchen Auslegung widerspreche. Der Vertreter des Reichsjustizministeriums führte aus, daß zwei Fragen zu beantworten seien: Erstens, ob Verordnungen rechtlich zulässig seien, die Rechtsfolgen an Ereignisse knüpfen, die vor Inkrafttreten der betreffenden Verordnungen liegen, und zweitens für den Fall der Bejahung der Frage, ob der Reichspräsident von dieser Befugnis Gebrauch gemacht habe. Beide Fragen feien zu bejahen, denn es handle sich nicht um eine Strafmaßnahme, sondern um«ine vorbeugende Berwaitnngs. Maßregel. Für den Erlaß einer Berwaltungsmaßnahme sei es aus- reichend, wenn auf Grund der früheren Haltung eines Blattes zurzeit noch eine Gefahr bestehe oder für die Zukunft zu befürchten „Zutiiiw'. In seinem Roman„Dorothee" erzählt Willibald Alexis von einer Gelehrtenstadt mit Namen Futura, die der Holländer Benedikt Skytte zur Zeit der Regierung des Großen Kurfürsten rings um die damals noch in träumerischer Waldeinsamkeit belegenen Mllggel- berge errichten wollte. Alle wegen ihres religiösen, wissenschaftlichen oder politischen Glaubensbekenntnisses Verfolgten und heimatlos Ge- wordenen sollten hier eine Zufluchtsstätte finden und sich zur gemeinsamen Verständigung der lateinischen Sprache bedienen, da ja die Weltsprache Esperanto noch nicht erfunden war. So schön sich das Projekt anhörte, war SS aber von dem geschäftstüchtigen Holländer voch nur für geldbcfchwerte Flüchtlinge, wie wir sie ja auch heute wieder infolge des Krieges nicht zu knapp in Deutschland haben, ausgeheckt. Für Arme wäre wohl in den stolzen Müggeloillen, die von einer prachtvollen Kurfürstenburg auf der Bergeshöhe etwa an der Stelle der heutigen Bismarckwarte überragt werden sollten, kein Platz gewesen. Der Große Kurfürst, wie alle seine Vorfahren und Nachkommen dem Prunk nie abgeneigt, wollte die Ideen des holländischen Phantasten nach Möglichkeit fördern, aber der vor- sichtige Minister von Bonin soll zu Serenissimus kurz und bündig gesagt haben:„Erst wollen wir die Ankunft und Siedlungslust der reichen Flüchtlinge abwarten, dann, ist es zum Bauen immer noch Zeit genug." Natürlich suchten sich die Auswanderer, die zwar die Heimat verloren, aber den Geldfack gerettet hatten, schönere deutsche Plätzchen aus, und so ist die Gründung der Allerweltsstadt Futura am Fuße der Mllggelberge glücklicherweise ein Traum geblieben. Sonst wäre uns auch dieses schöne Fleckchen märkischer Natur längst mit Mauersteinen und Protzenalleen verrammelt. Vor zehn Jahren tauchte dieses alte kurfürstliche Bauprojekt aus der Versenkung empor, als der Forstfiskus die Anlage der bekannten Uferbahn gegenüber den MLggelbcrgen von Grünau nach Schmöck- witz genehmigt botte. Jetzt wird„Futura an der Dahme", am linken Ufer der Wendischen Spree, zur Wahrheit werden, hieß es. Reiche Leute werden, angelockt von der guten Lerkehrsgelegenheit, hier massenhaft ihre Villen bauen und den ganzen waldeingesäumten Strand bis nach dem Seddinsee hinauf erobern. Auch das hat sich trotz der Benzolbahn, die mitten durch die Kiefern ihre eherne Linie zieht, nicht bewahrheitet. Der Wald am Ufer ist den aus dem steinernen Häusermeer flüchtenden Erholungsuchenden in fast unver- kürzter Schönheit erhalten geblieben, und wohl noch lange wird ts so bleiben. Regt sich aber nicht allerorten etwas anderes, das uns wieder an„Futura" erinnert? Kein Fürst von Gottes Gnaden, kein Geld- protz, kein Gefchäftshuber und Projektenmacher baut die neuzeitliche Kleinstadt der Gegenwart und Zukunft. Das Volk selbst, nach dem Elend des Krieges durch Revolution und Wohnungsnot zu um so größerer Tatkraft erwacht, hat es in die Hand genommen, sich gesunde, menschenwürdige Wohnungen zu bauen und nicht mehr sei. Es sei auch zulässig, zum Beweis für eine bestehende Gefahr auf frühere Ereignisse zurückzugrifen. Artikel 116(„eine Handlung kann nur dann mit einer Strafe belegt werden, wenn die Strafbarkcit gesetzlich bestimmt war, bevor die Handlung begangen wurde") komme deshalb hier nicht zur Anwendung. Der Wortlaut der Verordnung des Reichspräsidenten lege nicht den Wert auf einzelne Artikel oder einzelne Nummern, sondern auf den Ge s a m t i n y a l t der Druckschrist, auf das Bild, das die Druckschrift nach ihrem Gesamtcharakter biete. Durch Bezugnahme auf den Inhalt soll die Druckschrift charak- terisiert werden. Diese Auslegung werde gestützt durch den§ 4 ber Verordnung, nach welchem Versammlungen usw. verboten wer- den können, wenn die Be s o r g n i s von Gefahren für den Staat bestehe. Daß diese Besorgnis begründet werden könne durch Er- eignisse, die vor Erlaß drr Verordnung liegen, stände wohl außer Zweifel. Endlich spreche der Zweck der Verordnung für die ver- treten« Auffassung, da es ihre Aufgabe sei, vorhandenen Gefahren zu begegnen, ohne abwarten zu müssen, daß aus der Gefahr ein Schaden für den Staat sich ergebe. Nach längerer Beratung des Ausschusses verkündete Reichs- minister Dr. Gradnauer folgende Entscheidung: „Der Ausschuß hat mit Mehrheit seiner Mitglieder be- schlössen: Es kann dahingestellt bleiben, ob nicht schon der Art. 116 der Reichsverfassung die rückwirkende Kraft der Ver- ordnung des Reichspräsidenten vom 29. August 1921 ausschließt. Es kann auch sonst dahingestellt bleiben, ob die Verordnung sich eine rückwirkende Kraft hätte beilegen können. Jedenfalls ist der Ausschuß der Suffasiung, daß nach dem Worilaut der Der- ordnung Dcröole nicht ergehen konnten wegen des Znhalls periodischer Zeitschriften vor dem Erlaß der Verordnung. Das verbot der betreffenden sechs Zeitungen wird daher ausgehoben." Es handelt sich um folgend« Zeitungen:„Deutsche Z e i- tung",„Deutsches Abendblatt",„Deutsches Tage- b l a t t",„S ü d d e u t s ch e Z e i t u n g",„Hamburger Warte" und„H e i m a t s b o t e" in Gera. » Die Reaktion hat einen ersten Sieg gegen die Verordnung der Reichsregierung erfochten. Der R e i ch s r a t, die Ver- tretung der Länder, in dem die gegenwärtigen r e a k t i o- nären Regierungen von Preußen und Bayern tonangebend sind, hat den Schlag für sie geführt. Freilich ist die Entscheidung des Reichsratsausschusses nur für bestimmte Fälle der Gegenwart von Bedeutung, nämlich für die Blätter, die auf Grund ihrer Schreibweise vor Erlaß der Verord- nung verboten worden sind. Die normale Anwendung der Verordnung auf Blätter, die erst nach Erlaß der Verord- nung Verstöße gegen sie begangen haben, wird durch die jetzige Entscheidung des Reichsratsausschusses einstweilen nicht berührt. Aber nach dieser ersten Probe muß man fürchten, daß der Reichsratsausschuß bald noch weitere Löcher in die Verordnung hineinhauen wird. Natürlich nur durch juristische Auslegung. Es ist merkwürdig. Unter dem alten System führte die juristische Auskegung immer zu Entschei- düngen im Sinne der Regierung. Heute bedeutet juristische Auslegung, daß alle der Reaktion nicht passenden Regierungs- Verordnungen für kraftlos erklärt werden. » Der Reichsminister des-Innern hat die„Kommunistische Ar- beiterzeitung" in Berlin für die Zeit vom 9. bis 22. September 1921 verboten. Münchener Stimmen. München, 9. September.(Eigener Drahtbericht des„Vorwärts".) Der bayerische Ministerrat hat in den späten Abendstunden seine Beratungen durch eine kurze Pause unterbrochen, ohne sich zu irgendeinem Ergebnis und zu irgendeiner Mitteilung an die Offent- lichkeit geeinigt zu haben. Die Lage in Bayern hat insofern eine wesentliche Zuspitzung erfahren, als weniger der Gegensatz zwischen Bayern und dem Reich im Augenblick ins Auge springt, als die trennende Kluft zwischen dem um seine Grundrechte mit Hilfe des Generalstreiks und der nur. denen, die immer noch auf dem Geldsack sitzen, ein befriedigendes Dasein inmitten der Schönheiten der Natur an LLäldern und Seen zu überlassen. Ja, man sieht hieran, wie vielleicht an keiner anderen modernen Erscheinung, welche organisatorische, in des Wortes wahrster Bedeutung aufhauende Leistungsfähigkeit in den besten schaffenden Kräften eines Volkes steckt, das schon innerhalb von drei Jahren nach einem maßlos unglücklichen Kriege Hunderte von Sied- lungen, deren jede für sich, eine baukünstlerische Sehenswürdigkeit ist, erstehen ließ. Futura, die kurfürstliche Prunkoillenstadt an den Abhängen der Müggelberge, ist in Jahrhunderten nicht zum Leben erweckt worden, aber drei Jahre zäher Volksarbcit genügten, um einen alten Schönheitstraum des Voltes, das endlich selbst über seine Geschicke und sein Zukunftsglück bestimmt, in den ersten, nach soviel verheißenden Anfängen zu erfüllen. Der Film, die Nokdurfk. die kleinen Mädchen. Ein Feuilletonist und ein Filmregisseur sind sich in die Haare geraten. Da lohnt es, zu lauschen. Der Regisseur— er heißt zufällig Ernst Lubitsch und ist ein großes Kirchenlicht— antwortet auf die kaum bestreitbaren Angriffe Alfred Polqars, der nur ein Feuilletonist ist: „Es wird im Film viel„Mist" produziert. Aber nur im Film? Nicht auch im Theater und in der Belletristik? Sie wohnen in einer reizvollen Stadt, die den Vorzug hat, das Geburtsland der deutschen Operette zu sein. Sollten Sie nicht auf der Operettenbühne einige Beobachtungen gemacht haben, die in dieser Richtung eigentlich sehr unterrichtend hätten wirken müssen?" Und weiter: „Ein Freund drastischer Vergleiche, schreiben Sie, daß es Sie mehr interessiert, eine Hökcrsfrau bei der Verrichtung ihrer Notdurft zu sehen als die Thronbesteigung des Maharadschas Gunnar Tolnaes. Ohne mich über Ihre seltsame Vorliebe unterhalten zu wollen, erlauben Sie mir zu bemerken, daß auch ich die Thron- besteigunq Gunnar Tolnaes' gerade nicht für den Rekord künstle- rifcher Filmdarstellung halte. Aber vergessen Sie nicht, daß diese Szene Tausende kleiner Mädchenherzen erfreut. Nehmen Sie diesen kleinen Backfischen ihre. Freude nicht, Ihnen bleibt es unbenommen, sich anzusehen, wie die Hökcrssrau ihre Notdurft verrichtet, und seien Sie überzeugt, daß die Backfische Sie nicht dabei stören werden." Es ist ein Glück, daß diese Unterhaltung in einem sittenreinen bürgerlichen Blatt stattfand(es war zufällig das„Verl. Taqebl.."). Wäre die Geschichte in der Partripresse passiert, so hätten sich sicher manche Leute aufgeregt. Aber Notdurft her und Nctdurft hin, der Feuilletonist hat recht, und den Lubitsch soll man prangern, gerade weil er was kann und eine Hoffnung ist. Wenn er auch nichts Besseres will als kleinen Mädchen Schundliteratur ver- filmen, so soll man seine groß aufgemachten Filmorgien auch zu dem übrigen Mist in die Senkgrube werfen und die Hökcrfraucn darauf setzen. Filmkritiker, paßt aus Lubitsch aus! Karl Schefflers INuseumskrieg. Die Angriffe des Schrift- stellers Karl Scheffler gegen die Bauleitung Ludwig Hoffmanns, dem er in der Ausführung der Museumsneubauten Großmannssucht Abtrennung Nordbayerns kämpfenden Proletariats und den Kreisen, welche hinter dem Rücken Kohrs eine stiernackig« Katastrophen- politik treiben. Selbst die„Münchcner Neuesten Nachrichten" erheben in dem Leitartikel„Wir warnen!" einen Mahnruf. Gegen die Gefahr von rechts schreiben sie:„Wir stehen nicht an, auszusprechen, daß die Art, die das deutschnationale München heute gegen die Regierung Kohr anschlägt, zu ernsten Bedenken Anlaß gibt." Die„Augsburger Abendzeitung" hatte nämlich im Leitartikel„Es ist Zeit zum Han- dein" geschrieben:„Man hat. den Eindruck, daß die Reichsrcgierung alle Mittel aufgewendet» um die bayerische Regierung totzureden. Wir sind der Meinung, daß jetzt keine Zeit mehr ist zum Verhandeln, sondern daß gehandelt werden muß. Bayern darf und kann sich der Internationale nicht preisgeben." Der deutschnationale Grobian, das„Miesbacher Tagblatt", schreibt:„Wird Bayern fest bleiben oder hat es vor Berlin gekuscht? Hat denn Nordbayern gar so groß« Sehnsucht nach dem Rätesaustall von 1919?" Im übrigen stellt dieses Blatt Forderungen auf, die in einer Anzahl von Adressen an Rc- gierung und Landtag gerichtet worden feien. 1. Wiederherstellung Bayerns als selbständiger Staat mit eigenem Wirtschaftsgebiet und eigener Verwaltungshoheit. 2. Wiederherstellung der Finanzhoheit. S. Bolksabstimmung über die Wahl des Reichspräsidenten. Gegen die Gefahr von links schreiben die„Münchener Neuesten Nachrichten":„Das demokratische Mäntelchen, das sich die Mehr- heitssozialisten umzuhängen wußten, ist in Gefahr und nun steht diese Partei in ihrer ganzen Nacktheit vor der verkörperten Gewalt- politik da. Die Folge ist nun der unausbleibliche Bürgerkrieg, wehe dann denen, die leichtsinnigerweise Blut und Leben ihrer Volksgenossen aufs Spiel gesetzt haben. Die Siege der Sozialisten liegen ja offen zutage. Nordbayern soll der roten Gewaltherrschaft ausgeliefert werden. Wir sind aber überzeugt, daß sich das ganze Bürgertum und die Bauernschaft wie ein Mann erheben würden zur Abwehr eines solchen Treibens." Die skrupellose Sozialisten- Hetze der„Münchener Neuesten Nachrichten" ist aber an sich keines- wegs geeignet, die tatsächlich bestehende außerordentliche Spannung zwischen Arbeiterschaft und Bürgertum in Bayern irgendwie zu be- heben. Noch ist es möglich geworden, daß trotz prinzipieller Eini- gung der Reichstagsmehrheit und der bayerischen Delegation in Bayern eine Atmosphäre geschaffen worden ist, welche den inneren Frieden zu bedrohen scheint. Wir wollen zugeben, daß die„Eni- hüllungen" des UEP.-Abzeordneten Fischer über die Ausrufung der Republik Franken in der gestrigen Versammlung der II SP/ ein taktischer Fehler war, geeignet die Erregung der Massen noch zu steigern. Die„Münchener Post" schreibt darüber:„Am meisten er- staunt über die Ausführungen waren wohl die verantwortlichen USP.-Leute und Gewerkschaftler, die an den Verhandlungen be- teiligt waren." Allen diesen leidenschaftlichen Ausfällen, sei es von rechts oder von links, fei es vom Norden oder Süden Bayerns, wollen wir nur entgegenhalten, daß sicheren Informationen nach die bayerische So- zialdemokratie und die in enger Fühlung mit ihr stehende USP. keineswegs an irgendeine gewalttätige Aktion in ihrem legalen Kampfe gegen die Regierung Kahr denken. Die bayerische Arbeiter- schaft behält sich nach wie vor den Generalstreik und unter Um- ständen den Bolksentscheid auf demokratischer Grundlage zwecks Abtrennung Nordbayerns von einem unbelehrbaren Kahr-Bayern vor. Sie erachtet die Aeußerungen der rechtsradikalen Presse der letzten Tage als ein Anzeichen dafür, daß in Bayern gewisse Kreise um Poehner und Roth keineswegs den Gedanken aufgegeben haben, Bayern als unangreifbares Glied der Reaktion und der Monarchist!- schen Gewaltpolitik innerhalb des Reichsganzen zu erhalten, daß Poehner wie Roth die bayerische Regierung vor die Alternative stellen möchten, entweder mit ihnen oder gegen sse zu regieren.— Die Verzögerung des Ministerrates bis tief in die Nacht hinein läßt die Annahme derartiger Hemmnisse als wohlbegründet erscheinen. Trotzdem wird die bayerische Sozialdemokratie niemals die Hand zu einem putschistischen Vorgehen in Nord- oder Südbayern, etwa eine Ausrufung einer neuen Republik Nordbayern gegen den Willen der Vo'lksmehrheit hergeben. Ihre Vorbereitungen in den letzten Tagen hatten den Zweck, die Autorität der Rcichsregierung mit allen verfassungsmäßigen Mitteln zu schützen. ...................-...............-J—S* usw. vorwarf, sind nach einer Berliner Korrespondenz vom Unter- richtsministerium als haltlos festgestellt worden. Auch der Betriebs» rat der Angestellten hat in diesem Sinne Stellung genommen und von Scheffler Zurücknahme der Beschuldigungen verlangt. Vom Ministerium wird ausdrücklich konstatiert, daß das Forum nicht erhöht wurde, daß keine Erhöhung des Bauwerks um mehrere Meter stattfand, sondern gegen den Rat Hoffmanns nut das Unter- geschoß— im Interesse besserer Lichtverhältnisse— u". 60 Zentimeter gehoben wurde und so weder Vergeudung noch Abweichung von den. ursprünglichen Bauplänen vorliegt. Es wäre interessant, wenn der frühere Generaldirektor Bode, der bisher einige Andeutungen im Sinne Schefflers gemacht hat und sicher die Kompetenz eines Gutachters im hohen Maße besitzt, hierzu unverblümt Stellung nähme. Stinnes— Filmunternehmer. Iin„Tagebuch" lesen wir: Stinnes ist mit 25 Millionen Mark in die Filmindustrie gegangen. Er will allmählich mit Hilfe seiner Freunde eine Gesellschaft mit 160 Millionen Mark schaffen, die sich in Potsdam mit Atelierbau- planen trägt und die nach und nach eine Reihe kleinerer Gefell- schaftsn In sich aufnehmen soll. Interessant ist die Tasache, daß ein Ausschuß zur Prüfung der Manuskripte eingesetzt ist, dem auch General Ludendorff angehört. Es scheint, ols ob man bei dieser Prüfung weniger auf künstlerische als auf politische Moment« Rücksicht nehmen will. Offene Augen, Mitbürger, Achtung auf den Stinnez-FilmI Des Sängers Dani. Zum Tode Josef Manns schreibt uns eine Leserin: „Es ist wohl in der Welt einzig dastehend, daß ein Institut wie die Stoatsoper einem solchen Mitglied, das Unvergängliches geleistet hat, kein Wort des Dankes, der Erinnerung, nicht einmal eine Zeile in dem Anzeigenteil einer Zeitung widmet, wie dgs jede anständige Gelchäftsfirmn zu halten pflegt. Wenigstens diese Pflicht einfachsten Anstands hätte man doch erfüllen können, wenn man schon keinen ausreichenden Grund sah, für Joses Mann eine Gedächtnisfeier an- zukündigen oder zum Zeichen der Trauer das Haus einen Tag zu schließen." Die Gesinnung ehrt die Einsenderin: aber uns gefällt die spar- tonische Cinfachbclt der Stoatsoper nicht minder. Gegen den in Berlin üblichen Vegräbniepomp, der eine tnpifche Verfallserscheinung ist, Front zu machen, wird zur Pflicht. Aber dann natürlich gleiche Behandlung aller! Lobengrin-Iubiläum im.Deutschen OperttftiWle. Am Sonntag wird WagnerZ ,?odcnarin"-mm 10 0. M a I e im Dentichrn Overnhanse geaedcn. Diese bobe ÄufttlhrnnqSztsfer inncrdasb eines ständig wechselnden Spielplans wurde im Lau e von sieben Jadren erzielt. Kein Kcan. Match ohne Banermaiitt. Dasscrmann wird wäbrend de» September und Oktober in iämllichen Kean-Aussübrnogen deS Deutschen Theaters die Titelrolle ipiclen. Hoffenllich bekomm! tbm die Boxerei. Die beiden Diebe. Die IllustrationSbcilage„DoZ Leben ein Bild*, mit der viele Ke tnneen ibre Leser aktuell süttern. bilngt, in Nr. 37 eine Photoaraphie de! Abgeordneten Dieh. der zugleich mit'Erzberger an, gelchossen wurde— und siehe da: c« ist unser nitcr, immer noch rüstiger Kenosse Dietz, der mit ieinem viel jünxeren Namenslollegen verwechselt wird. Dietz ist Dietz, wird der Bildermann jagen, der Leser merkt'» doch nicht. S Nr. 427 ❖ Z8. Jahrgang Seilaae öes Vorwärts Sonnabsnö, 10. September 1021 Groß-Berkn Mte Sünüen öes Kommunalliberalismus. Teutfchnationale Bcmäntelungsversuche. Fiir den Kampf gegen die Sozialistenmehrheit in der Berliner Stadtverwaltung sind den Bürgerlichen alle Mittel recht, ihre Agitation zu den bevorstehenden S t a d t v e r- ordnetenwahlen zu fördern. Jeder Mangel, den der Krieg und den die aus ihm hervorgegangene finanzielle Not Berlins ver- urfacht hat, wird den„Roten" aufs Konto gesetzt. Ja sogar Miß- stände, deren Ursachen in Unterlassungssünden einer lange vor dem Krieg liegenden Zeit zu suchen sind, werden als Folge sozialistischer Wirtschaft hingestellt. Ein Thema, das besonders den Parteien von ganz rechts, der Deutschen Dolkspartei und der Deutschnationalen Volkspartei, als ein sehr„dankbares" gilt, sind die mißlichen Verhältnisse der Ber- liner Gaswerke. Hierüber äußert sich eine vom M a q i st r a t durch sein Nachrichtenamt den Zeitungen übersandte Mitteilung folgendermaßen: „Dos Gaswerk Neukölln— Jahresprodukt rund 33 Millionen Kubikmeter— hat in dieser Zeit mit reinen Produktion?- kosten(ohne Zinsen und Zlbschrcibvng) von etwa 40 Pf. pro Kubikmeter hergestelltes Gas einschließlich der Verteilung gearbeitet. Aus dem vorliegenden Geschäftsbericht der vormals englischen Gasanstalt— Jahresprodukt 150 Millionen Kubikmeter— läßt sich errechnen, daß die Produktionskosten dieser Gesellschaft im Vergleich etwa 00 Pf. pro Kubikmeter betragen haben. In gleicher Höhe bewegen sich die Produktionskosten der Gasanstalt Lichten- berg. Demgegenüber haben die Altberliner Gaswerke— Jahresprodukt 280 Millionen Kubikmeter— mit Selbstkosten von etwa 90 Ps. pro Kubikmeter gearbeitet. Aus diesen Zahlen ergibt sich zunächst, daß die vielfach in der Presse aufge- stellte Behauptung, die kommunalen Gaswerke arbeiten schlechter als solche nach privat- oder gemischtwirtschaftlichem System wie die englische Gasanstalt betriebenen, unzutreffend ist. Das Gaswerk Neukölln, welches einen rein kommunalen Betrieb hat, ist bezüglich der Produktionskosten weit der vormals eng- lischen Gasanstalt überlegen. Verhältnismäßig sehr un- günstig schneiden demgegenüber die Altberüner Gaswerke ab mit ihren etwa 90 Pf. pro Kubikmeter betragenden Selbstkosten. Diese hohen Selbstkosten sind zum Teil darauf zurückzuführen, daß die Altberliner Werke im großen und ganzen technisch gegen- über den Anlagen Neukölln, Lichtenberg und der englischen Gas- anstalt erheblich veraltet sind. Am krasieften tritt dies her- vor bei dem Gaswerk Gitschiner Straße, welches über 1000 Arbeiter beschäftigt, während die Uebernahme seiner Gasproduktion auf das Neuköllner Wert dort die Einstellung von nur 250 Arbeitern er- fordern würde. Unter Berücksichtigung der technisch rückständigen Einrichtungen der Altberliner Werke hätten. ja doch Selbstkosten in Höhe twn etwa 70 Pf. unter den im vorigen Betriebojahr obwaltenden Verhält- nissen statt 90 Pf. erzielt werden müssen. Wenn tatsächlich e i n Mehr von 20 Pf. an Selbstkosten entstände" ist. was bei einer Jahresproduktion von fast 300 Millionen Kubikmetern eine Mehrausgabe von 00 Millionen Mark be- deutet, so lieat das on den schon oft erört-rten mißlichen Arbeiter- verhältnisien dieser Werke. Es werden dort, wie bereits mebrkach � betont worde, etwa 3000 Arbeiter zuviel beschäftiot. die bei der beutiaen Lohnhöhe annähernd den oben errechneten Mehrbetrag der i Selbltkostey erkordern. �ie Nerrinaerung der Arbeitskräfte auf das j unbedingt notwendig» Maß durch Abkehrurämien. Verwrndung in! anderen Betrieben, Pensionieren und dergleichen ist ber-uts in die j Wege geleitet und es ist zu hoffen, daß auch bei den Altberliner i Werken nach und nach eine Besserung der Erzeuaunaskosten eintreten j wird. Bei dieser Gelegenheit soll aber nicht verfehlt werden, darauf hinzuweisen, daß es gerade die Arbeiterfchakt ist. die der Derminde- � rung der Anzahl der beschäftigten Arbeiter bei den Gaswerken am � allerentschiedensten Widerstand entgeaenseßt. und daß«s das� be- sondere Verdienst der Betriebsräte lein würde, wenn sie in dieser Richtung, d. h. indem üe für die Verminderung der Arbeit-rzahl eintreten, an der Verbelleri-na des Betriebes und Verringerung der unnötigen Ausgaben mitarbeiten würden." An diese Darstelluna knüpft der deutschnationale„Lokal- an z eiger" ein Kritik, die kennzeichnend ist für die Kampfesweise j der rechtsstehenden Parteien und ihrer Presse. Der Magistrat betont,! daß die Angriffe gegen die kommunale Bewirt- fchaftung von Gaswerken unberechtigt lind, und führt l dafür das Beispiel des den privaten Betrieb an Wirtschaftlichkeit weit l übertreffenden Gaswerks von Neukölln an. Hierüber gleitet der biedere„Lokalanzeiger" in seiner Kritik mit gänzlichem Stillschweigen hinweg, weil es ihm nicht in den Kram paßt, die schon vor der Revo- lution stark von der Sozialdemokratie beeinflußte Wirtschaft der Stadt Neukölln gelobt zu sehen. Dagegen weist er nach- drücklich auf den Mißerfolg der Gaswerke Berlins hin, die bisher noch teurer als der Privatbetrieb gewirtfchaftot haben. Don den Ursachen, die der Magistrat hier nennt, unterstreicht das deutsch- nationale Blatt nur die eine, daß die Arbeiterzahl zu groß sei. Das ist ja etwas, was man wieder den verhaßten„Roten" ankreiden kann. Dagegen regt sich der um das Wohl der Stadt Berlin so sehr besorgte „Lokalanzeiger" nicht im geringsten darüber aust daß pie Gaswerke Berlins sich noch mit veralteten Einrichtungen behelfen mußten. Das kann natürlich nur dem bis 1919 im Berliner Rathaus allmächtigen Kommunalfreisinn, dem Vor- gänger der heutigen Demokratischen Partei in Berlin, zur Last gelegt werden. Aber jetzt vor den Wahlen muß selbst ein Deutschnationaler das bemänteln, um nur ja nicht der Sozial- demokratie irgendwie zu nützen. Zur Erheiterung unserer Leser sei hier noch eine groteske Uebertreibung festgenagelt, die das deutschnationale Blatt sich leistet. Es rechnet aus, daß die 00 Millionen Mark im Jahr 30 Mi pro Kopf der Bevölkerung machen, und fügt hinzu:„auf eine fünfköpfige Familie jährlich 150 M."! Weil aber nicht alle Einwoh- ner auch Gasabnehmer sind, entfalle auf jeden wirklichen Gasabneh- mer noch ein weit höherer Betrag.„Höher noch als 150 M.", wird der durchschnittliche„Lokalanzeiger"-Lescr sich sagen. Die Bcrech- nung für ganze Familien pflegt man z. B. bei den Ausgaben für Nahrungsmittel zu machen und mit Recht. Beim Gas aber ist, wenn auch eine Familie von 5 Personen in der Regel mehr Gas als eine solche von 2 Personen verbraucht, die einfache Multiplikation mit 5 doch ein sehr kühnes Verfahren. Hat denn in der fünfköpfigcn Fa- milie des„Lokalanzeigers" jede Person ihre eigene Zimmerbcleuch- tung, ihren eigenen Gaskocher oder ihren eigenen Lokus? Gegenüber den Verdrehungen, mit denen die Feinde des Sozia- lismus ihre Wahlagitation betreiben, wird die Wählerschaft am 10. Oktober die gebührende Antwort nicht schuldigbleiben. Virginia Moll vor Gericht. Nach Eröffnung der Sitzung durch Landgerichtsdirektor Dr. O p p l e r wurden als Nachtrag zur Beweisaufnahnie noch einige Schriftstücke und Briefe verlesen. Dann wurde die Beweisaufnahme endgültig geschloffen und Staatsanwaltschaftsrat Dr. Ziegel nahm das Wort zur Schuldsrage. Der Staatsanwalt faßte die Ergebnisse der mehrtägigen Der- Handlung zusammen. Die ganze Angelgenheit habe ihren Ausgangs- punkt in der Kondensmilchangclegcnhcit der Quäker, für welche Ein- fuhrbcwilligung erteilt wurde, gehabt: Hirschseld habe von Ansang an im Anschluß hieran den Plön gefaßt, sich durch Vermittlung der Frau Moll Einfuhrbewilligungen für seine Privathandelsinteresscn zu verschaffen. Es sei nicht erwiesen, daß auch Mautner von diesem Plan Kenntnis gehabt hatte. Die Vermittlungsstelle zur Verbindung der Frau Moll mit den Reichebehörden bildete Regicrungsrat Kaiser, bei dem Frau Moll großes Entgegenkommen fand. Dem Zeugen Kaiser sei der Vorwurf nicht zu ersparen, daß er es unteriasien hat, vor Weitergabe der Empfehlung der Frau Moll sich über deren Persönlichkeit und die ihr zu Gebote stehenden Mittel genügend zu informieren. Der Angeklagten Moll ist so ziemlich olles be- willigt worden, mos sie beantragte, ohne daß man überlegt habe, daß es sich um Werte handelte, die in die Hunderte von Millionen gingen. Hirschseld war überhaupt in der ganzen Angelegenheit die treibende Kraft und er hat kolossale Derdienlie aus diesen Schie- bungen gehabt. Frau Moll habe überhaupt sticht nachweisen können, daß ihr ausländische und speziell amerikanische Geldmittel zur Per- fügung gestanden haben; sie habe nichts davon gesagt, daß sie in der Person des Hirschfeld einen reichen Dänen hatte. Sie war sich bewußt, daß es sich nicht im: eine Liebesiätigkeit, sondern um Gc- schäfte handelte. Frau Mall sei zu strafen aus dein Gesichtspunkte der unerlaubten Einfuhr, der Zollhinterziehung, des Handels ohne Erlaubnis und des Kettenhandels, Mautner der unerlaubten Ein- fuhr und des unerlaubten Handels. Frau Moll t st nicht eine Betrügerin im eigentlichen Sinne, sondern eine Phontecktin. Der Staatsanwalt beantragte Freisprechung des Ange- klagten F l a t o w, dagegen gegen Frau Moll wegen des Einfuhr- vergehen? 1 Jahr Gefängnis unter Anrechnung der erlittenen fiebenmonatigen Untersuchungshaft und wegen Handels ohne Er- laubnis 500 M. Geldstrafe, gegen den Angeklagten Mautner, der vollständig unter dem Einfluß des Hirschfeld gestanden hat, 0 Wochen Gefängnis, verbüßt durch die Untersuchungshaft, und für unerlaubten Handel 1000 M. Geldstrafe. Außerdem bean- tragts der Staatsanwalt gegen beide Angeklagte je 50 000 M. und Einziehung der bei Franzkowiak beschlagnahmten Waren. Rechtsanwalt Dr. Walter Joffe trat in seinem Plädoyer den Ausführungen des Staatsanwalts entgegen. Durch die Beschlag- nähme sei plötzlich die ganze Angelegenheit an die große Glocke gekommen und habe unter den Einfuhrbehörden die größte Kopf- losigkeit hervorgerufen. Die Sache sei dann sehr aufgebauscht und alles auf die Angeklagten abgeschoben worden. Die Angeklagte ZNoll sei eine etwas exzentrische Frau, die in übertriebener Weise überall helfen wollte und die Sucht hatte, eine politische Rolle zu spielen. Sie sei wohl etwas psychopathisch, aber sonst hochachtbar. Rechtsanwalt Dr. Jaffa legte dann in län- geren juristischen Ausführungen dar, daß auch aus rechtlichen Gründen eine Schuld der Angeklagten nicht festgestellt fei. Deshalb rechtfertige sich eine Freisprechung in vollem Umfange. In Fort- setzung der Plädoyerls der Verteidiger trat auch Rechtsanwalt Dr. H a r t t e für völlige Freisprechung der Frau Moll ein. Rechtsanwalt G r ü n s p a ch erörterte eingehend die juristische S. ite des Tatbestandes, den die mehrtägige Verhandlung ergeben habe. Die daraus vom Staatsanwalt gezogenen Folgerungen seien Im allgemeinen und besonders bezüglich des Angeklagten Mautner falsch. Wenn etwas Unrechtes geschehen sein sollte, so sei das darauf zurückzuführen, daß die in Frage kommenden maßgebenden Herren jegliche Prüfung unterlassen haben, ob wirklich Liebesgaben in Frage standen. Für diese Psliebtoernachlässigung können doch nicht dritte Personen dienen. Gegen Mautner liege keinerlei Beweis eines Verschuldens vor. Frau Moll ist der Typus der ausgesprochen hysterischen weiblichen Personen, die sich in Phantastereien hinein- träumen: sie lügt, aber nicht bewußt und auch nicht zu dem Zweck, um andere Leute zu schädigen und sich selbst zu bereichern, sie be- treibt aus Eitelkeit die Wohltätigkeit, es ist in gar keiner Weise erwiesen, daß diese Frau.irgendwelchen persönlichen Vorteil im Auge gehabt hat. Hieran schlössen sich Ausführungen zweier anderer Verteidiger, die gleichfalls für Freispruch eintraten. Das Urteil wird im Laufs des Sonnabends verkündet werden. Ein Gestänönis Ses LuftmLröers Großmann. Die Lustmorde des Händlers Grohmann, die so großes Auf- sehen erregten und die vornehmlich die weibliche Bevölkerung Ber- lins in begreifliche Unruh- und Aufregung versetzt haben, gehen nach und nach ihrer völligen Slusklärung entgegen. Dabei ist es bereits zu Aussagen von grauenerregender Scheußlichkeit gekommen. Der Verbrecher gab bisher nur zu, die Nitsche umgebracht zu haben, weil er bei dieser Tat überrascht wurde. Alles andere leugnete er hartnäckig. Die Kriminalpolizei aber forschte in aller Ruhe Tag für Tag weiter nach und ihr Belastungsmaterial häufte und verdichtete sich so, daß jetzt auch in dem Falle des Dienstmädchens Sosnowski der Indizienbeweis gelungen erschien. Auch dieses Mädchen war einige Tage in der Behausung Großmanns und seit- dem verschwunden. Großmann, nach dem Verbleib des Mädchens befragt, gab wohl zu, daß es bei ihm gewesen sei, wollte aber durch- aus nicht wissen, wohin es sich dann gewandt habe. Als man ihm Kleidungsstücke der Vermißten, die man in seinem Zimmer fand, vorlegte, bestritt er, daß das Sachen der Sosnowski seien, be- hauptete vielmehr, sie gehörten anderen Mädchen, die bei ihm ge- wesen seien. Vorgestern nun hielt man ihm diesen Kleiderfund und anderes, was sich auf die Sosnowski bezieht, noch einmal vor. Er brach ziemlich zusammen, gestand aber immer noch nichts. Gestern vormittag sprach er, ohne daß weiter auf ihn einge- wirkt worden wäre, von selbst den Wunsch aus, die Kriminal- kemmissare Dr. Niemann und Warneburg noch einmal zu sprechen. Ihnen vorgeführt, legte er jetzt aus freien Stücken das Geständnis ab, daß er die Sosnowski in der Nacht vom 13. zum 14. Äügust ermordet habe. Wie er sagt, trennte er Kopf und Hände von der Leiche und warf sse in den Luisenstädtischen Kanal. Das Fleisch, das er dann von den Knochen schälte, verbrannte er zum. Teil und zum anderen Teil warf er es ins Klosett. Vom Kaps hatte er auch noch die Ohren abgeschnitten. Hierdurch ist nun festgestellt, daß der wieder zusammengesetzie Kaps nickt der der Frau Purschke, sondern der der Sosnowski ist, denn an ihm fehlten, als man ihn auffand, die Ohren. Nach seinem Geständnis brach Großmann vollständig zusam- men und konnte nicht weiter vernommen werden. Er wurde deshalb zunächst in das Polizeigefängnis zurückgebracht. Es ist zu er- warten, daß er im Laufe der uächsten Zeit weitere Geständnisse ob- l»gen wird, sobald er einsieht, daß er in allen Dingen Punkt für Punkt überführt wird und keinen Ausweg mehr findet. 78j Die Rächer. Nomon von Hermann Wagner. ..Wollen Sie?" fragte Behrens schließlich kategorisch. „Wollen Sie oder wollen Sie nicht?" Reisner hatte das süße Gefühl eines Genesenden, von einer starken Hand geschoben zu werden.„Wenn Sie glauben..." „Gut, Sie wollen. Damit ist die Sache erledigt. Legen Sie sich jetzt nieder, denn Sie sind müde. Schlafen Sie. Mor- gen reisen Sie dann mit Frau und Kind nach Holland... Abgemacht!" Er trat auf Reisner zu.„Und jetzt geben Sie mir die Hand! Wir sind doch Freunde?" „Ja," sagte Reisner und empfing den Druck der fremden Hand schon wie im Schlafe. „Leben Sie wohl," sagte Behrens,„und werden Sie endlich glücklich!" Reisner fielen die Augen zu. Er horte noch das Wort „glücklich". Es umsummte ihn wie eine Biene. Aber dann schlief er traumlos ein, das erstemal seit vielen Tagen.— Behrens fand Lueie in ihrem Zimmer. Sie war gefaßt und brachte es fertig, zu lächeln. Aber irgendein Zug in ihrem Gesicht machte sie doch alt, ein Zug der Bitterkeit, die es lernen wollte, sich zu verbergen. Er gab ihr die Hand.„Ich bin fertig, Lueie," sagte er. „ich kann gehen." Ihr Antlitz war von einer leichten Röte Übergossen. Herbert, was schulde ich dir alles," sagte sie tonlos.„Ich kann nie mehr froh werden, wenn ich daran denke." „Wirklich," fragte er verwundert,„hast du das Gefühl. mir etwas zu schulden? Oh, das wäre schlimm. Wäre es so, dann hättest du nie geglaubt, daß ich dich liebe." Sie saßen einander gegenüber. „Es ist ein letztes Mal, für lange Zeit," sagte Behrens. „Wirst du an mich denken?" „Frage nicht." „Sieh, es ist mein Glück, wenn ich weiß, daß es dir gut geht. Und nicht nur: gut geht— daß du auch glücklich bist... Wirst du es werden?." Ihre Bitterkeit schmolz zusammen.„Ich werde mir Mühe geben." „Nein, du sollst dir keine Mühe geben. Du sollst Geduld haben und warten. Still sollst du sein und in dich hineinhören. bis du das Glück wahrnimmst, das in dir ist... Denn in uns allen ist das Glück, in uns allen..." „Und du?" fragte sie.„Wo ist dein Glück?" „Bei dir. Und da du in mir bist, so ist mein Glück in mir." Er stand aus, nahm ihre Hand und küßte sie langsam. „Lebe wohl." „Lebe wohl," nickte sie ihm traurig zu. Er ging, und als er an der Tür war, rief sie ihn noch einmal an:„Herbert!" Er wandte sich um. Da stürzte sie ihm entgegen und schloß ihn in ihr« Arme. „Du," rief sie leidenschaftlich,„nun verläßt du mich!" Er löste sich zaghaft aus ihpen Armen.„In Wirklichkeit bleibe ich bei dir, so, wie ich immer bei dir war,— immer, für alle Zeiten." Er ging, und sie lauschte seinen Schritten. Im Nebenzimmer schrie Lu nach ihr. Sie fuhr sich mit dem Arm über die Augen und rief:„Ja, Lu,— ich komme!" 20. Behrens hatte in feinem eigenen Namen und im Namen Reisners einem bekannten Anwalt die Vollmachten gegeben, die zur Klärung und Sanierung der finanziellen Verhältnisse Reisners nötig waren. Auch eine große Summe Geldes hatte er zu diesem Zweck flüssig gemacht. Reisner, sagte er, habe mit seiner Familie für längere Zeit eine Erholungsreise ange- treten. Und nun verabschiedete er sich. Die Hitze des Sommers machte es ihm zur Oual, noch länger auf dem Berliner Pflaster zu verweilen. Auch 5)am- bürg lockte ihn nicht. Mitten auf der Strecke, in der Gegend der Lüneburger Heide, gedachte er auszusteigen. Es verlangte ihn stark nach einem verborgenen Fleck Erde. Wieder benützte er einen Personenzug. Er mochte von Schnellzügen nichts wissen. Die Zeit, die man mit ihnen sparte, war kein Gewinn, man bezahlte sie mit Unbequemlichkeit und mit der Gereiztheit: der Leute, denen man den Platz wegnahm. Die Schnellzüge verwandelten die Menschen in den Tell jener Maschine, die sie selber waren. Ein hastender Mensch sunktw- nierte, aber er lebte nicht. In den langsamsten Zügen traf man oft das echteste Leben. Behrens saß einige Stunden beschaulich und zufrieden in seiner Ecke. Seine Zufriedenheit war sogleich erwacht, als der Zug die letzten Häuser Berlins hinter sich gelassen hatte. Rur ein grauer Nebel schwebte noch über der Gegend, wo der Häuserhaufen war. Zwar streckte der Vampyr seine Fänge noch weit aus. Bunte Schilder, mitten auf vergewaltigte Becker gepflanzt, schrien sich heiser in aufdringlicher Reklame für ihn. Doch der Zug fuhr nichtachtend an ihnen vorüber. Kiefernwaldungen tauchten auf und strömten einen Geruch von Natürlichkeit und Gesundheit aus. Wellige Wiesen zogen sich sanft hin, Kornpuppen grüßten, auf den Aeckern arbeiteten gebückt Männer und Frauen. Und der Himmel überdachte alles mit wachender Göttlichkeit. In der Nähe von Lüneburg verließ Behrens den Zug. Eine kleine Sommerfrische war in der Nähe. Er nahm seine braune Segeltuchtasche in die Hand und machte sich auf den Weg, der durcst einen niedrigen Kiefernwald führte. Er hatte eine halbe Stunde zu gehen. Noch nie war ihm ein Weg so leicht geworden wie dieser. Er ging langsam, genoß jeden einzelnen, Schritt, den er tat. Eine tixfe, heilige Stille umgab ihn. Und doch war diese Stille erfüllt von einem stummen Gesang. Tausende Stimmen riefen ihm zu: Du bist frei! Er war es, seit vielen, vielen Iahren zum erstenmal. Er war wahrhaft frei. Es gab keinen Menschen, dem er körper- lich anhing, und doch gehörte er mit dem Herzen allen. Eine mächtige Liebe lebte in ihm. Dieselbe, die ihm aus den dunk- len Bäumen entgegcnatmete, die aus jeder Blume zu ihm sprach. Es war die edle, wahrhafte Liebe jeder Kreatur zur Welt. Und die Welt gehörte ihm. Und ej: gehörte der Welt. Denn er war frei. So frei wie das Tier des Waldes, dessen Wünsche und Sorgen nicht über die Stunde der Gegenwart hinausgingen. Noch ehe er an den kleinen Ort kam, mußte er an einem Landgastbos vorüber. Es war Abend, und er kehrte ein. Hier sah man ihn nicht erst groß an und prüfte auch nicht seine Klei- dung und sein Gepäck. Ob er hier übernachten könne, fragte er die Wirtin. Ein rascher Blick ins Gesicht, und dann hieß es: Ja. fTchluß folgt.); Sollen die Wassersperren nicht aufhören? Don Berliner Amtsgerichten und vom Oberverwaltungsgericht sind die Wassersperren, mit denen wegen Zahlungsunfähig- keitdes Hauswirtes die an ihr völlig unschuldigen Mieter be st rast werden, für ungültig erklärt worden. Bis- her haben aber in Berlin diese aus Gründen der Gcsundheitspslege und der Feucrsicherheit höchst bedenklichen Wassersperren noch nicht aufgehört, wie unter anderem ein, aus den Häusern Grünthaler Straße 44/45 und Soldiner Straße 8/9 mitgeteilter neuester Fall zeigt. Den Mietern dieses Hauses wurde im August der Be- schluß zugestellt, daß wegen Wasserschulden des Wirtes die Mieten gepfändet seien. Nach zehn Tauen hob der Magistrat die Mieten- sperre wieder auf, so daß die Mieter ihre Mieten, wie bisher, an den Wirt zahlten. Nachdem aber das geschehen war, wurde plötzüch am 6. September in den Häusern das Wasser abgesperrt. Die uns zugehende Mitteilung sagt leider nicht, welche Schritte die Mieter- räte getan haben, um die schleunigste Aufhebung« der unzulässigen Wassersperre zu erreichen. Wenn die uns gegebene Darstellung in allen Punkten richtig ist, so ist dieser Fall noch skandalöser als alle früher bekannt gewordenen. Unser Wahlkampf. Auch in S ch ö n e b e r g hat der Kampf zu den Stadt- und Be- zirksvcrordnetcnwohl eingesetzt. In der bis auf den letzten Platz besetzten großen Aula der Uhlandfchule in der Kolonnenstraße svrach Genosse Franz C z e m i n s k i für den 11. Kreis über das Thema„Die Reaktion in G r o ß- B e r l i n". Fn scharfen Worten ging der Vortrauende der Reaktion im allgemeinen und im besonderen sodann den Berliner Reaktionären zu Leibe. Ganz be- sonders geißelte er die Sabotage der Rechtsparteien, einschließlich der Wirtschaftlichen Vereinigung, aeaen die Berliner Skadtverordneten- ocrfammlnnq und das Eroß-Berlincr Gemeinwesen. Weiter be- schäftigte sich der Redner mit der ,.Los-von-Berlin"-Bewegung. In der Diskussion versuchte der'Kommunist Schneideratus, die Ausführungen des Redners zu verwischen. Genosse Fritsche trat ihm mit treffenden Gegenbeweisen entgegen. Der starke Beifall, der dem Genossen Cteminfki am Schlüsse seiner Ausführungen zuteil wurde, zeiche, daß die überwiegende Mehrheit der Anwesenden sich zu uns bekannte. Auch die von den Genoffen der 8 9. und 81. Abteilung in den Büraersaal des Friedenau er Rathauses mit dem gleichen Thema oinberufcne Versammlung wies einen überaus zahl- reichen Besuch auf. Der große Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt. Referent war der Bezirksoerordncte des 11. Kreises, Ge- nolle Fritz Kaspar. Der Referent gab eine Ueberffcht über die Tätiakeit der einzelnen Parteien im Berliner Rathaus und im Be- zirksamt des 11. Kreises. Die Rechte habe lediglich negative Politik getrieben und dabei leider nur zu oft die Unterstüßung der Kommu- nisten gefunden. Nur dem Eingreifem-der sozialistischen Parteien sei es zu danken, daß der Bankrott, der vor der Tür stand, abgewehrt sei. In der Diskussion ergänzte Genosse O b st die Ausführungen' des Referenten noch durch eine Anzahl Totsachen aus seiner kommunalen Prons. Die ziemlich konfusen Ausführungen eines jungen kommu- nisti'chen Redners konnten die Genossen Kamrowski. Austenat und Albrecht sowie der Referent im Schlußwort leicht abfertigen. Der Verlauf der Versammlung zeigte, daß unsere Aussichten auch in dieser reaktionären Ecke des 11. Kreises recht gute sind. An die organisierte Arbeiterschaft! Die Arbeiter und Angestellten der Filmindustrie kämpfen um die Anerkennung ihres Tarifvertrags. Die Kinovorführer haben gestern abend beschlossen, für ihre streikenden Kameraden in den Sympathie- streik einzutreten. Pflicht der Groß-Bcrliner Arbeiterschaft ist es. die Kämpfenden zu unterstützen und nur solche Kino-Theater zu besuchen, die die Forderungen der Arbeiter und Angestellten bewilligt haben. Sie sind kenntlich gemacht durch ein von P. Bardeleben unterzeichnetes Plakat des Zentralverbandcs der Film- und Kino- . angehörigen. liebt Solidarität Die täglichen Aukounfäll". In der Friedrich-Karl-Straß« wurde der 35 Jahre alte Kutscher Wilhelm Kulke durch ein Auto überfahren und schwer verletzt. Er fand im Krankenhause Am Fricdrichshain Aufnahme. An der Schloßbrücke geriet der ISjährige Werkzeug- dreher Willi Schulz unter die Räder einer Kraftdroschke und erlitt einen Bruch des linken Unterschenkels. Man brachte ihn zunächst nach der Rettungsstelle in der Ziegclstraße. „Hauptmann" von stelkeler vor Gericht. In einem Prozeß gegen den adligen Hochstapler. Oberleutnant a. D. Gerhard von Ketteler. welcher in der Rolle eines Fliegerhauptmanns um- fanmeiche Krcditschwindeleien verübt hatte, wurde gestern in später Nachtstunde das Urteil verkündet. Das Gericht ging über den Antrag des Staatsanwalts hinaus und erkannte auf 1 Jahr und 9 Monate Gefängnis. Beerdigung eines Potsdamer Opfers. Am Sonnabend, den 19. d. M. lheute), nachmittags lYt Uhr, findet die Beisetzung der Asch?nrcste des in Potsdam erschossenen Genoffcn Reqener(USP.) statt, und zwar vom Albrechtshof in Steglitz, Albrechtstr. 1s. Die Monatskarten von Potsdam nach Berlin. Del der Handels. kammer zu Berlin war darüber Klage geführt worden, daß die Mo- natskarten von Potsdam nach Berlin nicht mehr wie bisher mahl- weife für die Berliner Stadtbahn. Wannsecbahn und für die Pots- damcr Fernbahn gelten. Auf Vorstellung der Berliner Handelskammer hat die Berliner Eisenbahndirektion mitgeteilt, daß die Monatskarten zwischen Potsdam mit den Stationen der Berliner Stadtbahn wieder Gültigkeit nach dem Wannsecbahnhof und dem Potsdamer Fcrnbahnhof erhalten. Straßensperrung. Der Mühlendamm zwischen Molkenmarkt und Köllnischem Fischmarkt ist zur Erneuerung der Straßenbahn- gleite bis auf weiteres für den Fuhrwerksverkchr gesperrt worden. — Zur Vornahme von Gleisarüeiten in der Bellevuestraße in Köpenick zwischen Brandenbnrgplatz und Friedrichshagener Straße ist diese Straße für den Fuhrwcrksvcrkehr von Friedrichs- bogen nach Köpenick bis auf weiteres gesperrt. Die Umleitung des Verkehrs erfolgt durch die Friedrichshagener Straße. Die Schließung der Walderholongsstätte Sönigsheide erfolgt mit Ablauf des Monats September. Die beständige warme Witterung läßt den Besuch auch jetzt noch besonder» angezeigt erscheinen. Inter- essentcn fAufnohme finden nur weibliche Personen und Kinder bis zu 15 Iabrenl erholten nähere Auskunft im Bureau der Erholungsstätte, Neukölln, Richardftr. 118, Quergebäude 1 Tr., während der Sprech- stunden von 9—1 Uhr. Oeffeniliche Bolkskonzerle für das hungernde Rußland. Die Bezirke 1, 4, 5, 6, 7 und 11 des Deutschen Arbeiter-Sängerbundes lGan Berlin) osranstolten am Sonntag, den 11. September, als Opfertaq für das hungernde Rußland öffentliche Konzerte, bestehend in Massen- und Einzelchören, und zwar auf folgenden Plätzen: Nach- mittags 3 Uhr: Lustgarten, Humboldthain. Troveplatz(Lichtenberg), Weberwiese, Trianonpar?(Weißensee), Spielwiese(Treptow), Luisen- platz(Eharlcttenburg), Strausberg(Lustgarten).— Nachmittags 4� Uhr: Friedrichshain(Landsberger Platz).— Mittags 12�4 Uhr: Königswusterhausen vor dem Schloß.— Nachmittags 2 Uhr: Ober- schöneweide(Marktplatz), Adlershof(Marktplatz).— Nachmittags 4 Uhr: Obsrfchöneweide(Restaurant„Loreley").— In Anbetracht des guten Zweckes boffgn wir auf eine zahlreiche Beteiligung der De- völkerung. Der Ertrag der hierbei veranstalteten Sammlung wird unverkürzt der Gewerkschaftskommifsion Berlins für obigen Zweck überreicht. LeUrksbildungsausschuß Sroß-BerNn. Am Sonntag, den 11. d. M., nachmittags 3 Uhr. findet im Neuen Dolkstheater, Köpe- nicker Straße 68, eine Uraufführung der Satire„Die Lokalbahn" von Ludwig Thoma statt. Karten 4,59 M. einschließlich Garderobe und Theaterzettel sind bei den Obleuten der Kreisbildungsausschüffe Tegel. Lichtenberg. Schöneberg und im Bureau des Bezirksbtldungs- ausschusses, Lindenstr. 3, 2. Hof, 4 Treppen, Zimmer 12, zu Hadem Ein Konzert in den Lüften. Profeffor Becker wird am kom- wenden Sonntag, früh 8 Uhr, zwölf Lieder auf dem Glockenspiel der Potsdamer Garnifonkirche, also hoch über den Menschen und Häusern, vortragen, u. a. Sonntagmorgen von Mendelssohn, Sehn- sucht nach der Heimat, Lorbeer und Rose von Grell, Des Sommers letzte Rose, Altniederländischer Marsch für Glockenspiel(17. Jahr- hundert), drei Stücke aus Mozarts„Zauberslöte": a) O Isis und Osiris, b) In diesen heil'gen Hallen kennt man die Rache nicht, c) Brüder, reicht die Hand zum Bunde, und schließlich: Freude, schöner Götterfunken, von Schiller-Aeethoven. Ter Müniierchor Norden(Dirigent Paul Kurz), Mitglied deS Deutschen Arbeiter-ZänqerbiivdeZ, veranstultet um Sonntug. den lt. Sep- lembcr, ubendS?>/, Uhr. im Saal« der Singukudemie, Unter den Linden. dinier dem ZeugbuuS, einen Kunitabend. in dem als Solisten Frau Minna Edel Wilde und Felir Reulter. auherdcm dag VoikSorchester Lichtenberg mitwirken werden. Zur ilussübrung gelangen n. a. Schuberts unvollendete II-woU-Sinsoiiie, Haydn und der„Wernher'-Männerchor von DuboiS. Zilmschau. Handicap der Lieber beißt der siinsuktige Ioe-Decbs- Film, der im Mozarlsaai rollt. Er ipielt im Nennsport und Iü>>t einen Renner dieleS Milieus ni»t froh werden, weil er an gar zu groben Fcblern leidet. Nie und nimmer kommt ein Herrenreiter von der'Sröftc des SchuuspiclerS ÖSkar Marion sür ein bedeutendes Flachrennen in Zraae. WaS für ein Gewicht will der Mann denn in den Sattel bringen? Dann der klobige Grisf seiner Parade-Neitpeilsibe. Die kann man sich wohl erlauben, wenn man ans einem Tatleriaalgaul svasteren reilet, aber nicht, wenn die Sache ernst wird und man m ein Rennen gebt. Zudem genehmigt der Gaul sich frei und offen eine Pulle, aber gedodle Pferde kommen osffzicll sür ein bedeutendes Nennen nicht in Pclracht. Ucberdics ift das Bild, da« dem Zuschauer den Endlumps vorführt, nach dem Zsel ausgenommen und zeigt ein uuScinaiidergerisseneS Felo und den kurzen Galoppiprung abgcilovvter Pferde. Sonst find die Ausnabwcn aus dem Grunewald tadellos, weil sie echt lind und man einfach die Rcnnbabnbelucher als Schauspieler benutzte. Die Darsteller Uschi Elleot, Ostar Marion, Trude Hoffmann, Alfred Gerasch, Ferdinand v. Allen usw. machten sich um die Sache verdient. Gin ZirkuSfeft der Fern.Nndru.Film.Co. findet am Sonntag. den tl. Seotembcr. nachm. 3 Ubr, im Stadion stalt, und zwar zugunslen der Kriegsblindensm sorge des Noten Kreuzes. Für das ifest sind zehn groffe Zirkuönummern, die in vier Manegen arbeilen werden, gewonnen. Den Höbepuntt der Pcranstallung wird eln von Fern Andra auSgejührtes römisches Wagen-Rennen aus der Quadriga bilden. Grofi-Serliner parteinachrichten. heuie, Sonnabend, den 10. September: Konferenz der erwachscar» Mitarbeiter de, verein, Arbelter.Ingend Sroh. B-rli« um 1 Uhr im Fentrulsugendheim, Lindenstr. Z. Bortraa:„Die Mitarbeit in den Bczirlbiugendilmlern und die Ausgaben der Jugend- Helfer". Referent Genosse Lrich Ollenhauer. Chart» tteaburg-Svanda». Die juristlsche Sprechstunde findet jeden Eonnabend von d—« Uhr im Jugendheim Rosinenslr. s(Volkshau,), statt,„Vor- w<>rt,"-2ulttuna, Partei- oder Gewerkschostsbuch legitimiert. SZ. Abt. Eteglij,. Achtung, Bezirksfilhrerl 9 Uhr Plakate abholen bei Clemens, Düppclstr. 7. Morgen, Sonntag, den 11. Sepkember: ReukSllu. Die Teilnehmer zur ffllhrung durch den Botanischen Garten ln Dahlem treffen fich srüh 3% Uhr am Wirtschaftsgebiiude. M. Abt. Ausslug der 9. Gruppe nach Rennbahn Weißensee. Daselbst Kassee» kochen, Unlerhaltungsspiele usw. Treffpunkt 1 Uhr mittag. Ostseeplatz (verlängerte Hosemannstraße). Genossinnen und Genossen der anderen Gruppen sind freundlichst eingeladen. 71. Abt. wilmer-dors.' Früh 10 Uhr treffen sich die Etraßenführer bei Ionaß, Durlacher Str. S. 95. Abt. Tcmpelhos. Führung durch den Botanischen Garten(pro Perlon l M.>. Treffpunkt SVi Uhr am WIrtsck.aftshof unter den Eichen.— Ein» trittskarten sür den am 17. d. AU, in der Aula de» Realgymnasium, stattfindenden Operettenabend zu< M. einschl. Garderobe und Steuer sind bei den Bezirk-sllhrern zu haben. E, ist Pflicht der Eenossen, für da, Gelingen unserer Veranstaltungen Sorge zu tragen. Zungsozlalislc». Gruppe Echsncbcrg.Fricdcnau! Fahrt nach Strausberg. Treffpunkt früh 9 Uhr Bahnhof Schöneberg.— FriedelchohaiN! Gruppe!» Wanderung nach stänigzwusterhauseu— Rüikelfee. Treffpunkt früh 9 Uhr Gärlitzer Bahnhof._ vorträae. vereine und Versammlungen. Rclchibund der striegebc schädigten, Krieg, teilnchmcr und.Hinterbliebenen, Bezirk Norden 11. Bezirksversammlung Montag, den lZ. September, TM Uhr, in Büttner, Fesisälen, Schwedter Str. 22/29.— Internationaler Bund der Xricgivpfer, Gau Berlin- Brandenburg, Ortsgruppen Nordwest 1, 2 und Westen. Montag, den 12. September, 7 Uhr, gemeinsame Mitgliederversamm- lung im Artushof, Perlebergcr Str. 29. Tagesordnung: 1. Umanerkcnnung der Renten. 2. Berichmelzungsfrage. 9. Verschiedenes.— Die vrt»grupp« Osten heimat»treuer vbersihlefler veranstaltet am Sonntag, den 11. September, nachmittag» SM Uhr, unter gütiger Mitwirkung des Sozialdemokratischen Männerchor» Friedr-chshatn im Gartenlokal von Gebr. D-rbsch, Landsberger Allee 92e Neubautätigkeit bei Milliardenzuschüssen, die im Budget nicht gedeckt sind— gleich unbcsrlcdigend für die Hauseigentümer, die Wohnungsuchenden und die öffentlichen Finanzen ist. Sie hält eine alsbaldige Aenderung für erforderlich.' Mit diesen Worten begintn der Bericht über die bisherigen Ar« bciten der Sozialisierungskommission über das Wohnungswesen. Kommissionen, die ein Urteil fällen sollen, sind dazu da, zwei Meinungen zu haben. Darum sind auch gleich sür die Grund- s ä tz e der Soziaiisierung zwei verschiedene Richllinien aufgestellt. Darüber hinaus hat man sich auf ein Provisorium geeinigt, in desien Ausführung ebenfalls Meinungsverschiedenheiten bestehen: diese Gegensätze aber erklären sich hauptsächlich aus der verschieden ge- arteten Auffassung vom Wesen und Ziel der Sozialisierung. Es ist daher notwendig, auf die grundsätzlichen Gegensätze zunächst einzu- gehen, soweit das an Hand der kurzen Mitteilung möglich ist. Vorerst muh aber festgestellt werden, worin sich die Kommisston ganz und gar einig ist. Das ist die Beseitigung der Grundrente, zunt allermindesten ihrer Steigerung durch Miet- erhöhungen. Schon daraus geht hervor, daß Unternehmer wie Ar- beiter, Sozialisten und Nichtsozialisten der Kommission zweierlei vor Augen haben, nämlich die von ollen Seiten als notwendig erkannte Steigerung der Mieten, um die Neubautätigkeit zu beleben, und die Beseitigung aller Mehrgewinne, die aus dem Goldwert- ch a r a k t e r des städtischen Grundbesitzes hervorgehen. Als Genosse Schmidt diese Forderungen in seinem Programm zur Erfassung der Goldwerte stellte, erhob die ganze rechtsgerichtete Presse, die den Hausbesitz am liebsten schon heute von allen Fesseln befreien und den Mieter der Ausbeutung durch die schrankenlose Bodenspekulation ausliefern möchte, ein entsetzliches, scheinheiliges Geschrei. Hoffent- lich wird sie jetzt darüber beruhigt sein, nachdem der Vorstand der deutschen Kaliwerke, Generaldirektor Kain, ebenso wie der General- dircttor Vogelstein und der Großindustrielle Krämer in der Sozia- lisierungskommission gleicher Ansicht gewesen sind. Ebenso wie Gen. Schmidt hält es auch die Kommission für richtig, daß dabei für eine angemessene Erhöhung der Löhne und Gehälter gesorgt wird. Ueber das Wie der Sozialisierung war man sich nicht einig. Die reinen Untcrnehmcrvertreter, unternehmerfreundlich gerichtete Arbeiter und noch einige andere„erstreben als endgültige, eine ge- sunde Entwicklung des Wohnungswesens allein ermöglichende Lösung die Wiederher st ellung des freien Markte» durch schrittweise Aufhebung der Hoch st Mietpreise und derZwangswirtschaft, er will aber die bei f r e i e r P r e i s> b i l d u n g eintretende Steigerung der Grundrente der All- gemeinheit zuführen". Diese Auffassung zeugt davon, daß in der Sozialisierungskommission noch wenig Klarheit besteht über die ökonomische Zielsetzung der Sozialisterung. Die Beseitigung des Mehrwertes allein ist keinesfalls eine Sozialisierung. Was hier als Sozialisierung vorgeschlagen wird, ist nicht» weiter als ein Wertzuwachssteucrgesetz, an sich löblich, aber Fiskalismus von reinstem Wasser. Sozialisterung nach der wirtschaftlich-technifchen Seite hin betrachten ist organisierte Bedarfsdeckung. Die„Sozialisterung" mit freiem Markt erinnert peinlich an die So- zialisierung der Wcttkonzerne des Herrn Klante durch Schnaps- budiken. Sie schaltet Uebcrproduktion und Krisen, planlose An» ordnung und Berteilung der Produktion nirgends aus. Es ist er- staunlich, daß selbst als Wissenschaftler bekannte Männer, die mit der Aufgabe von Sozialisicrungsvorschlögen betraut sind, sich solchen Täuschungen hingeben können. Das schließt natürlich nicht aus, daß man den freien Markt fiir gewerblich genutzte Räume herstellt, wenn auch hier ge- wisse Voraussetzungen erfüllt sein müssen. Die Freigabe der Ge- schästsräume wird denn auch von der Sozialtsterungskommisston ge- billigt, während man vorläufig eine alsbaldige Aufhebung der Höchstmietpreise und der Zwangswirtschaft für Woh- n u n g e n„schon wegen der dadurch eintretenden unerträglichen Erschütterungen des Wirtschaftslebens" einstimmig für u n m ö g- lich hält. „Der andere Teil der Kommission(Hilferding, Wissell, Kautsky, Ledcrer, Werner, Ballod, Kuczynski, Kaufmann, Umbreit) sieht die endgültige Lösung in einer Sozialisierung durch Ueber- führung aller ganz oder teilweise zu Wohn- oder Gewerbe- zwecken vermieteten Gebäude in das E i g e n t u m des Reichs oder der Gemeinde(eventuell unter Heranziehung von Mieter- genossenschaften). Hier ist die einzig mögliche Lösung angedeutet, ohne daß positive Vorschläge gemacht wurden. Für eine vorübergehende, rasche Lösung wurde dagegen ein Provisorium vorgeschlagen, über das besonders zu berichten ist._ Die Kohlenprelserhöhung genehmigt. Die gestrige Sitzung der Organe der Kohlcnwirtschaft hatte zu der Kohlenpreisfrage Stellung zunehmen, nachdem durch vorangegangene Verhandlungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern de« Bergbaues eine Lohnerhöhung ab 1. September oon 7�0 bis 16 M. durchschnittlich je Mann und Schicht teils fest vereinbart, teils in der Schwebe ist. Es wurde be» schlössen, die Lohnerhöhung durch eine entsprechende Preis- e r h ö h u n g in den einzelnen Steinkohlen, und Braunkohlen- revieren abzugelten. Die Preiserhöhung für da» rheinisch- w e st f ä l i s ch e Revier wird demgemäß ob 1. September 1921 21 Mark je Tonne ausschließlich der Steuern betragen. Der Be- schluß erfolgte einstimmig und eine Beanstandung durch die zu- ständigen Reglerungsstellen fand nicht statt. ?uyenöveranstaltunyen. Perein Arbeltcr-Ingend. Sekretariat: SW. 99, Lindenstr. 9, 2. Hof Nnk», 2 Treppe» recht». Telephon: Wpl. 121 98—10. Iugendoenossen, die stch a« Fackelreigen beteiligen, treffen fich am Sonntag früh um 9 Uhr aus der Treptower Spielwiese«r. 9. Wege» gj der kurzen Zeit bis zum Sportfest, müssen ale erscheinen. Fahrte» gj müssen aussagen. S Wanderungen ern Sonnabend, den 10. Sepkember: Fricdrichshagen: Nach Bernau, Treffpunkt 9 Uhr Bahnhof.— Steglitz N: Städtewanderung Bernau— Alt-Landsberg, Treffpunkt)47 Uhr Bhf. Wilmers- dorf-Friedenau.— Westen: Durch die Dubrow-Forst, Treffpunkt 9 Uhr BÜIow-, Ecke Potsdamer Straße. Wanderungen am Sonnkag, den 11. September: Eöpenick: Nach Folkcnhorst, Treffpunkt mittag«)42 Uhr Schloßplatz.— germsdorf: Nach Papendcrge, Treffpunkt mittags)42 Uhr am Kciiierplotz.— Lankwitz: Stahnsdorf— Gräbcner See— Ludwigsfelde, Treffpunkt 9 Uhr Jugend- heim.— Moabit: Strausberg— Tieieniee. Treffpunkt 9 Uhr Strom-, Ecke Turm. straß«.— Riederfii, inHansen: Durch den Krämer, Treffpunkt 9 Uhr Frieden». Platz.— Norden: Erkner— Werlsee, Treffpunkt)47 Uhr Phf. Gesundhrunnen.— Pankow! Strausberg— Stienltzse«. Treffpunkt 9 Uhr Jugendheim.— Reinicke». dsrs.Vst: Nach Nauen, Treffpunkt 9 Uhr Seebad.— Reinickendsef-West: Nach. Mittasswanderung. Treffpunkt 1 Uhr Klix-, Eck« Scharnweberstcaß«.— Tewnel- Hof: Dahmsdorf-Mtincheberg, Treffpunkt)49 Uhr Bahnhof.— RlederfchSne. weide: Besuch de» Botanischen Gartens, Teeffpuukt 2 Uhr Jugendheim.— Schöneherg I: Jugendheim Rubens-, Ecke Hauprstraß«, vtskufsson: JBo» wir find und was wir wollen". I Zum 1 S.verbanöstag öer Metallarbeiter. Don Karl Kirchner. Nach Köln Stuttgart und nach Stuttgart Jena. Diese drei Epochen werden in der Geschichte des Deutschen Metallarbeiterver» bände? von besonderer Bedeutung sein. Die dreizehnte Generalver- sammlung des Deutschen Metallarbeiterverbandes, 1317 in Köln, stellte sich rückhaltlos hinter die gewerkschaftliche Politik der Generalkom» Mission und des Verbandsvorstandes. Der Verbandstag in Stuttgart vor zwei Jahren brachte die Wendung: er verurteilte die bisher betriebene Gewerkschaftspolitik, die„vielfach zu einem Hemmnis de» proletarischen Befreiungskampfes" geworden sei, und verlangte, daß „Haltung und Politik des Verbandes auf den Boden des revolutio» nären Klassenkampfes und des Rätesystems einzustellen" seien. Die Opposition hatte in Stuttgart gesiegt. Sie konnte aber nicht halten, was sie dort versprach. Auch die neuen Männer mußten nach den alten gewerkschaftlichen Grundsätzen ar» b e i t e n! ihre gewerkschaftliche Tätigkeit unterscheidet sich in nichts von der des früheren Vorstandes. Die Sieger von Stuttgart gehen am nächsten Sonntag nach Jena. Sie sind dort auf die Unterstützung der in Stuttgart Besiegten angewiesen, um sich gegen den A n st u r m von links hatten zu könnew Die Delegiertenwahlen zum Verbandstag in Jena brachten den auf dem Boden der SPD. stehenden Delegierten die absolute Mehrheit. Die Einsicht von der Richtigkeit der alten gewerkschaftlichen Taktik hat über die Phrase gesiegt. Die Mehrheit der Metallarbeiter hat eingesehen, daß im ge- werkschafttichen Kampfe Erfolge nicht durch revolutionäre Reden, sondem durch klare, planmäßige Arbeit zu erzielen sind, und daß es bis zur Erreichung des Endzieles, der Durchführung des Sozialis- mus, noch lange, harte Kämpfe tostet. Daß es so kommen würde, ist in Stuttgart vorausgesagt worden. Schlicke, der 28 Jahre an der Spitze des Deutschen Metallarbeiterverbandes stand, hat die Cnt- Wicklung kommen sehen. Er hat damals in seinem denkwürdigen Abschiedsbrief an den Verbandstag u. a. geschrieben: .. Nachdem dasWortdieMachtllberdieTater- rungen hat, muß ich als aufrechter Mann mich von Euch trennen. ... Wollt Ihr Euch Enttäuschungen ersparen, so stellt Euch auf den Boden der Wirklichkeit. Laßk Euch nicht blenden durch Worte. An der Praxis zerschellt jede fremde Theorie...." Nun hat die Tat wieder die Macht über das Wort gewonnen. Die von Dißmann und Richard Müller in Stuttgart ge-! predigte Theorie Ist an der Praxis zerschellt. Und Diß-' mann muß sich nun in Jena gegen den Vorwurf verteidigen, daß er nicht nach den Beschlüssen von Stuttgart gehandelt hat. Zahlreich und heftig sind die A n k l a g e n, die in den Anträgen mm Verbandstag gegen den Vorstand erhoben werden. Allein 6 Anträge liegen zur siirage der Verbandstaktik vor. Sie sind fast ...... noch schärfer gehakten als die ähnlichen Anträge zum Stuttgarter Verbandstag. Auch dieser Vorstand wird de«„Verraks" beschuldigt an den elementarsten Interessen der Arbeiterklaste und der Revo- lution: in setner Politik wird„ein Mißbrauch des in ihn gefetzten Vertrauens" erblickt. Um die Frage„Moskau oder Amsterdam?" wird auf dem Berbandstag hart gestritten werden. Das Ergebnis steht freilich jetzt schon fest. Sehr zahlreiche Anträge„verurteilen die Maßnahmen des Vorstandes gegen die Mitglieder des Verbandes, die gleichzeitig als Funktionär« der VKPD. tätig sind". Alle Mitglieder, die wegen ihrer Tättgkeit für die rot« Gewerkschaftsinternationale aus dem Verbände ausgefchlosten worden sind, müßten sofort wieder in ihre allen Rechte eingesetzt werden. In der Organisation sollten alle poli- tischen Richtungen vertreten sein, jede Richtung sollte innerhalb des Verbandes das unbeschränkte Recht der Meinungsfreiheit besitzm. Auch die Frage der Arbeitsgemeinschaften wird auf- geworfen werden. Der letzte Verbandstag hat sich bekanntlich gegen die Arbeitsgemeinschaften erklärt. Der Haupworstand ist aber dem Eisenwirtschaftsbund, einer Organisation von Arbeit- nchmern und Arbeitgebern zur Regelung der Eisenwirtschaft, bei- getreten. Es wird deshalb der Austritt aus dem Eisenwtrtfchafts- bund gefordert. Der Verbandstag wird aber diesem Verlangen sicher- lich nicht entsprechen. Die Tagesordnung des Verbandstages umfaßt nur vier Punkte: Konftttuierung, Berichte, Beratung des Verbandsftatuts und Erledigung sonstiger Verbandsangelegenheiten. Es liegen aber nicht weniger als 14 Anträge vor, die eine Erwellerung der Tagesordnung verlangen. Als besondere Punkte sollen behandelt werden: das Ar- beitslosenproblem, die Sozialisierungsfrage, das neu« Arbeiterrecht, „Moskau oder Amsterdam?", die Lehrlingsfrage, die Taktik bei Wirt- fchaftskämpfen und andere Fragen mehr. Es ist natürlich nicht mög- lich, daß die Generalversammlung olle diese Wünsche berücksichtigt. Die wichttgsten Streitfragen dürften bei dem Bericht des Vorstandes aufgeworfen werden. In seinem Geschäft-bericht kann der Vorstand auf die ge- wattige Entwicklung des Verbandes verweisen. Der Deutsche Metall- arbeiterverband ist mll seinen 1 000 000 Mitgliedern die grähke Arbeiterorganisation der Welt. Er stellt eine gewaltige Macht dar, mit der man rechnen muß. Der Verband besteht jetzt gerade 30 Jahr«. Im ersten Jahrzehnt ist er Wendungen für Unterstützungen der Verband in den beiden Berichts-, jähren gemacht hat: Reisegeld....... Umzugsunterstlltzung... Krankenunlerstützung... Arbeitslosenunterstützung. Streikunterstützung... Maßregelungsunterstlltzung. Notfallunterstützung... Sinterbliebenenuuterstützung Rechtsschutz...... Zusammen 1919 M. 28 140.18 167 632.12 3 443109.08 8 965 603.77 18 824 865.47 171 381.42 77 131.— 240 988.76 28 310.98 1920 M. 102 879.20 362 846.01 11 620 547.87 16 099 788.56 20 898 915.48 1 258 800.73 201 305.50 666 665.20 128 289,76 81 447 062.75 51 389 988.31 Die Generalversammlung, die am 12. September in Jena zu- sammentritt, fällt in eine Zeit, in der der Ruf nach Einigkeit in der Arbeiterbewegung besonders stark erhoben wird. Die deutsche Arbeiterschaft hat in den letzten Tagen in machtvollen Kund- gedungen geschlossen gegen die Reaktion demonstriert. Die Ueber- zeugung wird immer stärker, daß nur die geeinte Arbeiterschaft ihre Ziele durchsetzen und die politische und wirtschaftliche Macht er- obern kann. Dieser Drang nach Einigkeit dürfte auch auf dem Ver- bandstag der Metallarbeiter seine Rückwirkung haben. Es ist darum zu erwarten, daß in den Fragen, in denen zwischen der Mehrheit des Verbandstages und den Anhängern der jetzigen Leitung des Ver- bandes noch Meinungsverschiedenheiten bestehen, eine Verständigung erzielt wird. Stuttgart war der Verbandstag der rücksichtslosen Aus- nützung der Macht, der Jenaer Verbandstag soll das Merkmal der Verständigung und Einigung tragen und dem Unter- nehmertum eine geschlossene Phalanx bieten. % von 23 205 Mitgliedern auf 100 762 angewachsen. Am Schlüsse des zweiten Jahrzehnt» zählte er 404 010 und Ende 1920 1 608 932 Mit- glieder. Ganz enorm sind die Summen, die im Metallarbeiterverband umgesetzt werden. Der Rechnungsabschluß für 1920 weist in Einnahmen und Ausgaben die Riesensumm« von 140 224170 Mark auf. Di« geleisteten Beiträge betrugen allein 128 906 265 Mark. Sehr erheblich sind auch die Summen, die an die Mitglieder wieder direkt zurückfließen. Die nochfolgend« Aufstellung zeigt, welche Auf- Mus öer Partei. Die Kandidatenliste der badischen Sozialdemokratie. Von den politischen Parteien veröffentlicht als erste die Mehr- heitsfozialdemotratie ihr« vollständige Kandidatenliste für die bevor- stehende Landtagswahl. Von den seither 36 sozialistischen Abgeord- neteo sind nur 14 als Kandidaten wieder aufgestellt, darunter sämt- liche führenden Männer der Partei und 3 der sozialistischen Minister. Im vierten Wahlkreis Offenburg erscheint an zweiter und damit aussichtsreicher Stelle des sozialistischen Wahlvorschlages der Eisen- bahninspektor Wirth in Appenweier, ein Bruder des Reichskanzlers Dr. Wirth._ Wetter vi? Sonntag mittag. Trocken und meist heiter. sebr warm bei mähigen sadösllichen Winden Tagsüber 383 All e s s e 1 i dgesclineiJert mit Hilfe der Ullstein- Scnnittmuster Zu haben fm Warenhaus Wilhelm Stein Chausseestr. 70-71. Or. Heffbauers ges. geseh. Sntfettnngs-Tabletten Vollkommen unicbHdliches und eriolgrelelies Mittel bei I Korpulenz■ Fettleibigkeit ohne Einhalten einer DiJt. Keine stark wirkenden I A znelmittel, keine Schilddröse enthaltend. Nicht ahlQhrend.— Leicht bekömmlich. Oratla Broschüre versendet auf Wunsch Elefanten-Apotheke, Berlin, Leipziger Str.74 (Dönhoffpia tri.— Amt Zentrum 7192. Die bedeutenden Oestalten der groBcn französischen Revolution von 1789 und die gewaltigen Ereignisse zeichnet Schtkowskl In seinem Buche: Sitten- U.Charakterbilder aus derf ranzösischen Revolution in lebendigen u. packenden Bildern. Preis gek. 7,50 Mk. and 20 Buchhandlung Vorwärts, MetalP'Ä11 Grüner Weg 8tj zahlt Tagespreise für Kupfer, Messing, . Biel, Zink etc. Metallbetten, «lahlmatratzen, Älnbrtbtttcn dir. an Prwat». Ziatal 30A frei Sifemndbeifa&clt 3uil T!>ür. 1 SeMelWÄrSeilkiiUlWli Oerwaltungsfttlle Berlin X II. 5». Cinienltr. 83-8S (Seldläftsjfit von norm. 9 llhr he nach«. 4 Uhr Telephon:«MI Norden 181 1239. 1907, 9714 Montag, den IS. September 1921. abends 5 Uhr, tut„Dresdener Garten«, Dresdener Str. 45a Branchen-Versammlung der Emaillierer«. verwandten Berufe T a g e s e r d n u n g: l. Stellungnahme zu unserem Lohnabkommen und ftfin* dtgung desselben. 2. Branchenangelegenheiten u. Verschiedenes. DM- Mltglledabuch feglfltnlerf."MO Montag, den IIS. Srptrmber 1921, abendS 5 Uhr Versammlung aller Ladeapparate-Slempner u. Hilfsarbeiter Tagesordnung: Stellungnahme zu unsere» Lohn- und«rbeltebebingungen. 07/18__ Ol« 0ef«»ertvaltnng. NS ERSTE »VORWÄRTS ERFOLOt G Ziehung 81.— 28. September, Große| eld-Lotteriei M»20 Geldgewinne zusammen IMILLIONttj Hanptgawl&a« Uark isoooo tooooo soooo ax Lose zu 6 M. jäÄSVi worden ausgegeben durch das Bankhaus A* PSoMfln£|e Berlin W 9, Lenndstraße 4 fi Lose aberall erfiBlillch. Deutsch« Gewerbeschau Müschen 1922. Lose zur Prsüßiscften Sitsais-Loiterie Zishang IV. Klasse am£0. und 21. September. 1 I n» M. 40,'/.Los M. 80.>/, Loa M. 190, V, Los M. 820 I bei nialllnU. Berlin W», Lennöslr. 4. 1 flrbeiter-Saugeoojsenschast»Paradies" ffi. 9. m. b. y. Verlln-Sohnsdorf Vermögen_«Na», am»1. März 1931_ Schulden Bebaut« Srdst. 741041111 «bschreldg.. 782S.2S 788214.70 <5 rund erwerbet«5294,!» Baufonto 7 1078 317,94 Züsch, b. Staat 534600,- Postscheck.gto.. vinteriegung. Inventar.. «dschrrlbg.. «3,18 052,15 Grund- u. Boden-Kto. Kontos rückst Mieten usw Bank-Klo...... Kassa-Kto....... Hypothefensorderungen. Spartassenguihaden.. Außenstehende Forder.. Ant. a. d. Bauoerelnsdani «-schSftsgnt»-' 123,20 M, vertu 798509,71 543717,94 203,40 100,- 1,- 152 442,14 6 54908 13443,17 10207,- 222 772,55 2357,98 81 570- 100,- 1781 973,98 che». Basfelbe Sypothefen-Kto Hhpothek..glnsen Jnod) zu zahl.) Reseroesonds pilisreservefds. beschäilsanl»Kl. Sparionds-Kto.. Darlehn-Kio... Echuldoerschr-K. öchuldoerschr.» ZinS-Klo... Mlcklagen-Kto.. Trneuerungs» K. Wohlsahrls-Kto Hoch zuzahlende K-«.-St... Gewinn- u. Brr iusl-Kto.(Gero.) 1781 973,98 betrug am 31. März 1920 850 050/- «#,65 12519,88 54 864,20 168 339.- 429 152,10 119144,15 13 450,- 1 093,80 SOOOO,— 79 418,78 2 458,54 2614,60 20 728/90 18 928,20'M., vermehrte sich im Laufe de» Geschäftslahres ui -------- M., betragt somit am 81. Mär, 1921 168 339,— M. 147410,80... Hastsumme. Dieselbe betrug am 31. März 1920 21 648.— M., vermehrtr sich Im Laufe des Se�chästsiahres um 231652,— M., beträgt somit am 31. März 1921 301300,— M. Mltgltederbeweaung.«m 31. März 1920 waren vorhanden 898 Denosien mit 902 Anteilen. Gingelrelen bis 31. März 1921 sind 123 Genossen mit 124 Anteilen, zusammey 1021 Genossen mit 1028 Anteilen Ausgeschieden sind a) durch Kündigung 6 Denosien, b) durch Uederlragung 7 Genossen, c) durch Tod 2 Genossen, zusammen 15 Genossen mit 15 Anteilen, verbleiben am Schluß des Seschäftstahres 1006 Genossen mit 1011 Anteilen. Der Ausstchlsrat: Der Vorstand: A. Brndlg, Borsige»! rstanl «.Dorner P.Schiffkr G. Pfeiffer Dit Revlsionslommtssion t «.'Langer(k. Mersch H.Wolf. BiHigv, gute in u. Mosel __ Wehte BBSXIMBnMHBl 2uer PI ätrer(direkt vom Fassl mit>ieue- p'. Liter 14.40 20er i-lesberger Mosel mit Fl. u. Steuer 14.40 19 er Bnklrchtr Riesline mit FI. u Steuer 19.80 PranzQsUchcr Hennessy-, Frunicr-, Pelissor- u. Derby» Cognac Derby-Weinbrand Fl.4950 TÄ?" FI.3859 Vcrnaod auch literweise in Ballon�. Fässern u. Waggons. V dontardstr. 4, Alexanderplatz Nch M G Potsdamer Str. 84, Hol N.4,BerR5t.34, Nord.8214,8826 Prledrlchstr. II dr. 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So ist kürzlich ein Beamter, der wegen einer solchen Eidesverweigerung vor der Disziplinarkammer in S) a m- burg zur Aburteilung stand, freigesprochen worden. Ferner hat nach einer Pressemeldung aus Karlsruhe ein bodlschcs Landgericht dachin erkannt, daß die Dienstentlassung eines den Treueid vor- weigernden Beamten ohne gesetzliche Grundlage und deshalb ungültig sei. Wir fragen: a) sind der Reichsregierung diese Vorgänge bekannt, und was gedenkt sie zu tun, ihrer Autorität und der Reichsvcrfassung Geltung zu verschafsep, b) was gedenkt die Rcichsrcgierung gegen sene Beamte zu ver- anlassen, welche den Eid auf die Verfassung verwcig'rt haben? Eine weitere Anfrage lautet: ?st die Reichsrcgicrung bereit: 1. anzuordnen, daß die Hoheitszeichen des früheren Regimes innerhalb einer kurz zu bcmcssendcn Frist aus den Dien st siegeln. Anitsfchildern, Amtsräumen und von den Gebäuden der Neichsbehörden endlich restlos entfernt werden? L. Anzuordnen, daß sämtliche Bilder und B ü st e n von Mit- gliedern ehemals regierender Häuser aus allen Amtsräumen der RcichrbchZrden sofort zu beseitigen sind, wobei künstlerisch wertvolle Stücke einem Museum überwiesen werden könnten? 3. Die Llnbringung und Aufstellung von im Prioatbesig befindlichen unter 2 genannten Büsten und Bildern in den Amts- räumen der Reichsbehörden zu verbieten? 4. Die Nichtbeachtung dieser Befehle unter empfindliche Strafe zu stellen? S. Auf die Landesregierungen einzuwirken, um diese zum gleichen Vorgehen zu veranlassen? Wir hoffen, daß die Reichsregierung diese Anfragen sehr bald in bejahendem Sinne beantworten und dement- sprechend auch handeln wir!� Ein Verleumder gefaftt. Stendal.?. September.(MTB.) Die hiesig« Strafkammer oerurteilte heute den Geschäftsführer des Alldeutschen Ver- bandes, Rudolf Zeidler aus Berlin, der am 3. April in einer öffent- lichen Versammlung herabsetzende und beleidigende Ausdrücke über den Reichspräsidenten acbraucht hatte, wegen öffentlicher Beleidi- gung zu einem Monat Gefängnis. Zur Erfaßunz öer Go!ÜWerte. Wie die PPN. hören, wird die Frage der st e u e r- lichen Erfassung der Sachwerte in vertraulichen Beratungen der Ressorts we.iter geprüft. Das Reichs- kabinett als solches hat sich noch nicht erneut mit dieser Seite der Steuersrage befaßt und noch keinerlei Entscheidungen getroffen. Eine Beratung der Steuervorlagen, insbesondere der anderen Besitzsteuern, dürfte nicht möglich sein, ehe nicht die grundsätzliche Frage der Erfassung der Gold- werte entschieden ist. In diesem Sinne hat sich bereits nach einem Referat des sozialdemokratischen Parteivorsitzen- den Otto Wels der Parteitag für Brandenburg ausge- sprachen, und man kann mit Bestimmtheit annehmen, daß der sozialdemokratische Parteitag in Görlitz sich fest auf den gleichen Standpunkt stellen wird. Im Gegensatz zu der Be- hauptung bürgerlicher Blätter, wonach die Sozialdemokratie neben den bisherigen Besitzsteuern die Erfassung der Goldwerte fordere, müssen wir feststellen, daß ein Urteils ob eine weitere Besteuerung des Besitzes notwendig oder möglich'.st, natürlich erst gefällt werden kann, wenn die Absichten der Regierung und die Haltung der Parteien dazu eindeutig fest- stehen. Schon aus diesem Grunde ist es notwendig, daß eine Vorlage über die Erfassung der Goldwerte sofort einge- bracht wird, wenn man die zu erwartenden erbitterten Kämpfe zwischen Kapitalismus und Arbeiterschaft, die auch die Koa- lition leicht in Mitleidenschaft ziehen können, von ihr fern- halten will._ Sie reiben sich Sie tzänöe. Mit hochtönenden Phrasen wiesen die Vertreter der Groß- bankcn die Zumutung von sich, daß sie die Verschlechte- rung der deutschen Mark durch Spekulationen b e- g ü n st i g t e n. Schweizer Kaufleute haben ihnen darauf eine Antwort gegeben, wie sie sich gehört. Inzwischen sank im freien Verkehr die Mark auf vier Pfennige, der Dollar stieg bis auf 101 M. an der Berliner Börse. Da zeigte sich, daß das Ausland der deutschen Mark mehr Vertrauen schenkte als das Inland, die Kursbewegung schwenkte um, und der Dollar wurde gestern wieder mit„nur" 97 M. amtlich notiert, nachdem er noch vör wenigen Monaten auf 62 stand. Ein amerikanisches Börsentelegramm bestätigte, daß die Mark- Verschlechterung von Berlin aus ihren Ausgang nahm. Kein Wort der Mißbilligung, kein Vorschlag zu energischer Abhilfe ist aus dem Munde der Hochwohlweisen Beherrscher des Geldmarktes zu vernehmen. Die Valuta geht vor die Hunde, „weil sich die Mark entwertet" r- also die Armut kommt von der Poverteh, oder: die Regierung, die die Reparationen an- genommen hat, ist schuld. Das ist der Weisheit letzter Schluß, den diese Herren zu ziehen wisien. Es entwickelt sich allmählich zum öffentlichen Skandal, in welcher Weise von Deutschen mit de? Valuta Schindluder getrieben wird. Wir haben schon kürzlich fest- gestellt, daß die Banken schon deswegen die Mitverantwortung trifft, weil sie bisher alle nach Gemeinwirtschaft riechenden Borschläge zur Stabilisierung der Währung planmäßig be- kämpfen, wobei der neulich so entrüstete Herr Rießer als Rufer des„Hansabundes" sich besonders hervortut. Mit Recht schreibt das„Berliner Tageblatt, angeekelt von dem Treiben der Spekulation: „Es ist klar, daß dieses Verhalten der hiesigen Spekulation im Ausland großes Erstaunen hervorrufen und dazu führen muß, daß das Ausland den letzten Rest von Vertrauen, den es noch zu unserer Valuta hat, verliert. Wir haben auf die ungesunden Verhältnisse, die am hiesigen Devisenmarkt bestehen, schon oft aufmerksam gemacht, und sie sind in der Oeffentlichkcit auch zur Genüge bekannt. Man muß onnchmen, daß die Stellen, die mit der Aufsicht über die Börse bctraur sind ebenfalls diese Kenntnis besitzen, und sich daher um so mehr wundern, daß zur Eindämmung der?u a ß l o s e n Devisen- s p e k u l a t i o n und Deoisenhamsteret nicht das mindeste geschieht." Die Banken, die ebenso an den steigenden Kursen für fremde Wechsel wie sür die in die Höhe ichnellendcn Aktien verdienen, haben allerdings an einer Abhilfe wenig Interesse. Sie reiben iich die Hände, während die Goldmark- schuld des Reiches von Tag zu Tag anwächst, während die Lebensmittelpreise steigen und das allgemeine Elend seine Schatten vorauswirft. Schuld hat ja bloß das Publikum, deren gewinnende Diener sie sind. Mastnahmen gegen die Spekulation— in Portugal. Lissabon, tz. September. kWTB.) Das amtliche Blatt veröffent- licht einen Erlaß, der die Bankoperationen regelt, um die S p e k u- lation auszuschalten, die dem nationalen Leben schaden würde. In dem Erlaß werden Strafen sür Zuwiderhandlungen fest- gesetzt. Wo man zupacken kann. Paris, g. Sep'cmber.i Branckenleiter Lockmund. Verickt über die mit den llniernebniein ftatlgefundenen Tariiverbandlungen. Für den Ab- sckluß eines neuen TariteS wurde ein Grundlobn von 19 M. pro Sckickt und 39 Proz. der Gesamleinnahme so- wie Tragung der Wagenwaickkosten dnrck die Nuternehnier gefordert. Ebenso soll»« bei Wagcndeiekl auf der Straße iiir die ersten zwei Stunden keine Eniickädigung, für jede weitere Stunde 3.59 M. ge- zohll werden. Tie Unternehmer erklärten jedock diese Forderungen für unannehmbar und wollten bei Tragung der Wogenwasch- kosten zu den jeHt gezahlien 29 Proz. nur 2 Proz. zulegen, olso nur 22 Proz. der Mesamlcinnabme ohne jeden Lohn zahlen. Dies würde einen Wochen lohn von 239 M. auSinachen. Auch lehnieu die Uniernchmer die Forderung betr. WagcndefektS ab. So schlugen die Verhandlungen febl. Mit dem Verhalten der Tarifkommission erklärten sich Heide Braiichenversammluiigen einberstonden. Sie beschiossen, an den gestellten Forderungen festzuhalten. Führen erneute Verhandlungen mit de» Unternehmern zu keinem Reiultat. sollen die Forderungen so'orr beim Schlichtlingsausschuß augemeldet werden, mit dem Hinzusügen, daß die Eigenart der Verhällnisse im Beruf es uol« ivendig erscheinen lasse, so schnell als möglich wieder zu einem Tarifverhällnis zu kommen,_ BcrufSgenoffenschaftcn und KoalitionSrecht. Zu einer eindrucksvollen Kundgebung für das Koalitionsrecht der Angestellten der Berufsgenossenschaften gestaltete sich die Versammlung derselben am Donnerstagabend in den„Kammer- sälen". Die Versammlung befaßte sich ausschließlich mit der in Nr. ä29 des„Vorwärts" bereits geschilderten Maßreglung des Die Dsamkcnrälewahlen bei de? Eisenbahn. Nach Mitteilung des Deutschen Eiscnbahnervcrbandes ergab die Wahl bei 5 sächsischen Be- tricbsdirektionen folgendes Tcilresultat: Deutscher Eisen- bahnerverband 8998, Reichsgewerkschaft 4875, Gewerkschaft deutscher Eisenbahn- und Staatsbediensteter 2738 Stimmen. Zum Streik der französischen Terlilarbciler. Die Arbeitgeber hotten zu Verhandlungen einen einzigen Bertreter gesandt, der die Vorschläge der Arbciter zurückwies. Die Arbeiteroertreter be- schloffen die Wciterführung des Streiks und die Anrufung des Exekutivkomitees des Gewerkschaftsbundes, um für R u b a i x und Tourcoing dem Generalstreik zuzustimmen. Bauarbeiterl Laut Verordnung der Erwerbslosenfürsorge sind die Unterstützungssätze vom 1. August ab erhöht worden. Da die erhöhten Sätze erst später ausgezahlt wurden, so konnte an die Kollegen, die inzwischen in Arbeit getreten waren, die Auszahlung bisher nicht erfolgen. Mir ersuchen somit alle Kollegen, die die er- höhten Unterstützungssätze noch nicht erhalten hoben, dieselben um- gehend in unserem Bureau abzuholen. Der Bereinsvorstand. Ehemalige Siemcnsarbcilcr(1919), die an der am 31. August 1921 stattgefundenen Versammlung nicht teilgenommen haben und Wert darauf legen, an der Klage beteiligt zu sein, werden ersucht, ihre Adresse innerhalb 8 Tage an den Kollegen Grau, Metallarbeiter- verband, Linienstr 83 85, einzusenden. Gewerkschaslskommission Steglitz. Die Beisetzungsfeier des Ge- »offen Regener im„Albrechtshof" ist heute um 2% Uhr, nicht um 4 Uhr._ SPD-Arbeiter und-Angestellte des Postscheckamts versammeln sich Sonntag früh llUhrSchlütersteg, SchrffbauerdammIL. Verantwortlich für den redalt. Teil: Viktor Schist, Berlin: für Anzeigen: Td. Glolte, Bertin. Verlag: Borwärts-Beriag G.m.b.H.. Berlin. Druck: Vor- wärtS-Buchdruckerei u. BerlagSanilalt Voiil Zinner«i. Co.. Berlin. Lmdenktr. S. Hierzu 1 Beilage. Zlerren- unö ZMen-Ksrüerodsn »nriige, Cutavajs, gestreifte Kosca.Raewns, Danien- inäniel, KasiCrne, göcke, Kleider usw. sind ein- getrollen. Durch günstigen AoschluB Verkauf noch ru alten, niedrigen Preisen auf bequeme Teilzahlung: Grebler, Berlin R, ffeinhergsweg 4 EinsegnungsHnzQge in jroßer Auswahl am Laser Nutzeisen jeder Art: Rund-, Wlach-, Quadrat- u. Bandeisen, j Gas-Siede-Nohre, P-Träaern.ll-Eisen, j �seldschmieden und Ämboffe sofort ab Lager lieferbar kellx Kohls, Berlin C. 25. Dircksenstr. 12, 1 iMoritzplatz 12071 Ecke Voltairestraße. Moritzplap 12073.> 5% Neckai- Anleihe M. 350,000,000.— 5#/o im ganzen Reiche mündelsichere Anleihe der Neckar-A.Q. 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