Nr. 429•> 38. Jahrgang Ausgabe A Nr. 217 Bezugspreis» AierteIj!lhrI.M.— 931.. monatL 10.— R. frei ins Haus. Boraus zahlbar. Postbezugs Monatlich 10.— M. einschl. Ru- strOungsgebühr Unter Kreuzband nie Deulschiand. Dan�ig. das Saar- und Memeigebiet. sowie die ehemals beut- scheu Gebiete Polens Oeslerreich, Ungarn und Luxemburg 20.- Z3L. für das übrige Ausland 27,— 931. Postbeitellungen nehmen an Oesterreich. Ungarn. Tscheche- Elowalel. Däne» Marl. Holland. Luremburg. Schioede» und die Schweiz. Der»Vorwärts� mit der Sonntags- beilage.Volt und Zeit', der Unier- haltungsbeilage.Heimwelt� und der Beilage.Siedlung und Kleingarten' erscheint wochentäglich zweimal. Sonn» tags und Montags einmal, Telegramm- Adresse: »Sozial&sniottal Berlin" Sonntags Ansgabe Devlinev Dolksblstt (40 Pfennig� AnzetgeupretS, Ste achtgelpaUcne Sionparetllejett» lostet UO 931.fileine Anzeigen" das tettgedruckte Wort lchv M.(zu- lässig zwei fettgedruckte Wortes, sede, «eitere Wort l.— W. Stellengesuche und Echlafstellenanzetgen da« erst, Won u- M. sede» weitere Wort 80 Bfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. ffaniilien-An- zetgen für Abonnenten geile i,— 931. Die Steife versieben sich einschließlich Tenerungszuschlag. Unzetgen für die nächste Vinnmer müssen dt, B Ahe nachmittag« ist Hauvlgeschäst. Berlin SW W. Linden- stratze 3. abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bt« 5 Uhr abend» Zcntralorgan der rozialdemokratifchcn parte! Deutfchtands Neöaktion and Expedition: SW 08, Lindenftr.Z N-'fefat'e'rkiof Redaktion Moriüplatz 15195—97 �ernspreryer. Expedition Morinplah 11753—54 Sonntag, den 11. September 19Ä1 vorwärts-verlag G.m.b.H., SW i>8, Lindenstr. 3 Sferttttati'rtti»*- Verlag, Expedition und Inseraten- �rrnip ryer' Abteilung Moriisvlah 11753-54 Die Münchener Seratungen. Die Lage in München ist noch ungeklärt. Während der Ministerrat zur Ablehnung des Berliner Vorschlags neigt, aber sich noch nicht endgültig festgelegt hat, will der Landtags- ausschuß die Reichsregierung offenbar zu weiterem Entgegen- kommen an die bayerisch-reaktionären Sonderwünsche be- wegen Der Berliner Vorschlag sah die Aufhebung des baye- rischen Ausnahmezustandes vor. Dafür sollte in der Berord- nung des Reichspräsidenten nicht nur den Vertretern der repu- bllkanischen Staatssorm, sondern den Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens überhaupt Schutz zugesagt werden. Die Bewegungsfreiheit der Landesregierungen in der Ausführung der Verordnung sollte erweitert, jedoch dem Reichsministerium die Möglichkeit eigenen Einschreitens belasien werden. De: Führer der Bayerischen Volkspartei, Abg. Held, will nun, wie aus seiner weiter unten mitgeteilten Rede her- vorgeht, darüber hinaus noch zweierlei: erstens die völlige Ausschaltung des Reichsministeriums des Innern und zweitens die Einsetzung einer richterlichen Behörde als Beschwerdeinstanz. Die Reichsregierung, die in ihrem Entgegenkommen an Bayern wahrlich weit genug ge- gangen ist, wird diese beiden Forderungen von der Schwelle abweisen müssen, wenn sie nicht den Rückhalt iin Volk verlieren will, besten sie zur Erfüllung ihrer Aufgabe lkdors. Man staunt, woher der Abg. Held den Mut zu der Be- Häuptling nimmt, die Garantie i�r eine gleich.nö.tzige Slnv.ien-' dung der Verordnung nocl allen Seiten Un sei nicht beim Reiche, aber-bei Bayern gegeben. Die Regierung Kahr hat ihren Ausnahmezustand ausschließlich gegen links ge- braucht, sie hat jede verbrecherische Hetze gegen das Reich. gegen die republikanische Staatsform und ihre Vertreter wohl- wollend geduldet. Sie würde zweifellos auch die Verordnung des Reichspräsidenten in ihr Gegenteil verkehren, falls ihr ihre Ausführung ohne jede Kontrolle überlassen bliebe. Es bedarf auch nicht vieler Worte, um die Forderung nach der Einsetzung einer richterlichen Behörde als Beschwerde- instanz zurückzuweisen. Gerade die Unzuverlässigkeit der Justiz in der Bekämpfung verbrecherischer Bestrebungen der Monarchisten hat die Notwendigkeit der neuen Verordnung geschaffen. Und mit dem Reichsratsausschuß als Be- schwerdeinstanz könnten die bayerischen Regierer gerade nach den neuesten Erfahrungen reichlich zufrieden sein. Die Reichsregierung kann also gar nicht anders, als die dreisten Forderungen der bayerischen Reaktion ablehnen. Das bedeutet aber die Krise in ihrer vollen Schärfe, bedeutet den offenen Existenzkampf der jungen deutschen Republik gegen die bayerisch-reaktionäre Bedrohung. Will man in Bayern diesen Kampf, so soll man ihn haben. Es geht dann um das Ganze, um das staatliche Dasein des deutschen Volkes selbst, das durch die Minieraitieit der bayerischen Re- gierung und ihrer preußischen Hintermänner aufs schwerste gefährdet wird. Dann gehen wir sehr schweren Zeiten entgegen, aber wir zweifeln nicht daran, daß sich in ihnen die Treue zur Republik im ganzen Reich, auch südlich der Donau, glänzend bewähren wird. Für die Reichsregierung gibt es jetzt nur eines: Fest- bleiben! O München, 10. September.(TU.) Heute nachmittag 4.10 Uhr wurde die Sitzung des Ständigen Landtaasausschustes eröffnet. Der Vorsitzende Abg. Held ergriff sofort das Wort zu einer eingehenden Darlegung der Lage: Den allgemeinen Eindruck kann ich dahin präzisieren, daß es nicht ganz leicht und angenehm ist, als Mitglied des bayerischen Landtages mit dem Reich in Verhandlungen ein- zutreten. Weil dort vielfach auch das Verständnis für unsere Lage vermißt wird und well man in Berlin einfach Berliner oder preußische engere Reichsverhältnisfe zugrunde legt und davon aus- gehend Maßnahmen auch für Bayern als notwendig erklärt.- Ich darf nicht verhehlen, daß ich weiter den Eindruck habe, daß leitende Leute nicht voll erfüllt sind von der Erkenntnis der absoluten Lebens- Notwendigkeit der einzelnen Länder, darunter besonders Bayerns. Es herrscht ein Mangel an gutem Willen uns gegen- über. So können Dinge hervorwachsen, die für Reich und Einzel- staaten gleicherweise schädlich und verhängnisvoll werden können. Auch den Eindruck habe ich, daß es auch heute in der Reichsregierung noch Leute gibt, die an der Unitarisierung und Zentra- lisierung, wie sie schon leider durch die Weimarer Berfasiung herbeigeführt worden ist, noch nicht genug haben. Wir haben k-in hehl daraus gemacht, daß wir es nicht für angängig halten, daß solche Verordnungen getroffen werden ohne Fühlung mit den Län- dern. Wir haben der Meinung Ausdruck gegeben, daß der bayerische Ausnahmezustand nicht betrachtet werden darf aus dem Gesichts- winkel des Reiches, sondern aus den eigenen bayerischen Verhältnissen. Wir haben betont, daß der Ausnahmemstand nicht etwa ein Daueriustand sein könne, daß aber über den Augen- blick und über die Art der Aufhebung von den Verhältnissen des Landes aus geurteilt werden muß. Die Verordnung des Retchspräsidenten hat uns so schwer betroffen, weil sie ein wichtiges Stück bayerische Selbständigkeit direkt in Frage gestellt hat, die Selbständigkeit der Landeszentralpolizeibehörde und der gesamten Landesverwallung. Ich habe nicht verstanden, daß man einen beispiellos starken Aus- nahmezustand unter der Demokratie in einem Frsistaate schafft, zu- gleich aber den anderen, der den Ausnahmezustand hat, zwingen will, ihn aufzuheben. Hätte der Reichspräsident seine Verordnung für das übrige Reich erlassen und wäre er mit der bayerischen Regierung in Verbindung getreten über die Frage, ob die Möglichkeit bestünde, den jetzigen Ausnahmezustand in Bayern auf- zuheben und dafür die Verordnung des Reichspräsidenten auch auf Bayern zu erstrecken, so wäre ohne jede Reibung zwischen Bayern und dem Reich ein Verhältnis zustande gekommen,. mit dem beide Teile hätten einverstanden sein können. Statt dessen hat der Reichspräsident die ganze Verordnung zwangsweise ohne jede Rücksicht auf die bayerischen Verhältnisse und ohne vor- herige Fühlungnahme mit der bayerischen Regierung auch auf Bayern ausgedehnt. Dadurch sind die politischen Verstimmungen herbeigeführt worden. Wir und die bayerische Regierung müssen die Verantwortung für diese Entwicklung ablehnen. Wir waren bereit, auf eine Versöhnung hinzuarbeiten. Leicht sind die Ver- Handlungen nicht gewesen. Man hatte mit sehr temperamentvollen Herren zu tun. von denen zu wünschen wäre, daß sie mehr Distanz üben. Das, was wir in Berlin erlebt haben, war alles andere als das, was ein Staatsmann als Distanz zu den Parteien haben muß. Der all- gemeine Eindruck ist, daß die Männer an der Spitze der Reichs- leitung etwas kühler und mit einer geringeren persönlichen Emfind- lichkeit die Dinge betrachten sollten. Dann würde manches ge- wonnen fein für ein besseres Verhältnis. Wir haben den größten Wert darauf gelegt, daß ein Weg gefunden wird, der die Möglichkeit bietet, daß die bayerische Regierung verantwortungsvoll die Ge- schäfte weiterleiten kann und der die fgarantie hat. daß unter allen Umständen die versassimgsmäßige Ruhe und Ordnung aufrecht- erhalten wird, ferner daß gegen jeden vorgegangen werden muß, ob er. links oder rechts steht, daß es aber nicht erträglich ist, daß ein Ausnahmegesetz ganz offensichtlich nur gegen eine Seite geht. Ergeht ein solches Gesetz, muß es auch paritätisch wirken gegen jeden. Die Reichsregierung steht auf dem Staudpunkt, daß der Ausuahmezustaud in vayern aufgehoben werden muß, daß aber irgend etwas an seine Stelle treten muß, was der bayerischen Re- gierung die Möglichkeit gibt. Ordnung und Sicherheit zu garantieren. Nach meiner persönlichen Auffassung bietet das Ergebnis für die berechtigten bayerischen Forderungen außerordentlich wenig. Ich war in höchstem Grade enttäuscht über das geringe Maß des Eni- gegenkommens, das die Reichsregierunq uns erwiesen hat. Ich habe unter außerordentlich starken seelischen Depressionen gestanden, als ich dieses klägllche Resultat genauer angesehen habe. Ich will aber nicht verkennen, daß es auch für die Reichsregierung nicht leicht ist, den Schritt, den sie einmal getan hat, nun zurückzuschrauben. Ich gebe zu, daß die Reichsregierung in einzelnen Punk- ten ein Entgegenkommen bewiesen hat, das ich da und dort nicht gering anschlagen möchte und das der politischen Einsicht gewisser Leute zu verdanken ist. Woraus aber vor allem unsere Bc- mühungen konzentrierten, war, daß wieder der Eingriff gut gemacht wurde, der in die bayerische Selbständigkeit gemacht worden ist. Das war bei der ersten Verordnung der Fall und deshalb mußten wir erklären, daß solche Eingriffe in die Selbständigkeit der Länder auf die Dauer von ihnen nicht ertragen werden können. Wir haben verlangt, daß die Zustäudigkeik der Landesbehörde sichergestellt wird. Nach langen Unterhandlungen war auch die Möglichkeit hierzu gegeben. Danach hätte§ 4 zu lauten:„Zuständig für Verbote nach den§§ 1 und 3 und für Beschlagnahme nach ß 2 sind die Landes- zentralbehörden und die von ihnen bestimmten Stellen. Der Reichsminister des Innern kann die Landeszentralbehörden um den Ausspruch eines Bsrbotes oder einer Beschlagnahme ersuchen. Die Landeszentralbehörde, außerstande, dem Ersuchen entsprechen zu können, hat bis spätestens am zweiten Tage nach Empfang des Er- suchen? die Entscheidung des in§ 7 vorgesehenen Ausschusses des Reichsrates anzurufen." Mit dieser Fassung wäre einmal die grundsätzliche"Selbständig- keit der einzelnen Landeszentralbehörden festgestellt und gesichert. Es wäre aber auch den Notwendigkeiten des Reiches Rechnung ge- tragen. Unmittelbar vor Schluß der Verhandlungen hat nun die Reichsregierung erklärt, daß sie diese Fassung unmöglich annehmen könne. Sie hat dann eine Formulierung vorgeschlagen, die noch schlimmer als in der ersten Verordnung das Verhältnis der Cinzelländer als selbständigen Staatskörper beeinträchtigt. Diese neue Fassung ist von uns abgelehnt worden. Die Verhandlungen wurden hierauf kurze Zeit ausgesetzt. Die Herren zogen sich zur Beratung zurück und erklärten, sie seien bereit, uns mit einer neuen Formulierung des§ 4 entgegenzukommen, wie ste jetzt den Herren unseres Ausschusses vor- liegt. Wir haben die neue Verordnung zur Kenntnis genommen, aber keinen Zweifel daran gelassen, daß wir nicht in der Lage find. uns damit einverstanden zu erNären und daß gerade der Z 4 von der Regierung und den Parteien neuerlich zu würdigen ist. Innerhalb der Koalition konzentrieren sich noch immer die Hauptbedenken auf diese Formulierung des 8 4 Wir haben auch das dringende Bedürfnis, daß hier der§ 4 eine andere Fassung erfährt, die es uns möglich macht, der ganzen Verordnung unsere Zustimmung zu geben und mit der Reichsregierung darüber zu verhandeln, ob und wann diese Verordnung in Kraft treten und damit der Augen- blick gekommen fem wird, wo die bayerische Regierung in der Laye fft, zu entscheiden, ob der bayerische Ausnahmezustand falle« soll oder nicht. (Schluß auf der 2. Leite.) von Gotha bis Jena. Die Tagung der deutschen Metallarbeiter. Am Montag trstt in Jena die 15. ordentliche Generaloersamvilung des Deutschen Me- tallarbeiterverbandes zusammen. Zum ersten Male in der Gewerkschaftsbewegung ist die Verbands- generalversammlung der größten Organisation aus drei politischen Fraktionen zusammengesetzt. Fraktions- sitzungen. Fraktionsbeschlüsse, Fraktionsredner und Fraktions- vorstände werden dem Verlauf der Tagung das Gepräge geben. Es ist deshalb angebracht, auf die Ursachen und den Zweck der einzelnen Fraktionsbildungen einmal näher einzu- gehen. Da müssen wir mit G o t h a anfangen. Dort fand Ostern 1917 der Gründungsparteitag der USP. statt. Mit der Spal- tung der Sozialdemokratischen Partei begann der Kampf des abgesplitterten Teiles, um den Metallarbeiteroerband dem Einfluß und der Führung der neuen Partei gefügig zu machen. Damit war der Parteihader in den Metallarbeiter- verband hineingeworfen. Er wurde sorgsam gepflegt und gewissenhaft gezüchtet. So mancher Paulus wird heute noch bis hinter die Ohren erröten, wenn er an seine Glanzleistungen aus jener Periode zurückdenken sollte. Auf Gotha folgte Köln. Auf der Generalversammlung in Köln im Juli 1917 war es, wo zum erstenmal eine poli- tische Fraktion im Plenum der Generalversammlung selb- ständig in Erscheinung trat. Die nächste Generalversamm- lung fand im Oktober 1919, ein Jahr nach der November- Umwälzung, in Stuttgart statt. Zwischen November 191» und Oktober 1919 beherrschte„das reine, unverfälschte revo- lutionäre R ä t e s y st e m" die Tagesordnung. Mit dieser Parole verstand ein Heer von oberflächlichen Schwätzern die Massen nicht ohne Erfolg zu betören. So war es kein Wun- der, daß die Generalversammlung in Stuttgart der USB.- Fraktion zu einem billigen Triumphe verhalf. 199 USP.- Delegierten standen damals 130 SPD.-Delegierte gegenüber. Gleich vor Eintritt in die Tagesordnung, bei der Wahl der Mandatsprüfungstommission. enthüllte die USP.-Fraktion ihr wahres Gesicht. Sie dekretierte einfach das Ver- hältnis von 6: 3, friß Vogel oder stirb! Der politische Macht- Hunger brach sich hemmungslos Bahn. Eine Resolutwn wurde angenommen, die das Rätesystem„verankerte", um „das Proletariat zum schnellen und sicheren Sieg, mündend in der siegreichen Weltrevoluiion des Prols- tariats", zu führen. Auf einer neuen„Kampf- und Organi- sationsbasis' wurde die Umstellung der gewerkschaftlichen Or- ganisation zum gewaltigen Jndustrieverband ver- langt, der dadurch zum Fundament eines sich organisch ent- wickelnden Rätesystems werden sollte. Der neue Vorstand sollte sofort die erforderlichen Vorbereitungen zur Schaffung eines alle Hand- und Kopfarbeiter der Metallindustrie um- fastenden Jndustrieverbandes treffen. Die„Metallarbeiter- zeitung" bekam eine neue Redaktion. Ernst Däumig eröffnete den Reigen der neuen literarischen Berater der Metallarbeiter. Die USP.-Fraktion war am Ziel ihrer Wünsche an- gelangt, doch nun, wo es an die Arbeit gehen sollte, waren die Tage ihrer Herrlichkeit gezählt. Ein Teil der neuen an die Spitze gestellten Männer war ehrlich genug, durch sachliche Arbeit stillschweigend ihre alten Tiraden zu ignorieren. Sie arbeiteten schlecht und recht im Dienste der Organisation, genau so wie— all die Gewerkschafts„bureaukraten". Indessen griff der Spaltbazillus weiter um sich. Die Kommunisten steuerten auf Befehl Moskaus auf die d i r e k t e Spal- tung der Gewerkschaften zu. Sie erhielten wert- volle Verstärkung durch frühere Vorkämpfer der alten USP.» Fraktion. Ihr Ziel ist die b e d i n g u n g s l o s e Unter- ordnung der Gewerkschaften unter ihre Partei. Mit einer Frechheit ohnegleichen, die aber wenig- stens den Vorzug der Offenheit hat, erklärte Moskau der Ge- werkschaftsinternationale den Krieg. Im Kampf gegen Moskau mußte eine natürliche An- Näherung der früher sich feindlich gegenüberstehenden SPD.- und USP.-Metallarbeiter erfolgen. Bei den Dele- giertenwahlen für Jena kämpften zum Teil SPD.- und USP.- Metallarbeiter gemeinsam unter der einigenden Parole „Amsterdam" Schulter an Schulter gegen Moskau. Der Weg von Gotha über Köln und Stuttgart nach Jena bedeutet den Zusammenbruch der Phraseologie der unabhängigen Gewerkschaftler. Den 412 SPD.-Delegierten stehen in Jena 256 Vertreter der USP. gegenüber. Unsere Genossen verfügen also über die absolute Majorität. Es wäre aber grundver- kehrt, wollen sie die Fehler der Unabhängigen von Stuttgart nachahmen. Die Zeit ist nicht dazu angetan, alte Wunden aufzureißen. Die Arbeiterschaft verlangt nach V e r st ä n- !digung und Entfernung allen Partei st reites aus den Gewerkschaften. Aber aus dem Ver- hältnis vn 5:8 müssen notwendigerweise Konsequenzen gezogen werden. Wenn das in verständiger Weife ge- schicht. wenn in Jena alte Irrtümer eingeschev werden, dornt wird die 15. Teneratv erf ammlunz des Deutschen Metall» arbeiterverbandes nicht nur für den Verband selbst eine P e- riode des Aufstiegs einleiten, dann werden feine Ver- Handlungen auch befruchtend und klärend zugleich auf die ganze deutsche Arbeiterbewegung wirken. � J Die Münchener Seratungen. (Schluß von der ersten Seite.) Abg. Held fährt fort: Eine weitere Forderung lmsemfeits ging dahin, daß unter allen Umständen eine gerichlliche Instanz als Befchwerdeinstanz eingebaut werden muß. Wir halten es für notwendig, daß aus- schließlich der Richter hier entscheidet. Man könnt« allenfalls einen Senat des Reichsgerichts mit der Aufgabe betrauen. Wir können von der Reichsregierung, die uns Unrecht getan hat. oerlangen, daß sie uns weiter entgegen- kommt, vor allem in bezug auf Z 4 und den Einbau einer gericht- lichcn Instanz Dann können wir auch über die Aushebung des bayerischen Ausnahmezustandes sprechen. Wir brauchen ein gegen- seitiges, redliches Verstehen und Garantien dafür, daß in der Zu- kunft Eingriffe in die Darwaltungshoheit der Einzellätider unter- bleiben und daß eine Behandlung, die mit der Autorität der Länder unvereinbar ist, nicht mehr stattfindet. Von diesem Gesichtspunkte au» müsien wir die Verordnung würdigen und versuchen, mit dem lichkeiten zu beraten. Nach kurzer Aussprache wurde beschlossen, zunächst ewe kurz- gefaßte allgemeine Erörterung über die Lage zu pflegen und dann die Verhandlungen zu unterbrechen. Staatssekretär Schweyer: Der Ministerrat hat noch keine endgültigen Beschlüsse gefaßt. Es wäre daher zweckmäßig, eine Pause eintreten zu lassen, um über weitere Mög- lichkeiten zu beraten. Nach kurzer Aussprache wurde beschlossen, zunächst eine kurzgefaßte allgemeine Erörterung über die Lage zu pflegen und dann die Verhandlungen zu unterbrechen. Abg. Timm(Soz.): Wir Sozialdemokraten haben nichts unter- nommen, um den Konflikt auf die Spitze zit treiben. Wir wollen nicht, daß der französische Imperialismus bei uns triumphiert, dessen Bestreben darauf hinausläuft, einen monarchischen Staat in Süddeutschland zu schaffen. Timm schloß aus der Rede chelds, daß er zu einer Eini- gung mit dem Reiche zu kommen wünsche.(? Red. d.„V.") In der weiteren Debatte sprach unter anderen der Demokrat D i r r. der das Entgegenkommen der Reichsregierung weitgehend fand und zur Verständigung riet. Sänger(Soz.) schilderte die einseitig« Anwendung des Ausnahmezustandes gegen links. Die Beratung wurde dann unterbrochen und die Fraktionen traten zu- sammen. • München, 10. September.(Eig. Drahkberichl de»„Uotto.".) Der Landtagsansschuß und der Ministerrat sind um 9 Uhr abends zu neuen Sitzungen zusammengetreten. Deileibe keine Jortfetzung! Was Reichsverordnungen in Bayern gelte». Der„Miesbacher Anzeiger" bringt in seiner Ausgabe vom 30. August eine Unterhaltungsbeilage„Der Erzähler", die als Nr. SS im 47. Jahrgang erscheint, und die für die literarische Bildung der Miesbacher einen Roman„Im Morgenrot" in der neunten Fort- setzung veröffentlicht. Kurze Zeit darauf ist der„Miesbacher Anzeiger" verboten war- den. Was geschieht? Am 0. September erscheint das„Miesbacher Tagblatt" af? Nr. 1 im ersten Jahrgang. Am 8. September ent- hält die Nr. 3 des„Miesbacher Tagblatt" die Unterhaltungsbeilage des„eingegangenen" Miesbacher Anzeigers, und zwar als Nr. 30 im 47. Jahrgang, und natürlich enthält auch diese Unterhaltungs- beilage die zehnte Fortsetzung des vorerwähnten schönen Romans „Im Morgenrot". Die Beamten der Miesbacher Behörden fehen's, staunen und reiben sich die chände, freuen sich darüber, wie man ihren eigenen' Anordnungen ein Schnippchen schlägt. Denn natürlich: Die Der- ordnung des Reichspräsidenten verbietet Blätter, die sich als Fort- setzung der verbotenen charakterisieren. Eine Romansortsetzung ist natürlich keine Fortsetzung! Dke„Rote Rrmee�. Die gestrige Sitzung des Untersuchungsausschusses ge- staltete sich außerordentlich beachtenswert durch die Ver- nehmuna des Reichsentwaffnungskommissars Dr. Peters. Dieser Zeuge wies die von deutschnationalen Regierungs- beamten, wie Regierungspräsident v. Gersdorff und Ober- präsidialrat B r e y e r gemachten Angaben über riesige rote Armeen und ungeheure Waffenvorräte in Mitteldeutschland indasReichderFabel zurück, ebenso ihre Behauptung, daß nur die rechtsstehende Bevölkerung die Waffen abgegeben habe, die linksstehende nicht. Gegenüber den 20 000 bis 30 000 Gewehren, die nach Herrn v. Gersdorff in Schächten versteckt lagern, taxierte Dr. Peters die Gesamtzahl der in ganz Deutschland noch unerfaßten Gewehre auf nur 12000. Er zerstörte auch die schöne Schachtlegende, da nach sachverständiger Ansicht in Schächten verborgene Waffen in kürzester Zeit durch Natureinflüsse zerstört würden. Die Gesamtzahl der Waffen während des Aufstandes bezifferte Herr Dr. Peters auf 1500 Gewehre und 30 Maschinengewehre. Den Herren von der Rechten waren diese Feststellungen äußerst fatal, sie suchten durch zahlreiche Fragen den Zeugen zu er- schüttern und Herrn o. Gersdorff zu retten. Aber es half nichts. Von den meisten deutschnationalen Regierungsbeamten dürfte wohl gelten, was der adlige interimistische Bürger- meister einer mitteldeutschen Stadt laut Akteninhalt geant- wortet hat, als er nach der Stimmung der Bevölkerung be- fragt wurde:„JchsitzedenganzenTagaufmeinem Bureau und weiß daher nicht, was in der Be- völkerung vorgeht."_ Molkenbuhrs 70. Geburtstag. Genosse Hermann M o l k e n b u h r wird heute 70 Jahre alt. Seine Verdienste um die Partei werden in unserer illu- strierten Beilage an leitender Stelle ausführlich gewürdigt. Aber wir möchten trotzdem nicht unterlassen, auch an dieser Stelle dem bewährten Vorkämpfer, dem Parlamentarier, Parteivorstandsmitglied und um das kommunale Leben reich- verdienten Mann unsere herzlichsten Glückwünsche darzu- bringen. Wenn die Arbeiterbewegung nichts anderes geleistet hätte als dies, ausgezeichneten Menschen aus dem Proletariat Möglichkeiten zur Entfaltung ihrer schöpferischen Persönlichkeit zu geben, so wäre schon dies eine viel. Aber das Herrliche an dieser Bewegung ist eben, daß sich in ihr Persönlichkeiten nur entfalten können nicht um ihrer selbst willen, sondern im Dienste des Ganzen. So reiht sich Hermann Molken- buhr in die Reihe der Besten als einer, der nie etwas anderes gewesen ist als ein Diener seiner Klasse und ihres großen Menschh eirsged ankens. Wir danken dem Genossen Molkenbuhr für die tapferen Kämpfe seiner Jugend, für das mutige Ertragen der Leiden, die ihm die Zeit der Verbannung unter dem Sozialistengesetz auferlegte, für die rastlose Arbeit zugunsten jedweden sozial- Solitischen Fortschritts, für die Treue, die er in schwerster Zeit er Partei gehalten hat. Der Parteivorstand wird sich heute dem Jubilar mit Glückwünschen nahen, aber den besten Glück- wünsch hat er ihm schon gebracht, indem er ihm die schwierigste Aufgabe auf dem kommenden Görlitzer Parteitag, das Referat über das Parteiprogramm, übertrug. Damit ist gesagt, daß dieser Siebziger seinen Geburtstag nicht feiert,„aus die Postille gebückt zur Seite des wärmenden Ofens", sondern aufrecht im Kampf. Und das ist's, was er sich selber wünscht, mehr als öffentliches Lob, dem er stets scheu aus dem Wege ging. Wenn wir dennoch ihn heute feiern, tun wir es nicht, um ihn selber zu erfteuen, sondern um den Junaen e i n V o r- bild zur Nacheiferung zu zeigen. Seht, solche Männer brauchen wir, wenn es weiter vorwärts gehen sollt » Ein schönes Geburtstagsgeschenk widmet Genosse Julius B r u h n s dem Siebzigjährigen durch seine Lebenserinnerungen, die soeben im Verlag Dietz-Vorwärts erscheinen. Sie tragen den Titel: „Es klingt im Sturm ein altes Lied" und die Widmung:„Seinem ältesten Kampfgenossen Hermann Molkenbuhr zum 70. Geburtstag in treuem Gedenken." Der schlanke Band, der zum Preis von 14 M im Buchhandel erhälllich ist, erzählt von denjenigen Leiden und Freuden der Bewegung unter dem Sozialistengesetz in Bremen, an denen Genosse Molkenbuhr lebhaft teilgenommen hat. Das Buch ist in kunstvollem Einband dem Jubilar von der Buchhandlung Vor- wärts als Ehrengabe überreicht worden. Verbote kommunistischer Zeitungen aufgehoben. Durch MTB. wird gemeldet: Zwischen dem Reichsministcr des Innern und Vertretern der Kommuni st ischen Partei hat am Sonnabend eine Be- sprechung stattgefunden. Auf Grund der von der kommunistischen Reichslagsstattion abgegebenen Erklärung hat der Reichsminister des Innern das Verbot über die Blätter in Frankfurt a. 7Ii„ Kassel, Halle und Breslau aufgehoben. Nachdem der Reichsratsausschuß die Verbote gegen deutschnationale Blätter für ungültig erklärt hat, entspricht es nur der Sachlage, daß die Anwendung der Verordnung gegen links nun gleichfalls rückgängig gemacht wird, da ja der Zweck der Verordnung sich in erster Linie gegen die mon- a r ch i st i s ch e n Treibereien richtete und sonst gerade das Entgegengesetzte herausgekommen wäre. �. Besonders erfreulich ist, daß die kommunistische Parier Zusicherungen gegeben hat, die es hoffentlich in Zu- kunft möglich machen, die Verordnung nur noch ihrem Zwecke entsprechend gegen rechts anzuwenden, ohne daß die Ne- aktion den Vorwand erhält, sich über ungleichmäßige BeHand- lung zu beschweren. Bei dieser Sachlage kann man sogar mit einem Achselzucken über das hysterische Geschrei der„Roten Fahne" hinweggehen, daß die Reichsregierung sich ganz und gar dem Willen der Reaktion unterwerfe, und was dergleichen agitatorische Aufgeregtheiten mehr sind, Einer, der flog. Hamburg, 10. September.(Eigener Drahtbericht des„Vor- wärts".) Der Hamburger Senat hat im Einvernehmen mit dem Senat von Bremen und Lübeck den Hamburger Ersten Staatsanwalt Dr. Schoen in den Ruhestand versetzt. Diese Maßnahme ist eine Folge des Auftretens des Staatsanwalts Schoen in einem der letzten Prozesse gegen einen Hamburger reak- tionären Zeitungsmann, der den Senat angegriffen, aber in dem Staatsanwalt noch einen Verteidiger gefunden hatte. Gerhart Hauptmann lehnt ab. Folgende Erklärung geht uns aus Agnetendorf tele- graphisch zu: Freunde teilen mir telephonssch mit, daß Zeitungsnachrichten wissen wollen, ich trüge mich mit der Absicht, für die Reichspräfl- dentenschaft zu kandidieren. Diese Absicht liegt mir vollständig fern. Ich erkläre schon jetzt auf das Bestimmteste und nach reiflicher Ueberlegung: Ich werde niemals die mir angemessene literarische Wirk- samkeit aufgeben und in das politische Leben ein- treten. Es fehlt ckir die Neigung und es fehlt mir die Eignung dazu. Damit hoffe ich alle Gerüchte, die anders lauten, ein für alle- mal für jetzt und für immer entkräftigt zu haben. Gerhart Hauptmann. Gestern früh meldeten wir, daß Künstler- und Literatur- kreise mit der Absicht umgingen, Gerhart Hauptmann als Kandidaten zur Reichspräsidentschaft aufzustellen. Ein minder begabter Redakteur der„B. Z." schrieb falsch ab, Haupt- mann trage sich mit der Absicht usw. Wir haben nie ange- nommen, daß Hauptmann politischen Ehrgeiz hat und sind daher von seiner Erklärung nicht überrascht. Selbstmord des Generaladjukanken von Max holz. Im Braun- schweizer Gerichtsgefängnis hat der Stoffdrucker Georg Hannemann Selbstmord begangen. Hannemann war während der Unternehmun- gen im Vogtlande im Frühjahr in Mitteldeutschland der Generaladjutant von Max Hölz. Rosen. Er hatte ihr Rosen geschickt, eineil Strauß roter Rosen kn dunklem Laub. Sie standen nun vor ihr auf dem Tischchen am Bett im Krankensal und durch die verhängten Fenster stahl sich ein goldener Sonnenstrahl schräg über die Rosen. Die anderen Leidensgenossinnen im Saal sahen oft zu diesen Rosen hinüber, auch sie erfreuten sich an der schönen Farbe der Blumen. Auch sie fühlten die Rosen wie«inen hoffnungsvollen Gruß vom Leben draußen. Muntere Gespräche wechselten zwischen den kranken Frauen hin und her, soweit e» die fortschreitenden Kräfte der Gesundung zuließen. Nur die junge Frau, die die Rosen geschenkt erhalten, lag still und schweigend. Ihre Augen hingen unverwandt an dem Strauß von Rosen. Und ihre Gedanken waren bei dem Mann, der sie g«- scmdt hatte. Aber die Einsamkeit und das viele Grübeln verwirrte die Gedanken so, daß sie kein Ende fanden. Sie schloß die Augen und seufzte. Niemand besaß sie, dem sie die Schmerzen ihre» Herzens beichten konnte, die schwerer fraßen als die körperlichen Schmerzen. Die Nachbarinnen rechter und linker Hand, nein, denen konnte sie sich nicht anvertrauen. Wenn diese Frauen auch gut waren, so lange sie hier still und umfriedet in den weißen Betten lagen, sie würden sie doch nicht in ihrem Quälen verstanden haben. Was waren für diese Frauen ihre Männer? Nur versorgende, durch die Not der Verhältnisse herabgewürdigte und durch ihre Bestimmung als Arbeitsmaschinen zufällig an die Seite der armen Frauen gestellte Menschen. Man sah es an der Verlegenheit, wenn sie zu Besuch kamen und wie die Frauen wie nach einer überstandenen Qual still wurden, wenn ihre Männer wieder gingen. Worte des Trostes für sie hätte keine gefunden. Da waren noch die Krankenschwestern und Aerzte, deren Beruf es war, freundlich und trostspendend hier zu walten. Vielleicht, daß der junge Assistenzarzt, der sie immer mit seinen tiefen, dunklen Augen ansah, sie verstanden hatte. Aber wie sollte man diesen Menschen Vertrauen entgegenbringen, die einer ganz anderen Schich. tung angehörten, die durch eine Mauer von Auffassungen und An- sichten über Moral und Liebe meilenweit von ihr getrennt waren? Man mußte mit seinem Leid schon allein bleiebn. Die Rosen waren das einzige,«n das man sich klammern konnte. Und durch die halbgeschlofsenen Lider liebkoste sie die blühenden frischen Blüten. Sie würde gesund werden. Sie würde wieder hinausgehen ins Leben, vielleicht wieder in die Arme des Mannes, den sie mit allen Fasern ihres Herzens liebte und um dessentwillen sie Schmerzen litt. Und er, der sie auf seine Art ja ebenfalls gern hatte, er würde lachen und glücklich sein, daß das Verhängnis dies- mal noch einmal abgewendet war. Denn sie wußte, das Kind, das nicht geboren wurde, wäre die Ursache zum Zerfall ihr« Glückes »pU i 1. �.�1... i..■-.wV-.ii„'u.i- Bis jetzt hielt unter Opfern dieses Glück, es hielt bis auf das nächste Mal, wenn sie dem sinnverwirrenden Taumel seiner Leiden- schaft wieder erllegen würde. Und das war doch alles ohne Sinn, ohne Ausbllck und Ziel. Und sie drehte ihr kleines Gesicht in die Kissen und weinte.... vr■■<. jy F. R. .£W Eine SulturfllmbShne. Noch eingehenden Borbereitungen steht die Stadt Braunschweig vor der Errichtung einer Kulturfilm- bühne, die allem Anschein nach für weitest« Kreis« Deutschlands den Charakter einer vorbildlichen Bildungsanstalt annehmen wird. Von einer Genossenschaft, an der sich der Staat, die Stadt, der Ausschuß für Volksbildung, die Deutsche Bank und eine Filmfabrik beteiligt haben, wird«in 350 Personen umfassendes Lichtspieltheater gepachtet. Hier sollen vorläufig an drei Tagen der Woche Kulturfilme— und nur solche— zur Vorführung gelangen. Di« Vorführungen sind ins- besondere für die Schulen, dann aber auch für die weitere Oeffent- lichkeit bestimmt. Di« Echulvorführungen fallen als Lehrstunden in den Unterrichtsbetrieb und sind frei. Der Spätnachmittag und Abend, ebenso der Sonntag, bleiben für Voltsbildungskurse, die Tech- nische Hochschul«, geschlossene Vereinsveranstaitungen und öffentliche Vorführungen fvei. Hierfür ist ein Einheitspreis von 2 M. für den Platz vorgesehen. Jeder Schüler wird durchschnittlich etwa zehn Vor- führungen im Jahr besuchen. Nach vorsichtigen und zuverlässigen Ausstellungen genügt als geschäftliche Grundlage und als erstes Be- triebskapital der Betrag von 20 000 Mark. Außerdem ist ein jähr- licher Zuschuß des Staate« und der Stadt mtt je 12 000 Mark vorge- sehen. Die Errichtung der Braunschweiger Kulturfilmbühne ist ein Experiment von besonderer Wichttgkeit. Gelingt es, das Unternehmen ohne nennenswerte Vergrößerung der Einlagen und Zuschüsse ord- nungsmäßig fortzuführen, so bedeutet dies für den Lehrfilm endlich die Erreichung der Verbreitungsmöglichkeit, die.seit langem schon die Theoretiker aller Lager und Wissenszweig« energisch für ihn fordern. Di« Summen, die das Braunschweiger Unternehmen erfordert, können ohne weitere» von jeder mittleren Stadt geleistet werden. Vortragsabend Ludwig Wüllner. Die Abende werden länger, die Wintervögel des Konzertsaales kehren bereits zurück und bald wird die Hochflut der Vorrtagsabende wieder über uns hereinbrechen. Wüllner kam als erster und hat trotz seiner Jahre immer noch erste Qualität. Vor allem: er weiß, was dem Theater und was dem Vortrag ziemt. Die vielen mißlungenen Schauspieler, die das Podium sonst zur Bühne und oft zur Spektakelstätt« machen, sollten bei ihm lernen. Wüllner hat das Gefühl für den Stil und für die Einheit des Kunstwesens. Seine Mittel nehmen ab(irnd waren nie faszinierend), aber sein echtes Gefühl, dos besonders in allem rein Mensch- lichen stark ist, beseelt seinen Vortrag. Edel, schlicht, ohne die großen Blender und kleinen Mätzchen stellt er Gedichte von Goethe und Schiller vor uns hin: in klassischer Humanität. In„Gott und die Bajadere", im„Paria" oder auch in der„Bürgschaft" wurde der Geist lebendig, aus dem sie geboren wurden, der für uns heute eine Quelle der Erneuerung fein wird. Wüllner ist der geboren« Ver- mittler diej«« besten deutjchen Kulturerbe»» � � � fr— Der Mars und— kein Ende. Dieser Tage wurde wieder die alte Fabel erneuert, Marconi habe drahtlose Signale aufgefangen, die nur— vom Mars stammen könnten, und die Blätter, die nichts hinzulernen, gaben diesen amerikanischen Humbug weiter. Jetzt will einer von drüben den Marsbewohnern auf andere Weife beikommen. Ein amerikanischer Millionär, der sich einen Astronomen von der Harvard-Unioersität zugelegt hat, will ein Rieseniernrohr bauen, das uns den Mars so nahe bringt, als ob er nur 234 Kilometer entfernt wäre. Da 1924 ein für Marsbeobachtungen besonders günstiges Jahr ist, soll das Monstrum bis dahin fertiggestellt fein. Es wird nur 50 Fuß im Durchmesser haben. An Stelle des Glasspiegels, der für diese Ausmessung große Schwierigkeit bietet, soll eine ro- tierende flache Quecksilberscheibe benutzt werden. Mit Hilfe dieses Apparats, der angeblich eine 25 millionenfache Vergrößerung ge- währt, müßte man imstande sein, lebende Wesen aus dem Mars zu erkennen—, falls es solche gibt. Es wäre wirklich wünschenswert, daß dieses Ziel erreicht würde, damit endlich diese neueste Sceschlange(die Marsbewohner) zur Ruhe käme. Aber es wird weder mit diesem noch mtt anderen Fern- röhren dieses Problem gelöst werden.. rner ilt eine unsch Haupt- Konzertchronik. Die städtischen BolkSkonzerte beS BIüthner-Orchekters im Monat September finden statt: 1K. Sept. Germania-Säle und 27. Sept. Brauerei Königstadt. Karten bei Harsch, Engelufer 25, im.Vorwärts-, im Orchesterbureau Lützowftr. 7S und an der Abendkasse. DaS LnftkPielhauS wird in der zweiten Hälfte des Septembers unter der neuen Direltion Heinz Saitenburg mit der Uraufführung der neuen Komödie Schmidtbonns„Die Schauspiele r' eröffnet. Für Ansang November ist die Gcrharl-Hauplmann-Piemiere ,P e t e i Brauer" an- gesetzt. Derhart Hauptmann wird in der zweiten Hälfte des Ob toberS in Berlin eintreffen und den Proben beiwohnen. Aufführung des.Kollege Crampton" geplant, w der auf mannS Jakob Ticdtke den Crampton spielen wird. Alfred Beierle wird am TienStag nachmittag>/,4 Uhr w den Arminhallen, Komniandantenstrahe, für die Betriebsräte der Reichsdruckerei Leonid Andreicws.Geschichte von den Gehenkten" erzählen. Karten zu 3 M. an der Kasse. Zu Ehren Gerhart HauPtmaunS. der nächstes Jahr feinen 60. Ge- burtstag feiert, veranstaltet die Bühnengenoffenichaft im August 1322 in Breslau Festaufiührungen seiner Werke. Die ersten Regisseure nnd Hauptmanndarsteller sollen dabei mitwirken. Der Reichspräsident bat die Genossenschaft dazu beglückwünscht und die hohe Bedeutung dieser Ehrung hervorgehoben. Drahtlose Bildübertragung hat nach der.Umschau" Professor Dieckmann in München praktisch erprobt. Der Apparat kann an jede Sende- und Empsangsstation angeschlossen werden und gestattet, Schrift- zeichen und einfache Strichbilder drahtlos zu übertragen. Der Ncue-Weltkalcndcr für 1922 ist soeben erschienen.(Verlag Auer u. Co., Hamburg.) Er enthält ausser reichlichen Kalenderangaben (und einem Wandkalender) eine Fülle unterhaltenden und belehrenden Stoffes. Unier den Toten des Jahres wird besonders Karl LegienS und Franz Diederichs gedacht. Erzählungen von Timm Kröger und V. Baum find von literariicheni Gehalt. SiedlungSsrageii. die indirnrielle Bedeutung Oberlchlesicns, Wcltseuchcnzüge und vieles andere wird behandelt. Gut- gewählte Gedichte und vielerlei interessanter Kleinkram bereichern den In- halt des auch illustrativ gut geratenen Kalender», der MM!ch«t ickm 4& fflgH«scheint und iy""»- esst S Wt. loftet. Nr. 429 ♦ 3S. Fahrgaug 1. Heilage öes Vorwärts Sonntag. 11, September 1921 Zum Görlitzer Parteitag. Von Karl Kautsky.*) Am 28. August hat der„Vorwärts" die Anträge zum kommenden Parteitag der deutschen Mehrheitssozialdemokratie veröffentlicht. Bei ihrer Durchficht fällt dem Leser vor allem die große Zahl der Anträge auf, die eine Anbahnung und Förderung der Einigung mit der Unabhängigen Sozialdemokratie fordern. Sie bezeugen deutlich, wie die Stimmung der Ar- beiterschast in den letzten Monaten geworden war. Und nicht nur die in der Mehrheitssozialdemokratie allein. Auch unter den Unabhängigen machte der Einigungsgedanke starke Fort- schritte. Nun hat er auf beiden Seiten einen mächtigen Anstoß erfahren durch die Ermordung Erzbergers. Diese Untat bildete den letzten Tropfen, der den Kelch der Erbitte- rung im deutschen Proletariat zum Ueberlaufen brachte, den bereits Hunderte von politischen Morden bis an den Rand ge» füllt hatten: Schon längst ist nicht mehr wahr, was Heine ehedem fang: Deutschland, die fromme Kinderstube, Ist keine römische Mördergrube.- Unter den zahlreichen Mördergruben, die sich unter den Nachwirkungen des Krieges in Europa gebildet haben, ist Deutschland eine der schlimmsten geworden. Es rangiert dicht neben Ungarn. Aber freilich, Deutschland marschier an der Spitze der Kultur, das heißt, unter seinen politischen Mördern finden sich nicht bloß Kriegsknechte und Junker, sondern auch di« Jünger der Wissenschast, angeeifert durch fiüter der For- Bsag, der Gerechtigkeit und Ordnung, durcy Universitäts» Professoren, Richter und stühere Beamte sowie auch durch Geistliche, wenigstens protestantische. Vergebens sucht man der Infamie der Meuchelmorde, die mit der Abschlachtung Liebknechts und Rosa Luxemburgs be- gannen, ein beschönigendes Mäntelchen umzuwerfen, indem man sie auf eine Stufe stellt mit den Taten eines Wilhelm Tell, eines Sand, der den russischen Spitzel Kotzebue tötete, einer Sophie Perowskaja und anderer Kämpfer dieser Art. Deren Taten geschahen im Llufbäumen gegen eine furchtbare Uebermacht, die schonungslos jede freie Bewegung im Volke unterdrückte, auch nicht die leiseste Regung einer Opposition duldete. Darum hatten wir Respekt vor denjenigen, die in so furchtbarer Situation zu Verzweiflungstaten griffen, aber die Taktik des individuellen Terrors selbst haben wir trotzdem abgelehnt. Die russischen Terroristen aus der Zeit um 1880 herum erklärten selbst feierlich, ihre Taktik könne nur gerecht- fertigt werden als Abwehr der blutigsten Niederhaltung des Bolkes, und sie werde verbrecherisch in einer Demokratie. Schaudernd protestierten sie gegen die Bluttat, als im November 1881 in den Vereinigten Staaten der Präsident Garfield von einem Fanatiker getötet wurde. In der deutschen Republik fand die monarchistische und deutschnationale Propaganda und politische Organisation bisher kaum irgendwelche Hindernisse. Im Gegenteil, in der Ver- waltung, beim Militär, bei den Gerichten erfuhr sie starke Förderung. Aber das genügte den mörderischen Schichten nicht. Sie hatten ehedem als privilegierte Elemente dem deutschen Volke ihren Fuß auf den Nacken gesetzt und waren im Kriege ausgezogen, um durch Völkermord der W e l t ihren Fuß auf den Nacken zu setzen. Daran sind sie gescheitert: sie haben ihre Nation in das tiefste Elend gestürzt, und sie selbst sind durch den Zusammenbruch in eine Lage geraten, die gar manchen von ihnen zwingt, durch ehrliche Arbeit, gleichberech- •) Au, der Wiener„Arbeiterzeitung". tigt mit den Arbeitern ihr Brot zu verdienen. Das dünkt ihnen unerträglich, dagegen bäumen sie sich auf. Was sie t r ä u m e n, ist Rache an dem siegreichen äußeren Feind, was sie p r a k- t i z i e r e n, ist Rache an den Führern ihres inneren Feindes, des arbeitenden Volkes Deutschlands, dem sie noch grimmige- ren Haß entgegentragen, als Franzosen und Engländern. Die politischen Morde in Deutschland sind nicht die Ab- wehr unerttäglicher Bedrückung, sondern Ausflüsse eines, Rachedurstes enttäuschter Ueberhebung, deren Frechheit nach vorübergehendem völligen moralischen Zusammenbruch seit j der Revolution von Jahr zu Jahr wieder gewachsen ist, durch � stetes Gewährenlassen. Bisher wurden nur Proletarier und � ihre Vorkämpfer geschlachtet. Daß jetzt ein bürgerlicher Parka- mentarier daran glauben mußte, macht nun auch der Mensch- heit der bürgerlichen Welt den Abgrund der Verwilderung und Blutgier kund, dem Deutschland unweigerlich zusteuert, wenn den Mordbuben und denjenigen, die ihnen die Mauer machen, nicht rechtzeitig das Handwerk gelegt wird. Aber keine Macht gibt es heute, auf die sich alle jene ver- trauensvoll stützen können, denen Deutschlands Zukunft und Kultur am Herzen liegt, alsdieProletarierDeutsch» l a n d s. Sie haben sich jetzt kraftvoll erhoben gegen die wach- sende Frechheit der Militaristen und Monarchisten und sind entschlossen, einen festen Damm gegen diese schlimmsten Feinde des deutschen Volkes zu bilden. Das können sie nur, wenn sie einig sind, und darum hat der Einigungsgedanke die Proletarier in Deutschland jetzt mächtig erfaßt. Er wird die Berhandlungen in Görlitz noch mehr bestimmen, als die schon vorliegenden Anträge erwarten lasten, die noch vor der Er- mordung Erzbergers eingebracht wurden. Sehr günstig wirkt auf den Einigungsgedanken auch der Umstand ein, daß kurz vor dem Görlitzer Parteitag der Jenaer stattfand,„das Jena der Kommuni st en", wie die „Leipziger Volkszeiwng" witzig bemerkt. Was noch von faszinierender Wirkung des Kommunismus und Bolschewis- mus auf die deutschen Arbeiter vorhanden sein mochte, hat diese kommunistische Tagung völlig ausgelöscht. Die Kommu- nistische Partei hat als politischer Faktor aufgehört zu exi- stieren. Sie ist nur noch ein Apparat, um Unftig zu stiften und' sozialdemokratischen Aktionen in die Suppe zu spucken. Das s ist eine Tätigkeit, durch die man sich sehr bemerkbar machen, die aber keinen ernsten Arbeiter anziehen kann. Die Organisawren des Görlitzer Parteitages vermochten i die der Einigung so günstige Situation nicht vorauszusehen, 1 sonst hätten sie vielleicht selbst geraten, die Verhandlung über das neue Parteiprogramm von der Tagesordnung abzusetzen. Wenn es zur Einigung kommt, müßte sie durch ein neues gemeinsames Programm bezeichnet werden. Keine der beiden Parteien kann verlangen, daß die andere einfach den Wort- laut des ihren akzeptiert, an dem sie nicht mitgearbeitet hat. Ein solches Akzeptieren würde eine Kapitulation der einen Partei vor der anderen bedeuten, nicht ihre Zusammenfassung zu einer höheren Einheit. Wozu also in einer Situation, die eine gegenseitige An- Näherung notwendig macht, aus der vielleicht schon binnen Jahresfrist eine organisatorische Vereinigung hervorgeht, sich rasch noch ein neues Programm geben? Man sagt, die Forderungen des Erfurter Pro- g r a m m s an den Staat, wie er bestand, seien durch die Revolution überholt. Aber das waren sie zum großen Teil � schon seit dem November 1918. Konnte man drei Jahre warten, wird es ein viertes auch noch gehen. Bei einem Programm kommt es nicht auf jede der ein- zelnen Forderungen und Sätze an, sondern aus die Rich- tung, die in ihnen zum Ausdruck kommt. Diese Richtung will man ja wohl nicht ändern. Da müßte man doch noch ein weiteres Jahr lang mit einem bloßen Aktionsprogramm als Ergänzung des alten Programms auskommen können. Nun sollen steilich nicht bloß die Einzelforderungen des Erfurter Programms überholt fein, sondern auch die Sätze der theoretischen Einleitung. Inwiefern ist das richtig? Diese Einleitung begründet Ziel und Charakter unserer Bewegung nach der Methode der materialistischen Geschichts- auffassung. Im Entwurf des neuen Programms ist von dieser Methode keine Spur mehr zu entdecken, aber auch keine Spur einer anderen Geschichtsauffassung, die etwa die Marxsche verdrängt hätte. Es ist nicht anzunehmen, daß der Verfasser des neuen Programms der materialistischen Geschichts- auffassung den Laufpaß geben wollte. Wahrscheinlich ist fol- aendes: Auf Grund dieser Geschichtsauffassung kann man mit Bestimmtheit sich über Ziel und Charakter der Beweguuu nur äußern, wenn man sich klar ist über die Richtung der ökonomischen Zukunft und über die politischen und Wirtschaft- lichen Probleme, die sie uns fetzt. Die Väter des Programm» waren wahrscheinlich der Ansicht, daß die ökonomische Eni- Wicklung, wie sie im Erfurter Programm dargestellt wird, mit dem wirklichen Gang der Dinge nicht in allen Punkten über- einstimmt, aber sie vermochten sich nicht zu einigen darüber, welche neue Erkennwis an Stelle der alten zu setzen sei. So kam man zu einem Kompromiß: dazu, aus acht verschiedenen Gedankengängen das herauszunehmen, was ihnen gemeinsam war. Das konnte aber nichts anderes fein als eine Sammlung von Gemeinplätzen. Es wurde eine theoretische Einleitung ohne Theorie. Sie brauchte nicht falsch zu sein, aber sie ent- behrte jeglicher Kraft, Tiefe, Geschlossenheit, war in keiner Weise geeignet, Freund und Feind zu imponieren. In Wirklichkeit ist der Gedankengang der Einleitung des Erfurter Programms der des Marxschen„Kapital". Er ist heute noch in seinen Grundlinien richtig, aber insofern nicht mehr ausreichend, als manche der Entwicklungsvorgänge in der letzten Zeit und namentlich feit dem Kriege, obwohl die Richtung der Entwicklung die gleiche blieb, ihre Erfcheinungs- form modifizietten. Auch tauchten manche Probleme neu auf. die eine Antwort erheischen. Die Zeit seit dem Ausbruch der Revolution ist so kurz, sie war so sehr mit dringenden prak- tischen Aufgaben erfüllt, es war so schwer, in dem Neuen das Dauernde von dem Ephemeren zu sondern, daß es schwer ge- wesen wäre, schon das gesamte theoretische Fazit der durch Krieg und Revolution hervorgebrachten neuen Entwicklungs- formen zu ziehen. Solange man aber das nicht vermag, wird jeder Versuch, die theoretische Einleitung des Erfutter Pro- gramms zu ersetzen, ein unbefriedigendes Resultat liefern. Auch von diesem Standpunkt aus erscheint mir also dre Schafftmg eines neuen Programms verfrüht. Nicht ein solches Programm zu schaffen, sondern Bedin- gungen herbeiführen, die es bald ermöglichen, daß die neue geeinigte Sozialdemokratie an die Formulierung eines ge- meinsamen Programms mit vereinten Kräften gehen kann, das scheint mir die große Aufgabe des Görlitzer Parteitages zu sein. Er wird dabei unterstützt werden durch die Tatsache, daß das wichtigste Moment, das SPD. und USP. bisher trennte, die Frage der Koalitionspolitik, in der letz- ten Zeit ein ganz neues Gesicht erhalten hat. Ich will hier keine Rekriminationen erheben, weder gegen rechts noch gegen links. Sie find in der augenblicklichen Situa- tion durchaus nicht am Platze. Die Parteigeschichte ist wichtig und nützlich und man kann viel aus ihr lernen, aber die Ver- gangenheit darf keine Kette an unserem Fuße werden, die uns an den wichtigsten Schritten in der Gegenwart hindert. Und in Zeiten der Revolution, in der Situationen und Parteien sich rasch wandeln, erhellt aus der Vergangenheit einer Partei nicht immer, was wir in der Gegenwart von ihr zu erwarten haben. Ich will daher von aller„Schuldfrage" absehen, aber eines steht fest: die Mehrheitssozialdemokratie ist bei ihren Koa- litionen bisher in die scheußlichste Lage gekommen, da sie eine Jbreitestr. Einfarbige glatte Seidenstoffe Oranit-Seidc, seiden-Atlu, Taft, Seidan-Kaschmir usw. Breite 85— 100 cm, das Meter M. 11.50 85.— 120.— usw. Gekreppte Seidenstoffe K�Äswrepp" Breite 96—100 cm, das Meter M. 105.— 130.— 100.— usw. _Z._ in reiner Seide und Kunstseide für l riKOlgeZUeoe Kleider und Jumper. Breite 120—175 cm, das Meter M. 08.1« 225— 215.— usw. Schwarze Seidenstoffe Die groue Mode. Breite 85—100 cm, das Meter M. 00.— 05— 115.— usw. Weiße a. elfenbein färb. Seidensto ffe Besondere Neuheiten für Brautkleider. Breite 85—100 cm, das Meter M. 11.— 110.5« 132.— usw. Schleierstoffe Neue Farben in glatt, sowie reiche Auswahl neuester Druckmuster. Breite 100 cm,. das Meter M. 58.— 00.— 115.— uew. Karierte u. gestreifte Seidenstoffe für Kleider, R6cke und Blusen. Breite 45 cm.. das Meter M. 48.— Brette 84— 100 cm, das Mater M. 15.— 125.— 150.—' Jberfin Cz JbriiSerstr. Kettendruck- Seide(Chini) für Blusen und Pelzfutter. Breite 48—90 cm, das Meter M. 82.— 160.— 115,—«w. Bestickte Seidenstoffe Reiche Metall- und Seidenstickereien. Breite 90— 100 cm, das Meter M. 110.— 100.— 212.58 usw. Seidene Futterstoffe Halbseidene nnd gancseidene Serge- und Aflasgewebe. Breite 47-120 cm, Mtr. M. 25�0 30.— 56.— 11.— usw. Reinseidene damassierte und bedruckte Gewebe. Breite 70—100 cm, das Meter M. 115.— 140.— 195.9« usw. Seiden-Samte für Besät*. Hüte«*. Breite 45 cm.. das Meter M. 42.— 52.— 88.— usw. /nr C»..... für Kleider, In neuen Farben nnd Kshljjon-oamte in schwarz. Breite 100-105 cm, das Meter M. 246.— 300.— 340.— usw. Eolien und Krepp-Marocain Köper- und Chiffon- Samt(Velvet) und fbamte für Herbst und Ä)inter .'idorfplat» 31/»: Wenn Liebe erwacht uL Der Vetter aus Dingsda Tlientcr den Woaten« tu u.: Die Braut d.Lueui!as Th.l.d.Kommandantenatr. (Jüdische* Künttler-Theater) SU: D. Ter(aa*ene Schenke Wallner-Theater Vit Uhr: NIXChCH Volksopsrtite Wa!h«lla-Th. u:DieschSne Helena Resldenz-Tiieate? Nach in 3V, Uhr kleU>; Preise! Lady Wlndcrmerei Melier Tiglich 7V, Uhr Paul Waganer Irena Trlesrh Paul Blensfeldt in Totentanz Rose Theater Nachm. 4 Uhr: Jagend 3 Uhr: Die zärOrato Volksbühne. TBue.own,. 2V« Uhr; Das Postamt/ Die KomSdle der Irrungen TVaUhrPie lange Jelie lessing-Theater u? Ein Idealer Satte Montag 7: Peer tiynt Dienstag und Mittwoch 7'/,: Ein Idealer Gatte Donnenlag 7, mm 1. Male: Die Spieleresen ein. Kaiserin (llurieux, StelnrUck, Ulmer) Freit.g b.'s Montag 7V, Uhr: D.Spielereien ein.Kaiserin Deutsches Künstier-Theater AUabendiich 71/« Uhr: Gie SiileriBi Könifs (Leaptldlue Koixtanlln) Kleines Theater Nachm. 4 Uhr kleine Prelle; Cnaanova* Sohn Täglich 7 Uhr: Frl. Josette— meine Frau Carola Toellc, Eugen Burg, Lotte Kliiidcr, Jul.Falkenitelo, II. AlbcrLjL Sclmeldtr-Nlisen Tdatton-Thsaler Nachm. 4 Uhr kleine Preise; Die KroOe Leldcn.cbatl Täglich» Uhr; Ida Wüst Thalia-Theater I 7l/f Ü 71/« 1 Dperstte, von der gänz 1 Berlin sprachen Wird Schäm' Sieh, Lette! mit Eduard Llchtonstela 8.0. Komisdin Oper Tü Uhr TUiUhf oPtrdhmitfvz Cporotf* ronJUoSlodt CÄSIMO-THEATER Lothringer Str. 37— Tägl.'/.S Das neue ErtfTnung»- Prngr. mit der Spltikubengosse Sxzellenz ZÜsx«. Vorher: Da» laktigeSlnfspiel Und wem es Just passieret Sonntag 3Va � Mittelarrest. Polles Gaprice Linienstr.132amoranienbg.T4 Täglich 8 Uhr: D. Geliebte a.Teüung Fiebertaumel Bcntachen.mreaoplte mit Perd. Qrfiaecker Central= Theater Alte Jakobstraße 30 Telephon Moritzplatz 4047 Dienstag, den 13. September 1921, abends 8 Uhr Zum 100. Male Die Postmeisterin Operette in 3 Akten von August Neidhart, Musik von Leon Jessel m,MoIIy Wessely Gustav Jahrbeck, Hugo Fischer-Kappe, Karl Platea Camiite Hammes, Edgar Kanlsch, Lotte Carola Ausschneiden l Sondervergünstigung Aasschneiden! -' nur gültig bis 30, September ireis- Aussch reiben ' Oei Wallner-Thealers 5>ft Mnstlerisch« Beirat be» fflaünefShiatets, Herr Dino oon Finetti, wirb für die neue Oecar-StruilS'Operette„INxlhen-, welche tägüch im Wallner» Theater in Esene geht, ein Plakat cnlwerfen, w d eisen Mtttcipmtft bie berühmt« Operettendiaa Emmy Nasarg steht .—» JSIataf See Xitel für dieses befilmmf werden. Erforderlich ist eike soll vom verlwer The-rterpudllkum möglichst in Drt und Form eines Schlagwert»«. ' drei besten Lösungen sind furze, den Inhalt b« Operette nmfasscnbe Bezeichnung. von der Direktion des Wallner-Theaters Mittelbalkon Parkett... Rangloge.. , statt 12.- 8.— . statt 14.- 10.- . statt 20.- 12.— Balkonsessel. statt 22.- 12.— Parkettsessel. statt 25.- 14— Orchestersess. statt 30.- 18.— Sonnabends I Mark mehr, Sonntags 2 Mark mehr l Gültig für 1 bis 6 Personen Auch am dar Tageskaase(täglich 19—2 Uhr) 8 lag, rorber»laamG«Ilii Keines Bauchen gestattet! Ayf Ä# n fl s n Cxrunewald» 24�/25 SspT. Julius Liebans Kleinkunstbflhne Fiedermaus Unter den Linden 14 Theater». KoflbuserTor Tel.: Moritzpl. 16077 Täglich?>/, Uhr und Sonnt, nachm 3 Uhr Elite-Sänger — 10 Herren I— W1UI Komik I Nachm. halbe Preise Vvkf.lMVju�-bUhr Reiclislia!ien-T(ieal, STSTTINEK • SINGER Abds, 7'/, U. u. Stg, nehm. 3 U. Nm. halbe Pr Varletä Ddahoff-Brettl Vorverkauf zu ermäßigten Preisen vom 13. bis 20. September an folgenden Stellen: ißcecrjujte GaMsten Derlins Tonndorf-Äetriebe Ed. Am» T»an»»d Linden«Restaurant, a-t«»«« Qn»«-«4 Ab 1» it»r«eZfhd Tonndorf»Ölfra'r tin»«n.Tte(lauraot Tonndorf Oiele- Konditorei ümi* be» Linien 56 ftaucfi km Groden Schauspielhaus (Arn Zirkus 1. Norden 364? Direkt.: Herbert Kais KflMk«««rähmt, mich« und fl*aS!nx:spiel in 6 Akten von Karl Ono Krause, mit Carola ToeUe, Sndjab Gezza« Uscbl EtHot,: Paai Hangen, unter persönlicher Mitwirkung von Opernsänger j Siegfried Adler von der Volksopfir in Wien, Opernanngerin Prau BarUcbnt vom Friedr.- Wilhelmst. Theater Berlin. D«ra: Dar Kampf um df« Haimal (Oberschlcslen-PIIro) Rennen zu Grunewald (Berltnar RennTerotn) Montag, 12. September, nacbm.Z'/ÄÜbr: ........... ihm m 7 Rennen Sonntag, II. September, nachm. Z'glibr: Rennen zu Karlshorst ——— 7 ITennea i mm ma: Tonj Tetzlaft mit Walther Puchs in NäditsMcn Hans Jaiva in Mitternacht im Masiksalon Kassenerötfnung 3>/, Uhr Anfang 4 Uhr | Bechitelnsaal. Wort., Montag u 16. Sept.,7Vi U. Zwei Lledcr.Abende AUGUSTIN KOCK- I® Schwedische Komponisten Nord«che Komponisten s Am Klavier Apita v. Hillern.«> ■ Kttte'i j» 15— M w Bechtteinsaal. Mittwoch, 14. Sept., 8 Uhr: KlaviefAbend Victor Andersen p 'S Chopin i Eon. b-moll u.a.: Brahmst Händelvarlat; � � Mendelssohn»LlHztt„Ein Sommernachtstraum''. 3 Karten 15—3 M, I Kart. LakVeraofLk. Bäte& Bock, Werth. n�dJlbendk, LW Kr. 429 ❖ 38. Jahrgang KEssBsaf1'-X-r. 2. SmiagZ öes VsrWärts �'StmLag, 1!. September 192� GroßBerlln Mt Solch, Chloroform unö Maske. Ein an Raubmordversuch grenzendes Verbrechen, bei dessen Ausführung einer der beteiligten Verbrecher von Kriminalbeamten in der Notwehr erschossen worden war, lag einer Anklage zugrunde, welche gestern die Ferienstrafkammer des Landgerichts II beschäftigt«. Angeklagt wegen schweren Einbruchsdiebstahls unter Mitsiih- rung von Waffen waren der Schlosser Rudolf S e y e r und der Schlosser Wedia Krause, während sich die Masseuse Elisabeth Scholz geb. Trock wegen Beihilfe zu verantworten hatte.— Die Beweisaufnahme zeigte, wie vorsichtig man Fremden gegenüber mit Gesprächen über Geld oder Wertsachen sein muß. Die in der Meierottostraße in Wilmersdorf wohnhafte Witwe W. hatte an- fangs dieses Jahres ihr Gut verkauft und sprach darüber mit der bei ihr als Masseuse tätigen Mitangeklagten Scholz: insbesondere teilte sie dieser mit, daß sie das Geld noch im Hause Hab«. Schon am nächsten Tage wurde dem Kriminalkommissar Werneburg ver- traulich mitgeteilt,, daß in der folgenden Nacht von drei Leuten die Frau W. überfallen, betäubt und beraubt werden solle. Kommissar Werneburg besetzte hierauf mit drei Beamten die Wohnung. Gegen 12 Uhr nachts drang ein Mann mit einer schwarzen Maske vor dem Gesicht und einem scharfgeschliffenen Dolch in der Hand in die Woh- nung ein. Der Kommissar rief plötzlich: Hände hoch, hier Kriminal- Polizei! Als der Mann mit der Maske sich auf ihn stürzen wollte, gab W. Feuer und der Unbekannte brach zu Tode getroffen zu- sammen. Es war dies, wie sich später herausstellte, der Eisenbahn. schaffner Hermann S e y e r, der Bruder des jetzigen Angeklagten Rudolf Seyer. Dieser und der Mitangeklagte Krause wurden im Garten des Grundstücks versteckt aufgefunden. Der erschossene Seyer hatte neben dem Dolch eine Flasche Chloroform bei sich, wäh- rend bei Rudolf Seyer ebenfalls ein Dolch und ein Bund Dietriche gefunden wurden. Die Ermittlungen ergaben, daß der Plan zu der Tat von der Angeklagten Scholz ausgegangen war. Der Staats- anwalt beantragte, da es sich um eine außerordentlich gefährliche, nahe an versuchten Raubmord grenzende Tat handle, gegen jeden der Angeklagten 4)4 Jahre Zuchthaus, während Rechtsanwalt Dr. Erich Triebe! um eine mildere Strafe bat, da der erschossene Seyer der Haupttäter und Verführer der drei bisher unbescholtenen Angeklagten gewesen sei. Das Gericht erkannte auf je 2'A Jahre Zuchthaus unter Anrechnung von 6 Monaten der erlittenen Untersuchungshaft._ Raubüberfall auf einen Chauffeur. 1 Die Täter festgenommen. .Gestern nachmittag mieteten zwei Männer eine Kraftdroschke zu einer Fahrt nach Potsdam. Unweit des Lokals von„Mutter Mochow� auf der Potsdamer Chaussee hinter Zehlendorf fielen die beiden Fahrgäste plötzlich über den Chauffeur Solkowski her und versetzten ihm mit einem harten Gegenstand einen Schlag über den Kopf, so daß er sofort die Besinnung verlor. Das führerlose Auto raste gegen einen Baum, wobei Solkowski auf das Chaussecpflaster geschleudert wurde. In demselben Augenblick kam er wieder zum Bewußtsein, raffte sich trotz seiner Verletzung auf und lief unter lauten Hilferufen davon, verfolgt von einem der Täter, der ihn offenbar aufs neue niederschlagen wollte. Zum Glück nahte in diesem Augenblick der Geschäftsführer des Restaurants.Beelitzhos", worauf der Räuber schleunigst verschwand. Man alarmierte sogleich das Ueberfallkommando Zehlendorf, dessen Beamte auch nach wenigen Minuten zur Stelle waren. Während einige Beamte den Chauffeur, der erhebliche Verletzungen der Scbädeldecke erlitten hatte, nach dem Sanatorium in der Kurstraße schafften, nahmen die andern die Ver- folgung der Täter auf. Bereits 20 Minuten nach der Tat waren beide Räuber ergriffen, und zwar der eine auf dem Bahnhof Wann- ge, der ander« auf der Chaussee zwischen Wannsee und Nikolassee. uf der Wache wurden sie festgestellt als der wohnungslose 21jährige Maschinist Wilhelm Hübner und der 22jährige wohnungslose Arbeiter Ernst Laucher. Beide wurden der Kriminalpolizei übergeben. Der Millionendieb mit dem Gebetbuch. Zu Interessanten Ergebnissen haben die Ermittlungen hinsichtlich de» am 29. v. Mts. in einem Hotel der Friedrichstadt verübten Mllionendiebstahls geführt, wo dem dort wohnhaften Vertreter einer Pforzheimer Iuwelenfirma Waren im Werte von etwa einer Million Mark entwendet worden waren. Der Täter hat sich als Josef Blätter, Kaufmann, geboren 1. Mai 189S, Staatsangehörigkeit Schweiz, Wohnort Hanau, Markt 4, in das Fremdenbuch einge- tragen. Er hat eine etwa)4 Meter lange, braunlederne Handtasche! zurückgelassen, in der sich u. a. ein Gebetbuch in hebräischer Sprache befand. Dieses Gebetbuch gehört einem Kaufmann Wolf F. aus der Dragonerstraße, bei dem vor einigen Monaten eine ihm un- bekannte Frauensperson erschien, um sich das Gebetbuch für eine ebenfalls in der Dragoncrsttaße wohnbafte Familie Ch. zu erbitten. In der betreffenden Familie war ein Kind lebensgefährlich erkrankt. Zu den Personen, die aus Anteilnahme an dem Schicksal des Kindes sich für dieses bemühten, gehörte auch jene Frau. Die Eltern des ßlüjje WM WlmnseMiAW Montag, öen 12. September, adenös 7'/, Uhr: kreis 15(Treptow): Dikkoriagarken am Treptower Park. Thema:.Die Bezirks- u. Sladkverordktelenwahieu". Referent: Dr. Richard Lohmann. Dienstag, öen 13. September, abenüs 7'/- Uhr: kreis 12(Steglitz): Aula der Oberrealschule Elisenstr. 4. Referent: Stadlverordneter C. Leimbach. kreis 13(Tewpelhof): Aula des Realgymnasiums kaiserstr. Referent: Dr. Max Vendiner, M. d. L. kreis 19(Niederschönhausen): Schloß Schönhausen, Linden- slratze 11. Referent: Hermann Lüdemann, Finanz- minister a. D. erkrankten Kindes betreiben eine Spsisewirtschaft, die besonders von Osteinwanderern besucht wird. Es ist anzunehmen, daß der Täter zu den Besuchern dieser Wirtschaft gehört und sich auf irgendeine Weise in den Besitz des Buches gesetzt hat.— Der Täter war etwa Mitte der zwanziger Jahre, 1,60 bis 1,62 Meter groß, hatte blondes, spärliches, kurz gehaltenes Haar(gescheitelt), gedrungene Gestalt und war gut gekleidet. Die entwendeten Gegenstände bestanden aus über 100 verschiedenen Brillantrinqen, 188 Brillantringfassungen, 14 goldenen Armbändern und 4 grüngoldenen Handtaschen. Samt- liche Gegenstände tragen neben dem Feingoldstempel auch den Firmenstempel G. H. Auf die Herbeischaffung der Juwelen sind 100000 M. Belohnung bzw. 10 Proz. bei nur teilweiser Beschaffung ausgelobt. Mitteilungen werden an Kriminalkommissar Gennat, Zimmer 105, unter Zusicherung vertraulicher Behandlung erbeten. Rätselhaftes Verschwinden eincs Knaben. Das Opfer eines Verbrechens ist wahrscheinlich ein Knabe pe- worden, der seit zwei Jahren verschwunden ist. In Ncuenhagen bei Hoppegarten wohnt in der Hohen Allee der Arbeiter Wicke, der zum zweiten Male verheiratet ist. Aus der ersten Ehe, die geschieden wurde, waren zwei Kinder vorhanden, ein Mädchen Ida und ein 14 Jahre alter Sohn Walter. Die geschiedene Frau holte im Juni 1919 das Mädchen zu sich. Den Sohn wollte sie später nachholen. Als sie zu diesem Zweck im Frühjahr 1920 wiederkam, war der Knabe nicht mehr da. Das rätselhafte Verschwinden des Knaben kam jetzt zur Kenntnis der DeHörden, weil sich das Gericht mit den Ver- hältnissen der Familie zu beschäftigen hatte. Nunmehr versucht die Kriminalpolizei, es aufzuklären, um so mehr, als der Verdacht be- steht, daß der Vermißte durch ein Verbrechen beiseite geschafft war- den ist. Wicke, über das Verfchwinden seines Sohnes zur Rede ge- stellt, gibt an, daß er über dessen Verbleib nichts wisse. Seine Angaben sind unbestimmt und enthalten Widersprüche, die der Aufklärung bedürfen. Wer über das Schicksal und den Aufenthalt des ver- mißten Knaben irgend etwas weiß, wird ersucht, sich auf dem Be- zirksamt Hallcsches Tor, am Belle-Alliance-Platz 5, bei Kriminal- kommissar Müller zu melden._ Keine Erhöhung der Straffenbahn-Fnhrpreise! Nachdem der Magistrat beschlossen hat, den Schiedsspruch betreffend die Erhöhung der Einkommen der städtischen Arbeiter und nichtständigen Angestellten anzunehmen, worüber an anderer Stelle berichtet wird, ist der Magistrat entschlossen, die Erhöhung der Ge- hälter und Löhne untrennbar mit der Deckungsfrage zu beantragen und für die Deckung vorzuschlag«n, den Gaspreis auf 1,75 M., den Preis für elektrisches Licht auf 5,50 M. und für Wasser auf 1 M. zu erhöhen, und außerdem die Sätze der Gewerbesteuer für 1921 nach- träglich in den vier Sleuerklassen auf 800. 500, 700 und 1000 M, zu steigern. Eine Tariferhöhung bei der Straßenbahn ist einstweilen abgelehnr worden, da dieselbe hofft, die ihr erwachsenden Mehr- ausgaben infolge der gestiegenen Bchnbenutzung einstweilen selbst decken zu können Die Mehrausgaben für den Rest des Rechnungs» jahres betragen für Gehälter und Löhne 176 Millionen Mark. Die Mehreinnahmen 147 Millionen Mark. Für den Rest von 29 Millio- nen Mark bleibt die Deckung offen. Es soll versucht werden, diesen Betrag durch Ersparnisse bei den Gaswerken, Verminderung der Zahl der Arbeiter unter Gewährung von Abkehrgeld wenigstens tellmeis« aufzubringen. Vcrfchandclung des StraßenbildeS durch Plakatie. An den Magistrat sind verschiedene Zuschriften gerichtet worden» worin der Wunsch zum Ausdruck kommt, es möge bei dem kommenden Wahlkompf darauf gesehen werden, daß das Straßenbild nicht wieder wie bei den vorangegangenen Wahlen durch Betleben mit Plakaten aller Art allzusehr verunziert werde. In einer Zuschrift wird empfohlen, die Parteien möchten eine Vereinbarung dahingehend treffen, Bäume, Kästen, Pfosten und solche Wände, von denen die Plakate und Aufschriften sich schwer wieder entfernen lassen, oder Formen der Wahlreklame, bei denen die Entfernung nur schwierig und mit erheblichen Kosten oder mit Beschädigung»er knüpft ist, zu unteftassen. Der Magistrat ist mit dem Grundgedanken dieser Zu» schrift wohl einverstanden, ist aber nicht in der Lage, in dieser Be» Ziehung Verbote zu erlassen. Er kann sich nur dem Verlangen an» schließen, die Parteien möchten diesen Wünschen möglichst nach- kommen._ 5000 leere Betten in Berliner Krankenhäusern? Die Kur- und Pflegekosten In den Berliner Krankenanstalten sollen auf 25 M. bzw. 60 und 100 M. pro Tag erhöht werden, weil die Ausgaben enorm gestiegen sind. Man rechnet mit 10 Millionen Mark Mehreinnahmen, obwohl schon, wie eine Berliner Lokal- Korrespondenz berichtet, 5000 Betten leer stehen und mit einem weiteren Rückgang der Belegungsziffer gerechnet werden muß. Auf einen Kranken kommen heute in manchen Anstalten zwei Pfleger bzw. Verwaltungsangestellte. Kaum ein anderer Umstand als dieser kann dem Ausland beweisen, wie groß die Rot der mittleren und unteren Klassen ist. Selbst für das höchste menschliche Gut, die Gesundheit, können wir nichts mehr tun. * Cine Erhöhung der kronkenhausverpflsgungsgebuhren muß auch der Kreis Teltow für die Kreiskrankenhäuser vornehmen. Nach einem Beschluß des Krcisausschusses bettagen die Kur- und Der- pflegnngskosten in allen Krankenhäusern des Kreises Teltom vom 21. September d. I. ab: für Erwachsene: Klasse III 25 M., Klasse II 60 M., Klasse I 80 M. Für Kinder unter 14 Jahren: Klasse III 10 M., Klasse II und I wie für Erwachsene: Auswärtige zahlen die doppelten Sätze: für Ausländer: Klasse III 80 M., Klasse II 120 M., Klasse I 180 M. Diejenigen Kranken, die vor dem 1. September 1921 aufgenommen worden sind, bleiben bis zum 30. September 1921 von der Erhöhung befteit. Die ueuen Kehrfurse der Arbeiter-Samariter. Wie immer veranstaltet die Arbeiter-Samariter-Kolonne Berlin E. V. auch in diesem Jahre nachstehende Lehrkurse: 1. Mitte, S tallschreibcrstr. 54», Schule, Beginn am lö.Sept., jed. Freitag 2. Tiergart..BremerStr.13/17,,,» 22.,, DonvSl. 3.'.'Sedding.BernalierStr.88/90,,, 22.,,, 4. L chlenberg.Kronprinzenstr.10,.. 8.,, 6. Charlottbg., Schillerstr.12L/27„,; 20.,. Dienst. 6. Schöneberg, Feurigstratze,„,, 15.„„ DonnSt. 7. Tempelh.,Mariend.,AursUrste»str.,„„ 16.,. Freitag 8. Nbler4bof, BiSmcirckstraße.,, 3.„„ Donnst. 9. Cöpenick. A. d. Freiheit.DorothenschuIe,Beginn3.Oktbr.,jed.Montaz 10. Weisen'ee.LanghanSstr., Schule, Beginnam 15. Sept., jcd.DomierSt. 11. Hoheii�chönhauseii.RSdernstr.„». 15.«»» Nach bestandener Prüfung kann ein Zeugnis gegen eme mäßige Gebühr beansprucht werden. Die Lehrabende beginnen pünktlich 7 Uhr abends. Der Besuch des ersten Abends steht jedermann frei. Der Spätverkehr auf der Eisenbahn wttd in den nächsten Tagen noch einig« weitere Veränderungen erfahren. Schon vom Montag, den 12. d. M. ab, wird der letzt« Zug auf der Vorortstrecke Görlitzer 79) Die Rächer. Roman von Hermann Wagner. (Schluß.) Es gab Wurst, Butter, Käse und Schwarzbrot und dazu Bier. Man soupierte hier nicht, aber es gab kein Nachtmahl, das besser schmecken konnte als das einfache Abendbrot hier auf dem Dorf. Am runden Stammtisch saßen ältere Leute in festen Joppen. Ihre Gesichter waren gebräunt, ihre Haut schien gegerbt, ihre Bärte glichen einer struppigen Wildnis, und ihre Worte waren bedächtig und doch hart und knorrig. Ein junges Mädchen bediente, eine Jungfrau des Nor- dens: blond, blauäugig und voll junger Kraft. Sie gab sich mit einem freundlichen Stolz. Es war kaum denkbar, daß es jemand wagen konnte, ihr zweideutig zu kommen. Behrens schlief bei offenem Fenster. Der Duft des Waldes und der Heide kam bis an sein Bett. Er träumte von leichten und hellen Dingen, so. wie er in seiner frühesten Jugend ge- träumt hatte: sorgenfrei, unbekümmert, nur dem Augenblick hingegeben. Als er erwachte, lag sein Kopf schon in dem warmen Bad der Sonne. Er stand auf, frühstückte und wanderte weiter. Es war noch früher Morgen. Und doch hatten die Landleute schon zwei Stunden Arbeit hinter sich, saßen an den Feldrainen und nahmen ihr zweites Frühstück ein. Die Sonne heizte mit zunehmender Kraft die Erde. Noch glitzette an den Gräsern Tau. Die Blumen öffneten ihre Kelche und tranken gierig das Licht. Der Boden strömte heimlichen Dampf aus. Es roch allenthalben nach Reife. Don dem kleinen Ott sah man nur einzelne Häuser. Die Mehrzahl war zerstteut, hinter Gebüsch oersteckt: blanke Fen- sterscheiben blinkten in der Sonne, sttegen sauber und jung aus Wellen bunter Blumen empor. Fttedliche Gätten träum- ten, Hühner pickten blinzelnd im Gras, Gänse schnatterten schläftig, Spatzen balgten sich wild herum. Da und dott sah man ein steinernes Landhaus mit grünen Fensterläden und luftigen Ballonen. In einer Hängematte lag eine junge Frau und las in einem Buch. Zu ihren Füßen spielten zwei Kinder. Behrens ging in den Gasthof und fragte, wo et hier eine Wohnung bekommen könne, am liebsten allein in einem klewen Haus, das ohne jeden Komfort sein dürfe. Man verwies ihn zur Frau Sanitätsrat Körting, der Witwe eines vor Jahren verstorbenen Landarztes, die einen Teil ihres Hauses zu ver- mieten pflegte. Das Haus lag ein Stück abseits vom Dorf, am Rand des Waldes. Behrens mußte über einen kleinen Vach, den Wsi- denbüfche umsäumten. Ein schmaler, wenig ausgetretener Fuß- steig fühtte über eine Heidewiese hin. Hinter zwei uralten Buchen stand das Haus: braun, mit rotem Ziegeldach, heiter mit seinen vielen Blumen, einsam und nicht ohne Stolz und Selbstbewußtsein. Es war von niemandem bewohnt als der Witwe, einer etwa fünfundfünzinjährigen Frau, und einer sehr jungen Dienstmagd. Di« Witwe zeigte Behrens bereitwillig die Zim» mer. Wenn es ihm beliebte, dann stand ihm der ganze obere Teil des Hauses zur Verfügung: ein großes Wohnzimmer mit Balkon, ein Schlafzimmer und außerdem eine kleine Stube, die als Arbeits- oder Lesezimmer gedacht war, denn es war ein Schreibtisch darin und ein Schrank, der mit Büchern und Zeitschriften aller Art gefüllt war. Auch verpflegt konnte Behrens werden. Und Ruh« würde er haben,— gewiß, viel Ruhe. Der Wald hinter dem Haus stand wie eine efeuumrankte dicke Mauer eines heiteren mittel- alterlichen Klosters. Behrens nahm sofort an. Er hatte in Berlin vielerlei ein- gekauft, Kleider, Wäsche, Bücher und zahllose Kleinigkeiten, die ein einsames und beschauliches Leben verschönen. Er gab nun den Aufttag, daß man ihm alles an seinen neuen Wohn- ort sende. Auch aus seiner Villa in Hamburg wollte er sich manches kommen lassen, vor allem sein gutes Klavier. Und noch am gleichen Tage kaufte er sich einen schönen jungen Wolfshund, den er ganz an sich gewöhnen wollte. Er hatte ein tiefes Bedürfnis nach einem Gesellschafter, der nie sprach. In der Ruhe dieser Tage lebte Behrens nun dahin. Eine helle Zufriedenheit kam über ihn und hüllte ihn ein wie ein dustiger Schleier, durch den hindurch er das Leben nur in sanften Tönungen sah. Er brauchte sich nicht den Borwurf zu machen, daß er sich feig vom Leben abkehre, denn seine Liebe zu den Menschen war in seiner Abgeschiedenheit nicht geringer geworden. Er hatte auch einen spärlichen Vettehr, den er sorgsam pflegte. Er sprach mit Bauern, die sich nach anfänglichem Mißtrauen langsam cuffchlossen, war ein Freund de? Kinder und wurde zum unaufdringlichen Verttauten der Witwe, die ihren sonder- baren Mieter mit herber Zuttaulichkeit in ihr Herz schloß. An manchen Abenden saßen sie im Gatten in der Laube. Ueber den Tisch war ein weißes Tuch gebreitet, und das warme Licht einer Petroleumlampe gab dem Raum eino� goldige Helle. Sie sprachen tastend von den kleinen Dingen des Lebens, die das w�hre Leben, das in jedem Menschen ist, wie ein eil- fertig übergeworfenes Kleid verhüllten. Und dann wagten sich ihre Worte auch an das wahre Leben selbst. Was war es? War es ein Kampf, eine Hoffnung, eine Enttäuschung, eine Erfüllung— oder beides zugleich? „Alles zugleich," sagte Behrens,„aber durch eins zu- sammengehalten und nicht nur etträglich, sondern auch schön gemacht." '„Und was ist dieses Eine?" „Denken Sie nach." Und da sie schwieg und verlegen schien, nickte er ihr zu und sagte:„Ja, durch die Liebe." „Was wissen Sie von ihr?" fragte sie vergrämt.. „Dies, daß ich sie habe. In mir habe. Und daß ich sie nie verlieren kann." „Die Liebe zu wem?" fragte sie.„Zu einer Toten?" „Zu einer, die lebt und der ich treu bin, weil sie auch dem treu ist, den sie liebt." „So werden Sie immer sehr einsam sein, in dieser Treue," sagte sie verwundett.„Und es ist nicht leicht, einsam zu leben." „Nicht für den, der alt wird," erwiderte er.„Das Alter ist nie einsam. Es hat seine eigene Jugend zur Gesellschaft. über die nachzudenken es nie müde wird. Es lebt seine Jugend noch einmal. Aber es lebt nur einen Teil von ihr, den schönen. Der häßliche ist für sie tot." Auf dem Schreibtisch in seiner kleinen Stube hatte Beh- rens in einem Rahmen ein Bild stehen. Er hatte es einmal entwendet. Es war das Bild der kleinen Lu, die sich vor ihm so sehr gefürchtet hatte. Er dachte, während er es bettachtete: Du bist nicht nur sein Kind, du bist auch ihr Kind. Und da du das bist, so bist du auch das meine. Du wirft wachsen und du sollst werden wie deine Mutter. Und doch anders. Daß du anders wirst, dafür wird sie sorgen. Auch ich werde es. Und eines Tages wirst du dich nicht mehr vor mir fürchten. Du, mein Kind--- Und er stützte den Kopf mit den Händen und gab sich süß-traurigen Grübeleien hin. Bahnhof— Köniffswust«rhc>us«n, der bisher um 11,50 nachts abfuhr, (pcltcr, und zwar um 12,10 Uhr nachts verkehren. Er trifft in Königswusterhaufen um 1,00 Uhr nachts ein.— Aum Anschluß an den letzten Zug, der über den Nordring noch dem Bahnhof Westend ocrkehrt und dort um 1,02 Uhr nachts eintrifft, wird der Stadtbahn- zuc>, der von Westend als letzter Zug bisher um 12,58 Uhr nachts abfuhr, einige Minuten später gelegt. Er fährt jetzt von Westend um 1,03 Uhr nachts, von Frisdrichstraße um 1,23 Uhr nachts und trifft um 1,48 Uhr nachts in Lichtenberg em. An diesen letzten Stadtbahnzug hat vom 15. d. M. ab ein neuer Spätzug nach Grünau Anschluß, der vom Schlesischen Bahnhof um 1,37 Uhr nachts ab- fährt und um 2,10 Uhr nachts in Grünau eintrifft. Sludenlenhilfe der Groß-Verllner Gastwirte. Der Obermeister der Gastwirte-Jnnung zu Verlin, Gustav Lücke, wendet sich in einem Aufruf an die Groß-Berliner Kollegen sowie an die Brauereien und Großlieferanten des Gaftwirtsgewerbes und fordert sie unter .chinweis auf die große Not in unserer akademischen Jugend auf, Freitische für Mittag- und Abendessen in möglichst großem Umfange zur Verfügung zu stellen. höhere Goldankaufspreise der Ueichsbank. Der Ankauf von Gold für das Reich durch die Reichsbant und Post erfolgt in der Woche vom 12. bis 18. September zum Preise von 396 M. für ein Zwanzig-Mark-Stück, 195 Mk. für ein Zehn-Mart- Stück, für ein Kilogramm Feingold zahlt die Reichsbank 54 600 M. und für die ausländischen Goldmünzen entsprechende Preise. Funde vom alten Poztupimi(Potsdam). Bei dem überaus niedrigen Wasserstande der Havel sind am User des Kirchplatzes der Heiligengeistkirche Ueberreste der alten slawischen Burg Poztupimi, deren Name ja in einer Urkunde Ottos III. vom Jahre 993 erwähnt ist, zutage getreten. Vom Kirchplatz aus kann der einfache Beobachter ein Gewirr von Balken und Pfählen erkennen, das sich rings am Ufer entlangzieht. Es ist das die unterste Befestigung der alten flavischen Burganlage, die als Pfahlrost in den schlammigen Boden hineingetrieben war. klonte nicht geflüchtcti Einer Mitteilung der„Vossischen Zeitung' zufolge soll Klonte geflüchtet sein. Wie eine Nachfrage bei seinem Rechtsbeistand Rechtsanwalt Blumberg ergab, trifft da? nicht zu. Der Anwalt teilte uns mit, daß sich Klonte in einem Berliner Sanatorium befände. In später Nachtstunde verbreitet hingegen eine Berliner Korrespondenz eine Nachricht mit der Ueber- schrist:„Max Klonte im Automobil mit Frau und Kind geflüchtet." Auch diese Korrespondenz bringt die Nachricht, daß Klante sich in ein Sanatorium begeben habe« soll. Zur Ausbildung von tüchtigen Maschinenschreiberinnen sind an drei städtischen Wahlfortbildungsschulen für Mädchen Fachklassen für Maschinenschreiben und Kurzschrift eingerichtet, nämlich: SW. 61, Iohanniterstr. 8, C. 2, hinter der Garnisonkirche 2(nahe Bahnhof Börse), N. 20, hochstr. 46. Die Teilnahme an dem Kursus wird mit 4 Halbjahren auf den Besuch der Pflichtfortbildungsschule angerechnet. Das Schulgeld beträgt halbjährlich 110 M. und kann in vierteljährsichen Raten entrichtet werden. Bedürftigen Schüle» rinnen können Freistellen gewährt werden. Beginn 10. Oktober: Anmeldung täglich in den Bureaus der betr. Schulen. Volkshochschule Groß-Berlin. Der Arbeitsplan für die Herbst- Periode ist soeben erschienen; er enthält die Ankündigung von mehr als 250 Kursen und Arbeitsgemeinschaften. Alle Gebiete der Wissen- schaft, Technik, Kunst, Musik und Literatur sind vertreten. Auch eine Reihe von Kunstveranstaltungen ist vorgesehen. Eine be- merkenswerte Neuerung stellen die Kurse für Schichtarbeiter dar, die sich dem Schichtwechsel anpassen. Die Veranstaltungen verteilen sich aus 45 Lehrstätten in allen Stadtgegenden. Die hörgebühr beträgt nur 50 Ps. für die Stunde. Hörerkarten und Arbeitspläne sind außer in der Geschäftsstelle NW. 7, Georgenstr. 34/36, in zahl- reichen, durch Plakate kenntlich gemachten Verkaufsstellen, ferner im Gcwerkfchaftshaus, in der Volksbühne, sowie in den Buchhandlungen .�Vorwärts und„Freiheit" erhältlich. Im Zoologischen Garken findet Sonntag nachmittag großes Doppelkonzert unter Leitung der Obermusikmeister Knvch und Loeser statt. Eintritt 4 M„ Aquarium 3 M., Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Brot und Mehl. In der Woche vom 12. bis 18. September 1921 darf Brot und Mehl nur auf die Brotkarte abgegeben und entnommen werden, deren Abschnitte das Stichwort„S ch u h h a u s Leiser" tragen. Brot und Mehl auf die Karte mit diesem Stichwort darf erst von Montag, den 12. September 1921, ab verkauft werden. Bezirksbildnugsausschuß Groh-Berlin. Heute nachmittag 3 Uhr im Neuen Volkstheater. Köpenicker Str. KS, „Die Lokalbahn' von Ludwig Thoma. Karten 4.59 M. einfchlichlich Garderobe und Tbeatcrzettel sind bei den Obleuten der KreiSbildungsausschüsse Tegel, Lichtenberg und«chöneberg und an der Kasse zu haben. Am 23. d. M. im Theater der Freien Volksbühne am Bülowplatz„DaS Postamt' von Tagore und.Die Komödie der Irrungen' von Shakespeare. Karten ü 4,50 M. bei den Obleuten der Kreisbildungsausschüsse Deddmg, Mite, Prenzlauer Tor und Tegel und im Bureau deS BczirkSbildungs- auSschusses, Lindenstr. 3, 2. Hos 4 Trebpen, Zimmer 12. Die Abonnements- karten und Marlen sür die Festkonzerte sind bi» zum IS. September einzu- lösen. Spätere Anmeldungen können nicht mit Bestimmtheit berücksichtigt werden 87. Zilmsthau. Sportpalast-Lichtspiele. Ein dramatisches Singspiel in 6 Akten, betitelt.Der Spielmann". Lotte Bartschat und Siegsried Adler singen die flimmernden Leinwandszenen, es ist daS schönste bei der ganzen Anssübrung. Aber trotzdem ist es eine Enttäuschung, denn bei aller voll- endeten Technik deS mimischen und gesanglichen Apparate? im Zusammen- arbeiten ist der Kontrast zwischen einer singenden Photographie und der natürlichen Stimme im Orchester so schreiend, dag die beabsichtigte Illusion nie erreicht wird. Der sentimentale Film bewegt sich in den Grenzen des Erlaubten und verzichtet auf billige Sensationen. Handlung: Eine auf- gestiegene Mufikgröhe, die später als anner Spielmann endigt, doch nicht zuletzt, das, er vor seinem Tode sich in sein eigene» Töchtcrchcn verliebt, die als unbekannte Frucht seiner ersten Jugepdliebe herangewachsen ist. „Um Haaresbreite dem Tode entronnen" beißt ein Film, der in den Richard-Oswald-Lichtspielen ISust. Maria Lätitia, die Tochter des erkranlien Fürsten von Livonien usw. Maciste, ein Athlet, ge- hört auch mit zum Bund: er soll in tausend Abenteuern zeigen, wie rohe Krast im edlen Feuer zarte Band« zwischen einer Fürstentochtcr und einem Journalisten knüpfen bilst. Geschliffenste Technik, gute Ausnahmen und eine reizende Schauspielerin können nicht über die blödeste Hintertreppen- romanfit hinwegtäuschen. Vorweg die Metzter-Bilder, die trotz der Patrioten- liga aus den Bildern beim Publikum keinen Eindruck schinden. «it. 7H Uhr Sitzung der Bezirksflihrer und BetriebsvertrauenSlutte'iet Krüger, Husirtenslr. 34. «bt. 7 Uhr Konferenz sämtlicher Funktionäre bei Hübner, Wilsnacke« Straße 34. Wichtige Tagesordnung. 38. Abt. T,i Uhr Funttionarlonserenz bei Trümper, Flensburger Str. 3. Be- zirksbüchcr mitbringen. 41. Abt. 7 Uhr Bezirksführcr- Schmidt, Stromstr. 40. 42.«bt. 7 Uhr Funttionärkonferenz bei Bose, Nordhofen 6. und Betriebsvertrauensmännersitzuug bei«tto Auch Betriebs» Vertrauensleute müssen erscheinen. 43. Abt. 7 Uhr bei(Siebes, Panlstr. 82, Sitzung sämtlicher Bezirksfllhrer und Brtricdsvcrtraucnsleute. 43. Abt. 7zh Uhr Sitzung der Parteifunktionäre und Betriebsvertrauensleuttz bei Pose, Kolonieslr. 13. Groß-Serliner parteinachrkchten. heute. Sonnlag. den lt. September: 5. Kreis. Friedrichshain. Achtung! Die Teilnehmer an der Führung durch Alt-Berlin treffen sich vormittag 10 Uhr am Untergrundbahnhof Kloster» l«. straßc. dt. Die Funktionäre werden gebeten, die Landzettel zu lung am Mittwoch, den 14. September, von Wolss, Forster Etr. 44, abzu- der Vcrsamm» 42. holen. »bt. Früh 9 Uhr Handzettelverbreiwng von Behren», Tegeler Str. 22, aus. Morgen, Montag, den l2. September: 14. ttrei». Neukölln, Britz, Buckow uud Rudow. 7 Uhr Funktionärversamm» lung in der Aula des Realgvmnasiums. Kaiser-Friedrich-Str. 210.— Bil- dungsausschuß(HS Uhr im Sekretariat, Iägerstr. 66, Sitzung. 17.»reis. Lichtenberg. 7 Uhr Funktionärsitzung bei Kurkowsli, Pfarrstr. 74. IS. Kreis. Weißens«. 6% Uhr bei Gamp«, Lichtenbcrger Str. 8, Sitzung des Kreisoorstondes.— 8 Uhr im gleichen Lokal Kreisfunktionärversammlung. 2».«rel». 7 Uhr Rathaus Wittenau, erweiterte«reisvorstandssitzung. 20. Kreis. Elternbeiräte und Stellvertreter! IVt Uhr in der Aula der 4. De- meindeschule, Reinickendorf, Hausottervlatz(Reche Bahnhof Schönholz), wich. tiae Versommliing. Erscheinen aller notwendig. 714 Uhr Funktionärkonfer 4. Abt. 71h Sitzung der Abteilun. Mariendor�er Str bei Schirm,. nttionäre und Betriebsvertrauensleut«. lungoleitung und der Eruppenführer bei Löhlke, i fitzung. serenz de, Si ungsfunkttonii «bt. 714 Uhr Sitzung der Abteilungslei Schult. 3 7,«bt. 7 Uhr bei daselbst Vorstands! 8.«bt. 7 Uhr Bezirks Abt. 714 Uhr bei> licher Bezirksführer, Pflicht. tZ.«bt. 7 Uhr bei Hauff, Stallfchreiberstr. 36. Sitzung sämtlicher Funkttonäre, Betriebsvertrauensleutc und Elternbeiräte. 19.«bt. 714 Uhr Funktionärvcrsammlung bei Schanack, Samariter-, Ecke Rigaer Straße. Sämtliche FunItionSre, Betriebsvertrauensleute und Elternbeiräte müssen erscheinen «dt. Pünktlich 7 Uhr Eitzuw führern sowie allen anderen EchSnhauser Allee IL«-,. 23.«bt. 7 Uhr Sitzung der Bezirksfllhrer, Betriebsvertrauensleute und Eltern» beträte. Wichtige Tagesordnung.» 24. Abt. 714 Uhr Sitzung der Bezirksfllhrer, Kreisvertreter usw. bei Winzer, Ehristburger, Ecke Winsstraß«. Sin« Stunde vorher Borstandsfitzung mit 2«. Bcrgmannstr.«9, Funktionärkonferenz.— 6 Uhr fämt- einen ng der Adtelkung-leltnng mit den Bezirks. Funktionären der Abteilung in der Schule Taube, Mllllerstr. 62a. Alle Bezirke müssen vertreten sein. 77. Abt. Schöneberg. 8 Uhr allgemeine Funktlonärkonserenz bei Nachfolge» von Obst, Martin-Luther-Str. 60. 103. Abt. Oberschöucwcide. 714 Uhr Funktionärsitzung bei Reumann, Siemen«� Ecke Deutflraße. � 130. Abt. Pankow. 714 Uhr 134.«bt. Buch. 7-4 Uhr g Arbeitergesangvereins. 2. willtomemn. 136. Abt. Reinickendarf-Ost. 7 Uhr im Realgymnasium. Berner Str. 8, Oeffent» liche Elternversammlung. Thema:„Die weltliche Schule'. Ref. Hernes. 140. Abt. Wittenau, Borsigwalde. 7 Uhr Borstandssitzung bei Hcyder. Arauenveranstattungen am Montag, den 12. September: 3t. Abt. veffentlich« Frauenverfammluna 714 Ahr bei Doldschmidt» Stolpische Str. 36. Thema:„Die politische Lage und die Stadtverord- neteuwahle»'. Res. Sruossin Klara Bohm-Schuch, M. d. 9t. Gäste will- kommen. 4 32. Abt. Die Genossinnen werden ersucht, an der Frauenversammlung der 31. Abteilung bei Goldschmidt, Stolpische Str. 36, teilzunehmen. Aebermorgen, Dienstag, den 13. September: 27.«bt. 714 Sitzung der Funktionäre und Betriebsvertrauensleute bei Dsbrvh» law, Ewinemllnder Str. 11. 3«.«bt. 714 Uhr Mitgliederversammlung w«Shl-r, F-stsälen, Tieckstr. 24. Thema:„Religion und Sozialismus'. Ref. Pfarrer Bleier. 33.«bt. Eharlattenburg. 714 Uhr bei Jakob, Bismarckstr. 38, Außerordentlich« Mitgliederversammlung mit Zahlabend der Gruppen. Tagesordnung:„Dia Stadtverordnelenwahlen". Ref. Heinrich Bierbllchcr. 83.«bt. Tempelhof. Der Zahladenb des 1. Bezirks, Dienstag, de» 18. d. RU, fällt aus. Der 1. Bezirk trifft sich am Donnerstag, den 13. September, 8 Uhr, bei Rcchan, Dorfstr. 1. Die Zahlabende am Mittwoch erfahren kein« Veränderung. 114. Abt. Lichtenberg. 714 Uhr Sitzung im Lokal Rienäcker, Rroflener Etr. 14, Ref. Genosse Baranowski. Arbeitsgemeinschaft sozialdem!...»M 7 Uhr Interfraktionelle Sitzung bei Schmidt, Wieleffstraß« 17. sozialdemokratischer Elternbeiräte. 2. Kreis. ..... Tagesord- nung: 1. Die freie Echulgemeinde. 2. Beschlußfassung über die Richtlinien. Eozialdemokratlsche Lehrer, Mitglieder der Schüldeputation und Ersatz- Mitglieder der Elternbeiräte sind hierzu eingeladen.— 4.«bt. Jnter P P 4* ,s-slf a. �. 7,,» X-tM«C T4 � T.„ I m �'""'**—~" 66a. fraktionelle Sitzung ber Elternbeiräte bei Rickert, Eteinmetzstr.____ Tagesordnung: 1. Die Leitsätze des 12er Ausschusses der Reichsfchulkonfe. renz. 2. Echulgemeinschafte». Alle sozialistischen Eltern, insbesondere auch die soz. Lehrer, sind hierzu eingeladen. Zangsazialistcn: Die für Dienstag anberaumten Veranstaltungen falle» an». Sämtliche Ortsgruppen beteilige» sich an der Wynecken.Kundgebung ber Arbeiterjugend, abends 7-4 Uhr, im Sophienlyzeum, Weinmeisterstr. 15. Thema: Vynecke» Erziehungsmethoden.— Eintrittstarten für da, Sport» fest der Arbeiterjugend am Sonntag, den 25. September, im Lichtenberg«: Stadion zum Borverkaufspeis von 1.50 M. find in unserer Seschäftsstell» niss« und Lisisler. Erinnerungen aus dem freien Amerika. « ü Refl errnt: Luit 39.«dt. Fun!- gesard» nung. 32.«bt. 714 Uhr bei«atter, Glelwfir. 45, Sitzung Helfer und Helferinnen. Kein Bezirksführer darf 33. Abt. 7 Uhr Funktionärsitzung bei Gillwald, Putlbufer Str. 24. 34.«bt. 7 Uhr bei Obligo, Stralsunder Str. u. Funktionärsitzung. Betriebs. Vertrauensleute müssen auch erscheinen. sämtlicher Funktionär«, fehlen. iufi Mittwoch, den 14. September, abends 714 Uhr, Mitgliederverfamm. bei Berger, Lcvetzow» Ecke Iagowstr. Thema:„Mieterrecht und nietenvcrordnung. Referent: Dr. Siegmund Kallmanu. llebungsstunde der SPD.-Chöre: Anfragen sind zu richten an S. Schulz, Eharlottenburg, Kirchst«. 88. Montag. 714 Uhr: Arbeitergesangverein..Einigkeit'.B n ch h o I z b«k Hennig, Pasewa lker Straß- 56.— SPD.-Männerchor Kreis Fried» r i ch s h a> n im„Andreas-Kassno",«ndreasstraße 3.— Frouenchor„Froh. sinn-GH a rl o ts« n bur g, Aula Rostneustraß- 14.— Dienstag. 7-4 Uhr: tot der Aula der e i ß e n s e e(8 Uhr). ...,.-------------------------- �— vonlan)(714— 10 Iftti im.Lürklschen Zelt', Breite Straße.— Donnerstag. Soz. Männerchor Ber» l i n. M i t t e(7>4 Uhr) im„Bürgerheim", Alt« Schönhauser Straße 23.— Freier Männerchor Reinickendorf<714—10 Uhr) bei Lindstedt, ütefidei«. ltraße 120, Ecke Grüner Weg.— Soz. Männerchor Wariendorf<8 bls 0 Uhr) bei Niendorf, Ehauffeestr. 10.'— Freitag. Männerchor ,Har Eharlottenburg(714— 914 Uhr), Aula det� Siemen». Oberrealschule, Echlobftr. 27. armonie" Thausseestr. >»___________«iflu... —.Liedersreundc'.B orfigwalde. Wittenau bei Schade, Leidti, Eck- Berliner Straße.— So,. Männerchor Prenzlauer Tor<8 Uhr), Bätzow. Brauerei, Prenzlauer Allee. Die Chöre wollen, soweit ee» noch nicht seschehen, dt« Liedertert« nlBk zum 20. November baldigst einsenden. i' T-'X,. 0Ct»«.7ö15 j« BERLIN C hÖNIGSTR tfPANOAUrRSTH Oroßee WevSsi-SNoben-DerAmf I M Kleiderstoffe Reinwoll.Cbeviot jq marine 130 cm, Mto. 4o.* Reinw. Kammgarn-Fonle in großer Farben- rc) auiwaKl, 1 05 cm, Mtr. O*«"' Reinw. Gabardine q,. marine, 130 cm, Mtr.»»v." Mantel- u. Ulsterstoffe moderne Noppen im englisch.Geschmack.jjie 130 cm........ Mtr. OJ«" Favorit- Scbnittmnster Das nene Modenalbum iet erschienen. Seide u* Samt Blusenseide in römiechen qq pt(» Streifen.... Mir. �»-. 4 O Kleiderseide in vielen Farben, � j 84 cm......... 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Stellungnahme zu unserer Lohnbewegung. Holzarbeiter-Berband. Taubstumme Kollegen! Mittwoch nachmittag 3% Uhr im Arbeitslosensaal, Rungestr. 36, Bericht von den Verhandlungen.— Bezirk Südwesten und Schöncbcrg. Dienstag vormittag 9 Uhr im„Leucht- türm", Blücherstraße, Ecke Fontancstraßc, Versammlung aller streikenden Kol- legen aus dem Bezirk.» Wcrimelstcr-Vcrbanb. Fachgruppe 29. Mctallschraubcn-Industrie. Per- sammlung Montag 7 Uhr„Schlesische Heimat", Neue Friedrichstr. 1. Rcichsbund der Art bllebeue». Ortsgruppe (», Kriegsteilnehmer und Krieges hinter- leukkllln. Geschäftsstelle Fontanestr. 22. Mitglieder- Versammlung Dienstag, den 20. September, Aula des Kaifer-Friedrich-Real- Ggmnasiums, Neukölln, Kaiser-Friedrich-Str. 209/210. Am 23. September im s Versammlungen 7stz Uhr abends.— Mieter-Verem Berlin-Westen a. B. Gartenfest am Sonntag, den II. September, nachmittags 2 Uhr, in den Gesamt- i räumen der Schloßbraucrci Schbnebcrg, Hauptstr. 122. Eintritt 2 M. inkl. Steuer. Kinder unter 14 Jahren frei, gutritt auch für Nichtmitgliedcr.— Mieternerband Schöneberg. Ocffentliche Mieterversammlung Montag, den , 12. September, abend» 3 Uhr. in der Hohenzollernschule, Belziger Str. 48.• Vortrag: Mieterschast und K-mmunalw-hlcn. Res. Poelke. (O. Schmidt), 2. Lenz(F. Tonrad), 3. Ostfruchk(Oleinik). Zot. 30: 10 Pl. 14, 26: 10. Ferner liefen: Lanzatta(4), Ritter Blaubart.— 3. Danubia-Rennen. 42 000 M. 1800 Meter. 1. Pcrlschnur . Tot. 16: 10. Pt. 12, 16, 17: 10. Ferner Uesen: Bavaria(4), Minne, Immergrün, Traudi. — 6. O st b a h n- A u s g I e i ch. 30 000 M. L4lX) Meter. 1. Anarchist II (Vehr), 2. Luslibus lTarras), 3. Abendsturm(Hugueiiiu). Tot. 166:10. Pl. 43, 23, 34: 10. Ferner Uesen': Mccrgeist, Woikenschieber(4), Paukenschläger, General, Kern.— 6. W a I o a t e r. R e u r, c n. 24 000 M. 1000 Meter. 1. Marictc(O. Schmidt), 2. Contrahcnt(Tarras), 3. Gieß- dach(Kaiser). Tot. 40: 10. Pl. 14, 12, 23: 10. Ferner Uesen: Pcrbi(4), Verdi, Wcloome Song. Massary, Lämmergeier, Anjutka, Whist.— 7. N e u e n h a g en er A u s g l c i ch. 24 000 M. 1600 Meter. I.Tann- könig(TarraZ), 2. Feuersnot(Kordel), 3. Parze(Vehr). Tot. 36: 10. PI. 15, 2t, 20: IQ. Ferner liefen: Augur(4), SalveS h Gomez, Malente, Nawe, HarmodiuS, Kapitalist. Arbeitersport. Freie Turuerschast Lichtenberg. Friedrichsseide. Heute nachmittag 8 Uhr Straßcnlauf: Quer durch Lichtenberg. Start Güriclflraße, Ecke Frankfurter Allee. Ziel Frankfurter Allee, Ecke Möllendorsstraße. Genossen! Unterstützt diese Veranltaliung durch Euer Erscheinen. Illach dein Lauf Rcsultawerkündung und gemütliches Beisammensein bei Tempel, Friedrichsfcloc, Prinzen-Allee 30. Eintritt 2 Mark._ Sriefkaften üer Reöaktion. Briefliche Auskunft wird nicht erteilt. H. H. 23 und andere. Städtische Lesehallen: Mohrenstr. 41 ....■*«n«—----------- 6/7, Di dunckerstr. Schönstedt. Nostockcr Str. 32, straße 1, Wilmsstr. 10, Grunewaldstr. 6/7, Adalbertstr. 41, Waldcmarstr. 77, Straßmannstr. 6, Rigaer Str. 81/82, Utrech ter Straße 81/82, Esmarchstr. 18, Lützowstr. 109/110, Sonncnburgcr Str. 20. Geöffnet täglich von 6—9 und Sonntags von 10—12: die 1. Lesehalle außerdem werktäglich von 12—3, die 7. werktäglich von 3—9, Sonntags von 9— 1 Uhr.— F. T. 60. 1. An das Amtsgericht Ihres Wohnortes. 2. Etwa 150 M.— H. ffl. 2. Darüber braus das wenu der 31. 3. 07. 1. Treten Sie bei einem Kaufhaus in die Lehre stehen keine Vorschriften. 3. Durch Privatunterricht. 4. Es kommt Land an, in das Sie später gehen wollen.— F. 3. 87. 1. Nur dann, Mietvertrag abgelaufen war. Den zuviel gezahlten Betrag können Sie unseres Erachtens zurücksordern. 2. Ja.— W. B. Nein. Gesetzliche Vorschriften bestehen darüber nicht. Maßgebend ist der Mietvertrag.— 6. Sz. Noch Ihrer Sachdar» stellung dürste der Landmesser haftbar sein. Veranlassen Sie aber zunächst den Hauswirt, zu der Sache Stellung zu nehmen.— M. 98. Ja. Versuchen Sie eine Verständigung mit dem Hauswirt. Das Mieteinigungsamt ist für Gärten nicht zuständig.— P.®. 32. 1. Wenden Sie sich an das Reichsrninisterium, Berlin, Scharnhorststraße. 2. Reichsbund der Kriegsbeschädigten, Berlin, Lin- denstraßr 114. 3. Nein. 4. Verein der Freldenkrr sür Feuerbestattung, Oranien- straße 82/83. 5. Die Berzichterllärung des Mitgliedes genügt. Sie können aber ihm auch die Beiträge zurückzahlen.— K. 100. Zur Kündigung ist die gustim- mung des Mieteinigungsamtes ersorderlich.— P. M. 100. Ja.— A. S. 27. Die Geschenke können Sie nicht zurückfordern, da ein Verlöbnis nicht vorgelegen bat.— Z. 7. Bis zum 15. Lebensjahre.— H. 53. Nicht ausgeschlossen. Der Antrag ist an die Spruchkammer des Reichsentschädigungsamkcs sür Kriegs- schaben zu richten, dessen Eitz UNS ober noch nicht bekannt ist. Unseres Wissens sind die Spruchkammern noch gar nicht organisiert. Mus aller Welt. Ei« Lebensmittelkartenfchieber-Prozeß. Di«»Mecklenburgisch« Warte' meldet: Gestern abend wurde gegen den Kreissekretär Hanert, der wegen Unterschlagung von Lebensmittelkarten bei der Rostocker Kreisbehörde angeklagt war. folgendes Urteil verkündet: Hanert wird zu zwei Jahren Gefängnis unter Anrechnung von � Monaten Unter- Wetter bis Montag mittag. Kühler, meist bewölkt mit Gewitter und Regensällen bei mäßigen westlichen Winden (Schluß des redaktionelle» Teils.) Menne»»» Grunewald Sonnabend. 1«. September. Ten reichsten Preis des Tages, das Oppenheim-Rennen, holte sich Alpenrose unter Kaiser mit zwei Längen vor Freigeist, dem nach 2'/, Längen ,>aus. freund solgte. 1. PreiSvonHohe n tu rm. 19 000 M. 2000 Meter. 1. Erbschleicher(Eberl), 2. Katzenjammer(Zachmeier), 3. Don Birnau (Kardel). Tot. 18710. Pl. 34. 16, 4l: 10. Ferner liefen: Centrifugal. Luftitu«. Quertreiber, Wasserschi., Fliegerhelb, Ozeana.— 2. Preis der Jährlingsauktion. 30 000 M. 1200 M. 1. Abschied. ©ife* Frotpelrt N wird kostentre» and ohne Kaufzwang; zneesandt. Wehnunst-Auttautch I A. SCHÄFER Spedition(gegr. issi) Lagerhaus Berlin-Wilmersdorf, Wilhelmsaue 36 Langjährige bewährte Vertretungen in ganz Deutschland. Sdacfliteilzcmfc KOfSCfiC werden nach jeder Fijrur, passend unter Garantie, tadellos umgearbeitet ReparatoreMenderun gen u. Korseltwäsche jeiflicher Art übernimmt u. führt äußerst preiswert aus Korseflfabrik EMdmrd Nedce I.Geschäft; B erlin- Karlshorst, Treskow-Allee 83 2. Geschäft: Berlin- Lichtenbergf, Neue Bahnhofstr. 36 I. Geschäft: Berlin, Kommandantenstr. 23 Ecke Alte JakobstraBe 124B Angora Kaninchen gibt(m»olkswirtschaftlichen Interesse zwecks Wollgewtnnnng zu gewissen Bedingungen ab die WG-ZellMe f. SÄkMM'MWlisl Leipzig, Uferst raste IS. kinlellMsM Min: nsiav.'-ÄS.111 Bildungslektüre die nicht im Buchhandel erhältlich, liefert im Abonnement.— Prospekt gratis! 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Die Beerdigung findet am Montag, den 12. Sept., nachmittags Uhr, von der Leichenhalle des gions- tirchhose« in Nordend au» statt. 97/8 Am 7. September starb unserKollegecherMechaniker Lrauo Svdlvkllü. Neutiilln, Wetseftr. g. Die Beerdigung findet am Montag, den 12. Sept., nachmittags ttz3 Uhr, von der Leichenhalle desZatobi- iirchhofes in Neukölln, Her- mannfttaße, au» statt. Am s. Sept. starb unser Kollegs, der Mechaniker Willi Freybier, Neukölln. Zlsestr. 28. Die Beerdigung findet am Dienstag, 18. Sept., nachm 1 Uhr, von der Leichen- halle des Gemeindesried- Hofes in Neukölln, Marien- dorfer Weg, aus statt. Am 8. September starb unser Kollege, der Uhr- macher Wilbelm Ziegler, Neukölln, Iuliuestr. 29. Die Einäscherung findet amDienotag. 18.Septcmber, nachm. 21z Uhr, im Krema- lorium Baumschulenweg, Kiefholzsttaße, statt. ttlsekm?» Am 1. September starb unser Kollege, der Schlosser FrleSrlGbWGrme, Spandau, Kunertstr. 2, durch Betriebsunfall in Spandau. Ehre ihre« Andeute» I Rege Beteiligung erwartet Die Ortsoerwalwng. Ve>n der ksise rurllcst! Hr. Ä. Hahn SchSneberg, Hauptstr, 24 Spezlalarzt Dp. med. Feldmann behandelt schnell, gründlich, mögl. schmerzlos u. ohne Berufsstörung Syphilis, Harn» leiden, Frauenleiden, Schwäche. Erprobt. Method. Harn- und Blutuntersuch* Konigstr. 84-88. AÄ0™i. Sprachst. 10-1.3-8. Sonnt 10-1 Krfitzurgan beseit schnell Betthautjucken o. BerulssiDr.lUÖJOOOiadjbetDÄhrt I Jep iIire.ttaon.Xfiaslau.All.>5. Nord-Orog., Gottschedstraße 10. lieg Krueger, O.Gtünet Weg80, Neukd Centr-ürg, VoddinstSö, Drog. lZaul, Schönhaus. Allee 72, Am 8 d. Mts. entschlief! noch kurzem Krankenlager k unser We rkillhrer, Herr Meli Mse. In fast 40fähriger un- unterbrochener Tätigkeit hat k er s einefirä'te mtt unerm iid- lichem Fleiße unferm Unter- nehmen gewidmet und durch f seinen Tod eine schmerzliche! Liicke hinterlassen. Wir und alle, die ihn I kannten, werden ihm stets I ein bleibendes Angedenken! bewahren. 8827d! Die Gesellschafter und die! Angestellten der Firma! Heinrich Lewy ®. m. b.®., BerllN. Bezirks verband Berlin SvL. 90. Abteilung. Unser Genosse, Werkfllhrer! �ikreil Kehse Neukölln, Tellstr. 7, v. I, Ist am 8. September nach! kurzer, schwerer KranIHeil i im Alter von 08 Jahren s gestorben. 212/1 j Ehre seinem Andenten l Seine Beerdigung findet S I am Dienstag, nachmittags f 1 4 Uhr, auf dem kleinen I Zalodittrchhos, Neukölln, j Hermannstraße, statt. Um zahlreiche Beteili- � gung bittet Der Abteilungsoorstaud.! Bezirlisverb.BefiinSPD 27. Adteilung. Unser Parteigenosse Willislm Eberiing Schönholzer Str. 2, ist am 7. d. SIL, 39 Jahre alt, verstorben. 242/2 Ehre seinem Andenkeu l Die Einäscherung findet am Dienstag, den 19. Sep- tember, nachmitt. 8>/» Uhr, im Krematorium Gericht. straße statt. Rege Beteiligung erwartet Die Bbteiluugsieituug. Dsutselier Ztolzsrbetterverdsnü Mittwoch, den 14. September 1921, vormittags 10 Uhr; Versammlung aller streikenden u. arbeitsiosen Mitglieder der Vemaltnng Kerlin in beiden Sälen der„Neuen Welt", Haseuheide. Tagesordnung: st/10 4. Der Stand unserer Lohnbewegung.— 2. Aussprache. Zutritt für Arbeitslose nur gegen Vorweisung deS Mitgliedsbuches. Für Streikende wird eine Kontrollkarte im Bureau ausgegeben, die der Vertrauensmann für alle Kollegen seines Betriebes abholen mug. Diese, mit Namen verseben, dient als Uegiti« mation beim Eintritt.__ Die Ortsverwaltung. Kriegsanleihe wird zu 84% in Zahlung genommen. lefzfnodi billig Feine Pelzmäntel 2750, 3300, 3950 Plüschmäntel 835, 1250, Seal 2400 Ulster.......... 176, 255, 413 Sehr,sehrbillig Imprägnierte Stoffmäntel....... 148 Covercoatmäntel............. 200 Kostüme................... 476 Sportjacken, reine Wolle......... 175 Czesellschaftskleider........... 479 Imprägnierte Seidenmäntel..... 245 Tuchmäntel................. 321 Strickjacken, blau............. 38 Stoffröcke.................. 79 Mantelkleider............... 385 Gummimäntel für Datnen 300, für Herren 385 WZMWSKN 1. Oessbäft: Berlin W, 2. Geschäft: Berlin NO, Mohrenstrnße 37a Gr. Frankfurter Str. 1 15 JeMllWMWeMl« üerwaltungsftdle Berlin X H. 54, Cinienltr. 83—85 Geschäftszeit von vorm. 9 Uhr bis nachm.< Uhr Telephon: Amt Norden 188. 1289. 1987. 9714 Montag, den IS. September 1921, abends 5 Uhr im„Gewerkschaftshaus", Saal 5: Versammlung aller Badeapparate-Klempner u. Hilfsarbeiter Tagesordnung: Stellungnahme zu unseren Lohn- und Arbettsbedinguugeu. Dienstag, den 13. September, abends 7 Uhr, bei Döhling, Brnnnenstr. 7S: Versammlung aller in Wickeleien und Motoreufabriken beschäftigten Kolleginnen und Kollegen Tagesordnung: Aussprache über die Lohnoerhältotffe w unserer Industrie, und wie stellen wir uns dazu? Dienstag, de» 13. September, abends 7 Uhr, in Kliems Festsäle», Hasenhaide 13(Grofter Saal): MeüislW SnntM-Manhiiig (et Brntllemet, Ml« o. SM Tagesordnung: 1. Bericht über den Stand unserer Lohn» bewegung. 2. Verbands- und Branchenangelegenheiten. 8. Verschiedenes. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Die Mitglieder der Branchenkommifston mllssen bereits um 8 Uhr, die Bertrauensleute um S Uhr im obigen Lokal erscheinen 97/7_ Olc Oclsoecrooltong. Oeerandet 1801, ' eo«Paren 0~ E5nic£wer5saaf V' EF Wlater-Modclle. KQ■ sr llelWüMM: timm Fisain-ÄSS;. 290 naniöi-SIIüEr 258 158,75 flSf8n82Bl-Sc»%,45ö Tnrh Knhiino- r»oo, 37c illLli aiäntrl 475. j/j Krifiimgr sni?: m »Sirkijäcton III: 145 Koslilllä 575. 458. 250 S8i8B!iplfiI[fi-pmT»7s. 758 KlBdsriDäBlfil 158. 188. 53 IMJßstzylz, immi Slfaa? 59. rfrÄ« aonnabenas aaa dnnntsg'i uesctilosssn,- 25 Butter Mark billiger Feinste Siiürahmbntter Senden Sie Ihre Adresse= Kein Geld Ho, BiMaiiiüi., Dresden, Am SeiMaos 17 sä InUnn___ Ü M. Tellrahle- 5 J. Garantie Kronen /.UtlflC f OB 0-jn 19 81. Zahnlieh, mit Einspritz. höchst „ ,,, ,, schmcrzld. ümarb.schlechts.Geb Rep. Zahn-Arzt Dr.Wolf sof Rctsdamerst.SS.Hochh-St Sorr.?? Verloren gegangen ist Donnerotag, den 8. d»., wahrscheinlich aufdemWege zum Steltiner Bahnhof em wichtiges Schriftstück unterzeich. mit drei Namen, datiert vom 27. Mai 1921. Der zweite Unterzeichner ist der Besitzer des Schrifüick» und geht die Adresse daraus hervor. Der Verlierer bittet den ehrlichen Finder um so- fortige Zusendung, da sllr jeden anderen doch wertlos llntoft. werd. vergüt.,auch wird kl. Belohn, zugefich. tu sm. m Kreurfflchsc200M., Skunks, Marder, Weißfüchse, Luchse, ck»«« C» A fuäal Wolle, Zobelfüchse,Spor!pelze600M.,Pelzmäntell500M., SfllUCI IlICiiC älllP il. ieffinaus r Morifzplatz 58 s. Achtung! Seldstveroraucher I Liefere an Eelbstverbraucher zu den billigsten Tagesp eisen: Butter, Schweinefleisch Geflügel. Eier Um Kundschaft bittet Jtl. E. Saemvs. Neufelde Post Ofcht«, Ztr. Niederung _(Oftpreußen)._ verkkufe � Ält ganz Europa» oder aller fünf Erdteile noch anzumeldendes, öreifaches Patent. Doch mögen sich nur solvente. tauslrästtge Bewerber melden. Maximilian Listner, Themnih. üanzlerstr. 70. BERUTZ SCHOOLS Leipziger Str. I28a Ecke Wilhelmstr. Tauentzienstr. 19a FREMDE SPRACHEN Einzelunterricht. Zirkel monatlich 60 Mark von Schweizer und Plauener Wäsche, Stickereien. 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Beilage öes vorwärts Sonntag, V. September 1921 Die Not öer Mermsten. Sozialrentner nnd Stadtverordnetenwahlcn. Die am 15. August in Kraft getretene Drotprei�erhöhung be. i beutet eine weitere Verelendung der minderbemittelten Kreise; ganz besonders müssen darunter die Erwerbslosen, Erwerbsbe» schränkten und Erwerbsunfähigen leiden. Äan denkt dabei in erster Linie an die Sozialrentner, die gezwungen sind, von ihrer geringen Invalidenrente— im Monat zirka 88 M.—, wozu noch in den seltensten Fällen eine Armenunterstützung von 30 bis 40 M. kommt, zu leben. Nhch schlimmer aber geht es den G'e- burtskrüppeln und allen denjenigen, die keine Renten be- ziehen und nur ihre karge Armenunterstützung haben. Das Schick- sol dieser Bedauernswerten war bisher Not und Entbehrung, die neue Verteuerung steigert ihre wirtschaftliche Lage bis zur Un- erträglichkeit; bedeutet doch der Preis von 7 M. für ein Marken- brot für eine vierköpfige Familie eine jährliche Mehrausgabe von 410 M. Wenn in Reich, Staat und Kommune die vielen auf sozialpoliti- schem Gebiete gestellten Anträge unserer Genossen nicht immer an. genommen worden sind, so lag das an den Vertretern der bürger- lichen Parteien, die der Rot der minderbemittelten Bevölkerung so wenig Verständnis entgegenbringen. Ich erinnere hier nur an das tatkräftige Eintreten der sozialdemokratischen Vertreter bei der Be- ratung des Gesetzes für die in den Ruhestand versetzten Beamten und deren Hinterbliebenen.(Gleichstellung der Altersversorgungs- berechtigten mit den Reuversorgungsberechtigten). Nachdem nun dieses Gesetz am 8. Juni ISZO auch aus die Gemeindebeamten aus- gedehnt wurde, ist es jetzt der sozialdemokratischen Ber- liner Stadtverordnetenfraktion— besonders der un» ermüdlichen Tätigkeit der Kollegin Schmitz— zu verdanken, daß den Altrentnern, die schon über ein Jahr auf die Umrechnung ihrer Rente warten, ein Vorschuß in Höhe von 1000 M. vom Magistrat gewährt worden ist. Die Rot dieser pensionierten Gemeindebeamten, die fast alle 80 bis 35 Jahr« im Dienste der Stadt standen, ist un> geheuer groß; aber noch viel entsetzlicher ist has Elend der I n v a- liden- und Armenrentner. Aus dieser Erkenntnis heraus hatte ja auch die Berliner Stadtverordnetenversammlung in ihrer Sitzung vom 18. Juni den Beschluß gefaßt, die Armenunterstützungs- Höchstsätze um IVO Proz. zu erhöhen. In meinem Artikel„Die Armen von Groß-Berlin"(„Vorwärts" Nr. 341) wies ich auf die verzweifelte Lage der Armenrentner hin. So mancher behäbige Bürger wird geglaubt haben, daß ich zu schwarz geschildert hätte; aber das Gegen- teil ist der Fall und die erschütternden Zuschriften beweisen es. Nur ein« von vielen: Eine 70 Jahre alte Frau erhält eine Invaliden- Witwenrente von 8 3 M. und«ine monatliche Armen- Unterstützung von 40 M. Hiermit soll die Frau, die nicht mehr erwerbsfähig ist, den ganzen Monat auskommen. Da sie nicht wagt, veranlaßt durch rauhe Behandlung des Armenvorstehers, diesen um eine Erhöhung ihrer Unterstützung zu ersuch«,, so muß sie sich auf die kümmerlichste Art und Weise mit 103 M. im Monat durchs Leben schlagen. Das sind die Folgen des unsozialen Verhaltens eines Teils der Armenoorfteher. Um so bedauerlicher war es nun, daß der Magistrat dem Beschluß der Stadtverordnetenversammlung betreffs Erhöhung der LrmenuiUerstiitzungshöchstsätze um 100 Proz. nicht beitrat, sondern sämtlichen Armenkommissionen unter dem 20. Juli ein R u n d s ch r-c i b e n zugehen lieh, in dem er um«ine angemessene Erhöhung der Unterstützungen ersuchte. Es heißt in dem Schreiben u. a.:„Wir bitten aber, in eine erneute Prüfung 'er laufenden Unterstützungen, namentlich bei«Prfonen, die eigenen Hausstand haben und nur auf die Unterstützungen angewiesen sind, einzutreten. Dies trifft auch auf die Pflegegeld-, Invaliden, und Rentenempfänger zu. Besonders zu berücksichtigen sind ferner die am Gehen behinderten Personen, die größere Beträge für Fahr- gelder aufzuwenden haben. Da die Not der unserem Schutze unter- stehenden Personen groß ist, bitten wir, sofort an die Ausführung dieser Verfügung zu gehen." Es sind schöne warmherzige Worte in dieser Rundverfügung zum Ausdruck gekommen, und wenn alle Armenvorsteher hiernach gehandelt hätten, wäre den Bedürftigen bester geholfen. Da aber; nur ein kleiner Teil der Armenvorsteher dieser Verfügung Rech- � nung trug, versuchte der Dezernent des Wohlfahrtsamts nach Kräf-� ten zu helfen, indem er den besonders Bedürftigen, die sich an ihn wandten, Extraunterstützungen bewilligte. Darob große» Zorn der; „Deutschen Tageszeitung", die in einem Artikel vom 10. August „Wie man mit städtischen Geldern umgeht" auf das gehässigste diese! Hilfsmaßnahmen kritisierte. Don ganz besonderem Interesse für die Armen von Groß-Berlin ist der letzte Absatz dieses Artikels, der hier wiedergegeben werden soll: j „Berlin als Großstadt wird feit der„glorreichen" Revolution als Unterschlupf von Gesindel und besonders jungen Burschen, die kaum dem Knabenalter entwachsen sind, benutzt. Unter den ge- schilderten Umständen ist es selbstverständlich, daß dieses Pack keinen Grund hat, sich nach ehrlicher Arbeit— auf dem Lande werden ständig Arbeitskräfte gesucht— umzusehen.— Vielleicht halten sich die Berliner Bürger bei den kommenden Neuwahlen auch diese Ver- hältniste vor Augen," Welch eine niedrige Gesinnung spricht aus diesen Worten. Wirk- lich, ein derartiger Artikelschrciber kann nie und nimmer dos Elend und die Not halbverhungerter Menschen empfunden haben. Er steht weltfremd und gefühllos dem Jammer und den Leiden der Enterb- ten des Glücks gegenüber. Aber hierauf wird der„Deutschen Tageszeitung" und ihren Gesinnungsfreunden am 16. Oktober von allen Almofenempfängern die gebührende Antwort gegeben werden. Da nun, wie schon oben angeführt ist, eine große Anzahl der Armenvorsteher das Rundschreiben des Magistrats nicht genügend beachtete, und durch die jetzt über uns hereinbrechende Teuerung?- welle die Not der Armen unerträglich wird, so ersuchte die sozial- demokratische Stadtverordnetenfraktion in einem Dringlichkeitsantrag den Magistrat, den Beschluß betr. Erhöhung der Armenunter- stützungshöchstsätze um 100 Proz. unverzüglich zur Durchführung zu bringen. Der Magistrat hat dann in der Sitzung vom 24. August seinen bisherigen Standpunkt geändert und der Erhöhung um 100 Prozent seine Zustimmung erteilt. Die Höchstsätze für Berlin be- tragen nunmehr: Für die einzelne Person 140 M., für ein allein- stehendes Ehepaar 200 M., mit zwei Kindern 280 M. im Monat. Daß diese Sätze bei weitem nicht genügen, braucht wohl nicht be- sonders betont zu werden. Es muß mit aller Energie darauf hin- gearbeitet werden, daß auch den Erwerbsbeschränkten und Erwerbs- unfähigen ein ausreichendes Existenzminimum gewährt wird. In Anbetracht der ungeheuren Brotpreiserhöhung und um eine weitere Verelendung der minderbemittelten Bevölkerung zu ver- hindern, ist es nun aber notwendig, daß die sogenannten Almosen. empfänger ihre falsche Scham und Furcht überwinden und wenn sie bedürftig sind— wer von den Almosenrentnern ist nicht be- dürftig?—, einen Antrag auf Erhöhung ihrer Unter- stütz ung stellen. Den Armtznvorstehern ist das Recht gegeben, bis zu den Höchstsätzen— ohne Genehmigung der Kreisversammlung — Unterstützungen zu bewilligen. Bon den Vorstehern wird er- wartet, daß sie mehr soziales Empfinden besitzen wie jener ihrer Kollegen, der erst vor kurzem zu einer alten Frau sagte:„Na, Ihr geht ja ganz krumm; für Euch wäre es doch das beste, Ihr kämet alle nach Mariend orf."(Friedhof.) Leute mit einer solchen Denkungsart dürfen das Ehrenamt eines Armen- Vorstehers nicht bekleiden oder aber die Auffassung des Sozialpoli- tikers Max Schippel, der in den 80er Jahren die Armenpflege als „Abschreckungssystem" bezeichnete, trifft auch heute noch zu. Wer also will, daß die Armenpflege— in Berlin sagt man ja jetzt Wohlfahrtspflege— eine wirkliche Fürsorge für die Schwachen und Bedürftigen sein soll, wer vermeiden will, daß durch eine bür- gerliche Mehrheit die Axmenrentuer als minderwertig behandelt werden, der gebe am 16. Oktober der Sozialdemokratie seine Stimme, denn nur ein wirklicher Volksver- t r e t e r kann sich in die Psyche der minderbemittelten Bevölkerung und der Aermsten der Armen voll und ganz hineindenken. _ Hugo S u b k e. Wirtfthcrst Beschleunigte Zuschuhgewährung für Siedlungsbauten. Die Bau- und Siedlungsgenossenschaften klagten stets über das zeitraubende Verfahren, wenn für eine Siedlung Baukosten- Zuschüsse au? der produktiven Erwerbslosenfürsorge erwirkt werden sollten. Diese Anträge gehen von der ländlichen Siedlung zum Kreis, von dort zur Regierung oder zum Oberpräsidenten, weiter ans Wohlfahrtsministerium und von dort zum Reichsamt für Ar- beitsvermittlung. Wenn alles gut geht, so besteht die Aussicht, daß auf den Antrag in etwa 20 Wochen ein endgültiger Bescheid erteilt wird. Werden aber Aenderungen der eingereichten Unterlagen not- wendig, was ja bei den Massenberechnungen meistens der Fall ist, so verzögert sich die Entscheidung noch erheblich mehr. Diese Der- zögerpng verteuert erfahrungsgemäß die zu errichtenden Bauken erheblich, da die Antragsteller meistens bereits über die Or- ganisation zur Ausführung der Bauten verfügen oder solche bereit- gestellt haben. Mangels endgültigen Bescheide? sind sie zur Untätig- keit verdammt und in den zu treffenden Vorbereitungen gehemmt. Die Betriebseinrichtungen liegen still, und eine Disposition Hinsicht- lich der Arbeit und der Arbeitskräfte ist unmöglich. Dieser Zustand bedeutet eine Behinderung der Siedlungsarbeit, der behoben werden kann, wenn die Antragsteller bereits kurze Zeit nach der Einreichung ihrer Anträge Gewißheit erhalten können, daß ihre Anträge grundsätzlich genehmigt und daß nur in bczug auf die Höhe der angeforderten Beträge Abweichungen zu erwarten sind. Der Vorstand des ADGB. wandte sich daher an die Regierung mit dem Ersuchen, durch ein beschleunigtes Verfahren die bestehen- den Mißstände zu beheben. Die Regierung ist hierzu bereit. Unterm 26. August schreibt der preußische Minister für Voltswohlfahrt (III U. 12545/21): In Uebereinstimmung mit dem Reichsamt für Arbeitsvermitt» lung bin ich bereit, bei Wohnungsbauten das Verfahren zur Er- langung von Zuschüssen aus Mitteln der produktiven Erwerbslosen- fürsorge insofern zu beschleunigen, daß ohne zeitraubende Prüfungen der Unterlage bei den Regierungen wenigstens eine grundsätzliche Entscheidung möglichst schnell herbeigeführt wird. Ich habe die Regierungspräsidenten mit den erforderlichen Anweisungen versehen und wäre dankbar, wenn vom ADGB. aus in geeigneter Weise die interessierten Kreise darauf hin- gewiesen würden. Ich darf dabei darauf aufmerksam machen, daß dieses Verfahren nur Platz greifen kann, wenn der Antrag- steiler den Wunsch nach einer vorläufigen grundsätzlichen Ent- scheidung zum Ausdruck bringt. Von der Beifügung der Unter- lagen kann aber auch in diesem Fall nicht abgesehen werden, well sonst die Möglichkeit fehlt, das Bauvorhaben im allgemeinen zu beurteilen. Diese Stellung des Ministeriums wird den Siedlungsgenossen- schaften sehr erwünscht sein, denn sie muß dahin führen, daß die. so oft beklagten Mißstände bei der Erledigung der Zuschußanträge wesentlich eingeschränkt werden. Es ist daher zu wünschen, daß die beabsichtigte Äenderung im Zuschußverfahren den beteiligten Kreisen bekannt wird, damit diese bei ihrem Bauvorhaben sofort Anträge auf vorläufige grundsätzliche Entscheidungen stellen._ Der Markrückgang. Die deutsche Mark ist in der letzten Woche erneut zurück- gegangen. Nicht gleichmäßig, sondern unter starken Stößen er- folgte die Verschlechterung. Das beweist, daß die Spekulation an der valutosenkung beteiligt ist. Das Wochenende brachte noch eine weitere Senkung der Mark. Der Dollar wurde zum ersten Mal» seit dem Dalutatiefstand am Anfang vorigen Jahres wieder mit m e h r als 100 M. amtlich notiert. Die Mark gilt also, am führenden Zahlungsmittel des Weltmarktes gemessen, heute nicht mehr als 4 P f e n n i g e im Ausland. Die wichtigsten Veränderungen der Preis« für ausländische Zahlungsmittel gehen aus der nachstehenden Uebersicht hervor, die angibt, wie viel deutsche Mark man für die eingangs bezeichneten Zahlungsmittel zahlen müßte: am 28. 7. 16. 8. 26. 8. 3. 9. 10. 9. 100 boll. Gulden 2477,50 2882,10 2672,30 2794,70 3l 11,75 289,70 348,15 316,90 329,15 375,35 81,03 90,90 85,91 88,91 100,51 620,85 695,80 666,80 685,30 752,70 1321,15 1498,50 1461,— 1508,45 1740,75 1 Pfd. Sterling 1 Dollar... 100 sranzös. Fr. 100 Scknvecz. Fr. 100 österr. Kr. abgestempelt 100 lschecki. Kr. 9,13 10,58 10,03 10,38 10,98 101,25 103,85 101,55 106,10 122,35 Die Preise für ausländische Wechsel haben danach den bisher tiefften Stand dieses Jahres von Mitte August durchweg erheblich überschritten. Um das Treiben der Spekulation zu vertuschen, schiebt die Börsenpresse und selbst ein Teil der großen bürgerlichen Tagespresse die Schuld an dem Valutastand ausschließlich auf die R e p a r a- t i o n e n. Es ist unzweifelhaft richtig, und wie haben es von An- fang an betont, daß die unausgesetzte Nachfrage nach fremden Zah- lungsmitteln ohne ausreichende Deckung, wie sie die Beschaffung der Devisen mit sich bringt, zu einem fortgesetzten Kursrückgang der Mark führen muß. Was aber vielfach ängstlich verschwiegen wird, da» ist die Tatsache, daß bisher noch nichts, aber auch nicht das geringste geschehen ist, was den Kursrückgang der Mark aufhalten könnte. Mit einer in der Zeit der höchsten Finanznot erstaunlichen Lang- samkeit werden die Steuervorlagen, die die Deckung auch nur zu einem Teil bringen, von Gutachterausschüssen vor- und wiedergekäut. Daß inzwischen die Mark fallen muß, ist klar, zumal nicht einmal die erste Goldmilliarde voll beschafft worden ist, fondern zu einem — übrigens recht kleinen— Teil aus den Goldbeständen der Reicys- bank bezahlt werden mußte. Was uns noch fehlt, ist der entschiedene Wille der übc�wältigen- den Volksmehrheit zu einer steuerlichen Tat, die dem Ausland Achtung vor dem deutschen Erfüllungswillen abzwingt. Solange das Ausland glauben muß, daß die Finanznot des Reiches vielen ganz erwünscht, anderen gleichgültig ist, kann sich die Mark nicht bessern. Darum muß immer wieder die Erfassung der Gold- werte gefordert werden als Voraussetzung für eine Besserung der Finanzlage des Reiches und der Erfüllung der ersten Rcparations- Zahlungen. 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Bubnow 37S8b* Die Hauptmomente m der Entwicklung dar KGinmunistisch, Partei Rußlands • Inhalt: Diel Perio:en der Parteigeschlchte/ Vom- Z Arbeiterzirkel zur sozialdemokratischen Partei/ Die• ; Entstehung des Bolschewismus und die grundlegenden: • Etappen seiner Entwicklung/ Bildung der Kommunistl-; sehen Partei Rußlands/ Schlußbemerkungen 78 Selten Preis M. 1.— Zu beziehen durch Frankes Verlag g. m b. h., Leipzig; ff „Die Kommunlsflsdic inlernaflonale" • Organ des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale■■■■-- Nr. 17 Inhalt: A. Rosmer: Oer Dritte Kongreß der Komm. Internationale/ J. Frils: Die Bedeutung des Dritten Kongresses der Komm. Internationale/ Zum Dritten Weltkongreß der Komm. Internationale(Schteiben des Exekutivkomitees der Komm. Internationale)/ G. Slnowjcw; Ein Jahr des Kampfes' IL Urandier: Die revolutionäre Lage in Deutschla d/ Karl Radek: Der Fall Levi/ lieber den Rücktritt von fünf Mitgliedern aus der Zentrale der VKPD/ N. Lenin: Zur Naturalsteuer(Die Bedeutung der neuen Politik und ihre Bedingungen)/ E. Van.a: Die wirtschaftlichen Grundlagen des Imperialismus der Vereinigten Staaten von Nordamerika/ F. Kapelusch: Die Wohnungsnpt als Weltkrise/ 0. W'. Kuusinen: Zwei Probleme' Tom Barker: Der Seetransport, seine Organisation, seine Aufgaben und seine Aussichten/ L. Trotzky: Ueoer die Politik der KAPD' A. LunaUcbarskl: Die Kommunistische Iniernationale und die Intellektuellen i William D. Haywood: Die revolutionären Ptobleme in Amerika./ Jaroslaw Salat und Eduard Brenner; Der Kampf um den Kommunismus in der Tschechoslowakei/ A, Sultan Sade: Das neue Kriegsgewitter Michael Pawlowlisch: Die kommunistische Bewegung in der Türkei/ M. Zschakaia: De Menschewik Georgiens und die Daschnaken Armeniens Sen Katajama; D r japanische Nrbeiier/ Der Internationale Rat der Roien Gewerkschalien/ Dokumente der inlei»atioualen Kommunistischen Bewegung/ Von der Tätigkeit des bxekutivkom tee» der Komm, internalionaie/ Die internationale der Komm. Jugend( Internationale Kommunistische Frauenbewegung' Helden und Märtyrer der prolctar. sehen Revolution/ Illustrationen; Begräbnis des Gen. Sylt. 360 Saltan Zu beziehen durch die iProis H. 8, Verlagsbuchhandlung Carl Hoym Nachf. Louis Cahnbley, Hamburg II 3755b* sowie durch alle Buchhandlungen und Organisationen der VKPD. SACKSENBLUME 仕•••«>•"iJbAte-Y.-' Gesdlsduift m. b. ff. * B E R LI N N. P.4-* FR I EDP I C H S TR A SSE MR. 1 10-113; i' 3t. Virt'�J-v Verkauf im 2. 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Auw Gedächtnis seines 600. Todestages. Don Dr. Victor Engelhardt. Die westliche Kultur rüstet sich, in diesen Tagen— am 14. September— eine stille und ernste Feier zu begehen. Sie gedenkt des Jtaliners Dante, der durch sein Werk, die„Göttliche Ko- mödie, zum Europäer wurde. Möge uns allen diese Feier zum Bewußtsein bringen, daß auch wir nicht nur Italiener, Franzosen oder Deutsche— sondern trotz größter Verschiedenheiten Europäer sind. Besinnen wir uns an diesem Tage auf die weiten Strecken gemeinsamer geistiger Vergangenheit, die sich in Dantes Dichten offenbaren— und schöpfen wir daraus die frohe Gewißheit einer gemeinsamen geistigen Zukunft. Wird Dantes Gedenktag, Völker- vereinend, mit solchem Willen begangen, so greift seine Bedeutung weit hinaus über den Kreis literarisch und historisch interessierter Menschen und wird zum Erlebnis, das die Massen bewegt. Sie fühlen— hier— in diesem Mann— ist etwas, das uns allen ge- hört, mögen unsere Vaterländer auch noch so verschiedene Namen wagen. Dieses uns allen Gemeinsame in Dantes Werken ist Europas geistige Vergangenheit.— Sie mutz bei Dante in der greisbaren Gestalt bestimmter und zeitgeschichtlicher Ereignisse auftreten, denn Dante war Politiker und ein Mann der Tat. Er kam von den Ge- schicken seiner Heimatstadt Florenz, an denen er wirkend Anteil nahm, zur Geschichte Italiens— und von da zum Schicksal des euro- päischen Menschen. Dieses war in Dantes Tagen hoch bewegt, denn ein neuer Geist erwachte— ein neuer Geist, der einst das Mittel- alter überwinden sollte. Die Kreuzzüge, das Symbol für den Höhe- punkt kirchlicher Macht, hatten den Feind der Kirche gestärkt. Die Städte blühten durch den mit den Kreuzzügen neu auflebenden Orienthandel empor und sahen in ihren Mauern die Bildung des ersten« kaufmännischen Kapitals. Die wirtschaftliche Kraft konnte sich rasch mit politischer Macht verbinden, da die geldbedürftigen feudalen und klerikalen Gewalten sehr schnell in starke Abhängigkeit vom bürgerlichen Gläubiger gerieten. Der Geist der Freiheit erwuchs aus dem Geist des Handels. Die Persönlichkeit wurde sich ihres Einzelwertes bewußt und bestelle sich damit langsam aus den Banden des mittelalterlichen Weltgefühls. Die Besteiung der Persönlichkeit fand ihren lttcrarischen Nieder- schlag in der Dichtkunst jener Tage, als deren grötzter Schöpfer Dante gilt. Man wagte es, mit der Tradllion zu brechen— und an die Stelle der lehrhaften lateinischen Dichtung eine im persön- lichen Erlebnis wurzelnde Lyrik zu setzen, die sich der Volkssprache bediente. Dante schuf aus dem, was„innerlich dem Dichter quillt und zuströmt an Gedanken*— eine Sammlung von Kanzonen und klwgenden Sonetten, die er selbst als Ausdruck„neuen Lebens* empfand— und die für uns den eigentlichen Anfang der neuen Dichtkunst bilden.(»Das Neue Leben*. Deutsche Ausgaben von Wege bei Reclam, von Federn bei Hendel, von Lambert im Einhorn- verlag: außerdem in der Ausgabe der poetischen Werke von Zooz- mann bei Herder.)„Da erschien mir,* heitzt es im 3. Kapitel,„am letzten dieser Tage diese wunderbare Herrin, in schneeweiße Farbe gekleidet, inmitten zweier vornehmer Frauen von vorgerückterem Alter. Und ihres Weges gehend... grüßte sie mich so bedeutsam, daß es mir danach war, als überschaute ich alle Grenzen der Glück- seligkell.* Beattice stand vor dem Dichter und entfachte in seinem Herzen jene erste Liebe, der er später, als die Stürme des Lebens seine Augen sehnsüchttg nach rückwärts blicken ließen, ein unver- gängliches Denkmal setzte. Der süße lyrische Traum der Jugend ist zu Ende, als Beattice stirbt. Das Leben führt den reisen Mann in die Arena der Politik. Der Epoche des Werdens neuer, bürgerlicher Wirtschaftsformen ent- spricht, wie immer, eine Zeit politischer Unklarheit und Wirrnis. „O mein Florenz, du pflegst ja bis November zu behalten, was du Oktober schufst dir an Gewalten*, heißt es klagend in der Göll- lichen Komödie.— Die Parteien— Guelfen und Gibellinen—> Anhänger selbständiger Kleinstaaten— und Anhänger imperialistischer Weltreichsgedanken— stehen hart gegeneinander. Zu Dan es Zeit sind in Florenz die Guelfen am Ruder, und damit wird der aus guelfifcher Adelsfamilie stammende Dichter in leidenschaftliche Politik hineingeführt. Bald spalten sich die Guelfen in Schwarze und Weiße. Dante gehört zu den Weißen und wird bei einer der vielen Schwan- kungen des politischen Glücks mit seiner Partei aus der Stadt ver- bannt. Bitter schmeckt das Brot der Verbannung.„Viel bittere Unbill wirft du noch erleiden, gehst andrer Treppen du hinab, hinan. Was dich jedoch am meisten wird bedrücken, das sind der schlimmen Leidgenossen Tücken.* Hart ist die Schule des Unglücks— hart und streng— und doch unendlich fruchtbar. Die„Göttliche Komödie* ist ihr Ereignis. (Deutsche Ausgaben von Sttecksutz-Pfleiderer bei Reclam, Pochhammer große und klein« Ausgabe bei Teubner, erstere mit aus- führlicher Einleitung; weller von Philalethes bei Teubner. Außer- dem in der obenerwähnten Ausgabe von Zoozmann bei Herder.) Dantes Gesichtskreis— einstmals im florentinischen Wesen besangen — wird groß und weit. Nicht mehr die Stadt liegt vor ihm, mit ihrem kleinlichen Parteigezänk— sondern Italien und Europa. Er sieht den Kampf zwischen Kaiser und Papst und erkennt, wie aus ihm alles Unglück und alle Wirrnis entspringt. Nur völlige Tren- nung der Gewallen kann Heilung bringen. Mit großer Kühnheit verlangt Dante von der Kirche«in Aufgeben aller territorialen Machtansprüche und scheut nicht davor zurück, zahtteiche Päpste in die Hölle zu versetzen, ja einem noch lebenden Papst die ewig« Pein zu prophezeien.— Dem Kaiser dagegen gebührt Gewalt und Recht— nicht Gewalt, die das Recht sich nimmt, sondern Gewalt, die dem Recht dient. Die Enttäuschungen florentinischer Partei- Politik haben den Demokraten Dante zu einem Monarchisten eigener Prägung gemacht. Aber weit über Weltgeschichte und Weltpollttk hinaus ist der Rahmen der Göttlichen Komödie gespannt. Sie gibt das innere, geistige Leben des zwischen Mittelallers und Neuzell stehenden Men- scheu. Sie ist befangen im Weltbild vergangener Tage und weist doch zum ersten Male den Weg zu einer neuen Sittlichkeit. Das Mittelaller sah auf sittlichem Gebiet nur leidende, duldende Men- schen. Di« Lösung aus dm Banden der Sünde konnte darum auch nur der brennenden und tatenlosen Pein des Fegefeuers erfolgen. Am Ende von Dante» Ienseitswanderung steht ebenfalls die taten. lose, hingebende Anschauung Gottes, aber der Weg, der zu ihr führt, ist nicht Leiden, sondern Handeln und Tat. Von Virgil, dem Symbol der menschlichm.Vernunft, wird Dante durch die Hölle geleitet. Die Vernunft ist dem Menschen zur klaren Erkenntnis des Bösen gegeben, sie hat kritische, negative Aufgaben zu lösen. Freimachen vom Bösen kann sie nicht. Freimachen vom Bösen kann nur der aus klarer Erkenntnis entspringende, starke Wille, der zum freudigen Handeln führt. Auf dem Berg der Läuterung, den Dante an die Ktelle des mittelalterlichen Fegefeuers fetzt, ttitt die Vernunft immer mehr zurück— und die von Beattice, der göttlichen Liebe, angespornte Tat immer mehr hervor. In Dantes mühsamer, büßen- der Bergbesteigung steht die neue Zeit zum ersten Male vor uns. Der tätige, handelnde, strebende Mensch ms sittliches Ideal, das ist nicht Mittelaller, das ist Renaissance, das ist die Ethik unserer Lage. Ja noch mehr— hier offenbart sich, was den Westen vom beschau- lichen Orient scheidet, was uns Europäer mit einem gemeinsamen Band umschlingt. Hier haben wir den letzten Urgrund unseres ge- meinsamen Seins. Der Geist tatkräftigen, sittlichen Handelns ist in Dantes Tagen auf dem Boden städtischen Bürgertums emporge- keimt. Er war berufen, das Mittelalter zu überwinden— als neu- europäischer Geist. Er lebt auch in uns, die wir an die Welt der Zukunft denken. Das dürfen wir nimmer vergessen in einer Zeit, wo mancher geneigt ist, alles abwartend der historischen Not- wendigkeit zu überlassen oder sich gar in ein müdes Nirwana hinein- zuttäumen. Dante zeigt uns— wenn auch am Anfang der Zell naturgemäß mit fremden mittelalterlichen Worten—, welchen Weg wir gehen müssen. Den Weg des sittlichen Wollens und der sttt- lichen Tat. Den Weg, der uns aufwärts führt, dem Paradiese zu — mag dieses im Himmel liegen— oder auf Erden. (Schluß de» redaltionelleu Teil».) Rheuma, Gicht» Rerueuschmerzeu. Ein Mittel, welches verdient, den weiteren Kreisen der Menschheit bekannt zu werden. Frau Hedi Franz, Saarbrücken, schreibt u. a.:„Aus Dank- barkeit kann ich nicht umhin, Ihnen den Erfolg, welchen ich mit Togal erzielte, mitzuteilen. Ich leide schon längere Zeit an schwerem Gelenkrheumatismus mit zeitweilig auftretenden heftigen Schmerzen. Alle bisher angewandten Mittel waren erfolglos, bis ich in der Zeitung auf Ihr Inserat aufmerksam wurde. Ich machte einen Versuch, und schon nach dem Einnahmen einiger Tabletten waren meine Schmerzen wie verflogen. Es ist dies ein Mittel, welches verdient, den weiteren Kreisen der Menschheit bekannt zu werden.' Mit ähnlicher Begeisterung berichten viele Hunderte über die gute Wirkung des Togal bei Gelenkrheumatismus. Ischias, Hexenschuß, Gicht. Schmerzen in den Gelenken und Gliedern, sowie bei allen Arten von Nerven- und Kopfschmerzen. Togal wurde klinisch erprobt und ärztlich glänzend begutachtet. 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Die österreichische Gendarmerie hat heute nacht sich befehlsgemäß aus dem B u rgenland zurückgezogen. Ungarische Banden, die das Gebiet besetzt haben, haben in Grenzorten des Burgenlandes Kontributionen erhoben. Infolge der Besetzung durch die Ungarn fehlen Nachrichten aus dem Burgenland. Innerhalb der Entente sind Verhandlungen im Gange, die darauf hinzielen, vor- läufig Italien ein Mandat auf das Durgenland zu erteilen. Heute morgen ist in Wiener Neustadt ein Italienisches Halbbataillon angekommen, das angeblich nach Oberschlesien bestimmt sein soll. Der Transportkommandeur erklärte aber, daß er bis zum Eintreffen weiterer Befehle in Wien-Neustadt verbleibe. Italien greift ei«. Paris, 10. September.(BXB.) Nach einer Haoasmeldung aus Rom hat die italienische Regierung in Mev wisien lassen, daß sie bereit ist, in dein österreichisch-ungarischen Konflikt in West ungaru einzugreifen. Nach einer weiteren IRel- dung sollen die ersten italienischen Sonsingenke bereits abgegangen sein. Ein Tag üer internationalen Verbrüderung. Wir brachten im gewerkschaftlichen Teil unserer Freitagabend- ausgäbe eine Meldung der Telegraphen-Union aus Brüssel über Zu- sammenstöße zwischen belgischen Soziali st en und Ratio- nalisten anläßlich der Gewerkschaftswoche in La Louviör«. Die Gegenkundgebung der Nationalisten hätte sich danach in der Hauptsache gegen den Genossen Sassenbach gerichtet. Aus dem nunmehr vorliegenden Brüsseler„Peuple" vom 9. d. M. geht indessen hervor, daß die Versuche der Radaupatrioten, die Arbeiterdemonstra- tionen zu stören, kläglich mißlungen sind und daß im Gegen- teil unser Genosse Sassenbach Gegen st and von Aufmert- samkeiten und Ovationen seitens der belgischen Arbeiter- schaft gewesen ist, die als ein erfreuliches Zeichen dafür registriert werden können, daß ein ganz neuer Geist in der sozialistischen Ar- beiterschaft Belgiens herrscht. Als die Absicht der bürgerlichen Nationalisten bekannt wurde, Sassenbach am Sprechen zu verhindern, beschlossen die Führer der Organisation von La Souvicre einstimmig, Sassenbach ausdrücklich darum zu ersuchen, das Wort zu ergreifen. Es wurde dem beut- schen Genossen eine besondere Threngarde beigegeben, bestehend ans ehemaligen Kriegskeilnehmern und Deportierten. Als nach einer mit stürmischem Beifall aufgenommenen Rede De Drouckere», in der das Zusammenwirken der englischen Arbeiterklasse mit der deutschen als die Grundlage des Friedens gepriesen wurde, erhielt S a s s e n b a ch das Wort zu einer Rede, die er in französischer Sprach« hielt. Die 1S00 Anwesenden sangen ihm zu Ehren die»Znter- nationale" und dankten ihm durch stürmischen Beifall für seine Aus- führungen. Sodann fand noch ein Demonstrationszug von 12 000 Teilnehmern durch die Stadt statt, wobei es zu einem schwachen Gsgendemonstrationsversuch der Nationalisten kam, die durch die Masse der Arbeiter buchstäblich weggefegt wurden. In einem Schluß- wort auf offenem Platze schilderte noch der Führer der sozialistischen Bildungszentrale in Belgien Henri de Man seine Eindrücke ge- legentlich einer Informationsreise in Deutschland und insbesondere auf der Bielefelder Tagung der deutschen Arbeiterjugend, deren Gelöbnis„Nie wieder Krieg!' von den belgischen Proletariern stürmisch begrüßt wurde._ Englisther Gewerksthastskongreß und Generalftreik. Coudon, 10. September.(XOXB.) Der Gewerkschaftskongreß in Cordiff hat mit überwältigender Mehrheit einen An- trag abgelehnt, daß im Falle eines industriellen Sonfllkts der Einfluß der Arbeiterschaft zusammengefaßt werden soll, um einen erfolgreichen Ausgang de» Konflikts sicherzustellen. Der Beschluß des Gewerkschaftskongresses von Cardiff ist für die englische Arbeiterbewegung von großer Tragweite. Wie er- innerllch, stand die englische Arbeiterschaft bei dem letzten großen V e r g a r b e i t e r st r e i k, der ein volles Vierteljahr dauerte, wiederholt vor die Frage, ob die Arbeiterschaft der anderen In- dustrien in den Streik eingreifen sollte, um durch den Generalstreik einen Druck auf die Vergwerksbesitzer und die Regierung auszu- üben. Während die Gewerkschaftsführer davon abrieten und auf eine möglichst rasche und rein wirtschaftliche Lösung des Konflikts drangen, versuchte eine Reihe sogenannter„wilder' Räte, die unter den englischen Arbeitern eine nicht zu unterschätzendes Ansehen ge- nicßen, die politischen Forderungen in den Vordergrund des Kampfes zu schieben und für einen Generalstreik Stimmung zu machen. Die Entschließung von Cardiff läßt vermuten, daß nunmehr eine gewisse Ernüchterung eingetreten ist und die gemähigte Richtung die Oberhand gewonnen hat._ Englisch-französische Zmanzbesprechungen. London, 10. September.(WTB.) Einer amllichen Mitteilung zufolge wurde bei den Besprechungen Doumers mit Sir Robert 5) o r n e die sich aus dem Pariser Finanzabkommen ergebenden Fragen im Geiste vollkommener Freundschaft und Herzlichkeit ge- prüft. Es wurde vereinbart, daß die Ergebnisse der Besprechung in einer Beratung mit den anderen Alliierten noch- maliger Erwägung unterzogen werden sollen. E» fanden zwei Besprechungen statt, bei denen Sir Robert Hörne von Finanz- sachverständigen und Doumer von Tannery unterstützt war. Der Gedankenaustausch beschäftigte sich in der Hauptsache mit der Der- teilung der von Deutschland gezahlten«rüen Goldmilliarde. Stel- lungnahme und Anschauungen der britischen und französischen Re- gierung in dieser Frage wurden gründlich durchgesprochen. Wie ver- lautet, bleibt Doumer bis Sonntag in London: es wird jedoch gegen- wärtig eine weitere Besprechung nicht stattfinden. Paris, 10. September.(EE.) Zu den Besprechungen zwischen Robert Hörne und Doumer macht der Londoner„Temps'-Korre- spondent einige bemerkenswerte Mitteilungen. Danach verwies der englische Finanzminister Robert Hörne darauf, daß die sinan- ziellen Abmachungen vom 13. August Frankreich gewisse Dorteile gebracht hätten. Die deutschen Kohlenlieferungen, die über Rotterdam und Antwerpen gingen, werden Frankreich zum deutschen Inlandkohlenpreis angerechnet und nicht zum Exportpreise, wie es der Vertrag von Versailles und da» Spa- Abkommen enlsäsiedev hallen. Dadurch gewinne Frankreich 7 Mil- lionen Pfund Sterling, womit seine gesamten Besatzungskosten bis zum 1. Mai 1921 gedeckt seien, wobei nicht einmal der Wert der Saargruben berechnet ist. Die„Times' schreibt, daß Doumer namentlich darauf verwiesen habe, daß Deutschland Bankrott machen würde und daß, solange Deutschland etwas zahlen könne, alle Alliierten an diesen Zahlungen Teil haben sollten. Die..Times' schließt ihren Artikel: Da es sich gezeigt hat, daß die B e s o tz u n g s k o jt e n für die Alliierten mit Verlusten verbunden sind und daß sie«ine Last phn« jede« xroduttiven«harattsr bedeute», wäre e» gut, die Besatzungskosten möglichst herabzumindern und namentlich die im Herbst beschlossenen Sanktionen aufzu- heben. Salfour über öen Völkerbund. Genf, 10. September.(MTB.) Auf der heutigen Sitzung der VAkerbundversammlung ergriff B a ls o u r- England zu einer großen politischen Red« das Wort, die von der Versammlung mit gespannter Aufmerksamkeit aufgenommen wurde. Er begrüßte in sehr herzlichen Worten die bewundernswerte Tätigkeit des General- sekretariats und wies mit großer Entschiedenheit die Kritik zurück, die Branting an der Tätigkeit de» Rats geübt habe. Es bekümmere ihn tief, daß«in so allgemein geschätzter und hochgeachteter Mann wie Branting dem Rate vorwerfe, daß er den Eindruck mache, has Organ einer Mächtegruppe zu fein. Der Rede Lord Cecils stimmte Balfour zu und sagte, daß die Mandatssrage schwie- riger sei, als Cecil glaub«. Die Enttäuschung Eecils über die ge- ringen Fortschritte der Abrüstung sei berechtigt. Die Welt trage weiter an dem mühsamen Gewicht ihrer Rüstungen, aber doch seien Fortschritte zu verzeichnen, doch hätten die Länder Mittel- europas ihre Abrüstung begonnen und auch andere Läner(?) be- gännen damit. Man müsse bedenken, daß der Völkerbund mit aller- Hand Schwierigkeiten zu kämpfen habe. Wer könne behaupten, daß die Abrüstung weiter leicht möglich sei, wer dürfe erklären, daß e» keinen Krieg mehr gebe? Daher sei es schwer, entscheidende Arbeit zu verrichten. Auch habe man bei der Gründung des Völkerbundes auf den Leitritt aller Staaten gerechnet. Dadurch, daß verschiedene Staaten dem Völkerbund nicht angehören, entbehre man nicht nur der Ratschläge dieser Staaten, sondern auch der Autorität, die ihre Mitarbeit im Völkerbund verlangen dürfe. ver Völkerbund könne auch nicht abrüsten, wenn Slaolm, die ihm nicht angehören, die Abrüstung nicht vornehmen. Dasselbe gelte auch für die Fabrikation und den Verkauf von Munition. Nach dieser Anspielung auf Amerika, dessen Name allerdings nicht genannt wurde, machte Balfour die Kritiker am Völkerbund darauf aufmerk- sam, daß doch«ine bedeutende Arbeit vollendet sei. Der Völkerbund Hab« viele Konflikte geregelt, er regiere über Gebiete,«r Hobe den internationalen Gerichtshof gegründet, er bekämpfe die Geißeln der Krankheiten, a'beite an dem Wohle der Menschheit usw. Mit großem Nachdruck warf Balfour die Frage auf, wenn morgen der Völkerbund abgeschafft würde, wer würde sich mit all den Werten beschäftigen, die er in Genf vollbracht habe? Er schloß unter starkem Beifall mit einem Appell zum Wiederaufbau der Welt. » Das Völkerbundssekretariat machte heute Mitteilung über die gestrige erste Beratung der Unterkommissionen 1 und 2 der ersten Kommisston(Verfassungs- und Rechtskommission). Die Beratungen galten der Vertretung der kleinen Staaten im Völkerbund und Art. S Absatz 1 des Paktes. Er bezieht sich auf die E i n st i m m i g k e i t i m R a t und in der Versammlung. Di« zweite llnterkommission hat diese Frage bearbeitet und ist für die Beibehaltung der einstimmigen Beschlußfassung. Amerika und der Völkerbund. Washington. 10. September.(Reuter.) Auf Anfragen im Weißen Haus«, ob die Möglichkeit besteh«, daß«in neuer Völkerbund sich aus der bevorstehenden Washingtoner Konfe- renz entwickelt, wurd« mit der Feststellung geantwortet, daß die Washingtdner Konserenz selbst„Nationen in Gemeinschaft' darstelle. Es wurde hinzugefügt, Präsident Harding wünsche nicht, auf der bevorstehenden Konferenz durch zu viel« außerhalb stehend« Fragen Verwirrung hervorzurufen. Bei der amtlichen Bekanntgabe der Namen der amerikanischen Delegierten wurde betont, daß die Rüstungsfragen lediglich der Fünfmächtegrupp« Großbritannien, den Vereinigten Staaten, Frankreich, Italien und Japan überlassen würden. Es wurde auch festgestellt, daß die chinesische Delegation an der Hauptkonferenz nur bei Beratung von Fragen des fernen Ostens teilnehmen werde. In ähnlicher Weise sollen die Delegierten Bel- giene, Hollands und anderer Nationen Sitze auf der Konferenz er- hallen, wenn ihre Interessen im fernen Osten berührt werden. Es wurde klargestellt, daß die Konferenz nicht Delegierten aller Nationen offen stehen werde, da, wie erklärt wurde, die» die Arbeit der Konserenz hindern und nach Washington Ver- treter von Ländern bringen würde, die bei Entscheidungen über die Begrenzung der Kriegsrüstungen nicht lebenswichtige Fak- toren fein könnten. Die amerikanischen Delegierten werden keine Vollmachten haben. Bei jeder Vereinbarung, die sie eingehen, werden sie die G e n e h m i- gung der Regierung nachsuchen. Die amerikanischen b e- ratenden Körperschaften werden Vertreter der amerikani- schen Frauenwelt, der Arbeiterschaft und anderer amerikani- scher Gruppen umfassen, die cm den Rüstungsproblemen besonders interessiert sind.__ Entrüstete Gewaltmenschen. Durch die deutschnationale Press« läuft eine Zusammenstellung angeblicher sozialistischer Gewalttaten, verbrämt mit Zitaten aus sozialistischen Organen, durch die Aufforderugen zur Gewalttätigkeit nachgewiesen werden sollen. Nach gewohnter Manier schreckt man dabei vor groben Fälschungen nicht zurück. So soll in einem Artikel des Genossen Schiff aufgefordert worden fein, Helfferich, Ludendorff, Westarp und Tirpitz an die Laterne zu hängen. In Wirklichkeit war in dem Artikel ausgeführt, daß am 9. November 1918 Helfferich, Ludendorff usw. nicht die Bekanntschaft der Laterne gemacht hätten und es hieß dann ausdrücklich, daß die Arbeiterschaft, wenn sie auch unter den Folgen litte, ihre Auständig- keil in den Tagen der Revolutionsstürme nicht bereue, denn um fo anständiger stehe sie heute da. Die heute notwendige Säuberung»- arbeit, heißt es in dem Artikel weiter, läßt sich ohne Gewalt- tätigkeit und mit rein verfassungsmäßigen Mit- teln durchführen.— Hieraus«ine Aufforderung zum Mord zu machen, bedarf es der ganzen deutschnationalen Zitatenentstellungs- kunst. Die Deutschnationalen haben aber überhaupt den Zeitpunkt ihrer Entrüstung schlecht gewählt. Gerade dieser Tage beginnt in Memmingen im Allgäu ein Laudfriedeusbruchprozeh wegen schwerer ansisemilischer Ausschreitungen. Als Führer des Pogroms ist der praktische Arzt Dr. Sirius an- geklagt, Führer des deutschvölkischcn Schutz- und Trutzbundes. Dieser hat planmäßig zum Sturm auf die Wohnungen jüdi- scherHSndler aufgehetzt, erst die christlichen Gewerkschaften hier- für gewinnen wollen und als ihm dies nicht gelang, mit besserem Erfolg bei den K o m m u n i st e n(!) Unterstützung gesucht und ge- funden. Am 6. August stürmten Deutschvölkisch« und Kommunisten in holder Gemeinschaft die Villa des 5)ändlers Rosenbaum, wobei außer Sicius auch noch ein gewisser H a i l, gleichfalls Führer der Deulschvölkijchen, die Rolle des Hetzer» spielt«. Di« Anklag« gegen Dr, Sirius Kellt fest, daß er tagelang aufdles«»Bogrom hingearbeitet hat. Daß es nicht zu weiteren Krawallen und Plünderungen kam, liegt nur daran, daß Dr. Sicius sich mit feinen kommunistischen Bunde«- genossen überwarf, die gleichmäßig gegen jüdische und christliche Ge- schäfte vorgehen wollten, während es Dr. Sirius nur um die Juden zu tun war. Allein dieser Fall sollte die deutschnationale Presse zur Borstcht mahnen. Wenn ste aber außerdem wissen wollen, wie eine wirkliche Ausforderung zum Mord in der Presse aussieht, nicht ein« gefälschte, so verweisen wir sie auf Nr. lüZ der deutschnatio- nalen„Mecklenburger Rachrichten', wo es in bezug auf Maximilian Horden heißt; wann wird man diesem poülische» Schuft und Schwindl« endlich den Garaus macheu? . Solche Mordausforderungen stehen keineswegs»ereinzelt da, wir erinnern nur an den Fall L e b i u». Sollten die Deutschnatio» nalen auch ihr schönes Kampflied vergessen haben, in dem es heißt: Laßt uns froh und munter fein, Schlagt dem Mrth den Schädel ein, hängt den Walter Rathenau Di« gottverdammte Iudensaul Haben die Deutschnationalen ganz vergesse», daß ihr offizielles pommersches Organ die Kunde von der Ermordung Crzber» g e r» mit einem„Aufatmender Befreiung' begrüßte, mck» daß bei dem ersten mißlungenen Attentat dos deutschnationale Blatt in Arnswalde fein Bedauern aussprach, daß der Schuß nicht tödlich gewesen sei?! Haben ste all die anderen unzähligen Roheltsausbrüch« der Presse vergessen, die wir anläßlich der Tat registrieren mußten? Wir wollen ihnen sonst noch da» folgende„Gedichf aus Nr. 202 der.Donauwörther Zeitung' vom 3. September(im Auszug) vor- setzen: DasMarterlimSchwarzwald. Es ging ein Mann hier einst spazier'«, Weil er Minister war a. D. Mit Iudengeld ließ er sich schmier'n, Drum war er Kanzler auch in sp«. Am Gelbe hing er wie Satan, Die Juden hielt er hoch, Und war er auch ein Zentrumemann, Ein Erzlump war er doch. Und falls das nicht genügt» so wollen wir daran«rinnern, was die„Ostpreußische Zeitung', das offizielle Organ der Deuffchnationalen, am 19. Mai 1919 anläßlich der Anwesenheit der Minister Hirsch, Heine und Braun als„Begrüßungsartikel' schrieb: „Sehr geehrte Herren! Sie wollen mit der Bevölkerung Füh- lung nehmen. Es muß ein köstlicher Gedanke für Sie sein, daß der gutmütige Ostpreuße politisch« Morde oder irgendeinen Ge» waltakt verabscheut. Sonst würde er Sie und, um das halb« Dutzend voll zu machen, Ihre Genossen Ebert und Scheidemann und Ihren Kollegen Erzberger an den festesten hanfftricken, die wir trotz aller Rohstoffnot in Ostpreußen noch haben, an de« Kandelabern vor der Börse aufknüpfen. Da» ist die Stimmung der ostpreußischeu Bevölkerung!' Das ist nur so einiges, gerade Herausgegriffenes. Wenn uns die deutfchnattonale Presse das nötige Papier zur Berfügung stellt, wollen wir ihr gern einen zehnfach umfangreicheren Deweis er» bringen, mit welcher Berechtigung gerade sie über Mordhetze klagt. �ngeftelltenftreik in den städtischen Werken. Die Angestellten der städtischen Gas», Elektrizitätswerte und de» Oschofen» hatten seit 1919 einen Tarifvertrag, der zum 31. März d. I. aus Veranlassung des eine kleine Minderheit ver- tretenden Kommunalbeamtenverbandes vom Magistrat gekündigt wurde, obwohl die mitbeteiligten Afa-Organffationen (Zenttalverband der Angestellten, Bund der technischen Angestellten und Beamten, Deutscher Werkmcisterverband) und der Zentralvev» band der Maschinisten und Heizer den Tarifvertrag ohne jed» Aenderung beibehalten wollten. Auf wiederholte» Drängen der Organisationen fanden dann am 14. April und 31. Mai Verhandlungen mit der Tarifdeputation des Magistrats statt mit dem Ergebnis, daß dem Magisttat empfohlen wurde, einen Tarifvertrag abzuschließen. Der Magisttat lehnte den Vorschlag der Tarff» deputatton in zwei Sitzungen ab. Der angerufene Schlichtungsausschuh entschied am 18. August einstimmig» also mit den Stimmen der vom Magisttat selbst benannten Arbettgeberbeisitzer und der des unparteiischen Vorsitzen» den, daß der Magisttat einen Tarifoerttag mit den Organisationen abzuschließen hat. Der Mogistrat lehnt« auch diesen Schiedsspruch in zwei Sitzungen ab. Daraufhin wurde der Demobümachungs- kommissar angerufen, der am 9. September den Schiedsspruch für verbindlich erklärte. In einer außerordentlichen Sitzung be» schloß der Mogisttat gestern, sich auch dem Entscheid des Oberpräsidenten nicht zu fügen. Am 8. September nahm«in« Vollversammlung der Angestellten zu dem Verhalten de» Magistrats Stellung und beschloß«in» st immig, in«inen Streit«inzutreten. Inzwischen wurde«in« Urabstimmung in den städtischen Werken eingeleitet, über deren Ergebnis wir bereits berichteten. Dieses Ergebnis war dem Magisttat in seiner Sitzung am Sonnabendvormittag ganz genau bekannt. Trotzdem hat er es für richtig besunden, dem Entscheid des Oberprästdenten nicht beizutreten und das Reichsarbeitsministerium anzurufen. Die Angestellttnschaft erblickt hierin«ine neue Ver- schleppungsabsicht des Magistrats und ist nicht m der Lage, nachdem bereit» fünf Monat« der tariflose Zustand in den Werken besteht, sich noch länger hinhallen zu lassen. Der Streikausbruch ist also unvermeidlich ge- worden. Di« Bewegung deschränkt sich auf die auch bisher von dem abgelaufenen Tartsverttage erfaßten Angestellten, jedoch werden die übrigen nicht unmittrtbar am Streik beteiligten Arbeitnehmer wohlwollende Neutralität beobachten. Die Angestellten» schaft hat bisher mit unerhörter Langmut dem Treiben des Kommu- nalbeamtenverbandes und des Magistrats zugesehen. Sie ist jedoch jetzt nicht mehr gewillt, die Unsicherheit in ihren Rechtsverhältnissen noch weiter geduldig hinzunehmen, um so mehr es sich hier durchaus nicht um«ine Geholtsforderung Handell, sondern lediglich um die Wiederherstellung rechtlicher Beziehungen, wie ste schon in den vorhergehenden Jahren bestanden haben. » Der von un» bereit» mitgeteilte Schiedsspruch für die städtischen Arbeiter wurde vom Magffttat m der Sonnabendsitzung onge» nommen. Eine Versammlung Südtiroler Gemeindevorsteher hat eine Reihe ?olittscher Forderungen ausgestellt, um die Südtiroler Eigenart inner- alb des italienischen Staatsverbandes zu schützen. Sie fordern U. a. Wiederherstellung der autonomen Landeseinrichtungen und Befreiung vom Militärdienst, da Italien nicht ver- langen könne, daß die Deutschen Südtirols für Italien Waffendienst« tun, während in Deutschland und Deuffchösterreich Militärfreihell herrscht. Fascistenunkat. Wie dl«„Grazer Tagespost' au» Laibach mel- det, haben in K o j o n o bei Trieft T r i« st e r F a s c i st« n das slowenische Narodni Dom(V o l k s h a u s), in dem olle slowenischen Vereine der Umgebung von Trieft untergebracht sind, in die Luft gesprengt. Do» Gebäude brannte vollständig nieder. In der südslawischen Presse herrscht große Erregung wegen dieses Vorfall«, OeweMhoftsbewegung wie sieht üer Kampf in öer Hoizinöusirie! Lon ollen wirtschaftlichen Kämpfen, die von der Berliner Ar- beiterschaft zurzeit geführt werden, nimmt der Kamps in der Holz- industrie eine Ausnahmestellung ein. In die fünfte Woche geht der Streik, und obgleich Verhandlungen angebahnt sind, ist vor- läufig ein Ende nicht abzusehen. Erfreuliche Fortschritt« sind in der Unterzeichnung des Reichsmantelvertrages und des Lohn- abkommens zu verzeichnen: über ein Drittel aller vorhandenen Betriebe hat sich zur Durchführung der Forderung oerpflichtet. In 870 Betrieben arbeiten 3715 Holzarbeiter zu den neuen Bedingungen. In der Versammlung der Holzindustriellen am 6. September im Restaurant Ostbahnhof wurde den Arbeitgebern erneut erzählt, alles m allem kämen nur zirka 500 Holzarbeiter in Frage, die evtl. unter den neuen Bedingungen in Arbeit stehen könnten. Diese Methode deckt sich mit der Berichterstattung in dem Organ der Holz- industriellen, der„Fachzeitung". Darin beschäftigt sich Herr Poeth mit der tiefgründigen Frage:„Weshalb st reiten unsere Holz arbeite r? und führt eine Reihe von Ärbeitgeberverbänden mst 184 000 Arbeitern an, die angeblich den Reichsmantelvertrag nicht anerkannt hätten. Bei einer Besprechung wurde dem Herrn ein- wand' rei nachgewiesen, daß die von ihm angeführten Zahlen nur in setner Phantasie vorhanden sind. Der Holzarbeiterverband hat nicht nötig, falsche Zahlen anzuführen und die OestenRchkest zu täuschen; stehen doch die Holzarbeiter auch jetzt noch mit derselben Festigkeit und Entschlossenheit im Kampf wie am ersten Tage. Di« Absicht, die Herr Paech verfolgt, ist zu deutlich. Die durchbrochene Front der Arbeitgeber soll durch derartige falsche Behauptungen gefestigt werden. Wir könen aber dem Herrn Obermeister verraten, daß acht Zehntel der 370 bewilligten Betriebe Mitglied der„Vereinigten Ver- bände" sind. Den Interessenten steht die Einsicht in die Liste der bewilligten Betriebe im Bureau des Verbandes jederzeit offen. Ebenso durchsichtig ist die immer wieder auftauchende Redensart, die Holzarbeiter verzichteten auf den Mantelvertrag. Rein, die Holz- arbeiter stehen nach wie vor fest zu dem Mantelvertrag. Doch hoben sie sich mit dem Gedanken vertraut gemacht, daß, hervorgerufen durch die erneut einsetzende maßlose Teuerung ihre Lohnforde- rung auf 8 Mark Mindest lohn und 8,50 Mark Durchschnittslohn erhöht werden muß. Bei der Aussprache gaben die Herren Unternehmer erneut ihre Ziele und Wünsche auf den von ihnen erträumten Berliner Vertrag zum besten. Sie wollen, daß alle Bestimmungen in der Frage des Akkords, der Ueberstunden, der Lehrlinge und der Betriebsoer- tretungen nur von ihnen zu erlassen sind und die Holzarbeiter sich dem Diktat Pasths zu fügen hätten. Da kennt man die Berliner Holz- arbeiter schlecht. Ganz besonders hoben es den Unternehmern die im Vertrag vorgesehenen Schlichtung sin stanzen angetan; sie weisen den früheren Zustand der Schlichtungskommission zurück. die Schlichtungskommission erwies sich insofern werllos, als ihre Entscheidungen und Beschlüsse niemals durchgeführt wurden. Um dem zu begegnen, um in der Frage der Akkordarbeit mitzube- stimmen, um auch darüber mitreden zu dürfen, ob Ueberstunden gemacht werden können, um die Lehrlinge vor schrankenloser Ausbeutung zu schützen, um Ferien für jeden Arbester zu sichern, um auch in den Betrieben unter 5 Arbeiter eine �geordnete Ar» beiteroertretung zu schaffen, darum kämpfen die Holzorbeiter für den Reichsmantelvertrag. Die Vechandlungen am Mittwoch führten nach stundenlangen Beratungen dazu, den S ch l i ch t u n g s a u s s ch u ß anzurufen. Am Montag Ist eine Verhandlung vor dem Schlich- tungsausschuß. Zur Deri�erstattung über das Ergebnis dieser Verhandlungen hat die Organisationsleitung zum Mittwoch, vormittags 10 Uhr, eine Versammlung aller arbettslosen und streitenden Holzarbeiter nach der„Neuen Welt, Hasenheide", einberufen, in der alle Kollegen zu erscheinen haben. Konflikt bei der Commerz-«nd Privatbank. Die Direktion der Commerz- und Privatbank hat beim Schlich- tungsausschuß Groß-Berlin den Antrag gestellt, die geschäftsführen- den Mitglieder ihres Betriebsrats wegen grober Pflicht- Verletzung aus dem Amte zu entfernen. Anlaß zu diesem Antrage der Direktion hat die Aufforderung des Betriebsrats an die Angestellten gegeben, sich an der Demonstration anläßlich der Ermordung Erzbergers zu beteiligen. Die Direktion der Commerzbank stellt sich auf den Standpunkt, daß der Betriebsrot damit politische Maßnahmen ergriffen habe. die seine Kompetenzen überschritten. Der Betriebsrat messt dagegen in seiner Klageschrift an den Schlichtungsausschuß daraus hin, daß die Direktion mit ihrer Begründung, sie dulde nicht, daß die Ange- stelltenschaft zu politischen Zwecken die Arbeitszeit abkürze, sehr schnell bei der Hand sei, wenn es sich darum handle, fortschrittliche und republikanische Kundgebungen unmöglich zu machen. Dagegen sei dieselbe Direktion, die jetzt eine sehr seltsame politische Abstinenz für die Angestellten proklamiere, in früheren Fällen in dieser Hinsicht bedeutend weitherziger gewesen. In den Tagen des Kapp-Putsches beispielsweise wurden alle Angestellte, die sich der Regierung Kapp zur Verfügung stellten, mit vollem Gehalt beurlaubt.(Das geschah übrigens bei allen Großbanken, mit Ausnahme der Mitteldeutschen Creditbank.) Angestellte der Commerzbank haben damals bei der Rebellen- abteilung Marloh Dienst getan und dafür das volle Gehalt von der Commerzbank bezogen. Die geschäftsführenden Betriebsratsmitglieder wurden am ersten Tage der neuen Kapp-Herrschaft im Direktions- zimmer mit den bezeichnenden Worten empfangen:„Na, meine Herren, wollen Sie demissionieren?"(l) Am Begräbnistage der Ex kaiserin beteiligte sich die Commerzbank durch schwarzweiß- roten Flaggenschmuck an der anläßlich dieses Begräbnistages stattfindenden monarchistischen Demonstration. Auf den Ausgang dieses Konflikts, der jetzt die republikanische Institution des Schlichtunqsausschusses befchäfttgt, darf man mit Recht gespannt sein. Die Sitzung findet am Dienstag im Schlichtung? ausschuß Groß-Berlin statt. Der Allgemeine Verband der Deutschen Bankangestellten beruft auf den gleichen Tag abends 6 Uhr in Haoerlands Festsälen(Großer Saal), Berlin C., Neue Friedrichstr. 35, eine öffentliche Ver sammlung der Ange st eilten der Commerz- und Privatbank ein, um seinersests der Masse der Betriebsbeleg- schast Gelegenhett zu geben, sich zu der beabsichllgten Maßregelung der Führer ihres Betriebsrats zu äußern. Zum Streik i« der Filmindustrie. Di« Streikenden hielten gestern wieder eine Versammlung ab, in der über die Streiklage Bericht erstattet wurde. Alle Redner waren sich vollständig darin einig, daß die bisherigen Ergebnisse als zufrieden st eilende angesehen werden können. Barde. leben machte davon Mitteilung, daß nunmehr auch die Kinovor- führe? der mittleren und kleinen Betriebe in den Streik eingetreten sind. Wenn bis Montag der Streik nicht beigelegt ist, wollen auch die Vorführer der großen Konzerne die Arbeit niederlegen, um chre Sympathie mit der streikenden Kollegenschaft zu bekunden. P u k a l a teflte mit, daß zwei weitere Firmen ihre Bewilligung inzwischen ausgesprochen haben. Wenn immer noch von dem schlechten Ge- schäftsgang der Industrie gesprochen werde, so gehe aus den Börsen- berichten hervor, daß die Filmkonzerne keine Not leiden. Ein Antrag, daß auch die U f a t h e a t e r in den Sympathie- streik eintteten sollen, wurde angenommen. Ferner ergaben die Ver- handlunaen, daß die Belegschaft der Firma May zweifellos auch in den Sympathiestreik eintreten wird, wenn die Firma sich weigern sollte, die Forderungen schriftlich anzuerkennen. Hierüber wird noch mit dieser Firma, die bereits die Forderungen mündlich b e- willigt, aber noch nicht schriftlich anerkannt hat, verhandelt. Von mehreren Rednern wurde hervorgehoben, daß in den bürgerlichen Zeitungen die bisherigen Löhne der Filmindustriearbetter v i e l z u hoch angegeben sind. Die Aufforderung, streng bei der Fahne zu bleiben, und ge- schlössen bis zum Siege durchzuhasten, wurde mit großem Beifall begrüßt.__ Beamtenrätetvahlen Bei der Eisenbahn. Im Bezirk der Eisenbahn-Generaldirektion Dresden hat die Liste der freigewerkiibastliSen Eifenbabnerorgonisation. de? Deutsiben Eisenbabnerverbandes. bei den Wahlen am 6. und 7. September zu den Beamtenräten 10038 Stimmen erhalten. Auf die Liste der ReichSgewerksckaft Deutscher Eisenbahnbeamten und-anwärter, wellbe dem Deutschen Beamtenbund an- gegliedert ist, entfielen 9gt2 und auf die Liste der Gewerkschaft Deutscher Eisenbahner 5301 Stimmen. Somit haben sich die Eisenbahnbeamten im Bezirk Dresden in der Mehrheit zum freigewerkschaftlichen Gedanken bekannt. Wenn auch zu erwarten steht, daß in den übrigen Be- zirken des Reiches die Reichsgewerkschaft der Beamten eine Mehr- heit erringt, so ist es doch immerhin eine erfreuliche Tatsache, daß in Sackisen. der Wiege der deutschen Sozialdemokratie, die Eisenbahnbeamtenschast in ihrer Mehrheit sich auch auf gewerk- schaftlichem Gebiet fortschrittlich betätigt. Achtung, Betriebsräte der Untergruppe Eisenbahn? Für alle sreigewerkichaftlichen Betriebsräte der Untergruppe Eisenbahn findet Dienstag, abends 6 Uhr, im GewerkschaftsbauS (Lokal) eine wichtige Besprechung aller Mitglieder der SPD. und U S P D. statt. Erscheinen ist unbedingt notwendig. Ausweis der freigewerkschaftlichen Betriebsrätezentrale und Parteibuch legitimiert. _ Der Aktionsausschuß. Achtung, Afa-Betriebsräte und-Augestelltenräte! Wir bitten unsere Betriebs- und Angestelltenräte, die ihnen zu« gegangenen Listen für O b e r s ch l e s i e n h i l f e und für Ruß- landhilfe so bald als möglich mit uns abzurechnen bzw. die Listen an uns zurückzugeben, da wir die eingesammelten Gelder und die Listen bis spätestens Montag, den 10. d. M.. weiter- leiten müssen. Diejenigen Kollegen, die bisher für ihren Bettieb noch keine Listen erhallen haben, wollen sich an unsere Geschäftsstelle in der Zeit von 0 bis 3 Uhr, Sonnabend von 0 bis 1 Uhr, außerdem Montag und Freitag von 6 bis 7 Uhr, wenden. Die Listen, die von uns ausgegangen find, dürfen nur mit uns abgerechnet werden. Allgemeiner freier Angefielltenbund Ortskartell Groß-Berlin Berlin SW. 61, Bellealliancestr. 7/10, Hl. 3n den Hamburger Elekkrizilätswerken und der Elektrizitätswerke Unterelbe haben die Arbeiter den Tarif gekündigt und Lohn- forderunoen gestellt. Die Zugeständnisse der Arbeitgeber wurden, weil nicht weitgehend genug, abgelehnt. Der Schlichtungsaus- fchuß hat nun einen Schiedsspruch abgegeben, der jedoch von den Vertretern der Arbeiter als ungenügend bezeichnet und gleichfalls abgelehnt wurde. Die Arbeiter haben nunmehr die Lohnkommission beauftragt, nochmals Einigungsverhandlunzen einzuleiten, um die Lohnbewegung auf friedlichem Wege zu beenden, damit das Wirsschaftsleben Groß-Hamburgs durch die Folgen der Lohn- bewegung nicht geschädigt werde. Lohnbewegung der Angestellten im Einzelhandel. Der Zentral- oerband der Angestellten hatte die Mitglieder der Fachgruppe Einzel- Handel am 9. September zu einer Berjammlung nach dem Lehrer- vereinshaus geladen, um zu einem neuen Tarifvertrags- e n t w u r f Stellung zu nehmen, da das alte Abkommen am 30. d.M. automatisch ablöuft. Die Versammlung war schon lange vor Beginn überfüllt und brachte einmütig zum Ausdruck, daß das, was an Verbesserungen im neuen Tarifvertragsentwurf vorgesehen sei, um jeden Preis erreicht werden müsse. Die Gruppenvolloersammlungen der Betriebsräte haben sich auf den Standpunkt gestellt, daß die Betriebsräte jedes einzelnen De- triebes die Verpflichtung haben, aus ihrem Betrieb mindestens einen, aus Großbetrieben entsprechend mehr Kollegen in die Kurse der Betriebsräteschule zu entsenden. Die Freigewerkschoftliche Vetriebsrätezentrale fordert deshalb olle Betriebsräte, Angestellten- und Arbeiterväte auf, demensspvechend zu handeln und die An- Meldungen der Kollegen umgehend in ihrem Bureau, Engelufer 24/25, 2. Hof I, unter Angabe des gewünschten Kursus 'christlich oder mündlich bis spätestens 17. d. M. vorzunehmen. Deutscher Bauarbeikerverbaud. Es sind zurzeit Leute an der Arbeit, die Kollegen auch während der im Tarifvertrag festgesetzten Sperrfrist von zwei Monaten bei Erhebung von Lohnforderungen zu Arbeitseinstellungen zu bewegen. Das mit dem Ver- band der Baugeschäfte getätigte Lohnabkommen läuft bis zum 22. d. M. Die neuen Lohnforderungen sind formuliert, und finden demnächst die Verhandlungen statt. Arbeitseinstellungen, die während dem regelmäßig zwei Monat« laufenden Lohnabkom- men vorgenommen werden, sind unzulässig und werden vom Verband nicht unterstützt. Der Bereinsvorstand. I.A.: Emll Thons. Handelshilfsarbeiker im Einzelhandel. Montag vormittag findet in allen Betrieben die Urabstimmung über das von den Arbeitgebern gemachte Angebot statt. Nur Mitglieder des Deutschen Transportarbeiterverbandes find stimmberechtigt. Das Resultat der Abstimmung muß spätestens bis Montag mittag 2 Uhr in Händen des Kollegen Poll- meier, Tewerkschaftshaus, Zimmer 33, sein. Die Branchenleitung. Verantwortlich für den redakt. Teil: Viktor«chiff, Berlin; für Anzeigen: Td. Glocke. Berlin. Verlag: LorwSrtS-Verlag G.m.b.H.. Berlin. Druck' Vor- würts-Buchdruckerei n. Lerlagsanstalt«aul Tinaer«. To„ Berlin. Lindenstr. S. Hierzu i Beilagen. Leipziger Str. König siraße Rosenihaler Str. Horiizplatz A. 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