AnzetgeaprerSi «» achtgispaltrn« RmwareM«,,», löstet 6JS0 M. �Alein« Anzeige»» da» fettflrtcutlte Wort l�ü M.(}»■ Uisstg toxi k-ttgevruckte Worte), jede« «eitere Wort t— M. Stellengesuch, und Schlasstellenanzetgen da- erst, Wort V— M« lebe» weitere Wori » Mg. Worte übet 15 Buchstaben töhlen für zwei Worte ffamilien-An zeige» siir Abonnenlen geile S,- M Die Preise»erstehen sich einschließlich Teuerungsznschla» «»zeigen für die»Schste Numme: müssen dt» a Ahr nachmittag» tan hauptgeschSst, Berlin CW W, Linden. straße S. abgegeben werden. GeSssnel von» Udr früh bi» S Ahr abends. Verlinev Volksblstt Zcntralorgan der tozialdemokrati feben parte» Deutfchlande Vonvärts-Verlag G.m.b.H., 6SD öS, Linöenstr. 3 3reptt{ltv<>ift<>«• Berka g. Expeditio««nd J«seratcn> �. Abteilung Moritzplah 1l7S8-K4 Dienstag, den 13. September 1921 AdendAnsgab«(»w.n.i.1 Erzbergers Mö Münchener Studenten vi Den VemShvngev der badischen Behörden ist es nunmehr ge- ltiugen, die Persönlichkeit der beiden Mörder Erzbergers eimvandsrei festzostclleu. leider bisher, ohne ihrer selber habhast zu werden. Es Handell sich um zwei Münchener Studenten, Heinrich Schulz aus Köln und Ti Hessen aus Saalfeld L Th.. von denen der eine früherer Offizier, der andere früherer Seekadett ist. Beide waren Miigiieder der berüchfigien Brigade Ehrhart,» die am 13. Marz 1920 den bewaffneten Handstreich gegen Berlin unternahm. In München gehörten sie der dort fortbestehenden Organisation Ehrhort an. die sich des Schutzes der bayerischen Kahrbehördeo erfreuen dursten. Sie kehrten auch nach ihrer Tat nach München zurück, wo sie sich mindestens bis zum 30. Zlugust aufhielten. Zu Berlin find im Zusammenhang mit diesen Aeststelluugen mehrere Verhaftungen vorgenommen worden. Sie betreffen Personen, die zu den nahen Freunden der beiden flüchtigen Mörder gehören. Bemerkt zu werden verdient noch, daß die badischen Behörden bei ihren Nachforschungen in München auf den entschiedenen widerstand der bayerischen Polizeibehörde stieße». Ohne diesen Widerstand wären die Mörder vielleicht schon gefaßt._ Reichswirtsthastsrat und Golüwerterfaffung Der oorlänfige Reichswirtschaftsrat hatte heute vormittag ein« ttzeneraldebatte über die Steuervortagen. Dazu er- stattet« Geheimrat Schwab den Gesamtbericht über die Tätigkeit des Reparationsausschusses. Dieser sei bemüht gewesen, dem Staate da« Erforderliche an Steuern nach dem Grundsätze der Gerechtigkeit und des Ausgleichs wirtschaftlicher Härten zu geben. Die Einigung sei«lin Kompromiß, wobei besonders die Arbeitgeber und von ihnen besonders die Landwirtschaft schwere Lasten übernommen hätten. Die Beschlüsie feien einmütig gefaßt. Die Vermögen seien aber bis an die äußerste Grenze in Anspruch genommen. Deshttb müsse der neue Antrag W issell— den wir in der heutigm Morgenousgob« mitteilten— über die Heranziehung der Goldwerte zunächst noch X»«mmol dem Reporationsausfchuß überwiesen werden. Darauf nimmt für die Arbeitnehmer Wiffell zu der Begründung des großen Antrages das Wort. Dagegen, daß der Antrag noch einmal vom Reparättonsansschuß beraten werde, erhebt er kernen Widerspruch. Er halt« es für ausgeschlossen, daß sich die Unter- nehmer des Reichswirtschaftsrcttes nur deswegen gegen die Er- fasiung der Goldwerte wenden, weil sie zu sehr an dem Besitz hängen. Die neuen Steueroottagen sollen insgesamt 35 Milliarden neu« Erträge für das Reich bringen. Soweit aber Ertragsberechtigungen vorliegen, scheint es, daß sie gemacht worden sind, ohne Berücksichti- gunq der notwendigen Wirkungen, die die eine Steuer auf die andere ausübt. Selbst wenn wir wirklich nur einen Betrag von 80 Milliarden neue Einnähmen für das Reich brauchten, so wäre damit sicherlich der Bedarf des Reiches bei wertem noch nicht gedeckt. Der Repa- rationsau oschuß schätze aber den Elnnnahmebedarf ans»00 Milliarden. alle anderen Sachkundigen kommen unter Berücksichtigung des Valutarückganges auf einen Bedarf von 150 Milliarden. Schätzen wir dm Bedarf nur auf 100 Milliarden, so heißt das berefts, daß bei dem gegenwärtigm Volkseinkommm seder etwa zwei Drittel de» Sichres für das Reich und nur ein Drittel für sich arbeitm muß. Dabei ist der Bedarf der Gemeinden noch nicht angesetzt. Die Reparation-lastm können nur gedeckt werden aus einer gesteigerten Produktion. Solang« diese nicht erzielt werden kann, müssm wir in die Vemögensfubii mz eingreisen» und zwar um so tiefer, je weniger es un, gelingt, den Ertrag unserer Volkswirtschaft zu steigern. Diese Frage fit aber in der Diskussion der Steuern fast nirgends angeschnitten worden. Wenn der russische Bauer verhungert, nimmt er ielbst das Saat- getteide zum Essen.(Unruhe.) Jedm Eingriff w die Substanz des Volksvsrmögens trifft auch die Existenz der Arbeiter schwer. Je länger der Zustand dauert, um so länger wird der deuffche Arbeiter Lohnsklave des Auslandes sein müssm. Darum möchte ich dm Ein- griff in die Substanz so gering wie möglich gestaltm. Wenn Sie aber(zu den Unternehmern) die Produktion nicht steigern, so wird der Eingriff um so tieser erfolgen müssen. An Hand einiger Bei- spiele au? der Industrie führte Genosse Wiffell aus, wie durch eine planmäßige Wirtschaftsführung der Ertrag der deutschen Produftion ganz bedeuimd gesteigert werden kann. Er wies auch darauf hin, daß ein Vertreter des Handels zugegeben hat, es feim heute viel zu viel Menfchm im Handel befchäftigi. Gegenüber der Behauptung des Berichterstatters, daß wir keine Goldwerte haben, mächte ich doch darauf hinwerfen, daß die technischen Einrichtungen unserer Wirtschaft im letzten Jahre eine o«pz bede"ten'..' Höbe erreicht haben. Hier sind Gold- bzw. Sachwerte geschnffm worden. Es kommt nun darauf an, die Werte, die wir im Innern in Papier aufbringen, zur Bezahlung nach außen in Gold umzumünzen. Die Vermögenssteuergesetze werden in diesem und im nächsten Jahre noch keinerlei Einnahmen bringe«. Bis das der Fall ist, können wir nicht warten. Ich glaube, daß röer feftgeftellt. « der Ghrhart-Brigade! unsere Industrie, namentlich eine zusammengeschlossene Industrie, im Ausland« auch kreditwürdig genug erscheint, daß dieses darauf» hin dem Reich die Goldwerte leiht, die es braucht. Wir müssen die Erträge unserer Wirtschaft zu steigern versuchen. »Zelingt das, so brauchen wir um so weniger in die Substanz des Vermögens einzugreifen. Scheitert das aber an dem Widerstand der Industriellen und der Landwirtschaft, dann werden wir stärker in die Substanz eingreifen müssen als ich es wünsche.(Zwischenruf: Pleite!) Ja, dann find wir pleite. Das unterliegt keinem Zweifel. Vorläufig aber habe ich noch die Hoffnung, daß wir nicht pleite werden, und wir müssen uns Mühe geben, um der Plefte zu ent- gehen. Beckmann vom Gewerkfchafisbund der Angestellten: Der Fehler aller bisherigen Finanzreformen lag darin, daß die Geldentwertung nicht berücksichtigt wurde und daß man die Besitzer von Geldforde- rungen den Besitzern von Sachwerten gleichgestellt hat. Eine un- abwälzbare Besteuerung der Sachwerte ist nur möglich durch Beteiligung des Reiches an den Sachwerten. Humar protestiert gegen die Erfassung des Grundbesitzes durch eine Goldhypother. Georg Bernhard wendet sich mit großer Schärfe dagegen, daß das Reichsffnanzminifterium nicht einmal den voraussichtlichen Cr» trag der Besttzsteuern angegeben habe. Das ist eine ganz unmögliche Art der Finanzberatung. Der Reichswirtfchaftsrat sollte die Verant- wortung für eine solche Art Gesetzesmacherei ablehnen. Wenn wir das nicht hm, so lediglich deswegen, weil wir bis zuletzt den Versuch machen wollen, an der Lösung der Reparationsfrage mitzuwirken. Unsere Gegner sind vorläufig gesonnen, die ungeheure Last in jedem Falle einzutreiben. Käme aber eine Finanzkontrolle der Entente. so würde diese sn Form und Höhe viel unangenehmere Steuern bringen als man heute zu tragen bereit ist. Sie würden vor allem auch die Konkurrenzfähigkeit der deutschen Industrie unterbinden. Selbst im englischen Haushalt sind die Beträge aus deutschen Re- parationszahlungen berefts eingesetzt. An die Streichung sämtlicher Reparationen glaubt doch kein Mensch. Warum stellt man dann nicht wenigstens einen geringen Etrag an Steuern für diese Zwecke in den Haushalt ein Aber nicht einmal der innere Bedarf ist ja durch Steuern gedeckt. Weshalb hat das Kabinett noch keinen Plan vorgelegt, der die Beschaffung der Devisen zur Bezahlung ermöglicht. Wenn wir auch keinen Ueberschuß der Einfuhr über die Ausfuhr haben, so führen wir doch immerhin Waren aus. Die Regierung hat es nicht einmal verstanden, die auf dies« Weise bisher nach Deutschland kommenden Devisen zu er- fassen. Es sind von Deutschen ausländische Werke gekaufi und mit fremder Valuta bezahlt worden. Das ist an sich kein Schaden. Aber augenblicklich stellen gewisse Kreise der Indu- strie und des Handels nicht genügend Devisen zur Verfügung. Die Spekulation hat unter sprunghafter Steigerung der Kurse der Re- gierung die benötigten Devisen vor der Nase weggetauft. Das ist eine Vaterlandslosigkeit, eine Schamlosigkeit gegen die öffentsichen Interessen, für die es keinen parlamentarischen Ausdruck gibt. An eine gleich- zeitige Dermögensbestcuerung durch besondere Erfassung der Gold- werte neben den bisherigen Besitzsteuern glaubt der Redner nicht. Er verlangt aber, daß die Industrie sich verpfsichtet, als Vorschuß auf die Vermögenssteuer Werte zur Verfügung zu stellen, die die Be- schaffuog der Devisen ermöglichen. Er verlangt daher, daß der Re- parationsausschuß bei der Beratung des Antrages Wiffell Grundzüge für einige gesetzliche Bestimmungen in dieser Richtung ausgearbeitet. (Schluß in der Morgenausgabe.) Heneralftreik in Noröfrankreich. Pari», 13. September.(WTv.) Wie die Morgenblätter melden, ist der gestern proftamierle Generalstreik in der Gegend von Lille ziemlich allgemein zur Durchführung gekommen. Die Zahl der Streikenden wird auf 75 OOS geschäht. Auch die Straßenbahner haben im Lause des gestrigen Tages die Arbeit eingestellt. Es wurden zahlreiche Versammlungen abgehalten, die ruhig oerliefen. Der A r- beltsminister hat gestern Vertreter der industriellen Verbände empfangen, wobei die Industriellen dem Minister die wirtschafiliche Lage anseinandersehten, die es ihnen nicht erlaube, die Lohn- Herabsetzung von 20 Centimes wieder rückgängig zu machen. Die Unterredung Halle also keinerlei Ergebnis. Der Mi- nister Hot für morgen Vertreter der Arbeilgeber und Arbeitnehmer zu sich geladen, um nochmals einen Versöhnungsversuch zu unier- nehmen. Das Skreikkomilee hat im Laufe des gestrigen Tages den Arbeitern bestimmter, besonders lebenswichtiger Betriebe die Wieder- aufnähme der Arbeit gestattet._ Die Unruhen in Marokko. Die ivanischen Truppen haben die Offensive gegen die Aufständischen in Marokko aufgenommen. Tie Angriffe der Ausständischen dehnen sich jetzt auch auf die französische Linie au§. In der französischen Kammer ist eine Anfrage über die Gefahren eingegangen, die Frankreich au§ dem Marokkoseidzug der»deutschtreundlichen spanischen Militär- Partei" erwachsen. In Spanien befürchtet man. Frankreich werde die Unruhen in Marokko dazu bemchcn, fein«» Einfluß auch auf. Spanisch-Marollo auszudehnen. Deutschösterreichs Ausverkauf. G. P. Wien, 11. September. Ms im Jahre 1854 die Reaktion Oesterreich finanziell an den Rand des Abgrunds gebracht hatte, wußte sie sich aus den Folgen ihrer Mißwirtschaft keine Rettung, als daß sie das in bester Entwicklung befindliche Staatsbahnnetz an ein Konsortium von internationalen Finanz- r i t t e r n verschleuderte. Reben den jüdischen Isaak Pereira und Eskeles finden wir in dem Konsortium auch den späteren Finanzminister Napoleons III, Wolf Fould, den Halbbruder Napoleons, Herzog von Morry, und den Herzog von Galliera. In einer ähnlichen Situation befindet sich jetzt Oesterreich wiederum. Wieder hat die Reaktton das Staatsruder m der Hand und wieder weiß sie sich aus den finanziellen Bedräng- nifsen, in die der Weltkrieg den Staat gebracht hat, keinen Ausweg als durch Verschleuderung von Staatsgut an ein Konsorttum von internationalen Glücksrittern. Aber diesmal handelt es sich der Reaktion noch um mehr als um bares G e l d, es handett sich auch darum, durch Absioßung der staatlichen Industriewerke zu verhindern, daß sie in gemeinwirt- fchastliche Anstatten verwandelt und so das Werk der Soziali- sierung, das an verschiedenen Staatsgütern— und zwar wie unter anderem die gemeinwirtschaftlichen Leder- und Schuh- fabriken beweisen— mit Erfolg in Angriff genommen wurde, zu stören und den Kapitalismus wieder fester m den Sattel zu setzen. Die Industriewerte, deren Berschocherung von den Kapitalisten betrieben wird, sind neben einigen klemeren Anstalten vor allem das A r s e n a l und die Werke in Wollersdorf, zwei Industrieanlagen, die im Krieg von der Militärverwal- tung auf das Modernste zur Erzeugung von Kriegsmaterial eingerichtet, nach dem Zusammenbruch durch die Initiative der Arbeiter in die größten Industrieanlagen Oesterreichs um- gewandett wurden. Daß beide Betriebe nur durch die Tat- kraft der Arbeiter dem Staat überhaupt gerettet wurden, störte das Kapital natürlich nicht im geringsten. Im Wiener Arsenal hatte der Militarismus 15 000, in WöllerÄwrf, fernab von jeder Stadt, gar 46 000 Arbeiter zu- fammengepreßt, mis allen Ländern und Völkern der Mon- archie zusammengewürfelt, die mit Kerker und Peitsche, mit Bajonett und Spangen unter der Zuchttute des Kriegs- leistungsgefetzes zur Fronarbeit gezwungen wurden. Als die Gewalt des Militarismus zusammenbrach, stoben diese Zehntausende auseinander, froh, der Sklavenpeitsche ihrer Fronvögte entgehen zu können. Rur wenige Tausend orga- nisierker, klassenbewußter Arbeiter blieben zurück, gehalten von ihren Verttauensmännern, die der werdenden Republik nicht nur den Stock tüchtiger Arbeiter, sondern die Milliardenwerte. die in diesen Betrieben steckten, retten wollten. Es wurden Arbeiterwehren gegründet, die die Betriebe bewachten. um die Zerstörung der Anlagen und die Plünderung der Waren zu verhindern, die herrenlos herumlagen, weil keine Disziplin mehr bestand und mit den Sklaven, die die Kette ge- brachen hatten, auch die Antreiber, die ihre Rache fürch- teten, geflohen waren. Aber damit noch nicht genug: die Bertrauensmänner mußten auch noch unter denen, die zurück- geblieben waren, mustern und die unverläßlichen und zweifel- haften Elemente abstoßen. Ja noch mehr: da die Leitung der Industtiewerke, die nur aus militärischen Gesichtspunkten ausgewähll worden war, bei der Umstellung mtf die Friedens- Produktion ganz versagte, mußten die Arbeiter sich selbst erst die Maschinen bauen, die für diese Umwandlung notwen- big waren, ja selbst die Berkaufsorganisation mußte von ihnen erst geschaffen werden. Aber wenn die leitenden Personen und die Finanzverwaltung ihnen auch gelegentlich Worte der Anerkennung spendeten, so sahen sie das Werden dieses sozia- listischen Geistes nur mit Widerwillen und vom ersten Tage an wurde das Werk von allen bürgerlichen und bureaukrati- schen Stellen sabotiert. Statt die Arbeiter m ihrem Bestreben. dem Staate einen Musterbettieb zu schaffen, zu unterstützen. und all« Kräfte aufzuwenden, um ihnen über die Schwierig- leiten der ersten Jahre hwüberzuhelfen, wurden ihnen, zum Teil aus Unfähigkeit, zum größten Teil aber bewußt, um das Gesingen des sozialistischen Versuches zu stören, und aus kapi- talistischer Profit- und Provisionssucht die allergrößten Schwierigkeiten bereitet. Nicht nur, daß das P r i- v a t k a p i t a l, auf dessen Mitwirkung ja auch diese industriellen Betriebe angewiesen waren, sich zurückhielt und schlechtere Bedingungen stellte, nicht nur daß die General- direktion nicht imstande war oder nicht wollte, die nötigen Fachleute für die kaufmännische Leittmg der Bettiebe aufzutteiben, nicht nur daß die Regierung ununterbrochen mit allen möglichen Kapitalisten verhandelte, um ihnen die Werke zu verkaufen, nicht nur, daß die bürgerlichen Blätter unaus- hörsich die Jndustriewerke und die dort beschäftigten Arbeiter beschimpften, um ihnen den Kredit zu ttntergraben, haben sich die Organisationen der Industriellen nicht entblödet, sogar die Hilfe der Reparationskommission anzurufen, um hie Umvandwng in eine geme inwirtschaftliche Anstalt zu ve» hindern. Die Reperitisnskolttmission hat sich auch nicht ge- scheut, mit Berufung auf den Friedensvertrag, dsr ihr das Generalpfandrecht auf alles staatliche Eigentum gibt, gegen diese Umwandlung auch wirklich Einspruch zu erheben. Wie ernst die Berufung auf den Friedensvertrag ist, und wie sehr es sich dabei nur darum handelte, die Solidarität mit den Kapitalisten zu bekunden, geht daraus hervor, daß die Entente gegen die Umwandlung in eine gemeimvirtschaftliche Anstalt, die an dem Verhältnis zum Staat nichts ändert, Einspruch erhob, aber zugleich hinzufügte, daß sie gegen den Be-rkauf oder die Verpachtung an ein« kapitalistische Gruppe nichts einzuwenden habe. Für den Verkauf haben die Feind« der 2ndustrie«erke ein Haupiargument: das Defi- zit, die Zuschüsse, die der Staat leisten muß, die in Lsterreichi- scher Valuta natürlich sich riesenhaft ausnehmen, in guter Valuta aber doch erträglich sind, und die Schwierigkeit, das Kapital zu erhalten, um die notwendigen Anlagen zu be- schaffen und die Betriebe im Laufe der Jahre rentabel zu machen. Beim Arsenal mißglückte dennoch die Verschache» rung. Die Arbeiterschaft des Arsenals hat in Gemeinschaft mit der Sozialdemokratischen Partei und der Gewerkschafts- kammifsion bereits im Februar die Umwandlung des Ärse- nals in eine gemeinwirtschaftliche Anstalt erzwungen. Dagegen ist es bei den Werken von Wollersdorf g e l u n g e n, vor allem weil diese wegen der riesigen Dimen- sionen der Anlagen— die aber nur zum geringsten Teil aus- genützt sind zur vollen Ausnutzung viel größere Kapitalien erfordern. Die Sozialdemokraten batten allerdings auch für Wöllersdorf vorgeschlagen, daß die einzelnen Industrie- betriebe, die dort erricktet sind— neben der riesigen Waffen- und Munitionsfabrik Metoll-, Tertil- und Glasfabriken— in gemeinwirtschaftliche Anstalten nmaewandelt werden sollten. Die bürgerliche Majorität des Hauptausschusses hat aber dem Vorschlag der Regierung zugestimmt, daß das ganze Werk an eine Aktiengesellschaft für sechzig Jahre verpachtet werden soll. Der Vertrag, dem der Hauptousschuß zugestimmt hat, wurde nur mit einer einzelnen Person abgeschlossen, dem ehemaligen Generaldirektor der Depositenbank Dr. K r a n z, gegen den das Kriegsministerium während des Krieges einen großen Ten- denzprozeß wegen Ueberoorteilung der Heeresverwaltung an- gestrengt hatte, her aber trotz seiner Verurteilung seither wieder ein großer Finanzier geworden ist und nun die Gene- ralvertretung einer großen amerikanischen Schriftgieß- Maschinenfabrik bat. Dieser Herr Dr. Kranz steht nun an der Spitze eines großen Konsortiums, dem außer einigen reichen deutschen Firmen— darunter die Frankfurter Metallwaren- firma Beer, Sondheimer u. Eamp. und die Berliner Bank- firma C. Schlesinger, Trier u. Eo., einem Herrn Rabinowitsch aus Petersburg und Paris— noch eine Reihe fragwürdiger Personen angehören: vor allem der durch die Verschiebung des Hohenzollernvermögens nach Holland bekannt«, nun in Holland wirkende Herr Josef Paul G r u s s e r und— damit der aristokratische Aufputz nickt fehle— auch sein Klient, der Fürst Leopold zu Lippe-Detmold. Es gehören diesen? Konsortium, das berufen ist, eines der größten Jnduftrieunter- nehmen zu führen, also nur— um es höflich zu sagen— Händler und Bankiers an, aber kein einziger industrieller Fach- mann. Jedenfalls ist der Vertrag ein trauriges Zeichen der Zeit, ein Zeichen, wie die A n g st v o r d e m S o z i a l i s m u s die bürgerlichen Parteien und Regierungen dazu treibt, selbst die ihnen anvertrauten Interessen des Staates zu mißachten. Schulstrei? In Darlmund. Die Arbeitsgemeinschaft der Freien Schulgesellschaften teilt in einem Aufruf mit, daß die Vertreter aller freien Organisationen der Stadt Dortmund einstimmig den Schul- streik beschlossen haben. Als Grund wird angegeben, daß die Stadtverwaltung bisher nichts Ausreichendes für die Ein- schulung der dreitausend Schulkinder getan hat, die auf Grund des ministeriellen Erlasses über die bekenntnisfreie Schule zum freireligiösen Unterricht angemeldet waren. Die i«tern«tLona!e Hilfssprache. Bon Erich Witte. Als Schüler habe ich 6 Jahre Englisch, 7 Jahre Französisch und S Jahre Lateinisch gelernt: in dieser letzteren Sprache war ich beim Verlassen der Schule imstande, Prosa zu lesen, leichte Stellen ohne, schwere mit Wörterbuch. Kürzlich habe ich eine Sprache ge- lernt, die ich mir in demselben Grad wie das Lateinische zu eigen machte. Ich habe aber nicht verschiedene Jahre darauf verwandt, auch nicht«in Jahr, nicht einmal einen Monat, ja sogar noch nicht eine Woche, sondern nur einen einzigen Tag. Es war die künstliche internationale Hilfssprache, das Esperanto, für dessen Verbreitung im August in Prag ein Kongreß abgehalten worden ist, auf dem Zllv Nationen»ertreten waren. Die Sprach« ist deswegen so leicht zu erlernen, weil es in ihr nur ein« Deklination, nur«inen Artikel, nur eine Kon- jugation, überhaupt keine einzige Unregelmäßigkeit gibt, weil jedem Laut ein Buchstab«, jedem Begriff ein Wort entspricht. Würden alle Nationen außer ihrer Muttersprache nur das Esperant« lernen, s» kannte die vjele Zeit, die in den Schulen auf die fremden Sprachen verwandt wird, für andere Lehrgegenstände verwertet werden und sa»ort Ueberbürdung der Schüler keine Rede mehr sein. Dann würden alle Bücher nur in diese Sprache übersetzt zu werden brauchen nnd daher in der ganzen Welt gelesen werden können. Dann könnte«ine Arbeiterzeitschrift erscheinen, dir von de» Arbeitern aller fünf Erdteile neben ihren jetzigen Zeitungen gelesen werden könnt«. Wenn das Esperanto sa groß« Borzüge hat, warum wird es dann nicht schon langst in allen Schulen der Welt gelehrt? Wer sind die Gegner dieser internatianalen Sprach«? Erstens sind es dl« Nationalisten, die bei der allgemeinen Einführung de» Espe- ranto eine Ueberbrückung der internationalen Gegensätze fürchten, da sich dann die Arbeiter aller Lä«der ohne Schwierigkeiten verständigen könnten und dies nicht mehr ein Vorrecht der Besitzenden sein würde. Zweitens sind es die Gegner der Einheitsschule: denn w«nn in der ganzen Welt Esperanto gelehrt wird, brauchen die Schüler weiter kein« anderen fremden Sprachen; dies trennt ober jetzt wie ein« chinesisch« Mauer di« höheren Schulen und die Volks- schulen. Di« Einführung des Esperanto bedeutet also die Schaffung der Einheitsschule. Drittens sind es die Interessenten. Wie früher die Fuhrwerksbesitzer gegen die Eisenbahn, die Abschreiber gegen die Buchdruckerkunst waren, so sind jetzt die Philologen gegen die Einführung der internationalen Hilfssprache. Ihnen schließen sich gewisse Verleger an. Es gibt übrigens bereits zahlreiche in allen Ländern eingeführte internationale Sprachen. E« ßich tzz H»» d« AptenjchrG, i» d« Telßxeaxhw da» Ldiich»« Ein protestantisches Konzil. Genosie Pastor H. Fr a ncke schreibt uns: In den Tagen vom 12. bis 16. September tagt in Stuttgart ein evangelisches Konzil, das über die Zukunft der evangelischen Landeskirchen in Deutschland und ihren eventuellen Zusammenschluß zu einer Gemeinsamkeit inner- halb gewisser Grenzen beraten will. Es ist kein offizielles Konzil. Seine Repräsentanten sind nicht bevollmächtigt, nach feststehenden Verfassungsbestimmungen ihre jerveiligen Kirchen zu vertreten. Sie si?td nur von kirchlichen Behörden und Or- ganisationen delegiert, um einen etwaigen deutschen Kirchen- bund vorzubereiten, resp. seine Verfassung zu entwerfen. Diese Versammlung könnte, wenn sie die Zeichen der Zeit recht verstände, eine hohe Mission erfüllen. Sie könnte an ihrem Teil etwas zur Ueberwindung des Unglück- seligen deutschen Partikularismus beitragen. Sie könnte die Parole ausgeben, daß die Zertrennung des deutschen Protestantismus in soundso viel protestantische „Landeskirchen" nunmehr noch überflüssiger geworden ist, als sie es eigentlich schon immer war. Warum sollen sich die Protestanten Preußens, Bayerns, Badens, Sachsens usw. nicht zu einer einheitlichen evangelischen Kirche zusammenschließen, in der jeder Deutsche und natürlich auch jeder zu uns kom- me??de evangelische Fremde gleiches religiöses Heimatrecht fände? Eine solche Vereinheitlichung der evangelischen Kirche rvürde«ine Beendigung der bisherigen Zersplitterung bedeuten, eine Vermeidung der bisher geübten Vergeudung an Kräften ur?d Mitteln. Müßten nicht schon die Ersparirisrücksichten dafür sprechen, zu denen die kommende Trennung von Kirche und Staat und das Versiegen der bisher be- zogenen Staatsbeihilfen die Kirchen zwingen wird? Wär's ober nicht schade um die regionale Mannigfallig- keit, die damit verschwände, um die Lokalfärbung ausge- prägter Kultunterschiede und historischer Ueberlieferungen, die damit verblaßte? So können nur satte, lebensübermütige Persönlichkeiten fragen, denen ihre soziale Lage und sonstige Konstiwtion ermöglicht, an unsere furchtbar ernste Zeit ästhetische Ansprüche zu stellen. Die mögen sich vergnügen am„Reichtum" kultureller Unterschiede und Gegensätze inner- halb eines Volkes. Die gehetzte Masse«mpfir?det das nicht als einen Reichtum, sondern als eine Erschwerung ihrer Lage und als eine Vermehrung des auf ihr lastenden Druckes, wenn sie selbst auf religiösem Gebiet sich erst zurechtfinden soll in den Grenzen und Unterschieden, die etwa das evangelische Mei- ningen gegen das lutherische Hannover oder das reformierte Bremen gegen das unierte Prerihen aufgerichtet hat. Eine Kirche wünscht sich die Masse als Pflegestätte ihrer höchsten geistigen Interessen, deren Wahrung sie dem täglichen Kamps ums Dasein mühsam abringt. Eine Zufluchtsstätte braucht sie, wo sich die Mühseligen und Beladenen von Last und Sorgen ihres Tageslebens entlasten können, roo sie Frieden finden von allen Kämpfen und Zerrissenheiten ihres Lebens. Es wäre ein verdienstliches Werk, wenn der deutfch-evange- lisch« Kirchentag in Stuttgart uns der Verwirklichung dieses Ideals näher brächte. Leider besteht wxnig Wahrscheinlichkeit dafür. Einer wirklichen, grundsätzlichen Verschmelzung aller deutschen evangelischen Landeskirchen zu einer einheitlichen deutschen evangelischen Kirch« steht der Streit über die Frage entgegen, auf n>«lch«r Grundlage sich diese Verschmelzung vollziehen soll. Die verschiedenen bisher bestehenden Landes- kirchen spielen da ihre verschiedenen noch immer geltenden „Bekenntnisse" gegeneinander aus. Das ist insofern ein Nonplusultra geistiger Verwirrung, als jedes mahrhast evangelische Bekenntnis ausdrücklich bestimmt, daß das Evangelium selbst die Grundlage aller Kirchcnbildung darstellen soll. Man brauchte sich also nur an das Evangelium des Reuen Testa- ments zu halten. Ja, aber roer legt das aus? Es ist doch nicht einheitlich! Ganz recht, meine Herren, das Evangelium umspannt in Weltanschauungsdingen sehr widerstrebende Tendenzen. Aber in dem Einen ist es wirklich ganz einheit- lich, ganz aus einem Gusse: in der Durchführung der sittlichen Alphabet, im Rechnen die Zahlen, in der Algebra und in der Ehemie die Formeln, in d«' Schiffahrt die Flaggenzeichen. Warum zögert man mit der allgemeinen Einführung der wichtigsten der internationalen Sprachen? «* * Zu diesem Bekenntnis zum Esperanto müssen notgedrungen ein paar Feststellungen gemacht werden: 1. Die Einführung einer internationalen Sprache setzt voraus, daß di« Völker sich über die Wahl der Sprache verständigt und ein internationales Sprachamt geschaffen haben. 2. Der Verfasser hat das Esperanto so schnell glernt— wobei er die in einem Tage gewonnene Festigkeit sicher überschätzt—, weil er schon so viel« Sprachen konnte und besonders die im Espe- ranto bevorzugten lateinisch-romanischen Wortstämme kannte. 3. Eine internationale Hilfzsprache kann die Kenntnis der Welt- spräche eben nicht ersetzen. Sie kann aber ein sehr nützliches In- strum«nt der Verständigung und der Lebenspraxis werden. Die Red. Herbert Eolenberg:»Alles um Geld.. Otto Vrahm, der Natu- relist, suchte in Eulenberg den Psychologen, der zu fördern sei. Di« Romantik, die in diesem Schriftsteller spukt, übersah der sonst so hellsichtige Mann. Vielleicht wurde dem Temperament Culenbergs dadurch ein Unreckit getan, das die ehrgeizigen Leute vom Steg- l i tz e r Schloßparktheater irgendwie gutmachen möchten. Der Wille war da, er wirkte Lobenswertes, da er Eulenberg nicht fallen ließ. Denn er ist, obwohl er heute nichts Persönliches mehr vermag, ein merkwürdiger Sonderling gewesen. Wenn er seine Sprachohnmacht abstreifte, die sein Wortbild an das Klischee heftete, so fand er sich in Träumereien hinein, di« den Moralisten ehrten, den Seelen- kundigen vevrietm und die den Gestalter mindestens nicht aufhielten. „Alles um Geld", die Tragödie der Armut, scheint manchmal eine aufgeblasene Pleitegeschichte. Aber der Skeptizismus wird auch häufig besiegt, und e» entsteht ein immerhin rührendes Sinnspiel. Der arm» Mann, der ein Ehrenmann bleiben will, muß zum Teufel gehen. Erst verliert er Geld, dann Ansehen, dann das Leben ge- siebter Kinder, hierauf die Spießbürgerehre und endlich den Per- stand. Weltlauf, Wochentagsweltlauf in teils symbolischem Gewände. Die Sprache soll Alltagssprache bleiben, sie soll sich schließlich zum Ekstatischen steigern, damit die Größe der inneren Sittlichkeit ge- zeig! wird: die bravsten, tiefsten Charaktere werden vom Pack der Gläubiger nur als Bankrotteure eingeschätzt und dementsprechend be- handelt. Es ist eine billige Nationalökonomie, nicht viel mehr als eine Heilsarmeepredigt mit erbaulichen Beispielen. Trotzdem ist die phantastische Kindlichkeit des Richters gewinnend. Die Literatur und die Ausmünzung theatertechnischer Möglichkeit sind die Talente Eulenbergs. Die Originalität, die ihm die erste Jugend schenkte. verdampfte bald. Man soll ihn nicht abstrakt spielen, wie es in Steglitz geschah. Seine Armutstragödie ist kein expressionistisches Stück, entstammt höchstens von einem Naturalisten, dem die Charakteristik des Theater- menschen halb in der Feder steckenblieb. Eulenbergs Romantik ist eher Verlegenheit ab Stärke. Dt« Dtmtethvt Mnc Svattak$ Forderung: Du sollst deine Liebe zu Gott in ds Liebe ztt deinen Mitmensche??, selbst zum Feinde, betätige??.— Diese eine Forderung ist etwas so Ungeheures, etwas für, die Welt— wie die letzten 7 Jahre gezeigt haben— so Anstößiges und Unerfüllbares, daß es sich wirklich lohnte, darauf allein eine Kirche zu gründen. Wenns doch die Herren irr Stuttgart einmal damit versuchen wollte??l Die Aufgabe Ses bayerischen Lanütags. Wie es heißt, soll der bayerische Landtag noch in dieser Woche zusammentreten, um die Bildung der neuen Regierung vorzunehmen. Maßgebend für sein Verhallen hierbei find die Bestimmungen des § 58 der Verfassungsurkunde des Freistaates Bayern, die besagen: Das Gesamtministerium wird durch den Landtag bestellt. D er Landtag wählt den Ministerpräsidenten. Zur Gültigkeit der Wahl ist die Zustimmung der Mehrheit der geseg- lichen Mitgliederzahl erforderlich. Der Ministerpräsident untere breitet dem Landtag eine Vorschlagsliste für die übrigen Minist« rien. Er besetzt diese im Einverständnisse mst dem Landtage. Der Vorgang ist also ähnlich wie in Preußen. Soll die Wahl des Ministerpräsidenten Bestand haben, so ist eine vorausgehende Verständigung mit jenen Fraktionen, deren Teilnahme erwünscht oder notwendig ist, erforderlich. Die Aufgabe, den Ministerpräsidenten zu stellen, wird vermutlich der Bayerischen Volkspartei zufallen. Viss her sind zwei ihrer Mitglieder, Held und v. K n i l l i n g, als vor< aussichtliche zukünftige Ministerpräsidenten genannt roorden. Dia Deutschnationalen arbeiten indessen mit Hochdruck für die Wieders wähl Kahrs, die eine neue Befestigung ihres erschütterten Eins flusses bedeuten würde. Wahrscheinlich aber ist die Bildung einer Regierung der Mitte, Volkspartei, Bauernbund und Demo traten, dis nach rechts oder nach links Anlehnung suchen könnte. Somit besteht die Möglichkeit, daß die neue bayerische Regierung ein nicht ganz eindeutiges Gesicht zeigen wird. Die Sozialdemokratie wird ihrs StellunMu ihr je nach ihrer Zusammensetzung und ihrem Verhalten einrichten. Eine zuverlässig rep?,blikanische Regies rung würde jedenfalls mit ihrer Urrterstützung rechnen können. Die Totenklage um Kahr. München, 12. September.(MTB.) Zum Rücktritt Kahrs schreiben die„Neuesten Nachrichten": Die polittsche Spans nung der letzten Tage hat zu einer Entladung gedrängt, die im Interesse des Landes im gegenwärtigen Augenblick nur auf das Tiefste bedauert werden kann. Der„B a y e r i s ch e K u r i e r" sagt, die Kunde vom Rücktritt Kohrs werde im ganzen Lande ausrichttgen Schmerz hervorrufen. Di«„M ü n ch e n er Zeitung" bemerkt im Leitartikel: Was nicht oerstanden wird, ist der Bruch der Bav« rischen Bolkspartei mit ihrem erwählten Vertrauensmann Kahr ges legentlich eines Konfliktes, der entbrannt ivar um die letzten Hoheitss rechte Bayerns. Die Stellung Bayer?» bei allen unvermeidlich kommenden Konflikten ist dadurch schwer geschädigt. Die„M ü n- chen-Augsburger Abendzeitung" meint, sie könne sich des Eindrucks nicht erwehren, daß die Mehrheit sich der geschichtlichen Bedeutung des Augenblicks nicht bewußt war. Die Koalition Hab« zu bestehen aufgehört. Der Sturz des Ministerpräsidenten habe all« Revoluttonäre aufs Neue stark gemacht. In der sozialdemokratischen „M ü n ch e n e r P o st" wird erklärt, daß das Ziel des Kampfes, dis Aufhebung des bayerischen Ausnahmezustandes und die Sicherung der demokratischen Republik, mit dem Sturz der Kahr-Regierung allein noch nicht erreicht sei. Die Arbeiter werden aufgefordert, sich in höchster Bereisschaft zu halten, solange die Rechtspusschiften uns gehindert ihr gefährliches Spiel treibe?». Christliches Dsrkranensvotum für Skeqerwald. Eine Konferenz der christlichen GewerkschaftsfunkttonSre in Essen hat dem preußischen Ministerpräsidenten Stegerwald ein Vertrauensvotum ausgestellt und ihn zum Bleiben aufgefordert. Die irische Frage. Reuter meldet: Starke Gründe sprechen für die Annahme, daß das irisch« Kabinett sich bereits ensschieden hat, die Einladung der Regierung zu einer Konferenz anzu�s nehmen. Die Antwort werde wahrscheinlich vor Mittwoch übers mittelt werden. auch nur Ausflucht. Diese vunkelhett erhellte Brahm durch die Schalsspieler. Die Steglitzer Künstler verdunkelten noch mehr. Derb hätte alles angefaßt werden müssen, statt dessen säuselte oder sang man mit expressionistischen Methoden Orphisches. Die jungen Schau, spieler dieses Theaters verfügen jedoch??icht über Sprecher, die wie prophetische Zungenredner wirken. Es wurde die Mühe überall hörbar und sichtbar anstatt der Menschlichkest. Das Talent von Paul Henkels, Walter Falk, Gerhard Bunte und Thea Grodtczinsky strauchelte über solches Mißverstehen der Aufgabe, die zu lösen war. Max Hochdorf. ZKusik bei Kerzensichk. Man geht durch die abenddunklen Straßen und entdeckt ein neues Verlin. Die Häßlichkeiten der Großstadt, di» die grelle Beleuchtung sonst noch unterstrich, verNeren fich im Dämmer: die Unruhe des Ornamenttrubels hat sich in große Flächen verkrochen. Die Konturen werden beredter. Wohlige Schatten werden nur hier und da aufgehellt, und das sparsame Licht wird zirm Er, lebnis. Wie schön sst so eine Zimmerreihe im ersten Stock, die ihr Licht ausstrahlt. Und die Stille und die Bexlcssfenhest der Siraßen. Dank den Angestellten der elektrischen Werke, die?ms diesen seltenen Genuß oerschafftl(Die zu Fuß in ihr« ferne Wohnung müssen» empfinden anders.) Da sind wir glücklich ohne Hast in die Singakademie g«s langt. Um mehr denn ein Jahrhundert fühlen wir uns zurückvers fetzt. So sparsam ist man um 1820 mit der Kerzenbeleuchtung ge- wesen. Aber für unsere lichtübersättigten, lichtgepeitschten Nerven ist das Schummrige ein« Wahltat. Der schöne Saal hat ein ganz neues Gesicht bekommen: vor dem Rose-Ouartett stehen 6 Kerzen, keine mehr, und weit dahinter oben an der Orgel noch zwei. Rings herum an den Fenstern u??d Brüstungen flackern einzelne. Der Raum, der im blendenden Licht tot und starr ist, wird lebendig. Das Helldunkel Rembrandts kündet auch hier von Kairrpf und Be- wegung. In den breiten Dunklheiten strahlt das warme, gelbe Licht um so mtensiver, lenkt die Aufmerksamkeit auf die Spieler, befreit uns von den einzelnen Zuschauern, die zur andächttgen Masse oer, schmelzen. Wo aber das Licht wirkt, wird es zum Künstler, es modelliert au» dem tiefschwarzen Sammet bis ins leychtende Funkeln. Wie prachtvoll sitzt Arnold Rose da, ernst und würdig und doch von innerin Feuer glühend. Nichts stört mehr in dem weiten Kreis, nur der Geiger und seine Gefährten tauchen hervor: allen sichtbar und bedeutend. Sechs Kerzen vollbringen das. Aber die Künstler öffnen unser Auge für größere Wunder. Tschaikckwskys befeuerte Sehnsucht, Beethovens männliche Tiefe und Schuberts Versunken- heit geleiten uns in traumhafte Welten, in die das Kerzenlicht wie eine ferne Erinnerung hineinflimmert und sein wohliger Geruch di« Weihrauchottnosvhäre dämmriger Kirchen hineinzaubert. Musik bei Kerzenschein— das wäre eine Erlösung vom Konzert» saal._ ch Die Teutsche Hock'chnle für Politik versendet ibren neuen Sludien, plan(für 1!W. vom Selrctartal, W 56, Schinteipiah 6, zu bezieben.).'.m Sommersemesler wurden die Vorlesungen von 363 Hörern beleg!. Dl» abendliche» Sonderlurse wurden von über 3800 Teiluebmern besucht. Auch hjg mtb du twrfrfn« Die Logs im Hurgenlanö. Keine italienische Intervention. Rom. 12. September.(WTB.) Ewige Blätter hatten behauptet, die italienische Negierung habe beschlossen. Truppen nach Un- g a r n zu schicken, wenn die Zwischensäll« im Burgenland nicht rasch gemäß den internationalen Verträgen beigelegt würden. Wie die Zeitungen heute melden, wird w amtlichen Kreisen erklärt, daß dies« Nachricht jeder Begründung entbehre. Italien habe wegen seines besonderen' Verhältnisses zu Ungarn und Oesterreich dos größte Interesse an dieser sehr ernsten Frage und habe aus diesem Grunde stärker als die anderen Mächte seine Stimme in der Aufforderung cm Ungarn, die angenommenen Bsrtröge zu achten, erhoben. Italien habe indessen niemals die Absicht gehabt, die persönliche Initiative zu einer bewaffneten Intervention zu ergreifen, die, wenn sie nötig würde, nur gemeinschaftlich mit den anderen Verbündeten stattfinden könnte. Eine tschechische Note. Prag, 12. September.(WTB.) Der Minister des Aeußern Dr. Benesch hat Montag früh an die Botschafterkonfcrenz eine Not« über die Ereignisse in Westungarn gerichtet. Die Note ist gleich- zeitig an die Regierungen der Großmächte gesandt und der rumäni- schen und der südslawischen Regierung mitgeteill worden. Die Note bemerkt, daß die tschechoslowakische Regierung die Lage für voll- kommen unerträglich Halle. Dieser Zustand sei für den europäischen Frieden sehr gefährlich. Die tschechoslowakische Regierung ersucht die Konferenz um Maßnahmen, welche den anarchischen Zu- stand endgültig beendigen würden, der durch Internen- tionen bewirkt sei, die der Minister für den Augenblick nicht bei dem rechten Namen nennen wolle. Es dürfe nicht die Anficht auf- kommen, daß derartige Aktionen ohne Furcht vor Strafe unternommen werden könnten. Die Note versichert schließlich, daß die tschechostowakische Regierung nichts ohne vollkommene Zu- siimmung der Botschafterkonserenz und der unmittelbar Beteiligten unternehmen werde. Srianö geht nach Washington. Washington, 12. September.(WTB.) Die Französische Botschaft teilt mit, daß sie eine amtliche Mitteilung erholten habe, nach der Briand sich an der Spitze der französischen Abordnung für die Abrüstungskonserenz befinden wird. Um üie„Note flrmee*. Der Nnterfuchungsansschuß des Preußischen Land- tage? setzte am Dienstag die Vernehmung des Oberregierungsrats A'reysing fort, die am Sonnabend nicht beendet werden konnte. lieber die Entwaffnungsaktton bekundet der Zeuge, sie habe in der Provinz Sachsen nur ein sehr geringes Ergebnis gehabt. Die Meldungen über Leuna seien sehr übertrieben ge- wesen. Statt 200 Maschinengewehre Hab« man nur 4 gefunden. Die Kommnnisten seien gut organisiert gewesen, aber über das Bor- handensein einer Roten Armee hätten die Behörden keine Nachrichten gehabt. Eine geschlossene, einheitlich geleitete Organisation habe sich auch während des Aufstandes nicht gezeigt. Bei allen Nachrichten mußte man sehr vorsichtig sein. Wenn man z. B. der Nachricht von der Kriegserklärung der kommunistischen Parteien Bayerns Glauben geschenkt hätte, würde man sich nur blamiert haben. Abg. Kilian(Komm.) bittet, Zeugen dafür zu laden, daß Rechts- kreise ihre eigenen Rüstungen zu verdecken suchten durch die Be- hauptung, dl« Kommunisten bereiteten eine Rote Armee vor. Dabei seien sie unterstützt werden durch die Nachrichtenstellen der Schupo und ihre Spitzel, die Sportvereine und Rote Armeen erfanden.— Zeuge: Diese Nachrichtenstellen existieren bei der Schupo nicht mehr. Der ehemalige Dizewachtmeister Hundt aus Halle soll zum Mitt- woch telegraphisch geladen werden, damit er inzwischen nicht beein- flußt werden kann. Von einem Bericht des Regierungspräsidenten v. Gersdorff über eine Rot« Armee ist dem Zeugen Freysing nichts bekannt. Herr von Gersdorff hatte auch behauptet, daß die in seinem Bericht als Führer Genannten nachher unter den Gefallenen waren. Der Zeuge bleibt bei seiner Aussage, er habe einen solchen Bericht nicht erhalten. Eine Nachricht über die Ausgabe kommunistischer Erkennungszeichen sei nur ohne Angabe der Quelle eingegangen. Abg. Dr. v. Dryander: Am 12. Juni 1920 berichtete der Re- gierungspräsident bereits zahlreiche Anzeichen für das Bestehen einer Roten Armee. Das geht auch aus meinem Bericht hervor. Mußten denn die Behörden nicht mit einer solchen Organisatton rechnen und sich rüsten? Zeuge: Wir wußten, daß einzelne Organisationen zum Sturz der Verfassung bestanden Wie die Gerichte haben aber auch die Behörden diese einzeln bestehenden Vereine nicht als„Role Armee' betrachtet mit Kommandeur, Adjutant usw. Als die Polizei- aktion begann, rechneten wir nicht damit, daß solche Massen der Kommunistischen Partei folgen würden. Die Sitzung dauert fort._ Die Arbeilslosenbeweqong in England. Nach einer Meldung au» Liverpool versuchten Arbeitslose gewaltsam in eine Ge- mäldegalerie einzudringen. Die Polizei feuerte. Dabei wurden verschiedene Personen verwundet; zahlreiche Per- Haftungen wurden vorgenommen. Die griechische Regierung, die auch im Völkerbund vertreten ist und die augenblicklich die Türkei„pazisiziert', scheint auch auf Albanien Appetit zu haben. Sie läßt in Mazedonien Ver- iammlungen abhalten, in denen ein bewaffnetes Vorgehen gegen Albanien gefordert wird, und b-bauptet. die Bewohner de» Epirus würden fedes Opfer bringen, um fich mit Griechen- land zu vereinigen. Mus öer Partei. Der Görlitzcr Parteitag. Der am kommenden Sonntag in Görlitz zusammenttetende Par- teitag wird von fast ebensoviel Verttetern beschickt sein, wie der vor- jährige in Kassel.' Die weite Reise und die damit verbundenen Un- kosten, sowie die gespannte Lage in Bayern waren Veranlassung, daß die süddeutschen Bezirksorganisationen von ihrem Delegationsrecht nicht vollen Gebrauch machen. So entsenden Hessen, Pfalz, Baden, Württemberg und Bayern anstatt 63 nur 47 Vertteter. Trotz der erhöhten Mitgliederzahl werden von den 314 von den Organisationen zu enffendenden Delegierten 279 anwesend sein, das sind vier weniger als wie in Kassel. Außerdem werden die Rcichstagssraktion durch 22, der Partcioorstand durch 17. die Kontrollkommission durch 9, der Parteiausschuß durch 41. die im Borjahr gewählte Programm- kommission durch 4(4 Vertteter sind bereits anderweitig delegiert), die Porteiinstituttonen durch 10 Genossen vertreten fein. Dazu kommt noch Genosse hoch als Referent. Insgesamt also 383 Ge- Nossen, darunter 46 Frauen. Außer den 22 von der Reichstags- fraktion gewählten Delegierten nehmen noch 37 Mitglieder de« Reichstages, teils als gewählte Delegierte, teils als Dorstands-, Kon- ttollkommissions- oder Parteiausschußmitglieder an den Bcrhand- hingen teil. Von unseren ausländischen Bruderparteien werden nach den bis jetzt vorliegenden Meldungen Düncmar?, Schweden. Holland, Belgien und Tschechoslowakei vertreten sein. Auch aus dem Freistaat Danzig wird der Parteitag ein« Vertteter begrüß« können, GroßZMm Die zweite ölütezeit. hier sieht man einen Kastanienbaum in Blüte stehen, dort einen Kirschbaum. Andere wissen von blühenden Erdbeeren, Holunder- büschen und sonstigen blühenden Gewächsen zu berichten. Die Sonne meint es eigentlich an jedem neuen Tag besser als an den vorhergehenden. Wir erleben tatsächlich ein neues zweites Frühjahr, «ine zweite Blütezeit. Und das alles, trotzdem die Tage abnehmen und die Gemüse, und Blumenbeete, die Kartoffel, und Rübenfelder täglich dürrer und trostloser dreinschauen. Dennoch ist die Kar- toffelernte, die sich ja über ganz Deutschland erstreckt, besser als man anfangs glaubte, und die Wucherpreise sind keineswegs angebracht. Aber auch das Geziefcr der Wucherer, Spekulanten und Volksaus- beuter mag ohne eine neue Blütezeit nicht auskommen. Es küm- mert sie nicht im geringsten, daß ihr schändliches Tun den Wert der Mark derart heruntergesetzt hat, daß unser Papiergeld bald auch nicht viel mehr wert sein wird als— Blüten. Inzwischen wird Tag für Tag in den kinderreichen FamUien das Badezeug bereitgehalten und die Freibäder, die konzessionierten sowohl wie die wirklichen,«rieben eine ungeahnte Blüte. In den Sonnenbädern wälzt sich eine frische Wann, und Weiblichkeit im schönen Sonnenschein herum und läßt sich anbräunen wie ein Gänse- braten. Keines denkt an den herbst, denn die liebe gute Sonne brütet täglich neue Frühlingsgefühle aus und sorgt dafür, daß das herz nicht erkaltet. Aber auch sonst sieht man überall ein neues Blühen anheben. Nachdem das Geräusch der Mörderschüsse von Griesbach verhallt ist, wird man gewahr, wie die deutschnationalen Helden allmählich wieder aus ihren Mauselöchern herauskommen und die Reißzähne von neuem wetzen. Sie wittern, scheint's, Frühlingslust. Sie hoffen, daß ihr Weizen noch einmal blühen werde, wenn darüber auch die Blüte des neuen Reichs zugrunde gehen mag. Ihr Weizen soll blühen, ihre Schmerbäuche sollen gedeihen. Aber noch eine andere weit kostbarere und wertvollere Blüte beginnt sich in dieser Herbsteszeit zu erschließen: das ist die Einigkeit des Proletariats. Eine Menge Anträge zum Görlttzer Parteitag betreffen diese Einigkeit. Der gleich« Wille ist bei unseren USP.-Brüdern vorhanden. Tun wir alles, um diese wunderbare Blüte zn schützen und zur Entfaltung zu bringen, da- mit sie dem Proletariat, dem gesamten arbeitenden und schaffenden Volk einst segensreiche Frucht bringe. In diesem Sinne werden wir alle wohl die letzten schönen Tage des sommerlichen Jahres dankbar und freudig hinnehmen und, so- weit wir es können, sie in den kargen Freistunden ausnutzen zu Spiel und Wanderfahrt, zu Sport und Arbeit im Lauhengarten. Bald kommt der herbst, und mit dem 16. Oktober soll für Groß- Berlin die erst« Frucht des einheitlichen sozialistischen Willens reifen: Groß-Berlin muß mit seiner Leitung in den Händen des wahrhast arbeitenden, wahrhaft produzierenden und damit in Wirtlichkeit wiederaufbauenden Volkes bleiben. Sloffien zum Wahlaufruf öer Demokraten. „Die Selbstverwaltung... muß neu erkämpft und gegen jeden Druck... geschützt werden'— in erster Linie gegen diejenigen Parteien, die wie die Demotratische Partei in Steuersragen und in Schulfragen durch ihre Beziehungen zur preußischen reaktionären Regierung die Uebergriffe gegen die städttsche Selbstverwaltung veranlaßt haben. „Keine wie immer gerartete Ausgabe darf ohne Deckung bewilligt werden".— Darum haben dj« Demokraten am 8. Sep> tember für die Erhöhung der Ruhegehälter ohne vorherige Deckung gestimmt. Di« Deckungsfrage gilt nur bei Lohnforderungen der Arbeiterschaft. „Die Verwaltung Groß-Berlin? muß... von unfähigen Partei» günstlingen und Nichtstuern gesäubert werden." Ersatz bieten die zu allem fähigen Parteigünstlinge der Demokraten, die seit der roten Herrschaft aus Nichts- Gutes-Tuern zu Nichts- tuern herabgedrückt worden sind. „Begründeten Forderungen der Beamten, Angestellten und Arbeiter muß Rechnung getragen werden." Darum haben die Demokraten gegen all« Forderungen der Angestellten und Arbeiter im letzten Jahre gestimmt. „Unser Bildungswesen muß... ausgestaltet und ver- bessert... werden." Darum hat der Etatsredner der Demo- kraten unser„vorzügliches Schulwesen" gegen die„An- griffe" der sozialistischen Schulreformer in Schutz genommen. Di« Sozialdemokratie muß befreit werden„aus dem Schlepp- tau der kommunistischen Moskaugarde." Die„Rote Fahne" will uns dagegen aus dem„Schlepptau" der Demokraten be- freien. Wer von zwei Schlepptauen nach verschiedenen Seiten zu- gleich gezogen wird, pflegt für gewöhnlich recht fest zu stehen. Wir freuen uns dieser Anerkennung. Di«„svzialistisch-kommunfftische Mehrheit" muß„durch eine Arbeitsmehrheit der Mitte ersetzt" werden. Wie weit soll dies«„Mitte" reichen? Bisher ging sie von den Demo- kraten bis zu den Deutschnationalen. Warum also die langatmige Umschreibung? Warum nicht lieber kurz und bündig: »Bürgerblock"?! Klante unter Verhör. Der am Sonntag verhaftete Wettkonzerninhaber Max Klante wurde heute vormittag im Moabiter Untersuchung«- g e f ä n g n i» einer Vernehmung unterzagen. Klante verlangte sehr energisch seine sofortige Freilassung, da er, wie er be- hauptete, sich keiner strafbaren Handlungen schuldig gemacht Hab«. Wenn er in letzter Zeit seinen Berpflichtüngen nicht in vollem Um- fange nachgekommen sei, so ttage daran nur die unberechtigte Be- schlagnahme von 10 Millionen durch die Steuerbehörde die Schuld. weil dies« Summe in gar keinem Verhältnis zu seinen taffächlichen Umsätzen gestanden habe. Geschäftlich sei er durch diese Maßnahmen außerordentlich geschädigt worden. Klonte behauptet weiter, daß er niemals an eine Flucht gedacht habe, sondern, daß er vor der Wiederaufnahme seiner geschäftlichen Tätigkeit sich unbedingt einer Behandlung seiner angegriffenen Nerven habe unterziehen wollen. Er sei durch die gegen ihn erhobenen Angriffe derart nervös geworden, daß bereits Lähmungserscheinungen sich am rechten Arm eingestellt hätten und daß er aus dringendes Anroten seines Arztes sich in das Sanatorium begeben habe. Er selbst habe sich auch nicht freiwillig den Namen eines Kaufmannn Klein beigelegt, vielmehr habe die Anstaltsleitung nicht gewünscht, daß er unter seinem wirk- lichen Namen dort Unterkunft suchte. Klante gab weiter an, daß er vor seinen Gläubigern sich und seine Familie habe in Sicherheit bringen müssen. In den letzten Tagen seien äufgeregteGläu- big er in seine Wohnung eingedrungen und hätten mit v or g e- halten en Revolvern von ihm und seiner Gattin Geld zu er- pressen versucht. Er habe für das Leben seiner Familie fürchten müssen und sei deshalb gezwungen gewesen, seine Angehörigen in Sicherheit zu bringen._ Durch �nstboden und Zimmerdecke. Eine Bande von Dcckeneinbrechern macht seit einiger Zeit be- sonders die Iuwclengeschäite unsicher. Sie verschafft sich un» bemerkt. Zutritt in Keller, die unter, oder in Bureau- oder Ge- schästsräume, die über den Iuwelicrläden liegen, und bricht von hier aus in die Läden ein. So„arbeitete" sie in der Oranien-, Warschauer, Andreas- und Petersburger Straße. Bisher wurden die Verbrecher überall ge stört, so daß sie sich mit verhältnismäßig geringer Beute begnügen mußten. Die Bande geht aber planmäßig vor und wird sich durch die bisherigen Störungen sicher nicht abhalten lassen, an anderen Stellen zu größeren Schlägen auszuholen. Das Kriminal- dezernat zur Bekämpfung der Iuweleneinbrüche, die Dienststelle B I 7, nimmt alle Mitteilungen entgegen, die dazu dienen können, die Bande unschädlich zu machen. Auf ihr« Spur führt vielleicht die Beschlagnahme zweier Perlenketten, die ein Unbekannter einem Juwelier zum Kauf anbot. Der Mann ließ sie im Stich und entfloh, als er merkte, daß der Juwelier Verdacht schöpfte. Die her- kunft dieser Ketten konnte noch nicht festgestellt werden. Es sind so- genannte Kalotten. Die eme besteht aus 26, die andere aus 23 echten Perlen. Eigentümer können sich im Zimmer 103 des Polizcipräsi- diums melden. Billige Fahnen der Republik. Ein Rektor schreibt uns: Auf eine sehr billige Art habe ich für die junge Republik eine große Anzahl Fahnen herstellen können. Als ich den Kindern der 1. Klasse vorschriftsmäßig die neue Ver- fassung, die ihnen ja bei der Entlassung demnächst ausgehändigt wird, auseinandersetzte und erklärte, wies ich selbstverständlich auch auf die neuen Fahnen hin. Beiläufig sagte ich ihnen, daß man die allen Fahnen leicht umändern kann, wenn man die Streifen aus- einandertrennt und die weißen Streifen mit der käufliche» gelben Farbe, die von den Frauen für die Gardinenfärbung benutzt werden,„golden" färbt.„Wenn ihr wollt, können wir mor- gen alle eure Fahnen aus der Wohnung und aus der Laube um- färben!" Der Erfolg war, daß wir am nächsten Tage in der Schule einige fünfzig größere und kleinere schwarzrotgoldene Wahrzeichen der Republik hergestellt hatten, die jetzt für Festtage berell liegen. Zur Nachahmung empfohlen!_ «Siedlung und Kleingarten", unsere illustrierte'Beilage, liegt der heutigen Postauflage bei. Die Nachwirkungen des gestrig« Slrciktags im Berliner Straßenbahnverkehr konnten am heutigen Vormittag noch nicht ganz behoben werden. Die Kraftwerke lieferten erst von etwa 6.30 morgens Strom, so daß die Straßenbahnwagen mit er- heblichen Verspätungen die einzelnen Bahnhöfe verließen. Als Folge hiervon und in Verbindung mit notwendiger Reinigung zahlreicher Weich« usw., die regelmäßig nach Streiks im Straßen- bahn betrieb notwendig wird, waren auch in dm späteren Vormit- tagsstunden noch weite Sttecken des Straßenbahnnetzes im Nor- den, in den Außenbezirken usw. ohne jeden Straßenbahnverkehr. Wie auch gestern, hatten die übrigen Verkehrsmittel Hochbahn, Omni- bufe und die Stadtbahn unter außerordentlicher Ueberfüllung zu leiden. Ebenso war auch die Stadt- und Ringbahn heute morgen wieder außerordentlich, wahrscheinlich erheblich stärker als selbst an dm verkehrsreichsten Sonntagen in Anspruch genommen. vi« Briefkastmmarder sind wieder eifrig an der Arbeit und suchen besonder» die Außenbezirke von Groß-Berlin heim. Di« Kriminalpolizei hat deshalb ein« besonderen Beobachtungsdienst' eingerichtet. Wesentlich wäre ihre Unterstützung durch das Publikum. Die besugtm Kastenleerer tragen entweder die Umform der Post- beamtm oder, wmn sie in bürgerlicher Kleidung sind, eine Armbinde mit Aufschrift. In dm Außenbezirken sind sie in der Regel auch mit Posffahrrädern ausgerüstet. klage Dr. Rudolfs gegen den Magistral. ReStsanwalt Flater erfutfit un» um die Mitteilung, daß er im Austrage de» Herrn Dr. F r a n z k e(Rndolfi Klage gegen den Magistrat von Berlin erhoben hat. In der Verhandlung werde sich die Haltlosigkeit aller Dr. Franzke gemachte» Vorwürfe ergeben. Wetter für morgen. Berlin und Umgegend. Ein wenig wärmer, zeitweise heiter, aber »eränderllch, mit etwas Regen und frischen südwestlichen Winden. Grsfi-Serlmer pacteinachrichten. Zllorgen, Mittwoch, den 14. September: <4.«. 45. Abt. 7 Uhr gemeinsame Mitgliederversammlung In der Krauen Schule, Kathenburger Straße, 2. Eingang Thema:„Sozialistische Aommunalpoiitir'. Reierent: Otto Front. #8. Abt. Halenfee. VI, Mitgliederversammlung bei Schwab, Paulsboruer Str. 22, Ecke Echrviedncher Straße. Vortrag:„Die politische Lage". Verschiedenes. tZt. Abt Riederschönhauseu. Die Mitgliederoersammtung fällt aus. ttt. Abt. Ziosrnthat. 71/, Uhr Mitgliederversammlung bei G. Milbrodt, itron» prmzenstr. 5. Vortrag. Erscheinen aller Kcnoss-n ist Pflicht. 1 5. Generalversammlung üer Metallarbeiter Die Begrüßungsansprachen. Von dm Begrüßungsansprachen der zahlreichen ausländisch« Gäste seim die folgenden wiedergegeben: Rlerrheim-Paris spricht für die französische Bruderorgamsation: „Mit brüderlichem Gruße treten euch die französischen Metall- arbeiter entgegm. Di« Anwesenheit eines französischen Metall- arbeiters beweift die feste SoNdaritA der französisch« Rleiallarbeiler euch gegenüber. Gerade die französischen Metallarbeiter haben ten Gedcmkm internationaler Solidarität auch während des Kriege» hochgehalten: wir waren die einzige Organisation, die gegen Kriegshetzer und den Nationalismus, der sich bis tief in die Reihen der Arbeiterschaft ausstreckte, Front gemacht haben. Nach dem Krieg« habm wir un» erhoben gegen die Politik der Repressalien und der Sanktionen. Wir haben der französischen Regierung gesagt, eure Politik ist ein Derbrechen. Entweder wird sich Deutschland aufrichten und Frankreich darüber ebenfalls, oder Deutschland wird zertrümmert werden und Frankreich dann auch zugrunde gehen. Die französische Arbeiterschaft macht eine Krise durch, wie sie noch niemals in der Welt erlebt wurde. Die Reaktion will mit allen Mitteln die Stoßkraft der Arbeiterschaft zersplittern. Di« sronzösische Arbeiterorganisation umfaßt 600 000 Arbeiter. Die Metallarbeiter hatten 300 000 Arbeiter organisiert, jetzt sind es nur noch3000 0. (Zuruf: Moskau!) Di« Reaktion ist so mächtig wie nie in Frank- reich. Die Bauarbeiter und Textilarbeitcrorganifationen sind zer- splittert und zerstückelt. Ich wünsch« euch, daß euer Kongreß die Einigkeit der d«tsch« Rtetallarbciter und der deutschen Arbeiterbewegung garantiert, damit ich meinen Kollegm in Frankreich sagen kann, es gibt wohl verschiedene Mei- nungen in der deuffckwn Bewegung, aber in ihrer Stoßkraft gegen den Kapitalismus ist sie einig, sie fft geeinigt gegenüber der Reaktion, sie wird sich nicht selbst vernichten.(Brausender Beifall.) Kruppa-Budapest schildert« die Verhältnisse in Ungarn. Als er über die Tätigkeit der russischen Kommunisten in Ungarn vor der Errichtung der Diktatur berichtete, stieß er auf Widerspruch bei den Kommunisten. Di« organisiert« ungarischen Arbeiter seien nicht für die Diktatur gewesen. Diejenigen, die den ungarischen Arbeite« die Diktatur bringen wollten, seien keine Sozialdemokraten gewesen. Während der Proletarier-Diktatur hat sich das Heer der Beamten in den Fabrik« gewaltig erhöht: gearbeitet ist nicht viel worden.(Die Kommunisten uncrbrechm den Redner erneut durch Schlußruf«. Vorsitzender Dißmann verschafft ihm schließlich Ruhe; die Sastfreundschast müsse hochgehalten werden.) Nach dem Sturz der Rätediktatur seien die revolutionären Führer ins Ausland ge- flüchtet, die ungarischen Genossen wären sedoch zu Tausenden in den Kerker geworfen worden. Di« wirtschaftlichen Verhältnisse in Ungarn seien sehr traurige. Redner wünscht den Veratungen des Ver- bandstages best« Erfolg..(Teifall.) GewerGHoMbewsgung Keine Streiks im Sergbau. Das Lohnabkommen angenonlwen. Auf der Reichskonferenz der im Bergbau tötigen freien Arbeiter- gewerkfchaften, die in Hannover in Anwesenheit des Reichswirr- schaftsminister Schmidt stattfand, wurde die vom Vorstand vorgelegte Entschließung, welche die Zustimmung zu den getroffenen Lohnabkommen enthielt, unverändert mit l54 gegen 71 Stim- men angenommen. Die Delegierten des Ruhrreviers stimmten fast geschlossen für ihre Annahme, während die Opposition sich im wesentlichen aus den Mitgliedern der Außenreviere zusammensetzte. Nach diesem Ergebnis darf die Gefahr eines allgemeinen deut- schen Bergarbeiterstreiks als abgewendet gelten: auch dürften Streiks in den einzelnen kleineren Revieren kaum wahrscheinlich sein. wünsche der Polizeibeamten. Die Polizeibeamten Groß-Berlins tagten am Freitag in der Backbrauer«, um Stellung zu der Teuerungszulage und gegen die Zurückdatierung des Besoldungsdienst- alters zu nehmen. Die Beteiligung war so stark, daß der große Saal die Zahl der Erschienenen nicht alle fassen konnte, so daß viele ezwungen waren, im nebenliegenden Garten an den offenen Fen- tern Platz zu nehmen. Schräder führte im wesentlichen etwa folgendes aus: Die Maßnahmen der Regierung bei den letzten Teuerungszulagen haben die Polizeibeamten sehr enttäuscht. Denn die nach Prozentsätzen gleichmäßig für alle Besoldungsgruppen ohne Festsetzung einer Mindestgrenze für die am geringsten bezahlten Beamten bewilligte Teuerungszulage ist nicht im entferntesten geeignet, die Notlage bei der größten Zahl der Beamtenschaft zu beseitigen. Es muß eine grundlegende Revision für die zu etwa gl» Proz. in den untersten Besoldungsgruppen stehenden stattfinden. Durch die Aus- führungsbestimmungen des Finanzministeriums zum Beamtendienst- einkommengefetz vom 17. Dezember 1920 werden zahlreiche Beamte in ihrem bisher bezogenen Einkommen infolge Kürzung ihres Be- foldungsdienstalters stark benachteiligt. Trotz aller berechtigten Kla- gen ist eine auch nur annähernd durchgreifende Aufbesserung der Lage des überwiegenden Teils der Polizeibeamten noch nicht erfolgt. Immer noch fehlt es auch den Beamten der Schutzpolizei in ihrer Stellung an einer sicheren Rechtsgrundlage. Die Beemtenausfchüsse sind nicht nach dem Geist der Verfassung gc- staltet. Ohne Anhörung der Beamten oder ihrer beruflichen Ver- tretung ist die Anordnung getroffen worden, die Beamten, die mit weniger als 16 Disnstjahren aus der früheren Schutzmannschaft und der Kommunalpolize in die Schutzpolizei übergeführt worden sind, durch einseitigen Bruch ihres in früherer Zeit getätigten Anstellungs- Vertrags von der Anstellung auf Lebenszeit auszuschließen. Mit dem Rechtsempfinden der Beamten ist diese Maßnahme unverein- bar. Wir dürfen verlangen, �aß uns ein Mitbestimmungsrecht eingeräumt wird. Die Polizeibeamten dürfen in ihren recht- lichen Verhältnissen nicht schlechter gestellt sein als die anderen Be- amten. Sie können sich in unücheren materiellen und rechtlichen Verhältnissen nicht als staatserhaltende Kraft fühlen. Bei dieser Forderung hoffen wir auf die Unterstützung aller Volkskreise. Aber wir müsien selbst für uns kämpfen in einer einheitlichen, geschlossenen Berufsorganisation, in der politische Bestrebungen auszuscheiden haben. Das soll nicht unser Recht ausschließen, uns als gleich- berechtigte Staatsbürger am politischen Leben zu be- teiligen. Dem Vortragenden wurde lebhafter Beifall zuteil. Nach einer sehr regen Aussprache wurde eine Entschließung einstimmig angenommen, die eine grundlegende Revision der Dienst- einkommensverhältnisse als ein dringendes Gebot der Stunde be- zeichnet und von den Vertretern des Volkes im preußischen Abge- ordnetenhause wird erwartet, daß sie den Anträgen der Organisation ihre Zustimmung nicht versagen werden. Ferner wird in der Ent- schließung auf den Ausschluß der Schutzpolizei von der Anstellung auf Lebenszeit hingewiesen und dazu bemerkt, daß diese ohne An- hörung der Berufsoertretung angeordnete Maßnahme das Der- trauen der Beamten zur vorgesetzten Behörde zu heben oder zu fördern nicht geeignet sei. Am Schluß erklärt die Entschließung: „Die Polizeibeamtenschast ist verpflichtet und zu jeder Zeit und Stunde unter Einsetzung ihrer Person gewillt, die Ver-sassung des Deutschen Reichs mit ihrem Leben zu schützen. Sie protestiert deshalb energisch dagegen, daß die Polizeibeamten- schaft selbst durch behördliche Maßnahmen außerhalb der Ver- fassung gestellt wird. Sie beauftragt ihre Berufsorganisa- tion, mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln für die Sicherstellung ihrer wirtschaftlichen und Berufsinteresien einzutreten. Die Be- amtenfchaft richtet an die breite Oeffentlichkeit sowie auch an die gesetzgebenden Körperschaften die dringende Bitte um Unterstützung, damit sie in jeder Zeit in der Lage bleibt, die im Interesse des gesamten Volkslebens ihr gestellten schweren Auf- gaben zu erfüllen." Lohnkampf im Kouditoreigewcrbe. Di« in den Konditoreibetrieben Groß-Berlins beschäftigten An. gestellten, Arbeiter und Arbeiterinnen waren am Montag zahlreich in den„Sophiensälen" oersammelt, um den Bericht über das Ergebnis der Lohnverhandlungen entgegenzunehmen. Dieser wurde von Thiene«rstauet. Nach den Ausführungen des Redners wurde den Arbeitgebern die Forderung einer 30 p r o z e n- tigen Erhöhung aller bisher tariflich festgeleg- t e n Löhne unterbreitet. Die Arbeitgeber lehnten ab, so daß vor dem Schlichtungsausschuß verhandelt werden mußte. Dieser fällte folgenden Spruch: Die Gehilfen untfr 21 Jahren sollen statt 300 340 M., über 21 Jahre alte statt 313 375 M. erhallen. Für Ladengehilsen und Seroierdamen soll der Lohn von 300 auf 340 M., für Hausdiener und HUfsarbeiter unter 19 Jahren von 160 auf 180 M., für ältere bis zu 24 Jahren von 190 auf 215 M. und für die über 24 Jahre alten von 240 auf 285 M. erhöht werden. Kutscher sollen statt 270 320 M. erhalten. Für weibliche Hilfskräfte unter 19 Jahren soll der Lohn von 135 auf 155, für di« älteren bis zu 24 Jahren von 155 auf 180 und für die über 24 Jahre allen von 175 auf 205 M. erhöht werden. Verkäuferinnen, Kassiererinnen und Cafe- mamsells unter 21 Jahren sollen statt 165 190 M., ältere statt 185 210 M. erhalten. Wie der Referent hervorhob, liege in diesen Zahlen e i n kleines Zugeständnis, das aber zum Teil wieder aufge- hoben werde, well der Spruch bestimme, daß statt des bisherigen tariflichen Kostgeldes von 8 M. 12 Mark bezahlt werden sollen. 5sternach würde für einzelne Gruppen, die bei den Arbeitgebern Kost erhalten, keine Lohnerhöhung, sondern eine Lohnhera b- s c tz u n g stattfinden. Ein derartiger Spruch fordere den stärksten Protest heraus und müsse entschieden abgelehnt werden. H e tz s ch o l d bezeichnete den Spruch als einen F e h l s p r u ch und forderte die Versammlung auf, sofort eine neue Lohnde- w e g u n g zu beschließen. Im Anschluß hieran machte er von den Lohnsätzen Mitteilung, die von der örtlichen Verbandsleitung hierfür 1 bereits aufgestellt worden sind. Diese Sätze fanden den Beifall der Versammlung. Einmütig war diese dafür, den Spruch a b z u- lehnen und in eine neue Lohnbewegung einzutreten, bei der nötigenfalls das letzte Kampfmittel angewendet werden soll. Die Kollegenschaft könne auf die Unterstützung des ganzen Ver- bandes in ihrem Lohnkampf rechnen. In der Aussprache wurde das Verhalten der Hirsch Dunckerschem Organisation im Lohnkampf scharf verurteilt. Von dieser wie auch von der Arbeitzeberorganisation ist der be stehende paritätische Arbeitsnachweis gekündigt worden. Eine Resolution, welche den Spruch des Schlichtungsausschusies ablehnt und sich für den sofortigen Einttitt in eine neue Lohnbewe� gung erklärt, wurde einstimmig angenommen. In einer nächsten Versammlung sollen weitere Beschlüsse gefaßt werden. Der GkA. zum Filmstreik. Di« Arbeiter und Angestellten der Fllmindustrie stehen seit fünf Tagen im Streik. Nunmehr bemüht sich auch aus dem Ge» werkschaftsbund kaufmännischer Angestelllenoerbände der Verband der leiblichen Handels- und Bureauangestelllen darum, einen Keil in die geschlossene Front der Arbeiter und Angestellten zu treiben. 5K Monate lang haben die Deutsche Filmgesellschaft und der Zentraloerband der Ange st eilten mit den Arbeit- gebern der Filmindustrie die Verhandlungen zu führen versucht, die an der Halsstarrigkeit der Unternehmer gescheitert sind. Während der ganzen Zeit hat sich der Gewerkschaftsbund kauf- männischer Angestelltenverbände nicht um seine Mitglieder in der Filmindustrie gekümmert: aus- gerechnet jetzt, wo die Mehrzahl der Angestellten und Arbeiter in den Betrieben für den Streik sich entschlossen haben, gibt diese Or ganisation die Parole aus,.n den Betriebe n zu bleiben, weil, wie es wörtlich heißt,„die Arbeitgeber trotz der stärksten Einwendungen bis zur Stunde den GkA. von den Tarifver- Handlungen ausgeschlosien hat". Wir stellen fest, daß der GkA. sich noch nie bemüht hat, an den Tarifverhandlungen teilzunehmen, scheinbar jetzt aber auf Grund der Tatsache, daß ein Streik aus- gebrochen ist, sich bemüht, den Keil in die Angestelltenmasien zu treiben, um für sich Mitglieder zu fangen und dann durch seine be- kannten„Werbearbeiten" einen Tarif mit den Arbeitgebern hinten- herum abzuschließen. Arbeiter und Angestellte, achtet auf diese Verräter, denn wenn der Wille zu einem gemeinsamen Kampfe vorhanden wäre, hätte sich auch der GkA. längst dem Vorgehen der Deutschen Filmgewerkschaft und des Zenttoloerbandes der Angestellten an- schließen können. 5ür Sie Republik! Der 11. Verbandstag des Reichsverbandes Deut- scher Post- und Telegraphenbeamteu nahm auf seiner Tagung vom 6. bis 10. September nachstehende Entschließung ein- stimmig an: Der 11. Verbandstag des Reichsoerbandes Deutscher Post- und Telegraphenbeamten erklärt sich für verpflichtet, mit allem Nachdruck zu betonen, daß die von ihm vertretenen Beamten der Reichspost- und Telegraphenverwaitung fest entschlossen sind, der immer anmaßender auftretenden Reaktion die Stirn zu bieten. Die politischen Morde, eine Folge der wüsten Pressehetze der sognannten nationalistischen Kreise zeigen immer deutlicher deren Absicht auf Beseitigung der Republik, der ver- fassungsmäßigen demokratischen Einrichtungen und der durch die Revolution geschaffenen mäßigen sozialen Fortschritte: diesem un- verantwortlichen Treiben Einhalt zu gebieten, ist die Pflicht aller republikanischen Kreise. Im Namen der mehr als 150 000 Mitglieder des Reichsverban- des Deutscher Post, und Telegraphenbeamteu erklärt der Verbands- tag, gemeinsam mit der übrigen werktätigen Bevölkerung, wenn es erforderlich ist, Verfassung und Republik mit allen Mitteln zu schützen. X Schwarze Listen für Republikaner. In der Metallwarenfabrik von Ehrich u. Graetz stimmten die Angestellten mit Zweidrittel- Majorität für die Teilnahme an der Demonstration am 31. Augllst. Sofort nach Bekanntwerden des Resultats ließ einer der Inhaber die Eilmeldung durch die Abteilungen gehen, daß vorzeitige Entfernung verboten fei. und jeder, der diesem Verbot zuwiderhandle, die Konsequenzen seines Verhaltens zu tragen hätte. Mit den Uebel- tätern, die diesem Verbot trotzten, wird die schwarze Liste aufgefüllt. Bei der Beerdigung der ehemaligen K a i s e rin erhielten mehrere Angestellte Tagesurlaub. In den Dereinigten Märkischen Tuchfabriken haben am Montag sämtliche Angestellten und Meister wegen Lohndifferenzen die Arbett niedergelegt. Allgemeiner Texttlarbeiterstreit in Rordftankreich. Die Be- sprechungen zwischen den Parteien im Streik in der Textilindustrie in Rordftankreich haben zu keinem Erfolg geführt. Vom Aktionsausschuß wurde ein Manifest aufgestellt, worin die Arbetter für Montag zu einem allgemeinen Streit aufgefordert werden. Vor allem werden die Eisenbahner aufgefordert, kewe Truppen zu transportieren. Angrstkllt« i» Buchhandel. Die fllr Mittwoch. Berfammiung in den Prachtsälen Alt-Berlin findet nicht statt. den Ii, Sept, ang Afa»Orsskartell7 Wirtschaft Kampf öer hänöler gegen üie Geaosiensthasten! Ganz in aller Stille find durch Verhandlungen zwischen dem Großhandel und verschiedenen Zweigen der I n d u st r i e Ab- machungen zustande gekommen, die in ihrer Auswirkung die auf dem Prinzip der Selbsthilfe aufgebauten Genossenschaften in aller Ruhe das Lebenslicht ausblasen können. Soweit bisher etwas an die Oeffentlichkeit gedrungen ist, handelt es sich um auf Veranlassung des Großhandels abgeschlossene Vers träge, welche es dem einzelnen Fabrikanten verbieten, an G e> nossenschaften überhaupt Waren zu liefern. Die Genossenschaften werden bei Beantwortung ihrer Bestellungen au den Großhandel verwiesen und ihnen bedeutet, daß der Firma laut Beschluß der Fabrikantenvereinigung, Syndikat usw. die direkte Be-c lieferung unter Umgehung des Großhandels verboten fei. Diese Methode hat immerhin noch den Vorzug der Eindeutigkeit. Andere Unternehmerkartelle(denn um solche handelt es sich) belieben ein weniger rohes, aber nicht weniger wirksames Ausschaltungsmittel gegenüber den Genossenschaften. Sie teilen in konzlliantester Form mit, daß sie gern bereit sind, den Auftrag zu erledigen, müsien zu „ihrem Bedauern" aber darauf aufmerksam machen, daß auf Grund eines Beschlusies der Fabrikanten Großhandelsrabatt nicht gewährt werden dürfe. Innerhalb der Leitungen der Genossenschaft aller Art herrscht über diese Maßnahmen der Fabrikantenkartelle berechttgte Ent- rüstung. Denn wenn ihnen überhaupt keine Ware mehr geliefert wird oder wenn selbst die größte Genosienfchaftszentrale wie z. B. eine Eroßeinkaufsgefellschast der Konsumvereine nur Kleinhandels- rabatte eingeräumt erhält, dann ist der Sinn und der Erfolg ihres Wirkens vollständig aufgehoben. Durch das Valutaelend auf den inländischen Markt angewiesen, besteht für die Genosienschasten keine Möglichkeit, sich der llmtlamme- rung zu entziehen. Auch die in den Handwerksgenosienschaften organisierten Kleingewerbetreibenden glaubten sich durch Selbsthilfe der Ausbeutung durch den Zwischenhandel zu entziehen,— ver-. gebens Der organisierte Verbraucher beseittgte durch Gründung seines Konsumoereins und Schaffung der Großeinkaufsgesellschaften alle verteuernden lästigen Zwischenglieder, nahm seine Angelegenheiten in die eigenen Hände und organisierte die Gütervertellung auf gemeinnütziger Grundlage. Und nun? Jetzt sieht der Großhandel den Augenblick für gekommen, diese sozialwirtschaftliche Arbett im Interesse seiner privatkapitalistischen Profttwirtschast mtt einem Schlage zu vernichten. Auf dem Wege der Gesetzgebung ist diesem Treiben nichk beizukommen, denn die offen zugegebenen Verträge würden sich sofort in Geheimabmachungen verwandeln und unter der Oberfläche weiter wirksam bleiben. Nun hat es aber den Anschein, als ob die genosienschaftfichen Zentralverbände dieser Erscheinung ratlos gegenüberstehen. Jeden- falls ist in der Oeffentlichkett von energischer Gegenwehr noch nichts bemerkt worden. Wir möchten hier zunächst einmal auf das, was vorgeht, hin» gewiesen haben, damit die Verbraucher nicht eines schönen Tages von Ereignisien überrascht werden, deren Folgen sich noch gar nicht absehen lasien._ Klaus Sturm. Ein Sartoffelgroßmarkt in Berlin. Auf Antrag der Handels. kammer zu Berlin hat der Berliner Polizeipräsident die Erweite- rung des feit vielen Jahren in der Berliner Börse abgehallenen Frühmartte, auf den Kartoffelgroßhaodel ge- n e h m i g t. Es findet daher vom 16. September d. I. ab an jedem Dienstag und Freitag von 101� bis 11% Uhr vormittags in Verbindung mit dem Frühmarkt im Hofe ges Börfegnebäudes in Berlin ein Kartoffelgroßmarkt statt, an dem Berliner und aus- wärtige Kartoffelgroßhändler und Landwirte sich versammeln. Da- bei findet regelmäßig eine Notterung der Großhandelspreise für Kartoffeln statt. Neue Zunahme des Banknotenumlaufes. Die Reichsbank hat, wie aus ihrem Ausweis vom 7. September hervorgeht, für 654,8 Mill. Mark neue Banknoten m der Verkehr gegeben und für 44,1 Will. Mark Darlehens kasiensch eine eingezogen. Der Umlauf au Papiergeld hat also erneut um 610,7 Mill. Mark zugenommen. Mus aller Welt. Großfeuer bei München. Heute früh 4 llhr Brach in den bayerischen Krupp-Werken in Freimann bei München ein Großfeuer aus, welches noch andauert. Die Ursache ist noch mj- bekannt. Schließung weiterer Wettkonzerne. Die PoNzet hob k« Dresden die allgemeine Sportzentrale auf. Von 200 000 M. Einzahlungen konnten nur 22 000 M. beschlagnahmt werden. Der Geschäftsführer wurde unter dem Verdachte der Unterschlagung vor- läufig festgenommen.— Der Konzern Stern meldete seinen Konkurs an. Nur 40 000 M. wurden gerettet. Ein Orkan über Brüsiel. Montag früh ist die Decke der Kirche St. Anna zu PoepelSberg bei Brüssel eingestürzt. Eine Dame und zwei kleine Mädchen find getötet worden, deren Mutter wurde schwer verletzt nach dem Lazaret gebracht, wo sie bald nach ihrer Ankunft ihren Verletzungen erlegen ist. Man glaubt, daß der Einsturz der Kirche eine Folge des Orkans ist, der über Brüssel gewütet und viel Schaden angerichtet hat. Brückeneiasturz. Nach Meldungen aus New Dork find infolg« Zusammensturzes einer Brücke in Ehester 24 Personen ertrunken. Die Ursache deS Zusammensturzes war ein verrosteter Querbalken. ___________,,___________ Teil: Vittor Schiss, Berk»! fitr Anzeigen: Gimte. Berlin. Bering: LorwSrtS-Berlag S. m. b. H., Berlin. Dr»ck.- Bor» «sSrtS.Bncbdruckerei ll. VeriagSanftak Paul Einaer«. Co.. Berlin. Lindenitr. Z. 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