Nr. KS ♦ 3S. �ahrg«»a Ausgabe H Nr. 22» Bezugspreis, VIftteI>ai}rI.Z!1,— 9>t, monatL 70.— SR. frei ins k>aus, voraus zahlbar. Poll- bezug i Monatlich lv.— M. einschl. gu- sirliungsgebühr. Unter Kreuzband lur DemschlanX Danzig, das Saar- und Memelgediet, sowie die ehemals beul- scheu Gebiete Polen,. Oesterreich, Ungarn und Luxemburg 20,— SR, für da» übrige Ausland 27,— SR. Pait- destellungen nehmen an Oesterreich. Ungarn. Tscheche-Slowat-t, Däne- March Holland, Luxemburg, Schweden und die Schweiz. Der.Vorworts� mit der Sonntags- beilage.Polt und yeit�. der Unter» Haltungsbeilage �HeimwelN und der Beilage.Siedlung und Kleingarten� erscheint wachentäglich zweimal. Sonn» tags und Montag» einmach Morgen-Ausgabe »»»zlai Telegramm• Adresse i lderuotral BetO c QroB» Berlin SO Pf. ausw&rts 40 Pfennig D Vevlinev Volksblatt ZlnzrigrnvrctS, Die nchtgespalten» Zlonvarechezetl» lostet ll0-XfL„Slplne Unzcigco' da» settgedrultle Wort chbd-HL(ju- läffifl zwei settgedrultle Worte», lebe, weiter» Wort L— M. Stellengeluch, and Schlafstellenanzetgen da« erst, Wo« ch— Sich, jede« wettere Won 60 Pfg. Wort, übet 1b Buchstabe» zählen für zwei Worte. Katnillen-An- zelgen fiir Abonnenten geile SR. Dl« Preis« verstehen sich elnschließlich Teuerungszuschlaa >nz eigen wr dle nächste Nummer müssen dt» i Ahe nachmittag» im Hauptgeschäft, Berlin SB SS. Linden» strahe S. abgegeben werden. Geilstnet von l> Uhr früh dl» S Uhr abend». Zentvalorgan der rozialdcmokratifd�en parte» Deutfchlands Ueüaktion und Expedition: 650 68, Lindenstr. Z Redaktion Moristplatz I51!)5— 97 �crnsprrnzer.(�thltion Morihplatz 11753—54 Donnerstag, den 15. September 19�1 Vonvärts-Verlag G.m.b.H., SV 68, Lindenstr. Z Srerutiiri'thi'r• Verlag. Expedition und Inseraten. !Iri21££l2£L: abtetlnn« Morihplah 11753-54 Neue Verhaftungen in München. .München, 14. September. Vis zum Mittwoch abend find in der Mordasfäre Erzberger im ganzen 10 Personen verhaftet worden und zwar S in München und eine auf der Fahrt von Augsburg nach München. Gegen sämtliche 10 ist Haftbefehl erlassen worden. Außer den bereits heule morgen uamenllich aufgesührlen 7 verhafteten befinden sich seht noch in hast: Der Student Ulrich klinhsch, der Swdeut Wilhelm Bollinger nnd der Student Karl Siebet. Sämtliche Verhafteten werden demnächst nach Ofsenburg gebracht und dort dem Untersuchungsrichter vorgeführt werden, auch der auf der Fahrt von Augsburg nach München verhaftete Student Vollinger. Die Polizei hatte Kenntnis erhalten, daß Sllnhsch den Vollinger in München am Bahnhof erwartet hatte, um iha zu warnen. Sie nahm deu K'.iuhsch am Vahnhof fest, um jede Ver- bindung mit Vollinger zu verhindern. Vollingcr besaß unter der Firma eines holzverwertungsgeschästes in der Trautenwolsstraße eine Wohnung von drei Zimmern. Die Mitteilung, daß von auherbayerlscher Polizei bei Dr. heim Haussuchung gehalten ivorden sei, um iha in die Angelegenheil hineinzuziehen ist. wie dle badische Generalftaatsan- waltschast mitteilt, völlig au» der Luft gegriffen. Die Haussuchung galt nicht Dr. Helm, sondern Schul; und Til- lessen. die in Regensburg bei Dr. heim studierte«. Es wurde lediglich das Zimmer durchsucht, in dem die beiden gewohnt hatten. Daß von Sllllnger dem Scholz zur Flucht ver- halfen hat, ist dadurch erwiesen, daß er ihn im Auto zur Bahn brachte. Die badische Polizei ist zurzeit mit der Durchsuchung des beschlagnahmten Gepäcks der Verhafteten beschäftigt. Vel den Haussuchungen wurde auch ein Revolver gefunden. heule abend traf beim Generaistaatsaulvall ein Schreiben aus Italien ein, da» in italienischer Sprache die kurze Mitteilung ent- hielt: hallen uns in Mailand auf. Der Lries hat keine Unter- schrift. Es muß erst untersucht werden, ob es sich um eine Mysti- fikatton handelt. » Auch von den Verhafteten gehört«in großer Teil, on« die Mär- ba selber, zu den ehemaligen Offizierkorps der Vri» gade Ehrhardt, v. Killinger ist, nach Meldungen eines hiesigen Blattes, stellvertretender Kommandeur gewesen. Ueber Eberhard Kautter können wir folgendes feststellen: Die hier schon zitterte Denkschrift der zwetten Marinebrigade(Ehrhardt) ent- hall verschiedene Beiträge aus seiner Feder, die un- terzeichnet sind, Eberhard Kautter, Kapitänleutnant. Kautter hat sich in der Denkschrift namentlich poetisch betätigt. Bon seinen Reimereien wollen wir vier Zellen zitieren: Was schert's uns, wo unser Kiel zerbricht: Wir folgen des Schicksals Zeichen! lind Wickinger Mut und Wickinqer Fuß stockt nicht vor Wunden uud Leichen. New, der Fuß dieser„Wickinger' ist nicht vor Leichen gestockt! München- Gberlanü. Immer deutNcher treten die dunklen Untergründe, aus denen die Mordtat an Erzberger erwuchs, hervor. Das Netz einer weitverzweigten reaktionären Verschwörung beginnt sich langsam zu enthüllen. Wir erblicken zwei Hauptzentren, die in innigem Konnex miteinander stehen: Kahr-München und die Freikorpsreste des oberschlefischen Selbstschutzes. Daß man die Münchener Osfiziersrsique und die Ver- brecher vom Freikorps Oberland als eine innereEinheit betrachten muß, ist nach unseren Informationen absolut sicher. Die Fäden liefen hinüber und herüber. Von Vayern aus waren die„Oberländer" nach Schlesien gekommen, nach der Auflösung des Selbstschutzes aber hatte diesen Söldner- naturen der Frieden nicht gepaßt Sie quartierten sich namentlich in den KreUen B r i e g und N a m s l a n ein und übten dort eine wahre Schreckensherrschaft aus. G e- w a l t t ä t i g k e i t e n und Morde an linksgerichteten Per- sonen waren an der Tagesordnung. Wie fest die Verbrecher- folidarität gefügt war, beweist der Umstand, daß Freikorps- angehörige, die im Verdacht standen, dieses Treiben den Ve- bistden anzeigen zu wollen, ebenfalls aufdemWegedes Mordes beseitigt wurden, wie die vier Selbstschutz- angeharigen in Oels. Mit dielem Terror sicherte man sich geg>n ein Einssbreit' u der Justiz. Der preußischen Regierung Stegerwald kann de? Vorwurf nicht erspart bleiden, daß sie dielem Treiben viel zu lange untätig zugesehen hat. In lebte? Zeit versuchte sie allerdings einzugreilen. Doch' ihre ersten Versuche blieben erfolglos. Das lag teils an dem nun nicht mehr ungewohnten Versagen der Justiz. So hat z. B. der O b e r st a a t s a n- waltin Breslau den Hastbefehl gegen einen der Haupt- beteiligten, den ehemaligen Prioatdozsnten Rüge, wieder aufgehoben, weil er das umfangreiche belastende Mate» rial, das bei Rüge aufgefunden wurde, für„nicht ausreichend" ansah. Sollte das d e r s e l b e Oberstaatsamvalt fein, der das Einschreiten von Amts wegen abgelehnt hat, als der Schriftsteller Fleischmann von Selbstschutzangehörigen über- fallen und gemeinschaftlich schwer mißhandelt wurde? Wir haben damals festgestellt, daß dieser Oberstaatsanwalt eine glatte Rechtswidrigkeit begangen hat. Jedenfalls muß dringend gefordert w.erden, daß in der Oberstaatsanwalt- fchaft Breslau einmal ausgekehrt wird und gewisse höhere Iustizbeamte dem seines Amtes enthobenen Polizeipräsidenten von Breslau, Geheimrat Liebermann, nachfolgen, dessen Haltung gegenüber den Terroristen gleichfalls eine unbegreiflich nachsichtige war. Aber zu dem ersten kam ein zweites, viel stärkeres Hinder- nis. Unsere gestrige Frage, ob es wahr ist, daß Ehrhardt und Oberst Bauer bei dem Münchener Polizeipräsidenten Poehner ein- und ausgegangen sind, ist bis heute un- beantwortet geblieben. Der sonst so fixe Münchener Dementierapparat hüllt sich in auffälliges Schweigen. Wir stellen hente eine zweite Frage: Ist es wahr, daß der preußischen Polizei die Verbindun- gen zwischen Freikorps Oberland und München schon seit einigerZeitbekannt waren? Ist es ferner wahr, daß sie versucht hat, w diese Verbindungen einzudringen, daß aber diese Bemühungen gescheitert sind, weil die schlesischenFreischärlerjedesmalrechtzeitig vonMünchenaus gewarntwurden, und zwar von Stellen, deren Sitz im Münchener Polizeipräsi- d i u m ist? Im preußischen Untersuchungsausschuß hat gestern der Staatskommissar W e i ß m a n n angedeutet, daß man hofft, in kürzester Zeit der gesamten oberschlefischen Gesellschaft Hab- Haft zu werden, und daß dann die Welt staunenswerte Dinge erfahren wird. Nach unserer Information zweifeln wir nicht, daß es hier tatsächlich Dinge zu entdecken gibt, über die manchem die Haare zu Berge stehen werden. Hier ist ein Brand- und Fäulnisherd, der alles bis- her Dagewesene übertrifft. Wie weit seine Auf- deckung gelingt, wird ein Zeichen dafür sein, in welchem Maße es gelungen ist, die preußischen Polizeistellen von M i t v e r- schworenen freizuhalten. Kiefer und Rüge. Der Darstellung eines Spätobendblattes entnehmen wir, daß der Führer der Selbstschutzorganisation Oberland ein angeblicher Hauptmann v. Kessel war, der aber nichts mit dem au» dem Marloh- Prozeß bekannten Kessel zu tun hat, sondern in Wirklichkeit Kiefer hieß. Sein Adjutant war der ehemalige Privatdozent Arnold Rüge, dem wegen politischer Ausschreitungen im Lehramt jede Lehrtätigkeit an deutschen Universitäten untersagt ist. Rüge, der enge Beziehungen zum Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbund unterhielt, wurde vor einigen Tagen verhaftet, ober vom Oberstaatsanwalt in Breslau wieder freigelassen. Bei ihm fand man umfangreiches Material. Außer Rüge wurden noch andere Freikorpsangehörige oerhaftet, darunter der Zahlmeister Nickel, der wegen Unterschlagungen in Haft behalten wurde. Er hat gar keine oder nur gefälschte Abrechnungen vorgelegt. Ein Teil der Verdächtigen soll bereits aus Schlesien verschwun- den sein, darunter der Oberleutnant v. Seeg er. Außerdem besteht ein Hastbefehl gegen den Polizeiinspettor Friedrich, der sich fälschlich.Hauptmann Frftsch" nennt und der nach München abgereist sein soll. Die MSrderhymne vo«„Oberland". Ueber die Geschichte des berüchtigten Liedes„Du tapferer Held, du schoss'jt den Gareis nieder", ist in der Presse ein großes Raten entstanden, und es ist darüber, viel Irrtümliches behauptet werden. Wir möchten daher feststellen, daß das erste Blatt, das dieses Lied zum Abdruck brachte, der„Vorwärts" war. Er berichtete damals darüber in der Form, daß dieses Lied „in einem Eisenbahnzug von jungen Leuten mit handtellergroßen Hakenkreuzen on der Brust' gesungen worden sei. Der Text des Liedes, in dem die Miißster Wirth und Rathenau mit der Ermorduidj bedroht wurden, war uns von Genossen aus Schlesien Übermacht worden, die es aus dem Munde von Frei- s ch ä r l e r n gehört hatten. Da damals der polnische Aufstand tobte und wir fürchteten, das Ausland würde den Borfall verallgemeinernd gegen die deutschen Bekämpf«- des Aufstandes mißbrauchen, ver- mieden wir nähere Angaben. Jetzt wäre eine solche Zurückhaltung nicht mehr om Platze, und darum stehen wir nicht an, das viel umstrittene Lied als die„Mörderhymne von Oberland' zu bezeichnen. Nationalsozialistische Rowdys. München, 14 September.(TU.) Eine Versammlung, in der der Referent Vallerstedt übe? die Lag« zwischen Bayern und dem Reich sprechen sollte, wurde von RaNonalsozIallften unker Führunz des aattonalsoziallftischen Führers Esser gesprengt. Es kam zu einem Tumult, in dessen Verlauf der Referent Vallerstedt bwksg geschlagen wurde. Der Haupttäter wurde von der Polizei verhaftet. Dl« Laildespolizei«schien an Ort und Stelle und räumte den Saak. (Schluß auf der dritten Seite.) Gefahr für Memel und Litauen. Der Vermiitlungsvorfchlag des Völkerbundes, den polnisch- litauischen Streit um Wilna in der Weise zu lösen, daß man Litauen außcr der Provinz Wilna auch noch das Memelgebiet zuerkennt, daß sich Litauen dafür aber in mehr oder minder große Abhängigkeit von Polen begibt, hat im Memelgebiet große Erregung hervorgerufen. Die Memeler Presse pro- testiert entschieden dagegen, das Memelland lediglich als Tauschobjekt zu behandeln und veröffentlicht eine ausführliche an die Besatzungsbehörden gerichtete Denkjchrift, in der für die Einwohner des Memelgebietes freiesvelbstbestim- mungsrecht und Autonomie gefordert wird. Man kann die Erregung der Memeler um so mehr ver- stehen, wenn man bedenkt, daß der Völkerbundsvorschlag der Bevölkerung der Provinz Wilna das Recht zuerkennt, sich über die Anregung zu äußern, dieses Recht den Memelern aber versagt. Hier stempelt der Völkerbund die deutsch-litauischen Bewohner des Memelgebietes öffentlich zu Angehörigen einer Nation zweiter Klasse, und man muß sich ernstlich fragen, ob dadurch das Wort von dem Selbstbestimmungsrecht der kleinen Volker nicht zu einer leeren Phrase herabgewürdigt wird, man muß sich fragen, ob die Beleidigung, die dadurch auch Deutschland zugefügt wird, im Sinne der ausgleichen- den Tätigkeit des Völkerbundes liegt. Aus Völkerbunds- kreisen ist uns des öfteren zugerufen worden: Warum beantragt ihr nicht eure Aufnahme in den Bund? Nun, solange Deutsche irgendwo in der Welt vom Bund selbst als Bürger zweiter Klasse behandelt werden, tragen wir durchaus kein Verlangen danach. Diese Art, internationale Fragen schwerwiegender Art zu lösen, die auch uns nahegehen, wenn uns der Ver- sailler Vertrag auch verbietet, bei ihrer Lösung ein Wort mitzu- sprechen, ist nicht dazu angetan, unser Vertrauen in den Völkerbund zu stärken. Weiß man in Völkerbundkreisen nicht, daß im Jahre 1919 in den Kreisen Heydekrua und Memel 93 und 78 Proz. gegen eine Vereinigung mit Litauen protestierten, weiß man in Völkerbundkreisen nicht, daß bei einer Umfrage im Jahre 1929 nur 1,8 Proz. der memelländischen Bevölkerung die litauische Sprache als Unterrichtssprache in die Schulen eingeführt wissen wollte, weiß man dort nicht, daß von den 159 999 Einwohnern des Memelgebietes 149 999 Protestanten sind, die aus kulturell- religiösen Gegensätzen im schärfften Gegensatz zu dem katholi- schen Litauen stehen? Sieht man hier nicht die Gefahren für Litauen? Litauen ist heute ein Nationalstaat mit einheitlichem Gepräge. Will man durchaus im Osten einen N a t i o n a l i- t ä t e n st a a t schaffen, voll von nationalen, kulturellen, sozialen und religiösen Gegensätzen? Das Randstaatengebiet ist heute der nshigste und friedfertigste Teil Osteuropas. Soll der Lärm und Widerstreit der Nachkriegszeit nun auch in diese Gebiete getragen werden? Es ist schlimm genug, daß der Osten Europas heute einem Balkan gleicht. Unverantwortlich wäre es, hier nun auch noch der Welt gewaltsam«in neues Irland zu bescheren. Dsr Bevölkerung des Memellandes aber msichten wir zu- rufen. R u h i g Blut! Wir wissen nicht, ob einer Meldung, die von einer bedingten Annahme des Vorschlags durch den litauischen Bevollmächtigten spricht, Bedeutung beizumessen ist. Wir wissen aber, daß fürLitauen das Abkoitnnen in seiner jetzigen Gestalt dievölligeAufgabedernationalen Selbständigkeit bedeuten würde. Wir wissen, daß Litauen seit seiner Geburtsstunde einen erbitterten Kampf gegen die drohende Gefahr einer Polonisierung kämpft. Der Bölkerbimdoorschlag, der auf die Jnitiakw» Frankreichs nnd Belgiens zurückzufübren ist, spricht von einer engen Anleh- nung Litauens an Polen in wirtschaftlicher, militärischer Nnd außenpolitischer Hinsicht. Er stellt an die litauische Regierung das Ansinnen, für Litauen die polnische als zweite offizielle Sprache zu erklären, er verlangt weitestgehende Garantien für die Minderheiten. Es gibt in Litauen vorerst nur eine Minder- heit: die polnischen Großgrunobesitzer. Wie will Litauen nach Annabme des Vertragsentwurfs noch die große Landreform durchführen, die eine Zerschlagung eben dieses Großgrundbesitzes zugunsten der Kleinbauern vorsieht? Wie will Litauen, das den größten Mangel an litauischen Lehrern, Beamten und Aerzten hat, und das die größten Opfer bringt, um sich aus auswärtigen Universitäten einen treuen Stamm litauischer Intelligenz heranzuziehen, sein nationales Programm durchführen, wenn die polnische Oberschicht ihre Ansprüche auf die gehobenen Stellen geltend macht? Nein, die Annahme des Kompromisses würde für Litauen ein stetes Dreinregieren der Warschauer Regierung bedeuten, würde eben jener Verdrängung des litauischen Ele- ments gleichkommen, die man nicht ohne Grund so fürchtet. Oder ist es nur ein Zufall, daß Litauen, der eifrige Förderer des Baltenbundes. den Randstaatenkonferenzen fern blieb, an denen sich Polen beteiligte? InLitauenselbst weiß man die Klippen des Völker� bundkompromisies sehr wohl einzuschätzen. So hat die soziast- demokratisch« Fraktion in der gesetzgebenden'litauischen Kon- stituante eine dringende Interpellation eingebracht, in der die Regierung auf die große Gefahr des Projette«„für die Zu- kunft des unabhängigen demokratischen Litauens" aufmerksam gemacht und in der gefragt wird, was das Kabinett zu unter- nehmen gedenke,„damit nicht dieses fflr die litauische RepudNt katastrophale Uebereinkommen zustande kommt". Die gesamte Konstituante hat sich der Interpellation angeschlossen. Uns dünkt, die weise Sclbstbeschränknng, wie sie diese- Anfrage zeigt, ist Litauen dienlicher als jener ausufernde Länder- dunger, der auf die Dauer Litauen wie Memel gleich wenig defriedigen und bei dein Polen als der lachende Dritte allein die Vorteile einstecken würde. * Kens, 14. September.(4SI.) Die polnische Antwort aus die Note hymans ist, wie wir vernehmen, gestern abend erteilt worden, und zwar nachdem Hymans den Wunsch ausgesprochen hatte, die polnisch« Delegation möchte endlich einmal ihren Stand- pnnki formulieren, da Polens Vertreter bisher nur mündliche aus- weichende Erklärungen abgegeben hatten. Die polnische Regierung lehnte nunmehr die Vorschläge Hymans in ihrer neuen Jassung rundweg ab. Sie erklärt« sich dagegen bereit, wie früher die ! ireklen Verhandlungen mit Litauen wieder aufzunehmen unter Vorsitz eines Vertreter» de» Völkerbundrates. Lettisch-litauischrs Bündnis? Äowno, 14., September.(DA.) Die Anwesenheit des lettischen Mwisterpräsidenten Mejerowicz in Kowno steht im Zusammen- hang mit dem bevorstehenden Abschluß eines Bündnisses zwischen den drei baltische�-Staaten. Ein vollkommenes Einver- ständnis wurde bereits erreicht. Das Bündnis richtet seine Spitze vor allem gegen Pole». In einer Unterredung mit Vertretern titanischer Zeitungen erklärte Mejerowicz, daß es im Interesse Lett- Icind» liege, wenn Ä! i l n a dem Kownoer Litauen zuerkannt werde. Lettland wird zunächst in bym polnisch-litauischen Streit neutral bleiben. Sollte aber der sUtu» quo nicht anerkannt werden, so würde Lettland seinem Brudervolk zu Hilfe kommen. Da« Bündnis de» Kownoer Litauens mit Lettland müsse als Tat- sache betrachtet werden. Zeünkreich unö öie Sanktionen. Am heutigen Tag sollten nach dem Beschluß des Obersten ?rat«s die sogenannten wirtschaftlichen Sanktio- n e n fallen, wenn Deutschland die Bedingungen des Ober- sten Rates erfüllt haben sollte. Die Bedingungen waren 1. die Bezahlung der Goldmilliarde bis zum 31. August und 2. die Zustimmung zur Einsetzung eines interalliierten Kontroll- organs für die deutsche Ein- und Ausfuhr im besetzten Gebiet. Die erste Bedingung hat Deutschland pünktlich erfüllt, und zu der zweiteil hat die deutsche Regierung in einer Note vom 26. August Stellung genommen. Sie hat sich mit der Ein- setzung des Organs einverstanden erklärt, allerdings unter der selbstoerstäntilicheii Voraussetzung, daß das alliierte Organ sich bei seiner auf das besetzte Gebiet beschränkten Tätigkeit jeder Einmischung in die deutsche Exekutive enthalten werde. Obwohl nun selbst in der französischen Presse zugegeben wor- den ist, daß von deutscher Seite geschehen sei, was Voraus- setzung für die Aufhebung der wirtschaftlichen Sanktionen ge- wesen wäre, ist bis heute an die Reichsregierung keinerlei Mit- teilung gelangt, daß an dem festgesetzten Tage die Wirtschaft- lichen Zwangsmaßnahmen am Rhein ein Ende finden wür- den. Nach einer Information, die der Verein der Jndu- ftriellen des Regierungsbezirkes Köln aus Ems erhalten hat, soll mit der Fortdauer der Sanktionen mindestens noch für mehrere Wochen zu rechnen sein, da die Derhand- lungen ini allüerlen Ueberwachungsausschuß zu einem Er- gebnis noch nicht geführt haben. Die sogenannten Sanktionen waren, wie der Iuristentag in Bamberg richtig ausgesprochen hat. vom ersten Tage an nichts anderes als ein Bruch des internationalen Rechts. Wollte der Oberste Rat den Verträgen treu blei- den, so mußte er ihre Aufhebung ohne Bedingungen aus- sprechen. Statt dessen hat er nur ihre teilweise Aufhebung in Aussicht gestellt und auch diese noch an Bedingungen geknüpft. Deutschland hat diese Bedingungen erfüllt— trotzdem hat Das Spie! kann beginnen... Konzertumschau. Mit vollen Leg'kn geht'» in die Fluten der öffentlichen Konzerte hinein. Roch macht ein zweiter Sommer Ohr und Herz stumpf gegen die Kunst, empfänglicher für das Raunen und Klingen in der Natur. Aber dem durch die falsche Sonne der Operette glorreichen Sommer soll kein Winter ehrlichen Mißvergnügens folgen. Die Karten find so gemischt, daß Gang und End« de» Spiel» nicht zu beurteilen ist. Wie viele Hoffnungen werden aufblühen, wie viele welken! Wem von den neuen Künstlern hält sich im Zeitenschoß der Erfolg, wem da» Mißgeschick verborgen? Roch überstürzt sich alles üp Herausstreichen der Namen, Werke, Aufführungen, Absichten. Gemach: nicht alles, was der Drucker setzt, wird in Wirklichkeit umgesetzt, nicht alles, was Wirklichkeit wurde, in wirkliche Kunst verwandelt. Demioch verbirgt sich in der unscheinbarsten Anzeige oft mehr al, Eitelkeit und Äolz. Di« bange Frage steht dahinter:«erde ich'» erreichen? Man möchte warnen: vergebens. Wen'» gepackt hat, der läßt nicht locker, kost« et, wo» es wolle. Es kostet viel, in anspruchsvollem Rahmen aufzutreten. Und man kann sich in Berlin — beschämend, e» zu sagen— für ein gute» Kapital an Banknoten ein gutes Kapital an Ruhen in gespielten Roten anlegen. Wer wird nicht einen Namen kennen, der in Riesenlettern alle Monate auf weißem Grund mit roten Buchstaben gedruckt ist! Welche Suggestion liegt nicht in der schlauen Lüge, daß die Billetts bereit» vergriffen sind! Un» soll nicht Geld und leerer Saal, nicht Unbescheidenheit und Lampenangst hindern, kritisches Amt mit Liebe zu oerwalten. Nicht rechten mit dem Belanglosen, nicht richten über die Oed« und Alltäglichkeit, nicht zornig werden beim ersten Versagen. Aber dem Snobismus, dem Kunstschieber auf die Finger zu klopfen, die unbe- gabte Ausnutzung der Mufikkvnjunktur beim rechten Namen zu heißen und— größte Freud«— das Erlebnis in der Kunst, wo es uns auch begegnet, wo es uns zu bereichern und zu beglücken scheint, mit lautem Ja zu begrüßen. Die Stunde ist da, in der die Geistcr sich bekennen müssen im Kampf. Das Spiel kann beginnen. Der„Berliner v o l k s ch o r" holt aus seinem alten Repertoire zunächst.Faust« Verdammung" hervor, diese» seltsamste aller Oratorien, mit dem sehr fragwürdigen Goethe nach- gedichteten Text, der bei der Rückkehr ins Deuffche grotesk schlechte Betonungen aufweist, mit der ganzen knalligen Aufmachung eines Theatraliker«, dem die Direktoren ihre Tempel verschlossen haben. Im burschikosen Ehor, im kriegerischen, wenn auch gar nicht recht in den Stil passenden Ungarn-Marsch mit erlesenen Rezitativen und einer Fülle geschmeidiger charakteristischer und originaler Orchester- i�een füllt B erli o z hier dennoch einen langen Abend interessant au». Ernst Zander betreut das Werk mit Geschick und Geschmack. Der durch die Fichte-Georginia verstärkte Volkschor, der unÜbersicht-. lich groß zu werden droht, leidet gelegentlich an dieser Tugend: das scharfe Martellato versandet, zwischen den weit entlegenen Männer- Frankreich es verstanden, die Aufhekmng der Wirtschaft- lichen Sanktionen abermals zu verschleppen. Ueber die Mo- ral dieser französischen Politik gibt es bald in der ganzen Welt nur ein einziges Urteil, ihre Sinnlosigkeit wird von einem langsam wachsenden Kreis französischer Politiker Erkannt, aber diese Erkenntnis kann sich noch nicht auswirken infolge der beklagenswerten Schwäche der französischen Arbci- terbewegung. Unter diesen Umständen bleibt immer nur die Hoffnung auf die klüger und gerechter denkenden Ententegenossen, vor allem aus England. England hat„fair play" versprochen — wo ist es? Gewiß ist die ehrliche Verständigung zwischen den Nachbarn, Frankreich und Deutschland, bei weitem vor- zuziehen, aber kann man nach den gemachten Erfahrungen für absehbare Zeit noch auf sie rechnen? � Iuristentag«nd Sanktionen. Vaw.berg, 14. September.(WTB.) Die öffentlich-rechtliche Abteilung des Deutschen Iuristentages trat heute vormittag unter dem Aorsitz des Kammcrgericküspräsidenten Dr. von Stasf-Berlin zusammen und beschäftigie sich mit den Sanktionen. Nach Referate» von Pros. Dr. Meurer-Würzburg und des österreichischen Justizministers a. D. Dr. Klein-Wien wurde folgende Entschließung angenommen: Der Deutsche Juristentag spricht als seine einmütige Rechtsüberzeugung aus, daß die sogenannten Sanktionen widerrecht- liche Gewaltmaßnahmen sind. Sie verletzen den Versailler Vertrag und das Völkerrecht.___ Die Steuern öer tzohenzollern. Auf unsere Feststellungen hin, daß die Hohenzollern bis heute noch keinen Pfennig Steuern gezahlt haben und daß sie darüber hinaus eifrig bemüht sind, sich vor zukünftigen Steuern zu„schützen", geht ein eigenartiges Rauschen drtrch den Blätterwald. Es ist klar, daß die„Deutsche Tageszeitung" meint, wir suchten nur Agitationsstoff, die Sache sei doch eigentlich ganz in der Ordnung. Wir können demgegenüber nur wiederholen, daß sie ganz und gar nicht in Ordnung ist, auch im eigenen Interesse der Hohenzollern nicht. Ihnen kann es nänilich passieren, daß sie dann, wenn die Auseinandersetzung mal zu End« gekommen ist, plötzlich soviel aufgelaufene Steuei�r zahlen müssen, daß sie in Li- ouidation gehen. Dann hat dir Steuerfiskus das Nach- sehen. Sowohl für das Reich als für die Hohenzollern scheint es uns besser, daß sie schleunigst durch Akonto-Zahlungen beginnen, ihrer Steuerpflicht nachzukommen. Ein Berliner Mittagsblatt hat sich im preußischen Fi- nanzministerium erkundigt und dort erfahren, daß man die von Der früheren Hofkammer verwalteten hohenzollernschen Haus- und Familiengüter seit 1. S c p t e m b e r d. I.(!) einer besonderen Aussicht unterstellt habe. Vielleicht ist das Finanzministerium so freundlich und teilt nun mal der Oeffentlichkcit mit, inwieweit es sich in den letzten Monaten um das sogenannte Königliche Hausministerium gekümmert hat, das ihm doch seit dem November 1918 unter- st e h t. Besonders tüchtig scheint man dabei nicht gewesen zu sein, sonst wäre es doch unmöglich, daß die vormalige Krone von den allein für 1920 rund 23 Millionen Mark be- tragenden Ueberschüssen aus den hohenzollernschen Familiengütern über 10 Millionen Mark„verzaubert" hat, damit sie dem Zugrif der Steuerbehörde entgehen. Was nützt es, wenn das preußische Finanzministerium neugebacken« Negierungsräte und Asses oren in stets vermehrtem Ausmaße mit der Aufsicht der Kronverwalwng betraut, sobald diese alle- samt nicht einmal sehen, wie durch offizielle Verfügungen des dem Finanzministerium unterstehenden königlichen Haus- Ministers das Reich um hohe Millionenbeträge geschädigt wird? Wir nehmen an. daß mit unseren heutigen Feststellungen weder die Rechtspresse noch das preußische Finanzministerium zufrieden ist. Deswegen werden wir, wenn es nötig sein sollte, in den nächsten Tagen auf die hohenzollernsche Methode, sich um Steuerpflichten zu drücken, noch etwas näher eingehen. stimmen und den Frauen schleichen sich im Zusammenklang Tempo- Unebenheiten, kleinste Lücken ein, und dem Tenor wären endlich ein paar helle, ganz helle Stimmen(eventuell Knaben oder Frau-n) beizugeben. Die Disziplin ist prachtvoll, und den beherzten Auf- schwung nehmen alle Mitglieder, die mit wahrer Sturmgewait über die Tonwogen de» frisch gerüsteten Philharmonischen Orchesters dahinjagen. Die schönsten Töne, mit denen un» der letzte Winter entließ; leiten auch die neue Saison verlockend ein: das R o se- Q u ar t e t t spielt. Kaum ein höchster Wunsch bleibt unerfüllt. Selbst wenn über da» Tempo eine» Mozartschen Menuetto und jenes wundervoll elegischen Largo in Smetanas Lebensquartett gestritten werden könnte: hier ist von Rosc-Fischer, Ruzitska, Walter eine Einheit von musikalischer Prägnanz. Dortragsgeist, Musitinnerlichkeit ge- schaffen, daß auch ein« Absonderlichkeit der Austastung von vorn- herein da» Recht auf feiten de, Quartett» bringt. Mag sein, daß auch anderen Bereinigungen die Kraft des Decthovenschen op. 95 ähnlich großartig um Ausdruck ringt, die böhmische Bravour des Polka gerade Smetana» Landsleuten genau so au» den Geigen springt: die ätherisch« Klangdurchgeistigung. da» kapriziöse Springen und die gezähmt« Hurtigkeit de» Mozartschen d-Dur-Ouartetts kann so berückend nur au, dem Herzen von Musikanten kommen, die Wien ihre Heimat nennen. Unser« deutschen Bögen sind zu massig, zu hölzern dazu. Unter den neuen Solisten macht stch Roland Hell mit einem gesunden, kräftigen männlichen Tenor bemerkbar. Augustin Kock mit einer Baritonstimme, die besonders klangvoll und auststucks- stark in der Mittellage ist und sehr lebendig mit Seele gesättigt wird. Die schwedischen Lieder von Wilhelm Peterson-Derger passen gerade in die müde, flackernde Stimmung des Bechsteinsaal», den Kerzen matt erleuchten. Sie tun dem Ohr nicht weh, wie das Licht dem Auge, sehnsüchtig-volksmäßige Klänge, frei von Herbheit und Nerv. Dagegen fesseln die chinesischen Lieder Sigurd» von Koch durch ein prickelnd-bewegliche» Kolorit. In dem Gedichttz„am Teefeld" ist Aufbau. Harmcnik und klanglos verebbende Begleitung ebenso treff- sicher wie in dem letzten(„so zart sind deine Fuße") die liebevoll atmende Grazie und Kokettheit des Spiels. Lindemann macht das vorbildlich am Klavier. In der Philharmonie schmerzt kein grelles Licht der Ampeln: aber das Ohr kommt nicht ohne Schmerz davon. Walter K i r ch h o f f gefällt sich darin, die Andacht Veethovenscher stiller Lnrik durch grelle theatralische Effekte, Dehnungen, rhythmische Zerklüftungen zu entstellen. Fluch der Bühnenroutine, die allerdings wieder einer martialischen Händel- Arie und einer Szene aus der.Afrikanerin" zugute kommt. Donnernder Beifall auch noch dem elegant hingeworfenen Gesellen- lied Wolf»(nicht Wolfs», worüber sich der Meister totgeärgert hätte). Ein paar echte und wunderschöne offene Heldentöne erinnern an den Kirchhofs von einst. Möge er sie in spanischer Luft alle wiederfinden und sich immer wieder, als Darsteller auf der Bühne ruhmvoll be- währen. Dr. Kurt Singer. Sozialöemokratisther Wahlfieg. Groste Erfolge in Thüringen. Ueber den Ausfall der thüringischen Wahlen hat im be- sonderen die„Telunion" verdächtig eilige Meldungen ge- bracht, die inhaltlich auf einen Sieg der Rechtsparteien und eine Niederlage der Sozialdemokratie hindeuteten. Die Wirk- lichkeit und die Wahrheit haben aber ein erheblich anderes Gesicht. Die Landtagswahl in Thüringen ist ein glänzen- der Sieg der Sozialdemokraten. Darüber hin- aus kann festgestellt werden, daß die von den Rechtsparteien angestrebte Zertrümmerung des roten Thüringen für sie als kläglicher Reinfall geendet hat. Beachten wir nur das fol- gende: Die Sozialdemokraten errangen bei der Reichs- t a g s w a h l 1920 in Thüringen 135 000 Stimmen, bei der Landtagswahl 133 000 und diesmal nahezu 157 000! Die Wählermacht der USP. fiel von 228 000 auf 183 000 und diesmal auf III 000. Die K o m m u n i st e n steigerten ihre Wahlzisfer von 15 000 nach einem Rückschlag auf 8000 zu diesmal 7 2 0 0 0. Die D e u t s ch n a t i a n a l e n erhielten einschließlich Landbund bei der Reichstagswahl von 1920 rund 209 000 Stimmen, bei der thüringischen Landtagswahl im gleichen Jahre nur noch rund 180 000 Stimmen: diesmal vereinigten sie 179 000 S timm ckn. Die Deutsche B o l k s p a r t e i hat bei den eben er- wähnten drei Wahlen 116 000, lOst 000 und 10 9 0 00 Stimmen erreicht. Die Demokraten sammelten für sich 63 000, 58 000 und diesmal 38 000 Stimmen. Danach verteilt sich die'Zahl der Mandate so, daß die SPD. 13 gegenüber bisher 11 erhält, USPD. 9 bisher 11, KPD. ö bisher 4, Landbund 10 bisher 11, Deutschnationale 4, bisher 4, Deutsche Volkspartei 9, bisher 8, Demokraten 3 bisher 4. Die Linksstimmen, die Wähler der sozialistischen Parteien, schicken also diesmal 28 Abgeordnete in den Thüringi- scheu Landtag, die'Rechtsparteien einschließlich der Demo- kraten 26. Die bapeeische Regierungsfrage. Der Landesausfchust. München. 14. September. Der ständige Landtngsausschuß trat heute nachmittag zusammen. Bor Eintritt in die Tagesordnung gab Präsident K ö n i g b a u e r ein Schreiben des Ministerpräsidenten Dr. von Kohr bekannt, worin dieser von dem Rücktritt des Gesamt- Ministeriums Mitteilung macht. Der Präsident fügte hinzu, er habe auf Donnerstag nachmittag 4 Uhr eine Sitzung des Aelteftenrates einberufen, die sich mit der Frage beschäftigen werde, wann die nächste Plenarsitzung stattfinden solle, um die Wahl des Minister- Präsidenten und die Bestellung des neuen Ministeriums vorzu- nehmen. Der Abg. Held bemerkte sodann, es werde in der Presse die Behauptung aufgestellt, daß er den Ministerpräsidenten gestürzt habe. Zum Deweis dafür werde angeführt, daß schon seit längerer Zeit zwischen ihm und von Kohr tiefgehende Meinungsoerschieden- heiten bestanden hätten und daß er beim Katholikentag in Franffurt mürbe gemacht worden sei. In Frankfurt habe er überhaupt mit niemandem ein Wort über Politik gesprochen, mit Herrn von Kohr sei er in allen größeren Fragen durchaus einig gegangen. In einem sozialistischen Blatte werde behauptet, er habe den Minister- Präsidenten deshalb gestürzt, um selbst sein Nachfolger zu werden. Er möchte hierzu nur bemerken, daß er nach der Revolution schon mehr als einmal Gelegenheit gehabt habe. Ministör zu werden, es aber grundsätzlich jedesmal abgelehnt habe, und kurz vor der Revo- lution hätte er sich lediglich unter dem äußersten Zwange der Ber- Hältnisse dazu herbeigelassen. Abg. Timm(Soz.) erklärte, auch er sei überzeugt, daß Held bei den letzten Entscheidungen nur aus rein sachlichen Gründen gehandelt habe. Wohl in keiner Situation hätte bisher der Landtag und besonders auch die Mitglieder der Oppositions- Parteien eine solche Toleranz an den Tag gelegt wie bei den letzten Vorgängen, wo man sich direkt von den Vertretern der Regierung Der Erstdruck der„GStllichen Komödie". Der erste Druck von Dantes„Göttlicher Komödie" gelangte im Jahre 1472 in Foligno, der Hauptstadt der italienischen Provinz Perugia, zur Ausgabe. Während aus dem Schlußblatt dieses Erstdrucks außer dem Jahre des Erscheinens auch die Namen der beiden Drucker, des Deutschen Johannes Neumeister und des Diakons Mei aus Foligno verzeichnet sind, blieb der Name eines anderen Bürgers von Foligno namens Emiliano Orsini, der das wesentlichste dazu beigetragen hat, daß das Druckwerk zur Ausführung gelangen konnte, jahrhundertelang unbekannt. Dieser Emiliano Orsini, der den ersten Schritt auf dem Wege zur Verbreitung von Dantes Dichtung in der� Welt ermöglichte, war Goldschmied und ein zu seiner Zeit berühmter Stein- schneider, der aOr Münzwart unter drei Päpsten seines Amtes in Rom mit Auszeichnung gewaltet hat. Man nimmt an, daß Orsini in Rom die Bekanntschaft Neumeisters gemacht hat, der aus Mainz nach Italien gekommen war, um dort die neue Erfindung des Buch- drucks einzuführen. Orsini nahm den Deutschen mit nach seiner «oterstadt Foligno und ließ ihn im Jahre 1470 in seinem eigenen Hause ein Werk seine» Zeitgenossen Leonardo Aretino drucken. Zwei Jahre später wurde dann die Ausgabe der„Göttlichen Komödie" in Angriff genommen. Orsini lieh seine reichen Mittel dem Deutschen nicht au, gewinnsüchtiger Absicht, sondern es leitete ihn dabei ausschließlich der Gedanke, der Buchdruckerkunst in Italien Bahn zu brechen. Ohne seine Hilfe und pekuniäre Unterstützung wäre e» dem Neumeister schwerlich geglückt, das Ziel, das«r sich bei seiner Reise nach Italien gesteckt hatte, zu erreichen. Ein Gevächtnismal für Carl Hauptmann will auf seinem Grabe ein Ausschuß errichten, der sich aus seinen Verehrern gebildet hat. In dem Aufruf stehen schöne Worte der Würdigung: „Er ist nie müde geworden, uns, seinem Volke, die Weg« zu suchen in das Traumland des Lebens über den Wirklichkeiten, von dem nur die Dichter wissen, in den stets verlorenen, stets gesuchten Garten eines höheren, stärkeren, farbigeren, feurigeren Seins, an dem wir alle teilhaben, zu dem wir alle emporwachsen sollen. Aller falschen Forschung, aller falschen Kunst hat er auf den goldenen Straßen seiner Triloaie, allem Macht-, allem Gewaltrausch hat er in seinem„Krieg", in seinem„abtrünnigen Zaren" Fehde angesagt. Er hat in dem großen Kampf der Zukunft, dem Kampf zwischen Macht und Geist, fest und unverrückbar Stellung ge- nommen." Beittäge nimmt entgegen W Schatzmeister Hans Arnhold, Berlin W., Französische Str. 33 e, für das Carl-Hauptmann- D�kmal._ Im Tentsche» LPernhauS galiiert am Donnerstag Lola Artdt de P a d i l l a von der EtaatSoPer als Mignon. Ernst Friedrich lpricht„Osstziere-, 3 Bilder au? dem Weltkrieg von HanS W e s e nt a n n, Donnerstag, abends 71/, Uhr, in der Arbelle» ikunstauSstellung, Petersburger Str. 3S. Die 1. internationale Tagnng f»r«exnalrefor« findet vom 15.— tS. Sevtember in Bestin statt. Donnerstag, den 15.. 7 Ubr, ist die BegrühungSseier im Dlrchow-Langenbeck-Hanse. Zuttilt zu allen Kongreß-, Veranstaltungen baben nicht nur?lerzte und. Juristen, sondern alle, die die Lösung der sexuellen Fragen sür eine ernste und wichtige Kultur- ausgäbe hallen. Kr. 435 ❖ 5$. Jahrgang — B—gyf iwrtLrV mauM Hellage öes vorWärts donnerstag, 15. Septen»beel� GroßBeeüu vie Jugenü fiir Vpneken. einer überaus stark besuchten öffentlichen Versammlung des I liegen den Hoteldiener Heiden und de« Kaufmann Hermann iMonte zu verhandeln hatte. Monte war Angestellter in einem Wohnungsamt, bei dem sich der erste Angeklagte häufig, aber immer vergeblich, um Zuweisung einer Wohnung bemüht hatte. Er hatte dann Monte für die Sache zu interessieren gesucht und ihm gesagt- es falle nicht sein Schaden M iiWlw MMWmlWkii heute, Donnerstag, 15. September, abenös 7 Uhr: 19. kreis(Pankow): bei Lindner. Breite Straße. Thema: «Die Stadtverorduetenwahlen und die Reaktion". Referent: Bürgermeister Karl Mermuth. Morgen, Jreitag. ib. September, abenös 7 Uhr: 13. kreis(Mariendorf): im Realgymnasium. Saiserstraße. Thema:«Die politische Lage und die Stadwerord- nelenwahlen". Referent; Dr. kallmann. 13. kreis(Lichtenrade): bei Rohrmann, Valdrefiaurant in der Hilpertstraße. Thema:«Die politische Lage und die Stadtverorduetenwahlen. Referent: Dr. Sollwitz. verein- Arbeiterjugend Groß-Berlin in der Aula de-! �« �d in den Besitz einer Wohnung käme Monte gab t- n. r,, ,,.> ihm den Rat, sich selbst eine Wohnung zu suchen, und Sophlen-Lyzeums m der Weinmeisterstraße sprach Genosse Dr. jQnj) g�ch eine solche in der Marienstraße. Diese war im Wohnungs- Richard Lohmann m folgenden Gedankengangen über.„Wy- «kens Erziehungsmethode". Die Arbeiterjugendorganisation nimmt als erste Berliner Iu- gendorganisation öffentlich Stellung zum Wynekcnprozcß: dennoch handelt es sich um keine Protestkundgebung. Wir wollen nicht untersuchen, inwieweit wir uns hinter die Person Wynekens stellen können, wohl aber inwieweit die Sache Wynekens un- lere ist. Das Urteil des Thüringer Gerichtshofes— keines seiner Mitglieder zählte unter 60 Jahren— war kein juristisches, sondern ein politisches. Die Sache Wynekens sollte getroffen werden: die Wickersdvrfer Schulgemeinde steht und fällt mit ihm. Das Schul- wesen in Deutschland ist kein der Gegenwart angemessenes. Es ent- spricht den ökonomischen Zuständen vor etwa 30 Jahren. Wynekens optimistischer Ausspruch auf der Reichsschulkonferenz:„Hier ist der Ort, an dem die alte Schule zu Grabe getragen wird", hat sich nicht bewabrheitet. Noch immer fehlt es an Wegbahnern und Zielweisern, Myneken war ein solcher Zielweiser. Noch immer herrscht auch in unserer Erziehung das individualistische Prinzip. Wickersdorf war eine sich selbst erziehende Gemeinschaft. Die Familie in der über- kommenen Form kann nicht mehr Selbstzweck sein: an ihre Stelle tritt die Erziehungsg em eins chaft. Die Kinder dürfen nicht länger Privateigentum der Eltern sein. Andererseits denkt natur- gemäß kein Sozialist daran, Schulkasernen einzurichten. Die Jugend darf nicht länger Mittel zum Zweck sein: sie hat ein Recht auf sich selbst und auf ihre ewjene Lebensweise, auf jungherzige Führer und Erzieher. Dem eindrucksvollen Vortrage folgte keine Diskussion. Nicht ein- mal die zahlreich erschienenen Kommunisten verlangten das Wort. Das gemeinsam gesungene Lied von der neuen Zeit, die mit uns zieht, verlieh der kurzen Kundgebung einen würdigen Abschluß. Philosoph unö Gelöscheinfälscher. Aufhebung einer Aälscherwerkstäkke in der holzmarkkskraße. Seit einem halben Jahre wurden besonders in Berlin falsche Tausendmarkscheine in den Verkehr gebracht. Sic waren namentlich daran zu erkennen, daß sie im Druck gewöhnlich fahler waren als die echten. Auch waren die bei den echten Noten in das Papier eingewirkten Faserstreifen bei den Fälschungen durch auf- geklebte Fasern ersetzt. Besonders kenntlich waren sie auch daran, daß auf dem grünen und roten Stempel des Reichsbankdirektoriums der kleine Adler im Brustschild des großen Adlers bei den Fälschun- gen nur in einem unbestimmten Farbenfleck bestand, während er bei den echten Noten in seinen Umrissen deutlich erkennbar ist. Die .ff er st eller und Verbreiter dieser falschen Tausendmark- scheine sind jetzt von der Reichsbank-Falschaeld-Abteilung ermittelt und festgenommen worden. Es sind ein Lithograph Erwin Pofahl, dessen Bruder, Photograph Bruno Posa hl, und ein „Schriftsteller" Franz Wydrinski, der in der Holzmarkt- st r a ß e 48a wohnte und in seiner Wohnung auch die Fölscherwerk- statt eingerichtet hatte. Dieser Wydrinski ist eine nicht uninteressante Persönlichkeit. Lithograph von Beruf, entdeckte er in jungen Jahren bei Hemmental in der Schweiz einen Schieferbruch, der sich zur Herstellung von Lithographiesteinen ebenso eignen soll wie der bekannte Solenhofer. Der Lithograph wurde später Schriftsteller und Erfinder eines Steno- graphiefystcms, das nach ihm das Wydrinskische heißt. Er nennt sich jetzt Philosoph und hat Weinachten 1SS0 eine Broschüre über die Systematik aller Begriffe und die Entdeckung der Patogorien als Lösung aller philosophischen Probleme herausgegeben. An den Geldscheinfälschungen will er sich nicht aus Eigennutz beteiligt haben, sondern um seine dem Laien reichlich phantastisch anmuten- den Pläne einer„R<« form der Gosamtwissenschaft" gegen die Ablehnung der Wissenschaftler durchsetzen zu können. Gezahlte Gefälligkeit. 500 ZNark für die Zuweisung einer Wohnung. Wieder lag eine Schiebung in einem Wohnungsamt einer An- klage zugrunde, die gestern die Ferienstraskammer des Landgerichts I amt nicht als frei gemeldet, Monte half ihm aber dadurch über den Berg, daß er die Genehmigung des Wohnungsamtes darauf setzte und ibm die polizeiliche Anmeldung überbrachte. Heiden dankte ihm für diese Gefälligkett durch Zuweisung einer Summe von 500 Mark. Der Staatsanwatt beantragte gegen H. wegen aktiver Bestechung 1000 M. Geldstrafe, gegen M. wegen passiver Bestechung zwei Monate Gefängnis. Der Gerichtshof bewilligte dem Heiden mildernd« Umstände zu, da dieser sich in einer großen Notlage— wie alle Wohnungssucher— befunden habe, und verurteilte ihn zu SM M. Geldstrafe. Monte wurde dagegen zu 3 Monaten G«> fängnis verurteilt, da nach Ansicht des Gerichts solchen Auswuchs«, ganz energisch entgegengetreten werden muß. Aus diesem Grunde wurde auch dem Angeklagten«ine Bewährungsfrist nicht gewährt. Hauptwahlamt und BezrrkSwahlamter. Der Magistrat hat die Satzungen für das zukünftige Haupt- wahlamt und die Bezirkswahlämter angenommen. Demnach der- bleibt dem Hauptwahlamt die Bearbettung aller Fragen in Wahlangelegenheiten, die eine Entscheidung im einheitlichen Sinne bedingen, wie Anordnungen über die Führung und dauernd« Be- richttgung der Wählerlisten in den BezirkSwahlömtern, Beschaffung der dazu nötigen Vordrucke. Ferner hat das Hauptwahlamt Bor- schritten zu erlassen über den Verkehr der Bezirkswahl» äniter mit dem Hauptwahlamt. die Waltermine und Wahlzeiten, die Bestimmungen über die Auslegung der Bählerlisten, über die Einreichung der Wahlvorfchlägs usw. Die Bezirkswahl- ämter haben die entsprechenden Aufgaben für ihre Bezirke nach den obenbezeichneten Vorschriften zu«ledigen. Das Ende der GenichtSfttiett. Die Gerichtsferien nehmen mit dem heutigen Tage ihr Ende und der Gerichtsbetrieb wird wieder in vollem Umfange in Gemäß- heit des festgestellten Geschäftsvlanes vom 1«. September auf- genommen werden. Auf den, Kriminalgericht haben sich die spruch- reisen Sacken so gehäuft, daß Verhandlungstermine in Hülle und Fülle angesetzt find. Am Schwurgericht des Landgerichts I beginnt am 26. eine neue SchwurgerichtStagung. In Anbetracht der zahlreichen zur Aburteilung reifen Sachen, werden gleichzeitig zwei Parallel-Schwurgerichte ragen. Bald darauf beginnen die Verhandlungen der Schwurgerichte an den Landgerichten Dl und III, so daß bis zum Jahresschluß dauernd vier Schwurgerichte tage« werden. Wieder geheizte Stadt- und Vorortzüge. Anders als in den lctztvergangenen Jahren wird in diesem Jahre i öie Heszung der Züge erfolgen. Wir erfahren von gut unterrichtetet Setteüber die Maßnahmen der Eisenbahnverwaltung zum kommen« den Winter folgendes: Während in den früheren Jahren infolge Fehlens betriebsfähiger H e i z k u p p l u n g e n nur die Fern» Personen- und Schnellzüge geheizt werden konnten, wird es in diesem Jahre wieder möglich sein, auch die dem Lokalverkehr dienenden Züge, also auch die Züge der Stadt-, Ring- und Lor» ort bahnen zu beheizen. Im allgemeinen sind die Bor- arbeiten durchgeführt, so daß mit dem Eintritt der kälteren Witte- rung auch die Inbetriebsetzung der Heizung erfolgen kann. De» Anfang zur Heizung wird voraussichtlich in den nach dem Osten(Ost- Preußen) verkehrenden Zügen gemacht werden, die auch schon in den früheren Jahren als die ersten Züge geheizt worden sind. Den besonders langen Zügen, die von der Lokomotive nicht geheizt werden können, werden im kommenden Winter wieder besondere Heiz» k esselwagen beigestellt� mit deren Hilfe eine möglichst gleich- mätzige Erwärmung sämtlicher Abteile erziell werden kann. Eine große Razzia unternahm die Kriminalpolizei in der gestri- gen Nacht in verschiedenen Teilen der Stadt. Veranlassung dazu gaben die letzten großen Kriminalfälle und auch Beschwerden aus dem Publikum wegen der immer stärker werdenden nächtlichen Un- sicherheit. Die Streife begann in dem Schönhauser Viertel. Dort wurden eine ganze Reihe von Lokalen ausgehoben und alle Personen wurden, soweit sie sich nicht an Ort und Stelle ausweifen konnten, auf die Wagen geladen. Von dort begab sich das Kom, mondo nach dem Stettiner Bahnhof, wo ebenfalls eine ganz« Anzahl berüchtigter Lokale gelichtet wurden. Den Schluß bildeten die B e h r e n st r a ß e und die Straßen ihrer Nachbarschaft, wo sich die großen Bergnügungslokale befinden. Dort hatte sich in der letz- ten Zeit«in Gesindel breitgemacht, das viele Passanten belästigte. Im ganzen wurden gegen 800 Personen sistiert und auf dem Polizeipräsidium genauer festgestellt. klanle im Hungerstreik. Der verhastete Wettkonzerninhaber Maz Klaute ist seinem Vorsatz, im Hungerstreik zu verharren, auch gestern treu geblieben. Falls der Festgenommene weiterhin die Nahrungsaufnahme verweigert, wird erwogen, ihn in das Lazarett des Untersuchungsgefängnisses zu überführen, wo er dann zwangs- weise ernährt werden würde. Ein blutiger Ehestreit. Der 44 Jahre alte Werkmeister Karl A. geriet gestern m seiner Wohnung in der Birkenstraße mit seiner Ehefrau in einen heftigen Streit, in dessen Verlauf Frau A. einen Revolver zog und ihren Mann durch einen Schuß inde« Hals erheblich verletzte. Während man A. nach dem Krankenhause Moabit schaffte, wurde die Täterin festgenommen. Vorsicht beim Drachensiei genlassen. Bon der Gesellschaft für Kraftübertragung m. b. H.(Reichsschatzministerium) wird davor ge- warnt, in der Nähe der Hochspannungsleitung Golpa— Berlin und Sperenberg— Lichtenberg Drachen steigen zu lassen, da größte Lebensgefahr besteht. wen» sich die Drnchenschnur um die Leitungsdrähte wickelt. Eltern und Lehrern wird daher empfohlen, die Kinder eindringlichst auf diese Gefahren hinzuweisen. Eine heimatkundliche Kkudienfahrt nach Brandenburg an der Havel und in die Altmark veranstaltet vom S. bis 8. Oktober 1921 das Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht, Berlin W.3S. Potsdamer Str. 120. Es werden auf dieser Fahrt besucht: Branden- bürg, Jerichow, Tangermünde, Stendal, Salzwedel. Die erläutern- den Vorträge bei Besichtigung der Bauwerke und Kunitschätze der einzelnen Städte gibt Prof. Dr. B o ck von der Technischen Hochschule zu Berlin. Näheres ist zu erfahren durch das Zentralinstitut. Eine Demonstration in Bernau veranstalten das Gewerk- fchaftskartell und die drei sozialistischen Parteien Bernaus am Sonntag, den 18. September, unter der Parole: „Nieder mit der Reaktion I" Referenten sind Genossen aller drei sozialistischen Parteien. Treffpunkt ViX Uhr vor dem Gewerk- schaftshaus, Kaiserstraße, Abmarsch 1 Uhr.— Am gleichen Tage findet in Bernau ein sogenannter Oberschlesiertag statt. Den hinter dem örtlichen Ausschuß stehenden Personen steht die Arbeiterschaft mißtrauisch gegenüber. Die Groß-Berliner Parteigenossen werden deshalb gebeten, soweit es ihnen möglich ist, an der sozialistischen Demonstration teilzunehmen. Fräulein. 8) Don Paul E n d c r l i n g. copxriglU, l«20t by J. G. Coltasche Buchhandlung Nachf. ctutt»arl;i riin «Paß hübsch auf. Wernerchen, in der Kirche, ja? Und erzähle nachher, was Pastor Pawlowski gesagt hat!" „Ja. Fräulein!" sagte er langsam und deutlich. Es kam heraus wie aus einem Automaten, in den man zehn Pfennige hineinsteckt und der dafür die drei Silben spricht. „Adieu, Werner! Die Mama kommt schon." Frau Franzius kam. Werner stand vom Stuhl auf. Er hatte etwas merkwürdig Mathematisches in seinen Bewegun- gen. Man dachte unwillkürlich an rechte Winkel, gerade Linien und dergleichen. Frau Franzius sagte langsam:„Sie sollten auch einmal in die Kirche gehen, Fräulein!" „Ich habe so wenig Zeit." „Dazu muß man immer Zeit haben," sagte sie kalt und zog ihre Handschuhe an. Ihre Handschuhe waren von vor- bildlicher Eleganz. Es war der einzige Luxus, den sie siä) leistete. Er ersetzte ihr Schmuck und Seide. Ihre Handschuhe stachen oft seltsam gegen die ungewählten Kleider ab, die immer etwas nach„Ausverkauf" oder„Gelegenheitskauf" aussahen. „Komm, Werner, und halte dich gerade!" Beide gingen. Ein paar Minuten später jagte Thea die Treppe herunter, mit fröhlichem Lachen Fräulein zuwinkend. Sonderbar, wie verschieden beide Schwestern sind, dachte Fräulein, oder ist es die Ehe, die Frau Franzius so ver- ledert hat? Frau Dora Franzius war acht Jahre älter als ihre Schwester Thea, und sie hatte srüh geheiratet. Aber diese Ehe konnte keinen sehr bestimmenden Einfluß auf ihren Charakter ausgeübt haben. Denn diese Ehe bestand seit Jahren nur noch dem Namen nach. Ihr Mann, der Ingenieur Franzius, war fast immer außer Landes. Er hatte eine Reihe kleiner, aber wichtiger Bahnen gebaut. Jetzt war er in den deutschen Kolonien. Seit Jahren nahm er nur solche Aufträge in der Ferne an: seit dem Tage, da der alte Görke ihm vorgerechnet, wieviel er schon für ihn und seine Familie getan hatte. Bon da an nahm Ingenieur Franzius nur die höchstbezahlten Austräge an, gleichviel au« welchem Erdenwintel sie winkten. Die Verwandten sagten:„Er verdient dort das Doppelte wie hier" und hießen sein Tun gut. Rur der alt« Görke, un- zufrieden mit dem selbständigen Entschluß seines Schwieger- sohns, der ihm etwas rebellisch erschien, murrte:„Er ist ein unruhiger Geist und wird nicht eher ruhen, bis die Neger ihm seinen Dickschädel eingetrieben haben. Das kann er aber doch bequemer hier auf dem Fischmarkt oder in Schidlitz haben." In Schidlitz waren die öffentlichen Tanzlokale, wo des Ver- gnügens mitternächtlicher Schluß meist in Schlägereien und Messerstechereien ausartete. Die untoerheirateten Tanten flüsterten:„Er reißt vor seiner kalten Frau aus." Der Ober- lehrer sagte:„Er will uns nichts schuldig bleiben; er weiß, daß die Familie immer der schlimmste Gläubiger ist."_ Frau Franzius sprach, wenn auf ihren Mann die Rede kam, immer in kühlen, gemessenen Ausdrücken, halb an- erkennend, halb verweisend. Sein Bild stand in einem großen Rahmen auf dem ovalen Tisch der guten Stube, hinter dem großen Photographie« lbum. Es war ein scharf markiertes Gesicht mit forschenden Augen unter eckiger Stirn. Alle zwei Jahre kam er zu Besuch. In der übrigen Zeit sandte ihm seine Frau zu jedem seiner Geburtstage die neueste Aufnahme von sich und den Kindern. Das war feit Jahren fast der einzige Zusammenhang zwischen Ingenieur Franzius und seiner Familie. Fräulein begriff diese Eh« nicht. i Fräulein begriff so vieles nicht im Görteschen Hause»». � Sonntagsstille zog ein. Fräulein putzte in der Küche Spinat und dachte darüber nach, wer wohl die neueste Eroberung Thea» sein mochte. Wenn es ein Bekannter war, konnte es auch einer von den Lehrern sein, die der Oberlehrer eingeführt hatte. Bielleicht auch einer der Kaufleute, die auf dem alljährlichen Hausball tanzten und die kalten Büfetts stürmten. Ach. es lohnte sich nicht, sich darüber den Kops zu zerbrechen. Es war wohl nur wieder so ein Hirngespinst Theas, wie so oft. Wie so oft. Frau Görke kam in die Küche, sorgenvoll um sich blickend. Sie hatte das dunkle Gefühl, überall betrogen zu werden, wo sie nicht war; unerhörte Verschwendung wurde hinter ihrem Rücken getrieben. Sie traute weder Fräulein noch dem Mäd- chen einen Betrug zu: aber im Unterbewußtsein saß stets die Empfindung, aufpassen zu müsien, wenn nicht alles drunter und drüber gehen sollte. Es war wohl das Erbteil von ihren Großeltern her, die in zäher Sparsamkeit ihr Derrwge» erworben hatte», jeden Groschen vorsichtig ansagend, als wäre er heiß. „Achten Sie mir darauf, daß nicht zuviel verloren geht, Fräulein!" „Gewiß, gewiß." Es klingelte scharf und laut. „Ach Gott, wer ist denn das schon wieder?" Sie sah so verzweifelt aus, als erwarte sie die Einquartierung feindlicher Soldaten. Fräulein sah auf die Küchenuhr.„Es ist erst zehn. Frem- der Destrch kann es also nicht sein." „Wenn es nur nicht Tante Berta ist! Sie hält einen immer so schrecklich lange auf." Sie öffnete die Türe. Es w a r Tante Berta. Sie kam immer zu ungelegener Zeit. Vormittags in die Vorbereitun- gen zum Essen oder kurz vor einer Gesellschaft, zu der sie nicht geladen war, oder zu der Stunde, in der Frau Görke sich etwas Ruhe gönnte. Sie hatte einen angeborenen Instinkt, zu stören. Dabei war sie nicht ungefährlich. Ihre lauernden Augen sahen böse in die Welt, und wenn ihre zusammengekniffenen Lippen sich öffneten, war zehn gegen eins zu wetten, daß eine unliebsame Ueberraschung zutage kam. Frau Görke vermied es längst, sie ohne Bewachung mit Familienmitgliedern sprechen zu lassen. Ihre Taktlosigkeiten waren berühmt im Kreise der Familie. „Guten Morgen, liebe Berta! Komm nur herein!" Frau Görke führte sie in die gute Stube, mit ergebener Miene, wie man Kriminalbeamte führt, die die Wohnung besichtigen wollen. Tante Berta schlug ihre buntgemusterte Mantille zurück. „Hab keine Angst! Ich bleibe nicht lange. Aber ein Viertel- stündchen wirst du mir wohl widmen können." „Kann ich dir nicht etwas anbieten? Ein Gläschen Port- wein vielleicht?" «Aber nein. Minna, zu so stüher Stunde kann ich da» Zeug gar nicht vertragen." „Ach ein Gläschen." „Nun, wenn du schon dabei bist—" Es war der übliche Eingang jedes ihrer Besuche, dieser Kampf um„das Zeug", das sie dann mit der listigen Lüstern- heit eines Igels schlürfte. Sie hätte es auch schwer übel ge- «vmmen, wenn man sie ganz trocken hätte dasitzen lassen. Frau Görke verfolgte jede Bewegung Tante Bertas mit Argsiohn und Angst. Was würde sie wieder haben? Denn daß sie etwas hatte, war klar. Sie saß viel zu sicher und überlegen da. (Forts, folgt) V?ikvk»bkld«»nSS«ld 5�/, ttfe ,Sit Knitüic" ven Richard Wagner in der ersten Jsletzung des Deutschen [} p t r n f) a u f c«. Musikalische Leitung: Kapellmeister Rtidals Krasselt. Eintritt 7,50 ill. Tie Verlosung der Plätze bcginirr üm 4'/, Uhr. DaS Bureau dej Bc�irtsbildungsauFschusjes ist beute nur bis Z U h r geöffnet. Am Smrntag, den 2ö. September, nachmittags N Uhr, im Theater der Zsrcicn Volksbühne am Bülowpiatz.Das Postamt' von Tagor« un»»Komödie der Irrungen' von Shatcspeare. Karte 4,50 M, einichliei;- Iich Tbcaterzettei und Kiciderabloge. Karlen find zu haben bei den Funktionären der Kreise Verlin. Mitte, Prenzlauer Tor, Wedding, Tegel und im Bureau des Bezirlsbildungsausschussrs, Lmdenstr,'S, 2. Hof, 4 Tr,, Ainuncr 12.— Tcurpetbos. Äor Sonnabend, de» t7. S«0tbr,, 7 Uhr, in der Aula bei ZicalgvmnasiumS, Kaiscrin-Zluansta-Strafie:»Die Operette von Strautz biZ Lähar', Künstlerifche Leitung und einleitende Worte: Dr. Ernst Pott. Gefong: Frau Gertrud Wolf. Tanz. Frl. Friedet Beyer und Ruth Voltz, Solotänzermneu am Deutschen Opern- dauS, Karten a i Si. sind bei den Funktionären und an der Abeuotasfe zu haöen,_ Sroft-Serlmer paktswaHekchteru 12.«rru'altnusvlbexiik. Für die Ort« Steglitz, Lankwitz und Lichterfeld« find sämtlich« Anfragen, Anträge und Belchwerden iu Schuisraaen, speziell wegen Abweldur.gen von der Teilnahme am Rclrgionswrterrscht, an d«n Obmann der Elternbeiräte de» Kreises, den Genossen Max Hichne, Steglitz, Sedarrstr. D, zu richten. Heule. Donnerskclg. deu 15. Sexkember: S0. Abt. Stzartsttenburg. 7 llhr bei Theten, KaKer.Fricdr.ch.Str., Ecke Pefier» lozziflics«, Mitglrederversarnmtuug:„Die politische Lage. Res. Scholz. l«. AUt. vberschöueweid«. Uhr im Zeichensaal des«ealgnmnastum», ge» ...........______ Uhr|| heiin, Siogatftr. ich. Diskussion-aü-nd.— Grrpp« Siideu. 7\i Uhr in der juristischen Spreäntunde, Lindensir. S,«ortragsabeud.— Gruppe Treptow. uü Uhr Treffxuntt im Jugendheim, Elfenstr. 3, zum Besuch der Sternwarte. — Gruppe Friedrichshagea. T/i l!hr in der Geineindeschule, Stratzmann- ftratze«, Vortrag über:..Nationalismus und Internationalismua'.— Gruppe Friedrichshogen. 7tä tlhr im Fugendheim, Lcharnweberftr. lilü», Tortrag ilber:„Grundbegriffe de: Soziologie'. Ref. Otto Vach.— Gruppe Tktjvpelhrs. 7S lihr im Lyzeum, Dermoniaslrotze. Vortragsadend." vruppe Schöllhausec Vorstadt. Bei Carl, Bicherrstr.«>, Literarischer Abend. 2. Kreis. S Morgen. Freikag, den IS. September: Eltern in der Schnlaula. Bremer Str. 15/17, Gritndungsversanünlunq der üben. JWWWWWWWWIs____.......______,_____... panick Zimmer 42, allgemeine Sitzung sämtlicher sozialistischer Elternbeiräte dc< Krei/es. Taaeeordnung:„Die Rotiocildigkeit der Vedeilegemeinschaft". Cr. scheinen aller ist Vslichts 13.?l?t. 7>,h llhr Elternversamutlunz der 52. und 71. Gemeindeschule in der Schulaula Fruckitstr. 38. Thema:„Das Paulfen'che Echulprogramm.'. Ref. iAar 131. Abt. NledmschSnh-i'scn.'tzi Uhr gemeinschaftlich« FunktienSrkonferenz im Sieltaurernt Kälhelmshef, Ataiser-Wikhelm-Etr. 84. sämtliche Slternbeträte mülien erscheinen. SPD.-Aän»erchor Friedrtchihain. 7 llhr Extratlbungsadeird in der Sckulaul» Petersburger Etr. 4.— Sonntag, den 18. September, fingt der Chor zur Funtudweshe iin Lehrervereinshous. Die Sangesdrüder treffen sich um 1514 vfir daselbst. Punasozialisteu! Gruppe Lichterfelde. 8 llhr im Jugendheim, Aldrechtftr. 14,. Thema:„Die volitischc Loge". N-sercnt Thür,.— Schöneverg Friedenau. 7/h Udr bei Riese, Alazienstr. 14:„Neoolutionäre Dichtungen. Referent Wish-Im Rose. Alle jungen Parteimitglieder sind herzlich willkommen. rten. 7 Uhr Sitzung der Elternbeiräte und soziaristischei tnnnlunq de freien Schulaemeinde. Vortrag. Sozialistisch» Lehrer stnd hierzu einge! IL. Kreit. Achkuuol CPD.-Citernbciräi«! 7%" im~''—""" allgemeine Sitzung sämtlicher st lldr im Räthau» Köpenick, 1 5. Generalversammlung üer Metallarbeiter Der vorskandsberichl. 3em. 14. September.(Eigener Drahtbericht des „Vorwärts"'.) Den Bericht des Vorstandes erstattete heute Verbandsoorfitzender D i ß m a n n- Stuttgart. Er begründete ein- leitend, daß der Dorstand sich bewußt gewesen sei, in Stuttgart eine schwere und verantwortungsvolle Aufgabe über- rücksichtigt werden, unter denen wir unsere Arbeit ausüben mußten. Nach Stuttgart gab es ein« rückläufige Bewegung in Wirtschaft- licher wie in sozialpolitischer Hinsicht. Es steht in der Geschichte das MetaLarbeitervcrbandes einzig da, wie unsere Funktionäre im ersten halben Jahre 1V2(>>m Interesse der Kollegen tätig sein mußten. Es war eis donernder Dellenschlag von Bewegungen, der nur langsam nachgelassen hat. Der Dorstand tat, was er konnte, um neben den Pflichten im Lande auch die internationalen Verpflichtungen nicht zu vernachlässigen. Eine neue gewaltige Teuerung durchzieht das Land. Die Unternehmer stnd weit davon entfernt, den berechtigten Forderun- gen der Kollegen zu entsprechen. Inmitten des wirtschaftlichen Kampfes im Lande und auch im Auslande sehen wir innerhalb der Organisation sehr ernste Erscheinungen, denen der Vorstand einen großen Teil seiner Kräfte widmen mußte. Wir hatten einen Kampf zu führen um die Betriebsräte» frage. Dann kamen die Auseinandersetzungen um die Frage: Moskau oder Amsterdam? Der Vorstand muhte alles tun, um die Einigkeit und Geschlossenheit der Organisation oufrechtzucrholten. Eine Rlesenmosse von Anforderungen ist im Bergicich zu früheren Jahren an den Vorstand herangetreten. Wir Mußten sowohl in den Orts- wie in den Dezirksversammlungen mehr Kräfte freistellen, wenn die Arbeiten des Verbandes nicht ver- nachlässigt werden sollten. Dißmann besprach hierauf einzelne Gebiete der Tätigkeit des Dorftandes in der Berichtsperiode. Der Frage der j u g e n d- l i ch e n Arbeiter ist alle Aufmerksamkeit zu schenken. Wir müssen den Jugendlichen im Rahmen der Organisation gerecht werden. Dabei kann man sehr wohl für die Erfüllung dieser beson- deren Aufgaben auch besondere Einrichtungen treffen. Wir müssen der Jugend die Seimtnis realer Tatsache» beibringen. Auch etwas Geschichtskenntnis der Arbeiterbewegung. Wir dürfen ans diesem Gebiet nicht haltmachen bei den Achtzehn. oder Neunzehnjährigen. Es ist ein zwingendes Muh, die Biloungs. aufgaben an alt und jung z» erfüllen. Wie viele Auseinander- fetzungsn wären uns erspart geblieben, wenn unsere Kollegen etwas mehr Gc'chichtskcnntnis der Arbeiterbewegung hätten.(Sehr richtig!) Redner schildert nun die Einrichtungen, die der Vorstand für die Ansgc staltung des Bildungswesens geschaffen hat. Es ist ein Bildungssckretär angestellt und eine Volkswirt- schaftliche Abtcilung geschossen worden. Redner geht dann auf die Lohnbewegungen und Lohnkämpfe ein. Man müsse unterscheiden zwischen Tagesbewegungen und großem Kampf. Die Ansicht, daß nur Massenaktionen Wert haben, schade der Organisation. Diejenigen, die sogen, die Gewerkschaften wolle« nicht kämpfen, sollen einmal in unserem Jahrbuch die Zahlen nachlesen. Wir haben im Jahre 1920 4131 Bewegungen geführt in 75 543 Betrieben mit 4 676 590 Beteiligten und wir haben 1920 20 Millionen Mark für Streikunterstützung ausgegeben. Wie kann da jemand behaupten, daß der Metall- orbeiterverband nicht kämpft und für Kämpf« nichts ausgegeben hätte? Es wild uns vorgeworfen, wir hätten wohl Lohnbewegungen geführt, der Reallohn sei aber gefallen. Das ist wohl richtig. Wir können aber die Wirkungen des Berfailler Vertrages und des Krieges nicht wettmachen. Wo wären wir ohne Metallarbeiter- verband? Unsere Kämpfe richten sich nach den jeweiligen Berhält- nifsen. Wir sagen nicht:„Kamps um jeden Preis" und sagen noch »ist weniger„unter allen Umständen kein Kampf". Man kann nicht schablonisieren: für die Streihaktik kann man auf dem Verbandstag nur Richtlinien aufstellen. Wir haben bei unseren Kämpfen vieles im Interesse unserer Kollegen durchgesetzt. Der Vorwurf von Lauheit kann gegen den Vorstand nur erhoben werden von Kollegen, die den Vorstand mit Dreck bewerfen und die Gewerk- schasten den Schmutz ziehen wollen, weil ihr Füße in ' iefeln engen Partei st i: flecken.(Lebhafte Zustimmung!) Es ist nicht wahr, daß wir Massenaktionen ablehnen. Kommen wir nach der Prüfung der Situation zur Ueberzeugung, daß der Kampf auf breiterer Grundlage geführt werden muß, dann wird es ge- fchehen. Es geht ober nicht, daß man bei jeder kleinen Bewegung mit dem Allheilmittel Massenaktion kommt. Dißmann geht aus die Vorwürfe der Kommunisten gegen den Lm-stand ein. weist diese scharf zurück und sagt danin Ich hoffe, die Zeit wird wiederkommen, wo wir all« wieder ei» einheitliches Parteibuch l» der Tasche haben.(Gelächter bei den Kommunisten.) Mir ist dies nicht zum Lachen. Die Führung wirtschaftlicher Kämpfe dürfen wir nicht be- urteilen noch engen Parteigestchtspunktcn, sie find so zu führen, wie es im Interesse der Arbeiterbewegung liegt.(Lebhafter Beifall.) Redner ging dann auf den bekannten Offenen Brief der Kommu- nisten ein. Er verweist auf das Steigen der Arbeits- lofi gleit und sagt«: Kann man bei solchen Verhältnissen durch Gencrolstreik die Forderung auf vollen Produktionszwang durch- sehen wollen? Wer so die Arbeiterklasse ins Elend treibt, handelt so gewissenlos, wie nur einer handeln kann.(Walch er: Das würde aus dem Munde von Schlicke überzeugender klingen!) Glaubt sa nicht, daß Ihr mich gegen Schlicke durch diesen Zuruf ausspielen könnt. Ich hatte manche Meinungsverschiedenheit mit Schlick«, das wird mich aber nicht abbringen vom Wege der Ein» heit der Organisation. Da» Arbeltslosen Problem kann nur gelöst werden durch eine Aenderung uns«4!« Wirtschasts- lebens. Die Arbeitslosigkeit ist verbunden mit unserem kapitcllisti- schen System, das wir"beseitigen müssen. Wir haben überall die Interessen der Arbeitslosen vertreten. Wer behauptet, wir hätten für die Arbeitslosen nichts getan und dabei Kenntnis von unserer Arbeit Hot, kann diese Behauptung nur gegen besseres Wissen aufstellen. Wir haben erreicht, daß ungezählte Tausende nicht entlassen wurden. Dißmann teilt mit, daß Gewerk- schaftsangesteilte von Arbeitslose» mißhan- delt worden sind, und stellt an die Kommunisten die Frag«: Soll auch durch das Prügeln von Gewerkschaftsführern die volle Produktion erreicht werden?(Stürmische Unterbrechung durch die Kommunisten und Rufe: Kommunistenhetze.) Es muß gesagt wer- den, was nötig ist.(Sehr richtig.) Wenn die Arbeitslosen auf- geputscht werden, wollen wir dies doch die Arbeitslosen nicht ent- gelten lassen, sondern wir treten für sie ein und vertreten ihre Interessen. Dißmann besprach dann die kommunistischen Treibereien im Berbonde, dabei wiederholt auf stürmischen Widerspruch der kommunistischen Delegierten stoßend. Die kommunistische Zellenbauerei machte das Eingreifen des erweiterten Beirats notwendig. Der Dorstand wurde aufgefordert, gegen die die Interessen des Verbandes schädigenden Mitglieder mit allen statutarisch zulässigen Mitteln vorzugehen. Darauf haben die Kommunisten eine Reichs- konferenz der Metallarbeiter einberufen. Der Bor- stand hat einige Teilnehmer dieser Konferenz ausgeschlossen. Der Ausschuß hat dieser Entscheidung nicht zugestimmt. Dißmann recht- fertigt den Beschluß des Vorstandes, der notwendig sei im Inter- esse der Erhaltung der Geschlossenheit der Organisation. Ich hoffe, sagte Dißmann, daß wir di« geschlossenen Fraktionssitzungen bald wieder beseitigen können. Es hängt damit zusammen, wie es mög- lich ist. die gesamte Arbeiterbewegung aus dem Zustande der Zer- rissenheit herauszubringen. Die Reichskonferenz der Kommunisten kann als Frattionsfigung nicht angesprochen werden. Die Em- ladung erging an alle. Die Entscheidung des Ausschusses bedeutet, daß wir die Geschlossenheit des Verbandes zu Grabe tragen müssen. Das Recht zur Einberufung von Reichskonferenzen hat nur der Dorstand. Das Treiben der kommunistischen Zellenbauerei bedeutet eine schwere Schädigung des Verbandes, wogegen wir einschreiten mußten. Es kann in den Gewerkschaften unter keinen Umständen der Zustand eintreten, daß Funktionäre des Verbandes ihre Anweisungen von Parteistellen erhalten.(Un- ruhe bei den Kommunisten.) Jeder kann einer Partei angehören, der er will. In den Gewerkschaften hoben wir zu arbeiten lediglich nach den gewerkschaftlichen Grundsätzen. Der Verbands- tag hat nun zu entscheiden. Es ist uns gesagt worden, wir wären Verräter an dem revolu- tionären Proletariat, wenn wir uns nicht Moskau anschließen. Rußland kann dem westeuropäischen Proletariat nicht Helfta. Die Dinge stnd so, daß das westeuropäische Proletariat Rußland helfen muh. S i n e w j e w hat uns die„Kettenhunde der Bourgeoisie" genannt. Da stage ich unser« kommunistischen Kollegen: Steht Ihr zu SInowjew oder zu uns? Für uns gibt es nichts andere», als zu sagen: Kein« Macht kann uns losreißen von dem Internationalen Gewerkschoftsbund in Amsterdam. Am Schlüsse seiner Ausfübrungen gab Dißmann nochmals ein Bild der allgemeinen wirtschaftlichen und politischen Lage und ver- wie» auf die kommenden schweren Wirtschaft- lichen Kämpfe. Er erklärte dann, er denk« nicht daran, von seinen grundsätzlichen Anschauungen etwas preiszugeben. Er würde sich von seiner Partei nicht vorschreiben lassen, nach bestimmten Vorschriften in der Gewerkschaft zu arbeiten. Die Gewerkschaften müssen frei sein, sie können sich von keiner Partei vorschreiben lassen, was sie tun sollen.(Lebhafte Zustimmung.) Ich denke also nickst daran, pster peccavi zu sagen, gebe aber zu, daß wir zugekernt haben und manchen Erscheinungen nicht teilnahmst los gegenüberstanden. Wer uns da einen Vorwurf macht, mag hin- gehen und lagen: Ich brauche dicht nicht. Ich hoffe, daß die deutsche Arbeiterschaft wieder zurückkommt zu einem geschlossenen Handeln. Das kann nur ge. fchehen, wenn wir uns einstellen auf de» Boden des proletarischen Klassenkampfes. Wir wollen aufbauen ein neues Wirtfchaftsgebilde im sozialistischen Sinne. Der Zerslörungsprozeß der Arbeiterklasse mutz fallen, sonst ist die Arbeiterklasse verloren. Sorgen wir, daß es wieder heißt: „Proletarier aller Länder vereinigt euch." Wenn der Verbandstag dazu beiträgt, dann hat er der gesamten Arbeiterschaft gedient. (Stürmischer Beifall.) Die vierstündige Red« Dißmanns füllte die ganze Bor» mittagssitzung und machte auf die Delegierten einen starken Eindruck. Der Vorsitzend« Strobel gob hieraus das amtlich« Wahl- resultat zur Thüringer Lcmdtogswahl bekannt, das der Verbandstag mit stürmischem Beifall aufnahm. Strobel gab der Freude des Berbandskvges Ausdruck, daß es gewogen ist, wieder ein rotes Thüringen zu erreichen. Dann folgte die Mittagspause. In der Nachmittagssitzung wurde der Bericht des Verbands- ausschusses von dessen Vorsitzenden Konrad Lang- Frankfurt a. M. erstattet. Der Redner verteidigte die Haltung des Ausschusses be» sonders gegenüber dem Beschluß des Dorstandes auf Ausschluß der Mitglieder, die an der kommunistischen Reichskonftrenz teilgenom- me» hatten. In der darauf einsetzenden Diskussion sprachen Haas- KA« für die SPD., Z i s k o- Berlin für die USP. und W a I ch e r« Berlin für die KPD. Haas bracht« eine länger« programmatisch« Erklärung für feine Fraktion ein, die Ausficht hat, vom Verbands- tag angenommen zu werden. Wir werde« über die Nachmittagssttzung»och ousführtich be- richte»._ Jugenüveranstaltungen. Btttin»rb«it«r.Z»g-nd.«.Irctarmt: 6*3.(8, littbtnstt. 8, S.«•» li-ts. 2 Xttppt» recht«. Zeitplan: Rpl. 12108—10. ein« SBüMjenlanfttenj finbat am Sonnabend, den 17. d. M„ Kendo >47 Uhr. im Zentral-Irgendheim, Llndenstr. 3, 2.»of. 3 Treppen lück», statt. h eiste, Donnerstag, den 15. September: 28, Bortrcg:„Erziehung zum Leden-k-meraden'.— _________,____ X. Schule Sonnenburger Str. 20,_ Dletuffiensadend! doalismu», Matrrickliamus uud Sozialismus'.— Jngr anm�-Sirgen�tr. 28, Bartrag:„Reuters Leben und ttxKm. Offanbacher Str. dal' DiskuMsmsab-nd:„Gilther f.-- U. st-ei» Hstbahnst Jugendheim Achtend�~' abend; Vortrug. J» erg, Padaue 10, Mädchen- flus aller Welt. Unwetterkatastrophe in Amerika. Wie aus Chicago gemeldet wird, ist das ganze Missif- sippital von einer Sturmflut heimgesucht worden, die man metorologisch al» Auswirkung und Teil der Wetterkatastrophe al»> zusehen hat, die vor einige» Tage» über die Stadt San Antonio in Texas hereingebrochen war. Im ganzen Süden des Staates Texas wüten Stürme und Regenfälle, wie man sie fett langen Jahren nicht erlebt hat. Die Regengüsse haben zwischen Corpus Christi und Laredo große Teile der Texas-MexUanischen Eisen, bahn unterspült und weggewaschen. Z wische» Laredo und Nuovo Laredo wurde eine Pontonbrücke über den Rio Grande, der gewallig angeschwollen und cm vielen Stelle» über die Ufer getreten ist, weggerissen. Im Nordwesten der Dereinigte» Staaten haben die Regengüsse Schneefällen Platz gemacht. Die Teno» peratur in Montana ist bereits unter den Gefrierpunkt gesunken. Di« Wetterprognosen besagen, daß die Kältewelle sich nach Osten ausbreiten wird, so daß in New Park und den Neu-England- staaten mit de« Tustreten des ersten Frostes gerechnet wird. Auch aus Trinidad und Britisch-Westindien werden schwer« Unwetter ge» meldet. Fort of Spain auf Trinidad erlebte einen Hurrikan von enormer Gewalt, der mehrere Todesfälle und«inen in di« Hunderttausende gehenden Sachschaden verursachte. Auf den Windward-Inseln ist infolge der Wetterkatastrophe die ganze Baumwollernte als verloren anzusehen. Di« Stadt Georgetown auf der Insel Tobago ist durch den Sturm oöl- lig zerstört werden. Ebenso werden an» Kingstowu(Britisch, Weftindien) verheerend« Stürme gemeldet. Arbeitersport. Der»astel.Berbnnd f»»� Spart und«rperp�e«�«eranfialftt«senmbend, t gezeigt werdi ___ WDW________|_ W_________ H__ I______ ibrinden könne________ Arbei ter-ÄthIet-nbun de« stellen als Artisten und Akrobaten den Haüptteil des Ur Tanzlustige Tan» in allen Sälen.— Es gilt zu beweisen, dost den 24. September, in den Räumen der„Reuen Äiell", Hasenheib«, ein große, Saalsportfest. Hier soll der Arbeiterschaft gezeigt werden, was die Mitglieder der Oraanifatim: an Einzelleistungen vollbringen tijnnen. Die Miiali-der de« -----»stell--—-—---■-=|_ Abends. Für Tanzlustige Tan» in allen Sälen.— E» gilt zn beweisen, daß di« Arbeitersportler den bürgerlichen Sportorganisationen ans diesem Gebiete nicht Sporthau»„Fichte", gijpcnicker Straße 108. Angler Moabit, nnd Umgegend. Wichtige Besprechnng Donnerstag, den 7 Uhr, bei««I Müller, Waldstr. 5«. Thema:„Was 15. September, abend,.. bezweckt der Arbeitcr-Analerbund? Freie Tnrnerfchaft Charlottenbnrg. Heute abend 8 Uhr nung der 2. Iuaendobteilung in der Turnhalle der Gemeindeschule Hollerstrau« statt. Jugendliche im Atter von 14—18 Jn�mjhri) Den di« Gröst. am ersten Abend Eintretenden wird die ««lassen. Wetter bis Freitag mittag. Em wenig«ärmer, zeitweise auf- klärend, aber überwiegend bewölkt und besonders im Korde» vielfach etwa» Regen. (Schluß de» reMtia Hellen Seil*.) onflaoln- lafflll» (gel gefchüdN jni veswsektio» der Blond-»ad Bochen höhl« besonder» bei Grille."Är4-"" Erhältlich in den Lpoihekea u. ÜrogefUB. zgr:.£•&*/.'-vrOCj. 4 MAGGCWürze Man verlange ausdrücklich HAGGis Würze in großen Onginalflaschen Nr. 6 besonders vorteilhaft. Man füllt daraus das kleine Maggi-Ftäschchen selbst nach und hat auBer Geldersparnis noch die Garantie der Echtheit ■b=sb Achtung auf unversehrten PlombenverschiuO.------ Mus See Partei. VezirksparteNog in Halle. ilm letzten Sirnntag tagte in Halle die B ezir k st o n f e r t n z der SPD. für den Wahlkreis Holle-Merseburg. Die Tagung war außerordentlich zahlreich beschickt. Dom Parteworstand war die Genossin Juchacz erschienen. In ihrer Begrüßungsrede erbonnte fie die großen Ovfer, die in dem mitteldeutschen politischen Wetter» winke! von den Genossen für die Partei gebracht werden müssen, an und bewnte, daß sie auf einem gleich schwierigen und vorgeschobenen Posten der Partei steh«, wie die Genossen in dem reaktionär regier» ten Bayern. Dem Geschäftsbericht, der im März d. I. abgeschlossen wurde, ist zu entnehmen, daß dieZunahmeanParteimitgliedern 1S00 beträgt. Der große Zuwachs, den die Partei nach dem März erhalten hat, ist hierin nicht enthalten. Die SSV abgehaltenen öffentlichen Derstunmlungen zeugen von einer intensiven Agitation. Die Tagung befaßte sich eingehend mit der Demokratisierung der Berwaltung und nahm dazu folgenden Antrag an: „Der Regierungsbezirk Merseburg hat bei allen Wahlen ge» zeigt, daß er eine feste sozialistische Mehrheit besitzt. Unvertrag- lich damit ist deshalb, daß in der Verwaltung, z. B. in der R« g i e- rung Merseburg, die maßgebenden Stellen ausschließ. lich mit Angehörigen der der Mehrheit der Wähler ent- gegen ftehmben Deutfchnattonaken Parket»escht sind. Ebenso unerträglich damit ist auch, wenn in den Kreisen mit soziali- stischer Kreistagsmehrheit deutschnational« Landräte wirken. Wir iordern deshalb, daß im Regierungsbezirk Merseburg ernstlich mit der Demokratisierung der Verwaltung begonnen wird, entsprechend dem bei den letzten Wahlen zum Ausdruck gekommenen Willen der Mehrheit der Bevölkerung" Bon ganz besonderem Interesse in der Diskussion war der Be. richt eines Delegierten aus Falkenberg, der mitteilte, daß dem dorti- gen Landrat Dr. Gerecke— ein ausgesprochener Reaktionär, der offen für die Monarchie eintritt— unter dem Jubel der vereinigten Real- tion von den Kommunisten und Unabhängigen im Kreistag öffentlich das Vertrauen ausgesprochen wurde. Eine diesbezügliche Erklärung des Kreisausschusses, die von Mitgliedern der USPD. und KPD. zu- sammen mit dem Ordnungsblock unterschrieben wurde, wendet sich gegen die geplante Versetzung des Landrotes Gerecke und spricht aus, daß man diese mit allen Mitteln zu verhindern suchen wird. Die Konferenz nahm diesen Bericht über den Schutz der Reaktton durch unsere„radikalen" Brüder von links mit großer Erregung entgegen. Es folgten instruktive Referate über Teuerung und Steuern. Es wurde dazu eine Resolution des Genossen W a e n» tig einstimmig angenommen, die fordert, daß außer allen anderen geeigneten Betrieben insbesondere auch die Vergesellschaftung der Forstwirtschaft vorgenommen werden soll. Zugkrlch mV dem»ezirksparteitag fand die erste Frauen- ksnferenz der SPD. für den Wahlkreis Halle-Merseburg statt. Diese Konferenz ist ein gutes Zeugnis für die stete Auftvärtsent- Wicklung der sozialdemokrattschen Frauenbewegung in unserem Bezirk. Genossin P s ü l f- München sprach in einem einleitenden Referat über„Zweck und Ziel der Frauenbewegung in unserer Partei. Ge- nossin Juchacz- Berlin legte in eindringlichen Worten den Wert der Beteiligung der Genossinnen an der öffentlichen Wohlfahrtspflege dar. Die Frauentagung unterstützte auch eine Anregung, gleiche Bildungskurse, wie sie jetzt von der Partei für junge Genossen ein- gerichtet worden sind, für junge Genossinnen zu veranstalten. Ein« wichtig« Neuerung wurde insofern getroffen, als der Wochenbeitrag für die Genossinnen auf SV Pf. erhöht und dafür die„Geichheit' gratis geliefert wird._ Zum Gorliher Parteitag entsendet die georgische Sozialdemo- kratische Partei den Genossen I s ch e i d s e, der soeben in Berlin eingetroffen ist._ Briefkasten üer Redaktion. 3. vielleicht: Deutsche- Ze»lraUo»itee zur B«Iij«vsunß der Tuberlul»se, Berlin, Könizin-Auzufta-Str. 7. [ Theater,lichtspiele etc. Opernbans Mignon 7»/, Uhr Schanspieihatts AuGer Abonnement Peer Oynt 7'/, Uhr_ lienlsches Theater TV» Uhr; Kean Frt.?>/,- Potasch u. Perlmutter Karamerspiele 7Y, U.: Potasch u. Perlmutter Freitag 7 Uhr, zum 1. Male: Die Jungfern v. Bischofsberg kr. Scbaospielhaas (Karlstraße) 8: Die Weber(19. Abt.6. A.) Frt. 8: Me Weber IZaAbt&A) Theater I. d. Kdniggrätzer Str. 7.30 Uhr: Die Fahrt ins Blaue (Glftßner, Richards EnrI, vespcrmann, Stieda, Bildt) Frt: Die Fahrt Ins Blaue Sonnabend: Satans Maske Mit dem Feuer spielen (Orska, Riemann, Bildt) Stg.: Die Fahrt ins Blaue Mo.: Die Fahrt ins Blaue KomödienhaDS Täglich 7.30 Uhr: Max Pallenberg Hans Waßmann im neuen Burleskentchwank Jonnys Busenfreund Berliner Theater Heutet geschlossen Sonnabend zum 1. Male: FritziMassary in tyHnseffirL QjMi Vaudeville von Beraaner und Schanzer Musik von Jean Gilbert Musikalische Einstudierung: Hugo Moesgbn Hauptdarsteller: FritziMassary als Gast Ralph Artur Roberts Pepi Zampa Herbert Kiper Grete Lnndt/ Robert Scholz/ Elly Branden Pool Rehkopf( Ernst Behmcr/ Jenny Marba Frieda Lebndorft/ Heinz Alezander/ Panl Pruegel Otto Schiller/ Wally Koch Vera Lesslng Bühnenbilder; Hennann Krehan Residenz-Theater Täglich T'/t Uhr Panl Wegener Irene Triescb Panl Blensteldt in Totentanz Trianon-Theater Täglich 8 Uhr: Ida Wüst in I AllabeBdlieh 81i)ir| Luftballon Im Zuschauerraum Eine Nacht in Sevilla mit 24 Damen | und die übrigen Septhr.-Sensalloiien Volksbühne Theater am BOIowplatz 7v.uhr.Die lange Jnle _-Theater 7 Uhr zum 1. Male: Die Spielereien ein. Kaiserin Freitag bis Montag 7'/, Uhr: D. Spielereien ein. Kaiserin Deatsebes KHr-Tbeater Allabendlich 7'/, Uhr: Die Ballerina des Königs (Leopoldine Konstantini rtontral-Thonter u8 Die Postmeisterin Dentsch.Opcrnhisiia i v.uhr: Mignon Frledr. Willi elmat.Th. 7v.uhr American-Giri Intimes Theater 7«/,U.: Der blaue Pantoffel Die Spelunke/ Lauf doch nicht immer nackt herum Kl. Bchannplelhaus /v.ubr: Reihen netropoI-Thoater uhr': Die biane Mazur Nene« Operettentheat. 8 Uhr: Nenet* Theat. n. Zoo 8 uhr: Die kleine Leeassot Senen Tolbathcster 7v.u Jogendfrennde Sehlller-Thent.Charl. Tv.uhr Nora SchloBpsrk» Tb. Steglitz 7v. u.: Alles um Geld Thnlln-Thenter tv, u.: Schäm' Dich. Lotte Thjtnaälollendorfplnt« 3'/.: Der Widersp. Lähmung uL Der Vetter ans Dingsda Theater den Wense»« 7>/,u.: Die Braut llneallos Th.l.d. Kommandanten str. (Jüdisches Künstler-Theater) 8L'.: D. verlassene schenke Wallncr-Theater 7«/, uhr Nixchen Volksoporette Walhalla-Th. u�DieschöneHelena Kleines Theater Täglich 7 Uhr: Frl. Josette— meine Frau Carola Toelle, Eugen Burg, Lotte Kllnder, Jui.Falkensteip, H. Albers, K. Schneider-Nissen Rose Theater 8 Uhr: DerPfarpep v. Kirchfeld Kbmisdtg Oper T!« CWir � muhr eftrohfoitive Opvtt» von Ceo SUeh Folies Caprice Linlenstr.132.amOranienbg.Ti Täglich 8 Uhr: D. Geliebte a.Teilung Fiebertaumel Bentachen-kdeserlta mit Perd. Orönecker CASINO-THEATER Lothringer Str. 37— Tfigl.V«8 Das neue Erüffnungs• Progr. mit der Spitzbuben posse Exzellenz Maxe. Vorher: Das laktigeSingspiel Und wen es Jnst passieret Sonntag P/.; MHtelarres«. BehreastraDe 54 8 Uhr:* 11 Schlager ädmirals Palast 7V. Uhr: Abrakadabra Jb Berliner Konzerthous -X-JULjL- Mauerstr. 82(C 1 o u) Zimmerstr. 90-91. Eroffnung'der Wintersaison aalt einem Konxcrt de« Berliner Lehrer-Ciesangvereins und des BerL Konzerthaus-Orchesters Kalter: Obrrmnslkmelstcr«. ä». Baarz. 2 Orchester. GcselSschaftsabend. 2 Orchester., Anfang 7 Uhr« Aufo-Rennen Grunewald. 24-/25 Sept. 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Wähldi ilbar»l« Vertreter der Arbeitgeber oder der Versicherten find nur volljShrtge Deutsche ohne Unterschied de» Geschlecht», wenn sie nicht ») infolge firgsre ältlicher Verurteilung die Fähigkeit zur Vekleidung ijffentlicher Aeintrr v.rloren haben oder wegen eines Verbreche»» oder Vergehen», das den Verlust dieser Fähigkeit zur Folge haben kenn, versolgt werden, sosern gegen sie da» Hauptversahre» eriDnet ist, ''■■ erxytlicher Anordnung b) infolge gi ihr Vermögen beschrä»! in der Verfügung über � sind. Die Vertreter»er Versicherten müssen bei der Sasse«er- .sichert sein, sie dürfe» auch nicht Grsagtassenmitglieder sein, deren eigene Nichte und Vssichten aus Anttag bei der Sassr ruhen. Die Vertreter der Arbeitgeber dürfen nicht ausschließe lich unständige Arbeitnehmer beschäftigen Wählbar»1» Vertreter der Ardeitgeber find auch beooss «ächtiqte Vetrtebsleiter,(Sischäst»sührer und Bettiebsbeamte der beteiligten Arbeitgeber. Scder wahldrrichtigte Versicherte hat eine Stimme. Aahb berechtigte Aldeitgeber führen bi» zu 100 versicherungspflichtig Beschäftigte sllr je»»gefniigene 10 und für die über 100 hinausgehende giihl für je«»gefangene 20 Beschästtgte eine Etimmc Mehr al« ZO Stimmen kann kein Ardeitgeber führen. Die Wahle» si»» geheim; gewählt wird nach den Grund- sähen der Verhältniswahl nach näherer Bestimmung der Wahlordnung. Zum üeiter der«ahl ist»om Vorstirnd der Sasse der Vor- fitzende. Herr Vichard Nürnberg, ernannt worden. Die Wahlderechtlgten«erden hiermit aufgesordert, Wahl- «orschläge geändert für die beteiligten Arberlgeber und Ver- -sicherten oufzustellr», und dem Wabldureau der Sasse, Kloster- straße 71/72, vor» II, Schalter 70, einzureichen. Es tönnen nur solche Wahloorschläge berücksichtigt werden die spätestens vier Wochen vor dem Wahltage eingereicht sind. Die Stimmabgabe ist an die Wahivorfchläge gebunden Die Wahlvorschläge der Arbeitgeber müssen vo» mindesten» je lO wahlberechtigten Arbeitgebern mit zusammen mindestens.10 Stimmen, diejenigen der Versicherte» vo» mindestens 30 wahlberechtigten Sassen- Mitgliedern unterzeichnet sein. Jeder Wahlvorschlag darf höchstens dreimal so viel Be» werbcr entHallen, al« Vertreter zu wählen sind Die einzelnen Bewerber sind unter laufenden Nummern aufzuführen, welche die Reihenfolge ihrer Benennung ausdrücken, unb nach Familie»- und Vornameu. Beruh Dohnort und Wohnung zu bezeichnen Bei Versicherte» ist auch der Arbeitgeber bei dem der Ver- sicherte beschäftigt ist, anzugeben, auch empfiehlt sich die Angado der Mltgliedsnümmer und des Nationals, Mit den Wahlvorschlägen sllr Versicherte ist von iedem So- werbe, eine ErNHrung darüber vorzulegen, od er zur Annahme der Wahl dereit ist. In jedem«nhlvoi schlage ist ein Vertreter des Wahlvor- schlage» und et» Stellvertreter sllr ihn aus der Mitte der Unterzeichner zu bezeichnen. Ist dieses unterblieben, so gilt der erste Unterzeichner als Vertreter des Wahlvorschlages und, soweit eine Veihenfilge erkennbar ist, der zwette als sein Stell- Vertreter, Der HOahlasrschlagsvertreter ist berechtigt und ver- pflichtet, dem#»H)o»b die zur Beteitizung etwaiger Anstände erforderlichen Erfiäraige» abzugeben Die Unterzeichner»er«ahlvorschläge müsse» ebenfall« alle Angaben machen, dt»»dtlg sind, um sie als Kassenmttglieder oder als Arbeitgeber zu erkenne». Dir Wahk»»rschl»ge kö»»e»»ach ihrer Zulassung in unserer Hauptstelle, Slafiersir. 71M,»,r» 2 Tr, am Schattet 70 eingesehen weihe». Die ArbeitgesieMerffekckmisse könne»»o« Sage dieser Weder sich aus dem Arbeitgeber- und Miiglicderverzeichnis rr» gebendrn Wahl- u»d Stimmberechtigung find bei Vermeidung des Ausschlusses späteste»» oier Wochen vor dem Wahltag unter Beifügung der Beweismittel bei dem Sassenvorftande einzu- legen. Auf Ankr»g der Wahlberechtigten werden i» der Zeit von lt Tagen vor der Wahl bis zu dem Wochentage, welcher der Wahl vorangeht. Wahlausweife in unserer Hauptiielle, tzklosterstr. 71772, ausgestellt. Die Wahlverechttgten werde» dringend ersucht, sich diese Wahlausweise zu beschaffen, da die Wahlausschüsse i» de» einzelnen Wahllokalen die Wahl- unb Stimmderechiiaun» jede» Versicherten prüfen müssen und ohne Wahlausweis Versicherte nur zur Wahl zugelassen werden, die ----------' Die Mitgliedskarte ig, weil au« noch desteht. 'Die Herren Arteitseder müssen sich in der Zeit von»ier- zehn Tagen»ar der Wahl bis zu dem Tage,«elcher der Wahl voranpehl, i» unserer Hanptstelle, Gopenicker Str. 80/81, in den Dieustfnmden deschetobge» lassen, wie»iel Stimmen sie führen, «eil dies bei der Buhl»icht festgestellt werden kann. Im übrigem«lrd ans die Wahiardnung«erwiesen, die sür alle Beteiligten tot unserer Hauvtflrlle, Slosterstr. 71/72, in den -Seschästsstunde» ivstenla« zu« Verfügung steht. tz/ltz Berti», be» 12. SepSember 1021. «erkauf der stitd tische» Siedlungshäuser in Lindow sMark) Srel« Rnppin Strecke Löwenberg-Rheinsberg Die mit Reichs», Staats- und Gemeindezuschllssen erbaute» Siedlungshäuser mit>/, bis 'lt Morgen Gartenland sollen nunmehrsofort verkauft»erden. tk» kommen 9 Wohnungen von S— 4 Zimmern mit Stall, Wasch- kü che, Seller und B»de»r»umen in Frage. Verkaufsvreis 45 700 M., 40500 M., 48 404) M. u. t* 600 M. pro Wohnung einschl.»arten- land je nach Größe. Bon dem Verkaufspreis müssen etwa'll0 eingezahlt werden. Der Rest von'lu wird voraussichtlich als erftstellige Hyvvthek von der hiesigen Etadtspariasse her- gegeben werden. Verlaufsbedingungen werde» gegen I M. u. Rückporto über- sandt. Maurermeister Sinze, Ltndaw >04,8(Mark). Metall MzMelle Osten, ' OrünerWegSb rablt Tagespreise für Kupfer, Messing, Blei, Zink etc. AukSMIMe WM u(mv Ankaui, Verkauf, Umtausch d'OH □ � n'8 ZahMleh. mit Einspritz. höchst I_." schmerzld. Umarb.schlechts.Geb.Rep «Zahn-Arzt Dr. Wolf sof Poisdamfrsl.SS.Hochb-St Svrz.B? Zum Auslandskurs! Gold-, Silber-, Platin-? Brillanten I Zahngebisse bis 1000,— Mk. Einzelne Zähne 15,— b. äOO,— Mk. Münzensammlungen kauft täglich J. Herz, Fehrbelliner Str. 52 BnSstr. 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I. die Stelle des Ge- schäftsführers mit einem tüchtt- gen Kaufmann tu besexen. Der- setbe muß den Eintauf selbsiän- big Ubernehmen und den Ver- kaui leiten können. Geführt werden sämtliche Artikel der Manusatturbranche einschließe Herrenkonfcliion. Betverdungs- gesnche mit Lebenslauf und Zeugnisabsckriiten unier An- gäbe der Gehaltsansprüche sind baldigst bei dem Unlerzcichneien einzureichen. Datteln, den 26. August 1S21. Oer Getneindevarsieher. Krakowczyk. Jellevwötber. ZeMntlerer.WsKeltt und MMeiter für Maisivdecken u.id Eisen- beton gesucht.— Meldung am Tage der Anzeige nachmittags S— 6Uhr aufLogcrplotz Tempel- Hof, Berliner Strasie 101 1,13. W36b_ a. Sfapy. Danerstellung! 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Anstellung vorersi im Privat- i dienstvertrag nach Gruppe 10 der staatlichen Besoldungs- l ' ordnung. Spatere Uebernahme in da» Beamtin- - Verhältnis nicht ausgeschlossen. > Schriftliche Bewerbungsgeluche sind umgehend an l das Bezirksamt SW 47, Parckstr. 10, rinzureAien. Sejirfsamf 6»er StabtgemcinOe Berlin. Zahntechnikerlehrliug I Sohn achtbarer Eltern, stellt alsbald unterzeichnete Kasse ein. Bedingung: Fleiß, gutes Betragen und gute Schul- zeuanisse.— Schttftiiche Bewerbungen mit kurzem Lebeus- tauf sind unter der Auschrist„Betverbuna" einzureiche» an den Vorstund der Orlskrantenkasse für da» Maurer. gern erbe zu Berlin, C 23, Hauk-str. 4. 38356 : boLe brüskieren lassen. Abg. Held lBayr. Dolkspartey ersuchte, den Ausdruck.brüskieren" nicht aufrechtzuerhalten. Er selbst sei es gewesen, der den Ministerrat ersucht habe, möglichst noch am Sams- tag nachts zu einer Entscheidung zu kommen, wodurch sich die lange Verzögerung ergeben habe. Abg. N e u m a n n(HSP.) behauptete ebenfalls, daß es sich um ein illoyales Verhalten dem Landtag gegenüber gehandelt habe. Vorsitzender Held wandte sich auch gegen diese Bezeichnung. Der Ausschuß trat sodann in die Tages- ordnung ein und befaßte sich mit den Vorgängen in München, Nürn- berg und Koburg. Bruch der Bayerischen Volkspartei mit Kahr. Untef der Ueberschrift„Bruch der Bayerischen Volkspartei mit Herrn v. Kahr, eine Wendung" berichtet heute die„Münchener Zeitung", daß die Rekonstruktion des Kabinetts Kahr vorläufig aufgegeben sei, vor nächster Woche sei schwerlich an ein neues Ka- binett zu denken. Das Blatt beruft sich auf einen gestern abend erschienenen Artikel der Korrespondenz der Bayerischen Volkspartei, der behauptet, daß letzten Endes die Krists durch Einfluß von außen hervorgerufen worden fei. ?!och kein Bescheid anS München. Nach der heutigen Erklärung der Regierungsstellen stellt sich die Loge in der Auseinandersetzung zwischen Berlin und München immer noch als unverändert dar. Die Reichsregierun� ist, wie mit- geteilt wird, bisher noch nicht von den Aufträgen des bayerischen Landtagsausschusfes offiziell in Kenntnis gesetzt worden und hat, wie sie erklärt, daher keinen Anlaß, von der von ihr bisher beob- achteten Stellung des Abwartens abzugehen. München, 14. September.(TU.) Auf Anordnung des Mini- steriums des Innern wurde das„Vaterländische Wochenblatt Heimat- land" wegen eines Aufsatzes„Bayern im Todeskampf gegen Berlin" in Nr. 37 vom 10. September 1921 bis auf weiteres verboten. Presseverbote. Durch Verordnung des Reichsministers des Innern ist die in Berlin erscheinende„Rote Fahne" vom IS. bis 17. September und das in Gotha erscheinende„Gothaer Volksblatt" vom 15. bis 22. Scp- tember, beide auf Grund der Verordnung des Reichspräsidenten vom 29. August 1921, verboten worden. Das große Abrücken. Nachdem nun festgestellt worden ist, wer die Mörder Erzbergers sind und aus welchen Kreisen sie stammen, geht durch die offi- ziellen und offiziösen Korrespondenzen das knarrende Geräusch des großen Abrückens. Die bayerische Regierung beeilt sich, als erste zu versichern, daß bisher unter den Mitschuldigen der Tat keine „bodenständigen Bayern" sich befinden. Hot auch nie- mand behauptet. Im Gegenteil weisen wir schon feit Wochen daraus hin, daß Bayern das Asyl jener putschistischen Altpreußen ist, denen in Preußen selber der Boden zu heiß wurde, der Sammelpunkt aller Kappistcn unter Führung der Oberkappistcn Ludendorff und T r a u b. Dies wird durch die mißglückte Dementi der bayerischen Regierung offiziell b e st ä t i g t. Ein anderes Bureau beeilt sich zu versichern, daß noch der bis- herigcn Untersuchung die Deutschnotionale Volkspartei und ihr« leitenden Persönlichkeiten von dem Anschlag .gegen Erzberger in keiner Weise etwas gewußt haben. 5)at auch niemand behauptet. Aber um so sicherer haben sie die Tat moralisch vorbereitet. Das Reichswehrministerium verkündet durch WTB., daß aktive Offiziere der Marine sich nicht unter den Tätern befunden hätten. „Leutnant Hütter". Wir meldeten bereits, daß sich ein angeblicher Leutnant 5)ütt«r in Potsdam der Polizei gestellt hat unter der Selbstbezichtigung, der Mörder Erzbergers zu fein. In maßgebenden polizeilichen Kreisen steht man. wie wir erfahren, dieser Selbstbezichtigung sehr step- tisch gegenüber. Natürlich wird ihr mit aller Gründlichkeit nach- gegangen, doch ergibt sich schon jetzt, daß das Signalement der Mör- der, die ja von mehreren Personen genau beschrieben worden sind, auf Hütter nicht paßt. Wahrscheinlich wird noch im Verlauf des heuttgen Tages eine polizeiliche Erklärung über den Fall heraus- Lehen. Von der Korrespondenz BS. wird aus Grund polizeilicher In- sormationen die Vermutung ausgesprochen, daß der angebliche Hütter ein alter Bekannter der Berliner Polizeibehörden sei, der sich durch die Selbstbezichtigung vor der Verfolgung wegen anderer Straftaten schützen wolle. Deshalb ist seine Photographie und sein Signalement der Berliner Polizei von der Potsdamer Polizei zur Nachprüfung auch in diefer Richtung übersandt worden. Wahr- scheinlich auch, daß der Festgenommene den Namen Hütter zu Unrecht führt. Er macht nicht den Eindruck eines Offiziers. Der auf den Namen Leutnant Kurt Hütter lautende Ausweis, den der 'Unbekannt« bei sich führte, ist von ihm selbst angefertigt wor- den. Auf der anderen Seit« sollen allerdings gewisse Umstände darauf hindeuten, daß Hütter, wenn er auch nicht der Täter ge- wesen ist. doch zu einem Kreis von Leuten gehört hat, der sich mit dem Gedanken der Ermordung Erzbergers trug. Als ihm t>:i seiner Vernehmung vorgehalten wurde, daß ihm eine direkt« Be- teiligung an dem Mord den Kopf tosten könnte, erwiderte Hütter: „Ich glaube nicht, daß eilte solche Tat überhaupt bestraft wird."(Hütter scheint ein Kenner unserer Justiz zu sein. Red. d.„V.") Er wurde dann allerdings sehr kleinlaut, als ihm erwidert wurde, daß er keinerlei Schonung erwarten dürfe, sondern als g«meiner Mörder bestraft werde, wenn seine Angaben auf Wahrheit beruhen. Am heutigen Donnerstag soll die Ver- nehmung Hütters fortgesetzt»erden. Toüesstrafe für Getreiöeschkeber. Der Verband der Getreide- und Futter- mittelvereinigungen Deutschlands hat als Spitzenorganisation des deutschen Getreidehandels an die Rxichsregierung, z. Händen des Herrn Reichsjustizministers Schiffer eine.Eingabe gerichtet, in der er sich gegen die Ge- rächte von Getreideverschiebungen ins Ausland wendet. Er begnügt sich nicht damit, die Vorwürfe, die auf starken Ueber- treibungen beruhen dürften, zurückzuweisen und seinerseits die Mitarbeit an der Bekämpfung solcher Schiebungen zuzusagen, sondern er schreibt: „Da aber leider die Möglichkeit nicht von der Hand zu weisen ist, daß verruchte Gesellen aus gemeinem Eigennutz sich am eigenen Volt verfündigen, so würden wir es im Interesse der Beruhigung der Oeffentlichteit und vor allem auch zur enffprechenden Vergeltung so nichtswürdiger Derbrechen für notwendig und zweckmäßig er- achten, wenn auf die unbefugte Ausfuhr von Getreide, Kartoffeln und ähnlich wichtigen Lebensmitteln die Todesstrafe gesetzt würde. Wir bitten die Reichsregierung, eine entsprechende Sesetzesvorlage Reichsrat und Reichstag vorlegen zu wollen."» Wir sind Gegner der Todesstrafe, freuen uns aber, daß hier einmal ein Interesfentenoerband den M u t zu einer solchen Forderung aufbringt. Es wäre erfreulich, wenn sich bald ein Verband der Besitzsteuerpflichtigen finden würde, der in gleicher Weise' für die steuerliche Ehrlichkeit ein- ZMM.wWse,_. Das internationale Schieösgericht. Der Völkerbund schritt in seiner gestrigen Sitzung zur Wahl der Delegierten für den Staatsgerichts ho f. Dieser Staatsgerichtshof soll das Institut werden, vor dem die internationalen Streitfragen auf dem Wege richterlicher Entscheidungen ihre friedliche Lösung finden, er soll das Forum werden, das zu sein sich der Haager Friedenspalast vergeblich bemühte. Er kann diese Tribüne aber nur wer- den, wenn er das internationale Vertrauen in weitestem Um- fange genießt, wenn vor allem die Mitglieder des Völkerbundes selbst ihn als den Gerichtshof ansehen, der auch für i h r e Streit- fragen zuständig ist Darüber hat man bisher auffallend wenig gehört. Es steht noch nicht einmal fest, ob alle Signatar- mächte die Statuten des Staatsgerichtshofes unterzeichnen werden. * Teilgenommen an der Wahl haben 4? Staaten. Die absolute Mehrheit beträgt demnach 22. Die Mehrheit ist erzielt worden von A l t a m i r a- Spanien mit 23 Stimmen, A l v a r e z-Chile mit 24 Stimmen, A n z i l o t t i- Italien mit 34 Stimmen, Barboza- Brasilien mit 38 Stimmen, de Buctamente- Kuba mit 26 Stimmen, F i n l a y- England mit 29 Stimmen, Loder- Holland mit 24 Stimmen, Oda- Japan mit 39 Stimmen, Weiß- Frankreich mit 39 Stimmen. Gewählt sind also 9 Richter. Es sind in einem zweiten Wahlgange noch 2 Richter zu wählen. Nach einer erregten Geschäftsordnungsdebatte, ob die Kandidaten für den zweiten Gang aus den bereits aufgestellten Kandidaten zu nehmen sind oder ob die Wahl statutengemäß vollständig frei ist, beschloß man das letztere. Der zweite Wahlgang, der darauf vorgenommen wurde, ergab für Moore- Vereinigte Staaten 21 Stimmen. Er wurde von der Versammlung für gewählt erklärt, weil von den 42 wählenden Staaten zwei ungültige Stimmzettel abgegeben hatten. Weiter haben im zweiten Wahlgang erhalten Negulesco-Rumänien 16, Huber-Schweiz 12, Descamps-Belgien 7, Nyholm-Dänemart 3 Stim- men, während die übrigen sämtlich zersplittert waren. Der dritte W a h l g a n g blieb ergebnislas, da keiner der Kandidaten die ab- solute Mehrheit erreichte. Auch der vierte Mahlgang brachte kein Resultat. Im fünften Wahlgong wurden HuH« r t- Schweiz und N eg u- l e s c o- Rumänien gewählt, ersterer mit 22, letzterer mit 16 Stim- men. Doch wurde Pros. Hubert vom Völkerbundrate nicht bestätigt. Dafür standen auf der Liste des Völkerbundrates Descampe-- Belgien und N i e h o l m- Dänemark. Die Sitzung wurde darauf unterbrochen und erst um 5,15 Uhr wieder aufgenommen. Der Prä- stcdent teilte mit, daß auch Hubert und N i e h o l m vom Rate gewählt und somit sämtliche Richter definitiv ernannt worden sind. Die Versammlung schreitet darauf zur Wahl der Ersatzrichtcr. Bei der ersten Abstimmung erreichten nur A l o a r e z und Negulesco das absolute Mehr, so daß die Wahl der beiden anderen Richter noch aussteht., Reparationsabkommen vor öem Abschluß? Paris, 14. September.(EE.)!Nan hält es hier für möglich, daß das zwischen Rathenau und Loucheur getroffene Abt o m m e n bereits am 1. Oktooer Gültigkeit erlangt. Es hängt dies nur von der Reparationskommission ab, die ihren Standpunkt zu dem Abkommen wahrscheinlich noch, vor besten Ratifizierung be- kanntgebcn wird. Die in Wiesbaden unerledigt gebliebenen Fra- gen: Eisenbahnmaterial, Jndustriemoterial, Vieh- und Kohlen- licserungen befinden sich noch in der Schwebe und dürften in näch- ster Zeit Gegenstand einer neuen Besprechung bilden, die aber, da es sich hier.nur um■ die Festsetzung von Zahlen handelt, nur wenige Strunden in Anspruch nehmen dürfte. Neuorönung ües britischen Reiches. London, 14. September.(EE.) Die„Times" meidet, daß das Kolonialamt die Umgestaltung der Verwaltung der englischen Dominions und der Kolonien vorsehe. Nach diesem Projekt würden Gruppierungen der verschiedenen Kolonien und Dominions nach ihrer geographischen Lage vorgenommen und ihr« Verwaltung Oberkommissaren anverttaut werden, die die vollkommene Kontrolle über die militärischen und die M a r i n c str e i t- k r ä f t e auszuüben hätten. Allen Kolonien und Dominions würde fortan größere Freiheit im Handel, in landwirffchaftlicher und ge- werkschastlicher Beziehung gegeben werden. Die polnische Krise. Marschau, 14. September.(TU.) Der Abgeordnete G l o m- Kinski richtete an den Sejm-Marschall ein Schreiben, worin er sich zur Bildung des Kabinetts bereit erklärte, unter der Voraus- setzung, daß er für folgendes Negierungsprogramm eine Mehrheit findet: 1. Neuwahlen innerhalb von vier Monaten, 2. Hebung der Valuta durch Einführung der Gulde-n Währung(?) in Polen, und Bildung von Emissionsbanken auf Aktien, 3. Balan- cierung des Budgets durch Entlastung von Beamten der'Amtsstellen im Auslande, Hebung der Eisenbahn- und Posteinnahmen, Steige- rung der indirekten und Erhebung der bereits beschlostenen Steuern. Außerdem soll den Selbstverwaltungskörpern das Recht zuerkannt werden, selbständige Einnahmequellen zu schaffen, 4. Sofortige Er- Hebung einer Zwangsanleihe, 6. Die außerordentliche Ab- gäbe wird auf einen späteren Termin verschoben. Golüwertöebatte im Reichswirtschastsrdt. (Schluß au» der Abendausgabe.) Habermann(Arbeitnehmervertreter des Handels): Wir werden für den Antrag Wistell stimmen, wie ihn der Kollege Cohen hier erläutert bat. Wir müssen rasch Geld schaffen, damit wir im nächsten Jahre die Reparationsleistungen erfüllen und die politische Atmosphäre entgiften können. Wir mästen eine organi- sicrte Steuersabotage, besonders seitens der Landwirlschaf», mit allen Kräften zu verhindern suchen. Zivilingeniqpr Dahl(Vertreter der freien Berufe): Wann wird denn endlich der Anfang damit gemacht, die ganze Verwaltung zur Wirtschaftlichkeit zu erziehen? Warum verhält man sich gegenüber der Mitarbeit der wirtschaftlichen Verbände ablehnend? Wussow(Berliner Straßenbahn) ist gegen die Heranziehung der Goldwerte. Aufgabe der Regierung muß es fem, einen Z w a n g s o e r gl e i ch mit den Gläubigern herbeizuführen. Wir dürfen nur aus dem Ertrag herausholen, die Substanz muß unversehrt bleiben. Albrecht(Arbeitnehmervertreter der Landwirte): Bei der De- steuerung der Landwirtschaft darf nicht der Goldwert, sondern der Ertragswert zugrunde gelegt werden. In der Provinz Han- nover erzielen die Großgrundbesitzer durch Weiterverpachtung des billigen, von der Klosterkammer abgepachteten Landes unerhörte Gewinn«. Eine Belastung des Sachkapitals bedeutet noch keine Konfiskation. Damit schließt die Generaldiskussion. Der A trag Wissel! wird mit den Abänderungen dem Reparationsausschuß überwiesen. Es folgt die Beratung über den Antrag Cohen, betreffend inler- nationale Vereinbarung zur Feststellung von im Ausland befind- - z. i'i i-* In Verbindung damit wird der Anfrag Schweitzer-M a r x, betreffend den Ausbau der Handelsstatistik beraten. Der vom finanzpolitischen Ausschuß bereits am 4. Juni angenommene An- trag geht dahin, an diesem Ausbau mit dem Ziele heranzutreten, daß ein genauer Nachweis über den Wert und Ver- bleib deutscher Forderungen an das Ausland ge- geben wird. Beide Anträge werden ohne Diskussion angenommen. Ein Gesetzentwurf der Reichsregierung will die am 1. März 1921 tariflich vereinbarte Arbeitszeit für Arbeiter unter Tage im Stein- und Pechkohlenbergbau als Höchstarbeitszeit gesetzlich festlegen. Der sozialpolitische Ausschuß des Reichswirtschaftsrats hat nach längerer Beratung einen Antrag Gärtner(Arbeitnehmervertreter des Kalibergbaus) gut- geheißen, wonach diele Mahnahme entsprechend für den gesamten Bergbaubetrieb unter Tage Platz greisen soll. Soweit Tarif- oerträge nicht bestehen, soll die Schichtzeit im allgemeinen 7, bei be- sonderen wirtschaftlichen Notwendigkeiten TV; Stunde betragen. Tariflich entsprechende Abstufungen sollen vorgenommen werden bei Temperaturen von 28 bis 32, von 32 bis 36 und von mehr als 36 Grad Celsius. Nachdem der Referent Gärtner eine ausführliche Darstellung der Ausfchußoerhandlungen vorgetragen hatte, stellt Kommerzienrat Schumann(Arbeitqebcrvertreter des Kohlenbergbaus) den Antrag auf Vertagung. Diesem Antrag wird entgegengehalten, daß der Ausschußantrag mit allen gegen eine Stimme zur Annahme gelangt ist. Nach Ablehnung des Vertagungsantrages wird der Ausschußantrag fast ein st immig angenommen. Von den vereinigten Wirtschäfts- und. sozialpolitischen Aus- schützen ist ein Beschluß neuerdings zur Erwerbsloscnsürsorgs an- genommen worden, der spezialisierte Vorschläge für die Handhabung der Unterstützenden wie produktiven Erwerbslosenfürsorge enthält. Dieser Antrag gelangt ohne Erörterung nach kurzer Empfehlung durch Wissell einstimmig zur Annahme. Die Verhandlung über den Ausschußbericht betreffend den Ge- setzentwurf über die L o h n st a t i st i k wird vertagt, da Staats- sckretär Hirsch, der dazu sprechen will, heute verhindert ist. Der Reparationsausschuß tritt zur Beratung des Antrages Wissell am Donnerstag zusammen. Nächste Vollsitzung Ende September. Der Deamkenausschuß de» Preußischen Landtages beendete am Mittwoch die erste Lesung der AusfiihrungSbesliinmungen zum Be- soldungsgeietz für die Beamten, und war einstimmig der Ansicht, daß dcil.nach dem 1. April 1929 in den Ruhestand versetzten Be- amlen bezw. den Hinterbliebenen der Verstorbenen gebol'en werden muß. ES wurde ein UnterauSscyuß eingesetzt, der Hauplaudschuß wird sich aber wegen der dadurch wesentlichen neuen Finanz- belastung noch damit zu beschäftigen haben. Nächste Sitzung: Donnerstag, den 22. September. Tagesordnung: Erste Beratung der AuSführungSbcstimmlingen zum LehrerbesoldungÄiesetz. „Ausbau und Wiedergutmachung." Diese im Verlag für Sozial- Wissenschaft erschienene Schrift des Genossen P a r v u s enthält ein« Sammlung von Artikeln des Verfassers, die das Probiem des Friedensvertrages und seiner Erfüllung nach dem Ententcultimatum unter den verschiedensten Gesichtspuntten behandeln. Di« klare, ein- dringliche Sprache, die scharfe Beweisführung, die den Fricdensver- trag in feiner gegenwärtigen Form als undurchführbap darstellt und Wege zur Erfüllung seiner gerechtfertigten Forderungen weist, ver- schaffen dem Buch einen Wert, der erst dann voll zu Geltung kommen wird, wenn die Mochtpolitit der Entente nüchterner Arbeit an der Liquidation des Völkermordes und der Materialoernichtung völlig gewichen sein wird. Wir haben die Grundzüge des Vorschlages zum Wiederausbau, der auf Naturalleistungen abzielt, seinerzeit wieder- gegeben. Das Buch behandelt die hierher und zur allgemeinen Wiedergutmachung gehörigen Fragen mit einer Fülle von Material, dessen Kenntnis für jeden praktischen Politiker unentbehrlich ist. Wir können also das Buch, dem zwei frühere Broschüren Parous'— „Der Friede und der Sozialismus" und„Die soziale Bilanz des Krieges"— beigegeben sind, nur empfehlen. Leider macht der hohe Preis des Werkes(69 M.) vielen, für die es geschrieben ist, die � An- schaffung unmöglich. Die irische Frage. Die Abgesandten der Sinnfeiner sollen' sich mit Lloyd Georg« über Gegenstände von vitaler Wichtig- teit unterholten haben, welche ihre Rückkehr nach Dublin zur Be- fragung des irischen Kabinetts notwendig gemacht haben. Die Antwort der Sinnfeiner wird am Freitag oder Sonnabend überreicht werden. Wictfebaft Der Valutasturz. Der Valutarückgang, hauptsächlich gefördert durch eine gewissenlose Spekulation, hat sich derart verschärst, daß für die meisten fremden Devisen die höchsten im letzten Jahre gezahlten Preise überschritten sind. In welchem Maße das der Fall ist, zeigt die nachstehende Tabelle, die die letzten Kurse der Berliner Börse vergleicht mit den höchsten im vorigen Jahre ermittelten amtlilben Devisenkursen, und zwar ist dabei der Tag vermerkt, an dem diese Höchstkurse notiert wurden. Man zahlte sür 14.9.21 H�stkur- am 100 Holl. Gulden... 3489,95 4200,— 27. 1. 199 belg. Franc«... 7S».79 749,— 14. 2. 190 norweg. Kronen.. 1408,55 1850,— 27. 1. 100 dänische,.. 1983,05 1700,— 27. 1. 100 schweb.,.. 2367,60 2000,— 27. 1. 100 finnische Mark.. 128,85 465,— 5. 3. 100 Lire...... 469,50 585,— 3. 2. 1 Pfd. Sterling... 498.05 851,— 5. 3. , 1 Dollar....... 109.64 103,75 9. 2. 100 franz. Franc».. 779.20 714.30 20. 2. 100 Schweiz. Franken. 1893,10 1800,— 27. 1. 100 spanische Peseta». 1418,55 1850,— 27. 1. 100 öfter. Kronen abgest. 10,18 39,50 1.3. 100 tschech. Kronen.. 132,85 104.— 16. 2. 100 ung. Kronen... 21-, 97 38,— 30. 3. 1l eberschritten sind also die Preise für belgische, dänische, schwedische, englische, nordamerikanische, Schweizer und tschecho- slowakische Zahlungsmittel. Dagegen sind andere, früher hoch- wertige Devisen am Weltmarkt im Preise zurückgegangen, so daß sie jetzt auch im Verhältnis zur Mark gegen die vorjährigen Höchst- kurfe u»günstiger stehen als die erstgenannten Werte, so hollän- dische Gulden, norwegische Kronen, italienische Lire, französische Franken. Besonders auffallend ist, daß die österreichische Krone ihr Verhältnis zur deutschen lviark, daS sie seit Monaten innehat, auch bei der letzten Verschlechterungs der deutschen Baiuta nicht wesentlich verändert hat. Die Krone gilt immer noch etwa 10 Pfennige, hat allerdings im vorigen Jahre noch bis zu 39,5 Pf. gegolten. Die Tabelle läßt auch erkennen, wie die deutsche Spekulation das fertig bekommen hat, was die Kriegsdrohungen der Entente im vorigen Jahre nickt zustandcgebracht haben. Wohl ist die Finanz- läge des Deutschen Reiches bedeutend schlechter geworden. Aber seine W i rt s ch a f t s l a g e hat sich bedeutend gebessert, und e» ist in den Beratungen des vorl. ReichSwirtschaflSrate« wieder» holt betont worden, wie sehr der Widerspruch zwischen Finanz- und Wirtschaftslage dadurch entstanden ist, daß das Reich von der ge- steigerten Wirtschaft nichts erhalten hat. Die Steuersabotage der für die Produktion verantwortlichen Kräfte muß also gebrochen Ifottix*, ttemt eine Vcüermtg Her Valuta eintrete« ,[«0, �ewerkschoftsbewegung Revolverhelöen beim Iilmstreik. Vor dem Hause„H a n s a- F i l m- V e r l e i h"»- S" Hammelkeulen...........-........« 13°° Schweinekamm u.-schuft m 16°° Schweine-Kotelettstück»m 16°° Kalbskamm..............................»».-11°° Xolentolmen h'mtmren e fö:*■ fCsfree 21°° läglkh frisch aus«tgener Röslerel, Pfd. Koch-ßotweln Flasclren 7 0 »f,»7 50 10"»ckV>0 ntiscne/ Ochsen-Fehl- u. Querripperts 7°° Ochsenfleisch 10" Gehacktes Rindfleisch ts s°° Tafelreis-------- p(«d460 Kaffeemisdiung»oo 25% Bohnenkajfee....... Pfund M Roggenmehl...Pfund 280 Weizenmehl... Pfund 3eo Viktoria-Erbsen m 2 3 Weisse Bohnen m 230 Landleberwurstpickl280 Rotwurst 1280 Bauernmettw. ph 165q Sülzwurst...... pfond 1380 Mettwurst�TÄ ID90 K-XrBierwurstPtd. 26c0 Mse- fette Harzerkäse....Piund 850 Tilsiterkäse..... Pfund1200 Stangenkäse�fft" 8E0 Margarine..... Pfund H80 Goudakäse..Piundl350 Tafelmargarine p'�-C80 Camembertkäse st 320 Bratfetl......... Ptund,|200 Gänsestfllkenfleiscli 12° Piund Rindfleisch Im eigenen Safl gBB JJQ Oese ObF Alt. Tarrasona Halb u. Halb ... fl 24° io fl 225°°!"?.tta 25° FL4ö° ÄTdg 4 30 Rindertalg 10° Pfund Apfelwein 500 T™ «arzDgTicli« punJltt*.........% Ftod* Ww■*« Freite ttaaebl FloseUt, out Weist 10 V SltoirzuscMag 1 91 S Hont Natur-Rotwein »l,Ft toM uasna �IDO00 Rauchfleisch Pfund 8 00 Dohannltbeer-Wein ■-�SUIO�b�-IOO po