Nr.45< ch SS. Jahrgang Msgab« V TU, Hl Abend-Ansgabe frei fjaa: Sion-r'.icb 1(V— *Tliitift«Ä»hiihp_ Unter ftt'UuhaeflebiUyc. Uirtrr Jttrmbonb( da» Saar- an* ?r rutfm'uBlt 1_____ S�craelaeHet fmaft die ehemaw brat« scheu Gebiete Polen», Oesterreich. Unzarn NN» Lurrmdnra tOr- R, für da» übrige Ausland ST.— M. Postbestellungen nehme» an Oesterreich, Ungarn, Tscheche» Slowakei, Däne- Start Holland, Luxemburg, Schwede» und die Schweig, Der«Sorwäris* mit der Sonntogebeilage JSolt und Reit*, der Unter- baltungöoeilage �etmwelf und der Sieiioqe ,6;cblUBg und Äleinoortetr* erscheint wocheniiigllch zweimal, Sema- XctQM imb SKoutoßs HrrmoU Telegramm- Adresse l eSOSlwOCOWfMtl VOUW>� ( 20 Pfennig) Vevlinev Vollrsblatt SbepoteiBezeire t ch— WL Mchlol»l tlajolgen" (eilgefMinfre Bari X— M.(zu- lässig zwei fettgedruckte Warle), jedes weitere Wort h— M. Stellengesuche med Schlafsie llenanzeigen da» erste Wort h— SÄ, jede» wettere Wort 60 Psg.«orte über IS Buchstaben zähle» flir zwei Worte. ffamllien-An- zeige» für Abonnenten geile XS0 M. Dir Preise»erstehe» sich einschließlich Teuerungszuschlag. Anzeige» für die nächste Nummer müssen dl» 5 Ahr nachmittag« im Hauptgeschäft, Berlin SW 68, Linden- straße 8. abgegeben werden. Deöffnet »v» st Uhr früh bi» i Uhr abend«. ZentraXorqm der roztaldemokratifd�en Partei Deutfcblands Reöaktisn und Expedition: SV SS» LinSenstr.3 Redaktion Moristplatz rker»sprrryrr- Tirpeditto« Morihvlad 117 SA—»4 Freitag, de« IG. September 1921 vorwärts-verlag G.m.b.H., SW HS, Äoöenstr. 2 Sr«vtt{lit-<>rfi<>r• Verlag.(?rvr»ition und Inseraten» �ernsprcrycr. Nb„,lung Morihplah msll-BX ''.»* V Die Steuerflucht der hohenzollem. Auf unsere Feststellung vom 15. September, daß das so» genannte Königliche Hausministerium vor einiger Zeit o f f t» z i e l l angeordnet habe, daß aus steuerlichen Gründen von den 25 Millionen Mark betragenden Ueberfchüffen aus den hohenzollernschen Familiengütern über 10 Millionen M a r t zu„verzaubern" seien— auf diese Feststellungen hat sich bisher weder das preußische Finanzministerium noch irgendein reaktiv nüres Blatt gemeldet. Kürzlich konnten noch beide uns so tapfer»richtigstellen". Wir möchten heute etwas deutlicher werden, damit der Skandal die zuständigen Behörden veranlaßt, endlich dafür zu sorgen, daß die Hohenzollern Steuern zahlen. Vorerst möchten wir feststellen, daß nach dem Zusammen» bruch und vor der Einführung der Reichseinkommensteuer nur die Hohenzollerngüter zur Eintommenstsuer veranlagt wurden, die in den Kreisen Greifenhagen und Nosenberg liegen. Die übrigen zuständigen Behörden hielten es nicht für nötig, die in ihrem Verwaltungsgebiet belegenen Hohenzollerngüter zur Einkommensteuer zu veranlagen, ob» wohl die Steuerfreiheit mit dem November 1918 ausgehoben wurde. Wir möchten darauf aufmerksam machen, daß diese Tat» bestände der Hohenzollernschen Verwaltung selbswerständlich nicht nur bis ins einzelne bekannt sind, es ist sogar A n o r d» nung getroffen worden, sich tot zu stellen! Es wurde Befehl gegeben, an diese Sache nichtzurühren, damit nicht etwa die bisher nachlässig gebliebenen Kreise an ihre Pflicht erinnert würden. Das hohenzollernfche Hansfideikommiß umfaßt über 85 000, das Kronfideikommiß 21 500 Hektar Land, d. h. zu» fammen rund 425 000 Morgen. Aus der Berwalwng dieses Grundbesitzes holte man im Jahre 1920 einen Rein» gewinn von 25 Millionen Mark heraus. Bei dieser Ziffer ist zu beachten, daß sie nur die wirklich überschießenden Einnahmen darstellt. Alle Verwaltungsunkosten, alle Neu» anfchaffungen, Betriebsausgestaltungen, kurz, auch alles das, was man aus dem gesetzlichen Reservefonds zu decken gewöhnt ist, wurde schon vorher in Rechnung gestellt. Die hohenzollernsche Hausverwaltung, im besonderen das Königliche Hausministerium trat nach Feststellung des Ueberfchustes aus der Güterverwaltung offiziell in Be» rahmgen darüber ein, welche Steuerpflicht sich aus den 23 Millionen ergebe und wie man sie gründlich vermindern könne. Wohlgemerkt, das geschah alles im offiziellen Schrift» Llopd George klagt?rlanö an. Conbon, 15. September.(Reuter.) Zu feiner Antwort an De Dalera erklärt Lloyd George, daß er sich, da De valera ans der Anerkennung der irischen SouoerSaikät besteh«, genSstgt sehe, die Vorbereitungen für die eagllsch-irlsche Sonsereuz für nächste Woche in Inverneß;u widerrufen. Gr müsse das Kabinett über die nun notwendigen Schritte befragen. London, 15. September.(WTB.) Wie mntlich gemeldet wird, hat Lloyd George heute abend eine telegraphische Mitteilung an De Vatera gesandt, worin es u. a. heißt: „Och habe Ihren Abgesandten am Dienstag, den 15. cr„ mitge- teilt, daß eine Wiederholung Ihrer Forderung als Vertreter eines unabhängigen und souveränen Staate» mit der britischen Regierung zu verhandeln, eine Konferenz zwischen un» unmöglich mach«. Die Abgesandten hatten eine Note überbracht, worin sie die erwähnten Forderungen wiederholten. Ich habe die Abgesandten ersucht, sich über die ernsten Folgen klar zu werden, und habe mich erboten, die Note als nicht ausgehändigt anzusehen, um einen Anlaß zu neuen Verhandlungen zu geben. Trotz dieses meines Vorschlages haben Sie jetzt die Note in ihrer ursprünglichen Form veröffentlicht. Ich muß infolgedessen die Abmachungen, die für die nächste Woche In Inverneß getroffen waren, annullieren. Meine Kollegen werde ich darüber befragen, welcher Weg infolge dieser neuen Lage einzu- schlagen ist. Ich werde Ihnen unsere Entscheidung so bald wie möglich mitteilen, aber da ich gegenwärtig für einig« Tage hier bleibe, wird ein« Verzögerung unvermeidlich sein. Inzwischen muß ich mit der größten Deutlichkeit erklären, daß die britische Regierung ihren Standpimkt. den ich Ihnen auseinander. gesetzt habe, nicht aufgeben kann. Wenn wir«ine Konferenz mit Ohren Vertretern auf der von Ihnen geforderten Grundlag« annehmen würden, so würde das bedeuten, daß die britisch« Regierung die Ab- Trennung Irlands vom Britischen Reiche und das Be- stehen der Unabhängigkeit der Irifchen Republik amtlich anerkenne. Dies würde Ihnen ermöglichen, zu erklären, daß wir Irland das Recht zugestehen, anstatt im Verband des Britischen Reiches von sich aus mit irgendeiner anderen auswärtigen Macht eine engere Verbindung einzugehen. Die großen Zugeständnisse, die die britische Regierung dem Gefühl der Irländer gemacht hat, um eine dauer- haste Regelung zu sichern, hätten meiner Ansicht nach eme groß- mütigere Antwort verdient, ober bisher find nur wir es gewesen, dl« Zugeständnisse gemacht habe». Sie Ihrerseits habe» verkehr der hohenzollernschen Behörden, der theoretisch dem preußischen Finanzministerium zur Kontrolle untersteht. Man stellte fest, daß der Ueberschuß für 1920 bisher schon rund 23 Millionen Mark betrage, er werde aber sicher auf 25 Million e/r st e i g e n. Bei 80 Proz. Einkommensteuer würde man dem verhaßten Deutschen Reich davon 15 Millio- neu abgeben müssen, zumal die Möglichkeit nicht ganz ans- geschlossen sei, daß man in Zukunft doch Steuern zahlen müsse. Aus diesem Grunde sei es empfehlenswert, einfach eine Sonderrücklage zu konstruieren. Nach diesem Vorschlage verfügte der dem preußischen Finanzministerium unterstehende Königliche Hausminister offiziell nicht nur. daß man ans den ueberschüssen des Jahres 1920 rund 10 Millionen Mark auf ein besonderes, nur langfristig kündbares Konto der Seehandlung verschwinden laste, es wurde, und das zeigt uns, wie deutlich man sich bewußt ist, Unrecht zu begehen, auch noch etwas weiteres angeordnet. Um die 10 Millionen Mark völlig ver» schwinden zu lasten, wurde angeordnet, daß die Etatstitel der Hofkammerrentei einfach durch entsprechende Pau» schalsummen zu verstärken sind. Durch diesen Buchungsvorgang sind dann die 10 Millionen Mark plötzlich etatsmäßige Ausgaben! Was tuts, wenn diese Etatssummen nicht verbraucht werden? Es ist ja jetzt schon Praxis, daß man die sogenannten Reste, auch die aus den Iahren nach der Umwälzung, zum Schluß auf den hohen- zollernschen Hausschatz überschreibt! Wir verlangen, daß die Kreisbehörden, die es bisher versäumt haben, ans den Iahren 1919 die hohenzollern- scheu Familiengüter steuerlich zu erfasten, das sofort nach- holen. Weiter verlangen wir eine gründliche amtliche Untersuchung nicht nur der Einkünfte der Hofkammer, fondern mich aller sonstigen Einnahmen und Vermögensverwaltungen der Hohenzollern. Besonders zu beachten scheint uns dabei die Privatschatulle des Kaisers, die bei 50 Millionen Mark Be- stand bis heute ebensowenig einen Pfennig Steuern gezahlt hat, wie der hohenzollernsche Hausschatz. Und wie steht es mit den reichen hohenzollernschen Nebenlinien, mit Friedrich Leopold und mit der Albrecht-Linie? Des weiteren verlangen wir, daß der demnächst zusammentretende preußische Landtag sich sosort mit der Frage beschäftigt, ob es nicht zweckmäßig sei, die Hohenzollern zu veranlasten, einstweilen in Pauschale Steuern zu leisten. keine gemacht, mn uns entgegenzukommen. Sie haben nur in Rede» Wendungen, die eine starke Herausforderung darstellen, Ihr« ursprünglich« Forderung dem Worttaute und dem Geiste nach wiederholt." � Loucheurs Aufklärungen. Pari». Ig. September.(WTB.) Der Minister für die befrelien Gebiet«, Loucheur, wurde heute nachmittag von 3 bis 5 Uhr durch den Finanzausschuß der Kammer vernommen. Er gab Auf- tlärungen bezüglich der Abmachungen in Wiesbaden, betreffend der Reparationen in Natura. Der Meinungsaustausch vollzieht sich in durchaus freundlichem Ton. Sefatzungskonferenz in örüffel! Paris, IS. September.(EE.) Die„Chicago Tribüne' meldet: Die alliierten Regierungen beschlossen, in der ersten oder zweiten Oktoberwoche eine Konferenz in Brüssel abzuhalten, um die Frage der Besatzungskosten der Armeen im Rheinlande zu erörtern. Die amerikanische Regierung hat die Ein- ladung zu dieser Konferenz angenommen und wird eine Abordnung von drei Mitgliedern nach Brüssel entsenden. Die Konferenz wird nicht nur die Frage zu erörtern haben, wie die amerikanischen Be- satzunzekosten gedeckt werden sollen, sondern man wird auch ein Programm für die künftigen Zahlungen der Besatzung». kosten entwerfen. Die Besatzungskosten Frankreichs sind vollkommen gedeckt, und auch England hat bereits einen Teil seiner Besatzungs» tosten bezahlt erhalten. Run sind von der amerikanischen Regierung Berhandlungen eingeleitet worden, damit die Alliierten den Frie- densvertrag zwischen Amerika und Deutschland anerkennen, und sie erklären sich bereit, daß amerikanische Vertreter offiziell mit den Vertretern der Alliierten zusammenarbeiten sollen, um die Durch- führung des Versailler Vertrag» zu sichern. Die ofizielle Teilnahme Amerikas an den verschiedenen Kommissionen wird van den Alliierten besonders günstig aufgenommen. Die Kosten der amerikanischen Besatzungsarmee in Deutschland betrugen bisher 275 Millionen Dollar einschließlich der Periode, die unmittelbar dem Waffenstillstand folgte und in der die amerikanische Armee beträchtlich größer war. Dagegen hat Deutschland einige Forderungen an Amerika zu erheben für di« Bauten und Grund- stücke, di« Amerika w Koblenz benutzt. Kampf im öeamtenbunö. Don Theodor Kotzur� Die Bestrebungen des Deutschen Beamtenbundes, zu einer Arbeitsgemeinschaft mit dem Allgemeinen Deutschen Ge- werkschaftsbund zu kommen, lasten es zweckmäßig erscheinen, einmal die Kampfesweise zu beleuchten, die von einflußreichen Kreisen des Deutschen Beamtenbundes gegen die freien Ge- werkschaften beliebt wird. Der jetzt zum Abschluß gekom- mene Beamtenrätewahlkampf der Eisenbahner gab den füh- renden Blättern der„Reichsgewerkschaft Deutscher Eisenbahn- beamten und Anwärter" Veranlassung, einen Berleumdungs- feldzug gegen die freien Gewerkschaften zu führen, wie er in der Gewerkschaftsbewegung seinesgleichen nicht hat. Einige Beispiele mögen das beweisen. Der„Voraus"(das führende Blatt der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer) schrieb am 28. August in einem Leitartikel folgende Sätze: � Mit bewunderungswürdiger Geschicklichkeit hat die gegen- wärtige Parteiregierung durch ihre gehorsamen nachgeordneten Gewerkschaften die Teuerungsaktion in aller Hast noch vor Erledigung der Beamtenrätewahlen inszenieren lassen. Die politisch orientierten Eisenbahner- Ge- werkschaften haben ihren verschiedenen regieren» den Parteigenossen zuliebe gleich zn Beginn der Aktion die Forderungen der Beamten skrupellos verwässert... Wir sehen also, wohin die parteipolitische Orien- tierung führt! Anstatt die Interessen ihrer Mitglieder zu vertreten, sehen sich jetzt die Führer dieser organisatorischen Mißgeburten großen Stils gezwungen» gegen ihre Mit- gliederinteresten und mit ihren zufällig in der Regie» rung sitzenden Parteibonzen zu gehen. Die Partei« gewertschaften sind also für di« Katz, sobald ihre Par» teien zufällig an der Regierung sind. Wer diese Parodie auf alles, was man bisher unter„Gewerkschaft" verstanden hat, mit ansieht, muß sich sagen, es kann nur noch eine Parole geben: Heraus aus den Parteigewerkschaften. die ihre Mitglieder im Kon» fliktsfalle geradezu verraten müssenl...FürdieStaatsar»' beiter ist es jetzt die höchste Zeit, sich schleunigst einevon allen Parteien gänzlich unabhängige und streng neutrale Eisenbahnarbeiter-Gewerkschaft zu gründen. Jeder Staatsbedienstete, der einer politisch orien- tterten Gewerkschaft angehört, erlebt jetzt, wie seine Organisation und damit er selbst durch höhere Parteirücksichten an Händen und Füßen gebunden ist. Die Zugehörigkeit zu einer poli» tischen Gewerkschaft ist wirtschaftlicher Selbst. mord. Kann es unter diesen Umständen noch einen einzigen Eisen- bahnbeamten geben, der sich der Behörde gegenüber durch Beamten- räte vertreten lassen möchte, die von ihrer politischen Ge- werkschaft auf regierungsfrommes Verhalten eingeschworen wurden? Die„Reichsgewerkschaft"(das führende Blatt der Reichs» gewerkschaft) wollte natürlich hinter dem„Voraus" nicht zu» rückbleiben. Ihre Nummer vom 4. September bringt von der ersten bis zur letzten Seit« eine maßlos unerhörte Beschimp» fung der übrigen Eisenbahnerverbande. Dafür einige Proben: Der Reichskanzler hätte es niemals wagen können, der Beam- tenfchoft sein„Friß Vogel oder stirb!" zuzurufen, wenn die drei parteipolitischen Beamtenverderbergewerk» s ch a f t e n der Beamtenschast nicht zu schmählich in den Rücken ge» fallen wären... Die drei Estenbahnerorganisationen, DEV., GDE. und AEB. sind ausgesprochene, bis zum äußersten entschlossene, rigo- rose Anti-Beamtengewerkschaften... Siealledreisindalso der Regierung gegenüber infolge ihrer politi- schen Orientierung machtlose Marionetten, die nach der Pfeife ihrer zurzeit regierenden Partei- ge nassen tanzen müssen... Mögen parteipolitisch orien- tierte Gewerkschaft« auch gegenüber privaten Arbeltgebern allenfalls erfolgreich einschreiten können, so sind sie. wie wir jetzt gesehen haben, dem Arbeitgeber Staat' gegenüber hilflose Statisten, die sich nicht einmal entblöden, das unllugerweise bei ihnen selbst organisierte kleine Beamtenhäuf- lein mitzuverraten und mit ihren Familien zuver- längerter qualvoller Rot zu verdammen. Wir wiederholen, die paar zitierten Sätze sind nur einige Beispiele aus dem maßlosen Verleumdungsfeld- z u g, der an die niedrigsten Instinkte appellierte und mit dem diekommunistischeHetze kaum konkurrieren kann. Am Kopf der beiden zitierten Blätter könnte unbedenklich der Titel„Rote Fahne" gesetzt werden und kein Leser würde einen Unterschied zwischen dem kommunistischen Blatt und diesen beiden Blättern finden. Der oben geschilderte Ueberradikalismus erscheint noch in einem ganz besonderen Licht, wenn wir daran erinnern, daß einer der einflußreichsten Führer der Reichsgewerkschaft, der übrigens an den Verhandlungen über die letzten Lohn- und Gehaltsforderungen in der Reichskanzlei beteiligt war, am 13. März 1920 bei Ausbruch des Kapp-Putsch es den heute von seiner Organisation beschimpften Eisenbahnerge- werkschaften svlgenden osjiziellen Vorschlag mochte; Meine Herren, Ich schlage Ihnen vor, eine Kommission zu �errn Kapp zu schicken und ihn fragen zu lassen, ob er unsere Forderungen bewilligen will. Will er das, dann meine ijerren, kann es uns ganz gleich sein, ob wir von Kapp oder Bauer regiert werden. In einem noch helleren Lichte erstrahlt der„Voraus". Die Leute, die heute in ihm das große Wort führen, brachten es noch im Jahre 1918 fertig, von ihrer Generalversammlung in Stettin nicht nur dem Kaiser, Hindenburg und Ludendorff, sondern auch dem Prinzen Eitel Friedrich chuldigungstele- gramme zu schicken, in denen sie ehrfurchtsvoll erstarben. Ein Jahr später, im Jahre 1919, anläßlich der Gründungsver- sammlung der Gewerkschaft der Lokomotivführer, wiesen sie einem sozialdemokratischen Berichterstatter die Tür, weil sie „ihre besondere Auffassung" von einer Gewerkschaft hätten! Ihre„besondere Auffassung" von einer Gewerkschaft schei- nen sie auch heute noch zu haben: denn die letzte Nummer des „Voraus"(vom 11. September 1921)— das wird die poli- tischen Parteien und die Parteipresse ganz besonders inter- essteren— nimmt bereits Stellung zu den kommenden Reichs- tagswahlen. In einem reichlich konfusen Artikel„Reichstags- wählen der Gewerkschaften" wird gesagt, daß ein alter tüch- tiger Beamtenstand auch künftig seine Pflicht über die Politik stellen muß, und deshalb ein geradezu zwingender Grund für eine politisch neutrale Stellung der Beamtengewerkschaften vorliegt. Zum Schluß wird dann — man höre und staune!— verkündet: dieKandidaten- listen zu den künftigen Reichstagswahlen müssen von den gewerkschaftlichen Großor- ganisationen aufgestellt werden. Das also sind die führenden Kreise der Reichsgewcrkschaft der deutschen Eisenbahnbeamten, die in dem Deutschen Bcam- tenbund eine einflußreiche Rolle spielen. Wir müssen die Be- antwortung der Frage, ob mit solchen gewerkschaftlichen und politischen Kindern ernsthaft eine Arbeitsgemeinschaft zur Führung gemeinsamer Kämpfe abgeschlossen werden kann, den führenden Männern des Deutschen BeamtenbmÄes und des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes überlassen. Anfrage an Nax von Saüen. Die Redaktion unseres Karlsruher Parteiblattes ver- offentlicht einen o f f e n e n B r i e f an den Reichskanzler a. D. Prinz Max von Baden, in dem mit Bezug auf die jüngsten Veröffentlichungen in Berliner Blättern über die Vorgeschichte des Waffenstillstandes an ihn als den damaligen Kabinettschef die Anfrage gerichtet wird:„Hat Herr Erzberger sich zur Fuhrung der Waffenstillstandsverhandlungen gedrängt oder ist er von Ihnen oder anderen Kabinettsmitgliedern zur Ueber- nähme seines Amtes veranlaßt worden? Diese Frage gilt es nun öffentlich und präzise zu beantworten. Daß Sie bei den Rationalisten nichts mehr zu verlieren haben, dürfte Ihnen bekannt sein. Aber in anderen Kreisen hat man Ihnen bisher Achtung bewahrt. Viel steht auf dem Spiel, wenn Sie auch letzt noch schweigen würden." Die Thüringer Lanötagswah!. Aus Jena schreibt man uns: Der„Vorwärts" hat in feiner Morgenausgabe vom Donnerstag, den IS. September, das Resultat der Thüringer Landtagswahl richtig wiedergegeben und daran einig« ganz treffende Bemerkungen geknüpft. Wenn wir diese Bemerkungen noch um einiges ergänzen, so aus folgenden Gründen: Am 20. Juni 1920 ist der erste Thüringer Landtag gewählt worden. Die größte Schwierigkeit, die dieser Landtag zu erledigen hatte, war die Re- gierungsbildung. Als es endlich am 10. November 1920 gelang, eine Regierung aus Sozialdemokraten und Demokraten zu bilden und die drei Rechtsparteien— Deutschnational«, Landbund und Deutsche Volkspartei— von der Regierung ausge» schaltet wurden, setzte eine wahnstnnige Hetze seitens der Rechts» Parteien gegen die Regierung und Landtagsmehrheit(Linksblock) ein. Fast bei jeder Vorlage ließ das reaktionäre Dreigestirn— der deutschnationale Junker v. Eichel-Streiber, der Landbündler-Häuptling Höfer und der reaktionäre Rechtsanwalt Dr. Wcrnike verkünden, daß die Regierung sich nur auf die Kommunisten stützen könne. Der Landtag müßte aufgelöst werden, weil das Thüringer Volk solche Politik nicht ver- trage. Die Wähler würden schon im Sinne der Rechtsparteien ent- scheiden. Ja, die Reaktionäre waren ihrer Sache so sicher, daß der Landbündler Höfer am 8. April d. I. einen Antrag im Namen der Rechtsparteien stellte, der auch am 9. April verhandelt wurde und oerlangt:„Der Landtag muß aufgelöst werden, weil die Regierung nicht mehr arbeitsfähig ist und kommunistische Politik treibe." Herrn Höfer wurde eine gründliche Abfuhr zuteil, sein Antrag wurde abgelehnt, weil auch die Kommunisten dagegen stimmten. Aber es trat nach und nach zwischen den Rechts- und Linksbolschewisten eine Verbrüderung ein, die dazu führte, daß beim Grund steuergesetz die Kam- munisten mit den Rechtsparteien stimmten und die Auflösung des Landtages herbeiführten. Das mar natürlich für die Thüringer Re- aktion ein„gefundenes Fressen". Nun endlich war der Zeitpunkt gekommen, wo sie gemeinsam mit den Kommunisten die Sozialdemo- kraten niederreiten konnten. Wer in den letzten vier Wochen vor der Wahl mit den Rechtsbolschewistsn und den Kommunisten in den Wahlversammlungen zusammenstieß, weiß, in welch niedriger Weise gegen die Sozialdemokratie gekämpft wurde. Denn die Kommu- nisten, die ganz Thüringen verschlingen wollten und gehörig auf den Index gesetzt wurden, gingen in keine rechtsstehende Versammlung, sondern störten nur die Versammlungen der Sozialdemokratie. Die Rechtsbolschewisten kämpften auch nicht gegen die Kommunisten, auch nicht gegen Unabhängige, sondern gegen die Sozialdemokratie. Diese sollte niedergeritten werden, vor den beiden anderen Linksparteien hatte man keine Furcht.— Nun haben nicht nur die Kommunisten schlecht abgeschnitten, sondern die„Niedcrreiter" sind kläglich zusammengehauen worden. Hätte die Sozialdemokratie nicht so tapfer gekämpft, vielleicht hätte die Reaktion jetzt triumphiert. So liegt sie am Boden und ihre Zeitungen schreiben schon wieder wut- schnaubend:„Nachdem die Wahlen eine Linksmehr- heit gebracht, wird der Thüringer Staat doch aus- e i n a n d e r f a l l en, weil sich eine solche Koalition: Sozialdemokraten, Unabhängige und Kommu- nisten, auf die Dauer nicht ver ständigen kann." Ge- wiß, hätten gewissenlose Demagogen die Thüringer Arbeiter- bewegung nicht gespalten, so bestände heute in Thüringen eine So- zialdemokratische Partei, die in ihrer Stärke alle bürgerlichen Par- teien weit überragte. Dieses Resultat würde auch bei der Regie- rungsbildung in Thüringen maßgebend fein. Zunächst müssen wir damit rechnen, daß die Landtagsabgeordneten der drei Arbeiter- Parteien die Mehrheit haben. Sind die Vertreter der„Cinksradi- kalen" vernünftig genug, um an dem weiteren Aufbau des Thüringer Staates sich zu beteiligen, dann wird eine sozialdemokratische Regie- rung, vielleicht mit Einschluß der Demokraten, dauernden Be- stand haben, auch wenn die Reaktion nöch so sehr dagegen anrennt. Aber auch bei der Thüringer Wahl hat sich gezeigt, daß die alte Sozialdemokratische Partei, trotzdem man sie bei der Rcichstagswahl 1920 als eine Partei bezeichnete, die nur noch Trümmer gerettet, die Massen hinter sich hat und darum als stärkste Partei in den Landtag einzieht. Die Thüringer Partei hat gehalten, was fie sich auf ihrer Konferenz am S. August 1921 als Ziel gesteckt hat:„Eroberung einer weiteren Etappe auf dem Wege zum Sozialismus." Münchener presiestimmeu. Die Tentschnatiimalen gegen die Wahrheit. München, 16. September.(Eigener Drahtbericht des„Bor- wärts".) Die rechtsstehende Preffe Bayerns bcugnet ungeachtet aller Feststellungen fortgesetzt das Bestehen außerparlamentarischer Kräfte im politischen Leben Bayerns. Die Meldung der„Augsburqer Post. zeitung", der zufolge das Landtagsgebäude während der hitzigen Ver- Handlungen der letzten Tage allerlei interessante Gäste gesehen habe, die sich ohne Befragung des Landtvgspräskdiums im Beratungszimmer des Finanzausschusses arrfgehalten und auch das Zimmer des Ministerpräsidenten förmlich belagert hätten, wird von ihr völlig totgeschwiegen. Sie versucht im Gegenteil, in der Lest ent. lichkoit den Glauben zu erwecken, daß die Bayerische Volkspartei sich nicht einig sei und Kohr gern wieder zurück haben wolle. Alle möglichen kleinen Versirre der Umgebung Münchens und der baye- rischen Provinzen werden von den Deutschnationalen mobil gemacht . 1. internationale Tagung für Sexualreform Am Donnerstag wurde im Virchow-Langenbeck-Hause zu Berlin die erste internationale Tagung für Sexualreform eröffnet. Besonders erfreulich war die rege Beteiligung hervorragen- der Forscher des Auslandes, und zwar nicht nur des neutralen, fon- dern auch der uns früher feindlichen Staaten. Zum ersten Male nach dem Kriege erklangen von der Tribüne eines in Deutschland tagen- den Kongresses u. a. auch französische Worte wissenschaftlicher Be- gnißung: und unter den Ehrenvorsitzenden des Kongresses befand sich neben berufenen Vertretern aus Holland, Schweden, der Schweiz, Deutschösterreich, der Tschechostowakei und Rußland auch ein Italiener und ein Japaner. Die Begrüßungsansvrache hielt Dr. Magnus Hirschfeld. Als Ziel der Tagung stellt er hin, in voraussetzungsloser Erforschung an den Problemen des Geschlechtslebens dahin zu gelangen, Naturgesetz und menschliche Satzungen in Ueber- einstimmung zu bringen. Daß der erste internationale Kon- greß nach dem Kriege ein solcher der Sexualwissenschaft ist, scheint ihm kein Zufall: auf diesem Gebiet gibt es Fragen, an denen alles, was Menschenantlitz trägt, in gleicher Weise beteiligt ist. Zwei Welt- anschauungen ringen in der Bewertung des menschlichen Sexual- lebens miteinander, die metaphysische und die physische. Erbsünde nennen die Theologen, was bei den Biologen Erbfehler heißt. Hirsch- feld gibt ein anschauliches historisches Bild der biologischen Ent- deckungen in der Sexualwissenschaft. Auch das Liebesleben beruht auf Naturgesetzen; und nur im Zeichen der Naturwissenschaft können menschliche Normen wahrhaft gültig sein. In mehreren Leitsätzen saßt der Redner die naturwissenschaftlichen Feststellungen der Sexual- Wissenschaft zusammen. Ihr wichtigster ist: die Bedeutung der Liebe erschöpft sich nicht in einer ihrer biologischen Folgen, der Zeugung: vielmehr ist für den Menschen das ihm zusagende Sexualleben eine Grundbedingung innerer und äußerer , L e b e n s h a r m o n i e: sie steigert den Lebenswert des einzelnen, / sie bindet die Menschen aneinander, und sie läßt Mann und Weib körperlich und seelisch über sich hinauswachsen. Liebe ist poten- ! ziertes Leben, Leben ohne Liebe ist nur Dasein. Mit einem f Worte Dantes schließt der Redner. Sogleich ergreift ein Landsmann Dantes, Pros. M i e l i- Rom, das Wort. Auch er feiert den Internationalismus der Wissenschaft — und nach ihm tun dies warmherzig und begeistert alle Redner des Auslandes. Mieli weist auf die wissenschaftlichen Beziehungen Italiens zu Deutschland hin, aus alles das, was die italienische For- schung von Deutschland gelernt habe und noch lernen könne. Italien gehe mutig und nach deutschem Vorbilde ans Werk.— Prof. P e ci r k a- Prag, gesandt vom Ministerium für Kultus und Unter- richt der Tschechoslowakei, teilt mit, daß die junge Republik an der Universität Prag ein Staatsinstitut für Sexualforschung errichtet habe, dessen Leiter er sei.. Das Institut wurde nach dem Vorbilde des Berliner Instituts eingerichtet.— Prof. Lipschütz von der Universität Dorpat überbrachte Grüße des Unt«rrichtsmimsteriums der EMujcheu Republik und der Universität, Dorpat, durch lauge Jahr« der Wohnsitz Karl Ernst Baers, hat besonders innige Bezie- Hungen zur Sexualwisienschast: ihr gelten auch die Forschungen des Physiologischen Instituts der Universität, das der Redner leitet.— Jscylondski- Moskau. Rutgers-Holland und der 80jährige Nestor der Sexualforschung, N y st r ö m. Schweden überbrachten die Grüße ihrer Länder. Besonders stürmischen Beifall fand Prof. Dück-Jnns- brück, als er der Sehnsucht aller Schichten Deutschösterreichs Aus- druck gab, in der deutschen Volksgemeinschaft aufgenommen zu wer- den. I o h n e r- Königsberg sprach als erster deutscher Vertreter eines Lehrstuhls für Sexuallehre an der Universität. Sodann folg- ten Ansprachen wissenschaftlicher und sexualreformischer Gesellschaften und Lerbände.* Das„ünlime Theater". Kolportage und Kanthariden eröffnen das„Intime Theater". Das einfachste Theater, das in dem früheren Mäuschenpalais der Entschleierungstänzerin Cilly de Rheydt ein- gerichtet wurde, füllt eins wichtige Lücke im Berliner Kunstleben aus. Es fehlte bisher an einer theatralischen, mit Diele und Likör- stube verbundenen Oertlichkeit, die gleichzeitig die Säfte des Magens und das übrige, was von den Südpolen gewiegter Männer und ge- wiegter Damen abhängt, erbaplich anregt. Das«Intime Theater" will und darf also das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, daß es nebey den Bars der benachbarten Motzstraße die ausgezogenste Bühnenkunst pflegen wird. Es versucht das mit Hilfe eines knarren- den Bettes, siir dessen Poesie der sonst mit Recht geschätzt« Kultur. schriststeller Franz Blei verantwortlich ist. Es gelingt ihr serner mit einer Kaschemme, in der«s durchaus apachenmäßig zugeht, was gleichbedeutend ist mit einem Mord und einem Juwelenraub.' Wäh- rend in diesem übrigens von Maris Leyto und dem Direktor Gustav HeHppner routiniert heruntergemimten Nervenreißer die scge- nannte Nachtseite des Lebens gezeigt wird, lernt man alsbald dessen Rückseite kennen. Eigentlich nicht des Lebens Rückseite, sondern die der Dame Clarissa, die gewohm ist, im Hemd herumzugehen und in höchster Not ihrem Gatten und anderen Herren die halbmondförmige Seite ihres Körpers darzubieten. Das letzte Stücklein, das von Georges Feydeau stammt, führt den langen aber klaren Titel:„Lauft doch nicht immer nackt herum!" Es ist ein wenig, wenn dieses Wort gestattet ist, Afterkunst, es ist aber auch, da Feydeau einen witzigen Kopf besitzt, sekundenlang zum Totlachen, zumal Hanns Fischer und Agda Nilßen die Sadistenschweinchen sind. So stellt man schließlich fest, daß dieses neueste Theater mit Erfolg und sogar mit Lebe- mannsgeschmack jenen Weg beschreitet, dem die Devise voranleuchtet: Kolportage, Kanthariden unv vor allen Dingen Kasse! m. K. Eine neue Mssenschast? Die Philharmonie ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Rudolf Steiner spricht über die Be- deutung der Anthroposophie. Mit einem skeptischen Lächeln ist dieser Mann nicht abzuhrn. Er ist Erscheinung— und die tausend Menschen um ihn zeigen, daß er eine Erscheinung der Epoche ist. Neunhundert von tausend mögen um der Sensation wegen ge- kommen sein, nach Einstein, Steinoch und Spengler nun Steiner— ober hundert hängen mit glänzenden Augen an seinen Lippen. Di« Gemeinde verbreitet sich bereits über das ganze Land, hält in Statt- und veranlaßt, in Versen und in Prosa Herrn von Kohr anztu telegraphieren, damit die Kcchr-Preffe, allen voran die„Münchencp Zeitung", diese Ergüsse in breiten Spalten wiedergeben kann. So, gar vor Fälschungen schreckt man nicht zurück. So wurde in Mün, chcn ein Flugblatt verbreitet, das behauptete, � der Adg. Held habe! Herrn v. Kahr gestürzt, um sich selbst und den sozialistischen Führer! Auer in die Regierung hineinzubringen. Als einziges bürgerliches Blatt stellt sich die„Süddeutsche Presse" in den Dienst der Aufdeckung der Jllünchener Mörder, zentral«. Sie schreibt, sie hätte nach dem Artikel über die Kappisten, zentrale in Salzburg und RojetrHeim, der durch idie gesamt« deutsche Presse gegangen sei, ein« Anfrage an die Regierung gestellt, ob che die Art der Einreise dieser Herren nach Bayern bekannt sei. Nun erhält sie ein Schreiben der Polizeidirektion, daß keine ge� nügenden Unterlagen zu einer weiteren Verfolgung v o r � Händen seien. Im übrigen erklärt sich das Blatt bereit, w e m t e r e s Material über die Mordzentrale und die Fäden, die sich von München nach Ungarn spinnen, bekanntzugeben. München, 16. September.(Eigener Drahtbericht des„Vor, wärts".) Gestern abend waren in sämtlichen Bezirken der Stadt Mitgliederversammlungen des Sozialdemokratischen Vereins Mün, chen. In allen Versammlungen kamen mit außerordentlicher Deut, lichkeit die Empörungen und der Ekel der Arbeiterschaft gegen ein Regierungssystem zum Ausdruck, das Bayern zum Sammelplatz einer Morderorganisation machte, die in ihrer Art die Abscheulich- keiten und die Unsicherheit sür das Leben des einzelnen wahres» der Rätezeit noch weit übertrifft. Einmütig kam die Entschlossenheit der Münchener Arbeiterschaft zum Ausdruck, eine Rückkehr der Regie» rung Kohr unter keinen Umständen zu dulden. Die„Münchener Post" bringt unter dem Titel„Die Herberge der Mörder" Ausführungen, welche die Unhaltbarteit des bestehenden Systems zum Ausdruck bringen. Sie schreibt über P o e h n e r ge- l-cgentlich der Besprechung des Stadtratsbeschlusses, an die Polizei» direktion eine Anfrage zu stellen, weshalb es ihr nicht gelingt, durch ihre Fremdenpolizei den Zuzug von Mördern nach München abzu- halten: Derselbe Poehner, der die Fremden, die nach München wollen, um ihrer ehrlichen Arbeit nochzugehen, drangsaliert und be» lästigt, hat innerhalb seiner Amtsräume Organ«, welche den Zuzug von' staatsgefährlichcn Elementen systematisch unterstützen. Wir haben in München, wie in allen Großstädten, eine ungeheure Wohnungsnot. Eine große Anzahl von Familien muß in Baracken Hausen, aber die Mörderbande— von Poehner in Gnaden«wfge» nommen— erhält bequemste Wohngelegenheit. Den Mördern Schulz und Tillessen ist es ein leichtes, je ein Zimmer im gleichen Hause aufzutreiben, während es Münchener Arbeitern unmöglich ist, in der Nähe ihrer Arbeitsstätte Wohnung zu finden. Die Deutschnationalen veranstalteten gestern abend eine Art Abschiedsfeier zu Ehren der gestürzten Minister Kahr und Roll). Der Redner stellte die Forderung auf. Kahr müsse zurückkehren und wenn man ihn kniefällig darum bitten müßte. Versage s-tzt Bayern, so würde Preußen der Weg nach rechts sehr erfchwen. Die Versammlung gelobte in einer Entschließung Herrn v. Kahr unwandelbare Treue und ließ ihn hoch leben. Ter Landtag verlangt Anfschluh. München, 16. September.(MTB.) Im Ständigen Land» lcgoausschuß des bayerischen Landlages wurde heule ein Antrag Dirr(Dem.) von allen Parteien einstimmig angenommen, der von der bayerischen Regierung verlangt, daß sie dem bayerischen Parlamente über die im Ueberwachnngsausschüsse d« Reichslage, gestern gegen den bayerischen Mnisler Dr. Roth und den Münchener PofizeiprSsidenteu Poehner erhobenen Auschuldignngcu Aaffchlufi gebe. ZeitnngSverbot. Das Ministerium des Innern hat das Nation als ozialistisck Organ, den„V ö l k i s ch e n B e o b a ch t e r", verboten. Wir empfehlen diese Notiz der„Deutschen Tageszeitung" zm. Studium, meint sie doch in ihrer heutigen Morgennummer, d! Nationalsozialisten seien keine Deutschnationalen.„Völkische Beobachter" sind doch deutschnationale Helden; in München nennen sie sich nur etwas anders. Waffenbeschlagnahme in Sreslau. Nach einer Meldung unseres Breslau er Parteibtaktes stud sechs Lastauiomobile mit Dassen und Munition beschlagnahmt worden« ebenso ein Personcwmto, in dem der Stab dieser Kolonne sich be, fand. Sämtliche beteiligte» Personen sind verhaftet worden. gart Kongresse ab und gründet«mchrvposophische Fbrsihmngsinstitvt« und schafft im Goethoarann zu Dernbach ein Haus der Weisheit. Aus diesem dunklen Mann ist ein Geist entsprungen, der die Masse bürgerlicher Sehnsucht packt. Für den Außenstehenden, nicht Hin- gerissenen kehrt sich allerdings der Gang der Dinge um. Nicht Steiner macht Epoche— sondern die Epoche Steiner. Der Weltkrieg war höchste Auswirkung und Symbol des Unter» ganges einer Zeit reiner verstandesmätziger Lebensführung. Er ist zu Ende, und die Gefchicht« fordert heute vom Menschenge-rst ihr Recht:— das Recht auf Äsitfthefe(den Gegensatz). Die Jugend hat den Kampf gegen alten Jntellektuak-mms aus chr Banner ge- schrieben— und das Alter folgt ihr langsam nach. SWmer will eine Brücke schlagen zwischen alter Wissenschaft und neuer Wissen« schaft, die.zur Mystik führt. Vielleicht est diese Mittlerste llnng daS Geheimnis von Steiners Glück. Der Erfolg ist da. Mit dieser Be, deutring haben die speziellen Ansichten Steiners über höhere Seelen, tätigkeit und ihre Uebnng. welche schließlich zur Erkenntnis über« sinnlicher Welten führen fall« nichts zu tu«. Das einzelne Wort ist nichts— die Stimmung, die über dem Ganzer liegt, ist alles. Diese rem kulturhistorische Bedeutung der Stimmung, welch« gewisse Ge- fellschoftsschichten unserer Epoche charokterifiert, macht es nötig, dem- nächst an Hand von Steiners Büchern genauer und kritisch auf die cmthropofophifchen Lehren einzugehen. Dr. V. E. Lesfing-Thealer:„Die Spielereien einer Laiserfa". Die Theater machen es sich leicht: nicht der literarische oder sonstige Gehalt eines Dramas ist mehr für eine Aufführung entscheidend, man sieht daraus, ob ein paar zugkräftige Rollen für die Stars darin sind, die man gerade hat oder für diesen Zweck engagiert. Ob in dem großen Kolportagestück aus dem Leben Katharinas das Dauthendey, Lyriker und Aesthet im Hauptberuf, filmend dichtete, diese Voraus- setzungen vorhanden sind? Tilla D u r i« u x, die seitdem mit der Vorlag« für ihre Künste gastiert, ist offenbar der Ansicht. Dauthendey zeigt bunte Bilder ohne Zusammenhang(trotz psycho- logischer Bemühungen). Start ist alles Brutale und Barbarische des Rußlands Peters ch herausgearbeitet. Das Ztind aus dem Volke, dessen tragisch angestrichene Liebesgeschichte— vom Soldatenweibchen zur Geliebten des Fürsten Menschikow und dann zur Kaiserin— der Verfasserin große Momente gibt, mag die Durieux immer noch reizen. Sie ist prachtvoll draufgängerisch, sie hat Krallen und Zähne und scheut keine Derbheit. Aber ihre Leidenschast(zp lieben und zu herrschen) reißt uns nicht mit, und ihre Tragik läßt uns kalt. In der gnßen Sterbeszene, die sie noch einmal mit dem nie vergessenen Tllenschikow vereint, entfaltet sie allen Prunk großer Könnerschaft. S t« i n r ü ck gibt den Menschikow, diese Mischung von Rohelt und Veifchlagenheit, den Schmerzen über den Verlust Katharinas leiht er den Ausdruck des verbissenen Ingrimms. S. M. den Zaren stellt Friedrich U l m e r mit erfrischender Urwüchssgkeit hin. Spielereien eines Dichters— Spielereien zu größerem berufener Künstler...— r. Die Herbstausstellung der Berliner Zlezessta»(Bräftdent Looi» Eorwth). die der Malerei und Plastik gewidmet ist, wird Ende Oktober ersjjn«. GroKGerMl Großmann weiter geftänöig. Ein dritter ZNädchenmord.— Verhaftung der Alurnachbarin. Nach unausgesetztem Leugnen sah sich der Lustmörder Groß- mann gestern veranlaßt, im Laufe des Verhörs, das gestern abend die Kriminalkommissare Dr. Riemann und Warneburg mit ihm anstellten, ein weiteres Geständnis abzulegen. Hiernach kennt er sein drittes Opfer selbst nicht. Er lernte das Mädchen, wie er angibt, auf einem Rummelplatz kennen. Es nannte sich mit Vornamen„Martha", war etwa 24 Jahre alt, ziemlich klein von Statur, ungefähr 1,55 Meter, ober ziemlich stark gebaut. Wie es ihm erzählte habe, sei es in Schlesien zu Hause gewesen. Diese Martha war schon mehrmals bei Grohmann ge- wssen. Nach einigen Tagen trafen sich dann beide auf Vcr- abredung am Andreasplatz. Die letzte Nacht, in der das Ver- brechen passierte, erwachte Großmann nach feiner Darstellung um 5 Uhr früh. Als er dann mit ihr verkehren wollte, habe sie sich geweigert. Darüber fei er so wütend geworden, daß er nach irgend- einem Gegenstand, welchen will er jetzt selbst nicht mehr wissen, gegriffen und damit auf den Kops des Mädchens eingeschlagen habe. Dieses sei dann mit dem Kopf aus dem Vctt gefallen und auf dem Fußboden habe sich eine große Blutlache gebildet. Er Habs nun, nachdem er am Puls festgestellt habe, daß sie tot gewesen gewesen sei, den Kopf wieder zurückgelegt und dann neben der Leiche noch bis 8 Uhr morgens geschlafen. Um diese Zeit habe es an der Tür geklopft. Es war, wie Großmann richtig oermutete, seine Flurnach- barin, Frau Itzig. Er will schnell geöffnet und sich dann wieder neben der Leiche ins Bett gelegt, diese aber zugedeckt. Die Frau fei dann an sein Bett getreten, habe die Decke hoch- oehoben und dabei gesehen, daß der Kopf im Blute schwamm. Als sie ihm gesagt habe, das Mädchen sei doch tot, habe er geantwortet: „Das ist wohl möglich!" Nun habe Frau Itzig gesagt:„Rücke so- fort mit 50 Ml. heraus, sonst zeige ich dich an!" Das habe er dann auch getan und Frau Itzig fei gegangen. Er habe bann das Blut aufgewischt, die Leiche aber im Bett siegen gelassen und sei bis zum Nachmittag spazierea gegangen. Als er dann nach Hause gekommen sei. habe er sich an die Zer- 'stückelung der Leiche gemacht. Di» zerstückelten Teile habe er in den Luisenstädtischen Kanal geworfen, dabei aber die Eingeweide vergessen, und sei erst nach einigen Tagen durch einen starken Ver- wesungsgeruch daran erinnert worden. Er habe dann die Ein» gsweideteile durch die Klosettspülung beseitigt. Seine Aussagen be- züglich des Kopfes, den er seinem unglücklichen Opfer abgeschnitten hat, sind unklar, denn es befinden sich im Schauhause ein Kopf und andere Leichenteile, die vielleicht mit diesem Morde nicht in Verbindung stehen, sondern von einem noch weiter aufzuklärenden Verbrechen Großmanns herrühren. Der Ermordung der Schubert ist er jetzt ebenfalls so gut wie überführt. Es haben sich Zeugen gemeßteh die ihn mit Paketen auf dem Potsdamer Platz gesehen haben. Von dort ist er jedenfalls nach dem Grunewald gefahren, um bei Nikolassee die Leichenteile zu vergraben. Die verhostete Frau des Händlers Itzig war von vornherein der Mitwisserschaft verdächtig. Die Tür ihrer Wohnung ist von der Großmanns nur 1% Meter entfernt. Sie hat außerdem mit Groß» mann, wie dieser angibt, wiederhast verkehrt und ging bei ihm aus und ein. Wie jetzt festgestellt worden ist, hat der Lustmörder außer zwei Strafen wegen Sittlichteitsverbrechen auch noch«ine 14jährige Zuchthausstrafe hinter sich, zu der er wegen eines Verbrechens mit tödlichem Ausgang an einem siebenjährigen Mädchen in Bayreuth oerurteilt wurd». Es ist ferner ermittelt worden, daß einer seiner �-üder ebenfalls wegen Sittlichkeitsoerbrechen im Zuchthaus sitzt, wahrend der andere in einem Jrrenhause gestorben ist. Großmann selbst aber macht durchaus nicht den Eindruck eines Geisteskranken, er paßt genau auf, daß er sich nicht etwa für noch nicht aufgeklärte Verbrechen irgendwie festlegt._ Ter Schulausflng am„Tedantag". Die im„Vorwärts"(Nr. 417) gebrachte Mitteilung, daß von der Halenseer 2. Gemeindeschule lMädchen) die Ober-O- und Obsr-M-Klnssen mit ihren Lehrerinnen Fräulein Gerlach und Rück- heim am 2. September einen Ausflug nach der Römerschanze unter- nommen hatten, hat bei dem Lehrerkollegium der genannten Schule, wie wir erfahren, Verdruß erregt. Nicht gegen die Lehrerinnen, die ausgerechnet den 2. September für den Ausflug wählten, richtet sich Entrüstung, sondern gegen den„Vorwärts" und gegen unsere an die Tatsache dieses Ausfluges geknüpften Bestachtungen. In einer danach einberufenen außerordentlichen Elternbeiratssitzung soll Rektor Zernick erklärt haben, daß die vom Provinzial- schulkolleglum ergangene Verfügung, am 1. oder 2. September weder Feiern zu veranstalten, noch auch nur Ausflüge zu machen, für die Vororte nicht gelte. Wir können zunächst noch nicht glauben, daß der Herr Rektor sich wirttich so geäußert hat. Er hat sodann, wie man uns berichtet, auch versichert, er und sein Kollegium seien doch gar nicht reaktionär und das Kollegium habe stets einträchtig mit dem Elternbeirat gearbeitet. Elternbeiratsmitglieder antwor- teten ihm mit der Erinnerung daran, daß tatsächlich(wie im„Vor- wärts" gesagt worden war) das Lehrerkollegium den sozialisti- schen Elternbeiräten wiederholt Anlaß zum Ein- greifen gegeben hat. Ein solches fei z. B. nötig gewesen, damit Kaiserbüsten entfernt wurden, der Gesang sogenannter natio- naler Lieder unterblieb usw. Auch darauf wurde hingewiesen, daß beim Kapp-Putsch die Einwohnerwehr mit ihrer Munition im Schul- hause geduldet und dabei sogar der Unterricht zunächst weiter erteilt wurde. Schließlich wurde festgestellt, daß sogar jftzt auf den Korn- boren, Im Zeichensaal und in der Turnhalle noch Kaiser- und Feld- herrnbilder hängen. Wir wiederholen unsere Frage: Was sagt die Schulbehörde zu dem Verhalten der Lehrerin- nen und des Schulleiters? Die verschwundenen �ranzosenfahnen. Ms sogenannten„Schmuck"(im bekannten christlichen Sinne) wies die Potsdamer Garnisonkirche eine Anzahl fran- zösischer Adler und Standarten aus aus den Kämpfen der napoleoni- »scheu Zeit und der Jahre 1870 und 71. Diese' Feldzeichen mußten nach dem Friedensoerstag an Frankreich zurückgegeben wer- den. Die französischen Trophäen wurden in Potsdam in Blech- listen verpackt und nach Berlin geschickt. Bei der Oeffnung der Kisten stellte sich heraus, daß sie leer waren. Ueber das Ver- schwinden und den Verbleib der Fahnen sind jetzt vor dem zuständi- gen Richter umfangreiche Vernehmungen am Potsdamer Amtsge- richt im Dange. Eine Aufklärung ist bisher nicht möglich gewesen. Der Versand erfolgte im Januar 1919. Da kaum jemand Interesse an den allen Lappen haben dürfte, als die Potsdamer militaristische Clique, so bleibt nur wieder die Er- klärung übrig, daß diese Kreise ihre Hand hier im Spiele hatten, um wegen einer Wagenladung voll alten Gerumpels dem Lande nur ja keinen Konflikt zu ersparen._ Unser Wahlkampf. 3n der Versammlung des 20. Verwaltungsbezirks(Reinicken- darf) teille der stellvertretende Bezirksbürgermeister Selke auf eine Anfrage mit, daß das Bezirksamt damit umgehe, ein P r e s s e d e- z e r n a t zu errichten, damit die Bewohner des Bezirks nicht ge- zwungen seien, die örtlichen„unparteiischen" aber versteckt man- archistische Propaganda treibenden Blättchen der amtlichen Bekannt- machungen wegen zu lesen. Gegen eines dieser Blöttchen sei vom Bezirksamt Sstafanstag wegen Aufreizung zu Gewalttätigkeiten gestellt. Merkwürdig warm schlug.das Herz der Bürgerlichen für, das Recht der Gemeindearbeiter auf Auszahlung de» Lohn- 1 a us f alles bei Schließung der Betriebe am 31. August. Die Feierstunde müsse den Arbeitern bezahlt werden. Der Anspruch auf Auszahlung des vollen Lohnes wurde von niemandem bestritten. Aber diese„Verschleuderung der Gelder der Stadtgemeinde" veran- laßte die bürgerliche Fraktion zur Beantragung eines Mißstauens- Votums gegen das Bezirksamt. Der Antrag wurde aegen die Stim- men der Rechten abgelehnt. Ein Antrag auf Zulassung von Ver- tretern der Arbeiter, Beamten und Angestellten zu den Deputations. sitzungen wurde gegen die bürgerlichen Stimmen angenommen. An- träge auf Auszahlung der vollen Lohn'beihilfe bei verkürzter Arbeitszeit und ein Antrag des Bezirksamtes über. Ver- fürzung der Arbeitszeit nur eines Teiles der Gemeindearbeiter des Bezirkes wurde gegen die Stimmen der Bürgerlichen, der letzte Punkt bei Stimmenthaltung der Bürgerlichen angenommen. Eine Sympakhieknndgebnng für Deulschböhmen fand am Diens- tagabend im Stadthaus statt. Die Versammlung war vom 5)llfsverein für Deutschböhmen und die Subctenländer E. N. einberufen worden. Redner aller Parteien sprachen, darunter I o k l vom Deutschen sozialdemokratischen Verband Sudetenland. Jokl bedauerte u. a. in seinen Ausführungen, daß das, was Bebel schon so schmerzlich vermißte, nämlich die Vereinigung aller Deutschen in einer Staatenrepublik, noch nicht zur Tatsache geworden und daß die Menschheit leider noch nicht zu einem wahren Frieden und Fort- schritt gekommen sei. Aber die Stunde hierfür werde kommen. Heute müsse noch eine Zahl von 3% Millionen Deutsche in der Tschechoslowakei wohnen. Zur Zeit des Umsturzes glaubten die deutschen Industriellen und Agrarier ihre Profite und Interessen in der Tschechoslowakei am besten gewahrt, die dortige Regicrungs- volitik habe es aber so weit gebracht, daß sie sich heute aus diesem Staate heraus wünschen.— Am Schluß der Versammlung wurde eine Entschließung angenommen, in der Einspruch gegen die Der- letzung der Mindcrheitsschiitzbcstimmungen durch die Tschechen, gegen die Auflösung deutscher Schulen und die Enteignung deutschen Bodens erhoben sowie Verhinderung neuer Bluttaten gefordert, ferner den Deutschen in der Tschechoflowakci die Sympathie im Kampfe um die Erhaltung ihrer deutschen Kultur ausgesprochen wird. Zeugen gesucht. Herren, die am 26. Marz 1921 vormittags die Linie 31 der Straßenbahn in der Richtung Alexanderplatz nach dem Gartenplatz benutzt und gesehen haben, wie ein Herr von der Vorderplattform herunterfiel, werden gebeten, ihre Adresse an Carl Kassubek, Niederschönhausen, Platonensst. 1, gelangen zu lassen. Kosten werden vergütet. Zimmer für Abgeordnete gesucht. Die Sozialdemokrattsche Fraktion des Preußischen Landtages sucht für eine Reihe von Ab- geordneten zum Beginn der Tagungen(28. September) Zimmer. Angebote mit Preisangabe sind an das Sekretariat der Sozialdemo- statischen Fraktion, Berlin SW., Pvinz-Albrccht-Sst. 5, Preußischer Landtag, zu richten. krebse im Eugelbeckea. Beim Fischen nach Leichenteilen im Engelbecken und dem angrenzenden Luisenstädtischen Kanal aus An- laß der Frauenmorde sind durch Ausbaggern des Schlammes eine große Anzahl hier nie vermuteter Krebse zum Vorschein gekommen. Hunderte umstehen die abgesuchten Wasserssteckcn und freuen sich, wenn sie ein paar Krebse ergattern können. Für die Rückreise oberschlesischer Flüchtlinge in ihre Heimat war bisher das Visum des französischen Generalkonsulats in Breslau er- forderlich. Diese Verordnung ist nunmehr aufgehoben und dadurch eine Erleichterung für die Rückführung erreicht worden. .Volk und Zeil", unsere illustrierte Wochenschrift, liegt der heutigen Postauflage bei. Wetter für morgen. verlst» und Umgegend. Ziemlich kahl, zeitweise hell«, jedoch öder- wiegend bcwöltt bei langsamem Abnehmen nordwestllcher Winde. Keine erheblichen Niederschläge.__ Zilmsthau. Der Tträfling von Cayenne betitelt sich der neue Fllm des Marmor.' chaufes. den F. Carlscn nach einem Roman von Hugos(?) versatzt hat und der daS Problem abhandelt, ob und wie aus einem Verbrecher nocd einmal ein brauchbarer Mensch werden kann. Die Antwort laustt:»Durch die Güte und Liebe eines verstehenden und verzeihenden Menschen.» Die Regie unter Leo LaSko hat cS verstanden, den ichwierigen Stost filmgerecht zu machen und eine packende und spannende Bilderfolg« auszubauen. Friedrich Zelnik, Julius Falkenstew. Heinrich Peer, Albert Steinrück, Emmg Slnrm. tzerma van Delden und die kleine Loni Nest gaben ihr Bestes. Tie Photographie von Willi Goldberger war ausgezeichnet. Groß-Serliner Parteinachrichten«, heule, Freitag, den IS. September: 12. Rtci«, Steglitz. Arbeitsgemeinschast sozialistischer EUernbeirä!« l Die für heuie » abend angcscgle Sitzung findet niorgen, Sonnabend. 17. Sept., abend» 7*/, Uhr, im Gymnasium Hcesestrasje in Steglitz statt. Pünktliche» Crschemen Pfilcht. 1 5. Generalversammlung öer Metallarbeiter (Schluß aus der Morgenausgabe.) Die zweite Rednergarnitur. Die USP.- und die KPD.-Fraktionen brachten, wie gestern die SPD., längere Entschließungen ein, in denen ihr grundsätz- licher Standpunkt zum Ausdruck kommt. Die Resolution der USP. unterscheidet sich gegenüber ihrer Re- solution auf dem letzten Verbandstazc sehr stark. Sie ist sehr all- gemein und sehr gemäßigt gehalten. In der Frage der Stellung zu den Kommunisten stellt sie stch hinter den Vorstand. Die Resolution der KPD. ist klarer und entschiedener. Sie spricht die Sprache der Resolution Dißmann auf dem letzten Der- bandstage in Stuttgart und will, daß die Generalversammlung sich aufs neue zu den Grundsätzen der letzten Generalversammkung be- kennt. Sie fordert den Austritt aus dem Eisen-Wirtschaftsbund und verlangt, daß die Organisation stch für den rücksichtslosen Klassenkampf einsetzt. Die Debatte eröffnete Kummer- Offenbach(SPD.), der be- tonte, der Weg von Stuttgart nach Jena sei ein sehr lehrreicher. Das Schlußstück hier wäre ein erfreuliches. Das beeinttächtige auch nicht, wenn es hier scharfe Auseinandersetzungen gäbe. Die Einsicht ist auf allen Seiten gewachsen. Dies läßt uns vertrauensvoll in die Zukunft schauen. Wir freuen uns, daß Dißmann sagte: Die Zeit ist wiedergekommen, wo wir olle ein gemeinsames Parteibuch iu der Tasche haben. Wir von der SPD. waren immer der Meinung, daß die verschiedenen Parteibücher sehr überflüssig waren.(Lebhaftes Sehr richtig!) Auf das Bild, das Dißmann gab, fallen einige Schatten. Bei der Delegiertenwahl wurde in einem Flugblatt der USP. in Dresden von den Rcchtssozialisten als den„klassischen Vertretern reformistischer Fragen, die den Ausstieg der Arbeiterschaft hindern", gesprochen. Und Dißmann forderte in Leipzig größte Aktivität gegen alle Gegner, Kommunisten und Rechts- f o z i a l i st e n. Hätte Dißmann in Stuttgart einen Teil der Ein- ficht gezeigt, wie heute, dann wäre uns viel erspart geblieben. Ich babe schon in Stuttgart gesagt, demokratische Pflicht ist nicht, den Massen zu schmeicheln, sondern ihnen die Wahrheit zu sagen. Heute muß man die Richtigkeit dieses Satzes zuaeben, die Vernunft muß aber in kommunistischen Kreisen wachsen. Die russischen Verhältnisse müssen auch bei ihnen Einsicht bringen. Es ist nicht wahr, wie Walcher sagte, daß weite Schichten der Arbeiter den Glauben an die Gewerkschaften verloren haben. Der Metallarbeiterverband ist der lebendige Beweis dafür, daß stch in der Arbeiterschaft eine große Vegeisterung für die Gewerkschaften gezeigt hat. Sehen Sie unsere Mitgliederzahl anl Und diese Stei- gcrung trotz des kommunistischen Zellenbaues. Pessimismus über die Gewerkschaften ist daher nicht berechtigt. Wir haben in dem letzten Jahre eine Weltrevolution des Geistes gehabt. Das ist die einzige Weltrevolution, die wir hatten. Die Berkünder der Weltrevolution sind sehr ruhig geworden. Selbst Lenin hat jetzt darüber eine andere Meinung. Wir sehen in den Fabriken einen gewaltigen Umschlags des Geistes. Die Arbeiter find nicht mehr so unterwürfig wie früher, sondern vertreten aufrichtig und mann- hast ihre Anschauungen und Forderungen. Auf diesen neuen Geist in den Werkstätten können die alten Gewerkschaftler stolz sein. Er wird gestützt durch das Betriebsrätegesetz. Vielleicht würde die Ein- stcht bei den Kommunisten ebenso schnell erwachen, wie bei der USP., wenn wir sie an die Leitung eines Verbandes stellten. Bei un- serem Verband geht es allerdings nicht, da wäre es zu kostspielig. (Sehr richtig! und große Heiterkeit.— Zuruf: Bei den Kupfer- schmieden!) Wenn wir ihnen die Leitung bei den Kupferschmieden geben wurden, wären diese in drei Monaten alle zu uns über- getreten.(Lebhafte Zustimmung,) Die Kommunisten würden, wenn man sie an die Leitung stellte, schnell sehen, wie schwer es ist, es besser zu machen. Das Schriftwesen des Verbandes muß auf die höchste Stufe gebracht werden. Wir beantragen, daß sämtliche Zeit- schriften des Verbandes unter eine einheitliche Leitung gestellt wer- den und zwar unter die der Redaktion der„Metallarbeiter-Zoitung". Von der kommunistischen Fraktion verlangen wir, daß sie ohne Umschweife erklärt, wie sie sich zu den gewerkschaft- lichen Richtlinien ihres Parteitages stellt. Im beiderseitigen Interesse ist eine klare, unzweideutige Erklärung un- erläßlich. Rech der Rede Dißmanns ist nichts mehr zu sehen, was der innigen Zusammenarbeit der beiden Richtungen im Verband im Wege stünde. Das läßt mich hoffen und wünschen, daß auf die jetzige lärmende Auseinandersetzung ein besseres Verhältnis folgt, das der erste praktische Schritt auf dem Wege zur vollständigen Einigung sein sollte. Ich glaube, daß wir damit der Mctallarbeiterschaft, ja der ganzen Arbeiterbewegung einen Dienst von geschichtlicher Größe er- weisen.(Stürmischer Beifall.) Oegginghaus- Lüdenscheid(USP.): Sie müssen unsere Ge- fühle und unser Vorgehen in. Stuttgart verstehen lernen. Wir fühlten uns während des Krieges oerlassen und verraten und haben deshalb gehaßt. Heute Haffen wir nicht mehr, wir sind bereit, zu vergessen und zu vergeben.(Große Heiterkeit.) Wir haben uns genähert, weil unsere Ideen auch bei Euch(nach rechts) Anklang gefunden haben.(Zuruf: Umgekehrt ist es!) Die größte Tat Schlickes war es, als er das Schicksal des Verbandes über leine Person stellte. Die Regierungsparteien könneg mit unserer Verbendsregierung zufrieden sein; wir sind ja nicht � allein Regierungspartei, sondern auch die SPD., unsere Fraktion, ist mit dem Wirken des Vorstandes einverstanden. Es muß aber mehr zur Schaffung von Bezirkswirtschaftsräten und von Jndustrieverbändon getan werden. Unsere kommunistischen Freunde wollen Massenaktionen. Wenn diese gemacht werden müssen vom Borstand oder sonstwem, dann steht es schlimm um die Massenaktionen. Ich glaube, es trennt uns auch nicht viel von den kommunistischen Kol- legen. Rur der Begriff über Massen und Führer. Man sollte nicht Zimmer sagen,„die Massen sind gut, nur die Führer sind Per- räter". Die Tatsachen geben ein anderes Bild. Es gehört ein qrö- ßerer Mut dazu,„Stopp" zu sogen, als„Auf in den Kampf". Red- ner begründet die Resolutton seiner Fraktion. Für die KPD. spracht als zweiter Redner W e g m a n n- Essen» der eine lange Rede verlas und dabei nicht viel Aufmerksam- keit des Berbandstages fand. Redner erklärte, die Geschichte würde das Urteil über die Tätigkeit der Kommunisten sprechen. Diesem Urteil können sie mit Ruhe entgegensehen. Der Vorredner von der USP. habe eine Grabrede für die USP. gehalten. Die USP.-Fraktion habe keine ttaren gewerkschaftlichen Richtlinien. In der Resolution Haas werde der grundsätzliche Standpunkt der SPD. verschleiert. Dißmann habe drei Stunden lang eine Kommunistenhetze gehalten. Können Sie dies oerantworten angesichts der schwierigen Lage, in der sich das Proletariat befindet? Wir werden dem Proletariat sagen, was die Glocken geschlagen haben.(Beifall bei den Kommunisten!) Der Verbandstag vertagte sich hierauf. Nachmittags fand ein Ausflug statt. OewerGhostsbeVegung Die Lohnbewegung im Gasiwirtsgewerbe. Bei der augenblicklich auf einem toten Punkt angelangten Lohnbewegung im Gast wirtsgewerbe handelt es sich in erster Linie um die Lösung grundsätzlicher Fragen. Das Bedienungspersonal erhielt bisher feste Wochsnlöhne in Höhe von 105 M.(Bierrestaurants) bis 350 M.(Hotel- und Weinrestou- rants), zu denen Ujn fatzvergütungen von 3 P r a z. bzw. 2 P r o z. traten. Unter diesem System hatte sich besonders m Luxusgcschäften das Trinkgeld wieder eingeschlichen. Die Arbeitnehmerorganisationen fordern jetzt in erster Linie die radikale Beseitigung des Trinkgeldes und find hier- bei zu weitgehenden Sttafbestimmungen bereit. Im übrigen ver» langen sie die Beseitigung jeder Prozententlohnung und dafür ausreichende Barlöhne, die für Restaurant- kellner 500 M., für Kellner in Hotels und Luxusbetrieben 750 M. betragen sollen. Die Unternehmer haben— entgegen ihren Per- öffcntlichungen in der Presse— für die Zukunft jeae feste Eni- lohnung oder Umsatzbeteiligung abyeleynt und das Bcdiennungsperscnal lediglich auf ein vom Gaste zu er» hebendes Trinkgeld angewiesen, das unter der Bezeichnung „Bediennungsgeld" in Höhe von 15 bzw. 10 Proz. des Rechnungs- betrages gezahlt werden soll. Daß die Unternehmer diese Trink- geldcinnahmcn in Höhe von 750 M. monatlich(für Garderodenfrnuen), bis zu 1500 M.(für Oberkellner in Weinrestaurants) garantieren wollen, ist ebenso ungenügend wie nebensächlich. In der Hoffnung, das fest zusammengeschlossene Personal spotten zu können, hoben die Arbeitgeberarganisationen dem Küchen- und Hilfspersonal aller- dings Lohnerhöhungen zugebilligt. Ob diese aber in allen Fällen „beträchtlich", sind, mag man daran erkennen, daß sie für jugendliches Hilfspcrsanal und Gemüsefrauen 5 M., für Maschincnmädchen, Ge- schirrwäichcrinncn und Reinmachefrauen 10 M. und für Wäsche- rinnen 15 M. wöchentlich betragen sollen. Diese Aufbesserungen und damit auch die Spaltungsversuche wurden in der gestrigen General- Versammlung des Zentraloerbandes der Hotel-, Restaurant- und Ccfc-Angestellten ein st immig zurückgewiesen und stärk- ten sichtlich den Kampfwillen der Vertreter der Arbeitnehmerschaft. Die tohnverhandlungeu in der Solinger Metallindustrie haben nach der TU., bezüglich der Fabrikarbeiter, zu einem Ab- schluß geführt. Die von den Arbeitgebern und Arbeitnehmern ein- geletzte Verhandlungakcmmission hat die nach dem Kollektivvertrag bestehenden Teuerungszuschläge um weitere 100 bis 2 5 0 Proz. erhöht, so daß die gesamten Teuerungszuschläge auf die Grundlöhne 100» bis 1500 Proz. betragen. Dadurch ist ein Ausgleich zwischen den Akkordarbeitern und den nach Stunden ent- lohnten Arbeitern geschaffen. Die Vereinbarungen dürsten wahr- scheinlich die Zustimmung der beiderseitigen Organisationen finden. Bezüglich der Heimarbeiter werden die Verhandlungen fort- gesetzt. «erantwortlich für den red alt. Teil:«ittoe Schiff, Berlin: filr Anzeigen: ». Glocke. Berlin,«erlag:«orwSrtS-Berlag®. m. 6. v.. Berlin,«rnck: v»r» »vtS-Bnchdruckeret h. verlagtemft-U v-ui&aaet«. Berlla. Sucdenttr.». &iniiner — so auch in dieser Safsc •' so auch in dieser Saison j-«sind unsere a 'Anget)otel "»anuberfrolfep.' tW-H---- n t VtTT,', ri'iuit'�TTTpr;' Oamenhüte l HSTiq O'm-L0™ 57.- BÄd moderne Form KinderhQte fesche Neuheiten Elegante Sammet- u. Cylinderformen In enorm großer Auswahl TrauerhOte sehr preiswert Lioon-Forinen I Hut- Garnituren f. d. verwShntest Geschmack| Reiher, Holzperlketten, Bänder usw. 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