Nr.»39»ZS. Jahrgang Ausgabe A Nr. 222 Bezugspreis, DierttliUhrl..'!».— M.. monail. Il>� M, frei ins dcius. voraus zahlbar. Post» bezug: Monatlich Ist.- M. einschl. gu» slrllunasgcdühr. Unter Kreuzband für Deutschland.. Dan�ig. ba» Saar- und Memelflediet. sowie die ehemals deut- schon Debiete Polens. Oesterreichs Ungarn und Luxemburg 20.- SU für das übrige Ausland 27,— M. Soft» bestellungen nehmen an Oesterreich, Ungprn, Tschecho» Slowakei. Däne» mar�' Holland, Luremburg, Schweden und die Schweiz. Dar»Borwärts� mit der Sonntags» dellage.Volt und■seit", der Unter» Hallungsbeilage„Heimwelt" und der Beilage„Siedlung und Kleingarten" erscheint wochentoglich zweimal. Sonn» tags und Montags einmal, Telegramm-Adresse: »SejialOemofcal Bettln* Morgen Ausgabe c droB- Berlin 39 Pf. euswSrts 40 Pfennfj D V t Devlinev Volksblatt Anzeigenpreis: Die achtgespavene Nonpareillezeil» kostet 6,— M. �kleine Anzet�en- das iettgedruckte Wort l— Si.(zu» liisstg zwei fettgddruaie Worte), jede, weitere Wort I.— M. Stellengesuche und Echlasstellenanzeigen das erste Wort 1,— SI., jede» weitere Bort SO Psg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte, ssamiljen-?»- »eigen für Abonnenten steile Zchv M. Die Preise verstehen sich«inschlieHiich Teuerungszuschlag. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis s Ahr nachmittag» im Hauptgeschäft, Berlin SW 08. Linden- straste 8, abgegeben werden. Geöffnet von S Uhr srüh bi» 5 Uhr abend». Zentralorgan der rozialdemokratifchen parte» Deutfcblands Neöaktion und Expedition: Sw öS, Lindenstr.Z '?.-»ri,knr-i-l,-»r» Redaktion Motihpla«, lüluS-»7 hheriisprrllirr.(x-xp�dition Moripplat» II7äa-!;t Sonnabend, den 17* September 19�1 vorwärts-veriag G.m.b.H., SW bS, Lindenstr. Z Ä-arnknuaei,«»»-» Verlag. Expedition und Inseraten» � er. yrt», er' Moriuplatf 117 r,.?-!-., Em danaergejchenk. Vorgestern wußte dk„Dossische Zeitung" zu melden, daß Industrie und Banken für das Reich eine Goldanleihe von mehrer e.n Milliarden aufbringen wollten, um damit die nächsten Reparationszahlungen zu ermöglichen. Wir wiesen von vornherein darauf hin, daß wir eine gesetzliche R e g e l u n g für notwendig halten, die, wie immer sie gedacht sei, zwangsläufig in der von uns vorgeschlagenen Erfassung der Goldwerte durch Beteiligung des Reiches an den Pro- duktionsmitteln gipfeln muß. Dabei äußerten wir auch Zwei- fel, ob es der Industrie überhaupt möglich sei, mehrere Mil- liarden Gold auf dein Wege einer freiwilligen Hilfs- a k t i o n aufzubringen. Bekräftigt werden jetzt unsere Zwei- fel durch eine Kundgebung des Reichsverbandes der deutschen Industrie, in der dieser versichert, man rechne nur mit der Möglichkeit, ein bis eineinhalb Milliarden Goldmark zu beschaffen. Angesichts der Tatsache, daß für die Reparationszahlungen allein bis zur Mitte nächsten Jahres etwa 11/2 Milliarden Gold notwendig find, schrumpft das ursprüngliche Angebot der Industrie er- heblich zusammen. Tatsächlich war der Betrag, mit dem man innerhalb der Unternchmcrverbände in den ersten Vorschlägen gerechnet hat, erheblich höher. Es muß nun befremdend wir- ken, wenn in so kurzer Zeit die„Hilfeleistung" derartig zurück- geschraubt wird. Neuerdings wird betont, daß es noch keineswegs fest st ehe, wieviel Goldmark dem Reich durch die Hilfsaktion der Industrie verschafft werden könnten. Man wird sich also auch darauf- gefaßt machen müssen, daß vielleicht die endgültigen Vorschläge noch unter den letzten bleiben werden. Der Vorschlag der Unternehmerverbände wäre nicht von solcher Bedeutung, hätten nicht die beteiligten Kreise daran weitgehende politische Forderung en geknüpft. Der Reichsverband der deutschen Industrie verlangt eine E r- Weiterung der jetzigen Regier ungskoali- tion nach rechts; ferner fordert man Rücksichtnahme bei den Steuern auf Industrie, Handel und Landwirt- schaft, und schließlich trat schon bei den ersten Verhandlungen deutlich die Absicht hervor, die Sozialdemokratie von ihrer Forderung auf Erfassung der Goldwerte durch die Beteiligung des Reiches am Produktionskapital abzubringen. Wenn man-viel verlangt, so muß man auch viel bieten. Bis jetzt bleibt von dem ganzen Angebot nichts als eine an sich erfreuliche Kundgebung der Untcrnehmerverbände, durch die unmittelbare leibweise Beschaffung von Gold- devisen die Erfüllung des Reparationsabkommens zu erleich- tern. Alles andere ist derart unklar, daß keine verantwortliche Partei es übernehmen könnte, auf Grund solcher Zusagen politische Zugeständnisse zu machen. Wenn die Erfassung der Goldwerte, so wie wir sie verlangen, nichts anderes für sich hätte, als daß sie sich zu einigermaßen greifbaren Plä- n e n verdichtet hat, so dürfte sie schon deshalb nicht aufgegeben werden zugunsten von freiwilligen Angeboten, die innerhalb einesTages aufdie Hälfte und weni- ger zurückgehen. Aber noch mehr. In dem Vorschlag der Devisenaufbringung sind viele Fragen vorläufig noch offen gelassen. Hierzu gehört vor allem die Frage, wie die vom Reich genommene Goldanleihe durch Steuern gedeckt werden soll. Die bisherigen Beratungen des vorläufigen Rdchswirtschaftsrats haben gezeigt, daß eine weitergehende Belastung des Besitzes auf der Unternehmerseite entschieden abgelehnt wird. Daß die Verbrauchssteuern aber nicht mehr erhöht werden können, haben wir wiederholt dargetan. Wie man sich die Lösung denkt, weiß kein Mensch, nur wie man sie sich nicht denkt. Schon diese Unklarheiten zwingen dazu, dem Angebot der Unternehmcrverbände mit Vo r b e h a l t entgegenzu- trercn. Wir würden es mit Freuden begrüßen, wenn die Induitrie, der Handel und die Landwirtschaft ernsthaft den Versuch machen würden, ihre staatsbürgerliche Pflicht durch ein großzügiges, freiwilliges Entgegenkommen abzu- lösen. Großzügig war bisher die pomphafte Ankündigung der Hilfsaktion: darüber hinaus ist ölfenUich nock) nicht einmal einwandfrei bekannt, ob man nicht, wie bei allen bisherigen Besitzsteueroorlagsn, hinter dem Entgegenkommen der beteilig- ten Kreise ein g u t e s p 0 l i t i s ch e s und— finanziel- l e s Geschäft vermuten muß. Die Sozialdemokratie hat keine Veranlassung, von ihrer grundsätzlichm- Forderung auf Erfassung der Goldwerte auch nur um Haaresbreite abzugehen, ehe die Gegenseite durch eindeutige Fassung ibrer Vorschläge Auskunft darüber gibt, ob es sich hier um eine Hilfe sürdie Republik oder um einen der. patrio- tisch oufgcmachten Bluffs handelt, wie sie uns seit dem Kriege nur allzu geläufig geworden sind. Der Reparationsausschub des Vorl. Reichswtrtschafts» rotes trat alsdann in die Beratungen über die Entschließung Wissel!(Heranziehung der Sachwerte für die Repara» tion) ein. Da über die von den Vertretern der Industrie vorge- schlagenen Maßnahmen zur Beschaffung von Golddevisen grund- sätzlich Uebereinstimmung herrschte, wurde eine Arbeits- kommifsion beauftragt, die Einzelheiten auszuarbeiten. Neue Fufammenkunst �oucheur-Rathenau? Varls. 16. September.(ES.) Wie der„Znkransigeanl" meldet, wlrd L 0 u ch e u r wahrfcheinllch in der nächsten Woche nach wies- baden reisen, wo er mlk R a l h e n a u eine neue Begegnung haben wird. Vorbedingung für diese erneule Zusamnienkunsk ist jedoch, daß die Regierungen von verlin und Paris sich bis dahin über die R a- tifizicrung der gelroffenen Abmachungen ausgesprochen haben, was die Besprechungen erleichtern würde. Loncheur hat, wie man erfährt, einen vorlresflichen Plan in bezug auf das Ausfuhr- b u r e a u, den er Ralhenau vorzulegen gedenkt. Stimmen für Aufhebung üer Sanktionen. London. 16. September.(MTB.) Die Mitteilung der deutschen Regierung, worin die alliierten Regierungen für die ernsten wirt- schafllichen Folgen der Beibehaltung der Sanktionen nach dem 15. September verantwortlich gemacht werden, findet in der Abend- presse die größte Beachtung.„Westminster Gazette" schreibt, Deutschland habe die Reparationsbedingungen ange- nommen und führe sie durch. Die Alliierten würden Deutschland niemals die Sanktionen für einen so gering- fügigen Zweck auferlegt haben, wie er in der Mitteilung de« französischen Außenministeriums auseinandergesetzt werde. Es iei notwendig, daß man in England erfahre, bis zu welchem Maße die britische Regierung auf den Beschluß der französischen Regierung, die Sanktionen beizubehalten, eingeht und wie die Verwiiginmg einer einfachen Maßnahme der Gerechtigkeit Deutschland gegenüker verteidigt werden kann. Die Aufrechterhaltung der Sanktionen, nachdem Deutschland die Reparationsbedingungcn amnnaMM-'n hatte, hätle der deutschen Regierung ernsten Schaden zugefügt. Tctei hänge von der augenblicklichen deutschen Regierung die Tätigkeit Europas ab. Es sei von äußerster Wichtigkeit, daß die S a n k 1 1 0- oen rasch beseitigt irerden. Der belgische Minister des auswöriizen Ja spar, der von einer Besichtigungsreise in das besetzte deutsche Gebiet zurllckzskehrt ist, erklärte, daß die Antwort der Deutschen Regierung noch u n b e. st i m m t gehalten sei; es bestehe indes kein Zweifel daran, daß eine Regelung nahe bevorstehe. Jedermann müsse wünschen, daß Maßnahmen ein Ende gesetzt werde, die das ganze Wirt- schastsleben, nicht nur des Rheinlandes in seinen Beziehungen mit Deutschland, sondern auch des linken Rheinusers im Verkehre mit Belgien empfindlich stören. Ein Erfolg öer EGT. Paris, 16. September.(WTB.) Heber den Empfang einer Arbeiterabordnimg aus dem Streikgebiet von Roubaix durch B r i a n d heute nachmittag erklärte I 0 u h a u x, der Arbeiter- abardnung fei vom Ministerpräsidenten auseinandergesetzt worden, daß der heute abgehaltene Ministerrat ihn e i n st i m m i g beauf- tragt habe, mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln das Not- wendige zu tun, um eine Lösung des Konfliktes herbeizu- führen. Der Ministerpräsident erklärte, daß er diesen Entschluß des Ministerrates im Sinne einer offiziellen Ladung des Arbeitgeberverbandes aufgefaßt habe, der am Montag nachmittag zu einer Begegnung mit der Arbeiterabordnung in seinem Kabinett werde erwartet werden. » Ein französischer Ministerrat fand gestern unter dem Vorsitz von M i l l e r a n d statt. Zunächst sprach Vriand über die aus- wärtige Politik. Darauf beschäftigte sich der Ministerrat mit der Streikloge im Norden. Finanzminister D 0 u m e r berichtet« über seine Besprechungen mit Sir Robert Hörne in London. Es wurde beschlossen, den Senat und die Deputiertenkammer zu einer außerordentlichen Sitzung am 18. Oktober zu» sammenzuberusen._ das Glutopfer. ReH den letzten Feststellungen, die bis August 1921 getroffen wurden, beträgt der deutsche G esam t verlust im Weltkrieg laut„Militärwochenblatt": 1 808 545 Tote und 4 Z47 14Z Vcrwundeke. In der letzteren Zahl sind alle Verwundungen, auch die mehr- fachen derselben Person, zusammengezählt. Beide Zahlen zu» stimmen ergeben einen Gesamtverlust von 0 055 6öS. Das sind nahezu 10 Proz. der deuischen Gesamtbevölkerung. Trotz dieser er- sthütternden Ziffern erzählen noch heute die Wandergeneräle ihren staunenden Zuhörern, daß der Sieg„zum greifen nahe" gewesen sei, wenn nicht der„Dolchstoß aus der Heimat" das Heer gemeuchelt hätte. Warum sollen sie keinen Glauben finden, wo selbst ein Klaut«. Max 60 000 Deutsch« findet, die ihm Vertrauen schenkenl Gin europäischer Skandal. Don Richard Schwor tz. Auf der diesjährigen Tagung des Völkerbundes wurde der Versuch einer gewissen Macht, die friedliche Lösung der oberschlesischen und der W i l n a e r Frag» durch Gewalt zu stören,» ein europäischer Skandal genannt. Diesen beiden Skandalen reiht sich ein dritter euro- p ä i s ch e r S k a n d a l an. E» ist das Verhalten Ungarns im Burgenland. Wir geben die Ausführungen un- seres Korrespondenten in der Hoffnung wieder, daß sich die Mächte, die es in der Hand haben, Wandel zu schaffen, nicht mit papierncn Protesten und Resolutionen begnügen werden und verhindern, daß das Burgenland ein neues Oberschlesien und ein neues Wilna wird. Als Friedrichs Generalstab im Palais Wenckheim den Kriegsplan entwarf, ward er sich nur allzubald darüber klar, daß der bewaffnete Widerstand gegen den Einzug Oesterreichs nur dann Erfolg haben könne, wenn die Baranya und Fünf- kirchen schon vorher von den Iugoslaven geräumt ist, sonst könnte ja Jugoslavien erklären, es bleibe solange in Füns- kirchen, bis Ungarn das Burgenland räumt. Ungarns Re- gierungskommissar für Westungarn, Graf S i g r a y, erklärte in der Sitzung der Interalliierten Kommission in Oedenburg, daß das Burgenland nur. dann übergeben wird, wenn die stigoslavischen Truppen gleichzeitig aus Fünfkirchen und der Baranya abziehen. Gleichzeitig wurde in den Zeitungen bc- könnt, daß die ungarische Regierung eine ganze Heermacht für die Baranya mobilisierte, aber die Räumung des Burgen- landes überhaupt nicht ernstlick) betreibt. Dann wurden durch die wcißgardistischcn Pressevertreter Horthys über die Ba- ranaya schnell das Lügenmärchen aufgetischt, die jugoslavische Regierung könne mit den K 0 m m u n i st e n in der Baranya nicht fertig werden, es sei also sehr wichtig, daß Ungarn mög- lichst bald reinen Tisch mache. Dabei wissen alle Zeitungs- leser Europas, daß Jugoslavien die Kommunisten den furcht- barsten Drangsalicrungen aussetzt-, j*. Was geschah nun? Die Botschafterkonferenz nahm das Verlangen Iugoslaviens bezüglich des Räumungsaufschubes nicht zur Kenntnis. Un- garn siegte doppelt. Es besetzte Baranya und Fünfkirchen und blieb nun erst recht in Wc st ungarn! Schon am 15. August erklärte Ungarns Ministerpräsident Graf Bethlen in Eisenstadt in Westungarn:„Wir werden gezwungen sein, bei der Wahrung unserer Interesien B e r- gelt ungs maßregeln in Anwendung zu bringen!" In den letzten Wochen war in vielen öffentlichen Parlaments- sitzungen, Volksversammlungen, Kirchenpredigten, Zeitungs- artikeln, Parteikonferenzen in ganz Ungarn der Refrain: W i r geben das Burgenland nicht her, wir werden uns zur Wehr setzen und wenn olles in Trümmer gehtl" Vor den Augen der Ententeoffiziere wurden die Zivil- bataillone ausgerüstet und Offiziere in den Uniformen der un- garischcn Armee führten sie en, ganze Züge mit Munition und Maschinengewehren versehen rückten nach dem Burgen- lend ab, um mit der„Räumung" zu beginnen. H 6 j j a s und O s z t e n b u r g. die„besten" Offiziere Horthys. sind die Oberkommandieretiden der Banden, die das Burgenland besetzten. Leide sind vermöge der unzähligen Mordtaten, die sie auch gegen wehrlose Frauen begingen, durch die fürchterlichsten Quälereien, deren sie die Opfernder Räteherrschaft teilhaftig werden ließen, zu einer traurigen Weltberühmtheit gelangt. Samstag nachts besetzten sie das Gebäude der„Oedenburger Zeitung", erklärten Redakteure, Setzer und Beamte für gefangen— angeblich weil sich ein Waffenlager im Hause befinde. Das Ergebnis der Haus- durchsuchung war natürlich ein negatives. Drei Redakteure flüchteten zur Interalliierten Kommission und erst auf deren Intervention zog sich die Osztenbvrg-Bande zurück, doch ein Teil der Polizeimannschaft blieb. Sonntag nachmittag nistete sich Höjjas auf dem Oedenburger Bahnhof ein und seither ist der gesamte Zugverkebr im Burgenland unterbunden. Um Oedenburg lagert ein Ring von bewaffneten Banden Oszten- burgs, die aus ortsfremden Elementen oller Teile Ungarns bestehen: in Zivil die Mannschaft, in der Uniform des ungari- fchen Heeres die Offiziere. Jede Bande reichlich mit Geweh- ren, Revolvern, Maschinengewehren versehen, und 150— 200 Mann stark. Das erste Blutvergießen fand eine Station vor Oedenburg bei Agendorf statt. Die österreichische Gendarmerie wurde aus dem Hinterbalt beschossen. Getötet wurden auf beiden Seiten insgesamt 7 Personen. Bei Pinka- feld griff ein ungarisches Militärdetachement' feldmäßig aus» gerüstet die österreichische Gendarmrie mit Handgranaten und Maschinengewebrcn an, worauf die Gendarmen sich unter Verlusten zurückziehen mußten. Die Eisenbahnschienen zwi- schen Agendorf— Oedenburg und auf der Raberbahn nach Oedenburg sind aufgerissen. Ein englischer Offizier wurde durch ein Dum-Dum-Geschoß an der Hand verletzt. Das war die Jntrodultion. Seither haben die Mordbuben ihrer grausigen Wildheit die Zügel schießen lassen und bc- handeln sene zwei Drittel des Burgsnlandes, das in den Hän- den der Magyaren blieb, gleich einem von Feinden belagerten Land, in dem das Morden und Rauben freigegeben ist, ja aus höheren Befehl durchgeführt wird. Die Front ist jedes deutsche Dorf! Es haben die Banditen die Gegend des Neusiedler Sees überfallen. Hunderte deutscher Bauernburschen wurden ver- schleppt, Häuser demoliert, Männer und Frauen mißhandelt, Weinfässer aufgeschlagen, der Wein auf die Straße gegossen, das Vieh verschleppt. Eine Massenflucht der beut- fchen Bevölkerung hat begonnen. Die Straßen nach Wiener-Neustadt, von Ebenfurt nach Neufeld sind mit riesigen Kolonnen der Flüchtlinge voll, die in grenzenloser Erbitterung nach Waffen verlangen, um die Räuber zu verjagen. In vielen Ortschaften suchen die Banden auf Grund schwarzer Listen die Anschlußfreunde. HSjjas läßt in Ocdenburg alle Männer bis 42 Iahren, gleichgültig ob Oesterreicher oder Un- garn, für die„nationale Verteidigung" rekrutieren. Sek- t i o n s ch« f D a-v y, der von der österreichischen Regierung designiert� Ehef der Verwaltung des Burgenlandes, entging mit knapper Not dem Tode. Das ist die Lage. Das Notenspiel Entente-Ungarn-Ocster- reich ist bekannt. An Drohungen von feiten der großen und der kleinen Entente hat es nicht gefehlt. Bald hieß es, Italien werde mit eisernem Besen auskehren, bald wieder, die kleine Entente werde einen militärischen Druck ausüben. Geschehen ist bisher von keiner Seite etwas. Sollten hier Eifersüchteleien der indirekt beteiligten Regierungen eine Rolle spielen? Denn an die Stichhaltigkeit des Arguments, die Säuberungsattion im Burgenland könne einen neuen mitteleuro päi» fchen Krieg heraufbeschwören, glaubt in Wirklichkeit kein Mensch. Die Gefahr liegt auf einer ganz anderen. Es ist die Gefahr, die auch in Oberschlesien und in Wilna zutage tritt. Es ist die Gefahr, die zu einer internationalen zu werden droht: daß es keine allgemeinen Rechtsgrundsätze mehr gibt, sondern nur noch ein Recht des Stärkeren. Das aber würde die Verewigung des Krieges in Europa bedeu- ten. Ein Vertreter Englands im Völkerbund wies vor einigen Tagen darauf hin, daß Mitteleuropa ein schönes Beispiel dafür sei, wie sich der Abrüstungsgedanke allmählich doch durchsetze. Es ist richtig, Deutschland, Oesterreich und ein Teil der Rand- staaten haben abgerüstet, sie treiben offen und ehrlich eine Po- litik der friedlichen Mittel. Wie aber, wenn diese Politik — Polen und Ungarn sind warnende Beispiele dafür— dauernd von außen her durchkreuzt wird? Es wäre an der Zeit, daß der Völkerbund außer dem guten Willen der schönen Rede auch einmal rettende Taten zeigte. Wirtschaftliche Blockade. London. IS. September. Einer„Exchangemeldung" zufolge haben die Alliierten beschlossen, Ungarn zu blockieren, wenn es das Burgenland nicht sofort räumt. Wenn die Blockade er- folglos bleiben sollte, werden energische militärische Maßnahmen ergriffen werden. Verschlechterung der Lage. Rom. IS. September. Zur Lage zwischen Oesterreich und Ungarn teilt die„Trlbuua" mit, daß sie sich nach den in diplo- mallschen Kreisen vorllegenden Meldungen froh der festen Haltung der Bolschafterkonferenz verschlechtert habe. Man wiffe noch nicht, welche Zwangsmaßnahmen die aMierten Regierungen gegen Ungarn beschließen werden. Immerhin könne gesagt werden, daß die Absicht der Entente dahin gehe, wenigstens zurzeit ein un- mittelbares Eingreifen der kleinen Entente zu ver- meiden, da, sich zu einem wahren Kriege in Mitteleuropa entwickeln könnte. Wien, 18. September.(MTB.) Ztis Tctegr.-Korr.-Bureau teilt amilich mit: Beiderseits der Straß? von Kirchschlag noch PAgersdors, anderthalb Kilometer südöstlich der Landesgrenze, heben Nauden Deckungen aus. Das gleiche geschieht in der Nähe der Ortschaft Karl östlich der Grenze bei Kirchschlag. Im Räume von Kirchschlag ostwärtztzder Grenze ist lebhafter Verkehr »on Banden bemerkbar. Bei Neudan an der Lasnitz wurde eine österretchj�ch« Feldwach« angegriffen. Die Bande wurde durch Feuer oersagt. Entrüstung. Aus München wird die„einmütige Entrüstung der bür- gerlichen Presse gemeldet. Diese Einmütigkeit ist" leicht be- greiflich für den, der weiß, daß die gesamte Münchener bürgerliche Presse von den rechts st ehenden Kreisen aufgekauft ist. Besteht zur Entrüstung irgendein Grund? Man war in der Kahr-Presse schon entrüstet, als auf den Zusammenhang zwischen der Ermordung G a r e i s' und der Münchener poli- tischen Atmosphäre hingewiesen wurde. Bei der Ermordung Erzbergers trumpfte denn auch sofort die gesamte Rechtspresse mit dem Hinweis auf: daß es nicht in Bayern, sondern im demokratisch regierten Baden geschehen. Aber prompt hat sich die Voraussage derer als wahr er- wiesen, die gleich nach der Tat betonten, daß man ihren Ur- sprung in Kahr-Bayern entdecken werde. Die Mörder und ihre Helfershelfer entstammen samt und sonders einem jener in München ansässigen rechtsbolsche- w i st i s ch e n Zirkel, die nur im Reich der K a h r und P o e h n e r den Nährboden für ungehindertes Wachstum gefunden haben. Kohr und Poehner haben bis zuletzt beteuert, sie brauch- ten den Belagerungszustand— gegen links. Um- fangreiche rechtsbolschewistische Verschwörungen gegen den Be- stand der Republik, gegen das Leben führender Staatsmänner sind von dieser Regierung trotz der zahlreichen Möglichkeiten, die gerade der Belagerungszustand zu ihrer Unterdrückung gegeben hätte, nicht mit dem kleinen Finger ange- tastet worden. Die Polizei ermittelt die Mörder in München. Aus Fetzen von Briefen, die die Täter vernichtet zu haben glauben, stellt sie ihre Namen fest. Die Mörder sind gleich nach der Tat nach München zurückgekehrt, haben sich hier tagelang ganz ungeniert aufgehalten. Genau in dem Augenblick, in dem sie verhaftet werden sollen, reisen sie plötzlich a b. Wer hat sie gewarnt, wer konnte sie allein warnen? Nur eine Stelle, die unmittelbar oder mittelbar mit der Verhaftung zu tun hatte, d. h. eine Stelle der M ü n» chener Polizei. Aber flammende Entrüstung, wenn ein preußischer Kriminalbeamter wagt, bayerischen Boden zu be- treten. Wochenlang hat die Linkspresse auf die Kappistenzentrale hingewiesen, die in Verbindung mit der Orka(Organisation Kanzler) in Rosenheim besteht. Weder die bayerische Po- lizei noch die Rosenheimer Verschwörer haben sich dadurch be- unruhigt gefühlt. Jetzt, wo unter äußerstem Druck ein Zwang zum Einschreiten besteht, ist nach Meldung der„Nationalzei- tung" d a s N e.st p l ö tz l i ch l e e r. Die Herrschaften haben ihren Sitz nach Salzburg in Deutschösterreich verlegt. Wir zweifeln nicht, daß nunmehr in Rosenheim Haussuchungen stattfinden werden. An den Münchener Anschlagsäulen werden die Bildnisse der Mörder Erzbergers abgekratzt und u n k e.n n t l i ch gemacht. Beschädigung amtlicher Anschläge ist an sich eine strafbare Handlung, in diesem Falle liegt außerdem straf- bare Begünstigung steckbrieflich gesuchter Mörder vor. Die Münchener Polizei entdeckt keinen Täter. Entrüstung— Entrüstung— Entrüstung. Auf wessen Seite ist hier eigentlich das Recht, sich zu entrüsten?! » Auch Herr Mull« hat seinen Grund zur Entrüstung. In Berlin ist ein K a p! t S n l e u t n a n t a. D. v. W e r n e r unter dem Verdacht, mit der Mordsache Erzberger in Verbindung zu stehen, zum polizeilichen Verhör vorgeführt worden. Umfangreiches M a- t e r i a l wurde bei ihm beschlagnahmt. Wie weit der Verdacht gegen Herrn v. Werner gerechtfertigt ist, darüber weiß Herr Wulle nichts. Aber daß man es wagt, bei einem ehemaligen Offizier Haus- suchung zu veranstalten, empfindet er als unerhörte Dreistigkeit. Man brauche nur Offizier zu sein, um der Polizei auf die Nerven zu fallen,— meint Herr Wulle. Daß alle ermittelten Täter und Mit- täter ehemalige Offiziere sind, geht Herrn Wulle nichts an. Der Reönerkurfus. Von Theodor Thomas. Der Monteur Christian Mayer kam aus einer Versammlung, «o er unter dem Eindruck eines großartigen Redners gestanden hatte. Er war wirklich neidisch auf ihn. Da fiel sein Blick auf ein Plakat, das er schon oft gelesen: Rednerkursei Lernt reden, fließend, schön und steil Lernt disputieren, Dialoge führen, Gespräche beherrschen! Bequeme Kurse in den Abendstunden. „Donnerwetter", sagte Christian,„eine feine Sache, das ist ja das, was man braucht. Dafür sollen einige Zehnmarkscheine nicht zuviel sein." Am nächsten Tage wanderte Christian in die angegebene Sraße, klingelte im zweiten Stock eines Hauses. Eine griesgrämige Alte öffnete. »Ich will reden lernen, kann ich Herrn Demosthenes sprechen?" „Det kennst immer", brummte- sie. Nach wenigen Sekunden trat von der anderen Seite ein dürrer Herr ein. Mayer brockte lein Anliegen vor. „Woll, wollt Hawense schon mal öffentlich geredet?" „I wo", gab der Redestudent zurück. „So ist'» gut." Der Kerr Direktor schnalzte mit der Zunge. „Manche meenen, st kennten» schon, fe wollen nur hier e bi»l Politur." Er setzte sich, zuststdener wie vorher.„Auf wa» legense denn Gewicht?" „Am liebsten möchte ich über Politik reden lernen." „Aha, die große Linie. Ganz gut. Zwei von meinen Schülern sitzen schon im Reichstag, viere sin Stadtverordnete und einer sogar Rayonchef: st wär'n alle was besseres. Ich fertige och Reden an, natürlich was Gutes für besondere Zwecke." Run trug der Herr Christians Namen nebst Kosten in ein Buch ein. Di»„große Linie" sollte 60 Mark Honorar tosten, zehn Mark wurden als erste Rate angezahlt. „Se können gleich anfangen; drüben sind schon welche, es ist och ein Stadwerordneterkandidat dabei. Halten se stch an den, das ist ein guter Politiker." Sie gingen in»„Studierzimmer" hinüber,«o acht Leute im Kreist saßen und„Reden" lernteu. Er wurde vorgestellt mit dem Zusatz:„Nu Hamm mer noch einen Politiker, mein« Herrschasten." Di« anderen benannten sich: Stadtverordneterkandidat Bert, .Retlamechef Zietzmann, Konferenzier Dörrpfciffer, Herr Diskussion»- redner Buchenauer, Betriebsrat Schwabe, Abteilungsvorsteherin Gäblin, Obertrambahnkontrolleur Gutknecht und Vortragsreisender Lerchenbein. Dt» Leute schnitten Gesichter, als ob sie Zähne gezogen bekämen. Der Vortragsreisende insbesondere verdreht» dabei die Augen wie ein Karusselltassierer. Der Diskussionsredner schien Darmverschlin- gung zu haben, er hielt krampfhaft die Hände über den Magen. Am merkwürdigsten benahm sich der Stadtverordnetentandidat, er gab Töne von sich, die ganz gut aus einem eingerosteten Gramms- vhon stammen konnten, den linken Arm schlenkerte er immer am Ohr vorbei, al» ob da«in« Wespe krabbelte, Alle nahmen Platz; der Lehrer setzte seinen theoretischen Unter. richt fort. „Wenn die Herrschaften nun sowell sinn, daß ein schöner Vor» trag aufgesetzt ist, dann lernen sie ihn am besten auswendig, damit Sie frei reden, det macht immer Eindruck." Alles notierte fleißig mit.„Wie muß also ein Vortrag sein? Ein schöner Anfang und en hinreißender Schluß ist unentbehrlich. Mit ne schöne Einleitung hammse gleich de Zuhörer und der Schluß j ist von wegen dem Abgang. Die» ist von entschiedener Bedeutung." Herr Buchenauer, von Beruf Diskussionsredner, meldet stch: „Wie baut man nu eine Diskusstonsrede auf?" „Da ist wichtig, dat st vor allen Papier und Bleistift mithamm. Se müssen darüber am besten schon zu Haust was aufschreiben. Wenn der Redner nich druf eingeht, dann sagense: se Hamm das ver- mißt, da» macht kolossalen Eindruck. Run reden S i e darüber. Det ist dankbar und verblüfft." Herr Buchenauer» Augen glänzten. Mayer fragte:„Woher nimmt man aber das, was man zu Hause vorher aufschreibt?" „Da hamse det Lexikon oder de andern Büchers. Am besten Zeitungsausschnitte; olles Gedruckte ist nützlich." „Gibt das nicht bloß Papageien? Man soll doch eigenes Wissen haben?" fragte der Monteur. „Daran merkt man, dat st die ersten zwei Stunden nicht derbei waren. Se müssen erst noch lernen." Mayer gab nicht nach:„Kann man einfach über alles reden?" „Ja und nein, et jibt kein« Grenze, wenn einen de Beharrlich- lest nicht aufgibt."' Die andern schwiegen, Christian hatte nichts mehr zu sagen, er dachte nur:„das nennt der reoen lernen." „Eine Diskussionsrede", fuhr der Lehrer fort,„muß immer kritisch sein, sonst is st von vornherein Essig." „Nu woll'n wir hierbei och was über die Politik reden. Wie ich schon sagte, das ist det leichteste." Der Stadtverordnetenkandidat Ben rutschte auf seinem Sessel hin und her, jetzt kam seine Stunde. „Das Leichtests", wiederholte der Herr Redeprofessor,„weil se allen? hineinbringen können. Eine Sache, wo st sich vorknöppen, die ochsen st mit packenden Worten ordentlich ein. Zum Beispiel: „die indirekten Steiern"; zum weiteren Beispiel:„die Akrarfrage". Zum endlichen:„der Färseiler Friedensvertrag". Wo über en poli- tischen Vortrag geredet wird, da kennst durch einen gerissenen Schwung die Zügel in die Hände kriegen. Det ist die feinste Politik: Immer de Diskussion uff det Gleis schieben, wo man wat davon oersteht." Christian Mayer schüttelte mit dem Kopf. Der Lehrer sah ihn streng an:„Menenst anders?" „Ich mein« gar nichts. Jetzt jueiß ich, woher oft so ein Schlag- wörteronkel kommt, der die Versammlungen unsicher macht." Alle sahen ihn blöde an. „Also das ist„Reden" lernen, fließend, schön und ftei? das ist hanebüchener Unsinn und schade für jeden Pfennig," schimpfte Mayer. Wütend nahm er Hut und Stock und ging. So läuft er heute noch als schlechter Redner umher. «Wir glauben ihm gern seine Empörung darüber, daß man gewagt ! hat, die Mörder Erzbergers in Offizierskreisen zu suchen. Nach Herrn Wulle hätte man wohl die Nachsuche auf die Arbeiterschaft� erstrecken , sollen, selbst aus die Gefahr hin, die Mörder niemals zu entdecken. „Als solcher". Die rechtsstehende Presse muß zugeben, daß sämtliche ver- hafteten in der Erzberger-Mordangelegenheit, bisher 12, der Mün- chener Ortsgruppe des Deutschvölkischen Trutz- und Schutzbundes angehören. Aber sie beeilt sich hinzuzufügen, daß der Schutz- und Trutzbund„als solcher" an der Sache gänzlich unbeteiligt sei. Ja, sie bezeichnet es als„lächerlich", von einer Verschwörung zu reden. Wenn nächstens bei 12 Dynamitattentätern die Mitgliedskarts der KAPD. gesunden wird, so wird sich voraussichtlich die Rechts- presse mit gleicher Entschiedenheit für die Unschuld der KAPD.„als solcher" einsetzen._ Ehrharüt bei poehner. Im Ständigen Ausschuß des bayerischen Land- t a g e s hat jetzt der Staatssekretär Schmeyer im Auftrage der Regierung eine Erklärung zu dem vom Reichskanzler im Reichstagsausschuß verlesenen Bericht des Staats- kommifsarsWeismaun abgegeben. Wie zu erwarten war, entrüstet sich die Kahr-Regierung erheblich darüber, daß Weismann-preußische Kriminalbeamte— man denke!— nach Bayern geschickt habe und daß der Reichskanzler den Bericht Weismanns öffentlich verlesen habe, ohne die bayerische Re- gierung vorher zu informieren. Diese Entrüstung ist billig wie Brombeeren. Sie kann deshalb beiseite bleiben. Wichtiger ist. was Schweyer fach- l i ch zu sagen hat. Und das ist interessant genug. In sachlicher Beziehung erklärte der Redner, daß die gegen den Iustizminister Dr. Roth erhobenen Beschuldigungen glatt er- funden seien. Was den angeblichen Verkehr des Münchcner Polizei- Präsidenten mit Kapitän Ehrhardt betreffe, so stehe fest, daß Ehr- hardk wiederholt nach Auflösung der Brlgade im Blünchener Polizei- Präsidium und an anderen bayerischen Slell-n vorstellig wurde wegen Beschaffung von Arbeitsgelegenheiten für seine Leute. � Zur gleichen Zeit sei er aber auch im Reichswchrmiuisterium unbeanstandet aus- und eingegangen. Damals sei aber noch in keiner Weise bekannt gewesen, daß ein H a f t b e f e h l gegen Ehrhardt vorliege. Nach Erlaß des Haftbefehls neuerdings im März llnd August dieses Jahres sei an alle bayerischen Polizeibehörden und Bezirksämter der Auftrag ergangen, zur Festnahme der sich an- geblich in Bayern aufhaltenden Kapp-Führer Ehrhardt, Bauer und Pabst zu schreiten. Wenn die Ausführung des Hastbefehls bisher nicht habe vollzogen werden können, so liege ein Verschulden einer Behörde nicht vor, und mit einem Vorwurf gegen die Behörde allein sei es nicht getan. Es müßten greifbare Beweise und Unterlagen erbracht werden, u. a. auch für die Behauptung, daß Kapitän Ehr- Hardt in der Münchcner Polizeidirektion noch jetzt aus- und eingehe. Seit dem Bekanntwerden des Haftbefehls sei der Polizeipräsident nicht mehr in Berührung mit Kapitän Ehrhardt gekommen. Man könne sich des Eindrucks nicht erwehren, daß der preußische Staats- kommissar Iveismann in seinem Berich! höchst lelchkferllg vorgegangen sei, und es sei bedauerlich, daß der Reichskanzler ohne weiteres sich diesen Bericht zu eigen machte, ohne stch vorher zu vergewissern. Zu dem Vorwurf der Leichtfertigkeit wird sich der Staatskommissar Weismann zu äußern haben. Es genügt für ihn nicht, daß er, wie ein deutschnationales Abendblatt be- richtet, über die Verlesung seines angeblich„vertraulichen" Berichts durch den Reichskanzler„aufs äußerste empört" sei. Er muß jetzt durchgreifend klarstellen, w a s er von der Vcr- schwörerzcntrale in Bayern wirklich weiß. Denn schließlich hat er doch dem Reichskanzler nicht einen Bericht von solcher Bedeutung in einem kritischen Augenblick vorgelegt, lediglich um seiner Tätigkeit eine Gloriole zu winden. Daß dieser Be- richt verwertet werden mußte und wurde, war dach klar. Also mit der„äußersten Empörung" ist es nichts. Vielmehr heißt es jetzt: entweder das Wespennest ganz ausheben oder, wenn Weismann wirklich so leichtfertig vorgegangen wäre, wie Ein neuer Borschlag für die Arbeiterwohnung. Die Geschichte der Wohnformen ist aufs engste verknüpft mit der Familie und der Familienverfassung. Die Familie als Hausgemeinschaft verkör- pert die Idee des Hauses, und zwar in seiner Gesamtheit als sozialer, wirtschaftlicher und baulicher Organismus. Das Absterben der alten Hausgemeinschaft, die stch in ihren ehemaligen patriarchalischen For- men heute wohl nur noch auf dem Lande(und auch hier nirgends | mehr ganz rein) erhalten hat, muß daher auch zu einer Neubildung der Wohnformen führen. Für den Industriearbeiter liegt der Schwerpunkt der Lebensinteressen weniger in der Familie. sondern vielmehr im Betrieb, in der Gewerkschaft, in der Partei. Diese dem Arbeiter eigene Lebensform wird auch in der Gestallung seiner Wohnung den ihr angepaßten Ausdruck sinden-müssen. Das Kleinhaus mit der nie fehlenden„guten Stühe«rsüllt dies« Forde- rüg nicht; es bietet ihm keine Gelegenheit für die Betätigung seiner Bestrebungen. Statt dessen macht Dr. Jng. K. E h r e n b e r g in der Zeitschrift „Die Bolkswohnung", deren neuestes Heft dem Problem der Berg- mannssiedlungen gewidmet ist, folgenden Boftchlag: Man lege die Wohnstuben von zwei Dutzend Arbeiterfamilien zusammen. Dann kann man dem Arbeiter die Räume schaffen, die er für seine Destre- bungen braucht: Bücherei, Lese- und Schreibzimmer sowie einen größeren Raum für Zusammenkünfte, Aussprachen und andere ge- meinsame Veranstaltungen. E» soll eine Vereinigung von Einzel- zimmern und gemeinsamen Räumen entstehen, ähnlich wie im mittelalterlichen Kloster, nur daß nicht eine Reih« von Einzelzimmern angelegt wird, sondern eine Folge von kleinen selbständigen Woh- nungen. Die Räum« in diesen Wohnungen sollen in erster Linie zum Schlafen dienen, aber groß genug sein, daß man darin auch einmal lesen oder schreiben kann; statt einer Wohnstube gewisser- maßen eine Wohngelcgenheit, statt der Küche nur eine gemeinsame Kochgelegenheit(Einküchenwirtschaft). Erhalten werden soll also die Abgeschlossenheit der Wohnung, das Gefühl, allein sein zu können. Außer einem Wirtschaftsraum soll jede Wohnung zwei Stuben er» halten. Zu den Zweizimmerwohnungen, die das Erdgeschoß ein- nehmen, treten im Obergeschoß Einzelzimmer für Unverheiratete, etwa derart, daß ein Flügel für Männer, ein zweiter für Frauen bestimmt ist. während der Mittelbau die gemeinsamen Räume ent- hält. In diesen Gemeinschafishäusern, so hofft der Verfasser, wird eine Generation heranwachsen, der das Zusammenleben von Iugend an zur Selbstverständlichkeit geworden ist. Sie wird die Gemein- schaft der Klasse viel tiefer empfinden und damit den Boden bereiten helfen, auf dem eine reine Lebenskultur entstehen kann. Sadisienschwelnchen ist die neueste Erfindung auf dem Gebiete der Hörfchler. In der Besprechung des„Jivimen Theaters" sollten die damit charakterisierten Darsteller nur al»„amüsante Schwein- chen" nottert werden. TaS Thalia-Theater»erenltaltet!n dieser Saison an den Sonntag- nachmittag«» einen ZyNu»«»n Märchen-Dor st«Hungen: am kommenden Sonntag wird zum ersten Male.Rumpelstilzchen' ausgeführt. Bayerischer«eist in Wie«,«uj der Wiener Papiermeffe, wo der Berliner Malik-Dcrlag die Zeichnungen des Satiriker» G. Gros» ausgestellt hatte, verlangten baderische Verleger die Entfernung dieser.ruchlosen' Pu- blikationen. ES bedurste erst des EingreiienS der Messeleilunq und de? Presse, um dem Berliner Verlag das AuSstellungSrccht zu sicher«. Die .bayerijch« Sigenart' fühlt sich aljo schon exportjähig. Nr. ZT. Jahrgang C3BLXl&:i3BL-Z -'-.yAr�r�rrr'Sggopff Heüage öes vorwärts SonnabenS, 17. September 1921 Hroß-Oerliner Jinanzen. Einige Wahrheiten an die Adresse der Heuchler. 1 Eines der beliebtesten Argumente, deren sich unsere Gegner bc> dienen, ist die fortgesetzte Behauptung, die sozialistische„Mißwirt- schaft" Hab« die Finanzen der Stadtgcmcinde in völlige Unordnung gebracht, so daß Berlin nicht mehr allzuweit von dem völligen Zu» sammenbruch entfernt sei. Daß das ein» grobe Unwahr- heit ist, wissen die Nechtsbolschcwisten selbst, aber sie scheuen vor keiner noch so törichten und noch so gemeinen Verleumdung zurück, wenn es gilt, die ihnen oerhaßte und unbequeme Sozialdemokratie zu bekämpfen. Daß sie dadurch gleichzeitig den Kredit Ber. lins untergraben und mit der Rcichshauptstadt das gesamte Vaterland aufs schwerste schädigen, das läßt diese Gesellschaft völlig kalt. Was gilt ihnen das Ansehen der Republik? Die Verwirrung zu vergrößern, das deutsche Volk aufzuhetzen gegen diejenigen, die in emsiger Arbeit bemüht sind, das Niedergerissene wieder aufzu- bauen, ist ihr einziges Ziel, und diesem Ziele steuern sie skrupel- los zu. Gewiß, die Finanzlage Berlins ist keine rosige, aber sie ist nicht schlechter als die der meisten anderen deutschen Gemeinden, und vor allem ist das heutige Elend nicht auf die Sozialdemokratie, sondern auf den Krieg und seine Folgeerscheinungen zurückzuführen. Daß Berlin trotz alledem durchaus kreditfähig ist, be» weist die Tatsache, daß emer Gesamtschuldenlast von 4,1 Milliarden Mark am 1. April dieses Jahres, die sich nebenbei bemerkt seit dem 1. Oktober 1320, dem Tage, wo die neue Stadtgemeinde ins Leben getreten ist, noch um 216 Millionen Mark verringert hat, Vermögenswerte von fast S Milliarden Mark gegenüberstehen. Mit anderen Worten: Der V e r- m ö g e n s ü b e r s ch u ß der Stadt beträgt annähernd eine Milliarde Mark. In Wirklichkeit ist der Ueberschuß aber weit höher, denn die Schulden sind in Papiermark zu zahlen, wäh. rend die Vermögenswerte zum größeren Teil noch mit den Kriegs» werten, also nach Goldmark, eingesetzt sind. Der Laie kann sich nuGschwer«ine Vorstellung von dem u n- heilvollen Einfluß des Krieges auf die städti» fchen Finanzen machen. Wer aber mitten im kommunal» politischen Leben steht, der weiß, welche gewaltigen Ausgaben der Krieg von Anfang an de» Gemeinden auferlegt hat. Ein Bild davon gewinnt man, wenn man sich vergegenwärtigt, daß die Kriegsausgaben allein des engeren Berlin einschließlich der Lebens- mittclverwaltungen bis Ende 1919 rund 3479 Millionen Mark be. trugen, denen nur etwa 2894 Millionen Mark an Einnahmen gegen- überstanden. Zieht man von der nicht gedeckten Summe von 666 Millionen Mark die Beihilfen des Reichs und des Staats für Aus- gaben für die Kriegswohlfahrtspflege ab, so bleibt immer noch ein Defizit von 456 Millionen Mark, für das cinie Deckung durch erhöhte Einnahmen nicht vorhanden ist. Wofür sind nun diese Summen verausgabt? In erster Linie für Familienunter st ützungen für Angehörige der Kriegs» teilnehmcr, weiter für Mietunter st ützungen, für Ber- zinsung der Kriegsschulden, für Kriegszulogen für die Beamten und Angestellten der Stadt, für Erwerbs- losenfürsorge, für Bolksspeisung, für Kriegs- Wohlfahrtspflege, Lebensmittelversorgung und ähnliche Zwecke, die samt und sonders durch den Krieg bedingt waren. Bedarf es angesichts dieser Zahlen wirklich noch eines be- sonderen Beweises für die Richtigkeit unserer Behauptung, daß einzig und allein der Krieg die Finanzen Berlins ebenso wie die der übrigen Gemeinden in Unordnung gebracht hat? Und ist es nicht mehr als Heuchelei, wenn dieselben Kreise, die die Schuld an dem Verbrechen des Krieges tragen, die Sozialdemokratie für die von ihnen selbst begangenen Sünden verantwortlich zu machen suchen? Wenn gegen die städtische Verwaltung ein Vorwurf zu erheben ist, so ist es der, daß sie sich während des Krieges daraus beschränkt hat, lediglich die Zinsen der Kriegsschuld durch Kriegssteuern oder durch ander« besondere Einnahmen zu decken, anstatt durch ein großzügiges Finanzprogramm der drohenden Belastung der Zu- kunft vorzubeugen. Aber dieser Vorwurf richtet sich nicht gegen den sozialistischen, sondern gegen den früheren bürger- lichen Magistrat und die frühere bürgerlich« Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung. Wäre man den Anregungen der Sozialdemokraten gefolgt, so würde es um die Finanzen Berlins weit besser bestellt sein. Aber leider zeigte die bürgerliche Ber- wältung für weitausschauende Finanzpläne nicht das nötige Ber- ständnis, sie befolgte die gleiche Praxis wie die Reichsregierung,! und überließ das weitere getrost der Zukunft. So kam es denn, wie es kommen mußte. Die Schulden wuchsen während des Krieges von Jahr zu Jahr an. Berlin hatte am' 31. März 1918, also zu einer Zeit, wo noch das Dreiklasienwahlrecht der Bourgeoisie die große Mehrheit gesichert hatte, eine schwebende Schuld von 249 446 999 M., in Charlottcnburg betrug die schwebende Schuld 83 997 999 M., in Spandau 67 982 999 M., in Schöne- berg 154 756 999 M., in Neukölln 196 961 999 M. Die 21 größten der jetzt zusammengeschlossenen Gemeinden verfügten am 31. März 1918 über Aktiva in Höhe von zusammen 2 938 979 999 M., denen Passiva von 2 143 749 999 M. gegenüberstanden, so daß sich ein Ueberschuß der Aktiva über die Passiva von 794 338 999 M. ergab. Neue, gewaltige Anforderungen stellte die Nachkriegszeit an die Verwaltung. Die ungeheure Steigerung der Lebensmittel und aller Gebrauchsgegenstände bedingte fortgesetzte Erhöhungen der Gehälter der Beamten und der Löhne der Arbeiter, an sich ent- behrliche Kräfte konnten aus sozialpolitischen Erwägungen nicht entlassen werden, die zunehmende Erwerbslosigkeit zwang zur In- angriffnahme von Notstandsarbeiten, die Kosten für die Verpflegung in Krankenhäusern und anderen Anstalten überwogen die Ein- nahmen um das Vielfache, die Werte warfen hauptfächlich infolge der gestiegenen Preise für Rohmaterialien nicht nur keine Ueber- schüsse mehr ab, sondern sie erforderten teilweise beträchtliche Zu- schüsse. Kurz und gut, wohin wir blicken eine Steigerung der Aus- gaben, die durch gesteigerte Einnahmen auch nicht entfernt ausgc- glichen werden konnten. In dieser Situation trat die neue, in ihrer Mehrheit sozialistische Verwaltung ihr Amt an. Es war keine angenehme Erbschaft, die sie übernahm, und wenn sich die Sozialdemokratie das Leben hätte bequem machen wollen, so hätte sie die Erbschaft einfach aus- schlagen und es ihren Gegnern überlassen können, Ordnung in die Finanzen zu bringen. Daß sie das nicht getan, sondern in treuer Erfüllung des ihr von der Groß-Berliner Bürgerschaft gewordenen Auftrages selbst Hand ans Werk gelegt und unter. Zurückstellung mancher ihr lieb gewordenen und früher von ihr propagierten For- derungen die Ausgaben mit den Einnahmen ins Gleichgewicht zu bringen gesucht hat, das sollten auch diejenigen ihrer Gegner an- erkennen, die mit den sozialistischen Maßnahmen im einzelnen nicht einverstanden sind. Auch einer bürgerlichen Mehrheit wäre es nicht gelungen, mit einem Schlage das Defizit zu beseitigen, es sei denn, daß sie alle Ausgaben für kulturelle Zwecke gestrichen und alle noch so berechtigten Forderungen der Angestellten, Beamten un� Arbeiter abgelehnt hätte. Den Beweis, daß Berlin unter sozlalisti- scher Herrschaft die Gelder der Steuerzahler verschwendet hat, wird niemand erbringen können. Es sind diejenigen Ausgaben geleistet worden, die un- bedingt geleistet werden mußten, und es herrschte das redliche, leider nur allzu oft von bürgerlicher Seite durchkreuzte Bestreben vor, neue Einnahmequellen zu erschließen, um unter Schonung der minderbemittelten Kreise Deckung für die notwendigen Ausgaben zu finden. P a u l H i r s ch. Eisenbahnbeschweröen. Eisenbahnwochbeamke schießen auf Fahrgäste? Ueber einen Borfall, der gründlichster Untersuchung bedarf, wird uns aus Leserkreisen folgendes mitgeteilt: Als der Vorortzug nach Strausberg am Mittwoch, den 14. d. M., abends 6 Uhr 15 Min., einig? hundert Meter vor seinem Endziel' auf freier Strecke hielt, benutzten einige Insassen des Zuges die Gelegenheit,.auszusteigen und über das Nebengleis hinweg die Straße nach Eggersdorf zu erreichen. Dabei wurden sie aber von einer bereitstehenden Wache überrascht und nach Abnahme ihrer Fahrkarte zum Bahnhof Stiausberg geführt. Einige der Herren hatten sich durch Weglaufen der Festnahme zu entziehen oersucht, was einen der Wachthabenden zur Abgabe zweier dicht aufeinander folgenden Schüsse veranlaßte. — Unter den Insassen des Zugos löste dieser Vorgang eine starke Erregung aus und es muß auf das allerschärfste verurteilt werden, wenn Uebertreter der bahnpolizeilichen Vorschriften wie schwere Ber- brecher verfolgt werden, zumal die Hauptschuld an dem ganzen Vor- gang die Bahnbehörde selbst mit ihren unzureichenden Anlagen trägt. Der Bahnhof Strausberg hat nur einen Bahnsteig, von den Aus- steigenden muß immer ein Gleis übersckiritten werden, auf welchem der gesamte Berkehr nach Berlin mit Schnell-, Personen-, Güter- und Vorortzügen bewerkstelligt wird. So müssen die Züge vor dem Bahnhof erst längere Zeit warten: das benutzen trotz der bestehen- den großen Gefahr oftmals die Fahrgäste, auszusteigen, um schneller nach Haus zu kommen. Es handelt sich meist um Kolonisten, welche in Berlin erwerbstätig sind und denen jede gewonnene Minute, welche sie sich noch auf ihrem Grundstück betätigen können, nur zu erwünscht ist. Außerdem ist gerade der Zug. bei welchem die„Razzia" abgehalten wurde, täglich so überfüllt, daß die Fahrgäste froh sind, wenn sie demselben entrinnen können." Der Sckreiber erwähnt dann noch, daß außer den„Fangbeamten" auf der Strecke auch auf dem Bahnhof selbst noch eine Anzahl Kontrollbeamte der Direktion ficht- bar waren, während am Ausgang für das Publikum nur«in Knipser stand, so daß dort die übliche Drängelei und Anstauung eintrat. Die sonderbare Schießerei bedarf dringend der Aufklärung. Es besteht wohl kein Zweifel darüber, daß der Beamte, der die Schüsse abgegeben hat, zu einem solchen scharfen Vorgehen keine Berechti- gung hat, denn das Publikum, selbst wenn es sich eine Uebcrtretung zuschulden kommen läßt, ist kein jagdbares Wild. Die Sirccke Verlin— Erkner ohne Spätzug. Aus den Kreisen der Gastwirtsangestellten, Kellner, Köche und der Musiker wird in Zuschriften an uns darüber lebhaft Klage ge- führt, daß die Strecke Berlin— Erkner keinen ausreichenden Spätzug habe. Der letzte Zug gebt ab Friedrichstraße 12.23. Da um 1 Uhr die Lokale geschlossen werden, können die Angestellten natürlich nicht mehr zu ihren Wohnstätten zurückkehren und müssen bis zum ersten Zug ab Sch lesischen Bahnhof 4.15 Uhr früh während der Nacht in Berlin bleiben. Daß es nicht zu den Annehmlichkeiten gehört, müde und abgespannt von der Arbeit 4 Stunden Nacht sür Nacht im Wartesaal zu verbringen, ist wohl verständlich. Die Eisenbahndirektion sollte diesen sehr berechtigten Wünschest schleunigst Rechnung tragen, um so eher, als sie nicht gezögert hat, dahingehende Wünsche der im Westen wohnenden Bevölkerung sehr schnell zu befriedigen. Zum Beispiel geht der letzte Zug über die Wannseebahn nach Wannsee nachts 1 Uhr 19 Min. vom Wannsee- bahnhof ab. Die kcachenöen Vsttkonzerne. Mit jedem Tage häuft sich jetzt die Zahl der zusammengebrochenen Wettkonzerne und mit ihnen die Masse der in fast unerklärlicher Vertrauensseligkeit um ihre Ersvornisse betrogenen Einzahler. So hat gestern die„S p o r t b a n k' Willy Lampe u. Co., die am 29. September mit der erstmaligen Auszahlung der versprochenen Dividende von 199 Prozent beginnen sollte, ihre Zahlungen einge- stellt. Der größte Beil der Einzahlungen, die inner- halb weniger Wochen annähernd 2 Millionen betragen haben, ist verloren. In der Zentrale Knesebeckstraße 29, die polizeilich versiegelt worden ist. spielen sich erregteste Szenen der bitter ent- täuschten Einzahler ab. In dem bereits anhängigen Strafverfahren macht der Verteidiger Dr. Kurt Fontheim geltend, daß ein strafbarer Betrug deshalb nicht in Frage komme, weil von dem Angeklagten nicht falsche Tatsachen, die nur in der Vergangenheit oder Ge- genwart hätten liegen können, vorgespiegelt worden seien, sondern nur auf Grund seiner mangelnden Urteilsfähigkeit Fräulein. vi von Paul Enderling. eop?r!ztit, 15M, by J. G. Cottasebe Buchhandlung Nachf. Stuttgart u. Berlin Drinnen in der guten Stube stand Doktor Henning ein- sam an dern grünen Plüschsessel. Einmal hatte er den Versuch gemacht, sich zu setzen. Dann war er aber, wie auf etwas Verbotenem ertappt, empor- gefahren. Auf dem Nusibaum-Vertikow stand ein Fächer mit Pho- tvgraphien. Vorne war Theas Bild. Henning nahm das Bild vorsichtig heraus. Ein klein bißchen Staub wirbelte aus den Falten des Fächers. Thea faß in einem Sessel, die Veine übereinandcrgeschla- gen, ein Buch im Schoß, die Augen lachend auf den Beschauer gerichtet. Hennings rosiges, gutes Iugengeficht errötete tief. Wie fein war die Linie der Nase und wie voll war ihr Haar und wie... schön... war... der Mund... „Zch will dich immer lieb haben," sagte er leise.„Immer." Schnell stellte er das Bild zurück, als sich Schritte näherten. Julius Görke trat ein. Etwas zerstreut bot er ihm die Hand. Die Linke hielt einen Notizblock. Julius Görke war in Gedanken noch bei den Familientafeln des Stammbaums. „Wie heißt Ihr Vater?" „Rudolf Alexander Henning." Görke notierte. Hennings Gesicht trug den Stempel auf- richtigster Verwunderung. „Was ist er?" „Tot." „Also: was war er?" Henning wurde sichtlich verlegen.„Katastcrassistent," sagte er leise und setzte dann schnell, da er Befremden zu be- merken glaubte, hinzu:„Er stand dicht vor der Beförderung zum Katastersekretär, als er starb." Es klang wie eine Ehrenrettung des Verstorbenen. „Und Ihre Mutter war was für eine Geborene?" Henning schwitzte Angst. In aller Verwirrung kam er Vicht darauf. Frau Görke trat herein und erlöste ihn. Als Fräulein an der Beutlergasse anlangte, strömten die Kirchgänger aus de« Oberpfarrkirche zu Sankt Marien. Fräulein grüßte nach allen Seiten. Görkes hatten so viele Bekannte. In starkem, ununterbrochenem Strom quoll es aus dem schmalen gotischen Seitenportal der Kirche auf die Straße. Die letzten Klänge der Orgel fluteten Heraus, die drinnen die mächtigen Hallen mit ihrem Schall füllte. Ein Stückchen Heiligkeit und Frömmigkeit zitterte so noch über die Straße, in der sich mit eiliger Geschäftigkeit die Läden geöffnet hatten. Thea kam mit Gerda Arm in Arm. „Wollen wir auf den Langen Markt zur Militärmusik? Oder zu Tante Jahr?" „Beides," entschied Gerda. „Du bist ein geniales Hundchen. Komm!" Und beide schwenkten in großem Bogen über die Straße zu dem alten, hohen, schmalen Haus, in dem sich zu ebener Erde die Konditorei befand. Um sie herum schwirrten die abge- rissenen Worte der Unterhaltungen:„Hast du den kleinen Re- ferendar gesehen? Er ist wieder im Assessor durchgefallen... Ach du liebe Güte, bei dem Tag in einer Boa... Schön hat er wieder gesprochen, der Pastor... Zieht es an Ihrem Platz auch so? Ich miete mir nächstens einen anderen... Und die Orgel, ich bitte Sie, die Orgel, ist sie nicht eigentlich das Schönste am Gottesdienst?... Nun muß ich aber fort. Meiner Anna kann ich fast gar nichts anvertrauen... Und ich meine doch, daß der Konfistorialrat besser spricht..." Fräulein hatte Thca-entdeckt, gerade beim Eingang in die Konditorei. Sie erzählte von dem Besuch, der sie zu Hause erwartete. „Au fein," sagte Gerda,„da gibt es bald eine Verlobung! Aber können Sie nicht sagen, Sie hätten uns nicht getroffen? Er kann doch warten!" „Nein," entschied Thea nach kurzem Nachdenken.„Da hilft alles nichts. Mama weint sonst. Und Papa ist ja auch zu Hanse. Addio." „Adieu, Kleines. Und ich komme nachmittags und frage nach. Ich bin riesig gespannt." Als sie durch das Grüne Tor auf die Langebrücke ein- bogen, sagte Thea:„Wissen Sie, wie die Schüler den Henning immer nennen? Das Marzipanschwein. Da werde ich also—" Fräulein blieb stehen. „Ja, aber Fräulein Thea, wenn Sie so von ihm denken, nehmen Sie ihn doch nicht!" „Das wird nicht allein von mir abhängen, fürchte ich," „Von wem denn sonst?" „Sie kennen Papa und die Familie noch immer nicht." Eine Weile gingen sie schweigend nebeneinander her. Plötzlich, kurz vor dem Hause Görke, sagte Thea:„Wollen Sie ihn nicht lieber nehmen, Fräulein?" Und sie lachte über Fräuleins verdutztes Gesicht so hell, daß sich die Spaziergänger umdrehten. Die glückliche Braut. Fräulein ging zu den Verwandten ringsum in der Stadt. Julius Görke hielt darauf, daß die Familie sprach, bevor die Heirat zustande kam. „Die Familie" war das Ding an sich im Görkeschen Hause. Der Oberlehrer, der diesen Gefühlen wenig verständnisvoll gegenüberstand, sprach in Anlehnung an das Friderizionifche � Wort vom„Racker Familie". Hätte man Görke gefragt, wer denn eigentlich„die Fa« milie" sei, hätte er seinen Stammbaum mit den vielen Tafeln gezeigt oder die in der Stadt wohnenden Verwandten aufge» zählt. Wäre er ehrlich— auch gegen sich selber— gewesen, hätte er nur auf sich deuten dürfen. In ihm kristallisierte sich die FamiNe. Der Görkesche Familienbegriff war ein abso- lutistischer Begriff. Bisweilen fühlte er dunkel, wie töricht und abwegig dies alles war, dies Suchen nach verstorbenen oder irgendwie noch auffindbaren Görkes und deren Seitenlinien. Denn die Görkes waren allezeit robuste Prosamenschen gewesen; sie hätten ge- lacht, wenn man ihnen vorgeschlagen hätte. Handschriftliches für die einstige Familiengeschichte aufzuzeichnen. Vielleicht war es auch noch gar nicht so lange her, daß sie— schreiben konnten. Jedenfalls war es keinem geglückt, durch absonderliche Heldentat, verzwickt-geschicktes Diplomatisieren oder sonstwie berühmt zu werden: ihre Namen waren in dem großen, dunklen Strom versunken, in dem die Müllers oder Kunzes versinken. Nur einen hatte der Scheinwerfer der Zeitgesckichte für einen Augenblick grell beleuchtet: einen Joachim Görke, der eines Münzfälschungsversuchs bezichtigt und eine Weile einge» sperrt gewesen war, ehe man ihn laufen ließ,— und gerade den unterschlug Görke in der Familientafel... Fräulein ging leichten Schritts und wohlgemut. Der Wind war lau und voll Blütenduft. Gassenjungen saßen an den Rinnsteinen und warfen Blechstückchen an. die Häuser: sie „panschten" und schrien wie losgelassene junge Hunde. (Forts, folgt.) Thancen in Aussicht gestellt worden sind, deren p Hanta st ischen Charakter jeder halbwegs Einsich» t i g e ohne weiteres hätte erkennen müssen. Auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft ist durch die Polizei- behörde in Niederschöneweide und Lichtenberg wieder ein Wettkonzcrn aufgehoben worden. Es handelt sich um den „R h e n a n i a- K o n z e r n", dessen Begründer ein Kaufmann chell war. Der Konzern hatte m den allerletzten Tagen erklärt, daft sein„Stammhaus" sowie die beiden„Filialen" trotz aller Kon- kurse nach wie vor Auszahlungen vornehmen würden. Noch am gestrigen Tage wurden Einzahlungen vorgenommen. Bei dem Rhenania-Konzern bandelt es sich um eine der übelsten Gründungen auf dem Gebiet der Weitkonzerns. Das„Stammhaus" in Nieder- schoneweide war in Wirklichkeit ein B r e t t e r h L u s ch e n, bestehend aus zwei Zimmern, in denen nach Klantefchem Muster das Cafe Liliput unterqebracht war. Der Kriminalpolizei gelang es noch, eine Kasse zu beschlagnahmen, in der sich 1780 M. befanden. Der Inhaber und die„Filialleiter" waren mit den ihnen anver- trauten Ge'dern verschwunden. die das Wort schmarotzenden eine Berhand- Schmarotzer der GroßstaSt. Delrugereien im kokainrausch. In Jene übelberüchtigten Kreise der Großstadt, „Arbeit" nur vom Hörensagen kennen und die dem Genießertum als entsprechende Folie dienen, führte lung vor der 3. Strafkammer des Landgerichts I. Wegen Betrugs und schwerer Urkundenfälschung hatten sich hier der befchäftigungs- lose Heinrich Eysenhardt in Gemeinschaft mit dem Kaufmann Fritz Königsberger zu verantworten. Enlenhardt ist der Typ des sogenannten„Gmt mit der leeren Briestasche", der allen möglichen Lastern huldigt. Durch und durch von einer gewissen Krankheit verseucht, spielte er in den Kreisen andersvcrai'lngter Männer eine große Rolle. Eines Tages erschienen die beiden Angeklagten bei eii»m Möbelhändler K. Königsberger stellte den Enlenbardt als„Oberleutnant Graf Bodo von Kalkreuth" vor, der die Absicht habe, einen vornehmen Spielklub zu gründsn. wozu er echte Perscrtcppiche brauche. Das Geschäft wurde perfekt und der„Herr Oberleutnant" setzte sich monokelbewehrt an den Schreibtisch und stellte mit vornehmster Gebärde einen Scheck auf die Dresdner Bank über 30000 Mark aus, der natür- lich nicht eingelöst wurde.— Zu der gestrigen Berhandlunng war von dem Verteidiger Prof. Dr. Felix P i n c u s als Sachver- ständiger geladen, der die Möglichkeit, daß der Angeklagte die Tat in einem durch Kokaingenuß erzeugten Dämmer- zustande begangen habe, als nicht ausgeschlossen bezeichnete. Vom Verteidiger wurde daraufhin die Ladung des Kriminalober- Wachtmeisters Wild beantragt, zum Beweise dafür, daß E. zu jener Zeit ständiger Besucher der K o k a i n h ö h l e n�war und sogar, um Kokain zu erhalten, seinen Rock und Weste dort gelassen habe Das Gericht gab diesem Antrage statt und beschloß ferner, den Gerichtsarzt Prof. Dr. S t r a u ifc als den besten Kenner der Kokainseuche und ihrer verheerenden Folgen mit der Veob- cchtung des Angeklagten auf feinen Geisteszustand zu beauftragen. lung statt. Die nächste Sitzung ist für Dienstag, den 27. September, in Aussicht genommen. Eine blutige.Ehekraqodie hat sich gestern in Neukölln im Hause Knesebeckstraße 64 abgespielt. Dort wurde die Frau des Lokomotivführers Schiller von ihrem Mann nach einer Eifer- suchtsszene durch Stiche mll einem Seitengewehr getötet. Nach der Ermordung seiner Frau wollte Schiller sich selbst mit Gas ver- giften. Der Feuerwehr gelang es, den Besinnungslosen ins Leben zurückzurufen. Er wurde als Polizeigefangener nach der Charit« gebracht. Wie die Feststellungen ergaben, handelt es sich um«in Cisersuchtsverbrechen. Frau Schiller besuchte wiederholt Witwenbälle und kam auch gestern erst»m 5 Ubr früh nach Haus«. Eine Stunde später wurde sie von ihrem Man? ermordet.— Ausflügler fanden im Grunewald beim Jagen 23 in der Nähe der Obersärsterei den Polizeisekretär Paul I u n g b l u t und die Bureauangestellte Frau Margarete Z i e l k e aus der Urbanstr. 6 mit SckußverleKungen in der Herzgegend tot auf. Aus einem hinterlassen«» Briefe geht hervor, daß beide freiwillig aus dem Leben geschieden sind. Beide Leichen wurden nach dem Schauhauf? geschafft. Ob Iungblut Frau Zielke erschossen oder diese sich selbst durch einen Schuß getötet hat, ist noch nicht aufgeklärt. Genosse Pfarrer Pkrier vült Sonntag. den lS. Sept., vorm. lOIlbr, in der Trinitatiskirche, Cbarlottenburg, KarI-A«gus!, 3. Belt(W. Freunds). Tot.: 27: 10, PL 18, 24, 27: 10. Ferner liefen; Manleuffel(4), Ulk, Cedru», Zufall, Slraber, Clara Bingen. Hals 3—4 La.— 7. S e I e k t a- M e a- Preis: 1. Volkslied(Höhne). 2. Kammerfritz(S. Perk), 3. Hoffnung I iPöbn). Tot.: 44:10, Pl. 17, 27,13:10. Ferner liefen: Willy I(4). Allertonh, Korfar(als 1. disg., 80 Pro,, der Einsätze zurück), Gradiosa diSg., Erich I. Finale I, Holsleinerin II. 8—3 Lg.— 3. Ramus- PreiS: 1. Ehrengabe(Stelmiagei), 2. Gudrun II iKnöpnadel), 8. Lon- gine jr.(Rotmeier). T-L: 122:10, Pl. 80. 15, 13:10. Ferner liefe* i Fibel(4), Rar? III diSq., Jupiter III. Sroeu«. HaJS— 3 Lg. Wetter biS Sonntag mittag. Zeitweise heiter, meist trocken. Tag?« über etwa« wärmer, bei schwachen, vorherrschend nordöstlichen Wind«. f\m öer Partei. Aufschwung unserer parleibuchhandlung. Vor einiger Zeit konnten wir die Verschmelzung der beiden größten Parteibuchhandlungen mitteilen: I. S). 5B. Dretz Vachs, in Stuttgart und die Buchhandlung Vorwärts, Berlin. Neuer- ding» hat die nunmehr vereinigte Buchhandlung nach längeren Verhandlungen das Verlagsrecht an den gesamten sozialistischen Werten des bekannten Berliner Verlages Paul Cassirer übernommen. Unter vielen anderen Werken ist damit auch die einzige vollständige Ausgabe der Schriften Lasalles, die Genosse Eduard Bernstein veran- staltete, in den Berlag der Parteibuchhandlung übergegangen. Groß-Serliner parteknachrkchten. heule, Sonnabend, den 17. September: Iharloittniurg-Spauda». Die juristische Sprechstunde findet jeden Sonnabend von d— K Uhr im Jugendheim, Siostnenstr. 4, Bollohaus, statt. Abonne- mentzquittung, Partei- oder Eewerlschaftsbuch legitimiert. TO.«bt. Schöaeberg. Abends« Uhr Abholung der Plakate und Handzettel für die am Montag stattfindende öffentliche Wahlerversammlung in der Pelziger Straße vom Lokal Händel, Borbergstr. ll. und bei Kapißke, Ebers- straße gg. Zahlreiche Teilnahme an der Handzettelverbrcitung ist unbedingt erforderlich. H. Abt. Mariendarf. Parteigenossen, die gewillt sind, die WShlerlisten ab- zuschreiben, mögen sich bei dem Abteilungsleiter Rostock, Burggrafenstr. Z, melden. Morgen, Sonntag, den IS. September: tu nach Pichelsbcrge zum Waldfest ab Char- und 8,sg Uhr.— Gruppe Brist. Treffpunkt zum .__ Hermannstraße. Bernau. Die Parteigenossen werden nochmal« ersucht, am Sonntag, den 1«. September, sich geschloffen an der sozialistischen Demonstration„Nieder mit der Reaktion" zu beteiligen. Der Borstand. ?ugenüveranftaltungen. Berel» Ariciter-Iugend. Sekretariat: SW. TO, Lindcnstr. Z, 2, Hos link«, 2 Treppen rechts. Telephon: Mpl. 121«8—10. Heule, Sonnabend, den 17. September: Eine Mätchrakonferen, findet um W Uhr im Zcntral-Iugendhcim, Linden- straße 8, 2. Hof, Z Tr., statt. Hermsdorf. Wanderung nach den Rsidersdorfcr stallbergen. Treffpunkt Uhr Jugendheim.— Moabit. Wanderung Buckow-Miirkische Schweiz. Treff- Punkt W Uhr Strom-, Ecke Turm straße.— Riederschöneweid«. Wanderung Rauensche Berge. Treffpunkt W Uhr Bahnhof.— Schöacberg I. Wanderung Märkische Schweiz. Treffpunkt 6 Uhr Schöneberger Bahnhof. Morgen, Sonntag, den tS. September: Blankenburg. Wanderung nach dem Krämer. Treffpunkt Bahnhof Blanken- bürg 945 Uhr.— Köpenick.".-~~ lÜt Uhr Schloßplatz 2 Uhr Bahnhof.— 6 Uhr Friedensplatz.— Rcichcnbcrger Viertel. Wanderung nach Strausberg— Bötzfce. Treffpunkt'il Uhr Görlitzer Bahnhof(Unfallstatlon).— Wedding. Schnitzeljagd. Treffpunkt« Uhr Mitller», Ecke Sellerftraße.— Rorde». Besuch des Botanischen Gartens. Treffpunkt 8 Uhr Bahnhof Gesundbrunnen. vortrage, vereine unü verfammlunoen. Freireligiös« Gemeinde. Sonntag vormittag 10�4 Uhr im Stadthaus, stloftcrftraße 50, Jugendweihe. Feswortrag von Herrn Rogal. Harmonium, Cello, Gesang. Gäste willkommen. Arbeitersport. .» Atteiter-Radsahrer-Buud„Solidarität". Gau S. Touren für Sonntag, den 18. September. Die Tour noch Nauen kann wegen baulicher Veränderungen in der Funkenstation nicht stattfinden. Die Tour nach Spandau bleibt bestehen. Nachmtttagstour nach Spandau. Restaurant„Tivoli", S-eburg-r Str. 2«. Start 1 Uhr an den bekannten Stellen. Langstreckensahrt 17. und 18. September nach Vascwalk. Start Sonnabend nachmittag 4stz Uhr Rettelbeckplatz, Ecke Lindower Straße.— Ortsgruppe Spandau. Sonnabend, den 17. September, Eiche und Birkcnwerdcr. Start beide Touren 5 Uhr Schittzenbaus. Da die Fahrwarte sich verständigt haben, werden all« Genossen gebeten, sich möglichst gleichmäßig auf z des 2. Bezirks in Mitten- ■ �.i-----z-—.......annten Stellen. Der Schwimm-Bereiu„Welle", Mitglied des Arbeiter-Waffersport-Berba». de», Abteilung Berlin und Lichtenberg, veranstaltet am Sonntag, den 18. Eep. v-riianolgr yaven, weroen all« Genohen gebeten, si beide Touren zu verteilen.— Bezirksversammlung wald«. Start der Ortsgruppen 7 Uhr an den bekc Der Schwimm-Bereiu„Welle", Mitglied des i des, Abteilung Berlin und Lichtenberg, veranstaltet.................... nachmittag» 3 Uhr, im Seebad Rummelsburg, Hauptstr. 8, fein dies- jähriges Abbaden. Die Nachfeier findet in den Lichtenberger Fcstsälrn, Litck- straße 70/71, statt. 18. reie M., immer Eharlotteuburg, Mitgl. d. A. W. B. vormittag» g Uhr, Schwimmwartesitzung und Sonntag, den ung bei Bohne, Schloßstr. 45. Nachmittags Besichtigung der Badeanstalt Iungfernheide durch die Schwimmwarte. Treffpunkt wird bekannt gegeben. Die .. � Fir«»«. Z. Greblee, Ausstattungshau», Weinbergsweg 4,«mpsiehlt ihr Geschäft IN Herren- und Damenaarderobe und gewährt bei Einkauf gstn- stize Teilzahlungsbedingungcn.(Siehe heutiges Inserat.) Gesthästliche Mitteilungen. Sriefkaften üer Reüaktion. Briefliche Auokunft wird nicht erteilt.— Jeder für den Brief- kästen bestimmten Anfrage füge man einen Buchstaben und ein« Nummer bei. Eilige Anfragen trage man in der Juristischen Sprechstunde, Lindenstr. 3, 1. Hof Part. Unk», vor. Schriftstllcke und Berträge sind mitzubringen. V. B. 4». Wenden Si« sich an den Arbeiler-Wassersport-Berband, Gustau gcpmeisel, Neukölln, Hermannstr. 178. Bulekea.AnuQci« beste Verarbeitung-, aus Cbeviot, Kammgarn. mit uncl ohne Umschlaghose, auf Leinen und RoQhaar TO. 375,—, 4SO,-, SSO,—,«so,—, 780,-,«SO,-, SSO,— Ulster Raglan- und Schlupfer-Form aus modischen Stoffen, in den neuesten Farben, beste Verarbeitung TO. 495,—, 630,—«75,—,»15,—, 1080,— Cummlmstntel hochgeschlossene und offene Sportformen, Raglan- und Schlüpfer-Modelle TO.«SO,— BIS,-,«SO,— 780,—, 8 SO,—, 998,— Beinkleider ttcue Streifenmuster, gute Stoffe in bester Verarbeitung und gutem Schnitt TO. 68,—, 85,— 95,— ILO,—, 135,—, 175,— bis 350,— Nur eigene Fabrikate alte Preise! Besichtigung meiner L£ger ohne Kaufzwang erforderlich M. ICHULMEISTER / Kettbuser Ter Bezirktverb.RerllnSPO 06. Abteilung, Neukölln Am 7. Seplbr. verstarb durd, Unfall der Genoff« RicM Wenig Ahr« feinem Andenken l Die Beerdigung findet am Son»abend. 17. Sept. nachm. SV, Uhr, aus dem Iakobi-stirchhof, Hermann- straße, statt. 3St2d Rege Beteiligung erwartet Der Abteilungsvorftaud. löeötfneiö" Aul Teilzahlung Katflge. Oeoectaatu, illflor. Schlüpfer. 8Elnsogunug»-iUnzüge bequeme diskrete Ratenzahlung (stein Laden)(Yottljeb Ztollendorffkratze 22« sunntas 9-1 Ssesial-lnoilfut Ifir Heilmagnetismns für hoffnunßslose Kranke Dir. Martin Schulz, 25 jähr. Erl. Koloerstr. 35(Alexanderpl.) 11-12 u. 5—7. Parzellen fa Saectsbotf, 15 Minuten Bern Bahnhof Strausberg entfernt, zu verkaufen. Kühn ck Co. Berlin. Porckstr. IL Kurf. 2863 strampfadergeschwllre, auch per- altete,schmerzhafteWunbrn,Ent- »llndung m. unerirägt Jucken heilt laut viel. Erfolgsberichten d milde u wohItuende,Orlinda- Salbe" 14�0 M. u. 8,00 M. Ott» Reichel. Berlin 43, SO,«ifenbahnstr. 4. Eiserne«. rrran,ponaDle Kachel� mi\ k.SEMMURstf BUYBtRß• Dres1 u I» a i- u! I Loirl-, Sildvf- Piatin-i* Brillanten- Münzen- etc. Ankauf Jt.Kehlert.Üi-�ffi� Wegen dringenden He.lnrt«. Wohnungt-Auttautch I A. SCHÄFER Spedition(gegr. issi) Lagerhaus Berün-Wilmersdorf, Wilhelmsaue 36 Langjähiige bewährte Vertretungen in ganz Deutschland. fabrizieren selbst und kdnneu ein Lied davon singen, wie ausserordentlich die Preise für Leder schon seit Wochen in die Höhe gegangen sind. Für den Verkauf der in unseren Verkaufsstellen befindlichen, noch aus billigeren Ledern fabrizierten Schuhwaren brauchten wir deshalb nicht besorgt zu sein. Wir möchten aber doch unserer alten Kundschaft den guten Rat geben, rechtzeitig zu kaufen, da die teuereren Schuhwaren in Kürze am Markt erscheinen müssen. Heute noch! GntorDamena tiefei, Chromleder u. R.-Che- Treaux, spottbillig Bieg. Damenstielel, mit echter Lackkappe SoUd.H«rrenstieleI, Rindbox, gntVerarbtg. Vorzüglich. Herr cn- etletel, echt Rindbox� mit echter Lackkapp« Herr.'GeaeUachattTO atief el, echtR.-Chevr, mit n. ohne Lackkappe in 78" 128 148 168 188 Original- Rahmenarbeit! Solider.leaterKnaben- nnd Mädchenatielel, prima Leder verarbeitnng, guteKemsohlc, spottbillig. Gr.31-33M.108,00fGr.25-26 78 Schuhfabriken f.Cie A.O. Borg SW, rricdrichetr. 340/41 W, Potsdamer Strasse 50 W, Schillstrasse 16 NW, Bensselstrasse 29 NW, Tnrmstrasse 41 NW, Wilsnackcr Str. 22 N, Brunnens trasse 37 N, Danzijicr Strasse 1 K, Friedrichstrasse 130 N, Mfillerstrasse 3 O, Andreasstrasse 50 O, Frankfurter Allee 22 SO, Oranlenstrassc 2a SO, Wrangelstrasse 49 C, Spittel markt 15 C, RoseathslsrStrasscll b.Maqdbq. Nenl�&lln, Bergstr. 30/31 Ch arlottenbnrg, Wilmersdorf er Str. 122/23/ P o t s d a m, Brandeahnrger Strasse 54 {�rSeaterrigchSslpSeie eScT] Opernbaus Nen«Instndiert Der flie�. Holländer Außer Abonnement Vi, Uhr Schanspfeihaus Die Räuber __ VI, Uhr_ leiTtsches Theater vi, Uhr; Kenn Sonntaf 7'/i Uhr: Kenn Kaninierspiele 7 Uhr, zum I. Male: Die Jungfern v. Blschotsbcrg Sonntag: 11 Vortührangen in •arytbnlseher Kunst. VI,: Die ßflehse der Pandara T/z D Jungfern T. Blacbolsberg Gr. Schanspieihaas (Karlstrale) 8: Die Weber(Aoß. Ab.) Sonnt. 3: Denten(Auß. Ab.) 6; Die Weber(AuB. Abonn) Theater i. d. KSnlppratzor Str. ■7.30 Uhr: Satans Maske Mitdem Feuer spielen (Orska, Rletr.ann, Bildt) Ztg.: Die Pabrt Ins Blaue Mo.: Die Bahrt las Blaue Eomödlenbans Täglich 7J0 Uhr: Max Pallenberg Hans Waßmann Im neuen Burleshenschwank Jonnys Busenfreund Berllaer Theater Heute 7 Uhr zum ersten Male: (Pt'tnseffin. Vaudcville von Bcruaner und Schanrer Musik ven Jean Gilbert Musikalische Einstndlerung; Hute Moesgin Haaptdarsteiler; FritziMassary als Qast Ralph Artur Roberts Pepi Zampa/ H.KJper Robert Scholz/.Hansl Schafter/ Ellj Branden Paul Rehhepf/ Ernst Behtner/ Jenny Marbs Frieda Lehndorff/ Heins Alexander/ Paul Prnegel Otto Schiller/ Wally Koch Vera Leasing Bühnenbilder; Hermann Kreban Central-Theator i' Die Postoielsterin I�eHtBGli.Opcrnliaiin 7%uhr: Die totes Augen Rrlrdr. WUJieimet.'t'li. p/toxrAmerlcan-Girl Intimen Theater 8 Uhr: Der hbtne Pantoffel Die Spelunke/ Laut doch nicht Immer nnckt herum jKLI, Hehanepleltanns t/, Uhr.- Reigen nctropal-Tbcater uh?:Die blaoe Mazor Neuen»perettentheat. i uhr; Die Könisii i incht Kenea Thcat. a. Zoo « uhr: Die kleine Lecassot Wenen ToUtntbeater **0.: Die Lokalbahn nelilller-Theat.Charl. •7>/t Uhr: NOfa SchloSpark• Th. Steglitz Tz. u.: Baas Huckebeia Thnlla-Tlienser Th v.t ScMm' Dlcli, Lotte Tli.nm Mellen du rfplatn 0'',; Der Widersp. Zlhniang uhr. Der fetter aus Dingsda Theater des Weste»s � u.; Die Braut ilueuJius Th.l.d. Kommend antenstr. (JSdiscbet Lünstler-Tbcater) (U.: D. rarlosseae Schenke Wallner-Tta eater 7.3» unr: Nixchen Stff. 3.15 ilhf: Trtnzgrflfln Volksoperette Walhalla-Th. uiDieschfineHelena Residenz-Theater Täglich VI, Uhr Paul Wegcner Irene Trlesch Paul Bleasfeldt in Totentanz 7tianoti-7hsater TägUch 8 Uhr: Ida Wüst liertii Kleines Theater Täglich VI, Uhr: Frl. Josette— meine Frau Cr.rsla Toeile, Eugen Burg, Lotte Klindcr, Jul.Fslkensteln, 11. Albers, K.Sdincidcr-Nisscn Volksbühne 21/a ü. Vorst, d. Jugend-Volksb. Der Bauer als MilllonSr. TVtUhnDie lanpe Jole Lessing-Theater Heute bis Montag 7'/» Uhr: Die Spielereien ein. Kaiserin OenlseliES Könstler-Tlteater Allabendlich VI, Uhr: die Eailsrina des Königs (Lcopoldlne Konstanlini RoseTiieater 8 Uhr: SSepPfarper v. KircB�feld JComisdie Over T'/a Uhr � VA. Uhr Qftrokwifive Cptrelfa von J3eo Siech Foües Gaprice Ltnienstr.l32 amOranienbg.T. Täglich 8 Uhr: D. Geliebte a.Teilung Fiebertaumel Bentschen.Mesepltz mit Ferd. Qrünccker CASINO-TBEATER Lothringer Str. 37— Tagl.'/48 Das neue Er&flnungs-Progr, mit der Spitzbubcnpossc Sxzellenz ZKsxo. Vorher: Das laktige Singspiel Und wem es just passieret Sonntag 31/j: Mittelarrest. ÄlIaljendliESi 8 Gör! Luitballon l im Zuschauerraum Eine Nacht In Sevilla mit 24 Damen und die übrigen 1 Sepibr.-Sensa'.loncn 1 Cireus TaraselU 2 m Bahnh. Friedrichstraße Heu 4 e, Vorstellung 4 u. 8 Uhr! Reines Varlefi-Prcgramin Rauchen gestattet! Rdmirals-Talast 7:/, Uhr: Abrakadabra Morgen a1/.: Die rot. Schuhe Morgen T/t- Abrakadabra eieiistialleii-Tbeai STETTINER SXNGER Abds.7ViU. u. Stg. nehm. 3 U. Nrn. halbe Pr, Varlctä nflahnif-Brcttl Theater a. KottbuserTor Tel.: Moritrpl. 16077 Täglich 7V, Uhr und iSonnt. nachm. 3 Uhr Elite- Sänger — 10 Herren I— Witz I Komik I Nachm. halbe Preise Vvkf. IM'/jU.L-dUhr UimjJ 7'/- Beute, Sonnabend 7'/- Qrojie dala-Srölltiutigsoorstellnng| "4 fesselnde ji gk r 19 Circus-Atlraktifinen lo und die große Ballettschöpfung 3m Reiche des Porzellans 150 Mitwirkende Sonntagnachmittag 3Va Uhr: Das vollständige Erölfnungsprogramm Jeder Erwachsene hat auf seinem Silzplatz 1 Kind frei. Trabrennen zu Rühleben Sonntag naclimlttas:% I hr: 8 Rennen.'. Gesaratpreise 127 009 M. Udmirals- ?s!sst Sonntags wieder: 31/ Nachmittags- 18. Sept.: i2 Vorstellungen roten Sohuhe Uhr bei kleinen Preisen Trotz der steigenden Lederpreise gebe ich noch Schuhwaren zu äußerst herabgesetzten Preisen ab. umnn wegen Betriebsveränderung VWFSL« Vertreter: Emil Halbarth BERLINW8, Friedrichstraße 55a TELEPHON: Zentrum 10440 Dr. Hoffbauers ges. gesch. Sntfettungs-Tabletten! Vollkommen unschädlicbes und erfolgreiches Mittel bei 1 Korpulenz> Fettleibigkeit ohne Einhalten einer Diät. Keine stark wirkenden| Aiznelmittel, keine Schilddrüse enthaltend. Nicht abführend.— Leicht bekömmlich. Gratis Broschüre versendet auf Wunsch Elefantcn-Äpothekfli Berlin, Leipziger Str.14 1 (DönhoffplatE).— Amt Zentrum 7192. Achtung! Ausschneiden! Gutschein über 5 Proz. Rabatt Fabrikgebäude 2 Trepp. sciliiiifaMiiAMGassinann Neukölln, Kaiser-Friedrich-Str. 50 Der Schuhverkauf findet n u r im FabrlkgebSude zwei Treppen statt. GaraniierV Friede nsqaal iT<5r. wieder dberall erhalHich' Fabrikant Kautabak- Niederlage G. TL Hanewacker, Nordbausen Gnmm& Triepei Nordhausen Fischer& Herw;g, Hann. Münden M. Hansen jr., Hadersleben/ Joseph Doms, Ratibor Pia» Zitgeciials«WÄSfiS! VerBanf nur an HttniUer"TBß �Anzüge Kosifimek, Cutaways mit gestreiften Hosen, Raglans, Kleider, Mäntel, Röcke auf Teilzahlung bei kleiner An- und Abzahlung (Srebler, Weinbergsweg 4 :: EinsegnungsanzUge wieder am Lager:: Verkäufe äSonaisanjUge, Mnierpalc- tots ja jiauncnb billigen Preisen. Nah, Gormann» siraße 2ö/2B, früher Pluiack- straße._ TO/IQ* StouncncttegenH Rotfüchse rt an! B«.«reujfllchse 7B Mar Alaalasüchs«! Sisb-rsüchse! beisüdisc! Skunlsel Iltis sowie gobcifüchsel PeUmäniei sowie olle onbrrrit Peljarienl Rie» seuau-wehil«eine Versatz. waren! Alles zu bebcutcnb hcrabgesetzlen. spottbilligen Sommerpreisen! Speztal» g>ei, Verfalls IM Leihhaus! Warschauerstr. 7. Monatsanzüge, Gummi. Mäntel VON 260.—. Reue Herrcngerb-robe verfantt. zu Engrospreisen an Prieab. funben Alexandersttatze 28». Hochparterre._ 137S5)* 2 Sealmäntel, Prachtstücke. ft 2950, wunberv. Silberwelf. Rifujfuchs, Silberfuchs 4UB bis 000, großer echter ofuttf». fragen 7M. Grotzmann, Scho- nebcrg,«nfsteiii-rste. 2,». I. Untergrundbahn Banerlschcr Platz._ Nähmaschinen. Teilzä Hahn, Prenzlauerftr. Sibirischer«reujfnchs, sei» ten schön, S7S, außerdem prachl- ooller Silberfuchs und Blau» fuchs billig vertäuflich. Eolb» mann, Alexanbrinenstr. 44 II, Eck« Äommanbantenstraße.- ilnzügc. Schlüpf«?, Enta» ways, aus reinwollenen Etos» fen, ebenbürtig bester Maß» arbeit, frllher bis 1250, jetzt 400—050.(Solbaiann, Alexen,. brincnslraße 44, n. Ecke Äom- manbantenstraße._ 122R* Wintermäntel 79.50, Webfehler. Flauschmäntel 98.50, pioppeulster 145.—. Prachtneuheiten. Mobellmäntel spottbillig. Kallweil, Chor» lottenburg, Bismatckstr. 59 II. Straßenhänbler finden gute Arlifel bei Kühn u. Eo., Porckstr. 11.• Euiaways, Ulster, Schlüpfer, Hofen, Krcujfüchsc, Silber- füchse, Alaskasüdisc. Keine Lombarbi»are.* Sübersiichse 300,—, Krcuj. füchse 200,—, 2351(6 400,—, —elßfüchsc, gobel-, Ala-fa füdjfe, Sfunls. Marder enorm billig. Peljmäniel 1500,—, Eporipclze 700,—. Gehprlie. Ferner: Herren. -nzüge. Nister, Gutawans, lloftüme, Mäntel, Teppiche. Gardinen, Wäsdie verlaust Leihhaus Moritzpla» 58». Keine Lombatdwarc. l3iK' KrenzfSchse 85.—. Sämtliche Pelzarien Hälfte herabgesetzte Sommerprcise. Damenmäntel. Keine Lomdardware. �Lejh. Hans Roscnthalerior, Linien- straße 203/4. Eck- Rosenlhaler- straße._ 187« tlnjfige 250�, Gummi» Mäntel 265,—.Hofen 45,-, Entaweys, Ulster Paletots. Friedcnsstofse. Keine Lom» berb»are. Leihhaus Rosen» thalertor, Linienstraße 203/4, Eck« Rofenthalerstraße.» fein« wirNich gnte Stoffe, rrarbettnng. infolge gen 75,— mehr. Lager erst. 1 lässiger Maßftosse. W-rf. statt Glsasierstraße Jw-nzig, Hochparterre.• Kreuzfüchse 100.—, Röbel» füchse. Blaufüchse, Silber. füchse. Seltene Gelegenheiten. Sensationssommerpretse. An. jüge, Hosen, Uhren. Gold» waren Spottpreise.(Keine Bcrsatzware.) Fahrvergütung. Dfanbleihhan-. Schönhauser Allee 115.(Ringbahnhof, Hochbahnhof.) 101A» Lclhhan» Schöneberg. Se- danstraße I. gegenüber Bahn. Hof, beleiht höchste ahlcnd alles. Sief« Verkauf von Wertsachen. Stephan 2033, Richard Eichelmann. lOIK' Flanschulster 95.—, Herbst- kostüme, eittzückende Noppe» schliipfer, Modellulster 250. Ricscnauswahl, dirckl Wert- statt. Altmann, Rofenthaler. straße 44, IN. Hackefchermarcl, Möbclangebot,«roste All». wähl zu bedeutend hcrabge- setzten Preisen bei kleinster 2ln- und Abzahlung sowie auch argen bar. Rath. El> sasicrstraße 44 I(Oranien- burger Tor). 127»» »cuguyäu»»:)» v,iiiov»i»v-�-»- Bei, ganze Einrichtungen, farbige Küchen in leiten«! Auswahl, bequemste Zahl- weife bei N-inster An- und Abzahlung, verlauft Möbel- Cohn, Groß« Frankfurter Straß« 58<5 Minuten vom Aleranderplotz). im Norden: Badltraße 47-48.______ 734«» Chsiselengne 100.—.?>->(«- Ivnguedecke 75,— Metallbetten 160,-.»inderdr-htbett. Meicke. Auguststr. 32». Quer- gebäude.__ 483« Metallbetten 155�-, Pvlsler» auflagen. Korbmöbel, billigste Gelegenheiten. Ringler. Neu- kölln. Weserstr. 212 I. 184» Fahrradgummi I Lausmän- j," zg—. Erirastarke Garan- tirmäntel 05�-. Garantie- schlauch 18.—.«dstoue, Wein- raetftet(h«»e-irr. IM/l»» Fahrradankauf «raste 19. Lwien 149»» Heinrich Maurer» Prwal- Ruichneidefchule. Alexander- Platz(Eingang Königsorabrn). Lege»-, Abendkurse, Herren-, Damenschneiderei, Wäsche, Putzkurse, Schnittzeichnen. Ru- schneiden. Nähfurie. Schnitt. muster Fernsprecher: König- stadt 339. Vttrschieüeae* w n nn«■■■Joa»*»' «ervielsältignuge», erst- Hastig. Ernst. Besforter- straße 8V. Humboldt 6535.» �Bertraueusoolle Auskuuf Arzt zur Stelle. Hebamme Ooitz. Reue Königstr. 57 (Mexanbervlatzl._ 102« Qneckfilber. Hornstein, kauft lebe» Quantum. Metall- fvntor John. Aue Jakob- sttaße 17 Kofoski. Goldschmied, kaust zu günstigen Preisen: Pia- tin-, Gold-, Silberbruch, un- modernen Schmuck, Zahnge- bisse. Brennstiste. Eigene Berwertung. Gold waren- Fabril. Brunnenstraste 168, Silberschmelze Christtonat, Köpcnickerstr. 20s(gegenüber Manicustelstraße) kaust Rahn- gebiste, Platinabsälle, Schmuck» lachen,«lithstrumpsasche. Queck. stlber. tömtliche Metalle. 142« «rslnder._ Patenlbureau Packlcher.«ertraudtenstraste 15 Kentrnm 7600. 75K« Schallplatten, stSalzen. alte kauft Metallfontor 28. John Alte Ialobstraße 138(Halleschrs Tor). Unterricht Ta,, Institut»allettmelster Marls, Pankow, Lindenpro- menade 54. Sm Lehrerver- einshaus, Alexandeiplatz, Deutschen Hos und in Pan- kow beginnen jetzt sämlliche Kurse.' Gesundbrunnen. Kausmän. Nische Privatschnle Boiesiaus Kostatz, Badstraße 67. Hum» doldi 223. Anmeldungen iederzeli. Drucksachen kosten- frei. Avril neue Lehrgänge. Rudoss" Maurer'» Prioat- im f d) n t i b c f ch u i b(6 t r 6* 6 1) II c nt), Inbader 2Ilsred Maurer, Fried- rlchstraße 6l, gegründet 1871. Serren- nndDamen-Schneiderel, Wäsche. Wodenkunstvertag.» ««e streU Für Festlich� ketten und Versammlungen zu soliden Preisen zu vermie- ien.»ellers Festfäle. Koppen- sttaße 29. Inhaber Gustav Tawatzki. • Xtellenangebole Manometer- Zustierer mit guten Zeugnissen stellt sofort «in Manama, SW., Alte Ja» kvbstraße 156.__ 3844b Lehrling, möglichst mit Obersekundareife, für Ler- bei sachae- > gesucht. tliche naebote an Verlag Gesell- schaft und Erziehung, Berlin» Fichtenau(Kreis Niederbar- Angebote an Verlag Nim) bei Rahnsdorf. 3843b votenfrone» sucht Zeitung»- zentrale Neukölln, Siegfried- straße 28/29,_+31 Schlosser für 524® Kleinapparatebau Nagel, 0-°»»«»«-. 22. 2 tüchtige,'selbflönblge, stellt so- (Ott für dauernd ein 74/4» Heller, Fasanenftr. 58. werden mehrere selbst llttdig« Zlnker- wicklerinnen Offerten unter N 27 an die Hauptexpedition des„Vorw" Löterinnen geübte, auf Zinkbecher fl44/19» Schulz, Fürstenstr.>8. Tücktlxo branchekundige Seidenband sofort gesucht Meldungen: 1 2—2 Uhr mittags 5—6 Uhr abends &. Jandorf& Co. Brunnenstraße 19/21. Lehrmädchen im Alter ven 14—16 Iahren sü« verkauf sofort gesucht. M«Idungen in Begleitung de» Pater» oder de» Bormunde» von 8—12 Uhr mittag, oder 5—6 Uhr abend» in der Personal»®-?- waltung. 2l. Jandorf u. Co., Delleallianceslr. 1/2. IHK Bohrer für PräzlBionaarbeiten yarlaaft Schütte& Deichen Eaumschuienweg, Köpenickcr Landstr. 161 Seht öie Wählerlisten ein! Dieselben liegen wochentags von 12 bis 7 Uhr abends nnd Sonntags von 10 bis 3 Uhr nachmittags aus. Niemand darf versäumen, sie einzusehen. Wahlrecht ist Wahlpflicht! München behauptet, dann mußte ihm gegenüber jede Konse- quenz gezogen werden. Wir hoffen aber, daß Weismann die Antwort nicht schuldig bleiben wird. Indessen darf man dabei nicht übersehen, daß auch der bayerische Sch weyer den intimen Verkehr Ehr- Hardts beim Polizeipräsidenten Poehner zu- geben muß. Nur merkwürdig, daß man in München gar nichts davon gewußt hat. daß Ehrhardt�ein Hochverräter war, der Berlin nächtlicherweile mit seinen Landsknechten überfallen hatte, der die Seele des Kapp-Putsches gewesen. Das alles wußte man bei Poehner nicht, aber freilich, auch im Wehr» Ministerium zu Berlin ist der Ehrhardt aus- und eingegangen. Was dem Geßler recht, muß schließlich auch dem Poehner billig sein... Das bayerische„Geschäftsministerium", das angeblich keine politischen Entschlüsse fassen kann, nimmt die Gelegen- heit wahr, durch Herrn Schweysr aufs neue einen �'eil gegen den Reichskanzler zu senden, der nach dieser Darstellung die Verständigung mit Bayern aufhalte. Das ist ein sehr durch- sichtiges Manöver, auf das verständige Menschen nicht hinein- fallen werden. Was Dr. Wirth bisher an Entgegenkommen an die bayerischen Empfindlichkeiten geboten hat, ist unserer Meinung nach schon so weitgehend, daß wir ihm dringend raten mochten, hart zu werden und sich von den preußi- schen Altbayern nicht ins Bockshorn jagen zu lassen. Wenn die bayerischen Regierungskreise eine„Verständigung" wollen, so können sie sie ja bald haben. Nur darf sie nicht auf Kosten des Reichs und der Republik gehen. Koburg gegen üas Spftem Kohr. Seburg, IS. September.(WTB.) Die blutigen Vorgänge des 3. September bildeten in der gestrigen Sitzung des großen G e. m e i n d e r a t s uen Gegenstand einer lebhaften Aussprache. Don den bürgerlichen Parteien wurde eine Entschließung einge- bracht, die einstimmig angenommen wurde. Darin heißt es:„Der gr.ße Gemeinderat bedauert die Vorkommnisie vom 3. September, bei denen ein Menschenleben vernichtet und bedeu- tende Sachschäden angerichtet worden sind. Er ist der Meinung, daß diese Vorkommnisse zu vermeiden wären, wenn der beste Kenner der örtlichen Verhältnisse der Stadt Koburg, der Ober- bürgermcister, an zuständiger Stelle von' der Regierung gc- tmhrend gehört worden wäre, und erwartet, daß auf Grund eines unparteiischen Gutachtens die Angelegenheit baldigst geklärt werde." Diese von bürgerlicher Seite beantragte Entschließung des Koburger Gemcinderats bedeutet die schärfste Verurteilung der Regierung Kohr, die in das friedliche Städtchen aus Bay- reuthPolizeischickte.um gegen die für die Republik demon. strierenden Arbeiter mit schärsiten Mitteln einzuschreiten, ohne daß ein Grund dazu vorlag. Eine �ergt-Versammlung verboten. Braunschweig, IV. September.(WTB.) In einer für den 17. September tn Braunschweig geplanten Versammlung sollte der Führer der Deutschnationalen Hergt sprechen. Gegen diese Versammlung waren in den letzten Tagen die Braunschweiger Sozia- listen durch Aufrufe in ihren Organen aufgerufen worden, so daß mit einer gewaltsamen Sprengung der Versammlung zu rechnen war. Wie die„Braunschweigcr Neuesten Nachrichten" berichten, hat nun- mehr die braunschweigische Regierung die Hergt-Versamm- lung verboten._ Anöenburg feiert weiter... Aus Oldenburg weiß die TU. die folgende erbauliche Ge- schichte, zu erzählen: Schon Sllmden vor der angesetzten Ankunft des General- feldmarfchalls v. Hindenburg hatte sich eine nach Tausenden zählende Menschenmenge vor dem Bahnhos postiert. Als der greise Feldmarschall pünktlich mit dem Sonderzuge eintraf, wurde er unter stürmischen Hochrufen von den Abordnungen des Der- eins der ehemaligen 91er und den verschiedenen Hand- Werkerinnungen begrüßt. Etwa 1000 Schulkinder sangen vaterländische Lieder. Darauf bestieg der Feldmorschall, der in Zivil erschienen war, den mit Blumen geschmückten Wagen. Dann ging es durch die mit Girlanden und Fahnen geschmückten Straßen zur Stadt. Um 6 Uhr wird der Generalseldmarschall im Sitzungssaal« des Rathauses von den städtischen Kollegien emp- fangen werden, wo der Oberbürgermeister dem ersten Ehrenbürger der Stadt den Ehrentrunk reichen wird. Abends wird ein Zapfenstreich veranstaltet. Der Besuch Hindcnburgs findet aus Anlaß des Regimentsappells(!!!) des 91. Infanterie» regiments statt. Es besteht ja wohl«ine Reichsverordmmg, daß derartige Re- gimentsfeiern aus inner- und außenpolitischen Gründen verboten werden können. Ist die Verordnung in Oldenburg noch nicht bekannt- geworden? Dann sollte man schleunigst«in Druckexemplar dort hin- senden._ »5anöfrleöensbruch� wegen Schwarzweißrot! Hameln, 16. Sepkember. Gestern morgen wurden vier Arbeiter wegen Landfrledensbruches verhaflek, weil sie am ZI. August anläßlich des Demonsiralionsniqes die schwarz- weihroten Fahnen von einem Lokal heruntergeholt hatten. Infolge- dessen ist die Arbeilerschasl der hiesigen größeren Betriebe gestern in den Generalstreik eingetreten. Mittags zogen die Arbeiker durch die Stadt, protestierten gegen die Verhaftung und befreiten die Verhafteten gewaltsam aus dem Gefängnis. Die Arbeit ist heute in ollen Betrieben wieder aufgenommen worden. Will denn der Iustizminister nicht seine Staatsanwälte endlich anweisen, die überaus aufreizenden Anklagen wegen Handlungen zum Schutze der Republik zu Unterlasten? Die Aeitungsverbote. Die Berliner„Rote Fahne" erscheint sei ihrem Verbot jeden Tag unter einem neuen Namen. Zunächst nannte sie stch „Die Internationale", dann erschien sie unter dem Titel„Ro!« Fahne der Lausitz". Nachdem nun gestern abend das Berliner Polizei- Präsidium die Verbreitung der„Roten Fahne de? Lausitz" verhindert hatte, erschien die„Rote Fahne" heute früh unter dem Namen„Berliner Mitteilungsblatt der Kommunistischen Partei Deutschlands l Bezirksoerband Derlm-Brondenburg)". Wie die PPN. hören, ist mm auch die»Rote Fahne" unter dem dritten Titel vom Reichsminister des Innern beschlagnahmt worden. Wir haben schon vor einigen Tagen die Kommunisten darauf hingewiesen, daß sie mit ihrem Verhalten lediglich die Geschäfte der Reaktion besorgen. Wie die neuen Vorgänge zeigen, denken sie jedoch ihr« Dummenjungenpolittt zur Freude der Hergt und Genossen fortzusetzen. Seit Erlaß der Verordnung des Reichspräsidenten sind bisher 28 Zeitungen verboten worden. Von diesen haben nur IS Beschwerde erhoben; neun Beschwerdesteller erreichten die Auf- Hebung des Verbotes, während sechs Beschwerden hinfällig waren. Außer den Zeitungen verfielen noch zwei Flugblätter und ein Witz- blatt dem Verbot. Den 28 erlastenen Zeitungsverboten standen ins- gesamt 29 aufgehobene Verbote gegenüber. In demselben Zeit- räum wurdsn 27 Versammlungen verboten, und zwar 25 von den Polizeibehörden und zwei v om Reichsministcr des Innern. Hier wurden nur fünf Beschwerden erhoben, was die zu- ständigen Stellen zu der Auffastung veranlahte, daß die Verbots im allgemeinen sehr vorsichtig und zum größten Teil zu Recht er- gongen sind. Berlln, 16. September.(WTB.) Der Reichsminister des Innern hat die in Berlin erscheinende Wochenschrift„Die Tradition" für die �eit vom 16. bis einschließlich 29. September 1921 verboten._ preußische? Untersuchungsausschuß. In einer Vormittagssitzung vernahm gestern der Untersuchungs- ausschuh zur Aufklärung der Mörzunruhen einige Spezialzeugen zu einer Reihe von Einzelfragen. Auffällige Resultate ergaben diese Vernehmungen.nicht, wenn auch manche interessante Einzelheit zu- tage kam. Zuerst wurde der Polizeitonunissar U n g e r aus Halle ver- nommen. Die Rechte wollte die Vernehmung dieses Zeugen be- nutzen, um Material gegen den sozialdemokratischen Poiizeidirektor D d l z von Halle zu gewinnen. Sie befragten ihn deshalb u. a. ein- gehend über die Genehmigung eines Demon st rationszuges nach dem Friedhof, wo ein Denkmal für die Gefallenen der Kapp- Tage enthüllt werden sollte. Der Tennin dieser Enthüllung stand schon seit Wochen fest, er fiel nur zufällig in die Aufstandszeit. Bei der Feier soll dann der bekannte L e m t die Anwesenden aufge- fordert haben, den Aufftändischen zu Hilfe zu eilen, worauf meh- rere hundert Mann nach Mitteldeutschland abgerückt seien. Wegen der Genehmigung dieser Demonstration hat die Rechte Dölz heftig angegriffen. Es erregte daher einiges Aufsehen, als der Vorsitzende den Zeugen fragte, ob nicht der Vorgesetzte des Polizeidirektors Dölz, Regierungspräsident v. Gersdorsf mit der Sache einverstanden gewesen sei, und. als der Zeuge dies nicht angeben tonnte, den Be- weis hierfür vorbehielt. Die Vernehmung des Zeugen R« i w a n d von der USP., der einige Monate Poiizeidirektor in Halle gewesen war, ergab nichts Wesentliches. Schließlich wurde noch der ehemalige Betriebsrat Bernhard Äoenen vom Lcuna-Werk vernommen. Seine Aus- sage unterschied sich von der der früheren Leuna-Zeugen dadurch, daß er erklärte: Nicht die Diebstähle hätten vor dem Aufstand starb zu- genommen, sondern die K o n t r o l l e sei verschärft und dadurch seien die Zusammenstöße mit den Piörtnern herbeigeführt worden. Die Diebstähle selber erklärte der Zeuge dadurch, daß auf dem Leuna- Werk eine Protektionswirtschaft geherrscht habe. Direk- roren, Oberbcamte und besonders begünstigte Arbeiter hätten die Er- laubnis gehabt, für billiges Entgelt Gebrauchsgegenstände für sich herstellen zu lassen. Dadurch seien die übrigen Arbeiter verlockt war- den, im kleinen für sich zu tun, was andere im großen taten. Der Zeuge, der der VKPD. angehört, war Vorsitzender des Betriebsrats. Er hat im Gegensatz zu dem Obmann Daniel den Generalstreikbeschluß om 23. März gutgeheißen. Auffälligermeise hat er aber an den beiden Versammlungen, in denen der Generalstreik beschlossen wurde, trotz Anwesenheit im Werk nicht teilgenommen. Der Zeuge erklärt dies aus„taktischen Rücksichten". Während der Ausstandszeit war der Zeuge im Werk, will sich aber nur um Be- triebsfragen bekümmert haben und kann über die Bewaffnung und militärische Maßnahmen unter K e m v i n nur sehr unbestimmte Mit- teilungen machen. Der Zeuge klagt die Oberbeamten und Betriebs- leiter heftig an, daß sie die Nctstandsarbeiten sabotiert hätten, nur weil sie die Kontrolle am Eingang geärgert habe. Uebcr K e m- pin sagt der Zeug- aus, man hätte oft zweifeln müssen, ob er aus politischer Unreife oder als bezahlter Spitzel die Arbeiterschaft zu törichten Entschlüssen hetzte. Nach der Verur- teilung Kempins zu lebenslänglichem Zuchthaus nimmt der Zeuge bestimmt das e r st e r e an. Am Abend vor der Einnahme hat der Zeuge, der außerhalb wohnte, wie gewöhnlich das Wert verlasse» uno es erst nach der Einnahme wieder betreten. Er kennt daher die Vorgänge bei üer Einnahme nicht, weiß auch nicht genau, ob ein Be- schluß vorlag, sich kampslos zu ergeben. Der Zeuge bezeichnet die Arillcrioveschießuna als ein Verbrechen, weil ein Treffer in einen der großen Ammoniakbchälter im Umkreis von mehreren Kilo- meiern alle? Leb-n hätte vernichten können. Tatsächlich sei durch die Beschießung ein Zuieirungsrohr zerstört worden. Daraufhin seien d..» Rotltanooarbeiter in die Keller geflüchtet und dadurch erst der Betrieb stillgelegt worden, während bis dahin alle Notstandsarbeiten vcr-ichte' worden feien. Wegen des sozialdemokratischen Patzteitages findet die cküchste Sitzung des Ausschusses erst am M o n t a g, den 26. er., nachmittags 1 Uhr, statt. Zu dieser Sitzung sind weitere Zeugen aus dem Leuna- Wert und den Mannsfeldischen Betrieben geladen. yauptausfthuß üer flrbeiterwoblfahrt. Görlitz, 16. September. (Eigener Dr a h t b e r i ch t.) In der ersten b-schließenden Iahresversamm- lung des Hauptausschusses für die Arbeitcrwohlfahrt, die in Görlitz am 16. September tagte, referierte Genossin Inchaez„ü b e r die Erfahrungen der Vergangenheit in der Arbeiter- Wohlfahrt und ihre Nutzanwendung". Sie betont da- bei, daß die Sozialdemokraten in der Wohlfahrtspflege nicht als Neulinge daständen, sondern schon vor dem Kriege und während des Krieges eine Unsumme sozialer Arbeit geleistet hätten. Es komme aber jetzt darauf an, alle Kräfte innerhalb der Wohlfahrts- pfleg- organisatorisch zu>onimen, zufassen. Schon die Ausführung der einzelnen Wohlfahrtsgesetze in den Ländern erfordere einen organi- sctorischen Apparat Daher müsse auch die Sozialdemokratische Partei ebenso wie die anderen Parteien eine Organisation für die Wohlfahrtspflege schaffen, die zusammen mit den anderen Ein- richtungen aus dem Wohlfahrtsgebiete mbeiten, und zwar unter Beiseikelassung aller parteipolitischen Bestrebungen. Natürsich könne diese Arbeit nur von den sozialdemrt ratischen Grundanschauungen aus geleistet werden. Der Hauptausschutz für Arbeiterwohlfahrt, der am 13. Dezember 1919 gegründet worden ist, habe sich vorläufig« Richtlinien geschassen, die ein Programm darstellen. Oberster Grundsatz sei die Zusammenfassung aller in der Wohlfahrtspflege tätigen Männer und Frauen. In der Wohl- fahrtspflege gebe es wie auf ollen anderen Gebieten keine Sonder» gebiete für die Frauen und für die Männer. Der Hanptausschuß lehne sich in bezug auf die Organisation an die Parteiorgani- sation an. Er sei als ein besonderer Arbeitszweig der Parteiarbeit anzusehen, ohne daß deswegen die parteipolitische Einstellung in den Vordergrund geschoben werde Aber genau wie die Bil- dungsarbeit gesondert erfolg? müsse auch für die Wohl- fahrtspflege ein besonders organisierter Apparat geschaffen werden, der dann mit allen anderen Organisationen auf diesem Gebiete ebenso zusammenzuarbeiten habe, wie das im Zentralaus- lchuß für die Auslandshilse geschehen sei. Die Schulung der in der Wohlfahrtspflege tätigen Kräfte stelle eine der Hauptaufgaben des Hauptaueschusses dar. Auf diesem Gebiete müsse auch eine große Arbeit geleistet werden. Die Ersetzung der Sonderlehrgänge durch Stipendien sei nicht ohne Gefahren. Eine Schulungsmöglich- keit, wie sie in den Sonderlehrgängen geboten werde, müsse vor- Händen sein. Selbst m-t Hilfe von Stipendien sei es einer Reihe von für die Wohlfohrtsarbeit prädestinierten Frauen nicht möglich, die soziale Frauenschule zu besuchen. Das Bestreben des Haupl- ausschusics müsse es sein, durch besondere Maßnahmen auszu- merzen, was an Benachteiligung der minderbemittelten hochstrebenden Kräfte vorhanden sei. Die jetzige Zeit ist Uebergangszeit. Wichtig für die Arbeit der Orts- und Bezirksausschüsse ist die Mitwirkung an der Hand eines genauen Rezeptes. Die Genossen und Genossinnen müssen sich gegens-itig unterstützen und in enger Fühlung mit dem Hauptausschuß bleiben. Eine vereinsmäßige Organisotionsform empfiehlt sich nicht. Frau hoyer-Leipzig tritt in der Diskussion für Schaffung von Säuglings- und Kleinkinderkrippen, insbesondere aber für die Ein- richtung von Walderholungskrippen ein. Frau Labelmeier-München bedauert die Zersplitterung der Arbeiterschaft und spricht sich für ein Zusammenwirken der Ar- beiterwohlfahrt mit den Gewerkschaften aus. Die Arbeiterwohl- fahrt müsse durch Eintragung in dos Vereinsregister zu einer ein- flußreichen Einrichtung gemacht werden, die auch ein Gegengewicht konfessioneller Bereine werden kann. Genossin Grünberg-Nürnberg empfiehlt die Einrichtung von Kindergärten für Kinder, deren Eltern der Armenpflege anHeim- fallen, und beantragt die Gründung gemeinnütziger Anstalten und Siedlungsgesellschaften zur Unterbringung Willensschwacher und geistig Beschränkter. Genossin Zöls-Breslau steht in der Aufbringung von Geldern durch die organisierte Arbeiterschaft und die Gewerkschaften ein Mittel, die parteipolitischen Gegensätzlichkeiten zu einem Teil zu überwinden und fordert Aufklärung durch die Presse über die Wohl- fahrtspflege im sozialistischen Sinne. Frau Büttner-Dresden berichtet über die Wohlfahrtspflege in Sachsen und fordert die Unterbringung von Frauen in maßgeben- den Stellen der Wohlfahrtspfleze. Korrel-Hamburg schildert ausführlich die Hamburger Verhält- nisse und betont, daß die Hamburger Iugendwohlfahrtseinrichtung durch die Reichsgesetzgebung gefährdet sei. Frau Harpf-Königsberg fordert die Umgestaltung rückständiger Gesetze und Schaffung neuer Gesetze auf Grund der sozialistischen Weltanschauung. Winkler empfiehlt die Mitarbeit der Gewerkschaften, Orts- krankenkassen und Arbeitertamariterbünde in der Wohlfahrtspflege. Grotian-Verlin fordert zur Gründung und Mitarbeit in Bün« den der Kinderreichen auf. Frau Lchmann-Göttingen wünscht die Hinzuziehung jugend- sicher Arbeiterinnen für die Wohlfahrtspflege. Franz-Chemnitz weist u. a. auf die Wichtigkeit der Fürsorge für die schulentlassene Jugend hin. In der N a ch m i t t a g s s i tz u n g wird in der Diskussion über das Referat der Frau Iuchaez fortgefahren. Genosse Ewerth ilt der Meinung, daß auch eingetragene Vereine in der Wohlfahrtspflege praktische Arbeit leisten können. Der Hauptausschuß habe die Aufgabe, alle in der Wohlfahrtspflege tätigen Personen zusammenzufassen und neue Kräfte zu gewinnen. Die Wohlfahrlsausschüsse müßten gegebenenfalls mit den bürger- lichen Organisationen zusammenarbeiten, und darum feien diese Ausschüsse unter allen Umständen beizubehalten. Vor allem gelte es ober, die Interessen der Genossen und Genossinnen bei der Besetzung von Stellen zu wahren. Bielleicht wäre es zweckmäßig, zwei Orga- nifationen nebeneinander zu'ühren, die Arbeiterwohlfahrtsausfchüss« der Reichs- oder Landesverbände. Dann wäre es auch eher mög- sich, mehr Mittel flüssig zu machen. Hille-Werdau glaubt, daß es vor allen Dingen darauf ankomme, das Gefühl der Solidarität und der Begeisterung unter den Sozial- demokraten wachzurufen. Es fei Aufgabe des Hauptausschusses, begeisterte Vertreter der Wohlfahrtspflege in die einzelnen Orte zu fcbicken. Begier-Hamburg fördert die energische Verwirklichung des Ver- sprechen? der Rcichsverfassung betreffend ausreichende Fürsorge für kinderreiche Familien. Frau Kumiß schließt sich der Auffassung der Referentin an, daß Richtlinien für die Ausschüsse nicht gegeben werden könnten, da das Arbeitsfeld in den einzelnen Gegenden sehr verschieden sei. Vor allen Dingen sei es Pflicht des Hauvtausschusses, über die einzelnen Fälle einer Notlage sofort an das Wohlfahrtsamt zu berichten und sich der Schließung sanitärer Einrichtungen zu widersetzen. Durch unentgeltliche Unterbringung werdender und unehelicher Mütter in Entbindunasanftalten sowie durch Unterbringung der Kinder und evtl. Arbeitsversorgung der Mütter müsse einer Verelendung der unchelichen Rlutkerschafl entgegengewirkt werden. Auch der Ausbildung ehrenamtsicher Kräfte sei in deck.Hauptausschüssen gleiche Aufmerksamkeit zu widmen. Eine Revision der Frauengefängnisse, in denen vor allen Dingen Frauen wegen Vergehens gegen das keimende Leben schmachten, sei unbedingt geböten. Wie für die politischen Gefan- gen, müsse auch hier Amnestie gefordert werden. vuark-Hammerstadt tritt für die Aenderung der Prüfungsver- ordnung für die Ausbildung ein, weil von Arbeitern und kleinen Beamten pekuniäre Aufwendungen verlangt würden, hfe nicht ge- tragen werden könnten. Auch für die Gewinnung ehrenamtlicher und nebenamtlicher Kräfte fei Serge zu tragen. Namentlich auf dem großen Gebiet der Bornuindschaft. Herder-Bremen wüiffcht die Durckidringung der Gefangenenfür- sorge, der Jugendfürsorge usw. mit sozialistischem Geist. Haberland tritt für alljährliche Tagung in Verbindunng mit dem Parteitag ein. Frau Hauke schildert die Berhälknissc in Oberschlesien und spricht sich für einen Ausbau der Kinderhilfen oud. Zabe-Hamburg fordert eine Reform des Strafvollzugs. An Stelle der Gefängnisgeistlichen müßten soziale Beamte treten, die auf das geistige Leben der Gefangenen einwirken und ihnen die Wege im Lebenskampfe zu ebnen versuchen müssen. Armin-Elberseld wünscht eine bessere Ausbildung der Frauen für Wohlfahrtspflege und empfiehlt Stipendien für diese Zwecke. Ein Antrag auf Schluß der Debatte wird mit großer Mehrheit angenommen. Die vorliegenden Anträge und Resolutionen werden nach einem Schlußwort der Frau Iuchaez angenommen bzw. dem Hauptausschuß überwiesen. Schluß 8 Uhr. GewerLsthOjwbewegung Das öetriebsrätegesetz in öer Tschechoslowakei. Das tfchechoslwoakischo Parlament hat im August ein Gesetz über die Betriebsräte angenommen, welches am 1. Januar 1922 ins Leben treten soll. Di« Besugnisse der Betriebsräte find, wie unten ausführlich mitgteitt, nicht sehr weitgehend, da sie sich aus die Kontrolle der Produktion nicht erstrecken. Die Betriebsräte haben sich in erster Linie mit dem Arbeitsverhältnis zu beschästi- gen. Das Gesetz nimmt den Bergbau, für welchen Betriebsräte be- reits eingerichtet sind, und die staatlichen Betriebe aus, es bezieht sich aber auf alle anderen Unternehmen, welche auf Erzielung von Ge- winn gerichtet sind und wenigstens 3» Angestellt« refp. Arbeiter be- schäftigen. Der Betriebsrat besteht aus 3 bis 20 Mitgliedern und wird durch Verhältniswahl gewählt. Als Wirkungskreis der Be- triebsräte ist folgendes vorgesehen: Sie sind verpflichtet, aus alles zu achten, was sich aus die wir t« schaftlichcn, sozialen und g e i st i g e n Interessen der An- gestellten und Arbeiter bezieht. Sic beteiligen sich an der Ausarbei- tung der Verträge über Arbeitsstunden, Gehälter usw. und über- wachen die Ausführung derselben. Sie haben das Recht, in Gegen- wart eines Bevollmächtigten des Unternehmers die Lohnbücher des Betriebes zu prüfen. Sie überwachen die Ausführung der schiedsgerichtlichen Entscheidungen und der Bestimmungen über Arbeiterschutz, besonders soweit es sich um Schutz gegen Unfälle, chygiene und allgemeine Sicherheit der Arbeiter handelt. Ein Mit- glied des Betriebsrats muß an allen Verhandlungen über Fragen dieser Art, die mit den Behörden geführt werden, teilnehmen. Die Betriebsräte arbeiten gemeinsam rnit der Leitung des Betriebes an der Aufrechterhaltung der Disziplin, des harmonischm Verhält- nisses zwischen Leitung und Arbeiterschaft sowie des Personals unter sich. Sie ernennen unparteiische Schiedsrichter für den Ausgleich eventuell eintretender Differenzen zwischen den Anhängern verschiedener Glaubensbekenntnisse, Parteien oder Or- xanisationen. Falls die Direktion mit der Entlastung einer größeren Zahl von Arbeitern aus anderen Gründen als denen der Arbeits- leistung droht, oder ein Arbeiter bzw. Angestellter, der mehr als drei Jahre im Betrieb beschäftigt war, entlassen werden soll, hat der Betriebsrat das Recht, Einspruch zu erheben und seine Meinung auszusprechen. Die Räte' sind unter Umständen mit der Verwaltung der von den Betrieben eingerichteten Wohlkahrtseinrichtun- g e n zu betrauun. In Unternehmen, die 300 Arbeiter oder 50 Angestellte(Bureaubeamten usw.) beschäftigen, hat der Betriebsrat das Recht zur Einsicht und Prüfung der Bilanz des Bor- j a h r e s. In Aktienunternehmungen mit einem Kapital von min» destens einer Million Kronen hat der Rat das Reckst, einen Bs- auftragten zu den Direktion s.fitzungen zu entsenden. Dieser muß sowohl zu den Sitzungen wie zu der jährlichen General- Versammlung zugezogen werden. Er hat kein Stimmrecht. Ferner sieht das Gesetz die Schaffung eines Schlichtungs- ausschusses zur Regelung von Arbeits st reitig- leiten vor. Dieser Ausschuß wird sich aus sechs Mitgliedern zu- fammensetzen und kann Beschlüsse fassen, die von den Behörden aus- geführt werden. Den Vorsitz soll ein Jurist führen, im übrigen setzt sich der Ausschuß aus je zwei Vertretern der Arbeitnehmer und Ar- beitgeber und aus einem Sachverständigen für industrielle Fragen zusammen. Internationaler Textilarteiterkongreß. In der Zeit vom 19. bis 24. September d. I. wird in Paris ein internationaler Textilarbeiterkongreß stattfinden. Er war schon vor drin Kriege für Frankreich vorgesehen, mußte aber wegen des Krieges vertagt weroen. Der letzte internationale Tcxtilarbeiterkongreß fand in Blaek- pool(England) kurz vor Ausbruch des Krieges statt. Er erklärte sich einmütig gegen jeden Krieg— zu einem Zeitpunkt, an dem der Krieg schon, ohne daß die Teilnehmer am Kon- greß eine Ahnung davon hatten, so gut wie fertig war. Hoffentlich wird der Gedanke der Völkerversöhnung und der Kriegsgegnerschaft auch den Pariser Kongreß beherrschen. Dieser wird natürlich, seinem Zweck entsprechend, keine Politik treiben. Die vorläufige Tagesordnung sieht den Ausbau des internationalen Sekretariats und der internationalen Streikunterstützung, des internationalen Korrespondenzblattes(Periodische Berichte genannt) vor. Dem Kongreß liegen Anträge aus internationale Regelung der Arbeits- zeit und solche vor, die Arbeitslosigkeit und die Unfallversicherung zu besprechen. Von Italien liegt ein Antrag vor,' die 48- S t u n d« n w o ch e' als längste Arbeitswoche und den Sieben- st u n d e n t a g als längste Arbeitszeil für Schichtarbeiter zuzu- lasten. Holland beantragt sogar, eine lebhafte Propaganda für die 45-Stundenwoche, die dort Gesetzeskraft hat, zu entfalten. Wir werden über die Verhandlungen, die im Saale der Koope- ratioen, Tourbouso du Temple, stattfinden, am Schluß zusammen- fassend berichten._ Ter Streik in der Filmindustrie. GeWiste tendenziöse Prcssenachrickiten versuchen die Beilegimg des Streiis zu verzögern. Dabei tut sich der„Lokal-Anzeiger* besonders hervor. Er ichrieb zum Beiimel in seinem letzten Bericht. das Arbeitsministerium greise auf keinen Fall in diesen Streik ein. Das enispricht nicht der Wahrheit. Vielmehr wird daS Reichs- arbeitkmittisteriuln heute früh mit den Parteien in Verhandlungen eintreten. Die Arbeitgeber versuchen durch persönliche Rücksprache mit einzelnen ihrer Angestellten und Arbeiter unter Versprechung günstiger Lohnsätze die Einheit der Bewegung illusorisch zu machen. Diese Bemühungen scheitern jedoch an dem gesunden Sinn der Streikenden._ Rettende Engel. Eine besonders mißbräuchliche Verwendung der Sipobeamten zum.Schutze" der Arbeitswilligen erlaubr sich die T e r r a- F r l m- Aktiengesellschaft, Kochstr. 72/73, in deren Betrieb das gesamte Personal Sireikbrecherarbeiteu verrichtet. Drei Be- amte der Sipo sind dort seit einigen Tagen be- reitS stationiert, welche sich in dem Anmclderaum der Firma aufhalten, und von derselben nach Feststellung einwandfreier Zeugen bei einem Glase Bier ihren beschwerlichen Dienst verrichten. Nur ob und zu muß sich einer dieser Beamten dazu bequemen. irgendeinen Streikbrecher vor den Gefahren der Straße zu be- hüien und ihn, wie wir ebenfalls wiederholt festgestellt haben, zur nächsten Elektrischen zu geleiten. Wir erlauben uns. in der Oeffentlichkeit die Frage zu erheben, ob die Sipo nichts Besseres zu tun hat, als einem halsstarrigen Iluternchmertum Handlangerdienste zu leisten, um den Streik der um ihre berechtigten Forderungen kämpfenden Arbeit- nehmerschaft in dieser Art abzuwürgen. „Revolverhelden beim Filmstreik". Unter Berufung auf§ 11 des Preßgesetzes ersucht uns Herr Richard Ott, Lichtenrade, Richterstr. 6, von der Hansa-Film» V e r l e i h- G. m. b. H. um eine Berichtigung der in Nr. 435 des „Vorwärts" gebrachten Schilderung der Vorgänge, die sich am Mittwoch vor dem Hause der Gesellschaft, Zimmerstr. 10/18, ab- spielten. An jenem Morgen hätten die Streikposten einen furcht- baren Terror auf die Arbeitswilligen ausgeübt, so daß sich Herrn Ott„ein furchtbares Bild" dargeboten habe, als er die Geschäfts- räume betrat.„Es lagen Damen und Herren in Weinkrämpfen, und anderen waren mit knapper Not stärkeren Verletzungen ent- gangen."„Ich habe mich dann im Hausflur aufgehalten und wie gewöhnlich versucht, gütlich auf die Leute einzureden. Es waren aber lediglich Arbeiter aus anderen Betrieben, die mich wahr- scheinlich nicht kannten, denn nur so kann ich es mir erklären, daß die Leute plötzlich auf mich und auf die im Betriebe anwesenden Leute eindrangen, so daß ich mich genötigt sah, völlig ungc- fährliche Schreckschüsse abzugeben." Herr Ott bestätigt also, daß er sich im 5)ausflur aufgehalten und Schüsse abgegeben hat. Ein Augenzeuge teilt uns mit, daß die Streikenden versuchten, weibliche Arbeitswillige, die auf der dem Hause gegenüberliegenden Strasie standen, zur Solidarität zu ermahnen. Als zwei männliche Streikbrecher kamen, um in die Betriebsräume zu gehen, schlössen sich ihnen ihre Kolleginnen an. Infolgedessen kam es zu erregten Auseinandersetzungen auf beiden Seiten, in deren Verlaus eine Arbeitswillige einem Streikenden ins Gesicht schlug. Zur Fest- stellung ihrer Personalien wurde die schlagfertige Arbeitswillige einem vor dem Hause postierten Polizeibeamten überliefert. Herr Ott stand während dieser Vorgänge im Hausflur. Als ein Strci- kende? auf ihn zutrat, um mit ihm zu fvrechen, schoß Herr Ott drei- mal auf denselben und lief dann die Treppe hinauf, während die Arbeitswillige auf die Straße zurückkehrte. Nachdem ein Trupp der Schutzpolizei erschien, ging sie wieder in die Arbeitsräume. Herr Ott wird zugeben müssen, daß, wenn er sich in seinen Geschäftsräumen anstatt im Hausflur aufgehalten hätte, die unnütze Spielerei mit dem Schießinstrument unterblieben wäre und er dann auch nicht in den Verdacht eines„Revolverhelden" kommen konnte. Und die Moral von der Geschicht': Spiele nie mit Schießgewehren!_ Lohnverhandlungen der Silberarbeiter. In einer stark besuchten Versammlung der Silberarbeiter und -arbeiterinnen Groß-Berlins, die am Donnerstag im„Dresdener Garten" tagte, berichtete Heipt über das Ergebnis der Vsrhand- lungen mit den Arbeitgebern. Aus seinen Ausführungen ging her- vor, daß die Verhandlungen zu keiner Verständigung geführt haben. Die Vcrbandlungskommistion habe einen Lohnzuschlag von 2 M. für die Stunde gefordert. Von den Arbeitgebern sei zunächst nur die Hälfte, nämlich 1 M., geboten worden. Schließlich sei das Gebot für männliche Kräfte auf 1.25 M. erhöbt worden, den weiblichen wolle man aber nur 75 Pf. Zuschlag bewilligen. Die Aussprache war rege und ließ erkennen, daß die Versam- meltcn auf ihrer Forderung von 2 M.. die als recht mäßig zu be- zeichnen sei, bestehen. Verschiedene Redner sprachen sich auch gegen eine geringere Bezahlung der Frauenarbeit aus. Nach der Diskussion wurde gegen eine Stimme beschlosten, die Vcrhandlungskommission zu beauftragen, nochmals mit den Arbeit- gebern zu verhandeln._ Zwanzig Mark Monatsgelialt. Die Firma Schweizer u. Co., Möckernstr. 69, wollte einen kaufmännischen Lehrling zu dem Riesengehalt von 20 M. monatlich einstellen. Sie erklärte dem Vater des Lehrlings zunächst, daß sie ein höheres Gehalt nicht bezahle. Der Vater gab sich aber damit nicht zufrieden, sondern erkundigte sich nach den Gehaltssätzen und bestand auf tariflicher Bezahlung. Endlich bequemte sich auch die Firma dazu, ein höheres Gehalt zu bezahlen. Man ersieht daraus, wie die Arbeitgeber auf die geringe Er- fahrung der Eltern spekulieren und wie notwendig es ist, sich bei- zeiten über den zukünftigen Beruf seiner Kinder genau zu unter- richten. Wer sich vor Enttäuschungen schützen will, hole sich vor Antritt einer kaufmännischen Lehrstelle Auskunft und Rat beim Jugend- sekretariat des Zentralvcrbandes der Angestellten, Belle-Alliance- Straße 7/10._ Ausdehnung des Mcuselwiher Streiks. Dem Teilstreik im Meuselwitzer Braunkohlenrevier, eine Folge des Unglücks auf der Grube I d a s ch a ch t, dum 17 Bergarbeiter zum Opfer fielen, haben sich aus Beschluß der Berg- arbeiterversammlungen die gesamten Belegschaften des ganzen Re- viers angfchlosten. Die Schächte liegen vollkommen still. Notstands- arbeiten werden vorläufig verrichtet, bis, wie die Bergarbeiter er- klären, die Unternehmer sie zu schärferen Maßnahmen.zwingen. Die Belegfchafien beschlossen, während des Streiks durch eigene Ordner die Ruhe und Ordnung im ganzen Revier austechtzuerhalten. Das Ziel des Streiks ist die Beseitigung des Obersteigers Breuer, der nach Ansicht der Streikenden die Schuld an dem Unglück trägt. Die Direktion weigert sich, der Forderung nachzukommen, obwohl auch die Thüringer Regierung ihr den Rat gab, Breuer zu ver- setzen, da ein gedeihliches Arbriten zwischen ihm und der Beleg- schaft nicht mehr möglich sein werde. Vom Textilarbeiterstreik in Nordfrankreich. Die Arbeitgeber weigern sich, zu Besprechungen über die Bei- lcgung des Abwehrstreiks gegen Lohnkürzung mit den Arbeitern nach Paris zu gehen. Infolgedessen hat die Gemeindeverwal- tung von R o u b a i x beschlossen, die Streikenden durch unent- gctiliche Zuwendung von Naturalien zu unterstützen. Die Unter- nehmer befolgen offenbar die Taktik, die Arbeiter im Streik mürbe werden zu lassen, um ihnen dann ihre Bedingungen zu diktieren. SPT.-Fuuktionäre der Siemens-Werke! Dienstag nachmittag 4 Uhr Konferenz bei INarfand, Nonnen- dammallee. Alle Vertrauensleute müssen in dieser Konferenz er- scheinen._ Der Fraktionsvorstand. Von den Veamkenrätewahlen bei der Eisenbahn liegt bisher folgendes Teilresultat vor: Reichsgewerkschaft: 90 700, Ge- wcrkschaft Deutscher Eisenbahner 36 600, Deutscher Eisen- bahnerverband 36000, Allgemeiner Eisenbahnerverband 1200 Stimmen. Das Berliner Ergebnis sieht so aus: Reichsgewerk- schaft 9287, Deutscher Eisenbahnerverband 1549, Gewerkschaft Deutscher Eisenbahner 1387 und Allgemeiner Eisen- bahnervcrband 240 Stimmen. Die dem Deustchen Beamtenbund angeschlossene Reichsgewerkschaft hat also auch nach dieser Auf- stellung die weitaus größte Stimmenzahl auf sich ver- einigt. Der Schiedsspruch für die versicherungsangestellten w-uride vom Arbeitgeberverband deutscher Versicherungsunternehmungen in feiner Hauptversaimnlung am 16. September angenommen. Der Verband berechnet die den Versicherungsimternehmungen durch den Schieidsspruch erwachsenden Mehrausgaben an Gehältern auf über 100 Millionen Mark, gegenüber den Leiftiungen des Jahres 1920 sogar auf 250 Millionen Mark. Das besagt, daß in den Versich«- rungsunternehmungen recht viele Angestellte beschäftigt werden, die früher zumal ziemlich niedrig? Gehälter bezogen. Achtung. Holzarbeiter! Für alle arbeitslosen» sowohl ausge- steuerte wie auch bezugsberechtigte Mitglieder des Deutschen Holz. arbeiterverbandes wird in der Zeit vom 19. bis 24. September eine Extraunterstützung ausgezahlt. Die Bücher sind einen Tag vorl/er auf dem Arbeitsnachweis, Rückerstr. 9, bzw. auf der Stempelstelle, Memeler Straß«, abzugeben. Die Reihensolg« der Auszahlung ist die bisher üblich«: I, 1�, L Montag, M bis P Dienstag. S, St, Sch, Sp, Sz, T Mittwoch, Qu, R, U, V,\V, Z Donnerstag, A, B, C, D, E Freitag. F, G, H Sonnabend. Die Auszahlung für Streitende beginnt ab 23. September. Die Ortsvsrwaltung. Zur Lohnbewegung der Zeitungsboten. In unserem gestrigen Bericht über Lohnforderungen der Zeitungsboten befindet sich ein Druckfehler. Für einmaliges Austragen von täglich 100 Zeitungen werden nicht lOO, sondern 12 5 Mark gefordert. Zum Streik auf dem Vkagerviehhof, in den jetzt die Technische Nothilfe eingegriffen hat, teilen wir mit, daß an ihm nur Angehörige des christlichen Zentralverbandes der Nahrungs- und Genuß- mittciindustriearbeiter beteiligt sind. Zur großen Freude der Di- rektion des Magerviehhofs sind dort keine freigewerkfchaft- lich organisierten Arbeiter tätig. Dies allen jenen zur Kenntnis, die etwa mit der Absicht umgehen, gegen die„ so z i a l i- sti sch- k o m in u n i stisch e" Arbeiterschaft eine neue Hetze zu veranstalten. Drohender Ungcsielllenstrcit in Franksurk a. 2tt. Die kaufmännischen Angestellten von Frankfurt a. M. beschlossen am Don- nerstvg in einer Riefenverfammlung in den einzelnen Betrieben Abstimmungen vornehmen zu lasten und am Dienstag in den G e- neralstreik zu treten, falls sich 75 Prozent dafür erklären würden. Ueber die Forderungen der Angestellten ist uns bis zur Stunde nichts bekannt. We-Imeistcr-Vi-band. Fachgruppe Sießermeiger. Große Versammlung der am Sonntag, vormittag _. ihbandel! Montag TV» Uhr im„Blauen Saal" der „Arminhallen", Kommandanten slr. 58— 59, Versammlung aller in Afa-Ver- bänden organisierten Angestellten im Buchhandel. Tagesordnung: Der Spruch des Schlichtungsausschusses. Freie Aussprache. Beschlußfassung. Verantwortlich flir den redalt. Teil: Viktor Schill, Berlin; fllr Anzeigen: Tt. Gleite, Berlin. Verlag: Lorwärls-Veriag S. m. b. H.. Berlin. Druck: Bor- »chrtS-Vuchdruckerei u. LerlagsanIIali Vant Einger u. To.. Berlin. Lindenftr. 3. Hierzu 1 Beilage. A/cr/j fordere ausdrucklich .Pfeil-Spar- Gfühkörper und achte aufdie„Pfeir-3chutzmarke •Ersparnis Auf Teilzahlung! Möbel, Bolsterwarcn. S. Grau, Der- lin, Friedvchstr. 7(Rahe Dellcallianceplatz! mm zu bedeutend berabeesetzten Preisen auf Teilzahlung Kleinste An-uitizaliluni} Kübel-Cohn Gr. FFanklurter Str. SB 5 Mln.vorn Alcxandcrplatr. Filiale: ßadstr 47-48. 3 Min. t. Bbf. Gesundbr, fttr alle Speisen und zum(Zinkochen: Kristall- Süßstoff. 1 tt-Bnefchen— z'/. g für 75 Pf. hat die Slißkrast eine« Pfundes Zucker. Rein— vorzüglich— bekömmlich. »(Zrhältlich In Kolonialwaren-, Orogenhandlungen und Apotheken. für warme und kalte Getränke: Süßstoff- Table««». 4 Tablette— il/t Ztzürfel Zucker auf eint Tasse. Schachleln mit 1«) Tabl. M. 200 Tabl. M. 2,60, 500 Tgbl. M. 6,- Metall ankanlsstelle Osten, Grüner Weg 80 rahlt Tagespreise lüt Kupfer, Messing, Blei, Zink etc. Mt-Metal!e! Kupfer. Messing, Blei, gink ul«. kaufen wir zu Engrospreisen. Bester Adsah sür Hmrdler, Installateure und Fabriken. Gebr. fjatirraann Laben RpUenborfstr.S» Laben 9—7 Uhr I Alles in den Schatten stellend lÄrÄ6 finSS! MMPW—— KMBaaBBMUtfJ» aus crsiklasf Ijcen MaBstoffcn, Rolibanr-Sclbstvcrarbcltunx, Leihhaus Brunnenstrasse 5 (Rosenthaler Platz) Fahrgeld-Vergütunf» prachtvoller Sitz 400. SOO, 600 Mark ilpoinfiinhco Silber-, Zabel-, Alaskaluchse, Sealmäntel, Qeli- nlClUIUCIIoC und Sportpelze SO Prozent billiger als Im Laden| mHBSBBKSBM Keine Lombardwarc 0, wir kfensdienbcsüen muB jeder Friedensfreund gelesen haben MI Preis nur 2,30 M.* PIOXIEK-V Eltl-AG, HAMBCRG 44