Nr. 44S �58. Jahrgang Msgade B Nr. 218 Bezugspreis» 9 P. Devlinev Volksdlatt (20 Pfennigs Anzeigenpreis: Die achtgespaltene Nonpareilleze'I« kostet 6,— M,„Kleine Anzeigen" das iettgedruckte Wort 2,— M. Aber un kommt das Ulkigste: der Verlag für leichte Unter» hakwngslettüre Ullstein in Berlin, der die sogen, spannenden Bücher herausgibt für Reife, für Bureaus»nd st) weiter, sichert sich das Ge- schäft und liefert dem deutschen Volk auch dieses unterhaltende Buch. Er ahnt schon die bohe Auflageziffcr. Dieser nämliche Verlag aber verlegt eine Reihe streng demokratischer, republikanischer Zeitungen. Es geht jedoch um das Geld des Verlages, und so drucken die demo- kratischen Zeitungen von der„B. Z." bis zu der ganz links schielen- den �.Berliner Allaemeinen" Kapitel aus diesem spannenden Roman: Der Kaiser im Exil! Scherz, Satire, Ironie oder tiefere Bedeutung?! Grktanfführnngen der Wock?«. Moni. Deulicke« Tfitaters ..Herodez und Woriarnnt.*— TienSt.$ub. Künklertbeater: . 5} c to e j l e."— Mittw. Residenzlbelüer:. D e r König'— �rcit» Cchiller-Thcnter:.Der Richter von ist ola inen.' Luslsvielbnuz: „Dre Schauspieler'— Tonn. NeucS Volle-TherUcr:»Der Schrei nach Ruhe.' Metropol- Tf cater:.Die Strahen» s ä n g e r i n.' UraniavortrSge. Jeden Abend?»Unser schSneZ Riesengebirge'. Das»ungerechte� wahlspstem. In einem Artikel, der die Thüringer Landtagswahlen behandelt, regt sich die„Krenz-Zeitimg" über die Ungerechtigkeit des Wahlsystems auf. Die drei sozialistischen Parteien haben 329 000 Stimmen, die verschiedenen bürgerlichen Gruppen 323 000 Stimmen insgesamt erhalten. Trotzdem hat die Linke zwei Mandate mehr erhallen als die Rechte. Zwei Mandate für 2000 Stimmen! So ruft die„Kreuz-Zeiwng" entrüstet aus und spricht von der„Ge- rechtigkeit" des herrschenden Wahlsystems in Anführungsstrichen. Selbst ein ,Lreuz-Zeitungs"-L«ser, der den Artikel weiter liest, muß nun trotz notorisch geringer Intelligenz merken, daß sich die Sache ganz anders verhält. Die sozialistischen Parteien haben die zwei Mandate nicht wegen der überschießenden 3000 Stimmen erhalten, sondern weil sich auf bürgerlicher Seite durch Z e r s p l i t- t e r u n g kleine Stimmgruppen gebildet hatten, die die Mindest- Ziffer von 12 000 Stimmen für ein Mandat nicht erreichten. Etwa 7500 Zentrumsstimmen und etwa 4000 Stimmen des Wirtschafts- bundes fielen aus. Die„Kreuz-Zeitung" hat nun von ihrem Stand- punkt aus ganz recht, wenn sie diesen beiden Parteien Vorwürfe macht, weil sie durch ihre Stimmzersplitterung der bürger. lichen Sache geschadet hätten. Aber dann soll sie nicht ein Wahl- recht verantwortlich machen, das mit gutem Grund Vorkehrungen gegen die Auflösung der Parteien in Atome trifft, indem es den Erfolg selbständiger Kandidaturen an sehr bescheidene Mindeststimmziffern knüpft. Ganz kleine Schwankungen kann auch das gerechteste Wahlrecht nicht vermeiden, solche sind aber bisher ebenso häufig der Rechten wie der Linken zugute ge- kommen. Doch nun das Beste: Wer ist denn das Blatt, das sich über diese kleinen Schwankungen künstlich aufregt? Es ist dieselbe „Kreuz-Zeitung", die über 60 Jahre lang das preußische Drei- klassenwahlrecht als das gerechkeste vericidigt hat. Wenn im allen Preußen ganze 200 000 Wähler der e r st e n Klasie denselben W a h l e i n f l u ß hatten wie 6 Millionen Wähler der d r i t t e n Klasse, wenn der Berliner Vorortwahlkreis Teltow-Beeskow-Char- lottenburg mit einer Mllion Einwohner ebenso einen Abgeordneten wählte wie ein hinterpommerscher Wahlkreis mit 40 000 Einwohnern, wenn in fünftausend Urwahlbezirken der Rittergutsbesitzer samt seinem Inspektor als„erste und zweite Wählerklasse* 150 Lano- arbeller und Kleinbauern kurzerhand niederstimmten, so hat die „Kreuz-Zeitung* das alles fabelhaft gerecht gefunden. Jetzt plötzlich entdeckt si« in Resultatschwankungen, die sich zu jenen ver- halten wie der Floh zum Elefanten, schwere Ungerechtigkeiten. Es geht doch nichts über das alldeutsche.Rechtsgefühl"! 1 5. Generalversammlung See Metallarbeiter Dißmanns Schlußwort. Nachstehend lassen wir einen ausführlichen Bericht über Diß- manns Schlußwort folgen, das wir in der Morgenausgabe nur kurz behandeln konnten. D i ß m a n n ging zunächst auf Einzelvorwürfe ein, um dann zu den großen Fragen Stellung zu nehmen. Die Beschwerde Haas, daß der Vorstand bei Anstellungen im Verband eine Richtung be- vorzuge, sei unberechtigt. Redner gibt aber zu, daß man über einzelne Anstellungen verschiedener Meinung sein könne: die An- sicht über die Qualifikationen der einzelnen sei ver- schieden. In der Frage der Ausschlüsse aus dem Verband habe der Vorstand recht getan. Es ist planmäßig, mit Methode, daran ge- gangen worden, eine Organisalion innerhalb der Organifakion zu schaffen. Das Vcrbandsgetriebe ist in hundert Fällen von den Kollegen der KPD. geschädigt worden. Der Teil der Delegierten, der dies mitdurchkosten mutzte, weiß dies. Millionen an Unter- stützungen hat uns das Treiben der KPD. gekostet. Das Schlimmste ist aber, daß dadurch die Widerstandskraft der Kollegen gegenüber den Unternehmern geschwächt worden ist. Gegenüber den Ausführungen von Braß möchte ich sagen: Wer von den Kol- legen der KPD. ist eingegangen auf die Streitfrage Moskau oder Amsterdam? Wer ist eingegangen auf die Richtlinien des Partei- taqes der KPD.? Wer ist eingegangen auf die Beschimpfungen, wir seien„gelb*? Warum nicht, weil man es auf dem Verbandstag gar nicht wagen kannl(Stürm. Zustimmung.) Wenn die Gewerkschaften beschimpft werden, haben wir die Pflicht, unsere Lebensarbeit zu verteidigen.(Sehr richtig!) Wer von den kommunistischen Rednern ist eingegangen auf das Treiben bei der Wcrftarbeiterbewezung? Niemandl(Zuruf: Komödie!) Aus Ihrem Munde hört sich dieser Vorwurf besonders schön an. Ist es Komödie, wenn Tausende von Kollegen durch Euer Treiben auf der Strecke bleiben? Braß hat Mitteilungen aus den Beratungen im engsten Schöße der Partei gemacht. Sie werden verstehen, wenn ich ihm aus diesem Wege nicht folge. Ich kann rechtfertigen, was wir getan haben, und auch die Kollegen der SPD. werden unser damaliges Vorgehen verstehen. Braß sagte, ich sei der Kops der Opposition gewesen. Meinem Einfluß ist es zu verdanken, daß sich meine Partei auf gewisse Wege nicht treiben ließ. Die Frage: Gewerk- fchaft oder Hallcr Räteorganisotion? zeigt am besten, wie ich in meiner Partei gewirkt habe. Ich bin mit aller Schärfe gegen die Zerreißung der Gewerkschaften eingetreten. Das war meine Stellung in meiner Partei gegenüber den Gewerkschaften. Ich nehme mir auch das Recht heraus, meine Auffassung gegenüber meiner Partei zu wahren. An dem Aufruf, den Braß zitierte, habe ich nicht mitgewirkt, sonst wäre der betreffende Passus vielleicht anders ausgefallen. Gegenüber den Ausführungen von Haas will ich sagen: Ich möchte nicht Einzelheiten der letzten Jahre aufwühlen und dadurch das dünne Band des Zusammeukommen, wieder zerreißen.(Sehr richtig!) Tarifzemeinschaften haben mit Arbeitsgemeinschaft nichts zu tun. Die Regelung"von Lohn- und Arbeitsfragen gehört nicht zu den Auf- gaben der Arbeitsgemeinschaft, das hoben prononziert« Vertreter der Arbeitsgemeinschaften anerkannt. Trotzdem wird heute in den Arbeitsgemeinschaften über Lohnfragen verhandelt. Wenn man den Arbeitgebern hohe Preise zubilligt, um eine Lohnerhöhung zu be- kommen, so ist dies keine Vertretung der Arbeiter- inter essen.(Sehr richtig!) Wenn die Außenhandelsstelle eine Einrichtung der Regikrung ist, dann können wir dort mitarbeiten. (Na also!) Die Notwendigkeit, im Eisenwirtschafts- bund mitzuarbeiten, haben wir anerkannt. Ich habe nie gesagt, der Sozialismus sei von heute auf morgen zu ver- wirklichen. Wir können aber mit dem Sozialismus nicht warten, bis der letzte Mann bekebrt ist. Deutschlands ökonomische Entwicklung ist reif, um von dem Proletariat um- gewandel t irerden zu können zu einer sozialisti- schen Wirtschaft.(Lebhafte Zustimmung.) Ich habe immer gesagt, daß wir uns auf den Bode» der ökonomischen Taffachen stellen müssen. Di? Kollegen der KPD. sagen, uns fehlte der Mut zum Kampf, die Konsequenz. Nein, das fehlt uns nicht! Voraussetzung für den Sieg des Proletariats ist, daß es all seine Kräfte geschlossen zusammenfaßt. Wir müssen uns näher- kommen: dos kann geschehen auf dem Boden proletarischer Geschlossenheit, proletarischer Solidarität und Treue.(Zustimmung.).... GroMerM. 5ernfprech-»Grönung� Fernsprechordnung heißt der neue Fernsprschgebührenerlaß, und man muß gestehen, daß man schon lange keinen so treffenden Namen gehört hat, der so gut den Inholt des Erlasses charakieristert. Wenn diese Gebühren erst in Kraft treten, dann kommt allerdings die Ge- schichte gut.in Ordnung— selbstverständlich nur soweit es sich um die Finanzen der Postbehörde handelt. Der Aerger beim Publikum wird sich natürlich auch verringern— insofern als kein Privat- mensch mehr telephonieren wird. Was braucht die Menschheft überhaupt zu telephonieren?! Ist sie doch nahezu 1900 Jahre seit Christi Geburt und 100 000 Jahre bis Christo ohne Telephon aus« gekommen! Trotz aller Berechnungen und aller Aufftellungen wird die neu« Fernsprechordnung nicht von langer Dauer sein. Wir sind's ja schon gewöhnt: noch«he eine neu« Verordnung, noch ehe eine Ver- einbarung m Kraft getreten ist, erscheint ein« Vornotiz, die die Hoffnung ausspricht, daß nun endlich einmal eine Gefundung der Verhältnisse eintritt, die eine weiter« Umgestaltung(ein schönes Wort!) der jetzt errechneten Tarife nicht mehr nötig machen werde. Man hoffe... usw. usw. Von diesem Augenblick an hört die mahnende Stimm« nicht mehr aus zu sprechen, und nach kaum einem halben Jahr!... Weshalb soll also dies« neue Ordnung nicht das Schicksal all dieser Ordnungen teilen? Weshalb soll sie lang- lebiger als ihr« Geschwister sein? Ich glaube nicht daran. Und weil ich nicht daran glaube und als erster ihren Tod vor- aussehe, will ich auch die zukünftige Telephongebührenregelung vor- schlagen. Die Telephonverwaltung geht von einem falschen Prinzip aus. Sie berücksichtigt nicht die Wichtigkeit der Gespräche, sondern setzt ein« gleichmäßig« Gebühr für jedes Gespräch aus. Weng diese Gebühr nun zu teuer wird, werden die Teilnehmer vielfach aus- fallen und die Einnahmen werden sich verringern. Das ist un» rationell. Es muß nicht das Gespräch, sondern die Art des Ge- sprächs bezahlt werden. Wenn zum Beispiel jemand einmal pro Tag telephoniert, versteht jeder, daß dem Mann der Anschluß nicht so wichtig ist wie einem anderen, der zwanzigmal spricht. Also kann man von dem Zweiten eine zwanzigmal so hohe Summe für das Telephon verlangen. Wenn der Erst« L0 M. pro Monat zahll, kann der Zweite 1000 M. berappen. Ferner muß ein Eeschästsgespröch natürlich prozentual dem daraus ausstehenden Gewinn bezahlt werden. Ein« Mindestgebühr von etwa 10 M. ist nicht zu viel, und wenn einer durch«inen Anruf«in Pfund Opium an den Mann bringt, wird er gern tausend Mark dafür zahlen. Eine Liebesunter- Haltung von 1 M. wird sicher sehr beliebt sein. Ein« harmlos« Plauderei zweier alten Damen mit mehr als 50 Pf. zu belegen, wäre rücksichtslos. Ein Streit zwischen einem Liebespaar muß um des Familieissriedens willen von jeder Seite«inen Taler Streife kosten. Für einen Anruf seitens der Schwiegermutter etwas zu be- zahlen, wäre gemein. Diese Art Gespräche ist kostenfrei, das zu» hörend« Telephonfräulein muß nur eine bestimmte Dergnügungs- steuer entrichten. Nebeneinnahmen von recht bedeutender Höh« kann jedoch das Amt von den Ehefrauen erhalten, wenn das Fräulein blitzschnell das Gespräch des gerade auf Nebenwegen wandelnden trennt und die Verbindung zu der Frau leitet. So muß eine moderne Telephonordnung aussehen! Wer ist Sie ErmocSete! Der Händler Karl Graßmann hat, wie wir mitteilten, ewge» räumt, auch ein unbekanntes Mädchen mit Vornamen Martha um- gebracht zu haben. Wie er behauptet, hat er es bei einem Streit in der Wut erschlagen. Es besteht aber kaum ein Zweifel, daß auch in diesem Falle ein Lustmord vorliegt. Die Ermittlungen der Kriminal- polizei richten sich min zunächst vor allem darauf, die Persönlichkeit dieses Mädchens sestzustellm. Dafür ist bis jetzt noch kein Anhalt gefunden Auch in bezug auf die Personenbeschreibung ist man bis- l?er wesentlich auf die Angaben des Mörders angewiesen. Hiernach handell es sich um ein Mädchen von etwa 23 bis 24 Jahren, das vom Lande oder aus einer kleinen Stadt in Obcrschlesien nach Berlin ge- kommen ist. Es sprach Deutsch und Polnisch. Großmann will sich «rinnern, daß dieses Mädchen, bevor es zu ibm kam, in dem Haufe Lange Str. 90 bei Polen genächtigt habe. Mit der polnischen Frau habe er nachträglich noch gesprochen. Es soll eine Frau sein, die es liebte, in Holzpantinen zu gehen, und die nur gebrochen Deussch sprach. Diese Frau, die über die Persönlichkeit des Mädchens wahrscheinlich näheres mitteilen kann, konnte in dem Hause Nr. 90 nicht ermittelt werden. Vielleicht verwechselt Großmann' die Hausnummer. Die Frau wird ersucht, sich bei Kriminalkommissar Dr. Niemann im Zimmer 35 des Berliner Polizeipräsidiums zu melden. Auch andere Leute wissen vielleicht mehr von der ermordeten„Martha". Die Un- bekannte hatte auffallend schlechte Zähne, besonders im Oberkiefer. Ein besonderes Kennzeichen �ist auch eine Berkrüppelung des Daumens der linken Hand. Wann Großmann die„Martha" umgebracht hat, will er selbst nicht mehr wissen. Die Frau des Händlers Itzig, die unter dem Verdacht der Mit- Wisserschaft verhaftet worden war, ist vorläusig wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Sie bestreitet die Beschuldigung, die Großmann gegen sie erhebt, von Anfang bis zu Ende und will von nichts wissen. Die Ermittlungen nach dieser Richtung werden noch fortgesetzt. Di« Frau wurde in Freiheit gesetzt, weil sie Familie hat. Kein Tag ohne Ranbüberfall. Ein Raubüberfall«ruf ein junges Mädchen wird schon wieder gemeldet, diesmal aus Schönhausen. Als sich eine Telephonistjn aus der Kaiserin-Augusta-Straße dort auf dem Heimwege befand, wurde sie in der Nähe des Schloßparks von zwei unbekannten Männern angefallen und ihrer Aktentasche mit Inhalt beraubt. Die Uebeftäter entkamen mit der Beute nach dem Schloßpart. Einer der Räuber ist etwa 23 bis 24 Jahre alt, 1,60 Meter groß und schlank, hat ein bartloses Gesicht und trug eine graue Mütze und grau«» Iackettanzug ohne Kragen, der andere ist etwa 20 bis 2tz Jahre alt und trug eine blaue Deckelmütze und dunklen, wahr- stheiniich blauen Iackettanzug._ Unser Wahlkampf. Eine öffentliche Wählerversammlung für den 1s. Kreis, die bei Lindner in Pankow tagte, hatte sich eines besonders guten Besuch- zu erstellen.' Genosse Bürgermeister Karl We r m u t h oerwies«inleitend in seinem Vortroge darauf, daß die diesmaligen Stadtverordnetenwahlen eine Kraftprobe feien zwischen der sozialistischen Arbeiterschaft und der Bourgeoisie. Den Ernst der Lage, in der sich Berlin befindet, zeigte er in eingehender, von großer Sachkenntnis getragener Darstellung.'Dabei schilderte er die großen Anforderungen, die in finanzieller Beziehung an Berlin gestellt werden. Dem"stell:« er gegenüber die Schwierigkeit der Finanzierung. Er wies nach, daß diese Situation erwachsen sei aus den Zuständen, die uns der Krieg als bftterböse Erbschaft hinterlassen hat, und daß es schlimmste Demagogie reaktionärer Kreise sei, wenn sie die sozialistische Mehrheit dasür verantwortlich machen. Trotz aller Schwere der Verhältnisse zeigten sich im großen Einheits-Berlin bereits Tatsachen, deren Sprache optimisti- scher sei und die uns glauben machen, daß wir einer besseren Zu- kunft entgegengehen. Wi- glauben, über den Berg hinweg zu sein. So zeigt sich aus dem Gebiete der Stromversorgung ein neuer Aufschwung der wirtschaftlichen Entwicklung Berlins. Wer das Berliner Verkehrswesen betrachte, sicht, daß Kräfte am Werke sind, die mft ffr»ß»r Energie und Erfolg an seiner Ver» besserung arbeiten. Und in nicht allzu langer Zeit dürfte das B-r. liner Berkchrsinstitut zu einem vorbildlichen in Deutschland ge- staltet werden. Der Redner gab dam eine Ueberstcht der tultu» rollen und sozialen Aufgaben, die zu erfüllen sind. Gegenüber kam- munistischen Zwischenrufern betonte er. daß die Politik die Kunst des Möglichen fei. Wer mehr verlangt, als zu geben möglich sei, der stärke nur die Reaktion. Jetzt gelte es, Berlin aus der schwie- rigen Situation herauszubringen, lftur dadurch schaffe man die Borbedingungen für den kommunalen Sozialismus. Pflicht des Proletariats sei es, dafür zu sorgen, daß es das Steuer nicht allein Groß-Berlins, sondern auch das unseres wirtschaftlichen und polt- tischen Lebens ergreifen kann.(Lebhafter Beifall.) An der Di s- k u s s i o n, die sachlich geführt wurde, beteiligten sich auch mehrere Kommunisten. Einer von ihnen kennzeichnete die Bedeutung seiner Partei durch die nette Wortwendung:„... alle Arbeiterparteien von der SPD. abwärts..." Unter anderem hielt ihnen Genosse H ä u ß l e r unter starkem Beifall entgegen, daß es nicht auf schöne Worte, sondern darauf ankomme, an verantwortlicher Stelle das Hoch st mögliche für die Arbeiterschaft herauszu- holen. Dessen habe sich stets die sozialdemokratische Vertretung befleißigt. Im Kampf gegen die weltlichz Schule greifen die Schützer der alten konfessionellen Schul« zu den gewagtesten Mitteln. Aus Britz erfahren wir, daß dort feft einiger Zeit das Gerücht umhergetragen wird, alle auf Antrag ihrer Eltern vom Religionsunterricht befreiten Kinder aus Britz müßten den weltlichen Schulen in Neukölln zugeteilt werden. Der Gedanke an die weiten Schulwege, die dann den Kindern zugemutet würden, soll die Eltern davon abschrecken, ihre Kinder dem Religionsunter- richt fernzuhalten. Das ist die Absicht, und wenn diese Wirkung zustande käme, hätte man die ersehnte Schmälerung des Erfolges der roten Schulwoch« erreicht. Das Gerücht läßt man durch Kinder verbreiten, wohl deshalb, damit die verlogenen Drahizieher hinterher unter Hinweis auf das„K i n d e r g e I chw ä tz" sich als die Uu- schuldigen aufspielen können. Allen freiheitlich und ausgeklärt denkenden Eltern ist zu raten, auf solche Manöver nicht hineinzufallen. Niemand soll sich davon abhalten lassen, die Befreiung seiner Kinder vom Religionsunterricht zu fordern. SPD. uud Konsumgenossenschast. Dem unter dieser Bezeichnung mitgeteilten Wunsch der 47. Abteilung im Donnerstag-Abend- blatt, eine Neuwahl des gesamten Aufstchtsrats anzuregen und jede der drei sozialistischen Parteien die gleiche Zahl Mandate zuzubilligen, ist bereits bei den Verhandlungen unserer Genossen mit denen der USP. entsprochen worden, aber von der USP. als undiskutabel abgelehnt worden. Nach dm Angaben der USP.-Senossen lehnten die KPD. die Ausstellung einer aemeinlamen Liste bei den diesjährigen, Ends Oktober stattfindöndm Neuwahlen bzw. Ergänzungswahlen ab. Die Kommunisten wollen diesmal eine eigene Liste ausstellen. Da« gegen stehen die Verbandlungen unserer Ge- nassen mit denen der USP. über die Aufstellung einer gemeinsamen Liste kurz vor dem Abschluß. Demokratische Märchenerzähler trieben gestern abend in Berlin ihr sanftes und harmloses Wesen. Die Demokratische Partei hatte nämlich zwölf Kommunalwäblerversammlungen einberufen, in denen, wie die„Boss. Ztg." in Biedermannston berichtet, die Redner„den Werdegang Groß-Berlins schilderten unter dem gegenwärtigen Regime der Sozialisten und Kommunisten, die sick bei vielen Ge- legenhciten dem Terror der Straße unterworfen und Berlin in eine Notlage oebracht hätten, die der Arbeit und des Könnens unserer besten Männer und Frauen unserer Stadt bedürfe, um zu einer Gelundimq zu gelangen."— Ein Neues läßt sich bekanntlich niemals außer Zusammenhang mit dem Alten, Früheren betrachten, und wer über dm„Werdegang Groß-Berlins" sprechen will, der soll, wenn man ihn ernst nehmen soll, nicht vergessen, über den Werdegang des alten Berlin bis zum 9. November 1918 zu sprechen. Darüber aber schweigen die Demokraten, und sie haben auch allen Grund dazu, denn rühmliches von dem alten Hausbesitzerparlament und seinen Taten können sie nicht berichten. Also es bleibt dabei: Demokratische Märchenerzähler. Ein erlesenes künstlerisches Programm wird der Tci-tickle Mub'sr- verband, der am Sonnlag, den 18. September, mittag« 12 Udr im Lalt- garten jür da« bungcrndc Rußland spielen wird, zur Aulsübruna bringen, und zwar Ouverwre zu Rienzi von Richard Wagner. II.-Ungarische Rbapsodie von Liszt,?antasic aus der Walküre von Wagner-Dcidel und Ouvertüre ISIS von TschailowZki. Tie„Märkischen Vorträge» von OSkar Solle mit ihren Natur- sarbculichtbildern werden dielen Winter wieder im Kunstgewerbemuseum, Pitnz-AIbrecht-Sttaße 8. stattfinden; der erste am 5. Oktober 8l/4 Uhr. Im Zoologischen Garten spielen am Sonn'ag nachmittag die Kapellen der Obermlisikmeiilcr Knoch und Loeser. Eintritt 4 M.. Agnarium 3 R!., Kinder unter 10 Jahren die Halste. Wetter für morge«. Berlin und Umgegend. Zunächst ziemlich beiter. nackt« sehr kühl am Tage wieder etwa« wärmer, bei mäßigen nordwestlichen Windcn, nachher Trübung und leichter Regen. Theater öer Woche. vom 18. bis LS. September. v-llrbiihnt! It., 22. u. 25. Da» Postamt. Die SamLdle der Irrunzee. 20., 22. u. 25. Der Dauer al» Millionär. Ib., 21. u. 24. Die lange Lulc-" Opernhaua! IS. Ein Maskenball. 20. u. 25. Der fliegende Holliir.der. 21. Lohen. ann. 22. Amoretten. Iosepb»-Legende. 28. Dioletla. 24. Tavalleria rufticcne. Bajazzi. 25. Hosimann» Erzählungen.— Schauspielhau»! 19. u. 26. Peer ffiijiii. 20. Kronprinz. 21. u. 24. Kieiko. 22. Torquato Talso. 23. u. 25. Richard HI. — Deutsches Theater: 18., 20., 22. bi« 24. flecn. 19., 21. u. 25. Merodes und Mariamne.— Kammerspicle: 18., 18., 21., 22., 24. u. 25. Die kiungscrn oo.i Bischofoberg. 20. Er ist an allem schuld. Die Spieler. 23. Poiasch und Perl- mutier.— Lcsstng-Thcater: Die Spielereien einer Kaiserin.— Theater in»er Äöniggräticr Straße: 18., 18., 21., 22., 24. u. 25. Die Fahrt in« Mau«. 20. p. 23. Satan» Maske. Mit dem Feuer spielen.— Deutsche» Lpernhau«: 18. La Traviata. 19. Das Rhiingold. 20. Die WallUr«. 21. Der greifchli». 22. Siegfried. 23. Tooea. 21. csitterdiimmeruna. 25. Tiefland.— Schlller-Thlater: 18. Alt-Heidelbcra. 19. u. 20. Nora. 21., 22. u. 24. Der Raub der SaSInc- rinnen. 23. u. 25. Der Richter von galamea.— Sroße» Schanspieihaa»: Tdg. lich: Die Weder. Am 28. Danton.— Reue» Bolks-Thratcr: 18., 19., 22. u. 23. Die Lokalbahn. 20. u. 21. Jugendfreund«. 24. u. 25. Der Schrei nach Ruhe.~ Reue» Theater am goo: Die klein« Lecallot.— Die Tribijne: Der Settlauf mit dem Schatten.— Keut'che« Ktinstler-Theatcr: Die Ballerina des Ailninz.— KomSdicahau«: Ionny» Busenfreund.— Berliner Theater: Prinzessin Mala.— «leine» rechanlpielhauo: Reigen.— Telanon-Theater: Di- große Leidenschaft.— Refidenz-TH-ater! 18. bi» 20. Totentanz. Ah 21. Der Konig.— Zentral- Theater: Die Postmeisterin.— Friedrich-Wilhelmstädtische» Theater: Da» Amcri. can-Eirl.— Komische Oper: Die Strohwitwe.— Metropol-Thcater: Am 18. Die blaue Mazur. 10. bi» 23. Geschlossen. Ab 24. Die Ltraßcnsängerin.— Rene» Oprretten-Thcatcr: Die Klnlgin der Nacht.— Thalia-Theater: Schäm' dich Lotte. Theater am Rollendarsplat: Der Better aus Dingsda.— Theater de» Besten,! Die Braut des Lucullus.— Kleine« Theater: Fräulein Iosctie— meine Frau.— Ballner-Theater: Rixchen.— Balhalla-Theater: Die schone Helena.— Rose-Theater: Täglich: Der Pfarrer von kirchfeld. Am 24. Die zärtlichen Berwandten.— Kassno-Theater: Etzellenz Maxe.— Laisen-Theater: Slcan.— Schlohpart-Theeter Steglitz: 18. Hans Luckebein. 19.». 24. Die Laune de» Verliebten. Die Mitschuldmen. 20. bis 23. u. 25. Alles um Geld.-- Folie» E-aprice: Die Geliebte auf Teilung. Fiebcrtaumel. Bentichcn-Meieritz. — Admirallpalast: 18., 20., 22. u. 24. Abrakadabra. 19., 21., 23. u. 25. Die. roten Schuhe.— Intime» Theater: Der bloue Pantoffel. Die Spelunke. Lauf doch nicht immer nackt herum.— Schanfpielhau» Potsdam: 18., LI., 23. u. 20. Der Leiter au» Dingoda. 19. u. 24. Maria Magdalene. 20. u. 22. Iphigenie auf Tauri». Nachmitt«g»»irstrlluuge».«olkibühue: 18. Die lange Jute. — 24. Der Bauer als Millionär. 25. Das Postamt. Die Komiidie der Irrungen. — Schauspielhan,: 25. Journalisten.— Deutsche» Theater: 25. Frühlings Erwachen.—«ammeispiele: 18. u. 25. Die Büchse der Pandora.— Lessing- Theater: 1Z.U.25. Die Marquise von Arci«.— Kirnstlcr-Thcater: 18. u.25. Flamme. — Theater in der Königgrätzer Straß«: 18. u. 25. Salome.— Deutsches Opernhaus: 18. Tiefland. 25. 11 Uhr: 1. Sinfonie-Konzert; 2'4 Uhr: Tiefland.— Schiller- Theater: 18. u. 25. Helden.— Groß,» Schaufpiclha«»: 18. u. 2b. Danton.— Neue, Volts- Theater: 18. u. 25. Jugendfreunde.— Di« Tribüne: 25. Totentanz. — Komödienhans: 18. u. 25. Die Sache mit Lola.— Berline» Theater: 18. u. 25. Der letzte Walzer.— Kleine» Schaufpielhaus: 18. u. 25. KindertragSdie.— Restdenz-Theatcr: 18. u. 25. Ladp Windermcres Fächer.— gentral-Thrater: 18. u. 25. Großmama.— Friedrich-BilhelmstSd tische» Theater: 18. Rigoletto. 25. Der Barbier von Sevilla.— Thalia-Theater: 18. u. 25. Rumpelstilzchen.— Theater am Rovendorsplatz: 18. u. 25. Wenn Liebe erwacht. 21., 22. u. 24. offnung auf Segen.— Theater de» Bostcu»: 18. Kretschinskn» Heirat. 25. De« farrhauskomSdie.— Kleine» Theater: 18. u. 25. Easanovas Sohn.— Walhalla- Theater: 18. u. 25. Die Tanzarostn.— Rofe-Tbeate«: 18. u. 25. Die zärtlichen Verwandten.— Kasino-Theater: 18. u. 25. Wittelarrest.— Luisen.Theater: 24. Dornröschen. 25. Schneewittchen.— Admlralrpalast: Di« roten Schuh«. GewerkschaDbeVegung Oer Transpörtarbeiterverbanö im Jahre 1920. Das Jahr 1920 brachte der Organisation noch einen Zuwachs. Im Berichtsjahr stieg die Mitgliederzahl von S20 853 um 57 474 auf 678 357. Die Zahl der im Verband organisierten Frauen stieg auf 77 631. Weibliche Jugendliche waren 751, männliche 12 013, im ganzen 12 764, organisiert. Die Sorge um die Lebenshaltung der Mitglieder zwang die Organisation zu 6807 Angriffsbewe- gütigen, von denen 397 zum Streik führten. In 103 Fällen mußte die Organisation Angriffe der Unternehmer abwehren. Da- bei kam es in 47 Fällen zum Streik und in weiteren 16 Fällen zuAussperrungen. An den 6910 Bewegungen waren 804 682 Mitglieder beteiligt. Von den Bewegungen waren 6870— 99,4 Proz. von Erfolg gekrönt. Erreicht wurden au Lohnerhöhungen Z 872 775 035 ZNark. Das bedeutet für jeden Beteiligten eine durchschnittliche Wochen- tahnerhöhung von 87,33 M. oder eine jährliche Mehveinnahme von 4541,16 M. Außerdem profitierten 4107 Mitglieder mit einer Lohn- ausbesserung von im ganzen 7 142 143 M. an den Bewegungen an- derer Organisationen. Die meisten Bewegungen endeten mit Abschluß eines Tarifoer- träges. In 818 Fällen kam es zu Neuabschlüssen von Tarifen und in 1038 zu Tariferneuerungen. Diese 1856 Tarife erfassen 812 305 Personen in 66 603 Betrieben. Am Jahres- fchluß bestanden 2117 Tarifverträge für 687 625 Personen in 63 484 Betrieben. Die Zahl der verkauften Beitragsmarken ist von 20 178 088 auf 26 280 206 gestiegen. Arbeitslosen Mitgliedern wurden 422 232 <1919: 86 697) Beiträge erlassen. Die Einnahmen der Haupt- lasse und der Lokalkassen betrugen 55 962 049,51 M., die Aus- gaben 50 388477,43 M. Die Einnahme der Hauptkasse belief sich auf 32 783 991,36 M., die Ausgabe auf 32 454 161,75 M.. so daß ein Kassenbestand von 5 155 076,24 M. blieb. Mit den Beständen der Lokalkassen in Höhe von 7 483 713,24 M. oerfügte der Transport- arbeiterverband am Jahressästuß über ein Barvermögen von 12 638 789,46 M. Durch eine seit dem 1. Januar 1921 geltende Beitragserhöhung hat sich der Vermögensbestand inzwischen nicht unerheblich oerbessert. Unter den Ausgaben der Hauptkasse nehmen die Unterstützungen aller Llrt den ersten Platz ein. Die reine Streikunterstützung be- trug 13 540 206,38 M. Rechnet man hinzu die Ausgaben für Ge- maßregelte, Rechtsschutz und andere mit den Lohnbewegungen ver- knüpften Kosten, so ergibt sich eine Ausgabe für Lohnbewegungen von 14 538 203,96 M. An Arbeitslosenunterstützung wurden 3 078 419,02 M., an Kranken- Unterstützung 2 669 524,75 M. gezahlt; dazu kommen Notfall-, Todes- fall-, Weihnachtsunterstützung(für Erwerbslose) usw., so daß diese Summe auf 6 696 206,85 M. steigt. Im ganzen flössen etwa 21 Mil- lionen Mark in bar in die Taschen der Mitglieder zurück. Die Posten „Verbandsorgane" und„Verwaltung" verschlangen je 5 Millionen Mark. Davon fallen 911 142,90 M. auf Besoldung und Entschädi- gung der angestellten und ehrenamtlich tätigen Funktionäre. Dl« Lokalkassen zahlten außerdem noch 1 003 420,26 M. Zuschüsse zu den Unterstützungen der Hauptkasse, wodurch sich die bar zurückfließende Summe auf 22 Millionen erhöht. Alles in allem darf auch der Deutsche Transportorbeiterverband von sich behaupten, jederzeit und mit allen Mitteln für das Wohl der Mitglieder gewirkt zu haben— trotz den Unkenrufen von links und rechts. Die Lohnbewegung in den Berliner Mühlen. Die Mühlenarbeiter Berlins haben das Lohnabkommen, welches Löhne für die Gelernten und Kutscher von 290 M. pro Woche, für die übrigen Arbeiter 280 M., für die Arbeiterinnen 190 M. vorsah, zum 15. September d. I. gekündigt und neue Lohnforderungen ein- gereicht. Die Verhandlung der Organisationsleitungen und der Lohnkommission mit der Tarifkommission der Arbeitgeber verlief ergebnislos, da die Arbeitgeber nur eine Lohnzulage von 50 M. für die Gelernten, 45 M. für die Ungelerirten und 40 M. für die Arbeiterinnen bewilligen wollten. Dieses Angebot der Arbeit- geber hatte noch den Nachteil, daß die Lohnspanne zwischen Ge- lernten und Ungelernten von 10 M. auf 15 M. erhöht wurde. Die Streitfrage wurde dem Schlichtungsausschuß Groß- Berlin zur Regelung überwiesen. In der Sitzung vom 12. Scp- tember 1921 wurde den Parteien ein Vergleichsoorschlag zur Uebermittlung an ihre Auftraggeber unterbreitet, der die Löhne folgendermaßen erhöht: „Für Lohngruppe a) von 290 auf 350 M, Lohngruppe d) von 280 auf 340 M., Lohngruppe c) von 190 auf 240 M. Außerdem wird den Arbeitern ein Deputat von vier Pfund Mehl wöchentlich unentgeltlich gewährt." Eine zum 13. d. M. einberufene Funktionärverfammlung der Mühlenarbeiter lehnte den Vergleichsvorschlag des Schlichtungsaus- schufses nahezu einstimmig ab und beschloß, an dein den Arbeitgebern gemachten Vergleichsvorschlag: 100 M. Lohnzulage pro Woche für die männlichen Arbeitnehmer, 60 M. für die Arbei- terinnen festzuhalten. Sollte dieser Vorschlag von den Arbeitgebern abgelehnt«erden, so soll sofort in den Betrieben eine U r a b- stimmung über Eintritt in den Streik oorgenommen werden. Am 15. September fand eine erneute Verhandlung mit den Arbeitgebern statt, die folgendes Resultat zeitigte: Den mann» lichen Arbeitnehmern wird ab 3. September 1921 eine Lohnzulage von 70 M. pro Woche gewährt, d.en Arbeiterinnen 50 M. Das Mehldeputat wird aufrecht» erhalten. Diesem Angebot stimmte die Funktionärverfammlung der Mühlenarbeiter am 15. September 1921 mit großer Majorität zu. Damit war der drohende Mühlenarbeiterstreik vermieden. Nach dem neuen Lohnabkommen ergeben sich folgende Wochen- löhne: Lohngruppe a): Walzenführer, Müller, Sacker, Sackträger, Maschinisten, Heizer, Handwerker aller Art, Walzenriffler, Kutscher 360 M. Lohngruppe b): Bodenarbeiter, Kesselreiniger, Kohlenkarr» und alle anderen männlichen Arbeiter 350 M. Lohnklasse c): Frauen 240 M. Dieser Erfolg war den Mühlenarbeitern nur dqZlurch gesichert, daß sie Mann für Mann zu ihrer Organisation hielten. Das neue Lohnabkommen ist erstmalig kündbar am 15. Oktober zum 15. No- vember._ Steinsetzer und Berufsgeuossen! Sonnkag, S'A Uhr, im Gewerkschaftshaus, Engelufer 14/15, ge- meinsame Mitgliederversammlung. Bericht über die Lohnverhand- hingen.___ Die Arbeiter der Gaswerke Bowawes und Bornim legen Wert auf die Feststellung, daß sie nicht m den Streik getreten sind, ohne das Schlichtungsverfahren abzuwarten. Die Verhandlungen vor dem Schlichtungsausschuß fanden am 6. September statt, am 8. be- schloß die Belegschaft, der Verwaltung ein viertägiges Ulti- m a t u m, das am 12. September, mittags 12 Uhr, ablief, zu stellen, in dem neu« Verhandlungen mit den Gewerbschaften gefordert wur- den. Erst nach Ablehnung dieser ultimativen For- d e r u n g ist die Belegschaft in den Streik getreten. Italienische Streikstatistik. Das italienische Arbeitsministerium teilt folgende Daten bezüglich der Streiks im Jahre 1920 mit. Es waren 1881 Jnduftriestroiks, die Zahl der Streikenden betrug 1 267 953 und die der verlorenen Arbeitstage 16 398 227. Diese Zahlen sind diehöch st en seit 1880. Die Streits waren jedoch nur in der ersten Hälfte des Jahres so zahlreich, die angebrochen« Wirtschaftskrise hat in der zweiten Hälfte die Streiklust stark vermindert._ Zentraloerband der Glaser. Montan? Uhr ka Semertschaftahau, Mitglieder- Versammlung. Tagesordnung: Erhöhung der Derdandsdeiträge, Stellungnahm» zur Lohnerhöhung. Verantwortlich für den redakt. Teil: Viktor«chiss, Berlin; für Anzeigen: SS. El»ckc. Berlin. Verlag: Lorwärts-Verlag G.m.b.H.. Berlin. Druck: Vor- wörtS-Buckdruckerei n.«erlagZanstalt Vau! Singer«. So.. Berlin. LlidenNr. 8. MM-Ww-Mle» .» Waiscnbrücke kffSSS Tel. Alexander 53ZS. Langwald& Sehn «*äS Tornows Idyll chrnolke. ' Arnerlk. Journale mit 8, 10, 12,>4 u. 16 Kolonnen' Hauptbücher— Kassabucher « ExtravAnfertigungeb esc�iftsblkher ebr. Scherk, Köpenicker Straße 108 , Amt Moritzplate 3481, 3482, 3483. Gardinen! Sonderangebote and Gelepiieitskäale in Resten Stores, Bettdecken Madras- and Künstler- Gardinen Spezial'Ciardlncn werkst. Neukölln, Bergstr, 67 Nutzeisen Stabeisen, Bleche, T-Träger, U-Eison, Rohre, Ketten, Lagerböoke, Riemenscheiben, FuSstanzen usw. in verschied. Dimensionen haben abzugeben Nntzeisenabteilnng, Bln.-Nenkolln WeBerstr. 35/38— Tel. Neuk. 4170 COHN& BOSICHARDT Zentrale: Lichtenberg, Rlttergutstr. 47/48 Telegr.-Adresse„Erzcobor*. Tel. Lichtend j. 646/647 GOLD Silber- 1 Platin-« kauft Silber-Zentrale izfiovslfM I Parzellen Snoerndori, 16. Minuten vom Bahnhol Strausberg entfernt, zu verkaulen. Kühn& Co. Berlin, Porckltr. IL Äurf. 2S63 Dr. Hoffbauers ges. gesch. Sntfettungs-Tablettenl Vollkommen unschädliches und erfolgreiches Mittel bei| Korpulenz- Fettleibigkeit ohne Einhalten einer Diät Keine stark wirkenden| Arzneimittel, keine Schilddrüse enthaltend. Nicht abführend,— Leicht bekömmlich. Gratia Broschüre versendet auf Wunsch EManten-Äpotheke, Berlin, Leipziger Str.74 1 (Dönhoffplatz).— Amt Zentrum 7192. " T-'