Nr. 441»58. Jahrgang Musgabe Sk Nr. 225 Bezugspreis, BierteljShrl. 30.— M.. monail. 10.— Dt. srei ins Haus, voran« zahlbar. Post» bszug: Monatlich 10.— M. einschl. gu» strllunLsgediihr. Unter Zkreuzdanb sür Deutschland. Damig. das Saar- nnd Memelaebiet, sowie dt« ehemals den»- schen Gebiete Polens. Oesterreich, Ungarn und Luxemburg 20.— M. für das übrige Ausland 27,— M. Poft» bcftellungen nehmen an Oesterreich, Ungarn. Tschecho» Slowakei. Däne- mark. Holland, Luxemburg, Schwede» und die Schweiz. Der.Borwärts" mit der Sonntags- beilage„Volk und Reit*, der Unter» Hallungsbeilage„Heimwelt* und der Beilage„Siedlung und Ztlewgarten* erscheint wochentäglich zweimal. Sollt»» tags und Montag, einmal. Telegramm. Adresse: aSozioldeuotcal Set na" Sonntags Ausgabe w Derlinev VolKsblstt (40 Pfennig� Anzeigenpreis: Die achtgefpaltene Nonpareillezeile lostet S.— M. �Kleine Anzeige»»- da» lettgedruckte Wort M.(zu» IMg zwei settgedruckte Worte), jede« weitere Wort t— M. 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Der Parteitag der Sozial- demokratischen Partei kann nicht Fenster und Türen schließen, um sich seiner Arbeit zu widmen, ohne zu sehen und zu hörkn, was draußen geschieht. In ihm pulst das politische Leben des größten und wichtigsten Teils der Nation, des arbeitenden Volkes, und vom Staub des Kampfes bedeckt, betreten feine Delegierten den Sitzungssaal. Jede Stunde kann Nachrichten bringen, die sie vor eine neue Situation stellen und blitzschnelle Entschlüsse fordern. In dieser Stimmung äußerster Gespanntheit wäre man wohl geneigt zu sagem Das b e st e P r o g r a m m ist die Tat! Unser Ziel ist das alte; der Weg aber, den wir zu ihm zu wählen haben, wird von den Ereignissen selber vorgeschrieben. Je weniger papierne Bindungen wir haben, desto freier können wir fechten! Sicher wird diese Auffasiung auf dem Parteitag sehr stark sein. Die P r o g r a m m k o m m i f s i o n, die mit der guten Absicht kommt, ein Votum des Parteitags über letzte, grund- sätzliche Fragen der Politik zu erzielen, wird keinen leichten Stand haben. Und wenn es nur um die großen grundsätzlichen Fragen ginge! Der Programmentwurf behandelt ja nicht nur sie, er bemüht sich vielmehr auch, Richtlinien für das Verholten der Reichstags-, Landtags, und Stadtfraktionen in allen mög- lichen Lebenslagen aufzustellen. Ist es denkbar, daß der Parteitag unter den gegebenen Umständen alle diese Fragen prüft und entscheidet? hätte der Programmentwurf in der Parteiöffentlichkeit einmütigen Beifall gefunden, dann hätte man vielleicht auf feine Enbloc-Annahme durch den Parteitag rechnen können. Wie wenig aber dies der Fall gewesen ist, weiß man. Es wird also nichts anderes übrig bleiben, als den Entwurf so rasch wie möglich einer neuenKommissionzur Ueberprüfung und Abänderung zu überweisen. Diese Kommission wird sich dann darüber schlüssig machen müssen, ob sie einen von ihr reparierten Entwurf noch diesem Parteitag vorlegen oder ob sie dem Parteitag nicht vorschlagen will, die Vollendung des Programmwerkes seinem Nachfolger zu überlasten. Die Partei würde es jedenfalls leichter ertragen, sich noch ein Jahr lang mit dem alten Programm und den es ergän- zenden Parteitagsbeschlüsten zu behelfen, als mit einem neuen Programm belastet zu sein, an dem niemand eine rechte Freude hat und den ein Tell der Parteigenosten als eine drückende Last empfindet. Noch schlimmer wäre es, wenn dieses neue Programm als eine Barriere gegen links wirken und sich zum Hindernis einer späteren Wiedervereinigung der beiden sozialdemokratischen Parteien auswachsen würde. Dies alles wird ernsilich zu bedenken sein, bevor der Parteitag auf diesem schwierigen Felde endgültige Beschlüste faßt. Die Tagesfrogen drängen! Die Ereigniste des letzten Jahres haben bewiesen, daß sich die Sozialdemokratie Er- holung im Lager der Opposition nicht gönnen kann, wenn nicht außen- wie innenpolitisch alles in einem Chaos enden soll. Eines Tages, im Mai, sah sich die Partei wieder i n d e r Reichsregierung: sie hatte in sie eintreten mästen, weil die großen Lebensfragen des Lölkes wichtiger sind als alle taktischen Rücksichten. Man kann sagen, daß der Entschluß der Partei, nicht nach dem Danach zu fragen, sondern einfach zu tun, was das Lebensintereste des Ganzen gebot, nirgends Widerspruch geweckt, vielmehr in der Bevölkerung, bis weit über ihre Parteigrenzen rechts und links hinaus, Verständnis und lebhafte Anerkennung gefunden hat. Besonders die Stellungnahme der Unabhängigen zeigte, wie falsch die Vorstellung ist, die Arbeiter wollten von ihrer politischen Ver- tretung nichts anderes, als daß sie sich in einen Winkel setzte und räsonnierte. Die Anhängerschaft der Unabhängigen ist vielleicht noch zufriedener, uns wieder in der Regierung zu sehen, als unsere eigene! Obne die Teilnahme der Sozialdemokratie an der politi- schen Macht wäre ein Abgleiten derRepublik in den Ab- grund unvermeidlich gewesen. Ohne diese Teilnahme war der Kampf gegen die Hydra der reaktionären Ver- s ch w ö r u n g von vorneherein aussichtslos. Aber soll er wirk- lich mit Erfolg fortgeführt werden, dann gilt es, auch die preußischen und die bayerischen Hinderniste zu nehmen. Darüber herrscht gewiß volle Nebereinstimmung. Aber nun kommt der schwierige Punkt. Die Tellnahme an der Re« gierungsgewalt erfolgt nicht so. daß man nach gewonnener Schlacht mit fliegenden Fahnen siegreich berannte Positionen besetzt. An die Eroberung der politischen Macht im Straßen- kämpf glauben nur noch politisch« Kinder. Wer auch der Sieg, den wir uns alle wünschen, der Sieg auf dem Boden der Demokratie, der uns durch Gewinnung einer erdrückenden Mehrheit allein entscheidenden Einfluß im Staate verschafft, steht noch in weiter Ferne, solange sich ge- trennte Heerhausen der Arbeiterklasse noch gegenseitig be- fehden, statt vereint diesem gemeinsamen Ziele zuzustreben. Der Weg zur Teilnahme an der Regierungsgewalt geht durch das Verh�indlungszimmer! Wie leidvoll dieser Weg ist, weiß keiner, der ihn noch nicht mitgegangen ist. Da gllt es. den Boden für gemeinsames Handeln zu finden mit Personen, die man noch bis vor kurzem als politische Gegner aufs Schärffte bekämpft hat. und mit denen man— das weiß man nur allzugut!— niemals zu voller Ueberein- stimmung kommen wird, well sie aus einer ganz anderen Ideenwelt kommen und ganz andere Klasteninteresten zu ver- treten haben. Läge nicht die bitterste Notwendigkeit vor, diesen Weg zu gehen, dessen Dornen auch durch den dicksten Teppich stechen, kein Sozialdemokrat würde ihn betreten! Vom Parteitag stt nicht nur zu erwarten, daß er die Notwendigkest der Koalstwnspolitit einsieht— darüber wird es keinen Streit geben—, sondern auch, daß er die Schwierig- keiten, die bei der Erfüllung dieser Notwendigkeit zu überwinden sind, nicht noch vermehrt. Gerode herausgesagt: in einer Situation wie der gegenwärtigen kann der Parteitag nicht eine Sorte von bürgerlichen Politikern mit einem roten Stenwel und die andere mit einem blauen abstempeln, damit die Partei weiß, mit welchen sie Koalitionen eingehen darf und mit welchen nicht. Solche Stempel bleiben, solange sie nicht ein neuer Parteitag ändert; aber inzwischen ändern sich mit rasender Schnelligkeit die Verhältniste, die Menschen, die Parteien. So befinden sich in diesem Augenblick die Deutsche Volkspartei und die Bayerisch« Volkspartei in einem Prozeß der Umwandlung, und es stt schwer zu prophezeien, in welchem Zustand sie aus ihm herauskommen werden. Zweierlei aber ist, was wir von Parteien, mit denen wir zusammengehen sollen, unbedingt verlangen müssen: Erstens, daß sie ihre Kräfte rückhaltlos zum Schutzder Republik gegen reakfionäre Umtriebe zur Verfügung stellen, und zwei- tens, daß sie die Opferfreudigkeit der besitzen- den Klassen nicht nur in Worten beteuern, sondern auch in Werken betätigen. Die erste dieser Forderungen wird durch die Ereigniste der letzten Zeit so tief sachlich begründet, daß sich jedes weitere Wort über sie erübrigt. Die zweite berührt in ihrer näheren Formullerung die schwierigsten Fragen der Volkswirtschaft und wird noch die lebhaftesten Diskussionen und Kampfe hervorrufen. Wir Sozialdemokraten müssen uns dabei dessen bewußt sein, daß wir nicht nur die Form, die Republik, sondern auch ihren Inhalt, den Staat, zu verteidigen haben. Darf man es aussprechen, daß wir unter den gegebenen Umständen dieeigentltcheStaatspartei find und sein müssen? Ich glaube, man darf es. Denn was wäre die Republik, wenn sie nichts als„formale Demokratie�, leere Formel wäre, wenn sie nicht als Volksstaat lebendig« Kraft würde, die alles geistige, gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben durchdringt? Es gibt vielleicht eine noch gefährlichere Art, die Republik zu sabotieren, als die monarchistische Propaganda. Das ist ihre Aushöhlung von der wirtschaftlichen Seite her, die Konzentrierung aller tastächlichen Macht in Kapitalstruste und Wirtschaftsverbänden, die systematische Verwirklichung der traurigen„Nachtwächteridee" vom Staate, über die einst schon Laflalle gespottet hat. Sichtbar wirken in unserem politischen Leben Tendenzen, die den Staat desto ohn- mächtiger machen wollen, je demokratischer er ist, während wir ihn desto mächtiger sehen wollen, je mehr er unserem Ideal einer wahren Voltsherrschaft entspricht. Als Bekämpfe? jener den Staat degradierenden Tenden- zen sind wir als Sozialisten, Republikaner und Demokraten die eigentliche deutsche Staatspartei geworden. Und darin siegt für uns auch der tiefere Sinn der Steuerkämpfe und unserer Forderung nach einer Erfassung der Sach- werte. Wir wollen nicht, daß der Staat ein armer Teufel sein soll, der feine Wechsel prolongieren muß, während die Privatwirtschaft Orgien des Profits und der Verschwendung feiert. Nur wer für diesen unseren Gedankengang ernstes Ver- ständnis besitzt, kann für uns als Weggenosse der nächsten Strecke in Betracht kommen. Alle Kräfte müssen sich vereinen, um den repubsikanifchen Staat vor einem Bankerott zu schützen,»er zugleich auch außenpolitisch sein Verderben wäre. Der Versuch der Privatwirtschaft aber, ihr eigenes Schicksal von dem de? Staates zu trennen, der sie umhegt, ist wider- sinnig: mit dem Staat gehen auch Menschen und Reichtümer zugrunde; das Ende wäre ein Trümmerfeld, auf dem ein paar reiche Räuber hausten. Die Schicksalsfrage der Welt lautet: Anarchie oder Sozialismus! Auch die imperialistischen Kräfte, die von außen auf Deutschland einwirken, sind letzten Endes Kräfte der An- a r ch i e. Mehr denn je stt eine straffe Zusammenfassung aller Sozialistenparteien der Welt zu einer starkenJnter- nationale eine gebieterische Notwendigkeit. Wir fteuen uns der Gäste aus dem Ausland, die für Görlitz angekündigt sind, und wir bedauern das Fernbleiben mancher, vor allem der französischen Sozialisten, die nach unserer Ueberzeugung das Gefühl ihrer internationalen soziasistifchen Pflicht als erste nach Görlitz hätte führen müssen, und die doch nicht kommen, well sie ja nicht Mitglieder der Zweiten Internationale sind! Die Zersplitterung der Arbeiterbewegung ruft Erschei- nungen hervor, die der Nachwest schwer verständlich sein werden! Diese Zerspsitterung zu bekämpfen und eine neue weit- umspannende Einheit der sozialistischen Arbeiter vorberesten zu helfen, muß das vornehmste Werk des Görlitzer Parteitags fein. Einigkeit gegen die Reaktion daheim, Einigkeit gegen den Bölkerverderber Imperialismus überall— das muß die Parole sein. Wir sind stark; welche Partei hat solche Schicksalsschläge so überstanden wie wir? Wir werden stör- ker, trotz aller Versuche, uns kleiner zu machen, von rechts wie von Nnks. Das wäre nicht möglich gewesen durch Taktik und Führerschlauhest— das ist nur möglich, well der ur- kräftige, gesunde Geist der Arbeitermassen selbst in unserer Partei lebendig ist, weil hier die Kräfte der Zu- kunft lebendig sind, Wir schaffen'?!'ML- »Die SozialÜemokratie am Scheiöewege.� Das„Berliner Tageblatt" zwingt uns durch einen unter obiger Ueberschrift erschienenen Artikel seines Redakteurs Dom- browski zu einigen Worten. Das wird uns nicht leicht, well die Hastung dieses demokratischen Blattes m jüngster Zeit zu- nehmend uneinheitlich geworden ist. Dombrowski meint, und da ist er durchaus auf dem rich- tigen Wege,„wir brauchen eine starke, in sich g es ch l o s- s e n e parlamentarische Mehrheit, um den unausgesetzten An- griffen auf die Verfassung nnd das republikanische Staats- gefüge mit Erfolg zu trotzen. Wir brauchen eine Koalition, hinter welcher der größte Teil der Nation steht, um uns außen- politisch durchzusetzen. Wir brauchen endlich eine parlomen- tarische Konstellation, die eine möglichst reibungslose Durch- führung des Steuerprogramms zur Sanierung unserer Finanzen, zur Erfüllung der Wiedergutmachungsverpflichtun- gen und, danach, zur Reformierung unserer Währung gewähr- leistet.' Alle parteitaktischen Rücksichten müssen gegenüber diesen kardinalen Aufgaben. Deutschland finanziell und wirt- schaftlich wiederaufzubauen, zurücktreten. Man kann aber an ein solches Riesenwerk nicht einseitig vom reinen Arbeit- nehmer- oder Konsumentenstandpunkt herantreten." Wie aber ist solche geschlossene parlamentarische Mehrheit zu erreichen, wie ist den unausgesetzten Angriffen auf das repu- blikanische Staatsgefüge zu trotzen, wie ist eine reibungslose Durchführung des Steuerprvgramms zu erreichen? Das„B. T." meint, dadurch, daß die Reichskoalition nach rechts er- Westert wird, daß dieDeutscheBolkspartei zur„pofi- tiven Mitarbeit" herangezogen wird!! Das wird als politische Erkenntnis in einem Moment formuliert, da die Deutsche Volkspartei unter dem Druck ihres deutschnationalen Flügels jede auch nur mündliche Betätigung des Willens zur positiven Mitarbeit, der auf dem linken Flu- gel bemerkbar wird, zu ersticken versucht. Da die lärmend angekündigte Goldunterstützung der deutschen Großindustrie und der Banken sich als ein politischer„Bestechungsversuch mit unzureichenden Mitteln" herausstellt, will ausgerechnet das „Berliner Tageblatt" uns glauben machen, daß durch den Eintritt der Deutschen Volkspartei die Steuergesetzgebung bald in Ordnung zu bringen sei. Wir sind nicht der Auffassung, daß die Entscheidung über die Koalition mit irgendeiner Partei in Grundsätzen, einge« bildeten oder wirklichen, wurzelt, man soll uns aber doch nicht zumuten, tattisch grundsätzlich falsch, das heißt zugun- sten der Feinde der Republik, zugunsten der Gegner der Er- fastung der Goldwerte, zugunsten der Förderer des deutsch- bayerischen Konfliktes und gegen das Wohl der breiten Masse des Volkes zu handeln. Das„B. T." hat ein Argument zur Hand, daß vielleicht seine Auffassung stützen könnte, wenn es in vollem Umfange richtig gesehen wäre, Es meint, die Unterstützung der Neichskoalitio« durch die Unabhängige« sei dach eine so unsichere Aussicht, daß man auf sie nicht bauen könne. Bei aller Skepsis möchten w i r aber doch lieber auf die wachsende Einsicht der USP. als auf die Früchte des republikanischen Patriotismus der Deutschen Volkspartei warten. die tzohenzotlernfche Steuerschiebung. Der schwerindustrielle„Verllner Lokalanzeiger" nebst Ablegern ist bisher die einzige reaktionäre Zeitung, die gegen unsere öffentliche Anklage das Wort zu nehmen wagt; die übrige monarchistische Presse hält es für klüger, ihren Lesern von unseren Feststellungen nichts mitzuteilen. Die Sache ist ihr augenscheinlich zu peinlich. Das, was der„Berliner Lokal- anzeiger" und der„Tag" in ihren gestrigen Morgen- und Abendausgaben sagen, ist dennoch tödlichste Verlegenheit und komisches Gestottere. Morgens meint man,„zustöndigerseits" habe man erfahren,„die ganze Angelegenheit ist derartig verwickelt, daß es unmöglich war, schon die Morgenpreste über den Fragenkomplex zu unterrichten". Am Abend hat man die Angelegenheit doch noch nicht auseinandergewickelt, da wird mitgeteilt, daß„das königliche Hausministerium mit dem preußischen Finanzministerium in Besprechungen einge- treten" sei. Weiter heißt es dazu: „Man glaubt zu der Annahme berechtigt zu fein, daß es sich um nichts anderes als eine Hetze von sozialdemokratischer Seite handelt, und die„Enthüllungen" dürften sich als großer Bluff herausstellen." Wir sind etwas anderer Meinung. Einstweilen wollen wir die Besprechungen zwischen dem„königlichen" Haus- Ministerium und dem preußischen Finanzministerium dadurch etwas fördern, daß wir die Spur, auf der Man suchen muß, etwas deutlicher aufzeigen. Klagte doch der„Berliner Lokal- anzeiger" oder richtiger das preußische Finanzministerium im „Berliner Lokalanzeiger" darüber, daß unsere erstmaligen Mitteilungen so mysteriös gewesen seien, so„ohne greifbaren positiven Gehalt", daß es den zuständigen Stellen u n m ö g- l i ch war, darauf einzugehen. Also man beginne einmal von der Verfügung des Ministeriums des vormaligen königlichen Hauses II 144 15. Mai 1921 an etwas rückwärts zu gehen. Das Konzept dieser Verfügung ist noch im vormaligen könig- lichen Hausministerium zu finden, so hoffen wir wenigstens. Man möge aber dabei von der üblichen Praxis des im ollgemeinen recht verfügunasfreudigsn Finanzministeriums ab- gehen. Bisher wurden dw„Feststellungen" dieser Aufsichts- instanz in der Regel so vorgenommen, daß das königliche Haus- Ministerium schriftlich ersucht wurde, bis zum so- undsovielten Auskunft über dasunddas zu geben. Die ganze Vorgesetztenenergie verwandte man meist darauf, die Berichts- frist so kurz wie möglich zu machen, statt selbst die Rase in die Sache zu stecken. Uns kommt es außerdem weniger darauf an, daß die Hohenzollern einer Steuerhinterziehung überführt werden, das tun ja ebenso wie Kapitalverschieben die„Besten im Lande". Uns kommt es darauf an, daß die Hohenzollern endlich einmal anfangen, Steuern zu zahlen. Wo steht denn eigentlich geschrieben, daß sie vorläufig keine zahlen sollen? Der Entwurf, der diesen Passus enthielt, well man an eine rasche Auseinandersetzung zwischen Staat und vormaliger Krone glaubte, ist vom Parlament an die Regierung zurück- oerwiesen. Das Kabinett Stegerwald ist also in seinen Maß- nahmen völlig frei und kann verfügen, daß die Hohen- zallernfamilie ebenso anfängt Steuern zu zahlen, vorbehaltlich späterer endgültiger Verrechnung, wie jeder andere Staats- bürger, ja sogar wie der einfachste Arbeiter, den man meist heute noch nicht einmal für 1920 endgültig veranlagt hat, ob- wohl er längst reichlich und fortlaufend seine Steuern für jenes Jahr längst gezahlt hat. Hier ist überdies auch für die R e i ch s r e g i e r u n g eine Gelegenheit, sich von einigen reichlich wohlhabenden Leuten nicht unerhebliche Steuerbeträge nachzahlen zu lassen. Wer die Million nicht ehrt, ist die Milliarde nicht wert! Rot weh'n unsre Zahnen. Mr schreite«, zur Sonne aus Zlnfternisien— Wir streuen die Liebe in» Alenschheitsland— Die roten Banner der Zukunft wir hisieu— vo« Geiste der Wahrhett sind wir entsaudti Wir ebnen der Freiheit die steinigen Wege.— Wir werben für Schönheit, Freude und Licht,— Mr fluchen den Hirnen, die feige und träge Wcht fordern ihr Recht und nicht tun ihre Pflicht! Die Heimat, verbluieud an lausend Wunden. Soll wieder erstehen zur Kraft und zur Macht! Wir wollen erstarken, wir wollen gesunden Und überwinden die lasiende Rocht! Wir flnd gerüstet, wir stehen gefchlosien: Was unser an Dunkelheiten auch harrt! Wir kennen einander als Freund und Genosien Für Zukunft. Vergangenheit. Gegenwart! Wir rufen alle! Mr brauchen jeden! wer chrlich kommt, soll willkommen fein! Die Zeit will Taten sehn und nicht Reden! Der Ruf ist erklungen: wir schließen die Reih'n! Mr schließen die Reihen und stürmen weiter! Wlr dulden kein Joch mehr, wir bleiben frei:' Bekenner der Wahrhett und Zuknnfisftreiter! Kot weh'n unsre Fahnen... hoch die Partei! L. L. Sörlktzer SÜmnmngsbilöer. Daß sozialdemokratischer Parteitag ist, merkt der Reisende nicht erst in Görlitz. Schon in Dresden sind die Eisenbahnwagen zu Hein. Freilich ist daran auch ein klein wenig die Breslquer Messe schuld. Die Schnellzüge sind überfüllt. In allen Abtellen siehst du bekannte Gesichter mit dem„Vorwärts", der„Chemnitzer Volks- stimme", der„Dresdener Loltszeitung" in der Hand. Jeder Äun- dige merkt: es liegt was in der Luft. Die erste Ueberraschung erlebte ich schon m Dresden, als ich bekannte preußische Abgeordnete in der dritten Klasse finde. Nanp? Es stellt sich heraus, daß sie in Sachsen mit ihrer Abgeordnetenkä'rte nicht fahren dürfen. Das ist sehr nett, man kommt sofort in ein politisches Gesprach, ehe sich's jemand versieht, ruft's draußen „Görlitz". Role Armbinden„SPD.", schwarzrotgoldene Fahnen, großes Transparent:„Willkommen zum Parteitag der SPD." empfängt uns. Görlitzer Neugierige schauen sich die„Roten" an. Hier ist wirkluj) all« für den Parteitag«bgestmuA, ZLojp, Die PPN. schreibe«: Der.vorwärts" beschäftigte sich in verschiedenen Aufsätzen mit einer angeblichen Steuerflucht der Hohenzollern und behauptete, daß aus den 23 Millionen Mark betragenden Ueberschüsien der Hof- kammer für 1920 10 Millionen Mark durch unzulässige Umbuchungen dem Zugriff der Steuerbehörden entzogen seien. Hierzu teilt der Preußische Pressedienst den PPN. mit: Die vom„vorwärts" wiedergegeben« Angaben war« dem preußischen Finanzministerium bisher nicht bekannt und konnten auchnachdenimunmittelbarenAnschlutznndieBe» schlagnohme im November 1918 für die Ueder- wachung der Hosverwaltung aufgestellten und erst neuerdings geänderten Grundsätzep nicht bekannt sein. Infolge der Veröffentlichung im.Borwärt»" hat das preußische Finanzministerium sofort«ine Prüfung der ganzen An- gelegenheit angeordnet, deren Ergebnis demnächst der Presse mit- geteilt werden wird. Wir freuen uns, daß man die Sache prüfen will. Te- merken müssen wir aber, daß auf Grund der im November 1918 für die Ueberwachung der Hofverwaltung aufgestellten Grundsätze die Maßnahmen des königlichen Hausministeriums im Finanzministerium eigentlich bekannt sein müssen. Seit wann darf denn das Hausministerium, das doch unter Aufsicht de» Finanzministeriums steht, selbständig Verfügungen über einkommenoe Kapitalerträge machen? Seit wann wird es dabei nicht mehr beaufsichtigt? Aus Grund der Beschlag- nahmeverordnungen vom November 1918 und der dazu er- lassenen Ausführungsbestimmungen darf es derlei Berfü- gungen nur im Einvernehmen und nach Genehmigung des Finanzministeriums geben._ Golöwerterfassung oöee was sonst? Zu den wichtigsten Fragen, die für die Wirtschafts-, Finanz- und Sozialpolitik der Sozialdemokratie im nächsten Jahre entscheidend sein werden, gehört zweifellos dieAusbringungderWteder- gutmachungsschuld. Das Votum, das der Parteiiag darüber zu fällen hat, ist eines der verantwortlichsten, das eine Arbeiter- partei überhaupt fällen kann. Der Kampf um die Erfüllung der Neparatlonspftlchten begann unter scharfem Widerstand der besitzenden Kreise mit der Forderung maßgebender Parteigenosien, die Steuern für diesen Zweck durch eine Beteiligung de» Reichs am Produktions, und Handelskapital sowie am Grundbesitz auf eine gänzlich neue Basis zu stellen, sie von den Schwankungen des Geldwertes unab- hängig zu machen und zugleich einen Teil der.Substanz des deutschen Volksoermögens für die Zahlungen in der schwierigsten llebergangs- zeit zu oerflüssigen. Lange hat der Besitz gezögert, sich überhaupt dazu kritisch zu äußern. Erst in letzter Stunde hat die Industrie im Verein mit den Banken und der Landwirtschaft der Regierung angeboten, selbst eine Goldanleih» aufzunehmen und gegen groß» politische und steuerliche Zugeständnisse dem Reich zur ver- fügung zu stellen. Man sprach zunächst von mehreren Milliarden, ging dann auf eine bis anderthalb Milliarden zurück und gestern erklärten die Banken ziemlich unzweideutig, daß man kaum erheblich mehr als eine Milliarde Goldmark erwarten dürste. Wir warnen vpr einer Ueberschätzung dieser Zugeständnisse. Niemand weiß noch, wie hoch sich die Industrie und Danken die Devisen bezahlen lassen wollen. Niemand hat sich auf eine untere Grenze der Leistungspslicht festgelegt Aus gut unter- richtet« Quelle wurde uns sogar die Mitteilung, daß im engen Kreise von Industriellen schon damit gerechnet wWd, es könnte nur eine halbe Milliarde Gold aufgebracht werden. Ganz gleich, ob das zu- trifft oder nicht, muß man sich vergegenwärtigen, daß jede solche freiwillige Hilfeleistung erkauft wird mit einer Bergrößerung des Loches im Reichshaushalt, also mit einer verschärften Tätigkeit bei Notenprefse und mit einer erhöhten Belastung der besitzlosen Massen, mit einem weiteren Verzicht auf sozialpolitische Maßnahmen und mit einer Verzögerung all« Arbeiten, die auf die Ueberführung d« kapitalistischen in die Semeinwirtschaft abzielen. Man kann Parteiprogramme fassen, wie man will. An diesen Tatsachen kommt man in d« praktischen Politik nicht vorbei. Der man horcht, reden die Sörlitzer vom Parteitag. Seit Mittwoch kamen schon die Delegierten an, die zur Wohlfahrtstagung, zum Frauentag Mandate hatten. Die Görlitz« erwarten rund 1200 Menschen. I m H o t e l. Die übrigen Gäste sind unglücklich.„Was ist denn los?"—„Ja, wissen Sie es denn nicht, es ist doch roter Parteitag hier!"—„Ach, du lieber Gott, gibt's da vielleicht was?" Ja, es gibt was. Ahnungsvolle Hotelengel. Was es gibt, wird die nächste Woche zeigen. Die Görlitz« Einwohner gehören dem niederschlesischen Volksstamm an, der sich durch Familiensinn, großen Fleiß und Sparsamkeit auszeichnet, durch sinnige Ruhe und Vor- antwortungsgefühl. Das macht sich auf Schritt und Tritt bem«k- bar: es heimelt einen hier alles an, vom Dialekt bis zur Sauber- keit, die aus den Wohnungen grüßt, dem schönen Stadtpart, den freundlichen Straßen. Die S t a d t h a l l e in Görlitz ist ein schöner, mitten im Stadt- park liegender Bau, herrlich im Herbstschmuck präsentiert sie sich mit dem fein abgetönten großen Festsaal, den von keiner Säule und Galerie beschwerten Raum, in dem am Sonntag die Orgel und Montag die Reden ertönen werden. Der anschließende Garten mit seinen lieblichen Ecken macht in d« lachenden Httbstsonne einen fröhlichen Eindruck. Die Pfosten find, Mr Bretter aufgeschlagen, Und jedermann«wartet sich ein Fest. D« Parteitag wirft sein» Schatten voran». Auch die Friseure „machen in Politik". Während sie«inen unter dem Messu haben, «fährt man, daß der Präsident Ebttt zum Parteitag kommen wird, sein geheimster Geheimsekretär und ein Dutzend Berlin« Sherlock Holmes sind schon da. Armer Genosse Präsident, was üb« dich nicht alles gelogen wird.— Ab« ein„Eberle" ist da— nämlich d« Görlitz« Bezirksparteisekretär.— Na also! Es kommen immer neue Delegierte an; als ich a« nächsten Morgen zum Friseur komm«, hör« ich, daß auch eine russische Re° gierungsvertretung von den„Bolschewiti" da wäre. Ich habe so gelacht, daß mich der Märchenontel geschnitten hat. Ab« ich kann dem Mann nicht böse sein._ Th. Th. Prinzesfin Olala. Da» Berliner Theater war hurttger als die Staateop«. So mußte die große Sehnsucht nach der einzig großen Flamme der heiligen Barbara abgelenkt werden zur nicht kleineren Sehnsucht nach der Massari). Aufgeschoben ist nicht auf- gehoben. Im zweiten Akt der neuen Operette aus der Firma Ber- nau«. Schanz«, Gilbert u. Co. hält die M a s s a r y einen Monolog. Di« verslellung eines romanhaften Tete-a-tete beim Sekt berausch! sie, und nun spictt sie mit all« Dez-nz, allem lebendigen Trieb, aller Koketterie und allem weiblichen Reiz die Szene ein« sanft Berauschten. Man sollte mehr solcher Szenen oder Sketchs schreiben,«finderisch sein für dies« Frau, der auch das Klischee alt abgestempelter Tänzchen immer neue Bewegungseinfälle, musikantisch durchzittert« Schritt«,»«jührerisch ausgenutztes S&nenfelei zu fr* Preis ist ungeheuer hoch. Und die Gegenleistung, soweit st« überhaupt als gesich«t gelten kann, ist noch nicht einmal in ihr« unteren Grenze festgelegt. Niemand kann garantieren, daß der Er« folg des Unt«nehmens größer fein wird, wie d« d« Sparprämien, anleihe, die auch zur Gesundung d« Reichssinanzen beitragen sollte und von den Banken mit großem Tamtam propagiert wurde. Darum, well die Unternehmerverbände ihr« Stellungnähme bi» zum letzten Augenblick»«zögert und dann von Tag zu Tag ge- wechsett haben, steht der Parteitag heute erst am Anfang der Ausgabe. Und er muh unzweideutig zum Ausdruck bringen, daß die Sozialdemokratie keinesfalls gewillt ist, von ihr« Forde- rung nach Erfasiung der Goldwerte abzugehen, es sei denn, daß die Eegensette die ErMung der Reparationspflichten auf Jahre hinaus sicherstellen und gleichzeitig ohne einseitige Belastung des Verbrauches das Gleichgewicht im Reichshaushcllt wiederherstellen helfen will und für eine entsprechende gesetzliche Regelung bin« dende Erklärungen abgibt._. Ein preußisches Grunüfteuergefetz. Die preußische Staatsregierung hat den Gesetzentwurf über die Erhebung einer vorläufigen Steuer von Grundvermögen der Oeffenllichkett unterbreitet. Preußen will sich damit eine neue Steu«quell« sichern, die sellh« hauptsächlich 4>en Kommunen überlaflen war. Die Steuer, die 4 vom Tausend des Wertes betragen soll,«faßt das landwirtschaflliche und städtische Grundvermögen. Sowett der landwirtschaflliche Grundbesitz in Frage kommt, kann bei d« auherordenllichen Steigerung der Preise für die landwirtschaftliche Erzeugnisse die Berechtigung einer solchen Steuer nicht bestritten w«den. Anders ab« beim städttfchen Grundbesitz. Hier sehen die Vorschriften des Gesetzentwurfs ganz deutlich vor, daß durch Erhöhung der M i e t e n die Steuer, die im Durchschnitt etwa 10 v. H. d« Friedens- mieten bettagen soll, abgewälzt wird, indem Hauseigentüm« und Mieter als Gesamtschuldner anaesehen w«den und die Steuer unter gewissen Voraussetzungen vom Miet« erhoben werden kann. Nun läßt sich daran nicht rütteln, daß in jedem Falle zur Ge, sundung d« Bautätigkeit eine Anpassung d« bish« zwangsweise niedrig gehaltenen Mieten an die Gestehungskosten neu« Häuser unv«meidlich ist. Mit and«en Worten: Früh« oder spättr muß eine allgemein« Heraufsetzung d« Mieten erfolgen. Bisher hatte man ab« damit gerechnet, daß das Reich die Differenz zwischen Friedensmieten und Baukosten neu« Häuser dazu ausnutzen würde, um d« Wohnungsnot durch Neubauten zu steuttn. Teilweise ist?>as durch das Reichsmietengesetz b«eit» durchgeführt. Preußen fürchtet nun offenbar, daß ihm die Steu«quelle weggeschnappt wird und meldet sich daher beizeiten, um semerseits eine rnkappte Miet« [teuer durchzuführen. Wird die Steuer zum Gesetz«hoben, so wird die Produkttons- abgab« auf die Meten von vornherein schwer geschädigt und ein beirächttich« Teil der Beträge, die für die Zwecke des Wiederauf- baue, d« Wohnungen benöttgt werden, zu fiskalischen Zwecken beschlagnahmt. Daß Preußen die Steuer nicht entbehren kann, ist unter diesem Gesichtspunkt eine durch nicht» begründet« Auffassung. Erhätt nämlich das Reich die Möglichkett, in großem Umfange zu bauen, so wird- die Arbeitslosigkeit gemildert, und die Erträge aus Einkommen- und Umsatzsteuern, an denen die Land« beteiligt sind, steigen. Es wäre also unsinnig, ein« Woh- nrntgssteu« in Preußen zuzustimmen, wenn d«selbe od« gar noch ein besserer Erfolg auf dem Wege üb« die Förderung der Bautätigkeit durch das Reich zu erzielen ist..I., Mchk auf Kosten der Steuerzahler. In unserer Rumm« vom 3. September, Morgenausgabe, wurde lriiisiert, daß der deutsch- nationale Kreisarzt des Kreise« Schweinitz, Dr. Geißl«. im amtlichen Teil des dortigen Kreisblattes seine Beurlaubung zum deutschnationalen Parteitag„auf Kosten der Steuerzahler" bekanntgegeben habe. Dr. Geißl« ersucht un«, diese Angabe richtigzustellen und legt un» die von dem Kreisblatt au-Zgestellte JnsertionSguittung vor. wonach er tatsächlich 20 M. Gebühren für da» Inserat selbst bezahlt hat. Daß er den amt« li ch e n Teil de» KreiSblatte» zu ein« Reklame für feine politische P a r t e i benutzte, bestreitet Dr. Geißl« nicht. zeugen scheint. Dies« Soloszene auf d« Bühne ist ber feinste kammermusikalisch« Ersatz für alles, was sich sonst an guten und kraflen Wirkungen zutrug. Das macht auf der Operettenbühne kein Star der Massary nach. Ihr Witz ist noch ttestend« geworden, und das Auftrtttslied als Jungfer vom Lande hatte einen behaglichen Zustrom Waldorffsch« und Pallenbergsch« Humore. Kein Wund«, daß die kleinen Ungezogenheiten auf Mann und Weib vom ganzen Haus jubelnd quittiert wurden. Sie ist Prinzessin. Prinz Boris, ihr unbekannter verlobt«, d« die Frauen nicht gekannt, wird versandt in fremdes Land.„Dort soll die Unschuld sich entf«nen, sollst bei Lebedamen lernen!" Also sprach in rauhem Ton Papa Fürst zu seinem Sohn. Doch Prim- zeßchen, miß« Rand, will nur Lieb' aus erster Hand. Sie v«- dingt sich mang die Zofen, will sich Doris freundlich kosen, spielt— o hört nur, Gott«. Gotte— mit Geschick die Erz-Kokotte. Doch sie kommt zu nah' den Feuern, bald« ist sie am Entschleiern: und sie kriegt ihn. längst gepackt. sich«lich im drillen Akt.—— Boris ist Herbert Kiper, eim bisse! ungeschickt, aber lieb. Sein Lehrer und moralischer Ab-Erziehcr R. A. Roberts von kautschukartiger Gelenkigkeit und prachtvoll« Laune. Sehr niedlich auch Pepi Zampa als Zofe. Ab« imm« wied«: Abglanz d« Masiary alles, was da singt und spielt und tanzt. Gilbert ist ein Melschreib« geworden, d« sich selbst immee wieder findet, in frohem Zirkeltanz. Seine Musik stört nirgends, aber sie ist es auch nicht, die einmal richttq emporwirbeln macht. Eh« schon ein paar Situationswitze des Stücks: ab« ein elegantes Couplet pfeff«t Gilbert jedesmal so liebevoll hin, als sei's«in Stück von ihm. Hugo Moesgen dirigiert, od« die Masiary dirigiert ihn, wie uns alle. Kurt Singer. Imm« noch 6« Mufeumskrisg. Karl Scheffle? gibt infolge Krankheit erst jetzt Antwort aus dir Feststellungen des Kultusministe» riums. Er behauptet, es wäre Partei, und verlangt eine unabhängige Untersuchungskommissivn. Cr behoiipttt nach wie vor, daß Der» geudung getrieben wird und Messels Pläne pietätlos«rändert sind. Er oerlangt dah« erneut Sparsamkit und Konttoll«. Damit der Knatsch nicht ins endlose weitergeh«, wird der Landtag sich mit der Angelegenheit besasien müssen. Im erste»»»«,«! der BelkSbSH«« tm Sonntag. SS. Sept., mittag» M18 Uhr, in der Philharmonie, wird Gustav Brecher Gustav Mahl«» 8. Sinfonie aufführen. Karten für Mitglieder 4 M.(sonst 6 M.h bei Tieh, Köpenicker Str. 68, Sinienfir. 227 und an der Kasie. Da» neu« Lbonnement dr» Großen Schaaspielhause» wird mit Schiller» „Kaub e r*" am 26, Sevt, eröffnet. Die Regie führt Karlheinz Martin. Da» Vorlesungsverzeichnis der Humboldt-Sochfchule für da» 4. Viertel- jähr ist erschienen und bietet wieder eine reiche Auswahl von Kursen aus allen Gebieten.• Di« internationale Tagung für Sexaalrefor» wird ihre Sitzungen wegen de» überaus starken Besuche» am Montag im Birchow-Sangenbeck- Hause abhalten. Yin neuer.Neieen".Prozest sieht am Landgericht III Gertrud Eyioldt und einigen Darstellern des Kleinen SchauspielbauseZ bevor. Die Zivilkammer de» gleichen Landgerichts hat zwar ieslge'tcllt, dak die .Reigen'-Aufführung keinen sittlichen Anstoß erregt. Die TtaatSanwaltschast will ab« neuerdings gegen die Aujjühnmg ovrgehvl, hie sie alt Pormtzm» unzüchtig« Handlunge» darstellt. Nr. 44T ♦ ZS. Fahrgans 1. Seilage ües vorwärts Sonntag, is. September 142? Eindrücke vom Völkerbünde. Von einem höheren Ministerialbeamten eines deutschen Bundesstaates, der gegenwärtig der zweiten Tagung der Völkerbundsversammlung in Genf als Zuhörer beiwohnt, erhalten wir folgende Aussührun- gen, denen wir schon aus dem Grunde gerne Raum gewähren, weil sie den Vorteil des unmittelbaren Er- lebnisses besitzen. Ltr. Genf, den 14. September 1321. Nicht aus Begeisterung und mit irgendwelchen Illusionen bin ich zu dieser zweiten Tagung des sogenannten Völkerbundes ge- kommen. Was mich trieb,.war die Begeisterung für die Idee eines wahren Völkerbundes und die Neugier, das Machwerk der kleinen Politiker von heute mit der Größe jener Idee zu vergleichen. Da findet man wahrlich Stoff genug, für beißende Satire und auch Versuchungen genug zu absoluter Skepsis. Die erlauchte Versamm- lung selbst scheint sich ihrer Lebensfähigkeit durchaus nicht mit gesun- der Selbstverständlichkeit bewußt zu sein. Man würde sonst wohl kaum das Bedürfnis haben, sich gegenseitig immer wieder das Attest auszustellen, daß man die größten Leistungen vollbracht habe und zu den schönsten Hoffnungen für die Zukunft be. rechtige. Wo die Taten schweigen, müssen eben die Worte reden. Dielmehr: die Taten schweigen nicht einmal, sie legen vielfach ein peinlich lautes Zeugnis gegen die Leistungen der hier versammelten Staatsweisheit der gegenwärtigen Welt ab. Wir haben nach Erledigung der Formalitäten, die zur Konsti- tuierung der Versammlung gehörten, und bei der Wahl von Präst- Kenten und Bureau auch schon nicht ohne allerlei Menschlichkeiten abgingen, sechs Tage Generaldebatte hinter uns. So kann man wohl die Reden bezeichen, die zu dem Tätigkeitsbericht des Rates und des Sekretariats gehalten werden. Gelegenheit, die ganze Bölkerbundspolitik von der ersten Tagung an bis zur jetzigen kritisch zu beleuchten. Aber natürlich ist diese Kritik einseitig genug. Konnte doch die Waffengewalt der Sieger dafür sorgen, daß die eine Partei von jeder aktiven Teilnahme an der Diskussion gänz» lich ausgeschlossen blieb. Und selbst der passive Anteil Deutschlands, um dessen Schicksal doch ein sehr großer Teil dieser sogenannten Bölkerbundspolitik in den nächsten Jahren sich drehen wird, ist ein ganz minimaler, da noch sehr wenige Redner den moralischen Mut aufbringen, auch nur den Namen des gerichteten Volkes in den Mund zu nehmen. Es muß einer schon sehr weit herkommen wie der Inder Srinaoasa Sastri, um auch an den Deutschen ein gute« Haar zu finden. Er stellt die Tatsache fest, die in dieser Ver- sammlung wie eine kleine Sensation wirkt, daß man die frühe- ren deutschen Kolonien zum Teil an Mandatare ausliefern wolle, nach deren Gesetzgebung die Farbigen schlechter gestellt sein würden als nach der deutschen. Auch bezieht sich größtenteils auf deutsche Voltsteile, was der Vertreter Südafrikas, Mur- r a y. von bedrohten Minoritäten in Zentraleuropa spricht. Früher habe man solche Zustände nur im Orient gekannt. Er nennt freilich keinen Nomen. Aber die Urheber der Balkanisierung Europas wer- den schon wissen, wen er meinte. Eine sachlich scharfe Kritik übte Branting- Schweden, der den jetzigen Völkerbund als in Gefahr bezeichnete, zum I n st r u- ment gewisser Großmächte zu werden. Als echter Welt- bürger sprach der Belgier Lafontaine, der u. a. verlangte, daß die Kriegsschuld in eine Weltschuld verwandelt und nicht denjenigen Völkern allein aufgeladen würde, die durch den Krieg selbst schon genug und vor allem Millionen Menschenleben verloren hätten. Er sprach von Nationen, die sich während des Krieges bereichert hätten. Es ist nicht schwer zu erraten, wen er zu diesen Kriegsgewinnlern unter den Völkern rechnet. Der konservative Gegenpol zu solchen Reden sind die Entschuldigungen von B a l f o u r oder von dem noch sehr jungen Chinesen Wellington Koo. Wie gut kennt man das Balfoursch« Argument, daß durch Brantings Kritik das An» sehen des Völkerbundes leide. Wie schlimm noch Deutschlands Si- tuation ist, erkennt man vor allem aus den Reden von Männern wie Lord E e c i l oder Leon Bourgeois, die in ihrem bürger- lichen Milieu schon als gefährliche Radikale und Pazifisten gelten. (Bei Bourgeois war das einmal der Fall. Aber schon vor dem Kriege hat er«ine deutliche Rechtsschwenkung vollzogen. D. Red. d.„V.".) Sie finden Dinge wie die Französierung des Saarbeckens, die Vergewaltigung von Eupen und Mal- medy, die polnisch-ententistische Bevormundung der„freien"' Stadt D a n z i g nicht nur entschuldbar, sondern direkt lobenswert! Sie halten es für eine moralische Leistung, daß England und Frank- reich ihren Streit über O b e r s ch l e s i e n an den Völkerbund ver- wiesen haben. Daß sich die beiden dabei um den Besitz eines Dritten streiten, den man nicht mitreden läßt, wird gar nicht ge- sehen, geschweige denn geäußert. Man fühlt nicht, welche Blöße man sich gibt, wenn man das gemeinsame Interesse der beiden Sieger an der Aufrechterhaltung ihre» Bündnisses und ihrer Macht mit dem heiligen Respekt vor dem sittlichen Recht verwechselt. Rein, aus dieser Generaldebatte ist wirtlich nicht viel herauszuholen. Und wenn man sieht, wie feindlich selbst in dieser Welt der diplomatischen Höflich- keiten die Völkevgegesätze noch aufeinanderplotzen— Polen-Li- tauen, Serbien-Albanien, Bolivien-Chile usw.—, wenn man das mißtrauische Ringen der kleinen Staaten mit der im Rat verkörperten geheimen Diplomatie der Großen miterlebt, wenn man endlich neben dem verächtlichn Totschwei- gen Deutschlands das buhlerische Umwerben der Vereinigten Staaten mitansehen muß, dann könnte man gerade als Freund des Dölkerbundgedankens sich hier vor besten augenblicklicher Verkörperung einen Abscheu für immer holen. Aber die große Idee ist stärker als die kleinen Menschen. Es sind in dieser Versammlung viele, denen im Grunde genommen dle Gedanken der A b r ü st u n g oder des Weltgerichtshofes oder des Weltarbeitsamtes ein Greuel sind. Besonders die F r a n- z o s e n gehören zu ihnen. In der Regel sind sie bei denen, die Schwierigkeiten machen. Aber während des Krieges hat man in der Not die höchsten Ideale angerufen, weil man nur durch sie die blutige Opferbereitschaft der Völker erhalten konnte, die man dann so schmählich für imperialistisch-kapitalistische Zwecke mißbrauchte. Jetzt lasten sich nun doch die betrogenen Völker nicht so ohne wei- teres mehr mit ganz leeren Händen heimschicken. Man muß also jene unbequemen weltumwälzenden Gedanken weiter diskutieren, so gefährlich es ist. Und mit der Zeit wird die Logik der Gedanken von innen und der Druck der Masten von außen schon dafür sorgen, daß schließlich auch gegen die engen Einsichten und Absichten der heutigen Wetttyrannen Gerechtigkeit und Wahrheit sich gegen diplomatische Kniffe und wirtschaftliche Gewissenlosigkeit durchsetzen werden. Als großer Tag war der 14. September, der S00jährige Todes- tag Dantes, gedacht. Man scheute keine Anstrengung, um die Wahl Mr Richter für den ständigen internationalen Ge- r i ch t s h o f an diesem Tage zu vollenden. Aber die einzelnen Wahlgänge führten zu so heftigen Kämpfen, daß der letzte Platz, der 15. schließlich doch noch leer bleiben mußte, und daß ein offener Konflikt zwischen dem Völkerbundrat und der Vollversammlung abends um 8 Uhr die Verschiebung der Entscheidung nötig machte. Die feierlichen Gedenkreden auf Dante als einen der großen Propheten des Weltstaates litten also doch etwas unter dieser Dissonanz. Und der deutsche Zuhörer trug noch eine andere Dissonanz im Herzen. In wenigen Ländern ist so Be- deutendes auf dem Gebiete der Dante-Forschung geleistet worden, als gerade in Deutschland. Und dieses Land wird hier wie eiqe Art Kullurfchande von der Feier des großen Namens ausgeschlossen, wo Kubaner und Siamesen staunend zuhören, denen man mit der Annahme kaum zu nahe tritt, daß sie von dem großen dich- terischen Derkörperer des europäischen Mittelalters noch kaum je eine Zeile gelesen haben. Wie aber steht es nun mit dem ständigen Gerichtshof, der uns angeblich dem Danteschen Wettstaat soviel näher bringen soll? Dante hat gerade von Deutschland her die Erlösung der Welt erhofft. Aus dem neuen internationalen Gerichtshof da- gegen ist Deutschland natürlich wie aus diesem ganzen englisch-fran- zöstschen Völkerbund ausgeschlossen. Der Staat Kuba wird für würdig befunden, einen seiner Juristen hineinzuentsenden, trotzdem er noch nicht einmal das Statut dieses Gerichtshofes ratifiziert hat. Von den 14 neugewählten Richtern gehört nur einer einem Staate an, der die Klausel des Obligatoriums angenom- men hat. Mit 11 Stimmen sind die Sieger st aaten des Weltkrieges vertreten: mit 12 sogar, wenn der Völker- bundrat gegen den Wunsch der Vollversammlung den Belgier Des- campe noch hineinbringt. Im übrigen wollen wir gegen die ehren- werten Rechtsgelehrten, die den Gerichtshof bilden werden, nicht» sagen, sondern ihre Taten abwarten. Etwas bester als die brutale Auseinandersetzung mit grausamen Mordwaffen ist schließlich selbst ein unvollkommener Gerichtshof. Es ist em Weg beschritten, den man eben weitergehen muh. Es wird schon die Zeit kommen,«o man auch die deutsche Rechtswissenschaft wieder ohne die Brille der Siegespsyche sehen lernen wird. Und hat sich die jetzige Versamm- lung auch noch nicht zu jener intellektuellen und moralischen Höhe zu erheben vermocht, die den Besiegten gegenüber den ritterlichen Willen zur Versöhnlichkeit dokumenttert, so mag immerhin als schwacher Anfang verzeichnet werden, daß der österreichische Gelehrte Klein im ersten Wahlgang S Stimmen auf sich vereinigte, und daß ihn mehrere der gewählten Richter erst im fünften und sechsten Wahl- gang an Stimmenzahl überholten. Im ganzen gesehen ist dieser hier zusammengestellte neue Gerichtshof auch wieder nur ein Be- weis mehr für die unglaubliche Naivität, mit der die sieg- reichen Völker ihren äußeren Erfolg zugleich als einen moralischen und als ein Gottesgericht der Weltgeschichte hinzustellen belieben. Wie zu meiner Erholung war es, daß ich einmal einen Vor- mittag statt der Teilnahme an der Völkerbundoersammlung der Besichtigung des internationalen Arbeitsamtes widmete. Um es gleich vorweg zu nehmen: diese» Arbeitsamt er- scheint als die bisher noch am besten geratene Schöpfunq des Pariser Paktes. Das hat seine guten Gründe. Einmal steht an seiner Spitze in A l b e rt-T h o m a s eine Persönlichkeit, die etwas bedeutet, die schöpferische Intellektualität besitzt, deren jetzige Arbeit herauswächst aus langjähriger praktischer Erprobung auf gleichem Gebiet. Dann ist es dieses Amt, in welchem sich am unmittelbarsten der Druck der Lebensinteressen von Mil- lionen Arbeitern zur Geltung bringt. Das schiebt schon ganz natürlicherweise die Diplomatie mit ihren kleinen Schlauheiten wenigstens im Bereiche dieser Aufgaben in den Hintergrund. Schon rein äußerlich zeigt sich das darin: Während man in sämtlichen an- deren Dölkerbundsinstitutionen, selbst in dem Gerichtshof, der die Wettgerechtigkeit verkörpern soll, das deutsche Volk rücksichtslos aus- schließen tonnte, hat man seine Mitarbeit im internationalen Ar- beitsamt von vornherein mit eingestellt. Und es war mir eine Freude, gerade an dieser Stelle meine deutschen Landsleute in Genf ' begrüßen zu können. Ich habe aus dem Einblick in ihre schwierige und entsagungsvolle Arbeit ganz besonders den Eindruck gewonnen, daß, wenn aus dem jetzigen Völkerbund überhaupt noch etwas Brauchbares werden soll, es nur geschehen kann aus dem Geiste wah- rer Ueberparteilichkeit und praktischer Arbeitsleistung heraus, der die Räume des internationalen Arbeitsamtes durchweht. Dieses In. strument müssen die Arbeiter der ganzen Welt gebrauchen und für ihre Zwecke zu vervollkommnen wissen, dann wird die große Schlacht der Zukunft für Sozialismus und inter- nationale R ech t s g em ei nschaft gewonnen werden können. So sprach auch Albert Thomas trotz aller Schwierig- leiten voll Hoffnung zu mir aus. Er konnte schon auf manchen greifbare Erfolg im einzelnen hinweisen. Gerade erst wieder hatte T GroSev Teppich- Verkauf Günstigster Zeitpunkt zum Einkauf» Bedeutende Preissteigerung in Sicht Haargarn Boucle, gute Qualität Sä 725.-S£Ifl50.- Säl575..£2100.- jjxminster guter Plaachleppich 8fl0.-S£1200.- I70X 240cm SSI 800. «2400.- Bouclegettreift,67cm Mr. 34.— Baumwoll-Läufer />q 67 cm breit....... Mtr. Wolltapestry waT. 65,- Läaferstoffe "~jj~ Boucle Extra SL«. 75.- Boucle Peniach, lOX 67 cm breit..... Mir. l�J-- Aualajitoffe in groß Auawahl Pcrscr-Tcppidic und-Brücken besonder« preiswert Möbelstoffe Möbelstoff bedrueht i— 80 cm.......... 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In dem Augenblick, wo fie da, tun wird« wird dieses internationale Arbeitsamt ein Faktor der Welte geschichte werden, hinter dem alle anderen bisher geschaffenen internationalen Einrichtungen zurücktreten müßten. CTKvrtOr.UeMzpIsI« otc. 1 "'i 1.....-"lammmmmmmmmKmmmmmmmmmmummmmlM OperahiBS Der Roseukaraller * LH«r Scbaosplelhans ZV,: Die Joarnallsten V/z- König Richard III. Volksbühne Ph Ufcr? Dl» Immf Jule vsuhn Das Postamt Deutsches Theater vi, Uhr: Ken Moetag zum 1. M«1e: Hereaes na» Mariamne Kammerspiele 11 Vordhr liege» in eurrflinlecher Riast. VI,: Die BBekee der Paadaea T'/j D. Juegtere T. Btsc»»fihert Mo. VI,: Petatch n. Perlmutter Gr. SchaupielhaDS (KartMralei 3 Uhr; naatea(An*. Ah.) 8; Die Weher(Aul. Abonn.) Mo 8: DI. Weher m.Abt. 6.A) 3 Theater i.». KOnlnrltzer Str. 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Die ab» baren Badingaagan sind in der Jetzt erscheinenden Extra»Ausgabe des Nobody-Jeurnals enthalten, welches in allen Llchteplal-Thaatarn gekauft werden kann, aaBardem direkt beim Verlag ,,Nobadp»JoHrnal" Berlin W 8, Lalpxl g er StraBe 38, gegen Einsendung von 60 Pfennig. Uranff Ohrniia« SPORTPALAST POTSDAMER STRASSE ■ b 23. Septamber. Sevorzvgte GastfiStten Serlin« Tonndorf-Äetriebe ad. kfrns Semtdorf £lnsten»7tefI«örorrf, m« tm zinota 44 (fk 10 tfbr ntprgfnl«tfffnef Hrrttlff (trtiret" Mitttlsttek M B. IZs«'« r tlnbtn'Neäeureid Tonndorf, Tonndorf Oie(7- Konditorei Unftr dervtlnbia 54 tfBfriH««trfitmi« ftfid« imb«»Orr £)eut/che ßerlin 19S1 fuxiserdomm �HiSegK-fiOet Nur einmalige Veranstaltung Am Dienstag, den 20. Sept. hn grölen Saal der Hechschule rar MaslL, Pnsanenstrnte I, am Mittvnch, den 21. Septeniber, im Lebrer- Vcrelashaus, Alexanderstr. 41(Alexanderpl.). am Dnsacrstag, den 22. Sept, Im Schwechten- Saal, LUtzowitraBe III,|e abends>�8 Uhr, hält der Privatgelehrte Richard Heise (ehemaliger Besitzer eines Nerven-Sanatoriums) seines populkr-wissenschaltlichen Einleitung»- Vortrag für Neniöse und für solche Menschen, die mit den Wlder- wärlgkelten des Lebens nicht ferti» werden. D esem fol«l ein Dberall Aufsehen erreeender Kursus von 8 Abenden oder Nachmittagen. Er zei t auf jBW vSIIIg neuen-MG streng ,en»chafllTchen Grundlagen ber f.end, die f sichere-MG Beseitigung d Nervosität u. wn Wie tun Solkstnrtrnm Knergte, Lebenarnnt nnd«emlltnrah« »rangt— Weiteras am Vortraasabend.— Kein Vertrauen nötig. Viele Anerkenn.— Karten zum Vortrag zu Mk. 4—10(Steuer extra) bei Bote k Beek, Wertbelm und an der Abendkasse. Nr. 447 ♦ SS. Fahrgang' 2. Oeilage öes vorwärts Sonntag, 78. September 7927 Das Schulwesen im neuen Serlin. Bedrohte Rechte der städtischen Selbstverwaltnng. Die Schulfra�en haben im Kampf um das.rote Berlin� eine große Rolle gespielt. Sie werden auch jetzt im Wahlkampf wieder in den Vordergrund geworfen.»Niedergang des stödtifchen Bil- dungswesens* soll nach dem Wahlaufruf der Dcmokrati- fchen Partei»ine Folge der.sozialistisch-kommunistischen" Mehrheit im Stodtparlament gewesen sein. Worin dieser»Nieder- gang" bestehen soll, welche Symptome sich dafür etwa gezeigt haben, wird vorsichtigerweise nicht gesagt. Wir können hier aber nach- helfen. Denn wenn man es nicht auch so schon wüßte, so lehrte jeden objektiven Betrachter ein einziger Blick in den Etat die Tat- fache, daß die Volksschule bisher wie in allen übrigen Städten (und Dörfern) das Aschenbrödel der Schulverwaltung gewesen ist. Noch im Etat von 1S20 betragen die angeforderten Ausgaben für Unterrichtsmittel bei den höheren Schulen rund SOOO Mark auf die einzelne Anstalt, während sich die Volksschulen mit 1LSV Mark begnügen müssen. Sogar bei den Hausgeräten wird ein Unterschied gemacht: die„höheren" Schüler brauchen 1360 Mark für jede ihrer Schulen, während sich die Kinder des»Volkes" mit SSV Mark bescheiden dürfen. Hier hat nun das rote BerNn einen Ausgleich geschaffen, indem auf den Antrag des Vertreters unserer Frak- tion der Grundsatz aufgestellt wurde» daß die Volksschulen den höheren Schulen gleichgestellt werden sollen— sei es zunächst selbst auf Kosten der bisher so freigebig bedachten höheren Schulen. Mit dieser Hebung der Volksschulen dürfte der Anstoß zum Niedergang des Berliner Bildungswesens gegeben sein. Hierdurch würde ja allmählich der geradezu himmelschreiende Unterschied in der äußeren Ausstattung, in der Versorgung mit Lehr- mittel» usw., der bisher zwischen Gymnasien unnd Gemeindeschulen bestand, beseitigt werden. Der Anfang zu einem sozialen Aus- gleich in unserem städtischen Schulwesen wäre gemacht— Grund genug, von feiten des Bürgerblocks über den„Niedergang" des Bildungswesens zu zetern! Sache der leitenden Männer in unserem städtischen Schulwesen ist es, das Vielerlei unserer Berliner Schulen mit all seiner u n g e» rechten und unsozialen Scheidung und Zerklüf» t u n g zu einem wirklich einheitlichen Organismus zu gestalten. Hierzu brauchen wir vor allem eine einheitliche Leitung, die durch die Wahl nur eines Oberstadtschulrats gewährleistet ist, dem ein Kollegium gleichgefinnter Männer und Frauen zur Seite steht. Der Bürgerblock proklamierte den selbstverständlichen Grundsatz der be- ruflichen Eignung für diese leitenden Posten. Und als wir ihm Personen, die sich im Lehrerberuf und in der Schulverwaltung hervorragend bewährt haben, präsentierten, da lehnte er sie aus politischen Gründen ab— die Frau, die an die Spitze des Berufsschulwesens treten soll obendrein noch, weil»»...eine Frau war! Ob die bürgerlichen Frauen mit dieser Minder- Wertung einverstanden sein werden? Der Sturm gegen P a u l s e n, der dem Sozialdemokra- ten galt, wurde mit seiner Tätigkeit im Hamburger Bersuchsschul- wesen motiviert. Man befürchtete von ihm»gefährliche Experi- mente" im Berliner Schulwesen. Man sieht gar nicht— oder will es nicht sehen—, wie krank im tiefsten Innern das Schulwesen der größten Stadtgemeinde ist. Man fühlt gar nicht, daß wir Versuche mit neuen, besseren Schulformen brauchen. Aber man fühlt noch weniger die Notwendigkeit, unser gesamte» Schulwesen nach einem einheitlichen Plane auch organisatorisch neu zu ge- st a l t e n, eine wirkliche Einheitsschule für die Einheits- gemeinde zu bauen. Das ist die schulpolitische Aufgabe der neuen Stadtgemeinde. Sie kann und wird nur gelöst werden von Männern und Frauen, die sozial und demokratisch denken— demokratisch nicht etwa im Sinne jener Auch-Demokraten, die in unserem zer- riffenen Schulwesen alles für schön und gut halten. Wir haben eine Einheitsgemeinde Groh-Berlin, aber wir haben in dieser wirtschaftlichen und politischen Einheit die größte Un- gleichheit und Ungerechtigkeit auf dem Gebiete des Schulwesens: im Westen Bezirke, die mehr höhere Schulen als Ge- meindeschulen aufzuweisen haben, im Osten Bezirke mit der zehn- fachen Ueberzahl an Gemeindeschulen, als ob die Bewohner etwa von Lichtenberg ihre Kinder nicht ebenso gern in bessere Schulen schicken würden wie die glücklichen Dillenbesitzer in Zehlendorf. Wir haben so wenig und so unglücklich gelegene Volksschulen, namentlich im Westen, daß die Kinder biswellen unerhört weite. Schulwege haben. Wenn irgendwo, so muß hier Groß-Bcrlin ausgleichend wirken und vergangenes Unrecht an den wirtschaftlich schwachen Bezirken wieder gutmachen. Wir können keine Schulträume träumen, deren Verwirklichung Millionen tosten würde— daran hindern uns die trostlosen städti- schen Finanzen. Aber wir müssen im engen Raum der jetzigen Mög- lichkeiten doch für diese Kulturaufgaben alles Erdenkliche leisten. Wir haben keine Möglichkeit, schon jetzt die Unentgeltlichkeit der Schulen und der Lernmittel restlos durchzuführen. Eine sozio- listische Mehrheit in der Stadt- und Schulverwaltung kann aber Wege gehen, die zu diesem Ziele führen. Das zeigte sich besonders bei der zur BalanzieruNg des Etats erforderlichen Erhöhung des Schulgeldes. Hier haben sich die unabhängige Fraktion mit der unseren auf eine Staffelung der Schulgeldsätze nach sozialen Gesichts- punkten geeinigt, die in Wirklichkeit für alle Minderbemittelten auf eine Verbilligung des Schulgeldes hinauskommen wird. Na- mentlich fällt nun in Zukunft endlich der Almosencharakter der Freistellen fort, den auch der Kommunalfreisinn nicht zu be- fettigen vermocht hatte. Das gleiche Anrecht auf den Besuch höherer Schulen ist zum Grundsatz in der neuen Stadt- gemeinde geworden. Hoffentlich können nun die Beschlüsse der Schukdeputation endlich bald durch den Magistrat verabschiedet wer- den, damit der jetzt bestehenden Rechtsunsicherheit in der Schulgeld- erhebung ein Ende gemacht wird. Neben den sogenannten höheren Schulen bildet die A n g l i e d e- r u n g unseres zerstückelten Fach- und Fortbildungsschul- wesens an den künftigen Organismus unserer Schulen die wich- tigste Aufgabe. Wie man hier vorgegangen ist, beleuchtet am besten ein Vorschlag, der der Schuldeputation als Erbe der alten Schul- Verwaltung noch unlängst vorlag. Hier wollte man die— sicherlich notwendige— höhere Fachschule für Wäschefabrikatton mit städti- scher Unterstützung dem Verbände der Wäschefabrikanten als Träger der Schule überlassen! Die Fabrikbesitzer als Schul- Herren! Diese Wege gilt es in einer sozialistischen Schulverwaltung natürlich endgültig zu verlassen. Alle Schulen sind Sache der All- gemeinheit, die über ihre Notwendigkeit und ihren Charakter zu bestimmen hat. Daß der Berliner Schulverwaltung auf allen Gebieten gerade von den staatlichen Behörden, von den reaktionären Schildhaltern der alten Schule, die denkbar größten Schwierigkeiten gemacht wor- den sind, ist bekannt. Die jüngsten Lorgänge, bei denen die Schul- deputation die elementarsten Rechte städtischer Selbstver- w a l t u n g zu verteidigen hatte, sind noch in aller Erinnerung. Und es muß noch einmal betont werden, daß sich hier alle Frakttonen in der Stadtverordnetenversammlung, von den Deutschnatio- nalen bis zu den Demokraten, mit den Geheimräten der Potsdamer Regierung und des Provinzialschulkollegiums zusammen- gefunden hatten, um schon die allerbescheidensten Anfänge städttscher Schulreform in Berlin abzuwürgen. Wie dies sich fortfetzen würde, wenn im Rathause wieder eine bürgerliche Mehrheit regierte, ist unschwer vorauszusehen. Gerade für die Neugestaltung unseres städtischen Schulwesens im fortschrittlichen und freiheitlichen Geiste gibt es eine unerläßliche Vorbedingung: Erhaltung der so- zialistischen Mehrheit, Verstärkung der verantwortungs- bewußten Träger dieser Mehrheit durch eine große und einflußreiche sozialdemokratische Fraktion. Richard Lohmann. Kleine Arbeiter. Immer waren es schon von jeher die Proletarierkinder, die am wenigsten von einer Märchenwelt wußten. Die rauhe Wirklichkeit tritt früh an sie heran, sie sehen den Existenzkamps ihrer Eltern und lernen früh begreifen. Von der„guten Kinderstube", eine der ge- fährlichsten Phrasen, mit denen die Bourgeoisie aufwartet und die andererseits, wenn sie wirklich vorhanden war, das idealste Gebilde für das ganze Leben wird, haben sie wenig genossen: Arbeitereltern können ihren Kindern nur das mitgeben, was als Rüstzeug fürs Leben hart und fchwicleubildend macht und was sich in Moral und Sittengesetzen eng im Raum stößt. Zeitig entwickelt sich bei den Kindem in der Großstadt darum auch der Erwerbssinn, besonders in jetziger Zeit, wo alles mit- verdienen muß, wenn die Familie durchkommen will. Kinder schieben sich überall in die Tätigkeit der Erwachsenen, und man benutzt gern für leichtere Arbeiten die willigen und fleißigen Hände. Von was aber hier gesprochen werden soll, das ist die Anvassungs- fähigkeit des kleinen Berliners, der jede gegebene Situation sich zunutze macht. Diese Hilfeleistungen, über die man plötzlich selbst überrascht ist und erkennt, daß man sie braucht!„Soll ich Ihr Paket tragen?"—„Brauchen Sie Feuer für die Zigarette?"— »Ich werde auf Ihr Fahrrad aufpassen!" Hundert solche und ähn� liche Fragen stürmen auf Reisenden in den Bahnhöfen und auf der Straße ein. Immer erwartet der Großstadtjunge, daß eine Kleinig- keit für ihn abfällt, wenn auch die Hilfe nicht gebraucht wird. Ganz Schlaue haben sich einen Handel angelegt, der unter Umständen sehr einträglich sein kann. Zur Zeit der Maikäfer ziehen die Jungen hinaus und graben und schütteln nach den ersten Frühlingsboten, Sie können für ihre Mitschüler nicht genüg schaffen, die ihnen Zg Pf. und darüber für das Stück zahlen. Diese Maikäfer wurden in diesem Jahre auch von den Fischhandlungen zum Weiterverkauf abgcnom- men. Man sieht, daß sich bei einer kindlichen Spielerei bereits ein Zwischenhandelsmarkt aufgetan hat. Als eine sehr einträgliche Sinekure betrachteten einige Knaben in diesem Jahre die Wannsee- Völkerwanderung. Nachmittags standen sie am Bahnhof und er- warteten die verstaubten und müden Heimkehrer. Dann flogen Bürsten und Lappen, ohne daß man darum gebeten hatte, über Schuhe und Kleider, und die Mark- und Fünfzigpfennigscheine hagelten nur In die Hände der kleinen fleißigen Leute. Ich wette, daß sie die besten Verdiener der Familie waren und nach Schluß der Arbeit stolz neben dem erwerbslosen Vater daheim saßen. Man muß bedenken, daß diese kleinen Beschäftigungen ein anderes Gesicht tragen, daß sie nichts mit systematischer Kinderaus- beutung etwas zu tun haben. Es wird gewiß genügend Fälle von Kinderzwangsarbeit geben, man braucht nur an das leidige Zei- tungaustragen zu denken, das für eine Frau erst dann erträglich sein kann, wenn die Kinder mithelfen, chüer ist.nur aufgezeigt worden der lustige und frische Sinn der kleinen Berliner Arbeiter, die sich schon früh mit dem harten Lebenskampf abgefunden haben und ihre Nohur darauf einstellen. Kochsalz statt Kokain. Betrogene Schieber. Eine höchst seltsam« Kokainschiebung mit Hindernissen hat zu einer Anklage wegen Schleichhandels gegen den Werkmeister August Borke, den Geigenbauer Keßler und den Kausmann Max Schmidt geführt, die das Wuchergericht des Landgerichts III beschäftigte. Keßler wurde eines Tages in einem Kaffee am Nollendorfplatz von einem Mann befragt, ob er ihm nicht Kokain besorgen könne, das der Zahnarzt Dr. Joseph haben müsse. Keßler ging daraus ein und lernte in einem Kaffee in der Eisenacher Straß« den Angeklagten Schmidt kennen, der sich bereit erklärte, das Kokain zu besorgen. Keßler gab dem gleichfalls anwesenden Angeklagten Borke 6000 Mk. mit der Weisung, dies« Summ« nur an den Lieseranten des Kokain auszuliefern, wenn er von ihm weitere Nachricht erhalte, da er das Kokain erst von einem Arzt untersuchen lassen wolle. Der Angeklagte Schmidt stellte in dem Kaffee einen Mann als„Wolffen- stein" vor, und dieser übergab dem Keßler eine Aktentasche, in der sich das Kokain befinden sollte, und Keßler entfernte sich damit. um angeblich die Untersuchung vornchmen zu lassen. Nach einiger Zeit läutete der Fernsprecher, und da auf diesem Wege die Nachricht kam, daß„alles in Ordnung" sei, übergab Borke die LOOl) Mk. Fräulein. 6] Don Paul E n d e r l i n g. copxrlgbt. 1«?0, bx J. 0. Cottesctje Buchhandlung Nachf. Stuttgart u. Berlin Fräulein ging durch die schmale Tobiasgasse, durch die sich die Elektrische hindurchzwängte. Hier war das Haus, das dem alten Schiffskapitän gehörte» den niemand außer seiner alten Haushälterin seit Jahren gesehen hatte und der nur Fische aß, die schon rochen. Und das zweite Gesicht sollte er haben: Jedes Begräbnis in der Nachbarschaft prophezeite er acht Tage vorher. Die Kinder machten scheu einen Bogen um das düstere Haus. Und hier durch das Hoftor sah man jenseits eines Rasen- stückchens das Haus mit der Galerie, wo die alten Spittel- weibchen mit nickenden Köpfen saßen und mit schwachen Äugen die Maschen m den Strümpfen zählten. Nun war sie auf den„Dämmen" und ging auf den dunklen Masienbau der Marienkirche zu, die dort unten das Bild ge- wall ig und rücksichtslos abschloß. Die ihr zugekehrte Seite des viereckigen Turmes lag im Schatten. Aber auf dem blaß- blauen Grund des Himmels hoben sich dle Zacken und Zinnen und Spitzen der Seitentürme scharf ab., Und ganz deutlich sah sie hoch oben weiße Tauben. Stand nicht jemand oben auf der Plattform des Turms? Nein. Es war nichts zu erkennen. Sie hatte sich in den Mo- naten, die sie hier in der Stadt«ar. immer vorgenommen. den Turm zu besteigen und in die Weite.- � in die Weite... zu blicken. Häuser, Türme, Wiesen, Wälder, Höhen, die Weichsel, die Ostsee... Sie war nie dazu gekommen, wie zu so vielem nicht. Ach, es war wohl auch besser, unten zu bleiben und den Blick und die Sehnsucht von Mauern einfangen zu lassen. Der Blick in die Weite war für Wesen gut. die fliegen konnten. Fräulein bog an der schwarzen Kapelle in die Heilige Geistgasse ein und trat in ein Haus, dessen Erdgeschoß ein Spielwarenladen einnahm. Auf einer schmalen, gewundenen Treppe ging es empor. Je höher sie kam. desto dunkler wurde es. Aber Fräulein konnte den Weg gut und die Namen gut, die auf den Schildern au den Türen standen. .Christian« Görke* mußte ksser stehen. Fräulein zog an einem Porzellangrifs, und eine blecherne Klingel schepperte laut, ohne aufhören zu wollen. Sie schepperte noch, als die Türe sich.bereits handbreit geöffnet hatte und eine, tiefe Stimme fragte:„Wer ist da?" „Ich suche Sie, liebes Fräulein Görke.". Die Türe ging nun ganz auf, und im Schein eines win- zigen, stinkenden Petroleumlämpchens sah man eine große. knochige Frauenfigur. Fräulein trat ein.„Sie möchten am Mittwoch zu uns kommen, Fräulein Görke. Zum Abendessen und Familienrat." „Aber kommen Sie doch herein und nennen Sie mich Tante Tinchen wie die anderen auch. Haben Sie übrigens schon Kaffee getrunken, Fräulein?" Fräulein lachte etwas und bejahte eifrig. Mit diesem Kaffee hatte es eine besondere Bewandtnis. Tante Tine bekam alljährlich von einem Kolonialwarenhändler, der einmal in Junggesellentagen bei ihr zur Miete gewohnt hatte, ein Paket Kaffee und einen Zuckerhut. Tante Tine schwor, daß er sie heiß geliebt und vor Entsagung ganz „dwatsch" geworden sei: Er saß mit einer sechsköpfigen Fa- milie schwer verheiratet in Stettin. „Er hat mich wahrhaftig geliebt," pflegte sie zu sagen. „Nur Entsagung beweist die wahre Liebe." Tante Tine verfügte über ein riesiges, massives Knochen- gerllst, und wenn sie lachte, sah man Pferdezähne, groß und gelb. Tante Tme lachte gern und oft... Der Zuckerhut stand in einer Ecke ihres Schlafgemachs. So hütete sie ihren Schatz auch nachts. Der Zucker und der Kaffee wurden aufgespart und eingeteilt, daß es das ganze Jahr über vorhielt.„Haben Sie schon je besseren Zucker ge- gessen? Und dies Aroma des. Kaffees!" Den Besuchern standen die Haare zu Berge, wenn sie zum zweitenmal bei Tante Tine zu Kaffee geladen wurden... Thea lachte jedesmal, daß man sie auf den Rücken klopfen mußte, wenn sie von Tante Tine kam. Der alte Görke liebte es nicht, wenn über feine alte Cousine gelacht wurde. Aber er kniff dann doch ein Auge zusammen und fragte so nebenbei: „Welches Aroma hat denn jetzt ihr Kaffee?" Dann lachte so- gar seine Frau.— Tante Tine war gegen die Berlobung. Henning war ihr nicht romantisch genug.„Ein bißchen Romantik muß dabei sein. Denn sonst— was hat eine Frauensperson sonst vom Leben? Er ist so pausbäckig wie ein Christenengel. Du liebes Gottchen, was yat das Gör, die Thea, von ihrer Berlobung!" und in raschem Gedankenschwung kam sie auf ihren Freund in Stettin zu sprechen:„Er war groß und hatte einen blonden Schnurr- und Kinnbart. Die Mädchen sagten immer, er sehe wie Gustav Adolf aus... Und breitschultrig war er, und eigen halben Zentner hob er mit einer Hand. So." Sie hob den Pompadour keuchend in die Höhe.., Frgsilein lachte noch auf der Straße. 0* 0 Fräulein fuhr mit der Elektrischen zu Tiedemanns. Die wohnten in der Niederstadt in einem Eckhaus der Großen Schwalbengasse. Es war das letzte Fachwerkhaus der Gegend. Der Zaun herum, der Schuppen, der Garten lind der Hofhund, das alles war noch Erinnerung an die Zeit, als alles ringsum Land war und das Haus, jetzt das kleinste, damals die Nachbarschaft beherrschte. Die Nachbarstraßen hießen Schilfgasse, Weiden- gasse, Hirschgasse, Strandgasse und trugen so wenigstens in ihren Namen noch einen Hauch der Jugend der alten Stadt, da hier Einsamkeit war. Sultan wedelte froh und müde zugleich, als Fräulein ihn streichelte. Sie hatte vergessen, ihm ein Zuckerstück mitzu- bringen. Es war so schnell gegangen heute. So verdoppelte sie wenigstens ihre Zärtlichkeit gegen ihn. Er wartete noch einen Moment, als sie fort- und dem Hause zuging. Dann legte er sich wieder nieder, seufzte tief auf und vergrub den Kopf in den Pfoten. Er hatte in seinem langen Hundeleben gelernt, sich zu bescheiden. „Thea will sich verloben!" schrie Frau Tiedemann und sprang fast empor.„Nein, so was! Thea verlobt sich!" „Also Sie sind dafür?" „Natürlich." Frau Tiedemann war für jede Verlobung. Sie klatschte in die Handy, schrie und rannte ins Neben- zimmer.„Manne, hast du gehört? Thea will sich verloben!!" „Manne" kam heraus. Er war in Hemdsärmeln und entschuldigte sich nicht weiter. Schließlich war es ja bloß „Fräulein" und kein Besuch. »Ja. hat denn der Henning was?" „Ich kenne seine Verhältnisse nicht," sagte Fräulein.„Nun muß ich aber gehen." „I bewahre, eine Kleinigkeit essen müssen Sie doch." Und wie Fräulein sich auch wand und drehte, sie kam nicht davon, ehe sie nicht wenigstens ein Stück von dem fetten Tilsiter Käse probierte. Tiedemann war Käsegrossist. (Forts, folgt.) nit Schmidt: dies«' liefert« das Geld an Wolffenstein aus, der sich dcmiit enisernte und nicht mehraufzusinden ist. Das Kokain konnte Kehler an Dr. Joseph nicht los werden, denn es stellte sich heraus, daß es sich überhaupt nicht um Kokain, s o n d ern um eine Mischunp von Kochsalz und gebrannter Magnesia handelte.— Eine Anklage wegen Betruges ließ sich üicht konstruieren. Dos Gericht oerurteilte Schmidt nxgen gewerbsmäßigen Schleichhandels mit Kokain unter Zusammenzichung mit der alten Strafe zu 1 Monat Gefängnis und 6000 M k. Geld- straf«, bewilligte ihm aber bezüglich der Gefängnisstrafe eine Be- währungssrist. Keßler wurde zu 2 Wochen Gefängnis und 1000 M k. Geldstrafe, Bork« zu 3 Wochen Gefängnis und 3000 Mk. Geldstrafe verurteilt. Auch bei ihnen wurden die Ge- fängniSstrafen ausgesetzt.___ Kundgebung für den Landrat. Der Haushaltsplan für Iliederbarnim genehmigt. Der Niederbarnimer Kreistag trat gestern unter dem Borsitz des Landrats S ch l« m m i n g e r zur Fortsetzung der am 27.August abgebrochenen haushaltsberatung zusammen. Zu- nächst wurde nach längerer lebhafter Aussprache die Erhebung einer Kreiszuwachs st euer mit Sätzen von 10 bis 20 Proz. und erhöhten Zuschlägen bei kurzer Lesitzwcchselfrist beschlossen. Die fortgesetzte hauslialt-bcrattmg gestaltete sich gleichfalls sehr ausge- dehnt und lebhaft. Eine besondere Rolle spielten darin die B e- amtengrtippierungen, die Verteilung eines durch die Riederbarnimer Kriegsmirtschaftsgesellschaft erzielten U e b e r- s ch u s s e z von 500 ll60 M. als Bcschaffungsbeihilfe an die Kreis- beamten, die Nebertragting der M e h l v e r t e i l u n g des Kreises an den Kaufmann Cohn, die Fahrpreiserhöhung auf der Reinickendorfer— Liebenwalder Eisenbahn und die Gärtnrrlchranstalt in Oranienburg. Zu Beginn der Beratung gab namens der Bürgerlichen Arbeitsgemeinschaft Abg. Dr. W o l f f die Erklärung ab, daß di- Bürgerlichen den Landrot durch- aus nicht zum Rücktritt drängen wollten. Alle Gerüchte darüber seien unwahr und das Gerücht insbesondere, daß mau schon einen Nachfolger gefunden habe, ein schlechter Witz. Landrat S ch l e m in i n g e r nahm von dieser Erklärung Kenntnis t.nd betonte, daß die Gerüchte der letzten Zeit in der Tat ihm die Arbeit unerträglich gemacht Hütten. Man müsse ihm zugeben, daß er jedem, der mit Wünschen an ihn herantrete, stets zur Verfügung gestanden habe. Bezüglich der Mehlverteilung handle es sich um kein P r i v a t in» n o p o l des Herrn Cohn, sondern dieser sei durch Verlrag in ein Angestelltenverhältnis zum Kreise getreten. Di« Verteilung eines Ueberschusses der Riederbarnimer Kriegswirt- schaftsgesellschast an Kreisbeamte sei vom Kreisausschuß in seiner nicht der Zuständigkeit des Kreistages unterliegenden Eigenschaft als Aufsichtsrnt der Riederbarnimer KricgswirtschasKgesellschaft erfolgt: daher habe man dem Kreistag darüber keine Vorlage unterbreitet. Was den Abbau der Verwaltung anlange, so sei jetzt-von Berlin die amtlich« Erklärung eingegangen, die vom Kreise zur Verfügung gestellten Beamten und Angestellten zu übernehmen. hierdurch und durch die Kündigung von überzähligen Angestellten werde eine jährliche Ersparnis von 480 000 M. erzielt. Wegen der Zustände auf der Reinickendorf— Liebenivaldcr Bahn teilte Regierungsbaumeister W e i g e l t mit, daß das Reich die Bahn nicht, wie es die Anwohner wohl wünschten, über- nehmen werde, da zu ihrer Verwendung als Borortbahn ein völliger und sehr kostspieliger Umbau des Bahnkörpers vorgenom- inen werden müßte.— Der Haushaltsplan wurde dann mit 1278 Proz. Zuschlag zur Grundsteuer und 350 Proz. Zuschlag zur Gebäudesteuer angenommen. Klante nicht geisteskrank. Wie vor einigen Tagen mitgeteilt, hatte der im Moabiter Unter- suchungsgefängnis befmdliche Wcttkonzern-Inhaber Max Klante den Versuch gemacht, durch Verweigerung jeder Ilahrungsaufnahme Zweifel an seiner geistigen Zurechnung?- sahigteit anzuregen. Eine Untersuchung durch den Gesängnisarzt Dr. Ludwig Hirsch hat jedoch keinerlei Anhalt für eine G'e i st e s st ö r u n g ergeben, dagegen sind einige verhältnismäßig harmlose Nervenstörungen bei Klante festgestellt worden. Klante Hat daraufhin den Hunger st reik aufgegeben und sogar den Antrag auf Erteilung der Erlaubnis zur Selbstbeköstigung gestellt und will sich sein Essen von jetzt ob bei einer Weinhandlung be- stellen. Hakcnkreuzler vom Kurfürstendamm. Im Februar d. I. haben sich, wie seinerzeit berichtet wurde, mehrfach unliebsame Dorgänge am Kursürstendamm, insbesondere in der Nähe des Tafi Schilling, abgespielt, bei denen es tzn heftigen Zusammenstößen zwischen Hakenkreuz tragenden und jüdischen Studenten gekommen ist. Die Vorgänge werden nunmehr ausgerollt und in ihren Beweggründen untersucht werden in einer vor dem Charlottenburger Schöffengericht am 20. September stattfindenden Verhandlung. Die Staatsanwaltschaft hat gegen den Studenten Walter Krotoschiner Anklage wegen Widerstandes und Mißhandlung des Polizeiwachtmeisters Gersching erhoben und beschuldigt Krotoschiner, den Versuch gemacht zu haben, auf Straßenpassanten, die Hakenkreuze trugen, mit seinem Stock einzuschlagen. M iWWe RWlMilMlUMli Montag, den 19. September, abends 7 Uhr: 3. kreis(Vedding): Schulanla Draudenzer Ecke Wiesenstr. Frauen- wählertnnen-Bersammlung. Thema:„Die Frauen und die Stadlverordnetenwahlen". Ref.: Gustav Weide. 6. kreis(hallesches Tor): Rebes Festsäle. Fichtestr. 2g: Frauen- Wählcrinnea-versammlung. Thema:«Die 5tadwerord- netenwahlen und die Frauen-. Referentin: Genossin eiesbeth Riedger. Stadwerordnete. 11. kreis lSchöneberg'Friedenau): Wähleroersammlllng in der hohen- zollernschule, Belziger Str. 48/52. Thema:.Die Skadt- verordnetenwahlen und die Reaktion-. Ref.: Bürger- meiste? Karl hehschold. IS. Kreis(Grünau): 8 Ahr im ZSgerhau», Lahnhofstr. 1. Thema: .Die Stadtverordnetenwahlea und die Reaktion-. Ref.: Heinrich Bierbücher. Dienstag, den 2S. September, abends 7 Uhr: 2. Kreis(Tiergarten): 1. 4. Abk.: Schulaula de» Charlotteulyzeum», Steglitzer Str. 24. Thema:»Der Kampf gegen die Reaktion im Stadtparloment'. Ref.: Emil vittmer. 2. 37. und 38. Abt.: Schulanla Turmstr. 8S. Ref.: Paul Hirsch, Ministerpräsident a. D. 3. 3g.. 40. und 4l. Abt.: Armeuiu»- hallen, Bremer Straße 73. Ref.: Pfarrer Bljeler. 5. Kreis(Friedrichshain): Gr. Frankfurter Str. 117. Thema:.Der Kampf gegen die Reaktion Im Stadtparlament-. Ref.: Stadtverordneter Fritz Müntner. tv. Kreis(Dahlem): 8 Uhr bei Schilling, Königin-Luise-Str. 42. Thema:.Die politische Lage und die Stadtverordneten- mahlen-. Ref.: Gen. Joachim. 17. Kreis(Friedrichsfelde): bei Gutzeit, Wllhelmstr.il. Thema .Sladtverordnelenwahlen und die Reaktion-. Ref.: Stadl- rat Wutzky. 17. Kreis(Mahlsdorf): bei Ander». Bahnhofstroße. abends 8 Uhr. Thema:.Die Reaktion im Stodtparlament-. Ref.: Stadt- verordneter Schltenz. IS. Kreis(vuchholz): bei Kähne, Berliner Straße 3g. Thema: Die politische Lage und die Sladwerordaetenwahleu-. Ref.: Dr. Sallmann. Erhöhung des Goldpreise«. Der Ankauf von Gold für baS Reich durck die Reichsbank und Post erfolgt in der Woche vom 19. bis 2S. September zum Preise von 450 M. für ein Zwanzig» markstiick, 225 M. für ein Zehnmarkstück. Für ein Kilogramm Fein- gold zahlt die Reichsbank 03000 M.»nd für die ausländischen Goldmünzen entsprechende Preise. t Die Tragödie einer Leidenschast. Gegen den Schauspieler Josef Winzern, genannt Ewald, vom Deutschen Theater hatte gestern die dritte Strafkammer des Landgerichts II unter Vorsitz des Land- gerichtsdirektors Just eine Anklage wegen Vergehens gegen den be- kannten Paragraphen 175 StGB, zu oerhandeln. Mitangetlagt war der Friseur Hans W i s l i n s t i.— Die Verhandlung fand unter Ausschluß der Oesfentlichkeit statt. Aus Grund des Gutachtens des Gerichtsarztes Dr. L. Hirsch, in dem Ewald als ein infolge einer gewissen Nervenzerrüttung haltloser und leichtsinniger Mensch be- zeichnet wurde, kam das Gericht zu einer sehr milden Auffassung und erkannte gegen Ewald auf zwei Wochen und gegen Wielinsti aus eine Woche Gefängnis. Beiden An- geklagten wurde eine Bewährungsfrist bis zum 30. September 1924 gestellt. Eine weltliche Schule l« Weißens«. Am 1 Oktober Kß. wW» auch Weißensee eine weltliche Schule bekommen, die zunächst die vom Religionsunterricht befreiten Kinder zusammenfassen soll. Die Zahl dieser Kinder dürste bei weitem ausreichend sein, ein volles Schulsystem im Schulhausc in der W ö r t h st r a ß e zu errichten. Es ist zu hoffen, daß viele Eltern, die ihre Kinder aus irgendwelchen Gründen bisher noch nicht vom Religionsunterricht befreit haben, sie jetzt in diese Schule schicken werden. Die Möglichkeit dazu ist noch gegeben. Die Eltern brauchen nur das von der Bezirksschui- deputation in der„Berliner Nordost-Zcitung- amtlich bekannt ge» geben« Formular auszufüllen und dem Rektor der jetzigen Schule ihres Kindes zu übergeben. Genosse Paul Neumaun, Lichtenberger Straße 1, ist bereit, jede gewünschte Auskunft in dieser Angelegenheit zu erteilen. vr«tkartenstichv»rt. In der Woche vom 13. bis 25. September darf Brot und Mebl nur auf die Brotkarte abgegeben und entnommen werden, deren Abschnitte daZ Stichwort„Teppich-Messe, Quantmeyer u. Eick c" tragen. Be,irksbild«ugsausichutz«roß-Berlm. Es wird dringend ersucht die Listen für die Festkonzerte einzureichen und die Karten und Marken abzu« holen— Am Freitag, den 30. September und am Dienstag, den 2o.£i* tober, 5M Uhr, Wiederhol nnq der„Walküre" in der„Renen Welt, Hasenheide 108/111. Künstlerische Leitung: Dr. Felix M. Gay, Eintrittskarten zum Preis von 7,50 M. im Bureau des Bczirksbildnngs� ousschusses, Lindenstr. 3. 2. Hof, 1 Treppen. Zimmer 12 und in der Buch. Handlung„Vorwärts", Lindenstr. 2(Laden,.— Die Karten sur dte Am. fühnina„Hoffmanns Erzählungen" an- Somttag. den 9. Oktober, im Deut- scheu Opernhaus sind vergriffen.— Am Sonntag, den So. September, nachmittags 3 Uhr- im Theater der Freien Volksbühne am Bulow- platj„D a s Po st a m«" von Tagore und„Die Komödie der Irrungen von Shakespeare. Karten einschließlich Theatsrzettcl und Kleiderablage 4,50 M. Zu haben in- Bureau des BezirksbildungsanSschusies und bei den Bildungsausschuhmitgliedern der Kreise Wedding, Berlin-Mitte, Prenzlauer Tor und Tegel. Tis Lessing-Hochschul« versendet soeben ihr neues Herbst-Borlesungs. Verzeichnis, das einen besonders bcincrkcnswcrtcn Ausbau der einzelnen Abteilungen und Veranstaltungen ausweist. Sportsest„Fichte-Moabit" im Lichtenberger Stadl»». Der zahlreichen eingegangenen Meldungen wegen müssen die Vorkämpfe für Jugendliche heute vormittag 9 llhr, die der Männer um 1-1 Nhr beginnen. An der Handels-Hochschnle Berlin ist di« erst- Immatrikulation für das Wintersemester aus Sonnabend, den 22. Oktober, festgesetzt. Da? 9läHere ersehen die Leser ans der amtlichen Bekanntmachung im heutigen Inseratenteil. Aihambra am Moritzplatz. Das Berliner Publikum scheint ein wenig kinomüdc geworden zu sein und seine Gunst wieder mehr dem Variete zu- zuwenden, wie der zahlreiche Besuch in diesen Etoblisiemcnts zeigt. Durch die Wiedererössnung der alten Buggenhagen-Lokalilätcn am Morttzplay unter dem Namen„Aihambra" Hai nunmehr auch der Süden Berlnis tut Variet« großen Stils aufzuweisen, da es der Direktion gelungen ist, eine Reibe wirklich guter Artisten zu verpflichten.— Den Höhepunkt des Pro- gramms bildete Otto R e u t t c r. Und schien es nach seinen ersten Bor- trägen auch zu sein. Aber ist es denn wirklich notwendig, daß jeder Komiker sich heute verpslicktet iühtt, bis zum Ueberdruß die„gute alte" Zeit, und noch dazu in tvenig geschmackvoller Weise zu besingen? Man mußte annehmen, daß Reutter e? nicht nötig hat, dergleichen abgestandenen Unsinn von seinen weniger glücklichen Berufskollegen zu übernehmen— oder— Bei den beiden Romanoss konnte man große Kraft, nicht immer Geschicklichkeit bewundern. Von einer neuen Note zeugt die gute artistische Arbeit Olga Tundces, aber warum„ethische Plastik? Arcadh Boytier (genannt Filmhmnorist) scheint, seinem guten Vortrag nach zu urteilen, tief in die Mysterien der Morgentoilette emcr Dame eingedrungen zu sein. Die 3 Hartleins in ihrem Akrobatenakt verdienten mit Recht den gespendc- teil reichen Beifall. Der Blitzdichter Norbert Stein wirkte mehr durch seine treffenden Antloorten dem Publikum gegenüber, uni die er nie verlegen war, als durch ieine Dichtungen. Für die Zukunft muß aber di« Direk- tion für«ine raschere Aufeinandersolge der einzelnen Programmnummern sorgen, wobei überhaupt eine anfmerksamere Regie empsohlen sein möge. Betriebsrätrschule. An sollenden morgen(MoMag) beginnenden Kursen der Setriebs- rsttgschul» könne» now neue Hörer teilnehmen: Berlin NW., Friedrich WerderscheS Gnmnastum, Dochumcr Ttr. �b, noctint. 5 Uhr:„Sinkiihrung in Staats- und Nechtslcbre"(Zimmer 302): „Buchhaltung und Bilanz als ÄonirollniUtel"(Zimmer 301): abends 7 Uhr: „Toziale Hvgiene- iZionner 302). Berlin Ii.: Gemeindeschlile, eüUichcr Straße 43, nachm. 5 Uhr:„Ein- sührung in den Marxismus"(Zimmer 14):„Fabrikorganisalion"(Zimmer 03): abends 7 Uhr:„Die moderne Jndustricunternehmnng in Technik und Wirt- schaft"(Zimmer CS). Berlin SO.: Leibniz-Svmnasium, Mariannenplatz: abend» 7 Uhr: „Lebenshaliungs- und Arbeitsstatiftil"(Zimmer 18). Berlin O.: Städt. höh. Fachschule�: irr TexliI- und Belteidungsgewerbe, Warschauer Platz 6/S, nachm. 5 Uhr:..�ganifation von Kohle- und Elekkrie:- tötswirtschaft"(Zimmer t iL): abends 7 Uhr:„Tos Tohlorshsicm" Zimmer IIS). Am Dienstag beginnen folgende Hart und können noch belegt werden: Berlin(£.: Sophien-Ühzeum. Weinmeisterslrabe 16/17, nachm. 5 Uhr: „Wirtfchastsgeograpbie"(Zimmer 14); abends 7 Uhr:„Praktische Dieuer- sragcn"(Zimmer 141. Klare Gardinen n. Garnituren Tüllgewebe Gamlkur mU Behang............. von 103." M. an Erbsftjll Band- u. SpachkelarbeBen........... von 150." M. an Erbsfüll mö Sflckere! von 2/50." M. an Elamine-Spifzen........ von 2,00.- m. an JT/_ 4tyM 0 Bunt Efömine ucwecw. von 122).- m. an � J Sj B y C* t Dunkle Madras-Garnituren w JBw m von 2,QO.-M. an I ii�1� t»iC Ve � Tullsfores. I;;;;;; 1. von 2� O." m, an v 0 Erbsiüll-Band-Sfores von 72,.- m. an itt Vxa ErbsOl-Sfickerei-Siores von 1QO.- k an $*** Efamine- Alf filef und Spitzen von£05- m. an Tüllgewebe und Stoffe mekerwelse...... ä•. von 15.- M. an Etamine Olalf, karlerf, gesfrelff; i von£1." M. an Erbsfülle fein und skark...... von 7� M, Madr assf ofle von ÖO." M. an Beffdecken-Tüll von 110.- k, Erbsfüll-Band von 151- m, Spitzen von.510.- m. an !Tt.44T ♦ 5S.�ahegat»K 3. Oeilage öes vorwärts Sonntag, IS. September 1421 Mstakt zum Görlitzer Parteitag. Beratung üer parteiinftanzen. Am Sonnabend traten in Görlitz Parteivorstand, Parteiaus- schnß und Kontrollkommission zusammen, um in gemeinsamer Be- ratung die Arbeiten des Parteitages vorzubereiten. Zunächst wurde der am 1. September erfolgte Wiedereintritt des früheren preußi- 'schen Ministerpräsidenten Otto Braun in den Parteivorftand ein- mutig begrüßt. Die Tagesordnung des Parteitages soll möglichst keine Erweiterung erfahren, weil die Beratungszeit schon genügend belastet sein wird. Doch dürfte vorgeschlagen werden, daß beim Bericht der Reichstagsfraktion, den bekanntlich Hoch erstattet, zwei Fragen ausgeschieden und vor der allgemeinen Debatte erörtert wer- den, nämlich die S t e u e r f r a g e, zu der einleitend Keil- Stutt- gart sprechen dürfte, und die neue Teuerungswelle, über die Georg Schmidt vom Landarbeiterverband einleitend referieren soll. Die Frage der Beteiligung der Sozialdemokraten an der Re- gierung und der Regierungskoalitioncn wird Voraussicht- lich nicht beim Bericht der Reichstagssraktion verhandelt werden, weil ja auch die Koalitionen in den einzelnen Ländern nicht zur De- batte stehen, sondern beim Bericht des Parteivorstandes, den Franz Krüger erstatten wird. Im übrigen soll dem Parteitag vorge- schlagen werden, eine vollständige Umstellung der Tagesordnung vorzunehmen und die Erörterung des neuen Parteipro- gram ms an die Spitze zu stellen, damit, falls der Parteitag den Wunsch hat, aus seiner Mitte eine neue Programmkommisiion zu wählen, diese arbeiten und noch dem Görlitzer Parteitag Bericht er- statten kann. Die Eröffnungsrede des Parteitages wird Hermann Mül- ler halten, dessen politische Laufbahn bekanntlich von Görlitz aus- gegangen ist. Als Vorsitzende des Parteitages werden dem Partei- tag Wels ud Taubadel vorgeschlagen werden. Zum Schluß der Verhandlungen sprach Wels über allgemeine parteitaktische Fragen unter allgemeiner Zustimmung. Die Reichsfrauenkonferenz. (Schluß aus der Abendausgabe.) Stadtrat Wutzki-Berlin(fortfahrend): Auf dem Gebiet des Sied- lungs- und Wohnungswesens z. B. findet die Frau viele Aufgaben. Sie hat aber selbst in der Reichshauptstadt in der zuständigen Dcpu- tation weder Sitz noch Stimme.(Hört, hört!) Nicht weniger not- wendig als in der Stadt, ist die Mitwirkung der Frau in der l ä n d- lichen Wohnungsfrage. Man denke nur an die Land- arbeiterwohnungen. Die Frau muß mitwirken bei der Zwangsbe- wirtschaftung der Wohnungen in den Mieteinigungsämtern und bei der mit allem Nachdruck wieder aufzunehmenden Wohnungspflege. Wir haben jetzt einen sehr heftigen Kampf zu führen, weil alle Bür- gerlichen die Organisationen aus dem Aufgabenkreis der Gemeinde ausschalten möchten. Dann ist die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln noch lange nicht sichergestellt. Der Deutsche Städtetao hat an das Reich eine sehr entschiedene Eingabe gerichtet, daß die Milchversorgung gesetzlich geregelt und den Gemein- den übertragen werde. Diese Maßnahme schließt sich eng an das Gebiet der Gesundheits- Jugend- und Wohlfahrtspflege aü. Auch in der Säuglingspflege wird die besiere Sachkenntnis kaum bei den Männern zu finden fein. Die Frauen haben sich in die kommunale Arbeit sehr schnell eingelebt und durchaus einwandfreie und tüchtige Leistungen vollbracht. Sie gehören nicht nur in die Kommissionen, sondern auch in die Gemeindeveriretungen,< in denen Grundsatz und Richtlinien der kommunalen Wirtschaft be- stimmt werden. Die Frauen im Berliner Magistrat baben sich al» den Männern durchaus, gleichwertig erwiesen, aber die Frauen sind leider zu zurückhaltend und zaghaft, um sich mit aller Energie den ihnen zukommenden Platz zu erkämpfen. Selbst in der Leitung unserer eigenen Organisation wird der männliche Vor- rang noch zu stark betont. Dabei war es gerade Ausgabe der So- z i a l d e m o k r a t i e, die Gleichberechtigug der Frau auch praktisch zu verwirklichen und ohne Unterschid jeden tüchtigen Menschen an seinen Platz zu stellen. Ihre Aufgabe ist e», den Kampf dafür mit aller Energie aufzunehmen.(Lebhafter Beifall.) Der Referent stellt folgende auf: kommunalpolikische Grundforderungen I. In der revolutionären Umwälzung des Jahres 1S18 hat die Arbeiterklasie die Rechte und Freiheiten der Männer und Frauen ausgesprochen, welche für die Eroberung der politischen Macht der Demokratie unerläßliche Voraussetzung sind. Da zur Erlangung der sozialistischen Gesellschaftsform aber vor allem die Umgestaltung der kapitalistischen in eine Gemeinwirtschaft notwendig ist, so muß in Stadt und Gemeinde der Kampf um dieses Ziel mit aller Energie aufgenommen und durchgeführt werden. 2. Bei der besonderen Bedeutung und Vielgestaltigkeit der Auf- gaben der Kommunalwirtschaft, die in hohem Maße den Bedarf des täglichen Lebens entscheidend beeinflußt, ist es insbesondere von großem Wert, daß die proletarischen Frauen in der Ge- meindeverwalwng den Platz einnehmen, der ihnen als Hausfrau zukommt. Der entscheidende Einfluß der Frau, ist in der Gemeinde-' Wirtschaft schlechthin unentbehrlich. Ihre Mitarbeit in allen Gc- meindeoertretungen, Verwaltungsdepartements und Kommissionen muß daher nachdrücklichst gefordert werden. Die zweite Berichterstatterin Frau Schöfer spricht über die soziale Frauenarbeit in der Gemeinde. Soziale Arbeit ist Hilfe und Schutz für das Menschenleben. Eignet der männlichen Art mehr der Kampf, so hat die Frau mehr Verständnis dafür, Menschenleben zu schützen und zu bewahren. Hat der Mann mehr Verständnis für Güterwirtschaft und Pro- duktion, so eignet sich die Frau mehr für die Vertiefung des mensch- lichen Schicksals. Aufgabe der Frau ist der Schutz der Ar- beitskräfte, Schutz der ausgebeuteten Mütter, Schutz der heranwachsenden Kinder und Schutz gegen die Vergeudung von Menschenleben überhaupt. Es ist Pflicht der sozialistischen Frau, darauf zu achten, daß mit dem einzelnen Menschenleben sparsam und weis« umgegangen wird. Ueberall muß die Frau den Grund- satz bekämpfen, daß die Rentabilität der S a ch g ü t e r oberstes Wirtschaftsziel sein soll. Oberstes Ziel ist das sparsame Umgehen mit dem Menschenleben, dem besten Kapital, das wir haben. Die sozialistische Kleinarbeit, der Frau in der Gemeinde ver- dient Beachtung vor allem in deft Armen-, Waisen- und Hinter- bliebenen-Ausschüssen, in der Tuberkulosen- und Kriegsbeschädigten- fürsorge. Die Frauen werden naturgemäß vorerst alle Frauen- angelegenheiten' in ihren Bereich ziehen. Sie müssen nicht nur gleichen Lohn für die gleich« Leistung, sondern auch gleiche Erwerbsfreiheit fordern. Die Frauenerwerbsarbeit muß nicht eingeschränkt, sondern erleichtert werden, das Geschlecht an sich darf kein Grund zur Eni« lassung sein. Im Interesse ihrer inneren Freiheit und ihrer Nach- kommenschaft muß die Frau sich ihren Unterhalt selbst verdienen. Während der Zeit ihrer Erverbsbchinderung durch die Mutterschaft muß die Gesellschaft die Versorgung der Frau übernehmen. Zu den wichtigsten Frouenaufgaben in der Gemeinde gehört der Mutterschutz. Es muß hygienische und juristische Beratung erteilt werden. Für den Arbeiterinnenschutz kann die Frau in der Ge. meinde wirksame Vorarbeit leisten, indem sie darauf dringt, daß systematisch« Untersuchungen über die gesundheitsschädi. genden Wirkungen gewisser Frauenbeschäftigungen ange- strebt werden. In den Kreis der sozialen Frauenarbeiten der Ge- meinde gehört auch die ganze Fürsorge für die Jugend vom Säugling bis zu den gefährdeten Halberwachsenen. Jene bloße Ermittelungstätigkeit ohne wirkliche Hilfe ruft nur Ablehnung und Bitterkeit hervor. Das kommende Reichsjugendgesetz wird frei- lich nicht viel mehr enthalten, als den Befehl zur Errichtung von Jugendämtern. Die Errichtung von Krippen ist auch für die Ernte- zeit auf dem Lande notwendig. Viele Vorteile der Säuglingsfür- sorge gehen jetzt noch verloren, weil für die kleinen Kinder nicht besser gesorgt wird. Man muß Heime und Kinderhorte schaffen, in denen die Kinder nicht mehr wie Sachen behandelt werden, die man früh hinbringt, und abends wieder abholt, sondern wo sie wirklich gepflegt werden. Waisenpfleger und Waisen. Pflegerinnen müsien eine ganz andere Schulung erhalten als bisher. Ebenso bedarf es umfassender Fürsorgemaßnahmen für die Schulkinder, z. B. der allgemeinen Anstellung von Schulärzten und Schulpflegerinnen. Der Frau in der Gemeinde fällt aber als ebenso wichtige Aufgabe auch die Fürsorg« für Kranke und Schwache zu. Di« Frau muß aus sozialen Gründen für Minimal- löhne, für Wohnungs. und Fabrikhygiene»intreten und den Spi- tälern, Kronkenhäusern und Hauspflezeorganisationen besondere Aufmerksamkeit schenken.(Lebhafter Beifall.) Als dritte Referentin spricht Frau Dachenheim-B erlin über Vercinskäligkeit in der Gemeinde. Mit Recht lehnen die sozialdemokratischen Frauen es ab, in die neutralen Dereine der bürgerlichen Frauenbewegung hineinzugehen. die nicht einmal die einfachsten weiblichen und menschlichen Gefühle zum Ausdruck bringen können. Z. B. billigt Helene Lange die Maßregelung von Lehrerinnen, die uneheliche Mütter wer- den, mit der platten Ausrede, daß heute nun einmal die Gesellschaft in der unehelichen Mutterschaft eine Verfehlung erblickt. Auch in den Hausfrauenvereinen, die sich immer mehr zu reinen Arbeitgeber- vrganisationen entwickeln, ist für uns kein Platz. Die Wohlfahrts- vereine leisten zum Teil wertvolle Arbeit, aber dennoch müssen wir streng daraus achten, daß nicht minderwertige vereine Geldmittel auszehren. Alle Bereine müssen in die Gemeindewohlfahrtsämter eingegliedert werden. Als W�ohlfahrtsverein selbständige Fürsorge zu treiben, lehnt unsere Organisation ab, vielmehr betätigt sie sich im Dien st e der öffentlichen Körperschaften und stellt ihre Kräfte zur Verfügung. In der Volksbildungsarbeit können wir noch nicht sobald durchsetzen, daß die ösfentlichen Körper- schasten ihre Pflichten anerkennen. Hier brauchen wir auch die f r e i- willige Mitarbeit weite st er Arbeiterkreise. Gegen- über allen Bestrebungen, Volksbildungsämter zu gründen und die ganzen Dolksbildungsbestrebungen zusammenzufassen, glaube ich dennoch, daß die Bildungsarbeit nur vorwärts kommt, wenn wir sie vorläufig auf die Organisationen der Arbeiter stützen. Auch dabei muß die Gemeinde die Zelle der künstigen Gemeinschaft bleiben, die wir erstreben, und alle unsere Bestrebungen müssen auf diese künftige Gemeinschaft hinzielen.(Lebhafter Beifall.) In der Debatte über die drei Referate begründet Frau Quark- Hammerschlag einen Antrag zugunsten umfassender sozialer Bevölke- rungspolitik, insbesondere für Einführung der ärztlichen Meldepflicht für alle Geschlechtskrankheiten, Abände- rung der ZZ 218 und 219 des Strafgesetzbuchs, Beseitigung der Ver- folgung unehelicher Mütter, die Beamte oder öffentliche Angestellte sind, sowie auch Beitritt des Deutschen Reiches, zum Internationalen Abkommen über Beschäftigung und Pflege der arbeitenden Mütter. Frau Schclling-Döbeln erstattet den Bericht der Mandatsprü- sungskommifston. Es sind genau 100 Delegierte(14 männliche und 86 weibliche) aus 32 Bezirken anwesend. Alle Mandate werden für gültig erklärt. Ikachmiklagssihung. Frau Schreiber-Bcrlin, M. d. R., beklagt die Verschleppung des Gesetzentwurfs zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten und tritt für die Rechte der unehelichen Mutter ein. Frau Vohm-Schuch-Berlin: Die Demobilmachungsbe- ft i m m u n g e n, welche die Erwerbsarbeit verheirateter Frauen zum großen Teil unmöglich machen, müssen endlich fallen. Die B e- triebsräte sind den Frauen gegenüber noch reaktionärer als die Beamten. Nur die wirtschaftliche Freiheit bedingt die moralische Freiheit. Nur eine in sich freie Mutter kann auch freie Kinder er- ziehen. Frau Eberl-Stuttgart bittet um Unterstützung der Genossinnen zur Beseitigung des 8 218 des Strafgesetzbuches. Die Abonnenten- zahl der„Gleichheit" ist in der letzten Zeit von 13 000 auf 16 000 gestiegen. Frau Oesterreicher wünscht in den Schulen und auch bei den erwachsenen Frauen Aufklärungsarbeit in bezug auf körperliche Hygiene und fordert ein Gesetz, das bei der Eheschließung ein Gesundheitsatte st vorschreibt. Frau Wolfs: Innerhalb der Frauenorganisationen herrscht noch viel zu viel Kleinigkeitskrämerei. vegier-Hamburg vertritt den Antrag Hamburg auf Errichtung von Hausfrauenorganisationen. Bisher gibt es nur ! bürgerliche Haussrauenberufs«>rganisationen, deshalb ist ein Gegen- > gewicht notwendig. Eine eigene Organisation brauckte mit der i Partei, den Gewerkschaften und den Konsumvereinen nicht in Gegensatz zu geraten. Frau Wartcnberg-Altona: Wir haben in Altona den Bau einer großen Entbindungsanstalt und den Bau eines Kinder- heims durchgesetzt. Wir haben ein L a n d p f l e g e h e i m ge- schaffen und mit unseren Volksschulen gleichzeitig ein Jugend- heim verbunden. Leider werden bei der Wohlfahrtspflege die Ge- nossinnen, die den sozialen Halbjahreskursus mitgemacht haben, immer noch nicht für voll angesehen. Frau Hanna: Zwei Gebiete werden von den Frauen noch zu wenig beachtet: Die Arbeitsvermittlung und die Berufsberatung. Di« ärztliche Berufsuntersuchung der Arbeiterjugend geschieht nach Grundsätzen, die wir nicht anerkennen können. Wer 66?b Proz. erwerbsbeschränkt ist, bekommt keine Unterstützung. Wir oerlangen eine Untersuchung nach gewerbehygieni schen Grund- sahen und die Feststellung, ob der Kranke nicht für einen be« stimmten Beruf noch arbeitssähig ist. Frau Redlmeier-München: In München haben Kellire- rinnen leider noch keinen Zutritt zu den Fachschulen. Frau Wohlgemuth: Seitdem die Steuern dem Reiche gehören, wissen unsere Genossinnen in den Gemeinden nicht, wo sie dos Geld hernehmen sollen. Frau Münz: Die Fürsorgeerziehung soll durch die Gemein- schaftserziehung vorbeugend unnötig gemacht werden. El- tern, bei denen die Kinder geistig und sittlich gefährdet sind, sollten die Kinder fortgenommen werden. Nach weiteren Ausführungen der Genossinnen Toni Pfüls-Mün. chen, Schroeder-Altona und des Genossen Ireudenbergcr-Würzburg schließt die Debatte. Es folgen die Schlußworte: Frau Wachenheim: Wir müssen die Frauen dazu erziehen, daß sie sich durchsetzen können. Mit den bürgerlichen Frauen kann man immer nur zu einzelnen bestimmten Zwecken zusammen- arbeiten. Die Zentralisation der Wohlfahrtspflege in den Gemein- den hat sich überall bewährt, wo sie durchgeführt wurde. In der Gemeinde können wir unsere Fähigkeiten zuerst und am reichsten zeigen. Aber das Rekrutierungsfeld muß immer die Partei bleiben. (Beifall!) Frau Schöfer: Die Zusammenfassung der Wohlfahrtseinrich- tungen läßt sich auch bei dem augenblicklichen Geldmangel erreichen. Der Staat kümmert sich viel zu wenig um die Kinder. Es leiden viel mehr Menschen an der Gemeinschaft, als die Gemeinschaft an den einzelnen Menschen. wuhki: Wegen des Geldmangels müssen wir aus eigenen Mitteln Veranstaltungen schaffen und die Bedenklich- keiten mit in Kauf nehmen. Gerade weil sich die Kommunalisierung nicht sofort durchführen läßt, brauchen wir die Mitarbeit der Frau. Die Verhandlungen werden alsdann auf Sonntag 8 Uhr ver- tagt. ßlndh. u. R.-Chevr., br. 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September.(Eigener Drahtbericht des.Vorwärts".) DK heutige Sitzung wurde zum größten Teil mit der S a t u t e n- d» r a t u ng ausgefüllt. Di« B e t t r ä g e wurden in der 1. Klaffe von Z auf 4 Mark, in der 2. Klaffe von 1,70 auf 2,50 Mark erhöht. Dementsprechend wurden auch die Unterstützungssätze erhöht. Die Statuenberatung wurde unterbrochen, um den Fraktionen Gelegenheit zur Stellungnahm« zur Besetzung de» Vorstandes de» Nusschusfes und der Redaktion zu geben. Die U S P. verlangt paritätisch« Zusammensetzung des Vorstandes. Di« SPD. erhebt auf Grund ihrer Stärke Anspruch auf die Mehrheit im Vorstand, d;>e ihr aus dem Verbandstag in Stuttgart genommen worden ist. Sie hat den Vorschlag 5 zu 4 gemacht. Es müßt« dabei ein USP.-Mitglied aus dem Vorstand ausscheiden. Dagegen sträubt sich die USP. Es ist möglich, das eine Verständigung auf der Grund- läge von 6 zu 5 erfolgt. Die gegenwärtige Zusammensetzung des Vor- standes ist ö USP. und 3 SPD. Die Wahl des Vorstandes erfolgt erst morgen. Um 4 Uhr wurden die Verhandlungen abgebrochen und auf 7 Uhr vertagt, da die Fraktionen Sitzungen abhielten. Die Fraktionsoorständ: der SPD. und USP. haben im Laufe des Tages etoe gemeinschaftliche Entschließung zum Geschäftsbericht ausgearbeitet. Diese Entschließung etspricht in ihrem weitaus größten Teile der Resolution der SPD. Aus der Resolutio der USP. wurden die zwei einleitenden Abstze über die Kennzeichnung der wirtschaftlichen Verhältnisse in den letzten Iahren übernommen. Femer wurde die Zustimmung zu dm Maßnahmen des Vorstandes und des erweiterten Beirates zur Aufrichtung der gewertchaftlichen Einheitsfront ausgeprochen. Die Reolution wurde Mit den Stimmen der Delegierten der SPD. und USP. angenommen. Ja einer Abendsttzung, die sehr ausgedehnt war, erledigte der Ver» bandstag Beschwerden, die kein allgemeines Interesse haben. (Näherer Bericht folgt.) Der Schlichtungsausfchuß Groß-Serlin. Wer die Angriffe verfolgt, die neuerdings gegen den Schlichtungs- ausschuß Groß-Bcrlin gerichtet werden und die sich geradezu zu einem Kesseltreiben gegen diese Einrichtung oerdichten, ersieht daraus, wie der Schlichtungsausfchuß dem Unternehmer- tum mehr und mehr unbequem geworden und auch dem zünftigen Juristen- und Geheimratstum ein Dorn im Auge geworden ist. Derart tendenziöse Angriffe, wie sie in der Zeitschrift„Gesetz und Recht"(15. Heft des 22. Jahrgangs)„von einem Freunde" dieses Blattes gegen den Schlichtungsausfchuß unternommen werden, richten sich von selbst. Eben das, was den zünftigen Juristen an diesem Laiengericht nicht gefällt, macht seinen Vorzug aus, abge- sehen von unbedeutenden äußerlichen Mängeln, die dem Nimbus der handwerksmäßigen Rechtsprechung nicht förderlich sein mögen, der Sache jedoch keineswegs schaden. 4. Seilage ües vorwärts Sokntag, IS. September 1421 Gerichte verweisen will, der hat den Anspruch darauf verwirkt, in dieser Sache mitzureden, geschweige denn, von oben herab zu ur- teilen. Die Streitfälle aber, die vor die Gewerbe- und Kaufmanns- gerichte gehören, werden vom Schlichtungsausfchuß dorthin verwiesen. Selbstverständlich gibt es Grenzfälle, in denen erst durch Beweis- erhebung die Zuständigkeitsfrage entschieden werden kann, was auch bei ordentlichen Gerichten vorkommen soll. Das augenblicklich über- mäßige Anwachsen des Schlichtungsausschusscs Groß-Berlin habe be» wirkt, daß die vom Reich zu tragenden Kosten auf über 7 Mil- >>onen Mark gestiegen sind, mehr als die Hälfte der für das ganze f Reich zur Verfügung stehenden Etatssumme. Das soll besagen, daß der Schlichtungsausfchuß Groß-Berlin zuviel kostet, besagt je- doch nur, daß die Etatssumme zu niedrig ist. Anstatt die Kosten- frage ernsthaft zu prüfen, wird unter Hinweis auf die Zahl der mehr als 300 Angestellten des Schlichtungsausschuffes Groß-Perlin es als verständlich bezeichnet, daß er solch hohe Kosten verursache. Dabei steht der Behauptung, die Anzahl der Angestellten habe sich in der Zeit vom Oktober 1019 bis Juni 1921 vervierfacht, die Tatsache entgegen, daß sich die Zahl um ein wenig mehr als verdoppelt hat. Man merkt die Absicht. Wenn die Schlich- tungsausschüffe an anderen Orten nicht die Bedeutung erlangt haben wie in Groß-Berlin, so kann dies doch nicht gegen ihn ausgeschlachtet werden. Von den rund 85 000 Streitsachen, die im Jahre 1919 bei den 264 Schlichtungsausschüssen anhängig waren, entfallen 21 848 Fälle, mithin der vierte Teil der gesomten Streitfälle, auf den Schlichtungsausfchuß Groß-Berlin. Wenn die Zahl der Angestellten der Schlichtungsausschüsse an anderen Orten in Vergleich gezogen wird zur Zahl der Angestellten des Berliner Schlichtungsausschuffes, dann müssen dabei in erster Linie auch die Ziffern der Streitfälle mit herangezogen werden. Da ergibt sich denn, daß die Zahl der Angestellten des Schlichtungsausschuffes Graß- Berlin keineswegs zuhoch bemessen ist. Man übersehe ja nicht, daß der Schlichtungsauvschuß Groß-Berlin sich für da? Berliner Wirtschaftsleben zu einem überaus wichtigen und wertvollen Ventil herausge- bildet hat, das sich nicht ohne weiteres einengen oder gar verstopfen läßt. Wir sind überzeugt, daß, wenn es sich ledigllch um die Kosten- deckung bandelte, die Gewerkschaften sich eher noch mit'einer Heran- ziehung dazu abfinden würden, als mit einer Verkümmerung der be- stehenden Einrichtung. Durch solch tendenziöse Berichte des amtlichen preußischen Presie- dienstes wird nur gezeigt, daß in ton preußischen Ministerien noch immer ein reaktionärer Geist herrscht, der selbst eigene ihnen unter- stellte Dienststellen wie den Schlichtungsausschuß Groß-Berlin öffentlich herabzuwürdigen sucht, wenn sie ihm nicht genehm sind. Ergibt sich aus der neuen�Schlichtungsordnung eine engere Be- grenzung der Aufgaben der Schlichtungeauslchüsfe und damit eine Einschränkung des Schlichtungsausschuffes Groß-Berlin, dann mag sich auch dieser Pressedienst bis dahin beherrschen. angebracht wäre. Die ganze vorbildliche Entwicklungsgeschichte des Groß-Berliner Echlichtimgsausschusies wie seine segensreiche Tätigkeit in der Ueber- gangsperiode wird übergangen.„Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan." Der amtliche Preußische Pressedien st sagt dem Schlich. tungsausschuß in einem Artikel nach, daß er mit seinen 114 Spruch- kammern und 1477 Sonderkammern einen zu großen Um- fang habe. Dabei muß zugegeben werden, daß„Berlin mit seinen wichtigen Arbeiterfragen, die nicht immer ohne weitgehende politische Rückwirkungen geblieben sind, den Schlichtungssachen eine besonders sorgfältige Behandlung zuwenden müßte". Es erscheine jedoch eine so umfangreiche Tätigkeit, die im letzten Jahre 3438 Sitzungen erforderte, nicht erforderlich. Unter normalen Verhält- Nissen mag die Zahl von durchschnittlich 11 bis 12 Sitzun- gen der sämtlichen Spruchkammern etwas hoch sein. In einer Zeit jedoch, in der der Arbeiter nicht weiß, ob er am nächsten Tage noch Arbeit haben wird, in der er kaum für eine Woche seinen Bedarf an Lebensmitteln berechnen kann, wo er zwar weiß, wie hoch sein Nominallohn ist, aber nicht wieviel sein Real- lohn beträgt, in einer Zeit, wo das reaktionäre Element unter den Arbeitgebern wieder Oberwasser bekommt, wo auf jede Weise versucht wird, den Achtstundentag zu durchlöchern, in einer solchen Zeit ist diese Terminziffer für ein Gebiet wie Groß-Berlin nicht sonderlich hoch. Der Artikel im Pressedienst erklärt diese Ziffer„einmal dadurch. daß in Berlin eine sehr große Zahl von Einzel st reitigkeiten verhandelt wird, für die gesetzlich die ordentlichen Gerichte oder die Gewerbe- und Kaufmannsgerichte zuständig" feien. Weiter aber fei der Schlichtungsausfchuß in vielen Tarifverträgen als vereinbarte Schiedsstelle zur Schlichtung von Einzel st reitigkeiten vor- gesehen, was zwar gesetzlich zulässig sei, aber dem Wesen und den Aufgaben der Schlichtungsausschüsse widerspreche. Wer heute noch die Arbeiter und Angestellten mit ihren Klagen aus dem Arbeitsverhältnis an die ordentlichen ?m exil oder: Die harten Eier. Don Peter Scher. Pcrsonln: Der Aausmarfchall. der Zauslanzler, der Leibar»!. Borr-um im Schloß. Der Hauekanslcr und der Leibarzt, i» Ledersesseln, Leitungen»or den Eesschtern, in erwartungsvoller Haltung. Beim Gintreten des Hausmar- schalls springen beide sogleich auf, ihm entgegen. Der Hausmarschall(mit aufgeschlagener Mappe, atem- los): Hoheit haben soeben das Signum unter den Küchenbefehl gesetzt. Der Leibarzt(sehr interessiert): Lassen Sie sehn, Herr Major! Der Hauskanzler: Was haben wir zu erwarten? Der Leibarzt(wütend): Dacht ich's nicht! Das ist ja doch zum— Der. Hausmarschall: Herr Gehelmrat.... bitte— l Der Leibarzt: Bitte, was hob' ich gesagt— da haben wir'»! Die verfluchten harten Eier! Und nicht genug damit— auch noch Oslsardtnen. Es ist zum Verzweifeln! Der Hauskanzler(enttäuscht): Allerdings! Der Leibarzt: Zum Teufel, meine Herren, wohin soll das führen, wenn Hoheit nicht endlich Raison annimmt! Dieses schwer« Zeug am Abend! Der 5)auskanzler(seufzend): Hoheit sind wirklich etwas — eh— konservativ. Der Leibarzt: Sie, Herr Major, tragen in erster Linie die Verantwortung. Sie sind Hausmarschall. Sie werden zum Küchenvortrog befohlen. I ch bin ja bloß der Arzt— i ch verstehe natürlich nichts von Diät! Der Hausmarschall: Mnam mnqm— krr krr— ich bin ein schlichter Soldat, Herr Geheimrat. Ich führe die Befehle Seiner 5ioheit aus. Ich folge meinem gnädigen Herrn— krr— wohin Hoheit befehlen. Der Leibarzt(wütend): Ja, ich weiß— Sie sind Hoheit nur nicht in. den Tod gefolgt, weil Hoheit nicht vorausge- gangen sind. Der Hausmarschall: Herr Geheimrat! Der Hauskanzler: Meine Herren! Meine Herren. Der Hausmarschall: Herr Geheimrot, das ist— krr krr— das geht denn doch zu weit!(bebend): Ich bin— ich bin ein schlichter— krr— Soldat! Ich kann es nicht dulden, daß Herr Geheimrat in dieser— in dieser Weise von Hoheit sprechen! Es ist schlimm genug, daß Hoheit von— krr— von draußen so verkannt wird! Als ergebener Diener seiner Hoheit mllfcten Herr Geheimrot wissen, daß Hoheit— mnam mnam krr— nicht an der Spitze von Hoheit Truppen sterben durften, well die Verfassung Hoheit verbot— mnam krr—, daß Hoheit sich exponierten— Herr Geheimrat! Der Leibarzt: Aber Hoheits Verfassung verbietet es noch viel mehr, Herr Major, daß Hoheit eigensinnig darauf bestehen, am Abend harte Eier und Oelsardinen zu essen. Als treuer Diener, Herr Major, sollten Sie das einfach nicht zulassen! Der Hausmarschall: Nicht zu--! Herr Geheimrat, ich— krr krr— bin«in schlichter Soldat— ich habe die Befehle seiner Hoheit ohne Widerrede auszuführen. Ich bin nur Soldat, Herr Geheimrat! Ich würde mir nie erlauben, ich— krr krr— ich würde lieber sterben— Der Leibarzt:— als Hoheits Eigensinn brechen helfen. Ah, Herr Major— mll Gewalt müßten Sie ihn nöttgenfalls be- stimmen, die harten Eier auszugeben! Mit brutaler Gewalt müßten Sie Hoheit zwingen, gut zu schlafen, gesund zu leben! Der Hausmarschall: Herr Geheimrat, ich bin— Der Leibarzt: ein schlichter Soldat— ich weiß es, Herr Major. Eine Frage, Herr Major: kennen Sie Strindberg? Der Hausmarschall:) Strindbera� Der Hauskanzler: �rinoverg. Der Leibarzt: Ah, ich vergaß: Sie lesen nur Höcker, allen» falls Bloem. Der Hausmarschall: Strindberg? Wann war er aktiv? Pause. Der Leibarzt: Strindberg war eigentlich immer aktiv. Der Hausmarschall(interessiert): Immer?(Tauscht Blicke mit dem Hauskanzler, der den Kopf schüttelt.) Der Leibarzt: Na ja— Strindberg— wissen Sie— Strindberg hat häufig Zustände gehabt, die mich an die Zustände Sr. Hoheit erinnern. Der Mann wissen Sie— hatte es immer mit den Mächten. Der Hauskanzler(triumphierend): Ein Politiker! Der Leibarzt(mit Handbewegung nach oben): Nein, mit denen! Der Hauskanzler(nachsichtiges Lächeln). Der Hausmarschall(respektvolle Haltung). Der Leibarzt: In der Nacht— wissen Sie— bekam er Angstzuständc, Beklemmungen, fühlte sich verfolgt— Reuegesühle und so: hörte Geräusche über sich, spürte elektrische Ströme. Er nannte das, glaub' ich, den magnetischen Gürtel. Der Hauskanzler: Magnetischer Gürtel— ist das nicht so'n Ding für Z'mmergymnastik? Der Leibarzt: Das ist wieder etwas anderes. Kurz: der Mann redete sich ein, die Mächte hätten es auf ihn abgesehen, aus- gerechnet auf ihn. Und da zermarterte er sich denn und weinte und betete— Der Hausmarschall(bestürzt): Betete? Der Leibarzt: Ja— so hatte er sich das zurecht gemacht. Und was war es in Wirklichkeit, meine Herren? Der Mann be- folgte keine Diät! Der Hauskanzler: Da haben wir's! Der Hausmarschall(grübelnd): Betete? Der Leibarzt: Die harten Eier zum Abendbrot! Die Oel. sardincn, meine Herren! Der Hauekanzler: Sehr richtig! Sehr richtig! Unter uns: wenn Hoheit nicht nachlassen— ich habe Angst, ein zweiter St-- Der Leibarzt: Strindberg, meinen Sie. Nein, S i e nicht! Und Hoheit eigentlich auch nicht. Immerhin, Herr Major — Sie sollten wirklich mit aller Energie— Der Hausmarschall(aufgeregt): Und wie— krr krr — wie ist es mit Herrn Strindberg geworden? Der Leibarzt(düster): Er ist tot. Der Hauskanzler(zum Hausmarschall): Da haben wir's, Major! Der Hausmarschall: Dos ist ja— krr— das ist ja furchtbar: da sollte man doch— mnam krr— Der Leibarzt: Was hat der Korporal von der Nachtwache gemeldet, Herr Major? Hoheit haben geruht, wieder die ganze Nacht nicht zu ruhen: Hoheit hyben geseufzt, gebetet— Der Hausmarschall: Ich bin— krr krr— ein schlichter Soldat! Ich bin Protestant— aber— was zu viel ist—— Der Leibarzt: So helfen Sie mir doch endlich, Hoheit dahin zu bringen.... nötigenfalls mit rücksichtsloser— Der Hausmarschall: Ich bitte inständigst—! Bedenken Herr Geheimrat: ich lege Hoheit den Küchenbefehl vor— krr krr— Hoheit durchbohren mich mit scharfem Soldatenblick— Der Leibarzt: Na schön. Dann sagen Sie eben: Hoheit 8e»ilpsiznin> >•*'■ der»*•'<9 Sozlaldenokrall« von WCH. LOHMANN Ein prtkt. H*ndbuend~Vi Uhr.— Für Gruppe IX, Lebens- und Genußmittelindustrie. Gruppe VIII. Landwirtschaft und Gärtnerei, in den Residenz-Feltsalen. Landsberger Straße 81. und für Gruppe II. Baugewerbe, Gruppe VII, Holzindustrie, im Gewerlschafibhous. Enaelufer 24/25, Mittwoch abend 6 Uhr.— Für Gruppe III, Bekleidungsindustrie. Gruppe X, Lederindustrie. in den Berliners' Berein?- und Konzertsälen'(Nrminbavenl, Aoot mandamenstr. 55-59. Donnerstag abend 6 Uhr. Zu den Grizppenvouperfammlungen hat jeder Betriebsrat unter Vor zeigung feiner Betriebsratsausweislarte der FBRZ. Zutritt. Referat: ..D i e S ch l i ch t u n g s o r d n u n g". Dienstag dorm. IC Uhr im Sitzyngssaal der Zentrale wichtige Be-- sprechnng d c i V o r s spende u der Zentral- oder& e s a m t- b e t r i e s r ä t e der t o m rn u n a i e n. ft a r. t l i ch c n u n d R e i ch s- ö e h o r d e u. Verband der Buchbinder und PaplcrvcrärScitcr. Montag, nachm. 4Js Uhr. bc' Graumann. Nounynfrr. 27 B e r f a m m t n n g für alle in den Buch- druchöröien böschüftigten Atsordarbeiier und'Mfordarbeiterinndn. Tages- ordnung:„Gelten die neuen Alsorderböbnngcn auch für die Buchdrucke- reien'�" TransportarScitcrvrrband. Mineralwanerorbeiter,-arbeiterinnen und -kuffcher. Moirtag. 7 Uhr. bei Fevfara, Melchiorsir. 15. Bericht über die Lohnverhand langen.—- Straßenbahner. Montag. 6 Uhr. im GewerkfchaftHhaus. Engelufer 24'25, Miigliederverfammlung:„Was geht im Betriebe vor?" (Referent:' Kollege Drtmann.) Zcntralveröand der Horcl-, Restaurant- und Eafe-Angestclltcn. Montag. vormittags 10 Uhr, Rosentbaler Hof, itlosenthalcr Str. 11. Betrieb srätever- fammlung der� Untergruppe Hotel-. Restaurant- und Eafö-Angestelsten. Zcntralvcrband der Schnhmachcr. BranchenVersammlungeu sind am Mon- tag: für Friedrichstädtische Maßschuhmacher um 6 Uhr bei Wille, Sebastian- straße LS: für Schäftemacher. Vorrichter und Stepperinnen um 0 Uhr. Köpe- nicker Straße 127a.— Schoßschubmacher Neukölln: Versammlung um 7 Uhr, Ziethenstraße 58 k.Kandidatenaufstellung zum Gefellenausschuß.)— Am Diens- tag. nachm. 4',? Uhr. Versammlung aller Zugendlichen und Lehrtinge der Schuhindustrie und des Handwerks. Köpcnicker Straße 127s. Verband der Fabrikarbeiter. Gruppe Seifenindustrie. Dienstag abend.',27 Uhr in der Schulau la. Annenitraße ib. Branchenversammlung für die Seifenarbeiter und-arbeiterinnen Grotz-Bcrlins. Bericht über die Lohnver- Handlungen. Mitgliedsbuch legitimiert. i AentralVetrketSeat der städtische» Betriebe unb Berwaltungen. s'.ßung Mittwoch vorm. 10 Uhr, Breite Straße 11. Dichtige Tagesordnung. Angcftellte in Wagen- und Karofseriefabrikeu. Mittwoch 7 Uhr im Börsen-« 'aal der Musiker-Festfäle. Kaiser-Wilhelm-Straße 31, Versammlung aller in Aia-Verbänden organisierten Angestellten der Wagen- und Karosseriebranche. Ter tvichtigen Tagesordnung wegen müssen alle Kolleginnen und Kollegen unbedingt erscheinen. Verband der Gärtner und Gärtnereiarbeiter, Gruppe Landkchaftsgärtner. Mittwoch abend 8 Uhr im Gewcrlschaftshans, Berlin, Engelufer 24/25, Saal 5> Gruppenversammlung. Reichsbnnd der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Kriegerhintee» bliebenen. Bezirk 3, Südost. Montag, den 19., 7� Uhr, in Schuhmachers Fest- fälen, Skaliyer Str. 126, Bezirksversammlung.— Znteressen-Gemeinschaft der Mieter(Sroh Berlin, Bezirk Am Viehhof. Vienstag, den 20., 7 Uhr, Außer« ordentliche Mitglieder-Generalverfammlung in der Viehhofs-Börfe.— Vereint» guug proletarischer Kinderfrennde. Mitgliederversammlung Montag, den 19., 7 Uhr, im KSonischen Gymnasium, Inselsir. 2—3. Tagesordnung: 1. Vortrag: „Der proletarische Kindergarten". Ref. Stadtrat Dr. Kurt Loewenstein, M. d. R. 2. Fortsetzung der Versammlung:„Pestalozzi, Fröbel und der Sozialismus".— Der Deutsche Arbeiter-Esperantistcn Bund beginnt in der nächsten Woche meh- neue Kurse für Anfän, änger. Meldungen dazu werden am zweiten ...„_____ spätestens_ Kurfusabend angenommen. Wöchentlich wird je eine Doppelstunde Die Kurse beginnen: Montag, den 19. September, abends 7 Uhr, Neukölln, Kaiser-Friedrich-Straße 2(Schule): Donnerstag, den 22. September, abends 7'-2 Uhr, Westen. Winterfeldtstr. 16(Schule) und Wedding, Lütticher Straße 2 (Schule): Freitag, den 23. September, abends 7¥j Uhr, Zentrum, Weinmeister- straße 16—17(Sophien-Lyzeum).— Arbeiter-Samariter-Kolonne Berlin, E. V. Abt. Lichtenberg. Montag, den 19. September, Mitgliederversammlung bei Pieckenhagen, Lichtenberg, Scharnweberstr. 60. Erscheinen aller unbedingt not- wendig.— Die Lehrbücherausgabe findet von jetzt ab bei dem Genossen Hans- dorf, Lichtenberg, Irenenftr. 15, jeden 2. und 4. Montag im Monat statt. 13°° Damenhemden genrebe, sehr lang u. mit Aermeln IkL 17 Damenhemden"eh�FHÄ 74oo qailitat Jl. Damen-Reformhosen qcoo lit&t, für Herbst und Winter M. VÖ Herrenunterhosen 4°° Herrenunterhosen 8°° Herren-Unterhosen 135° Filz-u. Stepphöte 27°° Damen-Handschuhe r"1"1 ,B m- dern.FarbcnM. 350 6S° J50 009 "an J20 85° Damenstrürapfe iÄSÄ!: gewebe, mit rerstarkt. Spitze u. Ferse M. Damenstrümpfe �.'.'7. nll Kinder-Sweater Erstlingshemden»u. x-.«,..«. Hemdentuch Lakenbarchent 140c- b"it.terd" 2250 Fon/m granes haltbare« Futterstoff- 1 �50 IdllCy gewebe, 70 cm breit•,,.M. 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Gerechnet wird auf eine erste, für die politische Konstellation des Bezirks geeignete Kraft. Bewerbungen mit GehallsansprDchen sind bis zum I. Oktober an den Vorsitzenden der PreBkommission, Herrn, darbe, Harz 42(44, in Halle zu senden. 191/14* ttttttttttttttttttttttMtt Grtsbeamter gesucht! Für die Ortsgruppe Kiel suchen wir zum 1. November 1921 einen lüchllgen 0rfsbeamken für Innen- und Auhendien? Bedingung für die Anstellung ist längere freigewertschaft- liche Zugehörigkeit, genaue Kenntnis der Angestellten- bewegung sowie rednerische, organtsatortsche und agil»- torisch r Besähigung.— Bewerbungen mit Zeugnissen und Referenzen bis zum 25. September 1921 erbeten an Zenkralverb. d. Aageflellfen. Ortsgr. Siel. 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Baicht ran der Reidiskonteren». 2. Wie wird kaitulieti? S. Branchenangelegenhciten und Betschiedenes. Punkt 2 der Tagesordnung dient als Einführung zu unseren kommenden Kaitulanonsabenden und ist es Psticht aller Kollegen, zu erscheinen. Am 97/15 Donnerstag, 29. Scptbr.; Gr. Gclbmctall-Pcrlammlung. Kollegen t Zeichnet ans den«ronchenlisten I _ Die Orisverwaltung Pelzwaren aller Art Kreuz- und ZobeUP&chse Pelzmäntel, Sport- und Gehpelze offeriert preiswert und gut Loffler'sPelzhaus Prledrlchstraße 118- 119« am Oranienburger Tor Im Hause Ca16 Stern 1 Eigene Kürschnerei———— emei AussctineiM RKSiard Bonnedi Deutschlands prßßtes Spezialgeschäft für Trauringe. ooBm.de«.«oi, kauft für seinen eigenen Rleseabedarf jeden Posten Oetd, BHIlaatea, Perlen etc. Haben Sie alte Ringe, Ketten, Broschen, Ohrringe oder andere Wertatflcke, die ac«los in der Ecke liegen, hin au Elchard Bsaaeck damit. Richard Banaeck aahlt dafür die höchsten Preise. 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Die Objekte werden wie gewöhnlich durch den gerichtlich vereidigten Sachverständigen, Äerrn /tugust Weckwerth öffentlich meistbietend versteigert. Es handelt sich diesmal um die weitaus größte aller bisherigen Ver- steigerungen, da zirka 250 Objekte zum Verkauf gelangen. vorteilhafter Einkauf für Händler, Reparaturwerkstätten, Jabriken, die ihre Arbeiter beschäftigen wollen, sowie direkte Konsumenten» Liste über die zur Versteigerung gelangenden Objekte wird auf Wunsch zugesandt. Legitime Händler erhalten auch diesmal wieder 10 Prozent auf die Versteigerungspreise, damit ihnen Gelegenheit geboten ist, für ihre Kunden zu steigern. Die Wagen können drei Tage vor der Auktion täglich von 8— 6 Ahr besichtigt werden. Aebliche Bietekaution von M. 500,—, welche verrechnet oder beim Verlassen des Platzes zurückgezahlt wird. er»« 5V. 48. ml. mmmi s Telephon: Lagerplatz Rheingau 164. Telephon: Geschästslokal Lützow S296 X Kurfürst 2464. Seht Sie Wählerlisten ein!«If lttÄÄtoÄÄ8i» Ä vormittags bis S Uhr nachmittags ans. Nie-«Ä mand darf versäumen die Listen einzusehen.||| IvCl�ip|llCi)t! Berlin 51255.: Friedrich-WerderscheS Ghmnalwm, BoSumer Etratz« 8d, nachm. 5 Uhr:„Die moderne Jndustricunternehmuna in Technil und Wirt- fchafi' lZimmer 301); abendz 7 Uhr:„Handelsrechtliche Fragen für Be- triebsräte"(Zimmer 302)7..Sozialisieriingsvrogrammc"(Zimmer 301). Berlin 31.: tAemeindcschulc, Lütticher 2 trabe 48. abends 7 Uhr:„Gc- treroehhgienc"(Zimmer SS). Berlin-O.: Leidniz-Gvmnaswm. Mariannenplatz. nachm. L Uhr: „Unternehmungsformen und Kahitalkonzentration"«Zimmer IS): abends 7 Uhr:„Buchhaltung und Bilanz als Kontrollmittel"(Zimmer 13):„Die Hauvtfragen der Sozialisierung"(Zimmer 10). Alle freigewerkschaftlich organisierten?lrteiter und Angestellten lönnen an diesen Kursen teilnehmen. Sic erhallen Hörcrlarten zum Preise von 6 M. (sär Erwerbslose unentgeltlich) im Bureau der Freigewerlschaftlichen?e- triebSrätezentrale, SO. 10, Engelufer 24/23, 2. Hof, l. Auch lönnen sie sich ohne vorherige ZInmeldung in die Kurse begeben und die Hörcrgebühr bei dem in der ersten UiiierrichtSstundc zu wählenden Vertrauensmann hinterlegen. Frcigewcrlschaftliche Bctricbsrätczentrale. jilmsthau. „Die geheimnisvolle Tchachhartic" heißt das Filmmachwerk, das sich .tiriminaldrama nennt und w der Neuen Philharmonie seine Uraufführung erlebte. HanS Kalden schrieb das Manuskript, führte die Regie und spielte den Detektiv. Er versagt« glänzend. Man weiß wirk- lich niiht, in welcher Eigensckast er sich am meisten blamierte. ES wird ausgiebig gcmordert, jeder Aktschluß wird durch eine neue Leiche angezeigt, und der ganze Film bemüht sich ossenbar, einem Leichenschauhaus Kon- kurrcnz zu machen. Zudem müssen alle Darsteller, wenn sie dessen über- Haupt sähig sind, noch sehr, sehr viel lernen, um nur den bescheidensten Ansprüchen zu genügen.__ Hroß-Serliner parteinachrichten. Morgen, Montag, den 19. September: 7. Stets. charlottenbura. de» Getmaniasale», Charloitenburg. Epocesti. 13. Thema: Uhr Oesseutliche Sähleroersammwug i» >urg, Sprcestr. 13. Thema:„Die bevor. he»d«» Etodtvcroidnetenmahle» und die SPD.". Ars. Stadtoerard- neier Borchardt. Zahlreiche Beteiligung dringend erwünscht. 14. Sreis. RenkSlla.(Semeinfame Elternversammlung der 5. und 6. ffiemeinde- schule, abends 7 Ahr, in der Aula der Oderrealschule, Emser Str. 30/87. Thema:„Was ist Eemeinschaflsschule?" Res. Lehrer Jensen.— Zusammen- leguug der S. und 0. Schule. Bereinigung der Geschlechter, gemeinsame Schul- leitung im Sinne der Schnlgemeinde. 17. Sreis. Lichtenberg. 7 Uhr Sitzung der Elternbeiräte im Stadtverordneten- sitzunassaal des Raihauses. Tortrag des Stadtschulrats Siggel über:„Der Stand der welllichen Schule". 3. Abt. m Uhr Borstandsfltzung bei Schirm, Charlottenstr. 3. 10.«bt. 7 Uhr. Sämtliche Funktionäre erhalten wichtig« Mitteilungen iu der 1. Klasse der Forster-Schule. 77.«bt. Schlnebee'' der öffentlichen 21. September, Frauenveransialtungcn am Montag, den 19. September: 13. Abt. Der Frauenabend fällt aus. 17. Abt. 7H- Uhr Echulaula Sohenlohestr. II. Thema:„Unsere wirtschaftliche Lage". Referent Arthur Haussier. S. Abt. 7>4 Uhr bei Grohn, Milastr. S. Thema:„Politik und Frauen". Res. Dr. Schütte. 42. Abt. 7Vj Uhr bei Behrens, Tegeler Str. 22, Bortrag. Liederbücher mit. bringen. Referent I. Altmaier. KL Abt. Rcolölln. TVi Uhr bei(Stieger, Lessing str. 9, Ecke Kopfstraße. Thema: „Die alte und die neue Schule". Referent Reltor Base. Frauen als Gäste willkommen. 123.— 130. Abt. Pank«». 8 Uhr im Jugendheim, Breitestr. 32, Eingang hinter dem Finanzamt. Thema:„Rheumatismus". Referent Genosse Kastskl. Flauen erscheint in Massen. Uebermorgen. Dienstag, den 20. September: 7. Stcl*. Tharlattenburg.. Ortsausschuß für. Arbeiierwoblsahrt. 0 Uhr Ber. fammlung aller in der Wohlfahrispflege täilgen Genossinnen und Genossen im Roihaus, Eitzungszimmer 1. 2«. Abt. veffenllich« Slternoersannnlung der 31. Semeindefchule»nd Ig 251, Snabensckule, Tilfiter Strasse 4—3, abends 7 Ahr. Thema:„Die, Paulseuschen Schulreformen". Referent Margnardt. 123. Abt. S-ulsdorf. vefseniliche Versammlung abend« 7hi Uhr in der Turnhalle Adalfstraße. Thema:„Religion»nd«azialismns". Ref. Pfarrer Dehn. Z 74. Abt. Zehlendoef. 3 Uhr Ausserordentliche Mitgliederversammlung im „Kaiserhof�, Potsdamer Ltr. 30. 103. Abt. Köpenick. 7% Borstandssitzung bei Müller, Aller Markt. Achtung! Siemens�lchnckerr. Werte! Ztachmittags b'- Uhr Versammlung färnt- Itcher Angestellten und Arbeiter, die auf dem Boden der SPD. strhen, im Lokal Marsand, Ecke Möckeritzstraße und Ronnendamm-Allee. * 85, Abt. Tempelhol. Die Genossinnen und Genossen, welche sich zum Ad- schreiben der Wählerlisten zur Verfügung gestellt haben, werden dringend ersucht, am Sonniag, vormitlag u» Uhr. im Wahlbureau, Dorsstr. 41, sich einzufinden._ Beamte, Angestellte und Arbeiter der Reichs-, Staats- und Gemeinde- lehördeu(Treptow, Oberschöneweide, Riederschöueweide, Johannisthal, Adlershof und Alt-Glienickc). Dienstag, den 2». September, abends 3 Uhr, in der schulanla Riederschöneweide, Berliner Str. 31, Große essciitliche Versammlung, mit dem Thema:„Die Beamten nnd die Stadt- oerordnetenwahlen". Referent: Setretär Adolf Wuschick. /ln unsere Abonnenten! Z? unserer Morgenausgabe vom Freitag ist von der Großstädtischen Zeitungsoerleger-vcrcinigung bereits auf die forkgefehte Belastung der Zeitung durch die Preissteigerung aller Materialien hingewiesen. Nachdem am 1. April eine Papierpreiserhöhung staik- gefunden hat, tritt am 1. Oktober eine weitere Erhöhung ein. Gleich- zeilig treten mit der sich seht stark bemerkbar machenden Teuerungs- welle Preiserhöhungen für alle zur Herstellung der Zeitung not- wendigen Materialien ein. Die Druckpreise sind schon erhöht. Slei- gerung der Löhne, Gehälter, Mieten, Postgebühren, Steuern sowie aller sonstigen Ausgaben, wie Redaktions- und Berwaltungskosien, zwingen uns zu einer Abonnementserhöhung. die sich in Rücksicht auf die wirtschaftliche Lage unserer Abonnenten in mäßigen Grenzen halten soll. Der Bezugspreis erhöht sich am 1. Oktober von 10 Mark ans 12 Mark pro Exemplar und Monat. Daß dieser Abonnemenkspreis die kosten für die Herstellung der Zeitung bei weitem nicht deckt, werden unsere Leser aus der von uns veröfsenllichten Preisaufstellung der großstädtischen Zeitungs- verlegcr ersehen haben. Wir müssen deshalb auch Wert ans Einnahmen aus den Inseraten legen, wobei wir um die Unter- stühnng unserer Abonnenten bitten, indem sie bei ihren Einkäufen die Geschäfte in erster Linie berücksichtigen, die im „Vorwärts" inserieren. Wir setzen das Vertrauen in die Einsicht unserer Leser nnd Parteigenossen, daß sie troh der durch die allgemeine Teuerung sich notwendig machenden Erhöhung des Abonnemenlspreifes nach wie vor treu zum»vorwärts" stehen und auch in Zukunft für dessen weiteste.Verbreitung eintreten werden. vorwärts-verlag G.m.b.H. .Soziales. Arbeitslose und Landerwerb. V o g e l e r- Worpswede, der feine Graphiker und Künstler, ist seit der Revolution Weae gegangen, die ihn bei manchen in den Ge- ruch brachten, Kommunist zu sein. Mit Unrecht. Vogeler ist Partei- los und hat nur das eine Ziel, Arbeitslosen und Landhungrigen zu Arbeit und Land zu verhelfen cknd ihnen den Pfad dahin durch praktischen Siedlungsunterricht zu bahnen. Wenn er bei diesem Unterricht seine eigenen Methoden verfolgt, wenn er so etwas wie einen ethischen Kommunismus verficht, so kann man darin unmöglich ein Staatsoerbrechen erblicken. Die Behörden waren bis- her so vernünftig, ihm keine Steine auf sein an und für sich müh- selig zu beackerndes Feld zu werfen. Seit einiger Zeit ist es nun aber doch zu einer Art Febde zwischen ihm und der Staats- gewalt gekommen, die seiner Schillgemeinde Barckenhoff das Leben erschwert, wenn nicht unmöglich macht. Wenn wir den Kernpunkt recht erfaßt haben, stößt man sich in Regierungskreisen daran, daß«s zu Vogelers praktischem Siedtungsunterricht gehört, seinen Leuten zu sagen:„Nehmt Staatsland, wo es brach liegt, und bestellt es/' und man scheint sich bei der Tatanwendung dieser These nicht, immer vor vornherein mit den Behörden ins Einvernehmen gesetzt zu haben. Das ist allerdings ein grober Verstoß gegen die Staatsgewalt, und wir geben ohne weiteres zu, daß er zu Weite- rungen auf beiden Seiten führen kann. Ohne diese Schwierigkeiten zu verkennen, möchten wir die Regierung aber doch bitten, die ganze Angelegenheit von einir möglichst wenig bureaukratischen Warte aus zu betrachten. Die Landbeschaffung ist für Bargeldlose heute an und für sich schwer genug. Ist also die Frage, ob Dogelers Pro- paganda der friedlichen Tat und seine Folge größeren Schaden an- richtet, zu verneinen— und wir glauben, das ist der Fall—, und ist auf der anderen Seite die Frage, ob Vogelers Tätigkeit der Ber- breiterung unserer Ernöhrungsbasis dient, ob sie mehr Nutzen als Schaden schafft, zu bejahen, so sollte man Vogeler in seinen Bemühungen um Landbeschaffung entgegen- kommen. Vielleicht hilft man ihm trotz seiner„Staatsfeindlichkeit" sogar in der Weise nach, daß man seinen Siedlungsschülern für die Zeit ihres Ausenthalts an der Schule Arbeitslosen unter- st ü tz u n g gewährt. Den jungen Leuten um Vogeler aber möchten wir empfehlen, ihre Propaganda der friedlichen Tat nicht gar zu jugendlich laut auszufasien. Mus aller Welt. Wolkenbruch in Sardinien. In Saffari, der nordöstlichen Provinz von Sardinien, hat ein schwerer Wolkenbruch gewaltige Verwüstungen angerichtet. Eine große Anzahl Brücken wurden weggeschwemmt und Häuser und Telegraphenanlagen zerstört. Die italienische Regierung hat eine Hilfsaktion eingeleitet. Schwere Naphtha-Explosion. Bei einer schweren Explosion auf den Naphlhawerken der Atlantic Refining Company in Philadelphia wurden 10 Arbeiter getötet und 23 verwundet. Die Gewalt der Explosion war so groß, daß ein Teil der Leute 75 Fuß weit weggeschleudert wurde und in Tanks voll brennendem Oel ihren Tod fand. Unschädlichmachung einer Eisenbahnräuberbande. Der Unter- suchungsstelle des Verkehrsamtes 1 und 2 in Magdeburg und der Kriminalpolizei ist es gelungen, eine organisierte Eisenbahnräuber- bände, bestehend aus S3 Personen, Eisenbahnern, Kaufleuten, Gast- Wirten, Landwirten und Berliner Schiebern, zur Anzeige zu bringen. Etwa 20 Personen sind dem Untersuchungsgefängnis zugeführt wor- den. Die Bande hat feit zwei Jahren im Direktionsbezirk Magde- bürg systematisch die Eilgüterzüge während der Fahrt beraubt. Der bürg systematisch die Eilgüterzüge während Schaden beträgt viele Millionen. Briefkasten öer Redaktion. Briefliche Auskunft wird nicht erteilt.— Jeder für den Brief- kästen bestimmten Anfrage füge man einen Buchstaben und eine Nummer bei. Eilige Anfragen trage man in der Juristischen Sprechstunde, Lindenstr. 3, 1. Hof pari, links, vor. Schriftstücke und Verträge sind mitzubringen. Vormund. Wenn Sie das Aufgebot bereits im Oktober anmelden wollen, so müssen Sie eine Einwilligung des Vormundes beibrivgen.— H. St. 113. Ja. An Stelle von 3,30 M. können bis zum 31. Oktober d. I. 3,40 M. in Abzug gebracht werden, wenn in der Zeit vom 1. April bis 31. Juli 1921 nur Beiträge zu Kranlenkaffen und Berstcherungsanfwlten gekürzt worden sind.— A. L. 33. Wöchentlich 24 M. und 3,30 M. bzw. 3,40 M. Die für Heimarbeiter vorbehaitenen desonderen Aussührungsbestimmungen sind unseres Wissens bis- her nicht erlassen worden, so dass weitere Abzüge zurzeit nicht statihast sein dürsten.— Versicherung 32. Beantragen Sie beim Amtsgericht den Erlass eines Zahlungsbefehls.— Orbg. 21. Ja. P. H. 3«. 1. Handwerterschul« Lindenstrasse 97/98. 2. Handwerkerschule Andreassirasse 1/2: Gewerbesaal, Hauptabteilung und llebungswerkstatten Strassmannstraße 3. Höhere Technische Lehranstalt Am Zeppclinplatz. (Schluß des redaktionelle» Teils.) 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Wo ein Konflikt ausbricht, da fft auch Herr Stegerwald mit allgemeinen europäischen Wendungen über Friedlichkeit und Einigung zur Stelle. Mit solchen Gemeinplätzen kann man wohl vermeiden, irgendwo anzuecken, aber Herr Stegerwald möge sich nicht einreden, daß wir diese Versöhnlichkeitsgeste als feine Politik ansehen. Denn sachlich steht Stegerwald hier wie gewöhnlich auf feiten der Reaktion. Sein« Mahnungen zur Nachgiebigkeit be- ziehen sich praktisch immer auf die, die Demokratie und Re» publik schützen wollen. So laust die Stellungnahme Steger- walds darauf hinaus, daß er die Reichsregierung in ihrem Kampf gegen die bayerische Reaktion nicht unterstützt. und damit ist bewiesen, daß der Kampf gegen diese Reaktion auchinPreußenmitallerEnergie geführt werden muß. die Sanktionsfrage. Nachgeben Frankreichs? Pari». 17. September.((££.) 3m Gegensatz jn der heut« vonnikkng verSffentllchten Rcuternote behauptet der.Temps", daß die französische und die englische Regierung vollkommen einig seien In der Auffassung, daß die Aufhebung der wirtschaftsicheu Sanktionen in Deutschland nicht mehr mit der bedingungslosen Zustimmung zur Ansübung einer interalliierten Sou- trolle über die Ausgabe von Ein- und Ausfuhrlizenzen im Rhein- lande in Verbindung gebracht werden soll. Von dem zwischen Paris und London bestehenden völligen Einvernehmen sei die deutsche Regierung bereit» unterrichtet worden. Ungarn mobilisiert! Prag. 17. September.(WTV.) Der wiener Korrespondent de» Blatt«„Prager Presse" erfährt au» diplomatischen Kreisen der Entente, daß seit einigen Tagen ln Angarn in aller Stille eine regelrechte Mobilisierung durchgeführt werde. Die Re- seroeofflzlere und Mannschaften der Jahrgänge 1SS5 bi, ISoo erhielten von Major Oszteuburg unterzeichnete Eiuberufnngsorder». Die Einberufung taute nach Oedenburg zum Geudarmerieregiment. Gleichzeitig werde die demobisiflerte Artillerie nach Kecskemet einbe- rufe«. MslanAsrunüschau. Der Brüsseler.Temps"-Korrespondent meldet, daß die bei» gis ch e Division, die an der Ruhrbesetzung mitwirken sollte. nach Belgien zurückkehrte und ihre Garnisonen bezog. Volkskommissar der Finanzen Krestinski fft zum diploma» tischen Vertreter der Sowjctregierung in Berlin ernannt worden. Er soll bereit» im Lauf« der Woche in Berlin eintreffen. Krestinski, der einer russischen Adelsfamllie entstammt, war früher in Peters- bürg als Rechtsanwall tätig und gehörte schon vor der Revolution als Mitglied der bolschewistischen Fraktion der russischen sozialdemokratischen Partei an. Nach der Novemberrevolution bekleidete Krestinski eine Zeitlang den Posten des Bolkskommiffars für Justiz- wesen der(Petersburger) nördlichen Kommune. In der russischen kommunistischen Partei hat Krestinski keine hervorragend aktive Rolle gespielt; er gilt al» Vertreter der gemäßigteren Rich- tung. Der aus Genf verbreitete litauische Gegenvorschlag auf den Hymansschen Einigungsvorschlag zwischen Polen und Litauen entspricht, wie die Litauische Telegraphcnagentur meldet, nicht der Wirklichkeit. So stimmte D. die«iauffche Re- gierung niemal» gemeinsamen Organen zwischen Polen und Litauen mit beschlleszender Stimme zu, wie sie auch nie ein gemeinsame» Staatskommissariat de» Aeußeren vorgesehen hat. In Erwiderung auf die letzt« Note De Valeras erklärt Lloyd George, solange De Valera dabei bleibe zu fordern, daß die irischen Vertreter als Vertreter eines unabhängigen, souveränen Staates verhandeln, sei eine Konferenz unmöglich. Nach einer Havasmeldung aus Athen glaubt das Blatt „Athenai" zu wissen, daß infolge des Stillstandes der militärischen Operation(lies: infolge der griechischen Niederlage) die griechische Regierung beschlossen habe, die Lösung der k l c i n as i a t i s ch e n Frag« auf oip lv m a tisch e m W e g e fortzusetzen. Amtlich sei die Nachricht noch nicht bestätigt. Wirtschaft Der Stand der Mark. Der Markkur», der im Laufe dieser Woche anfangs sich noch weiter oerschlechtert hatte und am Mittwoch auf einem bisher kaum erreichten Tiefpunkt angelangt war, fft am Wochenende etwa auf den Stand vom vergangenen Sonnabend zurückgekehrt. Man zahlte nach den amtlichen Notierungen der Berliner Börse für: am 28. 7. IS. 8. 3. v. 14. 9. 17. 0. 100 6 oll. Gulden 2477,60 2882,10 2704,70. 3480.05 8231,75 1 Pfd. Sterling 289,70 848,15 829,15 408,05 374,00 1 Dollar... 81.03 90,90 88,91 109,04 100.89 loo französ. Fr. 820,85 095,30 885,80 779.20 719,25 100 Schwei,. Fr. 1821,16 1498,50 1608,45 1800,10 1758,20 100 österr. Kr. abgestempelt 9.18. 10,58 10,88 10.18 9,78 100 ffchech. Kr. 101.25 103.85 100,10 182.85 119,85 Man wird leicht dazu neigen, dl« jetzige Balutabefferung auf das angekündigte Hilfsangebot der Industrie zurückzuführen. In der Tat würbe der Haussebewegung am Devisenmarkt eine Grundlag« entzogen, wenn das Reich mit seinem großen Bedarf für eine Weile a l» Käufer fremder Wechsel ausscheiden würde. Man darf aber den Einfluß dieser Möglichkeit auch nicht überschätzen. Die Valutabewegung hängt stark mit der Geldentwertung im Inland, diese wieder mit den Reichsfinanzen zusammen. Auch die größere Goldanleihe kann die Entwertung der Wart nicht aushallen, wenn zum Ausgleich des Etat» weiter Roten gedruckt werden müsien. Des- halb ist es verfrüht, irgendwelche Hoffnungen auf die dauernde Stabilisierung der Valuta zu setzen, ehe die Frage der Beteiligung de« Reiches an den Goldwerten restlos geklärt ist, Wiedereinführung des Scheckverkehr, in Sowjetrußland. In der Erkenntnis, daß der geradezu ungeheuerlich angewachsene Papier- geldumlauf unbedingt herabgesetzt werden muß. hat laut s w e st i I a" der Rat der Volkskommisiare die zuständigen Stellen angewiesen, ein Verzeichnis derjenigen Institute aufzustellen, die von jetzt ab ihre Verrechnungen durch Scheck» durchführen sollen. Außerdem hat das Finonztonimisiariat den Auftrag erhellen, sofort Scheckbücher zu drucken und sie den betreffenden Instituten, Be« Horden usw. zuzustellen. GewerMafisbewegung Angestellte See Groß-öerllner Metallindustrie. Zlus vielen Betrieben erhält der Afa-Bund, Ortskartell Groß- Berlin, Anfragen, warum die neuen Verhandlungen über die von ihm geforderten Lohnerhöhungen noch nicht begonnen haben. Das nachstehend abgedruckte Schreiben des Verbandes Berliner Metallindustrieller an den Afa-Bund läßt erkennen, daß der Ge» werkschaftsbund der Ange st eilten und der G e w e r k- schal tsbund kaufmännischer Angestelltenoer- bänoe bis jetzt noch keine Forderungen eingereicht haben und dadurch den Beginn der Verhandlungen verzögerten.— Das Schreiben des VBMJ. lautet: „Wir bestätigen den am 9. September 1921 erfolgten Eingang Ihres Schreibens vom 8. September 1921, mit welchem Sie uns nach der am 26. August 1921 ausgesprochenen Kündigung der Tarifsätze die von Ihnen erhobenen Forderungen bekannt- aeben. Wie Ihnen bekannt sein dürfte, haben der Gewerkschasts» vund der Angestellten und der Gewerkschaftsbund kaufmännischer Angestelltenoerbände die Tarifsätze ebenfalls zum 30. September 1921 gekündigt. Wir können natürlich etwaige Verhandlungen nur mitallendreian unserem Tarifvertrag beteiligten Angestellten- gewerkschaften führen. Da nun der GdA. und der(BfA. uns ihre Forderungen bis jetzt nicht bekanntgegeben haben, Sie aber anderer- seits in Ihrem Schreiben vom 8. September 1921 uns um möglichste Beschleunigung gebeten haben, haben w i r am heutigen Tage den GdA. und den GkA. aufgefordert, uns ihre Forderungen möglichst bald zu unterbreiten. Sowie uns diese Forderungen vorliegen, können wir Ihnen Nachricht geben, wann wir eine gemeinsame Be- sprechung herbeiführen möchten." Saubere Arbeitervertreter, die von den Unternehmern aufgefordert werden müssen, ihre Forderungen möglichst bald ein- zureichen._ Hesthekterte verhanölungen in Üer Holzindustrie. Am letzten Donnerstag traten die am Streik der Berliner Holz- arbeiter beteiligten Organisationen zusammen, um erneut eine Ueber- brückung der Gegensätze zu versuchen. Die Berliner Arbeitgeber verlangten in die Beratung ihrer Anträge einzutreten, um zu sehen, welche grundsätzlichen Meinungsverschiedenheiten vorhanden sind. Leider mußt« schon bei Beginn der Verhandlung festgestellt werden, daß es weniger sachliche Momente waren, die in den Vordergrund gestellt wurden, daß der Widerstand vielmehr rein parteipoli- t i s ch e r Natur war. Di« wenigen Rechte, die das Detriebsrätegesetz den Arbeitnehmern gibt, versucht man unter allen Umständen zu schmälern. Aber auch die Rechte, die den Vertrauensleuten der Arbeiter im Reichsmantelaris gewährt wurden, möchten die Berliner Arbeit- geber am liebsten, ihren Arbeitern nicht zugestehen. Insbesondere sind es die Bestimmungen über die Verhütung von Unfall- gefahren, die die Arbeitgeber zum Gegenstand ihres ablehnen- den Verhallens gemacht haben. Aber auch das Mitbestimmungsrecht der Arbeiter bei der Einführung der Akkordarbeit paßt chnen nicht, denn darüber würde nach ihrer Meinung die Berliner Holz. industrie zugrunde gehen. Die Arbeitgeber allein wollen darüber entscheiden und die Preise für die eventuelle Akkordarbeit festsetzen. Auch in der F e r i e n f r a g e machten sie kein Zugeständnis. Nachdem die Verhandlungskommission sich acht Stunden mit diesen Dingen beschäftigt hatte und die Arbeitgeber von ihren An- trägen nicht abgingen, wurden die Verhandlungen resultatlos a b g e b r o che n. Di« Berliner Holzarbeiter werden nunmehr er- kennen, wie man sie auf die Knie zwingen will. Aber sie werden den Kampf trotz alledem mit allen ihnen zu Gebot« stehenden Mitteln fortsetzen, was schon die Versammlung vom 14. September sehr deutlich bekundet hat. Die Arbeiter wollen den Frieden, das haben sie durch ihre wiederholten Verhandlungsangebot« gezeigt. Aber da di« Scharfmacher der Berliner Holzindustrie den Kampf wollen, so sind die Holzarbeiter entschlossen, ihn zu führen. Tie Elektrodroschkenfnhrer zum Schiedsspruch. Am Freitag wurde von den Elektrodroschkenführern in zwei Versammlungen Stellung zu dem Spruch des Schlichtungsausschusses genommen. Ueber diesen berichteten Lachmann und Schmidt folgendes: Nach langwierigen ergebnislosen Verhandlungen mit den Unter- nehmern ist von uns der Schlichtungsausschuß angerufen worden. Unsere Forderung war 10 M. für die Schicht und 30 Proz. von der G es amteinnahm e. Der Spruch billigt uns 1,50 M. und 24 Proz. von der Gefambeimuchme zu. Das Wagenwäschen sollen die Unternehmer auf ihre Kosten besorgen. Die Unternehmer wollen diesen Spruch nicht anerkennen, sie sind nur bereit, uns 22 Proz. von der Gefamteinnahme zu geben. Nach dem Schieds- spruch sollen die Unternehmer die Arbeitskräfte durch den paritätischen städtischen Arbeitsnachweis erhalten. Auch damit sind sie nicht ein« verstanden. Sie wollen diesen Nachweis nur„möglichst" in An- spruch nehmen. Die Ablehnung des uns zugesprochenen Lohnes stütze sich auch auf die Behauptung, daß die Fahrer noch große„Neben- einnahmen" hätten. Wir müssen diese Behauptung als eine irre- führende zurückweisen. Auf Nebeneinnahmen durch Trinkgelder wollen wir nicht angewiesen sein und Nebeneinnahmen durch Ueber- vorteilung der Fahrgäste sind streng zu verurteilen. Die Referenten kamen in ihren Ausführungen zu dem Schluß, daß der Spruch den berechtigten Forderungen der Kollegenschast nicht genüge, dennoch möchten sie mit Rücksicht auf die obwaltenden Der- Hältnisse die Annahme empfehlen. In der Aussprache wurde von mehreren Rednern die Ab- l e h n u n g des Schiedsspruches oerlangt. Schließlich wurde aber der Spruch mit der Weisung angenommen, dessen Rechtsverbindlich- keit zu beantragen. Im Laufe der Aussprache wurde mitgeteilt, daß die Fahrer von S Betrieben bereits in den Streik getreten sind und daß im Hinblick auf die vorherrschende Stimmung unter den Kollegen mit der Möglichkeit einer Ausdehnung des Streiks zu rechnen sei. Zum Streik in der Filmindustrie. Durch Ueberlastung des Reichsarbeitsministeriums mußte der Verhandlungstermin auf Dienstag vormittag anberaumt werden. Die beiderseitigen Kommissionen sind bereits ernannt. Sollte wider Erwarten eine Absage der Arbeitgeberorganisationen erfolgen, wird das Reichsarbeitsministerium von Amts wegen eingreifen. Di« Arbeitgeber oersuchen jetzt durch Inserate in der Tages- presse, Arbeitswillige zu finden. Damit werden sie sich aber bei den Arbeitslosen verrechnet haben. Die Streikenden sehen den weiteren Dingen mtt Ruhe entgegen. Wir ersuchen die organisierte Arbesterschast, sämtliche Ar- beitslose darauf hinzuweisen, daß in der Filmindustrie während der Dauer des Streiks keinerlei Arbeit angenommen werden darf. Die für Montag angesetzte Streikoersammlung findet nicht statt, neuer Termin wird noch bekanntgegeben. Stuck- und Gipsbaubranche. Eine Versammlung am 13. September beschäftigte sich mit dem Schiedsspruch vom 7. September betr. Erhöhung der Stundenlöhne. Sie nahm nach längerer Diskussion den Schiedsspruch an. Der Lohn erhöht sich um 85 Pf., der der Hilfsarbeiter um 70 Pf. die Stünde, rückwirkend ab 1. September. Auch eine Aufbesserung der Löhne für Lehrlinge ist erfolgt und beträgt deren Wochenlohn im ersten Jahre 50 M.. im zweiten Jahre 75 M. und im dritten Jahre 110 M. Wo die Löhne ab 1. September nicht gezahlt werden, ist sofort der Organisation davon Mitteilung zu machen. Kollegen, welche vorher aus den Betrieben ausgeschieden find. müssen spätestens bis Sonnabend, den 24. September, ihre Nach- zahlung von ihren früheren Arbeitgebern abgeholt haben, da spätere Reklamationen nicht berücksichtigt werden. Die SektionSleitung. Achtung, Arbeiterinnen der Parfumiudustrie k Die Firma W. Reichert, Pankow, Berliner Str. 16, hat in letzter Zeit jugendliche Arbeiterinnen als Lehrmädchen eingestellt um sie als Arbeiterinnen für die Parfümindustrie aus- zubilden. Der Zweck diese? Vorgehens ist der, die tariflichen Be- stimmungen zu umgehen. Lehrmädchen, welche als gewerbliche Arbeiterinnen für die Parfümindustrie in Frage kommen, gibt es nicht. Der Tarifvertrag für die chemische Industrie einschließlich Parsümindustrie ist für allgemein verbindlich erklärt und find die tariflich festgesetzten Löhne zu zahlen. Wir bitten alle Arbeiter- eltern, im eigensten Interesse vorstehendes zu beachten. Weitere Auskünste betreffs der Parsümindustrie erteilt der Per- band der Fabrikarbeiter. Engelufer 24/25, Aufgang C 1 Treppe, geöffnet von 8—6 Uhr, Sonnabends von 3—1 Uhr. Lohnabkommen iu den Berliner Tarifbrauereien. Am 18. August wurden den Arbeitgebern Forderungen unter- breitet. Die Ergebnisse der Verbandlungen wurden von den Funktionärversammlungen wiederholt abgelehnt, woraus die Arbeit« geber am 18. September«ine Lohnerhöhung von 70 M. wöchent- lich bewilligten, unter gleichzeitiger prozentualer Erhöhung der Löhne der weiblichen und jugendlichen Arbeitnehmer und der Rein» macheftauen, sowie der Bezüge aus§ 616 BGB. Dieses Angebot wurde am 15. September nahezu einstimmig angenommen. Di« Löhne der gelernten Arbeit»» betragen nunmehr 380 M.. die der ungelernten 375 M. wöchentlich. Die Erhöhung beträgt rund 23 Proz. DaS neue Abkommen ist frühestens zum Jahresschluß kündbar. Die Lage im Gastwirtsgewerve. Nachdem Aussicht bestand, die Bewegung auf friedlichem Weg« abzuschließen, indem der Lohntarif dem Reichsarbeitsminister unter- breitet werden solle, haben die Unternehmerorganisafionen ihre Mit» glleder angewiesen, die berefie vereinbarte vorläufige Teuerungs- zulage von 10 Prozent nicht auszuzahlen. Die erste Zahlung sollte am 20. September erfolgen, unabhängig von den sonstigen Lohn- Verhandlungen. Damit ist die Lage wesentlich verschärft. Die Ar- beitnehmer erblicken in diesem Verhalten einen Vertragsbruch, der jede gewerkschaftliche Gegenmaßnahme rechtfertigt. Die Soufereuz der Vekrkebsverkraueosleuke(bekanntgegeben durch Zirkular) findet Montag, Z46 Uhr pünktlich, Lindenstr. 3. 2. Hof, 2 Tr. links statt. Referent: Genosse E. Kuttner, M d. L. Achkung, SPD.-Aupferfchmiede! Am Montag, 7Z4 Uhr, im Lokal von Schuster, Gartenftr. 101: Frattionssitzung. Pünktliche» und vollzähliges Erscheinen erwartet Der Fraktionsvorstand. Achtung. Tischler! Während es in Hamburg an arbeits» losen Tischlern nicht fehlt, werden solche für die Schiffswerft. Dulkan. Werke, in Hamburg gesucht. Die Arbeiter der Werften und der Eisenindustrie in Hamburg stehen in einer ernsten Lohnbewegung. Aus Unkenntnis der Dinge zugereiste Kollegen weisen in dicht bei der Werst gelegene Massenquartiere verwiesen. Die reguläre Vermittlung nach Hamburg erfolgt nur durch de» paritättschen Arbeitsnachweis der Holzindustrie. Zuziehende be- dürfen der Arbeitserlaubnis des Arbeitsamtes. Die Verwaltungs- stelle des Holzarbeiterverbandes in Hamburg warnt daher alle Kollegen, auf derartige Inserate hereinzufallen. Textilarbeikerstreit in Harburg. Seit Freitag befinden sich!n Harburg ungefähr 3000 Textilarbeiter im Streit. Sie fordern eine Erhöhung des Stundenlohnes von 6,60 M. auf SLv M. Die Bremer werfiarbeiker. die schon seit 8 Wochen im Kampfe ausharren, haben in ihrer letzten Versammlung beschlossen, den Streik weiterzuführen. Dieser Beschluß erfolgte mit einer Drei- viertelmehrheit. Ein« Aufforderung ist an sämtliche Arbeiter der Werftindustrie ergangen, sofort Betriebsversammlungen einzuberufen, um zum Bremer Kamps Stellung zu nehmen und die Kollegen nicht nur finanziell zu unterstützen, sondern auch überall in den Kampf einzutreten, sowie die Gewerkschaften und die Zentrale Lohnkommission der Werften zu zwingen, sich nun endlich hinter den Bremer Kampf zu stellen und ihn aus der ganzen Linie aufzunehmen. Verständigung im ZNeuselwiher Streikrevier. Im Kohlenarbeiter. streik des Meuselwitzer Reviers ist es zu einer Verständigung ge- kommen, da der Obersteiger, der das Unglück am 28. Mai verschuLwt haben soll, und dessen Entlassung von den Belegschaften gefordert worden war. auf seine Wiedereinstellung verzich- tet hat. Dohuverhandluoqen in Oberschlefien. In Gleiwitz fanden Frei- tag zwischen den Angestelltenorganisaticmen und den Arbeitgebern Lohnoerhandlungen statt. Don den Angestellten lagen Anträge vor, eine einmalige Wirtschaftsbeihilf« für die Monate Mai und Juni zu bewilligen, die aber von den Arbeitgebern abgelehnt wurde. In den Gehaltsforderungen haben die Arbeitgeber ein dahingehendes Angebot gemacht, das Frauengeld von 1500 M. auf 2000 M. und das Kindergeld von 980 auf 1414 Mk. jährlich zu er- höhen. Zu dem Grundgehalt soll den Angestellten außerdem ein 18 proz. Zuschlag gewährt werden. Die Angestelltenorgani. satwnen haben zu diesem Angebot noch nicht endgülfig Stellung ge- nommen, sondern die Verhandlungen hierüber auf Montag oertagt. Die Müller w Zkordsrankreich streiken auf Weisung des Streik- komitees zur Unterstützung der Textilarbeiter. Kaffeehäuser und Wirtschaften sind wieder offen. Berantwortlich für de» redakt. Teil: Biktoe Schiff» Berlin; für Zlnzelgen: Ti. Glocke. Berlin. Brrlag: BorwSrtS-Berlog G.m.b.H., Berlin. Drnck: Bor. mSrtS-Bnchdrnckerei n. Berlagsangalt Paul Sinaot«,®o„ Berlin. Lindenstr S. Hierzu 4 Beilagen. Diese Woche 295 M 355m 395« 530m Mantel"S?- dunkle Farben, weite Form,m.tief.Annloch Mantel fSSS" stoff, d. neue Fassen- form, Krag.u.Mansch. m. Biberplüsch besetzt Mantel ÄS: Raglanärmel, auch mit Gürtel zu tragen MantelTSo" m. Bändchen gesteppt Jackenkleid aus blau Gabardine,• Jacke m. Tresse gam. R und Halbseide gefiitt v 57 w M Kinderkleid SS" weicher einf. Winterstoff mit bunt Handstickerei X Q u Länge 50 cm SSM, 45cm � M Mädchenkleid modern gestreifter Stoff in. färb. Schnur u. Knopf- A.. garnierung, Länge 60 cm �" M lecke welfere Größe 8M mehr Paletot'ÄÄ u. meliert WinterstofL 170« KloiH reinwolle- r\lt;iu nein Kammgarn-Cheviot mit farbiger Stepperei.. 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