Nr. 443 ♦ 3$, Jahrgang Kusgabe A Nr. 224 BezngSpretS» ZlertellährUZU.— M.. mono». I<�— M, kei ins Haus, voraus zahlbar, Post» bezug: Monatlich Ist,- M. einschl. stu» st-llunas�edühr, UMer Kreuzband Ist» Deutschland. Danzig, das Saar- und Memelaeblet, sowie die ehemals beut- schen Gebiete Palen» Oestemlch. Ungarn und Cujtmburg 20,— M. für da» übrige Ausland 27.— M. Post- bestellungen nehmen an Oesterreich. Ungarn. Tscheche» Elowalei, Däne» mark, Holland, Luremburg. Echwedea und die Schweiz Der»vorwärts� mit der Sonntag». belwge»Boll und Feit�. der Unier» haltungsdeilage �eimwelN und der Beilage.Siedlung und itlelngarten� erscheint wochentäglich zweimal. Sonn» tag» und ZIlonlag» einmal. Telegramm-Adresse- »Soziaidemoiras Berlin» Morgen Ausgabe c tZrov» Ssrlln ZV Pf, «uswSrts 40 Pfennig D ZZerlinev Volksblatt Anzeigenpreis: Die achlgespaltcne Ronperrelllezeile tostet k,— M.„Sieine«»zeigen» da« seltgedruitte ZSsrt 2,— M.(zu- lässig zwei settgedruekie«»rte), sedc» weitere Wort l,— M. Slellengesuch« und Schlalstellenanzeige» da» erste Wort t.— ZN.. jede» weitere Wort 00 Pfg. Worte über tb Buchstabe» zählen für zwei S»rt». F»milien-An» zeigen für Abonnenten geile 3,50 M. Die Preise verstehen sich einschließlich Teuerun,«tnschl»i. Anzeigen fvr die nächste Nummer müssen bi« S Ahr nachmittag» im Hauptgeschäft, Berlin SW W, Linden- straße ll, abgegeben werden. Geöffnet von S Uhr früh bis 5 Uhr abend». Zcntralorgan der roziatdemokratifchen parte! DeutfehJands Neöaktion und Expedition: SW b8, Lmdenstr.Z aWitkltt-M,-«-- Redaktion Moristplah 151»5— 97 lycrnsyrcoter. Expedition Morihplatz Kl7SZ— S4 Dienstag, den Ä0. September 19Ä1 Vonvärts-Verlag G.m.b.H., SW öS, �indenstr. Z - Verlag. Expedition und Inserate». "•«btetliing Morinpla» 11753—54 Parteiprogramm X Koalitionsfrage. Görlitz, 19. September,(Eigener Drahtbericht des „Vorwärts".) Die Arbeit am neuen Parteiprogramm ist im Fluß. Trotz aller Zweifel und Bedenken, die geäußert wurden, ist der Eörlitzer Parteitag entschlossen, den ernsten Versuch zu machen, das Parteiprogramm fertigzustellen. Deshalb bat er den Bericht der Programmkommission an die Spitze 'einer Arbeiten gestellt. Hermann Molkenbuhr referierte und chöpfte aus dem Schatze seiner reichen Erfahrungen, die er chon durch seine Mitarbeit an dem Parteiprogramm in Gotha 1878 und Erfurt 1891 gesammelt hat. Auch damals vor 39 Jahren, als das jetzt geltende Pro- 8 ramm beschlossen wurde, gab es heftige Kämpfe und starke chzusriedenheit, aber jetzt, wo es zu Ende sein soll, möchte mancher das Erfurter Programm, das ja zweifellos der Partei gute Dienste geleistet hat, zu einem Heiligtum erheben, und doch reicht es für die Anforderungen der Zeit nicht mehr aus. Wir sind näher an die Verwirklichung herangekommen, und dabei zeigt sich, nicht wie aus der Ferne, nur die eine große klare Linie, sondern es treten die tausend Einzel- h e i t e n hervor. So wird von selbst das Programm länger, weniger schlagkräftig, weniger packend. Die Kritiker des Ent- wurfes haben das heftig getadelt, aber niemand hat sich heute, wie es vor 39 Jahren so viele taten, an einen Gegen» entwurf gewagt. So bleibt denn nichts übrig, als Kritiker und Väter des Entwurfes noch einmal in einer. 28gliedrigen Kommission zu- sainmenzusetzen und zu versuchen, ob sie sich nicht auf ein ein- heilliches fertiges Programm einigen können. Die Kom- Mission ist sofort zusammengetreten und hat heute schon den ganzen Tag überaus eifrig gearbeitet. Mit Spannung er- warten die Parteien ihr Werk. Die Programmfrage hat zunächst nur eins Stunde auf- gehalten, und das ist gut so, denn es drängt den Parteitag, den großen politischen Fragen des Augenblicks näher zu kommen. Den Vorstandsbericht erstattet Franz Krüger, den Organisatwns- und Kassenbericht H. Bartels. Viele Gegenstände von Bedeutung werden berührt, vor allem die vielen Genossen auf der Seele brennende Sorge um die rascheste Einigung aller Sozialisten, aber im Mittelpunkt steht doch die Frage der Koalition. Genosse Krüger rechtfertigt mit Nachdruck die ablehnende Haltung, die Parteivorstand und Landtagsfraktion im Mai gegenüber dem Gedanken einer Koalition mit der Deutschen Volkspartei ein- genommen haben. Ihre Einstellung war damals ausgesprochen monarchistisch, ausgesprochen antisozialistisch, ausgesprochen chauvinistisch. Ist die Deutsche Volkspartei heute eine andere geworden? Weder Franz Krüger noch der Partei- tag gehen daran, diese Frage kurzerhand mit Ja zu be- Aber sie sind der Ueberzeugung, daß die ! e Freiheit fordert. antworten. Situation taktisch Die politische Lage nach der Ermordung Erzbergers ist ja klar. Niemand, der sehen will, verkennt, daß die Republik schwer bedroht ist, wenn das Treiben der Reaktion in der bis- herigen Weise weiter geduldet wird. Einmütig stellt sich der Parteitag hinter die Kampfansage Hermann Müllers, einmütig fordert er durchgreifende Demokratisierung der Justiz, der Verwaltung, der Schule, der Universität, der Polizei und des Heeres. Ist der notwendige Schutz der Republik mit der Deutschen Volkspartei zu er- reichen? Wenn nicht, dann wird binnen kurzem die Sozial- demokratie aus den Regierungen des Reiches und fast aller Einzelstaaten ausgeschieden sein. Und was das bedeutet, zeigen Preußen und Bayern. Auch diese Entwicklung kann die Sozialdemokratie nicht dulden; sie traut sich die Kraft zu, nötigenfalls mit Blut und Leben die Republik und die Demokratie gegen das gesamte Bürgertum zu verteidigen. Aber die Sozialdemokratie will dies« Entwicklung nicht forcieren. Sie will, was an ihr liegt, tun, um Schrecken und Opfer des Bürgerkrieges zu vermeiden, deshalb will sie noch einmal ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit allen ehrlichen Freunden der Republik bekunden. Es erheben sich B e d e n l e n. Aus Frankfurt, Breslau und Jena sprechen Delegierte, die ihrer starken Abneigung gegen die Deutsche Volkspartei Ausdruck geben; sie treibt im Lande um die Wette Reaktion mit den Deutschnationalen. Aber Scheidemann erwidert unter der lebhaften Zustimmung des Parteitages, daß in der gegen- wärtigen kritischen Zeit die Partei sich nicht auf lange Parolen festlegen könne und er gibt der Opposition den großen Trost, daß ja schließlich Koalitionen immer noch«ine Eintagssache sind und daß das endlich dauernd Ewig- bleibende die Einheit und Einigkeit aller Schaffenden ist, die Einheit in Deutschland und über Deutschlands Grenzen hinaus. Die Debatte über den Vorstandsbericht wird voraussichtlich noch geraume Zeit in Anspruch nehmen, aber das Er- gebnis wird schwerlich ein anderes sein, als das, daß die Frak- tionen und der Parteivorstand sich freie Hand geben lassen, mit den ehrlichen Republikanern auf Grund eines be- stimmten Mindestprogramms eine Regierung zu bilden und daß die formelle Wendung wegfällt, die frei- lich nur in Reden, nicht in Beschlüssen bestanden hat, unter keinen Um st änden mit der Deutschen Volks- Partei zusammenzugehen. Wenn die bürgerliche Presse und die bürgerlichen Parteien glauben sollten, daß die Görlitzer Resolution bedeutet, die Partei werde ohne weiteres den Lolksparleilern um den Hals fallen, so dürsten sie sich ihres Irrtum, bald überführen. Unsere Stellung zur Koalitionsregierung. Dem Parteitag ist eine Resolution des Parteivorstand«,, der Kontrollkommission und des Parkeiausschuste» über die Teilnahme der Partei an einer Koalllioniregiernng zugegangen, worin e» heißt: Auf die Teilnahme an der Regierung der Republik wird die Sozialdemokratische Partei besonder» dadurch hingewiesen, daß sie die größte Partei de» deutschen Volke» ist und die einzige Partei, die von jeher ohne Einschränkung und grundsühlich auf dem Roden der republikanischen Slaat»sorm und des demokratischen Selbstb«. stimmungsrechts des Volkes steht, weil diese den günstigsten Roden für die Erringung der sozialistisch«» Gesellschaft bildet. Die So- zialdemokratie darf daher nicht warten, bi, diese erreicht ist. son- dern muß versuchen, auch schon vorher zur Sicherung der Republik. der demokratischen Slaatsform ihre poliüsche Macht in die Wag- schale zu werfen, um so auch der Erreichung ihrer sozialistischen Ziele näherzukommen. Das ist Zeht um so eher nötig, alz die Rot des deutschen Volkes die Anspannung aller Kräfte ersordert. Die Sozialdemokratie ist bereit, zu diesem Zweck mit anderen Parteien in Reich und Ländern in der Regierung zusammenzu- arbeiten, wenn mit diesen Parteien eine Verständigung über ein Arbeitsprogramm möglich ist, das folgende Grundforderungen enthält: Auerkennung der Verteidigung der Republik; Sicherung des demokratischen Selbstbestimmungsrecht, des Volkes in Reich. Staat und Gemeinden: Demokratisierung der Verwaltung und Republlkanisierung der Reichswehr und der Polizeiorgane; Sichernng des Ausbaus der sozialen Gesetzgebung: eine Polillk der Völkerverständigung; loyale Ausführung des Ariedensdiktats ln den Grenze« unserer Leistungssähigkeit und Aufbringung der dadurch bedingten Lcifluv- gen, ln erster Linie durch weitgehende Heranziehung des Vesihes. Im übrigen soll es dem Parkeivorfland überlasten blriben, unter Verücksichtigung der besonderen Verhältnisse im Venehmen mit den in Arage kommenden Araklionen über den Eintritt von Partei- genossen in die Regierung entscheide«. Die Farben der Nepublk?. Auf dem Görlitzer Parteitag ist folgender Antrag L o e b e ein- gegangen: Um auch der äußerlichen Propaganda des Ronarchismus durch das Tragen schwarzweißroter Abzeichen, von Hakenkreuzen und anderen Dekorationen entgegenzutreten, empfiehlt der Parteitag den Parteigenosten, die Zahl und die Macht der Anhänger der Republik durch das Anlegen eines Abzeichen« in den Farben der deutschen Republik sichtbar zu machen. Der Partestag er- sucht daher den Parteivorstand, die Schaffung«in», besonderen Parteiabzeichens in Erwägung zu ziehen. (Den Bericht finden unsere Leser in der ersten Beitag«.) Goldwerte für den Wohnungsbau Don Dr.-Ing. Martin Wagner. Die Goldmarkwerte der industriellen und ländlichen Be- triebe werden in fast rasendem Tempo von den Besitzern der Anlagen mobilisiert. Die Industrie mobilisiert sie durch Ausgabe neuer Aktienund Obligationen, die Land- Wirtschaft durch Aufnahme von Hypotheken. Der Aus- oerkauf der Sachwerte ist in vollem Gange. Die Börse taumelt. „Hoch-Kapitalismus!" Der Reichskanzler warnt den.�Hoch- kapitalismus", spricht von Vaterlandsocrrat— nachdem die Sachwcrtbesttzer die Goldmarkwerte gestürmt haben! Alle? Rein! Noch gibt es Goldmarkwerte! Der städtische und ländliche Dohnhausbesitz konnte sie n i ch t mobi- lisieren. Wohl hat der Sturm auch auf diese Sachwerte schon begonnen. Läden und Bureaus, die vor dem Kriege 5999 M. kosteten, werden heute mit 59 999 M. und mehr vermietet. Die Goldmarkwerte der Wohn- und Geschäftshäuser haben aber »in Hindernis:„die Mieterschutzgesetzgebung". Ob dieser Drahwerhau von Paragraphen dem vereinten Ansturm der Hausbesitzer, der Bauunternehmer, der Laustoffhändler und Vaustofferzeuger standhalten wird, das dürfte von aufrichtigen Freunden der Mieterfchutzgesetzgebung stärker bezweifelt wer- den, als von ihren Feinden, die sich im Grunde nichts sehnlicher wünschen, als daß die Raumnot in Deutschland auf eine Höhe gebracht wird, von der aus sie den Mieterschutz einfach über- springen können. Diese Taktik der Sachwertbesitzer kommt den Mietern leider nicht klar genug zum Bewußtsein. Sie glauben sich durch Paragraphen und Behörden vor Mietsteigerungen schützen zu können und sehen nicht daß eine Million wobnungsloser Mieter den Sachwertbesitzern die Bresche in die Mieterschutz- gesetzgebung schlagen. Wer die Forderungen der Sachwert- besitzet— trotz Mieterfchutzgesetzgebung— bewilligt, der bekommt eine Wohnung. Wie können sich die Mieter, die Renten-, Lohn- und Ge- Haltsempfänger vor ihren Feinden— den Sachwertbesitzern — und ihren notleidenden Freunden— den Wohnungslosen — schützen? Der Kampf der Mieter, der Renten-, Lohn- und Gehaltsempfänger muß nach zwei Fronten geführt werden. Die eine Front gilt den Sachwertbesitzern. Bevor diese die Goldmarkwerte der Wohn- und Geschäftshäuser mobili- sieren, die Mieten für Wohnungen und Bureaus auf die Papiermarkwerte treiben, d. h. sie auf das Zehn- bis Fünf- zehnfache steigern, muß der B e s i tz und die V e r w a l t u n g der Miet- und Gewerberäume in eine g e m e i n w i r t- schaftliche Hand überführt werden. Der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund und der Allgemeine freie Auge- stelltenbund haben in den„Richtlinien zu einem Gesetz über die gemeinwirtschaftliche Regelung des Wobnungswesens" die Wege gewiesen, die der Gesetzgeber zur Verfolgung dieses Zieles einzuschlagen hat. Wir freuen uns, in diesem Ziel mit der Wirtschastsge- nossenschast der Berliner Grundbesitzer in Ueberein- stimmung zu sein. In einem offenen Brief an den preußischen Minister für Bolkswohlfahrt haben die Grundbesitzer selbst die Frage aufgeworfen:„Wollen Sie die Wohnhäuser soziali- sieren? Wir Hauswirte ersuchen Sie darum! Nichts bindet uns mehr an ein Haus, das unsere Wirtschaft- liche Existenz bedroht und vernichtet, welches eine Quelle neuer Sorge sind dauernden Aergers ist. Geben Sie uns unsere in den Häusern steckenden Mittel und wir werden damit irgend- «inen Beruf ergreifen, der uns eine Existenzmöglichkeit bietet." Das in dem Haus steckende Eigenkapital der Hausbesitzer wollen wir ihnen gern verzinsen, ober nicht in Goldmark, son- dern nur in P a p i e r m a r t. In diesem Sinne hat auch der Unterausschuß der Wohnungskommission des , R e i ch s t a g e s entschieden, als er den Antrag Kuhnt-Dr.» Ing. Wagner annahm, in dem es heißt: „Der in den alten Häusern durch die allgemeine Geldentwertung mittel» Erhöhung der Mieten entstehende Mehrwert der Häuser soll der Allgemeinheit für die Zweck» der Förderung de» Woh- «ungswesen», besonder» der Erstellung neuer Wohnungen z u g e» führt«erden. Dem Hausbesitzer wirb sein Elgentapttal ebenso wie da» Zka- pital des Hypothekengläubigers in Papiermark verzinst." Die andere Front gilt den Wohnungslosen, die aus Rot und Obdachlosigkeit heraus sich den erhöhten Forderungen der Hausbesitzer nicht werden entziehen können. Die Gefahr, die den Mietern von dieser Leite droht, ist nur dadurch abzu- wenden, daß in verstärktem Maße neu« Wohn- räume geschaffen werden. Wir haben eine Million fehlender Wohnungen. Wir haben vor dem Kriege jährlich 299 999 neue Wohnungen gebaut und e» nach dem Kriege nur aus jährlich 69V99 bis 79 909 Wohnungen gebracht. Woher die Mittel für Wohnungsbau nehmen? Der Reichstag hat im Frühjahr dieses Jahres die zehnprozentige Wohnungsabgabe— sprich Mietsteuer— bewilligt. Diese Mittel reichen bestenfalls aus, um Zins und Tilgung für das Baukapital von etwa 59 990 Wohnungen auf- zubringen. Die Sachverständigen aller Parteien waren sich darüber einig, l.aß dieser Weg für«in v e r st ä r k t e s Bau- Programm, für ein Bauprogramm, das jährlich— jagen wir 200 999 und mehr Wohnungen umfaßt, nicht beschritten werden kann. Man entschloß sich darum, den Weg zu gehen, die Mittel zum Wohnungsbau aus der Wo�nungswirtschaft s e l b st, und zwar möglichst direkt aufzubringen. Was heißt das? Das heißt nichts anderes, als daß die Go l d m a r k w e r t e der alten Wohnhäuser für den Wohnungsbau flüssig gemacht werden. Die Mietsteigerung, die der Hausbesitzer sich in die Tasche stecken würde und die mit naturnotwendigem Zwang eintreten muß, wenn die Wohnungslosen in vereinten Kräften mit den Hausbesitzern und den Bauunternehmern den Mieterschutz mit elementarer Kraft beseitigen, diese Mietsteigerung soll vorweg für den Wohnungsbau flüssig gemacht werden. Die Mehrheit des Unterausschusses der Wohnungskommission des Reichstages war sich darüber im klaren, daß eine wesentliche Mietsieigerung aber nur dann durchführbar ist, wenn den Renten», Lohn- und Gehaltsempfängern die volle Miet- steigerung durch eine sofortige Erhöhung der Renten, Löhne und Gehälter wieder erstattet wird. Daß diese Erhöhung der Renten, Löhne und Gehälter eine neue Welle der Geldentwertung erzeugen muß, ist klar. Diese Geldentwertung würde aber in weit stärkerem Maße eintreten, wenn die Besitzer der Goldmarkwerte— wie in der Industrie— nun auch im Wohnungswesen, die volle Umwandlung der Goldmark in die Papiermark betreiben würden. Diese Umwandlung, darüber müssen sich die Mieter im klaren sein, bedeutet eine Mietsteigerung auf das Zehn- bis Fünfzehnfache, mährend die Durchführung eines verstärkten Bauprogramms schon mit der zwei- bis dreifachen Friedens- miete erreicht werden kann. In voller Erkenntnis der durch die Erhöhung der Löhne, Renten und Gehälter erzeugten Geldentwertung hat die Mehr- beit des Unterausschuffes die Reichsregierung ersucht, zunächst diejenigen Eoldmarkwerte flüssig zu machen, die k e i n e Geld- entwertung nach sich ziehen. Sie hat darum, dem Vorschlage des Verfassers entsprechend, die Reichsregierung ersucht, fol- gende K a p i t a l q u e l l e n für den Wohnungsbau flüssig zu machen: Au» der Baustoffproduktion. ») Erfassung der Abbruchswerte, die einen Friedensbau- wert von 10 000 M. überschreiten, b) Erfassung der Gold markwerte des nicht staallichen Nutzhclzeinschlages der Wälder, c) Erfassung der Goldmarkwerte neu zu erschließender Rohstoff- selber für L a u st 0 f f e aller Art, 6) Erfassung des Mehrwertes, der der b a u st 0 f f e r z e u g e n- den Industrie durch Steigerung der Produktion über den Um- fatz vom 1. Juli 1921 hinaus erwächst, «) Erfassung des Mehrwertes, der der baustofferzeugenden In- dustrie durch freiwillige oder zwangsmähig« Rationalisie- rung der Betriebe entsteht. k) Erfassung der Balutadifferenz bei der Ein- und Aus- fuhr von Baustoffen, g) Erfassung des Mehrwertes, der der baustofferzeugenden In- dustrie durch Anwendung von Patenten entsteht, die von Er- findern durch Ablösung ihrer Erfinderrechte erworben sind. Reben diesen Kapitalquellen, die die Geldentwertung nicht nach sich ziehen, hatte der Verfasser noch andere Kapitalquellen vorgeschlagen, die der Unterausschuß der Wohnungskommission des Reichstages der Reichsregierung gleichfalls zur Förderung des Wohnungsbaues dringend empfohlen hat. Au» der Grund- und Gebäudewirtschaft. a) Schärfere Erfassung des Ertrages aus der Grund- und Gebäudesteuer bei denjenigen'Städten und Gemeinden, deren Steuersätze unter dem Reichsdurchschnitt liegen, b) schärfere Erfassung der gewerblichen Mieträume aller Art, c) schärfere Erfassung der Mietwerte derjenigen Wohnungen, deren Friedensmietwert 2000 M. überschreitet, 6) schärfer« Erfassung der Mietwerte unterbelegter Großwohnungen. Aus der privaten Kapitalwirtschaft. a) Verwertung des in den Depositenkassen der Bau- ken liegenden Prioatkapitals für gering verzinsliche Hypotheken, b) Steuer- und Abgabebefreiung für dasjenige Privatkapital, das dem Wohnungsbau langfristige, zinslose Hypotheken zur Verfügung stellen will. In Rübezahls Reich. Von I. Kliche. Die Fremdenorte de, Riesengebirge» haben Nachsaison; für die Hotelbesitzer und Pensionsinhaber eine recht gesegnete. Dem guten Sommer folgte ein dankbarer Herbst. Stärker als in den beiden Vorjahren war der Zustrom der Sommerfrischler und Touristen. Und wer an den sonnigen Nachmittagen die Promenadenwege Ober- schreiberhau» entlang streift, dem bietet sich ein farbenfrohes Bild au» dem Sonnendasein der alten wie der neuen Reichen. Die Natur im Riesengebirge ist herrlich. Trotz des trockenen Sommer» grün« Wälder und Wiesen. Stolz emporstrebend« Fich- ten in den Gründen und Tälern, oben auf dem Kamm zwischen den buschigen Knieholzbeständen bescheiden und sittsam blauer Enzian. Doch der Cenußgier der Lebe weit genügt solches nicht; diese leichwerdienende West will die Großstadtfreuden nicht missen. Dar- um neben dem Schreiberhauer Kurtheater Konzerte, Dielenkunst, Fünf-Uhr-Tees, Tanzabende berühmter Star» und schließlich, als amüsanter Kitzel der in teueren Gesellschaftsroben prunkenden Damen- well, öffentlicher Tanz für die Erstklassigen. Auf den Antündigungs- plakaten steht verschiedentlich zu lesen:»Personen im Touristenanzug und solchen, die in einem dienenden Berhältnis zu den übrigen Gästen stehen, ist der Zutrstt untersagt." Wenig« Minuten hinter den Stätten de» Luxus und der gesell- schaftlichen Oberflächlichkeit liegt ein Ort emsigen Fleißes und harter Arbeit: die I 0 s e p h i n e n h ü t t e. An weißrotglühenden, glutgefüllten Kesseln stehen hier, nur mit Hemd und Hose bekleidet, die Glasbläser. Gesunde Lungen und scharfe Augen erfordert ihre Kunst. Drüben m der Schleiferei schlucken die Kollegen jahrein, jahraus den schädlichen Staub und werden häufig Opfer der Glasmacher- krankheit. Die Hütte gehört, wie so vieles andere, dem großen Herrn des Riesengebirges: Rübezahl heißt er im Märchenbuch, im wirklichen Leben nennt man ihn Reichsgraf von S ch a f f g 0 t f ch, Besitzer eines Areals von etwa SO 000 Hektar Wald- und Wiesenlandes, von Schlössern, Gütern, Fabriten, Hotels und Bauden. Oben, den Kamm entlang, führt die Grenze. Hie Deutscher, > hie T s ch e ch 0 s l 0 w a k el Der Ausgang des Krieges hatte scharfen Wirtschaftsstrest zur Folge. Um die Bauden wird der Kampf ge- führt. Manches deutsche Untertunftshaus ging in tschechischen Besitz. Doch da» Geschäft blüht, und im nächsten Frühjahr werden oben auf dem Kamm zwei neue große Bauden hinzukommen... Mil- lionenprojekte, die sich— so hofft man— trotz aller Not und Bahn- Verteuerung glänzend verzinsen werden. An einem milden Nachmittag schlenderte ich durch Mittel- Schreiberhau nach den Siebenhäusern hinüber. Hier grüßt aus hohen Fichten und alten Linden da» nun verwaiste Haus Carl H a u p t m a n n.z. Vor dreißig Jahren zogen die beiden Brüder nach den ersten Berliner Erfolgen hierher, ließen das alte Bauern- Aus diesen Kapitalquellen lassen sich jährlich gut 5 und mehr Milliarden Mark für den Wohnungsbau flüssig machen. Die Reichsregierung hat die Pflicht, hier mit starker Hand zuzufassen und die Renten-, Lohn- und Gehaltsemp- fänger haben sich geschloffen hinter die Forderungen des All- gemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes zu stellen und dafür einzutreten, daß die Gemeinwirtschaft im Wohnungsbau kein Lippenbekenntnis bleibt, sondern eine Tatsache wird. Nicht „Hoch-Kapitalismus", sondern hoch„Gemeinwirtschast" muß die zukünftige Parole für jede Gewerkschafts-, jede Mieter-, jede Siedler-, jede Kleingärtner- und jede Wahloersammlung werden. Kohrs Verzicht. Tie Wahrheit über Ehrhardt— Bauer. München, 19. September.(Eigener Drahtbericht des»Bor- wärts".) Herr v. Kohr hat die Wiederaufnahme seiner Tätigkeit als Ministerpräsident auf dem Boden der Stellungnahme des Land- tagsausschuffes zur Frage des Ausnahmezustandes abgelehnt. Dieser Verzicht Kahrs kann deshalb als Sieg des bayerischen Fort- schritts und der Reichseinheit gebucht werden. Unter zielbewußter Mäßigung hat die Leitung der bayerischen Sozialdemokratie es oerstanden, die gesunden Kräfte in der Bayerischen Bolkspartei in ihrer Abkehr von Kahr zu stärken und die von den Deutschnationalen angefaulten zu sondieren. Heute morgen noch, kurz vor der Entscheidung, riß die„Münche- ner Post" die heuchlerische Maskierung, mit welcher der bayerische Staatssekretär das System Kahr-Poehner gegen Berlin bedecken wollte, herunter. Sie schreibt: »Wir haben guten Grund anzunehmen, daß die Ableugnungen des Staatssekretärs nicht in allen Punkten der Wahrheit entsprechen. Der Staatssekretär hat in gutem Glauben wiedergegeben, was Herr Poehner von seinen Beziehungen zu den Kapp. Offizieren mitzuteilen für gut fand. Eine nähere Untersuchung würde den geistigen Vorbehalt aufdecken, der Herrn Poehner gestat- tete, seinen sträflichen Verkehr mit dem Kapitän Ehrhardt in Ab- rede zu stellen, weil der Kapitän sieben Monate nach dem Hastbefehl, dem Polizeipräsidenten zuliebe, anders hieß als zuvor." Weiter schreibt unser Parteiblatt: „War es dem Herrn Staatskommiffar unbekannt, daß Oberst Bauer öfter in einer Münchencr Pension gewohnt hat? War es dem Herrn Staatskommissar unbekannt, daß Oberst Bauer wieder- holt in einer anderen Penston einen Gesinnungsfreund besucht hat, der sich seines freundschaftlichen Verkehrs mit Poehner und Ludendorff vor Zeugen gerühmt hat? Ist es un» wahr, daß Oberst Bauer diesen Herrn am Samstag, den 10. September, zum letzten Male besuchte? Will Herr Poehner auf Diensteid erklären, daß er durch diesen Herrn von der Anwesenheit des Obersten Bauer in München nie Kenntnis erlangt hat? Wir ersuchen auch Herrn Roth, seine lakonische Erklärung zu ergänzen und präzise festzustellen, ob er niemals von dem Aufenthalt steckbrieflich verfolgter Herren in Bayern während seiner Lmtsdauer etwas er- fahren hat?" Die gegnerische Presse, vor allem die Leitung der Ehristlichen Gewerkschaften, bemüht sich fortgesetzt, das Verhalten der bayeri- schen Sozialdemokratie, vor allem die Ankündigung des äußersten Widerstandes gegen eine Rückkehr des Systems Kohr, als„Drohung mit der Straße" und dem Terror darzustellen. So wird unser Kampf um Verwirklichung eines wahren demokratischen Staats- wesens zum terroristischen Akt verzerrt. Die bayerische Sozlaldemo- kratie sinnt nicht auf Gewalt um jeden Preis. Wenn sie einer fort- gesetzten Vergewaltigung des demokratischen Prinzips das Mittel des Generalstreiks entgegensetzt, so ist das ein Akt der Notwehr gegen unbemokratifches Streben, zur Beseitigung eines reichsfeindlichen und landesverräterifchen Systems. Wird Reichstag und Republik mit unlauteren Mitteln bedroht, so wird sie imstande sein, diese Drohung mit denselben Mitteln abzuwehren. Wie sehr es der bayerischen Sozialdemokratie gelungen ist, die einmütige und vorbehaltlose Wiederberufung Kohrs zu verhindern, beweist die Stellungnahme des bekannten bayerischen Bauernführers Dr. H e l m. Er sprach auf einer Bauernoersammlung in Tunten- Hausen mit viel Temperament und mit seinen bekannten Ausfällen gegen Berlin und die Weimarer Verfassung; aber er stellte die Haus mit einem neuen Obergeschoß versehen, und hausten hier ein- trächtig, bis Bruder Gerhart, mammonbeschwert, sich auf dem Wiesenstein im benachbarten Agnetendorf ein neues Heim errichten ließ. Im Gegensatz zu ihm blieb der Sucher und Grübler Carl sein Leben lang ein bescheidener, mit Glücksgütern wenig gesegneter Mann. Und als er im letzten Vorfrühling starb, hinterließ er seiner jungen Witwe und seinem elfjährigen Töchtercheu nicht mehr als das nun zum Verkauf stehende Besitztum in Schreiberhau. Nur Zwei Zimmer sind heute noch dem Gedenken des Verstorbenen ge- widmet, die übrigen Räume bewohnt bereits mietweise eine zah- lungsfähige Berliner Familie. Drunten auf dem füllen Friedhof in Nieder-Schreiberhau ruht der tote Dichter von den Sorgen und Enttäuschungen seines Lebens aus. Freunde sammeln öffentlich das Geld zu einem würdigen Denkmal. Die Zugend-Bolksbühne eröffnete am Sonnabend nachmittag ihre neue Spielzeit glücklich und vielversprechend mit Raimunds „Bauer als Millionär" in der Volksbühne. Seit Jahresfrist hat diese fruchtbare Ergänzung und Vollendung der Doltsbühnenidee sich ohne viel Aufheben praktisch eingeführt und bewährt. Die Ar- beiterkinder brauchen sich nun nicht länger mehr mit den Zweifel- haften Iugendvorstellungen der Geschäftstheater abspeisen zu lassen, die z. T. minderwertige Bearbeitungen der Märchenstoffe in unzu- länglichen Aufführungen bieten. Getreu der Volksbühnentradition wird edles, für unsere Jugend sorgsam ausgewähltes Gut in bester Form geboten. Die Jugend braucht sich nicht länger durch Kitsch und für sie eigens präparierten Schund den Geschmack und mehr verderben zu lassen. Die Volksbühnenarbeit fetzt an der Wu/zel ein und vermittelt der empfänglichsten, dankbarsten und reinsten Zuschauerschaft seelische und künstlerische Eindrücke, die für ihr ganzes päteres Leben bedeutungsvoll sind. Raimund ist das denkbar beste Programm für die Jugend. Er ist der Jugenddramatiker, weil er selbst jung geblieben ist im Herzen und im Schauen. Sein hoher sittlicher Ernst, sein sieghafter Glaube an das Gute im Menschen ist eingekleidet in die sinnfällige und ein» drucksvoll« Form des Zaubermärchen». Der jugenAiche Mensch erlebt diese West mit einer Hingabe, die uns Aelteren leider meist abhanden gekommen ist. Die Aufführung der Volksbühne gab eine schöne Probe davon. Da herrschte idealste Theaterfreude, Ausstattung und Märchenzauber, da war ein so inniges Miterleben der Schick- sale, daß die Darsteller selber davon mitgerissen wurden. Vor solch einem Publikum zu spielen mutz höchste Genugtuung, gewähren. Scherz und Ernst bewegten gleich stark die innerlich gespannten und glühend erregten Scharen. Unvergeßlich prägte sich den jungen Seelen dies wundersame Abbild eines geläuterten Lebens ein, und die Verkörperungen aller bölcn und guten Geister des Menschen waren der phantasieoollen Jugend so wirklich und lebendig wie die Menschentypen. Dank der Volksbühne, die ihre besten Regie- und Darsteller- leistungen— sie find unseren erwachsenen Lesern bereits bekannt— an dos schön gelungene Werk setzte! Forderung„zurück zu Kahr" keineswegs auf. Er rechnete scharf tnft denen ab, die rechts von der Bayerischen. Volkspartei stehen, und sagte:„Bon dieser Seite lassen wir uns die Verhältnisse in Bayern nicht versuuen. Wir brauchen eine Polittk der Geduld und nicht eine Politik des Krakeels." Was wird nun werden? Kahr ist ausgeschaltet. Die wütende ,Zurück-zu-Kahr-Propaganda" in Stadt und Land ist gescheitert. Die a l t e K 0 a l i t i 0 n ist schwer erschüttert. In der D e m 0- k r a t i s ch e n P a r t e i ist die Anti-Kahr-Sttömung durch die letzten Bockbeinigkeiten des ExMinisterpräsidenten so stark geworden, daß eine Zustimmung der bayerischen Demokraten zu einer Wieder- berufung Kohrs nicht zu erhoffen war. Der Gegensatz zwischm der Bayerischen Bolkspartei und den Demokraten fand feine äußerliche Bestätigung durch die Kontroverse zwischen Dr. Helm und dem Handelsminister'Hamm, die Heim auf der erweiterten Bersamm- lung mitteilte. Der eigentliche Urheber der Ministerkrise sei Hamm gewesen, da er im Ministerrat erklärt habe, unter Aufhebung des Belagerungszustandes verstünde er eine Aufhebung in einer Frist von 8 bis 10 Tagen. Auf der anderen Seite ist die bayerische Mittelpartei schwer oerschnupft, weil die Bayerische Volks- partei— trotz der Schimpfereien des Minffters Oswald— an ihren Ausschußbeschlüssen gegen eine Wiederkehr Kohrs festhäll. Ihr Wiedereintritt in die Koalition tfcäre nur durch die Erhaltung des alten Regimes zu erkaufen gewesen. Da haben die bayerischen Zentrumsleute, wie aus Stimmen der Bayerischen Volkspartei mit aller Einheitlichkeit zu entnehmen war, folgendes jesuitische Aushilfs- stückchen gefunden: Kahr wird Staatspräsident, falls dieser Posten jemals bewilligt werden sollte, und Ministerpräsident wird ein Beamter. Der ehemalige Staatsrat Schmelz le, der seit Jahr und Tag dem Ministerpräsidenten Kahr die öffentlichen Reden verfertigt, hätte den Vorzug gehabt, selbst eine Ministerrede machen zu können.. Es würde aber von ihm abgesehen, da er Kahr z u nahe stand. Heute abend wird' als voraussichtlicher Nachfolger Kahrs mit aller Bestimmtheit der Staatssekretär im Reichspvst- Ministerium v. Spin gl genannt. An einen Eintritt der Sozialdemokratie in die Regierung denkt im Augenblick n i e m a n d. Selbst die Demokraten hoben dies als unwahrscheinlich bezeichnet. Trotz alledem ist die Arbeit unserer Genossen, die Steine, welche sich zwischen eine Verständigung von Reich und Bayern gelegt haben, hinwegzuräumen, nicht umsonst gewesen und wird nicht umsonst bleiben, ob sich die Sozialdemokratie innerhalb oder außerhalb der Regierung befindet. Warum Kahr nicht mehr wM. Müuchen, 19. September.(WTB.) Die Korrespondenz Hoff- mann meldet: Ministerpräsident Dr. von Kahr hat an den Landes- ausschuß der Bayerischen Volkspartet aus Berchtesgaden unter dem 18. d. M. folgendes Schreiben gelangen lassen: Die Bayerische Volksparbei hat mich heute gebeten, mich neuerdings für die bevorstehende Kabinettsbildung als Mi- nisterpräsident dem Landtag z u r Wa h l z u st e l l e n. Für diesen Ausdruck des Vertrauens danke ich bestens. Unverbrüchlich halt« ich an den Grundsätzen der-Bayerischen Bolkspartei fest. Als neu gewählter Ministerpräsident wäre ich aber in der Z w a n g sl a g e, mich nun auf den Boden des Beschlusses des ständigen Landtags- ausfchusses vom 11. d. M„ der mich zum Rütkiritt bestimmt hat, zu stellen. Ich könnte dies aber auch heute mit meiner grundjäh- lichen Auffassung über das Verhältnis des Reiches zu den Einzet- staaten nichi vereinbaren. Aus diesem Grunde sehe ich mich leider n i ch t in der Lage, das vertrauensvolle Anerbieten der Bayerisch«, Bolkspartei anzunehmen.■;~ Mit diesem Telegramm bestätigt Kahp.neuerdintzs, daß«r.o h np Belagerüngszustand n-i ch t regieren kann. M'i't dem B�lagerunzs-. zustand kann' nach'dem bekannten Worte Cavours jeder E s e t f1' regieren. Was danach ein Matm ist, der nur mit Belagerungs- zustand regieren kann, sich für ein Selbstzeugnis ausstellt, mag der Leser kombinieren. Dr. Heim über die politische Lage.. Der Reichstagsabgeordnete Dr. Heim hat gestern in«in«? Ber- sammlung des Christlichen Bauernvereins in Tuntenhausen über die politisch« Lage gesprochen, und dabei erklärt, wenn es zu einem Generalstreik kommen sollte, so würden die Bauern den Generalstveik auf der ganzen Linie mitmachen. Gegen den Reichskanzler, nahm Dr. Heim stark Stellung und erklärte, noch niemals habe sich ein Erste internationale Tagung für Sexualreform. In der Montag- sitzung spricht Dr. Fried! aen der über die biologischen Grunde lagen der weiblichen Geschlechtsempfindung und erklärt es für eine irrige Anschauung, dem Weibe ein geringeres Trieblebcn zuzusprechen als dem Manne. Jede Sexualreforni müsse diese Tatsache In Rech- nung stellen, besonders durch eine Erleichterung der Ehescheidung. Dr. H i l l e r fordert die Aufhebung gesetzlicher Strafandrohungen für die Betätigung sexueller Minderheiten, soweit durch diese kein drittes Interesse verletzt werde. Eine ausführliche Diskussion setzt über die staatliche Regelung der Prostitution ein, bei der der zugelassene Vertreter der Hamburger Organisation der Kontrollmädchen die Kasernierung der Prostituierten beibehalten sehen will, solange die kapitalistische Ge- sellschaftsform bestünde. Bon den abolitienistischen Organisationen, insbesondere von Frau Senator K i r ch h 0 f f- Bremen, wurde ihm scharf entgegengetreten. Zwei Anträge werden einer besonderen Kommission überwiesen. Prof. von E h r e n f e l d- Prag gibt in einer Reihe von Leitsätzen die Grundlinien einer Verbesserung der geltenden gesetzlichen und sozialen Sexualordnung. Diese werden gleichfalls einer Kommission überwiesen. Sie brechen prinzipiell mit der Auffassung, daß es Sache des Staates sei, sexuelle Handlungen zu verbieten, bei denen Vergewaltigung oder öffentliches Aergernis nicht gegeben fei. Die Ehescheidung durch Willenserklärung soll möglich sein. Dr. Schweitzer baut die Reform der Ehescheidung aus: sie soll auf das Verlangen eines Teiles eintreten; die Verträge i über den Unterhalt der Kinder sollen freigegeben werden. Dem Staat bleibt das Recht, das Verfahren auszusetzen, um eine lieber- legungsfrist der Parteien herbeizuführen und den Unterhalt der Nachkommen zu sichern. Ein neues alkmqrkisches Heimatmuseum. Ein eigenes Heimat- mufeum hat jetzt Frankfurt a. d. O. erhalten. Wie Konrad Strauß im„Kunstwanderer" berichtet, birgt es eine Anzahl schöner Werke altmärkischer Kunst. Das Haus selbst ist ein prächtiger Bau aus dem Ende d-s 18. Jahrhunderts, besitzt in seinen Hau»- und Stubentüren wahre Meisterstücke aller Tischlerkunst, und die alten Kachelöfen sind Zeugnisse des ehemals hochentwickelten Frankfurter Handwerkes. Man findet ein„Biedermeierzimmer", ein„Rokoko- zimmer", ein„Münzzimmer", ein„Frankfurter Dichtsrzimmer" mit Erinnerungen an Ernst von Wildenbruch, Ewald und Heinrich von Kleist. Ein reiches Material ist im„Jnnungszimmer" verewigt. Der stimmungsvollste Raum ist das Kirchenzimmer. V. Kirchenkonzerte. Im Dom veranltallet Prolesior Walter F i I ch e r am nächsten Donnerstag, 8 Uhr, ein Orgelkonzert, bei welchem Else Wachs, nann-Magen(Alt, und Karl Baumgartner(Laß) mit« wirken. Der Eintritt ist frei gegen Entnahm» eines Programm».— Die nächste Abcndmusik tn der Kaiser-Wilhelm-GedächtniSkirche veranstaltet Fritz Heitmann am Donnerstag, den 22., 8 Uhr mit Werken von Bach und Reger. Mitwirlende: Mari« Lydia Günther-ltiee- mann(Sopran) und HanS Basserman»(Biolili«). Deutsche Gesellschaft für ethische Kultur. Die regelmäßigen Bor«' ttäge beginnen am 2». September. Ay diesem Wend wird Dr. Max Apel im Bürgersaal des Berliner Rathauses um 7'/, Uhr über»Goethe» Faust und uusereZeit' sprechen. !tr. 445 ♦ 3S. Mrgaüg 1. Seilage öes vorwärts Vkenstag. SS. Ss�tember.IHS? Parteitag unö Koalitionsproblem. Erster Sitzungskag. (Eigen?? Drahtbericht des„Dorwärks'.) ■j>i tf- Görlitz, den 19. September 1921. Franz Krüger berichtet weiter über die Tätigkeit des Parteivorstandes: Die USPD. l)at unsere Stellung zur Koalition mit bürgerlichen Parteien als„Verrat" bezeichnet, aber ihre eigene Haltung ähnelt jetzt ocrzmeiselt diesem„Verrat". Ihr« Gründe für die Unterstützung des Kabinett» Wirth sind unser« beste Rechtfertigung. Solange die Deniokratie gefährdet ist, fordern die Unabhängigen unseren Wieder- eintritt in die Regierung. Sobald die Bedrohung vorbei ist, sollen wir aber wieder abtreten. Ein solches Murmelspiel kann sich die größte politische Partei, di« ernst genommen werden will, nicht, leisten.(Sehr wahrl) Den Unabhängigen fehlt der Mut. die selbsterkannte Wahrheit 1 zu vertreten. Als größte Fraktion Her Stadtverwaltung Berlin lehnt di« USP. dem eigenen Magistrat den Etat ab. Die Unabhängigen müssen, wenn die Einigung kommen soll, die Kindereien lassen und mit uns ernste politische Arbeit leisten.(Sehr wahr!) Wenn Erispien dieser Tage hier in Görlitz gesagt hat, die Arbeiter würden schon einig sein, wenn sie zur Macht kämen, so antworten wir: Wenn wir erst die Macht haben, dann brauchen wir Arthur Erispien nicht mehr. (Heiterkeit und Sehr richtig!) Wir können nicht dulden, daß einzelne Personen der Einigung im Weg« stehen, weil sie von dem selbstge- schaffenen Piedestal sonst herabsteigen sollen. Wenn e i n A u s r u f d'e r U S P. sagt, was die Einigung der Arbeiterschaft vermöge, Hab« der Kapp-Putsch gezeigt, so müssen wir daran erinnern, daß die Kommunisten damals jede DeteUi» gung am Kampf abgelehnt haben und die Unabhängigen erst zur Einigung durch die Gewerkschaften gezwungen werden mußten. Solange die Einigkeit nicht erreicht ist, wird di; Einheitsfront durch gelegentliches Zusammengehen sichergestellt werden müssen. Ein solches Zusammengehe« ist aber nur möglich bei gemeinsamen Anschauungen. Wenn man In Ehemmtz und Frankfurk«. M. der KPD. gegen Gewalttaten von recht« demonstriert, so demonstriert man nächstens vielleicht mit den Deutsthnalionalen gegen di« Putschpolitik der Kommunisten. Di» Kommunisten haben sich als wenig ange- ««hme Bundesgenossen gezeigt. Bei der Abschneidung der Dassen- zufuhr fvr Bolen«u» der N-publtk haben die Kommunisten mit un» und d«» USP.«inen Xufrus vereinbart, and am nSchswn Tage w«rde dieser Aufruf tu der„Roten Fahne" unter wüsten Beschimpfungen heruntergerissen.(Hört, hört!) Politische Satankenlssigketk ist«•«ich, rt«m wnm Parole der Kommunisten imbeselien hinnimmt und statt: Ri« wieder imperia» listischer Krieg, damit die Sowstt» ruhig welterkämpfen können. Oder wenn man die Freilassung aller politischen Gefangenen fordert. Kann man die politischen Gefangenen von rechts festsetzen, während man denen»on klnk» eiuen Friebrief gibt? Soll man die Mörder von Erzberger»der Mar Hblz freilassen? Da» U n g l ü«k der Ehemnitzer ist. daß man Ihnen und ihren Fellisch eingeredet hat, sie seien eine « I g en e R I ch t u n g. In Frankfurt a. M. dernonstriert« man mit den Freunden Pelo Kuns zusammen auf dem Katholikentag. Wenn es wahr ist, daß man dort sogar mit der KAPD. zusammengegangen ist(Widerspruch der Frankfurter Delegierten), so bringt uns das um jeden polltischen Kredit. Es ist gelinde gesagt elne politische Geschmacklosigkeit, wenn Orlwnisationen unserer Partei dazu sich gebrauchen lassen, kommu- nijtische Dreckblätter, die in maßlosen Beschlmvsungen geg«n uns pehetzt haben, vor dem Verbot zu schützen. Eine so schwammige Politik, die nicht weiß, was sie will, kann nur dem Gegner links von »ins an einer Bedeutung verhelfen, di« er nicht hat. Ein Zusammengehen mit der Deutschen Dolksvartei wurde ein- wütig abgelehnt. Die B«d i n g u n ge n, d i e i n K a s s e l aufgestellt wurden, waren Bedingamaen für einen etwaigen Wiedereintritt in U« Regierung. Bei den. Wahlen hatte di« Oppostton gesiegt und wir haben Interesse daran, den Oppositionsparteien Gelegenheit zu geben, in die Praxis umzusetzen, was st: dem Dalle vorgeredet haben. Wenn der Kasseler Beschluß, In dem keine Partei genannt war, in der praktischen Politik dazu geführt hat, daß wir eine Koalition mit der Deutschen Volksportei ablchnten, so »ichk.«eil wir grundsätzllch da? Deutschen Volk-parlei ablehnend gegenüberstehen, sondern weil die praktische Politik der Pqrtei nach unserer Meinung unvereinbar war mit den Grundsätzen, die wir für einen Teilnehmer an der Reichsregierung stellen mußten. Aber schon sehr bald nach dem Parteitag trat an den Parteivorstand die Frage heran, ob seine Grundsätze auch Anwendung zu finden hätten auf die Regierungs- bildirnq in den Ländern. Zunächst war p» die Reglerungsbildung kn Lipp«. Ohne uns wäre es in Lippe zur Bildung eines bürgerlichen Blocks g«> kommen. Wir höttm d«n schlimmsten Reaktionären das Heft in die Hand gegeben. Daher wer die Hiltung unserer Parteigenosten richtig. Der zweite Fell Setriff» Mecklenburg. DI« bürgerlichen Parteien hätten dort sehr gern gesehen, wenn st» eine Regierung nur unter sich hätten bilden können. Aber es wäre«in Verbrechen an der Mecklenburger Arbeiterschaft gewesen, wenn wir den maßgebenden Einfluß, den wir in Mecklenburg mit seiner wenig entwickelten Industrie errungen hatten, preisgegeben hätten. Fast gleichzeitig wurde di« Regierungsbildung tn Preußen brennend. Der Ausgang der preußischen Landtagswahlen hatte den bisherigen Recierungeparteien Recht gegeben, und es war«ine arbeitsfähige Mehrheit auch im neuen Landtag vorhanden. Aber nun kamen die bürgerlichen Parteien und forderte» die Homogeuität mit dem Reiche. Sie wissen, daß wir bereit waren, in Preußen die alke Koalition fortzusetzen, ober keine Koalition mit der Deutschen Dolkspartei zu bilden. Wir haben diesen Standpunkt«rtreirn, weil nach unserer Meinung die neue preußische Regierung di« Pflicht hatte, die Demo» kratislerung der Verwaltung fortzusetzen und entscheidenden Einfluß zu gewinnen auf die D e r w a l t u n g s r e s o r m. Räch der Art, wie die Deutsche Volksportei den Wahlkampf geführt hatte und ihr Programm vertreten hatte, konnte diese Aufgabe mit ihr nicht durchgeführt werden. Wir haben Ihr vier Fragen vorgelegt, die ste einsack für undiskutobel erklärt hat. Daß man unter allen Umständen in der Regierung bleiben müsse, gleichviel welche» Programm sie hat, wird kein Parteigenosse behaupten. Eo konnten wir im Mai nicht anders entscheiden, als Parteivorstand und Landtagsfraktion entschieden haben. Gewiß kann die Deteilioung an der Regierung eine wichtig« Machtposition sein. Aber nicht jede Beteiligung an jeder Koalition muß eine Machtposition sein. (Sehr wahr!) Don einer Regierung mit bürgerlicher Mehrheit und gar noch mit der Deutschen Lolkspartei mußlen wir vorher Garantie» haben, sonst hätte« wir lediglich die Verantwortung gehabt für das, was «lldeve tm ohve jede Möglichkeit au twrchzujeöcn. Ab«r die Frage der Beseitigung an der preußischen Regierung ist damit nicht endgültig erledigt, sie ist heute aktueller als je. Der Gegensag zwischen dem Reich und Bayern, dcm von Preußen unterstützten Bayern, zeigt uns, daß wir mit aller Kraft versuchen müssen, die bürgerlichen Parteien zu z w i n- gen, mit uns zu regieren unter den Voraussetzungen, die die Partei annehmen kann. Unsere Errungenschaft ist die Repubsik. Unsere Errungenschaft ist das demokratische S e l b st b e» st i m m u n g s r e ch t des deutschen Volkes. Die Sozialdemokratie kann nicht heute die Berteidigung unserer Errungenschaften aus der Hand geben. Wir können heute die Macht allein nicht ausüben, wir können nicht auf Weltrevolution und Diktatur warten, um in der Zwischenzeit den Schutz der Republik ihren Gegnern und schärf» sten Feinden zu überlassen. Wir müssen alles daran setzen, auf die Regierungen in Deutschland maßgebenden, fühlbaren Einfluß zu gewinnen. Gewiß, auch der Kapp-Putsch zeigte, daß die Arbeiterklasse sich die Republik nicht rauben lasse. Die Arbeiter- schast ist die einzige zuverlässige Stütze der Republik, und sie wird für sie nicht nur mit Fahnen und Schildern demonstrieren, sondern sie im Rotfalle mit Blut und Leben verteidigen. Aber wir müssen für die Republik noch die Arbeiter, Angestellten und Beamten in den bürgerlichen Parteien gewinnen. Wir müssen alle die zusammenfassen, die bereit sind, ehrlich für die Republik einzutreten. Wenn wir die gesamte bürgerlich« Welt zusainmenlreiben, dann ist der Schuß der Republik nur noch möglich im Wege des Bürgerkrieges. Wir find bereit,«» künftigen Koalitionsregierungen teilzunehmen und knüpfe« diese Vereitschoft an keine be- stimmte Partei. Wir können weder sagen: mit denen und denen unter allen Umständen, aber auch nicht unter keinen Umständen. Es kommt un» nicht auf de« Rame»»». sondern darauf,«ilche Politik die Regierung treiben wird. Die Parteien sind in de« verichitdenen Ländern sozial ganz verschieden zusammengesetzt. Seit zwei Jahren ist das deutsche Partei» «esen in ständiger Entwicklung, die noch nicht abgeschlossen ist. Im Zentrum hat das ArbeiterelemerZ schon wieder wesentlich an Einfluß»erioren. Die Demokraten sind auf dem besten W-ge, die alte, verknöcherte Fortschrittspartei z»«erden, tt• z i a• lisiering«nd Besitz st ener kann man am Ende mit Sitefemann besser beraten ab mft Oolhew, b* dm-gfew»erhoupt nicht z» sproche» ist. Bor allen Vinssen ftflß die Demokraten eine bedeutungslose Partei geworden. In de? Deutschen Bolkspartei sind verschiedene Sirä- mnngen. Ein Teil sucht Anschluß an die Deutschnationalen, ein anderer Teil will gemeinschaftlich mit der Sozialdemokratie den Bürgerkrieg»ermeiden und Deutschland wieder aufbauen. Ein« Mehrheit im Parlament hat noch keine arbeitsfähige und produktive Regierung. Es müssen möglichst alle produktiv tätigen Kräfte hinter ihr stehen. Deshalb müsse« wir ein Programm aufstellen, mit welcher wir uns koalieren tonnen. In diesem Mindest Programm müssen wir alles ausscheiden, was wir bei den bürgerlichen Parteien nicht durchsetzen können. Sozialistische Politik läßt sich in einer solchen Koalition nicht treiben, wohl aber können wir die Republik sicherstellen. Die bisherigen Erklärungen der Deutsche« Polkspavtei in dieser Beziehung sind ungenügend. Sie muß sich nicht nur bereit erklären, Republik ,und republi- konische Verfassung zu schützen, sie muß auch die monarchistische Propaganda im Lande einstellen, die gewaltsame Uebergrisfe erzeugt und allen Desperados Vorschub leistet. Die zweite Bedin- gung ist der Will« zur Erfüllung des Friedensver- träges und des Ultimatum». Wer die Republik schützen will, muß sich gegen dos landesoerröterische Treiben der gewissenlosen Re- Visionsspekulanten wenden, welche das deutsche Volk um Hunderte von Millionen schädigen. Er darf nicht versuchen, durch eine möglichst zweifelhaste Kreditgewährung an da» Reich die not- wendige Besteuerung der Goldwerte verhindern zu wollen. Voraussetzung für die RegierungsteUnahme muß die Einigung über ein Sleuerprogramm fein, das Besitz und große Einkommen in vollem Umfange und er- trogreich belastet. Di« Regierung muß bereit sein, die Derwaltung, Polizei und die Reichswehr zu republikanisieren. Wer mit un� in die Regierung gehen will, muß dieses Programm annehmen. ohne de» Wichaelis-VorbehgU „wle Ich es«uffosse". Wir fordern nicht mehr als, was jede Re» gierung für Deutschland leisten muß. Welche Partei uns di« not- wendigen Garantien für die Durchführung dieses Programms gibt, das werden wir in jedem einzelnen Falle zu prüfen haben. Di« Frage der Rcgierungsbilduna ist die wichtigste Frage für die Zukunft de» deutschen Volke». Die Stellung unserer Part«! im Volke beruht nicht auf Schlagworten. sondern das Interesse des Pro» letariat» muß uns dabei leiten. Wir wollen an der Regierung teilnehmen, aber nicht unter allen Umständen, nicht um jeden Preis, n i ch t als Anhängsel einer Regierung, die vo» rechtsbürgerlichen Gesichtspunkte» geleitet«ird, sondern nur in ein» Rogierung, die an?» RUndoftpragremm dnrchführt. Die Massen erwarten van uns unverrückbare Verfolgung unserer Endziele, aber auch unausgesetzt praktische Arbeit für ihr« Verwirk- Uchung. Das Vertrauen der Massen gilt nicht unserem Programm als einem Stück Papier, sondern es will die Durchsetzung unserer Gedanken. Wir brauchen klare Erkenntnis der Mög- lichkeit in der Frage der Regierungsbildung und der Pstichten, welche die Größe der Partei uns auferlegt. Je mehr der Puteitag diese Erkenntnis braucht, um so mehr werden wir sein, was wir sein müssen: die Partei de» deutschen Solle». CLebh. Beifall.) Den Kassenbericht erstattet Bartels. Cr verweist auf die aus- führlichen Angaben des aedruckt vorliegenden und auch in der Presse schon wiedcrgegebenen Bericht« und hebt mit Genugtuung hervor, daß das Vertrauen der Arbeiter sich allen Widerwärtig» leiten zum Trotz in steigendem Maße wieder der Saziakbemokestie zuwendet. Die Zunahme dbr Mitglieder um Z,< Proz. mag rein äußerlich ge- nommn gering erscheinen: aber man muß, wenn man sie richtig bewerten will, die ungeheure Teuerung, die Arbeitslosiakeit, die Schwierigkeiten in den besetzten Gebieten und auch die Förderung des Indifferentismus durch die Spaltung der Arbeiterbewegung in Betracht ziehen. Bartels erwähnt lobend die starke Zunahme in Mecklenburg, Lübeck. Chemniß, Fuikckau. Görlitz, Breslau. Schlcswig-Holflei» und Süd-Weslfalen. Dieser günstigen Entwicklung bei den männlichen Mitgliedern steht leider ein Rückgang bei den weiblichen Mitgliedern gegenüber. Zwar weisen 18 Bezirke eine mäßige Zunahme auf, aber in 14 Be» zirken find die Beriuste zum Teil recht erheblich. Ostpreußen verlor fast die Halft« der weiblichen Mitglieder und auch in Magdad»»»»G Vo»««r» W das Rückgang(tat. V« den beide« letzte» Iahren hebe« etwa Hss Stzss weibliche Mitglieder der Organisation den Rücken gekehrt. Das ist sehr schinerzlich und muß anders werden. Erfreulich ist die Entwicklung bei der Arbeiterjugend. Otto Braun ist nach seinem Austritt aus der preußischen Re» -gierung wieder in den P a r t e i v o r st a n d gewählt worden. Die hohen Zuschüsse bei der„Reuen Z e i t" und der„Kam- munalen Praxis" könnten durch regere Agitation leicht ver- mindert werden. Die P a r t e i p r e f f e hat sich leidlich entwickelt, allerding» stehen wir hier vor schweren wirkschasllichen Röten. Die Leserzahl hat keine wesentliche Steigerung erfahren, sie beträgt rund 1,3 Millionen. Aus den Ueberfchüffen der Parteigefchäfte sind der Porteikasse etwa SO» 000 M. zugeflossen. Eine Anzahl Partei- gefchäfte kommen ihren Verpflichtungen durchaus nicht nach. Die E i n k a u f s z e n t r a l e hat sich gut entwickelt. Die Erwerbung einer eigenen Papierfabrik dürste die finanzielle Leistungskraft der Partei übersteigen, wenn uns nicht ein günstiger Zufall zu Hilfe kommt. Die Schaffung einer Pensionskasse wird vorbereitet. Die Buchhandlung Vorwärts hat sich gut entwickelt und ihren Umsatz verdreifacht. Sie hat einen Kartellverlrag mit A. H. W. Dietz abgeschlossen und den sozialistischen Verlag Easss.erer übernommen. Die Partei lasse schließt mit einem Fehlbetrag von rund einer Million ab. Die Wahlkämpfe der letzten beiden Jahre haben der Partei insgesamt die für unsere Berhölinisse riesige Summe von iß Millionen gekostet. Aber die Beitrazsabsührung ist um eine Million im Zahre gestiegen «mb das Gesamtbild ist günstig. Ein Beweis für die Stärke und Kraft unserer Organisation. Uns gibt weder Stinnes noch Moskau Geld, wir leben unabhängig nach allen Seiten nur von den kleinen Beiträgen der uns vertrauenden Volksgenossen. Air sind die Partei des werktätigen Volkes und werden es auf dem We,e der Demokratie zu seinem sozialistischen Endziele führen.(Leb- Heister Beifall.) Den Bericht der Kontrollkawmifslo» erstattet Brtzhne.Frankfurt a. St.: Beschwerden ß-qen den Parteworstand sind nicht eingegangen, di« Kasse war in bester Ordnung,«ir be- antraaen Entlassung.(Bravo!) Weitere Begrüßunystelearamme sind eingegangen von Ott« Landsberg aus Brüssel(Beifall),»an den im Abwehrstreit be- findlichen Arbeitern der Grube Erica und von hungernden Arbeitsinvalide» in Insterburß. Damit schließt die Vormittatzssitzun» kurz nach 1 Uhr. Rachmiktclgsfitzung. I» der Nachmittagssitzung erstattet Sirschaer-Blttmia d«, V o- r i cht der Mandat»prüfuniskom»issio». Anwesend sind t7$ Delegierte, 20 Vertreter der Reichstag» sraktivn, 17 Mit- glieder de» Parteioorstonde», all»> Mitglieder der Kontroll- kommissson, 89 Mitglieder des Partei ausschusses und 4 Mitglieder der Programmkommission. Proteste liegen nicht vor, so daß all« 376 Mandate für gültig erklärt werden. Heinrich Schulz spricht über die Stärkung der BildungS'» und Jugendbewegung im letzten Jahre. Die Arbeiter» jugenbbewegung arbeitet jetzt tatkräftig und sachgemäß. Auch mit den Dildungsbestrebungen geht es vorwärts. Der erste sozialdemo- krotische Kulturtag in Dresden war ein Erfolg. Die Sonderorgani- sationen der Lehrer sind berechtigt, wenn in ihnen die Lehrer sich in erster Linie alz Sozialdemokraten fühlen. Denn sie sind nicht da- zu geschaffen, daß mit ihnen die Lehrer ihre besonderen Lehrer. intereflen in der Partei zu vertreten suchen. Die Ratgemeinschast der deutschen Wissenschaft haben wir als Kulturpartei selbswerständ- lich unterstützt. Um den Sozialismus wissenschaftlich zu vertiefen, sollten sich all« Parteigenossen, die wissenschaftlich tätig sind, zu einer wissenschaftlichen Gemeinschaft zusammenschließen. Wenn wir De- motratie und Republik sichern, sichern wir auch die deutsche Kultur. (Beifall.) Markwald-Frankfurt a. M.: Das Verbot deutschnatianaler Blätter läßt sich zur Rat rechtfertigen,«eil sie unter dem Schutz« der Klassenjustiz jede Mardhetze treiben tonnten, aber die Kommu- nisten packt schon der Staatsanwalt, wenn sie sicki strafbar machen. Ein Winkelblättchen zu verbieten, da» bloß darauf lauert, Reklame damit zu machen, ist weder gerecht, noch volitisch klug. Di« Reso, lution des Genossen Krüger ist nur die geschickt in Szene gesetzte Borbeeeitung für die Regierungsbildung mit der DB?. (Sehr wahr!) Ratürlich«ird die DVP. alles unterschreiben und natürlich wird Stinne» zu ihrem linken Flügel gehören: aber die Klassenvertretung der Industrie witzd alle volksfreundlichen Forde- runqen sabotieren, die sie unterschreibt. Zentrum und Demo- kraten können wenigstens auch ander», aber die Bolkspartei muß arbeiterfeindlich sein, sonst entzieht ihr das Kapital di« politische und finanziell« Grundlage. E» ist eine Sünde, die Einig» keit der Arbeiter durch eine Regierung mit der DVP. unnötig zu erschweren. Der Redner begründet dann zwei frankfurter Anträge auf Herbeiführung einer Bolk»abstimmun> über«in« Rotrefvrm der Klassenjustiz und über die Einziehimg de, Hohenzollernvermögens. Wenigstens die direkte Wahl der Schöffen und Geschworenen ist sofort notwendig. Wilbelm II. darf nicht noch mehr Geld nach Holland geschickt«erden.(Beifall.) Eckstein-Breslau: Di« Breslauer Genossen teilen in der Frag« der Regierungsbildung den Frankfurter Standpunkt und lehnen ein Bündnis mit de? monarchistischen Bolkspartei ach. Die Deutsche Volksportei muß draußen im Land« monarchistisch sein, sie würde die Mehrzahl ihrer Anhänger an die Deutsebnationale« verlieren, wenn sie ehrlich republikanisch handelte.(Zuruf: Sa ehrlich wie da» Zentrum!) Das Zentrum kann auch republikanisch handeln, da» sagt der Rom« Erzberger.(Gelächter und Zuruf«, der ist leiher tot!) Wir sollen ja«acht zwischen dem Zentrum und der Deutschen Bolkspartei wählen, sondern zum reaktionären Zentrum noch die reaktionäre Volkspartei hinzunehmen. Man sagt auch, die Unabhängigen hätten nichts gegen diese Koalition, aber die Masse der Arbeiterschaft würde im schlechten Sinne radikalistert und da- durch«ine gedeihliche Politik gehindert. Lassen Sie immer de» Gedanken der Einigung der Massen ausschlaggebend sein!(Beifall.) E'.senbarthHamburg: Die Frage ist die, wie schützen«ir die Republik und die Bersassung? Wir haben gesagt, wenn die Reaktia» wieder ihr Haupt erhebt, dann würden«ir sie so abführen lasse», daß sie dos Wiederkommen für immer veraißt. Es sieht nicht danach aus. Schuld daran ist die unselige Zersplitterung der Arbeiterschaft und unsere Bertrauensseligteit und manchmal geradezu jömmer- liche Schlapvheit.(Sehr gut! und Widerspruch!) Die Kampfansage Hermann Müllers gegen die Deutschnationalen kann nur van den Reichs- und Landesregienmaen verwirklicht«erde». Wird sie«» nicht, dann gehen«ir trostlaje« Zeiten entgegen. Auch die Abwehr des Lieferung, streit» müsse»«ir vorbereiten. Den Kahr-Saustall in Bayern könne die bayerischen Genossen nicht allein reinigen, st« brauchen dazu die moralische Unterstützung der ges-MMt«» Partei. ILebhaster Beifall.) Brohwih-Frankfurt a. M.: Krüger hat sich nur ßtte» fett» g«. M anb bat Bart gegen die G«tagen gejagt. Kewafe recht» schMm unf) diö-pSkMäkkschM Fragen!ri reaktionären Zeitungen erörtern. Das erschwert unsere Agitation. Wir müssen zur Tat übergehen und auch einmel nach links einen Schritt üm.(Zuruf: Welcheq?) Die Einigung kommt nicht durch kleinliche Rechenexempel zustande, dazu ist dös Ziel viel zu hoch. Wir sind gegen eine Verbindung mit der Deutschen Volkspartei, mit der wir vielleicht rechts ein wenig gewinnen, aber links viel mehr verlieren würden.(Beifall!) Dr. Knack-chamburg: Die Förderung und Vertiefung der sozio- listischen Wissenschaft ist das Gebot der Stunde. Mir müssen uns dabei hüten vor allzu großer Engherzigkeit und dürfen uns nicht hermetisch absperren. Bei der Regierungsbildung müssen wir uns vor allzu großer Angst vor den Bürgerlichen hüten und endlich mehr Vertrauen zu unserer eigenen Kraft haben. Es ist beschämend für eine große Partei, wenn sie immer nach links und rechts guckt, statt geradeaus zu sehen und das zu tun, was die Stunde gebietet. (Beifall.) Die Stunde aber gebietet keine fruchtlose Opposition, son- dern das Festhalten an einer Regierung bis zum letzten Moment. Deshalb stellt sich die Homburger Delegation geschlossen hinter die Resolution des Parteioorstandes.(Beifall.) EggerstcdlÄiel: Wenn es nur nach unserem guten Willen ginge, dann würden wir die Regierung nur mit Demokraten und Unab- hängiqen bilden, aber so liegen die Dinge nicht. Agitatorisch mag ein Unterschied bestehen in dem Zusammengehen mit den ver- fchicdenen bürgerlichen Parteien, tatsächlich ist es aber ganz gleich, mit welcher bürgerlichen Partei wir eine Regierung bilden, denn über die Grundfragen für die Umformung unseres Wirtschaftslebens besteht kein Unterschied bei den Bürgerlichen, von den Demokraten bis zu den Deutfchnationalen. Wir haben uns in Kassel in eine Sockgasse verrannt, und aus ihr müssen wir möglichst schnell her- aus, deshalb ist auch Schleswig-Holstein mit der Resolution. des Parteivorstandss einverstanden. Biester-choisbüttel: Mir kommt es nicht auf die Volkspartei oder eine andere Partei an, sondern auf unsere Stellung in der Regie- rung. Die Resolution des Parteivorstandes fordert unmögliche Grundlagen unserer Regierungsteilnahme. Loebet Ich möchte den Antrag begründen, der die Parteigenossen auf- fordert, die Ab zeichen der deutschen Republik zu tragen. Wir hatten uns auch äußerlich in die Defensive drängen lassen. Hakenkreuzler und Stahlhelmjüngling« sowie Schutz� und Trutz- bündler beherrschen die Straßen und die Bahnen. Hier gilt es zu zeigen, ein wie großer Teil des deutschen Volkes bewußt repu- blikanifch ist, wie viele Arbeiter. Angestellte, Beamte und ein- sichtige Bürger zum Schutz d«r Republik bereitstehen. Unser Rot soll neben dem schwarzen Dunkel der Vergangenheit und dem Gold einer schöneren Zukunft nicht verschwinden. Unsere internationale Varteifahne bleibt rot. Weiter handelt es sich aber darum, � den Kampsboden zu sichern und alle mit Mut, Festigkeit und sozialer Lust zu erfüllen. Nicht im Sinne der deutfchnationalen Gewalt- tätigkeiten und jener feigen nationalen Jünglinge, die nachts unsere Fahnen abreißen und die Wände beschmieren, sondern Mut im Sinn« der Bekundung der ehrlichen Ueverzeugung der überwiegen. den Mehrheit des Volkes, dos den Reaktionären dadurch zurufen will: Irrt euch nicht und sehnt euch nicht nach dem Tag, wo dieser Wald sich gegen euch erhebt.(Lebhafter Beifall.) Mache- Breslau: Allerhöchste Lkampfbereitschaft ist notwendig. Schon droht von Schlesien ungeheure Gefahr, und der Parteioor- stand hat nicht genug dagegen getan, die Zustände an der mittelschlesifchen Grenze sind nicht weit von Ungarn ent- fenst. und das ist die Schuld der gegenwärtigen preußischen Regie- rung. Schlesien starrt von Massen. Die Justiz versagt vollständig. Unsere Funktionäre wurden auf dem Land« und bis nach Breslau hinein auf Schritt und Tritt ver- folgt. Abtrünnige der rschtsbolschewistischen Arbeitergemeinschaften wurden nachts durch Bewaffnete aus Breslauer Hotels verschleppt. Politische Morde sind häufig. Die verhafteten Gewaltmen- 'schen läßt, die Staatsanwaltschaft wieder frei. Wir fordern sofortige Gegenmaßnahmen der Regierung gegen die verfassungswidrigen Machenschaften und deren Durchführung unter der Kontrolle der Gewerkschaften. Ließ- Jena: Bedauerlich war die Schonung, die Krüger der Deutschen Volkspartei angedeihsn ließ, während er die Unabhängigen mit Haß überschüttete. Wenn wir die Koalition mit der Deutfchen Volkspartei schließen, dann sind Trennungswände zwi- fchen uns und den Unabhängigen aufgerichtet, während die Massen nach Einigung rufen. Es ist sehr leicht, Un- abhängige zu schmähen, wenn sie sich nicht verteidigen können. (Lachen.) Wir müssen die Einigung mit den Unabhängigen vorbe- reiten, schon um die Republik auf weite Sicht zu sichern. Scholich- Breslau: Wir dürfen nicht unsere Taktik auf lange Zeit hinaus durch Parteitagsbeschlüsse binden, sonst Wiederhofen wir nur den Fehler von Kassel. Minister Dominicus hat sich sehr schnell das Vertrauen der ihm mißtrauisch gegenüberstehenden Rechten er- warben und nicht nur Sozialdemokraten, sondern auch Demo- traten aus den Aemtern gejagt. Wer will, daß das anders wird, Muß für die Vorstandsresolution stimmen, damit wir wieder in die Regierung hineingehen können. Scheidemann: Für uns muß das Wort L a f f a l l e s gelten, daß wir jederzeit alle Kraft auf einen Punkt konzentrieren müssen, und zwar auf den wichtigsten. Die Sicherun ff der Republik unter allen lim- ständen herbeizuführen, ist im Augenblick dieser wichtigste Punkt. Die Republik ist in Gefahr und wird in Gefahr bleiben, wenn es uns nicht gelingt, der Reaktion das Handwerk zu legen.(Sehr gut!) Alle Reaktionäre Europas blicken bewundernd auf Horthy-Ungarn, und das Streben aller Reaktionäre in Deutschlaad ist, aus Deutschland nicht nur ein Bayern, sondern ein Ungarn zu machen. Hergt hat offen erklärt, daß für die Deutfchnationalen die Verfassung von Weimar nur eine Episode ist und daß- ihr Ziel die Wiederherstellung des Kaisertums bleibt. Wir wissen also genau, was auf dem Spiele steht. Die Republik muß und soll geschützt werden. Wenn das nur mit folchen Palliativ- miltelchen geschehen könnte, wie es die Verordnung des Reichspräfi- deuten ist, dann hätten die Reaktionäre leichte Arbeit. Wir brauchen eine gründliche Reform der Verwaltung und der Justiz. Wir brauchen auch eine Reform des Schulwesens und der Universitäten. Die Universitäten sollen wieder Stätten der Wissenschaften werden und nicht länger Brutstätten der Reaktion fein. Das will die große Mehrheit des Volkes, und danach müssen wir handeln. In die Zlteqierung müssen die hinein, die entschlosfen sind, das durchzuführen. Im Reich und in allen Gliedstaaten muffen Regierungen fein, deren Mitglieder bereit sind, zum Schutze der Re< publik alle Machtmittel des Staates aufzuwenden. Es ist unhaltbar, daß im Reich gegen rechts, in Preußen mit Skegerwald gegen links regiert wird. Es ist grotesk, daß in Bayern eine deutsch- national orientierte Regierung die Verordnung des Reichspräsidenten sabotiert und Landesrecht über Reichsrecht stellt. Eine Aendsrung ist freilich nur möglich, wenn wir Sozialdemokraten uns frei machen von allen Schlagworten und ausschließlich mit den realen Tatsachen rechnen.(Sehr gut!) Unser Parteivorsitzender Wels hat einmal gesagt, daß man im jetzigen Deutschland nur Politik von einem Tag zum andern treiben kann. Dann können wir unmöglich unsere Taktik durch Parolen auf lange Dauer fest- legen.(Sehr wahr!) Eine Partei kann sich schließlich auch von einem Tag zum andern eines befseren besinnen— dabei denke ich nicht an unsere Partei.(Heiterkeit.) Wir können nur in die Regierung mit Parteien gehen, die die Verfassung respektieren; aber sie brauchen nicht unbedingt für die Verfassung gestimmt zu haben, sonst müßten wir ja die Unabhängigen ablehnen, denen wir wiederholt aus guten Gründen und ehrlicher Ueberzeugung die Mit- regierung angeboten haben. Wir müssen uns frei machen von der Theorie der politischen Erbsünde.(Sehr gut!) Nicht, was eine Partei getan hat, sondern was sie zu tun be- r e i � ist, muß ausschlaggebend sein. Als wir die Parole ausgaben: Unter keinen Umständen mit der Deukichen Volkspartei, war sie ab folut richtig. In der Republik kann nicht mitregieren, wer die Mon archie propagiert. Auch- muß die Partei bereit sein, die notwendigen Geldquellen zu erschließen. Jede Regierungsbildung setzt ein be- stimmtes Mindestprogramm voraus. Parteien, die es annehmen und bestimmte Ministerplätze uns überlassen, kann man nicht dauernd von der Regierung zurückweisen. Ein Mindestprogramm auf Vor- rat ist falsch.(Sehr wahr!) Koalitionsregierungen sind nur Arbeitsgemeinschaften, nicht Gesinnungsgemeinfchasten. Sonst wäre ein Regieren mit dem Zentrum mindestens ebenso schwierig.(Sehr wahr!) Wir find noch lange auf Koalitionen an- gewiesen, wenn wir nicht auf jede Mitwirkung in Reich, Staat und Gemeinde verzickten wollen, und darüber sind wir hinaus.(Lebhafte Zustimmung!) Wir müssen Koalitionen schließen mit Klugheit und Ueberlegung und in bester Wahrnehmung der Interessen unseres Landes und der Interessen der Arbeiterschaft. Keiner von uns weiß, wie sich die Koalitionen in der nächsten Zeit entwickeln werden, aber alle Koalitionen find vergänglich. Unvergänglich ist allein die Zusammengehörigkeit des ganzen arbeitenden deutfchen Volkes, die Zusammengehörigkeit der Schastenden in Deutschland und über Deutschland hinaus in der ganzen Welt. Das allein macht uns stark gegen die Reaktion im Innern und den Imperialismus draußen. Alle denkenden Arbeiter wollen die Einigkeit, nur fehlt ihnen der Mut zum Entschluß. Ihnen allen, den geistig und körper- lich Schaffenden, den Männern und Frauen rufen wir zu:„Rafft Luch auf zum Entschluß, stellt die Einigkeit her, komnit zu uns in die große deutsche Saztoldemokrortie!"(Stürmischer Beifall.) Die weiteren Beratungen werden vertagt auf Dienstag vormittag. Schluß 6 Uhr. 1 5. GeneralverjamtMung öer Metallarbeiter Bon den Verhandlungen ist noch ergänzend zu berichten: Bei den Bestimmungen über Umfang und Zweck des Verbandes wurde neu festgelegt, daß der Deutsche Metallarbciteroerband auf dem Roden des Klassenkampfes steht. Er erstrebt die Ueberleitung der privatkapitalistischen Pro- duktionsweise in die sozialistische. Zur Durchführung seiner Auf- gaben erstrebt der Verband die Zusammenfassung aller in der Metall- industrie beschäftiaten Arbeiter und Angestellten beiderlei Geschlechts zu einer machtvollen einheitlichen Organisation. Die namentliche Abstimmung über den Antrag der Kommunisten bezüglich der Rußlandhilfe ergab M5 Stimmen gegen und 114 Stim- men iür den Antrag, bei 21 Stimmenthaltungen. Ohne Debatte stimmte der Derbandstag folgendem von der SPD.-Fraktion eingebrachten prokest gegen die Uebergriffe der Besahungsbehördeo im besetzten G e b i e t zu: „Einzelne Organe der Besatzungsbehörden im befetzten Gebiet erlauben sich fortlaufend, in die Tätigkeit der Gewerkschaften einzu- greifen und denselben alle möglichen Schwierigkeiten zu bereiten. Unter anderem verlangen sie die Cinreichung der Listen der Mit- glieder, Funktionäre, Betriebsratsmitgliedcr u. dgl. Die Generalversammlung weift derartige Uebergriffe aus das entschiedenste zurück und beauftragt den Vorstand, sich unverzüglich mit der Reichsregierung in Verbindung zu fetzen, damit diesem Bor- gehen der Befatzungsbehörden Einhalt geboten wird/ Die mit großer Mehrheit gefaßte Enkschließung zum GeschSstsbericht hat folaenden Wortlaut: „Die Entwicklung seit dem letzten Verbandstag in Stuttgart ist gekennzeichnet durch immer schärfer auftretende Wirtschaftskrisen; die durch den Weltkrieg und feine Folgen hervorgerufene Störung der ganzen Wirtschaft lastet in voller Schwere auf der breiten Volks- maffe. Die kapitalistischen Friedensverträge und die enge Wechsel- wirkling der Weltwirtschaft bewirkten den Zusammenbruch und die Wirtschaftskrise der besiegten Mittelmächte und wuchsen sich zur Weltwirtschaftskrise aus. Der deutsche Kapitalismus hat es verstanden, dieses Wirtfchafts- elend für feinen Vorteil auszunützen. Infolge des tiefen Standes des deutfchen Geldes fand eine Verschleuderung deutscher Waren nach dem Auslande statt. Riefengewinne wurden dadurch erzielt, während sich im Jnlande durch die zwangsläufige Aus- fchaltung der Auslandskonkurrenz eine ungehemmte preisdiktalur entfalten konnte. Die Folgen sind: Wachsender Profit trotz gesunkener Produktion auf der einen Seite, zunehmende Perelendung, Arbeitslosigkeit und Verzweiflung der besitzlosen Volksschichten auf der anderen Seite. Dieser Zustand verschlimmert sich fortgesetzt. Die Versuche zu seiner Besserung haben sich alle als zwecklos erwiesen, die kapitalistische Gesellschaft hat kein Mittel, das Uebel zu heilen. Sie ruft wohl solche Krisen hervor, vermag sie aber nicht zu beseitigen. Die Lösung der Weltkrise ist nur durch die sozialistische Gemeinwirifchafi möglich. Nur diese verbürgt äußeren und inneren Frieden, den Wiederaufbau der Weltwirtschaft und den internationalen Waren- austausch, sowie die Befreiung und Wohlfahrt der unterdruckten und ausgebeuteten Klaffen. Das Ziel vermag nur eine politisch einheillich und wohlorganisterte Ar- bciterklasse zu erreichen, die sich gleichzeitig auf festgefügte Gewerk- schasten stützt, die getragen sind vom Geiste der Demokrat?« und des proletarischen Klassenkampfes und in imiw gern Einklang mit den sozialistischen Klasiengenossen aller Länder, der Amsterdamer Gewerkschaftsinternationale handeln. Der Deutsche Metallarbeiterverband ist berufen, an der Er- reichung der sozialistischen Gemeinwirtschaft hervorragend mitzu- arbeiten. Um diese Mitwirkung zu einer erfolgreichen zu gestalte« und um den Kampf gegen die kapitatistische Wirtschaftsordnung und ihre verheerenden Folgen bewußt und nachdrücklichst zu fuhren, erklärt der Derbandstag der Deutschen Metallarbeiter als erste Vor» bedingung: die Zusammenfassung aller Kräfte ohne Anfehen der politischen Gesinnung, die das Verbandsstatut als Richtschnur ihrer gewerkschaftlichen Tätigkeit anerkennen und jede Weisung von Stellen ablehnen, an denen der Verband keinen Teil hat. Die zur Auf» richtunz der gewerkschaftlichen Einheitsfront getroffenen Maßnahmen des Vorstandes und des erweiterten Beirates heißt der Verbands- tag gut. Weiter erklärt der Verbandstag für unerläßlich: 1. Den organi- satorischen Zusammenschluß aller Hand- und Kops» a r b e i t e r; 2. die Ausnützung jeder Möglichkeit zur Förderung der Interessen der Metallarbeiter; 3. die Sicherung eines Einkom- mens, das die Wirkungen des Krieges und der Teuerung aufhebt und ein menschenwürdiges Dasein gewährleistet: 4. Schaf- sung produktiver Arbeitsgelegenheit oder auskömmliche Unterstützung der Opfer der kapitalistischen Wirtschaftsordnung und des Welt- lrieges; S. ein wohlausgebautes System von Be» triebs. und Wirtfchaftsraten, das der Entfaltung des Einflusses der Arbeitgeber auf den Produktionsprozeß bis zur Er- reichung der Gemeinwirtfchaft keine Schranken fetzt; 6. Schulung der Arbeiter, um sie zur Erfüllung ihrer gemeinwirtfchastlichen Aufgaben zu befähigen; 7. Beseitigung der Klassenjustiz, Ausbau der sozialen Gesetzgebung und Umgestaltung des Prioatrechts in ein Sozialrecht, das die Beteiligung der Bolksgemeinschaft an dem Erträgnis wirtschaftlicher Unternehmungen festlegt. Bezüglich des Ausschlusses kommunistischer Mit* glieder rechtfertigte H a n d t k e- Stuttgart den Standpunkt des Borstandes. Es fei notwendig gewesen, daß der Beirat vor den Moskauer Treibereien gewarnt und den Vorstand beauftragt habe, dagegen vorzugehen. Dem fei der Vorstand nachgekommen. Nach Loge der Sache habe der Vorstand gegen die Teilnehmer der Reichskonferenz vorgehen müssen. Nicht wegen der politischen Gesinnung sei der Ausschluß erfolgt, sondern wegen der verbandsjchädigenden Haltung. Der Vorstand habe obiektio und noch dem Statut entschieden. Nacheiner längeren Geschäf-sordnungsdebatte wurde ein Antrag der kommunistischen Fraktion auf Rückoerwcifung der Sache an die Kommission mit dem Auftrag, zu den einzelnen Fällen Stellung zu nehmen, mit 431 gegen 286 Stimmen abgelehnt. Ein Test der SPD.» und USP.-Delegierten stimmte für die Rückverweisung. Die Kommunisten beantragten nunmehr, über jeden Fall einzeln abzu- stimmen. Das lehnte der Verbandstag ab. Der Antrag der Be- fchwerdekommifsion, die Ausf chlüffe zu bestätigen, wurde hierauf in namentlicher Abstimmung mit 523 gegen 209 Stimmen angenommen. Damit hat der Verbandstag der Ansicht des Vorstandes zugestimmt. Der Verbandstag nahm dann erneut Stellung zur Gehalts» frage. Die Kommission schlug vor, zwei Gehaltsstalen festzu- legen; die eine für die Vorstandsmitglieder, Bezirksleiter und An- gestellten im Hauptbureau, die andere für die Angestellten in den Verwaltungsstellen. Die erste Gruppe wird in 5 Klassen eingeteilt: Anfangsgehalt 2/i4 Uhr, I in, Krematorium Gericht- I straße statt. Rege Bctelligung er- 1 wartet OJ)18 Die Ortaverwaltuag. ZurUckgckchirt Dr, med. Walter Pincus Ciilrurx Spezialarzt für Erkrankungen der Galienwegc(Entzündung, Gallensteine), der Leber und des Magens 145/11 •W, Schlllstr.»8.| 4',.— 6 Don der Reise zurück Zr. m. MkliLt'kWle Homöopath. Arzt* Eharlbg., Bismarckstr.Z(Knie). 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Ottober gesucht Z2.-5A Frank 4,1 tiunann. SiegauindUa4geaO.tiULH.Vallitr.lV14 Nr. 443 ♦ 38* Flchrgaag 2. Heilage öes Vorwärts Dienstag, 2H. September 1WI GroMerlln Mllkonenbetrügereien der Rolanö Ein umfangreicher Strafprozeß, der voraussichtlich zwei Wochen dauern wird, hat gestern vor der 11. Strafkammer des Landgerichts I unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Schimmack begonnen. Da der chaupttäter, der Kaufmann Hans Krafack, inzwischen ver- storben ist, richtet sich die vom Staatsanwalt Dr. Zimmermann vertretene und auf Betrug, schwere Urkundenfälschung usw. lautende Anklage noch gegen folgende Personen: die Kaufleute K. Gregor, Wolter Tschegel, E. Soenke, ch. Wartmann, Dr. Jt Körner, S). Zachler und dessen Mutter, die Frau Adnese R e ck e w e l l» geb. Lauer, die Architekten O. W a t t i n g und den Leutnant a. D. t). Brieglet. Die durch den Krieg verursachte Notlage der deutschen Geschäfts» weit hatten sich bekanntlich vielfach Betrüger zunutze gemacht, was ihnen um so eher gelang, als sich viel« Kaufleute, um Rohstoffe zu erlangen, auf Lieferungs» und Zahlungsbedingungen einlösten mußten, welche sie als vorsichtige Geschäftsleute vor dem Kriege glatt abgelehnt hätten. Zu diesen kaufmännischen Kriegsgebräuchen gehörte u. a. auch die Stellung eines Akkreditivs bei einer Bant, welches nach Vorlegung des Duplikatfrachtbriefes sofort zahlbar wurde. Wie die Anklage behauptet, soll sich nun unter Leitung de» Krasack eine in jeder Beziehung wohlorganisierte Schwindlerbande etabliert haben, welche unter allen möglichen fingierten Firmen- bezeichnungen in zahlreichen deutschen Zeitungen Inserate erließ, in welchen sie zu verhältnismäßig billigen Preisen gewiste Chemikalien und Arzneimittel anbot. Die Folge war, daß sich zahlreiche in Roh- stoffnot befindliche Firmen meldeten, die dann das bewußte Akkre- ditiv vor Lieferung der bestellten Waren stellen mußten. Abgesandt wurde von den Schwindlern dann ein« salzartige, völlig wertlose Mäste. Mit Hilfe des mit den bahnomllichen Stempeln versehenen Duplikatfrachtbriefes erhoben die Betrüger dann den hinterlegten Kaufpreis. Wenn eine Reklamation eintraf, entschuldigte sich das Schwindlerkonsortium, um Zeit zu gewinnen, erst mit einem Irrtum. Dann hieß es, die„Firma" fei selbst einem Betrüger in die Hände gefallen. Um den Leweis hierfür erbringen zu können, fuhr ein Mitglied der Bande in irgendeine Stadt im Reiche und bot von dort aus unter einer fingierten Firma die betreffenoe Ware dem Kon- fortium an. Durch dies« Schwindelfirmen, welche sich„Roland Sl.-G.",„M e r k u r- H a n d e l s- A.- G." u. a. nannten, ist die deutsche Geschäftswelt um mehrere Millionen Mark betrogen worden. Die jetzigen Angeklagten wollen durch die Rechtsanwälte Dr. "Echwindt, Dr. Rosenkampff, Dr. Stryck und N ü b e l l den Beweis dafür antreten, daß sie selbst völlig in gutem Glauben gehandelt haben und von Krafack betrogen seien. Neben zirka L0 Zeugen ist als Sachverständiger der Gerichtsarzt, Sanitätsrt Dr. Lehnsen, geladen worden. Wir werden, da es sich um mehrere hundert gleichliegende Fälle handelt, das Ergebnis mitteilen, Ätte mißversianöene Warnung. Eine EpisodeausderProxisdesMieteinigungs- «mtes von Weißensee bildete die Grundlag« einer Anklage wogen versuchter Nötigung, die gestern den Bureauhilfs- arbeitet Julius Grünbaum vor die Strafkammer des Land- gerichts III führte. Der Mieterverein Weißense«, dem der Angeklagte in leitender Stellung angehört, hatte in einer großen Versammlung deschlossen, eine Deputation an das Mieteinigungsamt abzusenden find durch diese darauf zu dringen, daß vier Dermieterbeisitzer, gegen die allerlei Beschwerden vorgebracht worden waren, ihre Aemter Niederlegen sollten. Am 25. Januar erschienen vor dem Gebäude, in welchem die drei Kammern des Mieteinigungsamtes tagen, etwa 1S0 Demonstranten und schickten unter Führung eines Herrn Schmidt «ine etwa Zvköpfige Deputation in die einzelnen Kammern, um sich ihrer Aufgabe zu entledigen. Der AngeNagte, der selbst Mieter- deisitzer bei der einen Kammer war, glaubte, daß die Führung der Deputation nicht in den richtigen Händen wäre und übernahm des- halb selbst die Führung, um möglichst alle Erregungen zu vermeiden. Die Verhandlungen ließen sich durchaus gut an, aber im Verlauf derselben sagte der Angeklagte, daß, wenn die vier bezeichneten Bei- ptzcr nicht freiwillig ihre Aemter niederlegten, die Demonstranten wiederkommen würden, und daß es dann nicht so friedlich wie dies- mal abgehen würde, denn dann würden diese Beisitzer gewaltsam von ihren Stühlen entfernt werden. Der Angeklagte will hiermit keineswegs eine Nötigung, sondern vielmehr eine Warnung ausgesprochen haben. Der Staatsanwalt hingegen beantragte wegen versuchter Nötigung die hohe Strafe von 6 Wochen Gefängnis. Der Gerichtshof sprach den Angeklag- ten schuldig. Mit Rücksicht auf die Gefährlichkeit der Handlungsweife erkannte das Gericht auf 1 Monat Gefängnis, wobei, wie der Vorsitzende erklärte, das Gericht nicht verkennen wollte, daß der An- geklagte vielleicht doch durch fein Eingreifen beabsichtigt haben mag, die Menge von Gewaltmahregcln abzuhalten. Snbe iMle WlemlWMlW heute, Dienstag, üen 20. September, abenüs 7 Uhr: 2. kreis(Tiergarten): 1. 4. Abt.: Schulaula des Charlottenlyzeums, Steglitzer Str. 24. Thema:»Der Kampf gegen die Reaktion im Stadtporlament". Ref.: Emil Dittmer. 2. 37. und ZS. Abt.: Schulaula Turmflr. LS. Ref.: Paul Hirsch, Ministerpräsident a. v. 3. 39.. 40. und 41. Abt.: Arminius- hallen. Bremer Straße 73. Ref.: Pfarrer Blei er. 4. Kreis(prenzlaner Tor): 29. Abt.: Schulaula Senefelderstr. 6. Thema:„Bayern— Preußen— Berlin". Referent; Zakob Altmaier. S. Kreis(Ariedcichshaln):„Könlgsbank. Gr. Frankfurter Str. 117. Thema:„Der Kampf gegen die Reaktion im Stadl- Parlament". Ref.: Fritz Müntner. 10. Kreis(Dahlem): S Uhr bei Schilling. Königin. tuife. Str. 42. Thema:„Die politische Lage und die Stadtverordneten- Wahlen". Ref.: Gen. Joachim. IS. Srei»(Zliederschöneweide): Beamte, Angestellte und Arbeiter der Reichs-, Staats- und Gemeindebehörden: S Uhr. in der Schulaula Verllner Str. 31. Thema:„Die Beamten und die Stadwerordnekenwohlen". Ref.: Ad. Muschick. 17. Kreis(Friedrichsfelde): bei Gulzeil, Mlhelmskr.il. Thema: „Stadtverordnetenwahlen und die Reaktion". Ref.: Karl hehschold. 17. Kreis(Mahlsdorf): s Uhr, bei Anders. Bahllhofstraße. Thema: »Die Reaktion Im Stadlparlomenl". Ref.: Stadwerord- neler Friedrich Schlienz. 19. Srei»(Buchholz): bei Kähne. Berliner Straße 39. Thema:„Die politische Lage und die Stadlverorduetenwahlen". Ref.: Stadtverordneter Gustav Fuß. Nlvrgen, Mittwoch, üen 2t. September: 20. Kreis(hermsdorfj: s Uhr, im Restaurant Bellevue(Röhe des Bahnhofs). Thema:„Die politische Lage und die Stadt- verordnelenwahleu". Ref.: Dr. Kallmann. Der Heiratsschwindler als Marineossszier. Ein gefährlicher Heiratssckwindler und ErPrester, der früher schon einmal viel von sich reden machte, ist von der Kriminalpolizei wieder festgenommen worden. ES ist ein 30 Jahre alter Reisender Erwin Krüger, der den lriegSvcrletzten Marineoffizier spielte und jetzt als Ingenieur austrat. Krüger, der«Hemels Matrose war, hat infolge einer häßlichen Krankbeil die rechte Hand verloren. HeiralS- lustigen Damen, denen er sich mit seinen Erzählungen anS dem Seekrieg interessant machte, spiegelte er vor, daß sie ihm ähgeschosien worden sei. Nach Berbüßung einer längeren Gesängnisslraie näherte er sich jetzt den Damen al» kriegSbeschädigter Ingenieur. ES gelang ihm abermals, eine ganze Reihe von Opfern in seine Netze zu locken Am gefährlichsten wurde er denen, die sich zu weit mir ihn, ein- ließen. Diese zwang er durch die Drohung mit ihrer Bloßstellung zur Hergabe immer neuer Geldmittel, sogar der Schmucksachen, die er dann zu Geld machte. Der Kriminalpolizei gelang eS jetzt, den Schwindler in einer Behausung am Kottbuier Damm zu ermitteln und festzunehmen. Betrogene Mädchen und Frauen, die noch keine Anzeige gemacht haben, werden ersucht, sich im Zimmer ISIk des Berliner Polizeipräsidiums zu melden. Ihre Mitteilungen werde» vertraulich behandelt._ Tariferhöhung im Personenverkehr. Mit Wirkung vom 1. Dezember ab werden die Fahrpreise des Fernverkehrs einschließlich der Fahrpreise für Hunde-, Arbeiterrück- fahr- und Zeitkarten um 30 v. H. erhöht. Die Erhöhung erstreckt sich auch auf die Schnellzugszuschläge, die künftig in der 1. Zone(bis 75 Kilometer) in der 1. und 2. Klasse 10, in der 3. Kl. 5 M., für die 2. Zone<76— 150 Kilometer) in der 1. und 2. Klasse 20 M., in der 3. Klosse 10 M. und in der 3. Klasse(bei Entfernungen von über 150 Kilometern) in der 1. und 2. Klasse 30 M.. in der 3. Klasse 15 M. kosten werden, lieber die neuen Fahrv reise im Berliner Stadt-, Ring- und Borortverkehr, die sich ebenfalls zum 1. Dezember erhöhen werden, ist noch nichts bekannt. Die Vorarbeiten für die Tariferhöhungen im Güter- und Tier- verkehr, die abweichend von den Erhöhungen im Personenverkehr bereits am 1. November in Kraft treten sollen, sind voll im Gange. Auch für diese Tarife soll, wie wir erfahren, dem vorläufigen Eisen- bahnbeirat eine gleichmäßige Erhöhung von 30 v. H. rorgeschlagen werden, die voraussichtlich in Form eines rohen Zuschlages zur Er- Hebung kommen wird. Theodor Göcke fi. Schon wieder ist einer von der alten Garde dahingegangen. Unser Theodor GLcke ist am 16. September ge» storben. Am 14. April 1837 zu Braunschweig geboren, erlernte er dort dos Zigorrenyiachen, wanderte 1857 nach Hamburg und kam von dort im selben Jahre nach Berlin. Im Handwerkerverein, wo sich alle strebsamen und bildungshunqrigcn Bürger und Arbeiter zusammenfanden, sahen wir auch Th. Göcke wieder. Die öffentlichen Auseinandersetzungen zwischen Schulze-Delitzsch Lastalle usw. treiben ihn der Partei in die Arme, deren Mitglied er treu bis zu seinem Tode, trotz Drängens der Gegenseite, geblieben ist. 35 Iohre wohnte er im früheren 4. Berliner Wahlkreise, Wrangelstraße. Seit 1S12 ßEssiW« er der 41. Abteilung in Moabit an, wo er in treuer Pflicht- erfüllung alle öffentlichen Vorgänge in selten geistiger Frische ver- folgte. Die Partei wird ihren Th. Göcke nicht vergessen. 5000 Bl. Siibergeld beschlagnahmt. Der Kaufmann Ritter, der aus Galizien stammt und in Verlin in der Kaiserstraße wohnte, hatte in der letzten Zeit in Berlin und Umgebung Hartgeld aufgekauft, um es über das besetzte Gebiet nach dem Ausland zu schaffen. Dazu be- nutzte er ihm zur Verfügung stehende Beziehungen in Köln. Kriminalbeamte beobachteten ihn, als er mit schweren Koffern wieder nach dem Westen abreisen wollte. Sie durchsuchten die Koffer, fanden darin 5000 M. Silbergeld, beschlagnahmten dieses und nahmen Ritter fest. Eine freie Schulgcmeinde ist in Moabit im Entstehen. Sie will dazu beitragen, die Gemeinschaftsschule im Sinne P a u l s e n s herbeizuführen. Eine von der Arbeitsgemeinschaft sozialistischer Elternbeiräte MoabitsT2H 1820, by J. C. Cottuch« Buchhandlung Nachf. Stuttgart u. Berlin „Nun kann ich aber nicht mehr," stöhnte Fräulein, nach Luft schnappend. „Aber dann ist ein Schnäpschen ausgezeichnet." Es half ihr nichts. Sie mußte ein Glas von dem guten Machandel probieren. Kein Mensch kam von Tiedemanns fort, ohne ge- geflen und getrunken zu haben. Das Ehepaar hatte Mägen aus Stahl und setzte sie bei seinen Besuchern auch voraus. Ihre Gastfreundschaft hatte etwas Gewaltsames. „Da wird Papa Görke aber feste in das Portemonnaie greifen müssen," sagte Tiedemann mit einem deutlichen An- flug von Schadenfreude.„Wie verhält er sich denn zu seinem Schwiegersohn?" „Herr Görke hat sich noch Bedenkzeit ousgebeten." „Aha. Die Thea wird ihn schon mürbe klopfen." Frau Tiedemann schrie vor Lachen.„Und ob Thea ihn mürbe machen wird!" Fräulein wollte sagen, daß Thea merkwürdig neutral bei dieser Angelegenheit sei, so, als ginge es nicht sie an. Aber sie hielt es für besser, zu schweigen. Man würde ihr hier doch nicht glauben. „Na, Fräulein," sagte Tiedemann und stopfte sich ein Neues Stück Käse ohne Brot in den Mund.„Wann werden St« denn heiroten?" Sein feistes, rundes Gesicht glänzte Göhlich wie«ine Speckschwarte. Fräulein errötet« leicht. Sie kannte diese Frage. Jedes- mal, wenn sie Tiedemanns begegnete, kam dieser glänzende Witz. Frau Tiedemann schrte vor Lachen, daß ihr Gemahl ihr den breiten Rücken klopfen mußte.„Manne, du bist doch zu pvtzig." „Fräulew will nicht ihren Beruf aufgeben," setzte er listig htnzv.„Denn als Frau kann sie ja nicht gut Fräulein sein, picht wahr?" Fräulein stand auf.„Es ist dke höchst« Jett, adieu!" Sie rtha schnell hinaus. Ohne«inen gewissen Aufwand von fcftoie kam«an nicht von Tiedemanns fort. Als sie de» Hof Sbsrquerts, hob Sultan den schwere« dunklen Kopf und ließ ihn dann wieder mit einem Seufzer sinken. « Bei Brandstätters— er war Baurat— kam Fräulein nicht in die Wohnung. Man ließ sie auf dem Korridor warten. Brandstätters legten Wert auf Distanz. Endlich kam der Baurat, ein kleines, dürres Männchen. „Sie wünschen?" Fräulein sagte ihren Auftrag her. Sie war hier immer etwas eingeschüchtert. „Berlobt. So, fo," sagte der Vaurat.„Und Gymnasial- lehrer— das ist ja ein netter Zuwachs. Nun, jeder ist seines Glückes Schmied. Elise!" Frau Brandstätter kam heraus und hörte die Kunde. „Mittwoch abend. Das paßt schlecht. Da ist doch Lesekränzchen im Frauenverein. Auf eine Stunde werde ich aber wohl ab- kommen können." „Du mußt, liebes Kind. Julius Görke würde es dir übel- nehmen." Brandstätter war der einzige aus der Familie, der Görke verehrte; ein deutliches Band von Sympathie ver- einigte sie. „Wenn du meinst, Theodor—" Mit einem schwachen Kopfnicken gegen Fräulein zog sie sich wieder in ihr Zimmer zürück. „Also bestellen Sie, daß wir zur festgesetzten Stunde da sein werden. Pünktlich. Und richten Sie Grüße aus. Ver- gessen Sie nichts!" Brandstätter behandelte Fräulein immer wie ein Schulkind.„Haben Sie noch andere Besorgungen zu verrichten?" „Nein, jetzt muß ich nach Hause. Werners Schularbeiten sind noch durchzusehen. „Da können Sie mir wohl noch diesen Brief einstecken. In der Hauptpost. Vergessen Sie das nicht!" Fräulein ging. Bei Tiedemanns stand man unter einer zu heißen, bei Brandstätters unter einer zu kalten Dusche. Aergerlich steckte sich den Brief in den erstbesten Briefkasten und fuhr mit der Elektrischen eilends zum Fifchmartt. Denn es war schon spät geworden. *'♦* Al» Fräulein die kleine Eva Franztus zu Bett gebracht hvtt«, begab auch st« sich an den Abendtisch. Man war fast fertig, ober Fräulein war es gewohnt. später nachzuessen. Nur mußte sie sich heute beeilen, da ja nachher der Familienrat stattfand. Ein flüchtiger Blick über die Tafel zeigte ihr, daß sie bis auf den Oberlehrer da waren. Sie erschrak: war er krank? Im Trubel dieser Tage hatte sie sich nicht um ihn kümmern können. Da sagte Frau Görke, wie als Antwort auf ihre unaus- gesprochene Frage:„Onkel kommt nach dem Essen. Er hat eine Konferenz." Görke runzelte die Stirn. Er kannte diese Konferenzen: der Oberlehrer beschränkte den Berkehr mit der Verwandtschaft auf das Notwendigste. Das machte aber einen schlechten Ein- druck auf die anderen, zumal man Hausgenosse war. Es war direkt Mangel an Disziplin. Tiedemann drüben lobte den Pudding.„Er ist großartig. Schneid mir noch ein Stück ab, Mauschen." „Ach Manne, du hast ja schon drei." „Ja hast du schon mal gesehen, daß ein Stuhl auf drei Beinen steht?" Frau Tiedemann schrie auf vor Lachen und Entzücken und patschte ihres Gemahls fetten Rücken. Der Baurat sah ernst und verweisend zu ihr herüber und suchte Görkes Blick. Der zuckte die Achseln. Tante Berta ließ ihre Augen wie Spürhunde um die Tafelrunde wandern, indes sie langsam das Kompott löffelte. Tante Tine aß wie ein ausgehungerter Sackträger und blickte dabei andauernd auf Thea, die ihr gegenüber faß... Keiner sprach von der Verlobung, die sie doch alle hier f lsammengeführt hatte. Görke hatte gewünscht, daß erst nach isch darüber geredet werde, und er war gewohnt, daß seine Wünsche respektiert wurden— in seiner Speditionsfirma eben- so wie in seiner Familie. Im Grunde hielt er sie alle für seine Angestellten. Viel gesprochen wurde nicht. Ein Eishauch von Unge- mütlichkeit wehte durch das hohe Zimmer. Thea saß still ge» duckt, wie eine Verbrecherin. Plötzlich lachte sie. Der Papagei, der in der Ecke im verhängten Bauer saß, war durch die Tafelnden munter geworden und versuchte das Tuch nach innen zu ziehen.„Aennchen von Tharau ist's, die—" schnarrte er dabei und gleich hinterher:„Schafskopf!" Frau Tiedemann sprach vo« dem neueu Dampfer, der nach Hela fuhr. Eise richtige Reftauratio« sei darauf.„So- gar Lachsbrötchen gibt es, so dick, und Grog von Rum und Arrak."(Forts, folgt.) T«ot rit itr lUrf«» km»»««wd«fffe, it« «kt in den letzten S5 Inliren t* der Büdnenüteraluc erlebt b-�ben, behalt die» Anzengrubersche v-lksstü-k„Der?f-rrer rsn KirSiteld" immrr noch lein« alte dln�ichunqZIrnft, und rt ist eine gut« künstlerische Dat de? Rotc-rbeatert, c« wieder auf die Bükine»u bringen; denn nur *iit solchen Salben kann inan dem Volke die Kunst nahe bringen und eS heranbilden. Kenn nun noch, wie in diesem Falle, die»ute ilbsicht durch eure gute Niiffübrung unterstützt wird, io mun man sich dopbelt freuen. ebn um>o mehr bedauern, datz der lanaiäbrige Leiter und Regifsein' dielet kleinen rheater», der mit s» grostem Siler trotz aller Schwierigkeiten, die ein« kleine Sühne in Berlin»n bekämdfen bat, sich stet« für gute, und ge- sunde Kunst�-insetz'e, bald fich von der Sllbne inrücksiehen will, sstegie und Thiel jede» einzelnen waren gut und»oll Interesse an der ilufgabe, aber alt ganz besonder» gute Leistungen möchten wir dach den„Wurzel- sehh' de» Carl E ck h» f und die„Anna"«on Frieda Waller heroorheben. Airku» Nnseh bat seinen Freunden und Berebrern, die am Sonn- «bend abend zur EröffnunqSvarstellung der Wintersnison den Kuppelbau bi? auf den letzten st-latz füllten, eine Fülle nianninsachcr Menüsse. Die »irzenfischcn Künste standen natürlich wieder im Mittelpunkt und waren nortrcftiich deitrelen. Karl Hetz sübrte den Freunden seiner Reitkunst in der ibm eigenen gelassenen und überlegenen Art isscrdcdressuren vor. Scbr gut wurde auch der Doppel-Iockch-Akt der l? e b r. L e i i c ck aull- >elübrt. Die immer gern gesehenen(Slown» brillierten sonderbarerweise »u»schlietzlich in Ürerdresturen. Slown F a n s e l v» dressierte» Tchwein und Slgwn Bib» dressierter Ssel können sich sehe» lasten. Die Jugend wird ihre Freude haben, wie denn die Dierdrestureir im Programm stark betont waren, s» die allerliebst arbeitenden Kakadu» der schönen Frau Romano und die sp-inischen Fwcrgponp» Don Alsonso». Beste Manegekunst holen die akrobatischen Spielereien von!R e i u b a r d und Sobu. Die atembetlctttmcnden Dagbalsiokeiien fanden in dem ungarischen Balance- Meister K a r o l h und dem Meister aul dem Durm-Einrad F. Bradsord treffliche Vertreter. Da» Unglaublichste aber leistet der junge Sie am und Breitbart, ein prachtvoll gebauter Athlet, der Siscustana:» zu Spiralen »erbiegt, Kelten durchbeißt, und auf keiner Brust mcbrcro Aeutucr schwere Eteinblöike zerschlagen lägt. Die WiderstandSkrast seine» Körper» grenzt ,n das Wunderbare. Den Tchluff bildete ein von Ballettmeister Riegel einstudierte» Ballett:„Im Reich de« Porzellan»". Lebende» Meiffencr Porzellan aus der Rokokozeit, da» einen bezaubernden Slnbliel bot, aber •n die Damen des Ballett» ganz außergewöhnliche Ansprüche stellte: sie müssen, um da» Porzellan darzustellen, elwa 13 Minuien regungslos in zum Deil schwierigen und ermüdenden Siellungen verharren. In dem Ballett selbst war der Cbaraltertanz von Alice Ilhlen und Helmut Lötz bemerkenswert. Kurzum, mit diesem Programm ist LimmissionSrat Busch aller Sorgen um volle Häuser enthoben. HanS Jiuhrmann. der bekannte Sprecher»ns de» Kunstabcnde« und Jtnstigen künstlerischen Beranstaliungen unserer Partei, hat sich seit einiger seit mit der jungen, liebenswürdigen Agne» R u h tz fauch sürs Lebens verbunden und da» junge Paar gab am Sonnabend im Harmoniumiaal seinen ersten Frvblichcn Abend. Di« beiden Mcnichen spenden au» dem Grund eiuer lebenSsrahcn heiteren Seele, und da sie über ein gute» tech- aischeS Können veisügen, so war ihr Abend ein wahre» Labsal. Da» Pro- »ramm war mit fernstem Geschmack ausgewählt. Fuhrmann selbst ist ein sonorer Spr echer, nur muß er seine Mimik ein klein wenig zügeln, und bat e» leicht, alle Register de» Humor» zu ziehen. Seine junge Frau scheint «>» berufen zu sekn. die Ziahl der weiblichen Lautenränger, die sich bedenk. lich gelichtet hat. um eine wertvolle Straft zu bereichern. Die Zuhörer— viel junge» Volk war anwesend— hatten wirklich einen fröhlichen Äbend und dankten durch s!ür«ifchcn Beifall. Groß-Serlmer Partewachrichten. Heeke, viensksz, den 20. Sepkember: !«. Abt. fxffevttiifie e!te»»«ers»«»l»»s der»1. Serveiadeschulc n»d 108. Litaveuschule, Tilgter Str. HS, rtead» 7 Uhr. Rlscrent Rarquarbt: „Sie Ntulsrtsch«» echulrefor««»". 123,«St.*«sX«»»rf. tcr Sun hifle«tz»lfstr»tze. Lozieliomu»". Vessevtlich« Sersemralur»»,»bevd, 7>h Uhr, i» »eserevt Pfarrer Seh»!„Religiou»atz 71,«51. siehlendort. „,»dort. 8 Uhr Mitglied erversammtuna im Kaiserhof, Potsdamer Etrage SO. Referent Arthur Hiiuhlrr:„Die»ujere und innere Politit Deutschland»". 78.«bt. Schöneberg. PIlnktlich 8 Uhr erweiterte Barstandssttzung bei Droh, Sedanstr. 17. Erscheinen Pflicht. Neuiötli. S»., 80. und 83.«Dt. Die Sienossen werden ersucht, die Handzettel u.«bt.«uw-l-ttenburg. 7r; Uhr im„Birnbaum", Daloanlstr. SS. Refereuj norn Sekretariat, J-a erste. 68, abzu Helen.— 9'.«bt. 7 Uhr Funktionär r:u.____ t chzm•-„.____«i.. r.-r eaf.L m irc�. ,... nfer Tagesordnung. ... bei«lanert,________ bei Lchul», Einser Str. 162. ißmannstr. 2g.— 87. Abt. 7 Uhr Funktlonärsitiung Abrechnung der Bezirl-kassterer. Wick�tige Znngkozialiste».«Smippe gichteubw-g! 7sh Uhr bei Thorn««,«Uhlischstr. 31, Bortrag über.Innere Lolonisatt»«". Referent Peine, M. d. R. Zvlsrzen, ZNikkwoch, den Zt. September: 1. Ärri» Prenzlauer Bctp. Nachmittag» Iii Uhr Sitzung der Stadt- und Bc- zirksoerordncten im Sitzungssaal des Bezirksamtes 1, Brauerei Königstadt. k. Kret« Lailcschc» Tor. Isti Uhr Versammlung der Eliernbrirätr, Neichen- berger Str. 67(Echulauias. Thema:„Da» neue Reichsschulgesetz". 8.«reis Wilmer»po?s. 7� Uhr erweiterte Kreisvorstandsfltzung mit den Mit- gliedern des Bildungsousschusses im Viktoria-Darten, Wildelmsaue 114/113. "''A Bctriebsoertrauensleute NIariannenuser 7. .1,«aisei-Wilhelm- Straße. Tagesordnung: Wahlarbeit. RcukSI». 82.«bt. 7 Uhr Funktionärsitzung«aiser-Friedrich-, Ecke Roscgger- Nroße.«brechnung der B-zirksfUhrer. Materialausgabe zur Wahlversamm- lung.— 84. Abt. 7>i Uhr Funktionärsitzung bei Taubel, Weiseste. 23. 183.«bk. Lberjckäncweide. Tj Uhr össenllich« Bersammlun» in der«ula Frischenstratze. Referent Marquardt:„BeUlichkelt der Schule und«om- «un alfragen". 140.«bt.«ittena». TV4 Uhr Mit«Neder,ers»»«lmii bei Schulze, Hauptstraße. SPD.-Sängerchrr Pankow. Die Uebungsstunde ist ausnahmsweise auf Mitt- woch verleat worden. SPD..«ng-st«litcn in Hotel», Restanrnnt, und«als»«,. Bcimittaa» gfh Uhr Bersammluna im Rosenthaler Hof. Rosenlhaler Str. 12/13. Referent Adolf Wuschick:„Die Bedeutung der Stadtoerordnetrnwahlcn". Arauenveranstaltungen am Alitlivoch, den 21. September: 43. und 46.«bt. SM Uhr bei Stell, Hennigsdorker Str. 10. Referent Senosse Lehrer»reutzlger:„Erziehungsfragcn und S6;uli". 83.«bt. Tcmr-eldek. SV, llbr"bei Butel Öalf-r.iMlkd-rn,., Ecke Werderstrahs, Lolkskrankhcit". » 88.«bt. Wilwerstzgrf. Die Scnssse««erde» gebeten, Ihre Beiträge regelmäßig an de»«assierer, Genoffen Schmutz, Ludwigkirchglatz 8,»bzufUhren, Mus aller Welt. Kaubmord eine« KnrKruher Arzt. Karlsruhe. IS. September.(DTB.) An, Sonnab-m» ngch« mittag meldet« sich ein bis jetzt unbekankiter Mann bei dem prak«> tischen Arzt Dr. Otto 23 i r z ot« Patient. Während der Arzt ihn nnlersuchte, schlug der angebliche Patient den Arzt mit einem Hammer so stark auf deu� Kopf, das; die Schädeldecke zertrümmert winde. Der Täter, der sich in Begleitung einer Frau befunden haben soll, ist e n t k o m m e n. Geraubt wurden ZOOS ZR. Schweres Unglück auf dem Münchener Olfobctfeff. Zlm erste» Tage ixs Münchener Oktoberfestes auf der Theresien-Wiefe hat sich ein schweres Unglück ereignet. Nachmittags 4 Uhr gab der überlastete Boden der Plaltform einer sogenannten Teppichrutschbahr» plötzlich nach und brach in sich zusammen. Ein Teil der auf der Plattform stehenden Personen stürzte auf die darunter liegend« Etage der Bahn, andere Besucher blieben im Gebälk der Rutschbahn hängen, wieder ändere stürzten aus voller Höhe direkt auf die Erde nieder. Dos Unglück forderte eine ganz« Anzahl Opfer; zunächst ver« lautete von 2 Toten und 30 Verwundeten, Später wurde bekannt, daß der städtische Rettungsdienst in feinen Automobile» 15 mehr oder minder schwerverletzte Personen transportiert und in die Krankenhäuser eingeliefert hat. Der Betrieb der Bahn wurde durch die Polizeibehörde sofort eingestellt und der Platz von den Mannschaften der Landespokizei abgesperrt. Gleich nach dem Unglück wollte die Menge gegen den Besitzer der Bahn tätlich vor. gehen, so daß er von der zur Hilfeleistung für die Derunglückten herbeigeeilten ftinwrawbr beschützt werden mußte. Das Unglück rief unter den zahlreichen Tausenden, die auf der Festwiese oersammelt waren, große Erregung hervor. Eisenbahnunglück in Roiwegen. Ein Sonderzug. der Teilnehmer an der Festlichkeit bei Eröffnung dep Dovre-Bahn südwärts bracht« und Drontheim um 11% Ubr abends verließ, stieß aus unbekanntc« Ursache am Südende des Ridareidtunnels mit einem saha, planmäßigen Zuge zusammen. Die beiden ersten Wagen d» Sonder. zuges wurden v olltommen zertrümmert. S Personen fanden den Tod, darunter Telegraphendivettor Heftyc, früher Mitglied der Internationalen Kommission in Flensburg. Es find auch viele Verwundete zu verzeichnen. VW-LWNMA«TU Hellsfes L/chf bei geringstem Gasverbrauch Bestes Erzeugnis cfer/i uertichf Gese/fsch oft, ßer/in 0.17\ GasErsparnis AUSXUl&y'&VäCN DAS MESSbMY * FB�NKFURT AH MASM ä rilEanteEi,JyweSesis auch �anvc Nachlasse HCSCmI& besonders tzroBe Posten gute Ware, zum höchsten Kurs, tmsterdaraer Diam?.nlen:chleiferei m Oegr. 1692. 160 Frledrichstr. ISO, Eiserne �Trans portable KacheP ÖFE! w SEMMUftaBlEYDtRß* PresilÄcrilB SÄ � BorllinS.1* Brillanten JJee'eti,«ofö-, Brach. Sachen, SlaHa- Silbe« lauft A. Fuss, Seydel- »«r. 32, Eckst. Epiltelmarit Verwalter 8er städtischen Sparkasse, Slebenslcste v, S— 1 un» 2— S'/t Uhr. n$iicnf r ein gediegenes Musikinsfrumenf? 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Namentlich von den Nationalsozialisten will Dr. Heim nichts wissen. Er erklärte, von Leuten von rechts, besonders wenn sie keine Bodenständigkeit haben und sich nur an einer Macht bereichern, die sie nicht besitzen, lasse sich Bayern nicht seine Politik verderben. Auch dieser Strömung müsse der Kampf bis aufs Messer gelten. Was wir brauchten, sei nicht eine Politik der Krawalle, sondern der Geduld. Die Versammlung sprach dem Ministerpräsidenten Kohr den Dank für die bisher dem Vaterlande geleisteten Dienste aus. Wie Stimmung gemacht wurde. Alsbald nach Kohrs Rücktritt setzte der große Depeschen- stürm ein, der als„spontane" Kundgebung der Bevölkerung Kohr zum Bleiben veranlassen sollte. In Wirklichkeit war es ein insze» nierter Rummel. Unser Münchener Parteiblatt ist in der Lage, folgendes Telegramm zu veröffentlichen: „München, IS. September 1921. Sofort In Stadt und Land Telegramme der Treue an Hahr und des Protestes an den Landtag organisieren, abschicken, verössentlichen. Bayerischer Ordnungsblock." Dies Telegramm wurde nach allen Richtungen ausgeschickt, und die Wirkung war dann der Depcschensturm. Es geht doch nichts über eins schöne Regie! Nur ist die Wirkung aus, wen� während des Spiels plötzlich der Regisseur sichtbar wird. Einstweilen noch Kurs Kahr. München, 19. September.(TU.) Vor dem Dolksgericht Mün» chen fand heute die Verhandlung gegen den Abg. Fischer- Nürn- berg von der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei statt, der sich wegen Hochverrats zu verantworten hatte. Es handelt sich um die von Fischer in München am 8. September gehaltene Versamm- lungsrede zugunsten einer selbständigen nordbayerischen Re» publik. Das Urteil lautete wegen öffentlicher Aufforderung zum Hochverrat auf 1 Jahr 3 Monate Festungshaft unter Anrechnung einer Woche der Untersuchungshaft. Das geschieht in dem gleichen Lande, dessen bisherige Mnister mit Hochverrätern von rechts persönliche Fühlung hatten! Im übrigen ist es lächerlich, derartige Abtrennungsbestrebungen innerhalb des Reichs zum Hochverrat" zu stempeln, da ja die Reichsverfassung ausdrücklich die Möglichkeit gibt, auf legalem Wege eine Um- gruppierungderLänder nach dem Wunsche der Bevölkerung vorzunehmen. Gegen den„RechiSbolschewismuS". Das in Würzburg erscheinende Organ der Christlichsozialen Partei Bayerns„Das Neue Volk" veröffentlicht unter der Ueber- fchrift„Der Rechtsbolschewismus— ein« Warnung" einen Artikel, in dem es sich in scharfer Weife gegen das Treiben der Rechtsradi- kalen in Bayern wendet. Zusammenfassend charakterisiert es hierin die Zustände folgendermaßen: Eine bezahlte Press« im Süden Bayerns-leistet systematisch Verhetzungsarbeit. Aus ganz Preußen zogen alle Reaktionäre und Umstürzler nach München, ein Tylander und Ludendorff arbeiteten im stillen uud offen, Leute, die sich schämen sollten, heute vor das Volk zu treten, nachdem Ihre Politik unser Volk zerschlagen und ins Elend aestoßen hat. Die Ermordung Gareis war der kleine Auftakt. Den Mörder fand die Poehnersche Polizei nicht. Erst der Mord an Erzberger bringt Licht in das Dunkel und legt Fäden offen, die Ungeheures oerstricken wollten. Die Mörder sind frühere Offiziere, Angehörige der Brigarde Ehrhardt, die Müller- Franken„Die Schande Deutschlands" nannte, deren Desehlshaber in München sich wohlbefindet. Die Mörder waren vorher bei Dr. Heim Volontäre, sind Anhänger der Richtung, die nicht genug auftrumpfen kann, und Hintes der ganzen Geschichte barg sich der Plan einer kleinen Clique, in München und im Lande ein« kleine Revolutton zu machen und Rupprecht zum König auszurufen, Die Mördersuche. München, 19. September.(U.) Die Untersuchung in der llftordfache Erzberger ist vorläufig in München abgeschlossen worden. Außer den bereits namentlich gemeldeten 11 Personen wurde niemand mehr verhaftet. Die hier aus Baden weilende Untersuchungs- kommisston hat München verlassen. In Baden sollen nun die Er- Hebungen fortgesetzt werden. Bon den in München festgenommenen 11 Personen bleiben fünf weniger belastete Personen in München In Pollzelhaft, während die anderen sechs Personen, darunter von Killinger, nach Offenburg geschafft werden. Cfs besteht nicht mehr der geringste Zweifel an der Täterschaft der flüchtigen Personen Heinrich Schulz und Heinrich Tillessen, von denen immer noch jede Spur fehlt. Attentat oder grober Unfug? Lüdenscheid. 19. September.(TU.) Gestern abend wurde wäh- rend der Sitzung des Parteitages der Deutschen Volkspartei in der großen Schützenhalle ein Schuß von außen durch das Fenster der Halle gegeben, der glücklicherweise keine Folgen hatte. Man nimmt an, daß der Schuß gegen Dr. Sttesemann gerichtet war, da er in der Richtung auf das Rednerpult abgefeuert wurde. Stresemann hatte aber kurz vorher seine Rede beendet und Abg. Hugo war an sein« Stelle getreten. Der Täter ist unerkannt entkommen. Der Schuß ist, wie später festgestellt wurde, aus einer Pistole abgegeben worden. Neue Erklärung üer preußischen Regierung. Die preußische Regierung veröffentlicht folgende Erklärung: In einer Aeußerung des preußischen Ministerpräsidenten vom letzten Sonntag in Sachen des Streitfalles zwischen dem Reich und Bayern ist am Schluß ausgesprochen worden, daß die Angelegenheit nicht durch die Parteibrille, sondern ruhig und sachlich betrachtet und be- handett werden müsse. Wie berechtigt dieser Hinweis war, geht aus mehreren Presseäußerungen im Anschluß an die am gleichen Tage veröffentlichte Erklärung der preußischen Regierung hervor Preußen hat mit diesen beiden Schritten überhaupt nicht Partei er- griffen, weder gegen das Reich, noch für Bayern. Aufgabe der preußischen Regierung bei der Gesamtlage am letzten Sonnabend war es vielmehr, zu verhindern, daß neben dem Streit zwischen dem Reich und Bayern sich nicht noch ein weiterer Streit zwischen P reichen und Bayern ohne das Zutun Preußens herausbilden werde, womit die politische Gesamllage nur verschärft worden wäre. Das war der allgemeine Zweck der Erklärung der preußischen Regierung. In der eingangs erwähnten Aeußerung des preußischen Minister- Präsidenten ist ausgesprochen worden, daß die jetzige Zeit bei der außerordentlich ernsten außenpolitischen und finanziellen Lage des Reiches und bei der Erregung im Innern aus Anlaß der Er- mordung Erzbergers nicht geeignet ist, die Frage der staatlichen Zu- ständlgkeit zwischen Reich und den Ländern auf die Spitze zu treiben und zur endgültigen Klärung zu bringen." Daraus geht deutlich hervor, daß es die preußische Regierung nicht für angebracht hält, jetzt den Streit um die Weimarer Verfassung, d. h. um die Frage, ob Zentralismus oder Föderalismus, worauf verschiedene Kreise in München und Berlin hindringen, zum Austrag zu bringen. Sowjetgrößen in Berlln. Der Volkskommissar für den Außenhandel Krafsin und der Volkskommissar für das Bildungswesen Zunakschawski sind, laut Oft-Expreß, in Berlin eingetroffen. Zrankreich ziebt Truppen zurück. Berlin, 19. September.(EiTV.) Die französische Re- 1 g i e r u n g hat der deutschen Regierung am 17. September folgende Note übersandt: Die französische Regierung hat die Z u r ü ck v e r- � legung der im Mai d. 3. in die besetzten Gebiete gesandten Truppen nach Frankreich beschlossen. Die Truppenbewegung soll am IS. September beginnen und vor Ende des Monats beendet sein. Es Handell sich wohlgemerkt n i ch t um die Truppen, die in Aus- führung der militärischen Sanktionen die drei Ruhrkohlenhäfen besetzt halten, sondern um jene Kontingente, mit denen Frankreich in diesem Frühjahr das ganze Ruhrgebiet zu besetzen beabsichtigte. Da Frankreich sich nicht einmal dazu entschließen kann, die wirt- schaftlichen Sanktionen zu beseitigen, deren Aufhebung grund- sätzlich vom Obersten Rat für den IS. September beschlossen worden war, ist es leider erst recht nicht anzunehmen, daß es im Zusammen- hang mit dieser Zurückverlegung von Truppen auch eine Räumung Düsseldorfs, Duisburgs und Ruhrorts zu vollziehen beabsichtigt. In- dessen je weniger Besatzungstruppen am Rhein stehen, desto lieber kann es uns im Interesse der dortigen Bevölkerung und der Reichs- finanzen überhaupt fein. verwände gegen die Abrüstung. Genf, 19. September.(MTB.) Den Mitgliedern des Völker- bundrates und der Versammlung ging heute der B e r i ch t der Kommission für Aorüstungsfragen zu, die auf Beschluß der letztjährigen Versammlung eingesetzt wurde. In dem aussühr- lichen Bericht verdienen vor allem die politischen Betrach- t u n g e n über die allgemeine Lage und besonders Deutschlands Interesse. Sie versuchen den Nachweis zu führen, daß die heulige politische Lage eine Abrüstung sehr schwierig macht. Als der Entwurf ausgearbeitet wurde, so heißt es wörtlich, rechnete man damit, daß alle Völker Mitglieder derselben Vereinigung sein würden und daß die gemeinsame Absicht, den Frieden auf dem gesamten Erdball zu erhalten, sie miteinander verbände, daß alle Nationen miteinander in Frieden leben würden und daß nach den Erschütterungen des Krieges die Well zur Ruhe gelangen würde. Diese Bedingungen sind heute nur teilweise erfüllt.(Durch wessen Schuld! Red.) Drei Großmächte, von denen die eine gegenwärtig, die beiden anderen potentiell über große milllärische Machtmittel oerfügen, gehören dem Völkerbunde nicht an. Solange aber die vereinigten Staaten, Deutschland und Rußland am Völkerbund nicht teilnehmen, wird es für seine Mitglieder heute schwierig sein, gemein- sam einen separafiven und so c schreitenden Abrüstungsplan oder einen vollständigen und rückhaltlosen Austausch über militärische Nachrichten vorzunehmen. Der Bericht weist� besonders auf die Befürchtungen der Rußland benachbarten Staaten hin, die noch unsichere Lage der deutschen Re- publik, die ernste Spannung zwischen Litauen und Bolen und die Tatsache, daß die aus der Zerstückelung Oester- rcich-Ungarns hervorg-gangenen Staaten sich noch nicht völlig der durch die Friedensverträge geschaffenen Lage angepaßt haben. Zwischen Griechenland und der Türkei herrsche immer noch Krieg. Der Friede von Sevres sei noch immer nicht ratifiziert worden, und auch die mohammedanische Welt sei voll von Unruhen. Die Antworten, die die verschiedenen Re- gierungen dem Generalsekretär über ihre Heeresausgaben erteil- ten, beweisen hinreichend die Unsicherheit der allgemeinen politischen Lage und zeigen, mit welcher Vorsicht die Völkerbundsmitglieder an die Prüfung konkreter Abrüstungsfragen herantreten. Als ein- Zigen wirklichen Fortschritt auf dem Gebiet« der Ab- rüstung führt der Bericht die durch die Friedensverträge ge- wissen Staaten aufgezwungene Abrüstung an. Es heißt darüber:„Die Ausführung dieser Bedingungen ist auf dem Wege guter Verwirklichung. Wir hoffen, daß sie durch die Errich- tung eines festen demokratischen Regimes gekräftigt wird.- Das wäre eine wesentliche Gewähr für die Aufrechterhaltung des.Friedens. Tatsächlich wurde im Laufe der Geschichte niemals eine so wesentliche Maßnahme von so großer Tragweite getroffen, wie die Abschaffung der Dienstpflicht in Deutsch. land und die Herabsetzung der regelrechten Streitkräfte dieses Landes auf ein freiwilliges Heer, das nicht die notwendigen Bedürfnisse der inneren Verteidigung über- schreitet. Die strenge Aufrechterhaltung dieser Lage wird nicht nur die Rüstungsbeschränkungen in anderen Ländern erleichtern, sondern die Aufrechterhaltung des Friedens in Westeuropa zur Folge haben." Der Bericht befaßt sich an verschiedenen Stellen mit der Entwaff- nung Deutschlands. So heißt es in dem Bericht der zweiten Unter- kommission über das Untersuchungsrecht des Völkerbundes:„Man kann praktisch an das Abrüstungsproblem kaum herantreten, wenn man sich nicht erst darüber versichert, baß alle in den Verträgen vor- geschriebenen Maßnahmen vollständig und loyal durchgeführt wer- den. E r st wenn auf diese Weise Sicherheit geschaffen ist, kann die allgemeine Abrüstung ins Auge gefaßt und allmählich gelöst werden. Das Studium dieses Untersuchungsrechts, das die Aus- führung dieser Maßnahmen kontrollieren soll, ist also eine der wesentlichsten Vorbedingungen für die Lösung dieses Problems." Diese Auffassung, die auch in dem französischen Abänderungs- anttag zu Artikel 9 zum Ausdruck kommt, zeigt von neuem, daß das Abrüstungsproblcm für den Völkerbund sich im wesentlichen auf die Durchführung der Friedensverträge beschränkt und bestätigt die Krittk, die der norwegische Gesandte L a n g e in der vergangenen Woche an der einseitigen und ungenügenden BeHand- lung der Abrüstungsfrage übte. » Der Schlußbemerkung dieses WTB.-Berichtes müssen wir leider restlos zustimmen. Es ist einfach ein schlechter Witz, wenn jene, offen- bar unter ftanzösischem Einfluß stehende Kommission sich jetzb auf das„Fernbleiben" Deutschlands vom Völkerbund beruft, um die Abrüstung der alliierten Staaten— denn es kann sich nur noch um diese handeln— zu verschleppen. Wer hat denn in Versailles den Ausschluß Deutschlands vom Völker- bund durchgesetzt? Clemenceau! Wer war es denn, der dann auf der ersten Vollversammlung, als die Frage der Zulassung Deutschlands vom Schweizer Motta schüchtern erwähnt wurde, ent- rüstete Töne dagegen geredet? L i v i a n i! Und wenn sich das waffenstarrende Frankreich heute auf die Abwesenheit des nieder- geworfenen Deutschlands, des hungernden Rußlands und der Der- einigten Staaten(I) beruft, um seine Millionenhecre weiter im Mutterlands und— auf Kosten Deutschlands— am Rhein unterhalten zu können, so ist dies nur ein neuer Beweis dafür, daß in Paris drei Jahre nach dem Kriege die Militärs das entscheidende Wort führen. Gerade wir, die als Sozialdemokratische Partei und als Mit- glicd der Zweiten Internationale überzeugte Anhänger der Idee des Völkerbundes sind, müssen das, was sich gegenwärtig in Genf ab- spiett, als eine widerwärtige Heuchelei bezeichnen. De« Genfer Herrschaften ins Stammbuch. Madrid, 19. September.(WTB.)„Libertad" bringt einen Artikel von Linare» über die Stärke der deutschen Regie. r u n g und den Sieg der Demokratie, versin sei die wenigst misikärische und am meisten demokrasische Hauptstadt Europas._ Ein Nekrolog. Zum Tode Philipp Eulenburgs bringt die„Kreuz- zeitung" eine Lebensbeschreibung, die mit dem Jahre 190 2 schließt. Daß der Name de» Fürsten noch in späteren Iahren recht erheblich in der Oesfentlichkeit genannt wurde, ist der Aufmerksamkeit der „Kreuzzeiwng" entgangen. Immerhin berichtet die„Kreuzzeilung", daß im Jahre 1887 ein Theaterstück Eulenburgs im Schauspielhause aufgeführt wurde. Offenbar ist dies der Grund, weshalb man sich heute noch seines Namens erinnert. I RhemlanökommWon gegen Hetzblätter. Paris, 18. September.(WTB.) Nach einer Haoasmeldung aus Koblenz hat die Interalliierte Rheinlandkommission \ beschlossen, die Einführung derjenigen Publikationsorgane ins be- setzte Gebiet endgültig zu untersagen, die schon zwei- mal suspendiert worden sind und dieser doppelten Warnung nicht Rechnung getragen haben. Bei dieser Gelegenheit hat die Kom- Mission den deutschen Reichskommissar gebeten, die Aufmerksamkeit der deutschen Regierung auf die unheilvolle Rolle zu lenken, die die Haltung mehrerer deutscher Blätter für die Wiederherstellung der friedlichen Beziehungen in Europa darstellt. Die deutsche Regie- rung werde wohl alle Anstrengungen machen, daß sowohl im be- setzten als im unbesetzten Deutschland die heftigen 2lngriffe gegen die Besatzungsbehörden und gegen die alliierten Mächte aufhören, mit demselben Rechte wie gegen deutsche Behörden gerichtete Angriffe, die gleichfalls die öffenlliche Ordnung zu stören drohten. » Daß die Rheinlandkommission gegen jene Blätter vorgeht, deren Rolle tatsächlich unheilvoll ist, wäre durchaus verständlich, wenn sie ihre Macht auch gegen die französische Presse gebrauchen würde, die eine mindestens ebenso schwere Gefahr für die Wieder- Herstellung der friedlichen Beziehungen in Europa darstellt. Der Geist der Besatzungstruppen, besonders des französischen Offizierskorps, wird durch Blätter vom Schlage des„Echo de Paris" und des „Figaro" in viel gefährlicherer Weise vergiftet, als der Geist der rheinischen Bevölkerung durch die Karikaturen des„Simplizisstmus" usw. Es ist ein eigenartiges Ansinnen, das hier zwischen den Zeilen an die Reichsregierung gestellt wird, die Verordnung des Reichs- Präsidenten in dieser Hinsicht anzuwenden, während den Hetzereien der Presse des„nationalen Blocks" freier Laus gelassen wird! Die norwegische Regierung hat die Sowjetregisrung als de facto anerkannt. Räumungsgebot an Ungarn.„Daily Expreß" berichtet, daß die Botschaftertonferenz Ungarn auffordern wird, das Burgenland innerhalb 14 Tagen zu räumen. Wirtschaft England und der Markslurz. Zu der deutschen Börsenkrise bemerkt das englische Finanzorgan „Daily Mail": Die ausländischen Valuten sanken gestern(Mitt- woch) neuerdings an der Londoner Börse. Der Frank ist wiederum viel weniger wert, und mit der deutschen Mark ver- hält es sich ähnlich. Mit diesem Kurssturz steht die A r b e i t s l o s i g- k e i t in engem Zusammenhange, die in England herrscht. Denn die kontinentalen Märkte sind dem englischen Außenhandel vollkommen verschlossen, namentlich Deutschland ist nicht mehr imstande, auf eng- tischen Märkten zu kaufen. Dagegen bereitet Deutschland dem englischen Handel in ganz Europa die größte Konkurrenz, denn der Tiefstand der Mark ermöglicht es ihm, zu weit billigeren Preisen zu verkaufen. Die Arbeitslosigkeit ist eine ruinöse B ü r d e für den englischen Steuerzahler, weil dieser für die Arbeits- lofenunterstützung aufkommen muß. Man habe allerlei untaugliche Versuche gemacht, die Arbeitslosenfrage zu lösen, man habe Minister- komitees eingesetzt und Notstandsarbeiten ins Auge gefaßt. Was aber auch die Regierung beschließen möge— alles werde vergeblich sein, solange man nicht Mittel und Wege findet, den internationa- len Kredit wiederherzustellen, daß der Handel wieder aufleben kann. Die„Daily Mail" beftagte eine Reihe von Industriellen über die Krise. Aus den Antworten fei die von Harald Bowden, dem Präsidenten der Raleigh Eycle Comp, in Nottingham, wieder- gegeben, die ausführt: „Wenn die Valuten wieder auf ihren normalen Stand gerieten, könnten die Engländer die deutsche Konkurrenz ertragen. Gegen- wärtig aber sei es unmöglich, diese Konkurrenz aus dem Felde zu schlagen. Die skandinavischen Länder könnten überhaupt keine englischen Fabrikate mehr kaufen. Die Deutschen haben überall in den skandinavischen Ländern ihre Agenten und verkaufen dort ihre Waren. Diese kommen aus den neutralen Ländern nach England, wo man sie für— neutrale Fabrikate erklärt. Man müsse von einem Zusammenbruch des englischen Außenhandel« sprechen, durch den die Arbeitslosigkeit in England herbeigeführt würde. Nur wenn es gelänge, die lnternasionaten Kurse wieder in» Gleichgewicht zu bringen, könne sich der englische Außenhandel wieder erheben. Der Präsident der Vereinigung engsischer Industrieller, Peter R y l a n d s, erklärte, daß der Sturz des Markkurses der größte Vor- teil für Deutschland sei. Vieler Vorteil könnte Deutschland nur ge- nommen werden, wenn die Mark wieder ihren normalen Stand ein- nehme, wodurch die gegenwärtigen Schwierigkeiten des englischen Handels überwunden werden könnten. « Wir stehen zwar nicht auf dem Standpunkt, daß der Marksturz segensreich für Deutschland ist, und sehen in der Markentwertung eine große Gefahr für die Leistungsfähigkeit der Staatsfinanzen, der durch verminderte Kaufkraft verelendenden Arbeiterschaft und damit auch für die Industrie, stimmen den englischen Finanzleuten aber durch- aus zu, wenn sie den Schwerpunkt des Problems auf die Stabili- sierung der internationalen Kurse legen. Es war vorauszusehen, daß die Bezahlung der Reparationen In Goldwerten eine Erschütte» rung des Markkurses und damit eine Erschütterung de» Weltmarkte» nach sich ziehen würde. Deutschland und seine Arbeiterschaft wird sich auch weiter durch Arbeit über Wasser halten, aber ohne weitere Erschütterungen und Unsicherheiten aus dem Weltmarkt wird e» auch in Zukunft nicht abgehen. Man kann an da» Problem einer Ge- sundung der internationalen Währung nicht herangehen, ohne die Wechselwirkung zwischen Kursschwankung und Wiedergutmachung zu berücksichtigen. Im übrigen möchten wir davor warnen, die Börse als Wertmesser fiir den Wohlstand Deutschlands anzusehen und au» den Spekulationsgewinnen einiger Börsenjobber und Wiedergut- machungsgewinner Rückschlüsse zu ziehen. Die Industrie hat keinen Nutzen an dem Marksturz, da er wie alle Produkt«, so auch die Roh- stoffe und Arbeitskräste wesentlich verteuert. Lette Nackrichten.. Raubmord in der Swinemünder Straste. Am Montagabend gegen ßV» Uhr wurde der«rbettslose 60 Jahre alte Klempner Richard R o s s o w in feiner Wohnung im Parterre des Hauses Swinemünder Straße 121 im Bett« liegend tot aufgefunden. Der Mann war nur mit Hemd und Hose bekleidet. Das Gesicht war über und über mit Blut besudelt. Nach- barsleute, die ihn seit Sonnabend nicht gesehen hatten, benachrich« tigten die Kriminalpolizei, die in kurzer Zeit zur Stelle war. Allem Anschein nach siegt ein Raubmord vor, da die Behältnisse im Vorderzimmer sämtlich durchwühlt sind. Was geraubt war- den ist, konnte bisher nicht festgestellt werden, da man darüber erst die Anverwandten des Ermordeten hören muß. GewerMostsbewegung Existenzminimum; 70 000 Mark. Bekanntlich nehmen die Unternehmer jede Gelegenheit wahr, um der Oeffentlichkeit darzulegen, daß die Kosten des Lebensunter. Haltes keineswegs so gestiegen seien, wie dies von Arbeitnehmer« feite geschildert wird. Es ist klar, daß die Unternehmer zur Durch- führung ihrer Lohnpolitik ein Interesse haben, die Lebensunter- Haltskosten so niedrig als möglich anzugeben. Wie in Wirklichkeit die Bankwelt die Verteuerung der Lebenshaltung einschätzt, beweist folgender Brief, den die Deutsche Dank In Berlin an einen ihrer amerikanischen Geschäftsfreunde richtete: Berlin, den 11. August 1921. fyrxn X.$. Auf den weiteren Inhalt Ihres Briefes erlauben wir uns Höst, zu erwidern, daß die Kosten, welche die Lebenshaltung in Deutschland zurzeit erfordert, abhängig sind von der Größe der ssamili« und von den Ansprüchen die gestellt werden. Ein« Familie von drei Personen dürste gegenwärtig zu ihrem Unterhalt eine Summ« von 70VV0 M. jährlich gebrauchen, wobei es ziemlich gleich bleiben dürfte, ob de? Aufentholl in Berlin oder Hamburg genommen wird. Im ollgemeinen kann man sagen, daß das Leben in Deutsch- land augenblicklich ungefähr fünfzehnmal so t e u e r i st, als in der Vorkriegszeit. Wir empfehlen uns Ihnen hochachtungsvoll Deutschs Bank. Unterschriften. Die Deutsche Bank mocht also das wichtigst« Eingeständnis, daß Bas jährliche Existenzminimum für ein« dreiköpfige Familie 70 00» Mark beträgt und daß die jetzigen Kosten der Lebenshaltung in Deutschland um f ü n f z e h n m a l höher als in der Vorkriegszeit einzuschätzen sind. Der Brief der Deutschen Baank bietet allen Or. ganisationsvertretern bei Tarifverhandlungen ein wertvolles Be- weisstück, um den Arbeitgebern klarzumachen, daß die Entlohnung sehr weit hinter den gegenwärtigen Preisverhältnissen zurückbleibt. Die Lohnbewegung in den Reichsbetrieben. Die gewerblichen Arbeitnehmer der Reichsbetriebe und Berwal- tungsbehörden, die im Deutschen Transportarbeiteroerband organi- siert sind, hielten Freitag im Dresdener Kasino eine gut besuchte Bollversammlung ihrer Branche ab. Ueber den vorläufigen Abschluß der Lohnbewegung in den Reichs- und Staats- betrieben referierte T h i e m e. Er gab eine Uebersicht über die Vor- geschichte der Bewegung, über die bekannten Verhandlungen mit der Reichsregierun, uno das schließliche Resultat. Es war nicht mög- lich, bei den Berhandlungen eine gleiche Zulage für alle Arbeiter und unteren Beamten zu erzielen. Die Be- «mten der Gruppe I(niedrigste Gruppe) erhalten jetzt pro Jahr 1380 M., die Arbeiter über 21 Jahre aber 2496 M, Die ober st en Beamten der Gruppe 13 haben dagegen eine Jahres- zulage von 14 ISS M erholten. Wenn man dem die Zulage von 1330 M. für die unteren Beamten entgegenhält, ergibt sich ohne weiteres das Ungerechte eines prozentualen Zuschlags, wenn die Grundgehälter nicht gleich sind. Bevor für die Frauen und die männlichen Arbeitnehmer unter 21 Jahren die Teuerungszuschläge festgesetzt wurden, fand eine ge- meinsame Konferenz des Vorstandes des Deutschen Trans- portarbeiterverbandes und der Abteilungsleitungen der dem Deut- schen Verkehrsbund angeschlossenen Gruppen statt, die in einer Rc- solution bei Anerkennung beachtenswerter Zugeständnisie in einigen .- Punkten ihre Mißbilligung über die Ablehnung verschiedener Forde- rungen, namentlich auch der Forderung auf Gewährung einer ür gleich hohen Zulage für alle Gehaltsempfänger, aussprach und bedauerte, daß die auf Beseitigung der Differenzie- rung des Teuerungszuschlages in den Ortsklassen gemachten Vor- schläge abgelehnt worden seien. Die Konferenz betrachtete deshalb oas Gesamtergebnis nicht als allgemein befriedigend, sondern nur als einen Schritt auf dem Wege zu der dringend notwendigen Verbesie- rung der Einkommensoerhältnisse der Lohn- und Gehaltsempfänger. Nachdem Redner dann noch die Festsetzung der Zuschläge für die weiblichen Personen und der männlichen Arbeiter unter 21 Jahren gewürdigt hatte, bezeichnete er es als wichtig, daß man bei ' den Abmachungen an keinen bestimmten Termin gebunden sei. Die Instanzen der verhandelnden Gewerkschaften hätten dem Verhandlungsergebnis zugestimmt, um die Kollegen und Kolleginnen möglichst schnell in den Genuß der Zulagen kommen zu lassen. Es entspann sich eine lebhafte Debatte. Gegen die Annahme des verhandlungsergebnisies durch die berufenen Vertreter der Or- ganisationen wurde kein Widerspruch erhoben. Dagegen wurde allgemein der Wunsch laut, daß die Organisation die Teuerungs- tz frage stets im Auge behalte und im gegebenen Moment die nötigen Schritte tue, um der fortschreitenden Teuerung mit den Löhnen nach- zukommen. Damit erübrigte sich ein Beschluß. Auf die Entlassungen in den Betrieben, die infolge des Verlangens der Entente in Aussicht stehen, ging dann der Der- fammlungsleiter S t i f t e r ein. Er verwies darauf, daß scheinbar die Absicht bestehe, jenes Verlangen der Ententevertreter zu benutzen, um an einigen Stellen die Kollegen Lohnempfänger(Boten usw.) durch Beamte, durch liebe Kinder der Verwaltung, zu ersetzen. Da- gegen, daß zielbewußte Arbeiter durch reaktionäre Beamte ersetzt werden, werde sich die Organisation energisch wehren. Lohnkampf der Steinsetzer. In einer gut besuchten Versammlung der Steinsetzer berichtete Otto Fritze über das Ergebnis der bisherigen Lohnverhandlungen. Der Redner wies zunächst darauf hin, daß die Forderung einer Er- höhung des Lohnes um 50 Proz. und 40-stündige Arbeitszeit be« schloffen worden sei. Ferner sollte auf jeden fünften Beschäftigten ein durch den Arbeitsnachweis zu vermittelnder Arbeitsloser ein- gestellt werden. Diese Förderungen wurden von den Unternehmern abgelehnt. Sie erklärten unter Berufung auf den bis zum Ottober geltenden Lohntarif, sowie auf die derzeittge Konjunktur und die auf Grund der Submissionsbedingungen übernommenen Verpflichtungen, darauf nicht eingeben zu können. Eine Verhandlung vor dem angerufenen Einigungsamt oerlief erfolglos. Der Vorsitzende S ch a l l h o r n habe die Erklärung ab- gegeben, daß eine Entsckeidung des Einigungsamtes nicht zustande gekommen fei, weil ein Arbeitnebmerbeisitzer in der internen Sitzung gesagt Hobe, er werde von Vorgängen in dieser Sitzung der Oeffent- lichkeit Mitteilung machen. Es war dann nochmals eine Besprechung mit den Unternehmern, bei der dieselben einen Lohnaufschlag von 60 Pf. anboten. Hierüber soll am Mittwoch verhandelt werden. An der folgenden Aussprache beteiligten sich mehrere Redner. Allseitig wurde das unsoziale Verholten der Unternehmer verurtellt. Doch wurde beschloffen, daß die Lobnkommission auf Grund des Angebots mit den Unternehmern am Mittwoch verhandeln soll. Aufstehen! Der Herr Direktor kommt! Am 3. August 1921 fällte der Schlichtungsausschuß Groß-Berttn in Sachen der Kontoristin R. gegen die Firma Peddingshaus- Levador-Weyermann folgende Entscheidung(Aktenzeichen A. II. 12 026/21(301«. 8. 8.): Die zum 81. Juli 1921 ausgesprochene Kün- digung ist unwirksam. Der Arbeitgeber ist verpflichtet, die Kon- toristin R. weiter zu beschäftigen oder ihr eine Entschädigung von 420 M.(oierhundertzwonzig Mark) zu zahlen. Gemäß z 87 Abs. 3 des Betriebsrätegesetzes hat innerhalb dreier Tage nach Kenntnis von dem Einttitt der Rechtskraft der vorstehen- den Entscheidung der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer mündlich oder durch Aufgabe zpr Post zu erklären, ob er die Weiterbeschäftigung oder die Entschädigung wählt. Erklärt er sich nicht, so gilt die Weiterbeschäfttgung als obgelebnt. Begründung: Die Kündigung ist nicht zu Recht erfolgt, denn der Arbeitgeber kann unmöglich von seinen Angestellten ver- langen, daß sie den Gruß durch Erhebung von den Plätzen erwidern. Abgesehen davon, daß dies nicht allgemein üblich ist, kann durch ein solches Verlangen der Betrieb nicht uner- heblich gestört werden. Die im§ 84 Abs. 1,§ 86 Abs. 1 BRG. gegebenen Form- und Fristvorschriften sind erfüllt.(Unterschrift.) Seemännische AuSkunftbureauS. Die Binnenlandpreffe bringt in letzter Zeit wieder häufiger An- zeigen, in denen„Seemännische Auskunftsbureaus" jungen Leuten, die zur See fahren wollen, ihre„Hilfe" anbieten. Diese teuer be- zahlte Hilfe besteht in Adresienvermittlung von Heuerbureaus. Bei der U e b e r f ü l l u n g des seemännischen Berufs besteht aber für unerfahrene Leute so gut wie gar keine Aussicht, eine Chance zu erwischen. Wer Auskunft wünscht, wende sich unter Beifügung von Rückporto an die Reichsabteilung Seeleute im Deut- schen Transportarbeiterverband, Hamburg 9, Schaarmarkt 12. Wir warnen nachdrücklichst vor folgenden „Auskunftsbureaus": Auskunftsbureau Ziegenhorn u. Schulz, Niederlößnitz bei Dresden.— Seemännisches Auskunstsbureau in Leipzig-Sallern, Gretschelstraße 12.— Carl Schulz, Magdeburg.— Senff, Berlin-Friedrichshagen.— K. Taubert, Schleusingen.— W. Schirmer, Stendal, Rathenower Straß«.— Seemännisches Auskunftsbureau, Oppeln i. O.-S., Postfach.— Bruno Schulz, Berlin N. 39, Panksttaße 89 III.— Auskunftei Harms, Hamburg 36, Schließfach 112 A. 21.— Seemännisches Auskunftsbureau, Hamburg-Altona 76, Bahnhofstraße 38.—„Deutscher Anker", Bordes- Holm, Bez. Kiel.—„Seemannsruh", Auskunftsstelle für Seefahrts- oerkehr und Schiffspersonal, Kiel.— Seemännisches Auskunstsbureau, Oberbeuren bei Kaufbeuren. Die Tages- und Gewerkschaftspreffe wird um Abdruck ersucht. Deutscher Transporkarbeikeroerband. Die Lohnbewegung im GastwirtSgewerve. Eine am Montagvormittag tagende Dersammlung der Betriebs- räte und Vertrauensleute des Kartells der im Gastwirtsgewerbe ver- tretenen Arbeitnehmerorganisationen beschäftigte sich mit der Lage. Bürde als Referent gab den Situationsbericht und teilte u. a. mit, daß die Arbeitgeber durch Rundschreiben aufgefordert worden sind, die Auszahlung der bereits vorbehaltlos vereinbarten Teuerungs- zulage von 10 Proz. der bestehenden Tariflöhne für die Zeit vom IS. August bis 30. September, deren erstmalige Auszahlung am 20. September erfolgen sollte, nicht eher vorzunehmen, bis die kom- Menden Tarifoerhandlungen auf friedlichem Wege erledigt feien. In der regen Diskussion wurde das Vorgehen der Unternehmer als Tarifbruch gekennzeichnet. Die Vertreter der Handwerker. der Köche und des Hilfspersonals wiesen die Zumutung der Unter- nehmer, auf Kosten des Bedienungspersonals eine Erhöhung ihrer Bezüge anzunehmen, ganz entschieden zurück. Sie stellten sich ge« schlössen hinter die vom Kartell aufge st eilten Ge- samtforderungen. Die bisherigen Maßnahmen des Kartell- Vorstandes wurden ausdrücklich gutgeheißen und beschloffen, die Unterschrift unter die von den Arbeitgebern bettiebsweise vorgeleg- ten Reverse abzulehnen. Nachfolgende Entschließung wurde nach einem Schlußwort des Vorsitzenden Bürde einstimmig angenommen: „Die am 19. September tagende Versammlung der Betriebsräte und Vertrauensleute verurteilt auf das schärfste den W o r t b r u ch der Unternehmerorganisationen bezüglich der Zahlung der 10 Proz. Teuerungszulage für die Zeit vom IS. August bis 30. September 1921. Die Versammelten verlangen, daß, bevor in neue Tarifverhandlungen eingetreten wird, die abgeschlossene Teuerungszulage an dem festgesetzten Tage zur Auszahlung ge- langt. Geschieht dies nicht, so ist das Kartell beauftragt, die not- wendigen Schritte zur Einlösung des gegebenen Wortes zu unter« nehmen."_ Tarifsireik im versichernngsgewerbe. Die von den am Tarif. oertrage beteiligten Angestelltenverbände eingeleitete Urabstimmung über den am 9. September gefällten Schiedsspruch betr. die Neu« regelung der Gehälter ab 1. September hat ergeben, daß der Schiedsspruch mit überwältigender Mehrheit(über 90 Proz.) verworfen wurde. Wenn der Arbeitgeberverband deutscher Dersicherungsunternehmungen nicht noch in letzter Stunde über den Rahmen des Schiedsspruchs hinaus sich zu weiteren Zugeständnissen herbeiläßt, so trägt er die Verantwortung für alles weitere. Verwaltungsmitglieder des Mekallarbeikerverbandes! Die Be- zirksleiter und Branchenleiter ersuchen wir, uns umgehend, spätestens aber bis zum 22., geeignete Borschläge von solchen Kollegen zu unterbreiten, die gewillt sind, das Amt eines Schöffen oder Geschworenen für das Jahr 1922 anzunehmen. Die Dar- schläge geeigneter Kollegen, es kommen nur Kollegen über 30 Jahre in Frage, die im Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte sind, sind mit genauer Adreffenangabe bis zum oben angegebenen Termin an uns zu übermitteln. SPD.-Funklionäre der städtischen Betriebe. Mittwoch, 8 Uhr, in den Bubi-Sälen Konferenz. Vortrag des Genoffen Richard Bernstein über:„Die Preffe unsere Lebensfrage."— SPD.-Betriebs- sekretariat. SPD.'Funkkionäre der Siemens-Werke. Heute, 4 Uhr, Kon« ferenz bei Marsand, Nonnendammallee.— Fraktionsvorstand. »«mteniuud, Prooinzialkartell Berlin. Heute abeni» 8 Uhr Im Lehrer. vereinzhaus,«lexanoerplat. Referent Dr. Heinz Potthof, München:„Die neu» Deutscher Transport»ldeiteroerbaut». Branche der TeschZftskutfcher, Laaer- ardeiter usw.: Mittwoch 7 Uhr im„Englischen Hof", Älexandirstr. 27c, Versammlung der Betriebsräte, Obleute und Bertauensleute obengenannter Branche. Neuwahl be» Branchenausfchures. Werkmeifteroerband. Fachgruppe Graphische Berufe: Mittwoch Slh Uhr im Schultheis, Brückenftr. fld, Branchenversammlung. Gehaltsbewegung. Das Erscheinen aller Werkmeister und Abteilungsleiter ist unbedingt notwenotg. Hriefkaften üe? Reöaktion. Siegessäule. Da« Biilkerschlachtsdenkmal ist 91, die Siegessäule dl Meter hoch.— L. H. 1«. Der Austritt mutz dem Amtsgericht gegenüber erklärt wer- den. Wegen des Uebertritts müssen Sie sich an den evangelischen Pfarrer wenden.— P. S. 1. 1. Zweifelhaft. Unseres Geachtens nein. 2. Nein. Sie können es auf dt« Entscheidung de» Mictcinigungsamte» ankommen lassen.— Wenzel, B. S7. Die Höhe der Summe rönnen wir Ihnen nicht angeben, da hierfür das zuletzt bezogen« ruhegehaltsfähige Dienfteinkommen maßgebend ist. Wenn Ihr Bräutigam vor Ablauf der zwölfjährigen Dienstzeit ausscheidet, so hat er nur Anspruch auf Versorgung nach dem Reichsverforgungsgesetz.— Sl-ligionsuntcrricht und ilirchenaostrttt. 1. Di- Befreiung ist zulässig. Aus. tritt der Eltern au» der Kirche nicht Voraussetzung. 2. Durch den«irchenau,. tritt entstehen kein« Kosten.». Der Austritt mutz dem Amtsgericht gegenüber erklärt werden, gur Legitimation genügt ein Taufschein oder der Konfirma. tionsschein. 4. Der Antrag«uf Befreiung vom Religionsunterricht ist an den Rektor oder Leiter der Schule zu richten.— R.». 21. Volksbildungsamt Reu. kölln. Rathau», Limmer 257.— H. R. 7«. 1. Ja. 2. Rein.». Art. 109 der Reichsverfassung. 4. Orden und Ehrenzeichen dürfen vom Staat nicht verliehen werden. 5. Unsere» Wissen, nein. B-r-ntwortlich für den redakt. Teil T».«locke, Berlin,«erlag:«orwärte-Veria Viktor Schiff, Berlin: für Anzeigen: G. m. b. H.. Berlin. DtnJ: Vor» »ärtS-Buchdrulkerei«. LerlaaSonst'alt' Vaül �inaer«. to„ Berlin. Si-denltr. 8. Hierzu 2 Beilagen. » und Stlbermünzou sollten vor dem Einschmelzen auf ihren Eammel. wert geprüft werden. Robert Ball Rachf, Berlin, Wiibelmstr. 46/47. I. Herren-Ii. 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