flg. 445 4 38. �ahrgaag Ausgabe A Nr. 225 Bezugspreis: NierteIjährI.M,— M„ monall. IS.— SR. kei ins Haus, ooraus zahlbar. Palb» bizug: Monatlich>0.— M. einschl. Zu- j.tllungsgebiihr. Unter Kreuzband tür Bcutschland. Danzig. das Saar» und Memell;cbiel, sowie die ehemals beut- schen Gebiete Polen». Oesterreich, Ungarn und Luxemburg 20,- M, für das übrige Ausland 27.— VI. Posr» bestellungen nehmen an Oesterreich, Ungarn. Tschecho» Elowatet. Däne» mart, Holland. Luremburg. Schweden und die Schweiz. Der..Vorwärt«* mit der Sonntag». deilag».Doli und Zeit*, der Unter» kaltungsdeilage»Heimwelt* und der Beilage»Siedlung und Kleingarten* erscheint wochentäglich zweimal. Sonn« tag» und Montag» einmal. Telegramm»Adresse! »Sozialvemocrol U-erltn* Morgen Ansgabe c 0rov»SsrIIn ZV k>ti aiiswSrts 40 Pfennig D Vevlinev Volksblatt AnzeigeupreiS: Die»chtgespaltenc Nonpareillezeile kostet S.— M.„kleine Anzeigen" da» lettgedruckte Wort 2,— M.< zulässig zwei settgedruckte Worte), sedc» «eitere Wort I.— M. Etellengejuche »nd Schlasstellenanzeigen da» erst« Wort 1.— ZK» jede» weilere Wort t><> Plg. Worte über lö Buchslaben zählen sür zwei Worte. ZsamiUen-An» zeigen sür Abonnenten Zeile S.öv M. Die Preise verstehen sich cinschlicszlich Teuerungszuschlag. Anzeigen für die nächste ZIumm« müssen bis 5 Ahr nachmittag« tut Hauptgeschäft. Berlin DW W, Linden- strahe Z, abgegeben werden. Geäffnet von S Uhr früh bi« S Uhr abend». Zentralorgan der rozialdetnohratifchen parte» Deutfcblands Neüaktion und Expedition: CW 6S, Lindenstr. 3 SWttttiri.ifiKi'- Rrdaktio» Moritzplatz I5I»5— 97 lyetnsyrcoscr» Moritzplatz 11753—54 Mittwoch, den AI. September 19A1 Eine taktifthe wenöung. GorKH. 20. September.(Eigener Drahtbericht des»Vor» wärts".) Der Parteitag hat gestern mit einer großen Mehrheit, 290 gegen 67 Stimmen, den Antrag des Partei- Vorstandes, der Kontrollkommission und des Parteiausschusses zur Regierungsbildung angenommen. Er hat damit zugleich alle anderen Anträge zum gleichen Gegenstand für e r l e d i g t erklärt, unter ihnen auch einen neu gestellten, der eine Koali- tion mit der Deutschen Volkspartei ausdrücklich untersagt. Damit ist der Sinn des Parteitagsbeschlusses eindeutig festgestellt. Dem Parteivorstand und der preußischen Land- tagsftaktion ist der Weg freigemacht worden zu Verhandlun- gen über eine eventuelle Koalitionsbildung, in die auch die Deutsche Volkspartei mit eingeschlossen sein kann. Die So- zialdemokrgtie wird in Zukunft nicht fragen, welche partei- mäßige Abstempelung die Männer tragen, mit denen ihre Ge- Nossen gemeinsam auf der Regierungsbank sitzen wollen, son- der» sie wird ihre Entschlüsse lediglich einrichten nach der Ge- staltung des zu vereinbarenden Regierungspro- g r a m m s und nach den sachlichen Garantien, die für seine Verwirklichung gegeben werden. Es ist ein V e r s u ch, der unternommen wird, und niemand vermag zu sagen, ob er glücken wird. Möglich, daß die Ver- Handlungen, die sich zunächst auf die preußische Regierungs- bildung beziehen werden, scheitern, möglich auch, daß der Ver- such, kaum, daß er unternommen wurde, wieder abgebrochen wird.. Nach der überwiegenden Meinung des Parteitages durfte aber unter den gegebenen Verhältnissen dieser Versuch nicht von vornherein unmöglich gemacht werden. Es steht zuviel auf dem Spiel/ Die. Deutsche. Volkspartei weiß, daß es der Sozialdemo- kratie um die Verteidigung der Republik verteufelt ernst ist und daß sie eine erweiterte Koalition einzig und allein zu dem Zweck in Erwägung zieht, diese Verteidigung w i r k u n g s- voller zu gestalten. Jeder Minister, er entstamme welcher Partei er wolle, der sich mft der Sozialdemokratie zusammen auf die Regierungs- bank setzt, weiß, daß er nicht nur für seine republikanische Zu- verlässigkeit sein Wort zu geben hat, sondern daß er auch beim Wort genommen werden wird. Durch ihren bloßen Eintritt in eine Regierung mit den Sozialdemokraten zusammen würde daher die Deutsche Volkspartei Verpflich- wngen übernehmen, denen sie sich nicht ohne schwere Gefahren sür das ganze Volk und für sie selbst mehr entziehen kann. Daß der Beschluß des Parteitages nicht sofort die Zustim- mung aller Genossen im Lande finden wird, läßt sich unschwer voraussehen.- Wir wollen dabei nicht von dem oder jenem sprechen, der dann aus der Partei davonläuft, weil ihm der Beschluß der höchsten Parteiinstanz nicht paßt. Um die Leute, die ihrer Gemeinschaft die Treue aufsagen, weil ihnen etwas, was beschlossen worden ist, nicht paßt, ist es nicht schade. Wir wenden uns vielmehr an diejenigen Parteigenosien, denen die Treue zur Partei eine S e l b st v e r st ä n d l i ch k e i t ist, und die vielleicht gerade deshalb den Folgen des gefaßten Beschlusses mit Mißmut und Sorge entgegensehen. Diesen Genossen sei gesagt: Aus Lust an Ueberrafchungen und zum bloßen Vergnügen haben die 290 Parteitagsdelegierten nicht für diesen Beschluß gestimmt. Alle Einwendungen gegen ihn waren ihnen wohl bekannt, und die Gefühle, die ihm wider- streben, sind auch ihnen nicht ftemd. Wenn sie ihn trotzdem gefaßt haben, so geschah dies nach der ihnen gewordenen Er- kenntnis der Dinge, aus der Ueberzeugung heraus, daß dieser gewagte Schritt— wer bezweifelt, daß er gewagt ist?— nicht ungetan bleiben konnte. Der Beschluß, der eine Erweiterung der Koalition ermög- licht, ist eine logischeFolge der Koalitionspolitik selbst. Die bürgerlichen Mittelparteien, mit denen die So- zialdemokratie zur Regierungsbildung verbunden war, fühlen sich der Deutschen Dolkspartei so wesensverwandt, daß sie eine Grenze nach rechts, dort, wo wir sie gesucht haben, nicht finden. Es ist ja eine altbekannte Tatsache, daß die Grenze zwischen Nationalliberalen und Freifinnigen stets schwankend gewesen ist und daß auch Nationalliberale und Zentrum viel Gemeinsames haben. Die Frage mußte sich über kurz oder lang zur Entscheidung stellen, ob die Sozialdemo- kratie den Versuch einer Koalition mit der g e s a m t e n biir- gerlichen Mitte machen, oder ob sie auf die Koalitionspolitik überhaupt verzichten wollte. Der Verzicht auf die Koalitionspolitik überhaupt bedeutet aber unter den gegenwärtigen Umständen nichts anderes, a l s den kaum noch vermeidbaren Bürgerkrieg. Es wäre geradezu ein chohn, wenn die Verteidigung der be> drohten Republik den bürgerlichen Parteien allein überlassen bliebe. Die Opposition aber kann eine bestehende Etaatsform kaum anders schützen, als indem sie sich zu ihrer Verteidigung eigene Machtmittel sckafft, wobei sie mit unwiderstehlicher Notwendigkeit in einen Konflikt mit der bestehenden Staatsgewalt gerät. Um Deutschland vor den Gefahren eines offenen Bürgerkrieges zu schützen, macht die Sozialdemokratie den letzten Versuch, den Schutz der Republik von den leitenden Stellen der Republik aus selbst zu bewirken. Das kann sie aber nur, wenn sie i n der R e- gierung bleibt und in den Einzelstaaten, vor allem in Preußen in die Regierung hineingeht. Mißlingt dieser Ver- such, weil bürgerliche Koalitionsmitglieder ihre loyale Mithilfe versagen, dann tragen diese die Verantwortung für alles, was daraus folgt. Ueber die Erweiterung der Koalition ist d a s letzte Wort noch nicht gesprochen. Es kann sein, daß die Kritiker recht behalten. Sie sollen sich dann nur aber auch dar- über klar sein, daß die Folgen, die sich dann ergeben, schwer und e r n st sein werden. Wir stehen im Kampf. Was jetzt geschieht, ist eine taktischeWendung, und wenn sie den immerhin möglichen Erfolg nicht bringt, dann wird der Kampf schärfer denn je entbrennen. Wir können für die nächste Zeit nicht Verwirrung und Zersplitterung brauchen. Wir halten es mit dem Wort Scheidemanns, daß Koalitionen vergänglich sind, daß aber unzerstörbar bleibt die innere Zusammengehörigkeit der Arbeiterklasse. Wir brauchen notwendiger denn je Einigkeit, Bereitschaft, Disziplin! Leere Kombinationen. Die ,,Doss. Ztg." stellt in ihrer Dienstagabend-Ausgabe die Behauptung auf, daß die Verhandlungen zwischen dem preußischen Ministerpräsidenten Stegerwald und der Sazialbemokratie über die Regierungsumbildung in Preußen schon soweit gediehen seien, daß nur noch ein Görlitzer Partellagsbeschluß die Derüssentlichung der neuen Ministerliste verzögere. Tatsächlich bringt die„Voss. Ztg." bereits die Verteilung der Mini st erposten unter die Par- teien und nennt als sozialdemokratische Minister sogar schon Seve- ring, Otto Braun und Professor Dr. Radbruch. Wie die PPN. auf Rückfrage in Görlitz erfahren, ist diese Sensationsmeldung eine völlig aus der Luft gegriffene Kombination. hingegen hat am gestrigen Tage in Görlitz eine private Besprechung der dort anwesenden preußischen Landtagsabgeord- neten stattgefunden, die sich vollkommen darüber einig waren, daß vor Zusammentritt des Landtags und vor Beratungen der sozialdemokratischen Fraktion weitere Schritte in der Frage der Regierungsbildung in Preußen nicht unternommen werden könnten. Ebenso beruhen Meldungen der„Kölnischen Zeitung" über ein Kabinett P o r s ch in Preußen mit Stegerwald als Kultusminister und ein Reichskabinett Löbe-Stresemann-Rathenau mit Keil als Finanzminister auf Kombinationen, die jedes realen Untergrundes entbehren. Der neueste Justizfkanöal. München, 20. September.(Eigener Drahtbericht de»„Vor- wärts".) Der Prozeß gegen den Nürnberger Unabhängigen Land- tagsabgeordneten Fischer vor dem Münchener Dolksgericht wegen hochverräterischer Ausrufung der Republik Nordbayern hat zu einem geradezu unverständlichen Justizstandal der Bayerischen Volksgerichts institution geführt. Fischer hatte am 8. Sep- tember in einer Versammlung in München eine Rede geholten, die den Staatsanwalt oeranlaßt«, ihn zwei Tage später in Nürnberg festzusetzen. Es ist auch diesmal kein Zufall, daß diese Be« schleunigung des Strafverfahrens in dieser Weise über- hastet wurde. Denn auch diesmal steht der Landtagszusammen- tritt unmittelbar bevor. Alle Zeugen, darunter auch Vertreter der bürgerlichen Presse, bekundeten, daß Fischer die Maßnahmen, die auf eine Proklamation der Republik Nordbayern hinzielten, bedingungsweise angekündigt hat. Andere Zeugen erklärten, Fischer habe die Ankündigung für den Fall in Aussicht genommen, daß Kohr bockbeinig sei. Ander« hatten den Eindruck, die angekündigte Maßnahme sollte«intreten für den Fall, daß e» die Regierung Kohr zum Verfassungsbruch« kommen lasse. Fischer selbst und Zeugen aus Nürnberg, die an den Verhandlungen der sozialistischen Parteien teilgenommen hatten, er- klärten, es habe sich selbstverständlich lediglich um das ver- fassungsmäßige Volksbegehren auf Abtretung Nord- bayern gehandell. Der Staatsanwalt erklärte, Fischer habe nicht eine ver- fassungsmähige Abtrennung, sondern ein gewaltsames Ein- greifen der Arbeiterklasse im Aug« gehabt. Dabei verstieg er sich zu folgender Theorie: Selbst wenn die Regierung in Bayern dazu über- gehen würde, einen offenen Kmiflikt mit dem Reich herbeizuführen, selbst dann würde Nordbayern nicht berechtigt sein, sich von Bayern zu trennen, und die Bevölkerung Nordbayerns hätte dann zu warten, wie sich die beiden Regierungen über den Konflikt verständigen. Di« Reichsregierung wird sich ja für diese Theorie besonder» interessieren. Schließlich wurde das Urteil— 1 Jahr und 8 Monate Festung!— gefällt, ohne den Tatbestand in Nürnberg irgendwie zu klären, lediglich auf die Zeugenaussogen der in den Münchener Versammlungen anwesenden Pressevertreter hin. Di« Urteilsbegrün- dung enthielt die Aeußerung, daß nicht an den Artikel 18 der Reichsverfassung gedacht werden könne, sondern daß es sich um ein gewaltsames Unternehmen,«ine Aufpeitschung der Leidenschaften der Münchener Arbeiterschaft gehandell hat«. vorwärts.verlag G.m.b.H., SW öS, Lindenstr. 3 SScmfliPi-rfii-r» Verlag, Gxvedition and Inseraten- 22ll!LL!!lLrEL:«btcilnnfl Morissploy 11753-51 /tajjsl vor deutscher Konkurrenz. Rom, den 18. September 1921.(O. L.) Nichts ist natürlicher, als daß ein Land mit Verhältnis» mäßig junger Industrie wie Ztalisn die Konkurrenz der Länder mit niedriger Valuta fürchtet. Da unter diesen Ländern äugen- blicklich außer der Tschechoslowakei nur Deutschland ein Industrieland ist und daher allein für die E r o o e r u n g des italienischen Marktes m Betracht kommt, wendet sich die Besorgnis gegen die deutsche Industrie, wie sich die Hoffnungen der armen italienischen Konsumenten auf Deutsch- land richten, von dem man eine Herabsetzung der auf die amerikanische, englische und französische Valuta eingestellten Preise für Industrieprodukte erwartet. Die Elemente'der ver- minderten Konkurrenzfähigkeit der italienischen Industrie sind bekannt: Mangel an Kohle, Mangel an Eisen, zum Teil auch Rückständigkeit der industriellen Organisation und übermäßige Abgabenlast der gewerblichen Unternehmungen. Fügt man hinzu, daß bei den Schwankungen der Valuta die italienische Lira dem Schicksal der Länder mit entwertetem Gclde folgt. daß also, wenn die deutsche Mark sinkt, es der italienischen Lira ebenso ergeht, so daß zwar in Italien die M a r k b i l l i- g e r, gleichzeitig aber der französische und belgische F r a n- k e n, das Pfund und der Dollar teurer werden, so kann man sich denken, daß sich die Konkurrenzbedingungen der italienischen Industrie außerordentlich ungünstig und unsicher gestalten müssen. Denn bei der Monopolisierung der Rohstoffe durch die Großmächte der Entente, mit Ausnahme Italiens, ergibt es sich von selbst, daß Italien seine Rohstoffe da taufen muß, wo die Valuta hoch ist. denn, wer Robstoffe hat, hat eben hohe Valuta. Sinkt also der italienische Wechsel, so verteuern sich für Italien die Rahstoffe, und da gleichzeitig die Mark sinkt, und zwar in höherem Maße als die Lira, so ver- billigen sich die deutschen Industrieprodukte. Die Kon- kurrenzfähigkeit der einheimischen Industrie wird also gleich- zeitig von zwei Seiten angegriffen und kann dem doppelten Angriff nicht standhalten. Nun wäre es ja in der Theorie sehr einfach gewesen, die deutsche, wie die tschechoslowakische und die deutschösterreichiscke Konkurrenz ganz aus dem Felde zu schlagen, indem man die vom Kriege her bestehenden Einfuhrverbote aufrecht erhielt. Bei aller Unnatur und bei all den absurden Unterbindungen unseres Wirtschaftslebens war aber das denn doch unmöglich, da Italien einmal nicht nur Industrieprodukte erzeugt, sondern auch landwirtschaftliche Produkte, für die es mitteleuropäische Märkte braucht, und da zweitens feine Politik nicht nur von den Interessen der Industrie, sondern auch von denen der Konsumenten beherrscht wird. Ist doch jeder in irgendeiner Weise Konsument industrieller Erzeugnisse, welche Erzeugnisse ihm in Italien nicht auf der Grundlage des inländischen Her- stellungspreises, sondern ans der des englischen, französischen, belgischen usw., also mit Balutanerlust, Transportkosten und Zoll berechnet wurden. Der italienische Konsument war der Leidtrogende der Entwertung des italienischen Geldes: wer er- innert sich nicht noch, für eine Nähnadel 15 Centesimi und für eine Schere 20 Lire bezahlt zu haben! Um dieser Notlage abzu- belfen, wurde im März das Handelsabkommen mit der Tschechoslowakei, dann im August das mit dem Deutschen Reiche geschlossen. Und so sind die Konkurrenten da und ihr Vordringen erfolgt automatisch, wie sich nach dem Gesetz der kommunizierenden Röhren ein gleiches Niveau in Wasser- behältern herstellt, zwischen denen ein Austausch möglich ist. Ein typisches Beispiel bietet die italienische Glas- i n d u st r i e. Bor dem Kriege eristierten in Italien ZZ1 Be- triebe mit 17 754 Arbeitern und 4215 Pferdekräften. Der Wert der Jahresproduktion betrug 1912 etwa 88 Millionen Lire. Dann kam der Krieg, der der Industrie durch Ausschluß des auswärtigen Wettbewerbs ein künstliches Treibhausmilieu schuf: es wurde die Herstellung von PrSzisionsgläfern, von wissenschaftlichen Instrumenten usw. unternommen und die Zahl der Arbeiter stieg auf 25 000. Der Preis des„Fiasco", der vor dem Kriege 5 bis 10 Eentesimi betrug, erhöhte sich auf eine Lira und darüber. Mit dem Frieden kam die Krise. Alles Rohmaterial kommt aus dem Auslande, die Erdarten vorwiegend aus Beloien. Belgische Glasscheiben kosten 135 Lire weniger pro Meter, enlner als italienische, böhmische Flaschen aus dunklem Glas 85 Lire weniger, trob Transport und Zoll. Di« Konkurrenz war unmöglich und die B e t r i e b e find heute fast alle geschloffen, während die Glaswaren im Preis« fallen, da die böhmische Produktion maßgebend wird. Aehnliches geschieht in der italienischen F i l m i n d u- st r i e. Im Jahre 1920 waren von 352 in Italien aufgeführten Films 222 im Lande selbst hergestellt: nur 44 stammten aus Deutschland, und zwar nur aus der zweiten Hälfte des be- trachteten Jahres. In der ersten Hälfte von 1921 sind dagegen 270 deutsche Filme aufgeführt worden und 168 amerikanisch«(gegen 67 im Jahre 1920). Dafür sind 85 Proz. ,der italienischen Betriebe für die Herstellung von Films ge» ! schlössen. Diese Daten beziehen sich auf die Zeit vor dem I deutsch-Uallenischm Handelsabkommen, da« auch die Produkte der Filmindustrie der Tin- und Ausfuhr freigibt. Wie soll Italien aber nach Deutschland ausführen, wenn man für einen Lire vier oder gar fünf Mark bekommt? Viel großartiger ist der Prozeß der Lähmung der italieni- schen Industrie durch die deutsche Konkurrenz in der Metall- und chemischen Industrie, aber gerade wegen seiner Großartigkeit ist er weniger zu übersehen und bis jetzt noch nicht statistisch zu erfassen. Einiges darüber läßt sich aus der Statistik des gesamten Außenhandels mit dem Deutschen Reich erschließen. Als am 1. Januar 1S2V die Grenzen geöffnet wurden, belief sich im ersten Monat die Ein- fuhr aus Deutschland auf einen Wert von 26 Millionen Lire, dem eine italienische Aussuhr nach Deutschland für 25 Millio- nen gegenüberstand. Dann stieg aber die deutsche Einfuhr von Monat zu Monat und betrug im Dezember schon 133 Millionen. Im ganzen Jahre hatte Italien aus Deutsch- land für 821 Millionen eingeführt und nur für 36l> Millionen ausgeführt. Im laufenden Jahre dürfte sich die deutsche Aus- fuhr schätzungsweise auf eine Milliarde und 300 Millionen erhöhen, die nicht zur Hälfte durch die italienische Ausfuhr nach Deutschland gedeckt werden dürfte. Gewiß schließt die deutsche Einfuhr auch Rohprodukte ein, so namentlich Eisen und Kohlen, aber der größte Teil sind fertige gewerbliche Er- Zeugnisse. Dabei belief sich nach offiziellen Angaben die Z a h l der Arbeitslosen in Italien am 1. September auf 438 747, mit einem Zuwachs von 25 000 gegenüber dem 1. August. Fast der vierte Teil der Arbeitslosen entfällt auf die hochindustrielle Lombardei. Von landwirtschaftlicher Ar- beitslosigkejt ist in dieser Jahreszeit kaum die Rede. Diese ungeheuer ernste Lage, die sich automatisch ver- schärfen muß, ist eine unmittelbare Folge jenes Moments menschlichen Unverstandes, das sich die Entente in Versailles gesetzt hat. Man hat dort die im Kriege unterlegenen Länder in ihrer wirtschaftlichen Existenzmöglichkeit zu treffen gesucht, was bei Deutschösterreich so gut gelungen ist, daß man ihm sein wirtschaftliches Rückgrat brach. Da man dem Deutschen Reiche nicht alle Rohstoffe nehmen, seine lndustrielle Organi- sation nicht.zerstören konnte, ist es, trotz Versailles eine industrielle Macht geblieben, ist aber durch seine ausgeblutete Finanz und die daraus folgende Entwertung seiner Valuta, trotz aller Abwehrmaßnahmen der Entente, der konturrenz- fähigste Staat auf dem Weltmarkte. Die Ententemächte erster Klasse, England, Frankreich und Belgien, können sich gegen die deutsche Konkurrenz im eigenen Lande schützen, denn sie können ihren Bedarf an Industriewaren selbst herstellen. Italien kann das nicht, denn bei der Austeilung der Rohstoffe baden die Verbündeten feine Existenz übersehen. Es ist aufs Ausland angewiesen. Aber die Entente, die den italienischen Markt auch nicht verachtet. schließt sich selbst durch ihre hohe Valuta von ihm von Tag zu Tag mehr aus und wird von Deutschland verdrängt. Gegen diesen Borgang, dessen Wurzeln, wie gesagt, bis nach Versailles zurückreichen, sucht man nun in Italien allerle, . Quacksalbereien anzuwenden. Die ganze Industrie schreit nach Schutzzöllen, die Schwerindustrie nach Fabrikationsprämien, wobei sie vergißt, daß die heutige Steuerlast bereits die Leistungsfähigkeit des Landes übersteigt, während die Prämien doch aus dem Säckel kommen müssen, den der Steuerzahler füllt. Am energischsten betreibt die Metallindustrie, die über weitverbreitete Blätter, wie den römischen„Messaggero", verfügt, die Kampagne gegen die.deutsche Invasion". Wenn sie schon durch die Ungunst der natürlichen Verhällnisse nicht mit der deutschen konkurrieren kann, so will sie wenigstens Kanonen undPanzerbauen, für die es keine deutsche Konkurrenz gibt. Darum braucht sie einen trüben internatio- nalen Himmel. Daher die blöden Andeutungen von deutschem Gelds, das den italienischen Kommunisten zufließen soll und solche Erfindungen mehr. Anstatt sich zu sagen: unsere Wirtschaftskrise ist eine Frucht der unnatürlichen wirtschaftlichen und finanziellen Lage, die man in Versailles ausgeMgelt hat. und kann nur aufhören, wenn auch in Mitteleuropa normale Verhältnisse eintreten, sucht man in Italien glauben zu machen, daß Italien das Opfer deutscher Intrige sei, und schreit nach Schutz durch die Regierung. Daneben dämmert die Erkenntnis auf. daß Italien Opfer seiner eigenen Bundesgenossen ist. Aus alledem entsteht ein Gefühl der Zurücksetzung und Erbitterung, aus dem die Schwerindustrie die Stimmung für neue Rüstun- gen herausdestillieren möchte. Sie denkt wohl wie die Homöo- pathen, daß man Gleiches mit Gleichem kurieren müsse: die von Kanonen gekommene Not durch Kanonen! Aber die italienische Krise, die ihre Wurzeln in den dreijährigen Irr- tümern der Ententediplomatie hat, wird nicht so leicht zu kurieren sein. Vor allem wird die.lokale Behandlung" nicht hinreichen._ Mmifterium LerchenfeM München, 20. September.(Eigener vrahtbericht de»„Lor- warts'.) Die bayerische Ministerkris» ist eben in ein neues, voraus- sichtlich letztes Stadium eingetreten. Die.Bayerische Staatszeitung" beschreibt den kommenden Mann so deutlich, daß ein Zweifel an der Person kaum mehr möglich ist. Wie wir soeben erfahren, wird Graf Lerchenseld von der Bayerischen Dolkspartei den Koa- littonsparteien vorgeschlagen werden. Die endgültige Entscheidung fällt jedoch morgen. Lerchenfeld entstammt einer alten bayerischen Adelsfamili«, hat wähnend des Kriege» in Polen sich als Berwaltungs- beamter bewährt und steht gegenwärtig im Reichsdienst. Sein Pater war der bekannte bayerisch« Gesandte in Berlin. Ob die Deutsch- n a t i o n al e V o l k s p a r t e i sich an der neuen Koalition beteiligen wird, ist zur Stunde noch nicht bekannt. Da» Verhalten ihrer Presse spricht nicht dafür. Die deutschnationale.Augsburger Abend- zeitung" gefällt stch darin, ihren Zorn über den Verlauf der Dinge in wüsten Beschimpfungen an linksstehenden Politikern auszulassen. Sie wirst in ihrer heutigen Abendnummer dem Staatskommissar Weißmann unter Berufung auf den»Bayerischen Courler" vor, er Hab« aus Gründen persönlicher Verwandtschaft die illegal« Freilassung des Kommunistenführers Toller betrieben. Wie sehr aber dieses bayerische Bearntenblatk In den Dienst alt- preußischer Sozialistenhetz« getreten ist, beweist die Be- schimpfung des Genossen Hermann Müller:»Diesem Hermann Müller schwoll der rote Kamm vor Stolz, als er den Schmachsrieden von Versailles persönlich unterzeichnen durste." Im übrigen ruft die veusschnationale Volkspartei als letztes Mittel zu Neuwahlen auf. Die Kundgebung des Landesaus- schusses lautet:• .Die Befragung des Volke» ist unerläßlich, denn über die Frage Staat oder Provinz,.Föderalismus oder Unitarismu» darf allein das Volk entscheiden." So demokratisch gebärden sich plötzlich dl« Erzfeind« der Demokratie! Schließlich tröstet man stch in der Rechtspress« mit der Hoffnung, daß Kahr jedenfalls als Staatspräsident wieder« kehren werde und macht unterdessen die Straße durch eine Unzahl von Flugblättern mobil, in denen die sozialistischen Führer in den Schmutz gezogen werden und eine wüste antisemitische Hetze betrieben wird. Hoffentlich wird der neue Mann das Staatssteuer bald fest in die Hand nehmen und die Ueberreste des alten System» Kahr über Bord werfen. Ein reinigendes Gewitter? München, 20. September.(Eigener Drahtbericht des„vor- wärts".) Die Beratungen der Bayerischen Volkspartei über die Wahl eines neuen Ministerpräsidenten hatten heute abend nach heftigen Kämpfen ein reinigendes Gewitter ausgelöst. Der Lbge- ordnete Dr. Z a h n b r e ch e r, der Führer der Opposition gegen die Politik des Parteivorfltzenden Held und unentwegter Anhänger Kohrs, wurde soeben wegen groben Dertrauensbruche» aus der Partei ausgeschlossen. Zahnbrecher hatte heute morgen in der offiziell parteilosen, in Wirklichkeit aber deutschnationalen„Münchener Zeitung" scharfe Angriffe gegen die Parteileitung gerichtet, im Gegnssatz zu seiner Partei Neuwahlen verlangt und die Rückberufung Kahrs gefordert. Di« Verhandlungen mit Berlin tk Entstehung öer Gartenstaöte. Der Name Gartenstadt gehört zu jenen Worten, die schon durch ihren Klang einen Zauber auf»n» ausüoen; das unserer Zeit eigen- tümliche Lehnen noch der Natur und nach besseren Wohnverhält- nisten drückt sich in ihm aus. Die Anfänge der deutschen Gartenstadtbewegung stehen im engsten Zusammenhang mit der englischen. Zwar hat bereits im Jahre l89ö der Deutsche Tyeodor Frilsch in seiner Schrift:»Die Stadt der Zukunft" die Ziel» der deutschen Gartenstadtbewegung größtenteils gezeichnet. Es wird darin der planmäßige Ausbau von Städten nach einem System gelehrt, das mit den gefundheit- lichen und schönheitlichen Interessen auch allerlei praktische und tech- nistbe Vorteile verbindet. Die eigentliche Stadt ist in Zonen ge- gliedert, deren jede einzeln« bestimmten wirtschaftlichen Aufgaben dient: vor allem aber sind über das Ganze Gärten und Parks reich- lich oerteilt, so daß den gesundheitlichen Ansprüchen voll Genüge geleistet wird. Aber erst das zwei Jahre später erschienen« Buch des Engländers Howard:„Gsrten Citiea of To-morrow*(Gartenstädte in Sicht) gab den Anstoß für die praktisch« Gartenstadtbewe- gung, wobei die Entwicklung der englischen Wohnkultur der Garten- stodt einen günstigeren Boden bereitet halle als in Deutschland. Der Verfasser legte überzeugend bar, daß vernünftige Wohnverhältnisse für die weniger bemittelten Klasten nur auf zwei Grundlagen ge- schaffen werden könnten: einer gesunden Bodenreform und einer planmäßigen, allen Verkehrs» und Betriebsverhältnissen Rechnung tragenden Anlage. Das Problem der Gartenstadt ist also gleichzeitig «in« bodenreformerisch« und«in« städtebaulich« Frag». Howard» Buch wirkt» in England so stark, daß sich bald eine Gesellschaft bildete, di« besten Gedanken in di« Tat umzusetzen be- gann. Es entstand di» Gartenstadt L« t ch w o r t b die heut« be» reits eine ansehnliche Ausdehnung gewonnen hat. Weiter« Garten- städte, so vor ollem di« Gartenstadt H a m p st e a d bei London, sind in raschem Aufblühen begriffen. Die anmutigen Anlagen verfehl- ten nicht, auf den in England Reisenden ihren bestrickenden Reiz ' auszuüben. Besonders überraschten die innige Verbindung zwischen Natur und Menschenwerk und die gute Architektur der Häuser. Dies« war allerdings nur möglich infolge der jahrzehntelangen Tradition in gutem Hausbau, durch den sich England von anderen Ländern unterscheidet. Schon vor Gründung der Gartenstädte waren reizende Arbeitersiedlungen in Port Sunlight und Bournoill» entstanden, welche durch ihr Bekanntwerden in Deusschland auch unseren Kleinhausbau auf» glücklichste beeinflußt haben. Den Gedanken der Gartenstadt in Deutschland zu ver- breiten, Hot stch vor allem die im Jahre 1902 gegründete Deutsche <>artenstadtgei«llschaft zur Aufgabe gemacht, die durch literarische Propaganda in der eindringlichsten Weise für ihn eintritt. Die De- sellschast verfolgt« ursprünglich das Ziel, der Uebervölkerung der bestehenden Städte durch Gründung in sich abgeschlossener Siedlun- gen auf wohlfeilem Gelände, da» zur Verhinderung jeder Boden. spekulativ, dauernd im Obereigentum der Gemeinschaft erhalten wird, entgegenzuwirken. Sie bezweckte also eine Dezentralisation der in den Großstädten mit übermäßiger Grundrente, mtt Pro- duttton«, und Tran-portschwierigketten belasteten Industrie, sowie ihn gleichmäßig» Bertellung auf da» platte Land, daneben aber di« Sicherung eines großen Teils de« zu erschließenden Gelände» für dm Garten- und Ackerbau. Dieser Gedanke leidet jedoch an manchm Schwächen. Ganz neu Orte zu gründen und in die Höhe zu bringen, stößt auf sehr große Schwierigkeiten. Es hat stch wohl au» diesen Gründen auch die Deussche Garten- stadtgesellschast im Lauf« der Zeit zu der Ansicht durchgerungen, daß in Deutschland der Gartmstadtgedanke nur in der besonderen Form der von einem bestehenden Gemeinwesen politisch und wirt- schaftlich abhängigen Gartenvorstadt zu verwirtlichen sei. In dieser Gestalt ist denn auch die zeitlich früheste Gartenstadt R ü p- vurr bei Karlsruhe zur Ausführung gelangt. Ein zweites Bei- spiel ist di« von einer lokalen Genossenschaft unter ttefeingreifender Mitwirkung der Stadt Straßburg i. E. geschaffene Gartenvorstadt S t o ck f« l d. Auch die Gartenvorstädte Nürnberg und H« l l e r a u(bei Dresden) gehören zum wirtschaftlichen Bann- kreis der benachbarten Großstädte. Mit dieser Einschränkung kann die prakttsche Betätigung der Gartenstadtbewegung in Deutschland begrüßt werden, als ein weiterer vornehmlich in ethischer und ästhetischer Beziehung nicht hoch gmug zu bewertender Bundesgenosse im Kampf gegen die Mietkasern» und für die weiträumig« Ansiedlung des künftigen Zuwachses der Grobstadtbevölkerung. (»n, dem fsede» erschienenen Buch«..«tddtebovkinlft-»on Stadtdanrat und»elaeoidneten Sinl.-Ing. Hermann Shlgötz.— Wissenschost und Bildung, Band 1W, gebunden 13 M. Verlag von Quell«». Meyer in Letpitgä Scheffler» Gewährsmann. Karl Scheffler rück» in der»Boss. Ztg." jetzt mit seinem Gewährsmann für feine Angriffe auf die Leitung der Berliner Museumsneubautm heraus. Er schreibt: »Gelegenheit zu sehm und zu prüfen hat mir der am besten zu solcher Führung Befähigte gegeben. Der, dessen Urteile ich an- geblich kritiklos wiedergegeben habe und der im voraus als»be- wüßter Berleumder" bezeichnet wird, ist-- der Vertreter des Bauherrn, der Borsttzende der Mufeumsbautommisston, Exzellenz Wilhelm v. B o d e Wir hatten schon früher angedeutet, daß der frühere General- direktor der Berliner Museen, Herr Bode, dahinter stecke. Unsere Mutmaßung wird also bestätigt. Es ist gewiß das gute Recht Bode». Krtttk zu üben und angebliche Mißstände aufzudecken. Es ist nur merkwürdig, daß er es nicht rechtzeitig tat und seinen amt- lichen Einfluß nicht besser auenutzte. Solche Zurückhaltung ist man sonst bei ihm keineswegs gewohnt. Früher wußte er alle Ein- slüsse spielen zu lassen, um seine Absichten durchzudrücken.(Es sei nur an di« Flora-Asfäre erinnert.) Nunmehr wird Herr Bode wohl deutlicher werden unb unter eigener Flagge segeln müssen. Scheffler wiederholt im übrigen seine Forderung nach einer unabhängigen Kommission und ergeht sich in deplazierten Witzen über den Betriebsrat, der es wagt, Rechenschaft von ihm zu fordern. Für die Demokratt« einer gotischen Bauhütte würde er sich wahr- scheinlich begeistern. Er, der selber vom Arbeiter aufgestiegen ist, sollte am wenigsten solche aristokrattschen Allüren annehmen. Erste»niernattonale Tagung für Sexualreform. Die letzte Sitzung der Tagung, von weit über tausend Teilnehmern besucht, galt der Sexualpädagogik. Die Regierungen von Chile und von Uruguay hatten offizielle Vertreter entsandt. Frau Senator Kirchhofs. Bremen erörtert« die Mich« und pädagogischen sollten seiner Ansicht nach den parlamentarischen Kommissionen entzogen und mit allen Bollmachten einzig und allein Herrn o. Kahr übertragen werden. In seinem Borgehen stützte sich Zahnbrecher auf ein Telegramm der Chiemgauer Bauern, welche von ihm da» rücksichtslose Festhalten an Kahr verlangten und die Drohung aus- stießen, jeden, der eine gegenteilige Ansicht vertrete, als Berräter am bayerischen Volt zu behandeln. Dieser Appell an die Straße und die fortgesetzten Dertrauensbrüche, die sich Zahnbrecher zugunsten deutschnationaler Kreise hat zuschulden kommen lassen, führten zu seinem Ausschluß. Damit ist hoffentlich der letzte Sperrbalken ge- fallen, der Bayern aus der Aera Kahr-Poehner von einer neuen Zukunft trennt. • Lerlln. 20. September.(WTB.) Der Staatskommissar für öffentliche Ordnung teilt mit: Auf die Anfrage des»Bayerischen Courier", ob Ich mit dem unabhängigen Führer Toller verwand sei und für seine Freilassung ein besonderes Interesse gezeigt habe, erkläre ich. daß ich mit Toller in keiner Weis« verwandt oder verschwägert bin. Ich kenne Toller überhaupt nicht. Ich hatte lediglich«ine Anregung mehrerer Personen, Toller zum Besuch seiner schwer kranken Mutter vorübergehend zu beurlauben, der Polizeidirektion München zum Befinden weiter- gegeben._ Gesterreichs Arbeiter für Sie Republik. Men, 20. September.(WTB.) Di« Wiener sozialdemo« kratische Vertrauensmännerversammlung, die über die polittsche und wirtschaftliche Lage beriet, hat nach einer ausführlichen Rede Dr. Otto Bauer» einstimmig eine Resolution angenommen, worin der Verband der sozialdemokratischen Abge- ordneten und die Gewerkschaftskommisfion angesichts des Der- sagen» der bürgerlichen Finanzpolitik aufgefordert werden, selbst die Richtlinien eines umfassenden Finanz- planes zu entwerfen und zu oerlangen, daß der Finanzplan im Einvernehmen mit den Vertretern der Arbeiterschaft festgesetzt werde. Di« Resolution billigte alle Bemühungen, den von Horthy- Ungarn bedrohten Frieden zu erhalten und neues Blutvergießen zu verhüten. Sollte aber das weiße Ungarn die Republik an- greifen, um eine monarchistische Reaktton auch in Deusschösterreich zum Siege zu führen, dann werde die Arbeiterschaft zu den Waffen greifen, um die Republik gegen alle äußeren und inneren Feind« zu verteidigen. Aerfchärfker Rechtskurs Im Reich»ernShrm>g»mivlfierium? Staatssekrelär Huber vom ReichSernäbrungSministerium tritt zurück. Wie dazu mitgeteilt wurde, befindet sich unter den An- Wärtern auf seine Nachfolge Ministerialdirektor Hei nrici, ein al» sehr geschickt bekannter Reaktionär, der in hohem Maße für die Preisbildung und Freigabepoliiik dieses Ministeriums gewirkt ha:. Nachdem bereits ein stark rechlS gerichteter Mann, Dr. Hermes. vom Zentrum als F a ch m i n i st« r in diesem Amt gehalten wurde. wäre eS zum mindesten Sache de» politischen Takle», vor der Reu- besetzung de? StaatSiekretärposten» mit den politischen Par- t« i e n Fühlung zu nehmen, um zu verhindern, daß die von den republikanischen Parteien bewilligten leitenden Posten nicht ganz und gar im Sinne der republikanisch uninteresfierten oder der Re- publik feindlichen Kreise besetzt werden. Zur Verhaftung des Leutnants Wilhelm Heinz meldet TN.: Der unter dem Verdacht der Mitwisserschaft an der Ermordung des Reichstagsabgeordneten Erzberger verhaftete Leutnant a. D. Wil- Helm Heinz leugnet ganz entschieden, mit der Tat etwas zu schaffen zu haben oder auch nur ein« Ahnung von dem bestehenden Plan der Ermordnung gehabt zu haben. Der nach der Ermordung Erzbergers verhaftete Killinger weilte am Sonntag vor acht Tagen in Frankfurt a. M. bei Heinz zum Besuch. »Deutsch- Oesterreichischer Ausverkauf". In diesem Artikel unseres Wiener Korrespondenten war von einem Konsortium die Rede, daS sich um Aufkauf der WöllerSdorischen Werke bemüht. Die darin als Mitglied diese? Konsortiums genannte Firma Schlesinger- Trier u. Co. legt Wert darauf, festzustellen, daß sie weder diesem Konsortium angehört, noch irgendwelche derartigen Geschäfte in Deutschösterreich für sich allein oder in Verbindung mtt anderen Firmen betrieben hat oder betreibt. Voraussetzungen für eine Kindererziehung zu sexueller Wahrhaftig- keit, Unbefangenheit und Verantwortlichkeit. Nicht nur um Auf- klärung und Warnung vor Geschlechtskrankheiten dürfe es sich handeln, sondern die gesamte Erziehung müsse auf Charakterbll- dung, natürliche Unbefangenheit und Selbstzucht hinzielen. Der Schulgemeinde Wickersdorf wurde in ihrer einzigartigen Bedeutung gedacht. Dr. Kornfeld sprach über das Wesen und Werden der kindlichen Sexualität, insbesondere über die Pubertät. Zwischen der gedankenlosen Leugnung kindlicher Sexualerlebnisse und der Ueberspannung in der Deutung de» kindlichen Verhalten» als nur sexuell, wie die» die Psychoanalyse tut, hielt- Redner einen Mittel- weg inne. Dr. Saal er stellte in einem gedankenreichen Dortrag drei Forderungen auf: Reform der Gesamterziehung im Hinblick auf Willensbildung, Wahrboitigkeit und moralische Autonomie, ferner Reform in bezug aus sexuelle Aufklärung, die bei den Er- ziehern beginnen müsse, ferner Ausbau der gemeinsamen Erziehung der beiden Geschlechter. Die Tagung nahm eine Sympathiekund- gebung zugunsten Dr. Wyneken» und seines Erziehungswerkes an und forderte öffentliches Verfahren in seinem Prozeß. Döring- Leipzig erörterte an Hand vieler geradezu entsetzlicher Fälle die Un- brauchbarkeit kindlicher Zeugenaussagen bei Sittlichkeitsdelikten. Frau U Hirn an n ging auf die Erfahrungen der Jugendämter ein. Durch eine Schlußansprache Magnus Hirschfelds wurde di« arbeits- reiche Tagung beendet. Der nächste Kongreß wird in Rom statt- finden._ Da» SnitiPielbanS wird am SS. mit der vrauffähnmz von Schmidt- bann» Komödie»Die Schauspieler" eröffnet. Die Galerie Ferdinand Möller(Potsdamer Str. 13« e) bat Ihre Herbstausstellung mit einer größeren Kollekiion Gemälde von Adolf Bllger, München, eröffnet. Wciterbin werden graphische Arbeiten und Gemälde von Wolfgang vorn, München, darunter Illustrationen zu Thomas Mann.Der Tod in Venedig", gezeigt. Vorlesungen über SozlallSmn» an der Berliner vnidersität. Eine ganze Rech« der für das Wintersemester 1921122 angekündigten Vorträge behandelt die Geschichte und Theorie der sozialistischen Bewegung. So wird z. B. Pros. E o m b a r t über„Theorie und Geschichte der proletarischen Bewegung, Prof. B r e h s i o über �Individualismus und Sozialismus". Prof. Delbrück über„Weltgeichicht« unter dem Gesichtspunkt des Klassenkampfes" lesen. Auch einige der zu Professoren ernannten Genossen haben für ihr« Vorlesungen sozialistische Themata gewählt. Pros. L e n l ck ball Vorträge über die„Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung von 1848 bii 1918", sowie über„DaS Leben und die Lehre von Karl Marx", Dr Gustav Mäher über die„Gelchichte der deutschen Sozialdemokratie". Prof. Tun o w WM einen Kursus(jeden Mittwochvormittag 2 Stunden! über di«..Marxich« materialistisch« GeschichtSaussassung— Darstellung und Kritik" ebballen. Außerdem wird er an jedem Montagmoroen unentgeltlich über die„Entwicklungsgeschichte der Familie und der Famllteninstiwtion-n" sprechen. Die»Freie Bühne, Theater deS werkiSttgen Balte» G.m.b.H.". eröffnete imHamburgerGewerkschaftSbau« ihre Vorstellunaen «ailermann» Echaulpiel.Deserteure", dessen pazistttische Tendenz Veisall fand. Eine Tanziger Tenische Woche veranffaltet der Deutsch« Heimat- °und Tanzig. im Verein mit der Deutlchkundllchen Geielllchast vom 4. bis 9. Oktober Sr hofft, baß in Tanzig» Techni'chcr Hochschule die Deutschen au» dem Reich sich mit denen au» dem alten Wellpreußen die Bruderhand reichen zur Stärkung im Ausharren, gast all- Gebiete der Deutschkunde sollen den Teilnehmern an heimischen, Danziger und altpreußischen Bei- Stadtgrab«» Fracht werden. Nähere» durch die«ejchästsstelle in Danzig, 1. Heilage öes vorwärts Die Entjcheiöung öer Koalitionsfrage. (Schluß der V«rmittagssitzung.) Otto Braun: Es handelt sich für uns auf diesem Parteitage um die Umsied- lnng � einer vornehmlich agitatorischen� zu einer Regierung s- p a r tVi. Das ist schwierig und mancher kann sich nicht so schnell umstellen, weil die bisherige. Opposition viel bequemer und verant- wortungsloser war und weil man frei von der Leber reden konnte. Aber die Umstellung muß erfolgen, denn durch die Praxis sind wir so längst zur Regierungsparkei geworden. Jetzt gilt es dafür zu sorgen, daß wir die Machtstellung, die wir auf Grund unserer Stärke beanspruchen können, nun auch sichern ujid sie im Interesse der Arbeiterklasie ausnutzen. Für die Entscheidung dieser wichtigen Frage ist es ganz gleichgültig, ob irgendein Führer der Deutschen Dolkspartei bei irgendeiner 5kaisergeburtstagsfeier einmal eine dumme Rede ge- halten hat. Zentrum und Demokraten werden mit Reden, die Gen. Schiller auf Arbeiterfesten gehalten hat, auch nicht einverstanden sein. (Heitere Zustimmung.) So kann man nicht verhandeln, wenn man von Partei zu Partei eine Arbeitsgemeinschaft herstellen will. Wir können uns den Partner, nicht aussuchen, sondern er muß uns durch das Wahlergebnis präsentiert werden. Es wäre ver- hängnisvoll, wenn wir hier wieder für ein Jahr eine feste Bindung o-'�-llen für die Regierungsbildung im Reiche und in den Ländern. tm.nen im Laufe des Jahres Situationen kommen, die wir gar nicht voraussehen konnten. Falsch ist auch die Berechnung, daß, wenn die Deutsche Dolkspartei in die Regierung geht, wir in dieser Regierung uns zur DDP. nur verhalten wie 1 zu 3. Auf ein solches Zahlenverhälmis kommt es nicht an, sondern daraus, welches Ressort wir haben und welcher Mann an dieser Stelle steht.(Zustimmung.) Die Demokratisierung der Berwaltung ist nicht möglich durch die Entlassung alter und Einstellung neuer Beamter. Dafür sehst es uns an Kräften. Es kommt darauf an, die vorhandenen Beamten umzustellen, wie wir uns umgestellt haben. Sie müssen der Republik genau so dienen wie früher der Monarchie. Die Umstellung kann nicht von heute auf morgen erfolgen, denn diese Beamten sind in einer langen monarchistischen Tradition erzogen. Aber was wir verlangen können ist, daß ein Beamter, der den Eid auf die Republik geleistet hat, diesem Eide gemäß der Republik dient, wie früher der sozial- demokratische Beamte der Monarchie gegenüber seine Pflicht tat. Daß in Fällen krassen Mißdrauchs des Amtes einge- schritten werden muß, versteht sich von selbst. Die reine Opposition ist gar nichis.« Aendern können wir nur, wenn wir in der Regierung sitzen. Fallen wir doch nicht auf die deutschnationalen Kniffe hinein. Die Deutschnationalen haben ja schon Angst vor der Jso- lierung. Die Furcht, daß die Massen zu den Unabhängigen gehen werden, ist vollständig unbegründet. Die Massen wollen eine gerade und konsequente Politik. Die Verfallserscheinungen bei der USP. sind eine Folge der Zickzackpolitit dieser Partei. Das Volk mlfl positive E r f o l-g e, kein« radikalen Phrasen. Haben wir Vertrauen zur eigenen Kraft und dem Willen zur Macht. (Beifall.) (sranz-Kattowitz: Für uns Obcrschlesier Handels es sich nicht um die Regicrungsfraqe, sondern darum, daß die Gefahr obgeivandt wird, daß Oberschlesien von der deutschen kuliurgemeinschast losgelöst und in seiner Entwicklung um 1 Jahre zurückgeschleudert wird. Wir haben das größte Intercsie daran, daß alles geschieht, damit dieses Unglück von der oberschlesischcn Arbeiterschaft ferngehalten wird.(Beifall.) Wenn das Londoner Ultimatum nicht unterzeichnet worden wäre, brauchten wir uns auf diesem . Parteitage wahrscheinlich über diese Frage nicht zu unterhalten. ' Dann wäre das Schicksal Obcrschlesiens wohl längst besiegelt. Wir haben es der Poliiik unserer Partei zu danken, daß das Ulti- matum unterzeichnet wurde und die Pläne der polnischen Imperia- listen zuschanden wurden. Severlng: Was hier über die Regierungsbildung gesagt worden ist, habe ich schon vor Monaten in internen Kreisen gesagt. Es ist eine politische Notwendigkeit, daß wir zu einem solchen Beschluß kommen. Wir müssen alles anwenden, die Instrumente zum Schutz der Republik in unsere Hand zu bekommen. Wir müssen auch die Waffen in unsere Hand bekommen(vereinzelles Sehr richtig! bei den Gegnern des Dorstandsantrags), und zwar die Waffen der Reichswehr und die der Polizei.(Heiterkeit und Sehr gut! bei der Mehrheit.) Den Kritikern des Dorstandsantrags scheint es an.Zivilcourage zu fehlen, an Dertrauen zur eigenen Kraft und zur eigenen Männlichkeit. Unsere Politik darf sich niemals nach Nachbarschaften richten. Wer sind Beelzebub und Luzifer? (Stinnes!) Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Sfinnes und Thyssen? Stinnes ist der evangelischste Mann und Thysicn der Zen» trumskatholik. Wollen Sie behaupten, daß Thyssen seine Ar- beiter bester behandelt als Stinnes? Reden wie die von Schiller bringen uns der Einigung mit den Unabhängigen nicht näher. Wir gewinnen die Masten nicht durch revolutionär klingende Resolu- tionen, sondern durch Tatsachen und Erfolg«.(Beifall.) Mehr fozialistisch« Amtsvorsteher führen leichter zur Einigung als Schillerfche Reden.(Heitere Zustimmung.) An der Spitze der Verwaltung muß ein Republikaner stehen, kein halber Freund der Republik. Nur ein Entweder— Oder. Entweder man will und man muß den Willen zur Arbeit auch begründen oder man schimpft ohnmächtig und treibt Absttnenzpolitik. Wir wollen die Republik mit Männern durchsetzen, die auch in der Stunde der Gefahr zur Republik stehen. Da wir nun allein die Macht nicht haben, suchen wir uns Bundes- genossen, die uns zwar nicht weit genug gehen, aber die das kleinere Uebel sind. Darum keine Fesseln und keine poli- t i f ch e Abstinenz. Wir wollen leben, wollen arbeiten und wollen siegen.(Lebhafter Beifall.) Ein Schlußantrag wird angenommen. Das Schlußwort erhält Franz Krüger, der zunächst die Stellung des Partemorftandes zu den einzelnen eingebrachten Anträgen darlegt. Er empfiehlt die Annahme be- sonders der Anträge, welche die Porteigenossen auffordern, die Farben derRepublikzu schützen, welch« dem georgischen Volk im Kamps für sein Selbstbestimmungsrecht die Sympathie ausspricht, die für die Erweiterung der Verordnung des Reichspräsidenten vom 29. August dahin fordert, daß die sogenann- tcn Arbeitsgemeinschaften in Schlesien rücksichtslos beseitigt werden. Auch die Anträge, welche den Parteigenossen erneut das Verbot einschärfen, parteikaktische Fragen in der bürgerlichen Press. zu erörtern, werden zur Annahm« empfohlen. Gewöhnlich ent- schuldigten sich die Parteigenosten damit, daß der„Vorwärts" die in Frage kommenden Artikel nicht aufgenommen hätte. Der„Vor- wärts""kLnne nicht der Tummelplatz aller Anschauun- g«n und allen offenes Diskussionsorgan fein. Aber das Unglück fei immer noch geringer wenn die unsterblichen Gedanken irgend eines Genossen zu einer Parteifrage der aushorchenden Mitwelt vorent- halten blieben, als wenn wir zur bürgerlichen Presse hin- lausen.(Heiterkeit und Beifall.) Natürlich könne z. B. ein parte!» genössischer Minister auch einmal in einem bürgerlichen Blatt fach- lich über seine Ministertätigkeit berichten, aber parteitaktische Fragen gehörten in die Parteipresse und die Parteiorganisation und nie- mand habe das Recht, sich ein besonderes Forum zu schaffen. In der E i n i g u n g s f r o g e habe Kieß-Jena die Wärm« gegenüber den Unabhängigen vermißt. Niemand habe die Eini- gungsfrage als Rechenexempel betrachtet. Aber niemand könne auch gezwungen werden, die zwiespältige und zweideutige Politik der Unabhängigen als ein« Art Ideal hinzustellen. Niemand wolle sich darauf festlegen, was nach einem neuen Kapp-Putfch viel- leicht an diktatorischen Maßnahmen geschehen könne. Wieder etwas ganz anderes sei, die Diktatur ms normale politische Entwicklungsform hinzustellen. M a r k w a l d habe davor gewarnt, daß die Deutsche Volkspartei die eingegangenen Verpflichtungen doch nicht hallen würde. Ebenso wunderbar sei die Vertrauensseligkeit der Frankfurter gegenüber den Kommunisten,, von denen jüngst wieder der offen« Rad�k-Brief bekannt geworden sei: „Sehr nützlich wäre die Heranziehung einiger nicht offen kommunistischer Gruppen in den Gewerkschaften. Wir brauchen Zutreiber, die n-cht offen als Kommunisten auftreten." Wenn sich auf dem Parteilag« noch jemand befinde, der nicht wüßte, daß der offene Brief der Kommunisten der größke politische Schwindel sei, so möge das wirklich verwundern. Die Frankfurter und Chem- nitzer brauchen gewiß nicht den Kommunisten Gelegenheit zu geben, ihre Agitation vor Massen zu tragen, die sie aus eigener Kraft nicht zusammenbekommen. Das laste jede Selbstachtung vermissen. Dann noch einige Worte zur Frage der Koalition. Unsere Entschließung soll nicht sagen, daß wir nun unter allen Umständen mit der Deutschen Volkspartei zusammen- gehen, ebensowenig wie in Kassel beschlossen worden, daß wir n i e und nimmer mit der Deutschen Volkspartei zusammengehen dürfen. Eine solche Festlegung ist bisher nie erfolgt. Das soll der sachlichen Prüfung der einzelnen Fälle überlasten bleiben. Kein« Partei ist unveränderlich. Das gilt auch für die Deutsche Volks- Partei. Und deshalb wollen wir uns alle Möglichkeiten offen lasten. Wir sagen nichi: unter allen Umständen mit der Deutschen Volks- partes, aber wir sagen auch nicht: unter keinen Umständen mit der Deutschen Voltspartei. Wir wollen uns taktische Dcwequngsfreiheit sichern. Solange die Deutsche Volkspartei dievom Mai bleibt, ist sie für mich b ü n d» n i s u n f ä h i g. Mit der Pflicht einer Koalitionspartei in der Rc- publik ist es unvereinbar, daß sie republikanisch regiert und monarchistisch agitiert. Man fragt, wo bleibt der Schutz der Republik mit der Deutschen Volkspartei? Aber, wo bleibt der Schutz der Republik ohne die Sozia ldemo- t r a t i e?(Sehr gut!) Vor einiger Zeit erst hat der Zentrums- abgeordnete Heß die Revolution ein ruchloses Verbrechen genannt. Sollei wir deshalb die Konlitton mit dem Zentrum lösen? Wir fragen nicht, was Herr Heß gesagt hat, sondern maßgebend ist die Politik, die das Zentrum treibt. Wir sind einverstanden mit der Abänderung, daß die von uns in der Entschließung als„Grund- forderungen" bezeichneten Bedingungen nach dem Antrage Paul Bader ausdrücklich als„Mindestforderungen" festgelegt werden, die unbedingt erfüllt werden müssen. Im übrigen aber bitten wir, alle anderen Anträge abzulehnen. Unsere Haltung bedeutet keine Abkehr von der bisherigen Politik. An dem Kasteler Beschluß wird nichts geändert, ja, aus„Anerkennung der Republik" wird jetzt sogar die Forderung nach„Verteidigung der Republik" gemacht. Wir wollen verhüten, daß die Macht in der Republik wieder in die Hände der reaktionären Parteien übergeht. Wir sind sicher, daß die überwältigende Mehrheit des Volkes für eine solche Politik Berständnis haben wird.(Beifall.) Die Abstimmung findet am Nachmittag statt. Zwei genügend unterstützte Anträge verlangen namentliche A b st i m m u n g. Um 1 Uhr tritt die Mittagspause ein. Nachmittagssihung. In der Nachmittaassitzung stndet die namentlich« A b- st i m m u n g über den Antrag des Parteioorstandes zur Regierungs- bildung statt. Der bereits mitgeteilte Wortlaut des Antrages wird mit Zustimmung des Referenten Franz Krüger dahin abgeändert, daß die in den�aufgeführten 6 Grundforderungen als„M i n d e st f o r de- r u n g c n"(nach dem Antrag Magdeburg) bezeichnet werden. Mit dieser Llbän�crung»vird der Antrag mit LStt gegen K7 Stiunnen angenommen. Damit werden alle anderen zu dieser Frage vorliegenden Anträge für erledigt erNärt. Die zahlreichen Anträge über Organisation, Agitation, Förde- rung des Biidungswesens, Förderung der Parteiprest« usw.. werden dem Parteivorstand bzw. den anderen dafür zuständigen Partei- instanzen überwiesen. Die Anträge Kiel und Hannover, die den Parteigenosten verbieten, über parteitaktifche Fragen in der bürgerlichen Presse zu schreiben, werden angenommen. Einstimmige Annahme sinden die Anträa« gegen den weißen Schrecken in Ungarn und gegen die Vergewaltigung des Selbst- bestimmungsrcchtes der Georgier. Der Antrag L o« b e, der die Parteimitglieder oerpflichtet, republikanische Abzeichen zu tragen, und der die Schaffung eines besondenren Parteiabzeichens anregt, findet Annohme,«bonso der Antrag der Schlesicr für Er- Weiterung der Verordnung des Reichspräsi- denten auf die sogenannten Arbeitsgemeinschaften und Freikorps. Den sozialdemokratischen Lehrern wird die Mitgliedschaft bei der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Lehrer zur Pflicht gemocht. Ein Antrag auf schärfst« Maßnahmen gegen den Wucher findet Annahme. Die Einsetzung einer besonderen Sozialisierungskommission der Partei wird dem Parteivorstand überwiesen, ebenso ein Antrag auf Schaffung einer einheiilickren Siädteordnung für das gan�e Reich. Abgelehnt werden Anträge, die die Parteigenossen verpflichten wollen, nur solchen gewerkschaftlichen Derbändeo als Mitglieder anzugehören, die sich dem Allgemeinen Deutschen Gewerkschaüsbund, der Afa oder dem Deutschen Bcamtenbimd als Soitzenorganisationen anqe'chlossen haben und ein Antrag, wonach nicht zur Partei gehören sollte, wer einem Krieger- oder Militärverein als Mitglied angehört. Es folgt Punkt 3 der Tagesordnuna: Sericht üer NeichstagsfraMon. Verichtcrstatter Gustav hoch: Die Fraktion hat fleißig oearbeitet, aber mit geringem Erfolg und fast unter unerträglich schweren Verhältnissen. Die Teue- rung geht werter und weiter. Sie ist diesmal kein« vorübergehend« Erscheinung, vollzieht sich nicht allmählich, sondern sprunghaft und in gefahrdrohenden FqAmen. Ihr Grund ist der Znsammenbruch der kavitalisli scheu Wirtschast durch den Krieg und nach dem Kriege. Die notwendigen Lebensmittel werden nicht mehr im genügenden Maß« hergestellt. Es eiuftehea Notstands» preis«, die namentlich in Deutschland durch die Dauer der Noi gewaltig hochgetrieben werden. Unser Geld ist kein Geld mehr, sondern nur der Schuldschein eines vollkommen oer» s ch ul d e t e n Wirtschaftskörpers, der ständig an Wert verliert. Höhere Löhne, neue Steuern werden doppelt und dreifach aus die Warenpreise abgewälzt. Dabei ist der S t a o t s b e d a r f in die Milliarden gestiegen. Die Kaufkraft des Geldes geht immer weiter zurück. Die glänzende Entwickelung unserer Ausfuhr ist ein besonders gefährliches Zeichen unseres Wirtschastselends. Es ist nicht die normale Ausfuhr aus dem Ueberschuß, das ist der deukschc Ausverkauf. Mehr und mehr schließen sich alle Länder, auch die freihändlerischen, gegen dieKonkurrenzdiesesdeutschen Elends ab. Genosse Hermann Müller hat heute früh gesagt, wir seien in den nächsten Jahren auf Koalitionspolitik angewiesen. Ich sage Ihnen, diese Politik kann schon in wenigen Monaten unerträglich werden. Stellen Sie sich den Winter vor mit der furchtbaren Teuerung und der Arbeitslosigkeit von Millionen. Das wird körperlich und seelisch unerträglich werden. Dann stehen wir vor einem furchtbaren Enlfcheidungspunkl der Revolution. Denn das Schlimmste ist daß die A u s b e u t» n g und A u s w u ch e r u n g 'unseres Volkes so groß und gewallig ist wie nie. Dieser Znstand hat aus der Not, gerade aus der Not, für die Kapitalisten u n- geheuer! ich st e Gewinne gebracht. Weite Kreise ziehen ihr Geld aus der deutschen Industrie und spekulieren in Devisen, in Dollarwerten, die ihren Preis feit Mai verdoppelt haben. In diesem Zustand stehen wir vor unaufschiebaren Entscheidimgen. Werden sie nach dem Rezept der Koalition gefällt, so sieigl aufs böchste die Rot nnd auch die Wut des arbeilenden Volkes.(Franz-Cbemnitz: Die Wut auch gegen uns!) Das Finanzministerium des Dr. W i r t h hat sich mit Händen und Füßen gegen die Beteiligung des Reiches cm dem Gewinn des Großkapitals gesträubt. Inzwischen hat sich herai'Sgestellt, daß der Gedanke von Robert Scbmidt n n n b w e i s- bar ist. Jetzt will die Industrie s e l b st die Gelder für die Zahlung der Devisen in der nächsten Zeit aufbringen. Will man unsere Zie'e durchkreuzen? Will man die Sozialisicrung durch Kleinaktien aus die lange Bank schieben? In der Sozialisierunasfraoe sind wir schon in der alten Koalition ohne die Deutsche Balksvartei völlig zurückgedrängt worden, und es fehlt jeder Fortschritt auch nur eines Anfanges der Sozialisierung. Auch unter Grad- n a u e r ist das Sozialisierunnsgeletz für die.Kommunen n i cb t herausgekommen. Ich fürcbte, die der Indnskria sollen nur unsere Kraft für den Eingriff in das investierte Kapital schwächen und uns zu Steuern verleiten, die dock wieder a b a e- wälzt werden. Oder laufen die Vorlckläqe der Industrie darauf hinaus, daß sie dckn Reiche die jetzt aehamst-rten D-visen mit einem schönen Aufschlag zur Verfügung stellen? Soll nur ein neuer großer Gewinn für die Dividendenschieüe» gemacht werden? Di« Vorschläqe der Industrie sind nur dann disku- tabel, wenn es gelingt,« unter Hastuna mit ihren DehriebswitHn ein Kreditabkommen mit dem Ausland über 1—2 Mi'Nardrn Goldmark abzuschließen, und zwar einen langfristigen Kredit: denn mit den kurzfristiaen Krediten sind wir schon l ch a m l o s a e» nug ausgewuckert Aber selbst wenn diek« Kredite zustande» kommen, haben wir nur berrrrit neue Schulden, keine U-nien Einnahmen. Das Reich muß lick krobdeni durch Eingestl in*!<• Sachwerte einen unablosdarcn?lnkeil an dem Ertrage des Gro-ikouitels sichern. Auf diesem Wege werdon wir auch die S o z i a l i s i e r>> n q endlich vorwärts treiben. Auch der Skandal der Devisenspeku- l a t i o n darf nicht weiter gehen. Schon sogt die offiziöse Auslands- presse, Deustchland bereite mutwillig einen betrügerii�rn B�-'ratt vor. Die Frage der Sozialisiening der Großbank— ist schwierig, aber wir müssen an sie herantreten. Unter diesen furchtbaren Umstünden hat die Fraktion arbn müssen. Sie ist in die Regierung eingetreten und in ihr geblieben, lediglich, um die Ablehnung des Ultimatums nnd ihre unabsehbaren Folgen zu verhüten. Jetzt gilt es. dem Auslände auch den wirkschaflllchen Erfiillungswiller. zu zeigen, die Garantiekommislion zu überzeuaen, daß wir uns von niemand hindern lassen, alles zn leisten, was D''ntlchla''d nur-oaend leisten kann. Das ist die ent'cheid.ende Fron» für unser N-rMfibe" in der Regierung. Wir hoben vorHn den Kasseler B-lchluß k-rwe'l aufgehoben, und auf dem Papier steht eine n e n e F o r m e l. In der Sache sind wir damit keinen einzigen Schrittweiter- gekommen. Gerade die Anhänger der Borstandsrelolution lind sich absolut einig, daß mit ihr nicht im mindesten entstMeden worden ist, wie wir prattstch weiter norzugehen hoben. Die Steuern tmd die wirtschaftlichen Maßnahmen zur Erfüllung des Uliimatuws sind die unmittelbar entscheidenden Fragen. Wenn es für w'ch denkbor wäre, daß die Deutsche VolksvorH selbst den A st ah- sägt, auf dem lie sitzt, würde ich an die Möglichkeit einer Koa.liston mit der Volkspartei glauben, aber in den nächsten Wochen muß es sich ja entscheiden. Beim Wiederzusammentritt des Reichstages muß die Regierung ihr ganzes Skeuerprogramm vorlesen. Ich erwarte davon nichts Gutes. Wie zwingen wir dann die bürgerlichen Porteien auf unserer Bahn vorwärts? Wir baben die Frage der R e i ch s t a a s a u l l ö l u n g erwogen. Sie wäre zu empfehlen, wenn wir aus dieser Wahl mit einer ganz anderen Kraft zurückkehrten. Wir können Deutschland nur retten, wenn das notleidende Volk sieht, daß es nicht allein vom Großkapital ans» gewuchert wird, sondern daß ernsthaft daran gearbeitet wird, die bürgerliche Republik zur sozialen Repudllk zu machen. Mit den bisherigen kleinen Mitteln kommen wir noch meiner Ueberzeugung nicht durch den nächsten Winter. Die äusi-rfte Blüte des Wirtschaftslebens kann nickt den inneren Zu- fammenbruch verdecken, wenn die Wirtschaft die Lebens- bedingungenderaroßenMaffen nicht mehr sickern kann. ist die Stunde des Zusammenbruchs da. Die Fraktion wzrd auf dem Posten sein. Erfüllen Sie sich auch mit dem oroßen. schreck- lichen Ernst der Lage! Mögen die� Arbeiter einig, geschlossen und zielbewußt vorwärts streben. Hinaus aus dem Elend, vorwärts zu besseren Perhältniffen, zum Sozialismus!(Lebhafter Beifall.) . Georg Schmidt spricht über die Teuerungsverhälinisse. Er legt dem Parteitag eine Entschließung vor, die lautet: „Entgegen den Warnungen der Sozioldcmokrotischen Bort», wurde die öffentliche Bewirtschaftung der lo-'�wirtschost- ticken Produkte bis auf Getreide aufgehoben. Für die Er- fastung eines Teiles der Getreideernte ist das Umlo'-ever- fahren eingeführt worden. Die Höhe der zu erfastenden Ge- treidemengen reicht nicht aus, um den Brotbedarf der ver- foraungsberechtigten Bevölkerung sicherzustellen. Das l'mloae- verfahren ist nur ein Uebergang zur völlig freien Wirt» f ch a f t beim Getreide. Der Preis des bewirtschafteten Ge'relde» .wurde bedeutend erbäht. Der Preis des freien Getreides ist dem Weltmarktpreis nahegekommen und wirb den Brot» prci» erhöhend beeinflussen. Sie weitere Verteuerung dieses wichtigsten Nahrungsmittels ist neben der Geldentwertung mit die wesentlichste Ursache für die nun eingetretene allgemeine Verteuerung aller Bedarfs- artikci des täglichen Lebens. Dadurch wurde die Lebenshaltung der ArbeitSr, Angestellten, Beamten und Rentenempfänger erheb- llch verschlechtert. Die bürgerliche Mehrheit des Reichstages hat alle Vorschläge der sozialdemokratischen Fraktion, zum Schuhe des Reallohnes gesetzliche Maßnahmen zu treffen, abgelehnt. Ebenso die Anträge, die Mehrgewinne der industriellen Unternehmer und der Landwirte der Allgemeinheit nutzbar zu machen. Die Verantwortung für die nun kdtsächlich eingetretenen Folgen tragen die bürgerlichen Parteien. Der Parteitag fordert die Regierung auf, alle Bestrebungen der breiten Masse des Volkes auf Erhöhung ihres Einkommen» katkräftig zu unterflühen, um einen Ausgleich herbeizuführen, ferner den zügellosen Bestrebungen des Finanzkapitals, der in» dustriellen Unternehmer und der Landwirte, in Zeiten der bitteren Not des Volkes sich mit ungeheuren Gewinnen zu be- reichern, durch wirksame Maßnahmen entgegenzutreten, und den Handel mit Getreide und mit anderen wichtigen Nah» rungsmitteln nach dem Auslande, schon beim Erzeuger beginnend, zu unterbinden." Der Referent begründet die Forderungen dieser Entschließung im einzelnen. Er richtet an die Parteipresse das Ersuchen, den Ver- öffentlichungen des Landbundes größere Aufmerksamkeit zu schenken und etwas mehr Selbstkritik zu üben bei der Haltung der Porteiorgane gegenüber landwirtschaftlichen Dingen. Man sollte nicht immer nur von der wucherischen Landwirtschaft sprechen, denn es gibt auch einen Wucher in Eisen, Textilwaren und im Zwischen- Handel. Wir müssen die Bauern gewinnen und den Ein- fluß des Landbundes zurückdrängen, nicht zuletzt auch unter dem Gesichtspunkt, daß die Führer des Landbundes die schärfsten Feinde der Republik sind.(Allseitige Zustimmung.) Zur Skeuerfrage liegt eine Resolution des Referenten Keil vor: „Das deutsche Finanzelend ist heraufbeschworen worden durch den Krieg und die leichtfertige Kriegsfinanzpolitit. Es ist verschärft worden durch die dem deutschen Volte von der Entente gewaltsam auferlegten, allen Voraussetzungen der wirtschaftlichen Entwicklung hohnsprechenden Verpflichtungen. Dem Finanzelend kann nur erfolgreich gesteuert werden durch Ver- Minderung des Notenumlaufs, Festigung de» Mark- kurses und Herstellung des Gleichgewichts im Reichs- Haushalt. Die bisherige Steuergesetzgebung konnte diesem Ziele nicht näherkommen, weil sie den Wertverschiebungen» die die Geldentwertung in den Einkommens- und Vermögens- Verhältnissen herbeiführte, nicht Rechnung getragen, die Lohn- und Gehaltseinkommen und die Rentenerträge aus den entwerteten festverzinslichen Kapitalien überlastet, die großen Vermögen und Einkommen in Industrie. Landwirtschast und Handel geschont und damit nicht nur die Kluft zwischen der Lebenshaltung der breiten Mast« und der im Ueberfluß lebenden Oberschicht verbreitert hat, sondern auch zur Vermehrung der Kosten der öffentlichen Der» waltung, zur Steigerung der Papiergeldflut und zur weiteren Entwertung der Mark beigetragen hat. Sie hat die von dem Heer der Spekulanten und Wucherer zusammengerafften Ver» mögen nur zum kleinen Teil, die ins Ausland verbrachten über» Haupt nicht zu erfassen vermocht. Mit steuerlichen Maßnahmen allein, auch mit den neuen 'Steuervorschlägen der Reichsregierung, ist die Gesundung der Reichsfinanzen nicht herbeizuführen. Neben der Weiterbildung der Besitzsteuergesetzgebung, die den Werwerschiebun- gen Rechnung tragen, und insbesondere auch der Beschränkung des verschwenderischen Ueberverbrauchs gerecht werden muß, und ihrer scharfen Durchführung müssen die SachvermSgen für die Beseitigung der Finanznot in Anspruch genommen werden. Zur Befreiung von der zügellosen Devisenspekulation, zur Hebung der deutschen Ausländskredite, zur Stabilisierung der deutschen Währung und zur Balancierung des Reichshaushalts ist dem ' Reiche das gesetzliche Verfngungsrecht über einen ausreichenden Teil des privaten Sachvermögens und seinen Ertrag unter Schonpng des kleingewerblichen und kleinbäuerlichen Besitzes ein- zurävmen. Zur Erfüllung der Reparationsverpflichtungen mußte die Einfuhr aller nicht unbedingt notwendigen Gebrauchs- und Genuß- artikel möglichst gehindert, die Ausfuhr durch Steigerung der Pro- duktion unter Ausschließung des Auslandsmarktes gefördert, der Valutagewinn an Aussuhrgewinnen vom Reiche er- faßt werden. Die Vorschriften der Reichsabgabenordnung, die der wahrheitsgemäßen Feststellung der Vermögen und Einkommen dienen, müssen weiter ausgebaut, alle Versuche, eine zu- verlässige Veranlagung zu erschweren, zurückgewiesen werden. Die Arbeiterschaft wird sich bereit halten, jeden Widerstand gegen die zur Gesundung der Reichssinanzen. erforderlichen Maß- nahmen mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln zu unter- binden." Die Steuerfrage soll als erster Punkt vom Parteitag behandelt werden. Schluß S Uhr._ Wirtsthast Holömark-Mtken.— papiermark-Zlnfen! Durch den Handelsteil der Tageszeitungen läuft nachstehende unscheinbare und fast alltäglich geworden« Notiz: Wotan-Werte A.-G., Leipzig: �0 Proz.(in den Vorjahren: 40, ZO, 40, 40). Ferner soll das Kapital von IVi auf 15 Millionen Mark erhöht werden. Die jungen Aktien werden den Aktionären, zu pan im Verhältnis von 1 zu 1 zum Bezüge angeboten werden. Die Unternehmer wollen stets den Anschein erwecken, als er- Zielten sie nur eine recht geringe Papiermarkrente auf ihr Goldkapital. In der Generaloersammlung der Disconto-Gesellschaft führte der älteste Geschäftsinhaber, Dr. Arthur Salomonsohn, u. a. folgende» aus: „Der Abschluß, den wir Ihnen vorlegen, weicht in seinen Ziffern, wie in seinem Ergebnis, außerordenllich ab von dem Ab- schluß vergangener Jahre. Wenn wir Ihnen einen solchen Ab- schluß in Friedenzzeiten vorzulegen imstande gewesen wären, so würde eitel Freude Ihr und unser Herz erfüllt haben. Heute können wir dies Ergebnis, wie wir schon in unserem Bericht ge- sagt haben, nicht mit Freuden begrüßen, denn es ist kein Wider- schein blühenden Lebens, sondern ein Symptom des Niederganges, in dem wir uns befinden, und ein Zeichen der Zerstörung. Wir können keine dauernde Freude an der Erhabenheit dieser Ziffern und der erzielten Gewinne haben, denn sie sind Produkte des Zerstörungsprozesses, in dem sich Deutschland befindet, nicht Früchte freudigen Schaffens. Sie werden auch nicht einmal den berechtigten Ansprüchen des Anteilseigners ge- recht, der sein Kapital in Gold eingezahlt hat und nun trotz der hohen Dividendenziffer nur eine bescheiden« Rente erzielt." Selbst wenn diese Ausführungen der objektiven Wahrheit entsprechen würden, bekämen immer noch die Unternehmer auf ihre Goldmarkaktien hohe Papiermarkrenten, im obigen Falle der Wotan- Werke 40 Prozent, dagegen erhalten die kleinen Sparer, die Sechferrentner auf ihre effektiven Goldmarrersparnisse doch nur 3 bis 3 lh Prozent Papiermarkzinsen, also noch nicht den zehnten Teil de» Gewinnes der Unternehmer»»■» Vor dem Kriege erhielten st« im Durchschnitt etwa die Hälfte der Aktiendivi- denden als festen Zins. Wie ist es bei den Wotan-Werken? Es gibt nun schon regel- mäßig 40 Prozent Dividende, also wenn auch in Papiermark, so doch 12mal mehr als der kleine Sparer an Zinsen erhält. Run wird das Aktienkapital verdoppelt und die Aktionäre erhalten die neuen Aktien zum Nennwert, also zum reinen Papiermarkpreis. Diese Aktien lasten sich natürlich mit sehr hohem Aufgeld weiter ver- kaufen. Wenn die Firma selbst im nächsten Jahr„nur" 30 Prozent Dividende verteilen sollte, dann wären dies 30 Prozent auf Papier- markaktien. Man würde dann jedenfalls viel über schlechten Ge- schäftsgang jammern, ebenso darüber, daß Goldmarkkapital so nied- rigen Zins bringt und nur Arbeit und Abbau der Löhne uns retten kann. Dabei hat man durch Kapitalverwästerung absichtlich diese Zu- stände herbeigeführt. Auf den Kurs drücken solche Maßnahmen heute aber längst nicht mehr. Als in diesem Jahre die Reichelt-Metallschrauben- fabrik A.-G. in Finsterwalde ihr Kapital verdoppelte, um neue Unterbringungsmöglichkeiten für zu erwartende Gewinne zu schaffen, und diese neuen Aktien ebenfalls zum Nennwert den alten Aktiv- nären zur Verfügung standen, war der Kurs 870; jetzt ist der Kurs trotz Verdoppelung des Kapitals 800; also für den zu 1000 M. aus- gegebenen Aktien kann der Aktionär jetzt 8000 M., mithin 7000 M. oder 700 Prozent Gewinn, erzielen. Die Berkin- Gubener Hutfabrik hat ebenfalls ihr Kapital erhöht und die Aktien zum Nennwert ausgegeben. Der Kurs betrug damals 838, heute stehen diese Aktien 17 SO, also doppelt so hoch und wer ein« solche 1000-Mart-Aktie zum Nenn- wert kaufen konnte, kann dieselbe jetzt fär 17 500 M. veräußern. Der Gewinn ist 1SS0 Prozent. Das ist das Märchen von der niederen Papier- markrente auf den Goldmarkaktien. Deshalb ist es so dringend erforderlich, endlich die Sach- werte durch das Reich zu erfassen, damit nicht die einen alle Folgen de» Krieges tragen und die andern zwar jammern, aber auf Kosten der Gesamtheit unsinnige Gewinne scheffeln. npl. Reue Zunahme des Nokenumlauf». In der zweiten September- woche hat die Reichsbank wieder für 7,4 Milliarden Mark neue Banknoten ausgegeben, dagegen nur für 71 Millionen Mark Dar- lehnskastenscheine dem Verkehr entzogen. Danach beträgt das um- laufende Papiergeld zurzeit 8S,1 Milliarden Mark. Ausstellung voa Erfindungen und Neuheiten. Der Deutsche Erfinder-Schutzoerband e. V. München, gegründet 1912, veranstaltet während der.Internationalen Messe in Frank- f u r t a. M. eine große Spezial-Ausstellung von Erfindungen und Neuheiten, die allen Erfindern günstige Gelegenheit bieten sqll, ihre Schutzrechte ohne große Kosten zu verwerten. Mittellose und arbeits- lose Erfinder, sowie Kriegsbeschädigte erhalten gegen entsprechende Bescheinigung F r e i p l ä tz e. Die Anmeldungen müßten sofort erfolgen, da andernfalls die ausgestellten Gegenstände nicht mehr im Ausstellungskatalog aufgenommen werden können.— Näheres durch die Geschäftsstelle des Verbandes, München, Iahnstraße 20. Gegen die Devisenspekulation. Die Konsumentenkam- mex Hamburg hat folgende Entschließung angenommen: Die unverantwortlichen spekulativen Ausschreitungen im Devisen- Handel erschweren auch unsere ausreichende Versorgung mit unentbehrlichen ausländischen Nahrungsmitteln und Roh- st offen. Diese werden durch die Schwankungen und den hohen Stand der Devisenkurse nur zu steigenden Preisen im Inland« ab- gesetzt werden können. Weitere Lohnsteigerunaen. werden das Wirtschaftsleben ständig in Unruhe halten. Im Intereste der von ihr vertretenen Verbraucherkreise fordert deshalb die Konsumenten- kammer unverzügliche Maßnahmeu gegen die milde Speku- lation. Die Preisreoolution. Die Großhandelsindexziffer des Statistischen Reichsamts ist von 1425 im Durchschnitt des Monats Juli auf 1909 im Durchschnitt des Monats August ge- stiegen. An der Erhöhung sind ausnahmslos alle Gruppen be- teiligt, und zwar stiegen: Getreide und Kartoffeln von 1096 auf 2033,- Fleisch, Fisch und Fette von 1633 auf 1762: Kolonialwaren von 1447 auf 1731; landwirtschaftliche Erzeugnisse und Lebens- mittel zusammen von 1245 auf 1949: ferner: Häute und Leder von 1729 auf 1791: Textilien von 1991 auf 2193: Metalle von 1581 auf 1673: Kohle und Esten von 1740 auf 1774: Industriestoffe zusammen von 1763 auf 1834. Dazu wird amtlich mitgeteilt: Die auherordent- liche Steigerung der Großhandelsindexziffcr gegenüber dem Vor- monat ist zunächst hervorgerufen durch die geldwirtschaftlichen Vorgänge, die im Anschluß an die dem Feindbunde ge- leistete I-Milliarde-Goldmark-Zahlung«ingetreten sind und die gleichzeitig eine gewisse Wiederbelebung der industriellen Erzeugung uijd damit der Nachfrage nach Rohstoffen nach sich zogen. Vor allem aber ist die Ziffer beeinflußt durch die freien Getreide- preise, die erstmalig im August neben den Umlagepreisen an Stelle der bisher künstlich niedriggehaltenen Getreidepreise zu berück- sichtigen waren. Der Jnleresienkampf um das Petroleum. In der Entwicklung der Stanoard Oil Company, des großen amerikanischen Petroleumtrusts, macht sich ein großer Zug zur Ausbreitung seines Herrschaftsgebietes bemerkbar. Auf dem Petroleummarkt herrscht gegenwärtig durch Ueberangebote ein Preisdruck, der von dem amerikanischen Trust dahin ausgenutzt wurde, durch weiter« Unter- bietung im Preise die Konkurrenz schwer zu schädigen. Darauf folgten die holländischen und englischen Unternehmungen dem Preis- druck und gingen mit ihren Angeboten unter die Standard Oil Com- vany. An der Börse in Amsterdam und London wurde diese gegen- seitige Konkurrenz damit beantwortet, daß die Papiere der Unter- nehmungen sehr schnell abwärt» glitten und nun von dem amerika- nifchen Trust aufgekauft wurden. Man nimmt an, daß auf diese Art die Standard Oil Company erheblichen Einfluß auf die Konkurrenz gewinnen wird. Wie mächtig der Einfluß dieser Kapitalistengruppe ist, erkennt man daraus, daß sie da« Lochaben der mexikanischen Re- gicrung, die Ausfuhrabgabe für das au» Mexiko herausgehende Pe- ttoleum zu erhöhen, verhindert«. Das geschah in der Weise, daß die Standard Oil Company, die große Besitztümer in Mexiko hat, der mexikanischen Regierung erklärte, daß sie ihr« Betriebe in Mexiko gänzlich stillegen werde.' Die mexikanische Regierung wiederum suchte sich diesem Druck dadurch zu entziehen, daß sie jetzt den Ja- p a n e r n Anerbietungen auf den Erwerb der Petroleumquellen unterbreitet.— Es wird berichtet, daß eine sehr kapitalkräftige japanisch« Finanzgruppe, hinter der auch Mitglieder der dortigen Re- gierung stehen, aus dieses Anerbieten eingehen werde. Politisch wird es der nordamerikanischen Regierung nicht gerade angenebm sein, wenn sich Japaner in Mexiko festsetzen. Soziales. Achlung, Patentinhaber! Zur Vermeidung von Rechtsnachleilen werden die Beteiligten darauf aufmerksam gemarbt, daß 1. die im Art. 2 de» Berner Abkommen» vom 80. Juni 1920 über die Erhaltung oder Wiederberstellung der durch den Weltkrieg betroffenen gewerblichen Eigentumsrechte und im§ 2 de» Gesetze» betreffend diese» Abkommen mm 3. August 1920 lRGBl. 1920 S. 1557) festgesetzte einjährige Frift zur Nachholung versäumter Handlungen(insbesondere Gebührenzahlungen), 2. die Frist zur Zahlung der ohne genauer« Zeitbestimmung bis nach Beendigung des Krieges gemäß de» Verordnungen vom 10. September 1914(RGBl. 1914 S. 408) und vom 81, März 1915 (RGBl. 1915 S. 212) gestundeten Gebühre» mit dem Ablauf des 30. September 1921 endet. Nachfristen laufen bei Versäumnis dieser Fristen nicht. Erwerbslose und Krankenkassenwahleu. In diesem Jahre finden seit Kriegsausbruch wieder allgemein die Wahlen zu den Ausschüssen der Krankenkassen statt, aus denen dann wieder in weiteren Wahlen die Kassenvorstände, die Ver- sichertenbeisitzer zum Versicherungs-, Oberoersicherungs- und Reichs- oerficherungsamt, Ausschuß- und nichibeamtcte Vorstandsmitglieder der Versicherungsanstalten hervorgehen. Die Ausschußwahlen haben daher für die Versicherten eine recht erhebliche Bedeu- tung. Wählbar und wohlberechtigt sind bei den Ortskrankenkafsen alle volljährigen Kasseumiiglicder, d. h. alle über 21 Jahre alten Zwangs- oder freiwillig Versicherten. Zweifel bestanden bisher dar- über, ob auch die von der Erwerbslosenfürsorge bei den Kranken- kaffen versicherten Erwerbslosen(§§ 12b und 12c der Verordnung über Erwerbslosenfürsorge vom 26. 1. 20) Wahlrecht und Wählbar- keit zu den Ausschuhwahlen der Krankenkassen haben. Soweit die Erwerbslosen bisher Kassenmitglieder waren und von der Erwerbs- losenfürsorge nur weiterversichert wurden, stand ihr Wahlrecht sowie ihre Wählbarkeit fest. Anders lag es jedoch bei denjenigen Erwerbs- losen, die entweder vorher nicht Kassenmitglieder waren oder von der Erwerbslosenfürsorpe be! einer anderen Krankenkasse versichert wurden. Angesichts der Eigenmtt dieser Versicherung gingen die Ansichten der Dersicherungsbebörden und namhafter Sozialpoliiikcr über die Frage des Wahlrechts und der Wählbarkeit dieser Erwerbslosen auseinander. Erfreulicherweise hat sich der Rcichsarbcitsminister dahin entschieden, daß sämtliche von der Er w erb s l osen fü rsorg e versicherten Er- werbslosen Wahlrecht und Wählbarkeit zu den Organen der Krankenkassen besitzen, und seine Stellung- nähme wie folgt begründet:' „Die 8§ 12b und 12c der Reichsverordnung über Erwerbslosen- fürsorge(Reichsgesetzblatt S. 93) begnügen sich nicht damit, die in ihnen aufgeführten Gruvven Erwerbsleser den Krankenkaffen zur Durchführung gewisier Fürsorgemaßnahmen zu überweisen, viel- mehr gehen die Vereinbarungen der Gemeinden mit den Kranken- kästen dahin, daß bei der Kaste alle von. den Gemeinden zu unter- stützenden Erwerbslosen„versichert" werden. Es bandelt sich also in der Tat um eine wirkliche Versicherung, die in ibren Wirkungen einer Versicherung nach den Regeln der Reichsversicherunasordnung insoweit gleichsteht, als die Verordnung nicht ausdrücklich etwas Gegenteiliges bestimmt. Letzteres ist der Fall hinstchtlich des Rechts auf Wciterverflcherung nach fj 313 der Reichsverficherungsordminq. Dagegen enthält die Versicherung nichts über einen Ausschluß dcs aktiven und passiven Wobfrechks.'Ich habe mich dementsprechend bereits gegenüber dem Württembergischen Arbeitsministerium auf Anfrage dahin auspefprochen. daß ich sämtlich« versicherte Erwerbslose für wählbar und wahlberechtigt ��Soweit Ausschußwablen noch nicht stattgefunden haben, wird den Gewerkschaften bei Aufstellung der Delegiertenlisten diese Klar- stellung willkommen sein._ Ein Gesetz über Lohnstatistik. Der Sozialpolittfche Ausschuß des vorläufigen Reichswirifchafis- rates beriet am 1. September den ihm vom Reichswirijchafts- Ministerium zur Begutachtung zugegangenen Entwurf eines Gesetze- betreffend Lobnstaiistik. Das Gesetz soll die Reichsregierung crmäch- tigem Erhebungen über die Lohn- und GeHalisverHSliniste der Arbeiter und Angestellten anzuordnen und die zu ihrer Durchführung erforderlichen Bestimmungen zu erlassen. Zuwiderhandlungen gegen die auf Grund dieser Befugnisse erlassenen Bestimmungen sollen mit Geldstrafe bis zu 20 000 Mark bestraft werden können.— Die Aus- spräche ergab volle Einmütigkeit darüber, daß eine Lohnstatistik u n- bedingt notwendig sei. Indes wurden gegen die vorliegende Fastung des Äcsetzes ernste Einwände erhoben. Eine Kommisston soll das Gesetz weiterberaten. Arbeitszeit und Sonntagsruhe im Aleischergewerbe. Der Zentralverband der Fleischer und Berufsgenosten Dcut'ch- lands hat Klage darüber geführt, daß die Bestimmungen der Anord- nung über die Regelung der Arbeitszeit gewerblicher Arbeiter vom 23. November bis 17. Dezember 1918 jowie die Bestimmungen der Gewerbeordnung über die Sonntagsruhe in den Fleijchereibettiebcn vielfach nicht beachtet würden. Der preußische Minister für Handel und Gewerbe hat daher die Gewerbeaussichtsbeamten angewiesen, der Frage der Arbeitszeit in den genannten Beirieben ihr besonderes Augenmerk zuzuwenden und bei fesigefdellten Verstößen ge�en die gesetzlichen Bestimmungen nachdrücklichst für Abhilfe zu sorgen. /ins aller Welt. Raubmord an einem Geldbriefträger. Chemnitz. 20. September. Die„Allgemeine Zeitung' meldet aus Frankenberg: Am Montagvormittag lockte der 30 Jahre alte Fabritarbeiter Jahn in Frankenberg mit Hilfe einer fingierten Postanweisung den 58 Jahre alten Geld- briefträgerGläferin seine Wohnung und zertrümmerte ihm mit einem Beil den Schädel. Darauf raubte er da» Bar- geld von zirka 5000 W. und f l ü ch t« t«. Die Unterfchtogungen von Stempekmarken bei dem Görlitz«? Hauptzollamt haben, wie der neue.Görlitzer Anzeiger" mel- det, ihre AufNärung gefunden. Als Täter ist der Oberzollfe- kretär Semper, ein langjähriger Beamter des Hauptzoll- amtes, ermittelt worden, der in seiner Eigenschaft jederzeit zu den Stempelmarkenschränken Zutritt, hatte. Semper hat bei seiner Der- nehmung ein G e st ä n d n i» abgelegt und angegeben, daß er die Unterschlagungen schon 5 b i» 6 Jahr« betrieben habe. Er sei durch Rot und Krankheit in seiner Familie dazu getrieben worden. Die unterschlagenen Stempelmarken hat er im regelrechten Ge- schäftsoerkehr'vertaust. Der Wert der unterschlagenen Stempel- marken erreicht nahezu die Summe von 800 000 Mark, doch will Semper sich widerrechtlich nur 30 000 M. angeeignet haben. In seiner Wohnung wurden 12 000 M. vorgefunden. Semper befindet sich in Haft. Dail Eiran, da» revolustonäre Parlament Irland». In einem Berichte der„Daily News" wird festgestellt, daß von 120 Mitgliedern des Sinnfeiner-Parlamenies: 112 einmal eingesperrt, 73 zweimal, 41 dreimal, 18 viermal, 8 fünfmal, 3 siebenmal und 2 Sinnfeiner achtmal eingesperrt waren, 15 waren zum Tode verurteilt worden, 12 Personen haben ihre Häuser eingebüßt, neun find nur«kt Mühe dem Tode entronnen. In jedermann» Hause sind Hausdurch- fuchungen vorgenommen worden, in 30 bis 400 Fällen sind De. schädigungen des Eigentums erfolgt.„Daily News" meinen, man müsse dies bei der Beurteilung der Stimmung des Dubliner Paria« mentes berücksichtigen. Wetter vi» TanncrStag mittag. Trocken und tN>-rwleg«nd Seiten in den Taaezkumden warm, ü, der Nacht zu TonncrStaa wieder»eör te,»i später im Westen etwa» stärker bewölkt. VortrZge. Vereine und versammlunyen. I?-»>!> bct Sunjta-»ttb �liberkulosc-ErkranN««, vri-zruxpe Bctfin. Um Sl. St?- j tcmbcr, abends 7 Uhr, finden in folgenden Lokalen Bczirksvcrfammlungcn statt ..aa-. Allgemeine Funtrionärverfammlungcn am Mittwoch, den 21. Septembers abends 7 Uhr. Abteilung Narben(»cjitfe 7, 39, 50, 85) bei Glitsch-,«openhagener Straße 74: Abteilung Süden iBezirke 9, 17, 22, 24, 84, 85, 45, 52, 58, 98 stopenhagener und 99) bei Hack, Engclufer 28.—«eist. Mittwoch, abend» 7lb Uhr, In der 8. Gemeindeschule fHonncmannstrastc), Bortrag des Leiters des«lcingarten- WWWWWW und Ods! amtes in Neukölln Uber Obst Vbstverwertung. Döste wMkommen.— Ber. IM Uhr, im Siestanranl„Berolina-ksestfeile', Schinbauser Me« 28. gu allen Versammlungen stild die FamilieMNitglieder eingeladen. Arbeitersport. Straße 41; 8. Distrikt bei Rothtrosf, Rigaer Str. 95! 9., 12., 18. Distriki in der 58. Dcmeindcschule, Scncfeldcrstr. 5/8: 14., 15. Distrikt und Tharlottcnburg bei Rudow, Iagowstr. 14: 75., 17., 18. Distrikt und nördliche Vororte bei Sachse, Lindowcr Str. 28(am Bahnhos Weddmg): Reutölln bei Steinkops, Mainzer Straße 21, Ecke Mllnchener Straße; Schöneberg und Nachbarorte bei Sanow,......__„____________ Stubenrauchstr. 5a; Niederschöncweide und Baumschulenweg in der Gemeinde»! Wassersportoereia Neichspost e. V. Sitz: schul« Berliner Straße.— Reichsoercinignng ehem.».'i'o»g<>anqener, Ernppe statt. Erscheinen aller Delegierten ist Pflicht. Norden 2, Sitzung mit Damen am Donnerstag, den K September, abend« I ist ganz besonders die neugeschaffen« Lag« in t ■vmssieiuvaaM Mittwoch statt._____..,____ Lage in der Platzangclegenheit zu behandeln. ■•—--—■|«n am 24. September und am nter anderen wichtigen Punkten der Platzangclegenheit zu behandeln. IKestep.üeMsptele etc."! IOCB*!lüt,Ka»7bnnnrinnc>nronrfcrinotMBannM.v-«««»>r�«».rw»,...... Opernhaus Lohengrin 6 Uhr Schauspielhaus Fiesco 7'/, Uhr_ Deutsches Theater 7U.: Ilerodes und Mariamne Donnerstag 7Vj Uhr: Kean Kammerspieie TV« D.Jungfern v Uischofsberg Do T1', U- Die Jungsern Ton Biscbolsberg Gr. Schauspielhaus (KarlstraSe) 8: Die Weber( 23. Abt, 6 Ab.) Do 8 DleWeber(24 Abt.5.A.) Volksbuhne Thealer am BUlowplatz "/.uhr Die lange Jnle Theater I. d. KönigprStzer Str. chteuie;.30 Uhr: Die Fahrt ins Blaue (Glfißner, Richard Engl, Vespermann, Stieda, Bildt) Do.. Die Fahrt ins Blaue Freitag: Satans Maske— Mit dem Feuer spielen So. Die Fahrt ins Blaue Komödieuhaus Täglich 7.30 Uhr: Max Pallenberg Hans Waßmann im neuen Burleikenichwank Jennys Busenfreund Berliner Theater Täglich 7.30 Uhr: tyrinzeffin von Ucrnauer u Schanzer Musik von Jean Gilbert Haupidarsteller: FritziMassary als Gast Ralph Artur Roberts Pepi Zampa/ H.Kiper Central-Xhealer u8 Die Postmeisterin JUentaoh.Opernhmib "/.uhi Der Freischütz Krlcdr. Ullhrlmat.'li.. 7«/, wir American-Giri Intlmon Theater 9 Uhr: Der blaue Pantoffel Die Spelunke/ Lauf doch nicht Immer nackt herum Kl. Hclifiiiapielhaua 7-/, Uhr: Reigen I.nntKpieihnun Freitag Premlire: u7� Die Schauspieler flctropol-Tiiuater Geschlossen Sonnab. 24. Sept, z. 1. Male: 7 uhr Die StraSensängerln Weisen Operettentheat. f wir: Die Königin d. Nacht Keae« Theat. a. Koo s uhr. Die kleine Leeassot Xenoe Volkblheator "/.u. Jugendfreunde »chlller-Theat.Charl. uh'; Rauh der Sabinerinnen Schloßpark• Th. Steglitz 7% u.: Alles um Geld TIiRllK-Tlipnter rw u.: Schäm' Dich, Lotte lessing-Theater Heute u folgende Tage?>/,: Die Spielereien ein. Kaiserin (Durleux, Steinrück, Dimer) Deutsches Künstler-Theater Allabendlich Tl, Uhr: Die Ballerina des Königs ( Leopoldlne konslantln) Komiscke Oper TViUhf VKUh, cftrdhwitive Opareffe ronCto Stach Kleines Theater Täglich 71/, Uhr: Frl. Josette— meine Frau Eugen Burg, Carola Toelle, Jul.Falkensiein.Loite Klluder, Hans Albers. Rose Theater 8 Uhr: DerPfarrer v. KirchfeBd Amss«* KojnQcm. 'öfeiiic.■.<( 14'?< ihren' Sie aufnebeiijüctitiide SdiutjujUküKa r-MürhäsflieMareaxiTibeWerKe �sersfediAkLQes. Oherfeld uzidSeiünPichelsdoTf Folios Gaprice Llnienstr.l32amOranienbg.T. Täglich 8 Uhr: D. Gellebte a.Teilung Fiebertaumel B en tsch en-Mcfle r 1 ta mit Perd. QrGnecker TERRA-THEHTEB HELLA MOJA -Hardenbergstraße 6- efil läglidl Paul Hartmann/ Arno d Czempin/ Emil Heyse in T h.lim V o 11 eii do rfpl it ta 3Vt U.: Hoftnung auf Segen uhr Der Vetter aas Dingsda Theater den IVestenn 7v.u.: Die Braut ILuciillus Th.l.d.Kommandanleniitr. (Jüdisches Künstler-Theater) 8 Uhr: NeweJIe Wallner-Th«ster 7.30 uhr: Nixchen Volksoperette Walhalla»Tb. u�Die schöne Helena Residenz-Theater Täglich 7VsUhr Paul Wegener Irene Triesch• Paul Blensfeldt in Totentanz Tnanon-Theatcr Täglich 8 Uhr: Ida Wüst BHiöl 1 Reines Variete-Programm Rauchen-estattet I I Cirens Taraseüi Akten Regie: OTTO RIPPERT ......"............. 1|""|ll|fH am Bahnh. Friedrichstraße Freitag, den 23. Sept. Ringkampt Stelnke-Hubtanen Kdmirals Talast Uhr. Die roten Schuhe FrtedensqaaliTiär. Union-Klub, Berlin Garant'erf- rriedensqu wieder cSbcnall orbÄtrlich' Fabrikant Minlos& Co., Pln-iEhrenfeld Aiutahme für Vonveflen I Läuse Wanzen ff Ol» Bamham Im Ra«IIm■>»«4 Sm a kS'_______. lf.. CASINO-THEATER Lothringer Sir. 37— Tägl.'/.S Das neue ErOflnungi-Progr. mit der Spiububenposie Sxzellenz Jffaxe. Vorher: Das laktigeSingspiel Und wem es Juat passieret SonntagS1/,: Mlttelarreat. für Rannen In Berlin und im Reiche 'd dar Zentrile Schadontr.l D.slmlllclien Filialen GroB-Barlln AnnahmeschluB: Für Berliner Rennen 2 Stunden vor Beginn de» ersten Rennens. FOr auswärtige Rennplätze abends vor dem Renntag. Postsendungen u Anträge auf Errichtung von Konten werden nur SChadOWSlraB* 8 angenommen. Wertbedingungen sind In den Wettannahmestellen erhältlich. »chwabea SlSha f)ol}n>ucm befestig-n Sie>N chS rk n 1 h„!<»««» stnb zusriebeng«. 1/ Cfimho nur*5/0-01 Oll stellt. Ueder de» Erfolg /aZllUiiUC mit(».Fachm. Hergest.) werden Sie staunen. Gerlangen Sie mir Eckolda(So,?.. Werfe, äffen. Ru haben in den Ocogetlant»erlin 31: Quubolbl- Orog», Brunnenstr. 99;«. Lusttg. Tchllnhauscr Allee 86: y. Knappe. Reinickendorfer Etr 88; Kratz. Reinicken» dorier Str. ll9; h. Lange Brunnenstr. 157; 3tW: M. Oef erl, Waidenserstr. 18; Orogenhau» WoablL«.« Barn. Alt- Moabit 45, gegenüber Rinzendorsstr.; 0:«nheeaa-veag.. Riein-�llndre-sstr. 12;»fetfch. Drüneberger Str. 71 Olotfcn- er Slr.SS, am�Baiienpia��S.:<. Lehrte. Drag- P'tersburger Et Kottdufer Damm 81/82; ,20:(St. W. Bistcherstr. 1; ReichshaileD-Tbeal STETTI NBR SXNOER Abds.?>/, U. u. Stg. nehm. 3 U. Nm halbe Pr. Variete DBnhott-Brettl Theater a. 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Oktober 1920 betrug das Gesamtnetz der ehemaligen„Großen Berliner Straßenbahn" rund 930 Kilometer Gleislänge. Dazu kamen die Bahnbetriebe der Stadt Berlin selbst und die der verschiedenen Vorortgemeinden, wodurch sich das Gesamtgleisnetz aus 1250 KUometer ausdehnte. Der Wagenpark zählte 2580 Motor- wagen und 1800 Anhängewagen nebst einer großen Anzahl von Lokomotiven, Güterwagen usw. Das sind gewiß stattliche Zahlen, aber die ganzen Betriebsmittel befanden sich bei der Uebernahme durch die Stadt zum großen Teil in einem trostlosen Zustande. In den ganzen Kriegsjahren war der s ch l i m m st e Raubbau betrieben worden; für die Verbesserung des Betriebes war nichts ge- schehen. Die Uebernahme durch die Stadt �Berlin fiel in die Zeit größter finanzieller Schwierigkeiten. 300— 400 Millionen Mark hätten, wie ein von der Stadtverordnetenversammlung eingefetzter Ausschuß feststellte, angewendet werden müssen, um das Unter- nehmen wieder- auf die Höhe zu bringen. Diese Summe konnte die Stobt nicht schaffen, durch Anleihe sollte und konnte es ebenso- wenig aufgebracht werden. Die Mittel für den allmählichen Neuaufbau mußten aus dem Unternehmen selbst herausgewirtschaftet werden. Zunächst kam eine Tariferhöhung in Frage, die bereits von dem Zweckver- band beabsichtigt war. Damit wurde das Defizit, das sich im Monat November 1920 monatlich auf rund 20 Millionen Mark be- lief, um acht Millionen Mark verringert. Die übrigen 12 Millionen monatliche Defizits sind nach und nach durch gründliche Um- organisation auf technischer und kaufmännischer Grundlage be- seitigt worden. Sämtliche Straßenbahnen Groß-Berlins wurden bei Bildung der neuen Einheitsgemeinde zu einem Unternehmen verschmolzen. Hierdurch konnten allein die Direktoren stellen von 9 auf 2 herabgesetzt werden. Heute ist also das Defizit bereits beseitigt, wenn auch nur die allerdringendsten Instandsetzungsarbeiten möglich sind. Vor allem sind zunächst die Glcisaufbesserungen in ziemlich um- sangreichem Maße erfolgt. Das, sowie die gründlicheren und fach- gemäßeren Arbeiten an den Wagen auf den Betriebsbahnhöfen hatte wiederum zur Folge, daß die Motorschäden wesentlich zurück- gegangen sind. Während im Vorjahre um diese Zeit rund 150 solcher Motorschäden pro Woche zu oerzeichnen waren, sind e- deren jetzt nur noch 48 bis 50 pro Woche. Infolge Beschädigungen mußten im Vorjahre wöchentlich etwa 70 Wogen aus dem Betriebe gezogen werden, gegen 3g in den letzten Wochen. Durch häufigere Revisionen der Wagen hat sich der Verbrauch von sonstigem Material, wie Schmieröl, Radkränze usw. wesentlich verringert. Gegen das Vorjahr ist der Stromverbrauch pro Wagenkilometer um 15 Proz. zurückgegangen, wodurch eine Ersparnis von rund 12 Millionen Mark im Jahre erreicht wird. Hierdurch und durch die günstigere Stromleitung tonnte auch das Kraftwert der Straßenbahnen in Charlottenburg stillgelegt werden. Leider waren zur Erzielung der Wirtschaftlichkeit Derkehrseinschrän- kungen bei unwirtschaftlichen Linien, bei denen die Einnahmen wesentlich niedriger waren, als die Betriebsausgaben, nicht zu vermeiden. Durch diese Einschränkungen wurden wiederum Ersparnisse gemacht und zwar im Betrage von etwa 32 Millionen Mark im Jahre. Bei der Gleisbauabteilung sind jetzt rund 1500 Mann beschäf- tigt. In der nächsten Zeit sollen in einer Reihe von Vorortgemein- den recht erhebliche i�erkehrsverbesserungen dadurch herbeigeführt werden, daß Straßenbahnen, die bisher nur die betreffenden Vororte durchliefen, durch Anschlußgleise mit dem großen allgemeinen Netz verbunden werden. Zur Erhöhung der Einnahmen ist das R e k l a m« w e s e n mehr ausgestaltet worden: sowohl auf den Fahrscheinen als auch in den Straßenbahnen und an den Haltesäulen ist das gleiche beab- sichtigt. Hier sind jedoch noch Schwierigkeiten seitens der Aufsichts- behörden zu überwinden. Ferner soll der Güterbetrieb noq erweitert werden. Neben der Beförderung von Postpaketen, tie der Straßenbahn jährlich 6 Millionen Mark einbringt, werden nunmehr direkte Verbindungen zwischen einzelnen Fabriken und Bahnhöfen hergestellt, außerdem wird voraussichtlich noch im Laufe dieses Jahres der Kohlentransport zwischen den Gaswerken und den wichtigsten Kohlenladeplätzen übernommen werden. Leider hat es sich nun bei der Ausführung der Reorganisation nicht vermeiden lassen, daß das Unternehmen einen Teil der B e- l e g s ch a f t entlassen mußte. Insgesamt sind 1600 Mann abge- gangen, die je 2000 M. Abkehrgeld erhielten. Ohne diesen gewiß bedauerlichen Eingriff hätten alle die aufgezählten Verbesserungen, hätte die Gesundung des Unternehmens nicht in die Wege geleitet werden können. Dieser Gesundungsprozeß wird durch die neuen Lohn- erhöhungen, die vom Magistrat bereits bewilligt sind, natürlich etwas aufgehalten. Diese Lohnerhöhungen für die Arbeiter und Angestellten der Stadt waren selbstverständlich unumgänglich, be- dingt durch die allgemeine Teuerungswelle, die uns jetzt überzieht. Für die Straßenbahnen kommen für die sieben Monate des lau- senden Etatjahres(bis 31. Mai 1922) noch etwa 42 Millionen Mark in Betracht. Woher sollen diese Geldmittel kommen? Aus der Kämmereiverwaltung? Diese muß für diejenigen städtischen Ar- beiter sorgen, die nicht in„werbenden Betrieben" tätig sind. Zu demselben Zweck müssen auch noch die Gewerbesteuern bis auf das äußerste angezogen werden. Oder sollen etwa die Verbraucher von Gas, Elektrizität, Wasier usw. mit für die Benutzer der Straßen- bahnen aufkommen? Das wäre ein unbilliges Verlangen, zumal ja auch diese Betriebe selbst Tariferhöhungen vornehmen müsien, um die dort zu erfolgenden Lohnerhöhungen decken zu können. Es hätte also unbedingt eine weitere Tariferhöhung auch bei den Straßenbahnen erfolgen müsien. Sie kann z u n ä ch st unterbleiben, da es gelungen ist, den Betrieb der Straßen- bahnen unter der neuen Direktion so zu verbessern, daß in den letzten Monaten bereits einige Ueberschüsie gemacht werden konnten. Für die nächsten Monate können die Lohnerhöhungen aus diesen Ueberschüsien gedeckt werden, so daß der Magistrat in die Lage kam, zunächst von einer Tariferhöhung abzusehen. Es muß sich nun in der nächsten Zeit herausstellen, ob die Steigerung des Verkehrs und damit die Mehreinnahmen dauernd sein werden. Allerdmgs muß das Projekt Wittenau, wo eine groß« Reparaturwerkstatt er- richtet werden sollte, vorläufig zurückgestellt werden. Diese Werkstatt soll die Straßenbahnen erst in die Lage versetzen, alle Arbeiten in eigener Regie zu erledigen, um damit weitere Ersparnisie zu machen. Wie die Entwicklung auch weiter gehen mag, jedenfalls ist an diesem Beispiel der Straßenbahnen ersichtlich, daß der soviel ange- grifsene„s o z i a l i st i s ch e Magistrat" erheblich mehr geleistet hat, als es die rechtsbürgerlichen Schreier wahr haben wollen. Es ist ihm in wenigen Monaten gelungen, aus dem Allerschlimmsten herauszukommeen. Das Defizit ist verschwunden, die Kämmereiverwaltung wird befriedigt, es sind Rücklagen für Erneuerungsarbeiten gemacht worden, und wir sind außerdem in der Lage, die nicht unerhebliche Mehrbelastung durch die neueste Lohnerhöhung aus dem Betrieb e selbst herauszu- wirtschaften. Das Beispiel zeigt weiter, daß die Verschmelzung der Groß-Berliner Gemeinden für die Bewohner von hohem Nutzen ist, machte es doch die Zentralisation des Verkehrswesens möglich, allein die Direktorstellen bei den Straßenbahnen von 9 auf 2 herabzu- mindern und die Verwaltung einfacher zu gestalten. Die Zenirali- sierung der Betriebe bietet außerdem noch vielerlei Möglichkeiten, billiger zu wirtschaften, so u. a. beim Einkauf, bei den Reparaturen usw. Ganz zu schweigen von der Möglichkeit, das Verkehrswesen überhaupt zu besiern. Stadtrat Hugo Poetzsch. Großstaütpflanzer. .WaS brauckt ihr Großstädter Regen, was kümmert euch der Sonnenschein, ihr habt ja nur Steinpflaster, dort wächst nichts," sagte einmal ein Landmann zu einem viel geplagten Großstadt- menschen. Schade, daß Hunderte von Kilometern ihn von Berlin, der größten deutschen Großstadt trennen, sonst hätten wir ihn gestern in die kleine LluSstellung des Pflanzervereins.Herr» m a n n S h e i m" an der Grellslraße Ecke der Hesemannstraße beim Ringbahnhof Weißensee gesührt. Er hätte sicher begriffen, daß auf diesem Fleckchen Erde von nur etwa 18 000 Ouadratrnten schon viele hundert Augcnpaare zum Himmel noch Regen oder Sonnen« schein ausschauen— mitten im steinernen Meer. In der BereinSlaube, einer großen hölzernen Kriegsbaracke, hatte der Pflanzerverein eine Ausstellung seiner Erzeugnisse ver- anstaltet, die so recht die Liebe zeigte, mit der Arbeiter nach deZ TageS Mühen Landwirtschaft treiben. Da wurden Riesenkürbisse gezeigt und hohe Tomatensiaudcn, an denen die prallen Früchte dicht gedrängt herunlerhingen, große Klettergurken und sammet« weiche, appetitliche Pfirsiche, Riesenbirnen und Aepfel, Gemüse aller Art, Riesenkohlrabi, Mohrrüben und Kohlrüben, RadreSchen und Rettich, auch Blumen, die der Herbst uns schenkt,— Astern und Dalien. Eine Myrte, die auf das stattliche Alter von 26 Jahren zurückblicken konnte und schon zu 86 Hochzeiten bräutlrchen Schmuck gespendet hat, erregte berechtigtes Aufsehen. Bemerkenswert war auch eine Schädlingssammlung. Käfer und Schmetterlinge, die auf der Kolonie gefunden wurden, waren in ihren Schlupf- winkeln als Raupen, Puppen und im Endzustand sehr übersichtlich zusammengestellt. An dem Beispiel zweier blinder Kaninchen wurden die Folgen der Inzucht demonstriert. UebrigenS ist e» interessant, zu erfahren, daß ein Lebrer, de» mit seiner Klaffe die kleine Ausstellung besichtigte, eS nicht fertig brachte, den Kindern den Begriff der Inzucht zu erklären. Ob er dabei vielleicht an die — Hohenzollern oder sonstigen.hohen und höchsten Herrschaften" gedacht hat? AlS ein Kuriofum der KleintierauSstellung. in der mancher Preis zur Verteilung kam, möge erwähnt werden, daß sich zwischen einem Hahn, einem Kaninchen, einem Hund und einem hübschen ausgewachsenen Kater, dem»Löwen von HermannSheim", eine rührende Freundschaft ausgebildet hat. Hier geben Tiere ein besiereS Beispiel als die Menschen. Die Pflanzer haben ihre eigene WirtschaftSgenosienschaft, die alle Bedarfsgegenstände für die Zwecke der Kolonie billigst be» schafft. Das Land wird gemeinschaftlich gepachtet. Wie der Vor- sitzende erzählte, ist das Interesse der Frauen an der Entwicklung der Kolonie ein besonders lebhaftes. Ihnen vor allem gebührt Lob und Anerkennung sür die Erfolge, die hier erzielt wurden. die Klante-Köhn-Hläubiger. 50—70 Millionen Passiven und 6 Millionen Aktiven. Zu turbulenten Szenen kam es gestern morgen vor dem großen Schwurgerichtssaal des Moabiter Kriminalgerichts, in dem unter Vorsitz des Konkursrichters Amtsgerichtsrat I a c o b y die erst« kon- stituierende Gläubigcroersammlung in dem Köhn- bzw. Klante- Konkurs stattfand. Der Konkursverwalter gab zunächst einen Geschäftsbericht, au» dem überhaupt erst ein Einblick in das ganze Getriebe gewonnen werden konnte. Köhn hat in einem Kolonialwaren- und Eisen- Handelsgeschäft gelernt. Er mochte sich bald selbständig, eröffnete zow' nächst eine Roßschlächterei und betrieb dann ein Institut zur wissen- i schaftlichen Erforschung des Charakters und Gemütslebens au» Handschrift und Handlinien gegen Voreinsendung des Honorars. Im November 1918 geriet Köhn schon einmal in Konkurs. � Dann begründete er seine bekannte Sportbant. Die Provisionen, die seinen Generalvertretern zuflössen, gingen in die Millionen. So wurden dem Generalvertreter Bielasch in Dresden in einem Monat 13 Millionen ins Haus gebracht. Davon erhielt er 10 Proz. Pro- vision, so daß Bielasch für seine Tätigkeit 1 180 000 M. in einem Monat verdiente. Das Geld, das Köhn einnahm, wurde von seinem Geschaftslokal aus in Tragkörben zur Bank geschafft. Die Frage, welche Geschäftsergebnisie nun die Sportbant gezeitigt hat, ist dahin zu beantworten, daß nach den vorgefundenen Wettbüchern innerhalb von drei Monaten 9.5 Millionen verwettet, aber nur ein Gewinn von 5,8 Millionen gezeitigt wurde, so daß per Saldo ein Verlust von 8,7 Millionen entstanden ist. Fräulein. »1 Von Paul Enderling. eopzrrljlrt, 1820, by J. C. Coltasche Buchhandlung Nacht. Stuttgart u. Berlin Görke brummte etwas von der Verschwendungssucht unserer Zeit. Als ob man nicht ohne Greffen und Saufen die kleine Tour machen könnet„Zu meiner Zeit haben wir gar nicht daran gedacht, solche Touren zu machen. Wir hatten zu arbeiten. Höchstens auf ein Viertelstündchen zum Krummen Ellbogen hinaus oder zu Nötzel oder in den Freundschaftlichen Garten. Da trank man ein Gläschen Putziger Vier und war zufrieden. Nicht wahr?" Brandstätter gab ihm eifrig Recht. „Schafskopf!" schnarrte der Papagei. .Aber natürlich," fuhr Görke fort.„Wenn man seine Söhne nach Berlin auf die Universität schickt, statt sie ins Kontor zu stecken...! Sein Sohn Hermann studierte in Verlin Jurisprudenz, nachdem er zum Kaufmann kein, aber auch gar kein Talent erwiesen hatte. Dies Studieren, das er nicht kontrollieren konnte, war Julius Görke ein Greuel. Er hatte seinen Sohn im Verdacht, daß ihn auch die teure Iuris- prudenz nicht interessiere. Dieser Verdacht war nicht unbe- gründet. Es gab noch Kaffee und Zigarren, wie nach einem richtigen Diner. Tante Tine sprach zu Elise Brandstätter von ihrem Kaffee au Hause.„Dieser hier hat nicht das richtige Aroma, weißt du." Eine Welle von Fröhlichkeit glitt durch den Raum. Als Julius Görke die Tafel aufhob, waren alle damit zu- frieden, außer Tiedemanns. Alle hatten keine rechte Freude am Esten gehabt, alle außer Tiedemanns. Bei Görkes faß man immer etwas wie unter einer Gewitterwolke. Alle hatten das dunkle Gefühl der einem Vorgesetztendiner zu sein, und Görke gab sich durchaus keine Mühe, diesen Anschein zu zer- stören. Seine kalten grauen Augen sahen böse und herrisch her- über. Alle diese schielten nach seinem Gelde oder lebten davon, wie die beiden alten Tanten. Das Mädchen räumte den Tisch ab. Fräulein half. Görke gab Thea einen Wink. Sie ging auf den Vater zu, um ihm etwas zu sagen. Aber er winkte ihr ab.„Nachher!" sagte er. Thea ging hinaus und wartete auf Fräulein. „Fräulein, sind Sie wenigstens dabei— bei der Gerichts- sitzung?" „Nein, nur die Verwandten." „Schade, dann hätte ich doch wenigstens einen dabei ge» habt, der mir die Wahrheit gesagt hätte. Fräulein wollte sagen, daß ja die Eltern und die Schwester dabei seien, aber Thea war schon die Treppe emporgestürmt in ihr Zimmer. Kopfschüttelnd sah Fräulein ihr nach. Seit sie sich allein durch die Welt schlug, hatte sie schon so viel gesehen. Aber im Görkeschen Hause gab es täglich neue Rätsel: wo in aller Welt gab es doch noch solche Braut? „Braut"— was für ein schönes Wort! Es war weiß wie reine Perlen und warm und klar. Es hatte den gleichen tiefen Klang wie„Traum"... Fräulein lächelte verloren j vor sich hin. Ein rascher, kurzer Schritt kam die Treppe empor. Der Oberlehrer wurde sichtbar. Er war im Dehrock. „So feierlich, Herr Oberlehrer?" „Wird es auffallen? Ich dachte, es sei ein Festtag?" „Noch ist ja nicht Verlobung. Seine großen Augen blitzten sie lächelnd durch die Brillen- gläser an.„Riechen Sie nichts? Schnuppern Sie mal." „Ich rieche nur den Kalbsbraten." „Ich rieche Myrten," sagte der Oberlehrer.„Aber nun muß ich wohl hinein, sonst setzt mich mein Herr Schwager einen Platz tiefer." Drinnen begrüßt� er alle Verwandten und setzte sich dann in die Ecke zum Papagei.„Endlich!" sagte Görke als Will- komm. Görke bat alle, Platz zu nehmen, und begann mit ge- runzelter Stirn zu sprechen. Er hielt sich für einen glänzenden Redner und ließ keine Gelegenheit vorübergehen, ohne das zu beweisen. Es war sein stiller Schmerz daß man ihn in Danzig nie als Kandidaten für Landtag oder Reichstag auserwählt hatte. Wieviel Kandidatenreden hatte er schon entworfen und für sich gehalten! Wieviele Gegner hatte er schon mit bos- haften Ausfällen in die Enge getrieben und auf den Sand gesetzt, wenn er in schlaflosen Nachtstunden vor sich hinträumtet „Liebe Verwandte! Liebe Familienmitgliederl Ihr alle wißt den Zweck unseres Zusammenseins. Im tiefen Bewußt- fein von uns allen schlummert das Gefühl von der Zusammen- geHörigkeit unseres Stammes. Wer möchte sich dieser inneren Stimme und ihren Forderungen wohl entziehen?" Seine grauen Augen funkelten über die Zuhörer hin. Und es schien, als blieben sie auf dem Oberlehrer einen Mo- ment haften. „Getreu den Sitten unserer Altvorderen," fuhr Julius Görke fort,„beraten wir gemeinsam unsere Famrlienange- legenheiten, ihnen Weihe gebend und gemeinsam Verantwor- tung dafür tragend—" Der Oberlehrer fuhr in Gedanken fort:„— aber ich rate niemandem, eine andere Meinung zu haben." „Wieder ist der Moment da, wo ein Mitglied unserer Familie sich abzuzweigen gedenkt, um einen besonderen Haus- stand zu gründen.— Wenigstens ist ein Freier da," unterbrach er sich in minder pathetischem Ton.„Wir wollen die Gelegen- heit klar und logisch betrachten. Erstens: ist dieser Freier aus einem Stand, der es uns erlaubt, ihn ohne Voreingenommen- heit in unsere Familie aufzunehmen? Zweitens: ist er durch Vermögen oder Stellung in der Lage, seiner evenwellen Frau, einer Görke, ein ihr würdiges Einkommen zu sichern? Drittens: ist er persönlich ohne Makel?" „Schafskopf!" schnarrte der Papagei. Der Oberlehrer gab dem Unglücksoogel einen Bleistift zum Zerknabbern, um ihn zu beschäftigen und abzulenken. „Wer zu diesen drei Punkten etwas Nachteistges zu sagen hat, möge sich zu Wort melden." Niemand meldete sich. Bei den Görkeschen Familien- sitzungen hatte sich noch nie jemand zu Wort gemeldet. Alle blickten auf Görke und warteten, was er zu sagen habe. „Dann will ich also meinerseits die Antwort geben. Zu Punktt eins: Er ist aus einer Beamtenfamilie und ist selbst Beamter, kein hervorragender, aber immerhin mit gewissen Aussichten für die Zukunft. Er kann ja sogar mal Oberlehrer werden..." Es schien, als blitze ein tückischer Pfeil zu Oberlehrer Sanders hinüber, und die Tanten rückten unwill- kürlich etwas von ihm ab.„Zu Punkt zwei: Das Einkommen ist, auf gut deutsch gesagt, power. Aber es kommt darauf an, ob die nötige Bescheidenheit der Lebensführung da ist. Und ich habe meine Ehe mit weniger angefangen und bin doch glücklich geworden--" Ein gerührtes Räuspern bei den Tanten belehrte ihn, daß auch diesmal seine Wendung gut saß. In die Augen seiner Frau traten richtige Tränen. Sie war mit Zärtlichkestsbeweisen ihres Eheherrn nicht oerwähnt. „Zu Punkt drei: Er ist polizeilich nicht vorbestraft, er hat— wir er mir geschworen hat— keine Schulden. Aber—" (Forts, folgt.) Daraus ergibt fMj, daß Dividende nicht aus Gewinnen. sondern immer aus frischen Geldern, die ihm zu flössen, gezahlt worden ist. Sodann ging der Konkursverwalter auf die Schulden ein. Er erklärte, daß etwa 60 bis 70 Millionen Mark Passiven nur etwa 6 Millionen Mark Aktiven gegenüberständen. Rechtsanwalt Dr. Klee als Kläubigeroertreter verlangte von dem Konkursoerwalter Auskunft über die Beziehungen des Köhn-Konzerns zu der„D e u t s ch v o l k i s ch e n Bant", der angeblich führende Persönlichteiten der heutigen Politik nahestehen fZwischenrufe: L u d e n d o r f f, K u n tz e.) Er ist überzeugt, daß diese cherren von dem Köhnschen Geschäftsgebaren keine Ahnung hatten, es erfordert aber die Gerechtigkeit, daß sie sich prüfen, ob, wenn die Gerüchte wahr wären, daß von Köhn bedeutende Summen zu allen möglichen Äwecken gegeben seien, sie diese Summen nicht im Interesse der Gläubiger zurückerstatten würden.(Beifall.) Der Konkursverwalter Schubert erklärt hierzu, daß er schon den Antrag auf eidliche Vernehmung der Direktion der Deutschvölkischen Bank gestellt habe. Aus der Mitte der Versammlung heraus wurde vielfach der Wunsch geäußert, Köhn möge persönlich vorgeführt werden. Amtsgerichtsrat Iacoby lehnte dies jedoch mit Rücksicht auf die er- regte Stimmung der versammelten Gläubiger ob, da er nicht für die Sicherheit Köhns aufkommen könnte.(In der Bersammlunq werden erregte Stufe, wie Schwindler! Schieber! laut.) Rechtsanwalt Dr. Kurt P i n c u s wies im Namen des verhafteten Handelsanwalts W a u e r darauf hin, daß dieser entgegen den Bezichtigungen des Reckitskonsulenten Schneider aus Dresden, erhebliche Vermögens- werte für die Masse herangeschafft habe, und daß insbesondere durch Anfechtung des Rennstallkaufs seitens Köhns von Wauer allein acht Millionen Mark für die Malle gewonnen würden. Zu sehr erregten Szenen, welche manchmal sogar b e- drohliche Formen annahmen, kam es anläblich der vom Knnkursaerickt bzw. dem Konkursverwalter vorgeschlagenen end- gültiaen Festsetzung eines Gläubiaerausschusses. Mehrere Gläubiger protestierten gegen die Wahl des Kaufmanns Heinrich Sklarz und des Rethtsanmalts Dr. P n t e k. Heinrich Sklarz erwiderte sehr erregt. Der Konkursverwalter Schubert gab gie Erklärung ab daß der gesamte Gläubigerausschuß bisher in selbstloser und aufopfernder Weise seine Pflicht getan habe. Zu einer kleinen Lärmszene kam es, als Rechtsanwalt Dr. B k u m b e r g, der Verteidiger Klantes, in ironischer Form darau hinweist daß die Teilnahme am Gläubigerausschuß doch offenbar ein s>hr aures Geschäft sein müsse, sonst würden sich nicht so viele um die Wabl reißen, obwohl lle selbst nicht einmal GläuMger Köhns feien.(Ein Mitglied des Gläubiqerausschusies ruft:„Der Kerl gehört vor die Diszivlinarkammerl") In den Ausschuß sg erklärt Rechtsanwalt Blumberg weiter, gehören nur wirkliche GsFudieer hinein, die aus Idealismus(? d. h. um ihr Geld!) kämpfen. Reihf-anwalt Vntet ruft: Verteidigen Sie Klaute auch aus Idealismue? Als Reedtsanwalt Dr. Pytek in der Abwehr der gegen ihn aerick'tcten Anariffe erklärt, daß er von der ersten Versammlung als Dbmann des Gläubigerausschusses gewählt sei, erfolot stürmischer Widerspruch. D-i der Neuwahl wurde der bisherige Gläubigerausschuß mit Ausnahme der Herren Prntek und Sklarz wiedergewählt und ferner werden noch fünf weitere Herren dazu gewählt, die nicht Vertreter der Geschädigten, sondern direkte Gläubiger Köhns sind. » Auf Veranlosiung der Staatsanwaltschaft in Dresden ist der Inhaber des verkrachten Sportkonzerns Lampe, Willi Lampe, am Dienstag in Karlshorst verhaftet worden. Lampe, der auch in Berlin und in anderen großen Städten Filialen besaß, hatte den Schwemunkt seiner Unternehmungen nach Dresden verlegt. Soweit sich bisher überleben läßt, betraaen die Passiv en des Unter- nehmens etwa 2 Millionen Mark. Der Verteidiger Lampe« hat. eigen Antrag auf Haftentlassung gestellt. bei seine? Frau zwei Männer vor, die sich als Kriminalbeamte aus- gaben und erklärten, daß sie die Wohnung durchsuchen müßten, weil er Schwiegersohn, der bei einer Bank angestellt ist, der Unter- schlagung beschuldigt werde. Di« vermeintlichen Beamten fanden bei der Untersuchung eine Kassette mit 26 000 M., die der Zimmermann in der Wohnung hatte, weil er im Begriff stand, ein Geschäft zu kaufen. Die„Beamten" erklärten, diesen Betrag beschlagnahmen zu müssen. Die Frau wollte das nicht zu- geben. Während der Auseinandersetzungen erschien auch der Mann, und nun fanden sich die ,, Beamten" bereit, von der Beschlagnahme Abstand zu nehmen, aber nur unter der Bedingung, daß der Mann ihnen zur Vernehmung auf das Polizeiamt folge. Der Zimmermann ver Jufo wirü verbrannt. Eine Hakenkreuzlerausschreitung gegen jüdische Paffanten bildete den Ausgangspunkt einer Anklage wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt, die gestern den Studenten Walter Krotoschiner vor das Charlottenburger Schöffengericht führte. Am 26. Februar dieses Jahres hatten Hakenkreuzjünglinge ge. leoentlich eines„Sonntagsbummels" Exzesse mit antisemi- tiscbem Einschlag veranstaltet, die mit einem Sturm auf die Schillingsche Konditorei endeten. Als der Angeklagte den Kurfürsten- dämm entlang kam, stieß er auf eine Ansammlung von etwa 600 Menschen, aus der antisemitische Schimpfworte herausklangen. Plötzlich sei ein großgewachsener junger Mann von hinten auf ihn losgekommen und höbe ihm das Wort„Iudenjunge" zuge- rufen. Als er sich umdreht«, habe der junge Mann, den er mit seinem Spazier!! ock von sich stieß, das Wort wiederholt, einige Hakew kreuzler seien auf ihn eingestürmt und als er seinen Stock erheben wollte, um sich zu wehren, sei ein Mann in Zivil, der sich nachher als Kriminalbeamter entpuppte, auf ihn losgekommen und habe ihm erklärt, daß er ihm zur Wache folgen solle. Entgegen der Be- kundung des Kriminalbeamten und eines zweiten hinzugekommenen Kameraden desselben behauptete der Angeklagte, daß ihm die Er kennungsmarke erst vorgezeigt worden sei, als er sich weigerte, dem Zivilisten, der ihn am Arm gepackt hatte, zu folgen. Wenn er sich losgeriffen und mit den Füßen gegen den Erdboden gestemmt habe, so sei dies vor dem Augenblick geschehen, als sich der Kri- minalbeamte als solcher legitimiert habe. Sein Verlangen, daß auch sein Angreifer mit zur Wache müsse, habe der Beamte ignoriert, ebenso das Verlangen mehrerer jüdischer Auaen- zeugen, die auf der Wache vernomnlen zu werden verlangten. Wie dem Angeklaaten von mehreren.Seiten, u. a. auch von einem durch den Kriminalbeamten mittels Notpfeife herbeizitierten uniformierten Polizeibeamten bellätigt wurde, hat er auf dem Wege zur Wache keinen Widerstand geleistet. Der große junge Mann. der den Angeklagten beleidigt hatte, war übri- gens von den Polizeibeamten nicht mehr aufzu- finden.— In der mehrere Stunden währenden Verhandlung macbten die Zeugen einander in vielen Punkten sich widersprechende Aussagen. Der Amtsanwalt hielt einen Widerstand für erwiesen und beantragte gegen den Beklagten 160 M. Geldstrafe.— Rechtsanwalt Dr. Weil sprach seine Verwunderung darüber aus, daß in keinem der vorhergegangenen Exzesse ein Strafverfahren eingeleitet worden sei und nur hier, in der verhältnismäßig harmlosen Sache eine An- klage gegen einen Juden, der beleidigt sei, erhoben worden sei. Der Angeklagte müsse freigesprochen werden, da dieser nickt im Bewußtsein war, Widerstand gegen die Staatsgewalt zu leisten.— Das Gericht erkannte auf Freisprechung, weil der Tatbestand nicht genügend zu klären war. Gaunerstückchen.• Zwei falsche Kriminalbeamte haben gestern einen Zimmermann au» der Rheinsberger Straße 36 um 26 000 M., fein ganze» vermögen, gebracht. Während er nicht zu Hause war. sprachen Sntöe WWe iiMmlDiup am Donnerstag, den 22. September: 7. Srei«(Eharlottenburg, 51. Abt): 7 Uhr in der Aula der Königin- Luife-Schule. vanckelmannstr. 26—28. Thema:„Die bevorstehenden Stadtverordneteowahlen und die SPD." Ref.: Stadtverordneter Albert H o r l i tz. 12. Kreis(eichterfelde): 7"„ Uhr, im Alten Dorftrug. llnh. Schnabel. HIndenburgdamm 104. Thema:„Die Reaktion und die Sommunalwahlen". Ref.: Bürgermeister Karl Wermut h. 14. Krei,(Reukölln. 96.. 97. o. 98. Abt.): 7», Ahr, Aula der Ober- reosschule Emser Str. 86/87. Thema:»Die politische Loge und die Stadtverordnetenwahlen". Ref.: S o n r a d haeaisch, Minister a. D. 14. Kreis(Britz): 7 Uhr. in Beckers Festsaal. Thema:„Die politische Bedeutung der Stadtverordnelenwahl". Ref.: Viktor Schifi. 16. Kreis(Bohnsdorf): 7'/, Rhr. bei wirlh, Bahnhofflr. Thema: .„Die Reaktion und die Stadtverorduetenwahlen". Ref.: Marquardt. 17. Kreis(Lichtenberg): 7'/, Uhr, Schulaula Parkaue. Thema:„Die politische Lage und die Stadtverorduetenwahlen". Ref.: Paul Hirsch. Ministerpräsidenl o. D. 20. Krei»(Hermsdorf): 8 Uhr, Restaurant Bellevue(Rähe Bahnhof Hermsdorf). Thema:„Die politische Lage und die Stadtverorduetenwahlen". Ref.: Dr. Sallmann.(Richt wie angegeben am Mittwoch, den 21. September.) ging auch mit. Unterwegs entfernt« sich einer der Begleiter mit dem Bemerken, daß er sich Zigaretten kaufen wolle, und kam nicht wieder. Später verschwand unter einem Vorwand auch der andere. Als der Zimmermann wieder nach Hause kam, erfuhr er zu seinem Schrecken, daß einer der„Beamten, und zwar der, der die Zigaretten holen wollte, wieder dagewesen war und die Kassette mit den 26 000 M. nun doch mitgenommen hatte. Er hatte der Frau vorgeschützt, ihr Mann sei festgenommen worden und habe sich jetzt mit der Beschlag- nähme der Gelder einverstanden erklärt. Der Betrogene hat auf die Wiederbeschaffung des Geldes eine Belohnung von 2000 M. ausgesetzt. Der ein« der Gauner steht am Ende der Zwanziger,»er andere in der Mitte der Dreißiger Jahr«. Der eine trug einen schwarzen Ueberzieher, der zweite einen grauen Ulster. Mitteilungen nimmt Kriminalkommissar Gennat im Zimmer 104 des Ber- liner Polizeipräsidiums entgegen. Der Weiterbau der Nord-Südbahn. Wie erinnerlich, soll beim Bau der Nord-Südbahn zunächst die Stammstreck« Seestraße bis zum Halleschen Tor fertiggestellt und in Betrieb genommen werden. Der Anschluß an die beiden im Bau befindlichen Neuköllner Untergrundbahn st recken soll erst dann hergestellt werden, wenn die Nordstrecke in Betrieb ge- nommen worden ist. Schon jetzt aber werden die durch den Unter- grundbahnbau erforderlichen Verlegungen von Gas«, Wasser- und Kanalisationsröhren vorgenommen, damit der Vau durch diese meist langwierigen Arbeiten nicht aufgehalten wird. In der neisenau- Ecke Belle-Alliance-Straß« wird jetzt ein« derartige Arbeit ausgeführt. Hier handelt es sich um den Bau emes Dükers, der durch seine außerordentliche Größe auffällt. Der große Notauslaß des Tempelhofer Feldviertels kreuzt an dieser Stelle zum zweiten Male die Bahn. Die Einmündung des Not- auslaffes in den Landwehrkanal, der früher dicht neben der Belle- Alliance-Brücke lag, mußte infolg« der Bauarbeiten nach dem Tempelhofer Ufer verlegt werden. Nunmehr findet«ine zweite Ber- legung des Notauslasses an der Gneifenaustraße statt. Zur Aufklärung de, Leichenfundes in der Swinemünder Straße fand gestern eine Ortsbesichtigung durch die Mordkommission der Kriminalpolizei statt. Sie bestätigte, daß auch in diesem Falle kein Verbrechen vorliegt. Es ist nichts geraubt worden, man fand im Gegenteil noch eine Summe baren Geldes. Zur genauen Festste!- lung der Todesursache wird die Leiche obduziert. DI« Bezirksverordnetenversammlung des Xlll. Bezirks(Tempel- Hof) wählte den bisherigen Vorstand wieder.- Eine Anfrage H u e t t ch e n und Genossen(Bürgert.) wegen der während der Arbeitszeit vorgenommenen Abstimmung der Gemeindearbeiter über die Teilnahm« an einem Sympathiestreik wurde vom Bürgermeister roß dahin beantwortet, daß er im Einverständnis mit dem Berliner Magistrat gehandelt habe.' Die Gemeinde ist in diesem Fall« nicht geschädigt worden, sonde- n vor größerem Schaden bewahrt leblieben.— Die Antragsteller waren mit der Erklärung des Bürgermeisters zufriedengestellt. Ein Antrag der Kommunisten Brandt und Genossen forderte die Freigabe der Turn- Halle des Lyzeums in Tempelhof für den Turn- o e r e i n„Fichte". Vom Schulrat S ch e s k e wurde im Namen des Bezirksamts die Zusage erteilt. Bei dieser Gelegenheit beantragte Bezirksverordneter Most(Demokr.), die Schulräume für politische Versammlungen und künstlerische Der- anstaltungen unentgeltlich zur Verfügung zu teilen. Auf Antrag des Genossen Burgemeister wurde eine fünfgliedrige Kommission zur Prüfung dieser Angelegenheit eingesetzt. Die Vorlage des Bezirksamtes betreffend Aufhebung der Ortsstatute für dze Gemeinden Tempelhof und Mariendorf zwecks Prüfung der Bedürfnisfrage bei Errichtung der Schankwirtschaften wurde einstimmig angenommen. Eine Mitteilung des Bezirksamtes über die Verhandlungen zur Herabsetzung der elektrischen Strompreise mit der Direktion der Vorort-Elektrizitäts-Werke führte zu einer längeren Debatte. Dem demokratischen Vertreter Most entschlüpfte dabei der Ausspruch, „die elektrischen Privatbetriebe schwimmen im Geld«". Er wollte damit den Nachweis liefern, daß die Städtischen Werke nicht rentabel wirtschaften können. Von den sozialistischen Vertretern wurde der gegenteilige Nachweis erbracht und die Aeußeruna des Herrn Most dahingehend ausgelegt, daß dann diese Betriebe für Sozialisserung reif seien. Bürgerm. Groß berichtete über die Verhandlungen wegen Ausgestaltung der ver, bindungen nach Marienfelde und Lichtenrade. Stadtrat Adler als Vertreter der Verkehrsinstitute erkannte an, daß eine bessere Verbindung geschaffen werden müsse, eine Ver- längerung der Linie 73 nach Lichtenrade könne vorläufig nicht in Frage kommen. Es soll eine gleislose Anschlußbahn geschaffen werden. Der Anschluß der Linie 70 nach Marienfelde soll geprüft werden. Sämtliche Redner ersuchten das Bezirksamt, nichts unver» sucht zu lassen, um diese Angelegenheit mit Erfolg zu regeln. Aus Anlaß der Belegung der Tempelhofer Schulen beim K a p p-P u t f ch sind Schäden in Höhe von 27832 M. entstanden. Das Landesfinanzamt Groß-Berlin will vergleichsweise die Summe von 23 000 M. erstatten. Das Bezirksamt hat sich in seiner Sitzung mit diesen Vorschlägen einverstanden erklärt. Der Reutöllner Ehrenfriedhof. Der von der Stadtgemeind« innerhalb des Begräbnisplatzes an der Gottlieb-Dunkel-Straße zu Ehren gefallener Neuköllner Krieger errichtete Friedhof ist jetzt end« gültig geschlossen worden. 176 Opfer des Weltkrieges sind dort zur letzten Rube gebettet worden. Je nach der Jabreszeit werden die Heldengräber, die einheitlich mit einem Gedenkstein in Form eine? Eichenkranzes geziert sind, durch die Friedhofsgärtnerei mit wechseln- dem Blumenschmuck ausgestattet. In Aussicht genommen ist noch die Einfügung eines massiven Eingangsportals in die umgebende TaxuShecke. Arbeitsgemeinschaft sozialhyglenischer Rrichsfachverbände. Die Deutsche Vereinigung für Säuglingsschutz, das Deutsche Zentral- komitee zur Bekämpfung der Tuberkulose, die Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten, die Deutsche Vereini- gung für KrüppelfürsoHze und der Deutsche Verein gegen den Al- koholismus haben sich zu einer Arbeitsgemeinschaft zu- sammengcschlossen(Geschäftsstelle: Charlottenburg 6, Frank- straße). Der Zweck ist, ein engeres Zusammenarbeiten der ver- einigten Verbände herbeizuführen, sich gegenseitig zu- fördern, zu er- gänzen und zu unterstützen und zu Gesetzgebüngs- und Derwal- tungsmaßnahmen gemeinsam Stellung zu nehmen. Für zwei Schrippen vier Mark. Ein Wucherer hotte es am 16. Juni d. I. fertig gebracht, einem 6Sjährigen Arbeiter U. in NowaweS für zwei Schrippen 4 M. abzufordern. U. wollte beim Bäckermeister Knop in NowaweS zwei Schrivpen erstehen und legte 6 M. auf den Tisch. Er erhielt trotz aller Einwendungen nur 1 M. zurück.„Jawohl, die Schrippe kostet 2 M., sie ist auS reinem Weizenmehl". Die bestimmten Bekundungen deS Zeugen halfen beute dem Gericht über den Vertagungsantrag des Anwalt? hin- weg. der Angeklagte wurde wegen Preistreiberei zu 600 M. Geld- stra'everurteilt. Eine Obstsorkenschau veranstaltet im Erfrischungsraum deS Warenhauses Heimann Tietz, Alexanderplatz, die Späthsche Baum- schule, Berlin-Baumschulenweg. vom 22. bis 29. September. E» soll den Gartenbesitzern und Siedlern Gelegenheit gegeben werden, die Früchte der verschiedenen Obstsorten kennenzulernen.— Außer- dem ist ein Fachmann anwesend, der Interessenten über sämtliche obstbanlichen Fragen unentgeltich Auskunft erteilt. Ablauf der Anmeldefrist für Auslandsforderuugen. Wie der Bund der Ausländsdeutschen mitteilt, läuft am 30. September d. I. die Frist für die Anmeldung deutscher Vorkriegsforderungen zum Ausgleichsverfahren ab. Diejenigen Auslandsdeutschen, die Forde- rungen, z. B. Bankguthaben und ähnliches, beim Bunde der Aus« londsdeuti'chen angemeldet haben und der Meinung waren, von einer besonderen Anmeldung beim ReichS-AuSgleichsamt absehen zu können, seien in letzter Stunde nochmals nachdrücklichst darauf hin- gewiesen, daß sie ihre Forderungen nur beim Reichs-AuSgleichSamt anzumelden haben. Eine Unterlassung der Anmeldung wird mit Verlust der Forderung bedroht und außerdem noch unter Strafe gestellt. MieterratSschuIe. Der Meterbund Berlin- Steglitz e. V. HZIt am Mittwoch, den 21. d. M., im Restaurant„Lauenburger Kasino' m Steglitz, Ecke Lauenburger und froschingerstraße, eine MieterratSschuIe ab. Besonderer Verbandlungsgegcnstand ist das wichtige Tbema der R e n t a- bilitätsberechnung, worüber der erste Vorsitzende, Herr Wiltz, sprechen wild. Geschäftsstelle des Bundes ist Horst-Kohl-Str. 1. Gesunde« wurde am Sonntag in der Jugendweibe in den Kammersälen eine goldene Kette mit Anhänger. Der Eigentümer kann sich unter Angabe von Merkmalen, die ihn als Eigentümer ausweisen, bei Frau Wehrmann, Berlin 17. 4, Wöhlertstr. 20, vorn 4 Tr. melden. Ein Ringkampf zwischen HanS Stein!« und Otto Huhtanen findet am 23. September, abends 8�/, Uhr, im Circus Taraselll am Bahnhof Frtedrichstraße statt. Grofi-Serliner parteinachrichtea. Heute, Mittwoch, den 21. September: LZwe- _._____________________—:fl bei Lehmann, ttaiser-BIlhelm- Stratze. Referent Arihur Häußler:„Die politische Lage". Reuiölln.«g. Abt. 7Vj Uhr Funktionärsitzung bei Baruth, Ransenstr. 1.— »». Abt. IM Uhr ffunktionärsitzung be, Prllsert, Weser-, Ecke Fuldastratze. Iungsozialisten. Gruppe Pankow: 7 l-i Uhr im Jugendheim Breite Str. 32(hinter dem Finanzamt), Mitgliederversammlung. Heitere und ernste Literatur. Referent Genosse Otto Bartels. Morgen, Donnerstag, den 22. September: 7 Uhr Sitzung de» ttreienorstande» bei B. Burg, «. Krell Prenzlauer Berg. Prenzlauer Allee lSS.- 2». Abt. 7 Uhr Schule Schönhauser Allee Itz«», Sitzung der Abteilnngsleitung mit den Bczirksführern und deren Stellvertretern. Wichtige Tagesordnung. Erscheinen dringend notwendig. 81. Abt. Friedenau. 7)4 Uhr Mitglieberversammlung im Sisangsaal der Lui�enschule, Sotzlerstr. 13/14. Reserent I. Altmaier:„Bayern und Deutsch. III. Abt. Lichtenberg. 7% Uhr Sitzung der P-rteifunktiondre und Betrieb». Vertrauensleute im Lokal von Schlenkrich, Eimpwnstr. 42. Wichsiige sprechung. Achtung. Obleute der Elternbeiräte! Pünktlich 6 Uhr Sitzung im Sekretariat Lindenstr. 3. 2. Hof, 2 Trp. Das Erscheinen aller Obleute dringend erforder» lich, da wichtige Tagesordnung. Jnngsozialistin. Gruppe Schönhauser B»rstadt: 7V4 Uhr bei Carl, Wichert- straße Lg, Vortrag:„Hamburger Geschichten". Referent Bartels. ?ugenüveranfta!tungen. verein Arb-iter-Zugend. Sekretariat: S«.»8, Lindenstr. 3, 2. M linJN, 2 Treppen rechts. Telephon: Mpl. 121 08—11. offnct�tana' �ngendsekretariat Ist heute nur I» der grit ,»» t—| Uhr ge« Heule. Mittwoch, den 21. September: «Zpeii««: Jugendheim Schule Marktplatz, Bortrog:„Die germanische Mark. g�ossenslliast.— Frikdrichshage»! Jugendheim Scharnweberftr. IVSa, Vortrag: „Alkohol und Nikotin".— Gesundbrunnen: Jugendheim Dothenburaer Etr 2 Dlskussionsabend:„Zweckmähiges Wonbern".— Kaulsdors: Iuqendbeim Adolf. straße 25, Vortrag:„Ferdinand Lassalle".— Kaulsdors.SSd: Jugendheim Sansjouci, Moltkestr. 1, Vortrag:„Die Geschichte der deutschen«rdelterbewe. gung.— Ltchenoerg:-----———---- Mahlsdsrf: Iuaendhei von 1848".— Prenzlauer Vorsta meinschaftserziehung".— Wcdving: Zugendheim Schule Mllller.f'Ecke'Trift Vortrag:„Kulturgeschichte".— Westen: Jugendheim Baugewerkschule.»urfitrst-r< stlaßc. Bortrag:„Buchdruckerkunst".- Südwest: Zentralst----- Vortrag:„Schule und Politik" Jugendheim Liadeustr. 3, potenzierte FustizkomSöke. Die französische Regierung wird nicht müde, die Geschäfte der DeuLschnationalen zu besorgen. Es gibt fast keine Frage, in der sie nicht im Gegensatz zu den anderen Hauptmächten der Entente jenen scharfmacherischen Standpunkt gegen Deutschland einnimmt, der unseren Reaktionären den wert- vollsten und unerschöpflichen Stoff für ihre nationalistische Agitation gegen die Erfüllungspolitik der jetzigen Reichsregie- rung liefert. Sie kann nicht einmal mehr zu ihrer Entschuldi- gung anführen, daß sie sich dabei der Folgen chrer Haltung nicht bewußt sei: hätte sie schon früher den unaushörlich'-n Mahnungen, die ihr von republikanischer deutscher Seite zu- gingen, Gehör schenken sollen, so doch erst recht, wo nun ihre eigenen Bundesgenossen ihr zur Mäßigung im Interesse der demokratischen Entwicklung in Deutschland zureden, wie es noch kürzlich auf der Pariser Konferenz des Obersten Rates Lloyd George uird Eurzon getan haben. Umsonst; soeben hat der französische Iustizminister Bon- nevay feierlich verkündet, daß die Kriegsverbrecher- Prozesse, nachdem die Leipziger Probe„ungenügend" aus- gefallen sei, auf f r i n z ö s i> ch e m Boden stattfinden wür- den, denn es gebe wenigstens„Richter in Frankreich". Die angeklagten deutschen Militärpersonen werden der Form halber vorgeladen, und da sich vermutlich keine? freiwillig in die Höhle des Löwen begeben wird— was auch wir ihnen nicht zumuten wollen—> werden sie in contumaciam Zu hohen Zuchthausstrafen von den ftanzösischen Kriegsgerich- ten verurteilt werden. Auf ftanzösischer Seite, sogar aus dem Munde des �Ministerpräsidenten Briand» ist zur Zeit der Leipziger Prozeffe das Wort„3 u st i z k 0 m o d i e" gefallen. Run— um was wird es sich bei d i e f e n Pro- zessen vor ftanzösischen Gerichten, gar ohne Vollstreckungs- Möglichkeit, handeln? Was wird damit erreicht werden? Höchstens, daß einzelne Angeklagte, die wirtliche Kriegs- verbreche? sind, als solche in Leipzig einer harten Strafe nicht entgangen sein würden und vor allem der Verachtung von Millionen gerecht und menschlich denkender deutscher Proletarier preisgegeben worden wären, nicht nur ftei herum- laufen, sondern auch als Märtyrer ftanzösischer Racheinstinkte von der Wulle-Clique gefeiert werden, ohne daß uns die Möglichkeit geboten wird, diesem Rummel entgegenzutreten. Alles in allem wird dadurch, wie immer, ftanzäsischerseits die beste Werbearbeit für die deutsche Reaktion geleistet. Diese Politik wirkt auf uns um so widerwärtiger, als fast täglich neue Beweise dafür geliefert werden, daß Frankreich am Allerwenigsten Anlaß hätte, über die eigene Justiz und über die eigene Kriegführung stolze Töne zu reden. Die von ftanzösischen Kriegsgerichten an eigenen Soldaten vollzogenen Scheußlichkeiten werden erst nach und nach durch die Arbeiterpresie bekannt und erregen in Kreisen des französischen Volkes die stärkste Entrüstung. Aber auch Schandtaten französischer Offiziere ge» gen deutsche Verwundete kommen ebenfalls durch französische Zeugen allmählich ans Tageslicht. So berichtet ein ehemaliger Kriegsteilnehmer namens P l a n ch 0 n in der „Humanit6" vom 11. d. M. über das Verbrechen des Haupt- manns Vincent, genannt R i b 0 r, jetzt in der Stadt Ehaumont ansässig, der Ende März 1917 als Führer der 14. Kompagnie des 217. Jnf.-Regt. einen fchwerver- mündeten deutschen Gefangenen stundenlang ohne Pflege liegen ließ. Nach einigen Stunden erwartete man einen deutschen Gegenangriff, und der Hauptmann erklärte wieder- holt, er befürchte, daß wenn die Deutschen in die Stellung eindringen würden, sie sick über diese Behandlung des Verwun- beten empören und an den Franzosen Rache nehmen könn- ten. Aus diesem Grunde gab der Hauptmann den Befehl, „der eigenen Sicherheit halber" den schwer- verwundeten Gefangenen zu erschießen. Alle Soldaten waren darüber empört und keiner wollte den Mordbefehl ausführen, schließlich fand sich ein Kr a n k e n- träger mit dem Abzeichen des Genfer Roten Kreuzes dazu bereit, mit dem Dienstrevolver des Haupt- mannes den um Gnade schreienden Deutschen niederzu» machenl Der Kriegsteilnehmer Planchon erklärt sich bereit, noch andere Zeugen der geschilderten Barbarei namhaft zu machen. Wir sind gespannt, ob der Iustizminister Bonnevay auch in diesem und in ähnlichen bereits bekannt gewordenen Fällen sein stolzes Wort, daß es wenigstens in Frankreich noch Richter gebe, praktisch anwenden wird. Verhanülungen mit üer Garantiekommission. Varl», 20. September.(SS.) Das Garanliekomitee wird sich bekanntlich am Donnerstag nach Berlin begeben. Es wird insbesondere die Kontrolle über die deutsche Au»- fuhr zu prüfen und mit den deutschen Vertretern die IN od all- täten für die Zahlung der festen und der � veränderlichen Annuitäten zu besprechen haben. Vekauntsich hat Deutschland am IS. November drei Monatsraten der 2bprozeutigen Aussuhrabgabe zu bezahlen. Nimmt man die Ausfuhr Deutschlands zu S Milliarden an. so hätte Deutschland Z00 Millionen Goldmark zu zahlen. Am 15. Januar ist die zweite Monatsrale der festen Zahre»- rate von 500 Millionen Goldmark fällig. Gin Geheimvertrag Glemenceaus. Paris, 20. September.(EE.) Der„Mölln" veröffentlicht heute morgen einen Geheimvertrag, den Clemenceou am IS. Dezember 1919, also fünf Wochen vor der sranzösischen Präsidentenwahl, für die er als Kandidat aufgestellt war, abschloß. Dieser Vertrag lautet: Den IS. Dezember 1919. Es wird abgemacht: 1. Daß die französische und dte englische Regierung keinen Mi- nister in der Reparationskommission ernennen werden. 2. Daß die Roll« und die Aufgab« des Präsidenten dieser Kam- Mission durch eine Not« im Anhang a umschrieben werden sollen. 3. Daß der Generalsekretär der Reparallonskommission ein Engländer sein muß. 4. Daß die Zahlungen Deutschlands tu erster Linie zur Deckung der Defahungskostcu sowie solcher Lieferungen von Lebensmitteln und Rohstoffen dienen müssen, die Deutschlands unter den vom Friedensvertrag vorgesehenen Bedingungen bewilligt werden können. In zweiter Linie sollen die Zahlungen Deullchlands zur Deckung der belgischen Priorität dienen. Sobald diese Zahlungen einmal erfolgt sind, wird zu einer proportionalen Verteilung oller Zahlungen Deullchlands geschritten werden, die Naturalleistungen Deutschlands einbegriffen mit Ausnahm« derjenigen Gegenstände, von denen festgestellt wurde, daß sie in den Ländern entnommen waren; die nunmehr die Zurückerstattung des Entnommenen»er- langen.(Artikel 238 des Friedensvertrages, Bestimmungen, dl« der Zustimmung der englischen Dominions unterliegen.) Es wird ver» einbart, daß der proportionelle Teil, der Frankreich und dem eng- tischen.Weltreich zu Reparationszwecken zugewiesen wstd. zwischen Frankreich und dem engll'chen Weltreich im Verhältnis von 11: S aufgestellt werden soll. S. Di« englisch« Regierung wird die Wahl eines Franzose« zum Präsidenten der Reparationskommission unterstützen. Die franzö- fische Regierung stimmt dem bereits von den Vertretern Englands, Italiens und Belgiens angenommenen Vorschlag zu, daß die Schiffahrtsabteilung(sbipping-zection) ihren Sitz in London haben wird. Für diese Organisation wird Frankreich die Wahl eines englischen Präsidenten unterstützen. 6. Die englische Regierung stimmt der Ausgabe einer franzö- fischen Anleih« in London zu. Deren Höhe wird dann festgesetzt werden, wenn der Zustand des englischen Marktes die?« An- leihe im Augenblick ihrer Emission gestattet. Man kann annehmen, daß diese Anleihe etwa im März 1920 aufgelegt wird, doch bleibt die Festsetzung des genauen Zeitpunktes sowie die Höhe der Anleihe sväteren Abmachungen zwischen beiden Ländern überlasten. Das Ergebnis dieser Anleihe wird ausschließlich in dem Bereinigten Königreich verwendet. 7.(Gehe! m.): Die französtsche Regierung wird nicht die Rückerstattung des Goldes verlangen, das in Durchführung der Abmachungen von Calais in England zurückbehalten wird, bis zu dem Augenblick, wo die oanze Schuld Frankreichs gegenüber der englischen Regierung zurückgezahlt sein wird. Der„Matin" behauptet fest, daß diese Abmachungen bisher geheimgehalten wurden und daß sie unglücklich und verbrecherisch zugleich wären, namentlich sei es ungeheuerlich, daß beschlossen wurde, daß zunächst die englischen Besatzungskosten und dann die belgisch« Priorität bezahlt werden müßten. Da dieses Abkommen bestand, war möglich, andere Abmachungen durchzusetzen, weil Clemenceau Frank- reiche Hände bereits vorher gebunden hatte. Man habe daher jetzt kein Recht, über die Abmachungen der Finanzministerkonferenz vom 13. August 1921 zu seufzen._ vor der Aufhebung der Sanktionen? Befriedigende Verhandlungen. London. 20. September.(WTB.) Reuter meldet: Dem Der- nehmen nach schreiten die die Sanktionen und die Auslegung der im August getroffenen Entscheidung des Obersten Rates be- treffenden Lerhandlungen zwischen der brillschen und der ftanzösischen Regierung und zwischen den Alliierten und Deuffchland sehr befriedigend fort. Der ftanzösische Botschafter sprach heute nachmittag im Forreigne ofsice vor und erörterte die Frage mit dem ständigen Unterstaatssekretär. Nach einer Information aus französischer Quelle war der Botschafter der Meinung, daß der britisch« Gesichtspunkt über die Frage der Modalitäten taffächlich derselbe ist wie der französische Gesichtspunkt, nur Einzelheiten seien noch zu erörtern. „Socialdemokrateu" gegen Frankreich? Haltung. Stockholm, 20. September.(WTB.) Anläßlich der von Frankreich neu erhobenen Einwände gegen die vom Obersten Rat beschlostene Aufhebung der wirtschaftlichen Sanktionen schreibt„Socialdemokraten": Man muß sich ftagen, ob e» wirklich Frankreichs würdig ist, immer wieder mtt seinem hinter noch lo kümmerlichen Vorwänden maskierten unversöhnlichen Haß gegen Deuffchland auf dem Plan zu erscheinen. Seine Politik im Völkerbund und seine sonderbaren Maßnahmen im Saargebiet verringern die Sym- pathi« für Frankreich und isolieren es. Nicht genug damit, daß man den Franken als Münzeinhett im besetzten Gebiet einge- führt hat, sucht man auch einen neuen völkerrechtlichen Begriff zu schaffen: den Saareinwohner, das ist jeder, der im Saargebiet wohnt, dadurch werden Deutsche aus anderen Teilen der Republik Ausländer im Saargebiet. Ist der Lerfailler Vertrag wirtlich so«lastisch? Völkerbundrat und wilnafrage. Tiefer Gegensatz— keine Lösung. Genf, 20. September.(WTB.) Der Völkerbundrat schloß heute in öffentticher Sitzung die gestrige Debatte über den litauisch-polnischen Streitfall vorläufig ab. Da eine Uebeveinstimmung zwischen den polnischen und den litauischen Ver- tretern nicht erzielt werden konnte, nahm der Rat ein« E n t- schließung Hymans- Belgien an, wonach der Abkommens- entwurf Hymans vom Rat zur Annahme empfohlen werden soll. Außerdem soll Hymans der Bölkerbundverfamm- l u n g den gegenwärtigen Stand der ganzen Angelegenheit darlegen, so daß sie zur Beilegung des Streitfalles beitragen kann. Der polnisch« Delegierte Askenasy erklärte sich mit großer Heftigkeit gegen das gewählte Bersahren, ging aus die optimistische Darlegung Hymans von der prinzipiellen Uebereinstimmung zwischen den beiden Parteien ein und betonte nochmals die polnischen Rechte auf das strittig« Wilnaer Gebiet. Mit großer Ruhe und Ironie wies der lttauische Vertreter Galvanauskas auf die wahren Absichten der polnischen Politik in der ganzen Frage hin. Polen wolle bis in alle Ewigkeit verhandeln, weil es ja die strittigen Gebiet« durch den Rebellen Zeligowski besetzt habe. In einer groß angelegten Rede vertrat Balfour- England den Standpunkt, daß die polnische Haltung in der Be- setzungsfrage die ganzen Verhandlungen er. schwert habe. Cr ersuchte den polnischen Delegierten, seiner Regierung davon Mitteilung zu machen, welchen Eindruck ihre Stellungnahme in der Angelegenheit des Generals Zeligowski in der Welt machen müsse und sprach seine tiefe Enttäuschung über den Verlauf der polnisch-litouischen Verhandlungen aus. Leon Bourgeois-Frantreich verlas unter lebhafter Liebenswürdig ke it für Polen«ine durchaus opttmisttsche Auffassung, in de? er aussprach, er lege das Schwergewicht vor allem auf die Notwendigkeit eines engeren Zusammenschlusses der beiden Brudervölker, die auf ein« gemeinsam« Zukunft angewiesen seien. Nach Annahme der Enffchließung gaben der polnische und der litauisch« Vi! trete? nochmals kurz« Erklärungen ab, in denen der tiefst« Gegensatz zwischen den beiderseitigen Ausführungen zum Ausdruck kam. Aufnahme Litanens in den Völkerbund. Genf. 20. September.(EE.) Die Kommission, die die Auf- nahmegesuche zu behandeln hat, besprach heute die Auf- nahm« Litauen«. Askenasy beantragte Verschiebung des Aufnahmegesuches, evtl. wollte er an die Aufnahme die Be- dingung knüpfen, daß ein« Untersuchungskommission vom Völkerbund nach Litauen enffandt würde, um die Prüfung der Log« der Polen im Gebiet von Kowno vorzunehmen. Der Antrag wurde gegen die Stimmen der polnischen Vertreter und der Vertreter Rumäniens abgelehnt und die Aufnahm« Litauens in den Völkerbund beschlossen. Um Deutschlands Eintritt. Pari». 20. September.(EE.) Dem„Journal de»©ebats" wird aus Genf gemeldet: Wenn man die Stimmung betrachtet, die innerhalb der Dollversammlung und der Kommissionen herrscht, so hat man den Eindruck, daß eine positive Bitte Deutsch» lands, in den Völkerbund aufgenommen zu werden, nicht ab- gelehnt werden würde. Wenn das Kabinett W i r t h an der Macht bliebe und der versöhnliche Geist, der es beseell, weiter be- stehen bleibt, würde eine Kandidatur Deutschlands günstig auf« genommen werde.?. Die Reaktionäre im Deutschen Reichstag geben allerdings vor, daß Deutschland nicht den Wunsch hätte, ei'.»e Kandidatur anzunehmen, aber der Vertreter des„Journal des Debats" glaube zu wissen, daß dies nicht die wahren Ge- fühle des Volkes seien. Man habe vielmehr den Eindruck, als ob sich die öffentliche Meinung Deutschlands immer mehr und mehr für einen Eintritt Deutschlands in den Völkerbund ausspreche. Bisher 10 Millionen für Rußland. Amsterdam, 20. September.(Eigener Drahlbe- richt des.vorwärt s".) Nach den Mitteilungen, die eln großer Teil der gewerkschaftlichen Laudeszenlralen bisher an den Jnlernakionaleu Gewerischafksbund über das Ergcb- nis der Sammlungen für das leidende Rußland gemacht haben, stehen dem Jnkernationalen Gewerkfchaftsbnnd bis zur Stunde 9X Millionen Mark zur Verfügung. Die er Belrag dürfte aber nur die Hälfte der bisher gesammelten Gelder darstellen, da zurzeit eine große Zahl von Ländern noch nicht berichtet hat. Ilm den Ankauf von Medikamenten für die zur Verfügung stehenden Gelder vorzunehmen, um den Transport nach Rußlayd zu organisieren uud eine wirksame Kontrolle und Verkeilung sichcrzu- stellen, wird Genosse Alm wen. einer der beiden Sekretäre des Jnlerualionalen Gewerkschaflsbundes, sich heute nach Berlin begeben. * Dies« Meldung des Internationalen Gewerffchaftsbundes ist ein erfteulicher Beweis dafür, daß die Solidarität der inter» nationalen Arbeiterschaft nicht durch den Krieg vernichtet werden konnte. Diese Solidarität aller Arbeitenden und Leidenden kommt nicht in tönenden Worten und guten Ratschlägen zum Aus- druck, sie zeigt sich darin, daß die Arbeitenden der ganzen Well kotz der traurigen wirffchaftlichen Lage jedes einzelnen bereit sind, abzugeben von dem wenigen, was sie haben, für diejenigen, die nichts besitzen. Das glänzende Ergebnis dieser Hilfsaktion für Sowjetrußland zeigt, daß die Arbeiter, soweit sie der Amsterdamer Internationale angehören, sich durch keine Beschimpfung der Sowjet- regierung und ihrer Agenten von der Betätigung ihres Gefühls der Brüderlichkett gegenüber den russischen Arbeitern abhalten lassen. Sie verlangen dafür keinen Dank, weil sie etwas Selb st ver- st ä n d l i ch e s taten, aber sie erwarten, daß die Bolfchewisten hieraus lernen und anerkennen, daß sie nicht die„Gelben", die„Ar- beiterverräter" find, als die sie von Moskau hingestellt werden, fon» dern daß sie klassenbewußte Arbeiter sind und als solche handeln. SowjetruPsche Kulturpläne in Berlin. Der in Berlin eingetroffene stellvertretende russische Volks- kommissar für Bildungswesen Grünberg teilt dem„Ost-Expreß" mit, daß er an der Spitze einer Kommission von mehreren Professoren gekommen sei, um die Tätigkeit des r u s f i- schen Staatsverlages ins Ausland zu verlegen, da in Rußland nicht genügend Bücher gedruckt werden könnten. In Berlin wird in engster Fühlung mit der russischen Außenhandels- Vertretung ein großer Verlag eröffnet. Der Kommission sind große Summen zur Verfügung gestellt. Sie hat euch die Aufgabe, die Beziehungen zu den westeuropäischen Wissenschaft- lichen und pädagogischen Kreisen nach siebenjährigem Kriege wiederherzustellen. Mit der deutschen Regierung wird über die Eröffnung einer großen russischen Kunstausstellung in Berlin verhandelt, wo alle Künste vertreten sein sollen: die deutsche Regierung verhält sich entgegenkommend zu diesem Gedanken. • Wir find die letzten, die an diese» kulturellen Bestrebungen und Beziehungen etwa» auszusetzen hätten. Wogegen wir aber schärf- sten Einspruch erheben müssen, das ist, daß in einer Zeit, wo die Arbeiter ganz Europas ihre Notgroschen freiwillig zugunsten des hungernden russischen Volkes opfern, die Sowjetregierung kost» spielige Missionen entsendet und Einrichtungen ins Leben ruft, die übrigens zweifellos in erster Linie der politischen Propaganda für Sowjetrußland und den Kommunismus dienen sollen. Nicht, daß wir die Gefahr dieser Propaganda besonders hoch einschätzen, obwohl sie schon Unheil genug in den Reihen des internationalen Proletariats angerichtet hat. Aber wir müssen gegen diesen un- moralischen Widerspruch protestieren, der darin liegt, daß die Sowjetregierung angeblich nicht genug Geld hat, um im Aus- lande Lebensmittel einzukaufen und daher an die Sammelfreudig- keit auch jener Arbeiterorganisation« 1.» ie sie sonst so kräftig be- kämpft, appelliert, und auf der anderen Seite Millionen dafür aus- gibt, kommunistische Blätter zu unterhalten. Bücher und Broschüren unter dem Selbstkostenpreis zu verlegen, unzählige Missionen vor- übergehend oder dauernd im Auslande zu unterhallen usw. Scharfer englijcher Protest in Moskau. London. 20. September.(WTB.) Reuters Bureau verbreitet folgende Mitteilung: Seit Abschluß des englisch-russischen Handelsabkommens enthielt sich die britische Regierung loyal jeder feind- seligen Handlung gegen die russische Regierung. Dagegen hat die Sowjetregierung ihren Feldzug der tlnwahrhaftigkeit und Feindseligkeit gegen die britische Regierung in ganz Mittel- asien und Afghanistan verschärft. Die britische Regierung ist entschlossen,«in solches Vorgehen nicht zu dulden. Sie Hot dem» gemäß nach Moskau eine in scharfen Worten abgefaßte Rote ge- richtet, in der sie die Aufmerksamkeit auf diesen schweren Bruch des Vertrauens lenkt und Aufklärung verlangt. Deutstbe und französische Freimaurer. Pari», 20. September.(WTB.) Die Generalversammlung der Abgeordneten der Freimaurerlogen des Grand Orient de France ist gestern zusammengetreten. Der Vizepräsident Court sprach dabei von dem demnächstigen Zusammentritt einer inter- nationalen Freimourerkonsereuz in Genf und be- tonte die pazifistischen Wünsche des Grand Orient. Trotzdem, erklärte er, werden wir dieser Konferenz an der Seite der Vertreter der deutschen Logen nur beiwohnen können, wenn diese laut die Verletzungen desavouieren, die während des Krieges gegen die Grundsätze der Gerechtigkett und Menschlichkeit, die allen Freimaurern hellig sind, begangen worden sind. Wir wollen sehen, ob die deuffchen Logen fähig sind, gegen den Kaiser und die Imperialisten die Geste zu machen, welche das französisch« Freimaurertum gegen Napoleon III. gemacht hat. Herabsetzung der Dienstzeik In Frankreich 7 Der ftanzösikSe Kolonialminifter S a r r a u t erklärte dem Mitarbeiter de«„Fntran- sigeanl", Frankreich werde in ollernäckisier Zeit die M i l i t ä r vss I i cb t herabsetzen können und zwar dank keiner Kolonien, dtirch die Frankreich ein« neue Militär-Organisation erhalte, die aus einer Eingedorenen-Arm« von 300000 Mann begründet sein werde. Vonnerstag, Sen 22. Sept., abends f