Nr. 447 �ZS.�akrgang Ausgabe& Nr. 226 Bezugspreis» 9ltrteIi51)rL 30.— 3R., monall 10.— 58. frei ins»ans, oorau« zahlbar. Polt» bezug: MonaiUch 10.— M. einschl. Zu- stcllnnasgebllhr Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig. das Saar» und Memelflebicl, sowie die ehemals deut» scheu Gebiete Polens Oesterreich» Ungarn und Luxemburg 20.- M. Mr das Übrige Ausland 27.— 3JL Post» bestellungen nehmen an Oesterreich. Ungarn. Tscheche» Slowalei, Däne» marü Holland Luremburg Schweden und die Schweiz, Der„Sonrätts" mit der Sonntag». bellage»Boll und ZjeiN, der Unter» haltungsbeilage.Hennwelt" und der Beilage»Siedlung und Kleingarten� erscheint wochentöglich zweimal. Sonn» tags und Montag» einmal. Telegramm- Adresse! �Lozioldemotrol Lcrlin- Morgen Ausgabe c «irvl». vsrlin ZV Pf, auswärts 40 Pfennig D Bciliitcc vollrslilatt Anzeigenpreis: Die achtgespaltene NonpareMezellc lostet k�— M...kleine Anzeigeadas ieUgcdruckte Wort 2,— M. ein Teil verb en, und der Verlust dürste dadurch größer sein, daß der Neubau der bereits arbeitenden Anlagen sich bedeutend teurer stellen wird als die früheren Bauten. Aber schon diese Zahlen zeigen, daß die deutsche Nolls» Wirtschaft und vor allem die arbeitenden Massen von der Katastrophe schwerer betroffen werden als das Kapital, das schon bisher reichlichen Nutzen aus den Werken gezogen hat. Die große volkswirtschaftliche Bs- beutung der heimischen Stickstoffproduktion war es auch, die seinerzeit den Genossen Otto Braun veranlasste, die Sozialisierung dieser Industrie vorzuschlagen. Der Plan ist damals am Widerstand des Reichsernährungsministers gescheitert. Wie bereits bemerkt, ist ein Ueberblick über den tatfäch» lich angerichteten Schaden nicht möglich. Die deutsche Wirt» schaft wird ihn verwinden müssen. Was aber nicht aus der Welt geschafft werden kann, das ist die Tatsache, daß mehrere Hunderte von Arbeitern durch die Katastrophe g e- tötet, viele vorübergehend ihrer Erwerbsmöglich» keit beraubt, teils Invaliden geworden sind. Wieder ist eine große Zahl von Proletariern ein Opfer der fortschreitenden Technik geworden, die einem verfehlten Wirt- schoftssystem dient. Wohl regt sich schon auch werktätige Teil» nähme an dem Verlust, den das pfälzische Dorschen traf. Aber doch wird sich manche Arbeiterfaust ballen in dem Bewußt- ein, daß dieses Wirtschaftssystem sie, die Opfer der Kata» trophe, hartnäckig von der Mitbeteiligung an der Wirtfchafts- ührung ausschloß und Forderungen nach dieser Richtung nur zögemd Zugeständmsie machte. Vielleicht dämmert im Anblick dieser Verwüstung doch in manchem Gegner die Erkenntnis, daß das Streben der Arbeiterschaft nach Mitbestimmung in der Gütererzeugung nicht nur dem Wunsche nach besserer Lebenshaltung entspringt, sondern auch einem hohen Ver» antwortungsgesühl für das Schicksal der vom Tode bedrohten Kameraden und dem Berlangen, mitzuarbeiten an der Beseitigung der Ursachen solcher Unfälle. 266 Tote geborgen. Stantfntt a. HL, 21. September.(ZU.) Vls gegen 2 Uhr mittag» wurden, wie der.Frkf. Ztg." gemeldet wird, 20 0 lote geborgen und eine mindestens gleich große Zahl liegt unter den Trümmer«. Die Zahl der Leicht» und Schwerverwundeten ist im Augenblick nicht feststellbar, doch übersteigt sie die Zahl der Toten um ein vielfache». Die Straßen sind gedrängt voll von Lastauto» mobilen mit Rettungsmanaschaften. Zahlreiche andere Kraftwagen, ausgerüstet für Aufnahme der Toten und Verwundeten, versperren zeitweise die Straßen. Kolonnen der französischen V e» sahungstrnppen ziehen zn dem Unglücksort. Nach öer Katastrophe. Lndwigshafen, 21. September.(MTB.) Es ist bis zur Stunde noch unmöglich, die ganz« Katastrophe auch nur annähernd zu über- sehen. Der Bevölkerung der Stadtteil« Oppau und Friesenheim bemächtigt« sich«in« ungeheur« Panik. Die Leichtverletzten und Unverletzten flüchteten unter Zurücklasiung aller Habe. Verwundete, die mit knapper Not dem Tode entronnen sind, erzählen, daß sie zuerst einen Blitz sahen und gleich darauf ein« riesenhafte schwarze Rauchsäule, die über den explodierten Gasometern ausstieg und sich zu einem Riesenring ausbreitet«. Dann erfolgt« die erste Detonation, der kurz darauf die zweite folgte. Erst ein lähmender Schreck und dann allgemeine Flucht vor dem ausströmenden Gas, das die noch kilometerweit davon Entfernten zu betäuben drohte. Der West- wind treibt die Gas« über den Rhein nach Mannheim. In dem Mannheimer Industrie viertel, das Oppau gegenüber» liegt, lagen soviele Leri-etzte. daß sie in Straßenbahnwagen weg- gefahren werden mußten, Die in Oppau und in dem Stadtteil Friesenheim angerichteten Zerstörungen gleichen den schlimmsten Kriegsverwüstungen: Zusammengebrochene Häuser, unter deren brennenden Trümmern Leichen liegen, durch den Lustdruck ins Freie geschleuderte Möbelstücke. Kleidungsstück« und Hausrat liegen auf den mit Glasscherben fußhoch bedeckten Straßen. Durch die Gewalt der Explosion wurden sogar Eisenbahnzüge aus den Gbeisen gehoben. Der Explosionsherd, der im weiten Umkreis abgesperrt ist, brennt noch immer. Ganz Ludwigshafen gleicht einem riefen- haften Berbandsplatz. Sowohl an der Unfallstelle, die einem sürchter- lichen Chaos gleicht und die durch die giftigen Gas« und Rauchwolken der brennenden Gebäude in Dunkel gehüllt ist, als auch in der Goethe-Schule sind Verbandsplätze eingerichtet. Hunderte von Privat» autos schaffen die Verletzten in die Krankenhäuser. Di« Leichtver- letzten wurden, sobald sie verbunden sind, wieder entlasten. Die Zahl der Toten läßt sich immer noch nicht auch nur annähernd abschätzen. Am Oppauer Weg liegen Hunderte von verwundeten Arbeitern, die zum Teil schnecklich zugerichtet sind. Die Arbeiter der vnilinfabrik rekrutieren sich au» der ganzen Dorderpfalz. Im allgemeinen sind die Derwüstungen in allen Stadt- teilen gleich schwer. Sehr schwer ist der Schaden in der westlichen Innenstadt und in den Vorstädten, die der Anilinfabrik am nächsten liegen. Stark auch auf dem Waldhof, auf dem Lindenhof und im Hafengebiet. In Ludwig-hafen erschienen kein« Zeitungen. In Ludwigshasen und Mannhelm fallen heut« sämtlich« Theatervor» stellungen und andere Veranstaltungen au». Der Materialschade«. Ludwlgshafe«. 21. September.(TU.) vor Matorlal» schaden beläuft sich, soweit bis jetzt zu übersehen ist, auf m e h» rero hundert Millionen. Eine Gefahr weiterer Explosionen besteht nicht mehr. Im alten Werk, das auch ziemlich beschädigt wurde» konnte der Betrieb aufrechterhalten werden. Der Betrieb der Telephonämter in Mannheim, Ludwigshvfen und Worms ist eingestellt. In Ludwigshasen wird der Telcphondienst nur noch durch zwei Beamtinnen versehen, die lediglich noch Verbindungen für die Aerzte herstellen. Das Amt selbst ist geräumt, da man be- fürchtet, daß noch eine zweite Explosion erfolgen wird. Die Direk- tion der Badischen Anilin- und Sodafabrik teil indes mit, daß wettere Explosionen ausgeschlossen sind. Die Ursache. Lndwigshafen. 21. September.(WTS.) Die Direktion der Anilinfabrik teilt folgendes mit: Es ist nunmehr einwandfrei festgestellt, daß die Explosion im Oppauer Werk in einem Lager stattgefunden hat, in dem 4000 Zentner Ammonsulfat» salpeter lagerten. Levor zur Herstellung und Einlagerung dieses Produkies geschritten wurde, war es sowohl in der Anilinfabrik als auch anderwärts eingehend untersucht worden, so daß eine Explosions- gefahr für vollkommen ausgeschlossen galt. Ueber die näheren Umstände der Entstehung der Explosion ist die Untersuchung im Gange. VI» zur Stunde ist die Zahl der Opfer an Talen und ver- letzten, da das Unglück in die Zeit des Schichtwechsels fiel, noch nicht festzustellen. die Rettungsaktion. Frankfurt a. 21. September.(WTB.) Die Stadt Frankfurt Hot auf Deranlastung des Oberbürgermeisters mit Hilfe des Roten Kreuzes sofort eine Rettungsaktion in die Wege geleitet. Es sind eine Anzahl Kronkenautos mit voller Besatzung und 14 Aerzten mit der entsprechenden Menge von Verbands- und sonstigem Hilfsmaterial nach Ludwigshasen abgegangen. Weitere ärztliche Hilfskräfte sollen folgen. Ludwigshafeu. 21. September.(WTB.) Di« Hilfsaktion setzte sofort nach der Explosion ein. Aus der näheren und weiteren Um» gebung trafen schon nach einer Stunde Zlutos mit Hilssmannschaften ein. Die medizinische Fakultät der Universität Heidelberg ent- sandte sofort Aerzte, Studenten und Studentinnen, die vor dem Staatsexamen stehen und gerade an einem Examenkursus teil- nahmen, mit einer entsprechenden Menge von Verbandsmaterial. Ludwigshafeu. 21. September, 0,20 Uhr abends. sofortige vorbehaltlose Einstellung der monarchistischen Propaganda im Volk, der Weckung nationalen Selbstbewußtseins, der Sedanfeiern, des Kampfes um die fchwarzweißrote Fahne usw. usw. verlange. Er hebt beschwörend die Hände und predigt:.Die Deutsche Bolkspartei darf keinen Finger rühren für andere als von der hohen sozialdemokratischen Obrigkeit amtlich zugelassenen Einrichtungen, bei Strafe sofortiger Aufhebung der Koalition." Ihre Warnungen gipfeln in den folgenden Bemerkungen: Des find nur einige der Schwierigkeiten für die Deutsche Volks- pertei. Auch ihr Verhältnis zu Pen Deutschnationalen würde natür- lich auf da« Tiefste berührt, wenn ste sich, au« unbegrenzter stiebezum Vaterland, unterdassoziali st ischeJoch beugen sollte. Wer den GSrlltzer Verhandlungen beigewohnt hat, muß den Eindruck mitgenommen haben, daß die Genossen auf dem dort ausgestellten Schein bis zum letzten Punkt bestehen werden, daß es ihnen blutiger Ernst ist mit den Forderungen, die er ihnen verbürgen soll. Nur wer bereit und imstande ist, ihnen diesen Willen restlos zu tun. darf sich auf den Pakt einlassen, der damit eingeleitet werden sollte. Die Rückseite des„Berliner Lokalanzeigers", der„Tag", kündigt der Deutschen Bolkspartei und ihren politischen, so- zialen, nationalen, wirtschaftlichen Bestrebungen die Er- säufung in der roten Flut an. Die Deutsche Volks- partei wich nicht allzu respektvoll mit einem Kaninchen ver- alichen, das sich unterfange, einen Fuchs heiraten zu wollen. Der»Tag" meint unfreiwillig komisch:.Es wäre ein stroher nationaler Jammer, wenn sie dabei zu Schaden käme." Derlei Presseäußerungen von deutschnationaler Seite sind recht lehrreich, sieht man doch aus ihnen, daß der Gör- litzer Beschluß politisch recht beachtenswerte Wirkungen erzeugt, obwohl er vorerst eine taktische Wen- dung formuliert, deren Anwendungsmöglichkeiten im prak- ! tischen Leben noch im Dunkeln liegen. Tie Schamlosen. Da» Berliner Organ der Sowjetregierung ,N o w i f Mir" (hat die deutsche Regierung«in eigenes Organ in Moskau?) be- fchäftigt sich mit dem Verlaufe des Görlitzer Parteitags und bemerkt dazu: „Vergebens wurden die Geister von Bebel, Liebknecht, der alten Kämpfer der deutschen Sozialdemokratie wachgerufen. Damals war die heroische Zeit der Sozialdemokratie. Das, was jetzt vorgeht, ist nicht einmal der Anfang vom Ende, das ist das Ende selbst. Es werden die letzten Illusionen zu Grabe getragen, und das Begräbnis findet nach der ersten Klasse statt. Die bürgerliche Presse Deutsch- lands hat recht, wenn sie schreibt, daß diese„Genossen" nicht gesähr» lich sind. Sie sind vollkommen zahm.... Zusammen mit der reaktionären monarchistischen Volkspartei werden sie die Interessen des deutschen Proletariats verteidigen.... Vom Jubel der ganzen(?) bürgerlichen Presse begleitet, reichte der Görlitzer Parteitag Herrn Stinnes feine Hand... Mit den bolschewistischen Skribenten ist nicht zu streiten. Be- kanntlich wechseln die Herren Bolschewik» ihre Grundsätze je nach Be- darf. Heute nationalisieren sie die Industrie und den Handel, mor- pen geben sie die Industrie und den Handel frei, um in beiden Fällen die Ungläubigen durch ihre Mordkommissare erschießen zu lassen. Was aber den Ausfall des„Nowij Mir" besonders standalös macht, ist die Tatsache, daß der Vertreter der Sowjetregierung, Herr Kr assin, vorgestern zu dem ausgesprochenen Zweck in Berlin eingetroffen ist. um ausgerechnet Herrn Stinnes— nach dem Ausdruck des„Nowij Mir"— die Hand zu reichen und mit ihm sowie mit anderen deutschen Kapitalisten ein wirtschaftliches Bündnis abzuschließen. Währenddessen schmachten Tausende rusfl- scher Sozialisten»n den Gefängnissen Sowjetrußland» und die besten Männer und Frauen de» Landes werden erschossen. ,der Slock öer Nittel Di«„Germania", das führende Zentrumsblatt, nimmt unter dieser Ueberschrift zur neuen politischen Situation, wie sie sich aus dem Koalitionsbeschluß des Görlitzer Parteitages ergeben hat, Stellung. Sie schreibt: Der mit stattlicher Mehrheit von dem Sozialdemokratsschen Parteitag angenommene Beschluß über die Teilnahme der Partei an einer Koalitionsregierung hat für unsere polltischen Verhältnisse die größte Bedeutung. Er macht den Weg frei für eine breite Koalltion der Mitte von Scheidemann bis Stresemann. Damit ist diese Koalition natürlich noch nicht fertig, aber ein Haupt- stein des Anstoßes für die Verbreiterung der Regierungsbasis ist mit dieser vernünftigen Stellungnahme doch aus dem Wege geräumt. Die Sozialdemotratte hat die Zeichen der Zeit verstanden. Sie hat ihren früheren Standpunkt der schroffen Ablehnung des Zusammen- arbeitens mit der Deutschen Volkspartei aufgegeben und damit der politischen Entwicklung der letzten Zeit Rechnung getragen. Graf Lerchenfelö baperischer Ministerpräjiöent. München, 21. September.(Eigener Drahkbericht des.Dar- wäris".) Graf Lerchenjeld ist heute zum bayerischen Minister. prüsidenien geivähll worden. Damit ist die über München seit Wochen liegende Hochspannung gelöst, llm Laufe der Rachmittagsstonden hatte sich in der Nähe des Landlagsgebäudes eine große Anzahl Reu- gieriger, darunter Oberländler in ihrer Tracht, eingefunden Das Gebäude war m i l i t S r i s ch b e w a ch t. Die Truppen der Garnison lagen in ver eil fch oft. Ein letzter Ausruf Hahrs forderte die Bevölkerung zur Ruhe und zum Verzicht aus versassuags- widrige Eingriffe auf. Mit der Wahl Lerchenselds durch die Stimmen der Baye- rischen Bolkspartei und der Demokraten ha» die Deutfchnattonale Bolkspartei eine schwere Niederlage er- : litten. Ihre Aufforderung, neue Grundlagen für Verhandlungen zwischen Herrn Hahr und Berlin zu schaffen, hat eine glatte Ab- ! s a g e der übrigen Volksvertretung gefunden. Graf Lerchenfeld hat die typische klerikale konservattve Er- Ziehung des bayerischen Adligen in der Pagerie genossen und die übliche Beamtenkarriere durchgemacht. Er ist mit einer Amerikanerin verheiratet. Obwohl seine Wahl sich in erster Linie aus den Unter- tanenverftand der Bayerischen Vglkspartei gründet, die keinen Par- lamentarier, sondern lediglich einen Gesandten de» alten Obrigkeitsstaates am Staatsruder dulden wollte, hat die bayerische Sozialdemokratie keine Veranlassung, dem neuen Mann gegenüber sofort in schroffe Oppostttonsstellung zu treten. Die bayerische Sozialdemokratie wird es aber von den Taten des Mannes abhängig machen müssen, ob sie die Konsequenzen des Gör- litzer Parteitages zu einem Zeitpunkt, an dem die schwersten Schäden de» Kahrschen Systems geheilt sind, zusammen mit Herrn Lerchenfeld zieht. Zunächst erwartet ste von ihm. daß er mit fester Hand die Gift- und Zersetzung» st äffe aus dem Staats- körper entfernt, die sein Vorgänger mit Vorbedacht gezüchtet hat. Kahrs Durchfall. Die Landtagsabstlmmung über die Wahl des Ministerpräsident ten Graf Lerchenfeld hat ergeben» daß die Bayerische V o l k s» partei, die Demokraten und der Bauernbund für den neuen Ministerpräsidenten gestimmt haben» während die Baye- rische Mittelpartei ihre Stimmen für Dr. v. K a h r und die sozialistischenParteienweißeStimmzettel abgaben. Die Bayerische Mittelpartei steht also jetzt außerhalb der Regie- rungskoalition. Lei der Wahl wurden 145 Stimmzettel abgegeben.«6 lauteten auf den Namen Dr. Lerchenfeld, 33 waren unbeschrieben, 20 lauteten ans Dt. Lahr. Damit war Graf Lerchenfeld zum Mini st erpräsidenten gewählt. Er war inzwischen im Saal erschienen und erklärte die Annahme der Wahl. Das Haus beschäftigte sich dann mit drei Anträgen auf soforttge Durchführung einer HilfsaktioninLudwigshafen. Es soll eine Landes- fammlung durchgeführt und eine Kommission zur Feststellung der Ursachen des Unglücks gewählt werden. Die Anttäge fanden ein- stimmig« Annahme. Nächste Sitzung: Donnerstag, nachmittags 5 Uhr. Mitteilungen über die BildungdesGe-s amtmini st eriums. Darlegung des Ministerpräsidenten über die Grundsätze des Regie- rungsprogramms., Unser neues Parteiprogramm. Wie»die P.PN. hören, steht eS nunmehr fest, daß der Görlitz« Parteitag da« neue Parteiprogramm der Sozialdemokratie nackt verabschieden wird. Die Programmkommtssion Hot den theore» tischen Teil des Programms nach einem neuen Entwurf von Friedrich Stampfer und den praktischen Teil nach einem Entwurf von O u a r ck in Verbindung mit der Vorlag« noch einmal durchgeprüft und ist zu einer neuen Redaktion de« Pro- grammS gekommen, die weitgebende Zustimmung gefunden hat. ES ist wabricheinltch, daß der Parteitag zu diesem neurevidierten Programm noch in zustimmendem Sinne Stellung nehmen wird. Schwarz-Rot-Golö. Die Texttllndustriellen streiken: die Bandweber. Ihr haltet da» für unwahrscheinlich, ihr meint: höchsten« bei 0 Ausstellung ihrer Steuererklärung. Nicht nur da. Sie streiken auch in ihren Betrieben. In ihren Fabriken. Sie weigern sich, schwor z-rot-goldene Fahnen, schwarz. rot- golden« Bändchen, ob breit, ob schmal, zu fabrizieren. Die Kapp-Farben schwarz-weiß-rot surren dagegen in den Spin» deln der Webstühle hin und her. Wie ich diesen stillen Streik entdeckt habe? Dies« Tage wollte ich mir ein schmales fchwarz-rot-goldenes Bündchen für das Knopfloch taufen. Nicht etwa, weil ich vor Neid platze, weil ein Herr Sekretär im Postamt beim Martenoerkauf fein fchwarz-w«iß-rote» Berbienftschnällchen on feiner Dienstlitewka prangen läßt und weil ich kein« Ordensauszeichnung hätte. Ich habe doch eine.„Für Tapt-rteit und Treue" sogar. Die kann ich «b« nicht tragen, weil mein kleines Bübchen damit spielt. Auch hindert mich mein« Lebensauffassung daran. Denn schließlich muß für einen Mann, der kein Hans-Kafper ist, nach einer ge- fchehenen guten Tat da» Bewußtsein genügen, etwa» Gutes getan zu haben. Freud« machen muß ihm ein stiller Druck der Hände od« ein Wort der Anerkennung eines Freundes. Ein Mann ab« wird nich� die Anerkennung in Form eines R e t l a m e- Plakat» vor sich hertragen. Ich wollte mir au, ganz, ganz and«en Gründen ein schwarz- rot-goldene» Bändchen taufen und es in das Knopfloch des«inen Anzuges befestigen, den ich besitze, weil ich es für die Pflicht eines jeden Republikaners und Antimonarchiften halte, das Zeicheft der Republik zu tragen, um so den Trägern des Iungdeutfchen Ordens und des Hakenkreuzes zu zeigen, daß der Sinn und die Begeisterung für die demokratische und republikanische Staatsverfassung stärker ist, als es sich die Kappverbrecher träumen lassen. Leder Republikaner soll und muß Farbe be- kennen. Die Suche noch einem fchwarz-rot-goldenen Band war ein gut Stück Arbeit. In wohl über drei Dutzend Geschäften war ich, die Bänder und Bändchen verkaufen. Es gab auch Bänder in allen er- denklichen Farben— Regenbogen, schwarz, gelb, grün, vor allem fchwarz-weiß-rotee. Aber fchwarz-rot-gold bekam ich nirgends. „Wir bedauern, diese Farbe haben wir nicht. Unser« Fabritan- ten liefern diese Farbe nicht," sagte man mir im letzten Geschäft, in dem ich gewesen. Wie könnt« ab« dies« Streik der Web« beigelegt werden? Wenn alle unsere jungen und alten Genossinnen und Genossen jeden Tag in jedem Geschäft, an dem ste ihr Weg vorbeiführt, fragen würdap:„Haben Sie schwarz-rot-goldenes Band?" Dann wird ihnen wie mir ein« vernetnende Antwort zuteil werden. Dann erwidert klar und deutlich:„Lassen Sie sich doch da» Band von Ihrem Fabrikanten kommen." Die Detaillisten werden dann bei ihrem GroMen, der Grossist bim Textilindustriellen schwarz-rot-goldenen Fohnenstoff und Bän- der in diesen Farben bestellen. Der Textilindustrielle, der Band- web«, werden sich dann sagen:„Mit schwarz-rot-goldenen Bändern und Fahnenstoffen muß ein glänzendes Geschäft zu machen sein. Wenn ich ste nicht anfertigen lasse, macht sie mein Konkurrent." Gleich wird er seinem Werkmeister den nötigen Auftrag erteilen. Denn Kapitalist ist Kapitalist. Das Hauptbuch ist fein« Bibel, der Kafsenfchrank sein Altar. Wo» kümmert ihn seine Mitgliedschaft zur deutschnationalen Meuchelmörderpartei, was Monarchie, was fchwarz-weiß-rot, wenn in den republikanischen Farben mehr zu oerdienen ist, denn sein tägliche» Gebet als frommer Mammonist beginnt mit den Worten: „Heiliger Profit über olles." Alfa bestürmt in der ganzen deutschen Republik vom größten Warenhaus bis zum kleinsten Geschäft die Verkäufer mit der Nach- frage:„Geben Sie mir schwarz-rot-goldenes Band." Geschieht dies, dann können wir bald in fetter Cicero-Ueber- fchrift melden: „Der Streit der Textilindustriellen ist bei- g-legt." Gustav©iblrn. Skaaksop«:„Der fliegende Holländer.", Die Neueinstüdierung des«Fliegenden Holländers", dieses Riefen unter den rrmontisch?.i! Opern, ist der Ctaatscper sehr gut geglückt Das größte Verdienst l daran hat wohl der Regisseur H o l y. Er hat die oft mißhandelte l >„Oper" wieder aus dem schwülstigen Pathos etiöst, worin sie all-! �nählich zu ersticken drohte. Der ungeheuer vergrößcrte Weber ist Unter seinen Händen wiedererstanden. Alles Naive, Volkstümliche, j Lustige strahlt auf» natürlichste auf Max Schillings arbeitet � getreu mit ihm Hand in Hand. Ein Mann, der feinen Wagner aus dem Grund? kennt und alle» Gesangliche aufs schönste berausbolt. In der Orchestercharokteristik allerdings ist nicht alles höchste Kultur. Daß der Holland« ohne Zwischenokte gegeben wird, entspricht nicht nur der eigentlichen Intention des Meisters selbst, sondern auch ganz der Anlage de» Werke», da» ja eine einheitliche große Ballade dar- stellt und in seinem hinreißenden Zug über die drei Stunden mühe- los hinwegtäuscht. Die Besetzung war wieder einmal königlich, b. h. mit eln« ge- wissen naiven Selbstverständlichkeit war das Beste der Premiere lo schnell ausgemerzt, daß nur eine mittelgut« Anffübrung nach der glänzenden ersten übrig blieb. Ärmster ist kein Holländer. Im zweiten Teil, wo d« routinierte Ensemblesäng« und der geübte Darstell« in den Vordergrund treten, siegte vor allem die schone markige Stimme. Die Auftrittsarie dagegen war klug, nüchtern, und kräftig zurechtgelegt: von dem Ewiqkeitsschmerz toum eine Spur. Noch weniger heroorrogend ist Emmy H e ck m a n n- Dettendorf als Senta Von der intuitiven Rasse der Barbara Kemp kcine Spur. Gut nachempfunden, euch in der Darstellung, ab« ohne jede eigene Note. Auch im Gesang vibriert'die verheißene Empfindung sehr wenig mit. Sonst eine mittlere tüchtige Kraft. Otto Helger», dem etwas die Tiefe mangelt, Alex Kirchner, Grete Mancke und Robert Philipp, der ausgezeichnete Steuermann, trugen zu einem wohl- gefügten Ganzen bei. Die Chöre waren vorbildlich. Heinrich Maurer. Trauben h«bst Im Pfälz« Lande. Sonnenglut und endliche Regenfälle haben die Portugieser Trauben so weit zur Reife ge- bracht, daß mit der Lese an vielen großen Weinorten der Haardt begonnen werden kann. Die blauen behauchten Trauben hängen zwischen, ihrem Blättergrün wie große schwere Blüten, und die Spazierwege durch die stundenweiten, einsamen Weingärten und Wetnäcker sind jetzt eigenschön und verlockend. Feierlich still liegt das Rebenmcer, über das sich weit und blau der Himmel plant. Ein einziges große» grünes Hofsnungsfeld. Gradreihig wellt sich d« Rebenreichtum über Bcrgkuppen, tut droben auf kahl« Höhe, als ob er Alleinherrscher sei, wächst on Hügelketten weiter, arbeitet sich an Felsemvänden hoch und steht endlich in Millionen Stöcken in der breiten sonnigen ebenen Landschaft. Die Dörfer und GeHöste drücken sich zusammen, um dem Rebstock Boden zu gönnen. Kurz vor der Lese zieht an Sonntagen viel Stadtvolk in die Wingerts, wo sich die traubenlüsternen Lippen an verbotenen Früchten laben. Die Nasch- gier teilen dreist die Amseln und andere gefiederte Diebe, und scheren sich dein bißchen um alle Vogelscheuchen. In den Wingerböfen lebt die bunte Fröhlichkeit d« Lesevsrbe- reitungen. Fässer, Kelter, Hotten und alle Geräte stehen schon bereit." Und drinnen im Haus« wird geselcht, gesotten, gebraten und gebacken, denn die Herbstleute erwarten einen guten, retchen Tisch während der Lese. Längst bestellt sind die Herbstleute, dl« oft aus der Stadt in ganzen Familien kommen. Der Andrang zum Herb- sten ist auch heuer wieder groß. Ein einziger Weingutsbesitzer erhielt auf feine Zeitungsanzeige einige hundert Angebote. So ein- fach oder auch poetisch, wie sich der Neulinn das Traubenlesen den't, ist es keineswegs. Es geht in der kühlen Morgenstunde hinaus,' die Finger erstarren beim Lelen. ost sind die Stöcke und d« Boden feucht, und der Lestnöe muß stundenlang in feucht« Kleidung stehen. Andere wieder baden die schweren Travbenbotten mühevoll über Bergsteilen binabzutranen.... Reich beschickt ssnd heu« unsere Traubenmärkt�. Die Preise sind bis auf 3,50 M. für Portugieser herabgegangen. Eine neue HeUvekßsde. Immer neue Vniver'almittel werd>:n -rsunden oder ent>ckt, die meist nach kurzer Zeit vngessen werden. So wird der Ausspruch eines skeptischen Arztes wahr. der. über den Wert ei-"!» n!"�n Heilmittels belrngt, erwiderte:„Wenden Sie-s nur rasch an. solange es noch heilt." Pariser Zeitungen be'ichten von einem neuen Wunderdoktor namens Crouci, der in Nancy tätig ist. Sein ganzes Heillnstem besteht in der alten Weisheit, den Kranken zu überzeugen, daß er, um ge'und zu werden, wollen muß. Wer stark« Willenskraft anspannt, wird genesen, g'eichviel non welchem Leiden er bekrall-n Ist.„L'Oeuvre" nvint. dies ist ein- fach und aar nicht n«u: vor 50 Jahren besosq'e der Zuav« Jacob»In« ähnliche Methode: ollein. da« keinen akademischen Grad und Titel besaß, wurde« beständig wegen Kurpfusch«« verfolgt. Für die Hauptmann- Festspiel« bewilligt« der vretlauer Magistrat 100 000 M. alt Barantiesond. n?. 447�ZS.�ahrgans Heilage öes VorWärts Donnerstag, 22. September 1921 tssmcmssKs�msBa Unsere Forderungen zur InstiZresorm. Resolution Radbrnch— Ansprache de Brucköres— Die bayerische Frage— Das Unglück von Oppau. Heber die Rechtspflege erstattet das Referat Radbruch-Kiel: Dem Parteitag liegen zahlreiche Anträge»?r, die mit starken Marten, ja mit Worten der Entrüstung, von der Justiz sprechen. Ich komme vom Bamberger Juristentag, wo von der anderen Seite gegen die„Verleumdung der Justiz" Stellung genommen wurde. Ich frage: Ist es eine Verleumdung, daß ein deutscher Staats- anmalt einen wegen Mordversuchs Verurteilten— den Fähnrich Oltwig von chirschfeld— aus gesundheitlichen Gründen zeitweise aus der chaft entlassen hat, wo jeder weiß, wie schwer es ist, selbst einen tuberkulösen Gefangenen auch nur zeitweise von der Strafe befreien? Ist es eine Verleumdung, daß die Festungshaft in der Festung Riederschönseld an den Münchcner Kommunisten in einer Weise vollstreckt wird, die gegen das Gesetz zu einem Mittelding zwischen Gefängnis und Zucht- Haus geworden ist? Ist es eine Verleumdung, daß in Bayern sich noch kein Richter gefunden hat, der die auf einer zweifelhaft»« Grundloge beruhenden bayerischen Volks- eerichte für verfassungswidrig erklärt hat? Dos glles find keine Verleumdungen. Es ist leider wahr, daß die Zl-stiz furchtbar versagt l at. Woran liegt das? Es gibt Richter, die unsere republikanische Verfassung für einen bösen Traum weniger Jahre halten und die hoffen, eines schönen Morgens so ganz unvermutet unter der alten Kaiserherrlichkeit wieder aufzuwachen. Wir ver- langen nicht, daß der Richter nun auf einmal ein begeisterter Repu- blikancr ist. aber wir fordern, daß der Richter in der Republik Ver- siondsrepublikaner ist, daß er die Reoublik als historische Notwendig- keit betrachtet, mag sie ihm passen oder nicht. Wollen die Richter gute Richter sein, so müssen sie die Voraussetzung erfüllen, die wir dafür von jeder Partei aefordert haben, mit der wir politisch zusammenarbeiten können. sSehr gut!) Aber wir al» stärkst« Partei dürfen nicht nur Kritik üben, sondern müssen auch W e q e zeigen, wie es bester gemacht wird. Denn w'r sind die eigentliche Wiederaufbaupartei. Zwar ist der Richter unabhängig, unabsetzbar und unversetzbnr. aber die Staatsanwälte sind absehbar und versetzbar. Wir hoffen, daß in Zukunft die Justiz- minister hieran recht o s t denken und es so machen, wie es mit dem Eenernsstaatsanwalt Schön icinerZbit gemocht worden ist. Das wird Wunder wirken. Der Rickter ist gewiß unabsehbar, aber die Justizverwaltung hat freie Wahl, wen sie anstellen will, und wir verlangen eine sehr scharfe Auslese des Zurifsischen Rachwuchses. (Sehr gut!) Jeder Jurist sollte mindestens zur chälste auch Sozial- Politiker und Nationalökonom sein, denn mit den rich- tigen Kenntnisten wird die richtige Gesinnung kommen. Was mit dem Urteil politisch bedenklicher Nichter zu geschehen hat, hat uns jetzt das Reichsfuftizmtnisterinm mit der Nachprüfung der von den Sondergerichten gefällten Urteile gezeigt. Wir fordern, daß alle diese Urteils daraufhin nachgeprüft werden, ob sie revisions- bedürfkig sind, eine Aufgabe der Justizministerien aller Länder. An die Unabhängigkeit der Richter tasten wir nicht, ober wir glauben nicht an die Unabsetzbarkeit und Unversetzbarkeit der Richter. Was die Unabhänginkeit bedeutet, können wir an zwei Ge- richten ersehen, die sich des größten Vertrauens des gesamten Voltes erfreuen, obaleich sie keine unabsetzbare und unversetzbare Richter haben: die Gewerbe- und Kausmannsaerichte. Warum baben diese Gerichte im Volke soviel Boden? Weil ihr Aufbau im Zritolter des Klassenkampfes umaefteM ist Mag es auch vorkommen, daß der Richter bei dielen Gerichten einmal anders entscheidet, als die beiden Beisitzer entschieden haben würden, lo entscheidet er noch immer anders, als er ohne diese beiden Beisitzer entschieden hätte. Nach diesem Muster wünschen wir die Arbeitsgerichte eingerichtet zu sehen und wir wehren uns gegen Bestrebungen, die Gewerbe- imd Kaukmannsgerichte dem Amtsgericht anzugliedern. Wir sagen hier: Hände weg von den Gewerbe- und Seusmannsgerichten, folenee die ordentlichen Gerichte nicht völlig umgestellt sind. Wir fordern die weilgehendste vetelligung des Laienelemenls, und zwar sollen die Laienbeisitzer nach dem allgemeinen Verhältnis- w a h l s n st e m gewählt werden. Wir fordern Frauen als Schöffen und Geschmoren« in allen Instanzen. Bor allem aber fordern wir die Verreichlichung der Instiz. Wir sind Unitorier, ober wir sind e» in erster Linie auf dem Gebiet« be» Recht». Für die bevorstehende Reform des Straf- und Zivilrechtes haben wir eine Fülle von Wünschen und wir erkennen an. daß diese Entwürfe manchen Forischritt bringen. Wir würden uns freuen, wenn manches anders würde, und di» in meinem Antrag enthaltenen Forderungen sollen dolür der Reichstags- und Landtagsstattion wertvolle Anregung geben. Der Referent legt folgende Resolution von Die Resolution Rakckruch hat svlgenden W»rtlaut:„Unter dem Schutze der ri'chkerlichen Un« obhängfgkeit hat sich in der deutschen Republik eine Justiz erlMen, die sich als ein obrigkeitswidriger Fremdkörper im sozialen Volks- s'aat darstellt. Die Erbitterung weiter Voltskreise über den Geist. welchen diese Justiz in fast allen politisch gefärbten Streitfällen b». kündet, hat«inen Grad erreicht, der tiefgreifend« Maßnahmen zu ihrer G-suudung als unaufschiebbar erscheinen läßt. Es muß den Trägern der deutschen Rechtspflege zum Bewußtsein gebracht werden, daß nur sie im Geiste der geltenden Rechtsordnung, im Geille der sozialen und demokratischen Richtung Recht zu finden vermag und diesen Geist zum mindesten als eins geschichtliche Rot- weubigkeit innerlich bejahten. Für«Mherfüllte Feinde unserer re- rr-blikanifchcn Verfassung darf in der repablikanischen Justiz keine StStle sein. �...... Es ist die Pflicht der Jußizministerien, durch sorgfaltige Auslese des j-stizamtlichen Nachwuchses durch tatkräftige Staats- anwäste für die Erneuerung des Geilles in unserer Justiz Sorge zu tragen. Die Iustizausbildung muß irnte- Berücksichtigung der f o z> a l po l i t i s ch e n Studien neugeordnet werden. Wie vom Reichsjustizminister die Urteile der Sondergerichte, so müssen von den Jullizministern der Länder alle Urteile der außerordentlichen Gerichte unter dem Gesichtspunkte möglich ll er Begnadigung einer Nachprüfung unterzogen wenden. Bei der kommenden. Justiz- reform haben die Gerichte, welche sich das besondere Vertrauen weiter Dolkskmse erworbzn haben: die Gewerbe- und Stauf- mannsgerichte als die Vorbilder zu dienen, wie die im Zeit- alter des Klassenkampfes«ahrhaft unabhängigen Gerichte auszu- aellalien sind. Die Strafgerichte sind mit Laienbeisitzcrn zu besetzen, die Schöffen und Geschworenen nach den Verhältniswahlen zu wählen. Die Zulassung der Frauen zu allen Justiz- ämtern ist schleunigst durchzuffihren. Die seit Jahrzehnten vorbereitete Neuordnung des Strgfrechts. des Strafvollzuges und des Strafverfahrens muß a» die Stelle des veralteten auf Vergeltung und Abschreibung abzielenden Srrastechi» treten. Tvdesstraj, und Ehrverlust find ab- zuschasfen. Arbeitskraft und Koalitionsrecht ist besonders zu schützen. Die Abtreibungsstrafe ist durchgreifend einzuschränken. Unser völlig rückständiges Ehescheidungsrecht muß schnellstens umge- stellt, die vertragsmäßig vorgesehene Gleichstellung der unehelichen Kinder baldigst verwirklicht werden. Der Zivilprozeß muß i unter sozialen Gesichtspunkten neu geordnet werden, besonders durch j Einführung des Güteoerfahrens. Verzögert sich die Gesamtreform, so muß die Novellengesetzgebung eingreifen. Achtung vor dem Recht und Vertrauen in die Necht-psiege sind allgemeines Bedürfnis. Nur schnell und durchgreifende Maßnahmen können sie retten." Vorsitzender Taubadel: Ich habe dem Parteitag eine sehr trau- rlge Nachricht zu übermitteln. Nach einer soeben eingegangenen telephonischen Mitteilung der„Frankfurter Volksstimme" ist heute die chemische Fabrik in Oppau bei Ludwigshafen, ein Stickstoffwerk, in die Luft geflogen Bis jetzt sind 100 Tote festgestellt.(Große Bewegung. Der Parteitag er- ym Sonntag, öen 25. September, vormittags, findet für Grofi-Berli» eine allgemeine �vorwärts"- Agitation statt. Alle-Genossen und Genossinnen werden dringend er- sucht, sich hieran zu beteiligen. Der Bezirksvorstand. hebt sich.) Viele Tausende sind verwundet, ganze Straßenzüge sind niedergelegt. Sie sind alle mit mir aufs tiefste von dieser schreck- lichen Katastrophe erschüttert. Im Namen des gesamten Parteitages spreche ich ollen Opfern dieser bedauernswerten Katastrophe unser tiefstes Beileid aus.(Große anhaltende Bewegung.) In der Debatte erhält das Wort Frau Iche-chamburg: Wenn die Preise dem Weltmarktpreis nahekommen, müssen wir auch Weltmarktlöhne fordern. Wir müssen die Kleinrentner und Invaliden vor dem Untergang retten. Tie Reform des Strafgesetzbuches wird von reaktionären Beamten sabotiert. Loeb-Frankfurt: Wir fordern ein Reichskommissoriat gegen Steuerhinterziehung. Die ganze Bankwclt und Industrie hat die Freiheit der Devisenspekulation gefordert und steht hinter dieser Spekulation. Jetzt verlangt sie die Wiederherstellung des sogenannten Bankgeheimnisses. Der Iuristentag hat einstimmig entschieden, daß die Reichsobgobenordnung nicht zugunsten des Reiches, sSnbern zugunsten der Steuerzahler ausgelegt werden muß. Die Finanzreform wird von oben her planmäßig sabottert. Wenn der Wille und die Furcht dahintersteht, läßt sich auch das Vermögen der Besitzenden in Deutschland innerhalb 4 Wochen feststellen. Die Staatskommissare an der Börse hm nichts gegen die wüsten Aus- fchreitungen der Spekulation und der Reichsfinanzhof fällt mit seinem Urteil dem Finanzminister täglich in den Rücken.(Beifall.) viefler-Hoisbüttel: Die Lage der Gemeinden ist geradezu ver- zweifelt. Die Zentralisation darf auch in der Reichsfinanzverwaltung nicht überspannt werden, die Selbstverwaltung muß leben können. Die Finanzämter ssnd eine kostspielige und unsinnige Einrichtung. Schwarh-Zweibrücken: Die Fraktion darf keinen Pfennig in- direkte Steuern bewilligen, ehe nicht der Besitz mit voller Schärfe herangezogen ist. Borsitzender Taubadel verliest die neueingelaufenen Telegramme über die Explosionskata�rophe in Oppau und teilt mit, daß der Portcivorstand unmittelbar nach dem Einlaufen der ersten Un- glücksnachrichten eine Sammlung für die Opfer des Unglücks eingeleitet und als erster SlXXI M. zeichnete.(Beifall.) Die ganze Schwere des Unglücks lasse sich nicht übersehen.(Große Bewegung.) Frau ItJierbiHki: Die Steuergesetzgebung muß nicht nur die Sachwerre erfassen, sondern auch zur Erzeugung n?»er Sachwerte beitragen. Sie situß insbesondere die Landwirtschaft zur Höchst- lcistung anspornen und den unbebauten Boden nach dem gemeinen Wert erfassen. Hellmann-Hsmburg empfiehlt den Antrag, der sich gegen die neunjähripe Schulzeit wendet. Tregner-Pretz fordert schnellste Beseitigung der unerträglichen Zustände in den Gutsbezirken, wo zum Teil noch die alten patri- archalischen Verhältnisse herrschen. Hier ist ein Gebiet, wo wirklich praktische Arbeit geleistet werden kann. Ein Telegramm kündigt für Nachmittag die Ankunft des bel-, zischen Genossen de Dreuck-re an. Rmhmltkasäsitzvng. Bei Begin, der Rochmittvessitzunz mire als Vertreter der belgischen Sozialdemokratischen Partei Genosse de Broucker« erschienen und wird vom Vorsitzenden Wels herzlichst begrüßt. d« Bronck-re: Die herzlichen Grüße Ihres Präsidenten erwidern wir aufrichtig, ich übermittle Ihnen au» Anlaß Ihres Parteitages den Willkommensgruß der belgischen Portet.(Beifall.) Wichtige oolitisch« Angelegenheiten haben«ich aufgehalten, aber ich bin schnellstens hierhergekommen, um Ihnen zu sagen, wie eng die Ver- bindung der belgischen Sozialdemokratie mit der deutschen Partei ist.(Beifall.) Ein deutscher Parteigenosse von hohem Ansehen, der seit langen Jahren mit uns befreundet ist war dieser Tage bei uns zu Besuch. Die belgischen Nationalffien wollten gegen diesen Be- such des deutschen Sozialisten S a s s e n b a ch demonstrieren. Auf die Nachricht von diesen nationoli' iichen Absichten haben die bel- gischen Arbeiter eines großen Bezirks die Fabriken oerlasien, und l50 000 belgische Arbeiter ssellken sich der Demonsiralion vcn 1500 Ratienaliffen entgegen.(Stürmischer Beifall.) Wir stehen mitten im Wahlkampf, und wir hoffen, daß diese Kundgebung aus Anlaß des Besuchs Sassenbachs auf die Wahlen am 2S. Oktober günstig einwirken wird. Die Wahlen werden die internationale Gesinnung der belgischen Arbeiter zeigen. Mit großem Interesse verfolgen die belaischcn Sozialismen die Verhandlungen von Görlitz, denn sie wissen, o«n wie ungeheurer Bedeutung diese Beschlüsse auch für den internationalen Eazi»lismus sind. Die Einheik der Arbrikerbewegung ln Deutschland ist auch für Belaien ppn bober Vedetttung, und sie ist der Schlüssel zum Siege der Arbeiterklasse in Europa.(Beifall.) Wir freuen uns über die Fortschritte der deutschen Sozialdemokratie, denn di« deutsch« Sazialdemokratte ist die Verteidigerin der deutschen Republik. Mit hoher Freude hoben wir Kenntnis genommen von der Kund- gebunq der 500 000 Berliner Arbeiter und der Mit- lionen deuischer Arbeiter vom 31.-August für die Sicherung der Republik. Die Sicherung der deutschen Republik ist zugleich di« sicherste' Gewähr für einen dauernden Frieden Wir hoffen aber und haben das qtößte Interesse daran, daß die Wirtschaft in Deutsch- land gesichert ist. Die deutsche Mark lebt nicht isoliert in der Welt, si« sinkt, so sinken auch der belgische und der französische Franken. Die Reparation sverpflichtungen sind für die deutsche Republik gewiß eine schwere Last, aber wir haben ähnliche Probleme zu lösen, um die Zustände, vor dem Kriege wiederherzu- stellen. So sehen wir, daß das Reparationsproblcm in Deutsch- land auch ein Problem für dir Well ist, und wir alle suchen nach einer Lösung dieses Problems auf einer Grimdlage der Gerechtigkeit und des gegenseitigen guten Willens. (Stürmischer Beifall.) Möge uns die Wiederherstellung der Jnter» nationale und die vollständige Ueberwindung der Kriegsform rcäit bald gelingen. Für Demokratie und Sozialismus! In diesem Sinne freue ich mich, Ihnen die besten Grüße der belgischen Sozialisten überbringen zu dürfen(Stürmischer wiederholter Beifall.) Vorsitzender Wels: Lieber Genosse Broucker«! Der Dank der deutschen Arbeiterschaft klingt Ihnen aus dem Beifall des sozialdemo- kratischen Parteitages entgegen. Hier ist nicht einer im Saal, dem das Herz nicht bebt vor Freude ob dieser großartigen Solidaritäts- kundgebung von ISO 000 belgischen Arbeitern für den deutschen Sozialisten Sassenbach. Unser Kampf gilt der Niederwerfung der Reaktion in Deutschland genau so wie Sie in Belgien den Kampf gegen nationalistischen Uebermut führen.(Stürmische Zustimmung— unter neuen Beifallskundgebungen des Parteitages reichen sich W. und B. die Hände.) Die Debatte über den Bericht der Ncichstagsfraktion geht weiter. Wimmer-München schildert die Verelendung der Arbeiterklasse und der kleinen Deamtenschicht. Man sollte von jedem Arbeitacber für jeden von ihnen beschäftigten Arbeiter einen Teil des Mehr- wertes in der Form von Steuer erheben. Luise Lchröder-Altona fordert besondere Wahrnehmung der Interessen der Taubstummen durch die Reichstagssraktion und be-. klagt das geringe Interesse vieler Partciblätter und Parteiorgani- fatianen an den Fragen der unehelichen Muttsrschaft, der Schwan- gcrschaftsunterbrechung usw. Wenn wirklich Kriege nicht wieder- kehren sollen, müssen wir Frauen haben, die Kinder erziehen, die keinen Krieg mehr führen wallen. lGraber Beilall.) Leber-Jena: Das Sperrgesetz für die Besoldungsgesetze in den Ländern ist an sich gut, aber seine Ausführung bringt die Länder oft in große Schwierigkeiten und zwingt sie, ihren Beamten Ge- hälter vorzuenthalten, die sie sonst bekommen würden. In der Sozialisierung ist im letzten Jahre nichts geschehen, obwohl Hermann Müller in Kassel die energische Inangriffnabme der Sozialisierung von Kahle und Eisen zugesagt hatte. Dos baben die Arbeiter doch gelesen. Was sollen wir ihnen nun sagen? Wir sind der Meinung, daß viel mehr hätte geschehen müssen. Dr. Sann-Frankfurh Wir in Frankfurt siud zusammen mit den Kommunisten für die Freilassung der polltischen Gefangenen eiu- getreten, weil nach unserer Meinung die Gerechtigkeit eine Sache ist, die alle anständigen Menschen angeht. Man sollte die Frage der Absetzbarkeit der Richter einmal prüfen. klnack-Hamburg: Die Anträge zur Sexualreform., welch« die Frauenkonferenz aufgearbeitet hat. die Reform des Z 218 und die Anzeigepflicht ffir Geschlechtskrankheiten, sowie Neuregelung des Prostitutionswesens sind dringend. Das Unglück in Oppau muß unseren Blick aus die Unzulänglichkeit der Sozialgesetzgebung und die Notwendigkeit, ihrer Bereinbeitlichung lenken. Das Elend der Arbeiterinvaliden. Kriegsinvaliden und kleinen Rentner schreit nach Abhilfe. Schumacher-Stuttgart fordert von der Reichstagssraktion Auf- Hebung des Verbots des Reichswirtscklaftsbundcs der Berufssoldaten. Der Reichsmehrminister hat ihn verboten, weil er eine Gewerkschaft weideu könnte und weil in ihm Unter- offiziere und Soldaten zusammenwirken. Selbst die rein bürgerliche Regierung Württemberg bat gegen di« Zulässigkeit dieses Verbo'es protestiert. Der wahre Grund der Verfolgung ist, daß der Wirt- (chastsbund sich in den kapp- Tag?n einwandfrei repsttWasffch gezeigt hat und die Soldaten als Si>aat»büraer mit bestimmten Rechten mrsieht. Treu-Rllrnberg: Wir. Ba»orn haben bisher geschwiegen au» politischen Gründen und täktischen Erwägungen. In dieser S!un>» vollzieht sich in München die Wahl des neuen Ministerpräsidenten. (Hört, bört!) Wer der neue Mann sein wird, ist nicht bekanntz nur soviel steht fest, daß Kabr für seine Person erledigt ist.(Beifall.) Ob auch das System Kohr fällt, wissen wir nickt, ober wir hoffen und wünsthen es im Interesse Bayern», Deutschland,, der deutlchen Republik und deswegen empfinden wir die heffig« Pfiich:, in dia'cm Augenblick zu sprechen. Ich Hobe Ihnen im Ramen he- bayerischen Delegation ein Versprechen abzugeben. Durch die Politik der Re- gierung Kohr haben sich die Verhältnisse so entwickelt, da« Bayern neben Ungarn ol» da» neakttonärffe Land in ganz Epropa ver- rufen ist.(Sehr wahr!— Pfui!-Ru'e.) E, bildet eine akute lVabr für den Staat der deutschen Republik.(Sebr wobr!) Diese Gefahr kür immer zu beseitigen, muß und wird in erster Linie Ausoabe her bayerischen Sozialdemokrai»« sein, entweder mit oder oea-n die neue Regierung.(Dmvo!) E« kann und darf nickt mebr sein, daß d'« Regierung des zweitgrößten deuffch-n Bundesstaates weiter de Reichsverfassuna sabotiert(Sehe pchtig!) E»«ist nicht an daß in Bayern der AusnoHmezustand dauernder Rechiszustand wird, daß die Republikaner kür«in unaeschickte» Wort oitt Jahre ins Gffätick nis wandern, während wirkliche Landesverräter frei umherlaufen. Bayern darf nicht mehr der Sammelplatz pssitffcher Wörderbanden s-'n. die von dort aus die deutsche Republik beseitigen mallen,(llelffmffer Beifall.) Die Reichsverfassung ist von Bayern in beisp'?".r!er"'eise bekömmst und sabotiert worden. Am let-'-n Sonvst-a bat der ungekrönte König von Bovern Dr. Heim(Heiterkeit die unwahre Behauptung aufgestellt, daß 70 Brv.v de? bayerischen Boke» Gegner der Verfassung seien.(Obo!-Ruke.) Wo steht in de- Per- fossung, meint« er. daß, wenn die Mebrbeit nicht well», om, V;e Minderheit ibr vorschreibt, man sie durch einen Generalfsteik zu V-den zwingen darf? Das steht wirklich nicht in der V-rfassuna. Aber wo stehst in der Ber'assuna, so fragen wi- den Dr. Geora Heim, daß die Minderheit des deutschen Volkes die von der Mob.Heit des deutschen Volkes geschaffene Reichsverfaikung mit Füßen treten darf?(Sehr gut!) Oder ailt i» Bayern die Verfassung nur für die Arbeiter und nicht für di« Regierung? Und wo steht in der Berkassuna da« Recht, die verkessun"»mäßigen Zustände fcw'-rnb außer Kraft zu setzen? Und wo findet Dr. Heim die 70 Proz. Be-fassunosgegner? In Franken Sckwaben und d-r Nv{»de-'oll» nicht.(Zuruf: Bei uns in Altboye-n auch nirtV.) Oder will m.-n behaupten, daß wir keine Bayern ssnd?(Zuruf: Bayern ist n-r noch in Miesbach! Schallende Heiterkeit.) Wenn man uns nickt als Bayern ansehen will, lall man es nur deutlich sagen,.fferr Dr. Heim behauptet. 80-00 Proz. der Bauern bättev geu- nicht gewußt, daß der Belagerungszustand nicht aufgehoben ist. Freilich in der Gegend von Wiesbach war auch unter dem Belagerunnszustand alles erlaubt(Sehr wahr!), aber in München, Augsburg, Nürnberg und Kcburg war es jeden» falls ganz anders.(Sehr wahr!) Und diese Oste gel ören doch vor» läufig auch noch zu Bayern.(Zurufe: vorläufig noch!) Der Aus» t nah-mc�ustimd bestand nicht für die Totengräber der Republik, aber alle Freiheitsfreunde und Repubtikaner niurdcn von der Polizei mit Gummiknüppeln durch die Ströhen getriebm.(Pfu!!-Rufe.) Ter Stadtrar von Nürnberg, der zweitgrößten Stadt Bayerns, hat wieder- holt«instimmig mit den Vertretern der Bayerischen Volksparte! und der Deutschnationalen beschlußfähig die Aufhebung des Aus- nahmezustandes verlangt, aber der 31. August liat den Arbeitern und Bürgern den Belagerungszustand recht deutlich zum Bewußtsein debracht. Tie ganze bewaffnete Macht war aufgeboten, zu Fuß und zu Pferde, mit Panzerautomobilen, Karabinern, Rc» volocrn. Gummiknüppeln und 73 Patronen für feden Mann.(Laute Pfuil-Rufe.) Dabei hat die friedliebende Bevölkerung nichts weiter getan, als in einer Riefenverfammluna von SlMll Personen für die Republik und gegen den politifchcn Meuchelmord zu demonstrieren. (Hört, hört!) Soweit ist es unter dem Regime Kahr in Bayern gekommen, daß alle Kundgebungen für die Monarchie unbehelligt bleiben, aber wer für Verfoffunq und Republik demonstriert, läuft Gefahr, über den Hauken geschossen zu werden. In Koburg hat es einen Toten und 20 Verwundete gegeben, die die Verfassungstreue mit ihrem Blute bezahlen mußten.(Stürmische Vfuil-Rufe.) So kann und darf es in Boyern nicht weitergehen.(Sehr richtig!) Ist d»? neue Regierung bereit, dies« Zustände zu beseitigen, und mit eisernen Besen auszukehren, dann kann sie auch die Unterstützung der Sozialdemokratie und der bayerischen Arbeiterschaft rechnen. Will sie aber das System Kohr beibehalten, und die Grund- und Eckpfeiler der Reich, oerfasiung weiter unterminieren, dann geben wir das feierliche Versprechen, daß in Bauern ein Kampf beginnen wird, wie ihn Deutschland bisher noch nicht erlebt hat.(Bewegung und Beifall.) Wir sagen in aller Ruh« und Deutlichkeit— um Wort« von Dr. Heim zu gebrauchen—, wir lasten uns das nicht mehr länger bieten!(Stürmücher Beifall.) Kommt es nicht zu einer für da» Volk erträglichen Lösung der Ding« in Bayern, so kann das von unabsehbaren Folgen begleitet fein. Ich möchte wünschen, daß man sich in München nicht täuscht. Das INaß ist voll b!« zum ZI eberlaufen. (Vehr wahrl) Wir wollen nicht mehr länger zusehen, wie Bayern mehr und mehr das Aufmarschgebiet wird, um von dort aus die deutsch« Republik zu meucheln. Gebt r« so weiter, dann ist es Zeit für die R e i ch s r« a i e r ii n g, nicht mehr zu vcrhandein, sondern zu h o n de in.(Slürmischer Beifall und lautes Händeklatschen.) Die bayerische Arbeiterschaft und Sozialdemokratie wird hinter ihr stehen, wenn es darum geht, die deutsche Republik zu schützen und zu verb.'idigen.(Erneuter lebhafter Beifall.) Zu diesem feierlichen Versprechen füg« ich«ine Bitbe an Sie olle, aus Nord und Süd, aus Ost und West: Wenn es zum Kampfe kommt, dann stehen Sie alle ge'chlosten hinter uns!(Bravo!) Es ist Ihr Kampf, den wir aus- zufechten hoben und es wird Ilm Gleo fein, den wir erringen. Die M!t>l und Msse brauchen wir hier nicht zu erörtern. Wir werden auch solch« Mittel anwenden, wie ste bisher im politischen Kampf« noch niemals zur Anwendung gekommen sind.(Bewegung und stürmischer Beifall.) Man hat versucht, uns als Landesverräter zu stempeln, weil wir als eines der Kampfmittel auch die Abtrennung von Bayern in Rechnung gestellt haben. Jedenfalls werden wir keine Reichsverröter werden.(Lebhafte Zustimmuno.) Herr Dr. Heim hat berausnebracht. daß Hermann Müller zum künftigen Präsidenten der Republik Nordbayern ausersehen ist.(Große Heiterkeit.) Man nennt auch ein halbes Dutzend ander« Nomen, nur wissen die Ge« nannten von alledem nicht». Wir lieben unser Land mindestens ebenso, wie alle anderen Leute und tragen die Liebe nicht auf der Zunge, sondern im Herzen.(Sehr gut!) Aber wir kennen auch unser Rechk au» Arkikel 16 der Reichsverfassung und haben nicht ver- »est«, daß zurzeit der Akünchener Räterepublik Dr. Heim uns voraeschlagen bat. Rordbaqern und.Tranken vom übriqen Bayern zn trennen.(Große Heiterkeit.) Wir Franken sind Bayern, gewiß, aber in erster Linie sind wir Deutsche.(Stürmischer, lanaanhaltender Beifall und Händeklatschen.) Wir hoffen, daß die Einsicht in München Platz greift und daß sie bei der neuen Regierung «fcht zu spät kommt.(Lebhafter allfeitiger Beifall.) (Schluß des Berichts auf der 3. Seit« des Hauptblattes.) Liimsthau. »Tie Mr« seiner Schwester« betitelt sich der tzllm. den man den Veiuchern der Spoil-Rolaii-Lichlsviel? nl« TenkagonZschnulvIel zeigte. WoS bier Sevintiyn, was Schrmlviel sein koll, weih man nicht. LlnhallSloZ die Bild-r imd die Mitwirkenden dar jeder guten Mimik. Selbst Olaf ßönh kannte dieiem ßitrn keine Anziebung'kraft verleihen. Ferner sah man ein harmloses Lustspiel mit dem Spaßmacher Paul Hetdcmann. Nicht t>-eni«er als zwanzig Operateure werden die Automobil- rennen am Zi. und 35. September aufnehmen. öriefkaften üer ReSoktion. P,?t.®ft Port!«'» find im Deutschen Tranaportarbetterverband organisiert v«d bilde» in Deohstädteu eigene Lektionen. y Aräulein. Von Paul Enderlkng. Ozpxelfldt, izzo, by J. 0. Couaicde Buchhandlunn Nachf. Sturtffart u. Bertin Lei diesem„Sfber" gab es einen Ruck in der Versamm» lung. Görke dehnte die Kunstpause lange genug aus, um die Spannuckg auf den Höhepunkt zu bringen.„Aber er hat, noch ehe er der Zustimmung der Eltern und der Familie seiner Erwäblten sicher war, sich vertrauliche Annäherungen an diese, seine Erwählte, erlaubt. Er hat dies in einer Form getan, die unser aller Mißbilligung sicher wäre, wenn wir nicht Ler» zeihung walten ließen. Minna Görke sah böse zu Tante Berta hinüber. So hatte sie doch mit Julius über die dumme Cache in Iäfchkental ge- sprachen! Berta sah krampfhaft zum Kronleuchter empor und machte ein unschuldige» Gesicht. „Was hat er denn verbrochen?" fragt« Oberlehrer Sanders. Alle blickten erschrocken auf ihn. „Da diese indiskrete Frage ausgeworfen wurde," fuhr Julius Görke mißbilligend fort,..muß ich sie billigerweise auch ' eantwyrsen: Gr h«>k ss, geküßt." ,9T'F den Mund?" kragte der Ober'ebr«' hartnäckig weiter. D'e Tanten schüttelten verzweifelt die Köpfe. . Rein, auk die Hand'wd dsn Arm." Es kam grollend wie 0"s der Tiele eines D'.stkans. „Genebmigt!" kaot» der Oberlehrer imd erhob sich in feiner "aneen Größe..Ich hin fstr h-n Brä"tigam imd beantrage �chstib der Dshatke, varder noch ein vierter Lunkt, der hffa"e. erkediat ist." M'.p ni.wCr N"nkt? Was meinst d,i damit?". Winst nl»r: J� der Treier�mann in der Lage—" Aber hasten mir doch schon besprochen, Otto, da» m,t temem Gestalt" „Lost mich nur ausreden. Ist'er in der Sage, unsere liebe, fröhliche Tstea glücklich zu machen?" Er trat zurück und setzte sich wieder. Der Papagei, der den Lleistist hatte fallen lassen, schnarrte:„Schakskopf." Aber diesmal schien es, als wende er steh an den Oberlehrer. Julius Gürte zuckte nervös zusammen.„Das ist eine Groß'-BerZm , 4000 Tonnen Salpeter. Es wird mitgeteilt, daß die fürchterliche Explosion in Oppau durch viertausend-Tonnen Ammon-Sulsat-Salpeter erzeugt worden sei. Man macht sich von einer solchen Menge meist keine richtige Vorstellung. Die 4000 Tonnen sind schätzungsweise zwei Monate Erzeugung des Leunawerkcs und 4 bis S Monate Arbeitsleistung des Oppauer Betriebes. Viertausend Tonnen sind 200 Eisenbahnwaggons zu je 20 Tonnen oder SO 000 Zentner gleich vierfünstel Millionen Pfund. Wenn man «ktie iiWW MMMmlMM heute, öen 22. September: 7. Srei»(Eharloltenburg, 51. Abt): 7 Ahr In der Aula der SSnigin- Cmie-5chule. Vonckelmannstr. 26—28. Thema:.Die bevorstehenden Stadiverordnetemvohlen und die SPD." Ref.: Stadtverordneter Albert Horlih. 12. Kreis(LIchlerfelde): 71', Ahr. im Alten Dorfkrug. llnh. Schnabel, hindenburgdomm 104. Thema:„Die Reakllon und die Sommunalwahlen". Ref.: Bflrgermeister Karl Mermuth. 14. Kreis(Neukölln, 96., 97. n. 96. Abt.): 7 Ahr, Aula der Ober- realschole tkmser Str. 86/87. Thema:»Die politische Lage und-die Stadtverordneteuwahleo". Ref.: K o n r a d h a e n i s ch. Minister a. v. 14. Kreis(Britz): 7 Uhr, tn Becker» Festsaal. Thema:„Die politische Bedeutung der Stadiverordnetcnwahl-. Ref.: Viktor Schiff. 16.«reis(Bohneborf): Ahr. bei wirkh, Dahnhofstr. Thema: .Die Reaktion und die Stadwerordnetenwahlen". Ref.: M a r q» a r dK. 17. Srei»(Lichienberg): 7'/? Uhr. Schulaula parkaue. Thema:„Die politische Lage und die Sladtverordneienwahlen-. Ref.: Paul Hirsch, Mnlsterpräsidenl a. D. 20. Srei»(herm»dorf): 8 Ahr. Restaurant Bellevue(Nähe Bahn- Hof Hermsdorf). Thema:.Di« politische Loge und die Skadwerordneteuwahlen". Ref.: Dr. S allmann.(Nicht wie angegeben am Mittwoch, den 21. September.) ein Gewicht von 4000 Tonnen in der gleichschweren Menge Wasser ausdrücken wollte, benötigte man ein Bassin von je 20 Meter Breite und Länge und 10 Meter Tiefe. Der Großschiffahrtsweg Berlin-Stettin ist für Kähne von 600 Tonnen Tragfähigkeit gebaut; man würde also deren etwa 7 benötigen, um 4000 Tonnen Salpeter zu transportieren. V!e Arbeit See Wohnungsämter. Eine undankbare Aufgabe. Serenüber den Angriffen, die in der' Bevölkerung uyb auch in der Presse gegen die Wohnungeämter gerichtet werden, hat Direktor Laporte vom Berliner Houptwohnungsamt es für nötig gehalten, in-einer Besprechung mit Vertretern der Presse einen Recht» fertiaungsversuch zu unternehmen. Einleitend erklärte er, ein« Aufhebungder Wohnungsämter könne über- Haupt nicht tn Frage kommen, weil sie den Vermietern die schamloseste Ausnutzung ihrer Monopolstellung ermöglichen würde. Reglerungsbaumeister Kr affer t berichtete dann über die technische Arbeit der Wohnungsämter. Ihre Aufgabe, die anfänglich nur in Wohnungsaufsichi und Wohnungspflege bestand, hat unter dem Druck der Not sich sehr verschoben. Heute haben sie die vorhandenen Wohnräume zu bewirtschaften und zugleich durch Um- und Ausbauten sowie durch Beschlagnahme und Wohnunzs- teilung für Mehrung der Wohngclegenhcit zu sorgen, die aber wirk» sam nur durch umfangreiche Neubautätigkeit gefördert werden kann. In Berlin wurden durch Vermittelung der Wohnungsämter von 1910 bis in 1921 hinein 11 SOO Wohnungen bewohnbar her- gerichtet unter Gewährung von 17 Millionen Mark Baukosten- zuschüsien, die größtenteils aus Mitteln der Stadt selber beschafft werden mußten. In der nächsten Zeit werden die Wohnungsämter, kündigte Kraffert an, sich mit der R e p a r a t u r« n f r a g e befasien müssen, weil von dauernder Unterlassung der Reparaturen völliger Versall der Häuser und damit Verlust von WohngelegenhcU zu be- fürchten ist.. Sache, mit der sich Thea auseinandersetzen muß. Wenn sie ihm jene— hm— Freiheit erlaubte, wird sie davon wohl über- zeugt flewesen sein." Er schien aus dem Konzept gebracht zu fein. Diesen vierten Punkt hatte er nicht vorgesehen. „Es hat sich also", fuhr er dann schärfer fort,„völlige Nedereinstimmung in allen uns berührenden Punkten gezeigt. Wir stimmen also ab. Wer gegen die Aufnahme des Gym- »nasiallehrers Henning in unsere Familie ist, mag sich erbeben." Tante Tine fuhr erschrocken in die Hohe, setzte sich aber gleich wieder und umklammerte nun fest die Stuhllehne. „Allo alle sind einverstanden." Er klingelte.• Fräulein kam. „Rufen Sie Fräulein Thea her!" Räch einer kurzen Pause kam Fräuletn allein zurück. „Run?" „Fräulein Thea kühlt sich nicht wohl." „Rickt wohl?" Auch da» war nicht vorgesehen.„Dann hol« ich sie selber." Er ging nach oben. „Herr Görke." begann Fr�tlein.„es ist vielleicht bester, wir laffon Fräulein Tbea in ibrem Zimm-y. „So— ist das bell-'-?" kroat? er bäbnifch. „Ich glaube,"— FrZ'ckein mu�e all ihren Mut zu- samm-une'-ni-n. um Görke zu widersprechen—„sie weint seit einer �tnnde." „Dann wirb sie letzt ja woßs kert'o Hn." Und er trat obne anzuklopfen in das Zimm-r feiner TaffUer. Thea svrana b-fm Anbst-k ibres be« s»!s Monaten nicht ln Ibrew Ziv-m-r geir-stn mar. erf-b-'�en auf. f*Vt fitfcfff pr ffiM. b-if«»»« mir überlegt:—.aus dieser Berlos'ung kann nicht» werden" „Regnim nicbt?" ..J-tz lieb» jbn nicht," saat� st« besttn.. ueb» stm nicht* Görke«"Hag sich narstchtia. aber nachbrücklich ihrer Unz- annunq.„M-in Kind, du verkennst M? ffistiaston. Darum banbelt es sich letzt gar nickst mebr. Du bist tamvromittse-t. Du hast dich enfcheinenb gern kamvromistieren lallen. Er bsti-t ,'m de'n.- Hand. D'e Familie ist einverstanden. Was willst du noch?" Direktor Laporte schilderte die Schwierigkeiten für die Tätigkeit der Wohnungsämter. Sie liegen Haupt» sächlich in den Gesctzesoorschriften, die für die Wohnungsämter(was im Publikum meist übersehen wird) selbstverständlich bindend sind. Die Teilung großer Wohnungen wird dadurch erschwert und oft unmöglich gemacht, daß die Teile wirtschaftlich abtrennbar sein müssen. Andernfalls dürfen in die zu große Wohnung nur Einzel- Personen eingewiesen werden, wobei Vermeidung von Hörten vor- geschrieben ist. Rund 1700 Beschlagnahmen sind ange- ordnet worden, aber Wohnungen konnten schließlich nur in 700 Fällen abgetrennt werden. Bei Gebäuden des Fiskus und auch der Religionsgssellschaften bedarf jeder Zugriff der Genehmigung des Ministers und im Beschwerdesall sogar des Neichskabinetts. Dabei müssen die Berliner Wohnungsämter für Unterbringung der Scharen von Beamten sorgen, die infolge Schaf- fung neuer Behörden nach Berlin kommen. Vis April 1920 wan» dertsn hier 32 000 Familien zu und unter ihnen waren die Hälfte Deamtenfamilien. Beschwerden sollen sich an die richtige Stelle, nämlich an die Veschwerdekommissionen der Wohnungsämter richten, in denen Männer und Frauen aus der Bevölkerung sitzen. Die vielbesprochene Ablösung von W o h n un g s b e s chl a g n a h m en durch Geldzahlung stützt sich auf Verfügungen des Reichsarbeitsministers und des preu- hischen Wohlfahrtsministers und ist daher zulässig. Das einkom- mende Geld, pro freigegebenen Wohnraum etwa 25 000 M., wird zum Bau von Kleinhäusern verwendet. Etwas anderes ist das „Schmieren", von dem Laporte zugab, daß leider auch das vorkommt. Jede Anschuldigung werde sofort geprüft, doch seien etwa 80 Proz. unbegründet. Warum auch die Wohnungsämter nicht sofort Wohnungen be- schaffen können, lehrt die Tatsache, daß jetzt in Groß-B erlin 128 184 Wohnungsuchende eingetragen sind, aber pro Woche nur etwa 150— 200 Wohnungsangebote eingehen. Im Lahr« 1320 wurden 131 000 Wohnungen verlangt und durch die Wohnungsnachweise wenigstens noch 82 000 oermietet. Mfklärung eines Raubmoröes. Die Täker des Raubmordes in der Steglitzer Straße verhaftet. Das Kapitalverbrechen in der Steglitzer Straße 25, dem am 3. Juni v. I. der Kunst- und Teppichhändler M e i s s e r zum Opfer fiel, geht jetzt seiner völligen Aufklärung entgegen. Als Täter sitzen der 28 Jahre alte gewerbsmäßige Einbrecher Gustav Pasiarge, ge- nannt„Matrosenwilly", ein 2? Jahre alter Mechaniker und Kraft- Wagenführer Heinrich Seltzer au» Strahburg i. E., genannt „Harry", ebenfalls ein Dieb und Einbrecher, und eine 41 Jahre aus Oscke im Kreise Marienwerder gebürtige Frau Helene Spanier, ge- boren« Nowalsti, hinter Schloß und Riegel. Frau Spanier, die mit Nipfser in Verbindung gekommen war, weil Neisser«in Heiratsgesuch veröffentlicht hatte, und dabei erfahren hatte, daß er schon allein in Waren ein Vermögen besitzen müßte, machte zunächst Seltzer auf die Gelegenheit aufmerksam. Bald wurde dann auch Pasiarge gewonnen. Am 3. Juni suchte Frau Spanier mit Seltzer den Teppichhändler' aus, unter dem Borwande, Einkäufe machen zu wollen Weil noch Angestellte da waren, so verabredeten sie eine Wiederkehr zu. einer späteren Stunde. Jetzt schloß sich Pasiarge als eine Art Diener an. Den Seltzer führte Frau Spanier als einen reichen Mann ein. Nunmehr war in später Abendstunde Neisser allein und legte der vermeintlichen Kundschaft seine Teppiche vor. Der„reiche Mann" wählte für 20 000 M. aus und gab die Weisung, die Teppiche einzupacken. Während Neisser und der ver- meintliche Die-ier sich daran machten, schrieb Seltzer einen Scheck aus. Als Neisser desien Annahme verweigerte, drangen Seltzer und Frau Spanier mit Messern auf den Händler ein und bearbeiteten ihn solange, bis er tot am Boden lag. Pasiarge nahm nun einige Teppich« und deckte sie über die Leiche. Frau Spanier packte hierauf einige Teppich« ein und ging davon. Pasiarge und Steltzer durch- suchten noch die Räume und alle Behältnisse. Was Steltzer dabei fand und einsteckte weiß Pasiarge nicht. Er selbst nahm nichts und hat bei dem ganzen Verbrechen nichts erbeutet als die 1000 M., die ihm als Beuteanteil— nicht Schweigegeld— Steltzer und Frau Spanier gaben._ KonüensmilchgeschZste eines �ugenSamtsbeamten. Eine Angelegenheit, die seinerzeit in städtischen Kreisen und in der Bürgerschaft großes Aufsehen erregt hat, kam gestern vor der 9. Strafkammer de» Landgerichts l zum gerichtlichen Austrag. Unter der Anklage der Amsunterschlagung stand der Inspektor des städtischen Jugendamts Theodor E b e r t, wegen Hehlerei desien Bnidyr, der Dreher Adolf E b e r t, und der Schneidermeister Müller aus Friedrichsfelde. Theod. Ebert,, der früher Lehrer war und als solcher sich sehr bewährt hat, wurde vom Stadtschulrat Dr. Fischer in das'im Jahre 1318 begründete Jugendamt berufen. Unter den von dem Lebensmittelamt an da» Jugendamt ge- Thea wollte noch einmal sagen:„Ich liebe ihn nicht." Aber sie sah in die kalten, harten Augen des Daters und schwieg. „Ich sehe, du bist mein vernünftiges Kind," sagte et. „Es ist nämlich ein Irrtum, daß Ehen stn Himmel geschloffen werden. Ehen werden auf der Erde nach irdischen Rücksichten geschloffen." Tbea schwieg noch immer nnd sah trotzig vor sich hin. „Wie alt bist du jetzt? Fünfundzwanzig, nicht wahr?" „Ja." „Das ist ein Alter, in dem man nicht mehr fo wählerisch sein sollte. Die Prinzen sind äußerst— äußerst selten hier auf Erden. Und so sehr ich dir auch einen wünsche,— ich glaube nicht, daß einer kommen wird." Thea sah ihn groß an:„Hast du deine Ehe mit Mutter auch nach diesem Grundsatz geschloffen?" Er hatte ein höhnisches Wort auf den Lspven. Seine Ehe war im Kontor seines Paters geschloffen. Es blieb damals gar nichts anderes übrig, als die wohlhabende Minna Sanders zu beiraten, wenn die alte Speditlansnrma I. I. Görke nicht neWaffen werden füllte. Aber er bedachte rechtzeitig, daß ein solcher Einhffck Kindern nicht gebühre, und sagte:„Kind, das ist schien so femge der..." Thea setzte ffch ev* de" Arm ihres Schreibstschleff-ss-rnd begann w'eder eu weinen. Slher ihr Pater benzerkte wobl, daß es ein l-iOres Meinen war. „Liehst du etn-n antz-'e"�" fragte er norll4-ffa. „Rein", tagte st« schnev. sstwas vi schnell, tni» ihm Wen. „Du wirst ffckier glückuch m»rd«n" Er ffreichfste ibr Oaar. D«n!'�»r fffr d-w HE■■-»>"*-tnchfc!.t legte sie die Arme ">n ihn., �ab w'-� llfb Ne'-r!" „Fa. ig w-in'"i-iV" Und nack: einer W-iV f* yV\�• „Onk-l Otto war'et nnd die an�-ren." Sffs ff- den Namen des Onkels hörte, stand ste auf.„Ist er a"ch dafür?" .„Natürlich." „Ja dann—" Jbre Augen, die'0 unruhig geffackert hatten,«mAe« sttff, als hätten p» ein-n Rnbenunkt q»b'nben. (Forts, folgt) Heule Sonnerstagabend? Llhr werde» die Wählerlisten geschloffen! UM' Wer sie noch nicht eingesehen hat, kann das Versäumte noch nachholen."WZ lieferten Wnren befand sich auch ein Posten von 10 000 Düchsen Kondensmilch. Der Angeklagte sah ein, daß er bei der damaligen Milchkonjunktur für einen so großen Posten Kondensmilch keine Verwendung Habs, und als sein Bruder davon hörte, machte ihm dieser den Vorschlag, ihm S000 Buch en zu überlassen, da er solche wohl für die Wohlfahrtsanstnlten der Knvrr-Bremje, wo er beschäf- tigt war, unterbringen könne. Der erste Angeklagte überließ auch dem Bruder für diesen, wie er meinte, Wohlfahrtszweck 5000 Büchsen, ohne sich vorher genau zu erkundigen, ob sie auch wirklich hierzu verwendet werden sollten. Der Bruder scheint aber die Gelegenheit haben wahrnehmen wollen, mit dieser Kondensmilch, die von dem Lebensmittelamr zu dem billigen Preise von 2,20 M. geliefert wurde, ein zweites Geschäft zu machen, denn, wie sicb später herausstellt«,' hat der Bruder seinen Hausgenossen Müller dafür gewonnen, die Milch dem Ecmeindevorstand von Friedrichsfelde für<>—7 M. anzubieten. Am l6. Juli v. I. wurden von einem Wagen, der in dem Hausflur des von Adolf Ebert und Müller gemeinschaftlich aewohn» ten Hauses in Friedrichefelde 114 Kisten Kondensmilch, die teilweise noch mit Zetteln„Lebencmittelamt" beklebt waren, teils bei Adolf Ebert, teils bei Müller abgeladen. Der Vorgang verursachte bald einen großen Dolkoauflauf. Der hinzukommende Oberlandjäger Braun II fand«inen Teil der Kist«n teils be, Adolf Ebert, teils bei Müller aufgestapelt.— Für den Inspektor Eberl war die i?olge dieser Vorgänge zunächst die Suspension vom Amte und ein Diszi- plinarverfahren und dann die Erhebung der leß'gen Anklage. Er erhob gegen diese lebhaften Widerspruch und wl.s es energisch ob, irgendwie straftechtüch sich vergangen zu haben. Er habe seinem Vruder die 5000 Büchsen in dem besten Glauben überlassen, daß sie wirklich nur zu Wohlfahrtszws-len verwendet werden sollten. Zu einer Uebcrlassung zu einem derartigen Zweck sei er vollkommen befugt gewesen. Dabei verblieb er auch in der sehr umfangreichen Verhandlung, in weicher chm von mehreren Zeugen, unter anderem auch von seinem früheren Vorgesetzten Stadtschulrat Dr. Fischer, ein glänzendes Leumundszeugnis gegeben wurde. Das Gericht hielt einen strikten Beweis für die Schuld des Angeklagten nicht für gegeben, da die vorliegenden Indizien dazu nicht ausreichen und kam demnach zu einer Freisprechung des Theodor Ebert von der Anklage der Amtsunterschlagung, wobei ti betonte, daß der Verdacht des unehrlichen Handelns nicht ganz beseitigt sei. Aus der Freisprechung des Houpwngcklagten ergab sich nl, juristische Notwendigkeit die Freisprechung der beiden Mit- angeklagten. Fahrs»reiSerhöh«»gen«nd Fahrplanveränderungen. Die Fahrpreise im Berliner Sladt» und Vororlverkebr werden vom 1. Derembcr um 25 bis 80 Prozent erhöht werden. Die Einheiisprcise für Stadlbahn und die 10-KiIometer-Grenze im Vorortverkehr werden wahrscheinlich 1 M. für die 3. Klasse und 1,80 M. für die 2. Klasse betragen. Ob der augenblicklich bestehende Aottarif für Zeitkarten am 1. Dezember aufgehoben wird, steht noch nicht fest, wahrscheinlich werden aber auch die Zeilkarten erhöht werden. Vom Sonntag, den 2. Oktober, treten im Berliner Voroiit- verkehr«ine Reihe von Aenderungen ein, die den Sommerfabrplan der Jahreszeit anpassen. Von diesem Tage ab Wrden die Sonderzüge ausfallen, die Sonn- und FcsitagS in den Morgenstunden nach Fürstenberg. Frcienwalde. Müncheberg. Lübben und Scharmützelsee verkehrten._ Wa? geht im Micterderband der Gruppe Lichtenberg vor? Wir erhalten eine Zuschrift, aus der wir folgendes entnehmen: »Seit Anfang April bis Ende August d. I. haben die Mitglieder des Mietcrverbandcs der Gruppe Lichtenberg nichts mehr von ihrem Vorstand gehört. Die Mieterratsversammlung, welche am 81. August 1921 tagte, setzte einen unparteiischen Untersuchungsausschuß ein. In der demnächst stattfindenden außerordentlichen Goneralverfamm- lung wird der Untersuchungsausschuß das Ergebnis seiner Arbeiten öffentlich bekanntgeben. Die Mitglieder werden gebeten, Termin- fachen und dergleichen bei Herrn Hugo Hake, Haupt st r. 88 und Herrn Schraepler, Friedrichsfelde, Rummels- burgerStraßebO, abzugeben, wo sich die vorläufig« Geschästs« leiiung befindet._ Ievgen gesucht. Personen, die am Sonntag, den 18. Sep- tember, nakbmiltags 5,80, den Zusammenstoß zwischen Auto und Radfahrerin Große Frankturier, Ecke Koppenstraße, gesehen haben, auch der Herr, welcher dem Chauffeur sagte, er sei entschieden zu schnell gefahren, werden»m Angabe ihrer Adreffe gebeten, lln» kosten werden vergütet. Zuschrtsten an Schlade, Friedrichsfelder Straße 4l. Zm Interesse de» Arbeiterverkebes nach Tegel fahren jetzt die beiden ersten Züge derStraßenbabnl»nie22— statt wie bisher um 4.48 und 5.03 Uhr— werktags bereits um 4,38 u. nd 4,58 Ubr von Neukölln, Köllnische Allee, ab. Das preußische Zusiizmluistecium und der Aall Nikolai lautet daS Thema eines Vortrages, den am Freitag, den 23. September. abends 7 Ubr, Rechtsanwalt Dr. Ernst Emil Schweitzer im Bürger- saal des Berliner NalhauseS halten wird. Ein zweites Tbeina: .Das Reichsgericht und die Kriegsverbrecher� wird gleichfalls behandelt werden.— Die Versammlung wird veranstaltet von der Ortsgruppe Berlin der Deutschen FriedcnSgesellschast. Meder eine Wafferab'perrung wird aus der Rhkestr. 4 ge« meldet, wo das Wasser bereits seil einigen Tagen abgesperrt ist. Es wird nun aber endlich Zeit, daß man mit derartigen untaug- lichen Maßnahmen, unter denen die Bevölkerung unschuldig leidet, ein Ende macht. CTInfre Waldosf, dieser in seiner NnverwükMchkeit fast mihelnrNch an- mutende Tvp der«»Sgewachienen Berliner GSre tritt jetzt in der.Rakete" tKant-, Ecke Ioochimsthaier Straße) in einem Berliner Sittenbild von Will» Hagen ans. Die Farben in dieser Szene sind nicht gerade zart ausgetragen, aber sie sind fo, wie sie die Waldofi braucht: Gerissenes unbckümmertsein, Gemüt, das von einer blechernen Stimme ängstlich überschrien wird und die richtige Msichung»»ballenrn Temveraments(nur der Waldoff eigen). Bor diesem iatten Publikum itebt diele Künstlerin noch immer wie etwa» ganz unerhörtes an Veriönlichteit. Das übrige Programm stand unter der witzigen und pointierten Führung Hellmut Krügers und verstand zu amüsieren. «thambra am Morltzplatz. Zahlreichen Wünschen entsdrechend hat auch die Direktion des neuen AlbambravarieteS am Morttzvlatz de» Le» ginn der Wendvorstellung aus a ch t U h r abends hinausgeschoben. Minaeechar jfriebrichaha:». 7—10 llhr Ertrawungaabend im Andrea»- ltasino, Andrea»str. Z. Zuuasozialipeir. Gruppe Norden: 7% Uhr Gemeindeschule Putbuscr Str. BS, Vortragsabend:„Die Eewerk ich asten im IS. Jahrhundert. Referent Iah». — Kruppe TchSneberg-Mrieiennu: 7)4 llhr Vortragsabend bei Riese, Akazie». straffe 14. Referent Otto Bach:.sozialistisch« und bürgerliche Jugend- bewegung. Säst, wiRomuieu. 7. AR. ssu der nm Sonnt»« dl- Bezirksführe« da» Sial � Dasselbe sofort 22. Itbi. Betri Material Ihr T stattssnd-Aden„BorwkIrt»".As!t»t!on holen sich erial von Hdhlk», Bergmannst«. KL, ab und muff am Konuta« Äraudenzer Straffe. ünktwniir«, da» dasselbe sofort zur Verteilung gelangen. Abt. Für„BorwSrt»"»Agitat>o» treffen fich die Genossen früh ist, Uhr im Berkrhrolokol»ethkc. Sitthauer., Ecke wrau Vorwiirt«". Agitation! Bezirksführer und am Sonntag früh bi» 7)4 Uhr in der tz , in Empfang zu nehmen 23.«bi. Die Senossen treffen sl 10 Ubr in den bekannten Lokalen. Petersburger 47. Abt. e« sich zur„Born>!>rts".Ag!tatwn Sonntag früh Lokalen. Di« Bezirksführer um S Uhr bei Radzay. Di« Genossen treffe» sich zur Von» iirt»". Agitation Sonntag tt der die im VezirksbildimgSauSschuß Groh-Verlin. Wir ersuchen dringend, die Listen für dir Festkonzerte einzureichen«nd die Karten und Marken abzuholen. Am Freitag, den 30. September, und am Dienstag, den 25. Oktober, 5'/, Uhr, Wiederboiung der.Walküre' in der Neuen Welt, Hasenheide 106/114. Künitierische Leitung: Dr. Gatz. Eintrittskarten zum Presse von 7,50 M. im Bureau des Bez bildungsausichusscS, Lindenstr. 3, 2. Hol 4 Tr., Zimmer IS, und In Buchhandlung.Vorwärts', Lindenstr. 2(Laden).— Die Karten für AuWhrung.Hostmanns ErzZblnngen' am Sonntag, de» S. Oktober, Deutlchcn Opernhaus find bereits vergriffen. Am Sonntag, den 25. September, nachmittags 3 Ubr, im Theater der Freien Pcklksbübne am vülowplntz»Das Postamt' von Tagore und.Die Komödie ter Irrungen' von Shakespeare. Karten»inichüefflich Theaterzettel und Kieidriabloge 4,50 M. zu hoben im Bureau de» Bezirks. bilhungausichusses und bei den BüdungsausschuffmUgliedern der Kreise Wedding, Beriin-Mitte, Prenzlauer Tor und Tegel Kllnstierifcher Zimmerlckmuck.Die Bahnwärterfamikie', Schwarzweiff- Lithographie von Hans Baliiichek, pro Blatt 10 M.. zu haben im Bureau de« BezietzbUdungsausschusss» und bei de» Obleuten der Blldungs- ausschüsse.___ Greß�Serlmer parteinachrichten. Heule, Donnerskag, den 22. September: 12».-iz«. Uebeit»gr»pp« Pankoa,. 7)4 Uhr Arbeitsgr Jugendheim Breite Str. 32(Eingang hinter dem Frnanzamt) I-,gso,ialist«n. S-uppe Spandau: 7)4 Uhr im Jugendheim Reuendorfer Straffe 2, Bortrag Uber„Der Willen zur Semeiniciiast". Referent Weln- kauf.— Gruppe Srih: Die heutige Beronstaltung fällt au»! Beteiligung an der Wählerverlammlung der Partei.— Gruppe Neukölln: 7)4 Uhr im Jugendheim Nogatsir. bS, vollatänze.—«ruppe««den: Juristisch« Sprech. stunde, Lindenstr. 3,»orttag»abind.— Truppe Frledrich»h»in: 7)4 Uhr Semeindesebule Dtraffmannstr. b," Bortrag über„Berufseignung und Psycho. logie'.— Sruppe Lreptew: 7 Uhr Im Jugendheim Slfenstr. 3, Diikufston». abend.— Senppe Friedrichsha««»: 7)4 Ubr bei Seholz, Friedrichstr. 81, Bor. tragsabend.— Srnppe Tempelhof: 7)4 Uhr bei Radzuwelt, Werder., Ecke Biktoriastraste, Bortrag»abend. 17. Krei». SPD..Deamte,»Angestellte und.Hilsskräft« de» Magistrat»: Wich. tige Zusammenkunst heute nachmittag 4 Uhr im Rest. Mttschkc, Gürtel» straffe 10, Ecke Dopesiraffe. Nölltgcutal.Zepeeniök. o Uhr Iahlabend bei Marx. Arauenveranskaltungen am Donnerskag, den 22. Sepiember: I«. Abt. Eh»»l»tte»b»»s. 7)4 Uhr bei Schneider, Poltzendorsfstr. 14(nicht Windscheidsttaffe). Referentin Toni Susmann:„Praktisch« Erziehung». fragen. Morgen, Areikag, den 23. September: 8. TkZt. Achtung. Dezirkofsthrerl Handzettel abholen. 13. Abt. 7 Uhr Funktion ärkonferenz bei LUbke, Brandenburgstr. 1. Die Ah. reebnung»bücher sind mittubringen. 17. Abt. 7 Uhr Zahlabend. Die Genossen und Genossinnen der Bezirke Geffner, Strupel, Hettvai, stupferschmidt tr-sfen stch bei Zacharias, Stralauer Allee 22», die der Bezirke Eiche, Pölitz. Lamprecht Laims, Sehmann bei Murrer unb die de» Bezirk« jenseii» der Bahn bei Kienitz, Simon-Dach» Etraffe 25. 18. Abt. Elternversammlnng der llH. und 185. Schul«, Gubener«tr. 88, abend« 7 Uhr. Referent Lehrer ltreutziger:„Der Paulsensch« Schulerlaff'. 30.»bt. 7 Uhr ffunkttonllrsttzuna bei Grnnwald, Stohlhelmerstr. 30. 58. Abt. Eh»-leiee»b«eg. 7)4 Uhr erweiterte Funktioniirkonserenz bei Braun, Luiberftr. 44. Betriebs- und Beamtenvertrauensleut« müssen auch er» scheinen, da wichtige Beschlüsse gesofft werden. ILO. Abt. Elpenick. 7)4 Uhr allgemeine FunktionSr?»nserenz Im Rathau», Zimmer 42. Referent Arthur Läutzier:„Stellungnahme zur Wendung in unlerer Partei". 117. Abt. Lichtenberg. 7)4 Uhr Flinktlonärkonserenz bei Zanderett. Prinz. Aldert-Siraffe. Elternbeiräte und B«tried»oertrau«n»leute müssen auch er- scheinen. 13g. Abt. Neinickendors-Ost. 7 Uhr Funstionärsitzung des LIabftett, Residenz. stratz» 123. Das Erscheinen ist unbedingt notwendig. früh 10 Ubr in den bekannten Lokalen. Dl« Bezirksführer um 9 Uhr Radzai). 82. Abt. charlottrnbmg. Sonntag, den 25. September, früh 7)4 Uhr,„Bor- wärts'.Agitatton und Hondzetteloerbreitnng zur Dienotagomfammlueig. Treffpuntt bei«ade, Aaifmin.Augusi-.Alie« 3.1 ?ugenüveranNa!tunyen. Berel» Arhelirr-Zngend. Sekrete, last««. 88, Lindenstr. 3, 2. Hof Nut», 3 Treppe« recht». Telephon: Mpl. 121 08—19. Ei» Gportfett de, Berew» Aebeiter-Jngeech Groff-Verlin Nnbet am , de» 2». September, Im Stchte»b«rger Stadion, HerzSe September,«m Sichte»! iegtichc« Art«4 �.... voroerkanf sind Ingentsetretariot, Sinbcnftt. 3, zu habe». spiel, j». von 1,3« M. im Boeoertans rger Stadion, Herzdergstraffe, ichcr Art»erben nnsgestihrt.«arten zum Preis« a»| allen Vera» statt»»gen so»!« im Acht» na, vebni findet am Freitag, in der Lindenstr. 3 Ordner znm Sportfest! Ein««ihnng fllmtlicher Ordner den 23.». im Sitznngazlmmer de» Partoibeereau» statt. Alle Ordner müssen««scheinen. Heute, Donnerstag, den 22. September: Lankmltz: Jugendheim Sendliffstr. 8,„Fontane.Abend".—«iederfchin«. meid«: Jugendheim Berliner Straffe, Vortrag:„Darwinismus".— Skalaner Viertel: Zugendbelm Ehrenbergstr. 28, Bortrag:„Wie halte ich einen Vor» Kogl'— Sehönhaufer Barstadt: Jugendheim Sonnsnburger Str. 10,„Lenan- ''.— Steglitz II: Jugendheim Zohanna�tegrn�tratz«, Vortrag:„Reettor» Abrnd� Lebe« Vorträge, vereine tmü Versammlungen. B-llssürforge. 39. September, abend» Günther, Rostocker Str. 1hl-" :)»ei neu- gewi W die ,«4.W4.,«41» üttO 11 il C l Uly. UC» ItX. i« Zusammenkunft im Heim. Borlw, Stallschreibsrstr. 82, statt. Jim aller Welt. Schwere Bombenkatastrophc in Kr»»ftadte Kronstadt, 21. September.(TU.) Auf dem hiesigen MilitZr- f l»tg f e l d e ereignete sich eine Katastrophe. Fünf Flugzeug« sollten, mit Bomben versehen, zu einem Probeflug aussteigen. Bei dem Ausstieg de« ersten Flugzeuge« riß die daran hängende Bombe ab und brachte auch die übrigen zur Exploston. Viele Opfer an Toten und Verwundeten sind zu beklagen. Unter den Toten befindet fich ein Oberleutnant, der Pilot und neun Mannschaften._ Schweizer Sieg im Gordim-Vemtett-PreiS. Pari», 31. September.(MTB.) Wie die Morgenblätter melden, ist der Gordon-Bennett-PreiS der Lüfte, zu dem die Ballon« in Brüfiel am Sonnabend gestartet waren, von dem S ch w e i z er Arm brü st er mit dem Ballon.Zürich', der auf der Insel Lamboy. 7S0 Kilometer vom Startort, östlich von Irland gelandet ist, gewonnen worden. Verbotene Menschenfreundlichkeit. pari», 21. September.(MTB) Nach einer Matinmeldung au« New Dort weigerte sich die Polizei gestern, einem bekannten Philantropen die Erlaubnis zur Verteilung von Brötchen an 5000 Arbeitslose, die sich auf dem Broad- way angesammelt hatten, zu geben. Es kam zu Zusammen- st ö ß e n, bei denen zwei Personen getötet und mehrere schwer »erletzt wurden._ Sport. Ter Meunsahrcr Alfred Hpffman». der«w S»nntt>, kW den Radrennen In Breslau nützte, erlitt ein»| ebnete Gehlrneriehütteruna, der er tniwifehen erlegen ist._ Wetter bi» Freitag mittag. Trocken und vielfach heiter, mtt zettweise stärker bewölkt. In den Tagesstunden mäsiig warm. ar«n 8toffao te krsm. ftm und oHt knu TorSÜglichchf SchiOpfer ü, Raglass «ehiedBDSn Farbea, mit# Abseil«.&ti«aerc«wfthnl LeUtanj . grünen •tahlgr.'n br&un Fiachgraten- und Diagonalgevrefeen. herTorra?rHnde QnaliUUen...........*...... U. Sc�Opfcr, Rsglansu. Ulstern braun Fiachgraten- and Diagonalgevrefeen. berrorn Qnaliiilten............. M. Sdilßp&r, Rügisns u. Ulster Borarspuu- und Di&g"Q&letoiT«n. In den«rund�rTolUttn Miipcteo Farben�tf ilungen hell n dankel g'most. U OÜQ SciiSSpser, Pesgisns u. lilsler,-".:;: Fabrikaten, in den alieranunaten F aasen» g�arbehei »•••••••••■•»•••«.. tOSOz 235°° 450°° 575°° 703°° ZNZ'° Uebergangs-PaleiOts sc Bebergsngs-ülstsr,.•■i.fs: a. Hnmeap. o. Chrriot M ISO«?,««50, 733, 60« maren go _ lerlot, ia guten Qualitäten.......... 8«9t 700 GcjnmlmgRtel Fasson In gut»n Quallläien M. StS» 4 3, S50 Gummlniöntel i: QualltbUD.......... U. 7SS, S50 LodenmS tel'" D"" Hani-IiiiuirUelen,.. »m»--triehM-«„4 . U 4oS,»»«, 27, Loden-Pderiaea tosickw Stf icblodvn. U. 25«, 225 475°° 575°° 265°° 550"° 225°° IfO" Jatitett-Anzllge sä. Ktsll«! k*rfMtalU............ M 800. SOO, larlrntt AdTHnri«n« eonrOzileb. m 4« JQILnCll'HniliyC neaostun Uo.tcrn».»'e-ikl kulart and»tt>k»ebt«.»nad Homcpa». tl. 800, 7,0, J' ekelt- Anzöge und larbig au» enitklasalgen Kammgarn und Chartotstofffin. In bbo M. IkOD.«333. Srirt AnzDgs mit Brearbealiosen an* gateai Lod�nttoff.c«nd mit. U. 450°° SSO" 9CT 400°° 600°° 55°° n v i i Modernste Massanferilgurg— Verwendung bester Stoffe unJ Zutaten— Seßr mässlge Preise In det Hotgenstunde billiget Verkauf von Trikotagen und anderen Sachen RSOHN Der Versand nach ausserhalb erfolgt Inder Reihenfolge det eingehenden AnftrAgt hei 20-30 |<>wiy�w.vrf.r iiiiii um«— 1— iwjmaixincnnnuujLnMg»reymonoinSS ßMZiZRZL Amoretten _______ Schsamsleüsass Torquato Tesso ____ 7'h Uhr Scstsches Theater T/t U*r: K**n frtiizt v/i Uhr: Km« Sss;«scrspie3ö 7"03:. JSKjtern t BkWtaMae rn Tj, Pauset)■. Pw-Imalter 3r. SehaispteihaaE (Karix�ralo) 8:»!« Webar(i4. Akt, b A4l.) frt 7 U.: tonnf n f A�A»J Theninr 1. ck. KSniserhtzer Str. 7 3trSatan8 Maske Mitdem Feuer spielen frciMf; Satau Maak»— Mit dam Pauar a.lalea Sa. Nla Fahrt laa»la.a Esmddleshess Tägliah 7.89 Uhr: Max Pallenbarg rlans Waßmaan im aauaa lar laakaas atiwanK Jonrays Busenfreund Bcrllaer Theater Täglich 7.19 Uhr; (PrinSQffin QMa v«a Utrnauor» Souxnxar Mastk ron Jean Gilbert naup.uarstöllar: FrltziMassary als Cast Ralph Artur Roberte Pepi Zampa/ H.Kiper ieaikral-XhaMSKp a Die PoitmeisteriB O.Bgts.ia.Opi-rBlsjsa. 9 Ute: Siegfried PrlnStr. Will: aliaat.Tli. j/tufcr Asaerlcan-ÖIrl Intime» Xli»»ter 8 L'hr: Der Kilano Pantoffel Die Sp»lanko/ Loiaf dooh nicht-«»Gr narkt keruw (fiakaaeplGlknuiG 7/, mir: Reigen t. p 1•llsasa. Mar(9a l'rtmlärel Sic Schaospleicr AI• iU:• p o 1- T k• ia t« r fiCKhlOSSCO Saasa». M. Sapt,» 1. Mal« ' uhr: Die StfaSeusisgerlD h'.aiea•.orattoatäcat. .Ute: �liUslB f ZAtzl Tkeast.». It«» . Ute: Sie i�ixz l.seLZvl Ueu«. 7-Uhr viel-shsldsh» ««hlN.f.'Fl>>-at.ev»rI. fMh icr Sabiiierinnen SeklGfiSparU• Tb. Steglitz u: üies um Geld ThaLla-Thenter ■*, u.: Sc�äai' Dieb, lolte ffb.aB« � vllsndortplat» 3'-� U.; Httitnuagaef Segen uhr. Der Vetier auslingsila Thoater da« Westcu« 7>4u.:Dleiniitö. Lncsüis T h.lad.Kom mandantenetr« (J£4l&«>ii« Känstler-Tbeater) 8 üur: jXeWkJl» Wallum r-Thnafew 7.3« Uhr: NiXCllttn ValtiM|ierstta Walhall«-Th. u?D!ö»ÄT»eWsi!a EesideBZ-Theater HftatC 7 ytir zum ersten Male: Z«r KSiilg(fe roi) Ulgi l.lmkarg, Kaker-Tie, Itett Cllnä«', Cakar tete. 1.�.«�a TTiaston-'/hoatcr ■Jegllfth S Uhr: Mai Wdsl in IMIMM MZi««s Ttecsicr Thalia. 9 Ute: FrS. Joscttc— meine Frau Eilsen Burg, Carahi Toelle, Jul i r.'.l.ea»tal*.i.a!to Illndor, Snaa AJbus. Volksbühne Tkeater am BQlonfhate 7*4 Uhr: Das Poetamt/ Die KomSdle dor Irrnngon G MMTMlUWUMA Donnerstag, 22. 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Rege Beteiligung erroartet Die Ortsverwaltnng. bbu\ vmmvuHm Für die herzliche und über» aus große Teilnahme sowie die vielen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes und Vaters kiedsi'ä Wenig sagen wir allen Berwandlen, Freunden und Belannlen, den 3!iclern des liauses öerinann» straßelM und EmserStr.l07/l0Z. sowie der Firma Emil Kursch BS.Derthoib, demGesangverein Typographia, dem Wahiverem SPD. herzlichen Dank. Ganz bclonderen Dank Herrn Pfarrer Eidner für die trostreichen Worle am Grabe unseres lieben Eni- fchlaicnen. 38599 Berta Wenig und Töchter. Mz in im Sclurtten stellend sSrÄefifiS�I Leihhaus Brunnensirasse 5 (Rosenthaicr Platz) PahrgeId»Vcrgctnng aus erstklassigen Maßstoffen, Ro2haar»SeIb5tverarbeitung, prachtvoller S.'ts.......... 400, SOG, 600 Mark j Silber-, Zobel», Alaskafuchse, Sealmantel, Geh. und Sportpelze 50 Prozent billiger als Im Laden| Keine Lombardware CiSUO-fHEATER Lothringer Str. S7— Tifl.>/«8 »« loae ErORnang«- Progr. 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Noch sind die Wunden nicht vernarbt. d»e der unselige Weltkrieg durch die furchtbaren Fliegerangriffe auch dem südlichen Bürger der Pfalz geschlagen hat, und schon trifft uns das neue furchtbare Unglück mit seinen Hunderten von Toten und Tausenden von Verkrüppelten. Ich danke Ihnen für die herzliche Anteilnahme und Hilfsbereitschaft namens meiner pfälzischen Genossen. Ein paar Worte zu den Vorgängen, über die Genosse Treu gesprochen hat. Auch die Rheinpfalz gehört bis jetzt noch zu Bauern. Neben dem Saar. and leidet sie am schwersten unter den Folgen des Welt« krieges. 15 Jahre soll sie unter der Fremdherrschaft bleiben, und schwere Kämpfe hat sie schon durchgemacht im Mai und Juni ISIS gegen die Haas und Genossen und später gegen gewisse Zentrums» kreise unter der Führung D o r t e n s, die, gestützt auf den bekannten Schutz, die Regierung der Pialz stürzen wollten. Die Arbeiterschaft hat sich schützend vor diese Regierung gestellt, nicht der Personen wegen, sondern um des Reiches willen, und wenn es bisher gelungen ist, die Landesverräter niederzuhalten, so ist das vornehmlich»in Verdienst der organisierten Arbeiterschaft. (Sehr wahr! und Brovol) Leicht ist der Kamvs nicht gewesen, und wirWaben harte Strafen auf uns nehmen müssen. Diese deutsche Verteidigungsfront unterwühlt zu hoben, ist dos traurige V e r- dienst der bayerischen Regierung Kohr, ihrer Förde- runq der Reaktion und ihres Kampfes gegen die Reichseinheit. Auch in der Pfalz ist die Atmosphäre am 31. August zur Entladung ge- kommen. Immer lauter ruft die Arbeiterschaft„Los von Kohr", unter dessen Schutz die Reaktionäre von einem Mord zum andern eilen.(Lebhafter Beifall.) Wird die Kahrfche Politik mit oder ohne Kohr fortgesetzt, dann sind die schwersten inneren Erschütterungen unausbleiblich und der Bürgerkrieg ist nicht abzuwenden.(Lebhaste Bewegung.) Die Trennung Nordbayerns und Südbayern» hat un- bedingt auch die Loslösung der Pfalz von Bayern znr Folge. Was die französischen Imperialisten noch nicht zustandegebracht hoben, da» schaffen die bäuerischen und die preußischen Reaktionäre: Die Zer- schlaauna des Reiches.(Lanaanholtender Beifall.) Vorsitzender Del»: Der Appell, den die Genossen Treu und Kerner an Sie als Vertreter der deutschen Sozialdemokratie gerichtet haben, den Kampf der bäuerischen Arbeiterschaft zu unterstützen, wird nicht vergeblich sein.(Lebhafte Zustimmung.) Warnend klingt die Stimme der bayerischen Vertreter aus diesem Saal, unterstrichen durch Ihre Zustimmung, bis München, nicht nur in jedes Arbesterohr in Bayern, sondern ln jedes Arbeiterherz im ganzen deutschen Reich. kllle die, die es wagen sollten, die bayerische Arbeiterschaft um die Früchte der Revolution zu betrügen, und damit den ersten Schritt zur Demolierung der republikanischen Staatsverfassung und Staats» form im Reich zu tun, seien gewarnt durch diese Manifestation der �roßten Partei im Reich.(Lebhaftes Sehr wahr!) Das schändliche Spitzelsystem hat in Bayern zahlreiche Aroeiter hinter Gefängnismauern gebracht. Dem Stadtrat in Pasing ist �oeben die amtliche Mitteilung geworden, daß sein IZsähriger Junge die Ausweiskarte des Oberkommandos zu Recht trage, und daß sie ordnungsmäßig ausgestellt sei. Wie viele anständige, brave und ehrliche Menschen mögen auf Grund der Mitteilungen /ines solchen Lausejungen ihrer Familie entzogen worden sein.(Große Bewe- gung.) Schmach und Schande über ein System, das sich nur mit solchen Mitteln behaupten kann.(Zuruf: Das ist das System Poeh- ner in Wirklichkeit!) Solche Zustände sind eineGefahr fürun» alle; sie zeigen, wohin es kommen kann, wenn die Sozialdemokra» tie in einem solchen Lande längere Zeit aus der Regierung ausschei» det. Der bayerische Vertreter im Reichsrat, P r e g e r, hat auf die Ankündigung der von uns eingeleiteten Aktion zur Abwehr dieses Putschregiments den traurigen Mut gehabt, zu sagen, die Sozial- demokratie bluffe nur. Damit will er die verbrecherischen Genossen der Kohr und Genossen noch weiter aufstacheln. Aber ich erkläre Ihnen. die deussche Sozialdemokralle blufft nicht Uebhafter Beifall), uns ist es ernst mit den Vorberitungen, die wir zum Kampf getroffen haben.(Dielfaches Bravo!) Wir haben sie getroffen in Gemeinschaft mit allen unseren Klassengenossen in den Gewerkschaften und in der USP.(Stürmischer Beifall.) Wir gehen oem Kampf nicht aus deme Wege, wir haben ihn vorbereitet, well uns keine andere Wahl blieb. Wir sind als Sozialdemokraten Fanatiker der Gewaltlosigkeit, wir wissen aber auch, der Gewalt den geschlossenen Willen der Arbeiterschaft entgegenzu- stellen.(Bravo!) Die von uns getroffenen Maßregeln machen jede reaktionäre Regierung in Bayern auch auf kurze Frist zur Unmög- lichkeit.(Lebhaste, anhaltende große Bewegung.) Die.Deutsche Tageszeitung" mag weiter schreiben, daß gewissenlose Partei- sekrctäre au» Berlin in Nürnberg die ruhige und friedliche Deoölke- rung aufzuregen und die Revolution vorzubereiten versucht hätten. Gewissenlosigkeit ist allein auf jener Seiter Die bayerischen Arbeiter mögen sicher sein: Der Kampf, den sie auszufechten haben, ist unser K a m ps.(Allseitige Zustimmung.) Wir werden den Kampf führen, dessen Gefahren wir kennen und von dem wir die Wunden voraus» sehen, die er dem deutschen Wirtschaftsleben schlagen kann, mit eiser» ncm Willen und unbeuosamer Entschlossenheit, alle zusammen zum Schutz der Republik.(Minutenlanger stürmischer Beifall de» Partei- tags und der Tribünen.) Wridemann-Insterburg: Nicht nur Bayern und Oberschlesien, sondern auch Ostpreußen ist ein Gefahrenherd der Reaktion. Auch hier war es höchste Zeit, den Belagerungszustand aufzuheben und die Entwaffnung und Auflösung der Einwohnerwehren durch- zuführen. Auch die Genossen in Ostpreußen werden auf dem Posten sein.(Beifall.) Mit Rücksicht auf die tiefe Erregung, welche die letzten Erklä» rungen auf dem Parteitag hervorgerufen haben und die ein normale» Interesse für die anderen Beratunqsgegenständr ousscklie't> s der Vorsitzende Wels die Verhandlung um 57L Uhr vorzeitig ab. Die Debatte wird morgen fortgesetzt. Sozkaiististber tvahlsiea in Schweöen. Stockholm, 21. September.(EP.) Bei den Reichstag»- wählen in Schweden wurden bisher 25 Sozialdemokra- t e n. 14 Sonservalloe und 6 Liberale gewählt, außerdem 4 vom Bauernbund. Die Sozialdemokralen haben bisher 5 neu« Sitz« erhasten, und zwar 4 von den Sonservaliven und einen von den Ll- beralra. Alan rechnet damit, daß dl« Sozialdemokraten ln Stock- Holm S Sitze, d. h. die Hälfte von den Mandaten der Hauptstadt er- o'oern werden. 6» scheint, daß eine sozialistische Regie- rung aus den Wahlen hervorgehen wird. tzarüings flbrüftunysprogramm. London, 21. September.(WTB.) Reuter meldet aus Washing» ton, daß der Programmentwurs der Regierung für die Ab- rüstungslonferenz den Teilnehmern der Konferenz über- mittelt wurde. Den in Frage kommenden Mächten wurde mitgeteilt, daß das Programm im wesentlichen nur Anregungen enthält und daß es Abänderungs- und Zusatzanträgen unterworfen ist. Da» Programm enthält folgende Punkte: 1. Beschränkung der Rüstungen zur See und Ausführungsbestimmungen, 2. Kontrollbestimmungen für die neuen Regeln der Kriegsführung. 3. Beschränkung der Rüstungen zu Lande, 4. Fragen betreffend China, 5. Fragen be- treffend Sibirien und gleichartige China betreffende Fragen, 8. die Mandate über die Inseln. Heute» erfährt, daß das Programm tn gut unterrichteten Scheiüemann über öe GSrllh, 21. September.(Eigener Drahtbericht des„Vorwärts".) Genosse Scheidemann sprach heute abend in der Stadthalle in einer großen öffentlichen Versammlung über die politische Lage. Er wider- legte die Dolchstoß-Legende. Die Friedenssabotage während des Krieges hat den gegnerischen Mächten die Schuldpropaganda er- leichtert und das Versailler Diktat ermöglicht. Dieses Diktat ist ein Wert blinden Hasses. Es ist eine Schmach und Schande, daß man tausende schwarzer Analphabeten im Lande hält, für die wir Mil- liarden Unterhaltungskosten bezahlen müssen, statt damit die Re- parationen abtragen zu können. Nach der Annahme des Versailler Vertrages und des Ultimatums besteht für alle die Pflicht, auf die Erfüllung hinzuarbeiten, bis die Revision erreicht worden ist. Die Arbeit der Erfüllung setzt geordnete Verhältnisse in der Republik voraus. Es ist notwendig, daß sich das ganze Volk auf den Boden der Verfassung stellt. Was die kommunistischen Putsche dem deutschen Volk geschadet haben, kann kaum wieder gut- gemacht werden. Aber jetzt steht der Feind rechts. Die Hetze gegen die Republik und ihre Einrichtungen ist immer dreister geworden. Die Reichsfahne hieß nur noch Reichsschmutz-, Schmach-, Jammer- und Iudenlappen. Monarchistische Feste werden veran- staltet, der letzte Kaiser immer häufiger antelegraphiert. Es ist über- flüssig, die Beschimpfungen und Verleumdungen, die man gegen die Republik und die Vertreter der republikanisch-demokratischen Staats- form gerichtet hat, zu wiederholen. Der Reichskanzler hat nach der Ermordung Erzbergers ein Gesetz zum Schutz gegen persönliche Verleumdungen und Ehrabschneidereien in Aussicht gestellt. Es ist höchst« Zeit, daß die Subjekte, die ehrlichen Leute die Ehre be- sudeln, hinter Schloß und Riegel gesetzt werden. Wir müssen die Republik mit allen Mitteln, die uns dazu geeignet erscheinen, schützen, weil sonst das Schicksal unseres Landes jedem Abenteurer, der einen Haufen Landsknechte zufammenbringt, ausgeliefert wäre. Die schwersten Beleidigungen des Reichspräsidenten und republikanischer Minister stnd mit lächerlich geringen Geldstrafen qeahndet worden. Aufforderungen zum Mord wurden mit 1000 M. Geldstrafe gesühnt. Hirschfeld, der auf Erzberger geschossen hatte, wurde aus der Haft beurlaubt. Dem Dichter und Landtagsabgeordneten Toller, einem Idealisten und talentierten Schrifffteller, wurde im Gefängnis das Schreiben verboten. Die Richter müssen sich loyal auf den Boden der Verfassung stellen oder, wenn sie das nicht tun können, ihren Abschied nehmen. Wenn die Republik ihre Rechtsprechung man- archistisch gesinnten Richtern anvertrauen sollte, so wäre das ebenso unverantwortlich, als wenn in der republikanischen Reichswehr monarchistische Offiziere, Freunde der Herren Kapp und Ludendorfs, wirken wollten. Der jeweilige Reichswehr- minister hat die Macht, gründlich auszukehren. Schwierigkeiten haben aber immer nur die Offiziere und Unteroffiziere, die sich offen zur Republik bekennen. Ztn Relchswehrmlnisterimn wimmelt es von Zungen Lenken Ludendorffs- Sämtliche Offiziere der ehemaligen OHL. stnd dort, die jederzeit be- reit stnd, den Willen ihres Herrn u. d Meisters zu vollziehen. Der Zustlzminister kann Richter nicht abse'-en, aber er kann sie versetzen. Warum macht er davon keinen Gebrauch? An die Spitze alles dessen, was zur Sicherung der Republik geschehen muß, ist die Forderung zu stellen an die sozialistische und demokratische Arbeiter- schaft zur geschlossenen Front gegen die Reaktion.(Beifall.) Alle anderen Maßnahmen setzen voraus, daß im Reiche und in den ein- zelnen Gliedstaaten Regierungen gebildet werden, deren Mitglieder nur aus solchen Parteien bestehen dürfen, die die Verfassung anerkennen, und die bereit sind, zu ihrem Schutz alle Macht- mittel de» Staates in Anwendung zu bringen. Hier gilt das, was schon auf dem Parteitage gesagt wurde:„Immer wieder muß be» tont werden, daß es sich bei einer jeden Koalitionsregierung nicht um eine Gesinnung»-, sondern um eine Arbeitsgemeinschaft handelt."(Lebhafte Zusimmung.) Ob allerdings die Deutsche Boltspartei unter den gegebenen Umständen für eine neue brittfchen Kreisen nicht als irgendwie bemerkenswerte Förderung der ln Frage kommenden Punkte betrachtet wird, da die der Erörterung unterliegenden Fragen insgesamt zu unbestimmt gefaßt seien. E» mache sich in gewissen Kreisen starker Widerspruch gegen eine Erörterung der Landrüstungen geltend und es fei zweifelhaft, ob dieser Punkt zur Erörterung kommen werde. Saron Ungern-Sternberg erschossen. Moskau. 21. September.(Vena.) Die Sowjetregle- ruug gibt bekannt: In Nowonikolajewjk hat eine öffentliche Gerichtsverhandlung gegen den weißgardtstlfchen Führer Baron Augern stattgefunden. Der Gerichtsverhandlung wohnten lausende von Arbeitern und Soldaten der Roten Armee bei. varoa Ungern wurde zum Tode verurteilt. Das llrkeil ist voll- zogeu worden. Die Anklage wurde gegen ihn erhoben: 1. wegen Uuterstühuoz und Durchführung der räuberischen Pläne Zapan» gegen die Sowjetrepublik, 2. wegen der Bor- bereitung zum Sturze der Sowjetmacht und zur Er- richtung der Monarchie in Sibirien unter Mckzael Ro- manow, Z. wegen des Massenmorde» an russischen Bauern und Arbeitern in Sibirien, wegen der Ermordung chi- nesischer Revolutionäre. Da» Maskenverleihgeschäft der Frontkämpfer. Zu dieser Notiz In Nr.<03 unseres Blattes sendet un» der Rechtsbeistand des Herrn Louis Behrendt folgende Berichtigung: Die Angaben des Verhafteten Erich Poetke, daß er die von ihm bei der Verhaftung getragenen Orden und Waffen in meinem Geschält entliehen habe, daß es dort auch Uniformen der Schutzpolizei in Masse zu leihen gäbe und daß dort auch Hunderte von Gewehren, Modell 98, und Karabinern lagerten, sind unwahr. Richtig ist vielmehr, daß in meinem Ge- fchäft nur Militäruniformen, also keine Polizeiuniformen, und nur veraltete, zu Kampfzwccken untaugliche, nicht abgabepflichtige Waffen, mithin auch keine Orden, verkauft und oer» llehen werden. Daß ich solche Uniformen und Waffen zwecks Per- kauf» und Verleihung besitze, weiß die Polizei. Hierzu be- rechtigt mich auch die mir erteilte Großhandeleerlaubnis. Eine be- reit» früher auf Grund falscher Anzeige in meinem Geschäft oorge- nommen« Durchsuchung führte nur zu dem Ergebnis, daß sich der Polizeipräsident von Berlin mir gegenüber wegen ihrer irrtümlichen Vornahm« schriftlich entschuldigte. Wictfdyaft Holüsteuern für die Lanöwlrtschast. Ganz gleich, wie die Beratung über die Kredithilfe der Unter- nehmerverbände verlaufen wird, bleibt immer noch die Frage offen, auf welche Weise die steuerlich« Deckung für die Verzinsung und Tilgung der Goldschuld des Reiches zu suchen ist. Es wurde be- reit» darauf hingewiesen, daß in dem Gedanken der Gold- oder Sachwerterfassung eigentlich zwei Problem« enthalten sind. Das eine lautet: Wie passen wir sämtlich« Steuererttäge, nicht nur Lohn-, Kapitalertrag- und Umsatzsteuer, der Geldentwertung an? — Das geht auf dem Wege der Naturalsteuer oder ihres gleichwertigen Ersatzes: der unmittelbaren Beteiligung des Reiches an sämtlichen Industrie gewinnen(wobei auch die Bezugsrechte, stillen Reserven usw.) in Betracht kommen. Da» ander« Pro» n Sinn der Koalition. Koalition in Frage kommt, muß erwiesen werden durch das, was diese Partei zu den Mindestforderungen sagt, die wir an jede Partei, mit der wir gemeinsam die Republik schützen und auzbauen wollen, zu stellen hoben. Die Pressedistussion, die sich an die Verhandlungen des Parteitages geknüpft hat, schätzt die Wahrscheinlichkeit der Er- Weiterung der Reichsregierung offenbar nicht richtig ein. Wir müssen wegen des Versailler Diktates phantastische Summen auf- bringen. Keinesfalls aber dürfen wir dem arbeitenden Volk, den Beamten aller Schichten, den kleinen Rentnern usw. weitere Steuer- lasten aufbürden, wenn nicht zuvor dazu gegriffen wird, wo noch wirkliche Werte unangetastet liegen. Ter Stand der Valuta ist geradezu trostlos. Für die plötzliche katastrophale Entwertung der Mark fehlen objektive Gründe. Nicht das Ausland hat den Sturz Herbeigeführt, der Druck ist vom Inland ausgegangen. Verbrecherische Spekulation deutscher Prositjäger hat diesen Sturz verschuldet. Diese haben vor, in und nach dem Kriege oerdient, sie haben in und nach der Revolution ihre Ge- schäfte zu machen verstanden. Auch ihnen muß gründlich das Handwerk gelegt werden. Wenn das Reich feine Berpflich- tungen aus dem Ultimatum erfüllen will, wird es sich ausländische Zahlungsmittel beschaffen müssen. Das ist nun immer schwieriger geworden. Vertreter der Industrie und der Banken haben sich aus eigener Initiative bereit erklärt, fremde Devisen zu beschaffen. Man soll diesen Plan nicht von vornherein abweisen, aber ihn doch mit größter Borsicht behandeln. Das Reich muß sich in seiner Not An- teile au den Erlrägeu der Privatwirtschaft und der Substanz sichern. Aber das wird nur gelingen, wenn wir den inneren Frieden sichern. Zu diesem Grundsatz hat sich die Sozialdemokratie bekannt, seitdem vor drei Iahren die katastrophale Lage des Reiches klar geworden war. Die Demagogen, die gegen das Bersailler Diktat wettern und so tun, als ob wir uns nur zu sträuben brauchten, Steuern zu zahlen, und als ob dann alles in Ordnung wäre, treiben eine Politik der Gewissenlosigkeit. Es ist die Politik des 7 Luges und Truges.(Zustimmung.) Zum hundertsten Male muß man die Reaktionäre fragen, wie sie das durch ihre Politik ins Un- glück gestürzte Bolk wieder ftei machen wollen, wenn nicht durch den ernsthaftesten Versuch der Erfüllung des Friedensvertrages bis zu seiner Revision. Sonst gibt es nur ein Mittel, den Krieg gegen die Entente.(Sehr richtig!) Dann müßten die Hcrgt, Helfferich, Wxstarp und Genossen mit hölzerneu Säbelo uud Schaukelpferden ins Feld ziehen.(Große Heiterkeit.) Die Politik der Deutschnatio- nalen ist die Politik der Gewissenlosigkeit, die Politik des Wahn- stnes.(Lebhafte Zustimmung.) Unverantwortlicher als die deutsch- nattonale Politik jetzt getrieben wird, könnte sie auch nicht sein, wenn st« von den Herren Ehrhardt und Bauer, den Freunden des Münchener Polizeipräsidenten P 0 e b n e r, selbst geleitet würde. (Sehr richtig!) Der Kampf wird schwer sein, aber er wird durch- geführt werden müssen bis zur endgültigen Nicderringung der Ne- aktion. Auf der anderen Seite stehen die Riesensummen der Schieber und«notleidenden" Großgrundbesitzer, der Kriegsgcwinn- l«r- stehen die Kohr, Poehner, Bauer, Ludendorff, die Klonte, Killinger, stehen die in und bei München verschanzten Reste der Brigade Ehrhardt einschließlich der Beschützer der Hirichfeld,«reo, Schulz und Tillessen und alle werden sie kämpfen für die„gute alte Zeit" mit ihren Dorrechten für die Junker und den Besitz, für die Wiederherstellung der Monarchie. Auf unserer. Seite aber wird alles kämpfen, was die Demokratie und die Republik retten und schützen will, was das gleiche Recht für alle verankern will, das niemals wieder«in Stück davon verloren gehen kann.(Stürmischer Beifall.) Für un» heißt es aus alle Fälle bereit sein für die große Abrechnung mit der Reaktion unter der Parole:„Für die Republik, gegen die Reaktion! Für Demokratie und Sozialismus, gegen die Ausplüuderer des Volke», für gleiches Recht und gegen Weuchel- mord!"(Stürmischer langanhaltender Beifall.) blem geht von der Grundtatsache au-, daß aus laufenden Steuern da» Ulttmatum nicht gedeckt werden kann. Es lautet also dahin: Wie erhält da» Reich nicht nur Ueberschüsse aus dem Ertrag von Produktionsmitteln, sondern auch Teile der Dermögenssubstanz. Hier müßte also das Reich auf irgendeine Weise B e s i tz t i t e l, die Goldwertcharakter tragen, erwerben. Die Vorschläge.hierfür sind oft genug erörtert worden." Es ist nun interessant, daß die L a n d w i r t s ch a f t die Lösung de» ersten Problems, nämlich der laufenden Naturalsteuer, für ihre eigenen Zwecke bereits gefunden hat. Der„Reichs-Landbnnd" berichtet hierzu: Roggen- stakt Gridwährung. Nuf dem Kreisvertretertag des Pommerschen Land- b u n d e s am 31. August unterbreitete der Bundesvorstand den Ber» tretern den Vorschlag, für das nächste- Wirtschaftsjahr die Einziehung der Beiträge für den Pommerschen Landbund in Natural- werten vorzunehmen. Der Grund liegt in der fortschreitenden Entwertung de» Bargeldes, die es unmöglich macht, einen rich- tigen Voranschlag und Haushaltungsplan auf» zustellen. Es wird beabsichtigt, die Bcrpflichtungen, die die einzelnen Kreisgruppen im nächsten Jahre der Bundesleitung gegen- über auferlegt bekommen, nicht in Geld-, sondern in Rogqemvüßrung auszudrücken. Das Ergebnis war die grundsätzliche Villi» ung des Prinzips der Roggenwährung und der Auftrag an das irettorium, einen näher ausgearbeiteten Entwurf vorzubereiten. Die Gründe, die für die Roggrnwährung geltend gemacht werden» treffen ohne jede Einschränkung auch für den Haushalt de» Reiches zu. Es wäre schon ein ganz schöner Schritt zur Gesundung der deutschen SteucrverhälMisse, wenn, was wir hoffen, nunmehr der Neichsoerband der deutschen Landwirtschaft auch im vorläufigen Reichswirtschaftsrat den Gedanken der Naturalsteuer für die Landwirtschaft zum Siege oerhelfen würde. Als Tatsache verdient jedenfalls vermerkt zu«erden, daß— nachdem die Industrie von sich au» die Verpfändung von Substanz deutschen Volksvermögens für Reparationszwecke in ihrem Anleihe- Vorschlag anerkannt hat— nunmehr beide sachlichen Forderungen auf Heranziehung der Goldwerte durch die Praxis als rich- tig bestätigt sind. Die K r c d i t a k> i 0 n der deutschen Unternehmerverbände zur Beschaffung der für die nächste Zeit erforderliche» Golddevisen hat in den letzten Tagen insofern einen weiteren Fortschritt gemacht, als die beteiligten industriellen und finanziellen Kreise unter sich einen Ausschuß gebildet haben, dem eine Reihe hervorragender Person. lichkeiten der industriellen und finanziellen Welt angehören, mit dem t wecke, die genauen Einzelheiten für die Durchführung der geplanten ktion- ausarbeiten. Man will abwarten, bis die Kom- Mission die ihr zuteil gewordene Aufgabe erledigt hat, um dann mit dem fertigen Plan vor die Regierung zu treten. Gründung einer Gesellschaft zur Radiumoerwertuug. In Prag wurde die tschechische Gesellschaft zur Radiumverwertung aegründet, deren Kapital zur Hälfte vom tschechoslowakischen Staate und zur anderen Hälfte von der englischen Imperial and Foreign Office Corporation Ltd.(Vorsitzender B a l f 0 u r) aufgebracht wurde. Der tschechoslowakische Staat ist bekanntlich Eigen- tümer der Radiumgruben in Ioachimsthal, welche bis Ende dieses Jahres fünf Gramm des äußerst'seltenen Stoffes erzeugt haben werden. Bon diesen fünf Gramm überläßt der Staat 3,4 Gramm der neuen Gesellschaft, welche sie zu Leihzwecken verwenden wird. Die Gesellschaft will eine Wettorganisation gründen und die Verleihung von Radium, namentlich zu medizinischen Zwecken, in großem Etile ermöglichen. SsVeMhoftsbewegung Der tägliche Kommunistenschwindel. Nachdem die kommunistischen Parolen im Verband der Ma ls>r und Lackierer keinen Boden gefunden haben, glaubt man endlich eine zugkräftige Parole gefunden zu haben. Die.Rote Fahne" vom Mittwoch bringt einen Aufruf an die Maler und Lackierer, der von Verleumdungen gegen die Organ i- s a t i o n nur so wimmelt und stellt unter anderem fest, »daß die in der Filiale Berlin des Verbandes der Maler ange- stellten 4 Hauskassierer nicht soviel Beiträge kassieren als ihr Ge- halt beträgt, nämlich 67 223 Mark." Der Verband hat der»Roten Fahne" eine Berichtigung zugehen lassen, worin er, ohne auf die übrigen Unrichtigkeiten weiter einzu» gehen, feststellt, daß die Hauskassierer im Jahre 1920 bei einem Bei- trag von 2 M. bis zur 18. Woche und 3,50 M. ab 19. Woche über 350000 Mark kassiert haben. Da der jetzige Beitrag aber 5,50 M. beträgt, erhöht sich die Summe etwa auf das Doppelte. Wenn nach der kommunistischen Darstellung die Organisation im Jahre 1920 mehr Geld ausgegeben hätte für die Hauskassierung als sie durch dieselbe eingenommen hat, so wäre es nicht möglich gewesen, die von der Vorkriegszeit her noch bestehende größere Schuldenlast bei der Hauptkasse restlos abzuzahlen und außerdem ein sehr beträchtliches Vermögen als Kampf- fonds aufzusparen. Jedem Leser des Jahresberichts von 1920 muß diese erfreuliche Tatsache in die Augen fallen, doch ohne sich zu in- formieren, wird nach Moskauer Ansicht kühn drauflos verleumdet, in der Hoffnung, daß ja doch immer etwas hängen bleibt. Um aber alle diese faustdicken Lügen und das vrganisationsschädi gende Treiben ein für allemal unmöglich zu machen, ist es Pflicht aller Kollegen, die an der Erstartung der Organisation und Ge- schlossenheit derselben Interesse haben, an der heute im Gewerkschafts Haus stattfindenden Versammlung tellzunehmen. Kurse begeben und die Hbrergebflhr bei dem in der ersten Unier- rrchtSstnnde zu wählenden Vertrauensmann bmlerlegen. Freigewerkschafttlche Betriebsrätezentrale. Drohender Kampf in der Seifenindustrie. Am Dienstag hielt der Fabrlkarbeiteroerband eine vollzählig besuchte Branchenversammlung der Seifenarbeiter Groß-Berlins ab. Poch berichtete über die stattgefundenen Lohnverhandlungen und führte u. a. aus: Nachdem die neue Verteuerung der Lebenshaltung einsetzte, wurde, wie immer, ohne formelle Kündigung des Lohntarifs eine Erhöhung der Löhne um 30 Proz. ab 1. September 1921 gefordert. Die Verhandlungen oerzögerten sich, weil die Verhandlungskommission der Arbeitgeber nicht voll- zählig in Berlin anwesend war. und es wurde nun von den Arbeit- gebern darauf hingewiesen, daß es notwendig sei, den Tarif zu kündigen. Nachdem dieses geschehen war, fanden am 9. Sep- tember Verhandlungen statt, die, weil die Zugeständnisse der Ar- beitgeber nicht ernst genommen werden konnten, zu keinem Resultat führton. Das Resultat der nächsten Verhandlungen war, daß ab 17. September die bisherigen Löhne um 18 Proz. erhöht werden sollten. Die Diskussionsredner sprachen sich dahin aus, daß nicht nur während des Krieges und unter der Zwangswirtschaft, sondern auch jetzt noch ungeheure Gewinne bei der Fabrikation von Seife erzielt werden. Den Arbeitern dagegen macht man Zugeständnisse, die mit der ungeheuren Verteuerung der Lebenshaltung nicht in Einklang zu bringen sind. Der Betriebsrat eines Betriebes konnte berichten, daß fein Arbeitgeber ab 1. September bereits 3 0 Proz. Lohnzuschlag ausgezahlt hat. Die anderen Firmen könnten dasselbe tun. Das Resultat der Verhandlungen wurde, nachdem alle Diskussionsredner sich dagegen ausgesprochen hatten, gegen wenige Stimmen abgelehnt. Die Branchenleitung wurde beauftragt, weitere Schritte einzuleiten, um die Arbeitgeber der Scifeninoustrie für restlose Erfüllung der Forderungen zu ver- anlassen. Wenn nicht annehmbare Zugeständnisse gemacht werden, scheint «in Lohnkompf in der Seifenindüstri« mit den äußersten Mitteln unvermeidlich._ Betriebsräteschule. «n folgenden, Freitag, den 23. September 1921. beginnenden Kurien der Betliebsräteschule können noch neue Hörer teilnehmen: Unterrichts statte Berlin NW. Friedrich-Werdersckie» Gymnasium, Bochumer Str. 8b. nachmittags 5 Uhr:»Grundbegriffe und Grundsätze der WirtschaftSlehre" l Zimmer 302).— Unterrichtsstätte Berlin SO., Leibni,-Gymnasium. Mariannenplatz, nachmittags s rlhr:„Fabrikorgamsalion"(Zirnmer 18).— Unser- r i ch t S st ä t l e Berlin 0., städt. höh. Fachschule für Textil- und Bekleidungsgewerbe, Warichauer Platz 6/8, nachmittags 5 Uhr: »Finanzieiung der Industrie und des Handels" lZimmer IIS); abends 7 Uhr:»Geld- und Bankwesen"(Zimmer IIb). Alle freigewerkslbaftlich organisierten Arbeiter nnd Angestellten können an diesen Kursen teilnehmen. Sie erhalten Hörerkarten zum Preise von 6 M.(für Erwerbslose unentgeltlich) rm Bureau der Freigewerkichastlichen BetriebSrätezemrale. Engelufer 24/2S. 2. Hof I. Auch können sie sich ohne vorherige Anmeldung in die Bor dem Kampf im Buchhandel. In einer am 19. d. M. stattgefundenen Mitgliederversammlung des Afa-Bundes lehnten die Buchhandlungsangestellten den Schieds- spruch des Schlichtungsausschusses Groß-Berlin ob und beschlossen mit überwiegender Majorität, in den Betrieben eme U r- abstimmung über den Streik stattfinden zu lassen.— Zwecks restloser Durchführung der Urabstimmung ersuchen wir unsere Funktio- 1 pokabomieiiteil 1 1 Damit die regelmäßige Zustellung des„Vor- � 9 warts" im nächsten Monat keine unlieb- 9 '4 same Unterbrechung erleidet, ersuchen wir» S unsere Postabonnenten, das Abonnement 6 3 für den Monat Oktober zum � F Preise von 12 M. einschl. Zu- g F stellungsgebühr bei dem N * zuständigen Postamt* S sofort zu be- � | stellen$ e? WU S x MM x 9 Vorwärts«Verlag G.m.b.H., Verlin 9 näre, sich das A b st i m m u n g s m a t e r i a l vom Ortsbureau des Afa-Bundes bis spätestens Freitag mittags 12 Uhr abholen zu lassen und dafür Sorge zu tragen, daß das Abstimmungsresultut der Organisation bis Sonnabend mittags 12 Uhr über- mittelt ist. Montag 7h Uhr findet eine Funktionärver- s a m m l u n g im„Wilhelmshof", Anhaltsstraße, statt, in der über die zunächst einzuschlagenden Schrille beraten wird. Afä-Bund, Ortskartell Groß-Berlin._ Tie Beamten zu den neue« Steuern« Ein« zahlreich besuchte ösfenllichte Beamtenversammlung, ein- berufen vom Provinzialkartell Berlin des Deutschen Beamtenbundes, tagte am Dienstag im Lehrcroereinshaus. Der bekannte demo- kratische Politiker Dr. Heinz Potthöf behandelte in einem Vor- trage über die Wirkung der neuen Steuergesetzgebung auf die Lebenshaltung sehr eingehend die Steuerprobleme. Nach seiner Auf- fassung sind die vorgeschlagenen Hauptsteuern, die Vermögenssteuer und die Vermögenszuwachssteuer, sehr fragwürdiger Natur. Sie würden in der Hauptsache nur auf dem Papier stehen bleiben. Nicht ein Viertel von dem würden sie bewirken, was sie auf dem Papier bewirken sollen. Wenn man solche großen Besitzsteuern wirklich haben will— und sie seien unvermeidlich— dann müsse man sie in natur» erheben.— Ausführlich erörterte Redner die Natur der Grundrente und die Möglichkeit ihrer Besteuerung durch den Staat, beziehungsweise die der Erfassung des Unterschiedes zwischen dem Goldwert und Papierwert des Grundeigentums durch den Staat. In der Frage, ob es möglich sei, diele Differenz an den Staat über- zuführen, liege das Kernproblem der Bodenreform und der Finanz- Wirtschaft. Redner selbst habe den folgenden Vorschlag zu einem Reicysgesetz gemacht. Der Grundbesitz soll nicht enteignet werden. Der Besitzer soll ihn behalten und in der Familie oererben können. Verboten aber soll ihm sein, seinen Grundbesitz an Fremde mit Gewinn zu veräußern. Als Käufer soll nur zugelassen werden das Deutsche Reich oder die von ihm beauftragten Länder und Gemein- den. Das Deutsche Reich übernimmt jeden angebotenen Grund- besitz, zahlt aber nur den Wert, den der Eigentümer selbst für den Wehrbeitrog im Jahre 1913 angegeben hat.—. Hier liege, meint Redner, die Kernfrage aller Steuerpolitik und die aller Gewerkschaftsarbeit und Wirtschaftspolitik für die Zukunft. Er hoffe, daß der Gedanke von den Beamten und von den Gewerk- fchaften erkannt werde und daß der volle Wille der gesamten Ar- beiterschaft sich dahintersetze, damit ein solches Gesetz gemacht wird, das die Festhaltung der Grundstückspreise auf den Goldbetrag her- beigeführt, um die Differenz zwischen diesem und dem Papierwert dem Reiche nutzbar zu machen. Wenn das nicht geschehe, wisse er nicht, wie man aus dem Zusammenbruch herauskommen und mll Hoffnung in die Zukunft blicken kann.(Lebhafter Beifall.) Es folgte eine angeregte Diskusston. In Erwiderung auf die Ausführungen eines Redners betonte der Vorsitzende N o a k die Notwcndigkell der Einigkeit in der Beamtenschaft. Auch möge man dafür sorgen, daß gewisse Widerstände überwunden würden, damst man endlich eine Arbeitsgemeinschaft mll dem ADGB., mll der Afa und mll dem Gewerkschaftsring bekomme. Dann werde das Ziel, die Macht des Beamtenbund«» gegebenen Falles einzusetzen, zu eis reichen sein.____ Einigtmgöi« der oberschlesische« Metallindustrie. Zwistben der Vereinigung der weüerverarbeitenden Metallindustrie OberschlesienS und den Melallarbeiterverbänden ist nach einer Meldung der Dena eine Vereinbarung dahin zustande gekommen, daß in der Metallindustrie mit Rückwirkung vom 1. Sep- tember ab die gleiche Lohnzulage gezahlt wird, wie in der ober« schlesischen Elsentndustrie. Zum Zilmstrelk teilt die Vniversum-Film-Aktien- ges ellschaft— Ufa— mll:»Es ist unrichtig, daß kauf- mänuifchen Angestellten unseres Betriebes bei der bedingungslosen Wiederaufnahme der Arbeit Versprechungen gemacht wurden, die von uns nicht erfüllt wurden. Insbesondere ist es unrichtig, daß Ange- stellte nach Wiederaufnahme der Arbeit von uns»aufs Pflaster ge- setzt" wurden. All« diejenigen, die ihre Arbeit vereinbarungsgemäß wieder aufgenommen haben, stnd restlos im Betriebe beschäftigt." üm Bielefelder Friseurgewerbe sind erneut Lohndifferenzen aus- gebrochen. Zuzug ist fernzuhalten. Der ünlernasionale Textilarbeilerkongrcß hat eine Unter- stützung von 300 000 Franken für die ftanzöstschen�Pnd die belgischen Streikenden beschlossen. Ein Zwischenfall wurde durch einen französischen Delegierten hervorgerufen, der erklärte, daß er ein Mandat von dem russischen Verband habe, ihn aus dem Kongreß zu vertreten. Es wurde eine Kommission zur Prüfung der Mandate eingesetzt. Lolzarbeite». Heut«« Uhr ,w«t Mitgll-dtruers-nmnlungen der arbei- t t n d« n Kollegen-Her Branchen in der Biitzow-Brauer-i, Prenzlauer Berg, und in den Kammerfälen, Teltower, Sdt Belle-Alliance-Straße. Mitglieds- CUl tuu« CIIICU..7 Bureau, Saal 3, erhältlich, ohne diese kein gutrrtt. Tagesordnung: Brrrcht itber den Stand de, Streiks.— Streikend« Holzarbeiter R-ukällus: Freitag, vormittag, h» Uhr, im Karlsgarten.__ Sewerkl-k'asts.Biblisthekar«. Dil Bollversammlung der Sewerkschasts-Biblio. ihskare iindet erst am l. Oktober, nachmittags« Uhr, statt. Zeatralnerband der«»gepellte». Heute. Rechtsanw-Itbur-au»: Mrt. gliederverfammlung TVi Uhr im Englischen Hof, Alexanderstr. Ü7e.— Textil- Großhandel, Baumwoll-, Leinen-, Samt- und Seidemoaren: Oeffentllchc Versammlung 7 Uhr im Deutschen Hof, Luckauer Str. Ib.— Rigarrenhandcl: Ccifentliche Versammlung 8 Uhr in den Musiker sälen, Kaiser-Wilhelm-Str. Sl. — Pehwaren: Mitgliederversammlung IVt Uhr in Haverland« Festsälcn, Neue �' �DeÄ scher Berkehrsdnnd. Kraftdroschkenfvhrer: Freitag 7 Uhr im Server!. schafts-Resiaurant Bericht über die Tarifverhandlungen vor dem Dcmobil- viachungskommissar.— Kraftfahrer-u» der Metallindustrie Sroh-Berlin: Frei- tag 7 Uhr im Gcwerlschastshans, Saal 8. Beisammlung. Wie kilnncn die ?nt»r-sseu der Srast'ahrer in der Metallindustrie am besten gewahrt werten, und welch« Wege stnd einzuschlagen?_»_..... »enifchet Tr-n-partarbeitcroerband. Branche Graphische, Dcwerh«: Heut» 7 Uhr im Dresdener«osino, Dresdener Str. se, Branchenversammlung.— Branche S8w 13" Margarine«luri�<*, pfd..p� 7" Obst Kochbirnen................ pfu-d 95 pt Bergamotfbirnen......... pw 14S Tafelbirnen.................... pi»nd 1" Tafeläpfel...................... PMd 1" Zitronen............-......... sm* 55 pt Liköre Preise einschliesslich Fiescbe Halb u. Halb.... Stonsdorfer........ AlterWeinbrand-'/zottooy. a�oo VwsdmUi*«..................... II AO 5ÄWelnbrand*-rl,2750f/',5250 '/, F laich. 2500 '/t Flasche 43 �