Nr.44S>ZS. �ahrgaaA Ausgabe B Nr. 22Z Bezugspreis» VI erteil Nl-l-M,- M.. mono». 10.— 9t frei ins Kau», ootou» zahidar Poft. fcejag: Monatlich 10,— M. einschl. gu» steilungsgebühr. Unter Areuzband>!ir Deutschiand. DanKig. da» Saar- uni Memeiliebiel, soune die eheina!» deutschen Dediete Polen» Oesterreich, Ungarn und Lurrmlnra 30,— M. für da» übrige Ausland 27,— PL Poft- destellungen nehmen an Oesterreich. Ungarn. Tscheche- Slowakei, Däne» mark. Kolland, Luremdurg, Schwede» und die Schweiz. Der»Borwiirt,� mit der Sonntag»- beilage.Volt und Reif, der Unterhaltungsbeilage �eimwelN and der Beilage.Siedlung und stletngarren� erscheint wochentaglich zweimal, Som» tag» und Montag» einmal. Telegramm» Adresse: »So)iaift«a,«lral Bern»" Abend Ansgabe c 3 Berliner Volksblntt AuzeigeuprsiS: Die achtgespaltene Nonpareillezelle kostet 6,— M.„kleine Anzeigen- dag setigedruckte Wort S,— M.(zu- Uisstg zwei fettgedruckte Worte», jede, weitere Wobt l.— M. Stellengesuche und Schlafstellenanzesgen da» erste Wort t— M., jedes wettere Wort 00 Pfg. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. s?amiIien-An- zeigen für Abonnenten Reile S,S0 W Die Preise oerstehen sich einschließlich T»uerung»?uschlag. Anzeigen für die nächste Nummer m listen bis S Ahr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin SW 68, Linden- strahe 3, abgegeben werden. Deöstuel von S Uhr srüh bis ä llhr abends. ZuntmXovgAn der foziatdcmokratfrcbcn parte» Deutfcblands »WAt-HB Neöaktion und Expedition: SW SS, LinSenstr. Z K-srnkAr-rkickr- Rcdaktion Moristplatz»SlikS- S7 z>cr>l,prrnirr. Morihvla» II7SZ— S4 Donnerstag, den ÄÄ. September 19Ä1 vorwärts-verlag G.m.b.tz.» SW b8, Linüenstr. Z Kernivritck�r- Brrlag. Sxprditio» und Jnirraten. . �trilung M-riNPlsh»»7ö»-i;4 Gisher 32� Tote festgestellt. Ueber die Zahl der Opfer bei der Opziauer Kata» strophe sind auch heute offizielle Zahlen noch mcht bekannt. Die Aufräumungsarbeiten gehen naturgemäß nur langsam vorwärts, und bei dem Umfang und den radikalen Wirkungen der Katastrophe wird man damit rechnen müsien, daß es einige Zeit in Anspruch nehmen wird, bis volle Klarheit über die Ausmaße des Unglücks geschaffen ist. Wenn auch einige Hoff» nung besteht, daß die Zahl der Todesopfer nicht die Höhe er» reicht, die in den ersten Stunden nach der Explosion ange» geben wurde, so ist es doch leider schon heute wahrscheinlich, daß die Ziffer eines halben Tausend erreicht wird. Angesichts dieser Tatsache muß gefordert werden, daß die Unter» spchungüberdieUrsachendesUnglücksmit aller Strenge und Peinlichkeit durchgeführt wird. Die Erklärung der Werkverwaltung ist in keiner Weise ausreichend. Ein Bericht der.Frankfurter Zeitung" spricht davon, daß die Katastrophe auf den Ueberdruck eines Gafo» Meters zurückzuführen ist. Diese Angabe findet in ver- schiedenen übereinstimmenden Beobachtungen im Augenblick der Explosion eine Stütze. Hier würde also die Prüfung einzu- setzen haben. Es handelt sich ja nicht nur darum, die Schul» oigen festzustellen, sondern in erster Linie auch darum, durch erhöhte Schutzmaßnahmen in den anderen Betrieben der Mög- lichkeit einer Wiederholung der Katastrophe vorzubeugen. Die Hilfsaktion für die überlebenden Opfer hat, wie es nicht anders zu erwarten war, mit aller Energie eingesetzt. Und hier halten wir es für unsere Ehren» pflicht, öffentlich festzustellen, daß auch die französischen Be» satzungstruppen und die Besatzungsbehörden an dem Hilfs- werk tätigen Anteil nehmen. Der französische Oberkomman» dierende Degoutte und der französische Oberkommissar Tirard haben stch persönlich an die Unglücksstätte begeben, um die Arbeiten der Besatzungstruppen zu leiten. Sie haben für die Opfer eine namhafte Summe gespendet. Diese Hal» tung ist nicht mehr wie selbswerftändlich. Bor dem Unglück und vor dem Tode macht alles Halt. Unglück und Tod kennen keine Rasten-, kennen keine Klastengeoensätze. Um so verwerf- licher ist es, wenn verantwortungslose Stellen voreilige Mel- düngen herausgaben, in denen die Hilfstätigkeit der Be» satzungstruppen abgeleugnet wurde, und wenn eine verant» wortungslose Preste, die selbst vor dem Grabe Hunderter, vor dem Unglück Tausender mit ihrer"Koste es, was es koste"» Haßpropaganda nicht Hast macht, von diesen Meldungen Gebrauch macht. • Mainz, 22. September.(WTB.) Die mitgeteilt wird, hat der französische Obertommistar in den Rheinlanden, Tirard, den Ar» beitergewerkschaften in Ludwigshafen als erste Beihilfe für die Familien der Opfer de» Unglück» in Oppau 7ii»00 Mark über» reichen lagen. v!e Gpfer. tnba tgshafe«, 22. September. 11 llhr mittags.(illlB.) Die wir von zuständiger Stelle erfahren, sind bei den gestrigen Ver- gungsarbetlev 320 Tote geborgen worden. E» besteht jedoch die Vefürchtung, daß noch eine Anzahl Toter unter den Trümmern llegl. Die Zahl der verletzten kann auch nicht annähernd angegeben werden, da diese in den verschiedenen Krankenhäusern untergebracht, zum Teil in häusllche Pflege übernommen worden sind. Groß ist die Zahl der Erblindeten. Zu der Heidelberger Augenklinik allein wurden etwa 40 erblindete Personen ausgenommen. Die Gerüchte von 1000 Toten sind übertrieben, llach einer Mitteilung der virek- klon betrug die Zahl der während des Unglücks anwesenden Arbelker 2225 Mann. Sine Hilfsaktion des Reiches. Der Reichspräsident richtete an die Regierung in Speyer folgendes Telegramm: Tieferschüttert durch die Nachricht von dem furchtbaren Unglück im Oppauer Wert spreche ich den bedauernswerten Hinterbliebenen der getöteten Arbeiter und Angestellten meine herzlichste Teilnahme au». Ich hoffe, daß es ärztlicher Hilfe und Pflege gelingt, die so zahlreichen Verletzten, derer ich in aufrichtigem Mitgefühl gedenke, zu retten. Der materiellen Nollage der von dieser schweren Kata» strophe Betroffenen vorzubeugen, wird eine dringliche Aufgabe der Reichs» und Staatsbehörden und menschenfreundlichen Hilfe der Bolksgenosten fein. Reichspräsident E b e r t. Außerdem hat der Reichspräsident den Reichskanz- l e r gebeten, sofort eine Hilfsaktion für die Verunglück» ten und ihre Hinterbliebenen einzuleiten. Vertreter der Reichs- regierung befinden sich auf dem Wege nach Oppau. Der Reichs» Präsident hat aus dem Dispositionsfonds dem Hilfs» lverk 250 OVO Mark überwiesen. Reichskanzler Dr. Wtrth sandte an den RegierungsprSDeMen folgendes Telegramm: Die Nachricht von der entsetzlichen Cxplostonsbataflrophe hat mich auf» Tieffte erschüttert. Ich bitte Sie, den Angehörigen der Getöteten und Verletzten den Ausdruck meiner herzlichsten und innigsten Teil» nähme zu übermitteln. gez. Dr. llffrih. Reichskanzler. Weitere Telegramme find eingetroffen vom bayerischen Gesomt- ministerium und von der preußischen Regierung. Speyer. 22. September. fMTB.) Sämtliche Bezirksämter der Pfalz sind von der Regierung angewiesen worden, Sammel- stellen zur Sammlung von Spenden für die Angehörigen der Getöteten und Verletzten sowie der Deschädigten zu errichten. Die Entstheiüung über Gberschlesien. Pari», 22. September.(GE.) Dem„New York Herald" wird au» Genf gemeldet: Zuverlässigen Informationen zufolge läßt der gegenwärtige Stand der Arbeiten de» Diererkomitee» für die ober- schlestsche Frag« die Annahm« gerechtfertigt erscheinen, daß ein« Eni» fcheidung vor Schluß der gegenwärttgen Session de» Dölkerbunde« erfolgen könne, und daß der völkerbundrat nochvordeml. Ok» t o b e r der Volloersammlung Mitteilungen über die Crgebniste seiner Verhandlungen machen werde. Grundsätzlich hätte stch dle Versamm- lung des Dölkerbunde- mll der Angelegenheit nicht zu beschäftigen, doch will man ihr von dem glücklichen Ergebnis Kenntnis geben. Die Vertreter Spanien», Brasiliens, Thinas und Belgiens, die mtt der Berichterstattung über die oberschlesische Frage beauttragt sind. arbeiten eifrigst, so daß die ganze Angelegenheit ausgezeichnete Fort» schritte mache. Zwischen Balfour und L-Moll-Sonate? Wolffn ihr horcht: das letzte an Ge- ichmack und Kultur scheint unentwickelt oder zurückgestellt. Wieviel kann auch dieser sinnlich tönende Hexenmeister, wie viele» bleibt den- noch dem virtuosen unerfchloffenl Paul Frenke! ist, wenn es das überhaupt gibt, ein trefflicher Orcheftererfatz, sicher ein höchst musi- kalischcr Portner. Und wie die beiden sich In dem Harfenklang des langsamen, im Feuer des letzten Echumann-Satzes zusammenfanden, da» war schon reif« Kunst. Nur ein» wollt« nicht durchdringen: der Schmerz und die Liebe und die beglückende Trän«. Nebenan zeigt Miecyslaw Münz seine Bereitschaft zum Auf- stieg. Noch ein wenig ohne individuelle Zeichnung, mehr obsektiv als persönlich zwingend schreitet er Pr�lude, Arie, Finale Ecsar Franck» ab. Wo aber so viel Sicherheit im Anschlag, klug aus- gleichend« Empfindung waltet, da ist kein Weg verschlossen. Im Llszt-Spiel scheint Offenbarung zu werden, was noch akademisch an der Leistung de» jungen Spieler» mit Andacht der Sinne ringt. Eine Hoffnung, eine Jugend, ein Emporschreiten. Auch Jenny S o n n e n b« r g ist zu begrüßen. Eine seelenvolle, ausgesprochen schöne Stimm«, deren satte» Timbre Im Obr bleibt. F'ach nur die Alttön«. Mit viel Geschmack lebt sie sich in russischen Liedern aus und ihr Temperament entzündet sich an italienischer So"ne. Ein« feine, wertvolle Podiumkraft. Kurt Singer. Künstlicher SNcksioff. Zum ersten Male, feit die deutsche Furchtbarkeit alle jemals in Deutschland voraekommenen Explosionen übertrifft. Di« eigentliche Ursache der Katastrophe ist noch nicht ge- klärt. Der in Oppau nach dem Haderschen Verfahren gewonnene Ammoniatsiickstoff bildet an sich keinen explosiblen Stoff. Bisher sind in den deutschen Stickstossabriken, weder in Ludwigshafen und Oppau, noch in den noch viel größeren, bei Merseburg gelegenen Leuna-Werken, nennenswerte Betriebsunfälle vorgekommen. Das Habersche Verfahren der synthetischen Ammoniatstickstoff- gewinnung beruht auf dem Prinzip der unmittelbaren Vereinigung von Stickstoff und Wasserstoff. Diese Vereinigung ist nur unter sehr hohem Druck und bei außerordentlich hohen Temperaturen möglich. Das Gasgemenge von Stickstoff und Wasserstoff wird auf einen Druck von 150 bis 230 Atmosphären gebracht und in Umlauf versetzt. Bei dem Umlauf passiert das Gasgemisch ein« Kammer, in der ein Bruchteil von mehreren Prozenten Ammoniak verwandelt wird, und «in« Waschoorrichtung, die das entstehende Ammoniak entfernt. Hin- ter der Waschvorrichtung geht der Gasstrom nach Zuführung neuer Mengen der Gasmis.'iung wieder in di« Umsatzkammer zurück. Der Vorgang erzeugt sich in der Umsatzkammer sclbst die Temperatur von ungefähr 500— 600 Grad Eelsius, deren er bedarf. Das au» der Umsatzkammer abziehende Gas teilt diese Temperatur dem zutreten- den Gas mit, so daß eine äußere Wörmezufuhr nicht in Betracht kommt. Aus dem Ammoniakwasser erhält man dos schwefelsaure Ammoniak in besonder» einfacher Weise. Man braucht es dann nur einzudampfen, um es handelsfertig zu machen. Haber gelang es, den Prozeß der Berein! zung von Stickstoff und Wasserstoff dadurch zu beschleunigen, daß er mit sogenannten Katalysatoren arbeitet«, d. h. da» Gemisch über fein verteilte Metalle gehen ließ. Der gewaltig« Umfang der svnthetifchen Stickstofferzeugung, die ihren größten Impuls durch den Krieg, zur Erzeugung von Spreng- stoffen, erhalten hat, macht heut« die Einfuhr von Ebilefalpeter. von dem im Jahre 1918 last 800 000 Tonnen nach Deuffchland verschifft wurden, völlig überflüssig. Von der ausreichenden Stickstofidünqung de» Bodens hängt das Gedeihen der gesamten Landwirtschait ab, deren Bedarf an künstlichen Düngemeitteln nach dem in den Kriegs- jähren betriebenen Raubbau heute besonder» groß ist. So erfüllt die Industrie der synthetischen Stickstofserzeuaung eine höchst bedeut- iame volkswirtschastliche Ausgab«. Der Rohstoff wird stets in jeder Menge und völlig kostenlos vorbanden sein: denn unsere Atmospbäre besteht zu 80 Prozent an» Stickstoff, und die Stickstoffirenq« der Lust über einem einzigen Quadratkilometer der Erdoberfläche würde aus- reichen, um den gesamten Weltbedarf auf Jahrzehnte zu decken. MeneS BolkStbeater..Der Sibret nach R u b e- aber .Da« stumme Frauenzimmer", die am Sounabenk'. den 24., zur ersten»ustübrnna gelan'cnde.Uomödl? ist eine freie Bearbeitung der „Ep'coene" de« Ben Jansen von Benedikt llachmann. Crin aroher ZlNertumSfund in Zchse'wig-Halstein. Der grzht« »oraelchichtliche Fund, der in Schle4wIz.HoIstein seit der berüdmten Nvdamer AuSarabuna von t«SS aemacht worden ist. winde aus einem steinen Bloor.ruf Wien zutage aesördert. Zu Hunderten lagen bicr Tpe-r» l'annen au« der BölkerwanderungSzei!; serncr nrupl? eine grosit Anzahl riicriier Speer sptzen geboten, ebevlo Spitzen nir« Knochen und verschiedene Holzgeräte, Wie in»Niederlachien- mitgeteilt wird, werden die Funde desto reichbaltlacr und wer«voller, se weiter man gräbt. So lamen mehrere Hol, chUd«»um Vorschein sowie Teile eine« grigeun Boote«. Der Parteitag in Görlitz. Vierter vechandlungstag, Vormittagssitzung. (Eigeoer Drahiberichl des.VorwäriS".) Girlitz, den 22. September 1S21. Vorsitzender Wels eröffnet die Sitzung um 9 Uhr. Die Aussprache über den Bericht der Reichstagssraktion wird fortgesetzt. Franz-Chemnitz fordert erhöhte Aufmerksamkeit für die Lage der schulentlossenen Jugend. Er Sutzert Bedenken gegen Einzelheiten der Schlichwngsvrdnung. Vikart-Koblenz lenkt das Jnteresie der Fraktion auf die wirt- schaftlichen und sozialen Nöte des besetzten Gebietes. Trotz der Koolitionspolitii sitzt in der Koblenzer Regierung kein ein- ziger Sozialdemokrat, und das Schuldezernat liegt in den chänden des Abg. ch« tz, der die Revolution als da» größte Uebel der Jetztzeit bezeichnet hat. t�örtl hört!) Göriingar-Köln: Die Gemeinden kranken heute am Staat, der ihnen alle Steuerquellen fortnimmt. Neben Kriegs- und Revolu- tionsgewinnlern gibt es als dritte Gruppe die Befatzungs- gewinnler, die sich nicht nur die direkten Schäden, sondern auch den entgangenen Gewinn vom Reiche entschädigen lasten und daran Millionen verdienen. hirder-chagen: choch hat un» gesagt, wie wir an die Sachwerte herankommen. Weder bei der jetzmen noch bei einer künftigen Koalition ist im Reichstage«ine Mehrheit dafür vorhanden. Auch Neuwahlen würden nicht zum Ziele führen. Wir oerlangen einen Volksentscheid über diese Frag«. Gernick- Magdeburg fordert Aufhebung der Gutsbe- zirke, die Selbslbewirtschaftung der Domänen und die För- derung der Baugenossenschaften auch auf dem Lande. Eduard Bernstein: Zwei Fragen nehmen unser ganzes Jnterest« in Anspruch: Die Beseitigung des Fehlbetrages im Etat und die Hebung der Valuta. Beides hängt miteinander zusammen. Noch so hohe Verbrauch«- steuern führen nicht zum Ziel. Auch bei der Besitzsteuer gibt es Grenzen, wo sie volkswirtschaftlich schädlich wirkt. Es bleibt un« nur die Erfastung der Sachwerte. Je länger man sie hinauischiebt, desto schlechter werden die Be- dingungen ihrer Einführung sein. Diese Erfastung ist nicht nur die einzig möglich« Maßnahme im Jnteresie der Allge- meinheit, sondern sie ist auch für die Kapitalsten die b i l l i g st e Maßnahme, denn wenn sie nicht ergriffen wird, kann e» ihnen eines Tage» noch ander» gehen. Wir müsten durchgreifende Maßnahmen ergreifen, denn jede weitere vers6ilechterung der Valuta wirN wie eine Steuer zugunsten der Besitzer der Sachwerte und zuungunsten der Masse der Verbraucher. Zugleich wird die dann einsetzende Besterung der Valuta auch zu einer Förderung der internationalen Beziehungen dienen.(Beifall.) Ein Schlußantrag wird angenommen. Da« Schlußwort erhält: Referent Gustav hoch: Der Vorstand der Reichstagssraktion hat beschlosten, folgende Interpellation einzubringen: Ist die Reichsregierung bereit, angesichts de» furchtbaren Unglücks in Ludwigshasen sofort Maßnahmen zu treffen, um 1. festzustellen, welche U m« stände dos Unglück verschuldet haben und was zur Verhin- derung derartiger Unfälle geschehen kann: 2. den Geschädigten ohne jeden Verzug au» öffentlichen Mitteln die e r st e Hilfe zu leisten? lBcifall.) Während des Krieges sind die A r b e i t e rs ch u tz ma ß n a h m e n im höchsten Grade vernachlässigt worden. Trotz unseres ständigen Drängens sind die Zustände auch jetzt durchaus u n b e f r i« d i- g e n d. Di« furchtbare Katastrophe in Oppau muß der Arbeit für Aufbau und Vereinheitlichung der Sozialversicherung«inen neuen Antrieb geben. Der Referent dankt dann für die Fülle von Anregungen in der Debatte und in den Anträgen, vi« FraStlon habe ibr« Arbeit so systematisch geordnet, daß all« diese Anregungen gewissenhaft bearbeitet würden. Aber natürlich könne man nicht alle oeliebigen Fragen zugleich in Angriff nehmen. Ein Antrag fordert die Ablehnung aller Mittel für die jetzige Reichswehr und Flotte. Die meisten Bestimmun- gen für beide habe die Fraktion lebhaft bekämpft. Aber da man ohne bewaffnet« Macht nicht auskomme, könne man nicht prinzipiell die Mittel verweigern. Einige ander« Anträge enthielten Vorwürfe gegen die Fraktion oder die Minister der Partei. C» sei tief be- dauerlich, daß einzelne Genosten und Organisationen blindling» übernähmen, was Feind« der Partei unseren Ministern nach- sagen. Unsere Gcnosten in der Regierung hätten«in« überaus schwierige Stellung. Alle Genossen seien mit ihnen unzufrieden und sie selbst mit sich am meisten. Aber da» sei nicht Schuld der Personen. sondern liege an den ungeheuren sachlichen Schwierig- leiten. Es sei da» gut« Recht jeder Organisation, Rede und Ant- wort zu verlangen: aber es sei mit der Pflicht«ine» Parteigenossen nicht vereinbar, ohne sorgfältig st e Information und Prüfung Vorwürfe gegen die Partei und ihre höchsten Vertrauens- männer zu übernehmen. Auf die veamken fragen habe die Fraktion einen großen Teil ihrer besten Kraft und Zeit oerwendet. Sie habe bedauert, daß das Sperrgesetz vor der Be- soldungsordnung verabschiedet wurde. Sie halte bei der jetzigen Teuerung die klasjeneinieilnng für Unsinn.(Sehr wahrl) Einige Genossen haben aus meinem Referat Hoffnungslosigkeit heraushören wollen. Das ist ganz falsch. Ich habe nur an- genommen, daß Sie all? eben so fest vom Siege des S o z i a l I s- mus überzeugt sind wie ich und ich wollte in diesem Kreise nichts Selbstverständliches wiederholen. Wer an den Sozialismus glaubt, erlebt ihn heute schon alltäglich. Trotz Elend und Druck spüren wir überall die Keime de» Sozialismus, trotz aller Wlnterkälte spüren wir den Völkerstühling voraus. Es kommt die neue Zeit, es kommt der Sozialismus! (Lebhafter Beifall.) Aefl(Schlußwort): Die Steuerdebatte war nicht sehr fruchtbar. Die Parteigenos- senschaft als Ganzes hat die Stenerfrag« nicht gründlich ge- nug studiert. Auch der Antrag Loeb scheint mir wenig zu geben, er leidet an Uebertreibungen und mangelndem«er- antwortlickikeitsgefühl, während meine Resolution sorgfältig abgewogen ist. Wenn wir in die Stcuerresolntion hinein- schreiben, daß die schwebende Schuld fundiert werden soll, so setzen wir un» dem Spott der Sachverständigen aus. An sich wäre diese Konvertierung natürlich erwünscht, ober sie ist keine grundsätzliche Boraussetzung der Sanierung unserer Reichssinanzen und vor allem auf mindesten, ein Menschenalter vollständig un- möglich. Wie sollen wir denn heute 2ZS Milliarden feste Anleihen unterbringen? Kein Finanzminisier könnte das durchführen. (Zuruf von Loeb: Aber deshalb können wir es doch verlangen!— Große Heiterkeit.) Die schwebende Schuld erfordert nur einen etwas höheren Zinssatz und zwingt die Finanzverwaltung, von der Hand in den Mund zu leben: aber das können wir eben jetzt nicht ändern. Von der Forderung der Unablösbarteit der Relchsanteile an den Sachwerten bitte ich Sie unbedingt abzu- sehen. Das Reich muß die gesetzliche Verfügungsgewalt darüber haben, aber wie es verfügen will, darüber ist sich beute weder die O-ffcntlicstkcit. noch die Regierung, noch die Jnterestentsnfchast klar. Bei der Inanspruchnahme der Sachvcrmögen der Landwirtschaft ist die Unablösbarkcit technisch und finanziell undurchführbar. Auch von dem Reichetommissar gegen Steuerhinte r» Ziehung oerspreche ich mir nichts. Wir haben genug De- Hörden und wir haben genug schlechte Erfahrungen mit Reichskommlstaren gemacht. Die Prüfungsflelle des Reichsfinanzministeriums muß den Kampf gegen die Steu«rhm!erz>ehunpen führen. Endlich verlangt Genosie Loeb gesetzliche Vorschriften dagegen, daß die Steuern ab- gewälzt werden. Mit welchem Zaubermittel will er das verhindern? Da» hängt doch von den ganzen wirtschaftlichen Ver- hältnisten, z. B. von der Spannung zwischen Inlands- und Welt- Marktpreisen ab. Wir sind alle entschlossen, soweit es irgend möglich ist, den Besitz zur Deckung des Reichsbedarfs hcranz ziehen, aber durch zu weitgehende Festlegung der Fraktion würden Sie die Er- reich, ng dieses Zieles nicht fördern. Die Fraktion wird mit allen Kräften dafür arbeiten, die dcuifche Arbeilerfchafl leüens- und existenzfähig zu erhallen. Damit leistet sie zugleich der deutschen Volkswirtschaft den besten D i e n st.(Lebhafter Beifall.) Nach den Schlußworten von Hoch und Keil wurde über die zahl- reichen vorliegenden Anträge abgestimmt, über die durchweg nach den Vorschlägen de? Referenten entschieden wurde. So wurden insbesondere angenommen: Die Resolution Keil zur Fi- nanzfrage, die Resolution Radbruch zur I u st i z f r a g e, die Resolution Georg Schmidt zur Teuerungsfrage und die An- frage Hollmann zur S ch u l f r a g e. GroßGerlln Die LauZaun-�nnonce. Diese Annonce stand mit vielen ihresgleichen in der Nähe der Hasenheide auf einem Bauzaun. Sie hatte eine Menge Interessenten der verschiedensten Jahrgänge. Auf dem Bauzaun hatten findige Leute zunächst mit weißer und blauer Kreide von ihrem Ueöerfluß Kunde gegeben. Der eine wollte ein überzähliges Kaninchen vertauschen, der andere einen schwarzen„Hühnerhahn*— nicht etwa einen Wasier- hahn— verkaufen. Dann folgten andere Schlaue und beten Bade- wannen, alte Kleider, Ofenrohre, Bretter, einzelne Möbelstücke an, und wieder andere klebten, das Ankreiden war zwar das einfachste Verfahren, es litt indesien unter der Witterung, mehr oder weniger weiße Zetel an, auf denen mit Bleistift, Tinte und Tusche, hin und wieder realistisch illustriert, auch größere Geschäfte vorgeschlagen wurden: Ankauf einer Drehrolle, einer Harzer Rollerzucht, Tausch von Parzellen, Kinderwagen, Pianinos, ganze Einrichtungen ufw. Di« Gegenseite war auch nicht faul, bald klebten Zettel mit Nach- fragen. Dolle Adresien wurden genannt, manchmal auch nur S-tri'ßc, Hausnummer und Stockwerk, rechts oder link». Da wurden imi"« dieselben Dinge des täglichen Lebens gesucht, gesteigert bis zu eini>n Plättgefchäst, künstlichen Gebissen mit Goldplomben. Aber dSS gehört eigentlich schon nicht mehr in das Bereich der billigen Annonce, nein, da» gehört in ein ganz anderes Kapitel. Solche Inserate sollten wirklich nicht aufgenommen werden, sie wirken direkt unmoralisch zwischen dem Angebot von jungen Katzen(nur in gute Hände abzu- geben!), alten Plätteisen, gebrauchten Kinderschuhen, denn diese Gebißinserat« und ähnliche ihrer Art haben nichts, aber auch gar nicht» mit diesen einfachen Dingen de» Alltags der Not und de» Herzens(siehe junge Katzen!) zu tun. Hinter den künstlichen Eebisicn lauert das Kopital, nicht das Nein«, nicht das armselige Händlcrtum, nein, das große, ftrupettofe, das breitet feine Saugarme aus bis an die dürftige Bretterwand im Proletariervicrtel, wo die Nähmaschine der kleinen Schneiderin, die Hühner de» Laubenkolonisten, die dürftigen Habseligkeiten des kleinen Manne» zum Kauf, Verkauf und Tausch angeboten werden. Und ganz bestimmt wird die Gebißannonce sich rentabler gestalten als die Inserate: Gebrauchter Kinderwagen..., Alte Geige.. Junge Katzen...____ Die Moröorganifatlon einer Iran. Der Raubmord an den Kunsthändler Reister. Al» Mörder des im Juni v. I. ermordeten Kunst- und Teppich- Händlers Neifser aus der Steglitzer Straß« 23 wurden. wie wir berichteten, die beiden Einbrecher Gustav P a s s a r g e und Heinrich Selzer sowie«ine Frau Helene Spant er festgenom- men. nachdem e» der Kriminalpolizei gelungen war, das in erste? Linie gegen Pasfarge vorliegende Belastungsmaterial so zu verdich- ten, daß dieser in der gestrigen Nacht noch ein G e st ä n d n i s ab- legt«. Hiernach fand die Vermutung der Kriminalpolizei, daß Pasiarge das Verbrechen mit seinem Spießgesellen Heinrich Sclzer auf Anstiften de? ihr schon viele Jahre bekannten Frau Spanier ausgeführt hat, feine Bestätigung. Da« Geständnis Pasiargcs ging noch weiter. Nach seiner Aus- sage hat Frau Spanier bei dem Kapitalverbrechen auch tätlich mitgewirkt. Nachdem sie gestern unter erschwerenden Umstän- den au» Ihrer Wohnung in der Güntzelstraße heraus verhaftet und nach dem Polizeipräsidium gebracht worden war, wurde sie gestern abend verhört. Frau Spanier spielte auch hier wie in allen früheren Kriminalfällen, in denen sie schon verwickelt gewesen war, die Entrüstete. Sie bestritt jede Mitschuld und wollte weder Pasiarge noch Selzer kennen. Zeugen, die das Gegenteil bekundeten, nannte sie Lügner und Verleumder. Zu einer aufregenden Szene kam es dann bei der G e g e nü b e r st e l l u n g des geständigen Passarge mit Frau Spanier. Passarpe blieb auch in ihrer Gegen- wart bei seiner Aussage. Dies« versetzte die Frau Spanier In eine solche Aufregung, daß sie aufsprang und sich in den wüstesten Be- schimpfungen gegen Passorge erging. Nach den Erfahrungen, die die Kriminalpolizei bisher mit dieser Frau gemacht hat, war dieses Ver- bellten zu erwarten. Aber es ist ebenso sicher, daß sie trotz Ihres Leugnens die Triebfeder bei dem Verbrechen war. Denn trotz aller Ableugnungen ist Fron Spanier eine V-rbr-cherin, wie es in Berlin kaum eine zweite gibt. Ganz abgesehen von ihren Schiebergeschäften, hatte sie seit Jahren dauernd Verbindung mit der Verbrecherwelt. Bei Hochstapeleien und Einbrüchen spürte man wiederholt ihre Hand, ohne daß es möglich war, sie zu fassen In anderen Fällen konnte sie überführt weroen, aber sie blieb wegen angeblicher Herzkrankheit bis setzt gegen Stellung einer Bürgschaft auf freiem Fuß. Es ist u. a. festgestellt, daß sie, wie w:r seinerzeit berichteten, einen Angestellten einer Reichsstell« zu einer Unterschlagung von 100 009 Mark oerleitete. Die weiteren Untersuchungen dürften bald näheres über diesen seltenen Typ einer verbrecherischen Frauennotur ergeben. Nicht fristgerecht! Alle in der ersten Sitzung der einstmaligen Berliner Stadtverordnetenversammlung vom 4. August gefaßten Beschlüsse müssen noch«Inmo, von den Gemeindebehörden bestätigt werden, well sie noch Ansicht der Aufsichtsbehörde nicht fristgerecht gefaßt worden sind, d. h. aus formellen Gründen angefochten wer- den können. Di« bekannte Verordnung vom 30 Juli 1921 zur Sicherung einer geordneten Verwaltung in der Stadtgemeinde Berlin ist am 1. August d. I. veröffentlicht und hat mithin erst am 2. August d. I. Kraft erlangt Nach den Vorschriften der Städte» ordnung und der Geschäftsordnung der Stadtverordnetenversamm- lung müssen ober die Fristen bezüglich der Einladung der Stadt- verordneten, Einberufung der Versammlung usw. gewahrt werden. Zur Vermeidung von Einsprüchen ist nun beschlossen worden, samt- llche Beschlüsse jener Sitzung nochmals am nächsten Dienstaz, den 26. d. M., ein« Lesung passieren zu lassen, um allen Bedenken be- gcgnen zu können. Allgemeiner Maulksrbzwang für Grnst-Berlin. Der Maulkcrbzwang für Hunde, der im alten Landespolizei. bezirk Berlin schon bestand und durch verschiedene Verordnungen auch in den meisten früheren Lororlen eingeführt war, ist durch Ver- ordnung des Polizeipräsidenten nunmehr auf den ganzen B e- zirt der neuen Stadtgemeinde Berlin ausgedehnt wor- den. Der Maulkorb muß so eingerichtet und befestigt sein, daß er das Beißen unmöglich macht. Dlindenführerhunde und Polizeihunde im Dienst sind vom Maulkcrbzwang befreit. Hunde, die ohne vor- lchristsmäßigen Maulkorb umherlausen, werden von den polizeilich bestellten Hundefangbeamten weggcfangen uno sind wie bisher vom Besitzer gegen Erlegung des Fangqeldes und der Futterkasten auszulösen: andernfalls können sie getötet werden. Das Fanggeld ist jetzt auf 7 M festgesetzt. Das Führen an der Leine befreit nicht vom Maulkorbzwang. Die Fangbeamten genießen auf Grund ihrer polizeilichen Bs- stätigung den erhöhten strafrechtlichen Schutz der Beamten.. Sie weifen lich durch ihr Dienstschild und auf Erfordern durch Vorzeigung ihres polizeilichen Ausweises aus. Die Beamten haben das Recht, auch solche Hunde, die ohne Steuermarke und ohne Kennzeichnung mit Namen und Adresse des Besitzers betroffen werden, aufzugreifen. Die Hund« werden im Tierhort des Ti'rschutzvereins in Berlin O. 27. Schicklerstr. 4, Fernruf Königstodt 2216, bzw. im Hundeheim des Beamten Marschall in Neukölln, Straße 66, Fernruf N?uk?''n 4249, untergebracht.__ Sonderzüge zu den Automobilreunen. Ueber die anläßlich der Automobilrennen auf der neuen Ver- suchsbahn im Grunewald getroffenen Eifenbahnmaßnahmen werden von der Eisenbahndirektion Berlin folgende Einzelheiten mit geteilt: An beiden Tagen, am Sonnabend, den 24., wie auch am Sonntag, den 26. September, hat die Eisenbahnverwallung zur Bewältigung des Verkehrs umfangreiche Maßnahmen getroffen. Für den H i n v e r k eh r stehen in der Zeit zwischen 6 Uhr und 11 30 Uhr vormittags und für den R ü ck v« r k e h r in der Zeit zwischen 4 und 8 Uhr nachmittags am Sonnabend(24.) zwischen der Stadt- bahn und Nikolassee, auf der Ringbahn zwischen Westend und Schöneberg und aus der Wannseebahn, zahlreiche Züge zur Ver- fügung, die sich aus den einzelnen Strecken zu einem Zehnminuten- verkehr ergänzen. Am Sonntag, den 26. d. M. wird zwischen der Stadtbahn und Bahnhof Nikolassee ein Fünfminuten-Vcr- kehr eingerichtet, und zwar für Hin- und Rückfahrt zu den gleichen Zeiten wie am Sonnabend. Auf der Ringbahn werden die Züge in Abständen von 10 Minuten verkehren Zu diesem verstärkten Ringbahnverkehr tritt am Sonntag noch ein halbstündlicher Verkehr von direkten Zügen nach dem Bahnhof Grunewald, und zwar vom Nord- wie auch vom Südring. Auf der Wannseebahn ist vormittags 10- und nachmittags 7)(>-Minuten-Zugfolge nach und von NIkolas- see eingerichtet. In der Zwischenzeit(von 11.30 bi» 4 Uhr) ist die Zugfolge ebenfalls vermehrt. Außerdem werde» an beiden Tagen noch Reservezüge zur Verdichtung der Zugabstände beriitgehalt.". Mnanznöte i« Potsdam. Die Finanzen der Stadt Potsdam sind ungemein schlecht unl> den Bürgern der Stadt Potsdam stehen dadurch allerlei Ueber- raschungen bevor. Mit der Einziehung der Lehrer- stellen ist man gerade im Gange, von 1 Uhr nachts ab soll die Straßenbeleuchtung abgestellt und dafür dauernder Voll» mond«ingeftelSt werden. Auch der Berufsfeuerwehr geht man an den Kragen und die Dürgerichaft soll selbst wieder zu», Spritzenschlauch greifen. Das Reinigen der Bürgersteig« soll wieder vom Hausbesitzer selbst besorgt werden. Mit den Sicd'ungs» bauten ist Holt gemacht worden. Der großen Finanznot«nt» sprechend sollen auch die Gehälter der beiden Bürger- meist«? gekürzt werden. Eine besondere Erwerbsquell« verspricht man sich daraus, daß nun Eintrittsgelder für die Gärte» Sanssouci«, Neuer Garten und ReubabeKerz von den Fremden erhoben werden sollen._ Die Wahle« zur Allgemeinen Ortskrankenkasse der Skadt Persiu. der größten Deutschland«, welcher rund 800 000 Mitglieder angs- hören, finden für die Arbeitgeber am 28. Oktober und für die Arbeit- nehmer am 29. Oktober d. I. statt. Am Mittwoch, den 14. d. M., tagte da» Komitee für die Krankenkass-nwahlen der Arbeitgeber zur Aufstellung der Kandidaten. E» wird aller Voraussicht nach nur eine List« aufgestellt werden. Ein neuer vebersee-Affe im Zoo. Im Affenhause des Zoolo- gischen Gartens ist ein Mohren-Makak aus Eelebes als Geschenk der Herren Pröttel u. Ea. in Soerabaja auf Java, altverdienter Gönner unseres Zoo, angekommen, der einen erfreulichen Beweis dasür liefert, daß unsere überseeischen Landsleute sofort miede? anfangen, den Zoologischen Garten unserer Reichshauvlstadt werktätig zu unterstützen. sobald die» nur möglich ist. Der Asse ist an sich auch hoch- interessant, da er kohlschwarz und ohne Schwanz Ist, so daß er wie ein kleiner Waldkobold aussieht Zu den psychologischen Prüfungen gutbefähigter Kinder der Groß. Berliner Gemeindeschulen, die in den letzten Wochen zum achten Male stattgefunden haben, waren diesmal 187 Knaben und 187 Mädchen angemeldet. Diese Zahlen stellen einen Rekord dar und beweisen, wie sehr die für den Aufstieg der Be. gab ten getroffenen Einrichtungen einem Bedürfnis entsprechen Nicht nur die Altberliner Bezirke, sondern auch die Vororte waren bei den Nennungen stark be'eillgt. In die Förderschulen aufge- nommen wurden aus Grund der Prüfunosergebnisse 70 Knaben und 130 Mädchen. Das Mißverhältnis zwischen den beiden Geschlechtern erklärt sich daraus, daß für die Mädchen beiondere Klassen in sechs Mittelschulen zur Verfügung stehen, während für di« Knaben nur zw»! Anstalten mit beichränkten Plotzverhältnissen (Köllnische» Gymnasium und Kaempf-Rcalschule) vorhanden sind Die Organisation des Förderschulwesens verträgt und verlangt als? noch einen weiter-n Ausbau, und es ist zu hoffen, daß diese Fragen bei den im Herbst bevorstehenden Beratungen über die Neugestal- tung der Berliner Schulverhältnisse die gebührende Berücksichtigung finden werden. Eine Jugendweihe findet in Pankow am Sonniag, den 26. d. M., in der Aula des Lyzeums um 10 Uhr vormittags statt. Parteigenossen und Freund« der SPD. werden um recht zahlreiches Erscheinen ersucht. Sine Vtasienkundgebung»»er Krie«?,vser«ran'UItkt der tzlnte.- nntionnle Bund der KriegZopler und der ZieichSbund der Krieg? delididtzten. ttriegSteilnedmer und KriegSdinterbliedenen am Senntng. 2. Oklvber.»or- mittag« 9 Uhr, in der Echulthelh-, srüber IlnionSbrauerci. Hasendaide S2/S1. Thema:»Die gegenwärtige Teuerung und die Krieg?- » p s e r'. tkaS vereinigt« jüdische Arbelter-HilfSkomitee für die Hungernden in Sowictrukland, in dem alle Richtimgen der jüdischen Arbciterichail der- treten sind,»eran stattet streilag. 23. Teptember, 8 Uhr abend?, in den .Sophienjälcn'(Weiher Eaal), Eopbienstr. 17/18, ein ö s s e n t l i cb e t, sadijchc?«rdeitermeettng. Thema:.Vte prolelarische Hilst- altion sür die hungernden Arbeiter und Bauern in Rußland*. Quittung. FItr die 100 jährig« Frau Brüsewih sind eingegangen: Frau Heden, Oranicnslrahe i» M.: P. F. 5 M.: Kapilänlculnant L. Sahl, Berlin 10 M. Wetter für morgen. Berlin«nd Umgegend. Ziemlich mild, bei mäßigen MdweMcheu Winden und bei veränderlicher vewöltung, ohne erhebliche Niederschläge. GeweBsihojwbewegung Die Brdeitsgemeinstbast Müller. Der„Verein ehemaliger Baltentümpfer" in Berlin W.' 62, K a l ck r e u t h st r. IS. unterhält unter der Harm- losen Firma„Arbeitsgemeinschaft Müller" ein Werbebureau als Arbeitsnachweis. Die„Nützlichkeit" dieser famosen „Arbeitsgemeinschaft" ergibt sich daraus, daß sie Leute In Landarbeit vermittelt, die die Landarbeit hauptsächlich als Vorarbeit zu wohl- organisierter systematischer Streikbrecherarbeit auf dem Lande betreiben sollen, während diese„nützliche" Tätigkeit wiederum nur als Uebung zu dem höheren Zweck des Sturzes der Republik gedacht ist. Den Arbeitsuchenden wird folgendes Formular zur Unterschrift vorgelegt: Nr.... Verpflichtung. Die Bedingungen für den Eintritt in die Arbeltsgemeinschaft Müller: Treudeutsche Gesinnung, Arbeitslust, anständiges Verhalten gegen Arbeitgeber und Kameraden, unbedingte Unterordnung unter T r u p p- G r u p p e n s ü h r e r und Gemelnschaftsleiter. Unterbringung bei Bauern oder auf Gütern, vierwöchige Probezeit, Tagelohn bei freier Verpflegung und Unterkunft 8 M., Monatsbeitrag an die AG. 8 M., Bestreitung der Reise auf eigene Kosten bzw. Rückzahlung der Vorschußgebühren bei der ersten Lohnzahlung, bei Entlastung Rückfahrt auf eigene Kosten, sind mir bekannt. Ich verpflichte mich, bei meinem Eintritt diese Bsdingungen innezuhalten. ...... den...... 192.. Gegengezeichnet'...... Unterschrift:...... Wer nicht im Besitz der nötigen Kleidungsstücke ist, muß sich damit einverstanden erklären, daß ihm zunächst nur ein Tgschengeld von wöchentlich 29 M. ausgezahlt wird. Weiter muß sich der Ange- wordene verpflichten, auf eigene Kosten nach Lalendorf(von Laien- dorf S Kilometer Landstraße nach Roggow) zu fahren. Den Bauern, die mit solchen Heldensöhnen beglückt werden, ist natürlich mit der„treudeutschen" Gesinnung allein nicht gedient. Sie i wollen für ihre Verpflegung, Unterkunft und die acht Mark Tagelohn auch„willige" Arbeitskräfte haben. Welche Erfahrungen sie jedoch in dieser Beziehung mit den abentcuerlüsternen Tagedieben gemacht haben, die sich als Streik-| brechet gegen die Landarbeiter und als Handlanger der Reaktion gegen die Republik gebrauchen lasten— abgesehen von den seltenen Fällen etwa, in denen die Not der Arbeitslosigkeit den einen oder anderen dazu bestimmt haben mochte, in die„Arbeitsgemeinschaft Müller" einzutreten—, das dürfte sich deutlich genug aus der folgen- den K l a g e ergeben, mit der sich der Kreisarbeitsnachweis Dramburg an das Pomm'ersche Landcsarbcitsamt in Stettin gewandt hat: Kreisarbeitsnachweis Dramburg, den 18. Juli 1921. des Kreises Dramburg. An das Pommerfche Landesarbeitsamt, Stettin. Zum dortigen Schreiben vom 18. vorigen Monat». — Br.-B. Nr. ZZM L. A. 1.— In der letzten Zeit mehren sich die Fälle, wo großstädtische Erwerbslose, zum Teil Berliner, von dem„Verein ehemaliger Baltenkämpfer in Berlin W. 82, Kalckreuthstr. 18, auf Arbeits» stellen im hiesigen Kreise geschickt, beim Kreisarbeitsnachweis vor- sprechen. Abgesehen davon, daß diese Leute weder Lust zur Landarbeit haben, noch dazu fähig sind, erscheinen sie in einem derartig zerlumpten und oerlausten Zustande, daß Arbeitgeber, welche unmittelbar im Bureau mit diesen Leuten zusammentreften, von vornherein auf solche Kräfte verzichten. Wir bitten ergebenst, die.Bereinigung" auf diese Zuttände aufmerksam zu machen. gez. Unterschrift. Di«„Vereinigung der ehemaligen Baltenkämpfer" bzw. die „Arbeitsgemeinschaft Müller" wird an diesen Zuständen wenig ändern können. Wie Bismarck gestehen mußte, daß anständige Leute i nicht für ihn schreiben, so müstcn auch sie gestehen, daß anständige �Arbeiter nicht für sie arbeiten. Es bleibt wohl nur der Trost der Vermittlungsprovision, die die Arbeitgeber wahrscheinlich in jedem Falle zu zahlen haben. Un» scheint, als läge es denn doch nicht ganz außerhalb des öffentlichen Interesses, sich solche„Arbeitsnachweise" etwas näher anzusehen und ihnen mit möglichster Beschleunigung das Hand- wert zu legen. Einmol verstehen sie von der Arbeitsvermittlung nicht»— wie das vorstehende Schreiben zeigt—, weiter aber ist es ihnen überhaupt nicht um die Arbeitsvermittlung zu tun, sondern um die Rekrutierung von Kapp-Lüttwitz-Garden, die in den ländlichen Schlupfwinkeln samt der nötigen Munition bereit gehalten werden. E» ist wirklich an der Zeit, all diesen„Ehemaligen" schärfer auf die Finger zu sehen._ Lohnbewegung in der Binnenschiffahrt. Di« am 12. September abgebrochenen Verhandlungen mit dem Arbeitgeberverband für Binnenschisfahrt. Truppe Elbe, wurden am 21. September fortgesetzt. Die Ijntemehmer erklärten nach längerer Verhandlung sich bereit, den Lohn ab 8. Oktober um 6S resp. 70 M. pro Woche zu erhöhen. Der Wochenlohn beträgt ab Z. Oktober: für Kapitän« 340 M.. für Dampfersteuerleute 330, für Kahnsteuerleute 330. für Deckleute 310, für Maschinisten 840 und für Heizer 310 M. Vom 12. September bi» 2. Oktober soll eine Teuerungszulage von 40 M. pro Woche zu den Tariflöhnen gezahlt werden. DI« Arbeitnehmer werden in Mitgliederversammlungen zu dem Resultat Stellung nehmen und bis zum 29. September dem Arbeit-■ geberverband die Entscheidung über Annahm« oder Ablehnung mit- teilen._ Streik der Seiler in BreSla«. Infolge Lohndifferenzen haben iämtliche Seilergesellen Bres- laus bei den Firmen Kaschube u. Döring, Karl Rudolph, Julius, Friedmann, Rudolf Mirus und Alexander Gottwald die Arbeit«in- gestellt. Zuzug der Seilergcsellen ist strengstens fern zu halten.— Alle arbeitersreundlichen Zeitungen werden gebeten, diese Notiz zu übernehmen. Die Streikleitung. hafte« Intereste der gesamten vrbetterkreise. Die Eisenbahner mögen sich nicht durch Fortsetzung des Streit» zu einem Werkzeug der Reaktion herabwürdigen lasten. Der verband weiblicher Handels- und Bureauangestellteu hatte in Berlin 4 große Versammlungen mit dem Thema:„Brauchen wir Frauen Rechte?" angekündigt. Schon die erste Ver- sammlung war ein gut bürgerlich-gedlegener Reinfall. Es waren — hoch gezählt— etwa 40 Personen anwesend. Entgegen der sonstigen Gepflogenheit(der Verband weiblicher Handels- und Vureauangcstellter hält allgemein nur Mitgliederversammlungen ab) hatte man den Versuch unternommen, an die b r« i t e st« Oeffentlichkeit heranzutreten. Aber die Derbandsleitung muß wohl von vornherein auf keinen großen Zustrom gerechnet haben, denn die„große Versammlung" fand in einem Vereinszimmer statt. Die neue Lorsitzende las im vertrautesten Kreise ihren„Vor- trag", der den geistigen Tiefen der Derbandsstugblätter voll und ganz entsprach, ab. Die Ausführungen Frl. Müllers plätscherten sanft dahin. Da die Getreuesten der Getreuen ganz unter sich waren, kam eine Diskussion natürlich nicht zustande. Es soll naive Gemüter gegeben hoben, die erwarteten, daß eine Vertreterin des Zenttal» Verbandes der Angestellten diesem Zirkelchen in seiner geistigen Armut helfend beispringen würde. Doch e» lohnte wirklich nicht der Mühe. Wenn je, so aalt hier da« bekannte Wort:„Reden ist Silber, Schweigen ist Golo." Achtung! Zimmerer! Hiermit allen Funkttonären des Zenttal- Verbandes zur Nachricht, daß morgen abend 8>4 Uhr eine Sitzung im Eewerkschaftshaus, Saal 10, stattfindet. Erscheinen ist Pflicht. Der Vorstand. Au« Zlordftankreich melden die Pariser Morgenbläner. daß der Arheitgeberverband der Metallindustrie von Roubaix und Tourcoing den streikenden Arbeitern mitgeteilt hat. ihr« Löhn« würden in derselben Weise wie die der Texrilarbeiler, mit denen sie gemeinsame Sacke gemacht haben, herabgesetzt werden. Die Arbeitgeber sind der Ansichr, daß die Arbeiter durch diesen Streik den gegenwärtig geltenden Arbeitsvertrag gekündigt baden. Verantwortlich für den redatt. Teil: Vittor Schill, Berlin; für Anzeigen: Tli. Sttoae. Berlin. Berlag: VorwarlS-verlag®. in. t>. t.. Berlin Vtnrf«ob- B>art«-*Mi(l)t>nicferei u VerlaaSanttail Bau! Linaer Co. Berlin Sinbc tfft. S. Ter Wieuer Eisenbahnerstreik beendet. Wfieu, 22. September.(Eigener Drahtbericht des.vorwärts".) De» ftik einigen Tagen geführte Streik der Eisenbahner aus dem West-, Ost- und Südbahnhof, der den Verkehr auf diesen wichttgen Bahnhöfen stillgelegt hätte, ist mit vollem Erfolg für die Arbeiter und Angestellten beendet. In den Verhandlungen hat die Regie» rung zugesagt, die Teuerungsbeihilfe von 4S00 Kronen für den Monat September auszuzahlen und zwar an alle diejenigen, welche die Arbeit sofort wieder aufnehmen und natürlich auch an die, die die Arbeit nicht erst niedergelegt hatten. Die Organisation der Eisenbahner fordert zur sofortigen Wiederaufnahme der Arbeit auf und auch der sozialdemokratische Parteivorstand führt in einem Aufruf aus, daß die Fortführung des Stteiks nicht im Intereste der gesamten Arbeiterschaft löge; für die Arbeiterschaft sei es be- sonders wichtig, über das Verkehrswesen als eines der wesentlichsten Machtmittel zu verfügen, und den Verkehr in der jetzigen gefähr- lichen Situation Deutschösterreichs aufrechtzuerhalten, sei«In leb- Gewinn-Auszug 18. Brettß.-Südd.<244. Breuß.) Nlaffen»Votterie i.«läge J. zi-hungit-g«. Sept-md-r 1921 aiu!;•»« gezogen» Miuninft flnO zwei pleleh yohr ' dl» Cof« gleichet Tta and zlvnt|» einer onl Mdlellnngen I and N rinn« gefallen. In den beiden Cime itnoain.«adibmi oerbotaL I» bei vorwittagtzUhimg wurde» Okw tau» Ua«90 vlart gezogm» 3 un 40000 II 163401 6 t» 10000 H 331 107803 301483 4 ta 6000 M 166337 204233 14«D 3000 M 28324 76138 113951 166833 964753 383434 988061 18 ra 1000 U 6470 12707 100270 116099 166368 178329 346274 37131» 384068 I» btt«achmltt-gUzlehim, wurde»«ewlu» wa«90 Btoi gtzogau 3 tu 100000 U 59069 3 t» 30000 M 319618 9 ta 10000 M 33094» 4 xa 6000 M 14557 166980 12 XQ 3000 M 10063 23640 60684 37183 170449 373038 30 X» 1000 U 66860 131461 130673 133766 187361 188947 188110 334799 346236 369113 DK Ii«ew»onKDndn 8nrl«t-JUix«i»ic*i nnattnn»Kdrlttm Stwle«»1x4 ,»« den Linen xa»rtrbta, 4K bei 4»»14,111»«, Ctlltri» EUatbacra ur lacatgclllifkei Eiailibt txtlKgtn. Achtung!! Chauffeure!! Hohe Velohnnnst für Wiederbriugung eines Aktenstückes in l Rollenform, eiugeschl.in dünnes weißeS Papier Verlierer deilieg mit Frau und Tochter an 20 Sept. abends zwischen 9 und 9 30 Uhr eine Auiodroschle in der Ioachimslhaler Straße gegenüber dem �taladu". Die Fahrt ging durch Kur-ürflendamm, über Halen-| leer Brücke ÄontgsaUee nach fflcunetnalb, Siemeusstraße. Die VUenroDe blieb in dem Auto zurück. Wiederbringer erhält ohne Legitimationoprllfung sehr i hoche Belohnung. Der Chauffeur, der bezeichnete Fahrt ausgeführt hat, wird auch dann gegen hohe Belohnung um Meldung gebeten, wenn er die Rolle nicht gefunden hat. Sämtliche Milteiiiingen richte man an LiOld> «Sie Metier SriWOer& lüiiur STD 68, Zrlodrlchftr. 208. Zentrum 2158 Brsbhl. Ausführung. S Jahre Garantie. Umarbcitg. alt. Oebisse- an Renaraiuren sofori. Goldkronen Brücken. Teilzahl J)-7, Sonnt. 9-1. nahe Schönhauser Tor. Zäbneion?" Hempel, Dentist, Linienstr. 220, Prima Kalbfell. Schul- Tornister 50 H. 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