Nr.44�ZS. Jahrgang Msgabe A Nr. 227 BczngSvrets: ?;ikr!klISHrI.Za�-M„ mvn!»I.I<�— M. frei ins z>Lus. voraus zaizldar Po». drzug: ZÜonallich 10.— P!. einschl-Zu» sirUunqsgtblllis Unier Kreuzdand nir ?>e>l!schIanV Danzig. das Saar- und Mraietordir», sowie die ehemals beul» scheu Gebiet» Polen», Oesterreich. Ungarn und Luxnndurg 20,— M, sllr das übrig« Ausland 27.— 3Jt. Post- destellungen nehmen an Oesterreich, Ungarn, Tschecho■ Elowaler. Dane» cmtl Holland, Luremdurg. Schweden und die Schweig, Der„Dorwarrs� mn der Sonmags. beileg«„Boll und Reit*, der Unter« baliungsdeilag,«Heiinweli" und der Beilage.Siedlung und RIeingarlen* «rjcheint wochentäglich zweimal. Sonn- tag» und Moiuags einmal. Telegramm-Adreste: .SojialOeinotcat OttUn" Morgen Ausgabe c OroB- Berlin SO Pf. auswärts 40 Pfennig D Berliner Dolksblntt Anzeigenpreis: Die»chtgeivallene Ronpareivezeile kostet t— M.„meine Anzeigen- da» teltgedruckle Wort Z,— M. i,u- lässig zwei settgedruckte Worte!, jede» weitere Wort l,— M. Stellengesuche und Schlasstellenanzeigen d»s erste Wort l.— M» iede» weiter» Wort 60 P(g. Worte Uder 15 Buchstade» gehlen für zwei Worte. Aamillen-An- zeigen liir Abonnenten Reil» Z,k>0 vi. Die Preise verstehen sich einschließlich Teuerungs'uschlag. Anzeigen sUr die nächste Nummer müssen dl, S Ahr nachmittag» im Hauptgeschäft. Berlin SD W. Linden- straße ll, abgegeben werden. GeSfsnet von S Uhr jriih dt« 5 Uhr abend». Zcntvalovgan der fozialdcmokrati fehen Partei Deutfcblands Neöaktion und Expedition: EW ö8, Lindenstr. Z Ä-«-r,rt»,re'ri,er- Ncdaktion Nkorihplat, ISIVS- S7 e,t.rn,g»rtnii.r. Moritsplah II? 5a— 54 Freitag, den 23. September 1921 HB Vonvärts-Verlag G.m.b.H., EV öS, tindenstr. Z rCiMMtilirrrlifr• Verlag,«kxvrdition und Inseraten- »vriHiprcoicr� ii75S-5i Der Görlitzer Programmentwurf. Görlitz, 22. September.(Eigener Drahtberich! des„Vor- wörts".) Die Drogrammtommlssion hat heute uochmiltag nach drei- iägiger Beratung mit 24 gegen 2 Stimmen bei 2 Enthaltungen be- ichlossen, einen in ihrem allgemeinen Teil neu e n t- worfenen. Im besonderen Teil abgeänderten Pro- grommcatwurs dem Pgricitag zur Annahme zu empfehlen. Der Entwurf hat in seinem allgemeinen Teil folgenden Wortlaut: Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands ist die Partei des orbritendcnDolke» in Stadt und Land. Sie erstrebt die Zusammenfassung oller körperlich und geistig Schassen- den, die aus den Ertrag eigener Arbeit angewiesen sind, "i gemeinsamen Dekeunlnissea und Zielen, zur Kampfgemeinschast für Demokratie und Sozialismus. Die kapitalistische wirtichast hat den t wesentlichen Teil der durch die mcderne Technik gewaltig entwickelten Produktionsmittel unter die Herrschaft einer verhältnismäßig kleinen Zahl von G r o ß- bcsihern gebracht, sie hat breite ZNaisen der Arbeiter von den Produktionsmitteln getrennt und in befihlose Proletarier oerwandet!. Sie hat die wirtschaftli6)e Ungleichheit gesteigert und einer kleinen, im Uebersluß lebenden Minderheit weite Schichten entgegengestellt, die in Not und Elend verkümmern. Sie hat damit den Klassenkampf für die Befreiung des Proletariats zur geschichtlichen Notwendigkeit und zur sittlichen Forderung gemacht. Der Weltkrieg und die ihn abschließeuden Frieden«- h ik t ake haben dieien Prozeß noch verschärft. Sie haben die Konzentration der Betriebe und des Kapitals beschleunigt, die Kluft 'wischen Kapital und Arbeit, Reichtum und Armut erweitert. 3n Industrie und Bankwesen, In Handel und Berkehr hat eine neue Epochedcr Angtiederungen und Berschmelzungcn, der Kartellierungen und Berlrustungen eingesetzt. während rücksichtsloses Gewiunstreben eine neue Bourgeoisie von Krlegstieferanten und Spekulanten emporhob, sanken kleine und mittlere Besitzer, Scharen geistiger Arbciier. Beamte, Angestellte. Künstle?. Schriststeller, Lehrer, Angehörige aller Art der freien Berufe zu proletarischen Lebensbedingungen hinab. Korrumpicrung des öffentlichen Lebens, wachsende A b- hängikeit der"bürgerlichen Presse und übermächtige W i r t s ch a s t» d i k l o t o r e n. die auf diese weise den Staat unter ihre Bolwäßigkeit zu bringen versuchen, sind unausbleibliche Folgen. Die Entwicklung zum h o ch k a p i t a l i s m u s hat das Streben noch Beherrschung der Weltwirtschaft durch imperiaNstische Macht- er Weiterung noch gesteigert. Sie bat ebenso wie die unbefriedigende Lösung der nationalen und wirtschastlichen Weltprobleme durch die geltenden Friedensverträge die Gefahr neuer Konflikte heraufbeschworen, die den Zusammenbruch der mensch- l I ch e n Kultur herbeizuführen drohen. Zugleich hat der wettkrieg morsch« Herrschaftssysteme hinweg- g-sezk. politische Umwandlungen haben den Massen die Rechte der Demokratie gegeben, deren sie zu ihrem sozialen Aufstieg bedürfen, Eine gewaltig erstarkte Arbeiterbewegung, groß geworden durch die ruhmvolle, opferreiche Arbeit von Generationen, stellt sich dem Kapttatismos als ebenbürtiger Gegner zur Seile. Mächtiger denn se erhebt sich der Wille, da» kapitalistische System zu überwinden und durch internationaieu Zusammenschluß des Proletariats, durch Schaffung einer zwischenstaatlichen Rechtsordnung, eines Weltbundes gleichberechtigter Böller die Menschheit vor neuer kriegerischer veruichiung zu schützen. hier dem willen den weg zu weisen, den notwendigen Kampf der schaffenden Masie zu einem bewußten und e! n h e i t- l i ch e n zu gestalten, ist die Aufgabe der Sozialdemokratischen Partei. Die Sozialdemokratisckze Parle! ist entschlossen, zum Schuhe der errungenen Freiheit das letzte einzusetzen. Sie betrachtet die demokratische Republik als die durch die gcschichk- llchc Entwicklung untviderruslick» gegebene Staatssorrn. einen An- griff auf sie als ein Alientat auf die L c b c n s r e ch t e des Volkes. Die Sozialdemokratische Partei kann sich aber nicht darauf bc- schränken, die Republik vor den Anschlägen ihrer Feinde zu schützen. Sie kämpft um die Herrschast des im freien Bolksstaat orgamsierlen Voikswillens, um die Wirtschaft, um die Erneuerung der Gesellschaft Im Geiste sozialen Gemelnsinns. Die Zlebersührung der großen konzentrierten Wirt jchaslsbe triebe in die Gcmeinw irkschaft und darüber hinaus die fortschreitende Umformung der gesamten kapitalistischen Wirtschast zur sozialistischen Wirtschaft zum Wohl der Sesamtwirt- schaft erkennt sie als notwendiges Mittel, um das schaffende Volk aus den Fesseln der Kapitoishevi-schast zu befreien, die Produktions- ertröge zu steigern, die Menschheit zu höherer voUsivirtschasttlcher und sittlicher Gemeinschaft empvrzusühren. 3n diesem Sinne erneuert die Sozialdemokratische Partei Deuftchlands ihr im Erfurter Programm niedergeieztes Bekenntnis: Sie kämpft nicht für neue Klasienpnvilegien und Borrechts. sondern ssir die Abschaffung der kiassenherrschast und der Klassen zelbsl und für gleiche Rechte und gleiche P s t i ch k e n oller, ohne Unterschied des Geschlechts und der Abstammung. Sie führt diesen Kampf in dem Bewußtsein, daß er das Schicksal der Menschheit entscheidet in nationaler wie in internationaler Gemeinschaft, sie führt ihn in Reich, Staat und Gemeinde. in Gewerkschaften und Genossenschaften, ln Werkstatt und Haus. Für diesen Kampf gelten die Forderungen, die in den folgenden Einzelprogrammcn aufgestellt sind. (Es folgen nun die Einzelprogramme, in der Haupi- fache nach den früheren koinmisslonsbeichlussen, mit einigen Abänderungen. Sie umfassen: wlrischaftspolitik, Sozialpolitik. Finanzen, Verfassung und Bcrwailuna, Gcmeindepolitik, Rechtspflege, Kultur- und Schulpolitik.) ♦ Die Pcogrammdebnlle dürfte noch Freitag vormittag beginnen. Die Kommission hat ihren Vorsitzenden, den Genossen Paul L ö b e, mit der verichterstaitung über den Entwurf beauftragt. -» Das„B. T," hat bereits in seiner gestrigen Morgenausgabe einen angeblichen Programmentwurf veröfsentticht. Es handelt sich in Wirklichkeit um den Vorcntwurf zu dem obigen Entwurf, der zur Zeit seines Abdruckes im„B. Z." noch von der Kommission durchberaten und in mehreren Punkten erheblich abgeändert wurde. Zur Vcrössentlichung war dieser Aorentwurf in keinem Falle bestimmt. Wenn es auch dem Spürsinn des„B, T."-Bericht- crstatters alle Ehre macht, daß er diesen nur für die Kommissions- Mitglieder bestimmten Vorentwurf auf eine unerklärliche Weise sich zugänglich zu machen wußte, lo können wir doch einen guten journalistischen Brauch nicht darin erblicken, daß unfertige und noch nicht für die Oessentlichkeit bestimmte Schriftstücke aus einer Kommission hinausgetragen werden. Regierungsorakel. In der bürgerlichen Presse ist jetzt ein großes Rätselraten begonnen worden. Man sucht sich in Kombinationen über die mögiiche Aus-und Umgestaltung der preußischen und der Reichsregierung gegenseitig zu übertreffen. In dem Augenblick, da angekündigt wird, daß der neue baye- rische Ministerpräsident nach Berlin kommen und die durch den Rücktritt Kahrs plötzlich unterbrochenen Berhandlungen über den bayerischen Ausnahmezustand wieder aufnehmen will, macht man durch Weitcrverbreitung von allerhand Gerüchten .neue Schwierigkeiten in bezug auf die Reichsregierung. Wir haben schon auf die systematische Hetze gegen denReichskanzlerDr. Wirth hingewiesen, gegen den plötzlich aus Hunderten von Kanälen ätzende Säure gesprengt wird. Dabei beruft man sich auf Stresemann, der wiederholt in Bersammlungen gegen den angeblichen Radikalismus Wirths angerannt ist. Derselbe Stresemann, der die Angriffe auch in einer Psorzheimer Versammlung wiederholte, nahm dort die Gelegenheit war, zum Beschluß des Görlitzer Parteitages seinerseits Stellung zu nehmen. Er erklärte, daß seine Partei auf dem Boden der Weimarer Verfassung stehe. Wenn an ihn die Frage gerichtet werde, ob er zu einem Zusammenarbeiten mit der Sozialdemokratie bereit sei, dann beantworte er diese Frage mit einem glatten Ja. Man müsse zu einer Ar- beitsgemeinschaft mit der Sozialdemokratie kommen. Er freue sich über den Beschluß des Görlitzer Parteitages, der einen Weg zur Verständigung in Preußen und im Reich eröfsnae Die Reichst ag.sjrattioR seines Partei« die in diqcvTagen in Heidelberg beisammen war, habe ihm zu dieser Zusammen- arbeit mit der Sozialdemokratie Unterstützung zugesagt. Stresemanns Freude in allen Ehren. Cr aber und alle, die jetzt schon die Regieningsfelle verteilen möchten, werden sich vor Augen halten müssen, daß der Beschluß von Görlitz keineswegs eine positive Bindung der Sozial- demokratie in der Richtung enthält, daß sie eine Koalitions- regierung mit der Bolkspartei bilden muß. Vielmehr soll er. wie das in Görlitz deutlich genug ausgesprochen wurde, den Fraktionen für eine solche Möglichkeit nur die Hände frei- machen. Wird also einmal die Frage der Verhandlung akut, so wird es im wesentlichen darauf ankommen, welches g e- meinsame Regierung sprogramm die Parteien aufstellen können. In Görlitz sind für diese Verhandlungen Mindestforderungen erhoben worden, die von jeder Partei berücksichtigt werden müssen, die mit der Sozialdemo- kratie die Verantwortung der Regierung zu teilen gedenken. Daß Stresemann diese Mindestforderungen akzeptiere, hat er auch in Pforzheim nicht gesagt. Man wird also in dieser Be- ziehung noch weitere Aeußerungen abwarten müssen. Aber unterstrichen soll doch beute schon werden, daß die Sozial- demokratie nicht daran denken kann, auf das Manöver hinein- zufallen, das jetzt in der Presse eingeleitet wird, ihrerseits den Reichskanzler Wirth stürzen zu helfen. Selbst wenn Strese- mann persönlich an dem Spiel mit beteiligt wäre. Wir gehen nicht fehl in der Annahme, daß sich auch sämt- liche Mitglieder des Reichskabinetts entschieden gegen diese Treibereien ausgesprochen haben und ihrerseits an der Reichs- kanzlrtsthast Wirths aus außen- und innenpolitischen Gründen sesthastcn, Die oberschiesische Frage. Vericht der Internationalen Gelverkschastskommisfion. Der Internationale Gewerkschaftsbund hatte gegen Ende 19Z0 die Entsendung einer Delegation nach Oberschlesien be- schlössen. Wie erinnerlich, begaben sich daraufhin am 13. Juni, also mitten während des Polenaufstandes, I o u h a u x und Fimmen als Vertreter des JGB. in Begleitung des Ge- Nossen Kohl vom ADGB. und Z u l a w s k y fiir die polni- schcn Gewerkschaften nach Oberschlesien, um über die allge- meine Lage und insbesondere über die wirtschaftlichen Bedin- gungen Oberschlesiens, ferner über die Lage der Industrie und der Arbeiterschaft Erhebungen anzustellen. Der Bericht der Kommission liegt nunmehr in einer kurzen Broschüre vor. Er enthält eine Fülle von Material zur Beurteilung der wirt- schaftlichen und sozialen Verhältnisse Oberschlesicns. Die stritti- gen Fragen wurden durch Vernehmung beider Teile zu klären versucht. In außerordentlich scharfer und eindeutiger Weise betont der Bericht die wirtschaftliche Einheit Oberschlesiens. Es heißt da u. a.: Das oberschlesische Problem ist ein wesentlich wirtschaftliches, und der Kampf der beiden Nationen ist im Grunde ein Ringen um den Besiß der Bodenschätze und der von ihm abhängigen In- dustrie... Eine Erwögung drängt sich hier vor allem auf. die von um so größerem Gewicht Ist. als sie ovo beiden Seiten anerkannt wird: Sie geht davon aus, daß das in Frage kommende Gebiet— und zwar nicht nur das verhötkntemSßig kleine eigentliche 3ndustriegebiet. in dem die Fabriken konzentriert sind, sondern auch die Rochbarregionen mit Ihren Rohstosfquellen eine Einheit formen... Noch andere Faktoren bestimmen diese wirtschaftliche Einheit dieses Gebietes: die Verkehrsmittel(ein wichtiges Eisenbahn- netz, Kleinbahnen, Straßenbahnen). Von Wichtigkeit ist auch die Wasserversorgung. Das Industriegebiet hat nicht genügend Wasser für Hausgebrauch und Industrie und ist mit seiner Wasser- Versorgung auf das Zentralbecken angewiesen. Wahrscheinlich wird auch Grundwasser aus dem Tarnowitzer Kreise in Anspruch genommen werden müssen. Schließlich kommt auch die Erzeugung der elektrischen Kraft in Betracht. Sie wird von zwei Stationen der oberschle- fischen Elektrizitätswerke in Chorzow und Zaborze, die an den äußersten Enden des Gebietes gelegen sind, besorgt. Diese Feststellungen müßten zusammen mit der Tatfache, daß die Abstimmung eine unbestreitbare deutsche Mehrheit er- aeben hat, zu dem Schluß führen, daß Oberschlesien zu Deutschland gehört. Diese politische Schlußkolgerung sieht die Delegation des Internationalen Gewerkschaftsbundes nicht, sie war auch nicht dazu eingesetzt, politische Entschei- düngen zu fällen. Dagegen geht sie sehr ausführlich auf die wirtschaftlichen Momente ein, die für die Zuteilung Ober- schlesiens an Deutschland oder Polen in Frage kommen. Hier sind im allgemeinen die deutschen und die polnischen Angaben einander gegenübergestellt, ohne daß die Kommission in den Einzelfragen zu bündigen Schlußfolgerungen kommt. Sehr bemerkenswert ist, was die Gewerkschaftsdelegation zu dem Zlrbeiterproblem sagt: Die Delegation ist der Meinung, daß die Boraussetz unz für eine wahrhafte Lösung des vbeeschlestschen Problems die R e- spektierung der Arbeiterrechte ist, deren Mißachtung tiefste Unzufriedenheit und Erregung erzeugen würde. Den Arbei- tcrn der beiden Nationen muß bei der Zuweisung des Gebietes, wie immer die Entscheidung satten mag, die absolute Gleichheit und Unabhängigkeit garantiert werden... Die Entscheidung wird nationale Minderheiten bestehen lassen: diese Minderheiten müssen geschützt und ihnen dieselben Rechte zugestanden werden wie der Mehrheit. Den Arbeiterorganisationen fällt in dieser Lage der Dinge«ine äußerst wichtige Rolle zu. Bon ihnen vor allem wird es abhängen, daß alle diese Bedingungen geprüft und verwirklicht werden, die für die Wiederherstellung des Friedens der proletarischen Interessen unerläßlich sind. Die De- legation ist der Meinung, daß es Pflicht der oberschlesischen Käme- raden ist, alle ihre Kräfte einzusetzen und durch ihre Aktion, die Hand in Hand gehen muß mit dem Kampf gegen die kapitalistische Ausbeutung und für die Befreiung der Arbeiterklasse dem Ideal drs proletarischen 3vternationalismus den Weg zu bahnen, und damit allen Konflikten dieser Art für immer ein Ende zu machen. So schlägt die Internationale Delegation denn eine Re- gelung vor, die dem oberschlesischen Industriegebiet einschließ- iich der Randbezirke seine einheitliche Form läßt. Das Land. dem Oberschiesien zugeteilt wird, darf nicht die Möglichkeit er- halten, es einfach zu annektieren, um es vom anderen Lande völlig loszureißen, um feine Bodenschätze und Hilfsquellen ausschließlich zum eigenen Borteil zu nutzen. Die berechtigten Ansprüche beider Nationen müssen Berücksichtigung finden. Zollschranken zwischen den beiden Ländern dürfen nicht er- richtet werden. So oerlanqt die Kommission für das Industrie- gebiet die wirtschaftliche Autonomie. Diese soll ge- sichert werden durch ein Organ des Völkerbundes, in den Deutschland sofort aufzunehmen ist. Die Gewerkschaftstommission oerlangt ferner unter allen Umständen die Ausrechterhaltuns der gestehenden jo z i a I e N Gesetzgebung und ihren weiteren Ausbau, um die De- uölksrung zu beruhigen. Sic fordert weiter die S o z i a l i- fierung der Großbetriebe, die die Autonomie der Wirtschaft und Verwaltung vervollständigen muß: Die Tatsache, daß diese Betriebe sich in den Händen deutscher Unternehmer befinden, stellt, wie immer die Entscheidung fallen mag, eine große Gefahr dar... Verbleibt da« Gebiet im Nahmen Deutsch- lands, so steht zu befürchten, daß da? Unternehmerti»v, ungeachtet aller Garantien, seine Machtstellung zu Repressalien gegenüber der polnischen Bevölkerung mißbraucht! kommt das Gebiet an Palen, wäre diese Gefahr zwar minder groß, um so schwerwiegender jedoch der Umstand, daß die Kapitalisten die Möglichkeit hätten, die wir t- s ch a f t l i ch e Ex i st c n z und die Interessen der Bevölkerung des Landes zu gefährden. Der Bericht schließt: Oberschlesien darf nicht länger die Ursache der Völkerzwictracht sein— einer Zwietracht, die einen neuen Krieg heraufbeschwören kann— sondern es muß ein Bindeglied zwischen den bei- den Völkern werden und das Unterpfand ihrer Versöhnung in der gemeinsamen friedlichen Zusammenarbeit. Dies ist das Ziel, zu dessen Verwirklichung die Delegation die deutschen und polnischen Ge- werkschasisorganisationen und alle in der Gewerkschaft vereinigten internationalen Arbeiter aufruft. Schließlich legt die Delegation Wert darauf, festzustellen, daß die Untersuchung an sich ebenso wie die hier vorgeschlagene Lösung des Konfliktes eine neuerliche Be- kräftigung der vrm internationalen Prcletariat verteidigten Grund- sähe ist. Es gibt keinen deutschen Sozialisten, der nicht die Politik der Versöhnung, wie sie von der Gewerkschastsdetegation vor- geschlagen wird, von ganzem Herzen wünschte und billigte. Das Gesamturteil bekräftigt aber die deutsche Auffassung, daß O b e r s ch l e s i e n z u D e u t s ch l a n d g c h ö r t. Jedenfalls aber würde die Einsetzung einer Völkcrbundsverwaltung neben neuen Losten eine Aenderung desFrieden svcrtra- g e s bedeuten, die eine weitere Verzögerung der Entscheidung mit sich bringen würde. Was aber Oberlchlesien und das Reich am meisten nötig hat, ist eine rasche und gerechte Entscheidung in der Frage der Staatszugehörigkeit. Alle übrigen Fragen find teils im Friedensvertrag, teils im Autonomiegesetz beut- scherseits erfüllt: die S o z! a! i s i e r u n g der Großbetriebe ist eine Forderung der Sozialdemokratie, die in demselben Maße durchgeführt werden wird, wie das Proletariat an Macht ge- winnt. Ob der kapitalistische Völkerbund für diese Forderung großes Interesse haben wird, ist fraglich. * Wirth über Oberschlesic». In der neuesten Nummer der„Europäischen Staats- und Wirt- schafts-Zeitung" äußert sich Reichskanzler Dr. Wirth über„O der- fchlefien— unsere größte Sorge!" Er sagt u. a.: „Solange nicht die Entscheidung Über das Schicksal dieses Landes gefallen ist, so lange können wir alle nicht frei atmen. Und wie dann die politische Lage ist, wenn die letzte Entscheidung im Gegensatz zu Recht und Gerechtigkeit gefällt wird, das kann heute kein Mensch mit Sicherheit sagen. Sooiel ist aber sicher, daß dann die Zukunft für das oberfchlesische und das deutsche Volk überaus trübe werden wird." Der Rcichstanzler oerweist dann auf die einleitenden Worte der V ö l k e r b u n d s a tz u n o, die es als wesentlich bezeichnen, die Gerechtigkeit herrschen zu lassen, und fährt fort: „Wenn der Völkerbundsrat sich bei seinen Vorschlägen von diesem Grundsatz leiten läßt, dann kann die obcrschlesischc Frage ge- löst werden. Wir wollen nichts anderes als Gerechtigkeit. Rur Gerechtigkeit, ruhend auf dem Seibstbestimmunsrecht der Völker, kann dem oberschlesifchen Volk den Frieden geben, den es dringen- der als alles andere braucht. Wir wetteifern nicht um die Gunst irgendeines Lertrelers im Völkcrbnndsrat und im Obersten Rat, wir hoffen auf die Gerechtigkeit, weil das ganze deutsche Volk ohne Unterschied der Partei von den Gedanken unseres Rechts erfüllt ist. Eine Enttäuschung dieser Hoffnung wäre einfach uncr- t r ä g l i ch, und zwar nicht nrir für das deutsche Volk allein, sondern für olle die, die uoch an den Sieg des Rechts in der Welt glauben." Momentbilüer aus Görlitz. Hugo Keller, der Veteran der Sozialdemokratie in der Lausitz. Bescheiden, innerlich erregt, tritt er— nachdem am Eröffnungstag die Bachsch? Fuge in der Siadthalle verbrnust, das Sturmlied der Görlitzer Arbeitersänger oerklunaen ist— an das Podium. Es wurde ganz still im weiten Raum. Ein schlichter Mann der Parteitradition erlebt in diesen Minuten eine Art Genugtuung, Belohnung für lange, zähe Klein- und Pionierarbeit in der sozial- dcmokratilchen Bewegung. Der kleine Kops des gedrungenen Greises wird von einem langen Graubart geziert. Schwere und tiefe Furchen von Arbeit, Sorge und Alter ziehen sich quer über die Stirn, umrahmen in einem Halb- kreis die kleinen, aber noch klaren Augen. Lose liegen spärliche weiße Haare an den Ohren und aus der Stirn.--- Kellers Stimme wird jung und warm, als er aus der Sozia- listengesetz-Zeil berichtet und die Einigung aller Proletarier herbei- wünscht. Man fühlt, der Wunsch kommt aus dem Herzen. H e r m a n n Müller, Parlcivorsitzendcr. Im Reichstag heißt er Müllcr-Frankcn. Seine Stimme ist frisch— seine Rede haarscharf. Knappe Sätze formiert er in Reih und Glied. Läßt sie in logischer Folge ausmarschieren und würzt mit satirischen Nuancen. Der große, starke Körper ragt weit über die Oberkante des Redncrpults. Seine untere Gesichtspartie, die, wenn oom Munde besonders wichtige Worte kommen, energische Falten bildet, ist ooller geworden. Ein prägnantes Kinn sitzt daran. Unter den Brillen- gläsern leuchten schnell und sicher erlassende Augen, über den Gläsern wölbt sich die unkomplizierte Stirn. Seine Kampsanlage an die Reaktion ist brillant formuliert, phrasensrei und von sozialistischer Energie zeugend. De Broucküre. der belgische Eozialistenführer. Er war bei der Eröffnung des Parteitages angekündigt, konnte aber wegen ivichtigcn Vorgängen in der belgischen Volitik erst am dritten Ver- hondlimgstage kommen. Ms er von Wels nach der Mittagspause begrüßt wird, erhebt sich ein herzlicher, lang anhaltender Beifall im ganzen Saal. Mit eloltischcn Schritten tritt er an das Rednerpult. Neuer Beifall. Eine hohe, schlanke Gestalt. Dunkel umrahmt das frisch-rot« Gesicht der Vollbart, der im unteren Abschluß von weihen Fäden durchsponnen ist. Tie klugen und gütig blickenden schwarzen Augen wekden von vollen Augenbuschen überwölbt. Darüber die sehr hohe Stirn. Dos ganze Gesicht verrät den temperamentvollen Romanen, aber auch den weitsichtigen Menschen Und Sozialisten. Er spricht französisch. Als er berichtet, daß IZllü!) belgische Arbeiter aus Gruben und Fabriken in den letzten Tagen gegen nationalistische ?luzschreitungen von zirka 150 Heißspornen aus Anlaß der Brüsseler Rede des Genossen Sasscnbach energisch demonstriert haben, bricht von neuem spontaner, gewaltiger Veifall aus. Nachdem de Brvuckere geendet, bietet ihm der Parteivorfitzendc Wels die Hand-- beide geloben sich hüben und drüben für den Völkerfrieden, für den So- zialismus zu arbeiten. Mit Ijändeklatschen begleitet die Versamm- suug den Schwur. Philipp S ch e i d e m n n n. Er spricht unzweideutig und glasklar am Montag zur Koalitionssrage-- und hat die Auf- merksamkeit der Hörer. Der schön gcsormi« Kopf mit imponierenden Proportionen wird beim Reden kann, bewegt. Der Haarkranz des unteren Hinterkopfes ist graumeliert, Schnurr- und Spitzbart aber Gberschlesien auf üem Nartsitag. Auf dem Parteitag in Görlitz ist zur Frage Oberschlesieus folgende Resolution Hauke zum Beschluß erhoben: „Der Parteitag begrüßt da? Ergebnis der Volksabstimmung in Oberfchiesien und stellt mit Genugtuung fest, daß die oberfchlesische Arbeiterschaft der Deutschen Republik die Treue gehalten hat. Das Selostbeslvnmungsrecht der Völker fordert, daß der Wille der Mehrheit geachtet wird. Die Mehrheit des vberschlc- fischen Volkes hat gezeigt, daß sie deutsch bleiben will. Die Vcrzögerunz der Entscheidung hemmt das oberfchlesische Wirtschafts- lebe» und bringt der oberschlesifchen Bevölkerung, besonders den Ar- bcitern schweren Schaden. Die deutschen Sozialdemokraten verwahren sich entschieden da- gegen, daß in Oberschlcsien die Demokratie und das S e l b st b e- st i m m u n g s r e ch t der Bürger durch die Entente zugunsten des internationalen Kapitalismus mit Füßen getreten wird. Sie erwarten, daß die Sozialisten aller Länder dafür wirken werden, daß Oberschlesiens staatliche Zugehörigkeit nicht nach imperialistischen und kapitalistischen Gesichtspunkten entschieden wird." Das neue bayerische Kabinett. München. 22. September.(Eigener Drahkbericht des„Do:- wärks".) Die Jraklioiien tagten von morgens bis abends, um die Rrgierungekrife zu lösen: dennoch mußie am Idechmitlag um S Uhr der?lbg. Staug(Bayer. Dp) das Haus ersuchen, die Sitzung bis S'A Uhr zu vertagen. Wie der Präsident mitteilte, hat der Dor- sitzende der Fraktion der Bayerischen Dolkepartei, Abz. Held, einen vierwöchigen Urlaub wegen Krankheit erbeten, den das fjaus genehmigte. Gegen 9 Uhr abends stellte der neue Ministerpräsident v. Lerchenfeld der Deltsverlrelung sein Gesamtministerin m vor, in dem sämtliche bisherigen Min ist er, mit Ausnahme des dcutschnalionalen Ilustizministers Roth, besten Posten der Ministerpräsident übernimmt, vertreten sind: mit dem Ministerium des Z n n e r n wurde der bisherige Staatssekretär bc- traut. Ans dem Berlaus der Sitzung ging hervor, daß das neue Kadi- nclt die durch den Austritt dcr Deutschnalionalen notwendig gewordene Schwenkung mit aller Behutsamkeit und Pietät gegenüber Kahr vorzunehmen gedenkt. Der Ministerpräsident, der Kühr einen längeren Rachruf widmete, betonte, daß das infolge des Auöschridcns der Mittelpartei geänderte Programm auf den all- gemeinen Richtlinien dcr früheren Koalition weiter beruhen werde. Er müsse aber drei Dinge in den Border- gcund stellen; 1. Die Ausrechterhaltung dcr Ruhe und Ordnung im Staat, 2. die Treue zum Reich und ein Berständnis für die tiefe Rot des Reichs: durch persönliches Einvernehmen mit den Reichs- stellen wolle er eine neue Atmosphäre gegenseitigen Bcrtrauens herstellen. Z. Das Moment der sozialen Ber- sShnnng zu betonen, die Erbitterung und den haß. welcher im gegenwärtigen Augenblick breite Schichten voneinander trenne, zu milder», werde seine besondere Ausgabe sein. Der Ministerpräsident betonte, daß es ihm Hauptsache sei, bevor sich irgendwelche Konflikte Innerhalb des Staates zu einer Aussprache mit Maschinengewehren und Panzerautos ausgewachsen hätten, die Beweggründe dieser Bolksbewegungen vorzeitig dadurch zu klären, daß er selbst jederzeit bereit sei. auch mit den Führern der Opposition zu sprechen und damit manche Mißver- stündnisse aus der Welt zu schaffen. Seine Türe wäre auch für politische Gegner jederzeit offen. Tas„Micöbachcr Tageblatt" auf acht Tage verboten. München, 22. September.(TU.) Auf Grund des Artikels„Das neudeutsch» Zentrum" in Nr. 15 des„Miesbach-er Tageblattes" hat der Staatskommissar für München-Land verfügt, daß mit sofortiger Wirkung das Erscheinen des„Miesbacher Tageblattes" bis zum 29. September einsthiicßlich verboten ist. Auch dcr„Missbacher Anzeiger" darf als Er'atzblatt für das verbotene„Miesbachcr Tagc- btait" nicht erscheinen. sind schneeweiß geworden. Auf seiner Stirn, die nach oben mit einem kühn geschwungenen ovalen Bogen haarlos abschließt, sind Furchen noch nicht zu erkennen. Und so jung ist sein Wort: mit bronzenen Tönen klingt es durch die Halle. Wolltöne' In der großen öffentlichen Versammlung am Mittwochabend spricht er var'iWOO Menschen. Er Hot die Herzen dcr Hörer. Und stellt in den Mittelpunkt: Sicherung der Republik, holten, ausbauen, nicht verzweifeln, kämpfc»! Seine Mahnungen sind sicher nicht in den Wind gegangen. Karl Severin g. Em Berliner bürgerlicher Journalist er- zählte cmmal: In einer kleineren süddeutschen Stadt sollte Bebel reden Als ein großer Schmied auf ihn aufmerksam gemacht wurde und Bebel erblickte, rief er überrascht aus:„Dcr kloane Mayu ischt der Bebel?" Ein Parteitagsdelegierter, dcr Severing„zum erstenmal in Görlitz sah, brach— allerdings in hochdeutschem Diaickl— in einen gleiche» Ruf aus. Der kleine Mann war die energische, willensstarke Potenz im Jnuenministcriiim in Preußen? Sein Kopf ist einer der prä- anantcsten auf der Taaung. Kluge Augen, beherrschte Geste, elastische Rede! Gespannt lauscht alles auf jede» Soll. Flink und schlagend, dabc- aber konziliant, fertigt er einige Zwischenruser ab. Mit überzeugenden Sätzen sagt er in Kürze viel' Und mau weiß, was er will!„Wir wollen leben, schaffen und siegen!"-- 91. Ein neues Mnsik-haus. Der Schmechten- Saal in dcr Lützowstraße 112 ist feierlich eingeweiht worden. Der Baumeister Schmechten hat mit ihm nichts zu tun, verantwortlich für den Reu- bau und seine malerische Gestaltung zeichnen Nachtlicht und S ch ü f f t a u. Die Kammermusit-Vereinigung der Staatsoper, Edwin Fischer, Mino M o v d i e, Käthe Stolzenberg, Seidlcr-Winkler waren aufgeboten, dem ersten Konzcrtabcnd an dieser Stätte Glanz zu verleihen. Wenn es ausschlaggebend ist, daß Musik in einem mittelgroßen Raum gut, klar, eindringlich klingt, so ist der Schwcchten-Soal«in guter Kcnzertroum, in dem nur ein Ensemble etwas über-akzcntuiert werden kann. Doch das wird auf Diskretion der Spieler ankommen und von den besseren überwunden werden. Wenn die Acsthetik, die Ruhe, Geschlossenheit und Andacht eines der Kunst dienenden Raumes von gleicher Bedeutung wäre für Produzierende und Empfangende, so wäre der neue Saal eine kleine Katastrophe. Schön und schlicht das Podium, in weichem Blau, gegen das sich dcr schwarze Schwcchten-Flügcl silhouettenhafi abhebt: doch fehlt die Beleuchtung. Scharf an dieses Blau grenzt ein häßliches, erbfenfarbenes Getäfel, schlank oon-oben nach unten geführt: quer dagegen sind exvressio- uiftisch eckige, bunt oerworrene Linien geführt, während ein kubisii- sches Muster das Podium von oben belastet. An den Seiten je eine ruhige, im Hintergrund mehrere im Forbwechsel von rotem und braunem Tuch unruhige, zackig ausgefranste Logen. Stilisiert das Oeckenbild, die Beleuchtungskörper: der Längseinschnitt, der mittlere Korridor fehlt. Eine große, unstille, bewegte Fülle, nicht zur Samm- lung geschaffen. Besser für ein Theaterchen, ein Kabarett, als gerade für eine Stätte klassischer Bildung. Warten wir ob, was aus dem Saale wird. Er faßt 800 Menschen und soll für den Konzertwinter schon über und über belegt sein. Arme Kritiker! X. S. Augen auf und bereit zur Abwehr? Unser Parteiblatt, di-„Münchener Post' schreibt über Herrn von Lerchenfeid: „Die Sozialdemokratie wird den Ministerpräsidenten nach seinem' Können und nach seinen Handlungen bewerten. Wir wissen, daß es in keines Menschen Macht gelegen ist und auch nicht in der Macht einer Regierung, unsere elenden und traurigen Verhältnisse von heute auf morgen zu ändern. Die ungleiche Behandlung der Staatcburqer vor dem Gesetz muß ver- schwinden. Di- heutige P o l i z e i w i r t I cha s t muß gründlich gesäubert und von der unsauberen Spitzelwirtschast gereinigt werden." Des weiteren bringt die„Münchener Post" umfangreiches Material zum Beweis einer wchlvorbcreiteten Putschaktion der Vdali.cnalsozialistischcn Arbeiterpartei. Hiergegen ruft unser Partei- blatt die Genossen zur Wachsamkeit auf:„Ihr Arbeiier, wir wissen nicht, was die Zukunft bringt; darum bleibt es bei unserer Parole; Augen auf und bereit zur Abwehr! ?frcilasi«ng Fischers gefordert. München. 22. September.(WTB.) Dcr Geschäftsordnungs- ausschuß des Bayerischen Landtages, n a h m heute den Antrag der Unabhängigen Sozialdemolraten aus sofortige Haftentlassung des wegen Hochverrats zu einem Jahr drei Monaten Festung ver- urteilten Abg. Fischer- Nürnberg mit 10 gegen 9 Stimmen a n. Die Bayerische Mitteipartei fehlte in der Sitzung, da sie Fraktion?- sitzung hätte. Für den Antrag stimmten neben den sozialistischen Parteien auch der Bauernbund und die Demokraten. Die üeutsch-fcanzö'jischen Abmachungen. Ueber das Ergebnis der Verhandlungen zwischen. Loucheur und Rathenau sind bisher offizielle Mitteilungen der Oeffentlichkeit nicht gemacht worden. Es ist an amtlichen Stellen auch Näheres bisher nicht zu erfahren gewesen, trotzdem die Abmachungen baldiast ratifiziert werden sollen. Don privater Seite wird als dcr Inhalt der Vereinbarun- den das Folgende mitgeteilt: Für den Wiederaufbau Nordfrankrcichs wird je eine Gesellschaft in Deutschland und in Frankreich gegründet. Dieser Gesellschaft sollen von der deutschen Regierung 7 M i l l i a r- den zur Verfügung ge stellt werden. Von der Pariser Ge- sellschaft werden die Aufträge gesammelt und noch Deutschland weitergegeben. Die zur Verfügung gestellten 7 Milliarden sollen Deutschland auf das Wicdergutmachungskonto gutgeschrieben wer- den, und zwar 35 Proz. dieser Summe bis zum Jahre 1926. Ob diese Mitteilungen in allen Einzelheiten der Wirklichkeit entsprechen, bleibt abzuwarten. Es erscheint uns aber nötig, daß die deutsche Oeffentlichkeit bald den Inhalt dieses Abkommens kennen lernt, damit sie ihrerseits dazu Stellung nehmen kann. Dominicus gegen üen Wucher. Der preußische Minister des Innern hat soeben an die Ober- Präsidenten folgenden Erlaß gegen den Wucher herausgegeben: „Im Laufe der letzten Wochen hat auf fast allen Gebieten des täglichen Bedarfs, insbesondere bei Lebenzmitteln, eine derartige Preissteigerung eingesetzt, daß weite Kreise der Bevölkerung von starker Beunruhigung ergriffen worden sind, die in einzelnen Fällen auch zu Ausschrcituugen geführt hat. Es läßt sich nicht verkennest, daß das starke Sinken des deutschen Geldwertes, wie das in einzelnen Bezirken und für gewisse Erzeugnisse hinter den Erwartungen zurück- bleibende Ergebnis dcr Ernte ein Anziehen der Preise zur Folge haben mußte. Jedoch sind allenthalben Preissteigerungen zu beob- achten, deren Uebermaß in keinem Verhältnis zu den erwähnten wirtschaftlichen Ursachen steht. Es ist eine offenkundige Tatsache, daß zahlreiche Er- zcuger und Händler sich die wirtschastlich begründete Teuerungswelle zunutze machen, um die Preise für ihre Erzeugnisse und Waren weit über das Maß der gesteigerten Selbstkosten aus Eigensucht willkürlich zu erhöhen. Die Preissteigerung erstreckt sich erkennbar viel- fach auch auf solche Gegenstände, die von den Verkäufern noch bei günstigerer. Wirischaftslage verhältnismäßig billig erstanden und seit- Bolkslnnstoerlaz„Das Bild". Die vier großen Gewerkschaften der graphischen Industrie haben sich zusammengetan, um in Gemein- schaft mit de» Arbeitern und Angestellten der Rcichsdruckerei dieses Unternehmen ins Leben zu rufen, als eine Genossenschaft, die es sich zur Zlufgnbe gemacht hat. die Schätze der Meister der bil- d e n d e n Kunst aller Kulturepochen in vornehmen und original- getreuen Wiedergabe» herzustellen. Die Bildungsausschusse und die Buchhandlungen der beiden sozialdemokraiischen Parteien in Berlin haben sich der Genossenschaft angeschlossen, und auch die Konsumgenossenschaft wird ihre Einrich- tirngen zum Vertrieb dcr Drucke zur Verfügung stellen. Durch die Ausschaltung eine? jeden Gewinnes wird ein Prcis möglich gemacht, der es dem Arbeiter. Angestellten und minder- besoldeten Beamten gestattet, die Bilder als Wandschmuck in ge- eigneter Rcihmnna. wie zur Sammlung in Moppensorm zu erwerben und den Kulturabfall des wilhelminischen Zeitalters, den beschämenden Schund, der leider noch immer die Wände der Arbeiter- Wohnungen bedeckt und die Schränke belastet, zu oerbannen. Drei große Bildwerke werden bereits zum Weihnachlsfest erscheinen. Freibrief für schimpfende Pfaffen. Die Zeitschrift des Schutz- Verbandes deutscher Schriftsteller berichtet folgendes:„Spuk des Alltags"— so heißt ein im„DelphiN-Verlag", München, erschienenes Wert des Dichters A. M. F r e y. 2)a es von einem besonders hohen künstlerischen Wert ist, wurde es in der„Augs- burger Abendzeitung" von emem Pfarrer in Erlaheim, HermannBinder als„S t a n k- u n d S ch m u tz l i t e r a t u r" an den„S ch a n d p r a n g e r" gestellt. Die beim Amtsgericht Mün- chcn eingereichte Privatklag« des Schriftstellers und Berlegers wurde abgewiesen, die Beschwerde bei der zweiten Strafkammer de» Land- gcrichts München I verworfen. Hiermit wor der Rechtsweg zu Ende. Künstlerisches Schaffen, das aus dem Ethos der Persönlich- keil sich«mpvrrinzt. wird von deutschen Richtern für vogelfrei erklärt, dcr Ilnflot eines närrischen Zeloten geschützt. Thomas Mann schreibt dazu an' den Dichter Frey u. a.: „Der Fall, von dem Sic mir Mitteilung machen, ist mir höchst wider- wärtig. Leider muß man ihn als symptomatisch betracbien für den Zustand des Landes. Diese Richter glauben dcr Ordnung, dem Varcrland zu dienen, wenn sie, mit offenbarem Wohlgefallen, die Beschimpfung dcr Geistigen, Kühnen und Reinen dulden und dcr Unbildung einen Freibrief aus- stellen.... Daß deutsche Richter, die am geistigen Leben der Nation interessiert sein sollten, eine so rilumpe, kulturell gefährliche Verwirrung der Pegrisfe zulassen, ist im patriotischen Sinne schmerzlich." Blürliner-Orchester. Tonnlag. de» 25.. 7'?, Mr. findet im Vlütdncr« Saal da5 3. Sonntags. Konzert unter Leitung von Camilla Hilde- brand batt. Solist des Zlbend»: Godjried Z e e l a n d e r iCcllo). Die Galerie Eduard Schulte biingt in ibrer ersten Herbstausstellung Kollektionen von Otto B a u r i e d!- München. Wl>belm B tanke-Steglis, Künstlerbund„Biock'-Berlin. N. Koch- Zeuthen» Berlin, Oliginale dcr .Lustigen Biälter» und Call Strathmann« München. Tad Kunstgewerbe- Museum veranstaltet in seinem Hörsaal vom ttl. Ottober ab trei abendliche VortragSreiden von se s-ch» Borträgen verichiedencr biesiger und auswärtiger Redner: B r o S l e m e d e r Kleidertun st(Montag«). Bild mätzige Photograpdie (Donnerstags). Dcr Lichtträger in Technik und Kunst (Freitag«). Rcihcnkarlen a 15 M. in dcr Libitothck, Prinz-Albrecht-Stratze 7 n. r. 449« 34. �ahrganK 1. Seilage öes vorwärts Freitag. 23. September l9ST Die Republik ist Deutsthlanös Rettung. SozlalöemokratZscher Parteitag. (Schluß aus der Abendausgabe.) Der Antrag chellmann zur Schulsrage, über dessen An- nähme bereits berichtet wurde, hat folgenden Wortlaut: Ein N e i ch s g e s'e tz zur Ausführung des Artikels 14(5 Abs. 2 der Reichsvcrsassung ist eine dringende Notwendigkeit, da nur auf diesem Wege die durch die Rcichsverfassung gewährleistete Einrichtung von weltlichen Schulen ordnungsgemäß mög- lich ist und schädliche Schulkämpse und Schulstreiks vermieden werden können. Der zurzeit dem Reichstag vorliegende Gesetz- entwurf sichert zwar die Errichtung weltlicher Schulen, läßt ober andererseits durch sein weites Entgegenkommen gegen die Be- kenntnisschulen deutlich erkennen, daß er zu einer Zeit entstanden ist, in der die Sozialdemokratie in der Reichsregierung nicht oertreten war. Der Parteitag fordert die Reichstagsfraktion auf, für die gründliche Umgestaltung dieses Ge- setzentwurfs nachdrücklich einzutreten: hierbei ist nicht nur der Wille der Erziehungsberechtigten so zu berücksichtigen, wie es die Reichsverfassung unter dem Zwang der überlieferten kon- sessionellen Gliederung Deutschlands verlangt, wie es aber auch die innere Neugestaltung der Schule wünschenswert erscheinen läßt, sondern es muß auch ein geordneter Schulbetrieb gemäß Art. 14(5 und damit eine möglichst hohe und einheitliche Lei- stungs fä h i g k ei t des deutschen Schulwesens in vollstem Maße gesichert werden. Ebenso dürfen die verfassungs- mäßigen Rechte der Lehrer nicht beeinträchtigt werden. Grundsätzlich erklärt der Parteitag, daß er nach wie vor in der welllichen Schule die beste Form der Gemelnschaslsschule sieht, da sie allein die von dem modernen Lolksstoat allen Be- kennmissen und Weltanschauungen gegenüber zu übende D u l d- samkeit gewährleistet und zugleich alle wertvollen Forderungen einer neuzeitlichen Schulreform am besten zu verwirklichen vermag. Ebenso werden angenommen ein Protest gegen die neun- fahrige höhere Schule, ein Antrag auf Entfernung des monarchi- stischen Inhalts aus den Schullesebüchern und ein Antrag auf Be- schleunigung des Reichsjugendschutzgesetzes. Aon den übrigen An- trägen wird abgelehnt der Zlntrag, die Mittel für die jetzige Reichswehr und Marine grundsätzlich abzulehnen, ebenso ein An- trag auf Erlaß eines allgemeinen Alkoholeinsuhr- und Herstellungs- Verbots. Angenommen werden Anträge auf Beschleunigung der Sozialisierung des Baugewerbes, der Kohle, der Elektrizität, auf Entfernung der monarchistischen Ossiziere aus der Reichswehr, auf Durchsetzung der Reichsslagge, auch auf See, aus restlose Beseiti- gung der Embleme der alten Monarchie, auf Durchführung der Trennung von Kirche und Staat, auf Sexualrefarm, gemäß den Beschlüssen de? Frauenkonfercnz, auf Beschleunigung der Per- waltunqsreform, Erklärung des 1. Mai und S. November zu gesetz- lichen Feiertagen, Sicherung des Achtstundentages, Bekämpfung der reaktionären Amtsblätter, Schutz und Erweiterung der Selbstoer- woltunz, gründlichen staatsbürgerlichen Unterricht in Fortbildunqs- schulen, Einführung einer Reichslchuldnotsteuer zum Zwecke der Un- entgeltlichkeit des Unterrichts, Ablehnung von Mitteln für die Tech- nische Norhilfe. Ferner wird angenommen ein Protest gegen die Pläne aus Schassung einer neuen Lex Iseinze. Eine sehr große Anzahl von Anträgen wird der Fraktion überwiesen, dar- unter Anträge auf rasche Durchführung der Demokratisierung der Verwaltung und Heranbildung eines demokratischen Beamten- Nachwuchses, Beschleunigung eines neuen Beamtendilziplinarrechts, Bezahlung oller Wochenfeiertage und des Urlaubs, Ausbau der Sozialversicherung, Bekämpfung des Alkoholismus. Fernhaltung der Jugend von öffentlichen Tcnzluftbarkeiten. Einführung einer De- Visenkontrolle und Einschränkung der Spekulation, Besteuerung der vedländereien. Bekämpfung des Bodenwuchcrs. Fortführung der Siedlungstätigkeit. Reform des Mietwesens, Verbesserung des Kraft- fahrzeugsteuergefetzcs, Aushebung des Derbotes des Rcichswirt» fchaftsbunde» deutscher Berufssoldaten. Abgelehnt wird ein Antrag, der verlangt, daß die Fraktion unter keinen Umständen dem früheren Reichskanzler Fehrenbach eine Pension bewilligen soll. Angenommen wird die Resolution Houcke über Oberschlesien. Vorsitzender Wels teilt mit. daß die Vorschlagslisten für Varieivorstand und Sonlrallkommisiion abgeschlossen sind. Neben dem Vorschlag aus Wiederwahl der bis- hcrigen Mitglieder ist von der.Opposition" eine Liste eingereicht worden, in der als Sekretäre vorgeschlagen werden: Hoch-Haimu, Pletfch-Breslou, Dr. Leber-Bremen, Broßwitz-Frankfurt, Fellisih- Dresden, Ströbcl-Bcrlin und Morkwald-Frankfurt. Mit Ausnahme d«? beiden letzten erklären die Vorgeschlagenen, daß man sie nicht I«fragt hätte und daß sie eine Wahl ablehnen. Fellisch, der tinister ist, ist nach dem Kasseler Beschlutz nicht wählbar. Es folgt der nächste Punkt der Tagesordnung: Die Wirkung öes versailler Irieöensvertrages auf öie innere und äußere Politik veutßhlanös. Referent Hermann Aküllcr: Bevor ich zum eigentlichen Thema komme, mutz ich einige Be- merkungen machen, die mit dem Vortrag selbst in einem gewissen Zusammenhang stehen. Sie betreffen das Kabinett Wirt'h, das im Ausland allgemein als das Kabinett der Dertrngeerfüilung gilt. Mir wird mitgeteilt, daß die gesamt« Berliner Presse Rachrichten bringt über eine Umbildung der Reichsregierung. Danach soll der Zohlenschlüslel bereits festgelegt sein aus 3 Sozialdemokraten, 3 Zentrumsmitglieder, 2 Demokraten und 2 Deutsche Volkspartciler. Die Sozialdemokraten hätten sich entschlossen, den Reichskanzler Wirth fallen zn lasten, um selbst den Reichskanzlerposten zu be- kommen. Dafür hätten sie den Posten des Reichstagspräsidenten an das Zentrum abgetreten. Ueber alle diese Fragen hätten schon vor dem Görlitzer Parteitag Besprechungen Üattgefunden.(Lachen.) Ich erkläre alle diese Nachrichten in jedem Punkte für unwahr. (Bravo!) Ich mache auch wiederholt darauf aufmerksam, daß auf diesem Parteitage für die Aufnahme irgendeiner anderen Partei in die Regierung kein Beschluß gcfoßt worden ist.(Sehr richtig!) Wir haben nur gewisse Grundsätze aufgestellt für eine eventuelle künftige Umbildung der Rcichsregierung. Es ist schwer verständlich, wie Blätter, die seit längerer Zeit für eine breitere Grundlage der Rcichsregierung eintreten, dieses Ziel erreichen zu können glauben dadurch, daß fix solche Schwindelnachrichten in die Well setzen.(Sehr gut!) Wir haben es ja überhaupt mit der Umbildung der Reichsregierung gar nicht so eilig. Vom Standpunkt unserer Partei aus gesehen, wäve vielmehr der Opposition der Dar- rang zu geben. Aber wir bringen da» Opfer der Beteiligung an der Regierung, und wir können die Berliner Preste nur bitten, eingehender sich mit der Frage zu beschästigen, was will und wird der Besitz sagen, wenn die Steuervorlagen kommen?(Sehr gut!) Das allein ist entscheidend und bis dahin bleibe inan uns mit allen Kombinationen vom halse.(Beifall.) Di« 187» erkämpfte Einheit des Reiches war begleitet von der .Freiheit unter der Pickelhaube". Das Bürgertum ging seinen Ge- schäften noch, überließ Bismarck die Politik und b-ieb auch dabei, als Wilhelm II. sein eigener Kanzler wurde. So vergingen wieder SO Jahre, bis das deutsche Boll in den Weltkrieg schlitterte, den nur seine Alldeutschen als.Siahlbad" berbeisehnlen und dessen Ausgong Deutschlands Stellung in d-r Well vernichtete. Das mußte so kommen weil der preußische Militarismus alle Friedensmöglichteiken zerschlug, Belgien nicht freigeben wollt«, die Chance der russischen Revolution nicht ausnutzte und durch den U-Boot-Krieg dann auch noch Amerika zum Eintritt in den Krieg zwang. Deutschland wurde ein Gewaltsrieden diktiert, der nichts als die Einheit rettete. Wir haben diesen Frieden unterzeichnet, wcil nur so Deulschlands Zerstückelung und ein weiterer Krieg vermieden werden konnte.(Zu- stimmung.) Zu beidem war der französische Imperialis- mus damals und ist«r auch heute noch bereit. Ueber die Wirkungen des Bcrsailler Friedens geben wir uns .keinen Illusionen hin. Selbst wenn es gelingt, Erleichterungen zu erzielen, wird Deutschland viele Jahrzehnte unter den f ü r ch t e r- lichen Folgen des Krieges zu leiden haben.(Sehr wahr!) An diesem Frieden hat niemand reine Freude, auch die Sie- g e r nicht. Dos Hot erst in den jüngsten Tagen der Streit um die deutsche Goldmilliarde bewiesen, der in Frankreich wegen der Borrechte, die Belgien und Frankreich beanspruchten, fast eine Minislerkrise heraufbeschwor. Solche Streitigkeiten werden sich noch oft wiederholen. Es ist unmöglich, Deutschland die gesamte Wiedergutmachung aufzuerlegen, denn ein Volt allein kann die Schäden nicht reparieren. die der halben Welt in diesem Kriege zugefügt wurden. Das haben wir wiederholt ausgesprochen und darauf hingewiesen, daß eine deutsche Krise zu einer europäischen Katastrophe führen muß. Um die Besetzung des Ruhrgebiets zu verhüten, auch um Oberschlesiens Willem haben wir unter Zwang dem Londoner Ultimatum zugestimmt und damit«ine A t e m p a u s« erreicht. In dieser Atempause müssen wir unsere Pflichten bis zur äußersten Grenze des Mögliche« erfüllen. Der Bluff mit dem Bankrott nutzt gar nichts. Eben- sowenig die Spekulation auf die Uneinigkeit der Entente.(Sehr richtig!) Solange bei uns etwas zu holen ist, werden sich die Gegner v o l l st ä n d i g einig sein. Die Welt muß vom deut- schen Arbeitswillen und von der deutschen Friedfertig- keit überzeugt werden. Dos allein kann uns retten, helfferich bat in München von dem Versagen des Arbeitswillens gesprochen. Der frivole Zyniker vergißt, wenn er den Förderungsrückgong in den Bergwerken als Beweis anführt, daß die Bergwerke index Kriegszeit heruntergewirtschaftet sind. Wenn er einmal acht Tage mit seinen buttergeschmierten Nerven und Mus- keln im Bergwerk arbeiten müßte, würde er den ausgc- mergelten Bergarbeitern keine Borwürf« mehr machen.(Sehr gut!) Die Arbeiterlöhne in Deutschland sind auch heute noch unzu- reichend, und man betrachtet den deutschen Arbeller im Aus- lande als Lohndrücker. Mit der Preissteigerung kommen die Löhne nicht mit, mit der sinkenden Valuta steigen die Preise weiter. Wir müssen zu einer Sonkrolle der Preise kommen, oder soll gewartet«erden, bis die Reparotions- k o m m i s s i o n eingreift und bis sich auch hier die Alternative ergibt: Selbsthilfe oder Ultimatum?-Eine Fortdauer der gegenwärtigen Zustände muß zu österreichischen, polni- schen oder russischen Verhältnissen führen.(Sehr wahr!) Daran hat aber niemand ein Interesse in der ganzen Welt. Worin be- steht denn die Selbsthilfe? Wir müssen unser Budget in Ord- n u n g bringen. Dazu helfen die direkten und indirekten Stetkcrn nicht aus. Wird die Entente endlich auf die Meinung des Volkes ge- bührend Rücksicht nehmen? Wird man endlich über Ober- schleßlen eins Entscheidung fällen, die der Abstimmung entsprichi? Nach dem jetzt drei Jahre langen Wassenstillstande haben wir im Osten keine feste Grenze. Wieviel weiter wären wir, wenn in Schlesien Friedejjemocht würde, wie es Lansing in Poris vergeb- lich vorschlug.(Sehr wahr!) Aber daraus drohte«in Vordringen der Bolschcwisten nach dem Westen! Wir haben den Bo'schewis- mus aufgehalten, weil wir demokratische Sozialisten sind Niemand hat es uns gedankt. Noch im herbst 1919 fragten die Deutsch- nationalen: Ob e» Roske wohl schaffen wird? Aber der schnelle Fried« kam nicht, weil Frankreich Angst hatte vor ei»«»n zu schnellen Wieder erholen Deutschlands, heute setzt die Reparatinns- Politik eine treibhaus mäßige Entwicklung voraus. Schon schreit die ganze Welt über das„Valutadumping". Aber nur unfreiwillig leisten die deutschen Arbeiter Kuliarbeit, wäbrend sie sich und ihren Kindern keine Stiesel und keine Kleider kaufen können. Da» sehen die Ausländer nicht, die die ersten Hotels besuchen. Der Bcrsailler Bertrag darf nicht der Weisheit letzter Schluß sein. Eine Gesundung ist erst möglich, wenn Deutschland und Rußland wieder in die Weltwirtschaft einbezogen sind und wenn das deutsche Eigentum in Ueberse« nicht mehr v o g e l f r e i ist. Entwürdigend sind die Bestimmungen über die Duldung von deut- schen Konsulaten Solch« Entwürdigungen stärken den deutschen Nationalismus. Wir bekämpfen ihn, aber der Kampf wird uns er- schwert durch die Entente. Auch die Verwendung farbiger Truppen züchtet deutsche Nationalisten.(Sehr richtig!) Aktive Außenpolitik ist das neueste Schlagwort. Das Simonssche Nein war der Ansang, und selbst Demokraten waren begeistert. Aber die aktive Außenpolitik ist infolge der durch Ludendorss organisierten Niederlage auf lange Zeit unmöglich, und für später wäre ihre Voraussetzung die Niederhaltung jeder Gensralspolitit.(Sehr gut!) Die Deutsch- nationalen hätten natürlich alles besser gemocht. Man denk« sich helfferich, hergt, den Grafen Westarp und den Edlen von Braun als Unterhändler.(Sehr gut!) Unsere politische Lage leit November 1918 ist das Ergebnis des schnell entschlossenen Willens der Entente, den unterlegenen preußischen Militarismus ein für ollemal unmöglich zu machen. Frankreicks Ärieasziel war auf die dauernde Unschädlichmachung der deutschen Militärmasckine eingestellt. Man fürchtet den Revanchekrieg, wenn auch nicht für die nächsten Jahre, so doch für die kommenden Jahrhundert«. Deshalb hat Frankreich, von der ganzen Entente unterstützt, die deutsche Abrüstung durchgesetzt. Tot- sächlich geschieht bei uns nichts, was den anderen unbekannt bleiben könnte. Es ist ganz unmöglich, hinter ihrem Rücken eine neue Armee zu bilden. Aber gerade weil die Entente alles er- fährt, muß die Entwaffnung schneller durchgeführt werden. Der versuch, für die Einwohnerwehren Ersatz zu schaffen, wäre ein ebenso großes verbrechen wie der Frontkämpfsrtag im Stadion es war. Mit welcher Frivolität dies« Veranstaltung inszeniert wurde, geht daraus hervor, daß man bei dem entthronte« Deserteur im Haus Doorn ein Telegramm bestellte, in dem ganz wie früher gesagt wurde:„Die Erinnerung an die große Zeit ist das letzt« Feuer in dem noch nicht erleuchteten Dunkel der deutschen Zukunft." l5)ört, hört!) Dieser Mann ist ja persönlich unschädlich, aber das deuifche Volk muß die Zeche bezahlen. wenn im Stadion Tausende politisch Unmündiger ausgerechnet„heil dir im Siegerkranz" singen. Die Regimentsfeiern wirken nach außen wie Kontrollversammlungen. Solange noch ein militärischer Geist in Deutschland herrscht, wird es zu einer Revision der Veey soiller Bestimmunzen nickst kommen. Erst wenn überall in Deuisch- lond ein neuer Geist eingezogen ist, könnten vielleicht einmal Der- Handlungen über eine Abkürzungszeit der Besatzung Erfolg haben. Bor der Hand ist daran nicht zu denken. Solange die Marktschreier des Afterpartikularismus ihr Un- wesen treiben, ist auch kine objektive Untersuchung der Schuld- frage nicht möglich. Die Rechtsparteien behaupten, das Schuld- bekenntnis wäre die Grundlage des ganzen Friedensvertrages. Run die Grundlage ist das Lekennlnis der deutschen Niederlage durch Dudendorsf in seinen: Oktobertelegramm mit der Forderung nach einem sofortigen Wafsenttillstand. W i r habxn niemals die Alleinschuld Deutschlands behauptet, sondern stets die Oeffnung aller Archive verlangt.(Sehr wahr!) Diese Forderung kann aber nur stellen, wer einen Teil der Schuld zugibt. Die Revision kann nur von einem innerlich uberzeugten pazifistischen Deutschland erreicht werden.(Beifall.) Wo bleiben die 14 Punkte Wilsons? Wo die Absckzaffunq der Geheimdiplomatie, wo die Freiheit der Meere, wo die offenen Handelsbeziehungen für olle großen und kleinen Nationen? Was ist für die Arbeiter geschehen, da nach Artikel 387 der Welt- friede auf dem Boden sozialer Gerechtigkeit gegründet werden sollte? Das wird ohne Einigkeit der Nationen niemals durchgesetzt werden. Die Haltung der deuffchen Arbeiterklasse ist das größte Aktivum der deutschen Außenpolitik. Die Berhandlungen der deuffchen und französischen Arbeitcr in Gens, die Verhandlungen von Amsterdam, die internationale Iugcndtagung in Jena sind die Gegen-Akttva negen den Kapp-Putsch. Der Aufmarscki der 500 090 in Berlin nach Erzbergers Ermordung und das Zurückdränge» der Monarchisten in die Defensive, das find Aktiva der Außenpolitik.(Sehr gut!) Die französischen Imperialisten krebsen mit der monarchistischen Gefahr in Deutschland, obwohl sich gegen die Arbeiterklasie kein Monarch in Deutschland holten könnte. Die hohenzollern gehören der Geschichte an.(Bei- fall.) Sic sollten sich einen nützlichen Beruf wählen.(Heiterkeit, Zustimmung.) Im übrigen würde auch die Entente eine Monarchi«, selbst wenn sie möglich wäre, keine acht Tage dulden. Denn die Entente weiß, daß jeder künftige deuffche Kaiser aus Gründen der Selbsterhallung den Reoanchekrieq vorbereiten müßte. Wer in Deutschland nicht Pazifist bleibt, hat die außenpolitische Lage Deuffchlonds nicht begriffen. Deutschland kann nur leben als Republik. Es wird nur als Republik ein gleichberechtigtes Glied der«uro- näifchen Völkerfamilie werden. Der Völkerbund von beute ist kein Ideal. Er verdankt seine Entstehung dem versailler Gewaltsrieden, und Deuffchland, Rußland und Amerika gehören ihm nicht an. Lansing selbst sagt, daß er eine Organisation sei. die dem Unrecht den Stempel des Rechts aufdrücken soll. Wird die Konferenz in Washington Besserung bringen? Bisher funktioniert der Lpporat noch nicht. Wenn der Völkerbund wirklich«ine>4?.?cns c!i,m der Rechte und der Freiheiten der Völker werden und sein Werk seinen Zweck erfüllen soll, darf in Gens nicht mehr die Frage auftauchen, ob Genf— ein zu teures Pflaster ist. Die Erhaltung und Sicherung des Weltfriedens darf keine zu kostspielige Sache sein. Der Völker- bund muß aus einem Diplomatenkongreß zu einem Völker- Parlament werden, in dem Sozialisten mit Sozialisten und Pazifisten mit Pazifisten aus der ganzen Welt eine gemeinsame Front haben und wo nur die Nationalisten isoliert sind. Im übrigen muß der Völkerbund e n t nationalisiert werden. Rechtsfragen dürfen nur noch Rechtsgrundsätzen enffchieden werden. Wenn uns die Tore zum Völkerbund geöffnet werden, so werden wir an seiner Aersossunq mitarbeiten. Der Erfolg dieser Mitarbeit hängt aber von dem vertrauen, das wir genießen, ob. und dieses Ver- trauen � hängt davon ab. daß wir den guten Willen haben, mit allen Völkern für den Frieden zu arbeiten. Die deutschen Staaten haben vertrauen zy der deutschen Republik, ober auch nur zu«incr Republik. Nur durch eine friedfertige Politik kann ein wirklich gerechter und dauerhafter Frieden erreicht werden. Nicht mit Pro- testen und Deklamationen werden wir das erreichen, nur durch Arbeit und Erfüllung, und durch Erhaltung de» Vertrauen« zu» neuen Deutschland wird die Welt von den Schrecken de« Kriege» allmählich genesen.(Stürmischer langan haltender Beifall.'' Der Referent unterbreitet folgei�e Entschließung: „Die wirtschaftlichen und finanziellen Bestimmungen des ver» scnller Vertrages haben die Wiederkehr normaler weltwirffchaftffche? Beziehungen verhindert.— Die Gesundung der europäischen Wir«-- fchaft hat die Mitarbeit der aufbaubereiten Kreis« aller Länder zur Boraussetzung.— Die deuffche Sozioldemokraff« war zu dieser Mit- arbeit stets bereit und hat insbesondere alles getan, um einen fchleunlgctn Wiederaujbau der zerstörten Gebiet« Nordfrankreichs und Belgiens noch besten Kräften zu fördern. Die dem deutschen Volke durch den Versailler Bertrag auferlegte Gesamtlast ist ober auf die Dauer unerträglich, denn die Schäden des Weltkrieges sind so un- geheuer, daß sie von einem Volke allein nicht repariert werden können.— Durch das Sinken der deutschen Mährung, das durch das oaterlandslofe Treiben gewisser Börsenspekulanten in Handel und Industrie stark gefördert wurde, gestalten sich die wirtschaftlichen Be- ziehungen Deutschlands zu den Ländern starker Valuta immer schwieriger. In de» Ländern hochwertiger Währung steigt die Ar- beitslosigkeit forlgesetzt, weil nach den Ländern minderwertiger Valuta der Exvort fast unmöglich wird.— Die Lege der Arbeiter- klassen in den Siegcrstaaten, den neutralen Ländern und den Ländern der Besiegten fordert deshalb gleichermaßen gebieterisch die R e- oision des Versailler Vertrages. Bor allem ober ist eine schleunige, aus das Ergebnis der für Deutschland günstigen Abstimmung gegründete Entscheidung über das ftir Deuffchland lebsns- wichtige oberschlesische Industriegebiet erforderlich.— Ferner muß die sofortige Aushebung der völkerrechtswidrigen, überdies dem Versailler Bcrtraa widersprechenden militärischen und wirtschaftlichen Sanktionen im Westen gefordert werden. Die Anwendung der wirtschaftlichen Sanktionen zerreißt die Zu- lammenhänqe der deutschen Volkswirtschaft und stört damit den deutschen Wiederaufbau, der überhaupt nur durch Zusammensasiung aller Kräfte erreicht werden kann.— Die Anwendung der wirtschast- lichen und der militärischen Sanktionen liefert den deutschen Rationo- listen Wasser auf die Mühlen und erschwert damit der deutschen Sozialdemokratie ihren Kampf für eine Politik der Völkerverstöndi- gung.— Die deuffche Sozialdemokratie ist gewillt, mit allen Mitteln die Reaktion niederzuhalten und die Republik gegen jeden Ansturm zu sichern. Sie wird dafür sorgen, daß den Reaktionären durch eine fortschreitende Demokratisierung des gesamten staatlichen und öffcnt- lichen Lebens das Handwerk gelegt wird, denn das Treiben de" deutschen Nationalisten schädigt da« Ansehen des neuen Deuffchlonds in der ganzen Welt und lähmt im Ausland die Arbeitersreunde der Revision des Friedensvertrages. Rur als eine friedliebende, zur Zusammenarbeit mit allen Völkern bereite deuffche Republik kann Deutschland nach dem Ergebnis dieses durch die Schuld des deuffchen Militarismus verlorenen Krieges fortb esteben. Diese Auffassung in den weitesten Kreisen des deutschen Volkes zur Anerkennung zu bringen, ist eine der wichtigsten Aufgaben der deuffchen Sozialdcmo- kratie." Vorsitzender Wels: Es sind mehrere Telegramm« von Organ!» jationen der Arbettsinoaliden eingegangen, welche die Partei dringend um Wahrnehmung ihrer Interessen bitten. Der Parteitag hat bereits durch Annahme der entsprechenden Anträge gezeigt, dast die Partei auch in dieser Richtung arbeiten will.— Einen Brudergruß sendet dem Parteitag das Mitglied der ersten internationale Genosse van Kol-cholland. Von einigen Frank- furter Delegierten ist ein Protest dagegen eingegangen, daß der An- trag, der die Deutsche Volkspartei für nicht b ü n d n i s f ä h i g erklärt, nicht zu der beantragten namentlichen Abstimmung gebracht worden ist. Das Bureau kann nichts daran ändern, wenn der Parteitag durch Annahme eines Antrages alle übrigen für er- l e d i g t erklärt. Diese Erklärungen gehen zu Protokoll. Die weiteren Be- ratungen werden auf Freitag vormittag vertagt. Schluß Uhr. Nach Jena. Aus den sechs für die Generalversammlung der Metallarbeiter in Jena bestimmten Tagen wurden acht. Während dieser acht Tage, von den frühen Morgenstunden bis in die tiefe Nacht hinein. Per- bandlungen und immer wieder Verhandlungen. In den Pausen, die der Erholung und Kräftigung dienen sollten, lange und erregte Fraktionssitzungen. Als die Bewältigung der zu erledigenden Auf- gaben nur langsam« Fortschritte machte, mußte eine dritte, eine Abcndschicht eingelegt werden. Daneben zahlreiche Kommissions-, interfraktionelle und andere Sitzungen. Und trotz dieser Fülle von Arbeit kein Nochlassen, kein Erschlaffen der Energie. Bei Eröffnung der Sitzungen die Plätze besetzt bis auf den letzten. Die Ausführungen aller Redner vhne Unterschied der Fraktionen wurden ausnahmslos mit ungeteilter Aufmerksamkeit entgegen- genommen. Allerdings, das zu lösende Problem ging auch über die auf ge- werkschaftlichen Tagungen sonst zu lösenden Aufgaben weit hinaus. Die Frage der Einigung des Proletariats, mit der die Kommunisten aus nacktem Agitationsbedürfnis tagtäglich Schind- luder treiben, wurde hier von Arbeitern der SPD. und USPD. endlich einmal von-der praktischen Seite angefaßt und, das rann gleich hinzugefügt werden, glücklicherweise auch erfolgreich. Stuttgart war Trennung, Lena dagegen Annäherung, Verständigung. Leicht war die zu lösende Ausgabe wahrlich nicht. Das Auseinaudcrfallen, das Spalten ist eine Kleinigkeit. Das Zusammcnkoppcln aber, das Wiederverciuigcn noch all den un- erquicklichen Begleiterscheinungen, die jede Trennung mit sich bringt, ist dagegen ein Kunststück Die Unabhängigen hatten sich die Arbeit sicherlich leichter vor- gestellt. Wenn ihnen auch die Ucberlegenheit der SPD.» Fraktion, die mit �110 Delegierten über 40 Mandate mehr als die Unabhängigen und Kommunisten zusammengenommen verfügten, imponieren mußte, so spekulierte man doch auf die bekannte Gut- ' mütigkctt der SPD.-Kollegen auf der einen und auf die Gerissenheit 33 i ß m a n n s auf der anderen Seite. Gleich der Auftakt der Generalversammlung, der Durchfall der USP.-Fraktion bei der Wahl der Vorsitzenden, mußte sie eines Vesieren belehren. Wie eine kalte Dusche wirkte das zielbewußte Auftreten der 410-Münner-Fraktion mit ihrem Führer Haas an der Spitze. Die Marschroute der SPD.-Delcgicrten war einfach, klar, aber auch bestimmt. Ihr chandeln war von vornherein diktiert van der zwingenden Notwendigkeit einer Per- st ä n d i g u n g. Dieses oberste Gebot schloß von vornherein eine Politik, die nach etwas ähnlichem wie Vergeltung aussehen konnte, vollständig aus. Mit demselben Taktgefühl, mit dem unsere Ge- nassen die Ansprüche der Unabhängigen respektierten und beHandel- ten, mußte den Unabhängigen aber doch beigebracht werden, daß Mehrheit letzten Endes auch Mehrheit bleiben muß, und das war nicht sehr leicht. Für den auf zwei Jahre zu wählenden Verbands- vorstand bestanden die Usiobhängigen bis auf den letzten Tag auf Parität. Hier ließ Dißmann alle Minen springen. Wie ein Löwe kämpfte er fist- das Prestige seiner Partei. Wenn letzten Endes Haas der robusten Widerstandskraft Dißmanns chcrr wurde, so ver- dankt er es neben der Fraktion, die in der ganzen Woche wie ein Mann hinter ihm stand, vor allem dem einwandfreien Rechte der Mehrheit, die er vertrat. Die schließliche Verständigung beruht auf dem Verhältnis von 6: 5 bei den 11 besoldeten und 11 unbesoldeten Vorstandsmitgliedern. Für unsere Genossen bedeutet dieses Kompromiß so wenig einen Sieg, wie es für die Unabhängigen keine Niederlage bedeutet. Eine Verständigung für ein gemeinsames Aktionsprogramm, das der „Freiheit" allerdings nicht gefallen will, war sehr schnell gefunden. Das Vorgehen des Verbandsvorstandcs gegen die Kommunisten wurde gebilligt, die bereits vollzogenen Ausschüsse sanktioniert. Uin die praktisch« Arbeit des neuen Vorstandes zu erleichtern, mußten wichtige Bestimmungen des Statuts geändert werden. Tie unbe- foldeten Vorstandsmitglieder wurden bis jetzt von der Verwaltungs- stelle, in der der chouptvorstond seinen Sitz hat, gewählt. Solange es keine politischen Fraktionen gab, war dieser Zustand ganz in der Ordnung. In Stuttgart dominiert nun zufällig neben einer starken Minderheit eine kleine kommunistische Mehrheit. Es wäre natürlich unerträglich, wenn die Stuttgarter Kommunisten das Reckit behalten sollten, die 11 unbesoldeten Vorstandsmitglieder zu stellen. Diese Vorstandsmitglieder werden jetzt von der G c n e r a l v e r s a m m- l u n g gewählt, aber aus den Reihen der Stuttgarter Kollegen genommen. Die Kommunisten mußten natürlich gegen diele„Entrechtung" reden. Sie schickten M a l z a h n vor, der bei dieser Gelegenheit reichlich viel Witze machte. Er war jedoch so vernünftig, jede künst- liche Aufregung zurückzustellen. Die Haltung der Kommunisten war überhaupt sonderbar. Der Beobachter war manchmal versucht abzunehmen, daß sie auf dem Wege der Besserung seien. Sie verzichteten im Plenum auf jeves revolutionäre Theutex. In den Kommissionen wurden Beschlüsse, soweit dieselben dem politischen Tagesstrcit entrückt waren, zumeist e i n st i m m i g gefaßt. Die Leitung der Generalversammlung, die sich unser Genosse Böcklcr mit dem Kommunisten Braß teilte, war eine geradezu vorbildliche. Wie gesagt, die Kommunisten betrugen sich artig. Ob es nun wirkliche Besserung oder mehr berechnete Taktik war, das müssen die nächsten zwei Jahre lehren. Alles in allem, das Resultat dieser arbeitsreichen General- Versammlung entspricht den Wünschen und Hoffnungen der über- wältigenden Mehrheit der deutschen Metall- a r b e i t e r. Hofken wir, daß in zwei Jahren in Kassel aus dem- selben Wege rüstig weitcrgcschrittcn wird. Wtetfth&ft S«chwerkerfassung und Reichswirlschafksral. Der Reparationsau.slchuß des vorläufigen Reichswirtschaftsrats hatte zur Beratung des Antrages Wiffell(Heranziehung der Gold- werte für Reparation) einen neungliedrigen Arbeüsausfchuß eingesetzt. Dieser hat sich in mehteren Sitzungen mit dem Angebot der Industrie beschäftigt, dem Reiche durch Inanspruchnahme eines lang- frij'.igeu Ksllektivkredites die Mittel zur Erfüllung der aus- wä'Mgen A-rpslrchtungcn für die nächsten Jahre zur Bersügung zu stellen. s Die Vertreter der n i ch t i n d u st r i e l l e n Berufskreise inner- halb des Ausschusses gaben der Ueberzeugung Ausdruck, daß zu � Trägern der Kredilaktion außer der Industrie auch die übrigen Ge- werbe, insbesondere die Landwirtschast, das Bankwesen, der Handel und der Hausbesitz, herangezogen werden müssen. Es wurde auf Anregung des Ausschusses" ein Plan zu einer Kreditorgani- f a t i o n von dem Referenten Dr. Hachenburg ausgearbeitet, der in erster Lesung vom Ausschuß gutgeheißen wurde. Der Eitwurf sieht eine Zusammenfassung der Ge- werbe und derLand- und Forstwirrschaft in Angliede- rung an die Berufsgenossenschaften vor. Als Kreditgründlage ist die Haftung der einzelnen Mitglieder gegenüber der gesamten Organi- sation gedacht. Die Haftung ist auf bestimmte Summen für jedes einzelne Mitglied beschränkt, sieht ober in gewissen Grenzen eine Haftung jedes Mitgliedes für den Ausfall innerhalb dieser Gruppe vor. Die Mitglieder sind berechtigt, diejenigen Beträge, die sie für die Amortisation, Zinsen und Kosten aufwenden, von einem bc- stimmten Zeitpunkt ab mit dem Reiche auf bestimmte Steuern zu verrechnen. Innerhalb des Ausschusses bestand Uebereinstimmung darüber, daß die Kreditbeschofsungsaktion der Gewerbe für die äußeren Re- parativnszwecke die Durchführung der V e s i tz st e u e r- g e s e tz e in der Form, wie sie der Reparationsausschuß beschlossen hat, nicht berührt. Es wird in der nächsten Woche eine zweite Lesung des Organi- sationsentwurfs innerhalb des Arbeitsausschusses stattfinden. Ein löblicher Enischluh. In der Frage der künftigen Entwick- lung unserer Preisverhältnisse wendet sich der Hauptausschuß des Deutschen Industrie- und Handelstages an alle Kreise von Industrie, Großhandel und Einzelhandel mit folgendem Be- schluß:„Der Hauptausschuß des Deutschen Industrie- und Handels- tages gibt der Auffassung Ausdruck, daß Industrie,' Groß- Handel und Einzelhandel mehr als bisher zusammen- arbeiten sollten, um die wachsende Steigerung aller Preise soweit wie möglich einzudämmen. Auf die Berück- sichtigung der berechtigte» Interessen des Einzelhandels als des letzten gewerblichen Abnehmers ist hierbei besonderes Gewicht zu legen.— Der Hauptausschuß richtet an Industrie und Handel die dringende Mahnung, sich einer Entwicklung entgegen- zu stemmen, die unter dem Einfluß der neuerlichen Geldentwer- tung abermals zu den in der Hochkonjunktur von 1910/20 hervor- getretenen Mißständen zu führen droht. Es muß insbesondere er- wartet werden, daß jede Wirtschaftsgruppe ihr gesteigertes Risiko selber trägt, damit nicht eine unerträgliche Ueberlastung der weiteren Glieder im Verkehrsprozeß und eine Unsicherheit in den ver- traglichen Beziehungen der Kauflcute Platz greift, die einer Aus- beutung der Lage durch zweifelhafte Elemente Vorschub leistet." Die Außenhandelsnebenstelle Feinkcramik hat in ihrer Haupt- aussthußfitzung am 14. September 1921 in Berlin einstimmig den Beschluß gefaßt, daß in Zukunft als Bedingung für die Erteilung von Ausfuhrbewilligungen dem Antragsteller die Verpflichtung auferlegt wird, binnen einer noch festzusetzenden Frist 50 Prozent des Gesamtwertes der erteilten. Ausfuhrbewilligungen in nicht- valutarifchen Devisen an die Rcichsbavk oder die von dieser be- zeichneten Stellen abzuführen. Sollte eine Firma nicht in der Lage sein, in diesem Umfange tatsächlich in ausländischen Zahlung?- mittel» die Regulierung durchzusetzen, so hat sie dies im Beanstan- dungsfalle sowohl der Reichsbank als auch der Außcnhandelsncben- stelle Feinkeramik glaubhaft zu machen. Die Außenhandelsneben- stelle wird ihrerseits der Reichsbank laufend Nachweisungen über die den einzelnen Firmen erteilten Ausfuhrbewilligungen erstellen. — Es wäre zu wünschen, daß die anderen Außenhandelsstellen von Exportindustrien, soweit sie ganz oder vorwiegend inländische Roh- stoffe verarbeiten, sich diesem Vorgehen anschließen. Hier ist ein im besten Sinne gemeinwirtschastliches Betätigungsfeld für die Organe des Außenhandels, die so zur Linderun? der Devisennot des Reiches und zur Erfüllung der Reparationen beitragen können. Aufschwung der Solinger Industrie. Aus Solingen wird ge- meldet: Die Zahl der Erwerbslosen im Solinger Industrie- bezirk geht stark zurück. Während im Juli noch 2000 Erwerbs- lose.vorhanden waren, sind es heute deren nur noch 400. Ins- befeNdere kann die Nachfrage nach gelernten Industriearbeitern nur noch schwer befriedigt werden. Die Solinger Industrie ist wegen des Marksturzes augenblicklich mit Auslandsausträgen überhäuft. Maßnahmen gegen die Devisenspekulation in ltzien. Die deutschösterreichische Regierung hat für Devisen- und Valutageschäfte den Legitimationszwang eingeführt und für die Uebertretung der Devisenordnung Arreststrasen bis zu sechs Monaten und Geld- strafen bis'20 000 Kronen und den Verfall der beschlagnahmten Valuten festgesetzt. Die Agrarpolitik der Sowjetregierung. Nach Mitteilung des BolksGpimisiars für Landwirtschaft Teodorewitsch an die Mitglieder der siimländischen Handelsdelegation vergibt die Sowjetregicrung La ndkon Zessionen an Ausländer zu �verschiedenen Zwecken: 1. Zur Ausübung von Jagd und Fischfang, serner zum Anbau von Reis und Flachs, sodann große bisher unbebaute Flächen zum Anbau von Weizen, Roggen und anderem Getreide, und schließ- lich kleinere Distrikte von 300 bis 1000 Deßiatinen(1 Dehjatine gleich 1,1 Hektar) zur Einrichtung sog. Musterwirtschaften. Die Pächter sind verpflichtet, lebendes und totes Inventar zu be- schaffen und durch die mustergültige Bewirtschaftung der umwohnen- den Bevölkerung ein praktisches Beispiel moderner Landwirtschait zu geben.— Nach einem Projekt, das vom Vollskommisfariat für Landwirtschaft genehmigt ist, soll auch an Inländer, und zwar an städtische Konsum- und ländliche Produktivgenossenschaften Land in Pacht gegeben werden. Die Verwaltung muß dabei min- destcnz 25 Proz., das niedere Personal zu 50 Proz. aus russischen Staatsangehörigen bestehen:»och einer bestimmten Frist geht das gesamte investierte Kapital in den Besitz das Staates über. Irische Frage und Schuhiölle. Die Lösung des irische» Pro- blerns wird außer durch politisch« und soziale Gründe besonders durch die Frage der wirtschaftlichen u n d s i n a n z i e l l e n Auto- nomie Irlands erschwert. Ohne die Gewährung einer solchen Autonomie ist«ine Einigung kaum denkbar. Durch diese soll'aber Irland das Recht zustehen, die englischen Waren mitZöllen zu belegen. England hat vor kurzem unter dem Druck der Verhält- nissc und um seine während des Krieges gemachten Versprechungen einzulösen, Indien die Stellung einer Dominion mit sinanzieller Autonomie gegeben. Es war eine schwere Enttäuschung für die eng- l'sche TexiilinNistrie, als das erste indische Parlament eine sehr bedeutende Zollerhöhung aus Textilwaren beschloß Sie besürchiet jetzt die Wiederholung des irischen Vorgehens in Irland, sobald dieses zu einer ähnlichen Autonomie gelangt. Baumwollwaren werden zwar in Irland kam» hergestellt, somit bedarf die irische Textilindustrie eines Zolles höchstens für Wollwaren, zum Schutz ihrer Wollindustrie. Andererseits ist Irland trotz bedeutender Maschinenindustri« vorwic- qcnd«in Agrarland, mit großen landwirtfchafckichen Ueberschüssen. Und die landwirtschastliche Bevölkeruna bat kein Interesse an der Ver- tcuening der Jndustrieartikcl durch Schutzzölle. Trotzdem liegt die Schaffung eines Zollsystems im Bereich der Möglichkeiten, sowohl um Staatseinlünfte.aus den Zöllen zu sichern, wie auch als Maßnahme gegen das gehaßte England. Die landwirtschaftliche Bevölkerung Irlands bringt zwar für ihr« Befreiung große Opfer, möchte aber neue hohe Steuern nicht gern tragen, und in laichen Fällen bilden Schutzzölle einen guten Ausweg. Auch würde dör Haß gegen Eng- land nicht so bald verschwinden und an Stelle des gegenwärtigen Boykotts würde wahrscheinlich der hohe Schutzzoll treten. England, das selbst vom Wege des Freihandels gewichen war, dürste jetzt die Nachahmung seines Beispiels durch das autonom gewordene Irland schmerzlich empfinden. Aus diesen Erwägungen oerhalten sich die Kreise, die sonst eine Einigung anstreben, kühl gegen die irische For- derung nach einer wirtschaftlichen Autonomie, Soziales. Die Krankenpslegeausbildung. Das Ministerium für Volkswohlfahrt hat neue Vorschriften über die staatliche Prüfung von Krankcnpflegepersonen nebst einem Aus- bildungsplan herausgcaeben, die wichtige Veränderungen enthalten. Neben der Zusammensetzung des Prüfungsausschusses aus einem beamteten und zwei praktischen Aerzten wird jetzt vor allem bei der Zulassung zur Prüfung«in Nachweis über die zweijährige Teilnahme an einem Lehrgang in einer staatlichen oder staatlich anerkannten Krankenschule gefordert. Ausnahmen sind zulässig bei Personen, die den Nachweis einer mindestens gleichwertigen Aus- bildung in der Krankcnpslege beibringen, ebenso bei Sanitätsunter. offizieren mit mindestens zweijähriger Dienstzeit, die noch nicht länger als zwei Jahr« aus dem aktiven Dienst ausgeschieden sind, von dieser Zeit aber mindestens die Hälfte Krankenpflege ausgeübt haben. Die Prüfung selbst zerfällt in eine mündliche und praktische Prüfung. Mit der mündlichen Prüfung werden verlangt Kenntnisse auf folgenden Gebieten: Bau und Verrichtungen des menschlichen Körpers, allge- meine Lehre von den Erkrankungen und ihren Erscheinungen, Ein- richtungen der Krankenräume, Krankcnwartung, Krankenernährung, Krankenbeobachtnng, Hilfeleistungen bei der Krankenuntersuchung und -behandlung, Pflege bei ansteckenden Krankheiten. Für weiblich« Prüflinge außerdem die wichtigsten Grundsätze der Säuglings- und Kleinkinderpilege. In der praktischen Prüsung werden die Prüf- linge ihre Kenntnisse in der Krankenpflege praktisch zu erweisen haben. Auf Grund der bisherigen Vorschriften bom 10. Mai 1907 können noch solche Personen zur Prüsung zugelassen werden, die schon vor dem Erlaß in der Ausbildung begriffen waren und bis svätestens 1. Oktober 1921 einen dahingehenden Antrag gestellt haben. Dasselbe gilt für diejenigen, die bereits seit dem 1. Oktober 1920 im Dienst« einer öffentlichen Krankenanstalt tätig sind. Befreit von der Prüfung können Sanitätsunteroffiziere werden, die eine mehr als fünfjährige aktive Dienstzeit zurückgelegt haben und darüber ein Zeugnis ihrer vorgesetzten Behörde beibringen können. Vorausgesetzt wird dabei, daß die Bewerber noch nicht länger als zwei Jahre aus dem aktiven Dienst ausqeschieden sind und auch während dieser Zeit wenigstens die Hälfte Krankenpflege ausgeübt haben. Gesuche um Ancrkennuna als Krankenpfleger find an den zuständiqen Regie- rungsvräsidenten zu richten. Außerdem können befreit werden Personen, die schon früher einen Krankenpslegelehrgang von ousreichender Dauer mitgemacht haben und nachweisen können, daß sie mindestens fünf Jahre lang in der Privatpflegc oder im Anstalts- und Gemeindedienst tätig waren. Ihnen wird auf Antrag, der spätestens bis zum 1. Juli 1022 an den zuständigen Regierungspräsi- denten einzureichen ist. die staatliche Anerkennuna als Krankenpfleger erteilt werden, wenn sich der Prüfungsausschuß dafür ausge- sprachen hat. Im Ausbildunosplan wird vor allem die Notwendig- keit der praktischen Ausbildung betont. Es wird im einzelnen auf die notwendigen Kenntnisse und Fertigkeiten, die sich der Schüler während seiner Ausbildung aneignen muß, eingegangen. Enteignung zugunsten der Kleinsiedler. Wohl die erste Enteignung eines Großgrundbesitzes zur Ge« winniing von Land für Kleinsiedlungen hat daS Landeskulturann der Provinz Brandenburg in Frankfurt a. d. O. ausgesprochen. In der Sitzung des Ständigen Ausschusses des Landes kulturamtS für die Provinz Brandenburg, an der der Präsident des Landeskultur« amtS Petersen als Vorsitzender, der Verbandsvorsitzende des Land- liescrungSvcrbandcs der Provinz Brandenburg und Grenzmark, HauptritterschaftSdirektor von Wmterfeld zu Ncuendorf. und der Generaldirektor der Landgesell, chait Eigene Scholle, RegierungS- und LandeSökonomierat Otto zu Frankfurt a. d. O., teilnahmen. wurde auf Antrag des Landlieferungsverbandes der Provinz Brandenburg und Grenzmark die Enteignung der im Kreise Ruppin gelegenen Güter Alt» und Neulöwen- berg unter Ausschluß de§ SitzvorwerkS Hoppenrade und der zusammenhängenden Waldflächen, soweit diese für die Durchführung einer ordnungsmäßigen Besiedlung nicht benötigt werden,(Eigentümer: Freiherr von Wertbern zu Neuhausen, Re- gierungSbezirk Erfurt) auf Grund des Reichssiedlungsgesetzes vom 1. August 1919 zu SiedlungSzwecken für zulässig erklärt. In den Gründen des Beschlusses beißt es: Das dringende Bedürfnis nach geeignetem SiedlinigSlond ist in dem Kreise Ruppin auf andere Weise, insbesondere nach den Vorschriften der 88 2. 4, 13, 14 des Reichssiedlungsgesetzes nicht zu befriedigen. Infolgedessen rechtfertigt sich der EnteignungSzwang. Der von der Freiberr von Werthernschen Begüterung enteignete Teil gehört zu einer Be- sitzung von ungewöhnlich großem Umfang. �Hinzu kommt, daß der Besitzer sick niemals auf d er Begüterung aufhält. DaS Gut ist für SicdlungSzwccke durchaus geeignet. Sport. Rennen zu KarlShorst. Donnerstag, 2S. September. DoS Schmidt> Pauli< Iagdienncn sah Fustanella atS leichte Siegerin mit 10 Längen vor Feierabend. 1. t« o I d I a ck. Jagdrennen. 30000 M. 3400 Meter. 1.(ioriolmi II(fc. SWS), 2. Herzog 11(Br. Mäller), 3. Scylla(«. Vetzetti. Tot.: 42: 10, Pia®: 15, 45, 14: 10. Ferner liefen: RaubgrSfiir(4.), Duse(stehengebl.), Fachinger, Orianne, Duhr Spitze. Mirakel, Anruf, Tete- rinchen.— 2. G l ü ck S k t n d- I a g d r e n n e n. 30 000 M. 3400 Meter. 1. Civilift In. Bcrchcm), 12. OrknZ(v. Keller),-f-2. Ratte(v. Pelzer). Tot.: 35: 10, Platz: 11, 13, 14: 10. Ferner tiefen: FeuerSnot(4.1. Sackia. Pcrieus. Innsbruck. Sau Martina.— 3. H« r a- H ü r d c n a u s g I e i ch. 35 000 M. 3000 Meter. 1. Convention(KukuticS), 2. Meisterin00 Meter. 1. Fustanella(t>. Pelzer), 3. Feier- abend(n. Keller,. 3. Voigt iKrüger). Tot.: 14: 10, Platz: 11. 13: 10. Ferner ticjen:(Serkild(4.), CerbcruS. Aaldfrieden.— 5.«500. Rennen. 35 000 M. 3300 Meter. 1. Sinn Fein(H. Scholz), 2. Lanze(Ulbricht. 3. Herzog(v. Pcizer). Tot.: 4!>: 10, Platz: 18, 25. 45: 10. Ferncr lieien; Anarchist II(4.). Ercstclla. Co, berg(gef.). Trompeter II. Snob. Almanach.— v. M a r i l- H ü r d c n r e n n e n. 20 000 M. 3000 Meter. 1. Rolgoid(ZS. Ulbrich), 3. Moldau(B. Siauge), 3. Capilalist(Kränzlcin). Tot. 140: 10. Platz: 34, 23, 17: 10. Ferner liefeil: Belladonna(4), Marictla, Wcbnnaiin II, Malachit, Taktfest, Purzelbaum. Sechmiicn auSg., Alexis.— 7. Preis von Bollensdorf. 18 000 M. 1800 Meier. 1. Aladar (Elfjnif), 2. Adjutanl> Sie!:. Vorortbhs. Abt. Norden: Wandlitzsee— Bogenfce, Ms. Sonntaa 5.56 Bhf. föe. sunddrunncn. Abi. Südwest: Michendorf— Liencwitzsee, Tressp. S.W Wanuieeblst. Freie lurnerschast Schöncberg-Bertin. Bezirk Norden. Sonnabend: Borslands- und Borturncrsitzung, Schönhauser Allee 108. Sonntag: Turnen der Eeiibterc», Graunstratze, Vilfi Uhr oorm.— Bezirk Schönedprg. Sonntag: Zur Platzcinwcihung nach Lichtenrade, I.ZK Uhr Bhs. Papcstratzc.— g u tz- b a l l» A b t.: Wettspiel gegen Lichienbcra I. Platz an der Rubens, trotze.— Be» zirl Neukölln. 4. Manner-Abt. nach Birkcnwcrdcr-Suini. Abf. 6.20 Uhr Bhf. Neukölln. Arbeitrr-Radfahrer-Terein..chrotz. Berlin". Sonntag, früh 6 Uhr, Fürsten waldc(Roucnschc Berge); nachmittags l'/i Uhr Adlershof(Wöllstein). Slorl Rariannenplatz. Berliner Schwimmvereia„Wrlle»(Mitgl. d. A.>W.»V.), Abl. Berlin und Lichtenberg. Uebungsstunden von jetzt ab jeden Freitag von 7 bis 8)5 tlh. (reserviert) in der zrotzcn Schwimmholle der Badcanstali an der Schillings- brücke. Badcprei» für ein Mitglied bis 14 Jahre 60 Pf., Uber 14 Jahr« 1 M. efintrittskortcn nur beim Bercinskaflierer im Warteraum(nicht an der Raffe). Turn-»ab Sportverein„Fichte», Berlin, gu dem am Sonnabend, den 24. September, stattfindenden Soalfportfest des Rariellverbandes Srotz-Bcrli» i» dir„Neuen Welt», Safcnheide, müssen alle geübteren Turner für Reck NN' Pferd pünktlich anwesend sei». Turnkleidung: weißes Hemd und blaue Hose erwünscht.__ Wetter bis Tonnabcnd mittag. Ziemlich warm, zunächst ze1,. weife heiter, später znncbmciide Bewöltunz und ün Küstengebiet etwa» Regen bei mätzigen westlichen Winden. ?usenöveranfta!tungen. ?c:-in Arbeiter-Iugend. Selretariat: EW. Lindenstr. Z, Z. Jos link», Z Treppen rechts. Telephon- Mpl. t2l VZ— 10. heuke, Freitag, den 23. September: Sine Sitzung der Ordner zum Sporifest findet um 7 Uhr im S-Hungs- zimmer des Parteibureau» in der Lindenstr. 3 statt. AN- angegebenen Ordner muste» bestimmt erscheinen. Britz! Jugendheim Chaussccstr.<8 tRathaus), Porlrag:„Die Arbeiterjugend während des Krieges".— Eharlottcnburg: Jugendheim Rostncirftr. t. Vortrag: „Unsere jetzige Sustiz".— Moabit: Ingendheim Waldenscrftr. 21, Zimmer 12, Vortrag:„Das Sozialistengesetz".— ReukijUn-Tüd: Jugendheim Nogatstr. 53, ' TimTifTnri» CfeTni-rr-rtMTsTrt"____•TT' � rt-»........ heim Schule Frankenstr. 10, Vortrag:„Die bürgerliche Jugendbewegung". Hus aller Welt. Verhaftung von wellkonzern-Znhabern. Die Jiltoster de?„Turf- Zebra-KonzernS' in Hannover, Karl Brandes und dessen Sckloieger- valer DoberenZ, sind nunmehr verhaftet worden. Ter Leiter der Zweigstelle des zusammengebrochenen Sporlkonzerns„Rheiiania" Düsseldorf, �in Herr SS i l l e n in g, ist flüchtig. Er wollte am 17. September 2 800 000 M zahlen, zahlte aber lischt. Eisenbahnunglück bei Kiew. Nach einer„Times"meldnng aus Warschau ist ein Verpslegungszug, der Lebensmittel aus der Ulraiue brachte, bei F a st o w in der Nähe von Kiew entgleist. Es sollen 2 7 Personen getötet und 3ö verletzt worden sein. Unwetter in Spanien.?!ach einer Bläitermeldung aus Madrid lviiict in Spanien ein heftiges Unwetter. Besonders grober Schaden wurde in Oviedo, Saragossa und in der Gegend von Granada angerichtet. Das Erubcminglück in Auslrolien. Bisher sind 3 7 Leichen von Lpjerii der Erl losion im Berglorr! von Mount M'ulligan bei EairitS geborgen. ES besteht wenig Hoffnung, die übrigen 33 Per- rnitzte» zu relleit. Vorträge, vereine und verkammwnoen. Volkcfürsorgc. Allgemeine jfUnkticnärversaAnnlnngen am Freitag, den 23. September, abends 7 Uhr. Abt. N o r d e n(Bezirke 18 und 57) bei Witt- schus, Petersburger Str. 5. Abt. O e st I i ci) e B o r o r t e(Bezirke 30, 37, 50, 65, 67, 68, 88, 90 und 05) in Köpenick bei Kurfis, Bahnhöffir. �2.— Allgemeine Familicnstclbckaste. Sonntag, den 25. September, Zahl- und Aufnahm eiag von 2— 5 Uhr in den Restaurants Gerichtstr..1.2 13 und Adalbortstr. 24.— Der Bund der Ariegsverle�te», WiUvcn und Waisen der Tschechoslowakischen Republik. Ortsgruppe Berlin, veranstaltet Sonnabend, den 24. September, abends 7 Uhr, in den Sophien-Sälen, Berlin C., Sophienstr. 18, ein Wohltätigkeitsfest zugunsten der Witwen und Waisen. Bekannte Künstler haben ihre Mitwirkung zugesagt, außerdem findet auch Tanz und Verlosung statt. Eintrittskarten a 3,70 M. inkl. Steuer nur an der Abendkasse. Sriefkaften öer Redaktion. Briefliche A u s k u n l t wird nicht erteilt.— Jeder siir den Brief. käste» bestiminten Anfrage füge man einen Buchstaben und eine Runtnirr bei. Eilige Anfragen trage man in der Juristischen Sprechstunde, Lindenstr 3. 1. Hof pari. links, vor. EchriflstiWc und Verträge sind mitzubringen. M. M. t. 1. Beim Vezirksbildungsausichutz, Lindenstr.». 2. t2li0.„ S. B!. 810. 1. Nein. Auf Ihren Antrag wird Ihne» aber die Ermästiqnng gewährt werden. 2. Dein, Finanzamt.— A. s. 20. Unsere« Bissens nein. Fragen Sic aber einen Fachmann.— A. S. 47. Nein.- M.>2». Schließe» Sic die Versicherung dem von Ihnen angeführten Beispiel entsprechend ab.— St. 81. 1. Ja. 2. Etwa 600 M. 3. Ja, sofern die Ehefrau berechtigt ist von dem Ehemann gcUcnnt zu leben. Das Bca.,! zum Scircnntleben hat die Che. fran, wenn sie einen Ehescheidungsgrund hat. (Schluß des rcdakkwncllcn Teils.) Mgrrliolia'Sstke SÄSSSTÄ ÄS meniweit Vcsimidtcti Uyrrliolin mit aiterkomiter und bewährter Sckönbeitswirkuny ot:f die Haut ciubält. IZeüirliZvei'd.lletzljnLpi) ! Berlin. Milte- 27. Abt. Am 20 September ver- j starb im Alter von 54 Iah- j reu unser Parteigenosse, der > Maler Oskar firotke Zionskirchplatz 5 Ehre seinem Andenken! Die Einäscherung findet I am Sonnabend, 2t Seplbr.. nachm. l'/i Uhr, im Kr ema- lorium Ecrichtstraßc stakt f Rege Beteiligung erwartet Die Abteilungslektllng. m. örlsfrontenfafie öerlivDilmersilors ?!uk Grund des Wahlaus- ichrcibens sllr die Wahlen der Versicherten und der Arbeit» geberverkreker zum Ausschuß vom 19. August I92l ist sowohl seitens der Versicherten als wie auch der Arbeitgeber nur je ein glliliger Wahlvorschlag ein- gereicht worden, Der Wahioorschlag der Per- sichertenbeginnt mit detnNamen „Engelhardt" und endet mit dem Olamen„Görz". Der Wahioorschlag der Arbeilgeber beginnt init dem Namen .Heinrich" und endet mit dem ZIamen Lehmigen". Beide Wahloorschläge ent- sprechen ihrem gesamten Inhalt nach den Vorschristen der Wahl- Ordnung und liegen in der Zeit vom IS. Seplcinber bis 5, Ottober 1921 im Kassen- lokal, Kaiierallee 1732. 1 Dr., Kanzlei(8—1 Uhr) zur Einsicht aus. Da seitens beider Kruppen der Wahlberechtigten nur je ein gültiger Wahlporschlag vorliegt, findet eine Stimm- abgade nicht statt, sondern es gelten die darin vorgeschlagenen Bewerber als gewählte Ver- ieetcr der Versicherten bzw. der Arbeitgeber zum Ausschuß. iA 9 der Wahlordnung.) Die Amtsperiode der ge- wählten Vertreter beginnt am I. Januar 1922 und endet am 31. Dezember 1925. Berlin-Wilmersdorf, 21. September 1921. 10/2 Der Vorstand. A. Engelhardt, Vorsitzender. fllt.Mctaile! Kupfer. Messing, Viel, Zink»iw. kaufen wir zu Engrospreisen. Bester Absatz für.Händler, Installateure und Fabritrn. Gebr. Fuhrniann Laden Nollcndor.'srr.SO Laden 9-7 Uhr. I lla�ellöv IN Eggerodors, Ist Minuten vom Bahnhos Sirausberg rat- scrnt, zu verkanfcn. kill du& Co. Veriin Horckstr. II. Kur!. 2883 (TSurch rccbtzeii Ige enorme ElnkSofe bin ich heule In der Liga trotz der nngeheuren PreiSftcigr- 'iJ ruog von Ctoifrr. und trotz der Srhöhlluz«rr Ldhna die Bestände nrctlicS Lagers an z AmSgeN md SOKvkerl Anzüge Schiiipfer • Regenmäntel CovertcoatS «S zu seusalksuott billigen Proisr in feinster Verarbeitung denc Fuitersache». ivvl- lene Swsse viel schooe Muster.' große Auswahl, alle iLröstsn. G km'k Grsst. IäebrichWGs � fjlf am Ornniendurgcr Tor ©®©®# o©© G« Allgem Ortskrankenkasse liir den Stadtliezirk Köpenick Hiermit laden wir die Mit- gliedrr desAusschnffcs zu der am Z-rellag. den ZV. Sept. S.Z., abend» 7 Ahr. im Schloh- reftanrant(Znh. Drange). Verliner Str. 1, stattfindenden ouSerorilentlilljeu MMvk'Musg ein. Tagesordnung: t. Wahl d.Ausschußvorsitzenden. 2. Bericht über den Stand der Eriichtung eines Genesnngs- Heims im Riesengebirge und weilereBeschlußchssung hieran 3. Wahl von 3 Bertretcrn gemäß 8 102 der Satzung. s 10/3 4. Geschäftliches. Köpenick, den 21. Sept. 1921. ver Vorstand. Otto Rtckel, Vorsitzender. Innlingskrankenkasse der Vereinigt. Laokierer-Iiinung zu Berlin« Uitte zn beachten! Das Kassenlokal befindet sich ab 15. September 1921 CJU DirekseoU III, bei Hugo Kammer gegenüber Stadtbahnhof Alexanderplatz. Kassenstunden von 1—3 Uhr nachm. Sonntags geschlossen. 10/4 Der Vorstand. Gardinen Stores, Belldecken, Tischdecken Chalselonguedeck., Bettwäsche sowie fertige Betten federdicht Teppiche in allen GröBen alles auf bequeme Teilzahlung L! zu äußerst günsti- ßen Bedingungen M. Beisec Lothringer Str. 67 betreffend die Wahlen der Vertreter und Ersahmänner zum Ausschuß der Allgemeinen Ortskrankenkasse Berlin-Lichtenberg. Auf Grund der 5 97 dce Kasssnsatznng sind für die Wablzeit 1922 192!; die Vertreter und Ersatzmänner zum Ausschuß zu wählau, und zwar: 30 Arbeirgeder-Vcrtreter und 00 Ersatzmänner. SO Versichertrn-Vrrirrter und 120 Ersatzmänner. Die Wahlen für die Verstchei ien-Berteeler finden in 3 Wahlbezirken am Sonnabend, den b. November 1921, von 10 Uhr vormiliags bis 7 Uhi abend» statt. Es gehören zum t. Wahlbezirk: Wilhelmsberg, Hohen- fchönhauscnrr Sir,. Landsberger Chaussee, Wcißensecr Weg, Röderstr, Herzbergftr. WahIIotoi: Herzbergftr. 23. Restaurant zur Edelianne. Zum 2. Wahlbezirk gehören die Straßenzüge.des früheren alten Lichtrndcrger Kastenbezirks. Wahllokal: Restaurant.Schwarzer Adler", Franksnrtcr Allee 99. Zum 3. Wahlbezirk gehören die Eiraßenziige des srühcrcn Rummeisburger Kaiscnbrzirls Wahlioial: Restaurant Biuni, Rachf. Aibrecht, Boxhagcner Straße. Ecke Reue Badnhotslr.' Die versichcrunqsvflichtlgen Mitglieder wäblen in dem Bezirk, wo der Sitz des Ärbcitgebces ist, die freiwilligen Miig>:?der wählen in dem Bezirk, wo sie wohnen. Die nicht im Kasten- dczirk wohnenden sreüvilligcn Mitglieder wählen im 3. Wahl- bezirk. Die Wahlen siir die Arbeitgeber-Verireter finden statt: Freitag, den«. November 1921, von 10 Uhr vormittag» bis 3 Uhr nachmittag», im..Schwarzen AM«*, Frankfurter All« Di». Die Wahl ist geheim nnd wild durch den Äorstano grieilet. Gewählt wird nach de» Grundsätzen der Verhältniswatzl nach Maßgabe der Wahloidnnng. Das Wahlrecht ist in Person auszullden. Wahlberechtigt sind alle»olimhrigcn(libee 21 Jahre allen) Personen männlichen oder weiblichen Geschlechts, weiche bei der Ortskrankentasse Berlin-Lichlenberg verstchert sind. Die Wähler könne» die Arbestgeder- und Mitgliedrrver» zeichnisse während der Kastensiunden von 8—1 Uhr im Kassen- lokal einsehen. Einsprüche gegen die Richtigkeit di-scr Verzeich- niste find bei Vermeidung des Ansschlnste« ivätestrns bis zum 0. Okioder 192! unter Bciuigung der Beweismütel bei dem Vorstande der Kasse anzudringen. Die Wahlderechtigten werden hiermit aufgefordert. Wahl- vorschlage aufzustellen und den, nnlerzeichneren Vorstand späte- sicns bis zum 8. Ottober>921 einzureichen Dir Stimmabgabe ist an diese Wahloorschläge gebunden. Die Wahlvorichlägc müsseii oo»»iindestens 10 Wahlberechligten der betrefft, idc». Gruppe mit zusammen 30 Stimmen unterzeichnet sein Die zugelassenen Wahlvorschläge werde» zwei Wochen vor dem Wahltage im Kasseniota! wahrend der Dienststunde» von 8—1 Uhr zur Etnsicht aiiSürgen. Der Slimmzeiiei enihä i die Rainen derjenigen Bewerber, welchen der Wähler seine Stimme geben will. Er dari höchstens dreimal soviel Name» rnihaiien, al» Berlreirr zu wählen sind. A» Stelle der Aulzählnng der Ramen genügt der Hinweis aus die Ordnungsnummer des Wahivorschlages. Der Wahlausschuß ist befuai, die Wahl- nnd Stimm- berechtignng jedes Wählers bei der Wahlhandlung zu prüfen. Jeder Wahlberechtigte ha! sich daher mii einer Legitimaiion zu versehen. Es ist dies tur die Arbeitgeber die letzte fällige Krankenkassen-Beitragsqnittung bzw. der Posticheckabschniit: kür die Persicherten eine Bescheinigung des Aebeitgebees, daß der beireffende Versicherte am Tage der Wahl noch in Beschäftigung steht, für freiwillige Mitglieder der letzle Zohinngeabschui». Die Slimmzeiiei müssen 10 niat 8 am groß und von weißer Farbe sein Im übrigen gelten siir die Wahl die entsprechenden Bc- stimmungen der Satzung und dcr Wählordnung. verliu-Lichkrnberg, den 21. Seplemder 1921. Der vorstand. O. Eeikel, Vorsitzender. S. Budde, Schristsührer. »W Alexönderp"3rä* Herren iL OnineE erhalten in diskreter Wel«'! BEKLElOUNOi aufKredii:! Neutsie Elngänpc ifir Herbst u. Winter. Auf Teilzahlung! Anziioe.Palefols in moderner Ausführung für Herren und Burschen fertig und nach Maß! rrima Vernrbellunx! SkOiZHSaBD Belle-iUlianceiikr. 160 Hingang im Mööelgeschfifi Aasteckende, nachts nnenragUch Herbst u. Linter. � P(a?e�©tste�nrfc,lbc H'lut � tAiv vk)!«?»sä? 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Abonn.) So,_8: Die Weber(Auß. Ab) Tbcater i. d. Königgrätzer Str. 7 jo; Satans Maske Mitdem Feuer spielen (Orska, Riemann, BildI) So. Die Fahrt ins Blaue Stg.: Die Fahrt tna Blaue Koniödientians Täglich 7.30 Uhr: Max PaUenberg Hans Waßmann im neuen Burlcskenschwank J o n n y s Busenfreund Berliner Theater Täglich 7.30 Uhr: (Prinzeffin QMu von Dernauer u. Scnanzer Musik von Jean Gilbert Haupidarstcller: FritziMassary als Gast Ralph Artur Roberts Pepi Zampa/ H.Kipcr Central-Theatcr uDiePostraeisteriu l>eat«ch.Opcrnha!is 7V.Uhr: Tosca rrleUr.Wllhelmet.Th. 7v=uhr:A!nerican-GirI Intime» Theater � Uhr: Der blaue Pantoffel Die Spelunke/ Lauf doch nicht immer nackt herum 1kl. SchnntiplelliAUM 3'/,ühr: Reigen LnMtHpielhaaa P re m i i r e 1 uhrt Die Schauspieler .lletrttpol-TheatoE* Geschlossen Sonnabend zum ersten Male: 7 uhr: Die SlraOensäDjjErin hfenea ttp�rettontheat. �hr: Die Königin i lacht A'ene« Thoat. a. Zoo « uhr: Die kleine Lecassot JVeucet Volkntheater 7'/, Uhr: Sr hl Iler-Tlieat. Chart. uhf: DerRiehlerr.Zslajnea Scbloüpark- Th. Steglitz 7V, u.: Alles um Geld I'hnlln-Theator "/, u.: Schäm' Dich, Lette Th.amhlollendurrplKtB uhr Der Vetter aus Dingsda Theater des tVeatcae 7>/:u.: Die Braut ILueulius Th.I.d.KommandaBlenatr. i Jüdisches Künstler-Theater) Uhr: Newejle Wallnor-Theater 7jo uhr: Nixchen Volksoperetta Walhalla-Iii. u'�DleschSne Helena Residenz-Theater Täglich PI, Uhr; Der König(Leroi) Olga Limburg, Kaiser- Titz, Lotte Klinder, Oscar Sabo, Richard Lenius, Lotte Dewis Volksbühne Theater am Bülowplatz Der Dauer als Millionär lessing-Theater H'"te u folgende Täge 7'/,: DieSpielereien ein. Kaiserin (Ourleux, Steinrück, lllmer) Deutsches Künstler-Theater Allabendlich T'/sUhr: Die Balierloa des Königs (LeoDOldlne Konstantin) Schausp|e/. Sonntag, 25. Septembers Einmalige NBClunltlassvoratellung eu volks lö milchen Preisen DIE WEBER Brillanten Achtung! WOSKOSM a Edelsteine (nuff mlcdec und »HU den HSchslen Srsenkurs Gold. 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Qje Weber ä letzten iuilüiiruugcu! top Gerhart Hauptmann Moritzplatz JÖeui[che Automobil' Ausßellung Beplin 79S1 Ausfiel iungs. r„ Hcülz Kozserdamm '<2 SSept-'S. Oct v# 8 Uhr | S. S, 12.SO, 18 M. Billcitvrk. 12-3, Wäseiie-Kö! 1 imeeiht>ausZNorihpl.SSs j octl staunend billig Hemden 1 27,«e!ntleidcr20,VetlbczIige ----- nii. Julius Bötzow Brauerai BERLIN N 0: I■ Faß- und Flasciienbiere | 70, große Teppiche 395, Rünr ! ler-Sardinen 55, Stepp- und I Diwandecktn, Daunenbetten. f Nur Geiegcnheitstäufe. Keine Lombardware. Herrenrad, Damenrad kauft I Dergemann, Rochowstroße 5. i Säufer T©5i und verlangen ia Zukunft durch die reichstes etslichc Zwangssporl pfleg« Vertrautheit mit altca Toffesfragran dus Sports.— Sm fördern und werben für den Sport, Sie haben über ihn Berichterstattunff voa hoher Wart« als Leser der führenden Sportseitschriflen und amtlichen Blatter der gröfiteo Verbände von über Miilionen Mitgüederai DSZ MEZ tm Deutsche Sport Bettunsr Wocbenachnft M. 2.50 die Nr. 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In den Außenbezirken versuchte man durch Ausbau von Dachgc- schoflen zu Wohnungen mehr Wohngelegenheit zu schaffen. Aber auch diese Tätigkeit mußte bald eingestellt werden, weil die notwendigen Mittel nicht vorhanden waren. Die geringen Mittel, die der Siedlungsdeputation zur Verfügung standen, reichten auch im entferntesten nicht aus, den Wünschen der Siedlungsgenoflenschaften und der Einzelsiedler gerecht zu werden. Insgesamt lagen der Siedlungsdeputation von Genoflenfchaften rund 10 000 Anträge auf Bezufchuflung neuer Wohnungen vor, und dazu kamen 1000 Anträge von Einzelsiedlern. Wenn man bedenkt, daß die Wohnung eines Siedlers in einer Größe von durchschnittlich 70, 7. Sächsi- scher Hüttenkoks 35,90 2)7. Die Preisfestsetzungen des Z 1 und 2 finden auf alle feit dem 15. d. M. ausgeführten Lieferungen Anwendung. Oer Raubmorü in Neukölln. Verhaftung des mutmaßlichen Täters. Die Ermittelungen der Mordkommission haben ergeben, daß die am 2. Juli 1875 geb. Frau Emma des Kartoifelhändlers G r o t h e aus der Juliusstraße 37 zu Neukölln einem Raubmord zum Opfer gefallen ist. Mittwoch morgen um 6 Uhr war Erothe mit seinem Sobn nach zwei verschiedenen Ortschaften gefahren, wo er Kartoffeln aufkaufte. Der Sohn ist dann früher als der Bater mit dem Gespann wieder nach Hause gefahren. Schon beim Abschirren der Pferde war es ihm aufgefallen, daß die Mutter nicht, wie sie es sonst tat, heruntergekommen war. Als er nun die Wohnung aufsuchte, nahm er beim Oeffnen der Flurtür gleich einen starren Brandgeruch wahr. Aus dem Vorderzimmer drang dichter O"�>rn und als er dieses öffnete, sah er, daß diese? ganz mit Rauch gefüllt war. In der Küche lag die Mutter mit dem Gesicht auf dem Fußboden. Der Kopf war mit einem Jackett zugedeckt. Nachbarn benachrichtigten die Feuerwehr. Nachdem der Brand gelöscht war, schritt die Krimi- nalpolizei an die Untersuchung. Frau Grotbe war tot und hatte schwere Berletzungen am Halse und am Kopf. Assistenzarzt Dr. Straß- mann jun. stellte fest, daß sie mehrere Stiche im Kopfe hatte und ihr die Kehle durchschnitten war. Das Mordin st rument, ein der Familie Grothe gehörendes Küchenmesfer. lag neben der Leiche. Außerdem aber hatte die Tote noch schwere Srbädeloerletzungen, die allem Anschein nach von Hammerschlägen herrühren. Nach dem Be- funde hat der Täter zuerst mit dem Hammer auf fem Opfer ein- geschlagen und ihr dann von hinten die Kehle durchschnitten. Eine genaue Durchsuchung der Wohnung er-mb, daß der Täter im Dorderzimmer das Verttko nach Schmuck- und Wertsachen durch- wühlt hat, die darin befindlichen Sachen aber bat liegen lassen. Dann scheint er auch in dem Schlafzimmer nach Geld— und Geldeswert gesucht zu haben, denn die Kopf- und Keilkissen im Bett des Mannes waren durcheinander geworfen. Soweit bis jetzt feststeht, fehlen jedoch nur 25 M., die, als Vater und Sohn die Wohnung gestern morgen verlassen hatten, auf dem Kücbenbrett lagen. Nach dem Gutachten des Arztes ist der Tod der Frau scbon vormittags eingetreten. Um diese Zeit, etwa in der elften Stunde, wollen auch Hausbewohner ein Schreien und auch einen dumpfen Fall in der Wohnung gehört haben. Kurz darauf ist dann ein Mann ge- sehen worden, als er das Haus verließ. Es war, wie die Erwitte- lungen des Kriminalkommissars Tretttn ergaben, der in der gleichen Straße wohnhafte Gemüsehändler Fahr. Dieser stand mit dem Kartoffelhändler Grothe in geschäftlichen Beziehunzen. Er ist dringend verdächttg, die Tat verübt zu haben und wurde nach kurzem Verhör noch in der Nacht vorläufig fe st genommen und nach dem Polizeipräsidium gebracht. Tie deutsche NutomobilauZsteUung. Die Leitung der deutschen Automobilausstellung hatte am gestrigen Donnerstag nachmittag die Vertreter der Presse zu einer Vorbesichtiqung der ersten großen Automobilausstellung geladen, die seit dem Jahre 1903 veranstaltet worden ist und heute eröffnet werden wird. Die weite, von Baumeister Hans Alfred Richter er- richtete Halle, deren Innendekoration von der Firma Baruch aus- geführt worden ist, bot trotz ihrer gewaltigen Größe kaum der Zahl der Aussteller den nötigen Platz. Das Kleinauto herrscht überall vor. Reben diesen, die meist für drei bis vier Personen bestimmt sind, sieht man allerdings auch starke Maschinen in einer Ausfüh- rung, die an Eleganz kaum noch zu übertreffen ist. Außerordentlich interessant ist die L a st w a g e n a b t e i l u n g, die der Haupt- anziehungspunkt der Ausstellung werden dürfte. Man sieht hier die Riesenchassis in jeder nur denkbaren Ausführung auf Riesen- Pneumatiks, und es ist kaum glaublich, wenn man hört, daß diese Omnibusse, die als Zubringer sllr Kleinbahnen usw. bestimmt sind, Schnelligkeiten bis über 50 Kilometer entwickeln. Die„Sensation" der Ausstellung ist ein Personenwagen, bei dem der Motor an das Ende und die Steuerungsumschaltung an die Spitze des Wagens gelegt worden ist._ Regelung des WagenverkehrS an den Autorenntagen. Nach einer Bekanntmachung des Berliner Poli- zeipräfidenten werden zur Vermeidung von Unfällen folgende Straßen an den beiden Renntagen(Sonnabend und Sonntag) für den gewöhnlichen Wagenverkehr gesperrt: die Straße Grunewald— Hundekehle— Wannsee(zwischen dem Kleinen Stern und Wannsee), die Straße Heerstraße— Großer Stern. Beide Straßen dürfen nur von Wagen benutzt werden, die Zuschauer zur Rennbahn(«Ldschleife bei Nikolassee und Waldplatz) bringen. Ferner werden gesperrt: die Masuren-AUee, Königin-Elisabeth-Straße(zwischen Kaiserdamm und Rennbahn), Rognitzstraße(zwischen Kaiserdamm und Königsweg), Suarezstraße(zwischen Kaiserdamm und Neue �im-straße) und die Neue Kantstraße. Der Kronprinzessinnenweg(die Chaussee westlich der Autostrahe) darf zur Anfahrt der Wagen zwischen dem Grüne- waldstern und der Einmündung der Havelchaussee nur in Richtung nach Süden, und zwischen Wannsee und Havelchaussee nur in der Richtung Slld-Nord befahren werden. Die Abfahrt sämtlicher Wagen, die den Kronprinzessinnenweg zur Anfahrt benutzt haben, und ihre Aufstellung bis zur Beendigung der Rennen ersölgt über die Havel- lyaussee. Der uorige wagt.«�>.regc zanicyeu»trtui uim zpaausee wird über Zchlendorf umgeleitet. Eine besondere Regelung ist für die Zufahrt zur Nord- schleife der Rennstrage vorgesehen: Wagen mit� Wagen- karten fahren über Kaiserdamm—-Königin-Elisabeth-Straße oder Reichskanzlerplatz— Masurenallee nach dem Wagenplatz innerhalb der Schleife. Autobusse fahren über Kaiserdamm— Königin- Elisabeth-Straße bis zur Neuen Kantstraße— Masurenallee und ent- laden auf dem östlichen Fahrdamm der Königin-Elisabeth-Straße. Pferdewagen ohne Wagenkarte fahren durch den Kaiserdamm nach dem Königsweg. Kraftwagen ohne Wagenkarte fahren durch die Bismarck- oder Kontstraße nach der Suarez- und Dcrnburgstraße und setzen dort ihre Fahrgäste ab. Die Torwagen(Kremser) fahren durch die Bismarck— Suarez» j straße bzw. Kant- und Neue Kantstraße und setzen ihre Fahrgäste ; vor der Litzenscedrücke ab. Bei Nichtbeachtung dieser Zufahrtvorschriften setzen sich die Wagenführer der Gefahr aus, da die Absperrungen ohne Aus- nähme strengstens durchgeführt werden sollen, die Autorennbahn überhaupt nicht zu erreichen. Nach Beendigung der Rennen stehen die Wagen für die Rückfahrt den Besuchern des Südteils der Auto- . straße(Nikolassee) an der Havelchaussee, den Besuchern der Nord- ■ schleife in der Königin-Elisabeth-Straße, Königsweg, Neue Kant- straße usw. zur Verfügung, von wo sie einen vorgeschriebenen Weg zur Rückfahrt erhalten."_ Der Raubmord an dem Kunsthändler Reißer. Der gestöTidige Minäter Passarge wurde aeslern nochmals verhört. Er schildert, daß Selzer mit Frau Spanier zunächst allein den Plan erwogen halten, den Teppichhändler mit einem gefällchtcn Sckeck zu betrügen. Weil Passarge mit lolchen Schwindeleien Bescheid wußte, wurde er zugezogen. Nachdem dann die Sache in einer Weinstube in der Potsdamer Straße zum letzten Male besprochen worden war, schntlen alle drei zur Tat. die dann mit der Ermordung Neißers endete. Die Ermitieliinaen erstrecken sich jetzt nach Aufdeckung des Komplotts insbesondere auf das verbrecherische Treiben der Frau Spanier, die ebenso wie Selzer noch ihre Mitwirkung trotz Ueber- führung bestreitet. In einer längeren Eingabe an den Berliner Magistrat weisen die Stadlv. Dr. Wehl und Genossen auf die große Gefahr hin, die der mindelbcmittelten Bevölkerung aus der ununter- brockenen Sieigeuing der Lebensmittelpreise crstcben und richten schließlich an den Magistrat folgende Anfragen: 1. Was hat der Magistrat schon getan, um die ausreichende Versorgung der städti- scheu Bevölkerung mit Kartoffeln zu erschwinglichen Preisen sicher- zustellen. 2. Welche Schrine bat der Magistrat bisher unter- nommen, tim der ernsten Gefahr zu begegnen, die durch die hohen Fleischpreise heraufbeschworen worden. Erwerbslofcnsürscrge der Stadt Berlin. Unter dem Vorsitz des Sladtverordn. Prof. Dr. Kirchner, wurde am Donnerstag die Magistratsvorlage über die Satzungen der Erwerbsloieniürsorge der Stadt Berlin mir einigen vom Minister für Wohliabrt ver- aulaßteir Aenderungen von einein Ausschuß der Stadtverordneten- veriammluug augenoinnicn. Gleichzeitig hat ein zweiter AnSichuß die Magisttalsvorlage über die Satzungen für das VerwaltnugS- fcminar mit einigen Aenderungen verabschiedet. Unser Wahlkampf. Vom 4. Kreis(Prenzlauer Tor) hatte die 29. Abteilung eine öffentliche Wähleroersammlung nach der Schulaula, Senefelderstr. 6, einberufen. Genosse Jakob A l t m a i e r behandelte das Thema: „Bayern— Preußen— Berlin". Er gab den Bersammelten ein anschauliches Bild unseres zerrütteten Wirtschaftslebens, das den Untergrund bildet für die politischen Vorgänge und den Schlüssel liefert zur Beurteittmg des Treibens der Reaktion. In diesem Zu- sammenhang sei auch die Stadtverordnetenwahl in Berlin von über- aus hoher Bedeutung, um gegen die Reaktion Front zu machen. Die aufklärenden Darlegungen des Referenten fanden vollen Beifall. Ais zweiter Referent sprach Genosse S u b k e. der auf die Tätigkeit der bisherigen Stadtverwaltung näher einging und auch die unserer Genossen insbesondere hervorhob. Die Sozialdemokratische Partei war die einzige, die einen Vertreter der Invaliden mit auf ihre Liste nahm. Auch� seine Ausführungen wurden beifällig aufgenommen. � Da sich Gegner trotz ausdrücklicher Aufforderung nicht zum Wort' meldeten, solche offenbar auch nicht erschienen waren, erübrigte sich eine Diskussion. Genosse Hänlein brachte eine Einladung der Deutschnationalen Bolkspartei, Ortsgruppe Schönhauser Vorstadt, zu einer nichtöffentlichen Versammlung zur Kenntnis. Darin wird auf den Berlauf der letzten Versammlung hingewiesen— die auch von unseren Genossen besucht war—, die der Auflösung verfiel infolge des provokatorischen Verhaltens Deutschnationaler. Zum Schlüsse heißt es: „Da die am 2. September 1921 geplante Sedanfeier infolge des Verbotes des Polizeipräsidenten nicht stattfinden konnte, veranstalten die Kreise 2b und 4 cm 3 0. September 1921 in den gesamten Räumen des Kriegerv-reinshauses, Berlin N., Chaussee- straße 94, einen Familienabend, wozu die bereits gekauften Karten Gültigkeit behalten. Ansprachen u. a. Graf Westarp und Major Anker. Für genügenden Schutz ist gesorgt... Die verbotene Sedanfeier soll also in verschleierter Form nach- träglich abgehalten werden. Die Abteilung Grünau hatte am 19. September in Ehr- Hardts„Jägerhaus" ihre erste Wählerversammlung, die gut besucht war. Genosse B i e r o ü ch e r sprach über die Gefahren, die der Republik seitens der immer frecher austretenden Reaktion drohen. Er zeigte, wie der kommende Kampf um das„rote Berlin" eine entscheidende Machtprobe sein werde, da die Reaktion sich entschlossen zeige, die junge Einheitsgemeinde wieder zu zertrümmern und die alte Jnteresjenwirtjchaft des Berliner Bürgertums von neuem aufzurichten. Nach dem mit Beifall aufgenommenen Referat sprach in der Diskussion ein Redner der Unabhängigen in sachlicher Weise über die Notwendigkeit eines gemeinsamen Borgeheys der beiden sozial! st ischen Parteien. Vorwürfe, die er gelegentlich gegen die Politik der SPD. erhob, konnte der Referent im Schlußwort mit Leichtigkeit zurückweisen, in- dem er an die unzuverlässige, systemlose Politik erinnerte, durch welche die USP. oftmals ein Zusammengehen und gemeinsames Arbeiten mit ihr erschwert hatte Der Vorfitzende, Genosse Klein, forderte aui, rechtzeitig die Wählerlisten einzusehen, und wies auf den am 24. September, abends 7 Uhr, in der Schulaula stattfinden- den Vortragsabend hin. Um den Steuerabzug. Steuern sind nicht beliebt und der vor- weg genommene Steuerabzug von Lohn und Gehalt ist es erst rocht nicht. Warum aber muß dazu noch der Verdruß kommen, den die Langsamkeit der Behandlung von Anträgen auf Ruck- zahlung überschüssigerAbzügeden Steuerpflichtigen be- reitet? Am übelsten sind die daran, die inzwischen a r b e i t s- und erwerbslos geworden und in Not geraten sind. Einer, der auch in dieser Lage ist, klagt uns in einer Zuschrift sein Leid. Er hebt hervor, daß nach seinen Erkundigungen nicht die Sekretare der Finanzämter die Schuld trifft. Ihm selber ist von seinem Lohn etwa doppett soviel abgezogen worden, als schließlich zur Anrechnung aus die Einkommensteuer für 1920 kam. Bereits seit Monaten muht er sich vergeblich um Herauszahlung des ihm gehörenden Ueberfchusies, den er jetzt in seiner Erwerbslosigkeit gut brauchen könnte. Dem zu- ständigen Finanzamt hat er unter Hinweis auf feine verzwelfelte Lage eine dringliche Bitte um beschleunigte Erledigung ubersandt. Aber da kann er lange warten. Rücklrill des Handwerkskammerpräsidenten Rahardk. Der Präsident der Handwerkskammer Berlin, Ehenobermeister Karl Ra- Hardt, hat, wie die Tclunion erfährt, auf das Drängen der Selbst» Verwaltungsorgane der Kammer gestern den Vorsitz m der Kammer niedergelegt. Da» Bezirksamt IV. Vepulalion für Wohlfahrt und Zugeudpflege hat nach der Dezentralisation des Jugendamtes alle aus dem Ge» biete der Jugendpflege und Leibesübungen liegenden Arbeiten mit dem 16. d. M. für den Bereich de« Siadtbezirls Berlin. Prenzlauer Tor, übernommen. Geschäftszimmer im DjrektionSgebäude der Brauerei Königstadt, Schönhauser Allee 10/11, 2. Stock. Die heimatkundliche Sammlung de- Reukölluer Schulmuseums im Körnerpark, woselbst u. a. da« germanische Reitergrab Auistellung gefunden bat. wird noch bis zum Oktober d. IS. gegen Entrichtung eines EintriltsgeldeS von 20 Pf. für Erwachsene und 10 Pf. für Kinder in der Zeit von 4— 7 Uhr der allgemeinen Besichtigung zu- gänglich sein. Volksbildungsaml Bezirk 20, Reiuickendorf. Das städtische Marionettentheater des 20. Bezirks spielt am Sonnabend. den 24. September, nachmittags 4 Uhr, in der Juqendhalle(ehem. Seebad) Reinickendorf, Residenzstr. 49. Zur Auffübrung gelangt ein Zauberroman in vier Aufzügen von Franz Pocci:„Das Eulenschloß". Eintritt für Kinder 75 Pf., für Erwachsene 1.50 M. Gamsakourdia u. Dcmidoff, ein hervorragendes russisches Tänzer. paar tritt ab 1. Oktober in der S e a l a aut. Berlin dürste seit dem Gast- ipiel'der Pavlowa und Nijwski selten eine derartige Tanzattraktion gesehen haben. n. vuittmrg. Für die IM i äh r ig e F r a II Brkls-witz sind et». gegangen: F. Th. S M.. I. E. 20 M., R. B. 10 M., A. S. 10 M., W. P. 20 in., H. Dr. 5 M.. R. Ech. 5 M.,©. M. 5 M„ M. L. 3 M.. Tr. 3 M., F.«l. 10 M., St—c. 10 M.— 106 M.; dazu erste Sammlung« M.-- 14L M. Grsß-Serliner partelnachrichten. Heule, Areikag, den 23, September: 27.«bt. TH Uhr Sitzung der Bezirksssthrer bei Dabrohlaw, Sroincmündcr Straße 11» 70 Abt. Wil«er»darf. 8 Uhr Sitzung sämtlicher Funktionäre bei Schramm, Hohenzollerndamm 2. Wichtige Tagesordnung. Erscheinen dringend not- 5». Abt! Äariendors. 8 Uhr Zusammenkunft der B-zrrksfithrcr resp. deren Stell- Vertreter bei Niendorf, Ehaussee», Elke Strelitzstraße. Iuugsozialisten. Gruppe Lichterseld«: 7% Uhr Jugendheim Albrcchtstr. 14». Bor- -rags-bend.— Srnppe Pankow: 7� Uhr Jugendheim Breite, Sir. 32. Ein. ang hinter dem ßüianzami, Diskussionsabend.— Arbeitsgemcinschast .eiSrichshaw! 8 Uhr Sitzung bei Eutzv, Weidenmeg 7.—«r-eitsgenwin. chast Landgemeindchans: Sophienstr. 23, Bortrag über.Lolstoi» Bcr- hältnis zum Geist Westeuropas". Morgen. Sonnabend, den 24. September: 57. Tbt. Eharlottcnbarg. 7 Uhr Funktionärsitzung bei Goohnert, SchWerfir. tL 131. Abt. Riedcrschöahausen. Die Funkiwnärkonserenz findet des Vergnügens wegen erst am Montag bei Benkert statt. 82. Abt. Steglitz. Achtung, Frauen! Betrifft Berbreitung der„Wählerin". Die Genossinnen treffe» sich zu diesem Zweck zwischen 6 und 7 Uhr bei Clemens, Düppelstr. 7. • 5. Abt. Zur„vorwärts".Agiiati-n sowie zur Empfangnahme der Hantzettel 9. Abt. onutag zur Ssfentlichen Versammlung am 27. September(Fidicinstr. 2/3) treffe» sich die Genossen von 8 Uhr vormittags ab bei Seufner, Hagelbergersir. Ibt. Bezirkssührer! Abholung des„Vorwärts" zur Agitation am Cor früh bis 548 Uhr bei Gläser, üoitbuser Ufer 3S/«0. Es mutz derselbe»och am selben Tage zur Verteilung gelangen. 11. Abt. Sonntag früh„Vorwärts"-Agitation. Die Genossen treffen sich früh 8 Uhr bei Geitzler, Stalitzer Str. 59.__ 41. Abt. Die Genossen treffen sich in der„Vorwärts-Ausgabe Wilhelms- havener Stratze lZ.-Z.) früh 547 Uhr. 42. Abt. Die Genossen werden ersucht, Sonntag früh 8 Uhr bei Behrens, Tegeler Str. 22, zur Handzetteloerbreitnng vrünktlich zu erscheinen. 118. Abt. Lichtenberg. Am Sonntag früh 10 Uhr Treffpunkt zur„Borwärt»"- Agitation in den Zahlqbcndlokaken. MHeil Man fordere ausdrücklich ,Pfeir-Spar- GHihkorper und achiG aufc/ie.Pfei/'SchufzmarkG „VorwW-Ausgabesfellen r-OIühköi�per. ZS%Qas-Ersparnis sowie Geschäfissiellen der Zciiungs- Zenfrale(Z. Z.) Aktiengesellschaft * Inserafen-Annalune Südwest: Lindenstr. 3. II. Hot parterre.— klerusalcmer Stratze 5/8. Hauptgeschäft. Zentrum: Ackerstr. 174, am sioppenpl. Geöffnet von 9—8 Uhr. Westen: Steglitzer Sir. 37, Ecke Magdeburger Stratze. Ge» öffnet von 9—8 Uhr. Sude»: Bärwaldstratze ,2, a. d. Eneisenaustratze. Geöffnet von 9—8 Uhr.— Prinzenstr. 31, Hos rechts pari. Ee» öffnet von 9—8 Uhr. Osten: Markusfir. 38. Deöffnet von 9—8 Uhr.— Peters» burger Platz 4. Geöffnet von 9—8 Uhr. Südosten: Lauirtzer Plag 14/15. Seäffnct von 9—8 Uhr. Nordosten: Inimanucikirchstr. 24. Geöffnet von 9—8 Uhr. Moabit: Wilhelmshaoener Str. 48. Lübecker Str. 11. Geöffnet von 9—8 Uhr. Wcdding: Müllerftr. 34a, Ecke Utrechter Stratze. Frau Schneider Reinickendorfer Str. 11, Papiergeschäft, Eingang Schönwalder Stratze. Geöffnet von 9—8 Uhr. Slofenthaler lind Lrauiendurger Borstodl: Waltftr. 9. De- öffnet von 9—8 Uhr. Gesundbrunnen: Pastianstr. 7. Geöffnet von 9—8 Uhr. Schönhauser Vorstadt: Greifenhagener Str. 22. Geöffnet von 9—8 Uhr. Adl.'rshos, Alt-Slienlck«: Frl. Walter, Adlershof. Ge- nossc>ischaflsstr.'8, varterre. «aumschutenwog: Frau Nöpke, Siesholzsir. 180, Laden. Bernau, Rüntgrntal, Zepernick. Schöndrnck.«arow und Suil>: Heinrich Brase. Bernau. Miiblenltr. 5. Biesdorf:-ffl. Dannebara. Viktortastr. 11. Bohnadarf- Horlemann. Ecnoffcnfchaftshau«»Pa- radle»', Buchholz, Blankenburg: H a i n k e, Duchholz, Bahnhofsir. 24. Eharlottcaburg l: Sefcnheimer Str. 1. Geöffnet von 9 bis 6 Uhr. Eharlottcudnrg n; Tauroggcner Str. 11. Eharlottenburg IN: Kaiserdamm 101. Geöffnet von 9— 8 Uhr. Eharlottenburg IV: Nürnberger Str. 23. Egaersdort: Schön Herr. Landsberger E!r. 10. Eichwalde- Schmöckwitz: K ä t h n e r, Bahnhofstr. 89. Srtaer: Alber! N-rnlcke. Friedrichltr. 21, Fichtenau. K r e tz I«. Waldftr. 28. �nU-nbeig: S a l z w a n», Fgltenberg, Gartenstadtflr. 10. Friedenau: Rheinstr. 27. Ecke Rönnebergstratze. Kreder-dors.Petershageni Uktenwaller Pelcrshggen. Friedrichshagcn: Hoffmann, Friedrichshagen, Kurze Straße 1. Grünau: Franz Klein. Friedrichsir. iO. Halensee, Grunewald: Halcnsee, Georg-Wilhelm-Str. 2. Scrzselde: Martin Smolibowoti. Äenniasdork: Emwulat. Raibenaustr. 7. Hohennenendorf: S i e g e r i s. Bismarckstratze. zohanuistbal. Alwin Dom milch Bisinarckstr. 8. Karlshorft: Frau Stanke, Hentigstr. 82. vorn parterre. Kaulsdorf: L i e b l g, Finsterberger Str. 4. Kijuigs-Liulierdaulen, Nicbcrlebme: F r i e d r. B a ll m a n n. Königs-Wusierhaufen. Berliner Sir. 8. Köpenick, Hirschgarte»: Schlag. Kietzer Str. 8 lLaden). Geöffnet von 9— 6 Uhr. Lichtenberg I; Lichtenberg. Wartenberg str. L Geöffnet von st— 6 Uhr. Lichtenberg II, Rummelsbnrg, Stralau: Lichtenberg, Box. Hagener Str. 82. Geöffnet von 9—8 Uhr. Lichtenberg III, Friedrichsselbe: Frankfurter Allee 185. Laden. Lichteurabe: Franz W i ch u r a, Kaiser.Friebrich.Str. 9, Reflauranl. Lichterfelde-Oft, Lankwitz! f>. Wenzel, Lankwitz. Kaiser» Wilbelm-Str. 8. Lichterfelde-West: S ch a e d« l, Hindenburgdamm 84. «ahlsdors: Emil Rausch, Lcmkestr. 25. Marienborf: Auauft Letv. ChaUNeeslr. 29. Marirnfelde: Fritz Greulich, Kirchstr. 27: Südring 762. Neuenbage»« e n, k e. Zieaelsir. 71. Renkölln: Reckarstr. 2. Geöfsnct von 9— 6 Uhr. Neukölln-Britz: Eiegsriedstr. 28/29. Geöffnet von 9— 6 Uhr. Aiederschöueweide: Hartrampf, Brllckenstr. 10 II. Niederl cholldauseu. Nordend! G. Echlievener. Tres- kowftr. 14. Rowowes: Karl Krohnbera Elfrndahnsir. 10. Oranienburg: H e, n r. Loenhardt, Stralsunder Str.». Oberlchöueweide: Robert Paul Malhildenstr. b. Ponlow: R i tz m a« n Mühlenstr. 70. Potsdam: Frau Lack, Kurlürftenftratze U. Rohnedorf! S r dl e r I Forststr. 7. Reinickendorf.Vst Schöubolz: Albert Wahl«. Provinz. ftrntze 58 lLadeni Reinickeudorf-Rofentdal: D. Büro. Prinz.Hefnrich.Str. l4. Schmargendorf: R e h a b. Breite Str. 4. Schöneberg: Pelziger Str. 27. Geöffnet von 9— tz Uhr. Senzig: Friedewald Ebausseestr. 54. SiculenSftadti Stet», Sioimelidanrio-Wee LS«. Spandau! B u l l a ck, Moritzsir. 14, Garth. 3 Tr. Staaken: Frau K u f e r a u, Staaken, Scheidtftr. 12. Südende! Ludwig. Haiskeftr. 88. Steglitz: Schildhornfir. La. Tegel, Borfigwalde, Rcinickeudorf-West, Waidmaauslust. Freie Scholle, Hermsdorf, Birkenwerder, Bergfelde, Stolpe und Borgsdorf: Borsigwalde, Räufchstr. 10. Ge» öffnet von 9—8 Uhr. Teltow: Krüger. Schönow, Dorfstr. 9. Tempelhof! Kaifsr-Wilhelm-Str. 13. Tempelhof: K a n d l e r, Hohenzollernkorfo 5. Trebbin:® 8 ring, Bahnhofstr. 62. Trepiow: N r a m e n z Kiefholzstr. 112. dorn 1 Tr. Weltzense«: Berliner Allee 54. Wildan-Kohenlehme: Rud. Lettow. Wilhelmshage». Hesseuwinkel: Schulze. Wilhelmshagen. Wilhelm str. 31. Wilmersdorf: Holsteinische Str. 19, Kaiserplatz 15. Sittenan: Wilh. Zimmermann. Rvsenthaier Str. 4«. Walterodorf: Echurbaum. Eichrndamm 22. Zrtzlrndorf. Schlachtenlee Nikolasleei W e g n e r kehlen- dorf, Teliower Str. i. Zeutbe» Miersdorll Ernst Dl vi er seid. Zeuthen, Kursürsienstr. 48. Sosscu: Albert Stein. Mtttenwalder Str. 17. Sämtliche Ateratur sowie alle wissenschaftliche» werde» geliefert. Sonntags sind die»efchäftsstellen«efchlosie». Werk, dem auf Lager gehalten sind. Es gewinnt weiterhin den Anschein, daß mannigfache Erzeugnisse, nath denen starke Nachfrage l efteht, künstlich zurückgehalten werden, um sie später mit l m so größcreni Nutzen verkaufen zu können. Ganz besonders vcr- lvrstich ist die zu alledem vielfach festgestellte gröbliche Verfälschung wichligcr Lebensmlktcl, die den Wuchercharakler an sich schon un- gerechtfertigt hoher Preise noch bedeutend erhöhen. Derartige un- lautere Gebarungen bedeuten eine Schädigung schwerster Art unseres WirtfchaflZ- und Tolkslebens. Erfährt die wirtschaftliche Spannung durch solche Machenschaften noch eine weitere Erhöhung, so sind die Folgen unabsehbar. Es ist daher unabweisbare Pflicht der zu- ständigen Stellen, mit allen Mitteln und größtem Nachdruck dagegen vorzugehen. Erzeuger und Händler müssen zu der Ueberzeugung gebracht werden, daß die staatlichen Organe gegen solche, den Verbraucher und die Allgemeinheit schädigenden Machenschaften u n- n a ch s i ch t l i ch einschreiten: auf der anderen Seite muß in d-: Kreisen dcr Verbraucher die Zuversicht gestärkt werden, daß der Staat gewillt und in dcr Lag: ist, der wucherischen Ausbeutung zu begegnen. Ich ersuche daher olle nachgeordneten Dienststellen, die Preise für Gegenstände des täglichen Bedarfs, insbesondere der Lebens- mittel, einer eingehenden und fortlaufenden Uebcr- n r ch u n d zu unterziehen. Die Zulässigkeit der Preissteigerungen ist durch Prüfung der Ein- und Verkaufspreise fortlaufend zu prüfen und dabei insbesondere festzustellen, ob bereits früher bezogene und billiger eingekaufte lagernde Waren zurückgehalten- oder jetzt zu über- höhten Preisen verkauft werden. Den wucherischen Machenschaften muß uitter allen Umständen und mit größter Entschiedenheit cnt- gegengctreten werden. Zur Bekämpfung von Wucher, Schleichhandel und anderen unlauteren Gebarungen auf diesem Gebiet sind an erster Stelle die für diese Zwecke an allen wichtigere» Orten geschaffenen polizeilichen Wucher stellen berufen. In Anbetracht der Bedeutsamkeit dieser Aufgabe muß ihr aber die gesamte Po- l i z e i, soweit irgend angängig, dienstbar gemacht werden. Jnwie- weit die Beamten der Schutzpolizei bei dem gegenwärtigen Stande ihrer polizeilichen Ausbildung dcr Bearbeitung derart schwieriger "lufzaben gewachsen sind, will ick) der Beurteilung der einzelnen ll' rtspclizdvcrwaltungen überlassen. Lanöbunö und Lieferstreik. Die„Oei'.tsche Taxeszeilung" bekommt jedesmal Tobfuchtsanfäll«, wenn man feststellt, daß der L a n d b u n d den L i e f e r st r« i t gegen die Städic und die Regierung propagiert. Erst jetzt hat ihr wieder die Rede Hermann Müllers auf dem Görlitzer Partei- tag Veranlassung zu folgenden Ausfällen gegeben: Das ganze Hetz- und Schimpflexikon der sozialistischen Blätter in den letzten Woch.m saßr er(Müller. Red.) zu diesem Zwecke mit seinen schönsten Blüten in der Rede zusammen. Die„deutsch- nationalen Mörder" müssen wieder herhalten, und dcr„L i e f e r- st r e i k" wird zu einer wilden Entrüstungsfansar« ausgebeutet, obgleich er überhaupt nicht ins Werk gesetzt worden ist, sondern lediglich in einem kleinen Kreise diskutiert wurde. Nun lesen wir ganz zufällig in Nr. 221 der„Grenzmark" iF'atower und Schlochauer Kreiszeitung) vom 20. September 1921 salgenden Bericht: kappe. L a n d b u n d. In einer am Sonnabend im Deut- schen Hause von Herrn Molkereiverwalter Mellenthin geleiteten Versammlung sprach Herr Dr. S p i l l c r über die neuen « t e u e r n, insbesondere über die von der Regierung beabsichtigte Besteuerung der sog. Geldwerte. Redner zeigte an Beispielen, daß, wenn die.Steuern.wirklich, eingefülirt werden. alle Landwirte, ob Groß-, Mittel« oder Kleingrundbesitzer die Selbständigkeit verlieren und ihr Leben im günstigsten Falle als Bcrwalter ibres früheren Eigentums fristen können. Dr. Spiller führte aus, daß es nur«in Mittel gibt, diese furchtbare Ge- icchr abzuwenden: das ist der Lieserslreik. Kroß-Berlin braucht keine sechs Tage mit Lebevsmit-eln beliefert werden, und ichon ist die„Regierung der Erfüllung" fortgelegt. Dann aber gibt«s keine Besteuerung der Geldwerte in d:m oben angeg-cbenen Sinne. Um nun dieser Gefahr begegnen zu können, müssen sich all«: Landwirte, Arbeitgeber und-nehmer in dem Reichsbnnd finden. Hier wird ganz of'en der Lieserstreik als Mittel gegen die Bc- fleuerung gepredigt und der R e i ch s l a n d b u n d als die Organ!« st.tion bszeichnct, die den Lieferftreik durchführen wird. Widerspruch gegen diese Aussassung wurde in der vom Landbund einberufenen Versammlung nicht erhoben. Es kann also gar ltin Zweifel sein, daß in den Mitglicderdreisen des Landbundes man mit dem Plane des Lieferstrcils durchaus vertraut und cinocr- standen ist. „Sozialiftistbe Verantwortungsfreuüigkeit". Unter dieser Uebcrschrist berichtet die„Kreuzzeitung" über einen Prozeß Hörsing s gegen die deutschnationale„Hgllcsche Ztg.", die wegen Beleidigung Hörlinz» zu 1000 M. Geldstrafe v e r- erteilt wurde. Dennoch möchte die„Kreuzzeitunz" aus diesem P-ozeß Honig saugen, denn durch ihn soll erwiesen sein, daß „Sjörsinq bei der Frage dcr Einsetzung von Reichswehr während des Märzausstandes parteipolitisch gehandelt Hab?". Die„Kreuzzeitung" ahnt in ihrer Unkenntnis der Dinge nicht, wie sie hier ihre intimste» Freund« blamiert. Die Frage der Einsetzung der Reichswehr ist nämlich von dem Untersuch ungs- a u s s ch u ß des preußischen Landtages auf das eingehendste gc- prüft worden. Dabei bat der d e u t j ch u a t i v n a l e Regierungs- Präsident von Merseburg, Freiherr von S e r s d o r s f, folgendes bekundet: In der Frage der Nichteinsetzunq dcr Reichswehr sei er init dem Obcrpräfidenten vollständig einig gewesen. Hierüber habe es bei allen beteiligten Stellen nur eine Meinung gegeben. nämlich daß das Einsetzen von Reichsmehr eine bedeutende Vergrößerung des Aufstandes zur Folge gehabt hätte, da sich ihm alsdann die großen Arveitcrmasscn angeschlossen hätten, die bisher abseits standen. Zwei» oder dreimal wiederholt: Herr von G c r s d o r f f, daß in diesem Punkte sick» ssine Ansicht absolut mit dcr Hörsings ge- deckt habe. Ebenso äußerte sich der d e u t s ch v a t i o n a l e Ober- präsidialrat L r c y e r. Haben nun nach Ansicht der„Kreuzzcitung" Herr Regicrungs- pi-älident von Gersdorff und Obcrpräsidialrat Vreyer, zwei wasch- e'üe Teutfchnaticnale, auch„parteipolitisch" gehandelt, als sie gegen d'n Einsatz von Reichswehr waren?! Die Stjllek»unasaktion in öer kaiiinAustrie. Der Vvlkswirtichoftliche Ausschuß des Reichstages beschäftigte sich am Donnerstag mit dem Entwurf einer Verordnung z.r Aendcrung der Kaligcfetzgebung. Ein Regierungsverlretcr begründete den Entwurf mit der u». •künftigen Lage der Koliinduftrie, die sofortigen Maßnahmen scwoh! i n volkswirtschaftlichen Interesse, als auch in dem der Industrie l'lbst notwendig mache. In den ersiflr 5 Monaten des laufenden Jahres ist der G e s a m t a b s a tz gegen die gleiche Zeit des Nor- jghres um rund ZI.Proz. zurückgegangen. Da nach neueren Nachrichten auch die Kaufunlust der landwirtschaftlichen Kreise in aleicher Weise wie im Inland, auch im Ausland bestehen, soll, so dürfte die Veranlassung hierzu in der erheblichen Preis steige- rung aller Aunftdüngerlorten zu suchen sein. Diese Preissteigerung hat allgemein dazu geführt, daß die Landwirtschaft in der Anwen- Die Katastrop Je näher die Einzelheiten über den Umfang der Oppauer Explosionskatastrophe bekannt werden, um so furchtbarer ist das Bild, dos sich dem Auge des Fernstehenden enthüllt. In diesen Stunden ist es wenig zweckdienlich, sich mit Kund- gedungen des Gefühls zu befassen, so sehr jeder einzelne innerlich von dieser ungeheuren Tragödie erschüttert ist. Mehr als je gilt jetzt die Notwendigkeit zu handeln. Hierbei stehen, wie wir wiederholt betonten, zwei Pflichten im Vordergrund: die Pflicht zn helfen und die Pflicht, die Unter- snchung lückenlos durchzuführen. Wie bei dem Grubenunglück auf Mont Ecnis die Vertreter der Arbeiterschaft im Reichstag mit allem Nachdruck die Mitwirkung der Ardeiter bei der vor- zunehmenden Untersuchung forderten, so muß auch jetzt dcr Stimme der Betroffenen in breitestem Umfange Gehör ge- schenkt werden. Dieser Forderung wird die vom Vorstand der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion be- schlossene Interpellation gerecht, in der die Reichsregierung im Sinne dcr hier angegebenen Verpflichtungen befragt werden soll. sVergl. gestr. Abendblatt) Die Direktion der Badischen Anilin-Fabrik verbreitet eine Mitteilung, in der sie Publikum und Presse ersucht, im Inter- esse der ohnehin schwer getroffenen Bevölkerung nur absolut verbürgte Nachrichten zu verbreiten und wilden Gerüchten ent- gegenzutreten. Die Direktion sagt weitere Mitteilungen zu, sobald die Entstehungsursache und die Wirkungen der Erplosion tatsächlich iestgestellt seien, was bei dcr Größe und dem Umfang der Katastrophe noch einige Zeit in Anspruch nehmen werde. Wenn die Direktion von 244 Toten spricht, so muß dcmgegcn- über allerdings leider festgestellt werden, daß die Zahl in Wirklichkeit, wie sich aus unserer nachfolgenden Meldung er- gibt, weit überholt ist. Schließlich weist die Direktion darauf hin, daß die eigentlichen Fabrikationseinrichtungen ver- hältnismäßig wenig beschädigt seien und daß man die Her- stellung von Ammoniakwosser schon in einigen Monaten wieder aufnehmen zu können hoffe, was im Interesse dcr Linderung der durch die Katastrophe entstandenen Arbeitslosigkeit außer- ordentlich zu begrüßen wäre. Nachstehend die Meldungen, die noch immer keine klare Uebersicht über den Bcrlaus und die Folgen der Katastrophe gestatten: itl Millionen für die Opfer. Die preußische Staatsregierung hat, wie den PPN. mitgeteilt wird, an die bayerische Staatsrcgierung folgendes Telegramm ge- richtet: Aus Anlaß der erschütternden Katastrophe in dcr Badischcn Anilin- und Sodasobrik wiederholt das preußische Staatsministcrium den Ausdruck der herzlichsten Anteilnahme und des schmerzlichen Be- dauern? darüber, daß dies nationale Unglück so zahlreich? Opfer dcr Arbeit gefordert hat. Zur Linderung dir dringendsten Not- l a g e der betroffenen Familien hat das preußische Staatsministerluu. einen Betrag von einer Million Mark bereitgestellt, über den es die bayerische Staatsrcgierung zu verfügen bittet. Minister- Präsident Stegerwald. Andererseits hören die PPN., daß die Reichsregierung von Reichsrat und Reichstag 10 Millionen angefordert hat, die sie sofort dcr bayerischen Regierung zur Perfügung zu stellen gedenkt, damit diese im Einoernehmen mit der badischen Re- gierung über diese Summe verfügen kann. Der Reichskanzler hat gestern an den bayerischen Ministerpräsidenten ein Telegramm gerichtet, in dem er namens der Reichsregicrung die Bildung eines Hilfskomitees zur Linde- rung der durch das Oppauer Unglück entstandenen Schäden»vor- schlägt. In dem Komitee sollen auch die b a y e r i s ch e, b a d i s ch c und hessische Regierung entsprechend vertreten sein. Von diesem Borschlag der Reichsregicrung wurde zugleich dcr b a d i s ch e Staatspräsident und der hessische Ministerpräsi- d e n t verständigt. Falls, wie zn crmarten ist, die befragten süd- deutschen Regierungen einverstanden sind, bittet die Reichsregierung die bayerische, badische und hessische Regierung zu einer weiteren Besprechung Vertreter auf Scnnabcnd, den 24. September, nach Berlin zu senden, wo vormittags 10 Uhr im Reichsarbeits- Ministerium die erste Sitzung des vorgeschlagenen Komitees stattfinden würde. Tie weitere» Hilfsaktionen. Verlin. 23. September.(WTB.) Dcr Reichsminister Dr. Brauns begab sich gestern als Vertreter der Reichsregierung an den Schauplatz des Oppauer Explosionsunglücks, um mit den baye- rischen Regierungsstellen über die Organisation einer Hilfsaktion zu beraten. Diese Hilfsaktion soll sofort in Tätigkeit treten. Weiter« Mitteilungen über die eingeleiteten Maßnahmen werden ergehen. Spenden nimmt schon jetzt die Amtskasse des Reichsarbeitsmini- steriums, Berlin, Scharnhorststr. 33, Postscheckkonto Berlin 38 726, entgegen.» Darmstadt. 22. September.(TU.) Der Finanzausschuß des hessischen Landtages beschloß in seiner heutigen Sitzung, die Regie- rung zu ersuchen, alles in die Wege zu leiten und zu veranlasse», was nötig sei, um die durch das Unglück bei Ludwigshasen ent- standene Rot nach besten Kräften lindern zu helfen. Zu diesem Zwecke wird ibr ein Kredit von 1 Million zur Verfügung gestellt, außerdem werden Regierung und 1 rndtag eine allgemeine Sammlung im ganzen Lande oeranlassen und unterstützen. Das.Heidelberger Tageblatt" cröfsnet eine Sammlung zugunsten der Beschädigten in Oppau, die in wenigen Stunden über 30 000 M. erzie lte. dumff ihn Kunstdünger zurückhält und vom jntcnsiven zum exten- siven Be.'iel' übergcganacn ist. Die durch den Rückaanz des G>- samtablotz-s des Kaiisyndikats und die erheblickr vermehrte Zahl dcr Kalischächte wesentlich verminderte Ablatzmöglichkeit der einzelnen Kaliwerke hat eine Ansammlung großer Vorräte auf den Werken und eine erhebliche Erhöhung der Selbst- und Generalkosten berbei- geführt. Eine Anzahl von Kaliwerken mußte daher den Betrieb einstellen, wodurch die Entlassuna zahlreicher Arbeiter und Ange- stallten nötig wnrde. Auch mußten Feierschichten in erheblichem Maße eingelegt werden. Nach dem übereinstimmenden Urteil der an» den Kreisen der Arbeitaeber, Angestellten und Arbeitnehmer gc- hörten Sachverständigen erscheint deshalb eine weitgehende Z u- lammenleguna der Betriebe zur Herabminderunq der Gestehunas- und Generotkosten dringend aebo'en. Das vorliegende Gefeic soll dos weitere Abteufen von Kolischächten verhindern und die Stillegung von unrentabel arbeitenden Kalibetrieben fördern. Zum Schub» der durch die Stillegung ungünstig betrofienen Angestellten und Arbeiter ist aus Grund einer Einiaung Zwilchen Arbeitern. Angestellten und Arbeitgebern ein» entsnrechendc B-ltim- mung ausgenommen. Nachdem die in der Kaliindustrie gebildeten Konzerne sich bereits eine große Zahl von Kalischächten zwecks Still- lequng angegliedert haben, ist in erster Linie eine freiwillige Stillegung oorqelehcn. Diele berbei zuführen, dient die Bestimmung, nach der den Besitzern von Kallschächten, die sich zu einer Stillegung he in Oppau. Ter SlkirkSensweg»ach Oppau. Mannheim, 22. September.(Eigener Drahtbencht des„Vorwärts".) Bor 33 Stunden erfolgte die Explosianskatastrovhe, und noch zittert in allen Gemütern die Erregung über das Riesenunglück nach. Wer von Mannheim aus über die Rheinbrücke nach Ludwigshafen geht, der wird aus jeden Schritt daran erinnert, daß Schreck- tiches geschehen. Ueberall in dcr Stadt Mannheim sowohl wie in Ludwigshafen sind Handwerker dabei, die Schäden der Enrlosion zu bescitizen. Das Sladkbild hat ein ganz anderes Gesicht bekommen. Die meisten Fenster dir großen Läden sind mit Brettern dicht verschalt, oder die Rolläden herabzelassen. Die Ladcninhabcr und das Personal sind dabei, in das Durcheinander Ordnung zu bringen. Am schlimmsten betroffen, soweit Mannheim in Frage kommt, sind die großen Fabriken am Indusirichasen und in dem Gebiet, das gegenüber dem Exvlosionsherd jenseits des Rheins liegt. Im Werk Lenz u. C o. wurde das Dach durch den Luftdruck eingedrückt. Um sich einen Begriff von der gcmal'igen Explosion zu machen, mich hierzu bemerkt werden, daß diele Fabrik fünf Kilometer Luftlinie vom Explosionshcrd entfernt liegt. Hier gab es 30 schwer und 30 leichter Verletzte. Die Fabrik nimmt mcrgen einen Teilbetrieb wieder auf. Andere Werke in dieser Gegend sind schwer beschädigt, und zahlreiche Opfer sind zu b-klagen. Di« Straßenzüze, die sich am Rhein hinziehen, bieten ein Bild trostlosen Jammers. Die Scheiben eingedrückt, die Dächer zum Teil abgedeckt und die Möbel und Vorhänge beschädigt. Je näher man dcr Gegend dcr Katastrophe kommt, je schrecklicher. wird die Ver- wüstung. Zn Ludwigohasen sind alle Scheiben eingedrückt und zum Teil in den Läden die Waren auf die Straße geschleudert. Schlimm steht es im Stadtteil H e n z- d o r f, dcr an dcr Peripherie gegen das in die Luft geflogene Oppaucr Werk liegt. Das alt: Werk dcr Anilin-Fabrik im Stadtteil Henz- darf bat wenig gelitten, jedoch find auch hier die Dächer abgedeckt und Wände eingedrückt. Dann kommt man nach Oppau. Grauen- Haft sind die Verheerungen. Die Straßsnzügc sind mit Schutt bedeckt und alle Häuser des Ortes so zerstört, daß der ganze, zirka 6300 Ein- wohner zählende Ort an anderer Stelle aufgebaut werden muß. Nicht ein Haus ist mehr heil, alles ein trostloses Chaos. Eingestürzte Dächer und Mauern, zerstörte Möbel. Di: Neugierigen, die zu Tausenden aus dcr ganzen Umgebung herbeiströmen, könnet in das Znnere der zersiörlen Häuser sehen und sich ein Bild von der Wirkung der Katastrophe machen. Fast aller Hausrat ist zerstört und der gestern abend einsetzende Regen verschärfte noch das Elend. Weinende Frauen stehen b'i ihrer armseligen Habe, umgeben von Kindern, o.: vielfach Verbänd» tragen. Die Armen lagen noch in ihren Betten, als die Häuser über ihnen zusammenbrachen. Zirka 23 Menschenleben, darunter zirka 10 Kinder, kamen allein hier ums Leben. Die Stickstoffanlage. die einige hundert Meter von dem Orte Oppau entfernt liegt, ist ein wüster Trüinmerhausen. Einige hohe Kamine hielten dem Luft- druck stand, zwei liegen zerschmettert am Boden, Häuser sind in kleinste Trümmer zerrissen. Bctonblöcke mit ihren Eisentcilen in Atome zerkleinert, Eisenteile und Baumaterialien in weitem Um- kreise aus Kilometer zerstreut, die ganze Erdcberiläche mit einem grauen Staub bedeckt und ein scharfer beißender Geruch macht da» Atmen schwer. Es sind 400 Tonnen Ammoniak- Sulphal-Salpeker ia einem Silo explodier?. die arweblich nicht explosiv? Stoffe enthielten. Jetzt bezeichnet ein rie- siqer Trichter von über 30 Meter Tiefe und 10 Meter Durchmesser die Stelle, wo früher diese- Gebäude stand. Nichts, aber n-jrd nichts mehr ist vorhanden. Die Arbeiter, die hier beschästizt wr sind buchstäblich in Atome zerrissen und verbrannt. V-n ihnen wird nie mehr etwas gesunden werden. Die massivsten B'» tonbauten, die weiter abstehen, sind schief gedrückt oder ganz um- gelegt und die leichter gebauten Werkstätten weit weqgclchleudert. Unter den meterhoch übereinander liegenden Trümmern liegt noch mancher Familienvater, dcr erst nach Taaen geborgen werden kann. Die Rettungsaktion febte sofort mit aller Macht ein und ein Rubmcs- blatt haben sich die Arbeiter-Samariter erworben, die in aufreibendster Arbeit halfen, die Toten und Verwundeten zu bergen. Am eigentlichen Explosionsherd kann nur mit Sauerstoff Hilf« gebrecht werden. Bis jetzt find über 300 Tote geborgen, zirka hundert Arbeit'? werden nach vermißt, Tauscnde von Benetzten sind verbunden worden. und die Krankenhäuser von Lndwigshofen, Mannheim, Heidelberg, Fronkenthcl ulw. liegen voll Schwerverletzter. Die Verstumm- lungen sind schrecklich. Viel« Opler der Rielenkatastroph- hoben Ihr Augenlicht verloren. Die Materialschäden, obwohl sie sicher Milliarden betragen, treten gegenüber dem ungeheuren Elend, das über zahlreiche Vroletarierfamilien hereingebrochen ist. zurück. Auberord/ntlichi Maßnahmen und Hilfsattionen werden einleben müssen, um diel« Wunden, die dem Proletariat geschlaaen sind, zu heile». Daß die Gesamtarbeiterschaft dabei nicht zurückstehen wird. dafür legen die iolort in Angriff gencmmenen Dararbeiten zur inten- siven.HilistLtwkeit Zeugnis ab.' Maslenunolück löst in den breiten Volksschichten Solidarität aus. und die Arbeiterschaft wird dabei nicht an letzter Stelle stehen. Das Beileid des Auslands. Verlin, 22. September.(WTB.) Der niederländische Gesandte Baron Gevcrs bat heut: nachmittag persönlich dem R e i ch s p r ä s i- deuten im Austroge der Königin der Niederlande deren Meies Beileid anläßlich der Oppaucr Katastrophe ausaciprochen. Der König von Dänemark hat telegraphisch seine herzlichste Teilnahme übermittelt. Außerdem find dcr Reichiregierung von einer großen Anzahl ausländischer Regicrunaen Beweise dcr Teilnahme zugegangen. Sämtliche hier anwesende fremde Diplomaten sprachen zu diesem Zweck auf dem Auswärtigen Amt vor. Einer dcr ersten war der französische Geschäftsträger, der zugleich beauftragt war,'.em Reichskanzler das Beileid des Ministerprälidenten Brinnd und des Ministerrates zu übermitteln. Auch die Interalliierte Rheinland- kcmmission hat ihre Teilnahme kundgegeben. bis zum 3l. Dezember 1933 verpflichten, die Beteiligung cm Gesamtabsatz verbleibt. Abgeordneter 5) u e(Soz.) bemängelte die Informationen als » n z u r c i ch e n d. Dcr Einoriff in das Wirtschaftsleben, welchen die Vorlage bewirken muß, ist zu bedeutend, als daß man ohne genaues Zahlenmaterial so schwerwiegende Entschlüsse fassen kann. Dcr Ncichtwirtschastsminister muß so lange ein Einspruchsrecht haben, bis eine Organisation des Kalirats geschaffen ist, die auf wahrhalt gemeinwirtschaftlicher Grundlage auf- gebaut ist. Bisber ist der Kalirat nur eine Organisation von Unter- nehmcrn. Die Arbeitnehmer werden zwar hinzugezogen, e r- halten aber keinen Einblick in die geschäftlichen Unter- lagen. Die Borlaae begünstigt die Bildung von monopolisierten T r u st s, auch muß Sorge getragen werden, daß durch die Still- legunaen den Arbeitnehmern nicht aeschäftliche Nachteile erwach'cn. Abgeordneter Dißmann(U.Soz.) forderte ebenfalls von d'r Regierung genaue zahlenmäßige Unterlagen. Abgeordneter H u e(Soz.): lieber di» Notwendigkeit von Ri"'- lequngcn von Kalischächten besteht kein Zweifel. Bedenklich ist<•» aber, dem K o l i r a t so weitgehende Befugnisse z.r geben. Der Entschädigunasfraae ist wohl nicht die rechte Bedeutung beigelegt worden. Eine Verbilllqung des Kalis durch die Stillegung ill kaum zu erwarten. Kem Betrieb eignet sich so sehr für die SoziaUsierung wie die Kaliindustrie. Gewerkschastsbewegung Sezirkseisenbahnräte und Reichseisendahnrat. Der Verkehrsausschuß des vorläusigcn Reichswirtschaftsrotes l'er'ict, wie den PPN. mitgeteilt wird, am 20. September den vom Zlieichsverkehrsminifter vorgelegten Entwurf einer Berord- nung betr. Beiräte für die Reichscifenbahnen. Dieser Entwurf sieht für den ganzen Bereich der Reichseifenbahnen elf Bczirkseifenbahnräte vor, welche in der Weife gc- bildet werden sollen, daß für jeden Bezirkseisenbahnrat die chälfte der Mitglieder von den staatlich organisierten Wirtschaftskörpcrn Handels-, Gewerbe-, Handwerks-, Land- und Forftwirtschafts- kammern) und ein Viertel von den Versichertenvertretern bei den Landesvcrsicherungsanstalte» und Sonderanstaltcn sowie von den Angestelltenvertretern unter den Vertrauensmännern der Vngc- stelltenversicherung zu wählen sind, während das letzte Viertel von den Regierungen der beteiligten Länder ernannt wird. Gegen diese Zusammensetzung erhoben im Verkehrsausschuh die Arbeitnchmervertreter, wie bereits in einer früheren Sitzung, Bedenken, da hiermit eine Verletzung des Grundsatzes der Parität verbunden fei und die Arbeitnehmer nicht genügend zu ihrem Recht kämen. Sie traten mit dem Gegenvorschlag chervor, daß nur ein Drittel der Mitglieder jedes Bezirkseisenbahnrates von den staatlich organisierten Wirtschaftskörpern, dahingegen das zweite Drittel von den Gewerkschaften zu wählen sei. während das letzte Drittel von den Liinderregierungen zu ernennen sei. Die Arbeitgebervertreter machten einen Bor- schlag, der zwei Möglichkeiten eröffnet, entweder werde die Zahl der im Regierungsentwurf vorgesehenen Vertreter der Handels- usw -kammern beibehalten, dann werde eine entsprechend große Zahl Ar- beitnehmer und von den Länderregierungen ernannter Mitglieder hinzutreten und dadurch ein so großer Beratungskörper entstehen. daß eine fruchtbringende Arbeit von ihm keinesfalls zu erwarten seit oder man suche diesen Nachteil zu vermeiden und vermindere die Zahl de? im Rcgierungssntwurf vorgesehenen Vertreter der Handels- usw.-kammern, so käme man zwar zu einer erträglichen Gesamt- zghl der Mitzzlioder der Bezirkseisenbahnrätc. es würden aber dann die sachkundigen Persönlichkeiten aus den Kreisen der Arbeitgeber des Handels, der Industrie, des Gewerbes, sowie der Forst- und Landwirtschast zweifellos an Zahl durchaus ungenügend vertreten lein. Die Arbcitnehmeroertreter pflichteten dem bei und betonten, daß auch in den Arbcitnehmerkreiscn viel Sachkundige auf dem hier in VeHacht kommenden Gebiete(Tarif-, Verkehrs-, Abfertigungs- fragen) zu finden seien. Bei der Abstimmung ergab sich eine Mehrheit für die Anträge der Arlieitnehmcr. die geschlossen an ihrem Vorschlage festhielten. während die Arbeitgeber ebenso geschlossen für den Reaicrüngs- entwurf eintraten. Mit großer Mehrheit wurde dem Vorschlage zu- gestimmt, daß die Arbeitnehmer(Beamte, Angestellte, Arbeiter) kür die Bezirkscisenbohnräte von den gewerkschaftlichen Or- ganisationcn gewählt werden sollen. Hinsichtlich der Zu- sammcnsetzunq des Reichseisenbohnrates kam ebenfalls eine Eint- g u n g zwischen den Arbettgebcrn und den Arbeitnehmern nicht zu- stände. Letztere verfochten auch für den Reichseifenbahnrat den Grundsatz der unbedingten Parität. Einstimmig wurde vom Ausschuß folgende Entschließung gefaßt: ..Der Reichswirtfchaftsrot hält die baldige Schaffung neuer Eisenbahn bezirksräte der Reichseisenbahnen und eines darauf aukgeboutcn Reichseifenbahnrates für ge- baten. Sic sollte keinesfalls bis nach der Bildung der Wirtschaft?- bezirksräte verschoben werden. Der Reichswirtschaftsrat ist einver- standen mit dem Grundsätze der Vorlage der Regierung, daß bei der Bildung der Eiscnbahnratsbezirke in erster Linie die Wirtschaft- liche« und Verkehrs politischen Zusammenhänge berück- tjchtiyt werden und nicht die politischen Grenzen der Länder aus- schlaggebend sein sollen." Juin Tarifksnflikt im SuchScuSgeNerbe. Die Buchdrucker zum Kampf bcreikZ .Zm deutschen Buchdruckgcwerbe, das sich seit drei Jahrzehnten einer durch Tarifvertrag oarantierten Ordnung ersceutv, ist es infolge der sozialen Einsichtslosigteit der Unternehmer zum offenen Konflikt gekommen. Am 19. September trat in Berlin der Tarif- ausschuß zu Verhandlungen zusammen, um zu einer von der gc- samten Gehilfenschast gesordcrtcn Lohnerhöhung Stellung zu nehmen. Die bisherigen tariflichen Löhn« der Buchdrucker(einschl. Teuerungszulage) bewegen sich zwischen 189.Z0 M in Orten ohne Lekalzuschlgg und Zkw,40 M. in Orten mit 25 Praz. Lokalzuschlag. Für Hamburg und Berlin erhölicn sich Grundlöhne infolge b>> Anderer Zuschläge auf 277 bzw. 288,30 M. Durch«ine monatliche Wirrfchgstsbcihilf.e belaufen sich die Wachenlöhne auf 206,46 M. bis 230,78 M.(je nach den Lokalzuschlaasklassen). Es bedarf eines besonderen Hinweises darauf nicht, daß d!« �uchdruckcrgebilfen mit derartigen Lohnsätzen bei den heutigen Tenerungsrerhältnissen nicht mehr existenzfähig sind. Während fie in Friedenszeiten mit ibren Löhnen an 12. bis 14. Stelle in der Arbeiterschaft rangierten, stehen die Buchdrucker' jetzt an 84. bis Z7. Stelle. Die Lohniponnung zwischen Großstadt und Vrovinz weist infolge der starken Staffelung der Lokalzuschläge linterschiede von 90 bis 110 Mark auf, was sich mehr und mehr als unhaltbar erwies, da die Teuerungsverhältniffe heut- -"trag in kleinen Städten beinahe noch unerträglicher find als in Mr Großstadt. Um dieser Müerc in der Entlohnung du? Buchdrucker e:n Ende zu bereiten, stellte die Gehilfcnvertretung folgende Fordc- runaen auf: 1. Der Tarifgrundlohn aller Lohnklassen sowie die Berechnerpofitionen sind zu verdoppeln: 2. die bisherigen Teuerungszulagen und Wirifchaftsbeihilfen kommen in Fortfall: 3. dafür ist eine neue beweal che Teuerungs- z u l a g s von 30 P r o z. auf den verdoppelten Grund- lohn feftzu'cgen: 4. der Aufschlag für Maschinensetzer ist zu ver. doppeln: S. das K o st g e l d für Lehrlinge ist ebenfalls zu ver- doppeln: 6. bisheriae Beträge über den Mindestlohn sollen auch über die neuen Sätze hinaus bezahlt werden: 7. Aiisgelernte im ersten Gehilfenjahre erhalten 15 Praz. bewegliche Teuerungszulage. Diese Fard-rungcn wurden von den Unternehmern kurzerhand als undiskutobel bezeichnet, weil das Gewerbe nicht in der Lage fei, derartige Lasten zu tragen. Die Unternehmer ließen fchließlieb erkennen, daß sie höck'ltens zu Zugeständnisken bereit seien, die der GeMlsenIchast positive Zulagen van 20— 30 M. zum bisher bezogenen Lohn gebrockt bätten. Solch minimalen Zugeständnissen gegenüber war es für die Gebilftnoertreiuna natürlich aöll-g auso-'- schlössen, de" Verhandlungsweg noch weiterhin zu beschreiten. Es kam zum. Abbruch der Veckandlunoen. und ein L o h n k a m p f, der das Ge�amtgemerbe in Mitleidenschaft ziehen wird, ist nunmehr als fast» n c u s b l e i b l i ck anzusehen. Eine sofort einberufene Gauvorstcherkonferenz. deren Verhand- lunoen noch nicht abacschlollcn sind, erörterte alle Möalichkeiten eines Kampfes und>egte die taktischen Maßnahmen fest, die aeeinnet erscheinen, den S5rg an die Fahnen der Arbeiterschaft zu knüpsen. t�cschcitcrte Einigungsverhandlungcn im �ilmstreik. Die Arbeitnehmer der Filmindustrie hatten den ReicksarbeilS« minister um die Einleitung von EinigungSverbandlungen gebeten. Diese Verhandlungen fanden gestern nackmittag im Reicks- arbeitsministcrium unter Vorsitz des Reaisrungsrates Dr. Vrahn statt, ohne jedock zu einem positiven Ergebnis zu führen. Die Arbeitnehmer batten an die von den Arbeitgebern als Voraus- setzunq für die Fortsetzung kur Tarifverhandliingen zur Bedingung gestellten sofortigen Wiederaufnahme der Arbeit ihrerseits vier Bedingungen geknüpft, von denen die Arbeitgeber drei annahmen, wäörcnd sie eine der Bedingungen ablehnten, weil >ie über ihr Angebot einer Zulage von 20Proz. auf den bisherigen Tariflohn nicht hinausgehen konnten. Schiedsspruch für das GastwirtsKcwerüc. Der Schlichtungsausschuß Graß-Berlin fällte gestern abend einen Schiedsspruch, nach dem die Teuerungszulage von 10 P r o z., die erster Streitpunkt war, am Sonnabend, den 24. Scp- tcmber. auszuzahlen ist. Beide Parteien unterwarsen sich• diesem Schiedsspruch. Hierauf wurde im kontradiktorische Verhandlungen über das künftia« Prinzip der Entlohnung des Bedienungspersonals eingetreten. Die Verhandlungen sollen heute fortgesetzt werden. Lohnbewegung im Kraftdroschkcngewerbe. Die.Kraftdroschkenführer befanden sich bisher in einem un- sicheren Lohnoerhältnis. Für Benzindroschkenführer be- stand ein Lohn von 1,50 M. vro Schicht und 1-5 Pro;, der Bruttoeinnahme: außerdem mußten die Fahrer van ihrem Lohn 5 M. bis 8 M. räglich für Waaenreinigen zahlen Nach Verhandlungen mit dem Verein der Kraftdroschkenbesitzcr Groß-Berlins. die zu keiner Einigung führten, fällte der Schlichtungsausschuß einen Schieds- s p r u ch, wonach 3 M. Lahn für die Schicht und 18 Proz. der Bruttoeinnahme zu zahlen sind: im weiteren hat der Unternehmer für das Reinigen der Wagen Sorge zu tragen und ist der Fahrer zu den Unkosten nicht heranzuziehen. Der Spruch ist bis auf den Punkt des W a g c n r e i n i g s n s beiderseitig anerkannt. lieber den strittigen Punkt soll in kurzer Zeit beim Demobilmachungskommissar verhandelt werden. Für E l e k t r a d r a s ch k c n f ü h r e r ist ein � Schiedsspruch gefällt, wonach l.SO M. Lohn und 24 Proz. der Bruttoeinnahme zu zahlen sind. Wagenwäschen frei. Diesen Spruch hat der größte Teil der Unternehmer anerkannt und zahlen viele Unternehmer darüber hinaus. Anders der Anteressenverband der Zluto- und Elektrodroschken- besitze?. Trotzdem dieser Verband nur ein paar Mitglieder aufzu- weisen hat. spielen sich dieselben als Scharfmacher auf. Ihr An- gebor dksagts nur 22 Proz. der Bruttnrinnahnie ohne Lohn. Dies würde einen Durchschnittslohn von 44 M. pro Tag betragen, womit ein Kroftdroschkenführer bei der heutigen Teuerung, zumol derselbe den ganzen Tag aus der Straße liegt, nicht leben kann. Die Folge war, daß die Fahrer bei P o h l m a n n, Schröck. Müller, Padzun, Michaelis, sämtlich Hannoversche Str. 3, und Winter, Hollmannstr. 32, in den Streik traten. Die Firma Pohlman» versucht nun. Arbeitswillige auszubilden. Die Firma benutzt zur Ausbildung Droschken und ist nicht im Besitz einer Kon- Zession zur Ausbildung von Fahrschülern. Gegen dieses nngesetz- liche Vorgehen sind von feiten der Organisation die nötigen schritte eingeleitet. Wir ersuchen um Solidarität und bitten, die oben- genannten Betriebe zu meiden. Dsutscher Transportarbeiterverband. Der qcwerkschastsfcindliche Herr Direktor. Immer wieder müssen wir die Feststellung machen, daß es Verwaltungen gibt, die sich an die neue Zeit, die ja eigentlich so neu gar nicht mehr ist, noch immer nicht gewöhnen können. Zu diesen Herrschaften gehört auch der Betriebsdirektor der Reinickendorf- Liebcnwalde-Groß-Schönebccker Eisenbahn, Herr Oberleutnant der Reserve W e i g e l t. Die Gewerkschaftsvertreter sind ihm ein Dorn im Auge. Kürzlich fand eine Sitzung des Schlichtungsausschusses im Haule der Firma Lenz u. Co. statt. Die Angestellten der Bahn hatten Teuerungszulage verlangt, da die Bezüge noch immer hinter den Bezügen der Staatsbahnbediensteten nachhinken. Infolge eines Fehlers war zu dieser Schüchtungsausschußsitzung nicht ordnungsgemäß eingeladen. Alle Beteiligten waren jedoch zu dem an- gesetzten Termin erschienen. Sowohl der Derhandlungsleiter als auch die Beisitzer erklärlen, in die D>?rhandlungen eintreten zu wollen, wenn von keiner Seite Widerspruch crsglgte. Herr Weiaelt aber erhob Einspruch. Erregt rief er den Mitgliedern des Betriebsrates der Bahn zu:„Meine Herren, Sie sind doch keine kleinen Kinder, wozu brauchen Sie denn die Gewerkschaftsvertreter, wir können doch direkt verhandeln!" Verhandlungen konnten also nicht stattfinden. Schon einmal hat in einem andere» Falle, als der Betriebsrat nach dem Ständehaus der Provinz Sachsen bestellt war, Herr Weiaelt die Betriebsratsmitglieder über eine Stunde lang, ohne irgendein Wort der Entschuldigung warten lassen. Als dann der Ge- werkschaftsoertreter eingriff und auf einer Karte Herrn Direktor Weizelt auf die schon über eine Stunde vor den Türen wartende» Betriebsratsmitglieder hinwies, bezeichnete Betriebs- direktor Weigelt dieses Berfahrcn als eine Unvcrschöm!- h c i t. Wir wollen hoffen, daß Herr Weigelt endlich umlernt, sonst müßten wir deutlicher werden. DaS Ende des Wiener Verkehrsstreiks. Mim. 22. September.(Eig. Drahtbericht des„Borw.".) Heute vormittag zogen Südbahner unter der Führung von Kommunisten zu den anderen Bahnhofen, um die B-etriebsaufnahme zu o«r- hindern. Auf dem Westbahnhof z. B. drohten sie. die Züge zu stelnigen. Im Lause des Nochmittags ist jedoch überall die Arbeit wieder ausgenommen worden, auch auf dcr Südbohn.___ Die Akkordarbelker der.?irma Mofsei-Schwartztopff. Wildcn. kreis Teltow flehen in Lohndiffcrenzen. Die Heizer unv Masckmist-u babeii sich solidarisch crllärt. Infolgedessen ruhe dieser Betiu!> vollständig. Arbeitslose Kollegen erhallen Jnformalionen im Lokal „Grüner Baum" in Wildau. Ein„arbeiiersreundlicher" Unternehmer ist der Inhaber der Firma F c i n m e ch o n i, Wasserlhorstr. 50. Er denkt gar nickt daran, die Löhne seiner Arbeiter zu erhöhen, ist vielmehr sehr für Lohnabbau. Die Verhandlung mit der Organisalian wurde abgelehnt. Darauf legleu die Kollegen einmütig die Arbeil nieder. Nur der Mechanikeraiigesiellte G. MajewSli blieb zurück und fertigt: jetzt die Arbelten der Streikenden an. Die Firma versucht nun die Maschinen abzubauen, wir werden das ver- hindern und bitten besonders die Kollegen der Transportarbeiter um Unterstützung. Die Streikleitung. Achtung! Tapezierer! Eine prächtige Firma ist die Leber- möbelwerlsiait Mattiiick, W r a n g c l st r. 5 6. Der Inhal» r hat. nachdem einer dcr Kollegen seinen ihm zustehenden Stunden- lobn fordsrle, veiprügelr. Außerdem zahlt die Firma den Tarif- zulchlag nicht und bat nach ihrem eigenen Gutdünken Akkord ein- geführt. Zum Verbandeln ist der Herr nicht bereit. Deshalb ist die Sperre üher die Firma verhängt. Deutscher Sattler-, Tapezierer- und Porte- feuillerverband. verband der Buchbinder und Papierverarbeiker. Wir ersiick n die Kollegenichaft. umgehend Anträge zur Abänderung des- OrtSstaluiS auf dem Bureau zu Händen der StatiNrn- beratungSkommisston einzureichen. Die Ortsverwaltung. Dcr Streik in Zlordftor.kreich dauert nach der Teno noch fori. Am Mittwoch ist eine amtliche Mitteilung über die Clreiilage aus- gegeben worden, lorntach die Regierung selbst nickt mehr glaubt. daß es möglich sei. in dem Augenblick eine Lösung der schwebenden Frage» herbeizuführen. Tie Verhandlungen sollen aber fortgesetzr werden. Deutsch«? Perilhkkbund. Kolleginnen und Kollegen, Funktionäre, Dekiekie. räte und Vertrauensleute sämtlicher Posrdiensislellen vom OPD.-Bezirk Berlin.- Eonnabend 6 Uhr im Eeiverkichaftshaus, Berlin EO. IS, lkngeluscr Ulii, Saal J, Bericht iiber die Verhandlungen mit dem RPM., betr. Tntlalsungcn, Eiclluna- nähme zu dcr Ausstellung dcr Kandidalenltsie»um Vezirksbelriebsrat und Llahl. dcr Kandidaten zum zentralbetriedsrat. Mirglicdsduch und Funktionär- bj». Betrieboeäteausweis legitimiert. lungen. Stellungnahme zu dem Angebot der Unternehmer und Wahl dcr Delegicrlen zu der am 26. September ilatifindendrn Zahlsiellcnvrrsannnlung.>- Mantag Slh Uhr i» de» Audreas-grslsalcn. Andreasstr. 21, ßahlslrllcuoeisämm» lung zwecks Beschlußfassung über das Angebot dcr Unternehmer zu unserer Lohnreoision. Freie Lchrergcwerkschast. Sonnabend 7 Uhr Keschästssitzung im Rathaus, ßtminer HZ. Tagesordnung: Di« Braunschweigcr Tagung. Verantwortlich für den rcdakt. Teil: Biliar Schiss, Berlin; für Anzeigen: Zli.«locke. Berlin. Verlag: VorivSrls-Verlag G.m.b.H., Berlin. Druck: Vor- wärlS-Buchdruckerei n. veriagSaiiltolt Baut Singer«. Co.. Berlin. Lrndrnlk. Z. Hierzu 2 Beilagen. III IUI............... Ii!? Herren- und Damen- de.te Fahr, pr. Auswahl, Verk. meterweise SCoch&Seeiandb.-H; GortraudtenstraSs 20—21., Alleinverkauf für rVEUANfiBH /IE VN/EU BRO/CH ilABl '�ptischcs