Hr. 450» 3S» Jahrgang Kusgade B Nr. 223 BezuASpreiSt Viertel!äl>rl.W,— SDU monatL TO,— R. [rti ins 6auo, voraus zahlbar. Po!t- bezug: Monatlich!V,— M.. einschT.�u- strüiincisgoduhr Unter 5?reuzband tllr Deutschland. Danzig, da» Saar- und Meinclsiebiet, sowie die eticnral« deui» sckzen Gebiete Polens. Oesterreich, Ungarn und Luxemburg 20,- M.. für das Übrige Ausland 27,— M. Post» bestellungeri nehmen an Oesterreich, Ungarn, Tschemo» Slowakei, Däne- Marl. Holland, Luxemburg. Schweden und die Schweiz. Der„Darroiirrs" mit der Sonntagsbeilage„Volk und Zeit", der Unter- haltungsbeilage„Heimwelt" und der Beilage„Siedlung und K'.stngartelr' erscheint wocheutäglich zweimal. Sonu- tags und Montags einmal. Telegramm-Adreste! »Soziaidemokrar SsrNn� Abend Ausgabe Vevlinev VoZKsblstt ( 20pf«nn>o) Anzeigenpreis: Die achtgespaltene Nonparcillezcile kostet 6,— M.„Kleine Anzeigen" da» fettgedruckte Wort M. szu- lässig zwei fettgedruckte Worte), scdes weitere Wort I,— M. Stellengesuche und SchlasNellenanzelgen das erste Wort U— M» fedes weitere Wort 00 Pfg. Worte iiisei 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Familien-Anzeigen für Abonnenten Feile Z.50 M. Die Preise verstehen sich cinschlics-Iich Teuernngstnschlag. Anzeigen svr die nächste Ziummer niiissen bis S Ahr nachmittags im Hauptgeschäft. Berlin EW KS, Linden- strafte 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr sillh bis 5 Uhr abends. no Zcntvatorgan der fozialdcmohratl feben Parte? Deutfebtands Neöaktion vnS«Expedition; EW öS, Linüenstr. 3 Sk-'rnsLireckTer' Redaktion Moritzplatz ISIAS— S7 Moritzplatz ll7SS-St SR parieiiag gegen dM Völkmechisbruch. Fünfter Verhandlungskag, Vormittagssitzung. tEi gen er Drahtbericht des.Vorwärts".) Vorsitzender Wels eröffnet die Sitzung. Zu dem Punkt der Tagesordnung„Die Wirkungen des Versaiwer Friedensvertrages auf die ilmere und äußere Politik Deutschlands" liegt folgende Erklärung der Delegierten aus dem besetzten Gebiet vor: Die Delegierten aus den besetzten westlichen Gebieten unter- stützen nachdrücklich die Forderung nach sofortiger Aushebung der wirtschaftlichen und militärischen Sanktionen. Mit den übrigen Beoölkerungsschichten leiden die Arbeiter, Ange» stellten und Beamten schwer unter diesen ungerechtfertigten Vergeltungsmaßnahmen. Kurzarbeit, Erwerbslosigkeit, verschärfte Wohnungsnot, Schließung vieler Schulen und andere Schädigungen sind Folgen der Sanktionen.— Die sozialistischen Arbeiter der besetzten Gebiete erheben Einspruch gegen die erneute Verschärfung der Zensur, gegen die Einengung des versammlungs- und Koalikionsrechts. oegen die Unterdrückung der republikanischen Hoheitszeichen, gegen die Eingriffe gegen die verfassungsrechtlichen Freiheiten überhaupt. Die rheinische Bevölkerung hat in fast zweijähriger Tesatzungsdauer gezeigt, daß sie einer Militärdiktatur nicht be- darf.' Die Delegierten aus den besetzten Gebieten erneuern im Auftrage der sozialistischen Massen das Bekenntnis zur deutschen Republik. Weder Sanktionen noch auch Be- b'ückllngen, weder französische Kulturpropaganda, noch andere Mittel französischer Imperialisten werden die Annexion der Rheiniande oder den rheinischen Pufserstaat errelchcn. Un» auflöslich verbunden mit der Deutschen Republik wollen die che,- Nischen sozialistischen Massen als Deutsch« der Verständigung mit dem ftcmzösischen Volk« dienen. S o l l m a n n- Köln und Genossen. In der Debatte über das Referat Hermann Müllers spricht als erster Redner Okonsky-Kattowitz: Wir baben schwere Anklagen zu erheben gegen die Int er« alliierte Kommission in Oppeln und eine Warnung an den Völkerbund zu richten. Was sich augenblicklich in Ober- schlesien abspielt, ist nicht nur eine Tragödie des oberschlesischen Volkes, sondern vielleicht die Tragödie Europas. Die Jnter. alliierte Kommisston regiert nach eigenem Gutdünken. Die Frei- Helten, die uns die Revolution gebracht hat, gelten in Ober- schlesien nicht. Wir haben die ganz unverhüllte Diktatur eines Dreimännerkollegiums. Die Interalliierte Kommission wurde immer dreister und sie konnte so frei schalten und walten, weil die nationale Zerrissenheit und die Verschärfung der Klassengegensätze ihr das Spiel erleichterte. Bei ihrem Regierungsantritt hatte sie uns einen Beirat versprochen, der zu gleichen Teilen aus Polen und Deutschen bestehend vor allen wichtioen Maßnahmen gehört werden sollte. Dieser Bei- rat ist ein einzigesmal beisammen gewesen und seit über einem ?Zahrc hat General Lerond ihn nicht mehr berufen.(Hört, hört!) Die Zustände sind unerträglich geworden. Man betrügt das oberschlesische Volk um seine wichtigsten Rechte. Sander- Gerichte wüten im Lande und harmlose Bewohner werden ohne jeden Grund aus ihren Häusern geholt, mißhandelt und getötet. In Eichenau wurde ein alter Parteigenosie nachts von Angestellten der JAK aus dem Bett geholt, fürchterlich verprügelt und an der nächsten - Straßenecke erschossen.(Pfuirufe.) Meines Wissens sind diese Beamten noch heute im Amt. Nichl einmal ein Disziplinarverfahren wurde gegen sie eingeleitet.(Erneute Pfuirufe.) Unsere Forderung war. daß nach dem Friedensvertrag die Abstimmung endgültig ent- scheiden sollte über die Zuteilung des Landes. Nun hatten wir eme deutsche Mehrhe't und wir hofften, daß das Land nun auch unbedingt bei Deutschland bleiben würde. Aber da ist jetzt vcr- schärft der Plan eines Freistaates Oberschlesien wieder in den Vordergrund getreten, der in London allen Ernstes erörtert wird iHört, hört! Es ist bedauerlich, daß die deutsche Oeffent- lichkeit sich hiermit noch nicht eingehender beschäftigt hat, denn dieser Freistaat bedeutet eine große Gefahr. zog 000 bewaffnete Männer, Ententetruppen, polnischer Selbstschutz und Polizei. Dies« Armee richtet sich gegen die Arbeiter. Daher wollten die vberschlesi- scheu Sozialisten eine Einheitsfront bilden gegen diese reaktionäre Gefahr: aber dieser Versuch scheiterte an dem Widerstand der polnischen Sozialisten.(HörtI Hört!) Wir bitten um die Unterstützung der Arbeiter im ganzen Reiche.(Beifall.) Heugel-Saarbrücken: Uns drückt der Friedensvertrag ebenso schwer wie Oberschlesien. Wir sind IS Jahre lang dem Völkerbund unterstellt und sollen dann über unsere Zukunft entscheiden. Diese IS Jährt werden wir von einem Fünfmännerksllegium regiert, in dem nur ein einziger Deutscher sitzt, der natürlich gegen die vier Uebrigen nichts ausrichten kann. Als die Fremdherrschaft bei uns begann, sagte ein französischer General:„Wir bringen euch die Freiheit!"(Lachen.) Ein General, der die Freiheit bringt, ist jedenfalls ein merkwürdigesDing, und die Freiheit, die er uns gebracht hat, ist auch danach. Wir werden poMsch und«irtfchastlich zugrunde gerichtet. Augenblick ist die Doppelwährung für uns die größte Ge- fahr. Diese Doppelwährung hat zuwege gebracht, daß die Arbeiter Wn Saargebiet zu K u r s s pe k u la n ten geworden sind. Wir ver- fangen, daß die Währungsfrage nicht vom politischen und nationalen, fandern ausschließlich vom wirtschaftlichen Standpunkt aus entschieden wird. Das eine können wir heute schon sagen: Die Spekulation, die Frankreich mtt der«kwfllhrvug der FravkemvShmng verband, ist gescheitert. Wir sind und bleiben Deutsche.(Stürmischer Beifall.) Wir werden«ach IS Iahren ss entscheiden, wie unsere Volksgenossen im Deutschen Reich es von uns erwarten. (Beifall.) Wir find nicht Nationalisten, aber wir haben Respekt vor dem deutschen Wesen, der deutschen Kunst, der deutschen Wissenschaft und der deutschen Arbeit. Als wir im vorigen Jahre gegen den Kapp-Putsch demon- strieren wollten, wurde uns das o e r b o t e n mit der Begründung, das Saargebiet ginge die Politik des Deutschen Reiches e i g e n t- lich nichts an. Wir mußten uns fügen. Aber wir hoben er- klärt, daß es uns ganz und qar nichsi gleich sein könne, ob wir in l5 Iahren ein deutsches Kaiserreich oder eine freie deutsche Republik haben.(Sehr gut!) Stärken Sie im Reich den republikani chen und demokratischen Gedanken, dann wird der Abstimmungs- sieg im Saargebiet überwältigend sein.(Dravo!) Letverenz-Krefetd: Als Marschall Fach im Jahre 1918 die Ententetruppen ins deutsche Gebiet hineinführte, hat wohl niemand von uns geglaubt, daß diese Besetzung so unendlich viel Lei- den nach sich ziehen würde. Hatten uns doch die Feinds vor dem Waffenstillstand feierlichst versichert, daß uns nichts Böses wider- fahren folle: statt dessen haben wir die Siegerfaust zu fühlen bekommen. Was während des Krieges die um Ludendorff und Bauer im befetzten Gebiet verschuldet haben, wird jetzt doppelt und drei- fach an unserem friedlichen und unschuldigen deutschen Volte ge- rächt. Trotz aller Vergewaltigungen und Ausschreitungen sind noch immer marokkanische Truppen, der Schrecken der rheini- schon Bevölkerlmg, in Massen vorhanden. Die Anforderungen der Rcsaßungsbehörden an die Gemeinden sind erstaunlich: Wohnungen, Geschäftsräume, öffentliche Gebäude werden für Kasinos, K a n- tinen und Kasernen beschlagnahmt und Millionen für die Einrichtungen angefordert. Unerträglich wird die Wohnungsnot im besetzten Gebiet. Unglaubliche Ausschreitungen treiben die Besatzung Struppen besonders bei ihren nationalen Festen, wenii sie in Stimmung gekommen sind. So wurde in Mörs ein alter Kriegsveteran brutal behandelt, weil er feine Kopfbedeckung nicht abgenommen hatte. Freiheitsbeschränkungen und Strafen sind außerordentlich streng. In Krefeld wurden in einem Vierteljahr über 800 900 M. Strafen und Gerichtskosten allein für nicht rechtzeitig angemeldete Zusammen- künfke von uns bezahlt. Auf der anderen Seite hat man in Mörs beim Ostsrputfch den Kommunistsnmob zwei Tage lang un- gestört toben lassen. Nicht nur im rechtsrheinischen, sondern auch im linksrheinischen Gebiet sind die Volksschulen monate- lang geschlossen, kein Beamter darf ernannt oder entfernt werden ohne die Zustimmung der Besatzimgsbehörde. Deutschland hat republikanische Hoheitszeichen, die überall im besetzten Gebiet k e i n e A ch t u n g finden. Die Schikanen infolge der Wirtschaft- lichen und militärischen Sanktionen übersteigen alles andere. Die Industrie im besetzten Gebiete hat dadurch außerordentlich gelitten. Kulturpolitische Propaganda durch Lesehallen, Kinos usw. wird den Besatzungsstaaten außerordentlich wenig nützen.(Sehr wahr!) Die Arbeiterschaft des Rheinlandes steht fest aus dem Boden der deutschen Republik (Stürm. Beifall). Die breiten Massen der rheinischen Bevölkerung haben nichts geme in mit den partikularistifchen Be- strebungen. Ihre Gedanken sind stets unitarisch und sie werden bei jeder Gelegenheit mit aller Krajt für das große deutsche Vaterland' eintreten(Stürm. Beifall). Löb-Acankfurk a. M.: Ich möchte unseren Genossen einige Rat- schlüge der Praxis für die Sachlei st ung zur Wiedergut- m a ch u n g geben. Die Reichsregierung muß darauf sehen, sich da- bei von dem Diktat der Syndikate möglichst frei zumachen. Schon während des Krieges haben die Leistungsverbände für alle Rohstoffe und Fabrikate die Preise diktiert. Jetzt sollte eine Kommission einen bestimmten Gewinn genau festsetzen, denn es handelt sich hierbei nicht um Aufträge der freien Wirtschaft, son- der» um Aufträge für die deutsche Wirtschaft. Die Leistungen, die das deutsche Volk in seiner Gesamtheit bezahlen muß, hat das deutsche Volk auch ein Recht zu kontrollieren. Wenigstens der Satz des Regierungsprogramms muß durchgeführt werden, den Rathenau ausgesprochen hat: Es darf in Deutschland keine Wieder- gutmach ungsmillionäre geben. Der republikanisch- demokratische Gedanke muß außenpolitisch noch besser be- wertet werden. Die deutschen Vertreter im Auslande sind immer noch erst zum k l e i n st e n Teil Republikaner. Warum rufen Sie nicht am Verfassungstage die Deutschen zusammen, wie früher bei Kaisers Geburtstag, zum Sektfrühstück? Der Bund der rheini- schen Reeder hat beschlossen, auch nach dem 1. Januar 1922 die alte Fahne zu führen. Schiffe, weiche nich! die Fahne der Re- publik führen, dürfen keine Geleitpapicre bekommen. Möge die Po- litik in den andern Ländern dafür eintreten, daß der imperialistische Machtstandpunkt, wie er im Friedensvertrag« von Versailles aus- gedrückt Ist, hinweggefegt wird und daß der Frieden der Wirtschaft imd der Frieden der Völkerversähnung seinen Einzug hält.(Lebhafter Beifall.) vrauer-Eisenach: Die politischen und wirtschaftlichen vernichten- den Folgen de» Dersailler Friedensvertrages zeigen sich besonders im Kalibergbau. Das Elend dort ist groß, die Rot in den kinder- starken Familien der Rhön unbeschreiblich und der beste Nährboden für radikale und kommunistische Verzweiflungstaten. Damit schließt die Debatte. Persönlich erklärt Heilmann, daß er dem zitterten Arttkel der „Sszialistischen Korrespondenz" fernstehe und ihn ebenso vermteite wie der Bremer Redner. Daraus hakt Harwaim MW« das Schlußwort. vorwärts-verlag EM öS, Linöenstr. Z - B erlag, Expedition und Inseraten- Moripplat» 117 5, 3-31 haben wir umgelernt? Von Franz Krüger. Die Stellung des Görlitzer Parteitages zur Frage der Beteiligung unserer Partei an der Regie- r u n g ist in allen politischen Kreisen mit Spannung erwartet worden. Die Sozialdemokratie als größte Partei und als Ver- treterin der großen Masse des arbeitenden Volkes ist ein poli- tischer Machtsaktor, dessen Ausschaltung von der Regierung die größten Gefahren für Republik und Volk hervorrufen muß. Unsere ganze Kraft zur Bannung dieser Gefahren einzusetzen, ist unsere Pflicht. Wollen w i r nicht regieren, so regiert in kürzester Zeit die Reaktion, steht der Bürgerkrieg vor der Tür. Wer will das verantworten? Dabei ist selbstverständlich, daß unsere Teilnahme an der Regierung nicht nur Besetzung eini- ger Ministerposten bedeutet, sondern daß wir einen, unserer Stärke und der Bedeutung der Arbeiterschaft entsprechenden E i n f l u ß auf die Gesamtpolitik der Regierung haben müssen. Dem entspricht der Görlitzer Beschluß, der ausspricht, weläze Forderungen m i n d est e n s von jeder Regierung erfüllt wer- den müssen, an der wir uns beteiligen sollen. Der in Görlitz gefaßte Beschluß, so klar und eindeutig er ist, hat verschiedenartige Auslegungen gefunden. Bei den dür- gerlichen Parteien und auch bei manchen Parteigenossen wird dieser Beschluß so gedeutet, als ob damit unsere bisherige Zu- rückHaltung gegenüber der Deutschen Volkspartei aufgegeben ist und eine Koalition mit dieser Partei nun ohne weiteres herbeigeführt werden soll. Es ist auf dem Parteitag bereits von mir klar ausge- fprochen worden, daß wir gar nicht daran denken, uns durch diesen Beschluß zu einer Koalition mit der Deutschen Volks- Partei unter allen Um ständen bereit zu erklären, wie überhaupt dieser Beschluß keineswegsbesonders auf die Deutsche Volkspartei abgestimmt ist. Be- reits der Parteitag in Kastel hatte, nachdem wir nach der Reichstagswahl aus der Rsichsregierung ausgeschieden waren, für den Wiedereintritt bestimmte Forderungen aufgestellt. Diese Forderungen sind nicht nur in dem neuen Beschluß von Görlitz aufrechterhalten, sondern noch durch neue erweitert worden. Wir stellen also an das Arbeitsprogramm einer Re- gierung, an der wir uns gemeinsam mit anderen Parteien be- teiligen sollen, sachlich nicht geringere Forderungen als bisher. Der Görlitzer Beschluß vermeidet es auch, genau wie der Kasseler, irgendeine bestimmte Partei als für uns koalitions- fähig oder nicht kvalitionsfähig zu bezeichnen. Niemals hat ein Parteitag beschlosten, daß wir mit dieser oder jener Partei unbedingt zusammengehen und mit einer anderen Part?i un- bedingt nicht zusammengehen können. Die Parole, daß wir unter keinen Umständen mit der Deutschen Bolkspartei zu- sammengehen würden, ist entstanden aus der Kampsesweise, den Grundsätzen und der praktischen Politik der Deut- schen Volkspartei Wenn wir daher im Juni 1920 im Reiche und im Mai 1921 in Preußen es abgelehnt haben, mit der Deutschen Volkspartei in eine Regierung zu gehen, so des- halb, weil wir der Ueberzeugung waren, daß mit dieser Partei ein Arbeitsprogramm, wie es durch den Kasteler Beschluß von uns verlangt werden mußte, nicht zu vereinbaren war. Ich wiederhole, was ich auf dem Görlitzer Parteitag mit aller Schärfe feststellte: bleibt die Deutsche Bolkspartei bei ihrer bisheriaen Politik, bleibt sie bei ihrer bisherigen Stellungnahme zur Repu- blik, verzichtet sie nicht auf monarchistische Propaganda, ist sienichtbereit, anderweitest- gebenden Heranziehung des Besitzes zu den Lasten des Reiches und der Länder mitzuar- beiten, ist sie nicht bereit, die Demokratisis- rung der Berwaltung zu unterstützen, so kann eswiebisherauchinZukunstkeineKoalition mit ihr geben. Wir können aber die Augen nicht verschließen vor der Tatsache, daß in der letzten Zeit eine Reihe von Führern der Deutschen Volkspartei öffentlich dafür eingetreten sind, daß die Deutsche Bolkspartei von ihrem antidemokratischen Toege od- weichen und daß ste den Kampf gegen die Republik aufgeben müste. Ob sich diese neuen politischen Tendenzen in der Deut- schen Bolkspartei so durchsetzen werden, daß sie auf die Ge- samtpolitik dieser Partei einen maßgebenden Einfluß aus- üben, müssen mir abwarten. Geschieht das aber, tritt die Deutsche Bolkspartei öffentlich und in ihrer praktischen Politik klar und eindeutig auf den Boden, den wir in Görlitz als Min- destprogramm einer Regierimgspolitik beschlosten haben, l e- d i g l i ch dann ist uns die Möglichkeit gegeben, ein Zu- sammenarbeiten mit ihr in Erwägung zu ziehen. Dieselbe Bewegungsfreiheit haben wir aber auch nach der anderen Seite. Die Unabhängige Partei ist erst in allerletzter Zeit und auch nicht ohne Borbehalt zu einer Verteidigung der Republik bereit gewesen, und wenn sie jetzt den Kampf für den Schutz der Republik mit uns gemeinsam ausgenommen hat, so hat sie bisher noch keineswegs ihre grundsätzliche. Stellung- nähme für die Diktatur des Proletariats und für das Räte- system, wie es in ihrem Leipziger Aktionsprogramm festgelegt ist, aufgegeben. Es wäre aber töricht von uns, wenn wir lediglich wegen dieser papiernen Festlegung ein Zusammen- gehen und Zusammenregieren mit den Umabhängigen ob- lehnen wollten, wenn uns ihre praktische Politik die Möglich- keit dazu bietet. Es ist ja eben das Unglück der sozialistischen Llrbeiterschast Deutschk-nds, daß die Unabhängige Partei sich bisher noch nicht dazu entschließen konnte, die von den meisten ihrer Führer und dem größten Teil ihrer Anhänger innerlich bereits als unhaltbar erkannten Leitsätze ihres Leipziger Pro- gramms aufzugehen und osfen auf den Boden einer tatkräfti- gen praktischen Politik zur wirksamen Ausnutzung der voliti- schen Macht der Arbeiterklasse zu treten, die allein die Repu- blik, das freie Selbstbestimmungsrecht des Volkes, die Eiche- rung des Achtstundentages und der Sozialgesetzgebung und den wirtschaftlichen Wiederaufbau bringen kann. Der Gör- litzer Beschluß bedeutet daher in erster Linie auch eine Auffor- derung an die Unabhängigen zu einer solchen Politik und er bedeutet weiter, daß wir auch mit den Kommunisten eine Kampfes- oder Regierungskoalition eingehen können, wenn sie sich verpflichten, während dieses gemeinsamen Vorgehens ihre abweichenden Anschauungen zurückzustellen und an der Durch- ftthrung unseres Mindestprogramms ehrlich mitzuarbeiten. Wir haben also nicht umgelernt und wollen nicht umlernen. Der Görlitzer Beschluß ist vielmehr die konsequente Fortsetzung der bisbsr nach dem Kasseler Parteilag verfolgten Politik. Mit größerer Schärfe als bisher ist nur diesmal hervorgehoben worden, daß wir Politik nicht nach den gegen eine Partei bestehenden Stimmungen, sondern nur aus Grund de? realpolitischen Tatsachen machen können. Jetzt haben die Parteien das Wort, mit denen wir bisher in einer Koalition nicht zusammen arbeiten konnten, teils weil sie, teils well wir es ablehnten. Mögen Unabhängige Sizialde.no- kratie und Deutsche Dolkspartei zeigen, daß sie gewillt sind, die bisherige Basis ihrer Politik zu verlassen und rückhaltlos auf den Boden unseres Görlitzer Mindestprogramms zu treten. Ein kslte? Wafferftrsb!. Die„Nationalliberale Korrespondenz"— so heißt immer noch die parteioffizielle Korrespondenz der Deutschen Volks- partei— berichtet heute über die schon in Stresemanns Rede erwähnte Sitzung der volksparteilichen Reichstagsfraktion in Heidelberg. Sie sogt, daß die Fraktion nach ausführlichen Er- .örterungen dem Berichte Stresemanns über die politische Lage zugestimmt habe und einstimmig der Ansicht war, daß zur Milderung der außerordentlichen Schwierigkeiten Deutschlands nach innen und außen eine zusammenfassende und vermitteln de Politik notwendig sei. Mit dieser„zusammenfassenden und vermittelnden" Politik steht allerdings das Verhalten Stresemanns in ver» schiedenen Versammlungen de? letzten Zeit in unlösbarem Widerspruch. Wie schon hervorgehoben, läßt Stressmann per- sönlich es sich angelegen sein, die von der Presse seiner Partei in Szene gesetzte Hetze gegen W i r t h auf das lebhafteste zu unterstützen ohne Rücksicht auf die Wirkung, die diese Hetze bei den Parteien auslösen muß mit denen die Deutsche Volks- partei so gern eine Regierungskoalition bilden möchte. Dieses Treiben, das lebhaft an die systematische Hetze gegen Erzberger erinnert, veranlaßt sogar die im allgemeinen überaus ruhige „Germania", das Zentralorgan der Zentrumspartei, Herrn Stresemann und seinen Trabanten einen wohlgezielten kalten Wasserstrahl zu verabreichen. Sie schreibt: Kaum ist die Idee einer Verbreiterung der Regierungsbasis im Reich wie in Preußen mit ernsthafter Aussicht auf Erfolg zur Dis- kussion gestellt, da beginnt in ber nationallibcrileb Politik sofort wieder die alte verhängnisvolle Kulissenschieberei. Man möchte fast zweifeln, daß man in diesen Kreisen auch in Jahr- zehnten etwas vergessen und hinzulernen werde. So aufdring- l i ch und aufgeblasen, wie man es bei ernsthaften Politikern wahrlich nicht vermuten sollte, geht die vvlksparteiliche Presse dazu über, sofort einen intensiven Kampf um Personen und Sitze zu beginnen... Es hat eine Verhetzungsarbeit von vokkspartellichen«llerw-ltswissern eingesetzt, der unserem Gefühl nach unbedingt ein schnelles Ende bereitet werden muß, soll nicht die ganze verheißungsvoll begonnene Entwick- lungder letzten Wochen jähzerstört werden. Wenn die Deutsche Volkspartei gewillt ist, ernstlich und sachlich an den großen Problemen mitzuarbeiten, die die nächste Zukunft in unserem Vater- lande aufwirft, gut, dann wird man stach der Lösung �.md Klärung sachlicher Fragen rasch zu einem guten Ende kommen. Sind aber der Bolkspartei nun, da der Erfolg zu winken scheint, ihre guten Vor- stitze wieder leid, will sie lieber einen persönlichen Kamps beginnen, will sie insbesondere nicht darauf verzichten, heute den Reichskanzler zu verunglimpfen, fo kann aus der ganzen Angelegenheit nichts weiter herauskommen, als eine neue Blamage dieser Allerwelts- Politiker, ähnlich wie sie sich aus der Stellung der Deutschen Volkspartei am 10. Mai ergeben hat.. Die„Germania" erklärt, daß sie über die Vorgänge innerhalb der Deutschen Volkspartei mehr als gut unterrichtet und in der Lage sei, mit gewissenRund- schreiben aufzuwarten, die aus ihren Redaktionstisch ge- flogen kamen. Zum Schluß erklärt das Zentrumsblatt: Nein, Herr Stresemann, so wie Sie die„praktische Mitarbeit in der Regierung" jetzt begonnen haben, geht es wirklich nicht! So sind Sie nicht Sammler, sondern Zerstörer! Wenn Sie es nicht besser verstehen, die positiven Kräfte im Volke, die wir zur Lösung der großen Probleme unseres Vaterlandes zusammenbringen müssen und zusammenbringen wollen, zu oereinigen, dann werfen Sie einen Blick in die Presse der gegenwärtigen Negierungskoalition, und Sie werden erkennen muffen, daß es besser ist, Sie ver- z i ch t e n auf die politische Führung und widmen sich lieber anderen geschäftlichen Angelegenheiten! Das sagen nicht nur wir, das wird man Ihnen, unserer festen Ilcbcrzeugung nach, wie inderPresse der übrigen Koalitionsparteisn, so einmütig in der ganzen Zentrumspartei sagen. Wir denken, das ist deutlich genug! Es war notwendig, daß der deutsch-volksparteilichen Arroganz gegenüber auch einmal von bürgerlicher Seite Fraktur geredet wurde. Es geht wirklich nicht an, daß die Partei, die mit ihren„Fach- ministern" im Kabinett Fehrenbach wirklich keine besondere Ehre eingelegt hat, jetzt sich den Anschein gibt, als wenn sie allein über das Geschick des Reiches zu entscheiden hätte. Als mildernder Umstand mag allerdings gelten, daß ihr diese Großmannssucht durch die' geschäftige bürgerliche, hauptsächlich die demokratische Presse langsam suggeriert wor- den ist. Das kann aber nicht hindern, die Bedeutung der Deut- schen Volkspartei rechtzeitig wieder auf das gebotene Maß herabzuschrauben.____, t, Preußenfeaktion unö Neg?erungsbZlöung. Zu den letzten Meidungen der Tagespresse über Be- sprechungen, die zwecks Umbildung der preußischen Regierung stattgefunden haben sollen, teilt uns die s o z i a l d e m v k r a- tischeFraktion des preußischen Landtags mit, daß derartige Besprechungen weder in den letzten Tagen stattgesunden haben, noch in den nächsten Tagen stattfinden werden. Die Fraktion erklärt, daß alle derartigen Gerüchte aus derLuft gegriffen sind und glaubt zu der Annahme be- rechtigt zu sein, daß alle verbreiteten Kombinationen nur dazu dienen sotten, einer kommenden Regierungsbildung die größt- möglichen Schwierigkeiten in den Weg zu legen.' ! llubenkums, der Sozialdemokrakie und der linksradikalen Parkten, Bekämpfung der antinaiiLnale« Weimarer Verfassung m ! Wor! und Schrift, Ausklärung weiter Kreise über diese Verfassung. Unterstützung einer für Deutschland allein möglichen Verfassung aus föderalistischer Grundlage; b) materielle Ziele, Sammlung von cnt- ' schlossenen nationalen Männern zu dem Zwecke, die ooU- ständige Revolulicmierung Deuischlands zu verhindern, bei grasten - inneren Unruhen deren völlige Ztiederwersung zu erzwinge : und durch Einsetzung einer nationalen Regierung dle W>e- ! Verkehr der heutigen Verhältnisse unmöglich zu machen, die durch den Versalller Vertrag angestrebte Entmannung und Entwajv : nung unmöglich zu machen und dem Volke seine Wehrmacht um die Bewaffnung soweit wie möglich zu erhalten. Die Organ'- > sation charakterisiert sich in weiteren Bestimmungen wie folgt: Die Organifation ist eine Geheimorganisation. verpflichtet die Mitglieder unkereinauder, ein Schuh- und T r u tz- b ü n d n i s zu schliefzen, wodurch Zeder Angehörige der Organifallon der weitestgehenden Hilfe aller anderen Mitglieder sicher sein kann. Die Mitglieder verpflichten sich, ein M a ch t s a k t o r zu sein, iim geschlossener als starke Einheit dazustehen, wenn die Rot die Ehr� unseres deutschen Vaterlandes und die Erreichung unserer Ziele cs erfordern. Zeder verpflichtet sich zu unbedingtem Gehorsam gegenüber der Leitung der Organisation. Die Verpsiichtungssormel lau- tel: Ich erkläre ehrenwörtlich, daß ich deutscher Abstammung bin. llch verpslichle mich ehremvSrllich durch Handschlag, mich den Satzungen zu unterwerfen und nach ihnen zu handeln, llch gelobe, dem obersten Leiter der Organisation unbedingte« Gehorsam z u leisten und über alle Angelegenheiten st r e n g- st e s Stillschweigen zu bewahren. Der Staatspräsident stellte nach Vorlesung dieser ZMtteilungen fest, daß der Mörder T i l l e s s e n einer Kölnischen Zenkrumssawille angehört, seiner Schwester aber geschrieben habe, sie solle künstiZ deutsch national wählen. Ferner fügte der Staakspräsideni hinzu, daß die beiden Mörder Erzbergers dieser GeheimorgauisatioN angehörten, ebenso k I l l i n g e r und Müller. ZWAerlei Maß! Wie die PPN. hören, ist man in Berliner Regierungskreisel außerordentlich erstaunt über die Zwiespältigkeit in der Beurteilung zweier politische: Vorfälle der letzten Zeit. Während der Nürnberger unabhängige Abgeordnete Fischer wegen seiner Ausforderung Z« einer eventuellen Trennung Nordfrankens von Bayern b« 1% Jahren Festung verurteilt wurde und der bayerische Landlog soeben einen Antrag auf sofortige Haftentlassung abgelehnt hau wurde der„Miesbacher'Anzeiger" wegen seiner Aufforderung„Lo» vom Reiche" nur auf 7 Tage verboten. Wurde Fischers Auf- forderung zur staatsrechtlichen Trennung Nordbayerns im Rahrnen des Reiches schon als Hochverrat ausgelegt, so muß die Aufforderung des„Miesbacher Anzeigers" zur Trennung Bayerns vom Bei»" noch viel mehr als Hochverrat gewertst werden, die ergangenen Urteile stehen allerding» im umgekehrten Verhältnis. Küftungen öer Gegsnrkyolutwn. Karlsruhe, 23. September.(Tll.) Zu der heutigen Sitzung des badischen Landtages machte der S l a a t sp rä f i d e n t aussehen- erregende Mitteilungen über das Bestehen von politischen Ge- Heimorganis aH onen der Rechtsparteien und deren Besiim- mungeu, die von der Staatsanwaltschaft aufgefunden wurden. Diese Bestimmungen der Gehelmorganisakion haben folgenden Wortlaut: Die Ziele unserer Partei ergeben sich ans der Lage») geistige Ziele. Pflege und Verbreitung des nationalen Gedankens, Bekamp- fung alles Anliuationalen und llnkernalionalen, Bekämpfung des weitere �Z!fe für Oppau. Neuere Meldungen, die ein ausführlicheres Bild über die Lage in dem Katastrophengebiet geben, liegen zur Stunde nicht vor: da- gegen macht sich auch weiterhin in deutschen und oußerdeutschc« Kreisen eine von Stunde zu Stunde wachsende Hilfsbereitschast be- merkbar. Die Kölner Stadtverordnetenversammlung bewillige gestern den rheinischen Städten Ludwigshafen und Mannheim aus Anlaß des Oppauer Unglücks«inen Betrag von 75 000 Mark. D>� Sarotti A.-G. überwies dem Hilfskomitee 500 000 M. Wie au» Brisbane(Australien) gemeldet wird, faßte der Gewertschaftsrat eine Entschließung, in der wegen des Unglücks in Oppau im Namen von Queensland das lebhafte Bedauern ausgesprochen wird. Der Berliner Oberbürgermeister Boß richtete an den Gemeinde- vorstand von Oppau ein Telegramm, in dem er mitteilte, er habe bci der Stadtverordnetenversammlung zur Linderung der ersten Not die Bewilligung van 100 000 M. beantragt und hoffe, diesen Betrag schon in den nächsten Tagen überweisen zu können. Der bayerische Sozialminister Oswald hat sich bei einer sichtigung der Unglücksstätte davon überzeugt, daß 30 Prozent aller Zehn?ahre„Stuenf. Die Kunsthandlung„Der Sturm"(Potsdamer Str. 154a) zeigt ihre 100. Ausstellung und begeht zugleich das Jubelfest ihres zehnjährigen Bestehens. Sind wirklich erst zehn Jahre vergangen seit jener denkwürdigen cchau in der Tiergartenstraße, wo die im„Blauen Reiter" vereinigten Kimstrevolutionäre Franz Marc, Kandinety, Pechstein, Macke, Paul Klee. Heckel, Kirchner, Eampendonck zum erstenmal an die Berliner Oeffentlichkeit traten und der Kampf um die neue Kunst begann? Diese Künstler, denen sich bald die italienischen„F u t u r i st e n" und— vor allem— Kokoschka, Chagall und Archipenko zugesellten, sind heute die anerkannten Träger und Führer der deutschen bzw. europäischen Kunstentwicklung. Unsere Ealeriedirektoren bemühen sich um den Erwerb ihrer Werke und ein Teil von ihnen wirkt als Lehrer an staatlichen Akademien. Damals, bei ihrem ersten Auftreten, wurden sie vom Publikum und von der Kritik fast einstimmig für Verrückte oder für Schwindler erklärt. Ist es wirklich erst zehn Jahre her? Eine Anzahl Sturm-Künstler hat die Stätte verlassen, an der sie sich ihre Sparen oerdienten, und hat nahrhaftere Weiden gesucht und gefunden. Der Sturm aber ging seinen Weg weiter und hielt an dem Prinzip fest, den Berlinern stets di? jüngsten Entwicklungs- Phasen der deutschen und ausländischen Kunst vor Augen zu führen und alles Neue zu fördern, das er für aussichtsvoll hielt. Daß nicht alles lautres Gold war, was er im Lauf des Jahrzehnts entdeckt und gezeigt hat, ist selbstverständlich. Wer aber diese 100 Ausstellungen regelmäßig besuchte und das Gebotene vorurteilslos auf sich wirken ließ, der wird dankbar anerkennen, daß ihm hier eine einzigartige Gelegenheit gegeben ward, den Entwicklungsgang der neuen Kunst mitzuerleben. Die 100. Slusftellung ist eine Gesamtschau. Fast alle marschieren sie auf, die Abgesplitterten wie die Treugebliebenen— im ganzen 00 Künstler mit 115 Werken: Deutsche, Russen, Franzosen, Italiener, Tschechen Schweden, Ungarn, Schweizer, Belgier und Holländer. Die Rieten fehlen nicht, namentlich unter dem jüngsten Nachwuchs sind sie zu finden, aber es überwiegen die Treffer und auch ganz große Haupt- treffer sind vorhanden, meist alte Bekannte, die' heute nicht mehr revolutionär wirken, sondern im Lauf der Jahre klassisch geworden sind:„Die gelbe Kuh" von Franz Marc(71),„Rußland, den Eseln und den andern„van Chagall(2A), Vocclonis„Machc der Straße"(14), Delaunays„Saint Severin"(29), Mackes „Wirtshausgarten"(70), Kokoschkas„Porträt Noll Molden"(63), Gemälde von Kandinsky(57— ö9a) und Klee(60—62), Plastiken von Archipenko(307), dessen einst grell verhöhnte Kunst jüngst ihren Einzug in die Nationalgalerie gehalten hat. Ein schön illustrierter, durch ein Borwort von Rudolf Blümner eingeleiteter Katalog ist zur Feier des Jubiläums erschienen. Der Besuch der Ausstellung se» jedem empfohlen, der Interesse für die neue Kunst hat. Er gewinnt hier einen Ein- und Ueberblick, wie er nicht häufig geboten wird. John Schikowaki. Refidenztheater.(„D er König" von de E a i l l a v e t, de F! e r s und Ä r e n e.) Aus der bunten Reihe der bei der Zlshnlich- keit ihrer Aufmachimg fo physognomielosen Pariser Sckwänke, die man gleich wieder vergißt, sind einem Szenen dieser Königspojse noch in lebendiger Erinnerung geblieben. In Berlin erschien sie— schon das hebt sie aus dem Schwärm der anderen hervor— in dem damals noch von Otto Brahms überlegenem Geiste geleiteten Lest singtheater, inmitten eines vvn künstlerischem Streben zeugenden Repertoire. Die übermütige Verulkung von Majestäten und des servilen, vor ihnen katzenbuckelnden Bürgertums empfand man zu Zeiten des grotesken wilhelminischen Gottesgnadentums als einen Kernschuß keck zugreifender Satire, als ein Pendant zu den Karikaturen Thomas Theodor Heines im heimischen Simplizissimus. Da- zu kam der ganz eigenartig farbige phlegmatische Humor mit dem Hans M a r r den sich van seinen nicht eben schweren Monarchen- sorgen auf dem Pariser Pflaster erholenden Beherrscher Cerdaniens mimte. Es war ein seltener Erfolg. Man lachte und hatte dabei das erquickende Gefühl, auch mit Verstand zu lachen. Das Wiedersehen des Schwanke nach so viel Jahren im Rest- denztheater goß reichlich Wasser in den Wein. Die alte Stimmung ließ sich nicht erwecken. Was der Satire einen Reiz der Aktualität gegeben, war nun verflogen. Und ohne diese Unterstützung und das Marrsche Spiel blieb wenig übrig, was da» Stückchen von an- deren seines Genres unterschied. Di« Ausspinnung der galanten Abenteuer ging obendrein auch hier und da gar sehr ins Breite. Namentlich im letzten Akt schleppte die Erfindung. Streichungen, welch« die Aufführung auf das normale Schwankmah von zwciein- halb Stunden reduziert hätten, kämen der Wirkung sicherlich zugute. Rur die Hauptszene, der feierliche Empfang der auf ganz andere Dinge erpichten Mojellät in dem Palais des radikalen streberischen Politikasters unter Klängen der Marseillaise— dies« treffende Per- siflage landesüblich offizieller Komödiontereien— schlug eigentlich ein. Die feineren Ironien in der Figur des Kronenträgers, der Gegensatz gemächlich simpler Vergnügungssucht und der m-fgezmun- genen pompösen Würde kamen in der Darstellung durch Kaiser- Titz nicht zu genügendem Ausdruck. Das Sinnliche war stärker als dis Drollerien. Die Damen Olga Limburg und Lotte K l i n d e r sekundierten ihm geschickt. In der Possenrolls des ge- Heimen Polizeichefs erzielte Oskar Sabo laute Heiterkeit. Es wurde namentlich nach dem Hauptakte stark applaudiert. dt Herr v. Bodo ill nichk in der Lage. Zu seinem auch von uns veröffentlichten� Brief in Sachen des„Museumskrieges" sendet fjerr Bebe der„Boss. Ztg." folgende Erklärung:„In einer Zuschrift vom 21. September nimmt der Herr Geheime Baurat Dr. Ludwig Hoff- mann selbst Stellung zu der Schrift des Herrn Karl Schesfler über den„Berliner Museumskrieg" und druckt dabei einen Brief von mir aus dem Jahr« 1S12 ab. Ich bin in msiner Stellung zurzeit nicht in der Lage, mich zu der Angelegen- heitzu äußern:«in« Klärung über die Frage unserer Museum� bauten darf aber durch ein« Aussprache im Landtag erwartet wcr- den, die das Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung kürzlich in Slussicht gestellt hat." Wenn der Gewährsmann des Herrn Schesfler nicht selber da» Bedürfnis fühlt, sich so rasch wie möglich aus der schiefen Stellung zu befreien, in die ihn die Veröffentlichung seines Briefes gebracht hat, so wird man eben abwarten müssen, was die Landtagsdebat!« auch nach dieser Richtung zutage fördert. Eine Kritik der Skeinachschen verjüngunasoperation. In der Berliner Gesellschaft für Psychiatrie und Nervenkrankheiten gab Dr. Kurt Mendel eine beachtenswerte Beurteilung der Ber- jüngungsoperation Steinachs. Er kam dabei zu folgenden Schlußfolgerungen: Es ist noch nicht erwiesen, daß die Operation Steinachs neu belebt und die samen- spendenden Zellen zur Rückbildung bringt. Die Experimente an Ratten sind nicht auf den.Menschen übertragbar, denn das Altern der Ratte und des Menschen ist etwas ganz anderes; dort ein?lltcrn im g a n z e n, hier ein st ü ck w e i s e s Altern, bei dem die Alters- Veränderung in den Geschlechtsdrüsen nur eine begleitende, nicht die vorherrschende Rolle spielen. Die bisher veröffentlichten Fälle von Verjüngung nach Steinach- scher Operation halten einer strengen Kritik nicht stand, insbesondere können suggestive Einflüsse nicht ausgeschaltet werden. Besonders schwer liegt folgender von Mendel berichteter Fall: Ein gesunder, aber vorzeitig gealterter Mann läßt sich zwecks Verjüngung nach Steinnch operieren und verfällt nach der Operation in eine schwere, zum Tode führende Psychose mit Erregungszuständen, mit stark ausgeprägter sexueller Färbung und aufs sexuelle gerichteten Wahn- Vorstellungen und Gedanken, wie sie seinem früheren Wesen durch- aus fremd waren. Dieser Fall von mißglückter Dersiingung sowie andere zeigen, daß der Eingriff doch nicht so harmlos ist, wie rr hingestellt wird. Kn-Klux-Klatt-Parade in Kanada. Die berüchtigte Ku-Klux- Klan-Sekte, die während des amerikanischen Bürgerkrieges von den Weißen der Südstaaten gegen die Neger gegründet wurde und di« jetzt in Nordamerika wieder aufgelebt ist, erregt auch in Kanada große Beunruhigung. Es ist hier ein Zweigoerein der Sekte ge- gründet worden, der zu London in Ontario eine große Parade mit Automobilen abhielt, in denen sich zahlreiche maskierte Mitglieder befanden, gekleidet in lange weiße Roben mit einem roten St. E-- orgs-Kreuz auf der Brust und hohe spitze Mützen. Die Sekte, die unter Anwendung aller Mittel die Befreiung 2l m c r i k a s von den Fremden erstrebt, soll in Kanada von Staats wegen unterdrückt werden. Neues VoikStbeater. Bei der für Sonnabend angesetzten Erttank' sulnung der Ben Jrnijon Komödie„Der Schrei nach N übe" bear" bellet von Beneditt Lachmann, sind in größeren Rollen beschäsligt': Rol« Lieck tenslem Fränze Roloff. Fritz Lwn. Peter Jble. Einst Laskowski. Friedrich Lobe, Erich Otto. Armin Schweizer und Ernit Raden. Regie; Heinz Goldberg. Bühnenbilder: Maxim Frey. Beginn- 7 Uhr Däuser in.Oppau zerstört sind und daß v o l l st ä n d i g c N e u b a u- ten«rforderlich sind. Die Zahl der Obdachlosen beträgt min- dcstons 6000,' zu ihrer Unterbringung sind umsangreiche Mahnahmen getroffen. SsnktionsverhQtMungen. London, 22. September.(WTB.) Reuter vernimmt, daß die Verhandlungen zwischen Großbritannien, Frankreich und Deutsch- Zand bezüglich des Termins, an dem die wirtschaftlichen Sanktion er aufgehoben werden sollen, noch andauern. Einige Mißveritändnisse Hobe die deutsche Regierung schon auf- geklärt. Obwohl noch einige technische Einwände der Rege- lung harrten, bestehe kein Zweifel, daß bald ein Weg gefunden wer- den würde, um die Entscheidung des Obersten Rates vom letzten Monat durchzuführen, daß die wirtschaftlichen Sanktionen durch Bürgschaften gegen eine unterschiedliche Behandlung der Unter- tauen der Alliierten ersetzt werden sollen. Paris, 23. September.(WTB.) Ministerpräsident B r i a n d hat gestern nachnnttag den deutschen Botschafter Dr. Mayer empfangen. VertfestseHirng öer ausgelieferten Sckiffe. Paris, 22. September.(EP.) Die W i e d c r g u tm a ch u n g s- kommission teilt folgendes mit: In ihrer 22. Sitzung i,at die Wisdergntmachungskommission den Wert der von Deutschland gemäß Anhang 3 des 8. Teils des Aersaiiler Vertrags gelieferten Schiffe auf 743 Millionen Goldmark geschätzt. Von dieser Summe sind noch einige Ausgaben abzusetzen. Diese Schätzung betrifft einzig die vor dem 1. Mai 1921 gelieferten Schisse. Dieselben verteilen sich wie folgt: Pussagierdampser 611 327 Tonnen, Frachtdampfer 1 432 191 Tonnen, Segelschiffe 80 140 Tonnen, Fischerboote 9749 Tonnen, zusammen 2 133 407 Tonnen. EuglKkö uuü Sie Konferenz von Washington London, 22. September.(WTB.) Wie Reuters Bureau hört, ist nach Washington die Anfrage gerichtet worden, ob die Regierung der Vereinigten Staaten an ihrer ursprünglichen Auffassung fest- hält, daß die 51onsercnz über den fernen 0 st e n der Konferenz über die A b r ü st u n g vorangehen oder ob, wie aus Andeutungen hervorzugehen scheine, die Abrüstungskonferenz zucrsf abgehalten werden solle. Diese Frage müsse geklärt werden, bevor die Der- einbnrungen über das Verfahren getroffen würden. Es fei klar, daß die Frage der Abrüstung im fernen Osten notwendigerweise zusammenhänge mit einer Verständigung über die Politik, ins- besondere über 5)eeres- und F l o t t e n f r a g en. Das DbMswftnPxoMsm in EnglomS. London, 23. September.(CE.) Nach der Unterredung Lloyd Georges mit den sozialistischen Bürgermeistern Londons wurde offiziell mitgeteilt, daß die Bürgermeister das Problem der Arbeits- losigkeit als eine nationale Sache erklärt haben, welche ihre Lösung von der Regierung zu erhalten habe. Lloyd George hat ge- antwortet, daß die Lösung von der Regierung nicht allein zu er- warten sei, sondern nur von einer engen Mitarbeit der Regierung mit den städtischen Behörden, mit den Industriellen, den Bankiers und den Gewerkschaften. Eine in diesem Sinne gehaltene R e- g i e r u» g s e r k l ä r u n g soll vor das Parlament gebracht werden. Das parlamentarische Komitee des Trade-Union-Kon- g r e sf e s und das gemischte Komitee der Arbeiterpartei haben eine öffentliche Erklärung über die Arbeitslosenfrage abge- geben, in der gesagt wird, daß die Arbeitslosigkeit eine n a t i o- nale Frage ist und daß sie deshalb nicht auf einzelnen Ort- schalten lasten sollte. Die Vorschläge der Regierung legen auf die Schultern der Steuerzahler zu schwere Lasten und legen den ärmsten Gebieten große Opfer auf, wo die Steuern schon die höchsten im Lande sind. Jnfolgedesien schlägt das Komitee vor: 1. die Produktion durch Bestellungen der Regierung bei der Industrie zu vermehren, was eine Herabsetzung der Preise zur Folge hätte; 2. große öffentliche Bauten vom Staate und den Gemeinden zu errichten und den Vorzug den Bauten zu geben, welche die größte Zahl Arbeiter beschäftigen könnten; 3. den Gemeindebehörden durch Subventionen und Anleihen zu helfen: 4. Lebensmittel und Unterstützungen den- jcnigen Arbeitern zu sichern, für die keine Arbeit gefunden wird. Neue Maßnahmen im französischen Streik. Roubaix, 23. September.(EP.) Das Streikkomitee gab gestern abend eine Erklärung heraus, in der gesagt wird, daß der Streik jetzt einen neuen Charakter annehmen wird. Die Ar- beiterschaft macht sich auf einen langen Kchmpf bereit. Jedes Gewerkschaftsmitglied wird von seiner Organisation 3 Franken er- hatten, und die Amsterdamer Internationale soll durch die EGT. aufgefordert werden, den Streikenden ausreichende Hilfe zu leisten. Das Komitee schlägt die Verteilung der Kinder unter die nichtstreikenden Arbeiter vor, um so eher den Widerstand organisieren zu können._ Derbok der„Deukschen Zeitung". Die„Deutschs Zeitung" ist auf drei Tage verboten worden. Neuwahlen in England?„JDaily News" wird von gut unter- richtcter Seite mitgeteilt, daß die Einpeitscher der Koalition den Plan von Neuwahlen im Februar nächsten Jahres erörtert hätten. Groß�erün Sei öen Automobilen. Unweit des Kaiserdammes, wo die Häuserblocks schon vereinzelt auftreten, das Laubengelänve sich zwischen die Mauern drängt und die ersten Gnrncwald-Kiesern rotbraun in der Herbstsonne leuchten, ist breit die riesige Ausstellungshalle hingslagert, die bereits im Juli des schlimmen Jahres 1314 eins Ausstellung von Automobilen be- Herbergen sollte, was durch den Ausbruch des Krieges verhindert wurde. Auch heute ist die Halle bis auf den letzten Winkel wieder mit jenem Fahrgerät unserer hastenden Zeit angefüllt. Aber im Gegensatz zu damals ist jetzt olleiniger Aussteller nur die deutsche Industrie. Es liegt nahe, beim Betreten des riesigen Raumes, der eine räumlich gut verteilte, wenig aufdringliche Dekoration aufweist, zu- nächst auf all den blanken Glanz zu achten, der, von Lack und Nickel ausgehend, an gesteigertem Luxus, und manchmal nicht unberechtigt, an wenig zeitgemäßen überheblichen Komfort erinnert. Das wirkt stärker, als d gemeint ist. Denn man dars nicht vergessen, daß es sich um möglichst glanzvoll aufgemachte Ausstellungsstücke handelt, die nur ein Bild des der tätigen Hand überhaupt Erreichbaren ab- geben soll. Um beim Technisch-Maschinellcn zu bleiben: welche Un- summen ernstester Denkarbeit, von Entwicklung zu Entwicklung schreitend, sind hier niedergelegt� Wieviel Köpfe und Hände haben Im Lärm der Moschinen, in dunkler, rußersüllter Werkstatt gearbeitet, um diese Winzigkeiten präzisester Mechanik, die oft wichtigste Ver° bindungsglieder großer Werkstücke sind, herzustellen. Wie wuchs mit der Arbeit das Selbstgefühl des Mannes, der diese Vollkommen- heilen schuf, von denen er zunächst allein weiß, daß sie ihm selbst unmittelbar nicht dienen werden. Es liegt nahe zu vergessen, daß diese zuweilen überladenen Luxuswagen, dieses gewissermaßen kon- zentrierte Protzentum auf Rädern, nidst auf Perserteppichen und zwischen Gobelins hergestellt wurden. Die schöne Frau, die sich zwischen den Polstern dieser EoupSs dehnt, wird kaum des Mannes gedenken, dessen Händcarbeit ihr den fahrenden Salon überhaupt gestattete. Das Wesentliche ist aber nicht der auf ein Höchstmaß gesteigerte Luxus der Ausstattung dieser Karosserlen, sondern die vorzügliche Durchbildung der Maschine selbst, des Chassis, wie cs der Fachmann nennt. Es gibt eine Reihe Neuheiten, die ihre praktische Vcrwcnd- barkeit noch nicht bewiesen haben, aber deshalb um so stärkere Be- achtung verdienen. Da hat der frühere Flugzeugkonstrukteur Nump'.er einen eigenartigen Wagen konstruiert, der vor allem darauf beruht, der Luft den geringsten Widerstand entgegenzusetzen. Die bisher gebräuchliche Anordnung der Maschine im vorderen Teil des Wagens mit der sie bewachenden Motorhaube war diesem Zweck nicht günstig. Er konstruierte also eine bootförmige Spitze am vorderen Teil des Wagens und verlegte den Motor auf die Hinterachsen, wo er unmittelbar auf den Antrieb der Räder wirken konnte. Das hat naturgemäß feine Vor- und Nachteile. Und die Zukunft wird lehren, ob dieser Typ(es bandelt sich zunächst um kleine Wagen) ssich in der Praxis durchzusetzen vermag. Die Neuheit eines anderen Chassis besteht in dem Wagen ohne Schaltung, was natürlich eine ungeheure Bcrcinfachung für den lenkenden Kraftfahrer bedeutet. Der Wagen mit Propellcrantrieb ist keine Neuheit mehr; er wird immer mehr oder weniger ein Sportinstrument bleiben, dessen Einführung sehr vieles im Wege steht. Reich beschickt ist der Teil der Ausstellung, der den Lastwagen gewidmet ist. Auch hier sucht man der absoluten Vereinfachung der Handhabung möglichst nahezukommen. Der Land- Wirtschaft dienen mächtige Zugmaschinen, die mit einer Einrichtung zum Zlnhängen von Pflügen, Eggen versehen sind; durch einfache Anbringung einer Riemenscheibe wird aus dem Fahrgerät eine statio- näre Maschine Praktische Typen von neuen Omnibussen sind ferner vorhanden, besonders einer der Vogtländischen Maschinenfabrik, der durch die gute Anordnung seiner Sitzplätze auffällt. Ungeheuer zahlreich sind die kleineren Fortbewegungsmittel ver- treten. Das Kleinauto, das hier das Ideal darstellen würde, ist wegen seines hohen Preises für breitere Kreise noch unerschwinglich, sa daß man sich stärker dem Zweirnd zuwendet.» Die schweren Motor- räder sind un» ein gut Teil ihres Gewichtes durch geschickte Kon- struktion erleichtert worden. Ferner hat man dem einfachen Fahr- rad einen Motor angehängt, der zur raschen Fortbewegung einer Person völlig genügt. In dieses Gebiet fallen auch die sogenannten Motorroller, die allerdings den Nachteil haben, daß sie sich nur auf ganz guten Straßen bewegen können. Dann dehnt sich zwischen den Fertigfabrikaten die unglaubliche Menge der Aussteller, die Einzel- teile zu Automobilen zeigen: winzige Dinge, denen der Laie fast gar keine Beachtung schenkt, die aber für den großen Mechanismus doch so ungeheuer wichtig sind. Ein gut Teil unseres Werksleißcs ist in der Halle am Kaiserdamm zu sehen, für uns um so wichtiger, als cs sich um nach dem Kriege geleistete Arbeit handelt, die einen Aufstieg ankündigt, den die mon- archistischen Schreier unter keinen Umständen heute wahr haben wollen. * Die Deutschs Automobil Zluostellung wurde heute vormittag in Gegenwart zahlreicher Vertreter der Reichs- und Staatsbehörden sowie führender Pcrsönlichkciten der deutschen Automobil-Jndustrie eröffnet. De? Neuköllner NaubmörSer verhsstet. Das Geständnis des Talers. Ein in seinen Vcweggründcn geradezu entsetzliches Verbrechen ist der gestern abend in Neukölln cutdeckte Raubmord an der 46 Jahre alten Ehefrau Emma des Kartoffelhändlers G r o t h e aus der Juliusstr. 37. Wie wir bereits mitteilten, war noch im Laufe des Abends der Verdacht der Täterschaft auf den in der Julius- straße 26 wohnhaften Gemüsehändler Robert Fahl gefallen und, nachdem die Beamten der Mordkommission eine ganze Reihe ihn schwer belastende Momente zusammengetragen hatten, verhaftet worden. Nach anfänglichem Leugnen legte er ein umfassendes Geständnis ab. Hiernach soll es sich um einen Racheakt handeln. Er hat mit dem Manne der Ermordeten, dem Karte fselhändler G r o t.h e wiederholt Karten gespielt und dabei in kurzer Zeit sein ganzes Betriebskapital in Höhe von 10 000 M. verloren. Während er ständig vom Unglück verfolgt worden sei, habe Grothe fast immer Glück gehabt und große Gewinne erzielt. Hierdurch sei sein Nachegesllhl geweckt morden und in ihm der Plan gereist, die Frau Grothes zu ermorden, um ihin so das Liebste zu nehmen, was er besaß. In der Tat lebte Grothe auch mit seiner Frau sehr glücklich. Als der Mann der Ermordeten nesiern morgen mit seinem Sohn weggefahren war, suchte er dessen Wohnung auf. Frau Grothe, die ihn kannte, weil er von ihrem Manne Kartoffeln kaufte, ließ ihn auch ein. Als er nun mit der Frau ein belangloses Gespräch führte, schlug er in blinder Wut mit einem eigens dazu mitgebrachten„Engländer" auf fein Opfer ein, bis es zu- sammenbrach. Dann griff er noch zu einem auf dem Küchentisch liegenden K a r t o f f c l m c s s e r. stach auch damit auf sie ein und schnitt ihr endlich die Kehle glatt durch. Erst dann sei sein Rachegefühl gekühlt gewesen. Nun habe er dag Jackett des Sohnes über den Kopf der Toten gedeckt und sich aus der Wohnung entfernt. Er will weder nach Geld gesucht noch das Feuer angelegt haben. Hiernach hat er es auf eins Beraubung seines Opfers nicht abgesehen. Diese Darstellung trifft aber mit dem Befund am Tatort nicht ü b e r e i n. Es steht zweifellos fest, daß der Täter verschiedene Behältnisse und sogar das Bett des Mannes im Schlafzimmer durchsucht hat. Fohl hatte es auf eine größere Summ« abgesehen, die, wie er wohl wußte der Kartoffelhnndler auch tat- sächlich in seiner Behausung oersteckt rnttbewechrte. Es waren 10 000 M., deren Versteck der Täter jedoch trotz seines eifrigen Euchens nicht gefunden hat. Es unterliegt ferner auch keinem Zweifel, daß Fahl dasBettimDordsrzimmerangesteckt bat, um die Spur seiner Tat zu verwischen. Nach dem Geständnis ist der Täter dann völlig zusammengebrochen „Volk und Zeil", unsere illustrierte Wochenschrift, liegt der heutigen Posiauslogs bei. Die hunderksöhrige Frau Brüsennh, über die wir kürzlich be- richteten, wurde heute durch Verteter des Bsziksamtes Prenzlauer Tor zu ibrem Geburtstage beglückwünscht und empfing ein ansehn. liches Geldgeschenk. Die Jugendweihe in Pankow sindek nicht stakt. Di« gestrige Notiz beruht auf einem Irrtum. S. VM. DU e?nb!pltcT fnh von den Funktionären von 7 Uhr abends an von Lchirin, Charlottenstr.? abzuholen. B-ettor für morgen. Berlin und Umgegend. GröbteulcilS trecken und vielsach heiter bei mähigen westlichen Winden. Nachts kühl, in den Mittagsstunden ziemlich warm. GewerkschQftsbowegu n q vom TischkerftreZk. Mit der Tarifbewcgung der TiWer Berlins und dem Streit beschäftigen sich am Donnerstag zwei Mitgliedsrvsrsamm'ungsn der in Arbeit stehenden Kollegen. Die Versammlung im großen Saal der Brauerei Bötzow war äußerst zahlreich besucht. Hier referierte der Bevollmächtigte Böse, der in großen Zügen ein Bild von Ursache und Ve:!aus der Be- wegung zeichnete. Unter anderem hob er folgendes hervor: Seit sechs Wochen.währt der erbitterte Kampf. Am Schlüsse der ersten Woche waren rund 9000 Kollegen daran bedtiligt. Bis zum heuti- gen Tage ist in 340 Betrieben mit 3260 Beschäf'igten der Mauici- vertrag und der Lohntarif anerkannt. Im Kampf stehen noch 6367 Kollegen. Die Höchstzahl hat sich um rund 3000 verringert. Diese fallen nicht sämtlich unter die bewilligien Betriebe, denn eine Anzahl Kollegen ist abgereist und andere haben in anderen In- dustricn Arbeitgenommen, wozu von Fall zu Fall die Zustimmung gegeben wurde. Di« Zahl dieser Kollegen ist jedoch gering, wenn man die Zahl der gesamten Streikenden in Betrach: zieht.— Was lostet der Streik? An Streikunterstützung wurden ausgegeben: in der ersten Woche 511,992 M., in der zweiten Woche 766 697 M., iii der dritten SScche 728 751 M., in der vierten Wcche 699 380 M.. in der fünften Woche 684 051 M. Auf den Kops des Streikenden kommen wöchentlich etwa 100 M. Das zeigt schon, welche enormen Opfer die Kämvfenden zu bringen verpflichtet sind, und zwar nicht nur im Interesse der Berliner, sondern der deutschen Holzarbeiter überhaupt. Wenn wir in Berlin unterliegen, würde in ganz Deutschland das Unternehmertum rigoros vorgehen. Indem er die Tatsachen durch Zahlen belegt«, zerpflückt«'Redner die Lügen, die von der Anhängerschaft des Obermeisters Pacth verbreitet wurden. Weiter führt« Böse noch aus: Unsere kämpfende Kollcgenschaft steht fest. Di« Kampffront ist aeschlosicn. Es gilt, den Kamvf zu einem siegreichen Ende zu führen. Nun l?at siel: das Rsicbsarbeits- Ministerium zu einer Vermittlung erboten. Wir find zu VerHand- lungen auf der bekannten Basis bereit. Die Streikenden denken nicht daran, di« Arbeit zu geringeren Bedingungen aufzunehmen, als sie den Holzarbeitern im entferntesten Dorf zugestanden sind. Wir haben aber auch geltend gemacht, daß sich wegen der inzwischen ver- schlechterten Wirtsckiaftslage die geldliche Forderung insofern verändert, als für die Zeit ab 1. Oktober auf di« bestehenden Tarif- löhne eine weitere Zulage von 1 M. oemacht werden muß. Letzt kommt es daraus an, die Streikenden in jeder Beziehung moralisch und materiell zu unterstützen. Wenn das geschieh!, wird es möglich sein, in kurzer Zeit den Kampf erfolgreich z:l beenden. (Lebhafte Zustimmung.) In der Diskussion kam allgemein das Bestreben der Arbeiien- den zum Ausdruck, nach jeder Richtung hin Solidarität zu üben. Dieser Will« wurde auch in einer Resolution ausgedruckt, in der es heißt: „Um sofort imd wirksam di« Unterstützungsaktion einzuttiten, beschließen die Versammelten, daß jedes arbeitende Mit- glied de s Holzarbeiterverbandes einen wöchent- lichen Extrabeitrag von mindestens 10 M. zu entrichten hat, der durch die Entnahme von zwei Streikmarken quittiert wird. Die Versammelten erwarten, daß kein Kollege sich dieser Vervflichtung entzieht."— Dieser Beschluß wurde einstimm:a gefaßt._ �um Lohnkampf im MastivirtsZewerbe. Die Angestellten im Gastwirtsgewerbe tagten gestern nacht in vier Versammlungen, um zu dem Ergebnis der Tarifverhandlungen Stellung zu nehmen. Referenten waren Wiesccke, Bürde, Richter und Kittler. Die Tagesordnung lautete: 1. Der Wortbruch der Ar- bcitgeberorganifationen in der Frage der Teuerungszulage. 2. Bericht und Stellungnahme zu den Tarifverhandlungen. In den„Arminhallen" führte Richter etwa folgendes aus: Es ist uns von den Arbeitgebern ein Entwurf zugegangen für em prozentuales L o h n f y st e m, das ist von u n s a b g e l e h n t worden, denn diese Art der Entlohnung würde zu einer Spaltung zwischen Hilfs- und Bedienungspersonal sowie auch zur längeren Arbeitszeit führen. Man hat uns dann eine Teuerungszulage von 10 Proz. ab 13. August bewilligt, aber nachträglich erklärt, die Aus- Zahlung erst dann vorzunehmen, wenn wir die übrigen Bedingungen der Arbeitgeber schlucken würden. Heute babcn wir nun vor dem Schlichtungsausschuß verhandelt Dort erklärten wir, nicht weiter verhandeln zu wollen, wenn nicht zunächst die 10 Proz. Tciicrunqs- zutage ausgezahlt werden. Daraufhin haben die Arbeitgeber sich bereit erklärt, diese ab 15. August bis 30. September am Sonnabend zu bezahlen. Morgen soll über unsere eigentlichen Foroe- rungen verhandelt werden. Wenn die Kollegen und Kolleginnen fest zusammenhatten, werden die Arbeitgeber nicht umhin können, unsere Forderungen zu bewilligen. Die folgende Aussprache war sehr rege und zeugte von voller Einigkeit der Versammelten. Schließlich wurde eine Resolution ein- stimmig angenommen, die besagt: Die Versammlung der kartellierten Ärbeitnehmerverbände im Gastwirtsgewerbe nimmt Kenntnis von den Tarifocrhairdlungen. Sie verurteilt auch das Veralten der Arbeitgeber betreffs Auszahlung der bewilligten Teuerungszulage aufs schärfste. Um alle Hindernisse für eine friedliche Berskändigung zu beseitigen, stimmt die Versammlung dem Schiedsspruch über die Teuerungszulage zu in der Erwartung, daß die weiteren Tanfoer- Handlungen nunmehr in kürzester Zeit beendet werden. Die Bei- sammelten lehnen das Bedienungsgeld als Entloh- n u n g des Personals auf das Entschiedenste ab und versprechen, geschlossen und mit allen Mitteln hinter den aufgestellten Forderungen zu stehen._ Lohnbewegung der LandschaftSgärtner. Ein« stark besuchte Versammlung der Landschaftegärtnergruppc im Verbände der Gärtner und Gärtnereiarbeiter nahm am Mit!- wach abend im Gewcrkschaftshaus Stellung zu den Lohnforderungen. Kollege A u r a s gab den Situationsbericht und führte� u. a. aus. daß die gegenwärtige regere Bautätigkeit und der Herbst naturge- maß für die Landschaftsgärtncrei«ine bessere Konjunktur und ver- mehrte Beschäfiigungsmöglichkeit verspricht. Es sei daher notwen- big, an die Aufbesserung der erbärmlichen Löhne in dieser Branche heranzugehen. Die jetzige Entlohnung der Landschaftsgärlner eni- spricht weder der steigenden Teuerung noch dem Saisoncharakter des Berufes. Werden doch noch Stundenlöhne von 3 M. und darunter gezahlt. Bei diesen niedrigen Löhnen können wir nur notdürftig unser Leben fristen. Kein Beruf steht so schlecht da wie der unsrige. Ungelernte andere Berufe verdienen mehr als die Gelernten unseres Berufes. Die Branchenleitung wurde beauftragt, den Unternehmern en!» sprechende Forderungen zu unterbreiten. Von allen Diskussionsrednern wurde betont, daß es zur Er- reichung dieser Forderungen der tatkräftigen Unterstützung aller Be- rufstätigen bedars. Die kurze Saisontätigkeit müsse deshalb ausge- nutzt werden, um alle noch unorganisierten Kollegen der Organisation zuzuführen.._ Tcxtilstreik in«ßeca-Grclj. In dem wiStigen Gera- Greizer Textilbezirk sind laut Meldung deS.Konfeklionär" etwa drei« tausend Färbereiarbeiter in den Aus st and ge» treten. Die Arbeiter sind mit den von den Arbeitgebern be- willigten Lohnerböbungen nickt einverstanden; sie verlangen eine durcksckuitilicke Erhöhung des Stundenlohnes um 8 bis 8,50 Mark. Es ist mit der Möglichkeit ein«? Ausstände» auck der Wedereiarbeiter zu recknen, falls nickt nock in letzter Stunde eine Einigung erzielt wird. Vcranii-orllich für den rrdrikt. T-Il:»!»« Schill, Serlin; für e'.nzciy-n: Tb. lüi-ak. Verlin.«ering: Dorirgrii-Scrlnq G.m.b.H.. Berlin. Tram Vor. wkrtS-Buchdruilerei u. LerlaaSanftalt Saal Dinger«. To., Berlin. Lindruktr. 3. Panneck's Schul-Artikel von Massiv-Rindieder K Gediegene Ausführung UMWg. Wellki'lMkü. 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