Nr. 454 ♦ ZS. Jahrgang Ausgabe B Nr. 225 Bezugspreis» BlkrtcIISHrI.Z0,— monail. 10.— M. frei ins Sau«, voraus zahlbar. Pon- bczug! Monatlich U>.— M. einschl. flu» ftrllunqsgebllhr. Unter kreuzbanb tiir Deutschland. Danzig. da- Saar- und Memeigcdiet. sowie die ehemals beut- schen Gebiete Polen«. Oesterreich. Ungarn und Luximdura M— M, flir da» übrige Ausland»f.— M. Post» beltellungen nehmen an Oesterreich, Ungarn. Tsch-cho- Slowakei. Däne- mark, Holland, Luremburg, Schweden und die Schwei». Der„Vorwärts� mit der Sonntagsbeilage„Boll und Zeit', der Unter- hallungsdeilage �eimwelU' und der Beilage„Siedlung und Ztietngarten� erscheint wochentaglich zweimal. Sonn- tags und Montags einmal. Telegramm- Adresse> „Sozialdemokrat DerUa" Abend Ansgabe Vevlinev Volksblatt � 20 Pfennig � Duzeigenp»««: Die achtgespaltene Nonpar«»ssz«»e kostet K,— M.„kleine Anzeigen- da, sttlgedruckti Wort 2,— M.(IN- lässig zwei settgedrnckte Wortes, srbes weitere Wort t— SSL Stellengesuche und Sch!asstrstenan»«igen da« erste Wort ls— M, jede, weitere Wort «0 Psg. Worte Uder Ik Buchstaben zählen für zwei Wort». ffamtlien»?ln. zeigen sür Abonnenten gekt« 8,60 M. Die Preise verstehen sich einlsHiiehlich Tcnernng»»«schi»» Anzeigen für die nächste Dummer müssen bis 5 Ahr nachmittags im HauptgeschäfL Berlin SW 08, Linden- ltrajje 3, abgegeben werden. Geilffnei von 9 Uhr srvh bis 5 Uhr abends. Zentralorgan der rozialdemohratirchen Partei Deutfchlands Neüaktion und Expedition: SW b8, Lindenstr.Z �»oneekten�ele-v- Redaktion Morihplad ISIVS— V7 Moritzplatz 11753—64 Montag, de« 26, September 1931 vorwSrts-verlag G.m.b.H., EW 68, Lindenftr. Z Qe�-nkttworktov» B erlag, Expedition und Inseraten. n, c ♦ z,b�t,ung Moritzplatz 11753—64 ieseÄ— ssb�b-——i— ai-ä— hä: Churchill gegen Wiedergutmachung. London, 26. September. In einer großen Rede In Dundee be» faßt sich Churchill nach Erörterung der irischen Frage mit dem Niederganz des Welthandels und der Washingtoner Konferenz. Churchill sagte, dem ausführlichen Bericht der„Times" zufolge, der Niedergang im Welthandel berühre eng die Lage der englischen Arbeiterklasse. Das W ä h r u n g s s y st e m zwischen dem einen und dem anderen Lande sei zum großen Teil gelähmt. Kredit und Unternehmungen seien behindert. Ungeheure Schulden von chunder- ten und Tankenden Millionen Pfund Sterling und sogar noch riesen- haftere Entseyädigungen würden von einem Lande gegen das andere geltend gemacht. Die!« Schulden und Entschädigungen überstiegen die Mittel und Methoden der Bezahlung bei weitem. Die Länder, an die die Bezahlung zu erfolgen habe, könnten nur in beschränktem Maße ausländische Ware, die infolge der Kriegsschuld gedumpte Ware darstelle, aufnehmen und in einem Jahr« nur eine bestimmte Entschädigung erhalten, weil sonst ihreigenesindustrielles System ernstlich in Mitleidenschaft gezogen, ihrer Arbeiterbeoölke- rung das Brot vom Munde weggenommen werden würde. Churchill sagte: Die großen Nationen der Welt bieten aug«nblicklich ein merk- würdiges pathetisches Schauspiel: Amerika, England, Frankreich, Italien, alle hoffen riesige Geldsummen von einander oder von Deutschland herauszubekommen. Schulden eintreiben ist eine hauptindustrie geworden und nimmt in den Köpfen zahlreicher Politiker und Parlamente und sogar Völker den Hauptplatz ein. Wenn alle Schulden und Entschädi- gungen zwischen Nation und Nation bezahlt werden würden, dann würde jedes Gläubigerland gedumpte Ware erhalten, und zwar in Mengen und zu Preisen, die für den geordneten Betrieb ihrer In- dustrien verhängnisvoll fein würden. Nicht ein einziges der siegreichen Länder, die Anspruch auf riesige Wareneinfuhr als Bezahlung der ihnen geschuldeten Beträge haben, würde diese Waren, wenn sie kommen sollten, annehmen. Auf der anderen Seit« schaffen sie, und ganz mit Recht. Tarife und alle Arten von Sondergesegen, um zu verhindern, daß ihre eigenen Industrien durch solche riesige unwirtschaftliche Einfuhr völlig erschüttert werden. Infolge der aus diesem allen entstandenen Währungsoerhältnisie ist die Kaufkraft der Schuldnernationen vollkommen erloschen. Die Gläubigernationen haben infolge der Währungsoerhältnisie größte Schwierigkeiten, nach den Schuldnernationen aus- zuführen, da diese letzteren ihnen bereits mehr schulden, als ste be- zahlen können. Di« Schuldnernationen sind gezwungen, jährlich nach den Gläubigernationen riesige Mengen auszuführen, was ihre Leistungsfähigkeit weit überschreitet. Die Gläubigernationen wollen diese Waren jedoch nicht annehmen aus Furcht, datz darunter ihre eigenen Industrien leiden. Dadurch wird der gesamte lnkcruakionale Handel ungeheuer eingeschränkk, und sedem Land wird dadurch Schaden zugefügt. Die erzielten Er- gebnisse sind gerade das Gegenteil von dem, was die meisten erhoff- ten. Ein Beispiel dafür ist der größte Schuldner st aat Deutschland, und der größte Gläubigerstaat Amerika. In Deutschland arbeiten die Industrien intensiv. Deutschland wird durch seine Ausfuhr in die Lage versetzt, fast jeden Markt, den es beschickt, zu erobern. In den Vereinigten Staaten ist die Lage ganz anders. Sie verfügen über Berge von Gold. Der amerikanischeAus- fuhrhandel wird jedoch sehr eingeschränkt. Die ameri- kanisch« Flotte ist ein vollkommener Fehlschlag. In Amerika sind dreimal soviel Erwerbslose wie in England, und ein Steigen der Kurve für die Lebenshaltung in den Vereinigten Staaten wird für die unmittelbare Zukunft angekündigt. Diese Gegensätze ergeben die unbedingte Notwendigkeit, daß die Staatsmänner aller Länder sobald wie möglich zusammenkommen. um flch von neuem diesem Problem des internationalen Handel» zu- '.uwenden, damit die Ströme des Angebots und der Nachfrage wieder frei über die Oberfläche der Well fließen können. Zweifellos könne man sich selbst dabei nicht von der Kritik ausnehmen. Immerhin sei England von allen siegreichen Ländern in seiner Finanzpolitik seit dem Kriege sicher das einsichtigste Land gewesen. England habe ver- sucht, soweit angängig, Deutschland eine Möglichkeit zu sichern, seine eigene Wohlfahrt wieder aufzubauen, mit der die Wohlfahrt Frank» reich? und Englands so eng verknüpft sei. England habe sich er- boten, zu vergesien und alle Schulden zu streichen, die ihm europäische Nationen schuldeten, vorausgesetzt, daß England von der geringeren Schuld befreit werde, die es für seine Alliierten bei den Vereinigten Staaten aufgenommen habe. Das Heilmittel liege jedoch nicht in der Hand eines einzigen Landes, und in dieser Richtung seien andere Länder vorhanden,„die mächtiger sind al« wir". Es gibt andere Länder, fuhr Churchill fort, die in dieser Frage in einer günstgeren Lage sind als wir. Es würde zum Vorlest der Welt sein, wenn alle iniernakionalen Bcrpslichluugen, die aus diesem Kriege entstanden sind, von neuem ans pratlische Dimensionen herabgesetzt und in eine Salegorie für flch gestellt würden. Ob dies möglich ist oder nicht— unmittelbar notwendig ist ein Mittelding von internationaler Währung, das von Kriegsverpflichtungen unbeeinflußt lein würde und wenigstens zeitweilig und während der Periode der Gesundung den Verkauf van Waren zwischen den Ratio- nen aus einer natürlichen und normalen Grundloge sichern würde. Co wichtig auch die Konferenz ist, die demnächst in Washington über die Frage der Abrüstung stattfinden soll, eine Konferenz über die Schaffung normaler Währungen würde wert- voller sein und noch dringlicher. Man darf vielleicht hoffen, daß sich die eine aus der andern entwickeln wird. Frankreich und öie amerikanischen Truppen. New Jork. 26. September.(WTB.) Der Pariser Berichterstatter der„Asivoiated Preß" meldet: Die amtlichen französischen Kreise sind sehr beunruhigt über die Berichte aus Washing» ton, wonach die amerikanischen Truppen am Rhein nach Ratifi- zierung des deutsch-ameritanischen Friedeneoertrages zurückgezogen werden würden. Das Ministerium des Aeußern hat keine Benach- richtigung darüber erhalten, aber der französische Botschafter in Washington, Iusierand, ist angewiesen worden, die Entwicklung der Dinge genau zu verfolgen und im geeigneten Augenblick darauf hinzuweisen, daß Frankreich die Zurück- zichung der amerikanischen Truppen tief bedauern würde, da die französische Regierung die Anwesenheit amerikanischer Streit- kräfte am Rhein als Grundlage der alliierten Soli» d a r i t ä t und als große Hilfe bei der Durchsetzung des Bersailler Friedensoertrages ansehe. Die Wirkungen des Friedensvertrages. Landau, 26. September.(CS.) Die„Times" erfährt aus Washington: Sobald die Friedensverträge mit Deutschland, Oester- reich und Ungarn ratifiziert sind, würden die Bereinigten Staaten nach Vereinbarungen mit den Alliierten bezüglich gewisser E r g ä n» zungen des Friedensvertrages mit Deutschland in Ver- Handlungen treten. Staatssekretär Hughes sei der Aufsasiung, daß die durch den Krieg aufgeworfenen Fragen zu einer endgültigen Lösung geführt werden könnten, wenn die Vereinigten Staaten Ab- machungen mit England, Frankreich, Italien und Japan träfen, durch die die Beziehungen dieser Staaten zu Amerika, insbesondere was die von Deutschland abgetretenen Gebiete be- trifft, geordnet würden. Alle von Amerika mit den Alliierten ab- geschlosienen Verträge würden Bestimmungen über die Mandats» gebiete erhalten. Die Dereinigten Staaten sollen die gleichen Recht« erhalten wie jene Länder, denen Mandate über ehemals deutsche oder türkische Kolonien übertragen wurden. Was die Frage der amerikanischen Vertreter in der Reparationstom- Mission angeht, so hatte hughe» gestern eine Unterhaltung mtt Lodge, bei der er eine Mitteilung m dem Sinn« machte, daß der Präsident einen Vertreter in die Kommisston entsenden will. Die Beparafionskommisiion wird vom Dienstag ab in voll- sttzungen das Wiesbadener Abkommen prüfen. Der „Matin" meldet, daß die für heute vorgesehene Begegnung zwischen Loucheur und Rathenau noch in letzter Stunde ein« Verzögerung erfahren mußte und nun wahrscheinlich am J.«nid 2. Oktober stattfinden wird. Die Zrankenbesolüung im Saargebiet. Saarbrücken, 24. September.(TU.) Trotz des starken Druckes, den die Regierungstommission ausübt, haben die Gemeinde» Vertretungen von Saarbrücken und den meisten anderen Orten des Saargebiets die Einführung der F r a n k w ä h r u n g für ihre Beamten und Angestellten abgelehnt. die danziger Eisenbahnfrage. Gens, 24. September.(EE.) Wie aus zuverlässiger Quelle ver- lautet, sind in der Nacht vom Freitag zum Sonnabend zwischen der Danziger Delegation unter der Führung des Senatspräsidenten und den polnischen Vertretern unter Führung des Bölkerbunddelegierten Olzowjki die seit 14 Tagen hier geführten Verhandlungen in der Danziger EisenbahnsraKe durch ein Ueberein- kommen abgeschlossen worden. Dieses trägt dem Wunsch der Danziger insofern Rechnung, als der Uebergang der Bahn in pol» nischen Besitz nur nach besonderer Vereinbarung mit dem Hafenausschuß erfolgen kann. Neue Türkenoffenjlve. Varii. 25. Septeniber.(WTB.) havas verbreitet ein« aus türkischer Quelle stammende Konstantinopcler Meldung, daß das Ge- rächt von der Erobeiung von Eski Schehir sich nicht bestätigt. Die Lage der griechischen Armee Hab« sich noch dadurch verschlimmert, daß zwei Kaoalleriedivisionen und zwei In- fanteriedivisionen in ihrem Rücken operierten, die Said Ghazir be- setzt hätten. Konslaallnopel, 24. September,(havas.) Nach Nachrichten aus kemalisttschey Quell« soll in der Gegend von Eski Schehir eine große Schlacht Im Gange sein. Die Griechen sollen versuchen, in dieser Stadt Widerstand zu leisten. Andererseits soll General N u r e d d i n Pascha, Befehlshaber der Truppen der Nordfront, den Befehl er- halten haben, gegen Brussa zu marschieren. General G h a l i p Pascha soll den Befehl erhalten haben, gegen Smyrna vorzu- gehen._ Das Russische Roke üreoz teilt uns zu der in der deutschen Presse erschienenen Notiz, daß die Sowjetregierung eine Steuer für Wohltätigkcitsspendcn eingeführt hat, mit. daß auf Grund des § 6 des am 29. August 1921 zwischen d in Deutschen Roten Kreuz und der Sowjetregierung geschlossenen Abkommens, das Sani- tätsmaterial sowie Nahrungsmittel und andere Pro- dufte, die für die hungerleidenden in Eowjetrußland bestimmt sind, unentgeltlich und steuerfrei zu befördern find, das neue Hausangestelltenrecht. Von Luise Kühler. Bald ZShrt es sich zum dritten Male, siatz die Gesiiide- Ordnungen außer Kraft gesetzt sind. Lange schon erwarten die Hausangestellten für sich ein neues Recht. Nun endlich liegt der Regierungsentwurf vor. hier haben bei der Bearbeitung Manner und Frauen der neuen Zeit gefehlt. Er riecht nach Moder. Wörter und Satzbildungen find dem vorigen Jahrhundert entnommen. Es wird bei Be- ratung des Entwurfes der Aufbietung aller Kräfte bedürfen, um hier abzuändern oder vollständig neu zu gestal- ten. Denn was längst überholt ist, lebt hier wieder auf, ja noch mehr, man legt fest, daß Kinder ebenfalls als Haus- Hilfsarbeiter beschäftigt werden dürfen. Soll uns nach diesem das Ausland glauben, wie geschwächt unsere Kinder sind? Was hat sich der Reichsarbeitsminister gedacht, teynt er die Tragweite des 8 24 Abf. 4, wo es heißt: „Kinder unter IE Jahren dürfen täglich nicht länger Ob drei Stunden beschäftigt werden. Dt« Beschäftigung darf nicht vor 7 Uhr morgens beginnen und nicht nach 7 Uhr abends enden. Die Beschäftigung volksschulpslichtiger Kinder vor dem{Beginn der Schule ist verboten. Kinder unter 12 Jahren dürfen nicht beschäftigt werden." Arme Arbeiterkinder! In der Degründmig schreibt man: „Es liegt im Interesse der Kinder, die durch die Verhältnis- mäßig leichte Haushaltsarbeit in den Stand g es cht werden, früh etwas zu verdienen» ohne doch Schaden zu nehmen." Die Empörung steigt einem auf, wenn man liest, daß diese Arbeit leicht sein soll, wenn Kinder schon eine fünfstündige Schulzeit hinter sich haben. Ob die Bestimmung über Zu- lassung von Kinderarbeit nicht mit dem kommenden Reichs- jugendgefetz in Widerspruch gerät, in dem das Verbot jeder Kinderarbeit gegen Entgelt verlangt wird. Wenn weiter in der Begründung gesagt wird, daß die Haushaltsarbeiter hinsichtlich ihrer Arbeitsdauer ungeschützt sind und die Gefahr besteht, daß sie über ihre Kräfte hinaus ausgenutzt rperden, zumal sie häufig neben der Erwerbsarbeit noch den eigenen Haushalt zu versehen haben, dam: ist man doch erstaunt, daß nicht klipp und klar im Gesetz die achtstün- dige Arbeitszeit festgesetzt ist. Warum dann so wn und eine Höchstarbeitszeit von S 6 Stunden in der Woche für diese Arbeiterschicht festsetzen, bei der in der Regel noch ein weiter Weg von und zur Arbeitsstätte hinzukommt? Was unsere Wasch- und Reinmachefrauen, Aushilfen und Aufwärterinncn mit der Einführung des Achtstundentages errungen haben, daß will man jetzt so ohne weiteres über den Haufen werfen. Mögen die Leidtragenden nicht zu spät erkennen, daß auch sie sich zu rühren haben, wenn für sie nicht der Achtstundentag verloren gehen soll! Eine dreizehnstündige„Arbeitsbereitschaft"' wagt man für die Hausangestellten, die in die häusliche Gemein- schast aufgenommen sind, festzulegen; ja man ist sogar so weit gegangen, daß man für den Sonntag die Stunde festgelegt hat. an der die Arbeit früh zu beginnen hat, und fast scheint es, als wäre dem Gesetzgeber 6 Uhr morgens noch nicht früh genug. Damit aber die Hausangestellte ja nickst znoielfreieZeit erhält, soll die Sonntagsarbeit um 3 Uhr beendet fein. Klingt es nicht wie Hohn, wenn im Gesetz steht: in der siebentägigen Woche besteht ein Anspruch auf verkürzte Arbeitsdereitschaft an nichtmehr als zwei Tagen! Auch für die in die häusliche Gemeinschaft aufgenommenen Hausangestellten muß es möglich sein, daß der siebente Tag ein fast arbeitsfreier Tag ist. Wenn man bedenkt, daß zwischen jugendlichen und er- wachsenen Hausangestellten in der Arbeitsbereitschaft nur der Unterschied besteht, daß erstere eine Stunde Pause am Tage mehr haben sollen als die erwachsenen, dann läßt dies doch die Schwere der häuslichen Arbeiten vollständig verkennen. Kin- der. kaum der Schule entwachsen, den ganzen Tag auf den Beinen, vielleicht gar im verantwortlichen Posten als Kinder- Mädchen, haben wahrlich mit einer achtstündigen Arbeitszeit übergenug; aber daran denkt man nicht! Man legt nicht ein- mal fest, daß den Jugendlichen die Zeit für die Fort- bildungsschule gegeben werden muß, sondern schreibt im§ 17 nur von„gewähren". Nach neunmonatlicher Beschäftigung im gleichen Haus- halt steht dem Hausangestellten alljährlich ein U r l a u b von mindestens einer Woche zu. Die Landeszentralbehörde kann. weil das Reich nichts einheitliches schaffen will, den Urlaub bis zu drei Wochen erhöhen Während der Zeit muß der Barlohn gezahlt werden, auch für die ausfallende Kost, ortsübliches Kostgeld, zum Schluß aber steht:„Ein Anspruch auf Urlaub besteht nicht mehr, wenn der Hausangestellte gekündigt hat." Wie oft wird, wenn dieser Satz stehen bleibt, die hausange- stellte nach ihrem Recht schreien müssen, denn nicht durch sie, sondern umgekehrt wird es zur Kündigung kommen. Der Ar- beitgeber wird, wie jetzt schon vielfach um die Weihnachtszeit, aus Sparsamkeit vom Zkundigungarecht Gebrauch machen. Der L o h n soll in regelmäßigen Zeitabschnitten, die nicht länger als 1 Monat fein dürfen, entrichtet werden, allerdings — und das ist bezeichnend— r a n n die Landeszentralbehorde an Orten mit weniger als 5000 Einwohnern die Zeit bis zu drei Monaten verlängern! Der S ch l a f r a u m soll angemessen, sittlich und gesund heitlich einwandfrei sein. Verlangt müßte allerdings werden. daß Maße für Raum. Licht und Luft vorgeschrieben wären, denn der Schlafraum stellt einen Teil der Bezahlung für geleistete Arbeit dar. Wenn weiter in der kalten Jahres- zeit ein erwärmter Raum, der auch die Küche sein kann, zur Verfügung gestellt werden soll, dann mutet es wahrlich komisch an. wenn es weiter im Text heißt:„sofern der Arbeit- geber selbst in seiner Wohnung über einen solchen verfügt". § 11 spricht von der Kost. Darüber heißt es: „Wenn nichts anderes vereinbart, ist dem Hausangestell ten Kost zu gewähren. Sie muß gesund und auskömmlich sein." Daß sie auch der Haushaltsführung ent- sprechend sein muß, hat der Gesetzgeber vergessen. Angemessene Zeit zur Erfüllung seiner staatsbürger- lichen und kirchlichen Pflichten ist dem Hausangestellten zu gewähren, i n s b es o n d e r e zum Besuch des Gottesdienstes und soweit ein Fortbildung- und Beruf sschul- zwang besteht. Erwartet hätte man, daß die st a a t s» bürgerlichen Rechte den kirchlichen vorange- g e st e l l t wären. Der kra n k e Hausangestellte soll keinen Anspruch auf Jnnehaltung der Kündigungsfrist haben, wenn er bei Ab- schluß des Arbeitsvertrages die Krankheit verheimlicht hat, oder wenn sie vorsätzlich herbeigeführt ist. Die hieraus ent- ftandenen Kosten kann der Arbeitgeber auf den geschuldeten Barlohn bis zu zwei Drittel in Anrechnung bringen. Man erwartet vom Gesetzgeber, daß damit nicht gemeint ist, daß Hausangestellte, die sich Mutter fühlen und dies bei ihrem Antritt verschwiegen haben, darunter fallen, ebenfalls so bei Fehlgeburten, denn oftmals sind Hausangestellte be- schuldigt worden, diese vorsätzlich herbeigeführt zu haben. Wir vermissen diese Klarstellung in der Begründung, trotzdem bei der Vorbereitung eine Verneinung dahin zielender Fragen erfolgte. Hinzu kommt, daß auch eine sofortige Ent- l a s s u n g stattfinden kann, wenn der Hausangestellte einen �„unsittlichen Lebenswandel" führt. Wir haben schon früher vor solcher Kautschukbestimmung gewarnt. Daß man sie aber trotzdem in den Gesetzentwurf aufnehmen würde, hielt man nicht für möglich. Die Arbeitsbescheinigung, die über Art und Dauer des Arbeitsverhältnisses Auskunft geben soll, ist im fi 29 ausführlich behandelt. Die Landeszentralbehörde, nicht däs Reich, kann einheitliche Vordrucke dafür herausgeben, kann auch bestimmen, daß diese behördlich gestempelt werden. Auf Verlangen des Hausangestellten sind der Wahrheit ent- fprechendcr Angaben über Leistung und Führung zu machen. Hoffentlich überlegen sich die Hausangestellten sehr, von diesem eingeräumten„Recht" Gebrauch zu machen. Dem Verfasser des Entwurfs gibt die Arbeitsbescheinigung aber noch keine Gewähr für die Ehrlichkeit der Hausangestellten. Gewaltsam soll dieser Stand wieder herabgedrückt werden. M e n- schen zweite r Klasse, wie vor Aufhebung der Gesinde- ordnung, sollen die Hausangestellten wieder werden. Jedes Selbstbewußtsein soll ihnen genommen werden. Warum will der Reichsarbeitsminister den Steckbrief, den„Ausweis mit Lichtbild" gerade für d i e s e n Beruf? Warum denn nicht auch Fingerabdrucke?..... Die Hausangestellten in eine Ausnahmestellung zu drän- gen, sie zu willigen und gehorsamen Ausbeutungsobjekten zu mychen— das kann der Beruf heute nicht ertragen! Hier wird und niuß von einsichtigen Persönlichkesten alles daran gesetzt werden, damst dieser Schandfleck aus dem Entwurf ver- schwindet. Die Bestimmungen, die von der Schlichtung von Streitig- keiten sprechen, genügen nicht. Solange die Arbeitsgerichte noch nicht bestehen, muß oberstes Gesetz bleiben, daß die be- stehenden Schlichtungsstellen auch die Streitigkeiten der Haus- angestellten regeln. Die Kontrolle über das Gesetz kann von den Landeszentral- behörden eingeführt werden unter Hinzuziehung von Arbeit- gebern und Arbeitnehmern, die ehrenamtlich sich dieser Arbeit unterziehen. Unseren Anforderungen entsprechen diese Be- stimmungen m keiner Weise, denn nur eine behördlich ein- geführte Kontrolle kann Gewähr für Durchführung des Gesetzes geben. Wäre man bei dei�Beratung des Gesetzentwurfs den Vorschlägen des„Zenträrverbandes der Hausangestellten" nähergetreten, dann wäre zum Ausdruck gekommen, daß auch die Hausangestellten das neue Gesetz vertrauensvoll erwarten können. So aber müssen sie ein Stück S e l b st h i l f e ge- brauchen, müssen ihre Organisation stärken, damit der Gesetz- geber ihnen die nötige Beachtung schenkt. Alle anderen Be- rufsgruppen aber müssen helfend zur Seite stehen. Ganz be- sonders müssen aber die Reichstagsmitglieder dafür sorgen, daß hier ein Werk zustande kommt, das den Stiefkindern der bisherigen Gesellschaft endlich einmal gerecht wird. Keine verhanülungen über üie Koalition. Ein Berliner Mittagsblatt meldet Einzelheiten einer Kon- ferenz über die Regierungsumbildung, es soll der erste offizielle Schritt auf dem Wege zur neuen Regierungskoalition sein, man habe beim Reichskanzler darüber verhandelt. Die Meldung ist von A bis Z unwahr. Zur Regierungsumbildung in Preußen. Der geschäftsführende Ausschuh der Deutschen Volkspartei hat seine auf den 29. September festgesetzte Sitzung auf den Z. Oktober vettagt. Die Rcichstagsfraktion der Deutschen Volkspartei tritt am Montagabend zusammen. Von wohlunterrichteter Seite wird dem „Verl. Lokalanz." betont, daß die Mehrheitssozialdemokratio bei ihrem Festhalten an ihren Mindestforderungen keineswegs auf deren Annahme durch die Deutsche Dolkspattei werde rechnen können. Es stehe allerdings zu erwarten, daß Zentrum und Demokraten ihrer- feits bis zur wirklichen Aufnahme der Verhandlungen noch auf die Sozialdemokatie einwirken werden, um sie von der Unerfüllbarkeit ihrer Bedingungen zu überzeugen. Koalitionsverbreiterung nach rechts oder links? Die„Dena" macht folgende beachtenswerte Ausführungen: Der auffällige Kampf, der gegen die Kanzlerschaft Dr. Wirths geführt wird, beginnt sich allmählich in seinen politifchen Untergründen zu klären. Den Schlüssel zur Situation bilden die Heidelberger Ver- Handlungen der Reichstagsfraktion der Deutschen Voltspartci. Es ist allgemein aufgefallen und als politische Sensation empfunden worden, daß Dr. Stresemann in direktem Anschluß an die Heidel- berger Verhandlungen in seiner Rede in Pforzheim in scharfen Motten sich gegen den Reichskanzler wendete, mit dem doch nach allgemeiner Annahme alsbald nach der Heidelberger Tagung die Koalitionsoerhandlungen angeknüpft und gefühtt werden sollten. Der Grund für diese scheinbar gänzlich unmotivierten Angriffe Stresemanns auf den Kanzler liegt dann, daß der koalitionswillige Führer Dr. Stresemann in den Heidelberger Verhandlungen vom rechten Flügel der Dolkspattei, vor allem von den bekannten Füh- rern Vögeler, Brünninghaus, Moldenhauer, ober auch von den übrigen Vertretern der mehr den Deutschnationalen zugeneigten Richtung der Deutschen Dolkspartei hart bedrängt und sozusagen gezwungen wurde, össentlich Stellung gegen eine Neubildung des Kabinetts unter der Führung des bisherigen Kanzlers zu nehmen. Diese Kreise der Deutscheu Volkspartei sind zwar bereit, in eine neue Regierung einzutreten, aber sie glauben stark genug zu fein, um diese Neublldung mit dem Sturz des jetzigen Konz- lers, der ihnen aus vielen Gründen unbequem ist, zu verbinden. Die erwähnten Vorgänge, die erst jetzt in Berliner politischen Kreisen bekannt geworden sind, können dazu führen, daß die ganze politische Situation im Reiche, die in den letzten Wochen auf Koalitions- erwesterung nach rechts zu sich entwickelte, wieder auf den allen Stand zurückgefühtt wird, bei dem auch ein« Koalitionser- Weiterung nach links in den Bereich der pollsschen Kombi- Nationen eingeschlossen war. Es ist hierzu noch zu bemerken, daß der Beschluß des sozialistischen Parteitages in Görlitz sich nicht an sich für eine Koalition mit der Deutschen Volkspartei ausspttcht, vielmehr nur die allgemeinen Richtlinien und Pttnzipien einer Koalitionserweiterung überhaupt festlegt. Es muß in diesem Zu- samenhang auch auf einen vielbeachteten Artikel von Karl Kautsky m der„Freiheit" hingewiesen werden, in dem Kautsky den Görlitzer Beschluß insofern beklagt, als er zu einer Koalitionsregierung unter Einbeziehung der Deutschen Volkspartei und nicht der USP. führen soll. Die USP. war, nach Kautsky, bereit, ihren alten Stand- puntt, nach welchen sie mit bürgerlichen Parteien prinzipiell in keine Koalltion eintreten wollte, zu opfern und sich zu einer praktischen Koalitionsvolitik bereit zu erklären. Falls nun im Verfolg der von der Deutschen Volkspartei eingeschlagenen Taktik, die auf eine Be- seitigung der Reichskanzlerschaft Dr. Wirths hinzielt, der Gedanke einer Erweiterung der Koalition nach rechts zum Scheitern kommen sollte— und dies ist nicht unwahrscheinlich, nachdem sowohl die SPD. als auch das Zentrum durch den Mund ihrer ersten Führer sich aus innen- und außenpolitischen Gründen für die Kanzlerschaft Dr. Wirths eingesetzt haben—, so liegt es in der Natur der poli- tischen Entwicklung, daß dann das Pendelnoch links schlägt und ernsthafte Versuche gemacht werden würden, die USPD. zur positiven Mitarbeit an der Reichspolitik heranzuziehen. Klatsch. In der„Freiheit" erzählt Rud. Br e i t s ch e i d Gruselgeschichten von einem geheimen„Einvernehmen" zwischen Sozialdemokraten und Dolksparteilern und von einem Verbot für die Redakteure des „Vorwärts", vor der Rückkehr des Chefredakteurs Stampfer an der taktischen Haltung der Partei Kritik zu üben". Weder das ein« noch das andere ist wahr. Es ist bedauerlich, daß ein Mann wie Breitscheid solchen Klatsch, den ihm irgend- ein Intrigant cufgcbunden hat, mit der Miene des Wijfcnäsn vorträgt. �, Presseverbot. Sondershausen, 26. September.(WTB.) Aus Grui� r:r« ordnung des Reichspräsidenten ist die hiesige deutschnaticu „Der Deutsche" aus 14 Tage verboten worden. vom LanSbunö. Dem„Landbund" auf die Finger zu sehen ist wenig erfreulich. aber notwendig. Mit einem Aufgebot der Sophisterei, die er bei seinen Gegnern sicher als„jüdisch" bezeichnen würde, bemüht er sich, Stimmung gegen die Regierung zu machen. Ein Beispiel aus der neuesten Nummer der Zeitschrift:.Landbund Tellow". Da heißt es in einem Attitel„Was ist uns der Landbund?": Minsstcr Gradnauer hat eine Anzahl von Landbunderntefesten verboten mit der Begründung,„sie könnten geeignet sein, die republikanische Verfassung verächtlich zu machen und zu gefährden". Das ist be- wußter Unsinn, denn der Sign der Verbote war, daß anscheinend harmlose Erntefeste dazu benutzt werden, um durch Reden die Agitation gegen die Regierung in Gang zu halten. Man stellt sich eben dumm, um die„gekränkte Leberwurst" spielen zu können. Daß in dem Attitel die Staatshypothck als kalte Sozialisierung, als Enteignung des deutschen Bauern bezeichnet wird, ist selbswerständ- lich, weniger begreiflich ober die Unverfrorenheit, mit der von den Absichten der Regierung als den„furchtbaren Plänen unserer Verderbe r" gesprochen wird. Hier ist das Miesbacher Vorbild schon erreicht und die Regierung sollte den Herren Gelegenheit geben, über den Ton ihrer Schreibweise nachzudenken. Die Schundlileralur auf den Scheiterhaufen. Die Iugendorgani- sationen von Altona haben der Schundliteratur den heftigsten Kampf angesagt. Iugendvereine aller Parteien vereinigten sich gestern auf dem Alles-Sportplatz, wo eine von vielen Hunderten von Jugendlichen abgelieferte Menge von Schundbüchern in aller Oeffentlichkcit vor- brannt wurde. Jugendliche hielten Ansprachen, und dann wurde der riesige Scheiterhausen von Schundliteratur mit Petroleum übergössen und angezündet. Reue Arbeikskämpfe in England. Die Verhandlungen mll den Arbeitern im Maschinen- und Cchiffsbaugewerbe über die Beseitigung des Knegsaufschlags auf die Arbeitslöhne sind nach längerer Dauer abgebrochen worden. Die Beseitigung bedingt eine Herabsetzung der Löhne um zehn Schilling wöchentlich für d r e i Millionen Arbeiter. Eine Delegiertenkonferenz der Trade Unions, die sich heute mit dieser Angelegenheit befaßte, beschloß, ein Eingreifen des Arbeitsmini st ers herbeizuführen. Die Staalsbeamlen Frankreichs, die sich gewerkschaftlich organi- siett haben, sind in Paris zusammengetreten, um über die Frage des Streitrechts zu entscheiden, das ihnen die Regierung zu entziehen gedenkt. Ver Silüungswert der Gefellfthastslehre. Don Dr. Theodor Geiger, Geschäftsführer der„Volkshochschule Groß-verNn". Im Zusammenhang mit dem Drängen unserer Zeit nach der Erfassung großer lebendiger Einheiten ist auch eine Erneuerung der Gesellschaftslehre eingetreten; ja, wir können sagen, die Soziologie wurde erst in jüngster Zeit zu einer Wissenschast von früher kaum geahnter Eigenart der Fragestellung und Forschungsmethode. Sie hat darum, an der Schwelle ihrer vollen Entialtung, nicht zu über- blickende Möglichkeiten und Aussichten. Ueberall liegt hier noch Neuland für den forschenden Mcnschengeist. Wir könnten die Soziologie im Gegensatz zu den in lanzer Ueberliefernng systematisch festgelegten alten Wissenschaften eine „Problemwissenschaft" nennen: alles gruppiert sich� noch um die Aufgaben selbst, die menschliche Gesellschaft und ihre Lebens- erscheinungen. Wir erkennen, daß sich diese rätselvollen Gebilde unter de» stelig und kaum unentwirrbar ineinandergreifenden Ge- setzlichkeiten der natürlichen Notwendigkeit und der formenschaffenden menschlichen Vernunft entwickelt haben und fottentwickeln. Die ver» schiedensten Wissenschaften müssen darum zur Arbeit unter neuen Gesichtspunkten zu Hilfe gerufen werden, um der Lösung neu- gestellter Fragen näher zu kommen: Die Geschichte und die Biologie, die Länder- und Völkerkunde und die Psychologie, die Ethik und die Rechtslehre, die Statistik und die Wirtschaftslehre, die ältere Schwester der Soziologie. Ein vollstäi diges und abschließendes Wissen ist darum auf diesem Gebiete gar nicht denkbar— wenigstens heute noch nicht. Aber eben dies macht die Studien so reizvoll, verspricht und ge- währt uns auf Schritt und Tritt Entdeckersreuden. Die unbegrenz- ten Möglichkeiten, die problematische Lebendigkeit der Soziologie, die große Zahl der offenen Fragen könnten sie auch zu einem für die wissenschaftlich interessierten Massen besonders anziehenden Be- tatigungsfeld machen: wir suchen die vielen und unendlich mannig- fachen Lebenserscheinungen der menschlichen Gesellschaft zunächst klar aus dem Gesamtbild Herauszuschälen; wir spüren ihren natürlichen und geistigen Wurzeln nach; ermitteln die Beziehungen und Der- kettungen der ineinander vielfach verschränkten Erscheinungen; wir forschen endlich nach den großen, allen geselligen Lebensvorgängen gemeinsamen Gesetzen, um so einen geschlossenen, farbigen Begriff vom Wesen der Gesellschaft zu bekommen. .Die wissenshungrige Masse der für däs tägliche Brot arbeitenden Menschen«endet sich in ihren Mußestunden noch immer fast aus- schließlich den reinen Natur- und den reinen Geisteswissenschaften zu. Sie zollt dem materialistischen Zeitgeist ihren Tribut, indem sie sich in die Gesetze der leblosen Natur einzuweihen sucht; andererseits flieht sie aus den Niederungen in die rein« Höhe der großen ethischen, künstlerischen und religiösen Ideen. Aber damit ist keine innere Harmonie geschaffen: Der Abgrund zwischen Mate ri«und G e i st wird übersprungen, nicht überbrückt. Die Gegebenheiten des Lebens, besonders des geselligen Lebens, in dem Natur und Geist sich immer von neuem zu einer großen Einheit verschmelze», scheinen vielen zu alltäglich, zu selbstverständlich, um sie zum Gegenstand nicht nur sittlicher Kritik, sondern forschender Betrachtung zu machen. Der Gesellschaft, in der jeder selbst atmet und wirkt, diesem gewaltigen Organismus widmet die Masse nur selten eine nachdenkliche Stunde. Ihre geistigen Beziehungen zur Gesellschaft erschöpfen sich meist in der aktiven Politik. Und doch wäre es gerade für die Kraft und Zielsicherheit des praktifch-politifchen Handelns und Srrebens von unschätzbarem Wert, einen tieferen Blick in die Mechanik und Dynamik dieser Gesellschaft getan zu haben, die wir umformen, unseren sittlichen Idealen an- gleichen wollen. Nur eigene E r k e n n tn i s auf Grund der Tat- fachen befugt zur Kritik: nur eigene wohlgegründete Kenntnisse be- fähigen zum erfolgreichen, selbstverantwortlichen Handeln. Soll die geistige Grundlegung und objektive Rechtfertigung des Sozialismus als Gesellschaftsform Aufgabe der Führer lein? Hätte nicht vielmehr jeder einzelne die Pflicht, seine sittliche Ueberzeugung noch Möglichkeit vor sich selbst auf dem Boden sachlicher Erkenntnis zu rechtfertigen, sein Handeln im Dienst der Idee an Hand der er- kar.nten Sachverhältnisse zu bestimmen? Metropoltheaker:„Die Skraßensängcttn." Wenn das Publikum nicht ganz mit Blindheit geschlagen ist, so wird es über seiner „Sttahensängettn" den alten„blauen Mazur" bald vergessen' haben. Wenn die Handlung auch nicht übermäßig neu, spannend oder raffi- niert ist, so helfen doch manche witzigen Situationen und behäbige. gut treffende Kalauer über die gewöhnliche Opercttensentimentalität hinweg. Und Leo Fall hat diesem Libretto von Lo Porten und August Neidhardt einen musikalischen Ausdruck verliehen, wie er nur ihm, dem Wien-Berliner, gegeben ist. Er gibt der Straße, was der Straße ist. aber im Innersten bleibt er der feine musikalische Aristokrat, wie er sich dem Publikum persönlich vorstellt. Derschiedeue seiner Duette und Terzette sind feinste Kammermusik, und doch nie ohne den prickelnden Pfeffer der Operette. Seine Orchestrierung ist ganz einzig, aber der Erfinder.hält gleichen Schritt. Und die Aus- machung, die Regie und das einmütige Einleben der Darsteller in die Sache ist beim Metropoltheater seit je Tradition. Soll man sich von Toiletten, schönen Frauenfiguren, ausgezeichnetem Salon- ton bis zur letzten Statiltenrolle bezaubern lassen? Es ist nicht die Hauptsache, aber es tut dem Feinschmecker unendlich wohl. Fritz Friedmann-Frederich, der szenische Leiter, und Otto U r a ck, der musikalische, teilten sick ruhmvoll in die Ehren des Abends. M i z z i G ü n t h e r, die wieder einmal unnachahmlich eine Eharakterrolle gab, Trude Hesterberg, die ganz reizende Mabel, Albert Kutzner, Guido Thielscher und der eben- bürtige Leonhard Hostel ernteten alle unerschöpflichen Beifall. H. M. Znsammenschluß der deutschen volksblbllothekare. Dieser Tage hat in Berlin die erste Tagung deutscher Dolksbibliothekore statt- gefunden. Sie war von führenden Männern des Faches einberufen und aus den verschiedensten Teilen des Reiches, auch aus Bayern, besucht. Es nahmen ferner teil als Vertreter des Preußischen Kultus- Ministeriums der Fachreferent Dr. R. o. Erdberg und«ls Stell- Vertreter de» Deutschen Städtetage, der Syndikus Dr. Meyer» Lülmam. Ausgiebige Erörterung lebenswichtiger Fragen de, deut- fchen volkstümlichen Büchereiwesens, besonders organisatorischer und wirtschaftlicher Art, führte zu einmütigen Beschlüssen: insbesondere wurde dem Vertreter der Städte als dringendste Forderung über- mittelt— sehr besrcmdende Vorgänze gaben dazu den Anlaß—, das verantwortungsvolle Amt des Leiters öffentlicher Blichereien als des berufenen literarischen Beraters der Einwohnerschaft in Zukunft nur bewährten Berufsbibliothekaren anzuvertrauen. Die über das ganze Reich stch erstreckende Arbeitsgemeinschaft gab stch eine feste Organisation unter dem Namen Bücherei- oerband. Diese umfaßt die Büchereien, die provinziellen Be- ratungsstellen und die Einzelmitglieder. Organ des Verbandes ist die Zeitschrist„Bücherei und Bildungspflege"(Leipzig, Harrassowitz). Der Sitz der Geschäftsstelle des Büchereiverbandes ist vorläufig die Stadtbücherei Charlottenburg, Wilmersdorfer Straße 16S/167.- Drahtlose Musik im Dienste der Wohlkäligkeik. Zum Besten der von Hungersnot betroffenen Bewohner des Wolgagebietes ist gestern von der Hauptfunkstelle Königswusterhausen m» ein drahtloses Konzert veranstaltet worden. Die Anregung hierzu ging von dem Chef der Radio-Verwaltung der Ukraine aus. Sämtliche Empfangsstellen der Ukraine waren hierfür mobil gemacht. Die kon- zerticrende Kapelle spielte in einem Gebäude in Königswusterhausen. Von hier wurden die Musikstücke auf der Drahlleitung nach der Hauptfuntstelle der Reichspostoerwaltung übettragen und von dort durch den Iv-Kilowatt-Telefunken-Röhrensender weiter übermittelt. Das Mädchen ohne Hosen. Das Fachblatt des deutschen Buch- Handels, das unter dem Namen.Buchhändlerbörsenblatt" in Leipzig erscheint, bat sich bisher nur auf dem Felde der politischen Zensur betätigt, indem es die Anzeigen linksradikaler Schriften zuweilen von seinem Inseratenteil ausschloß. Jetzt scheint es, dem Geiste der Zeit entsprechend, leine voltspädagogische Wirksamkeit auch auf das Gebiet der Sittlichkeit ausdehnen zu wollen. Die Anzeigen des Verlags Alfred Richard Meyer werden neuerdings vom Börsenblatt abgelehnt, weil das Vcrlagssignet eine nur mit Strümpfen und Sonnenschirm bekleidete Dame zeigt. Diese Tratfst widerspricht der Kleiderordnung des deutschen Buch- Handels. Entweder entschließt sich Meyer, seiner Jungfrau die vor- geschriebenen deutschnationalen Flonellhosen überzuziehen oder er muß darauf verzichten, daß das Erscheinen seiner Verlaxswerke den Sortimentern in der üblichen Weise bekanntgegeben wird. An diejenigen deutschen Buchhändler und Schriftsteller, die sich bewußt sind, im 20. Jahrhundert zu leben» möchten wir aber doch die Frage richten, wie lange sie sich eine derartige entwürdigende Bevormundung durch eine Clique muffiger Spießerseelen noch gefallen lassen und vor der ganzen Welt lächerlich machen wollen. LnftsPielhauS. Die Aufführungen von Wilhelm Schmidtbonns Komödie.Die Schauspieler» beginnen von heute ab um 8 Uhr. NeueS Thenter am Zoo. Die Erstaufführung von Roda Roda: .Die ersten Spore»', ist aus Sonnabend, dent. vttober (Ansang 7 Uhr) verlegt. �ie Giro de Berliner Kunstausstellung im LandeSautftelluiigS' gcbäude am Lehrter Bahnhof wird am 4. Oktober geschlossen. Heisetzung öer( Mannheim, 25. September.(WTD.) Unter Dejeiiigung großer Sjeoolkeriingsmassen, etwa 70 000 Menschen aus Lubwigshafen, Mannheim und der Pfalz und in Gegenwart des Reichspräsidenten, des bayerischen Ministerrpäsidenten, des badischen Staatspräsidenten, des Präsidenten das bayerischen Landtages und Vertretern zahl- reicher Vehörden und Organisationen wurde heut« auf dem Ludwigs- hafener Friedhof die Tr a u e r f« i e r für die Opfer der Oppauer Katastrophe gehalten. Die franzäfischen Militärbehörden waren durch General de Metz als Veauftragten der Interalliierten Rheinlandkommission und General Dangand als Beauf- tragten des Militärbefchlshabers General Degoutt« vertreten, welche beide in vor Veginn der eigentlichen Trauerseier an den Reichs- Präsidenten und den bayerischen Ministerpräsidenten gerichteten An- sprachen in warmen Worten ihre Teilnahme zum Ausdruck brachten und Kränze niederlegten. Der Reichspräsident erwiderte ihnen mit Worten des Dankes. Es berühre wohltuend, daß am Grabe der Opfer dieser Katastrophe das menschliche Gefühl sich über die Landesgrenzen hinwegsetzt. In gleicher Weise dankte der bayerisch« Ministerpräsident. Bei der Trauerfeier hielten sodann Vertreter des Fabrikarbeiterverbandes, der Arbeiter- schaft und der Direktion des Werkes, der badische Staatspräsident, der Präsident des bayerischen Landtages, der Regierungspräsident der Pfalz und der Oberbürgermeister von Mannheim Ansprachen. Die von Musik und Gesang eingeleitete und geschlossene Feier verlief würdig und eindrucksvoll. In feiner Rede führte Reichspräsident Ebcrt aus: In tiefster Erschütterung stehen wir heute am Ort der großen Katastrophe, die in der Morgenfrühe des 21. September ganz Deutsch- land in Schrecken und Aufregung versetzt hat, einer Katastrophe, die die Geschichte der deutschen Industrie bisher noch nicht zu verzeichnen hatte. Mit schwerzbewegtcm Herzen betrauern wir heute den Tod so vieler pflichttreuer Arbeiter, die dem furchtbaren Unglück zum Opfer gefallen sind, beklagen wir die bei dem Unglück verletzten Männer und Frauen, deren Qualen und Schmerzen wir mitempfin- den. Gewaltig ist die Zahl der Toten und Verwundeten. Es ist mir ein dringendes Herzensbedürfnis genasen, zur heutigen äußeren Feier teilnehmender Trauer hierher zu kommen und den Hinter- bliebenen, den Verwundeten und Beschädigten auch von dieser Stelle aus nochmals die innigst« Anteilnahme der Reichsregierung und, wie ich sagen darf, des gesamten deutschen Volkes an ihrem Unglück auszusprechen. Sie dürfen überzeugt sein, daß die weitesten Kreise Deutschlands mit den Hinterbliebenen der Toten und den zahlreichen Verletzten herzlichste Teilnahme empfinden. Auch weit über die Grenzen des Reiches hinaus hat das Unglück Widerhall und Teil- nähme erweckt. Aus allen Teilen d:r Welt sind Beileidskund- gedungen und Zeichen hilfsbereiten Beistandes eingelaufen, die uns wohltuend berührt haben und für die ich hier nochmals Gelegenheit nehme zu danken. Ehrliches Mitgefühl beschränkt sich nicht aus Worte. Gleich nach dem Unglück hat sich überall Menschenfreund- lich« und brüderliche Hilfe geregt. Reichs- und Staatsbehörden, Kommunalverwaltungen, Organisationen, industrielle und finanzielle Unternehmungen, wie die einzelnen Mitbürger in Stadt und Land haben bereits erheblich« Beträge zur Vermeidung materieller Not aufgebracht. Ein« Hilfsaktion größten Umfanges lcht begonnen, und wir dürfen hoffen, daß es uns gelingen wirb, den so schwer vom Unglück Betroffenen die Sorge um das tägliche Leben abzunehmen. Hochverehrte Damen und Herren! In die Stätte blühender Arbeit, in eine Musteranstalt deutschen Unternehmungsgeistes und deutsäen Arbeitswillens find uns unbekannte Kräfte der Zerstörung mit elementarer Wucht eingebrochen, das zerstörend, was Erflndungs- geist und Schaffenskraft in fahrelanqer Arbeit errichtet haben. Hart ist das Geschick und doch wird es uns nicht lähmen in unserem Ent- schluß, das Zerstötte wieder aufzubauen. Wie wir hier trotz des Waltens finsterer Mächt« unerschüttert sofort wieder an das Wert gehen werden, was heute hier in Trümmern liegt, morgen wieder aufzubauen, so wollen wir auch im ganzen Volk und im ganzen Deutschen Reich fortfahren, mit festem Willen und in harter Arbeit aller produktiven Kräften unser wirtschaftliches Leben wieder aufzu- bauen und trotz der harten Schicksalsfchläg«, die uns, wie kaum ein Volk in der Weltgeschichte, getroffen haben, schaffensfreudig uns eine bcflere Zukunft zu erarbeiten. Besichtigung der Iknglücksstätte. München, 25. September.(WTD.) Die Korrespondenz Hoff- mann meldet amtlich aus Ludwigshafen: Sonntag nachmittag wurde in Begleitung des badischen und des württembergischcn Minister- l>ppauer Opfer. Präsidenten, des bayerischen Handelsminifters Hamm und einer t zahl Staatsvertreter unter Führung der Direktoren der Dadifchri Anilin- und Sodafabrik Ludwigshafen die Unglücksstätte Oppau durch den Reichspräsidenten E b e r t und den bayerischen Ministerpräfl- dcnten Grafen Lerchcnfeld einer eingehenden Besicht i- g u n g unterzogen. Die beiden Herren empfingen im Werk eine Ab- ordnung des Angestellten- und Arbeiterrates, der sie die weitestgehende Hilfe von Reich und Staat und Gemeinden in Aussicht stellten. Der Reichspräsident stattete den Verwundeten in den Ludwigshafener und Mannheimer Krankenhäusern einen De- such ab. Der bayerische Ministerpräsident, sowie der Regierungs» Präsident der Pfalz besuchten das Ludwigshafener Krankenhaus und die zum Lazarett eingerichtete Gacthefchule. Hilfe des Zentralverbandes Deutscher Konsumvereine. Bei der Hilfstätigkeit, die durch das entsetzliche Unglück in Oppau notwendig geworden ist, wird auch die deutsche Kansumgenosfenfchafts- bcwegung nicht zurückstehen. Der Zentralverband deutscher Konsumvereine errichtet eine Sammelstelle. Spenden, die von den Genossenschaften den unglücklichen Bewohnern aus dem Explo- fionsbereich zugedacht werden, können schon jetzt unter der Adresse der Verlagsgefellschaft deutscher Konsumvereine m. b. H. aus deren Bank- konto' bei der Großeinkaufs-Gesellschaft Deutscher Konsumvereine m. b. H. zugeführt werden. Ucber die Verwendung der eingehenden Summen wird der Zentralverband sich mit den Genossenschaftern in der Pfalz und in Baden verständigen. Die Schulüftage. Dnn der Leitung der Badischen Anilin- und Sodafabrik wird als endgültiges Ergebnis der durchgeführten Unter- suchungen mitgeteilt, daß die Katastrophe im Oppauer Werk auf die Explosion eines Lagers von etwa 4500 T o. Ammans ulfatsalpeter zurückzuführen ist. Es haben zwei Explosionen stattgefunden, zunächst eine schwächere und einige Sekunden später eine sehr starke, auf welche die verheerende Wirkung der Katastrophe zurück« zuführen ist. Zugegeben wird ferner, daß man bei der Locke- rung des lagernden Ammonsulfatsalpeters Spreng st offe verwendet hat. Es heißt in dem Bericht wörtlich: „Die beiden Produkte Kaliammonsalpeter und Ammonsulfat- salpeter haben deshalb bisher als derart ungefährlich gegolten, daß man seit Iahren in allen damit arbeitenden Fabriken bei Entspcichcrung dieser Produkte festgewordene Blöcke dieser Salze gesprengt hat, ohne daß dabei jemals irgend- welche verdächtigen Erscheinungen festgestellt worden wären." Fest steht also, daß das Ammonfulfatsalpetcr, das man für ungefährlich hielt, explodiert ist. Es erhebt sich demnach die Frage, wie war das möglich? Die Werklcitung glaubt daraus keine Antwort geben zu können. Wir sind der Ansicht, daß die Frage nach der tieferen Ursache sehr wohl weiter verfolgt werden kann. Das Ammonsulfatfalpcter enthält wie dos Kaliammonsalpeter starke Gewichtsteile Amman- s a l p e t e r. Vom Ammonsalpeter weiß man, daß es durch heftige Impulse zur Explosion gebracht werden kann. Nun sollen zwar zahlreiche Versuche erwiesen haben, daß das Ammonsalpeter bei seiner chemischen Verbindung im Kali- ammonsalpeter und im Ammonsulfatsalpeter seine explosive Eigenschaft verliert", aber die Explosion des Ammönfullal- salpeterlagers in Oppau beweist, daß die Annahme unter gewissen Umständen falsch ist. Hier muß Klar- hcit geschaffen werden. Die Doppelexplosion läßt vermuten, daß Sprengstoff bei dem Ämmonsulsat- salpeter lagerte und daß zunächst der Sprengstoff und dann das Lager explodiert ist. Hierüber schweigt der Bericht der Fabrikleitung. Es wäre also festzustellen, ob sich Explosiv- stoffe dort befanden und wie groß ihre Menge war. Darüber hinaus muß aber verlangt werden, daß in allen Betrieben. in denen Kaliammonsalpeter und Ammonsulfatsalpeter her« gestellt und gelagert wird, die Verwendung von Sprengstoffen zur Auflockerung sofort eingestellt wird. GroßSerlw Abschluß üer Autorennen. Massenbesuch am gestrigen Sonnlag.' Die Berliner Autorennen fanden gestern ihren Abschluß. Eine riesige Menschenmenge war Zeuge der zum Teil recht spannenden Kämpfe. Im allgemeinen war das Bild dasselbe wie am Sonn- abend, nur alles viel vergrößert. Größer die Zuschauermenge, be- sonders der Kranz der Zaungäste, größer der zur Schau ge- tragene Luxus der Kriegsgewinnler und ihres Anhanges, aber auch größer die Leistungen der Maschinen. Dafür hatte allerdings der Teil des Publikums, der die unendlich mühevolle Arbeit, die zur Herstellung dieser hastenden Maschinen gehört, nicht kennt, der höchstens eine Ahnung hat von dem Stand der Automobildioidenden, das geringste Interesse. Er hatte genug zu tun, um die Toiletten der Damen zu bewundern, und im übrigen: Man mußte doch dabei gewesen sein. Das erste Rennen führte über sechs Runden, zirka 120 Kilo- meter und wurde von einem Wagen der Firma„Aga" in der Zeit von 1 Stunde 3 Minuten und 33 Sekunden gewonnen. Das zweite Rennen war wie am Bortage eine Niete. Don den fünf am Start erschienenen Wagen konnte nur der vom Direktor Dunlop gesteuerte Dinoswagen die 140 Kilometer lange Strecke glatt durch- fahren. Alle anderen Wagen muhten das Rennen vorzeitig aus- geben. Das interessanteste Rennen der beiden Autobomillage war unstreitig das letzte, in dem 11 Wagen am Start erschienen. Der schnelle, von Fritz v. Opel gesteuerte Opelwagen ließ bald das ganze Feld hinter sich und vergrößerte seinen Abstand unausgesetzt. Aber auch der von Breckheimer gesteuerte Opelwagen, der als letzter vom Start abkam, überholte einen Konkurrenten nach dem anderen. Der schnellste Wagen aber war der von R i e ck e n gesteuerte NAG.-Wagen, der nicht zuletzt dank der Umsicht seines Führers über den stürmischen Herrn Opel siegte. Zweiter wurde B r e ck- heimer auf Opel, ihm folgte Fritz v. Opel auf seinem Wagen und als vierter lief der zweite NAG.-Wagen ein, von Z e r b st gesteuert. Bei den Rekordversuchen erreichte der 200 Kl-Benz- Wagen eine Stundengeschwindigkeit von 185 Kilo« meter, was gegenüber seinen früheren Leistungen von 238 Kilo- meiern auffallend gering ist. Trotz des mißglückten zweiten Rennens war auch der gestrige Automobilrenntag ein voller Erfolg. Alle kamen aus ihre Rechnung: die Industrie, die Rennleitung, das Publikum und— die Schupo. Wir wollen an dieser Stelle gestehen, daß uns die Verwendung des grünen Massenaufgebots recht unverständlich ist. An die leiten- den Stellen sei die Frage gerichtet, ob sie keine Ahnung davon haben, daß der Dienst, den die Schupo-Beamten auf der Bahn leisteten, und der z. B. darin bestand, Leute, die über den Zaun guckten, mit Stöcken zu bearbeiten, nicht hätte ebensogut von den Arbeitslosen verrichtet werden können, die in Massen in Berlin vor- handen sind. Jedenfalls ist die Schupo nicht dazu da, selbst dann nicht, wenn alle ihre Offiziere mit Ehrenkarten von der Direktion hekxlcht worden wären. Eigentümlich berührte ferner, daß die verschiedenen Musik- kapellen immer wieder sehr fleißig:„Ich bin ein Preuße" und andere „patriotische" Dinge spielten, und daß man die Glanzleistungen deutscher A r b e i t e r h ä n d e, die die Automobile doch nun einmal darstellen, ausgerechnet mit Eichenkränzen belohnte, die schwarz- w e i ß r o t« Schleifen trugen. Wenn wir recht sahen, hat einer der siegreichen Fahrer, ein Arbeiter der Opel-Werke, seine Ehrenrunde zwar mit Eichenkranz, aber ohne schwarzweißrote Schleife ge- fahren. Nach Schluß der Rennen setzte auf den nach Berlin führenden Straßen ein ungeheurer Automobilverkehr ein. Die Heerstraße, die Charlottenburger Chaussee, der Pariser Platz und selbst noch die Straße Unter den Linden waren von großen Menschcnmassen eingesäumt, die der Heimfahrt der zahllosen Autamobile beiwohnten. Mächtige Benzinwolken und unausgesetztes AutoHupen zeigten auch dem UneiWeweihten, daß Berlln unter dem Eindruck der Automobil- woche steht. Die letzten Refullake. Erstes Rennen. Gruppe 7a(5 Steuer-LZ) 6 Runden, zirka 120 Kilometer. 1. Aga, Otto Phi'ipp, 03 Min. 23 Sek. 2. Dixi, Willi Heinecke, 08 Min, 35 Sek. 3. Dixi. Braun, 09 Min. 85 Sek. 4. Falcon, Hartlieb 70 Min. 12 Sek. 5. Seine, Ernst Lepmann, 75 Min. 10 Sek. 0. Sewe. Willi Käster, 84 Min. 50 Set. Aga(Wilhelm) und Heim abgebrochen. Zweites Rennen. Gruppe 8k(8 Steuer-?8) 7 Runden, zirka 140 Kilometer. 1 �Dinos, Dunlop, 77 Min. 14 Sek. Die übrigen aufgegeben. Drittes Renn«. Gruppe 10a(10 Steuer?!?) 8 Runden, zirka 100 Kilometer. 1. NAG. Rieckcn, 73 Min. 51 Sek. 2. Opel, Breckenheimer. 75 Min. 50 Sek. 3. Opel, F. v. Opel, 70 Min. 8 Sek. 4. NAG. Zerbst 79 Min. 29 Sek. 5. Adler, Irion, 82 Min. 25 Sek. 0. Horch, Seidel, 83 Min. 30 Sek. 7. Horch, fzirlinger, 80 Min. 21 Sek. 8. Stoewer, Schneider, 87 Min. 8 Set. 9. Dürkopp(Husemann, 89 Min. 7 Sek. Die Rekordversuche ergaben folgenden Durchschnitt für beide Tage: Benz 82,14/200(Hoerner) 185 Kilometer pro Stunde, Opel 40/150(Breckheimer) 183 Kilometer und Adler 18/145(Kellner) 140 Kilometer. Krostfeuer an der Oberspree. Großfeuer kam am Sonntagabend in Friedrichshagen aus noch nicht ermittelter Ursache in der Seestraßs 10, in einem Tischlereigebäudc der AEG. zum Ausbruch und machte den Feuerwehren von Friedrichshagen und der Umgegend sehr zu schassen. Der Brand wurde erst bemerkt, als die Flammen hell weithin leuchtend aus dem am Müggelsee liegenden Werk emporschlugen. Als die Wehr von Friedrichshagen an der Brandstelle ankam, hatten die Flammen schon reiche Nahrung an den Vorräten und der Einrichtung des ausgedehnten Hvlzplatzes gefunden. Der Himmel war weithin gerötet, so daß an der Ober- spree abends allerhand Gerüchte verbreitet wurden, die keine Be- stätigung fanden. Der mächtige Holzlagerplatz ist fast total nieder- gebrannt. Der Schaden ist bedeutend. Gegen 11 Uhr war das Feuer am Erlöschen, das Tausend« von Zuschauern aus der Umgegend herbeigelockt hatte. folgen einer GaSexplofion. Eine schwere Gasexplosion hat sich am Sonnabend gegen 9 Uhr abends in der S e d a n st r a ß e 2 in Niederschöneweide ereignet, bei der neun Personen verletzt wurden. Als der Heizer Karl Schulz mit seiner Familie sowie mit Verwandten und Bekannten heimkehrte, bemerkte er nach Oeffnung der Korridortür starken Gasgeruch. Anstatt nun Türen und Fenster zu öffnen, leuchtete er mit S t r ei ch h ö l z e r n die Gas- leitungsröhrcn ob. Da er auf dem Korridor keinen Schaden ent- decken konnte, schloß er die Wohnstubentür auf. Im selben Augen- blick entzündeten sich die im Wohnzimmer vorhan» denen Mengen Tos an der Flamme des Streichholzes, das er in der Hand dielt. Unter lautem Knall erfolgt« eine heftige Explosion. Von den anwesenden Personen«litten Sdprlz mid- sein lljähriger Sohn Franz schwere Verletzungen. Mit leichteren Verletzungen kamen seine Ehefrau und ibr 9jähriger Sohn, fSrncr eine Schwägerin des Wohnungsinhabers, deren drei Kinder und ein Freund der Familie, der Arbeiter Zopp davon. Die Feuerwehr leistete die erste Hilfe und schaffte sämtliche Verletzten nach dem Elisabeth-Hospital in Obcrschönewcide. In der Wohnung waren sämtliche Fensterscheiben in Trümmer ge- gangen, die Tapeten verbrannt, die Möbel teil- weise beschädigt, und die Zimmerdecke wies starke Risse auf. Die Ursache der Explosion konnte bisher nicht festge- stellt werden. Bemerkenswert ist, daß die Gasleitung erst am Tage zuvor von der Gasinfpektion geprüft, aber keine schadhafte Stelle gefunden worden war.___ Ein falscher Stinnesdirektor. Einen großangelegten Schwindel betrieb mit Hilf« seines Bruders Willi ein 25' Jahr« aller Kaufmann Karl Baumgartner aus der Prinzregentenstraße. Baumgartner spielte, obwahl er mit Stinnes nicht das geringste zu tun hatte, den Direktor des Stinnes- konzerns und Neß durch seinen Bruder in geeigneten Kreisen ver- breiten, daß er es auf Grund seiner Stellung in der Hand habe, an der Börse die Kurse nach Belieben steigen und fallen zu lassen. Einem sa finanzgewaltigen Manne schenkten viele Leute unbegrenztes Vertrauen. Einigen zahlte er auch, ganz wie Köhn und Klante, die mit kurzer Frist versprochenen hohen Ge- winne. Zur weiteren Hebung seines Ansehens streute Baumgartner endlich noch aus, daß er Ritter des Pour le mörite sei. Eines Tages aber war bcr„Herr Direktor" aus der glänzenden Wohnung, die er nur deshalb für seine eigene ausgeben konnte, weil ihr wirklicher Inhaber meistens abwesend war, plötzlich verschwunden. Jetzt erfahren die(Geldgeber, daß er nur ein einziges Zimmer ge- mietet hatte. Das er regte den ersten Verdacht. Gleich darauf blieben auch die fälligen Zahlungen aus. Der„Herr Direktor" hatte ganz nach dem Muster der Köhn und Klante, fällige Schulden lediglich aus neuen Einzahlungen gedeckt. Beamte der Streif- Mannschaft entdeckten den verschwundenen Direktor gestern in der Steifensandstroße in der Wohnung seines Bruders und nahmen ihn mit diesem fest. Beide hatten bereits ilire Koffer gepackt, um mit geheimem Ziel abzureisen. Die Geschädigten, die sich bis jetzt mel- deten, haben zusammen eine halbe Million Mark eingezahlt. Die übrigen können sich bei der Inspektion C der Berliner Kriminalpolizei im Polizeipräsidium melde». Der Mord I» der Nürnberger Straße. Bekanntlich wurde am Montag, den 19. d. M., der Vozelhändlcr Albert Hehlte in seinem Laden in der Nürnberger Straße erschossen aufgefunden. Behördlicherseits wurde Selbltmor» festgestellt und als Grund dazu fchlschi« Bennögensverhältnisie angeg-sen. Da jedoch aber über da«! Motiv KU Tat ZweifÄ entstanden siad, hat ein Privatdetektiv die I ! restlose Aufklärung dieses Mordes übernommen. Zweckdienliche Mit- teilungen, die streng diskret behandelt werden, nimmt die D-iektsi „Luchs", Marburger Straße 9A, täglich von 9—1 und 3—7 Uhr entgegen. Wetter für morgen. Berlin und Umgegend. Zeitwei'e heiter, ober ziemllch köhl und veränderlich mit wiederholten leichten Regcnsällen und mäßigen noidweft- lichen Winden. Groß-öerliner parteinachrichten. ». Krel», Bilmer»d»rk. Heute Abend Frauenversammlung bei Pterer,©eflein« Elke Aalstetnische Straße.„Bericht Uber den Parteitag". RelerenIIn: G-n»sfin B o h in- S ch u ch. S. Kreta, N. n.S. Abt. Qeffentllche Wählerversammlung. Die ossentlichs Be-', auSgebr. und nachgcr., 2. Reichard(Bismart). auSgebr. u. nachger., 3. Aschen(H. Scholz), auSgebr. und nachger. Tot.: 29: 10, Platz: 19. 60: 10. Ferner liefen: Marmolata sausgebr.), Götterknabc(auSgebr.), Rotbart(auSgebr).— 4. Haupt-Hürdcnrennen. EbrenpreiS und 60 000 TO. 3000 TOeter. 1. Colberg sKardcl), 2, Drachme(53. Lowick:), 3. Caisian(BiSmark). Tat.: 35: lO, Platz: 20, 23: 10. Ferner liefen: Wanderslab(4.). RosenselS tausgebr.), Emu Fein(gef.).— 5. Pappel- Jagdrennen. 20000 TO. 3400 Meter. 1. Harlekin(Johnson), 2. Feuersnot(Korbet): 3. Mcmento iWcgener). Tot.: 17: 10, Platz: 13, 12, 14: 10. Ferner liefen: Schloßkänigin(4.), Ratzval, Haubitze II(angeh.), Sigeloto.— 6. Master- Willie- Jagdrennen. 25 000 M. 4000 Meter. 1. Coriolan II(H. Sth«), 2. Malachit(H. Schal,). 3. Onixr Pra�n können. Die Kollegenschaft müsse mit der Zukunft rechnen und ihren Rückhalt in der organisierten Arbeiterschaft suchen. 44 11�} Einstimmig wurde folgende, von Löffler eingebrachte Ent- Einigung im öuchöruckgewerbe. Die der Deutsche Buchdruckerverein mitteilt, haben die unter oarsitz des Regicrungsrats Dr B r a h n vom Ncichzarbeitsminiftc. rnum geführten Emigungsvehcmdlungen einen Abschluß gefunden. Die Prinzipalität mochte schließlich das Angebot, für die höchste Klosse der Gehilfen ab l. Oktober 350 M., ab 15. November 37 5 M. mit entsprechenden Abstufungen für die Ledigen und für die Orte mit niedrigeren Lokalzuschlägen zu zahlen. Dieser Vorschlag wurde von der Gehilfenschaft angenommen. Die Gastwirtschaftsangestellten zum Schiedsspruch. Eine sehr stark besuchte Versammlung der Betriebsräte, Ber- trauensmänncr und Mitglieder des Kartellbcirats der Gastwirtschafts- angestellten tagte am Sonntag im„Nosenthaler Hof", um zu dem Soruch des Schlicht ungsausschusses Stellung zu nehmen. Der Spruch ist bereits im„Vorwärts" veröffentlicht worden. Bürde referierte über die Verhandlungen vor dem Schlich- tungsausschuß und den gefällten Spruch. Dieser könne als völlig befriedigend nicht angesehen werden, spreche aber doch g r u n d- sätzlich aus, daß die Entlohnung der Kollcgenschaft nicht aus- schließlich nach dem Prozentsystcm, sondern durch Zahlung eines festen Gehaltes zu erfolgen hat Nur neben dem festen Gehalt sollen drei Prozent vom Umsatz zulässig sein. In der folgenden sehr regen Aussprache wurde zwar lebhaft bs- dauert, daß die Entlohnung nicht vollständig nach einem festen Lohn- satz bcmesser werden solle, andererseits aber der Spruch doch als ein Fortschritt auf dem Wege zu besseren Lohnbedingungen begrüßt. Aus fast allen Reden klang der ernste Wille heraus, restlos mit dem Trinkgeldunwcsen aufzuräumen. Es solle nicht verkannt werden, daß einzolnen Kollegen daraus zurzeit noch ein Nachteil erwachsen könne, ober dieser müsse durch bessere feste Löhne au-ze- flehen werden. Und bald schon werde die Zeit kommen, in der die lemmer, welche heute noch vornehmlich Trinkgeldgeber sind, nicht Einstimmig wurde folgende, von Löffler eingebrachte Enb schließung angenommen: „Die Versammlung erwartet von dem Kartellbeirat, daß er un- verzüglich zu dem Schiedsspruch Stellung nehmen und dann den kartellierten Mitgliedern möglichst bald Gelegenheit geben wird, weiter über die Lohnfrage zu beschließen." Tarifstreit im Verstchcrungsgcwerbe. Das Reichsarbeitsministerium hatte bekanntlich die Parteien zum 24. September zwecks Einigungsverhandlungen zusammengeführt. Oberregierungsrat Dr E a e l a r führte den Vorsitz. Nachdem über den gesamten Tarifstreit im Plenum verhandelt wurde, wurden die Spezialfragen in einer Kommission beraten. Nach mehrstündiger Kommissionsberatung machte der Vorsitzende folgenden Vergleichs. Vorschlag: I. Der Inhalt des Schiedsspruchs vom S. September 1921 geht in den Vergleich über mit der Maßgabe: 1. daß er nur bis zum 31. Oktober 1921 Geltung hat und daß 2. die weiblichen Angestellten über 20 Jahre in demselben Umfange wie die männlichen Ange- stellten die jährliche Zulage von 590 M. erhalten. II. Die Verhandlungen über die Bezüge vom 1. November 1921 ab werden von den Parteien spätestens am 20. Oktober 1921 aufgenommen. III. Der Vergleich gilt als abgelehnt, wenn die Annahme- crklärungen nicht bis zum 30. September 1921, nachmittags 1 Uhr, beim Reichsarbeitsministerium eingegangen sind. Die Gewerkschaften in Bayern unter Plakatzensur. Der Allgemeine fteie Angestelltenbund lAfa-Dund) hatte die Angestellten in Regensburg zu einer öffentlichen Versamm- lung für den 15. September eingeladen, um zu der Angestelltenver- sicherung Stellung zu nehmen. In einem Plakat war folgender Text enthalten: „Redakteur Lange-Derlin wird nachweisen, daß die Ange- stellten zwanzig Prozent der Beiträge allein für Verwal- tungskosten zahlen: die Reichsversicherungsanstalt für Angestellte 4900 Beamte für 1599999 Versicherte, die Invaliden- Versicherung 3999 Beamte für 15999999 Versicherte beschäftigt: daß ein Angestellter der höchsten Beitragsklasje in 39 Berufsjahren 89 999 Mark zahlt, dessen Witwe dafür die Ricsenrente von monallich 19 2 Mark erhält." Die Regensburger Polizeibehörde fühlte sich veranlaßt, aus diesem Text ein Verbot des Plakats herzuleiten. Eine Be- schwerde des Afa-Bundes bei der Kreisregierung der Oberpfalz blieb erfolglos. Der amtierende Regierungsbeamte brachte es fertig, den oben erwähnten Plakattext mit Blaustift zu durchstreichen und statt- dessen selbstherrlich für eine Versammlung des Afa-Bundes folgende Ergänzung zu dekretieren: „wird sprechen über Kosten der Angestellten- und Jnoalidenver- sicherung und die Vereinheitlichung der Sozialversicherung." In dieser Fassung hat er das Plakat genehmigt.— Etwa zu derselben Zeit läßt es die M ü n ch e n e r Zenfurbehörd« zu. daß in einem Plakat, in dem zu einer Versammlung eingeladen wird, zur Verhöhnung des kürzlich ermordeten Abgeordneten Erz- bcrger angekündigt wird: Herr N. N. wird „in Ehrfurcht und Ehrerbietung sprechen über: Der Johannes im Iudenftaate, Matthias von Buttenhausen". Dir Asa-Bund hat sich wegen der Plakatzensur in Regensburg beschwerdeführend an den Reichskanzler gewandt. Bund der technischen Angestellt«» und Beamten. Heute Fachgruppenversamm- lung Echloslereien und Deldschrautfadrtken Äcstaurent Oswald Berliner, Brunnen- Versammlung 1c im großen Saal der HaverlandfestsLIe, Neue Friedrichur. 36, 7 Uhr. Verband der graphische» Hilfaarbelter und.Arbeiterinnen. Dienstag i'/, Uhr: ssunitioniirvcrsammiung im Sewertschaitshaus, Saal I, Engeluser 2i/2o, Bericht über unsere Lohnbewegung im Buchdruck. gentralvcrbaud der«ugestellten. Briefumschlag und Papierausstattungen. Dienstag: Mitgiiederversammiung 5Va Uhr im Nosenthaler Hos, Nosenthaler Siraße 11/12. Berantw. für den redalt. Zeil: Dr. Werner Veiser, Eh-rlottenburg: fßr Anzeigen: Tb.«locke, Berlin. Verlag: Vorwarts-Berlag 0). m. b. H.. Berlin. Druck: Bor- wärlZ-Luchdruckerei u. VerlagSanftalt Paul Singer u. Co.. Berlin. 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Schreiber. «. Lamm. F. Hille. 8. Haje!. Der Eintritt|u unserer diesilldrigen Generalversammlung ist nur den eingeschriebenen Silitgiiedern gegen Bnrzeiguag der lila Warrnquittuna. karte gestattet. N.chtmitglicder», auch wenn dies« Anaeharige von Mitg. ledern sind, kann aus k«i««a Fall der Antritt gewährt werden, weil der ganjic vcr- stiabarc Raum e»nchnehl>ch der Galerien fii« die Mitglieder freigehalten werden muh. Für die Milgueder. welche fein Markenblait abgegeben haben, aber an der Generalversammlung teilzunehmen «itnschen, wird aus Antrag eine besondere Legitimation au»- gefertigt. Sir ersuchen diese Zstilglieder, ein« solche Legiii. I Sammler it�Yhfrfl.Ä:G.i 8Tlin.<.14_ J erde gl Öfen M. limine Ilulttoütl Soeben erschien Nr. 53/54 der Kleinen Bibliothek der Russ. Korrespondenz Mich. Pawlowitsch 37Mb* Circus Taraselli am Balmb. Prledrlchstr. Vorstellung II IM im XX. 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