Nr.»57 4 38. Jahrgang flusaabe A Nr.2ZI -7�' Bezugspreis» � V!krteI>2hrI.Z0.— M.. monall.><>,— R. frei ins Haus, voraus zahidar. Polt» bezug: Monatlich U>.— M. einschl. gu- ste!1ungsgel>lll>r Unter Kreuzband m» Deutschland. Daozig, da» Saar- und MemelAebiet, soivse die ehemals beut» schen Gebiete Polens. Oesterreich, Ungarn und Luxemburg 20,— M, sitr das übrige Ausland 27.— 3JL Postbestellungen nehmen an Oesterreich, Ungarn, Tscheche» Elowatet, Däne- mar», Holland, Luremburg, Schweden und die Schweiz. De»»Dorwärts� mit der Sonntags- deilage»Polt und Reif, der Unter- Hallungsbeilage«Heimtoelt* und der Beilage«Siedlung und Kleingarten� erscheint wochentäglich zweimal. Sonn» tag» und Montag» einmal. Telegramm- Adresse! »Zozialdemokrut Morgen Ausgabe c Groß- Berlin 30 Pf auswßrts 40 Pfennig D Berliner VolksblAtt Anzeigenpreis: Die achtgespaltene Nonpareillezeile tostet 6.— M.„Siel»« Anzeigen- da» settgedruckte Nort 2,— M.7 �„�ition Morihplah 11753—54 Die Vereinbarungen mit Sapern. Aufhebung des bayerischen Belagerungszustandes.— Neue Verordnung des Reichspräsidenten. München, 27. September.(MTB.) Vor Eröffnung der Sitzung des Verfassungsausschusses murde dem Ausschuß eine Vorlage �er Regierung unterbreitet, die folgenden Wortlaut hat: Am 24. September 1921 fanden in Berlin zwischen dem Reichs- tanzler und dem Reichsminister des Innern einerseits und dem bayerischen Ministerpräsidenten und dem bayerischen Minister des Innern ander-'rseits neuerliche Verhandlungen wegen der Auf- Hebung der Verordnungen des Reichspräsiden ten vom 29. und 39. August 1921 betr. den sogenannten Ausnahme- zustand in Bayern statt. Die Verhandlungen wurden baye- rischerscits auf der Grundlage des Beschlusses des Ständigen Land- togsausschusses vom 11. September 1921 geführt. Vorbehaltlich der Zustimmung des bayerischen Gesamtministeriums und des bayerischen Landtags wurde vereinbart: 1. Die Verordnungen des Reichspräsideaken vom 29. und 39. August 1921 werden zurückgenommen und durch eine neue Verordnung ersetzt. Die neue Verordnung soll die aus dem Entwurf, der g!cichzcitlg dem Landtag vorgelegt wird, ersichtliche Fassung erhalten und spätestens am 29. September 1921 erlassen werden. 2. Die bayerische Slaatsregierung wird die Verordnung über den Ausnahmezustand spätestens am 6. Oktober 1921 mit Wirkung vom IS. Oktober 1921 antzer Kraft sehen. 3. Die Zustimmung des bayerischen Gesamtministe. riums und des Verfassungsausschusses des bayerischen Landtags zu dem vereinbarten Entwurf der neuen Reichsver- ordnung und zur Aushebung des Ausnahmezustandes in Bayern wird dem Reichskanzler rechtzeitig zum 2S. September 1921 mit- geteilt werden. 4. Zwischen der Reichsregierung und der bayerischen Staats. regierung besteht llebereinsiimmung darüber, daß die Landesregierungen nach Artikel 48 Absah 4 der Reichsversassung nach wie vor berechtigt sind bei Gefahr im Verzug auch weiter- bin einstweilige Maßnahmen zu lressen. die über den Inhalt der neuen Verordnung hinausgehen. Die Reichs- regierung wird solchen Maßnahmen gegenüber eine loyale Haltung einnehmen. S. Die bayerischen Volksgerichke stehen mit dem auf Artikel 48 Absah 4 der Reichsver-assung gestützlen bayerischen Ausnahmezusland nicht in Zusammenhang und werden daher durch die hierüber geführten Verhandlungen nicht berührt. Das Gesamtministerium hat den Vereinbarungen am 27. Sep- tember 1921 z u g e st i m m t. Der Vorlage der Regierung ist der Entwurf der Verordnung des Reichspräsidenten, wie er aus den Vereinbarungen hervorgegangen ist, beigelegt. Die Aenderungen beziehen sich auf die§Z 1, 4 und 7.§ 1 hat die Abänderung er- fahren, daß statt der Worte„Vertreter der republikanisch- demokratischen Verfassung gesagt worden ist: Personen des öffentlichen Lebens.§ 4 lautet in der neuen Fassung- Zuständig für Verbot« nach den ZZ 1 und 3 und für Be- schlagnahmen nach§ 2 sind die Landcszenlralbehörden oder die von ihnen bestimmten Behörden. Der R e i ch s m i n i st e r des Innern kann die Landeszentralbehvrden um den Ausspruch eines Verbotes oder einer Beschlagnahme ersuchen. Glaubt die Landeszentralbehörde, einem solchen Ersuchen nicht entsprechen zu können, so tellt sie dies spätestens am zweiten Tage nach dem Empfang des Ersuchens dem Reichsminister des Innern mit und ruft gleichzeitig die Entscheidung des im§ 7 vorgesehenen Aus- schufses an. Entscheidet sich der Ausschuß für das Verbot oder die Beschlagnahme, so Hot die Landeszentralbehörde die erforder- lichen Maßnohmen sofort zu trefsen.§ 7 lautet in der neuen '"(tzegen«in Verbot nach den ZZ 1 und 3 und eine Beschlag- «ahme nach§ 2 ist die Beschwerde zulässig. Sie hat keine aufschiebende Wirkung. Die Beschwerde ist bei der Landeszentralbebörd« einzureichen. Diese kann ihr außer im Falle des§ 4 Absah 2 abhelfen. Andernfalls hat sie die Beschwerde unverzüglich vorzulegen. Der Reichsrat wählt die Mitglieder des Ausschusses und ihre Stellvertreter au» seiner Mitte. Der Ausschuß entscheidet in der Besetzung von sieben Mitgliedern, die nach eigener freier Ueberzeugung erkennen. Den Borsitz führt ohne Stimmrecht der Reichsminister des Innern oder «in von ihm bestimmter Stellvertreter. Wird Beschwerde er- hoben gegen Verbote oder Beschlagnahmen, die auf Grund einer Entscheidung des Ausschusses gemäß§ 4 Absatz 2 erlassen sind, so dürfen diejenigen Ausschußmitglieder, die an dieser Entscheidung mitgewirkt haben, an der Entscheidung über die Beschwerden nicht teilnehmen. Zu der Vorlage der Regierung hat Abg. Dr. Wohlmuth (Bayer. Vp.>. der Vorsitzende de- Verfassungsausschusscs, folgenden Antrag eingebracht: Der Ausschuß wolle beschließen, der Bollversemmlung zu empfehlen, es sei gegen die Vereinbarung der bayerischen Staats- regierung vom 24. September 1921 keine Erinnerung zu erheben. W»s jedoch den Zeitpunkt der Aufhebung de» bestehenden baye- tischen Ausnahmezustandes anlangt, so bleibe es dem »sllchlgemäßcn Ermessen der bayerischen Staaisrcgierung über- lassen, zu beurteilen, wann sie den angemessenen Zeikpunkt für gegeben erachtet. Lorsitzender Dr. Wohlmuth bemerkte einleitend, es handle sich nicht darum, ob der AusstHuß den Vereinbarungen zustimmen solle aber nicht. Er Hab« lediglich zu«ltschoiden. ab die Staats- regierung ermächtigt werden soll, die Vereinbarung e n d- gültig abzuschließen. An sich wäre die Entscheidung des P l e- nums notwendig. Die Reichsrcgierung ist aber mit der Zustim- mung des Verfassungsausschusses zufrieden. Ministerpräsident Graf L e r ch e n s e l d: Es ist einer der Pro- grammpunkte, zu versuchen, die zwischen Reichsregierung und der bayerischen Regierung seit längerer Zeit aus Anlaß der Ver- ordnung des Reichspräsidenten bestehende Spannung aus dem Wege von Verhandlungen, wenn möglich, zu beseitigen. Es war auch tatsächlich eine meiner ersten Amtshandlungen, nach Berlin zu fahren und dort mit dem Reichskanzler zu verhandeln. Wir sind auf Grund zweimaliger Rücksprache zu dem heute vorliegen- den Ergebnis gekommen. Darauf erstattet Minister Dr. S ch w e y e r den juristischen Ve- richt über die Verhandlungen. Dr. Schweyer führte u. a. aus: In der Verordnung des Reichs- Präsidenten erblickten wir eine besondere Spitze gegen Bayern, weil hier schon ein Ausnahmezustand bestand, der weiter ging als die Verordnung. Die Verordnung stellte einen für Bayern u n e r- tröglichen Eingriff in die polizeiliche Landeshoheit dar. Die daraufhin eingeleiteten Verhandlungen hatten den Zweck, die Aufhebung des bayerischen Ausnahmezustandes über den Kopf Bayerns hinweg zu verhindern. Dieser Zweck wurde erreicht. Die weiteren Verhandlungen sind bekannt. Für die letzte Aussprache in Berlin waren die Beschlüsse des Ständigen Ausschusses Richt- schnür. Wir hoben verlangt, daß unsere erste Fassung gewählt wird, da sie besser dem föderativen Prinzip entspricht. Die Reichsregierung erklärte diese Fassung für unannehmbar. Das Reichskabinett habe einstimmig einen dahingehenden Beschluß gefaßt. Ich finde die neue Fassung, auf die wir uns einigten, annehmbar, da der Reichsminister des Innern aus dem weiteren Verlauf der Dinge auszuschalten ist und lediglich ein Ersuchen an die Landesregierung richten kann. Alles andere vollzieht sich durch die Landeszentralbehörde und den Rcichsratsausschuß. In der Abstimmung wurde der Antrag der bayerischen Volks- partei mit 14 gegen 8 Stimmen bei einer Stimmenenthaltung an- genommen. Der darin enthaltene Satz über die Aufhebung des Belagerungszustandes wurde in der Aussprache von den Antrag- stellern dahin interpretiert, daß damit lediglich die V e r a n t- wortung für die Aufhebung des Ausnahmezustandes der bayeri- schen Regierung zugeschoben werde. Darauf wurden die An- träge der Regierung mit ollen gegen 5 Stimmen der bayerischen Mittelpartei und USP. angenommen. tzilfe für Oppau. Forderungen des ADGB. und des Afa-BundeS. Der ADGB. und der Afa-Bund geben zu der Hilfsaktion für Oppau folgende gemeinsame Stellungnahme bekannt: Die erschütternde Katastrophe von Oppau, hervorgerufen durch die Entzündung bedeutender Massen explosibler Stoffe in unmittel- barer Nähe einer Ortschaft und inmitten Tausender von Beschäftigten, weist gebieterisch auf die Notwendigkeit des sofortigen Ein- greifens der Gesetzgebung hin. Einmal müssen die durch die Katastrophe als völlig unzulänglich erwieseneu llnfallverhütungs- vorschrlften einer grundlegenden Rachprüfung unkerzogen werden, unbeschadet der mit allem Nachdruck durchzuführenden Ermittlung über schuldhafte oder fahrlässige Verstöße. Die bestehenden, völlig ungenügenden llnfallentschädigungsbeslimmungen, und zwar sowohl an Each- wie an Leibschäden, machen die sofortige Inangriffnahme einer Reform des gellenden Rechts, insbesondere der Unfallversicherung der RDO. notwendig. Zur sofortigen Linderung der entstandenen Notlage ist durch Reichsgesetz zu bestimmen, daß eine der Geldentwertung Rechnung tragende Entschädigung der von dem Unglück Betroffenen oder ihrer Hinterbliebenen zu zahlen ist. Vis zur endgültigen Fest- setzung der Entschädigungssummen sind Anzahlungen in angemessener höhe zu leisten. Zur Deckung der zu leistenden Entschädigungs- summen sind die mit dem Oppauer Werk verbundenen Industrie- Konzerne in stärkstem Maße heranzuziehen. Die Vorgänge in höchst. Frankfurt a. M„ 27. September.(DTB.) Der Fabrikarbeiter- verband hat mit allen gegen zwei Stimmen eine Resolution gefaßt, in der dos Vorgehen.unverantwortlicher Elemente in den Werken Höchst, Griesheim und Kelsterbach abgelehnt wird, da der- artige Maßnahmen im Gegensatz zu den vertraglichen Bestimmungen stehen. Weiter werden die Maßnahmen der Unternehmerorgonisa- tionen bedauert, da vorher nicht der versuch einer Verständigung mit den Arbaiterorganisatione« gemacht worden ist. Wiederaus- nähme der Arbeit ist im Gang». Die Hanauer Fabrik»on Dunlop hat geschlossen, weil die Arbeiterschaft wegen Lohnakkord- differenzen passive Resistenz übte. Im übrigen seien die Verhand- lungen zur Wiederaufnahme des Betriebs im vollen Gange. Das Wert ist durch Schutzpolizei besetzt. Die Zealrumsfrakklou des Reichstags hat den Reichstagsabge- «rdneten Landgerichtsdirektor W a r r zu ihrem V»rsitzenden gewählt. vorwärts-verlag G.m.b.H., 60) 68, Linden str. 3 ifcrnfnrcdicr• Seelng-(ftucbiiion NN» Insrraten- lyinMprcaicr. zlt.tetluna Mvril.plaU 11753-54 Steuerverschleppung. Bon Wilhelm Keil. Als der Reichstag anfangs Juli auseinanderging, wurde vereinbart, daß er am 6. September wieder zusammen- treten solle, um die Steuervorlagen, die ihm vor diesen» Termin unterbreitet werden sollten, einer ersten Beratung zu unterziehen. Man schätzte diese Beratung nur auf wenige Tage. Darauf sollte der Ausschußarbeit einige Wochen Zeit gelassen werden. Die Vollversammlung sollte im Ottober ihre Sitzungen wieder aufnehmen, sofort die Ausschußberichte über die Steuervorlagen entgegennehmen und die Steuern so rasch wie möglich verabschieden. Dies Programm, das einem Gebote dringender Not- wsndlgkeit entsprach, ist nicht zur Ausführung gelangt. Ends August wurde öffentlich mitgeteilt, die Borarbeiten seien noch so weit im Rückstand, daß die Steuergesetzentwürfe vor dem letzten Septemberdrittel beim Reichstag nicht eingebracht werden könnten. Der Zusammentritt des Reichstags wurde auf den 2 7. September verschoben. Dann aber sollte mit Hochdruck an die Arbeit gegangen werden. Run kommen die Reichsboten am 27. September zusammen, um zu erfahren, das; es mit der Einbringung der Steuervorlagen beim Reichs- tag immer noch gute Weile hat. Sie werden wieder heim- geschickt, die Frist für die Fertigstellung der Steuerentwürse wird bis zum 2 6. Oktober verlängert. Wem immer die Hauptschuld für diese Verschleppung der dringlichsten Aufgabe der Gegenwart treffen mag: es muß festgestellt werden, daß die Verschleppung Verhängnis- v o l l e F o l g e n nach sich zieht. Das Vertrauen in den ehr- lichen Willen Deutschlands, steine Finanzen in Ordnung zu bringen, wird durch die Verzögerung der Steüeraesetzgebuna wahrlich nicht gestärkt. Der Fehlbetrag des Reichshaushalt- wächst nicht nur in dem Maße, in dem die Zeitspanne seines Fortbestehens sich verlängert, er wächst in geometrischer Progression. Da das Vorhandensein des Fehlbetrags Vermehrung der schwebenden Schuld und des Papiergeldumlaufs, zunehmende Geldent- wertung d. h. Teuerung und weiteres Sinken des Markkurses bewirkt, so steigt di* Summe des Fehlbetrags mit jedem fol- genden Monat in einem die Steigerung im vorhergehenden Monat übertreffenden Grade. Aus diesem Grunde war es schon überaus bedauerlich, daß das Kabinett F e h r e n b a ch die Vorbereitung für eine starke Vermehrung der Reichsein. nahmen nicht so rechtzeitig getroffen hatte, daß die Er- Schließung alsbald nach Festsetzung unserer Aeparationsschuld erfolgen konnte. Zum mindesten für die Deckung des i n n e- r e n Etats hätte Vorkehr getroffen werden müssen. Denn daß uns niemand die Mittel schenken würde zur Bestreitung unseres eigenen Bedarfs, war doch wohl jedermann klar. Aber nicht einmal dies geschah. In den Reichshaushaltsplan für 1921 waren zwar zur Deckung des ordentlichen Bedarfs 4,2 Milliarden Mark Einnahmen aus neu zu bewilligenden Steuern eingestellt. Die konkreten Vorschläge zur Beschaffung dieser Einnahme beschränkten sich indes auf die V e r s i e b e n- fachung der Zucker st euer, die auch bei sofortiger An- nähme noch nicht eine Milliarde pro Jahr an Mehreinnahmen gebrocht hätte. Es würden also im ordentlichen Etat auch im günstigsten Falle noch Z,2 Milliarden gefehlt haben. Der außerordentliche Etat aber wiss, auch wenn man den auf die Reparationsverpflichtungen entfallenden Teil ausschied, noch einen Abmangel von mehr als 30 Milliarden auf. Hierfür fehlte es an jedem Deckungsvorschlag. Wenn sich schließlich dafür, die Steuervorschläge nicht vor der endgültigen Festsetzung der Reparationslast zur Beratung zu stellen, noch Gründe beibringen ließen, so hätten sie doch sofort nach Annahme des Ultimatums vorgelegt werden müssen. Es waren aber keinerlei Vorschläge vorbereitet, nicht für die Deckung des inneren Etats, geschweig« denn für die Erfüllung der Reparationsverpflichtungen, obgleich das Kabi- nett Fehrenbach doch in London ein Leistungsangebot gemacht und dem Präsidenten der Vereinigten Staaten erklärt hatte, sich jeder von ibm zu treffenden schiedsrichterlichen Entschei- dung über die Verpflichtungen Deutschlands unierwerfen zu wollen. Man mutete uns zu, die Z u ck- r st e u e r gesondert in Beratung zu nehmen und zu verabschieden, dachte ober nicht daran, die nächstliegenden Besitz steuern straff anzu- spannen. Mit einigen Federstrichen bätten sich z. B. die Börsen st euern mit sofortiger Wirkung sehr beträchtlich steigern und ausgestalten lassen. Aus Angst vor dem Wider- svruch der Interessenten, die im Reichstag sebr gewichtige Wortführer haben, unterblieb es. So stand die ssinanzverwal- tung nach der Annahme de« Ultimatums mit leeren Händen da. Wären jetzt sofort die Maßnahmen, die bis dahin vor- bereitet werden konnten und pflichtgemäß vorbereitet wer- den mußten, ergriffen worden, so hätte der Kurs der beut- schen Mark im Auslande trotz der Devisenhyönen nicht den katastrophalen Sturz erlebt, der sich in den letzten Wochen ereignet hat. Als dann endlich die Vorarbeiten für die sogenannte Re- paratwnssteuergesetzgebung begannen, gingen die Fachmänner des Finanzministeriums wieder die alten ausgefahrenen Wege, stellten erkünstelte Berechnungen über die Mischung von Besitz- und Verbrauchssteuern an, mißachteten die ihre Zwecke konterkarierenden Wirkungen der großen Konsumsteuern, brachten Besitzsteuervorschläge, die in der entscheiden- den nächsten Zukunft keine Erträge bringen, lehnten es in langem Streit mit den Vertretern des Reichswirtschaftsmini- steriums ab,„Experimente" zur Erfassung der S a ch'- vermögen zu machen, und kamen mit ihren Vorschlägen so spät heraus, daß sie jetzt noch nicht dem Reichstag vorliegen. Man macht den Reichswirtschaftsrat und den R e i ch s r a t für die Verzögerung verantwortlich. Nun ist es sicherlich wahr, daß die Gesetzesvorbereitung durch die Häufung der beteiligten Instanzen heute zeitraubender ist, als unterm alten Regime. Und wenn der Reichsrat sogar den Anspruch erhebt, die Gutachten des Reichswirtschaftsrats für seine Beratungen zu verwerten, also seine Arbeiten immer erst zu beginnen, wenn der Reichswirtschaftsrat seine Bc- ratungen abgeschlossen hat, und wenn der Neichsrat ferner für die Beratung einer wichtigeren Vorlage eine längere Frist verlangt, so kann das allerdings zu großen Verschleppungen führen. Aber wir wollten einmal sehen, ob die beiden Zwischeninstanzen nicht zu beschleunigter Arbeit zu veran- lassen wären, wenn das Reichsfinanzministerium rechtzeitig mit einein kompletten Programm auf den Plan träte und er- klärte: von der beschleunigten Durchführung dieses Pro» gramms hängt die Zukunft unseres Volkes ab. Wir zahlen heute für einen Dollar 12.? M. Der Zusammenbruch unserer Währung ist zum Teil auf die Verschleppung der Steuergesetzgebung zurückzuführen. Es steht zu befürchten, daß in vier Wochen, wenn dann endlich die Steuergesetze beim Reichstag eintreffen, 18l1 oder 200 M. für den Dollar bezahlt werden müssen. Welche Rückwirkungen das auf unsere Re- parationslast und auf die innere Preisentwicklung haben wird, braucht nicht näher ausgefübrt zu werden. Mit dem Sinken der Mark steigen die Preise und steigt die Entwertung festverzinslicher Papiervcrmögen. Die Kosten tragen die Arbeiter, Angestellten, Beamten, die ver- hungernden Invaliden der Arbeit und des Krieges und die in derselben Lage befindlichen Kleinrentner. Die Nutznießer der Wöhrungszerrüttung, die Besitzer der Sachvermögen, deren Einkommen in dem Maße steigt, in dem der Markkurs sinkt, mögen sich über die Verschleppung der Finanzgesetzgebung vergnügt die Hände reiben. Nur dürfen s i e sich nicht dem Irrwahn hingeben, daß sie nichts zu befürchten bätten, wenn wir eines Tages finanzpolitisch auf der Stufe Polens oder gar Moskaus angelangt sein werden. Vielleicht kann der Weiterentwicklung unserer Finanzverhältnisse in dieser Rich- tung noch vorgebeugt werden. Aber nur, wenn endlich Dampf hinter die Vorbereitung der Steuergesetzgebung gemacht wird und wenn die Steuervorschläge so geartet sind, daß sie das Defizit beseitigen, statt es zu vergrößern. Schwester aüeü Der gestrige Leitartikel des„Vorwärts" gab der Presse Anlaß zu ausführlichen Kommentaren. Angesichts der drohen- den Trennung der Deutschen Volkspartei von der Rechten regen sich im Busen der„Kreuzzeitung" zärtliche Gefühle, und, eine Träne im. Auge zerdrückend, schreibt sie: Die Deutsche Nolkspartei soll also endgültig mit der bis- berigen Schwe st erpartei brechen. Isolierung der Deutschnationalen, das ist das Hauptziel dieser Politik, die sich aus der Erkenntnis erklärt, daß der nationale Gedanke immer mehr im deutschen Volke an Macht gewinnt. Dr. Stresemann und seine Mit- berater werden es also nicht leicht haben, eine Derhandlungsbasis zu finden, wenn sie nicht eine glatte Kapitulation, die freilich nicht ohne gewisse Rückwirkungen bleiben dürfte, vorziehen sollten. Umgekehrt meint die„Freiheit" in einer Polemik gegen unsere Ausführungen, durch den Görlitzer Beschluß werde der sozialdemokratische Einfluß in der Regierung geschwächt, die Die Nachtparaöe. Don Hans Wesemann. Mittags Unter den Linden. Auf den Fußsteigen drängt sich eine geschäftig« Menge. Ueber den Fahrdamm flitzen mit grellen 5)upen und Klingeln Autos, Räder und Wagen. Da plötzlich schmetternde Militärmusik. Durchs Brandenburger Tor zieht die Ablösung. Voran der Kapellmeister mit prachtvoll aufgedrehtem Schnurrbart. Dann, paukend und blasend, daß alle Spatzen erschreckt aufstiegen und die Droschkengäule zusammenfahren, die Kapell«. Hinterher ein Leutnant und seine Kc ipagnie. Sehr stramm. Sehr schneidig. Sehr forsch. Ein wirklich sehenswertes Schauspiel. Ganz so, wie es Liliencron beschrieben hat. Da« Publikum freut sich. Neben mir steht ein dicker Mann, an seiner Uhrkette hängen ein Glücksschwein und ein Hakenkreuz. Auch sonst sieht er so aus, als ob er Abonnent der„Deutschen Zeitung" ist. Er ist restlos begeistert und fuchtelte in beängstigender Weise mit seinem Stocke.„Adois", sagt er zu seinem Jungen,„wenn du groß bist, willst du dann auch so feste drust, egal vorwärts für König und Vaterland?" Adolf nickt und bohrt heftig in der Nase. „Ach wie wunderschön, beinahe wie früher," meint anerkennend die elegante Dame und sieht nach dem Leutnant hin. „Famose Sache, aber unsre Jugendkompagni» is' auch nich' ohne," lautet das Urteil zweier Gymnasiasten. Dann setzen sie sich in Trab und rennen fast den. Kriegsblinden um, der zögernd seinen Weg sucht. „Wenn ick dran denke: meine beiden Jungens tot, nu' sitze ick da.. sagt der alle Droschkenkutscher halblaut zu seinem Kollegen. Man kann ihn nicht ganz verstchen, die Musik ist zu laut. ver Zeitschrlflenlesesaal de? Staaksbibllolhek. Bon der Verwaltung der Staatsbibliothek geht uns folgendes Schreiben zu: Auf die sehr verständigen Ausführungen in Nr. 444 des„Vorwärts" ist folgendes zu erwidern: Es ist richtig, daß wegen des ungünstigen Stande« der Markoaluta eine große Anzahl ausländischer Zeit- schriften zurzeit nicht mehr gehalten werden können, so daß die hohe Auslageziffer von über 2vM Zeitschriften im Lesesaal nicht beibehalten wurde. Die Fächer wurden aber aus dem Grunde noch nicht wieder mit neuen Zeitschriften belegt, weil mit Hilfe der Notgemeinschaft der deutschen Wissenschast Schritte getan sind, diese zurzeit fehlenden Zeitstbriften wieder zu erlangen. Im Ausland wie bei uns gibt es eine größere Anzahl Zeit- schriften, die wegen der Zeitverhültnisse und der hohen Herstellungs- kosten nur langsam und unregelmäßig weiter erscheinen. Da diese Zeitschriften jedoch nicht«ingegangen sind, liegen öfter noch ijefte vom vorigen Jahre aus, weil auf das„in nächster Zeit" zu er- scheinende Fortsetzungshest eben gewartet wird. Sozialdemokraten hätten sich in Görlitz selbst an die Wand pressen lassen. Das sind, wie man sieht, verschiedene taktische Auffassun- gen, und die Zukunft wird zeigen, wer recht hat. Einstweilen können wir versichern, daß es n i ch t unsere Absicht ist, unseren Einfluß schwächen und uns an die Wand pressen zu lassen. Eine Lehre aber könnte man auf der sozialistischen Linken aus der Geschichte ziehen, nämlich daß man wegen Meinungs- Verschiedenheiten über taktische Fragen nicht gleich Scheide- briefe schreiben soll._ Zwei �vereinigtes kommuniftisthe Fraktionen Wie die PPR. hören, haben sich die bisherigen Reichs- tagsabgeordneten der VKPD. Levi, Malzahn, Reich. D ü w e l l, Geyer j r., Marie W a ck w i tz, Ernst Säumig und Adolf Hoffmann im Reichstag zu einer eigenen Gruppe, der Kommuni st ischen Arbeitsgemein- s ch a f t, zusammengeschlossen. Diese Fraktionsbildung dürfte der Beginn zur Gründung einer neuen kommunisti- s ch e n P a r t e i sein, die sich von Moskau unabhängig halten will. Wir hoben nun im Reichstag Kommunistische Fraktion Rr. 1 und Kommunistische Fraktion Nr. 2. Die Leviten zäh- len 8 Mann, die Moskowiter etwa das Doppelte. Zwischen beiden Fraktionen dürfte jetzt ein Prozeß darum entbrennen, welche berechtigt ist, den Namen„Vereinigte KPD." zu führen. Schupo ist zu militärisch. Der Vorsitzende der Interalliierten Militärkontrollkommission General N o l l e t hat an das Auswärtige Amt nachstehend« Note gerichtet: Nach dem Schreiben der JMK. vom 12. Mai mußte die Durch. führung der auf die Polizei bezüglichen Bestimmungen der Note von London bis zum 15. Juli beendet sein. Es zrgibt sich nun aber ans den Feststellungen der Kontroll- organ« nach dem Stande vom 1. September, daß bei einem Teil jener Bestimmungen noch nicht einmal mit der Durchführung be- gönnen ist. Hinsichtlich der Organisation ist keinerlei Veränderung an der Zentralisaklon der Verwaltung vorgenommen, obwohl die Pariser Not« ausdrücklich jede Zentrali- sation„auf irgendeiner Stufe oder in irgendeiner Weise" unter- sagt hat. Andererseits ist die gegenwärtige Schutzpolizei in taktischen Ein- Helten organisiert, die niilitärisch eingeteilt, instruiert, ausgerüstet» kaserniert und im U e b e r f l u ß mit technischem Gerät und Ma- terial ausgestattet sind. Sie hat den Charakter einer mobilen SkreUkrafi gewahrt. Sie wird von einem Orte des Reichsgebiets nach einem anderen in eigens aufgestellten Einheiten und mit fsldmäßigem Material— ganz wie die Reichswehr— verlegt. Die gegenwärtige Polizei hat also aus den in der Note von Boulogne gemachten Zugcständniffen Vorteil gezogen, ohne den Verpflichtungen unterworfen worden zu sein, die als for- melle Bedingungen an die zugestandenen Verstärkungen geknüpft worden sind. Die alliierten Regierungen haben aber einer Vermehrung der Stärken und einer Verbesserung der Bewafsiiung der Polizei nur unter der ausdrücklichen Bedingung zugestimmt, daß sie ihren alten Charakter unter Ausschluß jeden militärischen Tharaklers wahren müsse. Hinsichtlich der Stärken hat die Deutsche Regierung eine allge- meine Verteilung unter die deutschen Länder vorgenommen, die mit den Bestimmungen der Note von Paris übereinstimmt. Die Schwierigkeiten aller Art jedoch, mit denen die Kontrolle zu kämpfen hatte, haben sie verhindert, festzustellen, ob diese Verteilung von den einzelnen Ländern auch genau innegehalten wor- den ist. Ucbrigens ist seit der Note von London keine Dermin- d e r u n g der Polizeistärken festgestellt worden, obwohl diese damals die zugelassenen Zahlen überstiegen. Was Bei der Auswahl der im Lesesaal ausgelegten Zeitschriften können nur Blätter nstt einem größeren Leser- und Interessenten- kreise in Frage kommen, alle Fachblätter spezieller Berufe, deren Zahl in die Tausende geht, müssen notgedrungen ausgeschieden bleiben. Sie stehen aber jederzeit zur Verfügung und werden aus Wunsch sofort in den Lesesaal geholt. Der Vorschlag, den Lese- saal, wenn auch nur vorläufig, bis zum Eintrejfen der allmählich wieder zu erwerbenden ausländischen Literatur, mit den Fachblättern auszufüllen, läßt sich nicht durchführen, weil über die ausgelegten 5)efte ein gedruckter Katalog existiert, der bei vollständiger Umord- nung neu gedruckt werden müßte. Neuerwerbungen des Kupferstichkabinetts. Als Geschenk eines englischen Gönners, des Herrn A. L. Richolsen in London, ver- zeichnet das eben erscheinende Heft der Berichte aus den preußischen Kunstsammlungen eine kostbare Neuerwerbung des Berliner Kupfer- stichkabinetts, eine Originalzeichnung R a f f a e l s. Das Blatt, ein Marienkopf, ist für das Berliner Museum eine besonders erfreuliche Bereicherung deswegen, weil das Kaiser-Friedrich-Museum das nach dieser Zeichnung geschaffene Gemälde des Meisters besitzt, die sogenannte Madonna Terranuova. Unter den übrigen Geschenken, die das Kabinett in den letzten Monaten erhielt, ist ein annähernd vollständiges Wert von Steindrucken D a u m i e r s. Bon Blättern des Meisters selbst und seiner Zeit, ebenfalls Steindrucken, konnte die Sammlung eine größer« Reihe erwerben, vertreten sind daruMer u. a. Gericault, Gavarni, Dore, von späteren Künstlern R o p» und L e g r o s. Wir benutzen diese Gelegenheit, um unsere Leser aufs neue zu häufigeren Besuchen des Kupferstichkabinetts anzuregen, das sich im 2.-Stockwerk des Neuen Museums befindet. Eine unvergleichlich reichhaltige Sammlung von Handzeichnungen und graphischen Blät- tern alter und neuer Meister sowie zeitgenössischer Künstler liegt dort in Mappen vereinigt, die dem Besucher auf Wunsch geöffnet werden. Rußlands neueste Heimsuchung..Einer funkentelegraphischen Meldung aus Moskau zufolge wurden vorigen Sonntag 17 000 Ein- wohner aus den Samara-Bezirken nach fruchtbareren Gegenden überführt. In Orenburg wächst ständig die Zahl der verzweifelten Eltern, die, unfähig ihre Kinder zu ernähren, diese an der Tür der Kinderheime im Stich lassen. In den letzten Tagen wurden nicht weniger als SM solcher von den Eltern verlassener Kinder auf den Straßen aufgelesen., Nun haben auch noch, um das Maß des Unglücks voll zu machen, ungeheure Schwärme von Heuschrecken die karg bestellten Felder im Orenburger Gouvernement völlig verwüstet. Die Heuschrecken- schwärme ziehen in dicken schwarzen Wolken mit einer Stunden- geschwindigkeit von 20 Kilometern nordwärts und verwüsten unter- wegs auch die letzten Spuren de» Pflanzeuwuchses. Eine Riefen-Rofs. In London findet gegenwärtig eine Rosen- Ausstellung statt, deren größte Sehenswürdigkeit eins Teerose ist, von gigantischer Größe. Ihr Kelch mißt nicht weniger als rund 30 Zentimeter in der Tiefe. Die Farben der auf den Namen Lord Lambourne getauften Rose variieren in den Farbtönen zwischen Scharlachrot und einem satten Altgold. die Schule« anbelangt, so hat sich seit der Note von London ebenfalls keine Ner- änderung feststellen lassen, weder hinsichtlich ihrer Zahl, noch hin- sichtlich ihrer Organisation Bei dieser Sachlage beehrt sich die Kommission darum zu er- suchen, daß ohne neuen Verzug die notwendigen Veränderungen vorgenommen werden, um die Organismion der Polizei in Einklang mit den Bestimmungen des Friedensvertrags und den ergänzenden Entscheidungen der alliierten Regierungen zu bringen. Sie verlangt ferner: s) daß ihr die Uebersichten der vollständigen Stärken nach Orten übersandt werden, wobei die verschiedenen Kategorien der Polizei auseinanderzuhalten sind,.. b) daß ihr die Listen der kommunalen und staatlichen Polizei- schulen nach dem Stande von 1313 und 1921 übersandt werden. Zur Veröffentlichung dieser Rote hat sich die hohe Regierung erst entschlossen, als ihr das„Verl. Tagebl." damit vorangegangen war. Krise im Untersuchungsausschuß. Im Preußischen Untersuchungsausschuß über die Märzunruhen ereignete sich am Dienstag ein charakteristisches Nachspiel. Der Verhandlungstag war mit Vernehmungen von Zeu- gen aus der sächsischen Schutzpolizei angefüllt. Der Polizeimajor F o l t e, der die Aktion auf Eisleben geleitet hat und der ihm da- mals beigegebene Zivilkommisiar Kunz« mann konnten in über- zeugender Weise darlegen, daß die gegen sie erhobenen Vorwurfe deutschnationales Lügenmachwerk sind. Als der Vorsitzende Kuttner bei Schluß der Sitzung nun- mehr darauf hinwies, daß erst in zwei Wochen wieder dem Ausschuß sitzungsfreie Tage des Plenums für Zeugenvernehmungen zur Ver- fügung ständen und bereits wieder 18 Zeugen vornotiert wären, stellte ein Mitglied des Zentrums den Antrag, nunmehr mit den Zeugenvernehmungen auszuhören. Zehn Tage lang habe der Ausschuß Zeugen über die politische Seite des Aufstandes gehört, etwas wesentlich Neues bekäme er doch nicht zu hören, die Hauptstreitpunkte seien geklärt, soweit dies möglich sei. Der Abg. Kilian(KPD.) widersprach dem Slntrag und legte leinerseits einen umfangreichen Beweisantrag über st a n d r e ch t- liche Erschießungen vor, die der Ausschuß unbedingt aus- klären müsse. Bon s o z i a l d« n> o k r a t i s ch e r wurde durch Abg. Drescher betont, daß die sozialdemokratischen Mitglieder des Aus» schusses gleichfalls die stundenlangen Verhöre einzelner Zeugen über politische Fragen für gänzlich nutzlos und unergiebig hielten, daß aber der Ausschuß über den kommunistischen Antrag nicht einfach hinweggehen könne. Als der Vorsitzende dann zur Abstimmung schreiten wollte, stellte sich heraus, daß die beiden Rechtsparteien, die notabene die Einsetzung deS Aus- schusses beantragt und bewirkt haben, bis auf die Person des Schrift- führers nicht vertreten waren. Unter diesen Umständen hielt es der Vorsitzende für angebracht, die Beschlußfassung auszu- setzen, um in einer besonderen Sitzung im Laufe der nächsten Woche die Frage der Weiterarbeit endgültig zu entscheiden. Für den Eingeweihten ist diese Entwicklung nicht über- r a s ch e n d gekommen. Die Verhandlungen des Ausschusses waren bisher, trotz eindringlichster Mahnungen des Vorsitzenden, die vom Zentrum und dsr Sozialdemokratie lebhaft unterstützt wurden, außerordentlich schleppend. Fast keine Zeugenverneh-. mung wurde unter 2— 3 Stunden beendet, einzelne Zeugen wurden sogar sechs Stunden und darüber verhört, und dabei mußte noch manchmal die Vernehmung u»beendet abgebrochen werden. Dies lag in der Hauptsache daran, daß die Vertreter der Rechten in dem Bestreben, unter allen Umständen aus dem Untersuchungsausschuß politisches Kapital zu schlagen, ge- radezu unerschöpflich in der Frage st ellung waren, wo- bei ihnen allerdings auch der Unabhängige Dr. Liebknecht zeit- weilig starke Konkurrenz machte. Jede unbequeme Zeugenaussage suchten sie durch ein Dutzend Kreuz- und Querfragen zu erschüttern, belanglose Einzelheiten wurden oft stundenlang bis ins kleinste Detail verfolgt. Diese unerhörte Zeit- und nebenbei auch Geld- Vergeudung(der Untersuchungsausschuß wird voraussickitlich mehrere hunderttausend Mark kosten) erregte bei den übrigen Par- teien wachsenden Unmut. Vom Zentrum, dessen Mitglieder, wie man anerkennen muß, ebenso wie die sozialdemokratischen Mit- glieder äußerste Zurückhaltung im Ausschuß geübt haben, wurde immer wieder geklagt, daß man mit solcher Breite Gewesenes be- handle, während die Gegenwart mit wichtigsten Aufgaben dränge. Die Folge war dann der gestrige Zenttumsantrag, der wohl den Rechtsparteien nun zeigt, daß olle Geduld eine Grenze hat. Die Wasserkräfte der Welt. In der letzten Jahresversammlung der British Association hielt Prof. Gibson einen Vortrag über die Ausnutzung der Wasserkräfte in der Welt, in dem er einen Ucberblick gab über den Stand der Entwicklung in den verschiedenen Ländern und die zur Verfügung stehenden Wasserkräfte, die»ich nicht aus- genutzt sind. Im ganzen werden die Wasserkräfte der Welt auf 2 0 0 M i l l i o- n e n PS. geschätzt, von denen gegenwärtig ungefähr 25 Millionen bereits ausgenutzt werden oder in nächster Zeit zur Verfügung stehen. Großbritannien benutzt nur ein Fünftel von seinen 300 000 zur Verfügung stehenden PS., während Deutschland bereits die Hälfte von feiner 1% Million in Angriff genommen hat. Die Der- einigten Staaten benutzen 9,8 von ihren 28 Millionen PS., die sie in ihrem Lande haben, und Kanada etwa 8 von 23 Millionen. Kleine bergige Länder wie Japan, Norwegen und die Schweiz, die einen großen Vorrat an Wasierkräften haben, machen in deren Ausnutzung sehr schnelle Fortschritte. Prof. Gibson wies darauf hin, daß die Hauptgründe für die stärkere Benutzung der Wasserkräfte wirtschaftlicher und technischer Natur sind. In«rstcrer Hinsicht handeltS 7'/, Uhr abend? geöffnet. Jeden Don- n e r S t a g und Sonnabend Tl, Uhr ösieutlichc Vorträge. Muleumsttibrungen nnd. Borträge. In der Aegyp tischen Abteilung(AcneS i'tiiftnm) sühn Dr. Scharff an jedem ersten und dritten Donnerstag des Monats um 11 Udr. Beginn am«>. Oktober.■— In der VavhruSsammlung(Neues Museum) hält Pros Tchubart an jedem Sonnabend um 10 Uhr einen Vortrag. Beginn am 1. Oktober. Die amtliche Gebühr für jede Führung und jeden Vortrag beträgt 1 M. Das gesamte Blüthncr-Orchester veranstaltet am Mittwoch, den S. Oktober, abends 7'/, Ubr, im grohcn Saal der Brauerei Fried- r i ch s b a i n unter Leitung von Camlllo Hlldcbrand einen Richard- W a g n e r> Ab en d. Karien a 3 M. zu hrben: Tbcaterkaffe Werihcim, Zigai rengrschäst Lorsch, Engcluser, Orchesterbureau, Lützowffr. 70, sowie an der Abendkasse. Die Techilische Hochschule z» Ber!»i-Cl>arlotte:iburg ist im vergangenen Sommer von 37-10 tmmatrikulierten Sludierenden nnd Söö sonstigen Hörern besucht worden. In der ersteren Zahl sind 22, in der zweiten 24 Frauen einbegriffen. Gegenüber dem voramiegangeuen Sinter, in dem 37SS Studierende immalrituUert waren, tsl»te üblich ein Neiner Rückaang zu verzeichnen. Georg Schweiiliurtb. der berühmte ForichungsreiienSe, lägt nach sosödrigir Pause wieder ein uiniang. eiches Neisewerk unter dem Titel.Aus unbelreienen Wegen in Aegypten"»lscheincit. ltr schildert darin seine Reisen an der Küste de» Rolcu Meeres, die Ausflltdung einer vollständig erhaltenen römischen Stadt in der Wüst«, den Desuch der Aiesten Klöster der Christenheit und anderes mehr. Eine autobiographisch« Sligj« eröjstut das Werk, das im Vertage Hossinaim u. Campe erscheinen wird. Kr. 457 4 ZS.�ahrgakg Heilage öes Vorwärts Mittwoch, 28. September 792t Um öen Gberstaötfihulrat. 100000 Mark für Oppau.— Erhöhung der Krankenhauskurkosteu. Die gestrige Stadtverordnetensitzung begann tnit einer KundgebungfürdieOpfervonOppau. Der vom Oberbürgermeister mitgeteilte Magistratsbeschluß, Zur Linderung der Not 100 OVO M. beizusteuern, fand ein- mutige Annahme.— Bei dem Antrag dsr sozialdemokratischen Fraktion, dem leitenden Stadtschulrat P a u l s e n den bereits in der Oeffentlichksit auf ihn angewendeten Titel„Ober- st a d t s ch u l r a t" zu geoen, kam es zu einer Attacke der vereinigten Bürgerlichen gegen Paulsen. Beson- ders der Demokrat Merten erging sich in heftigen Ausfällen, die offenbar als Aßitationsrede für die Stadtverordnetenwahlen gedacht waren, aber Genosse Paulsen blieb den Angreifern die Antwort nicht schuldig. Er schllderte die Hindernisse, die ihm andauernd in den Weg gelegt werden und ihm die Arbeit er- schweren. In seinen eindrucksvollen Ausführungen machte Paulsen seinerseits der früheren Berliner Schulverwaltung den Vorwurf, daß sie eine keineswegs glänzende Erbschaft hinterlassen hat. Der Antrag, der mehr als einen Streit um einen Titel bedeutet, wurde von den drei Fraktionen der Linken angenommen.— Die leider notwendig gewordene neue ErhöhungderKrankenhauskurkosten wurde be- schlössen. Sie kann gemildert werden durch den gleichfalls an- genommenen Antrag der sozialdemokratischen Fraktion, bei einem 20 000 M. nicht übersteigenden Jahreseinkommen des Ehepaares den Kurkostensatz auf die Hälfte zu ermäßigen. Sitzungsbericht. Sofort zu Beginn der heutigen außerordentlichen Sitzung er- greift der Lberdürgermeister Böß das Wort, um des furchtbaren Explosions Unglücks zu gedenken, das die Stadt Ludwigs- bafen und den Ort Oppau betroffen hat, und die Versammlung zu bitten, die in Erfüllung der auch den deutschen Städten obliegenden Pflicht der Hilfeleistung vom Magistrat eingebrachte Dringlichkeits- vorläge ungesäumt ohne Diskussion anzunehmen. Diese Vorlage stellt dem Reichshilfskomitee 100 000 m. zur Verfügung. Er knüpft daran den herzlichen und tief empfundenen Ausdruck der Teilnahme der Stadt Berlin und einen Aufruf an die Bürgerschaft, nach Kräften helfend einzutreten.— Vorsteher Dr. W e y l: Die Ver- tretung der Bürgerschaft teilt die Auffassung des Oberbürgermeisters. Wir bezeugen den Hinterbliebenen dieser Katastrophe und den Schwerverletzten unsere Sympathie und unser Beileid. Die Sorge für die Opfer solcher Katastrophen ist eine Pflicht des Ganzen. Es handelt sich hier um eine Tragödie der Arbeit, die Unterstützung muß ein Rechtsanspruch, kein Almosen sein, sie muß gesetzlich geregelt und dabei auch die Stickstoffindustrie in erster Linie herangezogen werden. Darüber hinaus haben gewiß die Städte in erster Reihe die Pflicht, sich der Notleidenden anzunehmen; Verlin geht auch hier wie immer voran. Die Versammluna gibt hierauf ohne Debatte der Magistrats- vorläge einmütig die Zuftumnung. Ein von den U. Soz. eingebrachter Dringlichkcitsantrag betr. eine Aktion gegen die Schundliteratur findet aus der Rechten Widerspruch.(Stürmisches Hört, hört! links.) Die Beratung des An- trags muß vertagt werden. Ohne Widerspruch dagegen bleibt ein Antrag Gäbet(Komm.), der darauf hinausgeht, den Altpensionärcn und Ruhegeldempfängern angesichts der steigenden Teuerung auf die bereits am 15. September beschlossene Erhöhung bzw. Nachzahlung ab 1. April einen sofort zahlbaren Vorschuß von mindestens 3000 M. zu gewähren. Der Antrag findet einstimmige Annahme. Ohne Diskussion faßt die Nersamw.lung ferner den Beschlull. sämtliche in der Stadtverordnetenversammlung am 4. August d.?. gefaßten B e s ch l ü s s e z u b e st ä t i g e n. Die Beschlußfaiiung ist notwendig geworden, um jede Möglichkeit einer Anfechtung auszu- schließen. Der Vorsteher verwahrt lich hierbei gegen den in der Oeffentlichkeit erhobenen Vorwurf, als sei damals die Gefchästsord- nung verletzt worden. Auf der Tagesordnung steht weiter die folgende am 15. Juni von den U. Soz. eingereichte Anfrage:„Die Versammlung hat seinerzeit mit Mehrheit die Schaffung nur eines Stadt�llulrats für die Stadtgemeinde Berlin beschlossen. Dieser Stadtschulrat sollte. um seiner zentralen Bedeutung für das Schulwesen der gesamten Stadtgemeinde gerecht zu werden, den Ittel Oberfiadkschulral führen, wie aus der Einführung durch die Herren Stadtverordneten- Vorsteher und Oberbür4. kreis(Reukölln. öS.. SS. u. 92. Abt.): 7 Uhr, in der Aula des Realgymnasiums, Kaiser-Friedrich-Str. 210. 19. kreis(Pankow): 71, Uhr, bei Lindaer, Breite Straße Thema: »Die rechtliche Stellung der Albeiter in der Kommunalpolitik". Referent: Dr. S a l l m a n n. 29. Abt.: 7Vz Uhr. in der Schulaula Senefelderstr. S. Thema:»Die Republik und das Rote Haus". Referent: Dr. 2N ax Bendiner. 2l!.d. L. Zentralheizung von heute ab gestattet. Wie der Magistrat mitteilt, wird unter Aufhebung der Bekanntmachung des Kohlen amts Berlin vom 14. Mai 1921 der Betrieb der Sammelheizungen vom 28. September 1921 ab gestattet. ver Reichspräsident in der Automobilausstellung. Der Reichspräsident besichtigte gestern mittag mit dem Rcichsministe- rium und dem preußischen Staatsministerium die Automobilaus- st-llung. Unter andern waren zu der Besichtigung noch erschienen: Minister Gröner, Minister Schiffer, Giesbert, vom preußischen Staatsministerium die Herren Dominicus, Dr. Grndnauer, Ober- Präsident Mayer, Oberbürgermeister Büß. Dr. Adler usw. Nach einem 1>- stündigen Rundgang durch die Ausstellung richtete ein Herr der Ausstellungsleitung ein« Begrüßungsansprache an den Reichspräsidenten. Dieser erwiderte die Begrüßung mit einem Hin- weise auf die durch die Ausstellung bewiesene Entwicklung der deutschen Industrie, die erkennen lasse, daß der wirtschaftlich, und geistige Kampf wieder in vollem Umfang« aufgenommen word«n sei. Am Schlüsse seiner Red» bracht« der Präsident«in Hoch auf die deutsche Industri« aus. »Frauenbildung und wirffchoftsreform" wird auf derTogvng be» Bundes entschieden«? Schulreformer vom 30. September bis 2. Oktober in der Dcmeindcfesthalle zu Lankwitz erörtert. Di- Tagung beginnt mit einer Volksversammlung (30. September, 7V2 Uhr, Verlin, Kochstroße 13, Friedrich-Wilh«lm- Gymnasium), in de? Paul Oestreich, Lisa Alb recht und Karl Mennick« sprechen. Eintrittspreis: Beisommlung 1 M., ganze Tagung 10 M. Die Haussammlung des Oberschlefler-Hilfswerkes, die in diesen Tagen bis inklusive 2. Oktober stattfindet, wird, worauf wir ge- beten werden besonders hinzuweisen, vom Deutschen Transport- arbeiterverband, dem Bund deutlcher Mietcrverslne und dem Zen- tralrxrband deutscher Haus» und Grundbesttzerverein« durch Auf- rufe der drei Organisationen unterstützt. Auflösung der Eichwalder Gemelndeverkretung. Das preußische Staatsniinisterinm hat die Eichwalder Gemeindevertretung vor den Toren Berlins aufgelöst, so daß demnächst Neuwahlen statt- finden müssen. ver geisteskranke Syndikus. Zu der Notiz in Nr. 453 unter dieler Ueberfchrift teilt uns der„Reichsoerbanb der Vorbestraften und Angeklagten", Wilhelmltr. 113, mit, daß er niemal» einen Rechtsanwalt als Syndikus beschäftigt hat. «uSftellaa, pfi»t»ari>p»ischer«ildnisse. Der«erb»*!, der eitl«- flratzfim, Steindrucker UN»»erwandten«eruse»erinstaitet«« siireit,,. den SO. September,«»nn-brnd, den 1. im» Sonntwi. de* 2. Oktaber, im Saal 3 des Gewerkichaftshause» eine Ausstellung von pboto- grapbilchen vildniffen, welche ausschliefflich von den in genanniem Verband organisierten Berussarbeitern hergestellt sind. Die Ausstellung soll den Lweck haben, dem großen Publilum den Unterschied künstlerischer Photo- Groß-öerliner partelnachrichten. Neue AbteNungsnummern! Auf Grund der Vefchlußfaffung des Bezirkstages vom 14. August werden die Abteilungen der Kreise 1 bis 8 umnumme- riert, so daß auch in dielen Kreisen di« Abteilungsnummern fort- laufend sind, wie es in den Kreisen 7 bis 20 schon der Fall ist. Der Bezirksvorstand hat beschlossen, daß die neue Bezeichnung vom t. Oktober ab Geltung hat. Die Funktionäre der in Frage kam- wenden Abteilungen werden ersucht, ihre Stempel am Donnerstag. den 29. September zu der Funktionärversammlung im Krieger- vereinshaus mitzubringen und am Saalcingaag auszutauschen. In Betracht kommen die Abteilungen 3 bis 48, mit Ausnahme der Abteilungen 24, 26, 28, 29, 30 und 31. Heule, Mittwoch, den 28. September: t. Sit. 7>4 Uhr gahladcnd in solgenden Lokalsn: Bezirke 61— SZ und 08—100 bei Junker, Genthiner Etr. 32: Bezirke 00, 97, 101—103 und 108 bei Nichter, Deniiewttzstr. SS: Bezirke 104, 100 und 107—124 bei Zlickert, Stcinmegstrasjc Steuern zugrunde liegenden Papiermart feit Mai von rund SV auf 100 Milliarden hinaufgegangen. Vergleicht man die gestrigen amtlichen Kurs, für fremd« Zahlungsmittel an der Berliner Börse mit den höchsten amtlichen Notierungen des vorigen Jahres und den höchsten Preisen für fremde Devisen in der letzten Hausseperiode, so ergibt sich folgendes Bild(das Datum zeigt an, an welchem Tage die höchsten Kurse des Vorjahres festgestellt wurden): L7. 9.21 14.9.21 döchNkur- am 8971.- 886,60 1570,90 2230,25 2817,15 179,80 506,93 471,— 124,13 886,60 2157,80 1628,35 7,63 125,10 18,48 3439,05 766,70 1408,56 1938,03 2367,60 128,85 469,50 408,05 109,64 779,20 1898,10 1418.55 10,18 132,85 21,97 4200,— 740,— 1850,— 1700,— 2000,— 465,— 585,— 851,— 103,75 714,30 1800,— 1850,— 89,50 104,- 88.- 27.1. 14. 2. 27. 1. 27. L 27. 1. 6. 3. 3.2. 6. 8. 9.2. 20.2, 27. U 27. L 1.8, 16. 2. 80. 8. 100 Holl. Gulden. 4» 100 belg. Francs,.. 100 noriveq. Kronen.. 100 dänische... 100 schweb...» 100 finnische Mark.. 100 Lire � 1 Pfd. Sterling..« 1 Dollar....«« 100 franz. Franc?.. 100 Schweiz. Franken. 100 spanisch« Pesetas. 100 vsicr. Kronen abgest. 100 tschecki. Kronen.. 100 ung. Kronen... Abhilfe tut dringend nvk. Die Devisenspekulation hat«inen Umfang angenommen, der unerträglich ist. Das Reich aber muß seine Zuschüsse zur Lebensmittelverbillignng erhöhen, es muß durch Aufnahme schwebender Schulden für seine Ausgabe« an Goldmarkreparationen Deckung schaffen. In demselben Maße aber öffnet sie der Steuerhinterziehung ein neues Tor. Die sogenannten unverzinslichen Reichsschatzanweisungen, deren für mebr als 200 Milliarden Mark sich im Umlauf definden und die trotz ihres Namens dem Besitzer eine kopitalertragssteuerfrete Der- zinsung sichern, haben längst aufgehört, das zu sein, was si« langst sollten, nämlich eine kurzbcfristete Kapitalanlage. Weite Kreise be- dienen sich ihrer bereits als langfristig« Kapitalanlage, indem si« die verfallenden Wechsel durch neue ersetzen. So haben wir auch ohne die Goldmarkbons der Wiedergutmachungskommisston bereits im Inland« ein Tor für die Steuerflucht des Besitzes, ein Tor, dos vorerst gar nicht geschlossen werden kann, weil es infolge der starr- sinnigen und skrupellosen Inflationspolitik des Handels- und Pro- duktionstapitals, das seine Profite in Soldmark auszahlt, nicht möglich ist. die schwebende Schuld in langfristige Anleihen zu ver- Wer sich an der verbrecherischen und gemeinen Spekulation mit der Mark beteiligt, arbeitet zu seinem Teil an der Geldentwertung mit, hilft die Reichsfinanzen unterwühlen, verteuert die Lebens- Haltung des Proleteriat» mit und Hilst ixm Besitz zur vteuerhinter- siehung. E» kann und— wir Hessen trotz aller maßlos trüben Aussichten— es wird auch einmal ander» kommen. Freilich nicht durch Währungskonferenzcn. die einen privaten Charakter tragen, aber durch gebieterische ökonomische Notwendigkeiten, die 'chvn jetzt den Friedensvertrag unterhöhlt haben und die die En- tsnte früher oder später zwingt, von Goldzahlungen abzusehen. Di« Welt kann Deutschland als Käufer nicht entbehren— durch den Valutasturz aber wird es kausunfähig. Die Welt aber kann ich auch gegen die Ueberschwemmung mit billigen deutschen Waren nicht schützen, dl« die Industrie anderer Länder auf das Schwerste chädigt. Und Deutschland ist der große Warenverschleuderer, so- lange es durch feine schlecht« Valuta notgedrungen alle Auslands- preise unterbietet. Kursschwankungen, wie di« der letzten Zeit, fft keine Außenhandelskontrolle auf die Dauer gewachsen. Tritt aber ein Umschwung ein, so wird denjenigen, die jetzt mit der Kauf- kraft des deutschen Volkes Schindluder treiben, ihr wohlverdientes Schicksal ereilen. Bezeichnend ist, daß der neuerlich« Balutasturz eingetreten ist, obwohl das Reich seine Deviseneinkäufe nicht»ermehrt hat. Das zeigt, daß hier«in maßloses Treiben der Spekulation vorliegt, dem durch scharfe Besteuerung des Devisenhandels und durch«ine gründliche Finanzreferm der Boden entzogen werden muß. London, 27. September.(Reuter.) Die Borbereitungen für die Abhaltung einer internationalen Währungskonferenz in London An- ang Dezember nehmen guten Fortgang. Die Konferenz wird von -«kannten englischen Finanzgutoritäten in die Weg« um die ganze Währungsfrag« zu prüfen und ein Programm für die Maß- nahmen zu entwerfen, durch die die Währungen der verschiedenen Länder wieder hochgebrocht und die Goldwährung wieder hergestellt werden soll. Die Ehefs der einzelnen Länder sind zur Entsendung von Delegierten aufgefordert worden. Zustimmend haben sich bereit» die Bereinigten Staaten, Frankreich, Deutschland, die Niederlande, Schweden und Dänemark geäußert. Bor» uee e«;»ezirre trau,»oaa, uean, 909c, wsoa,«»in, strafie 71, Srfe Sfutnatbet«itoRe: Bezieke 919. bei Rochbeue. Echliemannste. 99. Therne euf «ilunge» juc aSafil". Pflicht äffet(Senefse« ist Sit. 3fi». 5. 06t. 7 Übe gemeinschafflichee tzeblabenb bei Doiqt, Deeibundste. 11.__ trag be«©enoffen Moltenduhe:.�Koalition und Etadtveeoednetenwahlen". 7. 0bt. tzahlabend in den bekannten Lokalen. 2«. Abt. 7s4 Ufte Zalflabend in solaenden Lokalen: Bezieke 905—914 und 999 bei Schneidet, Peenzlcmee Allee 43; Bezieke 920, 959a, 959b, 959c, OBOa, 960b, 961—967 bei Slawe, Dunckeesteaste 71"'---.-— 022, 924, 955, 958, 909-970 bei Rae eilen Zablabenden:„Peebeeeitungen ee, zu eescheinen. 93, Abt. Neukölln. Abeechnung»ee Beziekofilhee« bei« Seneffe» Best, nach» mittags von 4—6 Ahe, weeealleafte 38. 124. Abt. Mahlederf. 9 Uhr Mit«lledee»eefammluvg bei Andees, Pabnhef. steche. Thema:„Beeicht vom Baeteiteg zu©Selig". Aef. Smil Lehmann. 131. Abt. NiebeeschSnhansen. Sie Zahlabende finden in den bekannten Lokalen statt. Pflicht aller Genossen ist ee, zu erscheinen. Znnasozielisten.«e»»pe«»»?»». 714 Uh» i« Ingendhei«,»reite Str.« (ckinzcing hinter dem Finanzamt), Veetcag ttbee„OcbeiteeMchter'. Morgen, Vonnerstag, den ZV. September: 16. JUcia. Sceptev. «instedlre", am»al 7 Uhr»eeimnitgliedem-eesemmln»« im Nestel«»«» ..___ Bainlef Niedeefch»--- teitag. lief. St.«alter tzechlin. « im Nesteu,««».Ann Z!ied«esch»»e»eite.Zo'«a»»ieth-l.»«eicht»o» Par» ..._____ int SechliJi. 17. Sret,.«lteendeieltel 7 Uhr«!gu». Im«isenensaal de, eeeflien-Lnzeumj, Nathaliesteaze. Wichtige Sege»eednung. erscheinen aller eiteenbeieitt» UN- bedingt eefordeelich. 19. Nrei«. Penkew. Zu»er Isunktionöeveesammlung am Sonneeetaa sendet jede Abteilung zwei siunklionilee, da der Besuch der öffentlichen Wahlver» sammlung bei Lindnee, Breite Straße, unbedingt eefordeelich ist. 9!»e die bon den Abteilungsleitern bestimmten Funktionäre gehen zur Funktionär- Bersammlnng noch dem Krieaerveeeinshaus. Zungsozialisten. Gruppe Belg. 7� Uhr im Jugendheim, Thausscestr. 46, B»> trag!„Arbeiterdichter"._________ Wirtfichaft Katastrophe der Mark. Dke Preise für fremd« Zahlungsmittel gehen weiter sprunghaft In die Höhe. Hotte man noch im Mai den Dollar mit 60 be- wertet, so ist er jetzt bis auf 12 4,12 hinaufgeschnellt. Im freien Verkehr wurden bis zu 127 M. für einen Dollar gezahlt. Damit hat die Mark eine» Tiefpunkt erreicht, wie er bisher nicht dagewesen ist. Sie gilt in Goldwährung nur noch rund 3,3 Pfennige. Die schwersten inner- und außerpolitischen Erschütterungen, selbst der Kapp-Putsch, haben eine derartig» Währunggpanik nicht her- aufbeschwören können, wie st« jetzt ein, g«wifsenlose Spekulation herbeigeführt hat, deren Kerntrupv« in Deutschland sitzt und au« der Not des Reiches maßlos« Gewinne zieht. Die im ersten Lahre fälligen Zahlungen der Wlrdergutmachungsfchuld. die man auf 3,3 Milliarden Gold schätzte, ist w der den bisherigen �ugenüveranftaltungen. Bereln ArLeiier'IugeAd. Sekretariat: GW. 6ß, Lfobetistt. 8, 2, Hof Uiitf/ 2 Treppen recht». Telephon: Apl. 121 iB— 1ea»te,.—_____ W... I Uhr aienbe. eine« jüdische» Mufitadend unter Mitwirkung de» aemischten ' Ar»eit»r.S.»»rit«.«»len»e Ueuklln. Don» jüdischen Ae»eIter«,BA.— neretag, den 9». Sm>te«bee. ieev-Atnge»«che»egingftMße, Aeeie Arbeiter.«!»»« Mennt.BeriebimIung je. Wichtige Tagen, stus aller Welt. OpferwlMgkelt der Deutschen l» Sgn Salvador. Nachdem M« Deutschen in San Salvador erst vor kurzem 3850 M. für die Studentenbilfe und 8000 M. zur Speisung armer Flensburger Kinder gespendet hatten, hat die kleine deutsche Kolonie daselbst neuerding» 20 000 M. der Deutschen K i n d e r b i l f« und 10 000 M. der Studenten Hilfe Berlin überwiesen. Sport. vi« SMtzeeftyest der zeUnogsfahtee, Unter»et frei tun« Im SOundn Deut- Mm Siabstchaee gelangt am Sonntag, den 2. Ofcobct, die Meistaeschaft der gar. tunaofuha«,»ie da» Start und dem 8iel>» Doutschen Stadntn, zum zweiten Male zum Auatraa. Da« Rennen wird oon den Fahrern in ArbeitaAetdung und auf den zum Aussahren der Zeitimgen benngten Fahrrildrrn grfahrrn. Di» Strecke de« Rennens führt vom Deutschen Stadion am Bahnhoi Heerstraße vor» bei in die Loufelsfee-Chaussee, von dort biegt der Weg in die Wannsee-Chausse«, setzt sich am Forsthausstern recht« einbiegend zur Havel fort, führt über den Kaiser-Wilhelmo-Verg und biegt vor der Brücke Über den Eldhenfee wieder in die Heerstrage. Um 2 Uhr nachmittag« beginnen die Darbietungen mit eine» Flieaertresfen, AN de« der Weltmeister vrask Andersen(Äopenhagrn) mit be« beutichen Meisterfahrer Drohten lassen), dem Zweiten der deutschen«eister» schof!.»alter Heidenreich svreelau) und drei Berliner Fahrern zufemmentreffrn wirb. Die•ruppe der Amateure In dar Ateisterschast»et— u»» Uhr WWWI___. 8*lU>«t«fe)*M starba« »ie 4 nippe»et Berufakeher n» tih Ude.•rcBeekanf bei A.«en», ige nn» in bee SeschkßptzMe»«„AegMelt",»er- hei», A«sin, Jeipzizer«trage an, Iteutnlueget Alraße 6.__ Wetterbericht»U«««««»tag Mittag.»r»gteeckeM wecken rnt» vlesiach be-ter, aber ziemlich kühl bei meist ichtvachen veründerliibrn«lndra. L» der Nacht zu Donnerstag stellenweise leicht«: grchl. Mmschau. Rovody ist ein Ftlmbandwuim»on S2 Alien. Daß wnsiie man schon lange v«r der Uraussuhrung im Sport-Paiast, und mehr weis; man auch nicht, nachdem man die ersten drei Alte sah. Man wurde Zeuge, dag der Universai-Artist Sylvester Schäfscr dmch seine Darbietungen ein gangeZ Valieliprogiamm süllt und daß die amelilanischc Reklame sich nicht nur aus der Leinwand breit machte, sondern auch in den Sport-Palast selbst bineingetragen wurde. So gab eS Wagenladungen»oll Kränze,»in Künsllerinnenhand zerpflückte Blumen, die gnädig unter das sich um diese Blüten belegende Publilum geworsen wurden und ein« durch Srüne»bze- sperrte KünstlerloGe. „Alpenshmplionie�. Mit Recht nennt Arnold Frank feinen fttt Ufa« Palast, Taucntzien st ratze, lausenden Film.Alpensymphonie'. Natur- aulnahmen von vollendeter Schönheit entrollen sich vor dem Beschauer. Eine Handlung liegt diesem Filmwerl nicht zugrunde, eS wird lediglich gezeigt, wie zwei Touristen-derra», Mchorrid«»ondstratz, u. schicke,. Knamn 1,80 M. — G. St. 13. Ohne eigen« Mittel nicht«»glich,«ensea Gz, stch an b,a SiedlungSamt der et, dt»ttH,. Berlin KW.,««»»stockstrohe M. 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Stent e-ftemst: Schuldner.... «arm-Kt«.- Bestend OnBnnM.BKlust.tti» »007.27 11081,07 1491,87 40 893�5 •tamailaplSld.. »meffnv-destlfficht st»nt«-N,>r«»t: «litablgK 12000,- 10000,- l» 008,80 44?�8S Ottlle GwAdiaK««rde» hie»- buech«nsg«sor»Kt> ihr« etaiai- gen Ferderun««» mvgehend g«U«o-u mach«. 190,10 »Kit». 10«»,ust 1001. n*Tt»ehnert L,d»i»»elf OekarSch» Siqui- deleren E« finden außer den am Sonntag, den LS. d. M. gegebenen, folgende Versammlungen statt: bereits bekannt- Bezirk 1»: Lichterfelde. Restaurant stenaN. stlnbenburgdamm 80. Freitag, 30. Scptemder, adead» 7-/- Uhr. Bezirk IS: Adlershof. Restaurant Bafchin, Sedanstraste 3. Donnerstag, 29. September, abends 8 Uhr. Bezirk 17: Lichtenberg. Schulaula, Marktstrehe 9,10. Donnerstag, 29. September, abend» 1 Uhr. GberSwaldr. Müller« fiestsklle, Sdillkenstrotze 1. Dooaerstag,—-■--- ,29. Septimbcr, abend» 8 Ahr. Trebbin. (Sesellschastshaus. Bahnhsfstrab« 8. Sonnabend, l. Oktober, abend» 7>/, Ahr. Schönow usw. 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WlilieLaotTh. « uhr- Aaerican-Glrl Tntlmes Tkeator 5: Die Speloflkc/ Laal doe* nicht immer onekt herana H.1. Sehaanpielhian» vv, uhr Reigen Freitag 7 Uhr: K«W J.rinhaplolhjon« uhrDieSchenspieier JH eta*• p• 1- T h c a t c r 7 uhr: m SlraiensäaprtD Vctte» 9pcrettontho«t. 8 Uhr: vh lSlW 1 ISCbt Kenea Thcat.». Zoo 8 uhr: Sil kieloe Lecissit ■Sonnab.: Roda-Roda-Premiore XeneoTolkotheoter 7v,u.: DtrSebrel uebiiM ScUlller-TkeAt.Chnrl. uh?: RWiter tsh hlmi Schle&park- Th. Steglitz 7v. u= Alles im Geis Th»U«-XU«oter Tfatx: Scbsa' Dieb, IM T h• Am N• U en«I« rf]p 1 Ata 3�: Wobi tötige Frans« u�Der fetter ms ßlogsiii Theater Woatcno 7v-u.: üle Braot ILkdIIbs Th.l.d.Koa»■»—<«« tmotr. (Jüdisches KBaotier-Tkooter) 8 Uhr; Novolle VCrUlBar-ThoatOer 7.39 Uhr: NiXChen Voik«BR«rttto Walhalla-Th. S; Die schöne Hcleni Residenz-Theater Täglich V/a Uhr: D.König in Paris ( Lo Kol) Loatsp. t. Flers u. OniHaret Olga Lüsharg, Kalier- Tin, Forle Kiladtr, Oskar äaho Richard»«nlat, Lotte Pewte Trianoti-Theafer Mcat«'/jS Uhr: Ida WUst in IMIM« Donaorsttg, den 39. 9, 7 Uhr ZHn ersten Male; Tod und Teufel vea fi«nk Wedekind Vorher; D. Kaminoreancor Ida Wüst. Erich Kaiser-Titx, Käthe Heaek, Heiar. Schreth, rrTw. Kaiser jidmirals Palast P/i Uhr: Die ret �öchuhe [ II Schlager Volksbühne Theater am BQlowplatz T1� Ufir: Da« Postamt/ Die Komödie der Irrungen Lessing-Theater Heete n folgende Taga TV,: Die Spielereien ein. Kaiserin (Durleox, StetarOck, Olmer) Denlsclies lOnstleF-Hieater Allaheadlich T'/.Uhr: Die Ballsrina des Königs (Lcoaoldlac Keaetaatln) Kleines Theater Täglich 8 Uhr: Frl. Josette— meine Frau Engen Borg, Borola Toclle, Jul.Falkenstetn, Lotte Kllnder, Kaas Albers. Rose Theater I Uhr: Die Bürger« meisterwahl kcmisdte Oper 7'A Uhr qxe, y'AUhr mrdhvoitivt Optrmfft von Cto Slich Felles Cnprlce LtnlcHStr.132 amOraaienbg.T. Tkfllch 8 Ohr: D. 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Schiller•* Regle: Karlheinz Mariin Mitwirkende: Friedrich Kühne» Paul Harfmann» Werner Kranfj» Margarete Christians Hagenbrnch» Rainer» Wilhelm Dieferle» Ritter» Paul Lange» Kampers» Nunberg Diegelmann» Rasp» Eichhorn» Richard» Fürst» Ncmefz» v. Alten» Rodenberg Dagbofer» Roos» Amen dt» Lergmann» Grotjmann Komödienhaus Freitag, 30. September, 8 Uhr: Zum 2Sa Male: Der amerikanische burleske Schwank von Walter D. EI Iis Bearbeitet ron Julius Horst und Alexander Engel In England seit 7 Jahren ununterbrochen auf dem Spielplan: jonnys Busenfreund Hauptdarsteller: Hai Palenberg* Baas f aBmann Lili Breda. Maly Delschaft, Hermann Picha, Frieda Lehndorif, Rudolf Jünger ÄPOLLfl-THEÄTER Direktion: James Klein 8 uhr Ab 1. Oktober s uhr Frau Lima Groüe Ausstattungs-Operette von Panl Lfncke, unter allabendlicher persönlicher Leitung des Komponisten OscarSabo a.G JlseBernafFranlniia] Martin Kettner. Fritzi Arco Fritz Steidl, Dora Hagen Original-Grilalis- Li-Ballelt Vorverkauf ab 10 Uhr ununterbrochen geüffnet öf06es Schauspie, � des Abonnemenfsverkanls Spielzelt I92I/1W2; Sonnabend, den 8. Oktober.— 6 verschiedene Vorstellungen. Die Preise der Plätze für jede Vorstellung betragen: .. Parkettlogen «. Parkettring. .. Ringlogen. .• Balkon., .. 1. Ring.. •. 2. Ring.. .. 3. Ring.. an der Tageskasse Mk. 60.— Mk. 45.— Mk. 50.— Mk. 30.— Mk. 25.— Mk. 20.— Mk. 10.— im Abonnement EaBlSSiSi3R9tl9B�BHI U-S-LINES Vorzügliche Reisegelegenhelt mit den größ�-ein zwischen Deutschland und Amerika verkehrerden erstkltssigen und sohnellen Doppelsohrauben- Salondampfern „George Wsshlngton",„AmerletH u. A. ab c36ufiss!h®m S-Safsn BREDEN- CANADA Auskunft und Fahrschein# durch GENERALVERTRETUNG NORDDEUTSCHER LLOYD BREMEN unü seine Vertretungen In Berlin: Norddeutscher Lloyd Kajüten«: bureau, Unter den Linden 1(Hotel Adlon). F. Montnnus, Invalldenstraße 93. 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Am Regierungstisch: Reichskanzler Dr. Wirth. Reichsministec des Innern Dr. Gradnauer usw. Während sich die Abgeordneten von den Platzen erheben, hält Präsident Löbe einen Nachruf aus die aus dem Leben geschiedenen Jenlrumsabgeordneten Trimborn, Dr. liitz«, Durlage und Erzbsrger, deren Plätze mit Lorbeerkränzen und Gcwin- den aus blauen Astern geschmückt sind: Der Tod hat in der Sommerpause unter den Abgeordneten, besonders der Zentrums- fraktion reiche Ernte gehalten. In dem Sozialxolitiker Hitze ist ein Senior der deutschen Parlamente dahingegangen. Die verstorbenen Abgg. Trimborn und Burlage waren auf allen Seiten deS' Hauses Holl) geehrt und geachtet.— Erschütternder als alle dies« herben Verluste wirkte auf uns die Nachricht von dem kiickifchen Morde, dem unser Kollege Erzbcrger erlegen ist und der unser Land in neu« schwere Unruhen gestürzt hat. Denn er war nicht die vereinzelt« Tat eines verstiegenen Fanatikers, sondern er war der kühle, b l u- tige Ueberfall ausgeschickter Mordgesellen. Schlimmer fast ist noch, daß es vor der Tat Personen gegeben hat, die sie offen herbei- wünschten, und daß es nach der Tat Personen gegeben hat, die sie billiqkcn und enl'chuld igten. Man billigte die Tat derer, die vor- gaben, dem Vaterland« einen Dienst zu erweisen, und die doch nicht den Mut haben, ihre Tat einzugestehen und zu oerantworten. Man sah nicht, daß sie da» Kleid des Offizier« mit MSrderblut befleckt hatten, daß sie vor dem Auslande die Armee herabsetzten, die vor- der schon schweren Angriffen ausgesetzt war. Der gefallene Kollege Erzberger hat gewiß oft in härtestem Kampfe gestanden und auch Kritik herausgefordert, aber er hat auch gearbeitet im Dienste des Parlaments und des Landes wie nur wenige. Vielleicht mag ihm dabei mancher Fehlgriff unterlaufen sein. Wer die Verantwortung nicht in seine Hände nimmt, der ist vor allen Fehlgriffen gefeit. Die aber, die den Kampf vom politischen Feld« auf das persönlich« G«bi«t übertragen, di« haben keinen Grund, sich zu entschuldigen. Schon in Biberach sagte ich: Möge die Geschichte ihm geben, was viele seiner Zeltgenossen ihm versagt haben, möge sie an seinem Namen gutmachen, was an seinem Leben nicht mehr gutzumachen ist.— Der Präsident gedenkt weiter des Ablebens des Abg. Reiß-- haus(Soz.) und der Opfer der Katastrophe In Oppau in tiefempfundenen Worten, die dos Haus stehend anhört. kleine Anfragen. Ans der Tagesordnung stehen dann 23 kleine Anfragen. Stuf eins Anfrage des Abg. S ch m i dt- Köpenick(Soz.), was die Reichs- reaierung zur Arbeitsbeschaffung für Arbeitslos« deutscher Arbeiter in Pommern zu tun gedenke, wird erwidert, daß die Reichsregierung im Einvernehmen mit den Einzelregierungen Schritte unternommen habe, um den einheimischen Arbeitern vor den ausländischen Arbeit zu sichern. Auf dt« Anfrage des Abg. Künstler(U. Soz.) wird mitge- teilt, daß bezüglich der Pensionierung des kapllönleuknanls Ehrhardt nach den gesetzlichen Bestimmungen verfahren wurde. Das Haus vertagt sich. Mittwoch, 2 Uhr: Schleuniger Antrag der Kommunisten auf Aufhebung der Strafhaft des Abg. Thomas in Bayern. Kleine Vorlagen, Vorlage über die Teucrungs- zulags für Beamte und Staatsangestellte, sozialdemokratisch« Jnter- pellation über das Explosionsunglück in Oppau. Schluß: nach 5 Uhr. Das Rätsel von Oppau. Di« Direktion der Vadischen Anilin- und Sodasobrik hat gestern der Berliner Press« über das entsetzliche Massenunglück von Oppau berichtet. Den Vorträgen der leitenden Chemiker, sowohl der Badi- schen Anilin- und Sodasabrit wie der Kalkstickstoffindustrie, die ihren Stickstoff bekanntlich aus der Luft gewinnt, ist zu entnehmen, daß der Ammonfulfatsalpet« nach den zahlreichen Versuchen, die vor Inangriffnahme seiner Herstellung, also schon viele Jahr« vor dem Kriege, und sesther oftmals angestellt worden find, keinerlei Spreng st offsigcnfchasten hat. Ammonsalpeter für sich allein bildet zwar einen Bestandteil verschiedener Sprengstoffe, ebenso wie Nalron- oder Kalisalpeter, die bekanntlich beide keineswegs Explosivstofs« sind: die Verwendung dies-zr Salze zu Sprengmitteln beruht lediglich darauf, daß sie bei Erhitzung Sauerstoff abgeben: zu Explosionen ist aber die Gegen- wart eines Sauerstoff aufnehmenden, also verbrennenden Körpers erforderlich. Das in Oppau hergestellte Düngesalz enthält nun neben dem Ammonsalpeter noch Ammonsulfat— dieselbe Substanz. deren Lösung verwendet wird, um Theaterkulissen und sonstig« gegen Feuer zu schützende, an sich brennbare Stoffe unbrenn- bar zu machen. Es kann also aus der Mischung dieser beiden Salze ein Sprengstosf nicht hervorgehen, und es hat auch niemals vorher, so berichtet di« Direktion, eine Erplosion diescs vielverwendeten Düngesalzes stattgefunden. Ja es ist sogar in einem der Oppauer Werksgebäude. das von glühenden Sprengtrümmern betrosfen und zerstört wurde, eine Meng« von 7000 Zentnern Ammonsutsatsolpetcr unverändert liegen geblieben. Wohl sind festgcworden« Blöcke des Salzes zum Zwecke der Zerkleinerung gesprengt worden, es sind aber vorder an 20 000 sosch.-r Sprengungen in Oppau und anderwärts auegeführt worden, selbst noch zwei Tage zuvor in demselben Lager von demselben Sprengmeister, ohne daß dabei irgendwie mehr passiert wäre, als daß die Blöcke zerkleinert wurden. Ein Zeug«, der sich nachträglich gemeldet bat, bekundete, daß am Unolückstage ein« Sprengung in dem verbängmsvollcn Loger vorbereitet wurde, das 4300 Tonnen des Düngesakzes enthalten hat, aber dieser Umstand an sich gäbe nach dem Vorstehend-n noch keinen rrmügenden Hinweis auf die Ursache des Unglücks. Auf der anderen Seite ist vermutet worden, daß vielleicht«in« Er�osion in der neben dem Lager liegenden Fabrikation de, Düngesalzes»rsolgt ist, aber auch dafür febtt nach dem Stand« der chemischen Wisienlchaft «in- Ursache. Der Vermutung, daß der hob- Druck von 200 Atmo- sparen, unier dem die Fabrikation geschieht, di? Explosion verschuldet baben könnte, wird«ntgeocngehalten, daß di« Druckleitungen bei der Erptoston vollkommen intakt geblieben sind, die Dichtungen haben gehalten und di« Leitungen sind nachher abgesperrt worden. Wenn im Laufe der Erörterungen auf andere Ervlosionen hin- gewiesen worden ist. so ist»u bemerken, daß dos Unalück in Tschor- newib-Golva vor einigen Jahren in einem ganz anders gearteten Betrieb erfolat«. nämlich in einem solchen, wo der Stickstoff ans der Luft ans elektrischem Wer« gewonnen wird. Dabei war Toluol nls Küdtunasmittel verwendet und ein Kesiel undicht geworden. Dieses Unakück ist restlos aufgeklärt, ebenso die gleichartigen Unglücks. fäll« von Dodio in der Schweiz und von Rhina. Ausdrücklich er». klärt die Direktion, es sei unrichtig, daß vertvcht worden sei. den Gaedruck für di« Fabrikation aewoltig. wie behauptet ist, auf 1100 Atmosphären zu steigern: auch sei es unwahr, daß die Svreng- mcister Prämien für besonders große Spmnoungen erhalten hätten U-kn-ioens habe Oppau nur halb gearbeitet, weit es an Stickstoff kehlte. � ,, Die Vortragenden hoben noch hervor, daß iosort nach dem Un- glück die niibt betroffene Belegschaft die Geistesgegenwart hatte, die noch laufenden Merke stillzulegen, zum Teil unter eiaener ?-bensgefahr, wodurch welier-s Unglück vermi-d.m wurde. Unter .«öintanfetzuna d«s eigenen Leben, haben die Arbeiter und Angestellten das Menschenmöglich« beim Rettung-wert geleistet. Soisonprodukt ist und in densenigen Monaten, wo es nicht für d!e Landwirtschaft abtransportiert wird, ausgespeichert werden muß. Die vierte Totenliste weist 14 Namen aus. Di« Zahl der noch nicht erkannten Leichen betrögt auch heute noch 75: die Zahl der von den Angehörigen als vermißt gemeldeten Personen ist um 70 auf 100 gestiegen. Zllle 7000 Werksangehörigen werden bei der Ausräumung und auch schon beim Wiederaufbau weiter beschäftigt: für die Hinter- bliebenen und Verwundeten wird möglichst ausreichend gesorgt: Spenden aus dem In- und Auslande fließen außerdem in reichlichem Maße. Der Neichshilfsausschuß für Oppau gibt bekannt, daß kleinere Liebesgabeusendunaen aus dem Bereich von Groß-Verlin und Um- gebunq beim Deutschen Roten Kreu�, Charlottenburg, Berliner Str. 137, Zimmer 2, abgegeben werden können. Das Deutsche Rote Kreuz wird sie jeweils gesammelt an den Stadtrat in Ludwigshafen weiter- senden. Der Stickstossdüngc-Ausschuß beim Reich-ernährungsministerium hat gestern ein« Erklärung beschlossen, daß nach den mehrjährigen Erfahrungen und der Darlegungen technischer Sachverständiger kein Grund vorliegt, die Lagerung und Verwendung dieses Düngesalzes in der Landwirtschaft in irgendeiner Weise zu beschränken. » Man steht eckso tatsächlich vor einem Rätsel. Bei dem hohen Stande der deutschen chemischen Wissenschast ist jedoch die Hoffnung berechtigt, daß die sofort einsetzende energische Forschung Kiarheit bringen wird, um«ine Wiederholung dieses fürchterlichen Unglücks, soweit menschenmöglich, zu verhindern Jedenfalls dürfte die Lage- eprs Ein harter Wahlkampf istbesdenStadloerordnetenwahtenamle. Oktober auszufechken. Die Gegner der Einheitsgemeinde versuchen mit allen Mitteln, die Macht an sich zu reihen An Geldmitteln fehlt es ihnen nicht. Die kosten de» Wahlkampse» sind auch für unsere Organisation sehr bedeutend. Aus den Beiträgen der Mitglieder allein können sie nicht bestritten werden. Mir ersuchen deshalb alle Gcnosien, die dazu in der Lage sind. freiwillige Seiträge für den Wahlfonds ans Postscheckkonto Nr. 4S7 43 an Alex Pagets. Bezlrksverband Berlin SPD., SW öS, Lindenstrahe 3. einzusenden. Der Bezirksvorstand. Di« Zahl der Toten wird auf 350 bis 500 geschätzt, die Zahl der Verwundeten auf 400 bis 500. Die Anhäufung der großen Menge des Dlmgesalz«? wird damit erklärt, daß es«in rung so großer Mengen des Düngefalzes an einer Stelle In Zukunft wohl zu unterbleiben haben. Da doch nicht damit gerechn-?t werden kann, daß irgendwie«in brennbarer Stoff, wie er zur Ex- plofion erforderlich ist, dem Düngesalz beigemischt worden wäre, so bleibt logischerweise nur der Schluß übrig, daß sich in der chemischen Zusammensetzung des Produktes irgendwelche gefahrschwangere Aenderungen vollzogen haben müssen, di« man noch nicht kennt. Senesch gegen Ungarn. Prag, 27. September. sWTB.) 2m Ausschuh für auswärtige ffrUfa sfn&.sirtijRifi.r TXffnfjftfi scff, die ungarifcye cn ue Pflicht Halle, überall in friedlichem Sinne zu wirken, insbesondere schon deshalb, weil, falls die westunzarische Angelegenheit nicht friedlich gelöst werden sollte, es zu Zwangsmohnahmen kommen werde. woran die Tschechoslowakei direkt interessiert sei. Prag, 27. September.(WTB.)„lllarodni Listy" melden aus Preßburg, daß sich ungarische Bonden an der t s ch e ch o s l o w a k i- schen Grenze gegenüber dem Preßburger Brückenkopf über Nacht eingegraben haben. Schliffe im Ungarnparlament. Im Horthy-Parlamcnt hat dieser Tage ein gewisser Ibrahim Georg K ö v e r auf die Ministcrbank geschossen und dabei angeblich gerufen:„Geht nach Westeuropa, Euren Patriotismus beweisen!" Zuerst verbreitete man, der Attentäter stehe mit der Republikanischen Partei in Verbindung, denn Ungarn ist bekanntlich stramm königlich. Jetzt gibt aber sogar die Polizei bekannt, daß der Attentäter, der 40 Jahre alt ist, in keinerlei Verbindung mit irgendeiner politi- schen Partei steht und die Tat auf eigene Faust verübt hat. Es handelt sich um einen, wenn auch nicht geistig gestörten, so doch exaltierten Menschen, der vor einigen Wochen vom evangelischen Glauben zur mohammedanischen Religion übergetreten ist. Er war mehrere Jahre in russischer Kriegsgefangenschaft und bezeichnet sich selbst als Republikaner und Sozialist, obgleich er, wie sich bei seiner Vernehmung herausstellte, höchst unklare Ansichten über denJKarxis- rnus hat und u. a. Napoleon als Begründer des Sozia- l i s m u s ansieht. Köver gibt in seinem Tagebuch und bei seiner Vernehmung an, daß man in Ungarn henke nur durch Gewaliaktionen etwas unternehmen kann, da sonst jede Möglichkeit der freien Mei- nungsäuherung fehlt. Durch die Unterdrückung der Preß- und Per- srmmlungsfreiheit werde jede Opposition unmöglich gemacht und jede Kritik des bestehenden Regime- verhindert. Niemand kann gegen die kriegerischen Abenteuer protestieren, da die Zensur nur die chauvinistischen Artikel und Veröffentlichungen zuläßt, niemand gegen die legitimistische Agitation auftreten, weil er sonst dem Terror aus- geliefert ist. Unter niesen Umständen bleibe nichts anderes übrig, als diesem GewaUreglme gegenüber gleichfalls zu Gewalimilleln zu greifen, um dadurch der öffentlichen Meinung im Inland und Ausland zu zeigen, daß es auch noch Republikaner und Kriegsgegner in Ungarn gibt. Ueber das Attentat gibt Köver an, daß er nicht nur den Minister- vräsidenten R a k o v s z y. sondern auch den Grasen Julius A n- o r a s s y, den Prinzen Windischgrätz und den Markgrafen P a l l a o i c i n i erschießen wollte. Er sei überzeugt, daß diese Männer die Häupter der ungarischen Kriegs parte! seien und die Absicht hätten, den Karl nach Ungarn zurückzubringen. Die Untersuchung hat aber ergeben, daß die Waffe des Attentäters eine so geringe Durchschlagskraft besaß, daß die Kugeln unter keinen Um- ständen jemand hätten töten können. Nach dem Abfeuern des ersten Schusses flüchteten die meisten Abgeordneten panikartig aus dem Sitzungssaal. Der Attentäter wurde von einem Kriminalbeamten überwältigt und von mehreren Tribllnenbesuchern mit Prügeln bedacht, so daß er in arg zugerichtetem Zustande auf der Polizeiwache ankam. Die Staatsanwaltschaft hat gegen Köver das Verfahren wegen versuchten Mordes eingeleitet. Zrieöensfabotage im amerikanischen Senat? New pork, ,27. September.