Nr. 450 ♦ 38. �ahrgaag Ausgabe& Nr. 232 Bezugspreis» BlertellSyrUM,— M.. mona». 10�- Sl. frei ine Saus, vorau» zahlbar. Pofi- bezug: Monatlich 10.— M. einschl. Zu- süünngsgediihr Unter Kreuzband für Deutschland. Danzig. das Saar» und Memelaediet. sowie die ehemal» deur- schen Gebiete Polen» Oesterreich, Ungarn und Luxemdurq SV,— M.. für da» librige Ausland S?.— M. Post- bestellungen nehmen an Oeslerreich. Ungarn. Tscheche» Slowalet. Däne- mark. Holland, Luremdurg. Schweden und die Schweiz. Der.Borwürts* mit der Sonntag». beilage.Polt und Zeit' der Unter- hallunzsbkilage«Heimwelr" und der Beilage„Siedlung und Kleingarten' erscheint wachentäglich zweimal. Sonntag» und Montag» einmal. Telegramm- Adresse: „Sozialdemotrot Berlin" Morgrn-Ansgahe ( OroB- Berlin 30 Pf. auswärts 40 Pfennig D Devlinev Volk�blelN Anzeigenpreis: Die achtgespaltene Nonpareillezeile tostet S,— M.„ktleine Anzeigen" da» settgedruckte Wort 2,— M.(zulässig zwei fettgedruckte Watte), jedes weitere Wort l.— M. 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ZNinisicrpräsident D rland als Dorsiizender des Obersten Rates hat dein deutschen Botschafter Dr. Mayer heule mittag eine Rote überreichen lassen, in der mitgeteilt wird, dah die wirtschaftlichen Sanktionen mit Birkung vom 30. September aufgehoben werden. An die Mitteilung schlicht sich folgende Aufforderung an: Die AlMerten laden die deutsche Regierung ein. möglichst bald ihre D e- legierten zu bezeichnen, die zusammen mit den alliierten Sachverständigen die Modalitäten festsetzen werden, nach denen die Lizenzen geprüft und ausgestellt werden, in Uebereinstimmung mit der Entscheidung des Obersten Rates vom 13. August 1321. Die UeberwachungskommMon. Paris, 28. September.(EE.) Amtlich wird folgende Note ver» öffentlicht: Die Artikel 264— 2S7 des Versailler Vertrages verbieten es Deutschland in formeller Weise, in seinen Handelsbeziehungen irgendwelchen Unterschied zum Nachteil eines der alliierten Staaten walten zu lassen. Deutschland hat jedoch eine Liste der für die Ein» und die Ausfuhr verbotenen Waren aufgestellt, und zwar dergestalt, daß die Interessen mehrerer alliierter Länder, besonders derjenigen Frankreichs, verletzt werden. Die französischen Kaufleute haben nicht aufgehört, darzulegen, daß Erzeugnisse in großer Zahl von den deutschen Märkten durch der- artige Verbote ausgeschlossen sind, Erzeugnisse, deren Einfuhr aus anderen Ländern gestattet ist. Die Botschafterkonferenz hat bei der deutschen Regierung in dieser Hinsicht zweimal Schritte unternommen, die aber ohne Ergebnis blieben. Die Ange- legenheit wurde endlich vor den Obersten Rat gebracht, der enschied, daß diesen Vertragsverletzungen ein Ende gemacht werden solle. Er knüpfte die Aushebung der wirtschaftlichen Sanktionen an gewisse Bedingungen. Die Note wiederholt dann den Beschluß des Obersten Rates, der diese Bedingungen, die ja bekannt sind, betrifft. Die deutsche Regierung bemühte sich, diesen Beschluß unwirksam zu machen, indem sie dessen Bestimmungen anfocht. In ihrer Note vom 26. August erklärte die deutsche Regierung, daß sie mit der Schaffung eines interalliierten Organismus zur U e b e r wachung der Ein- und Ausfuhrerlaubnis einver- standen sei, machte ihre Zustimmung jedoch von gewissen Vorbehalten abhängig, die der französischen Anschauung nach einer Ablehnung gleichkamen. In den darauf solgendßn Besprechungen legte Deutsch land dann seine Absicht genauer dar und es betonte, daß die von dem interalliierten Organismus ausgeübte Kontrolle der Ausgabe von Erlaubnisscheinen durch die deutschen Behörden der Souveränität Deutschlands Abbruch täte und daß Feststellungen nach Ausgabe der Lizenzen als genügend erachtet werden mühten, um die Alli ierten über deren Inhalt zu unterrichten. Die französische Regierung wandte sich gegen eine derartige Auslegung des Be- schlusses vom 13. August, die dem Wortlaut der Bestimmungen zu- widerlaufen würde. Diese Bestimmungen forderten, daß der inter alliierte Organismus mit den zuständigen deutschen Stellen bei der Prüfung der Ausfolgung von Ein- und Ausfuhrerlaubnissen mit- wirken sollte, derart, daß diese Zusammenarbeit vor Ausfolgung der Lizenzen erfolge. Die deutsche Auslegung läuft dem Geiste der Entschließung vom 13. August zuwider, weil diese den Zweck hat, den» Unterschied ein Ende zu machen, den die deutsche Regie-� rung zum Nachteil der Alliierten, besonders Frankreichs, walten ließ. Die deutsche Regierung suchte bei den Alliierten Frankreichs, insonderheit bei England, Unterstützung. Nachdem jedoch ein Ge- dankenaustausch stattgefunden hatte, erklärten die Engländer die französische Auffassung für berechtigt. Sobald die deutsche Regierung dieses Einvernehmen feststellte, gab sie nach und nahm am 22. September die durch die Entschließung vom 13. August gestellten Bedingungen ausdrücklich an, ebenso wie sie sich mit der Auslegung einverstanden erklärte, die die Wiierten dieser Ent- schließung gegeben haben. Gleichzeitig stimmte Deutschland einer Zusammenkunft alliierter Sachverständiger mit deutschen Vertretern zu, die eben- falls in der Entschließung vom 13. August in Aussicht genommen war. Diese Sachverständigen würden das Ueberwachungskomitee einzurichten haben, damit für den Fall, daß ein Unterschied in der Erteilung von Lizenzen festgestellt würde, die alliierten Regierungen ein Mittel in der Hand haben, sich dagegen zu wenden. Die Aufhebung der wirtschaftlichen Zwangsmaßnahmen wurde der deutschen Regierung am 28. September mitgeteilt. sfiltl Iii ZMSN. Koalitwnsfragen. "ö 5 V � V V-Ä- V-r V V V Auq den llirörternnnan die s>!ss»a? iiltay S?» lieferte Material in St. Ouentin konzentriert werde, um von dort in die zerstörten Gebiete entsandt und verteilt zu werden. Englisch-belgische Opposition. Poris, 28. September.(MTB.)„Malin" erklärt, die Frage der Prüfung des Wiesbadener Abkommens solle in der Repara- tionskommission erst wieder aufgenommen werden, wenn sie spruchreif sei. Nach dem„Ouevre" soll das Abkommen noch unvollständig sein: man habe vieles nur provisorisch be. 'handelt und noch nicht erledigt und warte eine neue Begegnung! der Minister ab. Unter diesen Umständen habe die Reparations- kommission geglaubt, daß sie noch nicht die erforderlichen Unter- lagen für eine Entscheidung besitze.„Ere Nouvelle" sagt, man hoffe außerdem, daß man bis zur neuen Zusammenkunft der! M i n i st e r imstande sein werde, die offenkundige Feindseligkeit gewisser Alliierter gegen das Abkommen zu entwaffnen. Tatfäch-' lich widerfetze sich England gewissen Klauseln und Belgien mache gewisse Borbehalte. Nur Italien, das ja inzwischen auch ein Ab- kommen mit Deutschland getroffen habe, zeige sich geneigt, ohne Erörterung das Abkommen von Wiesbaden zu ratifizieren. Das Abkommen von Wiesbaden. Paris, 28. September.(EE.) L o u ch e u r erstattete heute der Kommission für die befreiten Gebiete Bericht über die Wies- bodener Abmachungen. Er legte in großen Umrissen das Projekt dar und hob besonders hervor, daß die Deutschen Frankreich Bau- Material liefern werden. Die Preise hierfür werden a u f das Reparationskonto gebucht werden. Die Materialien werden zu einem Preise, der in Frankreich für dieselben Qualitäten üblich ist, geliefert werden. Eine Kommission vo» zwei Sachver- ständigen, einem Deutschen und einem Franzosen, wird die Preise festsetzen. Sollten sich Meinungsoer schiedenheiten ergeben, so wird ein hoher schweizerischer Funktionär entscheiden. Loucheur fügt» hinzu, daß alles von Deutschland ge» Vertreter Gberschlesiens in Genf. Oppeln, 28. September.(WTB.) Der Dölkerbundrat hat als Vertreter der vberschlesischen Industrie folgende Pcrsön- ' lichkeiten zum Zwecke der Berichterstattung nach Genf berufen: Bon deutscher Seite: Bergrat Dr. Geisenhcimer, Geschäftsführer des Oberschlesischen Berg- und Hüttenmännischen Der- � eins, und Gewertschaftssekretär Karger vom Bezirkskartell der freien Gewerkschaften. Als Vertreter der polnischgesinnten Beoölkerungs- teile Oberschlesiens sind Herr Grobianowski, der früher für den Berg- und Hüttenmännischen Verein tätig war, und Gcwerk- schaftssekretär K o t t, der an der Spitze der polnischen Berufsvereini- gung steht, nach Gens berufen worden. Die Vertreter sind bereits in Genf eingetroffen. « Die Berufung des Genossen Karger, der gebürtiger Ober- schlesier ist und an der Spitze des Metallarbeiterverbandes in Oberschlesien steht, ist durchaus zu begrüßen; denn Karger hat durch feine langjährige Tätigkeit für die oberschlesifche Arbeiter- schaft einen Einblick in die dortigen Verhältnisse bekommen, der ihm die nötige Eignung zu diesem verantwortungsvollen Amte gibt. Wir hoffen, daß der Völkerbundrat dem Bericht Kargers die Bedeutung gibt, die ihm als Vertreter d�r ober- schlesischen Arbeiterschaft zukommt. Bergrat Geisenheimer, der seit langen Jahren für die Organisation der oberschlesischen Industriellen tätig ist, ist ebenfalls in der Lage, die Arbeits- und Induftrieverhältnisse in Oberschlesien so zu schildern, wie sie wirklich sind. Bedauerlich ist es, daß der Völkerbundrat, der mit dieser überaus verantwsrtungsvollen Aufgabe betraut worden ist, es unterläßt, das oberschlesifche Problem im Lande selb st zu studieren. Von deutscher wie von polnischer Seite sind derartige Wünsche ausgesprochen worden. Wir wissen nicht, ob der Völkerbundrat sich etwa nicht noch nachträglich dazu entschließen sollte, Oberschlesien zu besuchen; er würde sich dann, genau wie es F i m m e n und I o u h a u x getan haben, am besten davon überzeugen können, daß Oberschlesien eine wirtschaftliche Einheit darstellt und daß jede Teilung Ober- schlesiens, daß jede Abtrennung oberschlesischer Gebiete, die oberschlesischen Interessen und vor allem die Interessen der oberschlesischen Arbeiterschaft aufs allerschwerste schädigen würde. TaS Industriegebiet für Deutschland? London, 28. September.(WTB.)„Eoening Standard' zu- folge wird erwartet, daß die vier Mitglieder des Völkerbundrates, denen die oberschlesifche Frage unterbreitet worden ist, binnen 14 Tagen ihren Bericht erstatten werden. Ihre Entscheidung werde wahrscheinlich in der Hauptsache zugunsten des Bestrebens Englands und Italiens ausfallen, das Industriegebiet Deutschland zu überlassen. Gin Deutscher in Moskau verhastet. Berlin, 28. September.(OE.) Kaufmann Wagner vom Europa— Asien Industrie, und Handelshaus in München, der sich auf Grund des deutsch-russischen Abkommens mit Genehmigung der Sowjetregierung zu Handelszwecken nach Moskau begeben hatte, ist daselbst, wie der Ost-Expreß aus Moskau erfährt, von der Allrussischen Außerordentlichen Kommission verhastet worden. Wie verlautet, soll Herr Wagner aus Sowjetrußland ausge- wiesen werden. Kürzlich hatte sich Wagner im„Berliner Tage- blatt" über seine Eindrücke in Sowzetruhland freimütig geäußert. Briands Amcrl'creife. Die Information mitteilt, wird. Ministerpräsident Briänd die Reise»acki Amerika«m LS. Oktober antreten. Die Rückreise erfolgt am 23. November. I Aus den Erörterungen, die bisher über die Frage einer Umbildung der Koalition geführt worden sind, ergibt sich zu- nächst das eine mit voller Klarheit, daß die Lösung der vor» handenen Schwierigkeiten in Preußen leichter ist als im Reich. In Preußen besteht zurzeit eine Regierung, die für die Reichsregierung im Kampf gegen die Rechte keine Stütze sein kann, weil sie sich selber auf- die Rechte stützt. Man braucht noch lange nicht aus den Grundsatz der sogenannten„Homo- genität" eingefchworen zu sein, um einzusehen, daß dies nach der Wendung, die die Reichspolitik feit der Ermordung Erz- bergers genommen hat, ein gänzlich unhaltbarer Zustand ist, Schuld an diesem Zustand tragen Zentrum und Demo- kraten, die darauf bestanden, die Koalition mit der Sozial- demokratie nicht wieder zu erneuern, wenn die Deutscke Volks- Partei nicht mit einbezogen würde. Nachdem die Sozialdemo- kratie angesichts der dringenden Notwendigkeit, in Preußen raschen Wandel zu schaffen, ihren grundsätzlichen Widerstand gegen jedes Zusammenarbeiten mit der Deutschen Volkspartei aufgegeben hat, ist die Meinungsverschiedenheit zwischen Sozialdemokratie einerseits und Zentrum und Demokraten ausgeräumt und. bei gutem Willen, ein gemeinsames Vorgehen möglich. Zentrum und Demokraten müssen jetzt einsehen, daß die Sozialdemokratie in ein umgebildetes Preußenkabinett nur dann eintreten kann, wenn sein Gesamtcharakter die Erfüllung der Görlitzer Forderungen garantiert. Ein solches Kabinett kann in Preußen geschaffen werden m i t den Volksparteilern, wenn in den zu berufenden Persönlichkeiten die notwendigen Garantien gegeben sind, aber auch ohne die Volksparteiler, da ja auch ohne diese eine knappe Mehrheit für die alte Koali- tion besteht. Die Sache steht also keineswegs so, daß die Volks- parteiler nur zu diktieren und die anderen sich zu fügen hätten. Eine wichtige Frage für die kommenden Verhandlungen ist, wie weit eine preußische Regierung oder auch eine Reichs». regierung der alten Koalition auf die Unterstützung der Unabhängigen rechnen kann. Hätten wir noch eine einige Sozialdemokratie oder auch nur eine zuverlässig funktio- nierende Arbeitsgemeinschaft im Reich und in Preußen, dann wäre der Sozialdemokratie die Notwendigkeit, den Görlitzer Beschluß zu fassen, erspart geblieben. Auch jetzt wären noch, falls sich die Unabhängigen zu einer Politik der positiven Mit- arbeit bequemen wollten, überraschende Wendungen möglich. Es ist behauptet worden, die Sozialdemokratie habe vor der Wahl gestanden, sich mit den Unabhängigen oder mit den Volksparteilern zu koalieren; sie habe aber die Koalition mit den zweiten vorgezogen. Wäre das wahr, so hätte die Sozial- demokratie schon gewußt, wie sie zu wählen hat; aber es ist eben falsch. Die Unabhängigen haben erst gestern einen dem deutsch- nationalen gleichlautenden Antrag auf Aufhebung der Verordnung des Reichspräsidenten vom 29. August eingebracht. Dieser Antrag ist prinzipiell wunder- schön; er zeigt ein unerschütterliches Festhalten an der„for- malen Demokratie" und eine starke Abneigung gegen jede Art noch so gelinder„Diktatur". Nachdem aber der Llrtikel 48 der Verfassung, der der parlamentarischen Regierung gewisse dikta- torische Reckte verleiht, schon wiederholt gegen links in kräftigster Weise angewendet worden ist, glaubt auch die Sozialdemokratie auf seine Anwendung gegen rechts nicht verzichten zu können, wenn nicht eine geradezu unerhörte Be- vorzugung der Rechten eintreten soll. Taktisch aber steht die Sache so: Würden dk Deutschnationalen und die Unabhängigen mit ihrem Antrag auf Aufhebung der Verordnung des Reichspräsidenten durchdringen, so wäre das eine zerschmetternde Niederlage für die Demokratie und ein vollkommener Sieg für die Reaktion. Das Kabinett W i r t h läge in Scherhen, die Fortsetzung seiner Politik durch eine nachfolgende Regierung wäre unmöglich, innerpolitisch und außenpolitisch würde ein Zustand völliger Verwirrung und Auflösung eintreten. Folge des unabhängigen Antrags ist, daß die Rechte wieder Lust bekommt und daß sich die Deutsche Bolkspartei im Reiche— hoffentlich auch hier nur vorüber- gehend— als Herrin der Situation fühlt. Auch nach anderen Seiten hin ist die Koalstionsfähigkeit der Unabhängigen im höchsten Grade unsicher. Eine Steuer- r e f o r m im Reiche kann nicht gemacht werden, ohne daß auch die indirekten Steuern erhöht werden. Zu dieser Er- höhung der indirekten Steuern sind wir gezwungen, weil der Friedensvertrag sie uns vorschreibt und weil auch die stärkste Anspannung der Besitzsteuern noch nicht ausreicht, um den Reichshaushalt ins Gleichgewicht zu bringen. Auf eine Er- höhunq der Besitzsteuern, insbesondere auf eine Erfassung derGoldwerte, kann man nicht drücken, positivin Anteil an der politischen Macht kann man nicht nehmen, wenn man sich der bittern Notwendigkeit, a u ch die indirekten Steuern zu erhöben, grundsätzlich verschließt. Die Unabhängigen haben uns durch ihre Haltung in die Notwendigkeit versetzt, mit der Deutschen Volkspartei über ihren Eintritt in die Regierung zu verhandeln. Sie haben am allerwenigsten Recht dazu, uns Vorwürfe zu machen, weil wir dieser Notwendigkeit entsprechend handeln. Ist es ihnen aber ernst mit ihrer Absicht, eine Erweiterung der Koalition nach . rechts zu vermeiden, ziehen sie eine Erweiterung der Koalition � nach links hin vor, so ist es ihnen auch heute noch möglich. das angestrebte Ziel zu erreichen. Nur, wer den Z w e ck will, muß auch die Mittel wollen. Wenn man, unbekümmert darum, was daraus wird, an der goldenen Freiheit der Oppo- ' sition festhält, hat man es leicht, über den Zaun Steine auf diejenigen zu werfen, die sich mit der praktischen Lösung prak» � tischer Fragen mühsam abquälen. Aber damit kann man höch- stens agitatorische Augenblickserfolge erzielen, nicht aber auf den Gang der Dinge selbst mitentscheidenden Einfluß nehmen. Was aus den Verhandlungen über die Verbreiterung der Koalition wird, ist noch ganz ungewiß. Ein schwerer Teil der ' Verantwortung liegt bei den Demokraten und beim Zentrum, die dafür sorgen müsien, daß die Dinge zunächstinPreu- ' ß e n ins Reine kommen. Die Entscheidung im Reich hängt von umständlicheren Beratungen ab, vor allem über die Steuerfragen, und so lange kann in Preußen nicht ge- . wartet werden. Die Genossen im Lande aber mögen folgendes bedenken: ;, Wenn in ihren Erörterungen des Görlitzer Beschlusses die Tat- fache zum Ausdruck kommt, daß die Partei keine Sehnsucht ' C danach hat, der Deutschen Volkspartei in die Arme zu sinken, ' so kann das nur nützlich sein. Parteischädigend aber wäre - es, gegen die Mehrheit des Parteitags, die nach reiflicher Er- • wägung und öffentlicher Debatte entschieden hat, mit verdächti- ; genden Unterstellungen zu arbeiten. Der Ausspruch Wilhelm ■. Liebknechts, daß man seine Taktik, wenn es notwendig ist, in 24 Stunden 24mal revidieren muß, wird oft zitiert, aber selten beherzigt. Solange es eine Sozialdemokratische Partei gibt, ! hat es in ihr Kritiker gegeben, die als Folge bestimmter takti- ' scher Wendungen den Untergang der Partei prophezeiten, aber recht behalten haben sie niemals: die Partei ist groß geworden trotz alledem. Der gemeinsame Wunsch, die Partei auch weiter wachsen und gedeihen zu lassen, muß über i allen Debatten schweben, die über den Görlitzer Beschluß ge- i fübrt werdenl.___■ Eine fcanzösifthe Sopkottnote. In einer Note an die deutsche Reichsregierung wendet sich Frankreich gegen einen angeblichen systematischen Boykott f r a n z ö s i s ch e r W a r e n. Die Note weist auf Treibereien einzelner Interessentengruppen und Blätter hin, die franzö- fische Waren vom deutschen Markt ausgeschlossen wissen wollen und behauptet, daß einzelne Regierungsstellen die Bewegung begünstigt hätten. Sie fordert, daß die deutsche ' Regierung ihren Einfluß aufbiete, um die Boykottbewegung zu unterdrücken. Die Note ist den Wirtschaftsressorts der Neichsregierung zur sachlichen Prüfung zugeleitet worden. Erst wenn diese erfolgt ist, wird die Regierung ihrerseits dazu Stellung nehmen. Einen Boykott französischer Waren aus nationalistischen Gründen mißbilligen wir auf das schärfste. Deutschland und Frankreich sind wirtschaftlich viel zu sehr auf- einander angewiesen, als daß wir uns den Luxus leisten könnten, einen deutsch-französischen Handelskrieg in alle Ewig- keit zu erklären. Dazu gehört schon die Beschränktheit beruss- ' mäßiger Quertreiber der Reichsinteressen, wie sie sich unter der trefflichen Leitung des Professors Rießer im Hansabund zu- - sammengefunden haben. Wir möchten aber doch betonen, daß eine unbeschränkte Zulassung französischer Waren zur Einfuhr nach Deutschland- unter keinen Umständen in Frage kommt, weil Frankreich selbst sie nicht will. Frank- reich fordert von uns Goldmilliarden, zwingt unsere Wirt- ; schaft daher zu äußerster Sparsamkeit. Dadurch aber nötigt : es uns eine Kontrolle der Einfuhr auf, die verhindert, daß Luxusartikel in das Land hineingelassen werden. Nun will es die weltgeschichtliche Ironie, daß Frankreich seine . Volkswirtschaft vornehmlich auf die Luxusindustrien stützt. Nachdem wir bis zur Grenze der Selbstaufopferung den Ver- sailler Vertrag und das Londoner Ultimatum auf uns genom- men haben, müssen wir es schon Herrn Fachs bewährtem Scharfsinn überlassen, wie er den Interessengegensatz zwischen Ztmsihen Himmel und Cröe. (Konzert-Umschau.) Wagendes Gedränge von Autos und Menschen, polizeiliche Ab- sperrung, strengste Kontrolle nassauernder Sehnsüchtiger durch Sipo, im Saal ein Surren und Raunen: ein großer Tag der Philharmonie. Mattia Battistini singt. Seit Carusos Tod der berühmteste der Sänger Italiens. Sein einziger Konkurrent, Tito Rufa, kommt nicht zu uns, oder doch nur auf dem Umweg über Grammophone. Um so wertvoller jetzt die Bekanntschaft mit einem Meister, der zu- gleich belehrt und aus tiefstem Herzen ausrüttelt. Wie sicher, wie rein, wie großartig arbeitet dieser Tenor-Bariton, der nur so schüch- tern von Altersgrenzen zu berichten weiß. Kein Hauch, der nicht Klang würde, im Klang selber alle Swfungen, die von sanfter meeea voce zu Posaunenkraft aufsteigen: auch wird keine Silbe, ja, kein Konsonant unwichtig genommen. Höchste Kultur der Technik bei einem Natursänger, der das Glück der schönen Stimme mit dem Der- dienst ihrer letzten Pflege verband. In Battistinis Schatten kämpfen selbst sehr Tüchtige vergebens um Licht. Mit anderen Maßen muß gemessen werden, und Um- stellung tut dem Hörenden not. Bei Frieda von B o d d i e n zittert zunächst nur Unsicherheit durch. Dem leidenschaftlichen Pathos scheint die begabte und gutgestimmte Frau wenig gewachsen, eher dem leichtschwingenden Kunstlied. Auch da ist Technik zu revidieren. Das wird bei Manja B a r k a u nicht mehr nötig sein, wenn sie alles so frisch, keck, zierlich, geschmackvoll und klug pointiert singt, wie die reizenden Kreolenlieder in Friedenthals Bearbeitung. Pom Lied her stammt auch M a h l e r s Größe— sagen die Kenner. In der dritten Sinfonie bekommt vom 4. Satz an diese Ableitung bestimmenden Charakter, der Gesang mischt sich im Altsolo, in Kna- ben- und Frauenchor entscheidend ein. Im ersten Satz ist ein Bolks- lied und ein Militärmarsch nachdrücklich zur Basis für ein breites, allzu breites, zwischen genialem Feuerwerk und kapellmeisterlichcr Mache flach und hoch dahinpendelndes Stimmungsbild gemacht. Formlos, brutal im Ausnutzen des schmetternden und wetternden Orchcstermaterials, ohne Liebe für den Schmelz und das Melos der Streicher. Die Gedanken sind billig und wiederholen sich in ihrer Simplizität viel zu oft. So wird man in aller Lautheit nicht recht froh und gar nicht warm. Respekt vor der Technik ersetzt nicht diese eisige Kühle, die von Naturlauteu nur stoßweise durchbrochen wird. Entzückend in Einfachheit, Kolorit, klingendem Fluß das Menuett, und auch das Scherzo reizend, problemlos, unbedenklich. Doch ist das alles nur Anhängsel an ein riesiges Anfangs-Allegro, das auch philologische Weisheit nicht ans Herz wachsen läßt. Gustav Brecher übernahm sich mit diesem Werk: gerade das Sachliche geriet eben, trotzdem seine Taktierbewegungen oft das Gegenteil erwarten ließen. Und wie unsinnlich, wie wenig wienerisch, wie plump die zwei Cpi- sodensätze! Was könnte daraus gemacht werden! War das mit dem Herzen dirigiert, war das geprobt, war das alles auch nur gekonnt? -.Nur die Derbheit der Orchestersprache verscheuchte die Müdigkeit: Xtxit wollen Brecher in besserer Disposition wieder begegnen. Ohne dem Siegerstaat Frankreich mck> dem Luxusproduzenten Frankreich schlichten will. ßolange uns jedenfalls noch Goldmarkzahlungen zuge- mutet werden, können wir auf die Verhinderung der Luxus- einfuhr nicht verzichten. Frankreich hat es allerdings in der Hand, auf dem Wege friedlicher Verständigung, der in Wiesbaden beschritten worden ist, einen Ausweg zu suchen._ veutschnationaler Möröerschtch. Die„Kreuzzeitung" veröffentlicht in ihrem gestrigen Abendblatt folgende Entschuldigung:' Um Mißverständnissen vorzubeugen, die etwa an die heutigen Ausführungen zu der gestrigen Reichstagssitzung geknüpft werden könnten, stellen wir unsere Auffassung und die Haltung, die wir bisher eingenommen haben und weiter einnehmen werden, nochmals fest. Nicht daraus machen wir dem Herrn Reichstagspräsidenten Löbe einen Vorwurf, daß er in seinem Nachrufe auf den Abgeord- neten Erzberger dessen Ermordung erwähnt und Tat und Täter scharf verurteilt hat. Wir sind nicht der Meinung, daß die Nach- weit diesen Mord günstiger beurteilen oder gar verherrlichen, wird. Es liegt uns daran, dies sofort klarzustellen. Die schweren Anstände, die wir gegen andere in diesem Zusammenhange getane Aeußerungen des Herrn Reichstagspräsidenten zu erheben haben, bleiben bestehen. Die„Kreuzzeitung" hatte sich gestern morgen schützend vor die Mörder gestellt, die Löbe„geschmäht" haben, ohne ihre Motive zu kennen. Sie hatte sie mit Charlotte Corday, mit Brutus und Wilhelm Tell verglichen und im Zusammen- hang damit den gegen Erzberger geführten Kampf als einen Abwehrkampf bezeichnet. Stellen wir fest: die„Kreuzzeitung" hat gestern morgen ihre wahre Gesinnung verraten. Am Abend aber war sie schon wieder zu feig, zu ihr zu stehen. Hlutsbekenntnis mitzubringen! In einer Einladung, die der„Deutsche Herold", Ortsgruppe Norden, am 23. September 1921 versendet, finden wir folgende Sätze: Hierdurch werden Sie zu der am Mittwoch, den 28. 9. 21 statt- sindenden geschäftlichen Sitzung im Nordischen Hof, Invaliden- straße 126, eingeladen.... Die erhaltenen Dlulsbekennlnisse sind ausgefüllt mitzubringen, da die Mitgliedskarten nicht eher ausgegeben werden können. Mit deutschem Gruß Deutscher Herold, Ortsgruppe Norden, gez. v. L e k o w. Der„Deutsche Herold" ist eigentlich sehr unvorsichtig, daß er sich mit einer simplen schriftlichen Blutsbekenntnis begnügt. Wieviel wirksamer wäre es doch, wenn jedes Mitglied im Glas eine Blutprobe in natura mitzubringen hätte. Zwar ist noch nicht die Methode gefunden, jüdisches von arischem Blut zu unterscheiden, aber durch Einimpfung des Blutserums in einen Affen ließe sich immerhin feststellen, daß es sich um Menschen handelt. Raharüt verhastet. Elbing, 28. September.(TU.) Der Präsident der Berliner Handwerkskammer, Chrenobermeister Karl Rahardt, ist vorgestern auf Anordnung der Staatsanwaltschaft 1 in Elbing verhaftet war- den. Seine Verhaftung erfolgte unter dem Verdacht des Mein- e i d s und des gemeinschaftlichen Betruges. Mit ihm wurden noch einige andere Personen, darunter der Handwerkskammersekretär Ho ff mann, verhaftet. Die Verhaftung des im öfsenllichen Leben bekannten Mannes unter der Anschuldigung so schwerer Verbrechen wird sicherlich großes Aufsehen erregen. In welchen konkreten Handlungen die Straftaten Rahardts liegen sollen, konnten wir bisher nicht er- fahren. Rahardt gehörte zuletzt der Demokratischen Partei an. Vor der Revolution betätigte er sich im rechtsmittelständlerischen Sinne. Cr wurde.sogar von Wilhelm als erster und einziger Vertreter des Handwerks in das Preußische Herrenhaus berufen. Diese Berufung wäre sicher nicht erfolgt, wenn Rahardt damals nicht als' rechtsstehender Mann gegolten hätte. Sollten sich die gegen ihn er-■ viele Proben läßt sich keine Mahlersche Sinfonie herausbringen. Rudolf K rasselt, der mit altem Programm seine Charlottenbur- ger Konzerte eröffnete, verspricht für den Oktober die erste Mah- lersche: er hat das Glück, sich Proben nach künstlerischem Blick leisten zu können. So wollen wir froher Erwartung sein. Das Bonner Streichquartett(Brun, Blume, Garraux, Lehr) hat eine Art Solidität an sich und in sich, die durch Extra- oaganzen moderner Führer gelöst wird und die Herren von der ge- sunden schweizerischen Bodenständigkeit dann in rechter Leidenschaft und Ekstase bringt. Jüngst war's Debussy, jetzt Ravel. Aber dieses Streichquartett F-dur läßt einem Musiziernot vermissen, nach zwei sauberen und kräftigen Sätzen versandet das Wert in Stimmungs- floskeln, Ungeistigkeiten, technischen und okkordstchen Mätzchen, die Geistesarmut verdecken sollen. Der Schlußsatz hätte dann schon lieber ganz in d'Alberts Tiefland untergehen sollen! Kurz sei auf zwei zwischen Ernst und Scherz stehende musi- kalische Dinge hingewiesen. Pescatore hat eine Schützengraben- und eine Kabarettlaune oersucht, in eitel Kunst zu oerwandeln. Ueber einen Besenstiel spannt er eine Saite, nimmt als Schalltörper eine Zigarrenkiste und spielt auf diesem Gelegenheits- und Verlegenheits- instrument Cello. Es klingt gar nicht übel, ein bißchen Membranen- Haft näselnd, aber nicht unedel oder klein im Ton. Jedenfalls wie ein mittelgutes Cello. Angeblich ist bei seinem mühselig ausprobier- ten Verfahren ein akustisches Prinzip, nämlich die ausschließliche Ausnutzung der horizontalen Schalldeckeloibration, gebrauchsfähig durchgeführt. Man wird sich das Instrument in ein Orchester hin- eindenken können, auch wenn der Besenstiel wieder aus den Blocks- berg gewandert ist, wo er zum notwendigen Hausgerät gehört. Das bequeme und billige Material wird nach diesem gelungenen Versuch zur geschäftlichen Verwertung Anlaß geben können. Der zweite Anonymus ist P. M e r a n o. Er schrieb zu einem sehenswerten Lehrfilm„Im Kampf um die Berge"(Ufa) eine mehr als illustrative, eine charaktervolle Musik, sehr modern, mit techni- schem Geschick und großer akkordlicher Geste. Sie klingt stark nach dem Futuristen Holländer, der„Die Wupper" untertonte. Diese Neuerung der Filmmusik als einer adäquaten tonlichen Ergänzung des gekurbelten Inhalts ist eine Viertelstunde lang reizvoll. Nach einer Stunde ist das Ohr müde, während das Auge unersättlich bleibt. Der Zwiespalt ist erst noch zu überwinden, und ebenso die Unzulänglichkeit des Kinoorchesters. Kurt Singer. Das AUchaelsfest(29. September), das die katholische Kirche dem Erzengel Michael schon seit dem 3. Jahrhundert feiert, ist ein Tag, der auch in anderer Hinsicht für uns Bedeutung hat: er ist zugleich auch der Gedenktag des„deutschen Michels", des Schutz- patrons des deutschen Volkes und das Sinnbild unseres Volkstums. Es ist nicht ohne Reiz, dem Ursprung dieser Versinnbildlichung nachzugehen. Ihren Ausgang nahm sie aus der biblischen Legende, in der der Erzengel Michael den Teufel besiegt. Diese Tat machte ihn zum Helden, und schon frühzeitig wurde er deshalb von den Christen zum Schutzpatron des Kriegerstandes erhoben. Auch im alten Deutschland wies man bald nach der Einführung des Christen- hobenen Anschuldigungen als wahr herausstellen, fo werden doch die rechtsstehenden Kreise gut tun, der Partei, der Rahardt jetzt ange» hörte, keinen Vorwurf daraus zu machen, daß sie ihm Der- trauen geschenkt hat. Denn e» ist noch nicht so lange her, daß Rahardt der Mann ihre s Vertrauens war. poehner hinausgeworfen! Wegen dreister Verhöhnung der Regierung. München, 28. September.(Eig. Drahtbericht des„Vorwärts".) Die Anschlagsäulen Münchens brachten heute nachmittag eine„Er- klärung" des Polizeipräsidenten P o e h n e r, in der dieser seinen Rücktritt mit schwülstigen Worten ankündigt. Der Repräsentant von „Ruhe und Ordnung" beschließt seine staatsgefährliche Tätigkeit mit einer Verhöhnung der Volksregierung. Der Beamte Poehner erfrecht sich noch im letzten Augenblick feiner Amtstätigkeit, eine Insubordination sondergleichen zu begehen und den von ihm geschaffenen Presssapparat noch dazu zu benutzen, seine Vorgesetzten, den Minister des Innern und den Ministerpräsidenten vor der Ocffentlichkeit herabzusetzen. Dazu schreibt die bereits im neuen Kurs funktionierende offi- ziöse Staatszeitung: Es kann nicht unausgesprochen bleiben, daß die Form des Schrittes des Herrn Poehner etwas ungewöhnlich und keineswegs geeignet ist, die gegenwärtige Situation zu erleichtern. Auch die Acra Poehner war nicht ohne Fehl- griff, insbesondere die Handhabung der Plakatzensur hat auch im bürgerlichen Lager eine nicht unberechtigte Kri- t i k gefunden, aber das Positive, das der bisherige Polizeipräsident für die Staatsautorität geleistet hat, überwiegt trotzdem. Wie wir soeben erfahren, ist der Polizeipräsident bereits feines Amtes ent- hoben worden. Die Amtstätigkeit desselben hat Regierung?- rat Rahmw: übernommen. So verläßt Poehner sein Amt, begleitet von der Verachtung der Münchcner Arbeiterschaft und von der offiziellen Desavouierunz der neuen Regierung. Die große Geste, in welcher sich Poehner nach den Manieren eines ge stürzten Potentaten von seiner na- tionalbolschewistischen Gesellschaft verabschiedet, steht ihm schlecht an. Bon einer Freiwilligkeit seines Rücktritts konnte unter den gegenwärtigen Umständen nicht mehr die Rede sein. Die s o- zialistischen Interpellationen über eine Beseitigung der himmelschreienden Polizeiskandale des vergangenen Jahres standen vor der Tür. Erst heute morgen wurde von der sozialdemokratischen Fraktion ein Antrag mit dem Zweck, die Beiseiteschaffung des politischen Aktenmakerlals durch Poehners handlanger zu verhindern, eingebracht. Wie wir aus bester Quelle erfahren, war die Stellung Poehners durch alle diese Vorgänge schon derartig erschüt- tert, das ein Verbleiben im Amte vollständig ausgeschlossen war. Poehner war als Beamter völlig vom Schlage seines Herrn und Meisters Kahr: bockbeinig und hinterhältig. Unter seiner ziel- bewußten Leitung wurde die Münchener Polizeidirektion ein Hort des Rückschritts und der politischen Brunnenvergiftung, unter dessen System der Landesverrat, ja selbst der politische Meuchelmord ge- dieh. In Erinnerung ist auch noch, wie Poehner im August ver- suchte, die Teuerungsdemonstration der Arbeiterschaft im Blut zu ersticken. Möge die Aera Poehner für alle Zeiten der Geschichte des bayerischen Volkes angehören. Aufgehobene reaktionäre Geheimversammlung. München, 23. September. Hier gelang sofort nach dem Sturz des Systems Kahr-Poehner etwas, was diesen beiden aus- sälligerweise nie geglückt war. Durch Zusammenarbeit zwischen Mi- nisterium des Innern und Sozialdemokratie war es nämlich möglich, zum erstenmal eine rechts bolschewistische Geheimver- s a m m l u n g auszuheben. Ihm gefällt Bayer« nicht mehr! Oedenburg, 28. September.(DA.) Gestern ist der aus 17 Personen bestehende Hofstaat des ehemaligen Königs von Bayern in Saroar eingetroffen, wo der Exkönig ausgedehnte Besitzungen hat. Der Exkönig wird für morgen oder übermorgen erwartet. Er wird längere Zeit in Sarvar Aufenthalt nehmen. Das Reisen des bayerischen Exkönigs in der gegenwärtigen Zeit ist natürlich nicht ohne politische Bedeutung, zumal es ja bekannt ist, daß die Führer der ungarischen Aufstandsbewegung mit den I bayerischen Monarchisten in engster Fühlung sind. tums dem tapferen Erzengel eine wichtige Rolle zu: man setzt« ihn an die Stelle des Kampsgottes und„wilden Jägers", des Wotan, und die Verehrung, die ursprünglich der heidnischen Gott- heit gegolten halte, wurde nun ihm dargebracht. Ut,prünglich hatte man an dem Tage, der dem Wotan geweiht war, Gericht gehalten, ein großes Volksgericht, an dem auch über die verschiedensten Geschäfte des laufenden Jahres gemeinschaftlich beraten wurde, well man annahm, daß auch die Götter an diesem Tag Gericht abhiellen. Nun aber wurde aus dem heidnischen Gerichtstag, der natürlich immer viel Volk zusammenführte und damit auch zum Festtag ge- worden war, der M i ch a« l s t a g. Der Erzengel selbst wurde noch halb in der Erinnerung an Wotans Göttermut, dann aber auch im Gedanken an den Helden, der den Teufel besiegt hatte, ähnlich wie St. Georg, der Drachen- , töter, zum Schutzpatron der deutschen Ritter geworden war, zum Beschützer des deutschen Kriegers. Doch mit der Zeit verlor sich diese Erinnerung an Michaels kriegerischen Heldenmut und wurde Michael zum Sinnbild eines zwar tapferen, kräftigen und gut- wütigen, aber auch ein wenig beschränkten Volkstums. Dabei fft es denn geblieben, und der deutsche Michel, dem man noch dazu eine Zipfelmütze auffetzte, ward schließlich auch im eigenen Land zur humoristischen Figur.«Die Bezeichnung,„deutscher Michel" selbst erstand etwa um die Mitte des 13. Jahrhunderts und hat einen eigenartiaen Ursprung. Es war nämlich um diese Zeit Brauch, daß alljährlich Scharen von deutschen Kindern und jungen Leuten zum Michaelstag nach' dem Mont St. Michel, dem Inselfels an der Küste der Normandie, pilgerten. Und weil diele zum großen Teil krankhaft überspannten jungen Wallfahrer, die man die „Michaelskinder" nannte, nun auf ihren Zügen immer nur den heiligen Michael ansangen, nannte man sie spöttisch„die dummen deutschen Michel". Eugen Dühring, dessen Name der deutschen Arbeiterschaft zum mindesten aus einer polemischen Schrift unseres Friedrich Engels bekannt fein dürfte, ist am 2. September, 88 Jahre alt, in Nowawes bei Potsdam g e st o r b e n. Die Todesnachricht kommt verspätet an die Oeffentlichkeit, die sich einst viel mit diesem genialen Gelehrten und querköpfigen Eigenbrödler beschäftigt hat, aber seit Jahrzehnten so wenig Notiz von ihm nahm wie er von ihr. Es ist wohl bald ein halbes Jahrhundert her, ols der junge blinde Privatdozent für Philosophie und Nationalökonomie durch seinen Konffikt mit der Berliner Universität die europäische Gelehrten- weit in Erregung brachte. Seine Kolleqs waren von den Studenten überlaufen worden, seine ersten Schriften hatten Aufsehen erregt und Beifall gefunden, und als er seine„Kritische Grundlegung der Volks- Wirtschaft" veröffentlichte, war Bismarck auf ibn aufmerksam ge- worden und hatte ihm die Abfassung einer Denkschrift über sozial- politische Reformen vorgeschlagen. Sein Stern schien im Aufgehen zu sein, als plötzlich ein jäber Umschwung eintrat. Ein Lehrstuhl für Philosophie war zu besetzen, auf den er Anspruch zu haben meinte: aber ein anderer erhielt die Berufung. Seine D-nkf-hrift er- schien ohne sein Wissen unter fremdem Namen, und Dühring strengte eine urheberrechtliche Klage an, obgleich die Regierung ihm eine Kr. 459 ♦ 5s. Fahrgang 2. Heilage des Vorwärts "frV Donnerstag, 29. September 1921 Eigenverfassung unserer Schulen. Em erster Versuch der Schnl-Selbstverwaltung in Berlin. Trage iet Schulverfassung drängt ihrer Lösung zu. Die solg�rden Ausführungen aus der Feder des Berliner Ober- i* V* � hch u l r a t s Bn Ulfen behandeln diese Frage und geben Richtllnien für die Verfassung einer sich selbst verwaltenden Schule. � Redaktion des„Vorwärts". Die stadtische Schujoerwallung hat bei der Aufsichtsbehörde be antragt, an einzelnen«chulen Berlins den Versuch einer d e m o � kra tischen Schulverfassung zu machen, um für eine all' gemeine Gesetzgebung Erfahrungen zu sammeln. Das bedeutet einen ersten bescheidenen Anfang für die Einleitung einer Schulentwicklung, wie ste dem Bedürfnis der neuen Zeit entspricht. Das Provinzial- schulkollegium zeigte sich grundsätzlich einem solchen Versuch geneigt, äußerte aber gleich zu Beginn der Ausführung so schwere Bedenken, daß der Plan zu scheitern drohte. Die Potsdamer Regie- r u n g, die unglücklicherweise in den Bezirken der früheren Vororte noch heute die Schulaufsicht ausübt, oerbot kurzerhand jede Erörterung dieser Anregung in den Schulen ihres Ver- woltungsgebietes. Es ist aber zu hoffen, daß alle Widerstände über- wunden werden, der Wille einer aufstrebenden Lehrer- und Eltern- schaft und die Zeit bürgen dafür. Dieser Einsicht oerschließen sich auch die leitenden Stellen unserer staatlichen Behörden nicht, es gilt nur, Borurteile und Mißverständnisse in den kollegial beschließenden Behörden zu beseitigen. DerAusfallderWahlenam 16. Oktober wirdsür die Entwicklung unseres Schulwesens von aus- schlaggebender Bedeutung sein. Fällt die sozialistische und fortschrittliche Mehrheit, dann vervielfachen sich alle Widerstände, und die Möglichkeit einer großzügigen Schulreform ist bedroht. Denn nur engere, gebildete Kreise des Bürgertums begreifen es, daß Schul- angelegenheiten Kulturangelegenheiten find und daß eine Wirtschaft- liche Erneuerung nicht eintreten kann ohne innere, geistige Erneue- rung unseres Volkes. Damit soll nicht gesagt sein, daß diese Bildung und die Einsicht in die inneren Zusammenhänge überall unter den Arbeitern angetroffen werden. Der neuen Schulentwicklung werden Widerstände, wie die Erfahrung es lehrt, auch aus den unaufgeklärten Teilen des Proletariats erwachsen. Aber das Proletariat steht der Schule unbefangener gegenüber, da es keine starke Bildung-traditionen zu brechen hat, und williger und sehn- suchtsvoller, da wahre Bildung das Mittel seines Aufstiegs bedeuten. Unverdorben durch Bildungsvorurteile und Bildungsoorrechte wächst es in feine Schule hinein.— Die Einwände, die man gegen die Selbstverwaltung der Schule erhebt, werden formal und materiell begründet. Zunächst bestreitet man der Stadt das Recht einer unmittelbaren Anregung und des un- mittelbaren Verkehrs mit ihren Schulen. Man erblickt darin mit Unrecht eine Einmischung in das Aussichtsrecht des Staates. Darin bekundet sich die alte, nicht auszurottende Denk- weife des Obrigkeitsstaates, der in jedem eigenen Denken und in dem Willen schaffender, gestaltender Mitarbeit Auflehnung gegen die Hoheit des Gesetzes erblickt. Schulaufsichtsrecht schließt das ver- antwortliche Mitarbeitsrecht nicht aus, ja erfordert es geradezu, sollen nicht Einrichtungen des Staates in einseitiger, formal- gesetzlicher Behandlung verkümmern und ihrem lebendigen Zweck entzogen werden. Die Stadtgemeinde Berlin, die kein er- w e i t e r t e s Berlin ist, sondern ein neues Gemeinwesen mit eigenem Sinn und selbständigem Zweck, hat in der Abgrenzung ihrer Rechte und in der Schaffung brauchbarer Verwaltungsformen ein Arbeitsgebiet von weittragender Bedeutung. Mit der Lösung dieser Aufgabe ist ihr zukünftiges Geschick eng verbunden. Man geht nicht zu weit in der Behauptung, daß die neue Stadtgemeinde sich wieder auflösen wird, wenn es ihr nicht gelingt, mit einem einheit- lichen Recht ihrer geistigen und materiellen Wirtschaft ein k r ä f t i- ges Eigenleben zu entfalten. Der Staat sollte dieses Streben überall begünstigen und fördern, nicht aber sich gegnerisch oder feind- selig dazu stellen. In der Schulverwaltung gilt es vor allem, starke Eigen- kräfte zu entfalten. Die Deputation für Schulwesen(nicht zu ver- wechseln mit den einzelnen Äezirksfchuldeputationen) ist die einzige Stelle, von der aus das gesamte Schulwesen Berlins verantwortlich überblickt werden kann. Von hier aus muß sich der einheitliche Ge- staltungswille im Schulwesen durchsetzen, muß die Formung unserer Schulen anheben, soweit sie zentral möglich und notwendig ist. Sie ist die Stelle, in der die Bezirkseigensucht überwunden, zugleich aber auch einer starken Eigenentwicklung des Bezirksschulwesens der Weg freigehalten werden kann. Es würde einen unerträglichen Eingriff in das Selb ft verwaltungsrecht unserer Stadtgemeinde, die nach ihrer Bevölkerungszahl Provinz und Volk ist, bedeuten, wenn man ihrem höchsten Schulverwaltungsorgan nicht einmal das Recht der Anregung, nicht das Recht der Frage- stellung an ihre eigenen Schulen, die sie baut und unterhält, deren Lehrkräfte sie anstellt, gewähren wollte. Ein Widersinn wäre es, der Stadt einmal das entscheidende Recht der Anstellung ihrer Lehrer, Rektoren und Direktoren zu geben, ihr kurz daraus aber den selb- ständigen geistigen Verkehr mit ihnen zu verbieten. Die Stadt ver- teidigt hier eines ihrer wichtigsten Grundrechte, und der Staat begeht einen schweren Fehler, wenn er ihr durch seine Auf- sichtsbeamten dies Grundrecht rauben oder' schmälern läßt, zumal nicht ein einziges seiner Aufsichtsrechte durch die Forderung der Stadt angetastet oder auch nur bezweifelt werden soll. Die beiden anderen Hauptcinwände gegen den Versuch der Selbst- Verwaltung können kürzer behandelt werden, wenngleich sie nicht minder wichtig sind. Es sollen die höheren Schulen von dem Ver- such grundsätzlich ausgeschlosien und die Mitarbeit der Eltern an den freien Schulen überhaupt nicht in Frage kommen. Es braucht nicht betont zu werden, daß durch solche Einschränkungen der Wert des Versuches aufgehoben wird.- Es kann nicht die Absicht des Pro- vinzialfchulkollegiums fein, in dem Augenblick, da sich das Reich an- schickt, die Einheit des Schulwesens grundsätzlich zu ordnen und die Stadt ihr gesamtes Schulwesen unter einer einheitlichen Leitung zusammengefaßt hat, durch eine Sonderbehandlung der Höheren Schulen diese Einheit wieder aufzuheben. Auch die höhere Schule hat den Beruf, sich an den pädagogischen und schul- politischen Aufgaben der Gegenwart aus innerstem Bedürfnis heraus zu beteiligen, wenn sie nicht innerhalb des Schulwesens zu einer fremden Sonderveranstaltring herabsinken soll. Und keine Mitarbeit der Eltern? Schon dieses hier noch einmal nackt aussprechen, läßt die Unmöglichkeit der Gegen- Forderung im Hinblick auf die Grundsätze der neuen Pädagogik und vor der politischen Oeffentlichkeit empfinden. Gibt es überhaupt eine fortschrittliche Lehrerschaft, die auf die Zusammenarbeit mit den Eltern grundsätzlich verzichtete? Und gibt es eine Elternschaft, die sich nach dem S. November 1918 dieses Recht nehmen ließe? Die Eltern aus der Schule ausschließen, hieße dieZukunftunserer Schule opfern! Schulmänner, die dies grundsätzlich forderten, müßten als unfähige Beamte aus der Schule entlasten werden, sie fehen-in den Schulen das Objekt ihrer Unterrichtsmetboden, nicht aber die Stätten jugendlichen und gemeinschaftlichen Volkslebens. Jeder ernsthafte Lehrer will darum auch die Mitarbeit der Eltern. Die Verbindung von Sckiule und Haus ist eine alte Idealforde- rung der Lehrerfchaft. Man streitet sich nur um die Form. Findet sich eine glückliche Lösung, die eine fruchtbare und friedliche Zu- sammenarbeit verbürgt, dann werden die besonders in Berlin regen Widerstände schwinden, alle Bedenken beseitigt werden. Es war ein Verdienst von Konrad Haenisch, daß er in seinem Erlaß vom S. November 1919 die Elternbeiräte einsetzte.„In jeder Schule wird ein Elternbeirat gebildet. Er soll der Förderung und Vertiefung der Beziebungen zwischen Schule und Haus dienen und den Eltern wie der Schule die Arbelt miteinander und den Einfluß aufeinander gewährleistend Dieser erste Punkt der„Satzungen für Elternbeiräte an Schulen" enthält die ganze Aufgabe.' Vielleicht aber ist es die Form der Ausführung, die verhinderte, daß der Sinn dieser Aufgabe sich durchsetzte, ja, daß Schule und Haus stellenweis in einen feindseligen Gegensatz trigben, der das Leben der-Schule aufs äußerste bedroht. Hier muß Hilfe werden. Durch die Wahl der Elternbeiräte nach Listen und unter dem Einfluß der polisischen Hochspannung unserer Oeffentlichkeit ging der päd- aqogische Sinn der sozialen Einrichtung zum Teil verloren. Den Elternbeiräten fehlt ein natürliches Arbeitsgebiet, es verschob sich hinüber zum theoretischen Meinungskampf. Die Tätigkeit der Elternbeiräte muß in die Schularbeit natürlich eingegliedert werden und die Form ihrer Arbeit wirklichem Schulbedürfnis entwachsen. Sie dürfen nicht eine Sonderveranstaltung neben der Schule sein, sondern ein lebenswichtiges Stück des Gesamtorganismus. Ihrer Idee nach müssen sie in der einheitlichen Leitung und in der Arbeit der Schule restlos aufgehen. Ein Elternausschuß z. B., der sich aus Ver- tretern'der einzelnen Klassenelternschaften zu- sammensetzt, vermag in ein sachliches, viel engeres Verhältnis zur Schule und zu den Lehrern zu rücken, als es ein politisch gesetzter vermag. Die Vorbedingungen des notwendigen Vertrauens zwischen Lehrern und Eltern wären in ihm viel glücklicher gegeben, und den widerstrebenden Gruppen der Lehrerschaft wäre der Vorwand für ihre Ablehnung genommen, die Eltern verträten keine sachlichen Jnter- essen, sondern verfolgten politische Sonderzwecke. Sämtliche Ge- meinschaftsschulen in Hamburg haben darum praktisch d i e politisch gewählten Elternbeiräte durch Schul- ausschüsse ersetzt. Dabei ist es ein großer Irrtum, zu glauben, daß die aus der Schularbeit hervorgehenden Elternbeiräte schul- politisch und politisch enger eingestellt wären. Wo überhaupt ein politischer Wille vorhanden ist, wird er in der Bewältigung einer Teilausgabe, die in einer größeren enthalten ist und in ihrem End- zweck im höchsten Maße kulturell politisch wirkt, nur erstarken. In einem weiteren Aufsatz soll dargestellt werden, wie die Eigenoersastung an einer Schule grundsätzlich durchgeführt werden kann. Wilhelm Paulsen. Der Winterverkehr auf Staüt- unü Ringbahn. Der Winterfahrplan der Berliner Eisenbahndirektion bringt auf den einzelnen Strecken wesentliche Aenderungen gegen den Sommerfahrplan. Im Werktagsverkehr werden auf der Stadt- bahn eine Reihe von neuen Zügen aufgeführt, die von und nach Gesundbrunnen über Stralau- Rummelsburg nach und von der Stadtbahn verkehren. Es sind dies Züge, die bis- her von Lichtenberg-Friedrichsfelde gefahren wurden und zur Ent- lastung der Vollringzüge zwischen Gesundbrunnen und Stralau- Rummelsburg und der über die Stadtbahn verkehrenden Vorortzüge in den Hauptverkehrsstunden des Vormittags dienen sollen. Sie bieten den Anwohnern des Nordringes eine Möglichkeit, ohne U m st e i g e n in das Stadtinnere zu gelangen. Zwischen Lichten- berg-Friedrichsfelde und Schlestscher Bahnhof werden im Berufs- verkehr in den frühen Morgenstunden einige neue Züge einge- legt. Im Spätverkehr wird an den Wochentagen von der Stadtbahn ein neuer Zug von Kaulsdorf(ab 12.49 nachts) nach Charlottenburg(an 1.29 nachts) vorgesehen, ebenso verkehrt auf der Strecke E r k n e r— S t a d t b a hn ein neuer Spätzug, der von Erkner um 11.S2 nachts abfährt und bis nach Schlesischen Bahn. Hof(an 12.43 nachts) verkehrt, wo er um 12.48 nachts Anschluß nach Eharlottenburg hat. Weiterhin bringt der neue Fahnplan auch eine Späterlegung des letzten Stadtbah.hzuges in der Richtung Charlottenburg— Schlesischer Bahnhof(ab Charlottenburg 1.03 nachts, an Schlesischer Bahnhof 1.34 nachts), an Lichtenbcrg-Fried- richsfelde 1.48 nachts). Durch diese Späterlegung wird ein Anschluß vom Südring(an Charlotten bürg 12.48 nachts) geschaffen und auch die Wartezeit für Reisende, die den letzten Zug nach Grünau(ab Schlesischer Bahnhof 1.37 nachts) benutzen, abgekürzt. Der Sonn- tagsfahrplan der Stadtbahn weist gegen den Sommer- fahrplan nur geringe Aenderungen auf. RaubüberfaU aus„iöealisiischem Kommunismus". Das Schwurgericht des Landgerichts III unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Dransfeld verhandelt« gestern eine Anklage wegen Raubes gegen den Maschinenbauer Ernst Lundström, der sich selbstmls einen überzeugten Kommunisten bezeichnet«. Am 27. Mai 1920 wurde auf zwei Kassenboten der Runge- werke m Spandau, die sich, wie regelmäßig zweimal in der Woche, auf dem Wege von der Bank nach ihrer Firma befanden, ein Raub- Überfall verübt. Der eine Bote trug in seiner Tasche 40 000 M., der andere 70 000 M. In der Seegefelder Straße wurden sie von drei Männern angefallen und einer von diesen Männern, der An- geklagte Lundström, hat dem einen Boten die Tasche mit den 40 000 M. abgenommen und ist dann entflohen, aber später er- mittelt worden. Lundström behauptet, daß er an der Tat allerdings teilgenommen habe. Die Beweggründe seien jedoch nicht dem Wunsckze nach persönlicher Bereicherung, sondern feiner idealsten Ueberzeugung und seinem polstischen Pflichtgefühl entsprungen. Am Tage vor der Tat sei ein Parteigenost«, der sich„Paul" nannte, an ihn herangetreten und habe ihm gesagt, daß er sich am nächsten Tage zu einer politischen Aktion bereithalten solle. Als tathereiter, eifriger Kommunist habe er sich bereiterklärtz da Paul sagte, es handle sich um die Beschaffung wichtiger Papiere der gegenrevolutionären Partei. Am nächsten Tage sei Paul mit ihm und zvaei anderen Parleignosten nach dem Tat- ort gefahren. Er selbst habe den Auftrag bekommen, die Sicherung der Treppe der Ueberführung zu übernehmen, welche die Staakener Straße mit der Nauener Straße verbindet. Der Angeklagte be- hauptete, besagter Paul habe während der in einem Automobil aus- Fräulein. ISj Don Paul Enderling. LopvnLM, t820, by J. 0. Cottasche Buchhandlung Nachf. Stuttgart u. Berlin „Haben Sie an mich gedacht?" Er sah so glücklich aus. „Das ist seltsam. Ich hätte ntcht gedacht, daß jemand an mich denken könnte.". I Sie wollte etwas erwidern, aber sie kamen im Gedränge der Aussteigenden auseinander und fanden sich erst unter den Linden vor dem Gasthaus wieder. Fräulein dachte: Hat er gewußt, daß ich hierher fuhr? Ist es Zufall? Ach, was ist denn Zufall! Als sie ihre Briefe abgegeben hatte, blieben noch zwei Stunden bis zur Rückfahrt. Sie schlug Hermann vor, sich auf die andere Seite des Flusses übersetzen zu lasten und zum Leuchtturm zu gehen. Er ging bescheiden in etwas Abstand neben ihr. Nun waren sie auf der Steinmole, die sich in die See reckt. Der Seewind umfuhr sie. Fräulein öffnete das Jackett. Es war so schön, gegen den Wind anzukämpfen und sich gegen ihn zu stemmen. Möwen segelten an ihnen vorbei und kreischten. Der Wind hatte Fräuleins Frisur gelockert. Zwei braune Haarstränge ringelten sich los und glitten über ihr Gesicht. Und wieder lachte sie, grundlos, herzlich. War die Welt nicht schön? War sie nicht jung? Am Leuchtturm kletterten sie vorsichtig an die Außenspitze der Mole. Auf der oberen Stufe— die unteren waren be- spritzt— ließen sie sich nieder. Die grünen Wellen züngelten zu ihren Schuhen eknpor. „Das Element, das Schiffe und Menschen frißt, spielt mit mit uns," sagte Hermann endlich. „Wir stehen uns gut mit ihm." Fräulein lachte. Wie selten lachte sie sonst! „Es spielt mit uns, wie das Leben bisweilen mit uns spielt," sagte Hermann.„Man soll sich aber darüber nicht täuschen: es verändert seine Natur deswegen nicht. Im nächsten Augenblick packt es uns." Fräulein schüttelte den Kopf. Die beiden Haarstränge flogen. Eine traf Hermann, der bei der Berührung die Augen schloß.„Wie stark es ist! Es ist wirklich eines Lebens wert. es zu bezwingen." „Das Element oder das Leben?" „Beides." „Bezwingen Sie das Leben?" Er blickte sie ironisch an. „Ich weiß nicht," sagte sie leise.„Aber es muß herrlich fein... es muß herrlich sein..." Von dem kleinen Steg der Westerplatte wehten bunte Fähnchen herüber. Menschen gingen da, klein wie krabbelnde Ameisen. Am ganzen Strand krabbelten, sie. „Sie sind hier ganz anders als bei uns zu Hause, Fräulein." '„Ich wollte, Sie wären es auch." Sie legte ihre Hand auf seinen Arm. Er blickte gerührt auf ihre Hand nieder. Sie war klein und sah eifrig und tapfer aus. „Ich bin wie eine Schnecke. Ich trage mein Haus immer mit mir. Mein Vaterhaus." „Vaterhaus— wie schön klingt das doch! Sie wisten gar nicht, wie gut das ist, eins zu haben." „Haben Sie keins?"\ Fräulein senkte den Kopf. Sie schwieg. Ihre Eltern waren lange, ach. wie lange tot. Ihre Verwandten hatten sie abgeschüttelt. Nun biß sie sich in der Fremde durch, die ihr ein Zuhause geben sollte.-- Nein, heute nicht daran denken! Heute war Sonnenschein und Möwenschreien und Seelust und Fähnchengeflatter. „Aber über eins freue ich mich. Sie sind jetzt anders als die letzten Male, wo Sie auf Ferien nach Haufe kamen." „Wie bin ich denn jetzt?" „Sie sind ruhiger. Sie vertragen sich mit Ihrem Vater bester. Entschuldigen Sie!" Seine Mundwinkel umspielte ein merkwürdig altes Lächeln.„Wir sind zwei Mächte, die sich gegenüberstehen, Vater und ich. Aber da er eine Großmacht ist und ich ein Kleinstaat bin, bin ich klug genug, keine Kriegserklärung los- zulassen." „Um Gottes willen, so darf man doch nicht von seinem Vater reden!" „Wie soll man denn von ihm reden?" Er blinzelte sie belustigt an. Fräulein rang ihre Hände.„Ich habe es nie anders ge- kannt," sagte sie fest,„als daß man seinen Vater lieben muß." „Hm ja. Klingt ganz schön. Und das Muß darin er- innert mich ja auch wieder an das Väterliche. Aber, Hand aufs Herz"— er erhob sich—„könnten Sie sich im Ernst denken, daß man meinen Vater lieben kann?" Fräulem schwieg. Sie dachte: könnte ich ihm doch helfen, könnte ich doch allen Menschen helfen! Die Welt ist doch so schön und das Leben-- Eine Welle nahm einen großen Anlauf und überschlug sich dicht zu ihren Füßen. Der weiße Gischt bestäubte sie beide. Lachend schüttelten sie sich.- „Wir müssen fort. Es ist Zeit. Ich glaube, ich muß laufen, daß ich den Dampfer noch erreiche. Kommen Sie mit?" „Wenn Sie erlauben." Sie lief voran, mit dem Wind, der das Kleid an sie preßte und sie vorwärts stieb. Hermann folgte langsam. Ihr Lachen klang zu ihm herüber. ★ Im Görkeschen Hause ging die Schneiderin ein und aus. In vierzehn Tagen, an Theas Geburtstag, sollte die Ver» öffentlichung der Verlobung stattfinden. Jetzt, wo Julius Görke zugestimmt hatte, ließ er es an nichts fehlen. Es sollte eine große Feier werden m irgendeinem Hotel, und die Fa- milie und die Geschäftsfreunde mußten dabei sein. Frau Görke schloß die Augen vor den Kosten, die das ver- Ursachen würde. Konnte man nicht im eigenen Hause seiern? Im engsten Familienkreise? War das nicht auch viel ge- mütlicher? Aber so sehr Julius Görke auch sonst für die Familie war, hier blieb er sest. Jeden Tag kam Doktor Henning, und jeden Tag brachte er einen Strauß mit. Die teuren Sträuße belasteten schwer sein schmales Konto. Manchmal war Thea nicht zu Hause; sie war— so hieß es— auf Einkäufen. Dann faß er still und be- scheiden eine Viestelstunde im Wohnzimmer, hörte seiner Schwiegermutter zu und drehte verlegen an seinem Schnurr- bärtchen. Er war immer etwas„benommen" in diesem Kreise, der so ganz anders war als alles, was er bisher gesehen, und auch so ganz anders, als er sich diese Kreise gedacht. Es ging gar nicht in dem großen Stil zu, den er bei den reichen Familien der Stadt als selbstverständlich vorausgesetzt hatte. Es ging gut bürgerlich, oft sogar recht kleinbürgerlich zu. Diese Wäsche, die ewig geflickt, diese Strümpfe, die ewig gestopft wurden, die ewigen Klagen Frau Görkes über die hohen Preise und die Ausgaben für die Verlobung machten ihn noch verlegener, ais er ohnehin war. Er hatte manchmal das dunkle Gefühl, schuld ag einer tlnterwühlung der Görkeschen Finanzen zu sein, und kam sich halb wie ein Verbrecher vor... �Forts. folgt.) geführten Rückfahrt dre Mappe geöffnet, und da der Angeklagte ge sehen, daß sich die groß« Geldsumm« darin befand, habe er dem Paul Vorwürfe gemacht. Dscfer habe aber erwidert, er müsse doch wissen, daß das Geld nur für politische Zwecke bestimmt sei. Wie der Chauffeur bekundete, habe er auf der Rückfahrt im Wald« plötzlich halten müssen, einer der Insassen habe Ihm die Hände auf den Rücken gebunden, er sei in diesem wehrlosen Zustande in einen Chaujscegraben gelegt worden und die Insassen hätten sich ent- fernt. Das geräubte Geld soll geteilt worden sein, und zwar soll der Angeklagte 4000 M. erhalten haben, wovon er 2000 M. für sich behalten, die anderen 2000 M. aber kommunistischen Zwecken zuge- wiesen haben soll. Der Angeklagte gab zu, daß er der Kampf- gruppe der kommuntstischen Partei angehöre, aber tatsächlich- überzeugt gewesen sei, daß es sich um die Besitznahme von Papieren zum Äeweife bestehender Umsturzpläne gegen die jetzige Regierung handelte. Nach dem Gutachten des Prof. Dr. Strauch ist der Ange- klagte, der sich selber als schwer nervenleidend bezeichnet, allerdings nervös, aber doch geistig gesund. Er sei nicht eine von den Person- lichkeiten, denen ihre politische Betätigung so zu Kopse gestiegen ist. daß diese ihr ganzes Geistesleben vollständig beherrscht und die gleich- sam unter einer Wahnidee willensunsrei handele.— Auf Grund umfangreicher Beweisaufnahme, in der u. a. der Spandauer Kriminalkommissar Schulz aus seiner Kenntnis darauf hinwies, daß der Angeklagte völlig im Banne eines hervorragenden Partei- genossen namens Kuntze gestanden habe, beantragte Staatsanwalt Horstmann das Schuldig unter Berfagung mildernder Umstände. — Der Verteidiger Rechtsanwalt Brink bestritt, daß dem Ange- klagten der Beweis der Mittäterschaft geführt sei und bat eventuell um Bewilligung mildernder Umstände, da er zweifellos in hohem Maß? ein Werkzeug im Dtensts Dritter gewesen sei— Auf Grund des Spruches der Gsl.hworcnen wurde der Angeklagte wegen schwe- ren Raubes unter Zubilligung mildernder Umstände zu Z Jahren Gefängnis unter Anrechnung von 1 Jahr S Monaten Untersuchungshaft und a Jahren Ehrverlust verurteilt. Der Leichenfund bei Nikolassee aufgeklärt. Der schauerliche Leichenfund am Nikolassee, der wiederholt die Oeffentlichkeit beschäftigte, ist jetzt aufgeklärt. Am 7. September 1020 fanden Bahnbcamt« bei Nikolassee im Grunewald Teile einer Leiche, die w Kreppapier eingewickelt gewesen waren. Bisher war es trotz aller Bemühungen nicht gelungen, die Persönlichkeit der Toten festzustellen. Erst nach Jahresfrist, am S. dieses Monats, zeigte«ine Margarete Wrobel der Polizei an, daß sie seit einem Jahre ihre Schwester Anna, ein Mädchen von 21 Jahren, oermisse. Anna Wrobel hatte Mletzt bei dem Hausdiener Oberndorf in der Zionskirchstraße SS» gewohnt. Dieser hatte der Schwester bei ihrer Nachfrage erklärt, Anna sei nach ihrer Heimat in Posen ab- gereist. Margarete fragt« nun im Laufe der Zeit in der Heimat und auch sonst überall bei Verwandten brieflich nach, erfuhr aber nur, daß ihre Schwester bei keinem gewesen war. Nochmals zur Rede gestellt, hatte Oberndorf jetzt gesagt, es sei auch möglich, daß Anna nicht nach Posen gefahren, sondern zu einem Schiffer, mit dem sie ein Verhältnis gelabt l>ab«, auf den Kahn gegangen sei. Die Vermißtanzeige, die das Mädchen endlich bei der Permißtcn- zentrale der Kriminalpolizei erstattete, veranlaßt« diese, eingehende Nachforschungen nach der Verschwundenen auzustellen. Es wurde festgestellt, daß die Vermißte mit Oberndorf ein Ver- hältnts gehabt und ihm die Wirtschaft geführt hatte. Zugleich auch, daß es in der Wohnung dort wiederholt heftige Auftritte gegeben hatte, weil Anna Wrobel, ein sehr lebenslustiges Mädchen, öfter die Eifersucht chres Geliebten erregt hatte. Ohne daß Obcrndors etwas merkte, ermittelte man auf der letzten Arbeitsstelle der Vermißten, der Fleischbeschaustelle des städtischen Schlachthofes, daß nach"hrem plötzlichen Ausbleiben sin Mann ihren Nestlohn abgeholt und später noch einmal 17S M., die das Mädchen hatte anstehen lassen, abge- Host hatte. Di« Beschmhunn dieses Mannes, der sich für den Ehe- mann der ohne Erklärung Weggebliebenen ausgegeben hatte, paßte genau auf Oberndorf. Jetzt schritten die Beamten zu seiner Ber- Haftung. Der Verhaftete versuch!« es anfangs mit allerlei Ausreden. Als chm aber nach und nach das gesamte Belastungsmaterial vorgelegt wurde, brach er zusammen und bekannte, daß es mit dem' Ver- schwinden de» Mädchens doch ein« andere Bewandtnis habe. Wie er sagt, besucht« er am S. September o. I. ein Tanzvergnügen in der Auguststraße. Auf dem Vergnügen selber und hernach zu Hause habe er wieder Auseinandersetzungen mit dem Mädchen gehabt, nach denen die Wrobel, wie schon bei früheren Anlässen, hauptsächlich infolge von Alkoholgenuß im Bett Wutkrämpfe bekommen habe, in deren Verlauf sie, im Bett liegend, mit dem Kopf gegen die Wand geschlagen und dann still geworden sei. Am nächsten Morgen habe er sie tot im Bett vorgefunden. Ein Schlächter, den er nicht kenne, will ihm abgeraten haben, den Fall anzuzeigen, habe sich vielmehr erboten,„die Sache schon zu besorgen". Dieser Schlächter habe dann auch tatsächlich die Zerstückelung des Leichnams vorgenommen. Tie Leichenteile seien in Pakete verpackt worden. Die Pakete habe der Schlächter in Zwischenräumen von einer halben Stunde nachein- ander abgeholt bis aus zwei, die er, Oberndorf, selbst dann nach «inigen Tagen nach dem Grunewald gebracht habe, als er, wie öfter, hinausfuhr, um in Wannsee zu baden. Nach Beseitigung der Pakete im Walde habe er dann noch ein Bad genommen und sei dann nach Berlin zurückgefahren. Wo die übrigen Pakete geblieben sind, will Oberndors nicht wissen. Auch über den Verbleib des Schlächters wisse er nichts. In letzter Stunde stellte es sich nun heraus, daß die Angaben � über den Schlächter nicht erfunden waren. Die Kriminalpolizei hat ihn in dem 30 Jahre alten aus Breslau gebürtigen Schlächter Robert Z i n kl e r ermittelt, der zuletzt in der Schievelbeiner Str. 21 gewohnt hat. Es besteht nun sogar der scheußliche Verdacht, daß er das Fleisch der Leiche in einer Boulcttenbraterei an der Ecke der Schwedter Straße Ecke Kastanienallee, die ihm seinerzeit gehört hat, verarbeitet hat. Als die Kriminalbeamten, die nach dem Ge- ständnis des Oberndorf auf ihn fahndeten, ihn gestern abend aus- findig machten, lag er sinnlos betrunken auf der Treppe vor seiner Wohnung. Er wurde zum Polizeirevier gebracht, in dessen � Gewahrsam er zunächst seinen Rausch ausschlafen muh, da er in seinem Zustande keinerlei Angaben machen konnte. Oberndorf ist nach Beendigung der Vernehmung unter Mord- verdacht festgenommen worden. Die Parteien im Stadttvahlkampf. Wie eine bürgerliche Korrespondenz erfahren hat, haben die Demokratische, die Zentrums- und die Wirtschaftspartei ihre Stadt- listen miteinander verbunden. Die Deutsche und die Deutschnationale Voltspartei sind eine Verbindung der Listen nicht eingegangen. Nach -8 9 Ziffer 2 des Gesetzes Eroß-Berlin werden die auf die Stadt- listen entfallenden Stadtverordnetensitze nach der Verhältniswahl verteilt._ Ms öen Kreisen. Gestern tagte die Kreiskonferenz des 3. Kreises(Vedding), um Stellung zu dem Ergebnis des Görlitzer Parteitages zu nehmen. Drest erstattete Bericht. Er wies darauf hin, daß der Koalitions- beschluß noch lange nicht besagt, mit der Deutschen Volkspartei unter allen Umständen in eine Regierung hineinzugehen. Warten wir ab, wie weit der Gesundungsprozeß dort vor sich geht. Erst dann können wir entscheiden, ob die Deutsche Volkspartei eine Partes ge- worden ist, die wirklich ernsthafte Volksinteressen wahrnimmt. Die größere Zahl der Diskussionsredner wandte sich gegen den Koalitionsbeschluß, in dem sie ein Hinausschieben der Eini- gung erblickt. Für den Koglitionsbeschluß traten ein u. a. die Genossen Pfeiffer. Weide und Fuß mit dem Erfolg, daß die Kreiskonferenz einen Mißbilligungsantrag ablehnte. Eine Fraklionssitzung der sozialdemokrakischen Skadkverordneken- fraklion findet am Donnerstag(heule) nachmittag, 4 Uhr. im Zimmer 63 statt, vollzähliges Erscheinen notwendig. Geheime Spiritusbrennereien. In den letzten Jahren haben in Groß-Berlin und Umgebung die Geheimbrcnnereien einen immer größeren Umfang angenommen. Die bisherigen Feststellungen haben ergeben, daß über 7S Proz. der aufgedeckten Geheimbrennereien von aus dem Osten zugewanderten Elementen betrieben werden, die hier- durch das Reich um Riesenbeträge an hinterzogenen Ab- gaben schädigen. Als Sitz der Geheimbrennereien kommen ins- besondere die noch nicht dicht bebauten Außenbezirke vpn Groß-Berlin in Betracht. Dem Treiben dieser Elemente zu steuern, ist auch die Bevölkerung von Groß-Berlin in der Lage, wenn sie verdächtige Beobachtungen zur Kenntnis der Behörde bringt. Ain zweckmäßigsten erfolgen derartige Mitteilungen an das Polizei- Präsidium, Abt. W., Berlin. Personen, deren Angaben zur Auf- deckung einer Geheimbrennerei führen, stehen hohe Belohnun- gen in Aussicht." Der Lustmörder Großmann befindet sich zurzeit noch im Berkner Polizeipräsidium, da die zahlreichen zu vernehmenden Zeugen, denen er gegenübergestellt wird, von Polizeibeamten erst ermittelt und dann vorgeführt werden müssen, da sie einer gerichtlichen Vorladung nicht Folge leisten. Es sind vielfach Angehörige der Kreise der Sittenmädchcn und ihrer Freunde— die nicht freiwillig vor Gericht erscheinen. Die Voruntersuchung ist gestern eröffnet worden und erstreckt sich auf die drei eingestandenen, wie auch auf die noch nicht aufgeklärten Mordfälle. Großmann befindet sich zurzeit in einem solchen Zustande körperlicher Schwäche und seelischer Depression, daß er nicht vernehmungsfähig ist. Sein Verteidiger, R.-A. Dr. Frey, hat deshalb Großmanns Ueberführung in das Lazarett des Polizei- gefängnisses beantragt. veleuchkung von Treppen und Fluren. Iluf Antrag der Neuköllner Ehrenbeamten hat sich das Bezirksamt veranlaßt gesehen, an das Polizeiamt mit dem Ersuchen heranzutreten, für die strikte Durch- führung der Polizeioerordnung, daß die Treppenhäuser vom Beginn der Dunkelheit an zu beleuchten sind, Sorge zu tragen, da die Ehrenbeamten durch Nichtbeleuchtung vielfach in der Ausübung ihrer Tätigkeit im Dienst der Wohlfahrtspflege behindert werdem Tariferhöhung bei der Hochbahn. Der am 13. September d. I. ergangene Schiedsspruch wegen der Lohnerhöhung des Personals verweist die Hochbahngesellschaft auf Deckung der entstehenden Mehr- kosten durch entsprechende Erhöhung der Fabrpreise. Diese soll vom 1. Oktober d. I. ab vorerst nur in ganz beschränktem Maße eingeführt werden. In der 3. Klasse wird der Fahrpreis für die 1. Zone(bis 5 Stationen) von 85 auf 90 Pf. erhöht, während er für die ganze Strecke auf 1 M. bestehen bleibt. In der 2. Klasse wird der Fahr- preis für die 1. Zone mit 1,10 M. beibehalten, für die ganze Strecke aber von 1,25 M. auf 1,30 M. erhöht. verloren« Im Stadtbahnzuge zwischen Iannowitzbrücke und Bahnhof Charlottenburg ist eine rotlederne Brieftasche mit Ausweis- papieren, quittierten Rechnungen und sonstigen Quittungen verloren- gegangen. Falls di« Tasche gefunden wird, möge sie dem Zentral- verband der Maschinisten und Heizer, Berlin, Engelufer 25, Zrm- mer 27, eingesandt werden. Im Rosr-Tbeater fand am Dienstag die Erftauffabrung eines Lust- svlels von Max W o r g I d k i statt: Die Bürgermcistcrwabl. Woipitzki, der als Dramatiker in seiner oslvreusiischcn Heimat bekannt geworden ist, packt eine Anzabl dieser charakteristischen Typen und stellt sie mit erstaunlicher «ichcrbeil und LebenSechlbeit aus die Bühne. ES ist die typische Welt des oftpreuhüchen ttlcinbiirgertumS, die vor uns aufmarschiert. So klein und eng umgrenzt uns dies- Welt auch anmutet, hat sie doch ihre freundlichen und heiteren Seiten. Der Autor versteht es ausgezeichnet, mit seinem ge- sunden Humor und seinem leisen SarkaSmuZ diese Welt und ihre Menschen zu durchleuchten und entfesselte damit wahre Lachsturme. Man ist sogar versucht, das Stück als das Volkslustspiel Ostpreußens zu bezeichnen, zu dem es durch ein paar Striche und Milderungen leicht werden kann. ES bietet gesunde dramatische Koü und verdient, aus unfern Volksbuhnen Tieiinifch zu werden. Um die Jnszcnicrnng hat sich Oberspielleiter F. von Strom verdient gemacht, der die lustigen und. übermütigen Szenen glatt abwickelt. Von den zahlreichen Mitwirkenden zeichneten sich Alice Vo etsch, Hermann Schmelz und Albert S ch m i d t in den Hauptrollen durch eindringliches Spiel aus. Eine ostpreutzische Haudwcrkertvpe von sabel- basier Echtheit gab Felix W r a s ch k e. DaS weibliche Gegenstück dazu Margarete K ü h n e r t._ Vezirksbildungsansschuß Groh-Berlin. Wir bitten dringend, die Karten und Marken sür die Festkonzerte emzulösen. Am Freitag, den 30. d.M., abends S'/zUbr, Wiederholung der Walküre" im Tbeatcriaal der Neuen Welt, Hascnheide 108/114. Karten -um Preise von 7,I>0 M. sind zu haben im Bureau des BezirkSbüdungS- nUSschusseS Lindcnstr. 3, 2. Hof 4 Tr.. Fimmer 12 Geöstuet S-S Uhr, Donnerstags biS 7 Uhr, und in der Buchhandlung Vorwärts, Lindenstr. 2 (Laden). Vortrage, vereine unö Versammlungen. V»lk«svrsorge. Vcrtrauensmänncrversammlungen am Donnerstag, den __ 0.tVe S,"sZ�Z». 72,"73T75' 7»,"7«"ÜÄ"7»).— Abt. Norden lBezirl« 2, 8, 12 und 64) bei Lehmann, Charlottenburg,«Lnigsweg 8, abends 7zh Uhr. [S I und lailoc ll/nrf 1 AI üas fettgedruckte Wort 2,00 M.(zulässig I Uvllva null 1 Kl. 2 fettgedruckte Worte). Stellengesuche 9 («taMfe..... und Schlststellenanzelgen das erste Wort(fettgedruckt) 1 I jedes wcltcreWort 60 Plg. Worte Uber IS Buchstaben zählen doppelt R Kleine Anzeigen( Anzeigen f�SÄVsiS bis 5 Uhr nachmittags in der Haupt-Expedition des Vorwärts, Berlin SW 68, binden- Strasse:» abgegeben werden. OcBlfnetTon 9 Uhr früh bis 5 Uhr abends Verkäufe de btlllgl achte Woche tiiuigre SJerlauf vor Vreiserhöhuiig, Deckbett 60.—, Zttsten in.—. Laken 29.—, JntetiS 106.—, Wäschestoffe, HaniUücher Engrospretse. Gelegenheit nicht versäumen. Fachmännische Bedienung. Fahrtvergätung. Wäfchefabrik, Grüsestrahe ueununddreibig (Hasen Heide). 130K» ige enorm billig! In» olg« billigster Stosseinkäufe iefere ich Anzüge wit prima Zutaten von 276 M. an. Schlüpfer, Raglans MI an. Streif, und Flimschnlster»6.—, Kerbst. kojtüme, entzückende Noppe- schlüpfer, ModeLulster 260. Riesenauswahl, direkt Werl. statt. Altmann, Rosenthaler. strahe 44, III. Hackcschcrmarll. süchse, WSlfe, ökunkz. Her. renpelze, Sealmäntel sowie Pelze aller Art 00 Proz. her abgefegt. Jede, x..... o8K { Möbelspeicher. Möbelab. Zahlung ohne Preisaufschlag. Komplette Zimmer. Cinzel- Möbel spottbillig. 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Ottober das Wahlprüfungsgericht zur Prüfung der Wahlen in Ostpreußen I und Schleswig-Holstein XIV zusammen- treten wird.— Libg. R e m m e l e hat gegen eine in seinem Bureau von der Berliner Kriminalpolizei vorgenommene Haussuchung wegen Verletzung der Abgeordnetenimmunität Beschwerde er- hoben. Die Beschwerde geht an den Geschäftsordnungsausschuh, desgleichen ein kommunistischer Antrag, die über den Reichstagsab- geordneten Wendelin Thomas- Augsburg verhängte Straf- Haft für die Dauer der Sitzungsperiode des Reichstags aufzuheben. — Es folgt die erste Lesung des Gesetzentwurfs zur Verlängerung der Vorlage betreffs Abweichungen vom Viersteuergesetz bis zum 31. März 1922. Bis zu diesem Zeitpunkt können die Brauereien billigere Streckungsmittel, wie Abfallreis und Mais, verwenden. Abg. 3aud(Bayr. Bp.) lehnt namens seiner Fraktion die Bor- läge ab. Die Vorlage wird in erster und zweiter Lesung angenommen. Gegen die sofortige Vornahme der dritten Lesung erhebt Abg. Jaud Einspruch. Die Verordnung zur Aenderung der Ausführungsbestimmungen zum Besoldungsgesetz geht an den Beamtenausschuß. Es folgt der Nachtragshaushalt betreffend Sie Teuerungszulagen für öle Reichsbeamten. Nach der Vorlage soll mit der Wirkung vom 1. August ab der Teuerungszuschlag zum Grundgehalt und zum Ortszuschlage für die planmäßigen Reichsbeamten in der Ortsklasse A 93 Proz. betragen, in B 91 Proz., in C 89 Proz., in D 87 Proz. und in E 85 Proz. Auch die außerplanmäßigen Reichsbeamten erhalten einen weiteren Tcuerungszuschlag. Abg. Sieinkopf(Soz.) gibt namens feiner Fraktion folgende Erklärung ab: Eine fühlbare Milderung der Not der Beamten bringt diese Erhöhung nicht. In- folgedesten sind auch die Spitzenorganisationen nicht befriedigt. Sie halten an ihrer Forderung einer sozial gerecht gestalteten Staffe- lung fest. Die sozialdemokratische Fraktion verlangt, daß bei einer weiteren neuen Regelung eine Staffelung nach Gehalts- s ä tz e n eintritt, wobei die Geringbesoldeten besonders berücksichtigt werden. Wir geben dem vorliegenden Gesetzentwurf nur unter der Voraussetzung unsere Zustimmung, daß bald eine neue Vorlage er- folgt, die die Wünsche der Beamten erfüllt. Abg. Dr. Petersen(Dem.): Wir bedauern, daß die Wünsche der Beamten durch diesen Entwurf noch nicht befriedigt sind. Wir wollen aber das Zustandekommen des Gesetzes in diesem Augenblick nicht gefährden. Abg. Frau Zieh(IL Soz.): Bei der Verteilung von Zulagen unter Arbeiter, Angestellte und Beamte ist man leider nicht gerecht verfahren. Alle Beamten müssen eine gleichmäßige Teuerungszulage erhalten. Abg. veuermann(D. Vp.): Wir müssen ein Besoldungsgesetz machen/ das die Friedensgehälter als Grundlage nimmt und sie um- rechnet nach den jetzigen Tcuerunasvcrhältnisicn. Wir bedauern auch, daß die Spannung zwischen den Bezügen der Pensionäre und denen der im Dienst befindlichen Beamten noch immer nicht ver- ringert worden ist. ' Abg. Deglerk(Dnat.): Die Sätze müssen bald erhöht werden, und zwar so, daß vor allen Dingen die Beamten der unteren Be- soldungsgruppen ein einigermaßen auskömmliches Leben führen können. Abg. Höste(Z.): Wir verlangen einen einheitlichen Teuerungszuschlag. Die Regierung hat das vorläufig ab- gelehnt. Der Unterschied in der Teuerung zwischen Stadt und Land ist aber zweifellos heute nicht mehr so groß, daß so starke Unter- schiede in Gehältern sich daraus rechtfertigen. Abg. Bach(Komm.): Die am meisten schreien, fallen sofort um, wenn es heißt, es sei angeblich kein Geld da. Abg. Dauer(D. Vp.) stimmt dem Gesetz zu. Die Vorlage wird darauf in allen drei Lesungen unverändert gegen die Kommunisten angenommen. Das Explosionsunglück in Oppau. Auf der Tagesordnung steht dann die mehrheitssozia- l i st i s ch e Interpellation, die die Regierung auffordert, fest- zustellen, welche Umstände das Unglück verschuldet haben und was zur Verhinderung derartiger Unfälle geschehen kann. Den Geschädigten soll aus öffentlichen Mitteln Hilfe geleistet werden. Aehnliche Anträge der Unabhängigen und Kommunisten werden mit der Beratung verbunden. Abg. Drey-Hannover(Soz.) begründet die Interpellation. Räch den Mitteilungen unseres Partei- organs in Ludwigshafen waren am Mittwoch 414 Tote geborgen, 126 werden vermißt. Wir gebe« uns. keinem Zweifel hin, daß die Zahl der Vermißten ebenfalls als Opfer zu buchen ist. Neben diesen Opfern zahlreiche schwer Verletzte! Allein 40 Personen sind ihres Augenlichts beraubt. Den Toten unsere Trauer, als Helden der Ar- bcit unser Gedenken und zugleich das Gelöbnis, zu arbeiten, damit ähnliches verhindert wird. Möge diese Welle des Mitgefühls, das auch bei unseren ehemaligen Feinden Widerhall ausgelöst hat, zu einem Strom hilfsbereiter Tat werden. Wie war das Unglück mög- lich? Generaldirektor Bosch hat an den Gräbern der Toten erklärt, man stehe vor einem Rätsel. Sämtliche bereits vorher gemachten Versuchs und Untersuchungen haben die Unschädlichkeit des einge- lagerten Produktes bewiesen. Das kann uns nicht beruhigen. Man hat ferner von einem Verbrechen aus Neid über unsere industriellen Leistungen gesprochen. Ein Verbrecher hätte sich doch, zumal die Explosivität des Ammoniaksulfats nicht bekannt war, sicherlich an Maschinen und Apparaten vergriffen. Herd des Unglücks ist ein A m m o n s u l f a t s i l o gewesen. Bevor die Erfindung des Herrn Prof. Haber der Ernährung dienstbar gemacht wurde,' diente sie der Z e r st ö r u n g. Sie diente dazu, während des Weltkrieges Explosionsmittel zu schaffen. Teile der Erzeugung, die sich in dem Silo Nr. 1l> zu Ammonsulfatsalpeter verdichtet hat, sind während des Weltkrieges an mehr als einem Orts Deutschlands Ursache der Explosion, Ursache der Zerstörung von Menschenleben und Menschengesundheit gewesen.(Hört, hört! links.) Leider konnten wir während de- Krieges wie bei so vielen anderen Dingen auch hier die volle Wahrheit n�icht erfahren. Aber wir wisieu, daß Menschenleibcr in unerhörter Zahl in den Städten gefallen sind, und zwar infolge dieser Explosiv- fkoZsc, die in Ludwigshasen erzeugt worden sind. Die in ihrer Wir- kung so schrecklichen Spreng- und Geschoßmittel entstanden aus jenen Stoffen, die nun wieder im eigenen Lande unter den Angestellten und Arbeitern sowie unter der Bevölkerung der Nachbarschaft ver- hecrs.id gewirkt haben. Warum beunruhigt die Erklärung der Eeneraldirektion der Anilinwerke auch heute noch? Wenn man vor einem Rätsel steht, wie es dieses fchreckens- und entsetzungsvolle Ge- fchehcn darstellt, wer bürgt denn dafür, daß die Silos— ich glaube, es sind jene, die mit 112 und 126 bezeichnet sind, in denen noch 8999 Tonnen Aminonsulfat logern—(Hört, hört! linksl nicht zu einem neuen Unglücksherd werden können? Wenn keine Kunstfehler und keine technischen Versehen vorliegen, wenn Derbrechen ausge- schlössen sind und wenn das Unglück das Werk einer chemischen Um- fetzung ist, was droht dann den Unglücklichen in Bettieb und Um- gebung? Ihnen drohk doch eine neue Sakastrophe. Es ist die Aufgabe der Reichsregierung, Sicherheit zu schaffen, daß die noch vorhandenen Lager nicht eine zweite Quelle des Todes und der Verwüstung werden. Als zweite Forderung bezeichne ich eine Aufklärung der Ursachen, die in bef rücksichtslosesten und unnachsichtigsten Weise vorgenommen werden muß. An drei Massen- gräbern habe ich im Einverständnis mit den Arbeitern der Forde- rung Ausdruck gegeben, daß die Arbeiter und ihre Vertreter bei diesen Untersuchungen beteiligt werden müssen. (Zustimmung bei den Soz.) Diese Forderung wiederhole ich hier. Meine Fraktion hat einen entsprechenden Antrag gestellt. Der Ar- beiter muß wisien, in welcher Gestalt der Tod ihn mitten aus der Bahn reißen kann: er muß wissen, von welchen Gefahren er um- tobt ist. Ich habe mit den Arbeitern der Nachtschicht gesprochen, die durch ihren Feierabend dem Unheil entronnen sind. Sie schildern die Arbeit in den Silos folgendermaßen: Früher wurde die zu Stein gewordene Masse mit dem Pickel losgeschlagen, losgekratzt: dann ist man zu einem Sprengverfahren übergegangen. Nach dem Sprengen wird mit Pickel und Schaufel nachgearbeitet, um die Masse zum Transport nach einem anderen Silo gelangen zu lassen. Dieser Transport vollzieht sich mittel- eines Transportbandes. Die Masse kommt, nachdem sie hier enffpeichert, zur Aufspeicherung in einen anderen Silo, von dort zur Mühle. In der Unglücksnacht siel den Nachtschichtlern die Farbe des zu bearbeitenden Materials auf. Ein Teil der Klumpen zeichnete sich durch gelblichtrübe Farbe aus, die kleinen Teile sind weiß. Die Nachffchichtler sagten: Uns fiel diese gelbliche Farbe auf, sonst war das Material immer weiß. Das Material wird terrassenförmig aufgebaut. Auf der untersten Sohle liegt naturgemäß das älteste Material. Dies hat also Fabrikationswärme nicht mehr aufzuweisen. Auf dieser u n t e r st e n Stufe fiel einem Nachtschichtler die Wärme des Materials auf. Das lag bereits seit dem Monat Juni unberührt, hatte also Fabrikationswärme nicht mehr. Er führt Zeugen an, zu denen er in seiner derben pfälzischen Art gesagt hat: »Da schaut einmal her, auf diesem Material kann man sich den— ich ersetze das derbe Wort durch die bekannten vier Buchstaben— dran wärmen." Wärme ist sonst an dem Loden des Silos nie auf- gelrelen. Dieser Arbeiter sieht hierin die Quelle der Explosion, er glaubt, daß sie durch Selbstentzündung erfolgt sei.(Zuruf von der D.Vp.: Weshalb sagte er das nicht der Di- rektion?). So gescheit war er schon, das hat er schon getan! Aber er konnte es in der Nacht nicht mehr wn. Ich werde nachweisen, daß die Direktion da Maßnahmen zu treffen hatte. In dem Silo wurde die Temperatur gemessen. Sie stieg bis zu so und 60 Grad.(Hört, hört! links.) Auch darin erblicken die Ar- bester ein Zeichen, daß mit der Hitzeentwicklung als Gefahrenquelle gerechnet worden ist und gerechnet werden mußte. Von Maßnahmen, die die Hiheeniwicklung paralysieren, ist mir nichts mitgeteilt worden. Die Nachtschicht vor dem Unglück wurde von Gasen belästigt. Auch das ist früher nicht beobachtet worden. Die Arbeiter erblicken in diesen Gasschwaden die Vorboten des Unglücks.(Hört, hört! links.) Ich frage: War ein chemisch gebildeter Leiter, ein mit solchen — ich darf wohl sagen: wetterverhällnlsscu vertrauter Mann, am Arbeitsplatz? Die Vergebung der Arbeit in diesen Räumen macht es nach meiner Auffassung zur Notwendigkeit, daß ein derart vorgebil- deter Mann ständig die Aufsicht führt, denn die Vergebung dieser Enffpeicherung erscheint mir im höchsten Grade bedenklich, und sie ist auch den Arbeitern immer bedenklich gewesen. Sie ist an eine Tiefbau Unternehmerfirma Gratz vergeben ge- wesen, die die Arbeiten im Akkord ausführen ließ, d. h. nicht die Arbeiter arbeiten im Akkord, sondern ini Tagelohn, aber die Firma übernahm die Arbeit gegen Akkordierung. Die Arbeiter haben mir versichert, daß diese Firma Gratz sehr wählerisch gewesen ist und sich meldende Arbeiter aus dem Betrieb nicht angenommen hat.(Hört, hört! bei den Sozialdemokraten.) Dieser Tiefbaufirma war als Entgelt eine Bezahlung gegen Townenleistung zugesichert. Den Arbeitern drängt sich die Empfindung auf, daß dieses Zählungssystem zu Sprengversuchen geführt hat, bei denen es auf die Loslösung großer Mengen ankam, und ich glaube, diese Befürchtung der Arbeiter hat etwas für sich. Eine weitere Gefahrenquelle erblicken die Arbeiter in einer Prämierarbeit, die zuerst im September 1920 eingeführt und im November 1920 eine Erweiterung erfahren hat. Bei der Ein- führung dieses Akkord- und Prämiensystems hat die Arheitervcr- tretung nicht mitgewirkt. Jedenfalls darf nicht weiter gesprengt werden. solange das Unglück nicht völlig aufgeklärt ist. Die Zusage des Reichspräsidenten auf ausreichende Versorgung der Hinterbliebenen wird hoffentlich erfüllt werden und darf sich nicht aus Privathilfe beschränken. Die Forderungen des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes und der Afa müssen erfüllt werden. Jedoch halten wir die Vorlage eines besonderen Gesetzes nicht für er- forderlich, weil der 6. Ausschuß schon morgen an die Arbeit gehen kann. Dem kommunistischen Antrag auf Einsetzung eines Untersuchungsausschusses, an öem auch Arbeitervertteter teilnehmen, stimmen wir zu. Die Hilfsaktion muß sich auf die geschädigte Be- välkcrung von Oppau und Umgegend ersttecken.(Lebh. Bravo! links.) Reichsarbeitsminister Brauns: Die Rsichsregierung hat sich nach dem Unglück sofort mit den zu treffenden Maßnahmen befaßt und das Reichsarbeitsministerium mit der Untersuchung und der Einleitung der ersten Hilfe bettaut. Der Umfang der Katastrophe, soweit sie Menschenleben gefordert hat, steht noch immer nicht ganz fest. Trotz der angesttengtesten Arbeit ist es bis jetzt noch nicht möglich gewesen, sämtliche Tote, die unter den Trümmern begraben liegen, zu bergen. Die Gesamtzahl der Toten ist ans etwa 400 zu schätzen. Mehrere hundert Personen sind schwer beschädigt und eine große Anzahl leicht verletzt worden.(Der Minister fchildert eingehend den Umfang der Zerstörungen und ver- liest die Erklärungen der Fabrikleitung über die Ergebnisse der bis- herigen Untersuchung über die Ursachen des Unglücks.) Auf welche Vorgänge die Explosion letzten Endes zurückzuführen ist, insbeson- dere wie sie eingeleitet worden ist, konnte bisher nicht ermittelt wer- den und wird sich vielleicht auch künftig nicht ermitteln lassen. D i e Versuche der chemisch-technischen Reichsanstalt baben ergeben, daß das Doppelsalz mit starken Sprengkapseln, wie sie im Bergwerksi>ettieb gebraucht werden, nicht zur Explosion ge- bracht werden kann, wohl aber durch elektische Zündung bei festem Einschluß in eiserne Röhren. Einer Erklärung der Vadi- scheu Anilin- und Sodasabrik zufolge soll die Herstellung von Ammonsulfaffalpeter und ähnlichen balzen in Oppau nicht wieder aufgenommen werden. Dafür will sich die Fabrikleitung der Her- stellung ungefährlicher, aber für die Verwendung in der Landwirt- wirffchaft ebenso brauchbarer Düngemittel zuwenden. Ich bin in Oppau nicht nur mit der Betriebsleitung, sondern auch mst der Arbeiterschaft in Verbindung getreten. Bei der Besprechung hat sich ergeben, daß auch die Arbeitnehmer noch kein end- gültiges Urteil über die Ursache des Unglücks abzugeben im- stände waren und sich im wesentlichen auf die Angaben der Fabrik- leitung beschränkten. Bei diesem vorläufigen Ergebnis soll es je- doch nicht bleiben. Die Untersuchung wird unter Mitwirkung aller Beteiligten, auch der Arbeiter, fortgesetzt werden. Auch seitens der Staatsanwaltschaft in Franken- thal ist unter Mitwirkung technischer Sachverständiger eine Unter- suchung eingeleitet worden. Vom Standpunkt der Unfalloer- hütung müssen weitere, gegebenenfalls auch gesetz- geberische Folgen aus den Ergebnissen der Untersuchung ge- zogen werden. Unsere zweite, ebenso dringliche Aufgabe ist die Hilfeleistung für die Opfer der Katasttophe. Die Reichsregierung hat sofort die Bewilligung von 10 Millionen Mark-beantragt. Für Unterbringung der Obdachlosen und den Wiederaufbau der Wohnungen sind alle Maßnahmen getroffen. Ein besonderes Gesetz zur Versorgung der Opfer von Oppau ist nicht notwendig. Ein Spezialgesetz für die Opfer eines Unglücks hat schwere Bedenken für die soziale Gesetzgebung überhaupt. Es wird alles geschehen, um helfend einzugreifen. Auf Antrag des Abg. Müller(Soz.) wird die Besprechung der Interpellation beschlossen. Abg. Hosmann-Ludwigshasen(Z.): Eine Erbauung war mir die heldenhafte Kameradschaft der Arbeiter, die ihren verunglückten Kameraden Hilfe brachten. Die Ausführungen des Arbeitsministers haben uns befriedigt. Die 10 Millionen der Reichsregierung reichen nicht aus, wir find bereit, mehr zu bewilligen. Abg. Dr. Semler(Dnatl.) fragt den Ernährungsminister, ob durch den Ausfall an Düngemitteln jetzt nicht etwa die Landwirt- schaft gefährdet werde. Abg. Dr. Moldenhauer(D. Vp.): Wir stimmen der Einsetzung eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses zu. Ich möchte aber warnen, schon jetzt Leute, die noch unter dem Eindruck der Katastrophe stehen, als Zeugen zu vernehmen. Abg. Schwarz-Baden(U. Soz.): Wir wollen niemanden als Schuldigen hinstellen, aber es geht nicht, daß die Direktion der Ba- dischen Anilinfabrit so tut, als ob ihre Unschuld schon einwandfrei bewiesen wäre. Der Untersuchungsausschuh muß feststellen, ob bei den Sprengungen die üblichen Sicherheitsmaßnahmen getroffen wurden. Ein Notgesetz ist erforderlich, weil die Sozial- gesetzgebung bei der Not der Hinterbliebenen in solchen Fällen un- zulänglich ist. Wer den Geschädigten wirklich helfen will, muß unseren Antrag annehmen. Abg. Diettich(Dem.): Die Explosion hat mit dem Produktions- prozeß nichts zu tun. Der Stickstoff ist eine Lebensnotwendigkeit für die Landwirtschaft und muß deshalb weiter erzeugt werden. Der parlamentarische Untersuchungsausschuß kann nur der Beruhigung dienen, aber keine wirkliche Aufklärung über die Ursachen bringen. Abg. Remmcle(Komm.): Meine Erkundungen an Ort und Stelle decken sich mit den Ausführungen des Kollegen Brey, auch mir wurde gesagt, daß bei den Sprengungen fahrlässig vorgegangen worden ist. Es war sehr bezeichnend, daß die Paläste und Villen in Mannheim und Ludwigshasen den obdachlosen Familien kein Quartter gewährt haben. Auch wir stehen auf dem Standpunkt, daß es einen subjektiv Schuldigen nicht gibt. Daß aber eine objektive Schuld vorliegt, deren eigentliche Ursache in der Profitgier des Kapitals zu suchen ist. Die Unternehmerschaft der chemischen Indu- strie muß in erster Linie zum Ersatz der Schäden herangezogen werden. Damit schließt die Aussprache. Auf Antrag der Unabhängigen und Kommunisten wird ein parlamentarischer Untersuchungsausschuß ein- gesetzt. Der kommunistische Anttag, daß dieser Ausschuß auch An- gestellte und Arbeiter zuziehen muß, die von den in Oppau Be- schäftigten gewählt werden sollen, wird gegen die �Stimmen der Un- abhängigen und Kommunisten abgelehnt. Die Anträge auf Bor- läge eines Notgesetzes gehen an den 6. Ausschuß. Damit ist die Tagesordnung erschöpft.— Nächste Sitzung, Frei- tag, 12 Uhr: Kleine Vorlagen, Friedensvertrag mit Amerika, An- ttäge der Deuffchnationalen und Unabhängigen bett. die Verordnung des Reichspräsidenten und die bayerische Angelegenheit.— Schluß'AS Uhr. » Der Aeltestenrat des Reichstages beschloß in seiner Mitt- wochsitzung, den Gesetzentwurf zum Schutze der Republik sowie einen ähnlichen Entwurf, welcher von den Sozialdemokraten eingebracht worden ist, am Freitag bei der politischen De- b a t t e mit zur Beratung zu stellen. «* Völkerverhetzung am Maffengrab. Unter dieser Ueberschrift wendet sich unser Hamburger Parteiblatt mit der größten Schärfe gegen die Art, wie einige rechtsstehende Hamburger Blätter es unternommen haben, auf Grund fa l s ch e r Darstellungen der Haltung der fran- zösischen Besatzungsbehörden und-Truppen die grauenhafte. Oppauer Katastrophe im nationalistischen Sinne auszuschlach- ten. Auch wir hatten bereits am vorigen Donnerstag gegen ähnliche Versuche rechtsgerichteter Berliner Zeitungen ent- schieden Stellung genommen. Indes verdient der vom„Echo" zitierte Artikel der„Hamburger Nachrichten" auch hier be- kannt und an den Pranger gestellt zu werden, zumal er zu einer Zeit erschien, wo die ersten unwahren Nachrichten über eine Nichtbeteiligung der Franzosen am Rettungswerk längst widerrufen waren. Die„Hamburger Nachrich- ten" schrieben: »Wenn wir uns früherer deutscher Hilfsleistungen in fremden Ländern erinnern, so verlangen wir keineswegs, daß fremde Völker nun uns helfen, denn dieses Verlangen wäre doch vergebens. Deutsch- land hat sein Empfinden und seine Nächstenliebe für sich: von andern werden sie nicht geteilt. Daß sich die Franzosen, die mit der bayerischen Rheinpfalz auch Ludwigshafen besetzt halten und dort überreiche Truppenkräfte stehen haben, nicht am Rettungs- werk, ja nicht einmal an den notwendigen Absperrungen beteiligten, werwundertsichdarüber? Niemand durste von den Iran- zosen etwas anderes erwarten.... Die Franzosen verbieten das Hilfswerk mit grinsendem Zynismus. Nicht einmal den eigenen Volksgenossen mit deutscher Hilfe im schrecklichen Unheil beistehen zu dürfen, ist das grausamste Los, das uns diese Tage aus französischer Hand bescheren. Doch der Sadismus ist ja französischen Ursprungs und der Marquis de Sade der größte Franzose, in dem sich sein Volk am deutlichsten verkörpert sieht." Aus allem, was wir bisher vernommen haben, geht her- vor, daß die Franzosen sich anläßlich der Oppauer Katastrophe in jeder Hinsicht tadellos verhalten haben. Wenn aber diese unqualifizierbaren Gemeinheiten rechtsstehender Blätter der D a n k für ihre Opferwilligteit sein sollen, dann darf man sich allerdings nichst darüber wundern, wenn in Zukunft die Vefcchungstruppen dem Schicksal der dortigen Einwohner teilnahmslos gegenüberstehen. Niemand ersehnt lebhafter als wir den Tag, an dem auch die westlichen Teile Deutsch- lands wieder frei werden. Durch derartige s ch m u tz ig e Provokationen werden aber alle Bestrebungen, die auf eine Erleichterung der Okkupationsverhältnisse und auf eine Verkürzung der Vesetzungs�auer hinzielen, in frevelhafter Weise durchkreuzt._ Kleine vorlagen im Landtag. Der Landtag nahm gestern seine Sitzungen wieder auf. Vize- Präsident Porsch macht Mitteilung von dem Ableben der sazialdemo- kratischen Abgeordneten ch e l l c r- Berlin und O e ll e r i ch-chan- nover. Das chaus ehrt das Andenken der Verstorbenen durch Er- heben von den Plätzen. Der Entwurf betreffend Abänderung des Beamtendienst- einkommengesetzes sowie ein deutschnationaler Antrag über das Besoldungsdienstalter der Militäranwärter gehen an den Beam- tenausschutz. Der Gesetzentwurf zur Aenderung des Artikels 43, Z 4 des Ausfllhrungsgcsetzez zum BGB. über die Beibringung von Zeug- nisten bei Eheschließungen von Ausländern im Inland wird dem Rechtsäusschuß überwiesen. Es folgt die Beratung der Abänderung der Anordnung vom 1l). August 1820 über die Beschäftigung weiblicher Angestellten in'.Gast- und Schau?- wirtschaften. Nach§ 2 soll die Beschäftigung weiblicher Angestellter in einer Gastwirtschaft untersagt werden, wenn sie die Interessen der Ge- sundheit oder der Aufrechtcrhaltung der guten Sitten gefährdet. Sie muß untersagt werden, wenn die Person des Wirtschaftsinhabers keine hinreichende Gewähr für einen genügenden Schutz der sittlichen oder gesundheitlichen Interessen der weiblichen Angestellten bietet. Gemäß Z 5 kann die O r t s p o l i z e i b e h ö r d e einer weiblichen Angestellten die Beschäftigung in einer Gastwirtschaft untersagen, wenn die Annahme gerechtfertigt ist, daß die Angestellte bei Aus- Übung ihres Berufes die guten Sitten oder den Anstand gröblich verletzt. Ein Antrag der Unabhängigen wünscht Streichung des% 5. Frau Sunert(U. Soz.) erkennt an, daß die Borlage einen Fort- schritt bedeutet, wendet sich aber gegen den§ 5. Zumindest müßten die Angestelltenorganisationen zu seiner Ausführung herangezogen werden. Abg. Frau Hanna(Soz.) erkennt gleichfalls die Fortschritte an, die meist auf die sozial- demokratischen Anträge zurückgingen. Wir bedauern, daß nicht eine Bestimmung in die Vorlage ausgenommen worden ist, wonach die weiblichen Angestellten nur gegen festes Entgelt beschäftigt werden dürfen. Auch wir hegen große Bedenken gegen den Z 5, doch sind uns von der Regierung im Ausschuß Garantien dafür gegeben worden, daß die Ortspolizeibehörden nur in ganz be- sonders dringlichen Fällen eingreifen dürfen. In der weiteren Aussprache äußert Abg. Barkel(Dem.) im Interesse des Gastwirtsgewerbes Bedenken gegen die Borlage und beantragt ihre Ueberweisung an den Ausschuß für stände! und Ge- werbe. Die Vorlage geht an den Bevölkerungsausschuh. Es folgt die Beratung des Antrages des Abg. o. Krause (D. Bp.) auf Einsetzung je eines ständigen Siedlungsausschusscs für das ländliche Siedlungswesen und für das städtische Wohnungs- und steimstättenwesen. Ein demokratischer Antrag will eine Trennung des Ausschusses stl einen Ausschuß für das landwirtschaftliche Siedlungs- und Landheimstätten- wefen und einen Ausschuß sür das Wohnungs- und Wohnheim- stättenwesen. Abg. Host(Dem.) begründet letzteren Antrag. ' Abg. Mcyer-Solingen(Soz.): Wir haben uns nicht von der Note wendigkeit der Schaffung zweier getrennter Ausschüsse überzeugen können. Die Materien sind nicht so verschieden, daß eine Trennung gerechtfertigt ist. Abg. Bergmann(Dnat.) wendet sich gleichfalls gegen getrennte Ausschüsse. Abg. Kilian(Komm.): Wir fordern Einsetzung eines besonderen Ausschusses für das Wohnungswesen, der sich insbesondere mit der Frage der Schaffung von Wohnungen beschäftigen soll. Ein Regierungsvertreter: Die Arbeiten auf diesem Gebiete sind so umfangreich und in ihrer Art so verschieden, daß eine Trennung durchaus wünschenswert wäre. Nach weiterer Aussprache werden die Anträge der D. Dp. und der Demokraten abgelehnt. Der Antrag Siering(Soz.) auf Annahme eines G e s e tz e n t- wurfes über das stebammenwesen wird dem Ausschuß für Beoölkerungspolitik überwiesen. Der Gesetzesantrag bestimmt, daß jeder Frau in Preußen stebammenhilfe zusteht, und legt die Bedin- gungen für die Entlassung und Anstellung der stebammen fest. An Dienstcinkommen soll der Bezirkshebamme ein Grundgehalt von 3600 Mark jährlich zustehen: dazu kommt ein Zuschlag bis 100 vom 100 des Grundgehalts und eine Vergütung für die 31. und jede folgende Geburt, bei der die Bezirkshebamme innerhalb eines Jahres stilfe leistet. Für jeden Stadt- und Landkreis ist min- bestens eine Kreishebammenstelle einzurichten.. Der Vorschlag ent- hält ferner Uebergangs-, Straf- und Schutzbestimmungen. Es folgt die Beratung des Antrages Esser(Z.) auf schleunigste Vorlegung eines Gesetzentwurfes über eine zeitgemäße Erhöhung der stauflersteuer. Abg. Dr. Grund(Dem.) bsgründrt ew« ähnlichen Antrag, der außerdem Maßnahmen fordert, um den stau- sier- und Straßenhandcl einzuschränken.— Abg. staberland (Soz.) macht die Stellungnahme seiner Fraktion abhängig von der gesetzlichen Gestaltung. Die Anträge werden dem standelsausschuß überwiesen. Nächste Sitzung: Donnerstag, 12 Uhr. Fortsetzung Antröge, kleine Borlagen. Schluß: 6 Uhr. » Der Aeltestenausschuß des Preußischen Landtages beriet am heutigen Mittwoch vor der Vollsitzung über die Geschäftslage und beschloß, zunächst die zur Erledigung stehenden Gegenstände zu beraten. Bis auf weiteres zurückgestellt wurde die große Anfrage Braun(Soz.) über die Rechtspflege. Man wird diese Woche durchberaten und am Montag mit der Beratung des standelshaus- Halts beginnen. Am darauffolgenden Freitag wird dann voraus- sichtlich eine Pause eintreten. M WWW WlkiMWiMWIl Heute» Donnerstag» öen 29. September: 7. kreis(ThMotkenburg): 7 Uhr, wählerinnenverfammlung ia der Siemens-Oberrealschule, Schloßfkr. 77. Thema:.Die Be- dentung der Stadtoerordnekenwahlen für die Frauen". Referentin: Elfriede Ryneck, AI. d. R. 14. kreis lAeukölln, SS.. SO. u. 92. Abk.): 7 Uhr. in der Aola de» Realgymnasiums, Kaifer-Friedrich-Str. 210. IS. kreis(Pankow): 7�„Uhr. bei Lindner, Breite Skrahe Thema: .Die rechtliche Stellung der Arbeiter ia der Kommunal- Politik". Referent: Dr. Kallmann. Morgen,§reitag, öen ZS. September: 6. Kreis(stallesches Tor, 10. Abt.): 7 Uhr, Schulaula, Reichen- berger, Ecks Förster Str. Thema:.Sozialistischer Ausbau oder reaktionärer Rückschritt". Ref.: Stadtverordneter Dr. Lohmann. 9. Kreis(Wilmersdorf): 7'/, Uhr. Bismarck-Gymnasium, Pfalz- ourger Sir. 31. Thema:.Die wirtschaftliche Bedeutung der Wahlen im Reich, Staat und Kommune". Referent: 0 st e r r o t h. 10. Srei»(Zehlendorf): S Uhr. Llndenpark, Berliner Str. IS. Thema: .Der Kampf gegen die Reaktion im Berliner Stadt- Parlament". Ref.: p a u l st i r s ch. Ministerpräsident a. D. 15. Kreis(Baumschulenweg): 71/s Uhr im Lokal Wald. Eschenbach- straße 1. Thema:„Die Bedeutung der Stadtverordneten- wählen für die Frauen". ReferenKn: Elfriede Ryneck. M. d. R. IS. Kreis(Adlershof): 7>„ Uhr bei Wöllstein, Bismarckstr. Thema: .Die wirifchaftliche Bedeutung der Stadtverordneten- wahlen." Referent: Heinrich pierbücher. Taubflummenparleibund: 7 Uhr in den MusikersSleo, Kaiser- Wilhelm-Str. 31. Thema:»Die kommenden Sladlver- ordnctenwohlen und Stellung der SPD. zu den Zielen der Taubfwmmenabteilung". Ref.: RichardZoachim. Hroß-Ssrliner parteinachrichtea. Heute, Dannerskag. den 29. September: 16. Jtteis. NZxcnick. 7Z4 Uhr Sitzung der SPD.-EltcrnbeirSte im Nöpenicker Rathaus, Zimmer 42. Tagesordnung: 1. Besetzung von Lchrerstellcn. 2. Bor- trag Uder:„Lesfcntlichleit des Schulmiierrichis". Erscheinen aller Pflicht. Der Vorstand der Arbeitsgemeinschaft. 26. Abt. Die öffentlich« Versammlung findet heute nicht statt. Wir ersuchen alle Funktionäre, an der Funttwnärvcrsammlung teilzunehmen. Jnngsozialisten. Gruppe Schönhauser Vorstadt. Die Veranstaltung fällt au». — Gruppe Treptow. 7>4 Uhr im Jugendheim Elscnstr. 3, Vortragsabend.— Gruppe Tempelhof. 7Mi Uhr bei Radzuweit, Werder-, Eck- Auniaundenstrah«, Vortragsabend.— Gruppe Friedrichshagcn. 74 Uhr im Jugendheim Echarn- weberftratze, Vortragsabend. Gruppe Frietrichshain. 74 Uhr Gemeinde- schule Stratzmannstr. 6,„Moderne Richtungen". Ref. Bleck«.— Gruppe Reu- lölln. 74 Uhr im Jugendheim Rogatstr. 53, Vortragsabend.— Gruppe Spandau. 74 Uhr im Jugendheim Reucndorfer Str. 2, Vortragsabend. Frauenveranstaltungen am Donnerstag, den 29. September: 76. Abt. Schöncberg. 74 Uhr bei Grotz, Sedanstr. 17. Themal„Meine Erleb» niste im Orient". Ref. Heinrich Vierbllcher. 121. Abt. Karlshorst. 74 Uhr bei Bachnicka, Dönhoffftr. 26. Thema:„Die De» deutung der Frau im Stadtparlament". Ref. Frau Scheibenhuber. Morgen, Freitag, den 30. September: 7. Abt. Abrechnung der Bczirksfllhrer nachmittag» von 64 Uhr an bei Vogler. 14. Abt. 74 Uhr wichtige Sitzung der Bezirkssuhrer, Bctriebsvertrauensleut« und Ellcrndciräte im Lokal Krüger, Engeluser 23. Pünktliches Erscheinen aller Funktionäre ist erforderlich. 23. Abt. 7 Uhr Sitzung de» Vorstandes mit den Bezirlsführern in der Etting«! Klause, Ettinger Str. 4g. Wichtige Tagesordnung. 2Z. Abt. Die Abrechnung der BczirksfÜhrer mit dem Abtellungskasslerer hat bis spätestens Freitag abend zu"erfolgen. Bczirksbücher und Marken sind mitzubringen. 168. Abt. Köpenick. 74 Uhr im Siadttheatcr(kleiner Saal), Friedrichstrotze, Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1. Der Parteitag zu Görlitz. Ref. Franz Krüger, M. d. L. 2. Freie Aussprache. 3. Allgemeines. Jungsozialisten. Gruppe Schönebern-ffried-nau. 74 Uhr bei Riese, Akazien- strafte 14. Thema:„Aus dem sreien Amerika". Ref. Kurt Lösster. Gäste willkommen. Frauenveranstaltungen am Freitag, den 30. September: 2. Kreis. Tiergarten. 74 Uhr Patzenhofer Brauerei, Turmstratze(Meitzer Saal). Thema:„Die Lebrnsmittclteuerung und ihre Ursachen. Referent Arthur Häuftler.'_ Wetter PiS Zhreitag mittag. Trocken und vielfach heiter, in den Mittagsstunden, später, besonders im Norden, stärker bewölkt und im Küstengebiet strichweise etwas Regen. Soziales. Die neuen Beiträge zur Znveiidenversicherung. Am 1. Ottober treten die durch Gesetz vom 23. Juli 1921 (Reichs-Gesetzblatt Nr. 80) fesigltzetzten erhöhten Beiträge zur Invalidenversicherung und die neue Lohnklassenein- t eilung in Kraft. Alte Marken dürfen in den alten Werten für die Zeit nach dem 1. Oktober nicht mehr verwendet werden. Für die am 1. Oktober endende Woche ist dies danach noch zulässig. Die vollen Beiträge, wovon die Hälfte wie bisher der Arbeitgeber zu entrichten hat, betragen dann in den Lohnklasien A 3,50 M„ B 4,50 M.. C 5,50 M.. D 6,50 M.. E 7,50 M.. F 9 2»., G 10.50 M.. H 12 M. pro Woche. Der Klasseneinteilung liegt der Jahres- arbeitsverdienst zugrunde und zwar: Klasse A bis zu 1000 M., B mehr als 1000 bis zu 3000 M., C mehr als 8000 bis zu 5000 M., D mehr als 5000 bis zu 7000 M., E mehr als 7000 bis zu 9000 M.. F mehr al» 9000 bis zu 12 000 M., G mehr als 12 000 bis zu 15 000 M., und H mehr als 15 000 M. Nach dem Gesetz hat das Nähere über dies« Klasseneinteilung der Reichsarbeitsminister zu bestimmen. Das ist inzwischen durch eine Bekanntmachung vom 13. September(Reichs-Gesetzblatt Nr. 96) geschehen. Danach gilt für die Zugehörigkeit zu den Lohnklassen als Iahresarbettsverdienst bei täglicher Lohnzahlung das Drei- hundertfache, bei wöchentlicher Zahlung das Zweiundfünfzig- fache, bei zehntägiger das Dreißigfache, bei vierzehn- t ä g i g e r das Sechsundzwanzigfache, bei monatlicher das Zwölffache und bei vierteljährlicher Zahlung da» Vierfache des gezahlten, auf voll« Mark abgerundeten Entgelts. Anzurechnen sind ferner Gewinnanteile und andere Bezüge, die der Versichert« gewohnheitsmäßig erhält, nach dem im vergangenen Kalenderjahre bezogenen Betrage. Für Sachbezüge gilt der nach 8 169 Abf. 2 der Reichsversicherungsordnung festgesetzte Wert. Für unständig Be- schäftigte gilt als Jahresarbeitsverdienst das Dreihundertfache des Ortslohns._ ?ugenüveranftaltungen.* Verein Arbeiter.Ingend.«ekretari-t: SB. 66, Linde»str.», 2. Hos Und». 2 Treppe» recht». Telephon! Mpl. IA 08—16. Ein« Schule» tlassnnswseicr vom 17. Krri,(Ostbahn) findet am 36. Septem- der im Jugendheim Friedrichskelde, Schuttarack« Rummelsburger Straße, statt. Alle schulentlassenen Jugendlichen sind nedst Eltern herzlichst eingeladen. heuke, Dannerskag. den 29. September: Riederschln-weld«. Jugendheim Schule Berliner Strafte, Vortrag:.Lugend- wandern".— Stralauer Viertel. Jugendheim Ehrenhergstr. 23, Vortrag:„Die Bedeutung der Internationole".— Rosenthal. Jugendheim Waldersrrstr. 6: Mit: gliederoersammlung.— Schönhansrr Voriiadt I. Besuch de» Damkonzert». Treff- Punkt 47 Uhr Zugendheim.— Sstde». Jugendheim Schule Stallfchreiberstr.»4»: Mitgliederversammlung. «ln«»»derknrsn» beginnt am Sonnabend, den 1. Oktober, im gentral- Jugendheim, Lindenstr. 3, abend» 7 Uhr. Vortrag:„Arbeiterjugend und Wan- dein". Die Kursusabrnde finden an jedem ersten Eonnabend tni Monat mit folgenden Themen statt: Sonnabend, den 5. November:„Märkische Landschaft». formen"(mit Lichtbildern).— Sonnabend, den 3. Dezember:„Pflanzenkunde" (mit Lichtbildern).— Sonnabend, den 7. Januar 1622:„Dir Urgeschichte der Marl Brandenburg".— Sonnabend, den 7. Februar 1622:„Erste Hilfe beim Wandern".— Sonnabend, den 4. Marz 1822:„Kartenkunde"(mit Lichtbildern). Teilnehmerkarten zum Preis« von 3 M. sind im Jugendsekretariat und am ersten Vortragsabend zu haben._ Mus aller Welt. Der Brand im Reubav de, Pariser Warenhauses.Printemp»", das an der Ecke des Boulevard Haußmann gelegen ist, hat bald auf dos ganze Gebäude übergegriffen: um 9 Uhr vormittags stürzte die Front ein. Es gelang der Feuerwehr, den alten Bau zu schützen. Personen sind nicht zu Schaden gekommen. Der Brand soll infolge von Kurzschluß entstanden sein. Reue Eisenbahnlinie tm ehemaligen Deutsch-Ostafrika. Die eng- lisch« Regierung hat mit der Firma Norton Griffichs u. To. soeben einen Vertrag über den Bau einer neuen Eisenbahnlinie in der Kolonie Konya, dem ehemaligen Deutsch-Ostafrika, abze- schlössen. Die neue Linie, die sofort in Angriff genommen werden soll und deren Kosten auf 2 Millionen Pfund Sterling veranschlagt werden, geht von Rakuru an der Uganda-Eisenbahn aus und hat als Endstation Turbo auf dem Uasin-Gishu-Plateau. E» ist pro- jektiert, diese neue Strecke später nach Uganda hinein fortzuführen und sie so zu dem Bindeglied zwischen Mombasa und der Kap-Kairo» Strecke zu gestalten._ Sriefkaften der Redaktion. Brleflich« Auskunft wird nicht»rteilt.— Jeder sär den Urses- lasten bestimmten Anfrage füge man einen Buchstabe» und eine Nummer der. Eilige Anfragen trage man in der Juristischen Sprechstund«, Lindenstr. 3, 1. Hof pari, links, vor. Schriststücke und Verträge sind mitzubringen. O. Z. 26. Ein« ohne Zustimmung de» Mieteinigungsamt«« erfolgte Künbi» nun» ist rechtsunwirksam. D:« Zahlung de» Zuschlage» können Sie ablehnen.— A. K. 1876. Gesetzliche Bestimmungen bestehen darüber nicht. Nach unserer Ansicht liegt eine Anstellung auf unbestimmte Zeit(also nicht mehr zur vorüber- gebenden Aushilfe) vor.— a. H. 123. 1. Ja. Beim Finanzamt.\ und 4. Nein. Ein Exemplar der Zeitschrift mutz aber sofort nach Erscheinen«.n die Polizei- deHörde de» Ausgabeorte« abgeliesert werden. 5. Gewerbe- und Umsatzsteuern. 6. Das richtet sich nach der Höhe de» Betriebskapital» und des Ertrages de» Seschästes. 7. An die Steuerkasse. 8. Ja. 6. und 10. In jeder Buchhandlung, wo Sie auch den Preis erfahren werden. 11. Können wir Ihnen nicht angeben; die Preise sind verschieden. «. H. 1675. 1. Jawohl. 500 M. in nellnklassiaen höheren Schulen, 300 M. in sechsNassiacn mittleren Schulen. 2. Vom 1. Juli 1621 ab. 3. und 4. Die Richtlinien für die Schulgeldstaffelung hat der Magistrat noch nicht gebilligt. 5. Wann er'» tun wird, wissen wir nicht. Im übrigen verwelsen wir aus die Zioii» im„Vorwärts", Nr. 458. R. s. 16. 1. Infolge der März kämpf« de« Jahre« 1343 wurden am 2L. Mär, deerdiat: 183 Männer, 5 Frauen und 2 Kinder: ltnig« Tag« danach noch einig» Zwanzlg, dl« an den Folgen ihrer Verletzung starben. 2. Ia. 3. Ersehen Sie am besten au» Tümpel- Buch:„Zw ei Jahr« Mord", durch Luchhandlung Bor- wärt» zu beziehen. CLA/TIJCH illFT DURCH LAlOTG CLCOAHT L Theater ,lichftspieie etc. J Opernhaas Der Barbier v. Sevilla 7 Uhr Schaospielbans Der Kronprinz 7V,■•■ Uhr Oentsches Theater 7: Herodes u. Mariamn« Freitag TVa.Uhr: Kean Rammerspiele P/j: T)ie Jungfern T, Blscbofs- berg Freitag 7V>: Die Jungten! von Bischofsberg Gr. Schaospielhaos (Karlstralte) 7: Die Räuber(Im Abonn.) Frt7: Die Räuber(Auß.Ab.) Theater i. d. KöniggrSizer Str. 7.30: Satans Maske Mitdem Feuer spielen (Orska, Rtemann, Bildt) Ptg.: Die Fahrt ins Blaue Komödienhaos Täglich 8 Uhr: Max Pallenberg Hans Waßmann Im neuen Burleskenschwank Jonnys Busen freund Berliner Theater Täglich 7.30 Uhr: ZW ron Beruauer u. Sc.iauzer MusiH von Jean Gilbert Hauptdarsteller: Fritzi Massary«. a, Ralph Artur Roberts Betty Feiner/ H. Klper Centr*l-Thentep u.:DiePdStine!ster!n Deatfich.Opcrnhaa. 7v.ui.r Tiefland Crlctlr. Willi cl um t.Th. s uhr: American-Girl Intimes Theater 8: Die Spelunke/ Lauf doch nicht Immer nackt herum ä£l. Sohsnaplelhnu. 7',, Uhr: Reigen I/nstsplelhans u/)rDieScbanspleler Metro po!:Thenter 7v. u: Die StraSensäugerin Afcucs Operettontheat. & uhr: Die Königin ö. liaciit ATcnc» Tfaeat.» Zoo Heute u morgen geschlossen Sonnabend I. Okt. 7 Uhr: Roda-Roda- Prem lere JVeaesVoIkstheatcr Tv-u.: DerMe! naedknde SehlNer-TliQnl.Ohnrl. ?>/, uhr- �lora SebloLparK» Tb. Steglitz tv. u.: Ahes um Geld TliallA-TheAter r/, u.: Schäm' Dich. Lolte Th.anl Vollondorrpltttr. y/t- Wohltätige Frauen Der Vetter aus Dingsda Theater des Wentcns 7v,u.: Die Braut i Luculius Th.l.d.Kommandantenstr. (JUdlsches KUnstler-Theater) 8 Uhr: Newejle Wallner-Theatep 730 uhr: Nixchen Volksoperette Walhalla-TN. KDie schone Helena Residenz-Theater Täglich VI, Uhr: D. König: in Paris (Le Rol) Lustsp. r. Tiers u. CalOiTel Olga Ulmburg Lotte Klinder, Richard Senlus, Kalter-Tita, Oskar Sabo Lotte Devls Trlan on-Th eater Rente 7 Uhr zum I. Mala: Tod und Teufel von Frank Wedekind Vorher: D. Kammersänger Ida Wüst Erich Kaiser-Titz, Käthe Haack, Heinr. Schroth, Fr. W. Kaiser Re�ie: Georg Altmann Kleines Theater Täglich 8 Uhr: Frl. Josette— meine Frau Engen Burg, Carola Toelle, Jul.Falkcnsi t in, Lotte Klinder, Hans Albers. | 11 Schlager Volksbühne Theater am BQIowpIatz Erstaufführung: 7 uhn Masse Mensch Lessing-Theater Heute u folgende Tage 7V,: Die Spielerelen ein. Kaiserin (Durieux, SteinrUck, Ulmer) Deutsches Künstler-Theater Allabendlich 7VtUhrs Die fiaiieriea des Königs (Leopoldine Konstantin) RoseTheater 8 Uhn Die Bürger» melsterwahl ®7hater « des Ostens (Rose-Theater) Gr. Frankfurter Str. 182 Unter der neuenDIrektloa Leopold Saenger — ErstautfGbrung:— am Sonnabend, d. 1. Okt. VI, Uhr: Bas Glück der kleinen Laote VolksstUck mit Gesang in 3 AKien ron J. Branll, Musik ron Fritz Neupert. Vonrcrk. r.Donnerstag an Theaterkasse ron 10 bis 1 Uhr geöftnet Preise der Plätze von 4 bis 10 M. Folie« Capi-lce Heute 8 Uhr z. letzten Male: Die Geliebte auf Teilung; Morgen Freitag 8 Uhr: UrauffChrung; Nanons Debüt Posse mit Gesang in 3 Akten von L. Leonhard mit Perd. Grünecker CASINO-TEEATER Lothringer Str. 37— Tägl. V,8 Das neue ErSftnungs-Progr. mit der Spitzbubenposse SxzeUenz JKaxe. Vorher: Das laktigeSIngspici Und wem ea Inst paaalcrct Stg. 3*/.: Melodien d. Herzens Theater a. KottbuserTer Tel.: Moritzpl, 16077 Täglich?>/, Uhr und Sonnt, nachm. 3 Uhr Elite-Sänger — 10 Herren 1— Witz! Komik! Nachm. halbe Preise VThMl-l'/t u.4-6Uhr B-Gchi Reines Vuriete-Prograniffl Rauchen gestattet t I Lnisen-Theater- Llchtspleie 34 Reicbenbcrger Str. 31 Eröffnung I. Oktober Urautlübrnng! "'�nobler Uhr er«Ja; 'Ott GroBes Orchester. Sonntb«! Heginn 4 Ulyr APOLLO-THEATER Direktion: James Klein s uhr Ab 1. Oktober s uhr Frau Lima Große Ausstattungs-Operette von Panl L'ncke, unter allabendlicher persönlicher Leitung des Komponisten OsoarSabo iDJlseBernafFrauLufla) Martin Kettner. 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Oerwaltungsltdle Berlin X IL 54, CinUnltr. 55— 85 (Befchäftsjeit von dorm. 9 Uhr bis nachm. 4 Uhr Telrphon:«mt Norden 186, 1239. 1987. 9714. Erwerbslose(Kranke). »Igen Quartalsschlnß ist am eaaaaSenb, den 1. Oktober, die strantenadteilung gesch'" Die Mifgiieder, deren erhoiien ihre Un: vormittago von I -lchtunal mhdblefelÄirleltet. mml Wegen Quartal. fchiutz bleibe» Me Buszahlung»- und AbserNgungtzschaller am 1. Oktober geschlossen, die Rollegen, deren Woche am 1, Oktober«nbeL erhastm am S. Ottober ihr«Selb. tzm« anderen Rollegen erhallen nach»Wons ihoer»rtzsttsiosen- aioch««uazahlnuo um ihram BerasafchaltOe. Die CftSbermalftini. WtthleN«»tlmch? »er. deren ftahitag ans de» 1. Oktober filllL �******""*' � �N>trmber. I«* enm IifUhnfMia-eanteatiifft (Gemewsnme BetriebS-Krankenkafft z»»erlin). Sie Twsstellnng der Äneschußmltglieder anb«rsahieut, erfolgt nach feetaeeoerkschastlichen«runbsäfien In Betriebs» Versammlungen, die durch dir Bezirksleiter de» Deutschen M-tallarbeiterverdande» in der Woche ao» 3.»ia S. Oflabat einberufen werden. Die Bezirtsieiter der Bezirke Z. 8, ll, S, 7. 8. tz. I», 18. 14» 18, 16. 17, 18» 19, ZV, 21, 23 werden zur Empfangnahme de. Wahimalerlai» und zur Informierung zu Areltaa, den 30. Sepfambae, abend» 6 Uhr, Linienstr. 83/85, gimmer 8, eingeladen. Erscheinen unbedingt ersorderüch. IM Auftragt de» Berwaltung: Gutsch«. iipen Der verbandsbeilrag beträgt nicht« Mark, sondern 10 Mark Erstmalig zu zahlen am Sonnabend, dem l. vtlober. für die Woche vom 2.— S. Oktober. Der Gauvorstand. 41/1«»___ Z>er wa ti borst G MewlMMe H. Lampreeht, Baalln-Zrapfem, veachtstrast, 17 liefert direkt an Private Stoste für hareaa an» Damen ju Fadetchriiskn Ulster- nnb pnlatokstaUa in großer«ut« wohl von 36 Mar! an. s» Otzitnbw Mttallirbsltwiertk ScctaaUaagssteOa Berli». DenMttgNedern»urRach- etchL daß unser Rollege, der Dreher Bonrsä Llndner Neukölln» Weichselplah 6 am 25. SepL gestorben ist. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 29. Sept., aachrnmag« Ti, Uhr, von der Lridienhalle de» Neu- köllner Semeindesrtedhofes. MariendorferWegans statt. Ferner starb unser Rollege, der Fahrstuhlführer ffllh. Schneider vochstUdter Str. 8 MN 2«. September. am tjVEitog. orn 30. Sept� vorm. II1/, Uhr, Im Rrema- wrtum»erichtstrafie statt. vhee Ihrem«adenken! Reg« Beteiligung erwartet Die Ortsverwalwng. Am 26. September starb nach schwerem Leiben unser Mitglied, der Rraaleu» hmtrolleur JqUqs Vinhler hn«»er von 6t Jahren. Wir werden seiner stets in Ehren gedenken. Dt« Beerdigung stndct am Tonnadend, den L Oktober, nachm VI, Uhr, guf dem Sadwest-Friedhos in Stahnsdorf statt. Möglichst zahlreiche Be- telligung, besonder» der Sllnge«, erwarltt Der»«estanb. 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Felix P e t p r e k: Slächll. Zug, 3 Grotesken, 3 Etüden. Vom Urmenschen znm Kulturmenschen betitelt sich eine Reihe von Vorträgen, die Dr. Adolf H e i l b o r n am 21. Oktober in der » Urania" beginnt. Die sechs von Lichtbildern und Demonstrationen begleiteten Vorträge wollen eine kurze, allgemeinverständliche E n t- wickln ngsgcschichte der menschlichen Intelligenz geben. Die Juritireie Kuuftichau im Moabiler Glgspalast wird wie die des Vorjahres im groben Saale grotze delorative und monumentale Eni- würfe zeigen. Ein Saal soll den modernen Holzschnitt vorjühren, ein anderer ist für Aquarelle bestimmt, Rachenau über ö> In München hielt der Wicderaufbauminister Dr. Rathenau eine groß angelegte politische Rede, in der er zunächst auf die Bei- legung des Konfliktes zwischen Bayern und dem Reich einging und dann zur Frage oes Wiederaufbaues folgendes ausführte: Es ist gesagt worden, ich hätte ausgesprochen: wir können zahlen, wenn wir nur wollen. Wenn Sie meine Reichstagsrede nach- lesen, auf die diese Worte gemünzt sind, so werden Sie finden, daß ich für unsere Leistungsfähigkeit eine sehr ernste Grenze gesetzt habe, nämlich neben der physischen vor allem die sittliche Notwendigkeit. Ich habe gesagt, es ist entscheidend, wiewelt man das Recht hat, ein Volk in Not geraten zu lassen. Das ist die Grenze einer jeden Leistungsfähigkeit, und das habe ich bewnt. Darüber hinaus habe ich gesagt, daß gerade darin die Schwierigkeit der Er- füllung besteht, daß ein ungerechter, schlecht aufgebauter Index uns zu Leistungen verurteill, die im voraus nicht zu übersehen sind und die ins Ungemesiene steigen können. Sie werden selbst empfinden, daß das scharf in Widerspruch steht gegenüber einem solchen kallen Worte, wie es mir in den Mund gelegt wird. Diejenigen, die uns beständig wiederholen: Wir können nichts leisicn, wir müssen jetzt zusammenbrechen, was wollen sie denn damit bezwecken? Wollen sie damit bezwecken, daß wir jetzt sofort in diesem Augenblicke alle unsere Leistungen einstellen und ein „Ron possumus" aussprechen? Sind sich denn diejenigen, die an- geblich im Namen der Wahrheit solcke Erklärungen abgeben, bewußt, was es bedeutet, wenn in diesem Augenblick das deutsche Volk sagt: „Wir leisten nichts!"? Sind sie sich darüber klar, daß dieses be- ständige Wiederholen des Wortes:„Wir können nicht", von der an- deren Seite gar nicht anders gedeutet werden kann als:„Wir wollen nicht? Deshalb darf diese Diskussiou überhaupt nicht geführt werden. Von anderer Seite ist im Volt ausgesprochen worden: wir müssen zur Nestauration und Restitution der Welt bei- tragen, wir müssen den ernsten Willen haben, dazu beizutragen. Es wird in bedeutendem Umfange möglich sein, und diesen Punkt müssen wir erreichen. Die restlose Erfüllung dessen, was der Verlrag von Versailles und das Ultimatum von London verlangen, würden die Weltwirt- schaft noch liefer schädigen als uns. Die Weltwirtschast wird eines Tages das„Ron possumus" aussprechen, und diesen Moment werden wir erleben.(Beifall.) Wie siegen denn die Dinge draußen? Sie liegen so, daß Eng- l a n d augenblicklich mehr als zwei Millionen Arbeits- l o f e hat. Amerika hat in diesem Augenblick etwa sechs Millionen Arbeitslose. Kompetente Amerikaner haben mir gesagt, es sei wahr- scheinlich, daß die Zahl in diesem Winter bis auf acht Millionen steigt. Rehmen Sie zu diesen Ziffern hinzu, was noch in anderen Ländern an Arbeitslosen existiert, so werden Sie zu dem Ergebnis kommen: die Zahl der Arbeitslosen aus jener Seile ist fast so groß wie einst die Zahl ihrer Kämpfer gewesen ist. Mit der Notwendig- keit, die für Deutschland gelassen wird, in diesem unerhörtem Maße Waren zu produzieren und auf den Weltmarkt zu werfen, mit dieser Notwendigkeit werden aber die Mengen der Arbeitslosen draußen im Auslande sich nicht vermindern, sondern vermehren. Es gibt Völker, die das Rentnertum ins Herz geschlossen haben. Das R e n t- nertum von Land zu Land ist nicht möglich, und wir werden sehr bald die Erkenntnis auch draußen aufdämmern sehen, daß, wenn man unsere Lasten noch so hoch schrauben könnte, man nichts weiter erreichen würde, als die Ernährung eines jeden fünften Arbeitslosen auf unsere Kosten. Was hat ein Land damit gewonnen, wenn es fünf Millionen Arbeitslose hat und damit sich zu trösten sucht, daß eine Million dieser Arbettslosen von Deutsch- land ernährt wird. Biel besser ist es, wenn an Stelle der Arbeits- losen der Rentnerstaaten und des Generalschuldners, wenn an Stelle dieses verworrenen, ungerechten und unmöglichen Systems eine internationale wirtschastliche Verständigung entsteht. Mit Freuden habe ich von der Rede Churchills Kennwis genommen. Wenn«in Schwerkranker in einer Familie siegt, so hott man die besten Aerzte an das Krankenbett. Wenn die Wirtschaft eines Kontinents, ja eiwrs ganzen Erdballs aber im Verscheiden ist, gibt man sich nicht die Mühe, auch nur die wenigen Wirtschaftskenner, deren man sich versichern kann, zu Rat« zu ziehen. Auch darin wird eine schwere Enttäuschung für das Ausland liegen, daß man erkennen wird, daß die Finanzierungsform, die man glaubte gefunden zu haben, die Her- einnähme der deutschen B o n S, die mit A, B und C bezeichnet worden sind, daß diese Fknanztat ohne Erfolg blieb. Neutrale lichen Erörterungen teil. Dom Hauptvorstand(Bochum) war Gen. H u e erschienen. eSine Rede galt der Propagierung des Gedankens der proletarischen Solidarität und der dauernd friedlichen Völkerverständigung. Die Bezirksleiter Gen. Franz und Cichy be- richteten über die Lohnverhandlungen und das unverantworttiche Quertreiben der Moskowiter. Ihr Erfolg wäre, daß die Konferenz nun polizeilich überwacht und den Rednern allerhand Freiheits- beschränkungen auferlegt seien. Obendrein wäre nun die Wieder- einführung des eben aufgehobenen Belagerungszustandes zu be- fürchten. Auf diese Weise arbeiteten die Kommunisten für die Kapitalisten. Die Lohnverhandlungen haben durchschnittlich 6,60 M. Zulage, steigend bis zu 10,50(mit Kinder- und Hausstandsgeld) er- geben. Die Bezirksleitung empfehle die Annahme dieser Abschlags- zahlung. Wegen der Aufstandszulage werde mit der I. K. verbandest werden müssen. In der Diskussion kam die Erregung der Arbeiterschaft über die Teuerung, zu geringe Lohnerhöhung und das Ausbleiben der Aufftandszulage sehr scharf zum Ausdruck. Die Tätigkeit der Bezirksleitung wurde fast durchweg anerkennend ge- würdigt. Zahlreiche Redner berichteten, daß nach dem Polen- putsch eine große Ernüchterung in weiten Kreisen der polnisch sprechenden Arbeiterschaft einge- treten seil Die Uebertritte aus den polnischen Or- ganisationen zum Verband der Bergarbeiter Deutschlands seien außerordentlich zahlreich! Sehr beklagenswert sei die Verzögerung der Entscheidung über Oberschlesien. Alles leide unter diesem Zustand. Nach Ab- schluß der Diskussion wurde ei n st immig eine Entschlie- ß u n g gefaßt, die das Lohnzugeständnis als eine vorläufige Ab- schlagszahlung bezeichnet die Verbandsleitung beauftragt, die Lohn- frage weiter zu verfolgen, auch Schritte zu tun gegen die wucherische Teuerung. Der Bezirksleitung wird volles Ver» trauen ausgesprochen, die kommunistische Hetze gegen die gewerk- schaftlichen Organisationen scharf verurteilt. Ferner wurde gemäß dem Berlangen einer Reihe Diskussionsredner beschlossen, an die I. K. (Interalliierte Kommission),»deren Aufgabe es war, den Aufstand zu verhindern", heranzutreten mit der Forderung einer Wirtschafts- beihilfe zur Änderung der durch den Aufstand erzeugten schweren Rot der oberschlesischen Arbetterschaft. Kemals Sieg. London, 28. September(WTB.) Ein»on neutraler Seite herrührender Bericht aus Smyrna hebt hervor, daß die griechische Niederlage in Anatolien ernster sei, als bisher zugegeben wurde. Zwei griechische Divisionen wurden gefangen ge- nommen und verloren den größten Teil ihrer Artillerie. Die Ge- samtoerluste werden auf 2S 000 Mann geschätzt. Laut„Daily Telegraph" soll der Minister des Aeußern der Angora-Rcgicrung Jussuf Kemal die Absicht haben, von neuem nach Moskau zu reisen, um einen russisch. anatolischen Wirt» schaftsverband zu schaffen. m wieöeraufbau. Finanzleute haben gesagt: wir würden sie vielleicht mit SV nehmen, aber nern nicht.,.. Also auch an dieser Stelle wird eine Enttäuschung entstehen, denn diese Wertpapiere sind nicht fundiert. Der einzige Weg, der beschritten werden kann, um aus der euro- päischen Verwirrung herauszukommen, um die Wege der Reparation innerhalb der Grenzen der Möglichkeit zu beschreiten, ist der der verständigen Aussprache und der geschäftlichen Verhandlungen. So abe ich denn versucht, diesen Verhandlungsweg mit Frankreich zu eschreiten, und ich glaube, daß es nicht ganz vergebens gewesen ist. E6s wäre falsch, diese Derhandlunoen mit irgendwelchen poli- tischen Transuktionen zu verquicken. Geschäftliche Dinge müssen gesondert behandelt werden. Frankreich hat für seinen Wiederaufbau vieles getan. Das darf nicht in Abrede gestellt werden, und doch ist ein Wiederaufbau in vielen Punkten weit zurück. Die Schwierigkeit ist nicht sowohl eine technische wie eine finanzielle. Eine große Anzahl von Wiederausbaugesellschasten arbeitet in Frankreich. Aber sie haben sehr schwere finanzielle Lasten zu tragen, und der französische Staat, der vor allem darauf ausgeht, keine Inflattonsvolitik zu betreiben, ist In seinen Mitteln nicht unbeschränkt, um diese Gesellschaften zu fördern. Auf der anderen Seite besteht das berechtigte Interesse der Bewohner jener Gebiete, wieder in ihre Beftonsungen zu kommen, um in geordnete Erwerbsverhältnisse einzutreten._ Diese Bewohner üben heute schon einen gewissen Druck aus die Regierung aus. Die Regierung ihrerseits ist gern bereit, chren Wünschen entgegenzukommen. Das sind die Wünsche auf fran- zösischer Seite. Sie lassen sich aussprechen in dm Worten: B e- scyleunigung des Wiederaufbaues. Aber auch auf unserer Seite besteht dieser Wunsch. Es ist drin- gend nötig, daß nach einem Kriege auch seine Spuren verschwinden. Auf der anderen Seite liegt für uns die Frage so, daß wir von allen Wiederherstcllungsleistungen am schwersten leiden unter der Deschassung der Zahlungsmittel. Wir haben gesehen, daß das, was eine 1 �jährige Inflationswirtschaft nicht durchsetzen konnte, nämlich eine erneute Entwertung der Mark, in wenigen Monaten bewirkt worden ist durch das An- schaffen von Gold und Devisen in einem Umfange, der für unsere Wirtschaft untragbar war. Es handelt sich also um das Problem des Ersatzes von Goldlelstungen durch Sachleistungen. Wir dürfen nicht im Zweifel darüber sein, daß ein einzelner Vertrag mit Frankreich das Problem nicht in seiner ganzen Breite löst,� daß er aber einen Ansang dazu macht. Selbstverständlich wird die fran- zösische Industrie sich selbst einen erheblichen Anteil dabei sichern. Aber ihre Leistungsfähigkeit ist nicht unbegrenzt. Es scheint, daß sie die Absicht hat, uns einen erheblichen Anteil an dem französischen Wiederaufbau einzuräumen. Im Augenblick haben wir wenig Arbeitslose. Einzelne Fa- briken sind nicht imstande, den Anforderungen zu entsprechen, die man an sie stellt. Aber woher kommt das? Es kommt daher, daß wir gerade ein.Stürzen der Mark hinter uns haben. Ich glaube, daß im Hinblick auf die Friedensoertragsbcstimmungen und auf das Ultimatum die Beschäftigung des Auslandes gering bleiben wird. Um so wesentlicher ist es für uns, auf deren Schul- tern die alleinige Last der Reparation einstwellen ruht und ich glaube, nicht für alle Zeiten ruht, wenigstens das zu erreichen, daß unsere Arbeiter einigermaßen beschäftigt sind, daß aus dieser Beschäftigung die technischen Fortschritte erwachsen, die sich eben nur bei einer zureichenden Beschäftigung der Industrie ergeben können. Das ist einer der Gesichtspunkte, die es für mich wünschenswert erscheinen lassen, daß man auch eine Verständigung auf geschäftlichem Wege mit den Nachbarstaaten anstrebt. Der Gedanke ist der, daß auf dem Gebiete der Spezialwaren, z. V» der Maschinen, Transportanlagen und einigen individuokisierten Gütern ein Anrechnungssystem geschaffen werden soll, das es er- möglicht, daß die französischen Industriellen in freier 55 ej- einbarung von deutschen Industriellen einkaufen und das Produkt, das sie erworben haben, auf die Wiedergutmachungs- forderungen anrechnen lassen. Etwas anderes ist es mit denjenigen Waren, die regelmäßig in großen Mengen und in gleich- artigen Qualitäten gehandelt werden. Da hat es sich darum ge- handelt, ein System zu finden, das rasch und sicher arbettet, da» auf der einen Sette baldige Lieferung, auf der anderen Seite baldige Annahme gewährt und das zu gerechten Preisen führt. Die schwedischen Wahlen. Stockholm, 28. September. Die Wahlen zur Ersten Sammer sind beendet. Die Sozialdemokraten haben S0 Sitze bekommen, die konservativen 41, die Liberalen 38. Bauern- bund 18, Linkssozialisten 2. Kommunisten 1. Die Sozialdemokralen haben Ihren früheren Bestand beibehailen, die Kooservaklven haben 4 Sitze gewonnen. Das Ergebnis der Wahlen zur Zweiten K a m m e r ist noch nicht bekannt, es wird jedoch als sicher belrachtck. daß ein sozialdemokratisches AI ini st erium Branting gebildet wird. WirtfehM Zur Vevisenhaulse. Die Steigerung der Preise für fremde Zahlungsmittel, die noch immer anhält, wird vielfach damit begründet, daß das Reich für seine Deoisenkaufe die Kurse für fremde Wechsel hochtreibe. Dem- gegenüber ist festzustellen, daß in der letzten Zeit die Devisenankäufe des Reiches stark nachgelassen haben und daß z. B. gestern sogar von der Reichsbank holländische Gulden auf den Markt ge- bracht wurden, um die übermäßige Steigerung dieser Kurse zu ver» hindern. Gleichwohl ist der Preis für 100 holländische Gulden auf 4000 Mark hinaufgeschnellt. Man sieht auch daraus, daß die De- visenspekulation es in erster Linie ist, die die Kurse in die Höhe treibt. Es handelt sich dabei nicht nur um die berufsmäßige Börsen- spekulation und den gelegentlich sehr starken Andrang des Privat- Publikums, auch die Industrie, die infolge des Balutarückganges eine Periode der Hochkonjunktur durchmacht, kauft, weil sie mit einem starken Rohstoffbedarf rechnet, fremde Zahlungsmittel, um damit die Rohstoffeintäuse auf lange Frist hinaus decken zu können. Stuf diese Weise treiben einzelne Jnteressentengruppen den Preis in die Höhe und d e n L e tz t e n, d. i. in diesem Falle das Reich mit seiner unge- und den Letzten, d. i. in diesem Falle das Reich mit seiner un- geheuren Gcldmarkschuld, beißen die Hunde. Es müßte alles aufgeboten werden, um in diesen Wirwarr Ordnung hineinzubekommen. Notwendig wäre dazu eine scharfe Besteuerung der Deoisenumsätze, sowett sie nicht bei der Beschaffung von Zahlungsmitteln zu lebenswichttgr Einfuhr benötigt werden, um den Gelcgenheitsspekulanten und der planlosen Devisenhamsterei das Handwerk zu legen. Würde nur derjenige Teil der Devisenankäufe von der Steuer ausgenommen werden, der durch die Reichsbant für einen nachgewiesenen dringenden Einfuhr- bedarf benötigt wird, so würde sich von selbst eine gewisse Zentrali» sation der Beschaffung volkswirtschaftlich notwendiger Devisen er- geben. Aus dem Ertrag der Steuer würde sich auch eine verschärfte Kontrolle des übrigen Devisenhandels, der zunächst in seiner Freiheit nicht beschränkt zu werden brauchte, erträglichen lassen. Jedenfalls ist es notwendig, hier schleunigst Maßnahmen zu treffen, die der Verschleuderung der deutschen Arbeit am Weltmarkt entgegenwirken! GewerMQjwbewegung Partei«nd Gewerkschaften. Der Bundesvorstand des Allgemeinen Deut- schen Gewerkschastsbundes schreibt uns zu unserer Notiz im gestrigen Morgenblatt folgendes: In wiederholten Beschlüssen hat der Ausschuß des ADGB. in Uebereinstimmung mit dem Afa-Bund sich in der Organisationsfrage auf den Standpunkt der Dreisäulentheorie gestellt, wonach Arbeiter, Angestellte und Beamte je für sich in getrennten Organisationen sich gewerkschaftlich vereinigen sollen. Das notwendige Zusammenwirken der drei großen Gruppen soll durch einen Kartellvertrag gesichert werden, wie er zwischen ADGB. und Afa-Bund bereits besteht. Mit dem Deutschen Beamtenbund ist der Vertragsabschluß bisher noch nicht zustande gekommen, doch sind die Verhandlungen bekanntlich noch nicht abgebrochen. Bei dieser Sachlage kann die Verpflich- tung, sich den Gewerkschaften anzuschließen, die dem ADGB. oder dem Afa-Bund angehören, nur den Arbeitern und Angestellten, nicht aber den Beamten auferlegt werden. Im Gegenteil ist es dringend': erwünscht, daß gerade die Parteigenossen unter den Beamten den im Deutschen Beam- t e n b u n d vereinigten Beamtenverbiinden sich anschließen und in ihnen verbleiben, solange nicht vom ADGB. und Afa-Bund eine andere Parole ausgegeben wird. Angestellte der Arbeitsnachweise und Hewerkjchasten. Kampf dem„Komba". Am Montag fand unter Leitung der Berliner Gewerk- schaftskommission eine Versammlung sämtlicher Angestell- ten der städtischen Arbeitsnachweise statt. Siegle von der Ge- werkschaftskommission gab einen Bericht über die Vorarbeiten der Gewerkschaftskommission in der Arbeitsnachweisfrage. Vom Ge- lamtvetriebsrat der städtischen Arbeitsnachweise wurde mitgeteilt, oaß auf Grund des am 30. März in der Preußischen Landesver- sammlung beschlossenen Unterbringungsgesetzes in den städtischen Arbeitsnachweisen aus den Grenzgebieten oertrieben« Beamte untergebracht werden sollten. Es bestand die Gefahr, daß ein Teil der von den Gewerkschaften vorgeschlagenen Arbeits- vermittler, die als Hilfsangestellte tätig waren, diesen ihren Platz räumen mußten. Eine gemeinsame Versammlung der Arbcitsoer- mittler und der Mitglieder der Kuratorien der städtischen Arbeits- nachweise sollte diese Angelegenheit gleichfalls behandeln. Da diese Versammlung eine Klärung nicht brachte und namentlich in der Frage„Tarifvertrag ooer Besoldungsordnung" Meinungsverschiedenheiten bestanden, sollten in weiteren Vcrsamm- lungcn die freigcwerkschaftlich organisierten Angestellten der städti- sehen Arbeitsnachweise selbst dazu Stellung nehmen. In zwei Versammlungen entschieden sich die Festangestellten wie auch die Hilfsangestellten für den Tarifvertrag. Das war auch der Standpunkt der Berliner Gewerkschaftskommission von vorn- herein. Siegle schilderte dann die historische Entwicklung des Arbeitsnachweises, der früher allein ein Privileg der Unternehmer war. Erst nach schweren und langwierigen Kämpfen bekamen die Gewerkschaften Einfluß und der p a r i t ä- tische Arbeitsnachweis kam zustande. Wir können es als Sozia- listen begrüßen, daß die Kommunen zu Trägern der städtischen Arbeitsnachweise gemacht werden. Bedingung aber muß sein, daß die Arbeiterschaft durch die Gewerkschaften Einfluß auf diese hat. Diesen Einfluß gilt es zu sichern. Der Ausschuß der Gewerkschaftskommission hat nunmehr eine ständige Kommission gebildet. Deren Aufgabe muß es sein, Ar- beitsnachweisfragen von allgemeiner Bedeutung zu bearbeiten und im besonderen die Wahrnehmung der Interessen der Angestellten in die Hand zu nehmen. Um die Kommission arbeitsfähig zu ge- stalten, sind alle am Arbeitsnachweis beteiligten Organisationen, so- weit sie beruflich verwandt sind, zu acht» Gruppen zusammengelegt, die je einen Vertreter in die Kommission entsenden. Dazu kommen drei Vertreter der Arbeitsnachweisangestellten und je ein Vertreter der Afa und der Gewerkschaftskommission. Die Kommission wird ihr Augenmerk auch auf die von der Stadt Berlin geplante Z e n- tralisation zu richten haben. Eine ihrer ersten Ausgaben wird es sein, in Anbetracht der schlechten Lohnverhältnisse einen Tarifvertrag für sämtliche f r e i g e w e r t s ch af t l i ch organisierten Ange st eilten auszuarbeiten, der mit dem Magistrat Berlin abzuschließen ist. Weiter beschäftigte sich der Redner mit dem Kommunal- beamtenverband(Komba). Der Standpunkt der Gewerk- schaftskommission geht dahin, daß dieser Verband als freigewerk- schafiliche Organisation nicht anzusprechen ist. Mitglieder der freien Gewerkschaften können also nicht gleichzeitig in dem Komba organisiert sein. Wir haben den Kampf gegen den Komba mit aller Schärfe aufzunehmen und seinen unheilvollen Einfluß, der beim letzten Streik der Festangestellten des Magistrats zutage trat, zu brechen und auszuscha'ten. Siegle schloß mit der Aufforderung an die Angestellten, fest zusammenzustehen und in diesem Sinne zu wirken, damit den Gewerkschaften der Einfluß gesichert bleibt und der Arbeitsnachweis auf die Höh� gebracht wird, wie es der Be- deutung der Gewerkschaften entspricht. Auf Beschluß der Versammlung wurde dieser Bericht ohne Diskussion entgegengenommen und drei Vertreter der Arbeitsnach- weisangestellten in die Kommission gewählt. Nicht nur die Arbeitsnachweisangestellten, sondern die gesamte freigewerkschaftliche Arbeiterschaft wird die Arbeiten dieser Kom- Mission mit großem Interesse verfolgen. Der Arbeitsnach. SPD. MUUilie ZMiMmslilWlW Heute Vonnerstag, öen 2H. September, abends H Uhr, im Kriegervereinshaus, Lhausteestr. 94. Tagesordnung: Stellungnahme zu den Beschlüssen des Parteitages in Görlitz. Referenten: Franz Krüger».Heinrich S l r ö b e l. ZNitgliedsbuch und Funttionärkarle müssen vorgezeigt werden. Der Bezirksvorstand. weis muß den freien Gewerkschaften erhalten bleiben. Die Organisationen, aus denen die Arbeitsvermittler hervorgegangen sind und in denen sie nach wie vor verbleiben sollen, hätten es sehr schwerzlich empfunden, wenn diese Angestell- ten dem Beamtenfimmel verfallen wären. Bei einem Be- amtentum würde ein großes Mißverhältnis zwischen Arbeitslosen und Beamten entstehen und der Nachweis der B u r e a u t r a ti- s i e r u n g verfallen Bei der Haltung der Angestellten der Städti- schen Arbeitsnachweise dürfte dem Komba hier die Tür verschlossen bleiben._ Kündigung des Berliner Mantcttarifvertrags. Der Magistrat hat den Manteltarifvertrag vom 15. Juni 1320 zum 31. Dezember 1321 gekündigt. Nach Bildung der Einheits- gemeinde Verlin fei die Schaffung eines einheitlichen Arbeitsrechts und einheitlicher Tarifverträge eine zwingende Notwendigkeit ge- worden. Auch manche Bestimmungen des Arbeiter-Manteltarif- Vertrages bedürfen der Klärung und der genaueren Fassung. Als selbstverständlich darf dann wohl erwartet werden, daß den beteiligten Arbeitnehmerorganisationen die Abänderungsvorschläge bzw. der Neuentwurf eines Manteltarifs möglichst bald unterbreitet wird, damit die Verhandlungen hierüber in aller Ruhe gepflogen werden können, so daß bis zum Ablauf des bestehenden Mantel- tarifs ein neuer Tarif abgeschlossen ist. Zum Holzarbeiterstreik. Gestern haben Verhandlungen zwischen den beiden Parteien vor dem Demobilmachungskommissar begonnen. Den Vorsitz führte Assessor Körner. Trotz mehrstündigem Verhandeln gelang es nicht, zu einem brauchbaren Ergebnis zu kommen. Die Verhandlungen wurden zwar nicht abgebrochen, doch scheint fürs erste ihre Weiter- führung nicht in Aussicht genommen zu sein. Beide Parteien wer- den voraussichtlich in den nächsten Tagen ihre Bedingungen für weitere Verhandlungen festlegen. Hermann Joseph, der Redakteur des„Bekleidungsarbeiter", ist am 21. September nach mehr denn einjährigem Leiden in Teupitz gestorben und dort am 28 September auf dem Anstaltsfriedhof bestattet worden. Trotzdem der Verstorbene nur ein Alter von 46 Iahren erreichte, hat er doch eine umfangreiche Tätigkeit im Dienste der Arbeiterbewegung geleistet. Schon in jungen Iahren widmete er sich in seiner Vaterstadt Erfurt der Agitation für die gewerkschaftliche und politische Bewegung und speziell dem Schnei- derverband, seiner Berufsorganisation. Bon 1304 bis 1307 war Joseph Leiter der Filiale Dresden, von 1307 bis 1312 Gauleiter in Frankfurt und von 1312 ab Redakteur der„Fachzeitung für Schneider", bis eine heimtückische Krankheit ihn an weiterer Tätig- keit hinderte. Seinen Mitarbeitern und Berufskollegen wird das Andenken des Verstorbenen stets unvergeßlich bleiben. lieber die Tarifverhandlungen im Privalbadegewerbe berichtete in einer gut besuchten Versammlung H e n t s ch k e vom Verband der Gemeinde- und Staatsarbciter. Die vollen Forderungen auf- rechtzuerhalten war unmöglich. Nur mühsam konnten die Arbeit- geber gezwungen werden, Zugeständnisse zu machen. Folgenden Vereinbarungen wurde zugestimmt: Die Stücklöhne werden von 40 auf 60 Pf. und von 1,25 auf 1,80 M. erhöht. Als monatliche Mindestgehaltssätze treten folgende Erhöhungen ein: Von 450 M. auf 650 M., von 475 M. auf 675 M., von 500 M. auf 700 M. und von 525 M. auf 725 M. Zu diesen Mindestgehalts- sätzen tritt eine Teuerungszulage von je 25 M. und eine Kinderzulage von 5 M. pro Woche. Ferner wird ein Sommerurlaub gewährt nach Ijähriger Tätigkeit 6 Tage, nach 2jähriger Tätigkeit 3 Tage und nach 3jähriger Tätigkeit 12 Tage unter Fortzahlung des entsprechenden Mindestgehaltssatzes. Die Annahme von Gästen für Schwitz- und Massagebäder erfolgt von früh 10 bis abends 6 Uhr und die für Wannenbäder von früh 10 bis abends 7 Uhr. Auch sind in der Verrichtung von Reinigungs- arbeiten einige Verbesserungen erzielt worden. Der Tarifvertrag hat Gültigkeit ab 1. Oktober 1321 bis 31. März 1322. In der sich lebhaft gestaltenden Debatte erklärte man die gemachten Zugeständnisse für zu gering. Da aber auf friedlicher Grundlage nicht mehr zu erreichen war und bei eventuell weiterem Anziehen der Preise für den Lebensunterhalt neue Forderungen gestellt werden sollen, stimmte die Versammlung zu. Gewerkschafksbibliolhekaret Nächste Sitzung: Sonnabend noch- mittag 4 Uhr, Saal 2, Gewerkschaftshaus. Tagesordnung: 1. Ge- plante Weihnachtsausstellung. 2 Bibliotheksfragen. Mitglieder der Bibliothckskommissionen sind gleichfalls eingeladen. Der Ausschuß der Gewerkschaftskommission Berlins und Umgegend. Achtung, Bauarbeiter! Es ist allgemein bekannt, daß das gesamte Unternehmertum auf die Einführung der Akkordarbeit drängt. Der Reichstarif- oertrag für das Baugewerbe läßt die Akkordarbeit nur dann zu, wenn die Fachgruppen der Ortsvereine dazu ihre Zustimmung geben. Hier in B e r l i n ist die Akkordarbeit für Maurer und Bauhilfsarbeiter verboten. Dessenungeachtet läßt die Firma Grosser u. Klein auf den Sicdlungsbauten in Wit- tenau, Lindenweg, in Akkord arbeiten. Die Firma hat die Ausführung dieser Arbeiten dem Maurer Biermann übertragen. Dies ist seitens der Firma ein Vergoß gegen den Tarifvertrag und sind mithin sämtliche Bauten der Firma Grosser u. Klein gesperrt. _ Der Vereinsvorstand. Verband der Sattler, Tapezierer nnd PorteseuIIler. Donnerstag 7 Uhr außerordentliche Generalversammlung im Gcmertschaftshau». Erhöhung der Ge- hiilter der Angestellten und Vorstandswahl. Eintritt nur gegen Legitimation. Sauptbetriebsrat der städtische» Betriebe»nd Verwaltungen. Plenarsitzung Freitag vormittag 91h Uhr Dreite Straße II. Schuhmacher Wilmersdorf«. Freitag 7 Uhr Versammlung der Mitglieder der Wilmersdorfcr Schuhmacher-Innungskrankenlasss im Lolal Brandenburgische Straße 8Z. Aufstellung der Kandidaten zum Ausschuß. zentralverband der Angestellt»«. Freitag 7% Uhr: Baumwoll-, Leinen-, Kleiderstosf-Großhandel: Funktionärsitzung im Verbandsbureau, Roter Saal, Bclle-Allianee. Straße 7/10.— Spedition: Funttionärversammlung im Englischen Hof, Alexandcrstr. 27a. Transportarbeiter-Verband. Brelterträaer, Platzarbeitcr und Kutscher aus den Fournier- und Nutzholzhandlungen Grost-Berlins. Freitag 7 Uhr im Engli- schen Hof, Alexandcrstr. 27a, Vollversammlung. Bericht der Lohnlommission. Verbandsbuch oder-karte ist am Eingang vorzuzeigen. Verantw. für den redakt. Teil: Dr. Werner Pelsrr, Chorlottenburg: für Anzeigen: Tb. Glocke, Berlin Verlag: VorwärtS-Verlag G.m.b.H.. Berlin. Druck: Vor- wärtS-Luchdruckcrei u. Verlagsanstalt Vau! Singer u. Co.. Berlin. Lindenstr. Z. Hierzu zwei Beilage» und Unterhaltungsbeilage„Heimwelt'. War Hornhaut, Schwielen Warzen I besetfigf d& inICch emphhlene m&onoifxh bewähr!» fKuBK+Bro! Sdlddifel Mi.SO in Apotheken«. Drogerien erhöItMi Die Berliner Hausfrauen-Vereine zeigen in unferemHaufeÄlexanderplat} lägt, von 10-6 Uhr Erzeugniffe der Hausbäckerei, Hausweberei und der Laubenkolonien Kochbirnen. I10 Essbirnen................ piund l25 Kaiserkronen......... piund I80 Kodi-u. Strudeläpfel pid 1M Essäpfel.................... piund f80 Gravensteiner........ piund 350 Weintrauben......... pn«) 650 Karpfen.-�.�.12°° Hedlte Icbcnd.....„......,Pfundf 3°° Goldbars ob« Kopi...... Pfund 340 Bücklinge—......„...ptimd 750 Sdiellfisdi................»{und 4S0 Flundern gros».......... Pfand 7° i Rotwurst...... pfu„d 1300 Landieberwurst p�d f300 Sülzwurst............. piund 14°° Grobe Mettwurst piund 1650 Corned-beef........ Pfand fO00 ESffiBBBBSHBHBHKSBHBB LEIPZIGER STRASSE ALEXANDERPLATZ FRANKFURTEER ALLEE Leipziger Strasse Frisches Fleisch Alexanderplatz 100 | Schweinefleisch pm. 14' Schweineköpfew 10°° Kalbskeulen...... 12°° Schabefleisch....................«13°' Sch weineschEnkenm 1 4*°| Kalbskamnt.............. 10" 11« Schmorfleisch" Hammelfleisch ohneKnodi.,* gefroeen.Pjd. i reo �sndifSeiscb m» Knoeh»».«»�«».?!»»«! Mal-ggi-ms.............. Piund ü50 Bratjelt.................... Pfand 1509 Ausgel. Rinderfeti ,.PHmdl350 1918arMÄM- Nalarrolweio ,/i flasdio 10 Flaschen 105O1OÖ00 Kaninchen gefroren, A 3Q Piund&§ Rindfleisch 4 PfundDose 24 oo la Qualliai K-»>■$ it'2760 ft5250 Apfelwein vorzügliche QualilSI p'tS®0 F14?5® IPrelsa einscbllesolicb1 Flasche« Auf Wala« 19:8 er r:2850h.275 00 24 feiner aüer GOmgggOO Ämerik.Heereskosl..Do* 700 Amerik. Würstchen..v«. 6" LundieonamCT,k8n,,