Nr. 4SI 4 Z8. Jahrgang Ausgabe& Nr. 233 Morgen-Ausgabe Bezugspreis» Llertellährl. 30,— M„ monatL Id— St frei in« Hans, oorou» zahlbar. Polt- bezus; Monatlich 10,— M. einschl. gu- ftcllunqsgebUhr. Unter Kreuzband für Deutschland. Danzig. das Saar- und Meinelaebiet. sowie die ehemal, deut- scheu Gebiete Polen». Oesterreich, Ungarn und Luxemburg 20.— M. silr das übrige Ausland 27,— 331. PofW bestellungen nehmen an Oesterreichs Ungarn. Tschecho- Elowafet. Däne- mark, Holland. Luxemburg. Schweden und die Schweiz. Der.Borwärt»- mit der Sonntag»- beilage.Poll und Reit-, der Umet- haltung»deilaae„Heimweit- und der Beilage„Siedlung und Sletngarten- erjcheint wochentäglich zweimal. Solu» tag» und Montag» einmal Telegramm-Adresse, «Sozialoemokral Borllu- ft � � Devlinev Volksblatt CaroB> Berlin 30 Pf. � auswSrts 40 Pfennig J Anzeigenpreis: Di« achtgespaltene ZlonpareMqeil» kostet M.»Slelna«nzelgeu- da« fettgedruckt« Wort M.(zu- lässig zwei fettgedruckt, Werte), fede» »eitere Wort l— SL Stellengesuche und Schlafstellen anzeigen da», erst« Wort l— M. sede» wettere Wort 60 Pfg. Worte Uber 16 Buchstaben zählen für zwei Worte. ffamilien-An- zeigen für Abonnenten geile 8,50 M. Die Preise verstehen sich einschließlich Teuernngszuschleg. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bi» S Ahr nachmittags tm Hauptgeschäft, Berlin EW KS, Linden- ftraße 8, abgegeben werden. Geöffnet' von S Uhr früh bis S Uhr abend». Zentralorgan der rozialdemohratifchen parte» Deuttchlands Neöaktion und Expedition: EM bS, Lindenstr. Z Redaktion Morihplatz ISlUS—»7 ,Vcrn»pre»,cr. �yedttio» Morihpla«, 1172»-.'',» Letzte Gberfthlesien-Note. G"enf. ZS. September.(TU.) Der deutsche Generalkonsul ln Genf hat henke dem Generalsckretariat des vSlterbundes die Ab- schrift einer Note übergeben, die die deutsche Regierung auch den alliierten Regierongen zugehen lassen wird. Die Rote enthält ver- schiedene Denkschriften der wirtschaftlichen Verbände, Handels- kammern. der deutschen Gewerkschaften und der Geistlichkeit von Oberschlesien. Diese Verbände, erklärt die Rote, haben die deutsche Regierung gebeten, ihre Denkschriften den alliierten Regierungen zu übermitteln._ Aufhebung der Rheinzollim'e. Dem deutschen Botschafter in Paris ist gestern die folgende Note überreicht worden: Herr Botschafter! Die alliierten Negierungen haben Kennwi» genommen von der Erklärung, durch dw die deutsch« Beschluß des Bedingungen WWWI IWI>WI Hebung der wirtschaftlichen Sanktionen, die durch den Obersten Rat am 7. März 1921 oerhängt worden sind, vom 30. September an beschlossen. Sie laden die deutsche Regierung«in, basdmöglichst ihre Dele. gierten zu bezeichnen, die zusammen mit den alliierten Sachver» ständigen die Bedingungen feststellen sollen, nach denen, ent- sprechend den Bestimmungen des Beschlusses vom 13. August 1921, die Lizenzen geprüft und aufgestellt werden sollen. Im Namen des Obersten Rotes habe ich die Ehre, Ew. Exellenz zu bitten. Vorstehendes zur Kenntnis Ihrer Regierung zu bringen. Genehmigen Sie, Herr Botschafter, die Versicherung meiner ausgezeichneten Hochachtung gez. A. Briand. Damit verschwindet erst ein Teil der rechtswidrigen Gewalttat vom Mai und auch erst nach Er— langung einer Ententewirtschasts. alliierten'.'Regierungen yauen zeennmi» genommen von ärung, durch die die deutsch« Regierung die durch den des Obersten Rate« vom 13. August 1921 aufgestellten ,gen ausdrücklich angenommen hat. Sie haben die Auf- kontrolle in Deutschland. Die militärische Besetzung von Düsseldorf und Duisburg-Ruhrort trotz Frieden und Erfüllung besteht weiter. » Gestern berichtete in einer vertraulichen Sitzung des Auswärtigen Ausschusses des Reichstages in Anwesenheit des Reichs- kanzlers Außenminister Dr. Rosen über die Aufhebung der wirt- schaftlichen Sanktionen und über den deutsch-amerikanischen Bertrag. Nach mehrstündiger Aussprache beschloß der Ausschuß auf Anregung seines Vorsitzenden Dr. Stresemann bei vier Stimmenthaltungen dem Reichstage die Zustimmung zu dem deutsch-amerikanischen Aertrag zu empfehlen. Irland nicht freigegeben. London, S0. September.(Reuter.) In seiner Antwort an De valera hebt Lloyd Georg« nochmal» die N u tz l o s i g t« t t weiteren Austausche« prinzipieller Mitteilungen hervor»nd betont, daß der Standpunkt der Regierung unabänderlich sei. Dem ungeachtet knüpft Lloyd George an diese Feststellung die Einladung zu emer in London am 11. Oktober stattfindenden Konferenz, auf der, wie es wörtlich heißt, wir mit Ihren Delegierten als Wort- führer des Volkes, das sie vertreten, zusammentreffen können. London, 29. September.(WTB.) In Tipperary kam es gestern abend zu Revolverschießereien, bei denen eine Person ge- tötet und drei verwundet wurden. Militärische Patrouillen säu- berten die Straßen. Aus Belfast wird eine Reihe weiterer Za- sammenstöße zwischen Protestanten und Katholiken gemeldet. Eine Gruppe Protestanten, die von einem Leichenbegängnis zurückkehrte, wurde beschossen. Ein Protestant wurde dabei getötet und drei verwundet.. In den Nachmittagsstunden wurde ein weiterer Verwundeter eingeliefert, der von einer Kugel getroffen worden war. Fum Schutze der Republik. Das„Reichsgesetzblatt" veröffentlicht fetzt die abgeänderte Fasiung der Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutze der Republik vom 2S. September 1921, die an die Stelle der Der» Ordnungen vom 29. und 30. August 1921 tritt. Sie ist vom Reichs- Präsidenten Eberl, vom Reichskanzler Dr. Wirth und vom Reichs- minister Dr. Grcwnauer unterzeichnet. Die abgeänderten Bestim- mungen hatten wir bereits nach Abschluß der Beratungen zwischen dem Reich und Bayern mitgeteilt., Bekenntnis zur Arbeit— Treue zum Reich! Die SPD.-Jnterpellation im bayerischen Landtag. ZNünchen, 29. September.(Eigener Drahtbericht des„Vor- warte".) Die heutige Aussprache über die Erklärungen des Minister- Präsidenten im Landtag begann mit der Behandlung der f az i a- listischen Interpellation über die Mißstände in der Poli- zei- und Justizverwaltung. Die Debatte nahm unter dem Eindruck von Poehners Rücktritt und der zielbewußten Desavouierung von Poehners Slbschiedsworten durch die Staatsregierung einen im allge- meinen versöhnlichen Verlauf. Das Bild des Landtags trug zum ersten Maie das Gepräge einer schroffen Rechts- und einer beherrsch- ten Links-Opposition. Der Sprecher der Koalitionsparteien be- schränkt« sich darauf zu betonen, daß die neue Regierung lein neues Programm bedeute, sondern am alten Koalitionspro- gramm festhalte. Genosse Sänger begründete die Interpellation der Sozial- demokratie und forderte von der Regierung die Beseitigung der Miß- stände in Polizei- und Justizverwaltung. Der Leitsatz seiner«in- drucksvollen Rede, der sich hauptsächlich an den neuen Minister- Präsidenten wandte, war: Wir verlangen nichts anderes als das B e- tenntnis zur Arbeit und die Treue zum Reich. Deshalb fordern wir gleichmäßige Abwehr von Gewaltanwendung von rechts und links, Achtung vor der Ueberzeugung anderer und Wahrung der Reichseinheit als höchstes Gut des deutschen Volkes. Wenn Lerchenfeld für den Schutz der- Republik ein» trete, dann könne er auf die Unterstützung seiner Partei rechnen. Eharatteristisch war da» Verhalten der neuen Rechtsopposition. Mit den chänden in den Hosentaschen versuchten deren Führer durch gassenbubenhafte Zurufe die rednerische Wirkung der packenden An- spräche des Genossen Sänger abzuschwächen. Schließlich zogen die Kämpfer der Reaktion siegreich in die Restauration ab. Der Sprecher der Dcutsch-Monarchisten Dr. Hilpert verstärkte noch die jammervolle Wirkung, welche das Verhalten seiner Partei hervorgerufen Hatte. Seine Wort« gipfelten in dem gequälten Iammerruf noch l>er Rückkehr Kahrsl Die neue Koalttion hätte, wenn sie es gewollt hätte, Kohr unter annehmbaren Sedin- gungen zurückberufen können! Auf den Zwischenruf:„Wie denn?" antwortete er:„Man hätte den Beschluß des Ausschusses ruhig bei- beholten können. Die Interpellation über den Zeitpunkt der Aufhebung des Ausnahmezustandes war nicht notwendig ge- wesenl" Schließlich empörte sich Hilpert darüber-, baß der Dbeneüfysän- maü den Iustipnwister Dr. Rath wegen feines SerteHvs mit den Kapp» Hochverrätern habe eidlich vernehmen lasten. Als Hilpert aber die Person des Reichskanzlers mit plumpen Worten antastete, erhob sich das ganze Haus, vor allem die Linke, | in einem Sturm der Entrüstung. Die Verhandlung wird morgen fortgesetzt. « Infolge des Rückttitts des bisherigen Gcsamtministeriums und der Neubildung des Ministeriums scheiden der bisherige Minister- Präsident und Staatsminister des Innern Dr. von Kohr und der bisherige Staatsminister der Justiz Dr. R o t h in ihrer Eigenschaft als Bevollmächtigte Bayerns zum R e i ch s r a t aus. An ihrer Stelle sind durch Ministerratsbeschluß als Bevollmächtigte Bayerns zum Reichsrat bestimmt worden der nunmehrige Ministerpräsident und Staatsminister der Justiz Graf Lerchenfeld und Staats- minister de» Innern Dr. S ch w e y c r. Die Bevollmächtigung der übrigen- zurückgetretenen aber wiederernannten Minister in ihrer Eigenschaft als Bevollmächttgte Bayerns zum Reichsrat ist durch Ministerratsbeschluß erneuert worden. Nach Poehmer ist auch sein Gehilfe, der Ehef der politischen Polizei Dr. Fr ick zurückgetreten. Das mysteriöse Kognakpaket. Bremen, 29. September.(Eigener Drahtbericht des„Vorwärts".) Am Mittwoch, den S. Oktober, sollte im Parkhaus zu Bremen eine Kompagniefeier der aufgelösten Oberschlesten-Freiwilligenhundert» schaft C o s el stattfinden, zu der Leutnant a. D. D y e s, jetzt Ange- stellter der Firma Mercator Handelsgesellschaft, Einladungen ver» sandte. Es besteht begründete Dermutung zu der Annähme, daß diese angebliche Kcmpagniefeier mit folgender, von zuverlässiger Seite aus Schlesien ergangenen Meldung in Zusammenhang steht: Eine Sendung Waffen und Munition einer aufgelösten Selbst- schutzorganisation, die unter dem Signum„Kognak und Sekt" an die Firma Ludwig Neukirch, Lremen(Speditionsgeschäft), adressiert war, befand sich auf dem Weg« nach Bremen. Es ist festgestellt, daß sich der ehemalige Adjutant des Hanseatischen Infanterieregiments 72, Herr K r o s e, der Sohn des Bremer schweizerischen Konsuls, bereits bei dem Prokuristen der Firma Neukirch, Herrn Gohlisch, danach erkundigte, ob die für ihn bestimmte Sendung Kognak und Sekt schon eingetroffen sei. Dies war zur Zeit der Nachfrage noch nicht der Fall. Die Tatsache jedoch beweist den Zusammenhang zwischen Herrn Krose, der der Oberschlesischen Freiwilligenhundertschaft an- gehörte, und der beabsichtigten Waffenschiebung. Erfreulicherweise gelang es, die für Bremen bestimmte Munition unterwegs abzu- fangen, und es wurden sofort Vorkehrungen getroffen, um zu verhindern, daß die verschobenen Waffen in die Hände der Rechts- balschewisten gelangen._ Scheu oo« dar»rbetterpresie. T>et Reichsveitbavd dar deutschen Industrie hat unserm München« Korrespondenten den Zutritt zu der Tagung verweigert. Wir stellen diese Sorge des Reichsverbandes vor einer kritischen Berichterstattung fest und werden seinen Verhandlungen weiter das Interesie entgegenbringen,.das er nach diesem Verhalten verdient. Rathenau und Loucheur sollen am 8. Oktober in WiseAaden mtiehar zzstaenananirrssen, vorwärts-verlag G.m.b.H., EW öS, Lindenftr. 3 Kernlvreckier- Bertas. Exveditta» und Inseraten« "' Nbteiluug Morit'play 11753-54 DieSteuerstheu derhohenzollern Endlich rühren sich die Behörden wieder etwas. Es wird | gemeldet: Zu der angeblichen Eteuerdefraudatton der Hohenzollarn geht den PPN. vom amtlichen preußischen Pressedienst folgende Erklärung zu: Die Ermittelungen d:s preußischen. Finanzministerium» haben ergeben, dqß die hohenzollernsche Hausverwaltung au» dem Gewinne der Hofkammern für da» Jahr 1920, welcher etwa 2S Millionen Mark betragen hat, unt« Bezugnahme auf Z SS» de» Reichsem- kommensteuergesetzes 10 Millionen Mark»urückgestellt hat. Das preußische Fmanzminisierium hat infolge dieser Fest- stellungen von der Hoskammer die diesbezüglichen Akten eingefor- dert und die ganze Angelegenhett dem zuständigen Reichsfinanz» Ministerium übergeben. Diese amtliche 5hmdgebrmg ist gleicherweise interessant durch das, was sie verschweigt, und das, was sie zugibt. Es wird zugegeben, daß die hohenzollernsche Güterverwaltung aus ihrem für 1920 rund 25 Millionen Mark betragenden Rein- gewinn ze h n Millionen Mark„zurückgestellt" hat. Ueber die Rechtmäßigkeit dieser Maßnahme soll nun wohl das Reichsfinanzministerium entscheiden. Wir sind der Auf- fassung, daß das ganz überflüssig ist. Die hohenzollernsche Güterverwaltung deckt alljährlich ihre sämtlichen ordentlichen und außerordentlichen Ausgaben aus den laufen- den Einnahmen-: darüber hinaus entnimmt sie im Be» darfsfall Geldmittel aus den bei weitem nicht aufzubrauchen». den Ueberfchüsfen, die als Kapitalaufhäufung dem hohen- zollernschen Hausschatz zugeführt werden. Das in den Händen des preußischen Finanzministeriums befindlich« Aktenstück 5 A 37 ergibt einwandfrei deutlich, daß der Präsident der Hofkammer, Herr v. Keil, in schriftlichen, und mündlichon Vor- Handlungen mit dem Hofkammerrat Eiseler die„Umbuchung" der zehn Millionen beschloß, um die volle Steuer- Pflicht„herabzudrücke n". In einem Schreiben vom 20. April 1921 Nr. 2845/21 heißt es klär, kurz und bündig: „Unsere Rente! hat für das Jahr 1920 bis fetzt rrmd 23 Millionen Mark an Ueberschussen abgeführt.(Hausscliatz.) Weitere 2 Millionen stehen für 1920 noch zu erwarten, so daß d« Hebers chuß rund 25 Millionen betragen wind. Die Einkommensteu« hi«sür würde 60 Proz„ das sind 15 Millionen Mark, betrogen. Die Frage, ob und in welcher Höhe die Einkommensteu« zu zohlcn sein wird, hängt mit von der Derabschiedung des D«gleichz ob. Immerhin ist mit der Möglichkeit zu rechnen, daß die volle Ein» kommensteuer von uns gefordert wird." Es heißt dann weiter, daß sich nun aber die Möglich- keitergebe, von dem Betriebsgewinn beträchtliche„steuer- freie Rücklagen" zu machen. Es wird zu diesem Zweck die Abbuchung von 10 Millionen Mark vorgeschlagen. Am 15. Mai 1921 erklärte sich der Minister des königlichen Hauses in einem Schreiben. Aktenzeichen II 144. mit diesem Vorschlag einverstanden. Er ordnet sogar an, daß die für 1920 noch weiter verfügbar werdenden Ueberschüsse ebenfalls diesem Re- servefonds zuzuführen sind. Dieser Reservefonds wurde als Sonderrücklag« bei der Preußischen Seehandlung auf ein besonderes Konto langfristig kündbar angelegt. Der Hausschotz mußte ihm schon zugeflossene Ueberschüsie im Umfang von 8 Millionen Mark zurückgeben, damit sie auf diesen Reserve- fonds verbucht werden konnten. Wie sehr man sich darüber klar war, etwas zu tun, das nlcht jeder Prüfung standhält, geht daraus hervor, daß der Hausminister anordnete, die Verwendung der neugeschaffenen Reservemittel„zweckmäßig so zu gestalten", daß entsprechende Pauschalsummen zur Verstärkung der Etatstitel der Hofkammerrentei angefordert würden. In simples Deutsch übersetzt heißt das, daß die laufenden Ausgabetitel der hohen- zollernschen Eütcroerwaltuna künstlich um so viel zu verstärken sind, daß die Millionensummen des neuen Reservefonds im ordentlichen Etat wieder ver« schwinden. Uns ist bekannt geworben, daß nach den Feststellungen des„Vorwärts" das preußisch« Finanzministerium angeordnet hat, daß in Zukunft wieder sämtliche Verfügungen des könig- lichen Hausministeriums von ihm mitgezeichnet werden müssen. Vielleicht erfährt man auch noch einmal, warum von diesem gesunden Grundsatz überhaupt abg�gangm worden ist. Außer- dem muß betont werden, daß die Kontrolle des Schriftverkehrs selbst einen nur sehr geringen Wert hat. wenn sie nicht durch eine ständige Kontrolle an Ort und Stelle, d. h. inner- halb der hohenzollernschen Güterverwaltung wirksam ergänzt wird. Festssellen müssen wir de,«eitere«», dcch tsse Mitteilung des amtlichen preußischen Pressedienste»»orschweigy was auf Grund unserer wetteren Feststelluftgen geschehen ist. daß bisber nur die Kreise Greifenyagen und Rosenberg für das Jahr 1919 Einkommensteuer verlangt haben. Rur der Kreis Rofenberg e r h k e l t die Steuern. All« übri- gen Kreise, in denen Teile des hohenzollernschen Güterbesitzes. und das sind rund 485 000 Morgen, liegen, sind ihrer Steuer- erhebungspflicht für das Jahr 1919 bisher nicht nach- gekommen. Das von uns schon erwähnte Aktenstück muß Prstskolls vbu SkxbvMamn. dem Hoskammer. h präsidsnten Mid dem zuständigen- Dezernenten der Hofkammer »enthalten, in denen es z. SB. heißt: „Es könnten höchstens die Kreise, mit Ausnahme von Rosen- ' fcerg für das Jahr 191g noch Steuern nachfordern. Da sie das bis jetzt nicht getan haben, werden sie es wohl überhaupt nicht mehr tun, und ich würde an diese Frage nicht (•'»ühren." Hat das preußische Finanzministerium diese Teile der ihm zur Verfügung stehenden Akten nachgeprüft? Sind die in . Hrage kommenden Kreise beauftragt worden, sofort die .. Überfälligen Steuern für 1919 noch einzuziehen? Was i hat das preußische Finanzministerium dem Herrn Hofkammer- • f Präsidenten gesagt, um ihn von der Meinung abzubringen, daß - es richtig sei, an die Steuerpflicht der Hohenzollern„nicht zu ■ rühren"? Dame verschweigt die amtliche Berösfentlichung des preußischen Finanzministeriums völlig, wann denn nun end- lich die Hohenzollern allgemein zur Steuer veranlagt werden und wann bei ihnen die Steuern eingezogen i Iw erden. Die Steuerfreiheit der vormals regierenden Häuser ist auf- Ufö-gehoben. Irgendwelche gesetzlich bindenden Beschlüsse, ihre Steuer pflicht so lange auszusetzen, bis sich der Freistaat Vreußen mit der vormaligen Krone auseinandergesetzt hat, sind nicht gefaßt worden. Hilter der ursprünglichen Absicht, mit der Steuereinschätzung zu warten, bis die Auseinander- setzung vollzogen ist, hat sich nicht nur Wilhelm von Doorn, sondern haben sich auch seine Söhne und seine Verwandten verschanzt. Sie haben sämtlich bis heute noch nicht seinen Pfenn ig Steuern gezahlt. Wenn man sich überlegt, daß die Hohenzollern jetzt schon ■für drei Jahre Steuern nachzahlen müssen, dann kommt der �Bedanke, daß sie gar kein Interesse an einer raschen Aus- .,einandsrsetzung mit dem preußischen Staate haben. Sie leben alle ganz behaglich und»genießen steuerfreie Ein- fünfte, während sie, sobald die Auseinandersetzung beendet ist, ihre Steuerpflicht erfüllen müssen. Wir verlangen deswegen aus Gründen der allgemeinen Moral und der politischen Notwendigkeiten, daß das Preußen- Parlament sich schleunigst mit der Steuerpflicht der Hohen- zollern beschäftigt. Heute ist es so, daß der einfachste Arbeiter seit Jahr und Tag vorläufig Steuerbeträge entrichtet. Hunderttausende von kleinen Leuten, von Arbeitern und SBe- vmten haben sich im besonderen für 1920 erhebliche Steuer- abzüge an ihrem Einkommen gefallen lassen müssen. Sie sind erst in den jüngst vergangenen Monaten endgültig veranlagt morden und müssen nunmehr darauf warten, daß die von ihnen zuviel erhobenen Deträge zurückgezahlt werden. In dieser Zeit leben in Deutschland Leute, die halbe Provinzen ihr eigen fiiennen, die Dutzende von Schlössern, Palais und rentablen ' Mietsgrundstücken besitzen, die nach dem Nennwert gerechnet hunderte von Millionen an Wertpapieren und Hypotheken be- sitzen, sie zahlen keine Steuern. Man beachte doch nur, daß Wilhelm von Doorn allein in seiner Privatschatulle für ilund 60 Millionen Mark best rentierendste Jndustriepapiere ' vsw. hat, die heute einen Kurswert von rund einer halben Milliarde darstellen. Nun kömien die Hohenzollern wieder einmal zeigen, daß Ihr Tun nichts anderes als Dienst am Staate, als Sorge um das Wohl der Allgemeinheit ist. Die Liebe zum Volke fängt e?st da an, etwas wert zu sein, wo man sie sich etwas kosten läßt. Hier kann es sich aber gar nicht um freiwillige Freund- lkchkeiten handeln. Es ist die verdammte Pflicht und Schul- digkeit der zuständigen SBehörden. die Hohenzollern schleunigst zur Steuer zu veranlagen und dafür zu sorgen, daß die Reichs- käste vorläufige ausreichende Steuerbeträge aus deren Ver- Mögen und Einkünften erhält. » Die hohenzollernschen Behörden geben sich alle Mühe, um tzu erfahren, woher der„Vorwärts" seine guten Kenntnisse chber ihren Steuereifer hat. Man möchte es sich vielleicht sogar etwas kosten lassen, wenn damit die„Löcher" zu stopfen wären, die so peinlich sind. Das königsiche Hausminksterium mag sich damit trösten, daß niemand lhm etwas Böses antun will, er soll nur wie jeder andere Staatsbürger ordnungsgemäß Steuern zahlen; deswegen soll er uns die Möglichkeit, über sein Tun unterrichtet zu sein, doch ruhig lassen. Wichtigtuerei. Wie immer, wenn Regierungsumbildungen zu erwarten sind, ist zwischen den einzelnen bürgerlichen Zeitungsbericht- erstattern ein SWettlauf um„Informationen" entstanden, aus dem der größte Schmock stets als iSeger hervorgeht. Auf die Richtigkeit der Nachrichten, die in solchen Zeiten in die Welt lanciert werden, kommt es dabei den betreffenden Blät- tern wenig an, vor allem soll die Quantität beim Leser den Eindruck erwecken, daß die Konkurrenz nicht so gut unterrichtet ist. Entweder wird aus freien Stücken kombiniert oder läßt man sich durch interessierte Kreise zum Loslasten von Versuchsballons gerne mißbrauchen: Hauptsache ist, daß man etwas„bringt", auch wenn man gar nichts weiß. Unter den gestrigen Abendblättern ist die„Vossische Zei- tung" aus diesem Wettrennen um falsche Informationen ganz unbestritten als Sieger hervorgegangen. Sie weiß allerhand über die Verhandlungen im Reiche und in Preußen zu erzäh- len und verteilt bereits verschiedene Aemter. Sie schreibt u. a.: Zu einem Abschluß haben die gestrigen Besprechungen noch nicht geführt, sie werden am Sonnabend fortgesetzt werden, aber es hatte sich gestern gezeigt, daß die Einigung der vis/ Parteien auf ein gemeinsames innen- und außenpolitisches Programm keine ern- sten Schwierigkeiten bereitet, und man darf erwarten, daß bei den Verhandlungen am Sonnabend der Schlußstein zu dem neuen Koalitionsbau gesetzt werden wird. Die Umgestaltung des Reichskabinetts wird dann in der nächsten Woche erfolgen. Daß Dr. Wirth Reichskanzler bleibt, ist jetzt unbestritten. Anzunehmen ist, daß die Deutsche Vvlkspartei das Reichsfinanzministerium besetzen und den Vizekanzler stellen wird; während stch Gustav Bauer auf das Reichsschatzministerium beschränken wird. Dos Reichsmini- sterium des Innern wird vermutlich eine Umbesetzung erfahren, viel- leicht auch ein anderes wichtiges Portefeuille. Soviel Worte, soviel leere Kombinationen. Um nur einen Punkt herauszugreifen, ist von einem Wechsel im Vizekanzleramt überhaupt nicht die Rede gewesen. Auch was den Gesamteindruck der gegenwärtigen Situation betrifft, so entspricht der Optimismus der tatsächlichen oder an- geblichen Informatoren der„Vossischen Zeitung" keineswegs den wirklichen.Tatsachen. SWir können vielmehr versichern, daß das„Berliner Tageblatt" sich der Wahrheit viel mehr nähert, wenn es am Schluß einer kurzen Betrachtung schreibt, daß man in maßgebenden sozialdemokratischen Krei- sen auf Grund der gestrigen Verhandlungen„g e g e n w ä r- t i g sogar nicht sehr optimistisch" ist. Kautskp und öas Gorlitzer Programm. Während des Görlitzer Parteitages war ein Gruppenbild der Mitglieder der Programmkommission aufgenommen wor- den. Der Kommissonsvorsitzende, Genosse Paul Löbe, sandte 'die mit den Unterschriften der einzelnen Mitglieder versehene Aufnahme dem Genossen K a r l K a u t s k y, als dem Schöpfer des Erfurter Programms und erhielt gestern nachstehende Änt- wort: 27. September. Lieber Genosse Löbe! Ich danke Ihnen und den Mitunterzeichnern für die freundliche Erinnerung aus Görlitz. Sie erinnert mich an die schönen Tage jener Zeit, als wir noch ein einig Volk von Brüdern waren. Ick) hoffe noch eine Wiederkehr dieser schönen Tage zu er- leben. Trotz aller zeitweiligen Mißgriffe von rechts und links, die sie hinausschieben. Mit den herzlichsten Grüßen Ihr K. K a u t s k y. Zrauenbüöung unö Wirtsthastsreform. i Bon Siegfried K a w e r a u. ' Zu den giftigsten Waffen der alten Gesellschaft gehört die' Auf- rechterhaltung der bisherigen Mädchen- und Frauenbildung, um Eitelkeit, Selbstsucht und Gefügigreit dem Manne gegenüber zu züchten. Waruni begreift die Frauenwelt so gar nicht die Zeichen der Zeit? Und müßten doch die Frauen aufjauchzen, daß die Zeit der Männerherrschaft und Männerwillkür zu Ende geht, daß mit dem seelischen Erwachen der Frau infolge ihrer beruflichen Difse- xenzierung eine neue A e r a beginnt; und müßten die Frauen doch mit aller Kraft die S«zialdemokratie, die sich als einzige j jPartei zur vorkämpferin der Frauen gemacht i �at,' in aller Arbeit unterstützen! Wie fern ist die Wirklichkeit von dem, was innerlich eigentlich notwendig wäre. t-. Der Entwirrung dieses Problems„Frauenbildung und j W i r t s ch a f t s r e f o r m" dient' die bevorstehende große ässent- C Jiche Tagung in Lankwitz am 1. und 2. Oktober, die mit einer l Volksversammiuno heute, Freitag, den Zg. September, abends, in der [.■ jüula des Friedrich-Wilhelm-Gnmnasiums in der Kochstraß« einsetzt. i Per Bund entschiedener Schulreformer sieht in der ;' traurigen Gegenwartslage mit der ganzen Rückständigkeit und Un- 5 Klarheit der Frauenwelt einen Zustand, der schleunigst überwunden - werden muß, wenn wir aus der Krisenhaftigkeit und inneren Zer- 5'letzung heraus wollen. Die Frau muß künftig ihrer natürlichen l; Eigenart entsprechend,'m Rahmen der Lebens, und Pro- / i u k t i o n s s ch n l e zum Vollmenschen erzogen werden, der f.,»uch wirtschaftlich zur Höchstleistung gelangt. i''; E» liegt in der Konsequenz der Entwicklung zum Vollmenschen- turn bei Mann und Weib, daß es sich vom Ncktionalen um Uebernationalen erweitern muß. Menschheitsaufbau »'tft im tiefsten Grunde nur möglich bei rückhaltloser Bejahung des - ÄZazifismus. Pazifismus dort aber nicht als eine Nützlich kcitssache f. jEines schwachen und geschlagenen Volkes angesehen werden, auch -. nicht als eine Sicherung uHestörter Weltausbeutung, sondern als f Line sittliche Kraft, die, gepflegt vor allem von der erwach- -ten Frauenwelt, uns einen organischen Aufbau der gesamten ■ Menschheit zu höhere? Sittlichkeit und zu ungeahnter wirtschaftlicher Zftlüte ermöglichen wird. Im Sinne dieser Folgerichtigkeit schließt sich an die Frauen. i Tagung«nnittelbar am 3. Oktober eine pazifistische Tagung ,.*1« Lankwitz an, auf der unter andern Friedrich Wilhelm Foerster, i Antonie Pftilf, Graf Harry Keßler sprechen werden. Es soll eine jnachtooll« Kundgebung von Lehrern und Erziehern für die Völker- »ersöhnung werden. Alle Voltsgenossen, die in die- sen Fragen nach Klarheit ringen und mithelfen «ollen, sind zu beiden Tagungen herzlichst ein- igeladen! (Karten zu beiden»Tagungen bei Grunwald, Linkstr. 39, im Landsgemeindehaus Sophienstr. 23/24, im Eichendorffhaus, Char- lottenstr. ö2 und an der Tageskasse. Zuschriften an Pros. Oestreich, Friedenau.. Menzelstr. 1.),.-.. � Reklamearchiieklur. Auf der vielbesprochenen Autostraße im Grunewald ist— neben manchem anderen— auch der Versuch einer neuartigen künstlerischen Reklame unternommen worden. lieber zwei Lichtfchächten der Bahnüberführungen und im Mittel- punkt der Südkurve erheben sich seltsame architektonische Gebilde, in leuchtenden Farben weithin sichtbar und durch phantastische For- men das Auge auf sich lenkend. Das Krchitektenbruderpaar L u ck- Hardt, der Bildhauer Rudolf Belling und der Maler Erich Wohlfahrt haben sie geschaffen. Ihr Zweck ist, die Erzeugnisse der Firmen anzupreisen, in deren Auftrag sie errichtet wurden. Dieser Zweck wird vollauf erfüllt, denn gegenüber den hochgetürmten, strahlenden Kristallen verblaßt alles, was von Reklametafeln der bisher üblichen Art die Autostraße links und rechts umsäumt. Selbst das originellste und grellste Plakat kann mit diesen koloristisch- plastisch-architektonischen Knalleffekten nicht konkurrieren. Aber dar- über hinaus handelt es sich um ernste Kunstwerke,.die als solche Be- ochtung verdienen. An relativ bescyeideneN Beispielen wird hier ge- zeigt, welcher rhythmischen Ausdruckskraft die Eisenbetontechnik fähig ist und wie sie der Baukunst neue Aufgaben stellt und neue Wege erschließt. Die farbigen Zacken, Würfel und Pyramiden, die hier als Reklameausrnfungszeichen in die Luft ragen, sind Keimzellen einer Architektur der Zukunft. Dieser Stil, konsequent ent- wickelt und individuell gepflegt, kann höchsten und edelsten baukünst- lerischen Zwecken dienen. Am wirksamsten erscheint er in Verbindung mit plastischer Gestaltung, wie er sich in dem wuchtigen Autler- monument an der Südkuroe darstellt. Die Luckhardts, Belling und Wohlfahrt haben hier das glückliche Beispiel einer organischen Zu- sammenarbeit von Architekten. Bildhauer und Maler gegeben. Es handelt sicb bei dieser wie bei den beiden anderen Arbeiten um Improvisationen— innerhalb zweier Wochen mußte alles fertig sein—, aber die jungen Künstler haben mit frischem Wagemut und glücklicher Hand etwas zuwege gebracht, das nicht nur in der Ge- schichte des modernen Reklamewesens Epoche machen wird. Wir wollen hoffen, daß recht bald auch die noch übrigen sechs lieber- führungen der Autostraße in ähnlicher Weise ausgestaltet werden. I. S. Dom herbsillsken Laubfall. Nicht erst jetzt im Herbst hat der Laubfall seinen Anfang genommen, sondern schon vor Monaten, mitten im Sommer. Man hat beobachtet, daß von dem Tag ab, da die Fülle des Sonnenlichtes abzunehmen beginnt, auch der Laubfall einsetzt. Das Sonnenlicht erreicht seine höchste Kraft zwischen dem 20. und 23. Juni und nimmt dann allmählich ab; gleichzeitig mit dieser Lichtabnahme fallen auch die ersten Blätter. Zunächst geht dieser sommerliche Laubfall, der von dem durch Trockenheit v»r- ursachten Hitzelaubfall jedoch zu unterscheiden ist, so lungsam vor sich, daß er überhaupt kaum wahrgenommen wird. Erst wenn die Licht- stärke mehr und mehr abnimmt, setzt er stärker ein, um so mehr als die Blätter mittlerweile auch ihre Nährstoffe wie Zucker, Eiweiß und zum Teil auch das Blattgrün an die den Winter überdauernden Holztcile des Baumes abgegeben haben und darum innerlich fast hohl und somit ganz kraftlos sind. Gleichzeitig verfärben sich auch ihre Säfte, so daß die auf natürlichem Wege absterbenden Blätter ihre Naturfarbe, verlieren�,_ � � D!e m* für Oppau. Der Reichshilfsausschuß für Oppau teill mit: In der Reichstagssitzung am Mittwoch, den 28. September, ist anläßlich der Beratung über das Oppauer Unglück von mehreren Seiten schon auf die geschmacklose Form hingewiesen, in der sich vielfach Sanfinlungsunternehmungen zugunsten der Oppauer Opfer vollziehen. Der Reichshilfsausschuß für Oppau bittet, der Würde und der Größe der Trauer über das Oppauer Unglück entsprechend, geräuschvolle Lustbarkeiten, Kabarettaufführungen und ähnliches nicht zum Deckmantel von Sammlungen für Oppau zu machen. Er glaubt des Einverständnisies weiter Voltsschichten sicher zu sein, wenn er die Auffassung vertritt, daß angesichts der Trauer, die über Tausende von Familien durch das Oppauer Unglück gebracht ist. Würde und Anstand die gerügten Geschmacklosigkeiten von selbst verbieten sollten. Er macht weiter darauf aufmerksam, daß nach zahlreich vor» liegenden Meldungen auch das Unglück von Oppau leider wieder dazu dienen muß, um schwindelhaften Sammlungen die Taschen zu füllen. Die von dem Reichshilfsausschuß und den örllichen Sammelausschüssen eröffneten Sammelstellen(u. a. die Reichsbank, sämtliche Banken, Postanstalten und Sparkassen) bieten hinreichende Gelegenheit, den für Oppau zu entrichtenden Beitrag an die richtige Stelle zu geben._ Die Ausführung öes öesolöungsgefetzes. Der amtliche preußische Pressedienst teilt die Antwort des preußischen Finanzministers auf die kleine Anfrage des Abgeord- neten Kleinmeyer und Genossen, betreffend die vorschußweise Zahlung von Gehalts- usw. Aufbesserungen an Beamte und Lehr- personen, mit. Zunächst wird der Veröffentlichungstermin für die Ausführungsbestimmungen des Besoldungsg�ktzes bekanntgegeben, sodann wird mitgeteill, die Staatsregierung sei gegenwärtig nicht in der Lage anzuordnen, daß den Beamten und Volksschullehrer- personen ein Vorschuß in ungefährer Höhe der nachzuzahlenden Beträge sofort gewährt wird. Auf die schleunigste Durchführung der Berechnung sowohl für die aktiven Beamten und Volksschul» lehrerpersonen, als die Beamten und Bolksschullehrerpersonen im Reich und die Hinterbliebenen von Beamten und Bolksschullehrer- personen und die alsbaldige Zahlung werde die Staatsregierung aber nach wie vor mtt Nachdruck hinwirken. Usberlritt zur Sozialdemokratie, ver Präsident des Hessischen Landesamtes für Bildungswesen Dr. Strecker hat in einem Schreiben an den Staatspräsidenten Ulrich und an den Vorstand der Demokratischen Spartet seinen Austritt aus der Demokratischen Partei und seinen Uebertritt zur Sozialdemokratie mitzeteilt. Zugleich hat er dem Landtagspräsidenten Adelung mitgeteilt, daß er sein Mandat niedergelegt habe. Klara Zettln teilt mit, wie die„Rote Fahne" berichtet, daß sie aus gesundheitlichen Rücksichten nicht imstande sei, in k-ommunistischen Versammlungen zu sprechen oder sich in größerem Umfange am Par» teileben zu beteiligen. Der Zehnte deuksche Pazlsislenkongrch beginnt am 7. Oktober in Essen. Er umfaßt folgende, unter dem Gesamttitel„Der Wi e d e r- aufbau Europas" zusammengefaßte Probleme: Die Stellung des Individuums zum Staat, Die Bedeutung der religiösen und kul- turellen Gemeinschaften für die Wiederannäherung der Pölker, Der Wiederaufbau Rordfrankreichs, Die Frage der Umbildung der Pariser Bölkerbundsakte, Die allgemeine Abrüstung. Der Vizeadmiral Löhlcin, Chef des Allgemeinen Marineamts bei der Marineleiwnz, scheidet auf sein Gesuch mit Wlauf des Monats aus dem Marinsdienste aus. Nach Teuischland zurückgekehri ist der in Moskau verhaftet ge- wesene Paul Wagner nach seinem Konflikt mit der Tsche-ka. Das Saargebiet vor dem Völkerbund. Vertreter des Unterneh- merverbandes sowie der Gewerkschaften sind von Saarbrücken nach Genf abgereist, um dem Völkerbunde die wirtschaftliche Notlage des Saargebietes darzulegen. Der„Lokal-Anzeiger" ist für 16 Tage in Oberfchlesten verboten worden, weil feine Meldung, Le Rond habe 50 Millionen deutfchame- rikan-ischer Hilfsgelder für die geschädigten Deutschen zur Hälfte an Polen verteilt, erlogen sein soll. Dieser natürliche Laubfall vollzieht sich bei den einzelnen Baum- sorten sehr verschieden. Bei den Buchen und Eschen beginnt er an i�en obersten Zweigen, bei den Weiden, Linden und Pq ,peln dagegen unten, so daß also die oberen Zweige länger belaubt bleiben. Ge- wisse Bäume, wie z. B. der Gingkobaum, verlieren ihr Laub alljädr- lich innerhalb weniger Tage, während die Eichen und Hainbuchen ihre Blätter so langsam abwerfen, daß ein Teil des Laubes, obgleich- er längst abgestorben ist, den ganzen Winter über am Baum bleibt. — Am schnellsten lösen stch die Blätter nach plötzlichem Frost, wobei sie stets mehr oder weniger grün bleiben, so daß man die vom Frost getöteten Blätter daran am sichersten erkennt. Der natürliche, durch allgemeine Entkräftung hervorgerufene Laubsall erfolgt wesentlich langsamer. Bei der Zitterpappel geschieht dies allerdings noch ver- hältnismäßig schnell, da sie während der Zeit des stärksten Laubfalles normalerweise ein Blatt in der Sekunde abwirft, bei anderen Bäu- men indes gehen bei ruhiger Luft oft Minuten, ja ganze Viertel- stunden hin, ohne daß ein Blatt.fällt. Für Wyneken! Die Generalversammlung des Be- z ir k s o er b a nd e s Groß-Berlin des Bundes ent- schiedener Schulreformer erhob scharfen Protest gegen das bisherige Geheimverfahren des Rudolftädter Gerichts gegenüber Dr. Gust. SVyneken und verlangte, dag die notwendige Neuverhandlung gegen diesen hervorragenden und durch seine bisherigen Leistungen hochbewährten Erzieher im voll sten Licht der Oeffentlich- ? e i t und vor Richtern geführt wird, die bereit sind, den Fall. nicht als gewöhnliches Sexualdelikt formaljuristisch zu„erledigen", sondern ihn in seiner unlöslichen Verbindung mit den hohen püda- gogischen Ideen und der besonderen schöpferischen Persönlichkeit Dr. Wynekens zu würdigen. Das Urbild des hamlek. Eine englische Forscherin, Dr. Lilian Winstanley, hat, wie in den„Times" berichtet wird, eine Quells zum Hamlet gefunden, in der sie das geschichtliche Vorbild erblickt, das Shakespeare bei der Schöpfung seines Helden die Anregung ge- geben hat. Hamlet entstand in den Iahren 1601— 1602, und in dieser Zeit war ein besonders wichtiges politisches Ereignis der Thronwechsel in Schottland. Johann von Schottland hatte unter den vielen Prätendenten die größten Anrechte auf die Thronfolge. Aber er hatte einen sehr schlechten Ruf und eine tragische Lcbensgeschichte. Sein Vater Darnley war von dem älteren Bruder Bothwell getötet worden, und seine Mutter, Maria von Schottland, hatte den SMörder geheiratet. Das Leben Johanns war voll von Abenteuern, Auf- ständen und Verschwörungen. Er hatte dabei g.egen die schlecht ver- hehlte Feindschaft seiner Mutter und seines Stiefvaters zu kämpfen, aber er wollte sich nicht an ihnen rächen, wie sein Charakter über- Haupt zu Trübsinn neigte und sehr unentschieden war; unter seinen Seltsamkeiten hatten die Höflinge oft zu leiden. Dieser fast unbe- kannte Johann von Schottland soll nun das Urbild des Hamlet ge- wesen sein. Verichiigung. In der Notiz„Freibrief für schimpfende Pfaffen" In Nr. 449 war irrtümlich die„A u g s b u r g e r Ä b e n d z e i t u n g"- als Herunterreißerin eines literarischen Werkes genannt. Der Ruhm gebührt indes der„Augsdurger Postzeitung". Nr. 4ö7 ❖ 5S. Fahrgang 1. Seitage öes vorwärts Freitag. 5S. September 7 92? Kleine vorlagen im Lanötag. Beamtenfragen— Waldschutz— Mangelhafte Milch- Wirtschaft. In der gestrigen Sitzung des Landtages wurden eine Reihe von Anträgen betr. die Anwärterdienflzeit der Beamten, Kinderbei- Hilfen, Ausgleichszulagen, Teuerungszuschläge, Aufrückungsstellen, Gleichstellung der Philologen mit den Juristen, Versorgung der Ccchutzpolizeibcamten, Einspruch des Reichsfinanzministers gegen das Mittelschiillehrer-Diensteinkommensgesetz usw. ohne Aussprache dem Beamtenausschutz überwiesen. Ein Antrag auf Förderung der Königsberger Universität wird nach kurzer Aussprache gleichfalls einem Ausschuh überwiesen. � Es folgt die erste Beratung des Antrags der Abgg. S i« r i n g lSoz.) und Genosien auf Annahme eines Gesetzentwurfs über kahl- schlage in den Privalwaldungen. Abg. P e t er s-chochdonn(Soz.) begründet diesen Antrag und weist darauf hin, daß gegenüber frü- Heren Jahren durch die brutalen Kahlschläge in Prioatwaldungen heute bereits katastrophale Verluste entstanden sind. Es muh deshalb sofort zu Maßnahmen geschritten werden, wonach ohne vorherige Genehmigung der behördlichen zuständigen Stellen ein Holzeinschlag nicht erfolgen darf. Das Zentrum spricht sich gegen den Antrag aus, Demokraten und Unabhängige stimmen ihm zu, während Dcutschnationale und Volkspartei Ausschuhberatung beantragen. Es folgt die Beratung einer Reihe von Anträgen zur Milch- Wirtschaft. Ein Antrag Braun(Soz.) verlangt Uebergangs- bestimmungen zur ausreichenden Versorgung der Kinder und Kranken mit Milch, und 20 Millionen Mark zur Umwandlung von Dedländereien� in Viehweiden, zur Hebung der Milchproduktion. Ein unabhängiger Antrag fordert ausreichende Mittel zur Versorgung der unbemittelten Bevölkerung mit Milch. Frau Ege lSoz.) begründet den sozialdemokratischen Antrag. Die Landwirt- schaft hat die Erwartung enttäuscht, daß sie bei Einführung der freien Wirtschast die Säuglinge und die Unbemittelten zu erschwing- lichen Preisen mit Milch oersorgen würde. Trotz ihrer großen Kon- junkturgewinne droht sie mit Liefer st reiks, wenn ihr keine Wucherpreise zugebilligt werden. Der Vorsitzende des Branden- burgischen Landbundes hat erklärt, die Arbeiter müßten eben 1 bis 2 Stunden länger arbeiten, wenn sie sonst die Milch- preise nicht bezahlen könnten. Wir müssen aber die Ernährung der Kinder sicherstellen, denn auf ihnen beruht unsere Volkskraft. In vielen Kreisen ist die Not aufs äußerste gestiegen. Wir erwarten, daß schleunigst Abhilfe geschaffen wird und beantragen Ueberwei- sung der Vorlage an den Landwirtschaftsausschuß.— Nach� kurzer Debatte vertagt sich das Haus auf Freitag 12 Uhr. Anträge und kleine Vorlagen. Schluß: /4t Uhr. Sozialpolitischer Ausschuß. Sechsuhrladenschlnh?— Jnvalidennot— Pensionärselend Der Sozialpolitische Ausschuß des Reichstags behandelt« gestern außer der Angestelltenversicherung eine Reihe von Petitionen. Unter andere« stand ein Antrag des Magistrats Berlin auf Ab- änderung des 8 13llk der Reichsgewerbeordnung zwecks Einführung des Sechsuhrladenschlusses zur Debatte. Danach sollen die Gemeinden einen früheren als Siebenuhrladenschluß durch Orts- st a tut herbeiführen können. Der Antrag wurde mit der un- günstigen Ernährungslage der Angestellten begründet, die eine längere Erholungszeit in den Abendstunden wünschenswert mach«. Der Ausschuß beschloß, den Antrag der Regierung zur Be° rllcksichtigung zu überweisen.— Ein weiterer Antrag auf ge- setzlich« Einführung des Sechsuhrladenschlusses wurde wegen der wichtigen damit verbundenen Einzelfragen der Regierung als Ma- terial überwiesen. Ferner lag ein Antrag des Vereins der Pensionär« und In- validen der Staatsbetriebe vor, in dem auf die Notlage der bezüglichen Pensionäre und Invaliden hingewiesen wurde. Die Einaabe fordert, daß die laufende Jnvalidenoersichs- rung;m!«r Berücksichtigung des Lohnes und der Dienstzeit nach den Grundsätzen des Reichsbeamtengesetzes bemesien wird. Der Ausschuß beschloß, die Regierung zu ersuckM, daß die Bezüge der Beamten' den Teuerungsverhältnisien entsprechend aufgebessert werden. Es standen nunmehr noch zwei Anträge Hoch auf der Tagesordnung, welche vom Arbeitsministerium statistische Unterlagen verlangten. Es wird darin eine Denkschrift ge-- fordert, die zeigt, wie die Leistungen sich gestalten bei dem vorliegenden Gesetz zur Angcstelltenvsrsichming, nach den Bestim- mungen der Invalidenversicherung, nach dem Reichssürsorgegesctz und nach dem Beamtenpensionsgesetz. Ferner möge die Regierung eine Aufstellung darüber machen, welche Gewinne die Reichsversiche- mngsanstalt für Angestellte aus dem Verfall von Versicherungen erzielt hat, auf welch« Veitragsklafsen sich der Verfall der Dersiche- rungen verteilt und aus welchen Gründen das Ausscheiden erfolgt. ?lrbefterk!affe unö Sozialöemokratie. Von dem im Verlag der Vorwärts-Buchhandlung erscheinenden Werk Heinrich Cunows über die„M arxsche Geschichts-, Ge- fellschafts- und Staatstheorie" wird Anfang Oktober der zweite Band(Schlußband) herauskommen. Mit Zustimmung des Verlages und Verfassers bringen wir aus dem neuen Band einen kurzen Abschnitt zum Abdruck. Er behandelt das Verhältnis der Sozialdemokratischen Partei zur Arbeiterklasse. Nachdem Cunow im einzelnen das Wesen der Klaste, die oer- schiedenen Formen des Klassenkampfes und die Entwicklungsstufen der Arbeiterklasse geschildert hat, fährt er fort: „Aus der Tatsache, daß auf bestimmter Entwicklungsstufe die Klasse sich als Partei konstituiert und mit politischen Mitteln für ihre Forderungen kämpft, folgt nicht, daß Klasse und Partei dasselbe Gebilde sind, noch daß einfach die Klasse in die Partei aufgeht. Die Partei verhält sich gewissermaßen zur Klasse, wie der Staat zur Gesellschaft. Der Staat ist die politische Organisation der so- genannten bürgerlichen Gesellschaft, will demnach die Klaffe inner- halb dieser Organisation auf deren Ordnung, also die Staats- ordnung, politisch einwirken und ihre Forderung durchsetzen, muß sie sich selbst eine politische Organisation schaffen: die Partei. Damit wird aber die Klasse nicht einfach zur Partei, so daß beide sich in ihrem Umfang und, ihrer-Wesenheit decken. Die Klasse ist ein aus der Wirtschaftsentwicklung hervorgegangenes gesellschaftliches Ge- bilde, die Partei hingegen eine politische Zweckorganisation der Klaffe oder Klassen, wie denn auch diese Organisation gewöhnlich nicht die ganze Klaffe eines Staatsgebildes umfaßt, sondern nur einen größeren oder kleineren Teil, andererseits aber meist zugleich Bruchteile anderer Klaffen mitenthält. Wenn demnach, wie oft in der sozialistischen Parteiliteratur ge- schieht, Klaffe und Partei einander gleich gesetzt und die Wörter Arbeiterklasse und Sozialdemokratie oder Sozialdemokratische Partei � als völlig gleichbedeutend gebraucht werden, so ist das ein Irrtum,' der den Weg versperrt, die iminer wieder innerhalb der Partei � auftauchenden Interessenkonflikte in ihren ursächlichen Zusammen- hängen zu begreifen. Verschuldet ist zum Teil der Irrtum dadurch, daß weder Marx noch Engels sich irgendwo näher über das Ver- hältnis der Partei zur Klasse geäußert haben. Die Sozialdemokra- tische Partei fsowohl �die mehrheitssezialistische als die unabhängige) ist auch nur in dem Sinne eine Klaffenpartei, wie z. B. die Konser- vative oder die Nationalliberale Partei, lediglich mit dem Unter- schied, daß sie in der Hauptsache die Interessen der Arbeiterschaft. vertritt, früher in erster Reihe der Industriearbeiter, die Konser- vative Partei hingegen die Interessen der großen und mittleren Grundbesitzer. D. h., beide sind nur insofern und insoweit„Klassen- Parteien", als sie im ganzen und großen die Jnteressenforderungen und Machtansvrüche bestimmter Klassenschichten akzeptieren und vor- nehmlich zur Geltung zu bringen suchen: keineswegs aber vertreten sie ausschließlich deren Interesse, �und noch weniger beschränken sie den Umfang ihrer Anhängerschaft auf die Angehörigen einer be- stimmten Klasse. Eine Partei fragt den, der sich ihr anschließen will, nicht:„Gehörst du einer bestimmten Klasse an?" Auch die Sozialdemokratische Partei nicht. Wer sich im wesentlichen zu ihren Grundsätzen und Forderungen, zu ihrem Programm, bekennt, kann ihr beitreten. Und dieses Programm enthält nicht nur gewisse wirtschaftliche Interessenforderungen, sondern gleichzeitig, wie die Programme anderer Parteien auch, bestimmte, außerhalb der wirt- M WM WlkMlWMlWl! tzeute, Freitag, öen Z9. September: 4 kreis(Prenzlauer Tor. Z0. Abt.): 7 Ahr. Schulaula. Pappel- allee 40/41. Thema:„Die Republik und das Rote Haus". Referent: Karl Bauer, Bürgermeister. 6. Kreis(Hallesches Tor. 10. Abt.): 7 Uhr, Schulanla, Reichen- berger, Ecke Förster Str. Thema:„Sozialistischer Aufbau oder reaktionärer Rückschritt". Ref.: Stadtverordneter Dr. Lohmann. g. Kreis(Wilmersdorf): 7ll<, Ahr, Bismarck- Gymnasium. Pfalz- burger Slr. Zl. Thema:„Die wirtschaftliche Bedeutung der Wahlen in Reich, Staat und Kommune". Referent: O st e r r o k h. 10. Kreis(Zehlendorf): 8 Ahr, Lindenpark. Berliner Str. IS. Thema: „Der Kampf gegen die Reaktion im Berliner Stadt- Parlament". Ref.: P o u l£) i r s ch, Ministerpräsident a.D. 15. Kreis(Baumfchulenweg): 7Vz Ahr im Lokal Wald. Eschenbach- flraße 1. Thema:„Die Bedeolung der Stadtverordneten- wählen für die Frauen". Referentin: Elfriede Ryneck. M. d. R. IS. Kreis(Adlershof): 7'� Uhr bei Wöllstein, Bismarckstr. Thema: „Die wirtschaftliche Bedeutung der Stadtverordneten- wählen." Referent: Heinrich Vierbücher. Taubstummenparteibund: 7 Ahr in den Musikersälen, Kaiser- Wilhelm- Slr. 31. Thema:«Die kommenden Stodlver- ordnekenwahlen und Stellung der SPD. zu den Zielen der Taubstummenabteilung". Ref.: RichardZoachim. Morgen, Sonnabenö, üen?. Oktober: 19. Kreis(Blankenburg): 7�'„Ahr, bei Klug, Dorislraße. Thema: „Sozialistischer Aufbau oder reaktionärer Rückschritt". Referent: Sladtv. Keller. schaftlichen Interessensphäre liegende politische und philosophische Auf- saffungen. Sicherlich, die Grundlage der meisten Parteien bildet eine gewisse Klaffengruppierung: aber in ihrer Struktur ist jede Partei zugleich ein ideologisches Gebilde, die Vertreterin eines be- sonderen politischen Gedankenkomplexes. Und manche Personen treten einer Partei nicht deshalb bei, weil die von dieser vertretenen speziellen Klassenforderungen auch die ihrigen sind, sondern weil sie von diesem Gedankenkomplex, d.h. von den betreffenden politischen, philosophischen, ethischen, vielleicht auch religiösen Ideen angezogen werden. Ein Beispiel dafür, wie wenig oft die Klassenzugehörigkeit über die Parteizugehörigkeit entscheidet, bietet die deutsche Zentrumspartei. Bilden etwa die zu dieser Partei gehörenden Großgrundbesitzer, Bauern, Industriellen, 5)andwerker, Beamten, Geistlichen, Arbeiter usw. eine einheitliche Klasse mit gleichen Klassenintereffen? Was diese verschiedenen Elemente vereint, ist nicht das gleiche ökonomische Interesse, sondern die gleiche religiöse Ideologie. Und ähnlich stand es vor dem Kriege mit den verschiedenen polnischen, tschechischen, südslawischen Parteigruppen in Oesterreich. Was Hier diese aus den verschiedenartigsten Klassengruppen bestehenden Parteigebilde zusammenhielt, war der sogenannte nationale Gedanke, das Gefühl einer bestimmten Wesensverbundenheit und des Gegensatzes gegen andere Nationen. Im Vergleich zu solchen Parteien ist freilich die Grundlage der Sozialdemokratie nicht nur breiter, sondern auch klassenbestimmter: aber eine reine Klassenpartei ist keine der sozialistischen Parteien. Tatsächlich steht noch immer ein großer Teil der deutschen Arbeiter- schaft außerhalb der Sozialdemokratie und glaubt seine Interessen besser bei Konservativen, Liberalen, Zentrumsparteilern usw. ge- wahrt. Das mag verkehrt fein und von einem unausgereiften Klaffen- bewußtsein zeugen: aber deshalb bleibt doch richtig, daß die Sozial- demokratie nur einen Teil der Arbeiterklaffe umfaßt, und daß ferner die liberalen und konservativen Arbeiter deshalb, weil sie nicht der Sozialdemokratischen Partei angehören, nicht aus der Arbeiterklasse ausscheiden. Andererseits wird der Fabrikant, Händler, Bauer, Arzt, Advokat, Schriftsteller, der sich der Sozialdemokratischen Partei an- schließt, deshalb kein Zlrbeiter. Er wird Parteigenosse, aber kein Klassengenosse. Seine Klassenintereffen werden auch durch den Bei- tritt keine Arbeiterinteressen, noch werden umgekehrt die Klassen- interessen der Arbeiterschaft nun ohne weiteres seine Interessen. Er mag mit den Jnteressenforderungen der Arbeiterklasse sympathisieren un� diese sogar seinen Interessen voranstellen, aber trotzdem bleibt er Mitglied seiner Klasse. Meist wird er auch— von eigennützigen Gründen ganz abgesehen— nicht der Sozialdemokratie beitreten, weil er die von ihr vertretenen Klassenintereffen für die seinigen hält, sondern weil er ihre politischen, rechtlichen, moralischen Absichten und Ziele— vielleicht auch diese nur unter den gegebenen jeweiligen politischen Umständen— für die richtigen hält. Demnach enthält jede Partei, auch die Sozialdemokratie, in ihren Reihen Elemente verschiiedener Klassen mit verschiedenen Klassen- interessen. Sie ist, klaffentheoretisch betrachtet, durchaus nichts Ein- iheitliches. Die Folge ist, daß es in keinem Parteikörper an inneren Reibungen und Gegensätzen fehlt. Hinzu kommt, daß auch die An- gehörigen derselben Klasse nicht immer völlig gleiche Interessen haben und in ihrer politischen Haltung deshalb in gleichem Maße durch diese bestimmt werden. Die Klassenintereffen und-motioe sind keineswegs das allein Entscheidende. Der heutige Mensch gehört nicht nur einer Klasse an— manchmal, wie vorhin dargelegt wurde, auch mehreren—, er ist zugleich Mitglied eines Staates, einer Nation, eines Berufes, einer Religionsgemeinschaft usw. und ist als solches auch mehr oder weniger durch Staats-, National-, Berufs-, Religionsinteressen beeinflußt, die mit den Klassenintereffen mannig- fach kollidieren können. Zudem hat er selbstverständlich auch als Individuum seine besonderen individuellen Interessen. Die Unklarheit über das Verhältnis der Klasse zur Partei und der Klassenintereffen zu den Parteiinterkssen hat in der Sozialdemo- kratischen Partei immer wieder zu der Anschuldigung geführt, dieser oder jener hätte die Klasseninteressen verletzt und den sogenannten Klaffenkampfstandpunkt aufgegeben. Selbst gegen die Führer der Partei ist immer wieder dieser Vorwurf erhoben worden. So erhob Frau Klara Zetkin 1903 auf dem sozialdemokratischen Partei- tag in Breslau gegen die von Bebel unterstützte Agrarreform- bewegung den Vorwurf, sie zerstöre den Klassencharakter der Partei. Und auf dem Parteitag zu Stuttgari 1898 führte Liebknecht gegen A. Helphand(Parvus) aus, der zur Beteiligung an den preußischen Landtagswahlen und zu einem Wahlkompromiß mit der Fortschritts- Partei geraten hatte:„Parvus hat bei der Frage der Beteiligung an den Landtagswahlen den Boden des Klassenkampfes verlassen und dazu geraten, der preußischen Bourgeoisie zu ihrer Kräftigung die Hand hinzureichen. Das ist in meinen Augen eine viel größere und gefährlichere Verirrung, als das Heinesche Kanonenwort." Liebknecht sprach damit nur aus, was damals in weiten Partei» kreisen fast als Dogma galt: die Beteiligung an den preußischen Landtagswahlen bedeute, solange das Dreiklaffenwahlrecht bestimde, eine Verletzung des„Klassenkampfprinzips". Vielfach ist in der Sozialdemokratie sogar jedes Wahlkompromiß und jedes zeitweilige parlamentarische Bündnis mit bürgerlichen Parteien als Verstoß gegen den„Klasienkampfgedanken" oder als Abirrung von der„Bahn des Klassenkampfes" bezeichnet worden — meist mit der Begründung, die bürgerlichen Prateien seien samt» lich nur„eine reaktionäre Masse", mit der die Sozialdemokratie. wenn sie nicht ihren Klassenkampfftandpunkt aufgeben wolle, un- möglich irgendwelche Bündnisse schließen könne. Eine Auffassung» die schon 1875 Marx in seiner Kritik des Gothaer Programm- entwurfs zurückgewiesen hat.... Als„Preisgabe des Klassenkampfstandpunktes" könnte ein Bündnis nur gelten, wenn die Sozialdemokratie die sog. Klassen- forderungen, d. h. die aus der besonderen Stellung der Arbeiterschaft im Wirtschaftsprozeß sich ergebenden Forderungen fallen ließe und in eine bürgerliche Partei aufginge, nicht aber, wenn sie zur Durch- setzung eines größeren oder geringeren Teils ihrer Forderungen mit einer bürgerlichen Partei einen zeitweiligen Pakt gegen eine andere, sie bekämpfende Partei schließt. Selbst wenn sie vorläufig einen Teil ihrer Forderungen zurückstellt, um einen anderen Teil vorschieben und besser verfechten zu können, ist das keine Aufgebung des Klassenkampsstandpunktes. Doch was hat nicht schon alles ein- zelnen Richtungen in der deutschen Sozialdemokratie als Verstoß gegen das Klassenkampfprinzip gegolten: die Teilnahme an parla» mentarischen Verhandlungen, wie die Beteiligung an Stichwahlen zwischen bürgerlichen Parteien, die Zustimmung zu sozialpolitischen Gesetzen, die Abschließung von Wahlbündnissen, die Abstimmung für Landtagsbudgets, die Bewilligung von Kriegskrediten usw. Je unklarer der Klassenbegriff war, desto leichter wurde der Äorwurf der„Preisgabe des Klaffenkampfstandvunktes" erhoben— wobei sich recht oft zeigte, daß die Ankläger überhaupt gar nicht zwischen Arbeiterklasse und Sozialdemokratie zu unterscheiden vermochten. S.Generalversammlung öerSchornsteinfeger Der Zentralverband der Schornsteinfegergesellen Deutschlands hielt im Börsensaol des„Thomas-Bräu" in Frankfurt a. M. seine Generalversammlung ab. Sie hatte sich in der Hauptsache mit beruflichen Fragen und dem Ausbau der Organisation zu be- fassen. Aus dem zum Vortrag gelangten Geschäftsbericht ist der Aufstieg ersichtlich, den der Verband seit seinem vor zwei Iahren bewerkstelligten Eintritt in die Reihe der freigewerkschaft- lichen Organisationen des Allgemeinen Deutschen Gewerkschasts� bundes genommen hat Seme Mitgliederzahl ist um rund 2000 gewachsen. Die Einnahmen haben einen bedeutenden Umfang angenommen, und an Unterstützungen in Krankheits-, Streik- und anderen Fällen sind erhebliche Beträge zur Auszahlung gelangt. In allen(39 dem Zentralverbande angeschlossenen Ortsgruppen ist eine nennenswerte Lohnerhöhung festzustellen und ein« rege organisatorische Tätigkeit zu verzeichnen. Die Mirgliederzahl belief sich auf 3338 am 1. September 1921, der Kassenbestand auf 152 341,32 M. Der Verbandskassierer Hering- Berlin ließ darüber keinen Zweifel, daß der Reservefonds noch erheblich verstärkt werden muß, um ge» wappnet zu sein. Ueber die Beteiligung an dem Versor- g u n g s v e r e i n für den Schornsteinfegerberuf referierte der zweite Vorsitzende Müller- Berltir, der den Beitritt als ersten Schritt auf dem Wege der Altersversorgung empfahl. Gegenstand eines eingehenden Referats bildeten die neuen Entwürfe der Sozialgesetzgebung und der Entwurf, von Schutzvorschrft» ten für Bauhandwerker und verwandte Gewerbe. In einer Reil» lution wurde die Notwendigkeil des Erlasses durchgreifender S ch u tz v o r s ch r i f t e n für das Bauhandwerk betont und beson» ders unterstrichen. Mit der Führung der Redaktion des„Schornsteinfeger" erklärte die Delegiertenversammlung ihr volles Einverständnis. Ueber Reichstarif und Reichsarbeitsgemeinschaft Sie öffentliche Meinung spielt bei allen Lohnkämpfen der organisierten Arbeiter und Angestellten eine große Rolle. Dabei zeigt sich stets deutlich der wahre Charakter der bürgerlichen Presse, die bestrebt ist. durch ihre Darstellungen und Berichte die öffentliche Meinung gegen die fordernden und kämpfenden Arbeitnehmer und für den Standpunkt der Unternehmer zu beeinflussen. Und diese Presse wird immer noch von vielen Arbeitern und Angestellten gehalten, die so ihre eigenen Interessen mit Füßen treten. Das Blatt, das in Berlin zuerst jahrzehntelang als ein- ziges Arbeiterblatt und unter Umständen, wo es noch sehr gefährlich war, mit aller Entsäziedenheit von jeher die Sache der um günstigere Lohn- und Arbeitsbedingungen ringenden Arbeitnehmerschaft verfochten und in der öffent- lichen Meinung vertreten hat, ist der „vorwärts". Beim Quartalswechsel ist Gelegenheit, für seine Berbrei- tung einzutreten. Je mehr er verbreitet ist, desto größer sein Einfluß auf die öffentliche Meinung, desto wirksamer feine Unterstützung der Lohnkämpfe. Wer dem„Vorwärts" einen neuen Bezieher gewinnt, fördert seine Lohninteressen, stärkt seine Position in der öffentlichen Meinung! Nachstehender Bestellzettel ist auszufüllen und an die Hauptgeschäftsstelle des„Vorwärts", Berlin SW. 68, Linden- straße 3, einzusenden. Ich abonniere den„Vorwärts" mit der illustrierten Sonntagsbeilage„Volk und Zeit", der Unterhaltungsbeilage „Heimwelt" und der 14tägig erscheinenden illustrierten Bei- läge„Siedlung und Kleingarten" in Groß-Berlin � täglich zweimal frei ins Haus für 12 M. pro Monat Oktober. Name. Wohnung: Straße Nr.- referierte der Verbandsvorsitzmde Schreiber» Berlin. Die Rcichsarbeitsgemeinschoft wurde für zweckmäßig erachtet, ihre Der- besserung aber empfohlen. Dazu lagen verschiedene Anträge der Ortsgruppen vor. Dem Zeitgeist muß in den Bestimmungen der Reichsarbeitsgemeinschast gebührende Beachtung geschenkt werden. Dann erst kann die Institution mit ihren Nebenausschüssen den An- forderungen, die im Berufsinteresse gestellt werden müssen, voll entsprechen. Deshalb hat der' Zentralvorstand auf Bervollkomm- nung der Einrichtungen innerhalb der Reichsarbeitsgemeinschast hinzuwirken. In den Hauptvcrhandlungen gelangten die Anträge(110) der Ortsgruppen eingehend zur Besprechung. Dringlichkeitsantröge lagen aus Süddeutschland vor, die wie die übrigen Anträge berufliche und organisatorische Fragen zum Gegenstand hatten. Die Debatten darüber nahmen einen breiten Raum ein und wurden im Geiste völliger Einmütigkeit oe> führt. Das Ergebnis der Generalversammlung, der auch der Ob. mann des österreichischen Brudervcrbandes beiwohnte, ist in jeder Beziehung zufriedenstellend und läßt weitere Früchte erhoffen, die in den Ortsgruppen sicherlich bis zur nächsten Generalversammlung in Bremen(Juni 1923) heranreifen werden. Der skandinavische und tschechoslowakische Bruderverband hatten telegraphisch Grüße übermittelt. Die Zahl der Delegierten und Gäste betrug 130. Einstimmig wurde der langjährige Verbandsvorsitzende Schreib er-Berlin wiedergewählt, desgleichen der zweite Bor- sitzende Müll er-Berlin. An die Stell« des durch Anstellung ausscheidenden Vcrbandskassierers trat durch Wahl Beiersdorf- Berlin. Die übrigen Verbandeposten wurden wie bish«r besetzt. Der Sitz des Verbandsausschusses blieb in Nürnberg. Sitz des Presseausschusses wurde Bremen. Den beiden Verhandlungstagen der Generalversammlung war «ine Sitzung des Zentralvorstandes und Beirats voraufgegangen, und eine Reichskonferenz der Vorsttzendenstelloertreter in den Ne- benausschüsten der Reichsarbeitsgemeinschast. Aus Beschluß der Generalversammlung sollen künftig Zusammenkünfte der stellver- tretenden Vorsitzenden der Nebenausschüsse zum Zweck gemein- samer Aussprache und zur Hebung des Gewerbes in bestimmten Zwischenräumen häufiger berufen werden. Mus Ser Partei. Stellungnahme zum Parteitag. Eine sehr stark besuchte Parteiversammlung in Frankfurt o. M. nahm am Dienstag, den 27. September, den Bericht vom Par- teitag entgegen. Die beiden Referenten, Parteisekretär B r o s w i y und Redakteur Marckwald, verteidigten ihre Haltung auf dem Parteitag und nahmen besonders scharfe Stellung gegenüber dem Beschluß über die Äoalitionspolitik. Marckwald erklärte zum Schlüsse seiner Ausführungen, er erhebe die Fahne der Rebellion gegen die Parteitagsbeschlüsse und werde die Massen aufrühren und aufrütteln. Damit stieß er auf starken Widerspruch in der Versammlung: und in der Debatte erklärten selbst Parteitagsdele- gierte, die sachlich in der Koalitionsfrage auf dem Standpunkt Marck- walds stehen, sich gegen diesen Fans.arenruf. Zunächst sprachen in der Diskussion die Genosien H ein e.m an n und K\t ch- n e r im Sinne der Beschlüsse des Parteitags. Sie sandten sich scharr gegen den von den Frankfurter Delegierten vertretenen Standpunkt. Auch die Frankfurter Genossen müßten sich frei vo»n der Phrase machen und sich auf den Boden der Wirklichkeit stellen. Drei wei- tere Redner, darunter der Delegiert L o e b, erklärten sich gegen den Koalitionsbeschluß des Parteitags. Um Mitternacht wurden die Aus- einandersetzungen auf eine neue Versammlung vertagt. Glänzende Erfolge hat die..Rote Woche" unserer Kastels'®e- nassen gehabt Nach den vorläufigen Feststellungen sind allein in der Stadt Kassel über 1000 neue Parteimitglied. er und mehr als 1000 neue Abonnenten für das dortige Par.- teiblatt gewonnen worden. Das endgültige Ergebnis dürfte weit höhere Zahlen bringen._ Wirtsthaft Deukfchlands Außenhandel im Juni. Im Monat Juni hat der Außenhandel Deutschlands wieder z u- genommen. Die Einfuhr stieg um annähernd 3, die Ausfuhr um mehr als 4 Millionen Doppelzentner gegenüber dem Monat Mai. Immerhin bleiben die Mengenzahlen der ein- und ausgeführten Wa- ren hinter denen des Monats Dezember vorigen Jahres noch immer zurück. Das Statistische Reichsamt veröffentlicht jetzt zum ersten Male auch die Wert angaben für die Einfuhr. Die wichtigsten Zah- len sind in folgender Tabelle gegenübergestellt: Einfuhr Ausfuhr m.rt In Menge in Million, qnm cn>..e Menge in Million. Mill Mork Dopoel,enin-r Soppelgentner a'!,u- Juni 1921.. 18,23 6409 15,08 5468 Mai 1921... 15,34 5486 11,45 4558 Dezember 1920. 20,07.— 17.53 7363 Der im Monat Mai beobachtete Rückschlag des deutschen Außen- Handels, der durch die Weltabsatzkrise und die Sauktionspolitik der Entente verursacht worden ist, scheint also im Monat Juni bereits einer Aufwärtsbewegung gewichen zu sein. Immerhin ist das Bild der Außenhandelsbilanz auch in diesem Monat bedenklich genug. Bor allem zeigt sich, daß der Ueberschuß der Einfuhr über die Ausfuhr noch immer vorhanden war, eine Tatsache, die die Zah- lungsschwierigteiten Deutschlands bei der Erfüllung der Reparativ- nen vollauf erklärt. Selbst wenn sich die Einfuhrwerte bei der end- gültigen Berechnung der Ziffern noch etwas erhöhen sollten— es standen noch einige Wertangaben der chemischen Industrie aus—, so können die wenigen Millionen das Gesamtbild doch nicht beeinflussen. Die Steigerung des Wertes der ausgeführten Waren im Monat Juli verteilt sich auf die meisten Gewerbezweige gleichmäßig. Be- sonders bemerkenswert ist jedoch die Zunahme des Wertes der aus- geführten Maschinen. Diese ist von 522 Millionen Mark im Mai auf 732 Millionen Mark im Juni gestiegen. Wieder eine halbe Milliarde neues Papiergeld. Der Umlauf an Danknoten zeigt im Zusammenhang mit der Nähe des Viertel» jahrsschwsses in der dritten Septemberwoch« ein« weitere Zunahme. Es sind diesmal 588,6 Millionen Mark an Danknoten und Dar. l«i)nskassenschein«n zusammen neu in den Verkehr gegeben worden: und zwar ist der B a n k n o t e n u m l a u f um 709,2 Millio- nen Mark auf 82 178,9 Millionen Mark angeschwollen: dagegen hat sich der Umlauf an D a h rl e h n s kass e n s ch e i nen um 120,6 Millionen auf 7601,2 Millionen Mark ermäßigt. Richtungen des Welthandels. Der Weltkrieg hat bedeutende Verschiebungen des Welthandels und Veränderungen der Absatz» gebiete für die Exportländer hervorgerufen. Die Prozentsätze des gesamten Exports oerteilten sich auf die einzelnen Länder im Jahre 1920 anders wie vor dem Kriege. Die Dereinigten Staaten /ühren gegenwärtig 6 Prozent weniger nach Europa aus als vor dem Kriege(54 Prozent der Gesamtausfuhr statt 60 Prozent vor dem Kriege): dagegen ist ihr Anteil an der Ausfuhr nach Süd- am.vika und nach Asien gestiegen. England hat ein starkes Sinken des Exports nach Deutschland und nach Rußland zu ver- zeichnet und ein wachsender Prozentsatz seines Exports entfällt auf Frankreich, Holland, Belgien. Der prozentuale Anteil seiner Ausfuhr nackh Italien, den Vereinigten Staaten, Brasillen und China blieb unv.wändert. Frankreich liefert feit dem Kriege weniger nach Englaoid und nach Deutschland als früher. Im Jahre 1913 entfielen 21 Prozent seines Exports auf England und 13 Prozent auf Deutschlan.d, im Jahre 1920 dagegen nur mehr 16 Prozent auf England und 5 Prozent auf Deutschland. Auch nach Brasilien und Argentinien exportierte es weniger: sein Anteil am Export nach den Vereinigten Staaten hat sich jedoch vergrößert(6 Prozent 1913, 8 Prozent 1920). Bezüglich der Wengen der ausgeführten Waren bringt das „Federal Reserve Board Bulletin" auf Grund eingehender Berech- nungen folgende Indexziffern: Die Indexziffer des Jahres 1913 mit 100 angesetzt, betrug dis Ausfuhrziffer der Vereinigten Staaten im vorigen Jahre 107, die Englands 70,9, diejenige Frankreichs 56,6. Wenn die Ausfuhr als ein Maß für die Produktionsfähigkeit eines Landes angesehen wird, so zeigen die erwähnten Ziffern, daß die Produktion in England und Frankreich den Vorkriegszustand noch nicht erreicht hat. Die Zahlen wären günstiger, wenn die zweite Hälfte des Jahres nicht von der Wirtschaftskrise beeinträchtigt wor- den wäre. Vesser« Veschäfiigung der Vaustoffindustrie. Die Hochkonjunk- tur, die infolge des Valutarückgcmges bei den Exportindustrien em- gesetzt hat, macht sich auch in einzelnen in den Inlandsbedarf ar- beitenden Gewerbezweigen bemerkbar und ist jetzt u. a. auf die Baustoffindustrie übergegangen. Wie die„Bauwelt" berichtet, er» höhen die zahlreichen Neu- und Umbauten die Nachfrage nach Bau« stosfen und beleben das Geschäft. Die Bestände auf den Ziegeleien beginnen knapper zu werden. Einzelne Ziegeleien haben bereits für dieses Jahr ihre Erzeugung ausverkauft. Infolge des gesteigerten Bedarfs versuchen die Ziegeleien, höhere Preise durchzusetzen. Die deutsche Warenausfuhr nach England im Monat August weist ein« Zunahme von fast 150 000 Pfund Sterling auf. Man fördere ausdrücklich .PfeH-Spar- Glühkörper und achte aafdie.Pfe//~-SchutzmarkG •MCrsparnis Am 26. d. Mt». verschied nach langem, mit Geduld er- tragencm Leiden, zwei Tage nach einer schweren Magen- Irebaoperalion, mein lieber Vater, Schwiegervater, Bruder und Schwager, der Dreher 33�A Angnst König im 59. Lebensjahre. Dies zeigen mit der Bitte um stille Teilnahme ties- betrübt an. Im Namen der Hinter- bliebencn Paul KZnig als Sohn. Berlin, de» 28. Sept. 1021. Sparrstr. 27 I. Di« Einäscherung sindet am Sonnabend, 1. Oktober, nachm. 1>/,llhr, im Trema- torium verichtstrahe statt. Bekanntmachung Der Fabritbesitzer Erich Na- tung eine» Fedcrhammcrs in seinem Fabrikraum aus dem Grundstück Langhausstr. 6 in Berlin- Weihensee beantragt. Etwaige Einwendungen ge- gen diese Anlage sind bei dem unterzeichneten Stadtausschutz binnen 11 Tagen, vom Tage nach der Veröffentlichung an gerech- net. schriftlich in doppelter Aus- fertigung ober zu Protokoll an- zubringen. Nach Ablauf dieser Frist lönnen Einwendungen nicht mehr erhoben werden. Beschreibung und Zeichnungen der geplanten Anlage liegen in unserem Bureau, Narlshorst, Treskowallee 44, Zimmer Nr. 8, an den Seschäststagen in der Zeit von s bis 2 Uhr während »er oben bezeichneten Frist zur Einsicht aus. Zur mündlichen Erörterung der rechtzeitig erhobenen Ein- Wendungen wird vor unserem Kommissar, Etadtsekretär Wei- gel,«es Mittwoch, den l«. vk- «der 1021, vor«. 11 Uhr, in unserem Bureau ri« Termin anberaumt, zu dem der Unter- nehmer sowie die Widerspre- chenden unter der Eröffnung geladen werden, daß auch bei ihrem Ausbleiben mit der Er- Lrterung der Einwendungen vorgegangen wird. ' Berlin. Karls Horst, de» 27 September 1921. Sladkauuschutz Berlin Abteilnng V S.S.: Dr. Graeffner Seil 703ahreni orswahisBaussalliej t>. Hautausschlag, Flech- 1 ton, Bein- u. Krampf- adergeschwüren, Frost- scdädcn, Hämorrhoiden I ein hesihewährtes und| schnellheilendes Mittel. Orgl.-Dose 7.25 u.l 4.50M. 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Seelisch Berlin 0 112, Rigaer Straße 71-73 a, 6 Minuten*om Bahnhof Frankfurter Allee SeMelWMtMrimbM llerwaltungilWIe Berlin X B. 51, Clnienltr. 8J— 85 Geschäftszeit von vorm. 9 Uhr bis nachm. 4 Uhr Telephon: Amt Norden 135. 1239, 1987. 97X4. Tovnabend, den 1. Oktober, nachmittags 5 Uhr, im Brrbandshaus(Sitzungssaal), Linienslr. 83/85: mm MMgierlev MverbMslWllWa Sämtliche Delegierte müssen zu dieser Sitzung bestimmt erscheinen. vle Orfooertoollung. Herren- i Garderobe! Kredit .Anzöge, Ulster Schlüpfer Wilh. Frese N 54 Weinbergsweg I Kriegsopfer heraus! Auf Teilzahlnng! AnzügB. 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Die Kriegsbeschädigten unter S0 Proz. sollen nach dem Borschlag de» Neichsarbeit» Ministeriums völlig leer ausgehen. Kriegsopfer! Dadurch wird da« Elend der Kriegsopfer immer düsterer, aber trotz des Hunger» und de» Siechtums, denen der weitaus größte Test der Kriegsopfer ausgesetzt ist, haben ste doch den Mut zur Hoffnung auf eine bessere Zukunft nicht ausgegeben. Mit rührender Anspannung der letzten Arästereste versuchten sie ehrlich wieder hochzukommen, um dem Leben einen bescheidene» Sonnenschein zu geben. Durch die neue und gewaltige Teuerung Ist nun auch der letzte Hvssmmgsanler genommen und unsere Geduld ist eine Belastungsprobe unter Berücksichtigung der groß«-, von uns bereit» gebrachten Opfer zu ertragen nicht mehr in der Lage. Um ein- wirtschaftliche Sicherstellung zu erreichen, fordern wir Euch deshalb auf,«st uns gemeinsam zu demonstrieren. Hört unseren Ruf! Kriegsopfer heraus! Zu der gemeinsamen Muffen- Kundgebung SS IIIMIW I IMafMIlWH & aller Kriegsopfer am Tonntag, den 2. Oktober, in der Schultheis-, fr. Unions- brauerei, Hasenheide 22/31, vormittags 9 Uhr. Reiner darf fehlen k E» geht um Eure wichtigsten Lebeniinteressen.— E» gehl um Eure gukunstl Der Aufmarsch der Massen de: Kriegsopfer soll der Negierung zeigen, daß Ihr alli einmütig zu unseren Forderungen steht. Kriegsopfer, zeigt Eure Macht! Euren Willen und Eure Entschlossenheit! Folgt unserem Rufe und erscheint in Masse»! Reichsbund der Sriegebeschädigkea Jniernakionaler Rund und kriegshinierbliebenen der Kriegsopfer gez. IVIUI Lorenz, gez Max Belger. • 9• 0•# 9£• 9•#•#• 6• O•£•#*#*# 9(tyirch rechtieliige enorme Ewplufe bin ich heut« in der Lage, trotz der umgeh, ursn VrrtSftelg». 9 sjfe'v euBg port Sioffeu und trotz der Erhöhung der Löhn» dt« Bestände meinet Lagers an 9 O 9 Anzögen und Schlüpfern Anzüae Echlapfer Regenmäntel EoverteoatS ,u seusatlonell billige» Preis«» abzugeben. 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Opernhaus Fidelio 7«/» Uhr Schauspielhaus Nd König Richard iH. ?>/, Uhr Volksbuhne Theater am BOlowplatz 7 uhr: Masse Mensch Deutsches Theate 7'/. Uhr: Ke__ Sonnabend 7V, Uhr: Kean lammerspiele 7>/,: Die Jungfern r. Bltchols- berg Sonnabend 7«/,! Die Jungfern Tom Blscbofsberg Gr. Schauspielhaus (KarlstraBcf 7: Die RSuber(AuB.Abonn. i So. 7: DfeRBuber(Auß. Ab.l Theater I. d. Köniegrätzer Str. Die Fahrt ins Blaue (QliBner, Richard, Engl, m Bild Vespermann, Stieda, Bild» Komodienhaus 8 Uhr, zum 25. Male: Max Pallenberg Hans Waßmann Im neuen Burlesketuchwank Jonnys Basenfreund Berliner Theater Täglich 7.30 Uhr: (PrtnzQffin fäfnffi Ten Bernauer u Scnanzcr Musik von Jean Gilbert Hauptdarsteller: Frltzl Massary- q, Ralph Artur Roberts Betty Feiner/ H. Klper Residenz-Theater Täglich TV, Uhr: D. König In Paris (Le Rai) Uustsp. v. Flers u. Caiflaref Olga Limburg, Kaiser-Titz, Lotte KI Inder, Oskar Sabo Richard Senilis, Lotte Dewis Kleines Theater Täglich 8 Uhr: Frl. Josette— meine Frau Burg, Carola Toelle, SWe» WWM WWW JuLFalkensteln, Lotte Klinder, Hans Albers. Trianon-Tbeater Täglich TV, Uhr: Tod und Teufel Verhar: Der Kammersfinger Ida Wüst Erich Kaiser-Titz, Käthe Haack, Helnr. Schroth, Re?ie: Georg Altmann lessing-Theater Heute u folgende Tage TV,: Die Spielereien ein. Kaiserin (Durieuz, Steinrück, Dimer) üMtsclies Künstler-Theater Allabendlich 7'/, Uhr: Oie Balleriöa des Königs (Leopoidlne Konstantin) Central-Thoatcr 8 Die Postmeisterin u. Dcntsch.Öi 7'/, Uhr ZaPD. 1 Rrledr.VVIlhelmst.Th. sch. Opern hau. Zaru.Zini rnnermann uhr. American-Girl Intimes Theater 8: Die Spelunke/ Lauf doch licht Immer nackt herum Kl. Sohnnsplelhann 7 Uhr: Kikl(Lustspiel) I.nstwpiellmnsi 71/1 Die Schauspieler Uhr------------.----- Metro pof-Thenter iv. u: Die Straßensängerin Vene« Operettontheat. s uhr: Die Königin d. Nacht Xenea Thcat. a. 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In der Besprechung gehen die Redner der Kommunisten und � I Unabhängigen dem Stadtrat Weg� scharf zu Leibe. Dörr(Komm.): � I Es hat sich keineswegs um demonstrierende Masten, sondern um Depukalionen der ErwerbsloserisArsorgeftellen � gehandelt, die dem Magistrat ihre Wünsche vortragen wollten. Stadt- � I rat Weife habe auch mit ihnen verhandelt, während Herr Wege sie, durch die Polizei wegbringen lassen wollte, auch das Rathaus in Berteidigungszujtand hatte setzen lasten. Der Bericht enthalte fast i nur Falsches. Er(Redner) sei von einem Polizeibeamten am Kragen | genommen, einer der Sistierten sei gewürgt, gegen die Mager ge- ! stoßen und mißhandelt worden.— Dr. Külitz(U. Soz.): Der Be- richt ist« erstunken und erlogen. Aufgepeitscht worden ist von Provokateuren. Ein Mann wie Herr Wege, der aus übertriebener Aengstiichkeit die Polizei holt, der seinem Posten so wenig gewachsen ist, muß weg von seinem Platz!— 1 Auch Clajus(U. Soz.) bestätigt als Augenzeuge die Darstellung der beiden Vorredner.— Stadtrat Wege wiederholt, daß er nach wie vor seine Pflicht zu tun gedenke. Es feien tarsächlich Taufende ! von Demonstranten erschienen.— Ihm traten Leupold(Komm.), ! der sich ganz besonders über die„grünen Bestien" entrüstet, und Frau W e n g e l s(U. Soz.) entgegen. Eine Aeußerung des Stadtv. , E y n e r n, von der Rechten, der auch den Namen des Stadtrats ! S t o l t erwähnt, gibt letzterem zu einer persönlichen Bemerkung � Anlaß, die an den Stadtv.„Euner oder so ähnlich" richtet. Ein Zuruf von Dörr:„E wie Esel!" ruft aus der Mitte des Saales den Gegenruf„D wie Dustell" hervor, der mit anhaltender stürmischer � Heiterkeit aufgenommen wird. Damit ist die Anfrage erledigt. Am 26. Juni haben Lü dicke ! und Gen.(Dnat. Vp.) folgenden Antrag gestellt:„Den Magistrat zu ersuchen, Erhebungen darüber anzustellen und der Versammlung mitzuteilen: 1. wieviel Personen, die eine deutsche Reichs- oder Staatsangehörigkeit nicht besitzen, seit 1. April 1914 in Berlin zu- gezogen sind und Wohnung gefunden haben, 2. wieviel von diesen Personen ans den östlichen Nachbargebieten, besonders aus Galizien und Kongreßpolon stammen, 8. wieviel Reichs- und Staatsangehörige zurzeit in Berlin kein« Wohnung finden können und wieviel davon Flüchtlinge aus den verloren gegangenen Lnndesteilen sind. Stadtv. Studienrat D a n i ck e(Dnat. Vp.) begründet den Antrag..— C z em i n s ki(Soz.): Es kommt den Antragstellern offenbar bloß auf die prolekarischen Schichlen der Einwanderung aus dem Osten an: an denfenigen Elementen, die im Berliner Westen große Woh- nusigen eingenommen haben, nehmen sie keinen Anstoß, die scheinen ihnen sehr angenehm zu sein. Außerdem scheinen sie mit dem An- trag noch etwas für ihre Wahlagitation herausholen zu können. Die verlangte Statistik würde auch sin großes Beamtenhser nötig machen. Tatsächlich wird mit den Wohnungen in Berlin geschleudert: denn Stinnesleuten, die Hunderttausende an„Abstat$sge!dern" zahlen, werden ganze Häuser zugeschanzt. Im Sinne der Antragsteller sprechen weiter M ü l l e r- F r a n- k e n(Wirtsch. Vgg.) und Kröpelin(D. Vp.)— Dr. Weinberg (II. Soz.) bringt zu? Sprache, daß Stadtv. Pastor Koch einen Zwischenruf„Die Juden sind eine Seuche!" getan hat und spricht dem Vorsteher Dank dafür aus, daß er den Zwischenrufer nicht zur Ordnung gerufen und damit bekundet hat, daß niemand diesen Pre- diger der christlichen Nächstenliebe ernst nimmt.—(Vorsteher Dr. Wey l: Wenn dieser Zwischenruf gefallen ist, muß ich den Stadtv. Koch wegen einer solchen schweren Kränkung und Beleidigung unserer Mitbürger zur Ordnung rufen.) Für den Ausdruck „Schuft", den Dp Weinberg in einem Schlußsatz gegen Koch ge- braucht, wird er ebenfalls zur Ordnung gerufen. Lew in(Dem.): Wir erkennen die bestehenden Ii ebelstände auch, sehen aber kein Mittel dagegen, am allerwenigsten in der beantragten Statistik.— v. L i n d e i n e r(Dnat. Vp.): Mein Parteifreund Koch hat während der Rede des Dr. Külitz zwischengerufen:„Die Ostjuden sind allerdings eine Seuche". Nachdem noch M a n a s s e(U. Soz.) sich gegen den Antrag ausgesprochen und Koch zugegeben hat, den Zwischenruf in der jetzt angeführten Form getan zu haben, wird der Antrag Lüdicke mit den Stimmen der drei Linksparteien und der Demokraten abgelehnt. Ueber den Antrag der Deutschnationalen betr. die Beteiligung von Schulkindern an einer kommunistischen Verfammlung geht die Serfarnmlung aus Antrag der Frau R i e d g e r(Soz.), da er längst überholt sei. zur Tagesordnung über. Ueber den Antrag Gäbel betr. die Aufhebung der Orgesch- und SelbstschuhorganisakZonen in Berlin beantragt nunmehr C a s p a r i(DVP.) mit der gleichen Motivierung Uebergang zur Tagesordnung. Der Antrag wird abgs- lehnt. Leupold(Komm.) begründet den Antrag. Er zählt alle Morde auf, die seit Dezember 1918 an den Genossen durch die Reaktion und ihre Handlanger verübt worden sind,- und stellt diese? Aufzählung die glimpfliche Behandlung der Kapp-Rebellen durch Noske und Geßler gegenüber. Ludendorff und Hindenburg, die längst an die Laterne gehkörtcn, ständen an der Spitze der Konter- revolution. Unter Anführung einer Reihe von Namen und Adressen behauptet Redner sodann das Vorhandensein eines engen Zu- sammenhangs und ein Zusammenwirken zwischen den verschiedenen reaktionären Organisationen und der Reichswehr. Diese Organisationen verfügten über zahlreiche Orgcmisations- und Werbebureaus und ihre Leitungen hielten regcl- mähige Sitzungen im Fürstmhof ab. Auch unter den Arbeitern und Arbeitslosen hätten sie ihre Netze ausgeworfen: auch fei behauptet worden, die Berliner Selbstschutz- und Orgesch-Formationen seien vom Polizeipräsidenten Richter genehmigt worden.— Auch die Roßbach- und Oberland-Arbcits- geme'inschaften und ihre Programme und Werbungen beleuchtet der Redner. Die Tannenbergfeier sollte zum Aufmarsch der Orgesch in Berlin benutzt werden, auch die Regimentsfeiern und Frontappelle dienten demselben Zwecke Der Arbeiterschaft bleibe nichts übrig als zu handeln. D o v o(Dem.) kann nicht erkennen, was der ganze Vortrag mit der„einstweiligen" Stadtverordnetenversammlung zu tun hat.— Clajus(II. Soz.) erhält um 1410 Uhr das Wort, um mit einem reichen Material den Vortrag von Leupold zu ergänzen. — Um%10 Uhr wird ein Antrag auf Schluß der Debatte von Dr. Easpari(DVP.) gestellt und zugleich die Beschlußfähig« keit bezweifelt. Da der Saal fast leer ist, hat die Verhandlung kurz nach>-10 Uhr ein Ende.______ Vsrbotzme Lichtstrahlen. St. Vureaukratius ist ein nützlicher Mensch, nicht nur, daß er dafür Sorge trägt, daß alles den Instanzenweg innehält und dabei über tausenderlei papierne Schwierigkeiten stolpert, er ist auch d?. Siegelbewahrer der Gerechtigkeit. Wie bekannt, brachte die Kohlenknappheit nicht nur die Ein- schränkung der Straßenbeleuchtung, sondern auch das Lichtreklame. verbot mit sich. Das wurde, aus den gebotenen Sparsamkeitsrück. sichten, auch bis auf den heutigen Tag noch nicht aufgehoben. Das Verkehrsamt in Berlin aber, das sich bemüht, den Verkehr in der Millionenstadt zu"erleichtern(was St. Vureaukratius freilich nicht einleuchtet, denn, Herrgott, wie erschwere ich meinen Mitmenschen das Leben, ist sein Morgen- und Abendgebet), kam auf den Gedanken, in den noch immer mangelhaft beleuchteten Straßen eine neue Art der Kenntlichmachung der Straßenbahnhaltestellen zu schaffen. Eine glückliche Lösung wurde in den erleuchteten Säulen geschaffen. Die Aräulem. 151 Von Paul Enderling. CopxnzH 1S20, by J. G. Cottasche Buchhandhins Nachf. Stuttgart u. Berlin Wie gut war es nur, daß er' beim Anhalten auf jede Mit- gift verzichtet hatte!„Ich will nur Thea," hatte er gesagt. „Nur Thea, sonst nichts." Nein, es war ein ungeheuerlicher Gedanke seiner Kollegen, die ihn mit der hohen Mitgift neckten und mit schlecht ver- hehlter Mißgunst davon sprachen, daß ihnen ihre Frauen außer einer Kaffeemühle nichts mitgebracht hätten. Es war ungeheuerlich prosaisch und erbärmlich dazu.„Ich will nur Thea, sonst nichts." Aber er hatte in seinem Bürgerinstinkt doch geschwiegen und sie in dem Glauben gelassen, daß er einen Goldfisch gekapert habe. So versuchte er wenigstens, sich nützlich z» machen, schlug Hotels vor, die solche Fö-te zu billigerem Preise veranstalteten, oder riet, die Zahl der Gäste einzuschränken. Das tat er aber nur in Theas Abwesenheit. War sie da, hatte er nur für sie Augen und Sinn. War sonst noch jemand da? Sprach sonst noch jemand? Gab es überhaupt sonst noch jemanden aus der Welt?„Thea, bist du nicht auch meiner Meinung?" Thea sagte„Ja" und tat, was sie wollte. Frau Görke sprach nie zu anderen über Henning. Nur zu Fräulein sagte sie einmal mit trostlosem Gesicht:„Meinen Sie, daß die beiden glücklich werden?" „Sicher," sagte Fräulein,„er hat sie ja so lieb." „Das ist es gerade, Fräulein! Wenn er das nur weniger zeigen würde, wäre es besser für Thea. Aber keiner kann aus feiner Haut." Fräulein begriff nicht, wie man zuviel Liebe zeigen könne. Julius Görke hatte von dem Augenblick an, wo 5)enning zur Familie gehörte, seine Meinung über ihn gründlich ge- ändert.„Er ist ein tüchtiger Mann, mit so Zungen Iahren Doktor und Gymnasiallehrer. Denken Sie nur! Alle Vorge- setzten sagen ihm eine rasche Laufbahn voraus." Er hatte sich wohl gehütet, mit einem Vorgesetzten Hennings über ihn zu sprechen.„Ein liebenswürdiger, bescheidener Mensch. Wir haben ihn alle gern." Er ließ sich nie sehen, wenn Henning Seine Frau sprach ihm von Hennings Sparsamkeitsvor- schlagen. Er lachte.„Er ist ja doch nicht bei Hannchen und Mannchen. Rein, einen Taler und acht Groschen kann es schon kosten." Thea kam dazu. „Was sagst du denn dazu? Wollen wir im Volksspeise- haus in der Ankerschmiedegasss die Feier begehen?" Thea wußte nicht, was er meinte. Er lachte.„Görkes sind Görkes. Und Hennings sind Hennings. Und Armut kommt von der Powerteh." „Du bist mir rätselhaft, Vater." „Haha, laß es dir nur von Henning lösen, das Rätsel." Thea zuckte die Achseln.„Ach, Henning!" Die Älutter legte sich dazwischen. So dürfe kein junges Mädchen von ihrem Bräutigam sprechen.„Denkst du, deine Mutter hat so von ihrem Bräutigam gesprochen?' Thea lachte böse:„Nein. Dafür ist eure Ehe auch so vor- bildlich." Görke machte„hm" und blickte sie und seine Frau miß- trauisch an. Wie alle Tyrannen witterte er immer Ver- schwörungen. Wenn solche Szenen kamen— und sie kamen oft—, erhob sich Fräulein mit ihre? Arbeit und ging ins Nebenzimmer. Sie fühlte sich beschwert; irgendwelche dunklen Gefühle waren durch solche leichtsinnigen Worte beleidigt. Gern hätte sie dann, wenn Henning erschien, ihm ein paar herzliche Worte gesagt. Aber er saß so steif und ängstlich abwehrend da, daß ihr das Wort im Munde erstickte. Offen- bar wußte er nicht recht, wie er sie behandeln sollte, ob als Theas Freundin oder Theas Bedienstete. So wandte er die Diplomatie des Schweigens an und atmete auf, wenn ein Dritter dazukam. Drei Tage vor dem Fest war Theas Kleid fertig. Sie war glücklich. Und in ihrem Glück dachte sie Fräuleins.„Was ziehen Sie eigentlich an?" „Mein Dunkelblaues." „Schade, daß wir nicht daran gedacht haben, sonst hätte mein Weißes noch für Sie umgearbeitet werden können. Oder hätte Sie das geniert?" „Bewahre." Aber es gab Fräulein doch einen Stich durchs � Herz. Die Herrlichkeiten ringsuhz. betäubten und erregten sie. i Sacht strich sie über das seidene Kleid Theas. Einen Augen« blick schloß sie in unbewußter, unbegründeter Seligkeit ihre Augezi. Und in diesem Augenblick sah sie sich mit diesem Kleid angetan und gefeiert. Die Herren sagten zu ihr wieder„gnä- diges Fräulein", und sie hatten nicht mehr den bisherigen mokanten, überlegenen Ton, in dem man sonst mit ihr ver- kehrte, mit dem Fräulein bei Görkes. Und einer— einer hielt um sie an. Sie schüttelte den Kops.„Heute kann ich nicht ant- warten. Morgen. Morgen. Und dann steht ja auch Hermann Görke dort und sieht uns zu." Und Hermann Görke wandte ihr sein Gesicht mit müd ironischem Lächeln zu und trat zwi- schen sie und— ihn. All dies durchlebte sie in dem Augen- blick, da sie ihre Lider schloß. Dann war alles vorüber. Sie saß wieder ruhig da und stapfte Strümpfe und hörte Frau Görke über die Ansprüche der Schneiderin schelten. Als Henning heute kam, mußte er zum Abendbrot da- bleiben. Und Tante Tinchen erschien, und er durfte Tante Tinchen heimbegleiten und sich von ihr zum Kaffee einladen lassen. Cr war glücklich. Julius Görke hatte ihn in seinen närrisch-feierlichen Fa- milienstammbaum aufgenommen. Im Nachtrag unter Note 46 standen die Anverwandten Hennings. Es war für Henning wie eine Verewigung und Verherrlichung aller derer, die Henning hießen und nun das Glück hatten, in die Görkefche Familie zu zählen. Die Familie nahm ihn in ihren Schoß auf. Alles waren liebe, reizende Menschen.. Er hatte sie alle lieb. Er würde es ihnen allen vergelten, daß sie ihm in ihrem fest- gefügten Familienkreis gewissermaßen eine neue Heimat be- schert hatten. Am liebsten hätte er sie alle geküßt, alle. Aber er wagte es nicht. Doktor Henning war glücklich: restlos glücklich.,» I ch f u ch e d i ch. Als Fräulein sich an den Frühstückstisch setzte, saßen Frau Görke und Thea noch daran. Meistens aß jeder aus der Fa- milie einzeln, der alte Görke, der früh ins Geschäft ging, zuerst; dann seine Frau, dann Thea und Hermann. Fräulein kam meistens zum Schluß heran; sie mußte ja erst Werners Schul- aufgaben durchsehen und Eva anziehen; und dem Mädchen helfen. Wenn sie sich hinfetzte, war der Kaffee meist kalt und der Buttervorrat bis aus einen winzigen Rest— den Anstand s- rest— verschwunden. Fräulein liebte diese Stunde dennoch. Es war eins der wenigen Gelegenheiten am Tage, wo sie allein war. Dann las sie die Morgenzeitung, die inzwischen von Julius Görke auf den Kurszettel und das Politische, von Frau Görke auf die Verlobungen und Auktionsanzeigen, von Thea auf die Romane hin durchflogen war. Das Vlatt war dann zerknittert und befleckt. Fräulein atmete dann auf. Sie war eine Viertelstunde lang sicher, daß niemand sie rief und daß man sie in Rühe ließ. Heute aber saßen die beidxn Damen noch am Tisch, schweigend und ihr entgegenharrend, wie es schien. (Forts, folgt.) sind weithin sichtbar und durch die geschickte Anordnung von Fahr- plan und Richtungsanweiser zugleich ein Ratgeber für Unkundige. Bei rationellster Ausnutzung der Lichtquellen brachte man auch Re- klamen an, die beleuchtet werden, ohne auch nur eine einzige weitere Glühbirne für ihre Erhellung zu beanspruchen. Das sah St. Bureau- kratius, er wurde angeregt, kam zum Nachdenken und auch zu einem Resultat. Er sah, entdeckte und verbot die Lichtreklamen. Da nun freilich nur eine Lichtquelle in Frage kommt, er infolgedessen auf die Lichtverschwendung nicht wettern kann, kam er zu folgendem, von Weisheit überquellendem Beschluß. Das Wort Haltestelle, der Fahr- plan und der Richtungsweiser dürfen beleuchtet werden, die Re° klamen jedoch müssen nach wie vor ihr Dasein im Dunkeln fristen. Da jenes nicht durch die Ausschaltung der elektrischen Birne zu er- reichen ist, müssen die Reklameflächen von innen mit dicker, auf jeden Fall undurchsichtiger Pappe beklebt werden, damit kein Lichtstrahl auf sie fällt. So geschieht der Gerechtigkeit Genüge. Bielleicht sieht in Zu- kunft St. Lureaukratius sich alle Beleuchtungsmöglichkeiten noch mal etwas schärfer an. Er wird auf viele Ungerechtigkeiten stoßen. Wie manche Laterne steht doch in der Nähe eines Reklameschildes. Da müßte nun die Lichtspenderin entweder versetzt werden oder man müßte sie gegen das Reklamsschild hin einfach abblenden. Es wäre tunlich, wenn St. Lureaukratius von namhaften Personen Gutachten einfordern würde, ob schwarz oder blau oder welche Farbe am ge- eignetsten dafür wäre. Vor allem, St. Bureaukratius(der von 1921) muß leben, er ist ein so nützliches Wesen, das wir ihn auch heute einfach nicht entbehren können. Keine Erhöhung ües Straßenbahntarifs. Ein Berliner Mittagsblatt hatte seinen Lesern gestern sehr vor» eisig die überraschende Meldung vorgesetzt, daß der böse sozialistische Magistrat jetzt noch beabsichtige, den Straßenbahnfahrpreis auf 1,39 M. zu erhöhen, was die bürgerlichen Kommunalpolitiker bereits mit stillem Entzücken erfüllte. Obgleich das den Herrschaften jetzt vor den Wahlen gerade in den Kram gepaßt hätte, so machte ihnen das Nachrichtenomt des Berliner Magistrats jetzt einen Strich durch die Rechnung. Wie es mitteilt, entspricht die Meldung über eine beabsichtigte Erhöhung des Strahenbahntarifs auf IPV M. nicht den Tats ach e n. Ob und wann eine Herauf- setzung des Fahrpreises unvermeidlich sein wird, hängt von der Ent- wicklung des Berliner Straßenbahnverkehrs und der allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnisse ab. Auf jeden Fall steht fest, daß die ganze Angelegenheit noch gar nicht Gegenstand von Verhandlungen gewesen ist. Massenentlassungen in den städtischen Betriebe«. Bon dem Gesamtbetriebsrat der Betriebe und Verwaltungen des Magistrats Berlin erhalten wir folgende Zuschrift: Durch die Maßnahmen, die Ausgaben mit den Einnahmen decken zu wollen, sind an den Etats der Verwaltungen so erhebliche Abstriche gemacht worden, daß man jetzt zu den Mitteln der Massen- entlassungen schreitet. Auf Grund dieser Tatsache sind die einzelnen Körperschaften(Betriebsräte) beim Berliner Magistrat vorstellig ge- worden, die Masseuentlassungen zu verhindern. Durch nachdrücklichste Verhandlungen, hat sich der Magistrat veranlaßt gesehen, eine Summe von 11 Millionen Mark hierfür bereitzustellen. Wie werden nun inber diese bereitgestellten Mittel verwandt? Hierfür ein Schul- Beispiel zu geben, ist folgende Tatsache festzustellen. Dem Verwaltungsbezirk 14 Neukölln sind von den genannten ,-14 Millionen Mark etwas über 1 Million zur Verfügung gestellt worden. Hiervon erhält die Parkoerwaltun g, die beson- ders von den Massenentlassungen bedroht ist, 500900 M. Trotz Bereitstellung dieser Mittel muß festgestellt wer- den, daß dennoch Entlassungen vorgenommen werden, weil diese Mittel für bereits gemachte Ausgaben und Neuanschaffungen an Materialien verwandt werden sollen und nicht, wie es sich gehört, für Löhne. Wir müssen gegen eine derartige Verwendung der Mittel aufs schärfste protestieren, da man nicht dulden kann, daß unter der Bewirtschaftung der Parkverwaltung die Arbeitnehmer leiden. Auf d!ese Weise würden sie jetzt einfach der Arbeitslosigkeit anheim fallen. Andererseits fei aber auch festgestellt, daß die Erklärungen der De- triebsleitung immer dahin gingen, daß sie mit der Zahl der Be- schüftigten, welche auf Grund der Entlassungen in der Verwaltung bleiben, nicht in der Lage ist, die notwendigen Arbeiten zu bewältigen. Wir fordern deshalb auf diesem Wege den Magistrat auf, obigen Fall zu prüfen und von seiner Seite darauf zu achten, daß Mittel, die einem bestimmten Zweck dienen sollen, auch hierfür verwandt werden. Einbrecher im Postamk Iimmerstraße. Von Einbrechern heim- gesuch wurde das Postam 12 in der Zimmerstroß«. Die Verbrecher haben sich wahrscheinlich in dem Gebäude abends verborgen und ein- schließen lassen. In der Nacht erbrachen sie dann mit Stemmeisen «inen Schrank und erbeuteten daraus über 3999 M. bares Geld! und für 23 999 M. Postwertzeichen von 5 Pf. bis zu 2 M. i Für die Ermittelung der Einbrecher, die ohn« Zweifel mit den Räumen und dem Betrieb und den Gepflogenheiten auf dem Amt gut Bescheid wußten, und die Wiederbeschafsung des gestohlenen Gutes ist eine Belohnung von 3999 M. ausgesetzt. Mitteilungen zur Aufklärung sind an die Kriminalpostdienstftelle in der Friedrich- straße 19 zu richten. Sturz in einen Unlergrundbahnschachk. An der Ecke der Müller- und Fennstraße brach gestern vormittag ein L a st w a g e n mit einem Rade durch den Bohlenbelag des dortigen Untergrundbahn- schachtes. Der Wagen legte sich auf die Seite und ein Teil der La» düng, bestehend aus Papisrballen, stürzte auf die Straße und stieß die in diesem Moment vorbeigehende Frau Ida Tetzner aus der Fennstraß« 58 in den Schacht hinab. Sie trug mehrere leichteve Verletzungen davon, die auf der nächsten Rettungswache verbunden wurden. Der schwer« Lastwagen konnte erst mit Hilfe einer Winde der Berliner Straßenbahn wieder flottgemacht werden. Die Verkehrsstörung dauerte«twa% Stunden. Eine Deschleunigung der Ringbahnzüge wird mit dem Jnkraft- treten des neuen Winterfahrplans zur Durchführung gelangen. Die bisherigen Wortezeiten der Züge in Witzleben und Halensee werden im Winterfahrplan abgekürzt werden, so daß die Züge auf der Strecke Westend— Wilmersdorf-Friedenau etwa 5 Minuten Fahrzeit ersparen. Veränderte Linienführung der 59 und 61. Vom 1. Oktober ab oerkehrt die Linie 69 nicht mehr durch die Haupt-, Rhein-, Saar-, Becker-, Rubensstraße, sondern wird von der Hauptstraße ab über die Rubensstraße bis zum Auguste-Viktorw-Krankenhaus geführt: die L i ni e 61 wird durch die Koburger-, Haupt-, Rhein-, Saar-, Knaus- und Vismarckftraße bis zur Bergstraße in Steglitz ver- längert.— Auf den Linien 74, 89 und O treten neue Fahrpläne in Kraft. lieber dl« Umgebung des Dahnhofs Friedrichstraße hat sich die Akademie des Bauwesens in einem Gutachten dahin ausgesprochen, daß in Anbetracht der Lage eine größere Freifläche auf der Nord- feite geschaffen werden müßte. Wenn die Schaffung dieser Frei- fläche zu hohe Opfer fordern sollte, so wird empfohlen, das in dem Gelandedreieck übrig bleibende Grundstück zwischen Spree, Friedrich- straße und Bahnhof zur Erzielung eines wirtschaftlichen Ausgleiches höher als dies sonst üblich ist zu bebauen. Eine bekriebskechnische Wanderausstellung, die von der Ar- beitsgemeinfchaft deutscher Betriebsingenieure im Berein Deutscher Ingenieure zusammengebracht worden ist, gelangt in der Hochschule für bildend« Künste in Eharlottenburg, Hardenbergstr. 33, zur Auf- stellung. Die Ausstellung ist täglich von 9 bis 6 Uhr geöffnet. Der Zutritt ist den Mitgliedern des Vereins Deutscher Ingenieure und der Arbeitsgemeinschaft deutscher Vetriebsingenieure aegen Vorzeigung der Mitasiedskarte gestattet. Für Angehöria« deutscher Firmen sind Eintrittskarten bei der Geschäftsstelle der Arbeitsgemeinschaft beut- scher Betriebsingenieure, Berlin NW. 7, Sommerftr. 4a, erhältlich. Die Besuchszeiten des MnseumS für Meereskunde haben sich in folgender Weise geändert.'Unentgeltlich! Sonntags von 1 Z— 3 Uhr, MontagS, Mittwochs und Sonnabends von 19—3 Uhr, jür Schulklassen nur Dienstags von 19—3 Uhr. Gegen ein Eintrittsgeld von 5 M.: Donnerstag? von 19— 3 Uhr. „Die Frau und die Gesellschaft" Heist das Gesamtihema des ersten VerhandiungStageS der lfrouenbildunoStagung der enischiedenen Schul- rsiormer in Berlin-llankwih. Gemeindefestkalle. Nm 1. Oktober, vormittags g Uhr, beginnt der Nblchnitt„Volksnot und ssrauennot". Anna Sie.ms en spricht über„Die wirtslbastlich-geiftsgen sieitnotwendigkeiten und die ftrauen- bildung'; Alexander Rüstow über„Die weltgeschichtliche Aufgabe der sirau*, Ilse Müller-Oe st reich über„Die Erziehung der ssran für wirtschafttiche Funktionen�.— In der zweiten Vortragsreihe„WirtschaftS- reform" am Sonnabend nachmittag sprechen Heiene Simon über„Berns und Persönlichkeit", Clara Bohm-Schuch/ M. d. ist,, über„Beruf und Mutterschaft"', endlich Irene Witte über„Die Befreiung der berufstätigen Frau durch wirtschaftliche Organisationen". Federmann ist eingeladen I Karten zu 2 M. für die einzelne Vortragsreihe am Saaleingang. Um Npollo-Tfteater gelangt ab 1. Okiober allabendlich die Operette „Frau Suna" von Paul Linke unter persönlicher Leitung des Komponisten zur Aufführung. In den Hauptrollen sind die Herren OZcar Sabo, Martin .Kettner, Fritz Steidl, Kurt Nichwandt und die Damen Else Bern?, Fritzi Arco beschäftigt. Das Lustballett GrigolatiS ist in neuer Ausstattung eben- falls verpflichtet worden.__ Groß-Serliner yartewackrichten. Heule. Frelkag. den 30. Sepkember: 21.«bt. Wrechnuna der Bezirksfiihrer mit dem Mtsilungskassierer abend» (5 Uhr bei dem Genoffen Faak, Prenzlauer Allee 2S1. Bezirisbllcher mit- bringen. Znnosozl-liste». Gruppe Korde«. 714 llhr Gemcindeschulc Putbuser Str. 516, Vortragsabend.— Gruppe Sichterfeldc. 714 Uhr im Jugendheim Albrecht- straft« Ii* biologischer Portrag Uber:„Das Weltall". Ref. Bernhard Löckcl. — Gruppe Hermsdorf. 714 Uhr im Jugendheim RoonstraKs Vortrag:„Die Sozialisierungsnorschliige" von Alfons Horten.— Gruppe Pankom. 714 Uhr im Jugendheim Breite Str. 52, Diskuffionsabend.— Die Mitglieder der übrigen Ortsgruppen beteiligen sich an der Tolksoerfammluna des Bundes entschiedener Schulreform«:, abend» 714 llhr, im Friedrich-Wilhelm-Gomna- ffum, Kochstreße IS. ZIlorgen. Sonnabend, den 1. Oktober: 1». Abt. Bezirksführer abend» von 7— S Uhr abrechnen bei Wolff, Forster Str. 44. 18. Abt. 7 llhr Sitzung des Abteilungsvorstandcs, der Bezirksführer und der Betriebsvertrauensleute im Berkehrslotal bei Thredtk«, Littauer, Ecke Grau- denzer Strafte. 24. Abt. Achtung Bezirksführerl Bitte zur aufterordenttichen Mitgliedern«!» sammlunz am Mittwoch, den 5. Oktober, in der Ehristburger Str. 14» all« Genossen einzuladen._ Jugenüveranstaltungen. Benin Ardelter-Jngeni». Sekretariat: SW.«8, Lindenstr. 3, 2. Hof llaf», 2 Treppen rechts. Telephon: Mpl. 121 08—10. Gin« Schnlcntlassungsscicr findet am Sonntag, den 2. Oi- tober, im Lichrcnberger Jugendheim, Parkaue 10, mit besonderem Programm statt. Alle schulcntiaffcuen Jugendlichen sind nebst Eltern herzlichst eingeladen. Heule, Freilag. den 30. September: Britz. Jugendheim Thaussecftr. 148, Rathaus, Vortrag:„Der Mensch der Urzeit bis zum Altertum".— Eharlottenburg. Jugendheim Rostnenstr. 4, Vor» trag:„Das Geschlechtsleben".— Moabit. Jugendheim Waldenforstr. 21, gimmer Nr. 12, Vortrag:„Die Zoologie".— Aordost. Jugendheim Realschule Pasteur- strafte, Vortrag:„Gemeinschaftserziehung".— Petersburger Biertcl. Jugend» heim Schule Straftmannstraße, Bortrag:„Die Entwicklung des Menschen.— Dchbneberg II. Jugendheim Schule Frankenstraße, Diskussion:„Letzte Nummer der„Arbeiter-Jugend" und der Führer".— Treptow. Jugendheim Elsenstr. Z. Gemeinsamer Mädchenabend mit den Jungsozialisten. Aussprach» über Wiutev- arbeit._ Mus aller Welt. Eine Mörderbanbe drang nachts in das Gehöft des Landwirts Wilms in Dorstadt bei Wolffenbllttel ein. Als die Einbrecher bei Durchsuchung der Räume in das Schlafzimmer des Besitzers kamen und dieser erwachte, wurde er durch mehrere Schüsse nieder- gestreckt. Auch die aus einem Nebenzimmer herbeieilende Ehe- ftau wurde mit Schüssen empfangen und schwer getroffen. Als das Dienstmädchen die Lichtanlage einschaltete, flüchtete die Bande. Mehrere Nachbarn, durch den Lärm alarmiert, sandte den Ein- blechern Gewehrschüsse nach. Wilms und seine Frau sind schwer verletzt nach einem Krankenhaus gebracht worden. Einer der Täter, der verwundet ist, konnte bereits gefaßt werden. Die übrigen sind entkommen. Zum Brande des Warenhauses Prinkemps. Die Feuerwehr war die ganze Nacht hindurch damit beschäftigt, die Trümmer des neuen Gebäudes des„Printemps" unter Wasser zu setzen. Die Menschenansammlungen vor der Unglücksstätte haben vielen Taschen- dieben ihr Handwerk erleichtert. Eine Reihe von Leuten, die der Feuorsbrunst zusahen, sind ihrer Geld- und Handtaschen beraubt worden. Beim Polizeikommissariat sind nicht weniger als 29 Klagen eingelaufen. Die gestohlenen Geldbeträge erreichen eine ziemlich bedeutende Summe. Donnerstag morgen um 5 Uhr ist eine Dele- gation Londoner Feuerwehrleute eingetroffen, die sich die Ms- thode an Ort und Stelle ansehen wollten, mit der die Pariser Feuer- wehr der gewaltigen Feuersbrunst zu Leibe ging. Der Schaden, der durch den Brand angerichtet wurde, wird auf etwa 59 Mil- sionen Franken geschätzt._ Sport. Menne« zu Grunewald, Donnerstag, 2g. September. Im Wilamowitz-Rennen gelang es Wallenstein, König Midas mit 3 Längen ab- zusertigen, dem nach Kopf Gras Ferrh folgte. 1. Preis von Eharlottenburg. 1. Hexenmeister II(Zach- meiers, 2. Fischerin(Quade), 3. Prälat(R. Kosma). Tot.: 17: 19, Platz: 12, 13, 17: 19. Ferner liefen: Neichard(4.), Scapa, Monika, Ordens» ritter, Ortrud, Flandern, Henricus, Douschka, Harmonie, Note, Latona.— 2. Namouna-Rennen. 1. Casa Bianca(Olejnik), 2. Elida(TarraS), 3. Jugendliebe(Wenzel). Tot.: 26: 19, Platz: 15, 97, 29: 10. Ferner liefen': Importe(4.), Morgenstunde, Jser, Galerie, Nordsee, CereS, Mispel, Gravosa.— 3. Wilamowitz-Rennen. 1. Wallenstein(Zimmermann). 2. König MidaS(Olejnik), 3. Graf Ferry(O, Schmidt). Tot.: 39: 19, Platz: 17, 13: 19. Ferner liefen: Chrysolith(4,). Pallcnberg.— 4. Märkischer Ausgleich. 1. Rittersporn(Huguenin), 2. Medusa .. Üerren-Sdiwed. 4:075 Lmchcr. besonders hallbar............\jf li«r7@narSikel Oberhemden Ktf-Ä Q,w dt reist, mit tzlappmannhellen u. p«». Ar.gem£ Oberhemden ÄÄ qqso sdielleu u. panendm steifen Kragen"O Oberhemden STLnlt nroo sdieflen u. 2 passend, welchen Kragen t-ü 3 Oberhemden ÄflT ,�00 Pikee-Fellenetmote, mil salen Manidielten, i3Cy Nachthemden Hemdm. 0050 ludi, mH wasdierfilen Besetzen und loschen OO Schlafanzüge �Qnoo verschiedene dlosiorlen, eleganle AusfOhnmg Z-j/XJ Strickbinder 050 ,>,50 bestes Gewebe, schöne Muster.•••••,. O 1�* Krawatten offene form, moderne Streit«, und Minier. Schuhwaren Hochschaftstiefel i�ocoiycoo f. Danieia, mit■.ohne Leckkoppe! OO i'-J Lack-Schnürschuhe tüi* Damesij moderne form, kurzes Blatt. 1850 19800 Lack-Spangenschuhe 17ftoo fQr Dameii............................ 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Hausjacken mit Schnur ein{assung und Posdmentan Laschenschuhe-.u-K«».-, h«arstoffj mit Ledersohle, für Damen..» HERMAHM TIE« Am Montag, den 3., und Dienstag, den 4» Oktober, bleiben unsere Geschäfte geschlossen KranzofenfemölzcheKunögebungenwItalien 3n der vorigen Woche hatte sich eine französische Militärmission unter Führung des Marschalls F a y o l l e noch Stalten begeben, wo sie die Gräber der Ende 1317 an der Piaoe und am Montre Tomba gefallenen französischen Soldaten besuchen sollte. Die Mission bestand aus lauter Offizieren und Mannschaften, die selbst an jenen Kämpfen auf italienischem Boden teilgenommen hatt.en, und deren Mitwirkung nicht unwesenllich dazu beigetragen hatte, die sehr gefährliche deutsch- österreichische cherbst-Osfensive im letzten Augenblick aufzuhalten. Marschall Fayolle hatte damals als General das französische Hilfs- korps kommandiert. Die Franzosen erwarteten daher einen be- geisterten Empfang, zumal einige Wochen früher eine italienische Militärmission die Gräber der auf französischem Boden gefallenen Italiener ebenfalls besucht hatte und sehr freundlich aufgenommen worden war. Nicht gering war darum das Erstaunen der französischen Dele- gation, als sie bereits in Turin Gegenstand unfreundlicher Kundgebungen waren, die sich in Mailand wiederholten und in Venedig sogar einen mehr als stürmischen Verlauf nahmen. Die Demonstrationen gingen von nationalistischer Seite aus und waren, wie alles, was die Fascisten unternehmen, gut organisiert. In Venedig gelang es den Demonstranten, den Festzug zu sprengen, die französischen Teilnehmer von den italienischen offiziellen Perfön- lichkciten zu isolieren, und während letztere Gegenstand lebhafter Ovationen waren, wurde den ersteren kräftig„Nieder mit Frankreich!" in die Ohren geschrien. � Wir hätten an sich keine Veranlassung, uns mit diesem häus- lichen Streit zwischen Alliierten zu befassen, wenn nicht die sran- zösische Presse in ihrer durchaus begreiflichen Erregung sich zu der blödsinnigen Behauptung verstiegen hätte, die u. a. im„Figaro" vom Dienstag zu lesen ist, daß diese Kundgebungen eine Frucht der deutschen Propaganda seien. Ausgerechnet sollen die übernationalistischen Fascisten Agenten der„deutschen Propaganda" sein, dieselben Burschen, die die So- zialistcn und Nittianer als„Deutschenfreunde" beschimpfen und verfolgen, die gegen die deutsch-südtiroler Abgeordneten tätlich vor- gehen und noch kürzlich von Verona aus jenen bewaffneten Bor- stoß in Bozen veranstalteten, bei dem es unter der deutschgesinn- ten Bevölkerung einen Toten und mehrere Verwundete gab! Abge- sehen davon, daß es Gespenstersehersi ist, wenn man in Frank- reich alle unbequemen Erscheinungen im Ausland auf eine unseres Wissens gar nicht bestehende„deutsche. Propaganda zurückführt, ist in d i e s e m Falle eine solche Unterstellung der reinste Wahnsinn. Der sozialistische„Avanti". der sich übrigens scharf gegen die demonstrierenden Franzosenfeinde wendet, macht darauf aus- merksam, daß es sich um dieselben Radaumacher handelt, die anno 19IS für den Eintritt in den Krieg auf Seiten Frankreichs auf die Straßen gingen: damals' aber standen sie im Solde der französischen Botschaft. Die italienische Presse verurteilt einmütig diese Kundgebungen, die nationalistischen Blätter fügen zur Erklärung hinzu, daß die Stimmung in Italien sehr erbittert gegen Frankreich sei, das die italienischen Ansprüche in der Adria systematisch durchkreuzt habe. Indessen muh betont werden, daß heute die große Mehrheit des italienischen Volkes gegen Frankreich, und besonders gegen die fortwährenden Einmischungen des französischen Botschafters B a r r c r e in die italienische Politik höchst aufgebracht ist. Die Sozialisten und die Anhänger Nittis sind auf Frankreich ebenso schlecht zu sprechen wie die Nationalisten, wenn auch aus anderen Gründen. Das französische Volk mag also anläßlich dieser bedauerlichen Vorkommnisse darüber'nachdenken, wohin die Politik des„natio- nalen Blockes" es geführt hat. Jene fortschreitende moralische Js o- I i e r u n g, in der sich das früher so umworbene und gefeierte Frank- reich befindet, wird am besten dadurch gekennzeichnet, daß selbst die italienischen Nationalisten, einst die sichersten Exponenten des fran- zoscnfreundlichen Kurses, gerade diejenigen französischen Offiziere und Soldaten beschimpfen, die eigentlich ein besonderes Anrecht auf ihre Dankbarkeit besitzen._ Versagen ües fZrbeitersthutzes. Zu diesem Artikel in der letzten Sonniagsnummer schreibt nns ein früherer Betriebsleiter der chemischen Industrie: Schon 1919 ist die Stolberg er Düngerfabrik in Stol- borg(Rheinland) in die Lust geflogen, wobei etwa 19 Arbeiter dm Tod fanden. Nach Zeitungsmeldungen erfolgte damals die folgenschwere Explosion beim Ausladen eines Waggons Kali- a in m o n s alp.' t e r, der aus Munitionsmaterial— wahrscheinlich von Leverkusen— stammen und von der Stadt Aachen bei der Düngerfabrik eingelagert werden sollte. Trotzdem die Ursache des Unglücks auch damals im Dunkeln log, versandte die Badische Anilin- und Sodafabrik Ludwigshafen schon in den ersten Tagen Rundschreiben an die. Großabnehmer, daß ihre Salpetersorten erplvsions. und feuersicher wären. Auch der Verein deutscher Düngcrfabrikanten in Hamburg Hab sich da- mals mit dem Stolberger Unglück befaßt. . Die Oeffentlichkeit Hot ein Interesse an den Akten Stol- berg. Die Betriebsräte in den chemischen Fabriken mllsien erfahren, welche Anordnungen die Sektion Köln der Berufs- genosscnschaft der chemischen Industrie zur Verhütung ähnlicher Unglücke getroffen hat. Sind damals Fachleute außerhalb des Anilinkonzcms zur Aufklärung herangezogen worden? K. M. Das hier ausgesprochene Verlangen ist vollauf berechtigt. Wir fügen nur hinzu, daß die verschiedenen Salpeter, wenn sie nicht chemisch verändert oder mit brennbaren Stoffen gemischt sind, als fcuer- oder explosionsgefährlich nicht anzusehm sind. Ob etwa durch hohe Temperatur und starken Druck in Oppau der Salpeter solche Veränderung erfahren hat, wird die fachgemäße Untersuchung aufzuklären haben. Die Betriebsräte der chemischen Industrie Mitteldeutsch- lands haben folgende Resolution gefaßt: „Die Betriebsräte des Jndustriebezirks Vitterfeld und die aus anderen Bezirken(Merseburg und Wittenberg) anwesenden Betriebs- Vertretungen der chemischen Industrie versichern die in Oppau schwer betroffenen Arbeitsbrüder ihrer Anteilnahme und erklären, daß sie mit allem Nachdruck für eine ausreichmde und dauernde Sichsrstel- lung der Zukunft der Hinterbliebenen und Verletzten eintreten werden. Die Versammelten fordern von den zuständigen Regierungs- stellen und gesetzgebenden Körperschaften, daß sofort eingehende Untersuchungen der Werbe der chemischen Industrie vorgenommen werden, deren fabrikationsvcrfahren Gefahren für die Hort Beschäftigten und die nwohner in sich birgt. Es wird gefordert, daß zu diesen Unter- suchungen außer den. Vertretern der Regierung oder zuständigen Ne- gierungostellen Vertreter der Gewerkschaften und Betriebsräte hinzu- gezogen werden. Die Notwendigkeit der Wahrung des Faorikations- gehcimnisses wird auch von den Versammelten anerkannt. Die Ueber- wachungen der Werte müssen dauernd erfolgen und die Betriebsräte sind in stärkerem Maße wie bisher an der»rtriebsüberwachung im Sinne der Unfall- und Gefahrenverhütung zu beteiligen. Infolge des Akkord- und Prämiensystems können die Arbeiten in den chemischen Betrieben nicht mit der erforderlichen Ge- wifsenhaftigkeit ausgeführt werden. Es wird gefordert, daß AOGB. und Afa-Bnnd sofort versuchen, Verhandlungen einzuleiten, um die Mkvrdarbeit und dos Prämiensystem in der Chemie a u s z u s cha l- ten und damit deren unheilvollen Einfluß auf die Betriebssicherheit zu teseitigen." Sieg der Oppoj Im überfüllten Saale des Kriegervereinshauses nahmen gestern die Berliner Funktionäre Stellung zu dem Beschluß des Görlitzer Parteitages zur Regierungsbildung. Der Bezirksvorstand hatte die Genossen Franz Krüger und S t r ö b e l, die gegensätzliche Stand- punkte vertreten, als Referenten gewonnen. Genösse Krüger führte als erster Redner etwa folgendes aus: „Der Görlitzer Parteitag war die Heerschau einer Partei von iVt Millionen Mitglieder, die bei den Wahlen 6 Millionen Wähler mustern konnte. Dieser Größe entsprach auch das Interesse, das der Tagung von allen Seiten entgegengebracht wurde. Es war einer der erhabensten Momente des Parteitages, als sich der Ge- nojse de B r o u ck e r e, der die Grüße des belgischen Proletariats überbracht hotte, und Genosse Wels die Hand reichten. Da wußte man, daß das Band, das der Krieg gerissen hatte, nun Nieder geknüpft ist. Auf diesem Parteitag kam das stolze Selbstbewußtsein der Por- tei auch zum Ausdruck, als der Antrag angenommen wurde, ein Abzeichen der Parle! und der Republik zu tragen. Wir haben früher darüber gelacht, aber wir glauben, daß dieses offene Zurschautragen der eigenen Gesinnung auf die Gegner dämpfend wirken wird, wenn sie sehen, wie groß die An- hängerzahl der Republik und der Sozialdemokratie ist. Es wäre für die Partei kein ersteulicher Zustand gewesen, wenn unser Handeln mit unserem Programm nicht in Uebereinstim- mung gebracht worden wäre. Die n?u eingesetzte Programm. kommission hatte gegen wenige Stimmen sich auf einen Pro- grammentwurf geeinigt. Dieser Entwurf ist mit allen gegen 3 Stimmen vom Parteitag angenommen worden. Wir können heute kein Programm schaffen, das für die Ewigkeit Geltung haben könnte.(Sehr richtig!) Wir find in unserem Handeln abhängig von Mächten, die außerhalb Deutschlands liegen. Man kann über das Programm verschiedener Meinung sein, aber die Tatsache der fast einstimmigen Annahme läßt doch wohl die Behauptung gerechtfertigt erscheinen, daß das Programm nicht so schlecht sein kann. Es gibt niemand in unserer Partei, der die Einigung mik den Unabhängigen nicht wünschte. Durch Reden wird die Einigung nicht herbei- geführt. Noch vor kurzem hat die„Freiheit" crkläri, daß von einer Einigung mit uns erst geredet werden könnte, wenn wir von un- ferer Koalitionspolitik ablassen.(Lebhaftes Hört! hört!) Aber die Unabhängigen haben sich dauernd gewandelt. Ich erinnere nur daran, daß B r e i t s ch e i d in Paris die Unterstützung der Re- gierung Wirth als„notwendiges Erfordernis" hingestellt hat. An den Unabhängigen liegt es. die Einigung herbeizuführen. Nicht so wird sie kommen, wie C r i s p i e n wenige Tage vor dem Partei- tag in einer öffentlichen Versammlung erklärt hat, nachdem die Ar- beiterschaft die Macht übernommen Hot, sondern im Gegenteil, wir brauchen die Einigkeit, um zur Macht gelangen zu können.(Lebhafte Zustimmung.) Bei der Frage der Regierungsbildung handelt es sich darum, daß die demokratische Republik nicht u n- bestritten ist, und daß um die Republik, die die Hauptstütze des Weltfriedens ist, ein harter Kampf geführt werden muß. Nur die deutsche demokratische Republik ist die Gewähr dafür, daß der Aersailler Frieden revidiert wird Die Sozialdemo- kratie muß Einfluß auf die Regierung gewinnen, wenn die bisheri- gen � Errungenschaften erhalten bleiben sollen. Wenn wir in eine Regierung Hineingehen sollen, müssen wir uns aber fragen, welche Garaukien uns geboten werden, um einen wirklichen Einfluß auf die Regierung zu erhalten. Wir wissen, daß die regierenden Parteien sich noch dadurch einen bcson- deren Einfluß verschaffen, daß sie die Machtmittel des Staates ge- brauchen können.(Lebhaftes Sehr richtig!) Ist nicht die Entwick- lung in Bayern ein Schulbeispiel für diese Behauptung?(Sehr richtig!) Nach dem Ausscheiden der Sozialdemokratie sind die ftaat- lichen Machtmittel zu einseitigen Zwecken der Reaktion gebraucht worden, die Polizei und die Verwaltung wurden zum Tum- melplatz der Reaktion.(Zwischenruf:„Wie in Preußen!") Dort haben die Hakenkreuzler Unterschlupf gefunden, dort Habensich die Organisationen E s ch e r i ch usw. gebildet. Wir wissen, daß der Schuß auf Erzberger in München vorbereitet wurde.(Zu- stimmung.) Wir sehen, daß in Preußen die republikanischen Ele- mente aus der Verwaltung herausgedrängt werden. Was haben wir erlebt, als die R e i ch s r e g i e r u n g besondere Maßnahmen zum Schutze der Republik traf? Wir haben es erlebt, daß Bayern sich gegen diese Maßnahmen wehrte, und es konnte sich nur darum solange dagegen wehren, weil sich die bürgerliche preußische Regierung auf die Seite Bayerns stellte. Wenn die Kahr-Regierung gestürzt, wenn P ö h n e r verschwunden ist, so ist das nur dem Um- stände zu verdanken, daß sich die Aktion der ArbAterschaft in der Reichsregierung, wo auch unsere Vertreter sitzen, auswirken konnte. Genossen, die D e u t s ch e V o l k s p ar t e i hat den Antrag gestellt, daß die Maßnahmen der Reichsregierung aufgehoben werden mögen. Und wir erleben nun, daß die Unabhängigen für diesen An- trag stimmen werden. Bei den Kommunisten ist das Selbst- verständlich. So wird die Deutsche Volkspartei durch diese Politik der Unabhängigen die machtvollste Partei im Reichstage sein. Der Genosse Wels hat in Görlitz erklärt, daß die gesamte Ar- beiterschaft bei einem Vorgehen der bayerischen Arbeiterschaft diese gegen die Reaktion unterstützen werde.(Bravo!) Aber darauf allein kann man sich nicht verlassen. So einfach, wie sich viele das vorstellen, ist es doch nicht, in die preußische Regierung Hineinzu- kommen. Wodurch ist die Frage der Beteiligung der Deutschen Volkspartei an der Regierung aufgeworfen worden? Dadurch, daß die Unabhängigen es ablehnten, mit uns in die Reichsregicrung einzulrelen.(Lebh. Zustimmung.) Dadurch ist die Forderung der Homogenität der preußischen Regie- rung mit der Reichsrcgierung hervorgerufen worden. Die Unabhängigen haben ihre Stellung zur Regierung ebenfalls geändert. Sie stützen die Regierung Wirth durch eine wohl-- wollende Neutralität. Die„Freiheit" hat gefordert, daß im Falle der Gefahr Sozialdemokraten in die Regierung hin- eingehen müßten. Also mühten die Sozialdemokraten wieder hinausgehen, wenn die Gefahr beseitigt ist? So kann man keine Politik treiben. Was hat sich nun bei der Deutschen Volkspattei geändert?(Leb- Haftes:„Gar nichts", Widerspruch.) Die Frage ist zu ernst, als daß man da mit einem Worte darüber hinweggehen kann.(Bravo.) Die Genossen, die gegen eine eventuelle Koalition mit der Deutschen Volkspartei sind, haben nicht sie gerade immer gefordert, daß wir uns mit den Unabhängigen und den Kommunisten verbinden sollen, obwohl wir auch nicht wissen, wie weit sie es ehrlich meinen. (Lebhafte Zustimmung und Händeklatschen.) Was unterscheidet nun den Görlitzer Beschluß von dem Kasse- l er?(Zwischenrufe: Gar nichts!) Der LSrliher Beschluß enthält die Kasseler Bedingungen und noch einige andere dazu. Es heißt im Kasseler Beschluß, daß wir mit allen Parteien zusammen arbeiten wollen, die sich bereit erklären, die d e m o- kratische Republik zu schützen. Solange die Deutsche Volkspartei monarchistische Propaganda treibt, solange sie die Ver- waltung sabotiert, solange man nicht erkennt, daß sie eine ehrliche republikanische Politik treibt, denken wir nicht daran, mit ihr zusammen zu arbeilen, dann kann sie uns gestohlen bleiben. ZUM Parteitag. ition in Berlin. (Lebhafter Beifall.) Aus einem Artikel Kautskys geht hervor, daß dieser alte Kämpfer ähnliche Bedingungen fordert, wie wir tn Görlitz gefordert haben. Hätten die Unabhängigen schon früher, einige Wochen vor dem Parteitag, solche Ansichten geäußert, hätten wir uns in Görlitz über diese Frage nicht den Kopf zerbrechen müssen. (Lebhaste Zustimmung.) Die Einheitsfront im Lustgarten allein nützt nichts, man muß auch die staastichen Machtmittel zu gebrauchen verstehen. Ich habe auf dem Parteitag sehr eindringlich betont, daß d:e Unab- hängigen ihren Standpunkt zur Regierungsbildung revidieren sollen, dann trenpt uns nichts. Deutlicher und ehrlicher kann man nicht sprechen. Der Görlitzer Beschluß entspricht durchaus dem Be- schluß des letzten Berliner Bezirkstages.(Sehr richtig!) Es handelt sich für uns heute darum, ob wir in Ruhe abwarten, bis wir in die Regierung kommen, oder können wir alles auf die eine Karte des Bürgerkrieges setzen? Ich habe das Der- trauen zur Arbeiterklasse, duß sie ihre Genossen in der Regierustg nicht im Stiche lassen wird, und''ch erwarte, daß die deutsche Arbeiter- schaft den Görlitzer Beschluß, der einen Fortschrill darslclli auf dem Wege zur Macht, billigen wird.(Lebhafter Beifall.) Genosse Ströbel führte aus, daß dos Parteiprogramm an einer geradezu erschreckenden Ideen- und Ratlosigkeit leide. Die Frage der Sozialisierung ist von der SPD. sowohl wie auch von der IISPD. nicht genügend geläutert worden. Ich habe in achtmonatiger Be- schäftigung mit der Wohnungsfrage-gefunden, daß nicht die alten führenden Parteigenossen, sondern daß gerode die Gelehrten und jüngere Schriftsteller hier bahnbrechend vorangegangen sind. Die Sozicllifierung hätte in den Mittelpunkt des Programms gestellt werden müssen.(Lebhafter Beifall.) Da das nicht geschehen ist, so wäre es besser gewesen, die endgültige Formulierung des Programms noch um ein Jahr hinauszuschieben. Im Programm wird nur von der Einführung der G e m e i n w i r t s ch a f t, nicht aber von der Soziaii- sierung gesprochen. Genosse Stampfer hat mir auf dem Partei- .tage vorgeworfen, daß ich wohl viel geredet, aber keine positiven Vorschlüge gemacht habe.(Stampfer ruft: Sehr richtig!) Partei- genossen, ich hoffe, daß mir Gelegenheit gegeben wird, meinen Vor- schlag im„Vorwärts" bekanntzugeben.(Bravo!) Ströbel verliest den Teil seines Entwrufes, der die Sozialificrung behan!5elt und in dem es zum Schluß heißt, daß, solange die sozialistische Wirtlchittt noch nicht verwirklicht ist, das Gebaren der Kartelle und Trusts staatlich kontrolliert werden müsse. Gen. Krüger hat gesagt, daß man durch Reden-ttne Einigung herbeiführen könne. Das ist auch meine Meinung. Aber durch eine Koalition mit der Deutschen Volkspartei fördert man die Einigung ge- wiß nicht.(Zustimmung.) Gewiß haben die Unabhängigen durch ihre Ablehnung der Koolitionspolitik einen schweren Fehler gemacht: aber sie haben sich doch geändert. Henke hat letzthin verlangt, daß die USP. ebenfalls in die Koalitionsregierung eintritt. Tie Rede C r i s- p i e n s in Görlitz war eine große Torheit: aber wenn man- die Splitter in den Augen der Unabhängigen sieht, warum sieht man denn nicht den Balken im Auge der Deutschen Volkspartei?(Leb- hafter Beifall.) Stinncs ist einer unserer gefährlichsten Gegner. Unser Genosse, der Steiger Werner, hat erklärt, daß Stinncs Arbeiter nur darum in Veamtcnstellen setze, um so willigere Kräfte zu erhalten. Der christliche Gewerkschafter Baltrusch hat erklärt, daß Stinnes gewohnt sei, über Leichen zu gehen. Severing hat in Görlitz gesagt, warum sollen wir nicht mit der Deutschen Volkspartei zusammengehen, wo wir uns doch mit dem Zentrum koaliert baben, .dem doch auch Thyssen angehört. Das ist eine ganz schief« Fragestellung. Wir koalierten uns nur mit dem Zentrum, weil in ihm eine große Zahl von Proletariern organisiert ist.(Lebhafter Beifall.) Wenn wir uns, der Not geborchettd, nicht dem eigenen Triebe, mit bürgerlichen Parteien verbinden, muß man ste sich sehr genau ansehen.(Zwischenruf: Das will man ja auch!) G'aubt man, die sozialistischen Rcgieruügen, die wir ja auch in Deutschland haben, dadurch zu stützen, daß man sich mit der Dousschen Volks- partei verbindet? Krüger sagte mit Recht, daß jede Partei ihre besonderen Ziele in der Regierung verfolge. Die Deutsche Volks» partei wird das gewiß tun. Wir müssen den Rlassenwillen mobilisieren. Das agitatorische Material, die Anklagen pzgen das Kavitol, sind nicht genügend bekannt gemacht und ausgenutzt worden. Mögen doch ein» mal Zentrum und Demokraten in Gemeinschaft mit den Volksparteilern versuchen, gegen den Massenwillen zu handeln. Es wird ihnen durch die Macht der Arbeiterichait unmöglich werden. Wenn man das weiß, dann soll man nichl Angst haben vor der eigenen Courage und soll seine Bedingungen stellen: keine Verbreiterung nach rechts, höckistcns nach links.(Lebhafter Beifall.) Man bätte den bllroer- lichen Parteien nie zu erkennen geben dürfen, daß man zum Eni- gegenkommen bereit wäre. Glaubt jemand, daß eine Regieruno, an der die Deutsche Voiksporiei beteiligt ist, zur Erfassung der Gold- werte schreiten würde?(Lebhafte Ruie: Nie! nein, nein!) Alle weit� gehenden Forderungen auf steuerlichem Gebiete würden verschwin- den.(Sehr richtig!) Das wären die Bedingungen der Volkspartei, imd ich lürchte, daß di« Partei noch einmal durch das kaudinifche Joch gehen wird. Ich verkenne durchaus nicht, daß trotzdem eine koaliernng mit der Deutschen Volkspartei einige Borteile bringen kann. Aber es hat' sich schon in Gemeinschaft mit dem Zentrum und Demokraten. wenig durchsetzen lassen: wenn der Brems- klotz der Volkspartei dazukommt, wird noch weniger erreicht werden. Aber diese geringfügigen Vorteile werden den Schoden, der der Arbeiterbewegung zugefügt wird, nicht wettmachen können.(Leb- hafte Zustimmung.) Kann man sich im Hinblick auf den wahnsinnigen Lurus der alten und neuen Reichen und das Elend auf der anderen Seite darüber wundern, daß sich den Kommunisten die Massen zu- wenden? Das Ausland wird begreiien, daß in Deutschland nur«ine demokratische Politik getrieben werden kann, nicht aber die Politik der kleinen Mittelchen, wie si« die Volkspartei empfiehlt. Genosse Krüger hat erklärt, daß uns die Deutsche Volkspartei aeftohlen bleiben könne, wenn sie die Bedingunpeu nicht annehme. Aber wenn auch die Deutsche Volkspartei die Bedinmmgen nicht angenommen hat, so berichten doch heutige Abendblätter von weiteren Koaiitionsver- handlungen.(Krüger: Das ist aber falsch,- wenn es auch WTB. verbreitet hat— Lebhaftes Bravoil Der Deutschen Volkspartei gegenüber ist Mißtraoen die demokratischste Tugend. Wir haben Rlißlroucn gegen diese Barkel. auch wenn sie die Bedingungen unterschreibt. Wir müssen auch ein- mal den Mut haben, zu erklären: Bis hierher und nicht weiter. (Lebhafter, sich wiederholender Bellall und groß« Unruhe.) Nach Wiederherstellung der Ruhe gibt Genosse Lehmann ein« qröß«re Anzahl Resolutionen bekannt, die gegen die Verbindung mit der Deutschen Volkspartei Stellung nehmen und zum Teil fordern, daß mit der USP. in Verhandlung getreten werde, um zu einem gemeinsamen Vorgehen zu gelangen. Ein Antrag, die Redner für und gegen den Görlitzer Beschluß zur �Regierungsbildung abwechseln zu lassen, wird abgelehnt. Ueber die Diskusston, die erst in später Stunde«insetzte und bei Schluß des Blattes noch andauerte, berichten wir in der heutigen Abendausgabe. Zur Annahme gelangte mit Zweidrittelmehrheit eine Res»- lnlion der Steglitzer Genossen, die eine Koalition mit der Deutschen Volkspartei scharf ablehnt. Eine Resolulion Slampfer-Heinlg, die den Görlitzer Beschluß grundsätzlich anerkennt, und im übrigen dem. Barleivorslaud freie Hand geben will, wurde mik Drelfünslelmehrhett abgelehnt. SeVerMafisbswWung Delegierten sHeneralversammlung öer Sauarbeiter. Kommunistische Pöbeleim. S* der Delegierten-Generalversammlung des Deutschen Bau- «deiterverbonde», Bez'rlsoerein Berlin, erstattete Kollege Thons Bericht über den G:ng der Lohnverhandlunger� Er führte- etwa folgendes aus: Zunächst wurde seitens der Unter- uehmer die Zulassung der Akkordarbeit veantragt und eine Erweiterung der Spanne zwlschen den Löhn?n der ge- lernten und ungelernten Arbeiter gefordert. Da die Akkordarbeit in Berlin während dieser Bertragsveriode für Maurer und Bau- Hilfsarbeiter verboten ist, mußte. die Erörterung der Frage der Akkordarbeit als gegenwärtig unzulässig bezeichnet werden und fmtten sich die Unternehmer einstweilen damit abzufinden. Bezug- ich der Lohnsätze und einer Erweiterung der Spanne wurde heftig Sestritten. Schließlich erklärten sich die Unternehmer bereit, eine Lohnerhöhung von 1,50 Mark pro Stunde für alle im Hoch- und Betonbau beschäftigten Arbeitergruppen zu ge- währen und ih.-ex Kollegenschost gegenüber zu oertreten. Dadurch kommen alle Zulagen in Fortfall, die außerhalb des Tarifvertrages und ohne Genehmigung der Schlichtun�skommjssion bisher gewährt . worden sind, soweit der Wochenbetrag dieser Zulagen den B e- trag von 70,50 Mark nicht übersteigt. In den Füllen, in denen der Wochenbetroa der Zulagen größer ist als der Wochenbetrag der Lohnerhöhun- � soll in Zukunft nur der 70,50 Mark übersteigende Betrag fortgezahlt werden. Namens des Ber- einsvorstandcs empfahl Kollege Thons die Annahme des Resultats. Nach einer lebhaften Diskussion stimmte die Versammlung dem Lohnabkommen zu. Auch hat der Berband der Baugeschäfte dem Lohnobkommen zugestimmt, und gilt die Vereinbarung ab 23. Sep- tcmber 1921. Für die Opfer der Explosionskatastrophe in Oppau bewilligte die Versammlung, auf Dorschlag des Vereins- vorstände«, aus Lofalmitteln 10 000 M. Zu stürmifdijn Auseinandersetzungen kam es, als der Der- sammlungrleiter über einen von kommunistischer Seit« wiederholt eingebrachten Antrag: für die„Rote Hilfe" aus Lokalmitteln eben- falls'10 000 M. zu bewilligen, eine Abstimmung nicht zuließ. (Der Karl'.»her Derbandstag hat ja bekanntlich beschlossen, daß politischen Parteien keine Derbandsgclder zugeführt werden dürfen.. Dieser Beschluß hat seine Ursachen in der politischen Zersplitterung' der Arbeiterklasse.) Die Gelegenheit benützte Kolleg« W. 5)oppe, die Geschäftsfübrunq des Dereinsvorstandes zu tadeln, indem er auf«in« am 13. September stattgefundene Sitzung hinwies, über die die„Rote Fahne" vom 28. September unter dem Titel: »Sonderkonfcrenz im Bauarbeiterverband" in entstellter Form berichtet. Hoppe erklärte, daß der Bereinsvorstand mit den Unternehmern Hand in Hand über alle Maßnahmen, die geqsn die Kommunisten unternommen werden, gemeinsam berate. Als der Vereinsvorsitzende diese lügenhaften Anpöbelunt«» zurückweisen wollte, wurde er von den Radau- Helden wiederholt unterbrochen und schließlich am Weiterreden oerhindert, so daß sich der Dersamm- lungsleiter veranlaßt sah, die Versammlung zu schließen. Hoppe, als Unberusener, lieh dann über die in der„Roten Fahne" abge- druckte Entschließung von seinen Parteianhängern abstimmen. Dasselbe Schauspiel wurde dann am Montag, den 20. September, in der Naudeligierten-Versammlung wiederholt. Ueber die Ur- fachen der am 13. September staitgefundenen Sitzung werden die Mitglieder des Deutschen Bauarbeiterocrbandes an anderer Stelle unterrichtet werden. Die„Erklärung" Kaisers ist genau so zu bewerten wie all die unzähligen Aeußcrungen von jener Seite, die rtit der Wahrheit üicht viel zu tun haben: denn die Spatzen pfeifen es auf den Bau- ten von den Dächern, von welcher Seite die wilden Bcku» sperren inszeniert worden sind. Unter die andere verleumde- nsche Behauptung: Der Verband wollte verhindern, dajz Kaiser bei den Berliner stnternchmern wieder beschäftigt wird, setzen wir das Motto:„Was ich denk' und tu, trau' ich andern zu." Sie kenn» ?-ichnet lediglich die gemeine Gesinnung derjenigen, die folchg Be- auptung aufstellen. Es scheint aber, daß Kaiser es mit der An- nähme von produktiver Beschäftigung nicht allzu eilig hat, denn sonst hätte er bei dem allgemein bekannten Mangel an Baufach- arbeitern längst Unterschlupf gefunden. Wir sind so neugierig, daß wir die Frage aufwerfen, von wo wohl die Geldmittel für die „qualifizierte Arbeit" eines Kaiser kommen mögen? Streik im Schuhmachergewerbe? Ein« überfüllte Versammlung der Schoß- und Reparaturschuh- wacher tagte am Mittwoch abend im„Englischen Hof", um zur schwebenden Lohnfrage Stellung zu nehmen. Der Branchenleitsr Schüler berichtete namckiis der Tarifkom- Mission über die mit den Arbeitgeberorganisationen gepflogenen Verbandlungcn. Die Arbeitgeber erklären sich bereit, einen Mini- «allohntarif abzuschließen ab 1. Oktober und machten folgende Zu- Geständnisse: Mindeststunbenkohn für münnstche Arbester 0,73 M., für weibliche 5,25 M. in mechanischen und 9,50 M. resp. 6 M. in L äderen Betrieben. Bei 3: Lieferung der Werkzeuge, wurden 1 M. statt der geforderten 3 M. bewilligt für Arbeiter, die eigenes Werkzeug besitzen. Bei den Akkordlöhnen wurde ein Teuerungs- Zuschlag für Neuarbeiter von 35 Proz. und für Reparaturen von 25 Proz. bewilligt. Gefordert wurden 10 Proz. Ferien sollen die Arbeiter nach 12 Monaten 9 Tage bei einer Entschädigung von 200 M. erhalten. In der anschließenden Aussprache war die Stim- mung entschieden dafür, nötigenfalls den Kampf für die dringend erforderliche Lohnerhöhung mit allen Mitteln aufzunehmen. All« Redner lehnten da� Angebot der Arbeitgeber ab. Einige plädierten für sofortigen Streik. Dem wurde entgegengehalten, daß noch nicht alle Mittel erschöpft sind, um zu einer Einigung zu gelangen. In der Abstimmung wurde das Angebot der Innung ein- st immig abgelehnt. Dagegen fand ein gsschäftsordnungs- mäßiger Antrag Annohme, sofort den Schlichtungsaus- s ch u ß anzurufen und mit den Arbeitgebern in neue Verhandlungen einzutreten. Die Arbeitnehmer sind trotz ihrer elenden Lage bereit, einen Kampf zu vermeiden; das bewies die Versammlung. Run liegt es an den Arbeitgebern, einen Streit zu vermeiden. Sollte dieser Appell nicht auf fruchtbaren Boden fallen, dann sind die Kollegen entschlossen, ihre berechtigten Forderungen mit einem Streik zu er- Zwingen._ Klein aber oho! Etwa 90 Proz. der Meiereien sind Kleinbetriebe. Das ist auch einer der Gründe, weshalb es der freien Gewerkschaft der land- und forstwirtschaftlichen Angestellten bisher nicht möglich war, in allen Meiereisn festen Fuß zu fassen. Die Folgen sind schlechte Bezahlung und lange Arbeitszeit. So werden beispielsweise in Hessen einem erwachsenen Arbeiter laut Tarif 390 M. gezahlt für lüstündige Arbeitszeit(auch Sonntags wird gearbeitet). Aber warum in die Ferne schweifen.... Der Betrieb des Herrn Brauer, Obsrschöneweide, Rtarienstr. 14, kann— ganz besonders was die Arbeitszeit anbetrifft—«ine erfolgreiche Konkurrenz mit den hessischen Betrieben aufnehmen. Wurde doch hjer in die- fem Sommer 14 Stunden und noch länger gearbeitet. Der Be- triebsinhaber erkennt die Organisation oder den Betriebsabmann nicht an, den leisesten Widerspruch bezeichnet er als„Gehör- samsvcrweigerung". Sein jetziges absolutes Königreich mit sieben Untertanen, die durch die schlechte Bezahlung und lange Arbeitszeit recht rebellisch geworden sind, ist für seine Talente ent- schieden zu klein. Wir halten es für unsere Pflicht, auf dieses Genie die interessierten Kreise wie— Gewerbepolizei, Arbeiterkonsumenten usw.— aufmerksam zu machen. Aber auch dem Milchamt gegenüber wollen wir das Licht besagten Herrn nicht unter den Scheffel stellen. Das Milchacht hat nämlich nicht nur die Verpflichtung dafür zu sorgen, daß den Herren Molkerei- besitzern die Preisspanne für jeden zugewiesenen Liter Milch aus- gezahlt wird, sondern und vor allen Dingen, daß die Milchbeliefe- rung der Groß-Berliner Bevölkerung prompt vonstatten geht. Und wenn nun so ein angehender Pascha' die Arbeitnehmer nicht nur schlecht bezahlt und über die zulässig- Arbeitszeit hinaus beschäftigt, sondern auch diejenigen, die daran etwas auszusetzen haben, mit- samt dem Betriebsobmann, der dagegen pflichtgemäß protestiert, entläßt, so ergibt e, sich von selbst, daß hier da« Milchamt, um unliebsamen Vorkommnissen vorzubeugen, im Interesse der kon- sumierenden Bevölkerung eingreisen muß. Verschärfung der Lage im GastwirtSgekverbe. Bei den gestrigen Verhandlungen erklärten sich die Arbeit- nehmer bereit, auf Grund des am 23. September ergangenen Schiedsspruchs zu v e r h an d e ln. Die Arbeitgeberkommission gab dagegen nach lün�crer Sonderberatung die Erklärung ab, daß sie die heute fallende Entscheidung ihrer Mitgliederversammlungen abwarten werde, diesen aber nicht empfehlen könne, auf der Grundlage des bisherigen Entlohnungssystems xoeiter zu oerhandeln. Darauf stellten die Arbeitnehmer ein Ultimatum, das sie ihrer heute stattfindenden sechs Nachtversamnüungen wegen auf heute abend 9 Uhr befristeten. Bei dem völligen Mangel an Entgegenkommen seitens der Wirte und Hotelbesitzer und angesichts der von ihnen ausgesprochenen Massen- kündigungen ist für Sonnabend mit einer umfassenden Arbeitssinstel- lung zu rechnen._ Der Kost- und Logiszwanq im Gasiwirksgewerbe soll in dem gegenwärtigen Lohnkampfe mißbraucht werden. In einer Sitzung des Vereins der Kaffeehausbesitzcr drohte der Dorsitzende George Ansbach: Sollte das Küchen- und Hilfspersonal, soweit es in Kost und Logis steht, etwa in einen Sympathiestreik eintreten, so sei ihm sofort die Wohnung zu entziehen, unbeküm- mert um das Wohnungsamt. Die Berechtigung eines fol- chen Vorgehens sei in Köln gerichtlich anerkannt worden. Um so mehr wäre es an der Zeit, solange der Kost- und Logiszwang nicht vollends beseitigt ist, die ihm unterworfenen Arbeiter und Arbeite- rinnen davor zu schützen, daß sie aus irgendeinem Anlaß einfach auf die Straße gesetzt werden können und beim Austritt aus einer Stellung sofort obdachlos sind. Ist dies schon für Arbeiter unange- nehm, so weit schlimmer für das weibliche Personal. Gründ- Nche MWe?mm tror geschassen«eichen sturch gstnzstche S�sickstgrmK des mit dem Arbeitsverhältnis verkoppelten Zwanges, beim Arbeite geber Kost und Logis zu nshnicn— wie es ist. Ein Schiedsspruch für die Wach- und Schließ angestellten wurde am 27. September vom Schlichtungsausschuß abgegeben. Obwohl der Schiedsspruch den Wünschen der Wächter nicht entspricht, haben die Funktionäre beschlossen, demselben zuzustimmen. Er steht Lohn- säße vor von 1040 M. für Separatwächtcr und 1100 M. für Revierwächter. Die Entscheidung liegt bei der Bolloersammlung der Branche, die'am Sonnabend beschließt. Die folgenden Gesellschaf- ten haben den Schiedsspruch bereits anerkannt: Berliner Wach- gefellschast, Friedrichstr. 01, die Nachtwachgesellschaft, Charlottenburg und die Wachgesellschast Inspektion Oberspree. Zenkraloerbqnd der Glaser, Zahlstelle Verlin. Ab 20. September ist auf die bestehenden Löhne ein Zuschlag von 1,30 M. pro Stunde zu zahlen. Der Mindest lohn beträgt demnach 9,30 M. Wo dieser Lohn am Sonnabend nicht gezahlt wird, ist dies sofort auf dem Burea'„ zu melden.— Montag abend 7 Uhr: Bertrauensgränncr- sitzung bei Lehmann, Engelufer. Bon der 40. Woche ob ist der Bei trog laut Versammlungsbeschluß auf 7 M. pro Woche fest- gesetzt. Die Vertrauensmänner werden ersucht, die alten Marken nur bis mit 39. Woche zu verwenden. Die Ortsverwaltung. Buchbinderei- Werkmeister. In einer gemeinsamen Tarn' kommiisionssitzung wurden folgende Gehälter für Werkmeister fest- gelegt: November und Dezember Werkmeister L000.—\ Ledige Obermeister 2100.— J 100,— Untcrmeister 1900.—) weniger September und Oktober Werkmeister 1850.—* Ledige Obermeister 1950.— J 50,— Untermeistcr 1750.—> weniger Außerdem werden für Monat September noch 53 Mark als letztes Drittel für Juni nachgezahlt. Die Tarifkommission. Die Aussperrung der Metallarbeiter in Erfurt wurde gestern vom Berband thüringischer Metallindustrieller verkündet, da die Streikenden am Mittwoch nicht— wie befohlen— die Arbeit wieder aufnahmen. In den sächsisch-khüringischen Webereien ist der Streik beendet. In den Färbereim soll die Arbeit am Sonnabend wieder aufgenom- men werden. Die Wirtschaftskrise in den vereinigten Staaten nähert sich, wie der„Daily Telegraph" aus New Jork meldet, mit großen Schritten. Die nächsten Wochen müßten entscheiden, ob es zu einem furchtbaren Kampf kommen werde, darunter zum Streik der Eisenbahner, Bergleute und anderen Arbeiter oder zu einer Regelung im guten und zur Annahme der Lohnver- Minderungen durch die Arbeiterschaft. Ueber die Stimmung der Eisenbahner haben wir bereits berichtet. Zweifelsfragen auf dem Gebiete des neuen Arbeitsrechts werden in eingehender Weise in dem jetzt bereits im 3. Jahrgang erscheinen- den„Mitteilungsblatt des Schlichtungsausschus- ses Groß-Derlin", Geschäftsstelle: Berlin N. 39, Scharnhorst- straße 28, behandelt. Durch die Veröffentlichung wichtiger grundsätzlicher Entschei- düngen und Schiedssprüche, wie auch von Auslegungen unklarer Gesetzesvorschriften bietet da» Mitteilungsblatt allen am Schlich- tungswesen Beteiligten In unparteiischer und objektiver Form reiches Ouellenmaterial.— Erstaufsätze aus der Feder bekannter Arbeits- rechtler vervollkommnen den Inhalt und gestalten das Mitteilungs- blatt zu einem führenden Organ auf dem Gebiete des Schlichtungs- wesegs für den Groß-Berliner Wirtschaftsbczirk. »astwirtichastliche AttgtsUHte. Heute nacht 1 IIb: scch« öffentlich« Dersamm- lungen: Haberlands Fcftfäle, Neue Frledrickiftr. 85; Brminliallen, Komma»- dantenslraße 5«; Neue Philharmonie, Köveniricr Str. VS/g7: Nesidenz-Feltsäle, Landsberger Str. 51; Buguste-Diktoria.Säle, Lutherstr. 31/32: Bliithner.Saal, Lllhowstr. 76. Stellungnahme zum Schiedsspruch. Bericht über den Stand der neuen Tarifverhandlungen. Unsere Maßnahmen zu den angedrohten Aus/per- runacn. d'.llgcmciner freier Angestclltenbnnd. Heute abend 7 Uhr im„Blcrandriner", Alerandrinenstr. 5», Ocffentlichc Bersammlung aller in der Besundheitsindustric beschiiftigtcn lausmiinnischcn und technischen Angebellten. Stellungnahm« zur Ablehnung van Verhandlungen Uber die gesorderle«Sehaltszulagc. Mnlitinstrumentenarbeiterl Versammlung der Betriebsräte und Vertrauens. leut« aller Betrieb« Sonnabend nachmittag 214 Uhr im„Reichenberger Hof", N-ichenbcrger Str. 147. Mitgliedsbuch, Dertr luen-männerl-rte legitimiert. Jeder Betrieb muß vertreten sein! Die»ranchenleitung. Transportarbettcr-Bcrband. Erupp« Dungtutscher. Sonnabend 6 lldr im kokal von gevfara, Melchiorstr. 15, Versammlung. Bericht über die neue Lohn- sorderung,_ Beranlw. für den rcdalt. Teil: Dr. Werner Peiser, Charlottenburg; syr Anzeigen Th. Glocke, Berlin. Serlag: VorwürlS-Nerlag 0. m. b.©., Berlin. Druck: Vor- WSrtZ-Buchd.ruckcrei u. Verla gSanst alt Baut Singer u. Co., Berlin. Lindenstr. Z. Hierzu I Beilage. Frisch und gesund S sytsz Hyrrholin-Seife Stoffe iiir Hetrfn- diu! Dpsn-Bekleliliiüg beste Fabr, dr. Auswahl, VerR. meterweise &och& Seeland b.»: GertrnudtenstrHßo 20—21.* Krammeisvögcl$*. 2so Kriekenten 12so Wild u. Geflügel, Käse• Tauben...»w<* 650 830 GänS6 Junge...... Pfund 1450 Gänseklein mit Magen 1650 Gänsefleisch&Äund 1 650 Rebhühner rose. smckieTs Hirschfleisch... pnmd 630 Hirschblatt..... pmnd 1250 Hirschkeule u- RÜÄ168o Kräuterkäse....»«1* 2» Landkäse grese... swefc Sts Camembertkäsesnidc 3oo Rahmkäse..... ara«* 430 Schichtkäse... am-,- 650 Weichkäse 600 Harzer-uSpitzkäse pfd.950 Tiislterkäse— Pfund 13m Goudakäse«»...pfundjMso Pflaumenmus �ub,�. 620 Zweifr.-IVIarmQiadeprd.520 Cdbsnsmitkl • Obst und Gemüse Winterkartoffeln pw. 65pf. Spfnat(frischer)....Pfund 90pt. Weißkohl(feste Köpfe) Pfd. 80pf. Wirsingkohl— Pfund 95pf. Rotkohl Holland....Pfund I10 Rhabarber..... Pfund 40p(. Zwiebeln(Dauer- Ware) Pfd. 86 Pf. Koch-Birnen(große) Pfd. I10 Eßblmen Beerblane.Pfund 100 Bimen Bergamott...Pfund I40 Tomaten(runde)..Pfund Kurtrauben»lau. Kolonialwaren Nudeln Schnitt- n-Pacon- Pfd. 7 M Bruchreis...... pfund Seo Patna Reis.... pmnd 540 VOII-EI getrocknet... Pfund 28m Eigelb getrocknet... Pfund 20m Makkaconi------ pmnd Lso Milch-Süßspeise mit Vanillin- u. Maiidel-Oeschmadc<»„. Paket'!« Pfund Inhalt'pO Erbswurst Rollen.% Pfund 1g5 . Pfund 120 650 Im Erfriidinngsraum: /Su'cr K&ffeeknchen 6m Wein Tarragona rot 11.1275 iii24m Fein. Tarragona wio 2875 Span. Vermouth...2650 Sherry Cadix...... 36m Douro Portwein rot..42m Weinbrand verschnitt 36m Deutsch.Welnbrand 45 m AI lasch ist pi. 24 m ihn 46 m Jamaika-Rum Verschnitt„Extra- ij» Fl. ��50 ifi wCIWI Kuba-Rum 40°/«---- 52 m Preise für iji Flasche einschließlich Steuer u. Flasche, diese wird mit 80 Pf. zurlid�enomm. Frisches Fleisch Rinderbrust u. Querrippe pii. 9 m Hammelrüdken � w... IOm Rinderkamm.*... �.„w. 9so Hammelkeule*«*0.*«<««««* Hm Schmorfleisch mitKaocbca.Pfd."Hm SchlVeine-Baacb.BIaHa. Rücken P/d. Roastbeef mit Knochen..... Pfd. Hm Schweine Schinken..,.pid. 15™ Hammelvorderfleisdi S» Gehacktes w--. scbweinon.. m. Hm Salzheringe 50/v. Makrelen pf�a 420 Fische Goldbarse..... pmnd 340 Leb. Karpfen pfund12M ISso Leb. Hechte---- pmnd 13m Leb. Edelkrebse Sl� l™ Räucherwaren Schellfische gcrauÄ 455 F i U n d e m pommersche Pfund 6 20 Makrelen geräuchert Pfund 730 Bücklinge..... pmnd 600 Schleibücklinge Pfd. 7so Sardinen i. Essig oiaa 3do Wursfwaren Rot- u. Zwiebel w. p». 14 m Sülzwurst...... pmnd 16 m Landleberwurst pmnd 17m Bauern mettwurst prd. 20m Jagdwurst..... pmnd 21 m Flefschwurst... pmnd 21 m Harzerkäse � Kiste ca. 4 Pfund Inhalt heiivi Ausländ. Speck Pfand 13 m Rippstücke..... pw 17m Hi-■■