Nr. 465 ♦ AS. �ahrgosy Msgade J4 Nr. 235 VezngSprciS: Bierteljährl. 33,—-ÖJl., ntouolL 12,— Ä frei in« San», voraus zahibar?oft- bezug: Monaliich 12,— M.. einschl. Au- stkllunasgtbiibr. Unier Krembaud für Deuisitiiand, Dan�fl. da« Eaar- und Meinelgediet, sonne die ehcma!» deui» l3)eu Eobicte Polen», Oesterreichs Ungarn und Luxrrnburn 22,— M., ssir das lldrigc Ausland 23,— M. Post» destellungen nedmen an Oesterreich, Ungarn, Tscheeno- Slowakei, Däne- mard Holland. Luremburg, Schweden und die Schweij Der„Porwarls" mit der Sonntag»» deUage.Volk und steiU', der Unter» iial!ungsd!ilage„HeimwelU' und der Pciiage �Siedlung und Kleingarten� «rlcheint wochentäglich zweimal. So»»» tags und Montag« einmal. Telegramm» Adrest,: »Tozialdernokrai Sonntags-Ansgabe ZZerliner Volksblatt UnzekkenvreiS» Die neungespaltene Nonpareillezeil» kostet S,— M.'„Kleine lklazeigen" da« seNgedruckke Wort 2,— M. szu» lässig zwei settgedruckte Worte), jede« weitere Wort 1.— M. Stellengesuche und Schlasstellcnanzeigen da« erste Wort 1.— M., sede« weitere Wor 3» Pfg. Worte über lö Buchstaber zählen flir zwei Worte. FamUicn-Ain zeigen siir Abonnenten Zeile 3�0 3k. DU Preise verstehen sich einschließlich Teuerung«-.Uschlag. Anzeigen siir die nächste Nummer mitssen di« s Ahr nachmittag« im Henlptgeschäft, Berlin EW KS, Linden» straße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 2 Uhr srsth di» S Uhr abend«. �entralorgan äer foslaläemokratifcken Partei VeutfcKlsnäs NsüaMon unö Expeüttion: EW bS, Linüenftr. 3 Snrn»t,�«>kk,-A» Redaktion Mortüplaff ilSlUS-S? �crn,pi-?rtirr. Spedition Morihploh l,7SZ— S4 Sonntag, den Ä. Oktober INÄI Vorwärts-Verlag G.m.b.H., SA) HS, Qnöenstr. 3 Sf crnftirffli�r• Verlag» Expedition tiud Inseraten» icr' Abteilung Moristpla», 11763-54 Die Antwort öer Unabhängigen. l Die Zentralleitung und die Reichstagsfraktwn der Un» abhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands richten an den Vorstand dSr Sozialdemokratischen Partei Deutschlands auf seine Anfrage, ob die USP. bereit sei. gegebenenfalls in eine Regierungskoalition einzu» treten, folgendes Antwortschreiben: verlln. den 1. Oktober 19Z1. An den vorstand der Sozialdemokrallscheu Partei veutschland». Werte Genossen! Auf Ihren Brief vom 1. Oktober erwidern wir Ihnen das folgende: Die USPD. hat bisher die seit der Annahme des Londoner Ultimatum» gebildete Regierung Wirth tn der loyalen Er- füllung des Ultimatums und der Führung einer republitanisch-demo- kretischen Politik unterstützt. Das entspricht dem Gesamtinter- este des Proletariats, das für die Politik unserer Partei bestimmend ist. Der immer akuter werdende Kamps gegen die Reaktion und für die wirksame Heranziehung des Besitzes zur Steuerleistung und zur Erfüllung des Ultimatums, ein Kampf, ln dem die Masten un- serer Partei mit den rechtssozialistischen, kommunistischen, christlichen und Hirsch-Dunckerschen Arbeitern sowie den republikanisch gesinnten Angestellten und Beamten Schulter an Schulter stehen, schafft eine Situation, in der es das proletarische Intereste erfordert, die R e- gierung zu unterstützen, wenn ihre Politik die Verwirklichung der nachstehenden Mindestforderungen zum Ziel hat. 1. Herstellung des Gleichgewichts im Staatshaushalt und Siche- rung der auswärtigen Zahlungsverpflichtungen durch ausreichende» Heranziehen de» Besitzes, insbesondere auf dem Weg« der Er- sassung der Goldwerte. 2. Wirksame Maßnahmen zum Schutz der Republik und zur Bekämpfung der monarchistischen Reaktion, namentlich grund- legende Iustizreform durch Uebertragung der Recht» sprechung in Strastachen auf Geschworenengericht«: Wahl der Ge- schworenen durch das ollgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht nach dem Grundsatz der Verhältniswahl; gesetzliche Maß- nahmen, dl« die Entfernung von Beamten im öffent- lichen Dienst, Angestellten und Angehörigen der Wehrmacht aus dem Staatsdienst ermöglichen, die monarchistische Auf- f a s s u n g« n öffentlich oertreten oder in oder bei Ausübung ihres Amtes bekunden. 3. Fortführung der Sozialpolitik. 4. Sozialisierung de» Bergbaue». 3. Eine auswärtige Politik der Verständigung und des Wieder- aufbaues, aufrichtiges Streben, die Lerpflichtungen des Ultimatums zu erfüllen. Wenn die SPD. an uns die Frage stellt,„ob und unter welchen Bedingungen die USP. bereit wäre, in das Kabinett Wirth einzutreten', so wüsten wir vor der Beantwortung dieser Frage unsererseits fragen, oballeKoalitionsparteienda- z u b e r e i t s i n d, mit der USPD. eine Regierung zu bilden, welche die Durchführung obenstehender Forderungen als ihr Mindestpro- gramm betrachtet. Deshalb ersuchen wir die Leitung der SPD., zunächst darüber Klarhest zu schassen und uns das Resultat ihrer Feststellungen mitzuteilen. Die Stellungnahme zur Frage der Regierungsbildung tn Preußen, wo es sich für uns in erster Linie um die Demokrati- sierung der Verwaltung und die Reform der Justiz handelt, ist sinn» gemäß die gleich«. Mit sozialistischem Gruß Zentralleitung und Reichstagsfrakkirm d«r Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschland». I. A.: A. Crispien. Sachwerte statt Golüwerte. Parts. 1. Oktober.(MTB.) Zu der Mitteilung des Garantie- komitees, daß der am IS. November fällige Betrag der deutschen Ausfuhrabgabt bereit» durch deutsche Gegenleistungen ausgeglichen sei und Deutschland am genannten Tag« keine Zahlungen zu leisten habe, schreibt der.Temps', die am IS. No- vember fällige Summe der Ausfuhrabgabe für das Vierteljahr vom 1. Mai bis 31. Juli werde vorläufig auf 310 Millionen Gold- mark geschätzt. In dem gleichen Zeitraum hätten die deutschen Sachlieferungen, namentlich diejenigen on Frankreich (Kohlen, Kohlendcrivate, Farbstoffe, pharmazeutische Produkte, Wiederaufbaumaterial usw.) einen Wert von 151 Millionen Gold- mark gehabt. Die Lieferungen vom 1. August bis 15. November würden mindestens ebenso hoch sein. Infolgedesten sei der am 15. November von sellen Deutschlands fällige Betrag gedeckt. Zur Jrage ües Hleiweißverbots. Neber die Frag« des Verbots der Verwendung von Dleffarben zu Anstreicher- und Malerarbeiden, die aus der Tagesordnung der im Oktober in Genf tagenden internationalen Arbeiterschutzkonferenz steht, hat stch In der Presse eine Diskussion entwickelt, der gegenüber folgendes festgestellt werden muß: Im letzten Friedensjahr hatte der fest Jahren annähernd gleich. bleibend« deutsche Export cm Bleiweiß«inen Wert von 4,8 Millio» nen Mark; der Export cm Zinkweiß und Lithoxon, der sich 1907 bis 1913 verdoppelt hatte, einen Wert von 11 Millionen Mark. Dies« gewaltige Steigerung des Zinkfarbenexports war darauf zurückzu- führen, daß man sich in allen Ländern bestrebte, di« giftigen Blei- färben durch Zinkfarben zu ersetzen, die fast ausschließlich aus Deutschland stammen. Von staats» und volkswirtschaftlicher Bedeu» tung ist weiter, daß alle deutschen Zinkprodukte aus im Inland gewonnenen Finkerzen hergestellt rcvrden, während ungefähr 60 Proz. der deutschen Dleiprodukte au« ausländischem Material, vor allem aus ausländischem Rohblei erzeugt werden. Durch ein internationales Bleisarbenverbot würde daher zwar die deutsch« Ausfuhr an Bleiweiß verringert werden, gleichzeitig müßte jedoch die für di« deutsche Volkswirtschaft so viel bedeutungsvoller« Ztnkfarbenausfuhr ganz außerordentlich amvochlen, da Deutfchlaand nicht mir keine Zinkerz« einzufüh«n braucht, sondern sogar einen erheblichen U-berfchuß besitzt, der»er fta'glos steigenden Nachfrage nach deutschen Zinkfarben nutzbar gemacht werden kann. Bei den internationalen Bestrebungen nach einem.Bleiweih- verbot', deren Ausgangspunkt die Bemühungen des unter deutscher Führung stehenden internationalen Arbeitsamtes der Bereinigung für gesetzlichen Arbeiterfchutz mit dem Sitze In Basel waren, handelt es sich ausschließlich um ein Verbot der Berwendung von Blei- färben zu Maler- und Anstreicherarbeiten. Niemand denkt an ein Verbot der Erzeugung von Bleifarben oder an«in Verbot der Der- «endung von Blei oder Bleiverbindungen zu anderen industriellen Zwecken(Kautfchukerzcugung, Gazerzeugung), wie dl« Bleifarben. fabrikanten die Oessentlichkeit irreführend glauben machen wollen. Di« groß« Gefährdung der Anstreicher und Mater durch v«r. Wendung von Bleifarben ist ein« feststehend« Tatsache, die von den Beobachtern aller Länder bestätigt wird. In England stellte man in 10 Iahren 452 Todesfälle. 11000 Erkrankungen, in der Berliner Ortskrankenkaffe der Maler 1913 insgesamt 468 Erkrankungen infolg« Bleivergiftung fest. Die heute noch geltende Bekanntmachung aus dem Jahre 1905 hat sich als nicht genügend wirkungsvoll erwiesen. DI« Zahl der Bleivergiftungen bei der Berliner Ortskrantenkaste der Maler war 1913 nur wenig kleiner als 1903, während die öfter- retchische Verordnung vom Jahre 1909, die das verbot der Ver- Wendung von Bleifarben zu �innenanstrichen' enthält, di« Zahl der Bleivergiftungen in Wien von 10,7 Proz. im Jahre 1906 auf 2,65 Proz. Im Jahre 1913 vermindert hat. Das Berbot der Berwendung von Bleifarben zu Maler- und Anstreicherarbelten stellt das einzig wirkungsvolle Mittel zur Der- hütung der Bleivergiftung in diesen Berufen dar. Nach dem Ur- teile aller Sachverständigen sind Bleifarben bei.Innenanstrichen' vollkommen durch Zinkfarben ersetzbar, so daß einem solchen Verbot auch keinerlei technische Bedenken entgegenstehen. Bei Anstrichen, die Witterungselnflüsten ausgesetzt sind,.Außenanstrichen', sind Zinkforben weniger dauerhaft als Bleiweih. Durch ein Verbot der Bleiweißverwendung würden häufigere Reparaturarbeitcn notwen big werden,— wir glauben aber, daß dieser wirtschaftliche Nachteil bei weitem aufgehoben wird durch den Nutzen, den ein solche» Ver- bot in gesundheitlicher Beziehung bringen würde. Bleiminimum ist sowohl bei Innen- als auch bei Außenanstrichen mit Ausnahme von Unterwasteranftrichen durch Eisenoxyd vollkommen ersetzbar. Es wäre demnach vollkommen und ohne schwerwiegende Nach- teile möglich, ein Verbot der Bleifarbenverwendung zu allen Maler- und Anstreicherarbeiten zu erlassen, und wir müsten vom Stand- punkte de« Arbeiterschutzes und der öffentlichen Gesundheitspflege aus hoffen, daß ein solches verbot in vollem Umfange oder wenig- sten» in sehr weitem Umfange baldmöglichst ertasten wird, wenn möglich auf Grund internationaler Vereinbarung. Dr. med. Alfred Beyer, M. d. L. Milchftreik in Düsselüorf. Düsteldorf, 1. Oktober.(MTB.) Da die Stadt Düffel- darf vom heutigen Tage ab die Milchversorgung übernommen bat, ist es mit den Milchgrohhändlern zu Zwistigkeiten ge- kommen. Die Milchgroßhändler sind in den Streik ge- treten und haben die Versorgung der Stadt mit Milch e i n- gestellt. Die Stadt versucht, mit Hilfe der K o n s u m g e- nossenschaften die Milchbelieferung weiterhin sicherzu- stellen._ Grnnberlchllgavg cm der deuksch-belgischen Grenze. Im Der- lauf der Festlegung der neuen deutsch-belgischen Grenze Ist bekannt- lich da» zum Kreise Malmedy gehörige Dorf Loshcim ent- prechend dem einstimmigen Wunsche seiner Bewohner durch Be- chluß d«r Grenzkommlstion Deutschland wieder zuge- p r o ch« n worden. Di« Uebernalyne des Dorfes in deutsch« Verwaltung hat am 1. Ottober in Gegenwort des deutlchen Grenz- kommlstar, und eine» Vertreter» des Regierungspräsident«» von Lachen stattgefunden. Unabhängige unö Koalition. Von Erich Kuttner. Es liegt in der Natur der Sache, daß Parteigenoffen, di« gegen eine bestimmte Haltung der Partei im Interesse der Partei glauben ankämpfen zu müssen, damit in die Nähe derer zu rücken scheint, die von außen her die Partei be- fehden. aber nicht aus Interesse für sie, sondern um ihr nach Möglichkeit Abbruch zu tun. Gänzlich vermeiden läßt sich dies nicht, wenn man nicht überhaupt auf die Diskussion wichtiger Probleme in der Partei verzichten will, was ein Unding ist und nur zu gewaltsamen Sprengungen führt, wie das Beispiel der Kommunisten zeigt. Aber wenn jetzt den Parteigenossen, die in dem Görlitzer Beschluß eine verfehlte Taktik erblicken, von der unabhängigen Presse auffälliges Lob gespendet wird, so soll doch die USP. nicht im Zweifel darüber bleiben, daß dieses Lob keines« wegs auf Gegenseitigkeit beruht. Auch wer glaubt, daß die Partei in einer schwierigen Situation unrichtig ma- növeriert hat, der wird darüber nicht vergessen, wodurch denn die Schwierigkeit der Situation erst g e f ch a f f e n wurde. Leicht ist der Görlitzer Beschluß wohl niemandem in der Partei gefallen. Wer ihm zugestimmt hat, tat es in dem Glauben, daß die völlig verfahrene Situation unserer inneren Politik nur diesen Ausweg ließ. Ob es wirklich keinen anderen Ausweg gab, darum geht der Meinungskampf in der Partei. Aber über eines herrscht in unseren Reihen kein Meinungsstreit: daß an der Berfahrenheit der Situation, aus der der Görlitzer Beschluß erwuchs, dieSpaltungs-und Abstinenzpolitik der Unabhängigen ein sehr reichliches Maß von Mitschuld trägt. Als einer von denen, an deren Stellung gegenüber dem Görlitzer Beschluß kein Zweifel sein kann, fühle ich mich be- rechtigt, der unabhängigen Partei zu sagen, daß sie besser als irgendein Mitglied unserer Partei die Möglichkeit gehabt hätte. den Görlitzer Beschluß zu verhindern, und zwar durch das Mittel einer frühzeitigen einsichtigen Politik. Gern soll anerkannt werden, daß mancher Führer der USP. sich schon seit geraumer Zeit darüber im klaren ist, daß es mit der früheren Abstinenzpolitik nicht mehr weiter ging, wenn nicht das Gewicht der unabhängig organisierten Arbeiterschaft dauernd auf der Wage der Politik ausfallen sollte. Aber es hat hier an der Konsequenz des mutigen Handelns stark ge- fehlt. Gewiß war auf der Seite der USP. noch alles in der Entwicklung und im Werden. Aber der Verfasser dieser Zeilen, der selber stets darauf hingewiesen hat, kann auch die Ver- zweiflung anderer Parteigenossen begreifen, denen das Tempo dieser Entwicklung gar zu langsam erschien. Die Grundfehler liegen allerdings viel weiter zurück. Die Situation für den Görlitzer Beschluß wurde dadurch geschaffen, daß Sozialdemokratie, Zentrum und Demokraten zusammen 1920 keine Koalitionsmehrheit im Reiche und 1921 nur eine sehr schwache Mehrheit in Preußen erzielten. Wenn man bedenkt, daß Zenttum und Sozialdemokratie allein schon 1993 und 1912 zusammen die Mehrheit des Reichstages bildeten, so ist dieser Rückschlag unter viel günstigeren Verhältnissen doppelt befremdend. Er ist nur zu erklären durch iue Parteispaltung. Ohne sie wäre die alte Koalitions- Mehrheit niemals ernst lich in Frage gestellt gr- wesen. Der Fehler hätte sich durch eine aktive Politik der USP. gutmachen lassen. Diese blieb 1929 gänzlich aus und setzte tnt Mai dieses Jahres sehr zögernd ein. Wäre aber nach ihrem unbestreitbaren Wahlerfolg im Juni 1929, mit dem die alle Regierungskoalition in die Minderheit gebracht war,.die USP. bereit gewesen, ihre neue Stellung praktisch'auszu- w e r t e n, so würde höchstwahrscheinlich unsere gesamte Politik .ein ganz anderes Gesicht zeigen. Aber die USP. lehnte damals strikte jede Beteiligung an einer gemisch-bürger» lich-sozialistischen Koalition ab und die Folge war das Ka- binett F e hj: e n b a ch. Die beste Erkenntnis, die damals bei den Unabhängigen zu finden war, wird etwa charakterisiert durch einen Artikel Dittmanns in der„Freiheit" vom 11. Junt 1929, worin Dittmann ausführt, daß im Reich die Regie- rungsbildung eine Prinzipienfrage, in den E i n z e l st a a t e n dagegen eine politische Zweckmähigkeitsfrage sei, weil es sich hier nur um die Uebernahme von Berwaltungsfunktionen handle. Also in der Gesamttendenz: in den Ländern dürfe sich die USP. wohl an der Regierungsbildung beteiligen, im Reiche dagegen nicht. Trotzdem bat auch nach den Preußenwablen vom Februar 1921 oie preußische Landtagsfraktion der USP. eine klare Erklärung darüber fehlen lassen, ob sie die von den bürgerlichen Mittelparteien für zu schmal gehaltene Mehrhett der bisherigen Koalition mit ihren Stimmen verstärken wollte. Der erste wirkliche Umschwung in der Taktik der USP. trat ein, als sie die Mehrheit für die Annahme des Londoner Ultimatums schaffen half und dem Kabinett Wirth wohlwollende Neutralität zusagte. Die aktive Teilnahme an der Koalition glaubte die USP. auch damals noch aus prinzipielle« Bedenken ablehnen zu müssen. Damit blieb der erste Schritt einer Halbheit, die sich wie alle Halbheiten gerächt hat. Well dt« USP, wie es viele» schien, auf diesem Weg nicht weiterzubringen war. anderer- seits aber die Verhältnisse nach einer Festigung der Regie- rungsgrundlage drängten, kam der Görlitzer Beschluß zustande. Man kann diesen Beschluß billigen oder bedauern. Aber jedenfalls wäre es das Törichtste, was die IISP. jetzt machen könnte, wenn sie sich etwa hinstellen und sagen wollte: �Lor Görlitz hätten wir über dos Angebot der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion mit uns reden lassen» weil ihr aber in- zwischen den Görtitzer Beschluß gefaßt habt, lehnen wir alles ab. Mit einer solchen Taktik würde sich die HSP. selber auf das schwerste ins Unrecht fetzen. Wenn sie die Sozial- demokratie durch den Beschluß als„belastet" erklären wollte, so wäre darauf zu sagen, daß es selbst im Sinne der USP. keine„Belastung sein kann, wenn der Partei größere Hand- lungsfreiheit auch gegenüber der Deutschen Volkspartei theoretisch eingeräumt wird, sondern daß diese„Be- lastung" doch frühe st ens dann als vorhanden angesehen werden könnte, wenn von dieser Freiheit durch eine Koalition mit der Deutschen Volkspartei praktisch Gebrauch ge- macht wird. Aber wir sehen erfreullcherweise das Gegenteil. Die Reichstagsfraktion macht von ihrer Vollmacht nicht in der Rechtung nach rechts, sondern in der Richtung nach links den ersten praktischen Gebrauch. Die Unabhängigen, die den Görlitzer Beschluß auf das schärfste kritisiert haben, würden ihrer Kritik jedes Fundament nehmen, wenn sich herausstellen sollte, daß eine Erweiterung der Regierungskoalition nach links bereits an ihnen selber scheitert. Denn so liegt die Sache doch nicht, daß man einfach auf ein Zusammen- gehen mit der Deutschen Volkspartei schmähen darf, auf die Frage aber, wie es sonst gemacht werden könnte, mit einem bedauernden Achselzucken antwortet.- Aus unabhängigem Munde habe ich auch den Einwand gehört, das jetzige Angebot sei doch nur ein taktischer Schach- zug und nicht ernst gemeint. Run, solche mißtrauischen Geister wird mtm auch mit den ernstesten Versicherungen nicht leicht vom Gegenteil überzeugen. Aber wenn die Führer der USP. wirklich meinen, die Sozialdemokratie habe ähnlich gehandelt wie Herr Simons in London, als er sein letztes Repa- rationsangebot machte und dann vor Angst zitterte, daß die Gegner es annehmen könnten, nun dann gäbe es ja von ihrem Standpunkt aus gar nichts Gescheiteres, als resolut mit beiden Händen zuzugreifen! Damit wäre die Sozialdemokratie, wenn sie wirklich ihr An- gebot nicht ernsthaft gemacht hätte, sofort in die allergrößte Verlegenheit gesetzt! Aber die Sozialdemokratie wird nicht in Verlegenheit ge- raten, sondern sich sehr freuen, wenn die Unabhängigen einschlagen. Und nur in diesem Falle könnten die Unabhängigen mit ehrlichem Gewissen sagen, daß sie a l l e s, was in ihren Kräften stand, getan haben, um eine Verbreiterung der Koalition nach rechts zu verhindern. Mit leeren Lobsprüchen, die man den Mitgliedern, der Sozialdemokratie spendet, die am entschieden» sten gegen die Koalition von Stresemann bis Scheidemann austreten, bannt man die Gefahr dieser Koalition nicht. Man bannt sie nur durch einsichtsvolles und charakter- festes Handeln im Augenblick der Entschei- d u n g, durch ein Handeln, das einen anderen, posl- t i v e n W e g aus der jetzigen Situation eröffnet. Der Äugen- blick ist da, mögen ihn die Unabhängigen nicht wie im Juni 1320 verpassen., » Die Politisch-Parlamentarischen Nachrichten melden: Bekanntlich hatte die Reichstagsfraktion der USP. einen Aus- fchuß eingesetzt, der den Text der Antwort der USP. auf die An- frage der SPD. über den Eintritt der USP. in eine Koalition-. regierung formulieren sollte. Wie die PPN. hören, hat dieser Aus- schuß am Sonnabend nachmittag seine Arbeiten beendet, aber vor Absendung seiner Antwort zunächst an die SPD. die An frag« ge- richtet, ob denn Zentrum und Demokraten damit«in» »erstanden seien, daß die USP. in dt« Relchsregtrrung et«- trete. Eine solche Anfrage, wie sie die PPN. ankündigen, war bis gestem in später Abendstunde dem sozialdemokratischen Fraktionsvorstand nicht zugegangen. Zur Sie Reöaktionen öer partsipresse. Der.Sozialdemokratische parlamentsdienst» hat seine Vureouräume seit dem t. Oktober im.vorwörls'hans, Lindenfiraße Z. Mr bitten die Redaktionen in Zukunft sämtliche Zuschriften nach Berlin Sw KS. Lindenftratze Z t. vorwärts"- Redaktion) zu adressieren und sich bei Fernrufen der Leitungen Morihplatz 16092 und 1.6135 zu bedienen. S»zia löemo kratifch er Parlaments ökeast. Zentrum für breite Mitte. Die Zentrumsfraktion des Reichstags hat einstimmig einen Beschluß gefaßt, der in seinem Kern besagt: Die Zentrumsfraktion billigt die Politik des Reichskanzlers und spricht ihm erneut ihr Vertrauen aus. Sie ist entschlosien, die Reichsverfassung und die durch sie festgelegte Staatsform gegen Be- drohungen, von welcher Seite sie kommen mögen, nachdrücklich zu schützen. In der Ueberzeugung, daß nur ehrlicher Erfüllungswille unser Vaterland vor dem schlimmsten Unheil retten kann, unterstützt sie die Reichsregierung in ihrem Bestreben, die durch den Dersailler Ge- waltfrieden und das Ultimatum dem deutschen Volke aufgezwunge- nen Verpflichtungen bis zur Grenze des Möglichen zu erfüllen. Als unerläßliche Voraussetzung der Gesundung unserer inner» und außen» politischen Derhältnisie betrachtet sie eine starke und zielbewußte Politik der Mitte auf breitester Grundlage. Die Zentrums-Parlaments-Korrespondenz teilt dazu wei» ter mit, daß auch der Reichskanzler Dr. W i r t h, ebenso wie Stegerwald, eine solche«Politik der Mitte" anstrebe. Der Sankrott üer KPD. Der ehemalige Führer der KPD., Dr. Paul L e v i, be» stätigt in seiner Zeitschrist„Unser Weg" dem deutschen Kom» munismus seinen Bankerott, indem er zu einem Artikel in der „Roten Fahne", der die Entwicklung in der Metallarbeiter- bewegung als eine„Klärung" bezeichnet, bitter bemerkt: Ja, eine verteufelte Klärung! Wo die, die unsere besten Freunde waren, die unsere Hoffnung und unsere Kommenden waren, zurück- gegangen sind dahin, von wo sie kamen: Wir denken, das ist Klärung. Das ist Klarheit, daß der Märzkommunlsmus, der— wir können das ja heute offen sagen— Bakunlsmus und Belakunis- mu» Bankrott gm acht haben: sich und die S?v. Das ist klar ge» worden! Allerdings!" Der Alenfchensthknöer als Gefangenaufseher Durch die Presie ist kürzlich die Mitteilung gegangen, daß zwei der wegen Gefangenenmißhandlung verurteilten früheren Angehörigen des Freikorps„Aulock" namens Walter und B i s k u p als Aufseher im Gefängnis zu Schweidnitz angestellt wor- den feien. Tatsächlich ist, wie der amtliche Preußische Presiedienst mitteilt, vor einigen Monaten der Offiziersstellvertreter Walter als Arbeitsaufseher in der Strafanstalt in Schweidnitz angestellt worden, weil der Vorsteher nicht wußte, daß er mit einem der oerurteillen Angehörigen des Freikorps„Aulock" identisch war. Walter scheidet nunmehr nach Ablauf der Kündigung»- frist am I. September d. 3. au» seinem Dienst aus.— lieber eine Beschäftigung des Biskup im Gefängnisdienst hat sich nichts ermitteln lasten. Rätselraten um Gberlchlefi«. Die französische Presse verbreitet mit ein« etwas v«- dächtigen Eile die verschiedenartigsten Gerüchte über die Mei- nungen und Ansichten der B i e r e r k o m m i s s i o n. die in Genf den Schiedsspruch über Oberschlesiens Zukunft vorberet- ten. Da heißt es einmal, die Kommission hat sich für die Kor» fanty- oder Sforzalinie ausgesprochen, das anderemal, man habe sich von der Unteilbarkeit Oberschlesiens überzeugt und empfehle, das Gebiet als Freistaat zu erklären, ein drittes Mal heißt es, die Kommission stehe nicht mehr aus dem Standpunkt des Obersten Rates und habe sich von der Teilbarkeit des In» dustriedreiecks überzeugt. Heute wird in alle Welt hinaustele» graphiert,. die Entscheidung stehe nahe bevor, morgen wieder verschiebt man sie auf den November und weiß schon Tag und Stunde der Veröffentlichung anzugeben. Der neueste Sport der französischen Berichterstatter be» steht darin, die Meinungenderdeutschen und pol- Nischen Delegierten auszukundschaften. Die Polen, wird behauptet, begnügen sich mit der Korfantylinie, die Deut- schen beständen auf einer ungeschmälerten Zuteilung Ober- schlesiens an Deutschland, ließen aber durchblicken, die deutsche Regierung werde hinsichtlich der Kreise Pleß und Rybnik mit sich reden lassen. Für den Fall eines Deutschland ungünsttgen Entscheides drohe das Kabinett Wirth mit dem Rücktritt. Uns scheint dieses ganze Rätselraten zwecklos und unan- gebracht. Daß eine ungerechte, unsachliche Entscheidung in Deutschland die schwersten wirtschaftlichen und politischen Folgen haben müßte, weiß man auch aus der anderen Seite längst sehr genau._ �unöertsthast z. b. V. Amtlich wird mitgeteilt, daß der Führer und alle anderen durch Beschuldigungen belasteten Beamten der Hundertschaft z. b. B. v o m Dien st suspendiert sind und mit der Z. b. B. selbst in keiner- lei Berührung Mehr stehen. Die gerichtliche Voruntersuchung werde auf Bitten des Ministers des Innern mit besonderer Beschleunigung geführt, sie sei aber infolge ihres Umfange» bisher noch nicht zum Abschluß gelangt. Ueber 200 Zeugen seien in der Angelegen- heit vernommen worden. Die Hundertschaft selber sei einer Ab- teilung der Schutzpolizei angegliedert worden. Sie sei damit entgegen ihrer bisherigen Sonderstellung eine Formatton wie jede andere geworden. M.m dürfe deshalb mit Sicherheit annehmen, daß sie San derbe st rebungen nicht mehr verfolgen könne. Wir müssen gestchen, daß uns diese Erklärung in keiner Weise befriedigt. Nach unseren Informationen ist das Dunkel, das über der Z. b. V. schwebt, noch keineswegs gelichtet. Im Gegenteil glauben wir annehmen zu dürfen, daß hier noch immer ein Gefahren- Herd besteht, dessen Bedeutung nicht zu unterschätzen ist. Wir glauben sogar nicht fehlzugehen, wenn wir die Vermutung aus- sprechen, daß die Fäden, die die Z. b. V. gesponnen hat, durchaus noch nicht abgebrochen sind und daß ihre Tätigkeit tn Verbindung mit Geheimorganisationen gebracht werden muß, denen man nach der Ermordung Erzbergers auf die Spur gekommen ist und über deren Tätigkeitsfeld man wahrscheinlich in nächster Zeit noch manche« erfahren wird. Politischer Ueberfall— eine Woche Gefängnis. München, 1. Oktober.(TU.) Vor dem hiesigen Schöffengericht wurde heute der Kaufmann Oskar Körner, der am 2. Juni in der Nacht den Abg. Sänger In Münckzen durch«wen Stockschlag miß- handelt hatte, zu einer Woche Gefängnis verurteilt. Dr. Rasens Nachfolger im Haag. Der bisher im Auswärttgen Amt beschäftigte Gesandte Freiherr v. Lucius, früherer Gesandter in Stockholm, ist zum Gesandten im Haag ernannt worden und wird sich in den nächsten Tagen auf seinen Posten begeben. Reue Zeikungsverboie In der Pfalz. Das„Frankenthaler Tage- blatt" und die.Grünstädter Neueste« Nachrichten" sind erneut auf drei Tage oer boten worden. Der KonzeetVinter unseres Dilöungs- aussthusses. Die allwinterlichen großen Festkonzerte des Bikdungsaussthusies haben sich eine feste Stellung im Leben der musikinteressierten Ar- beiterschaft erobert. Die künstlerische Bedeutung dieser Veranstal- tungen ist von einer großen Zahl erkannt worden, die sich durch Abonnements die Teilnahme rechtzeitig sichert. Das ist zumal in diesem Winter nötig, wo an Stelle der großen(aber aus vielen anderen Gründen nicht zufriedenstellenden)„Neuen Wett die „Philharmonie" weniger Platzmöglichkeit bietet. Mit dem Wechsel des Orts hat auch das mitwirkenoe Orchester gewechselt: die Philharmoniker spielen diesmal in den S Orchesterkonzerten. Aber unsere Dirigenten von früher sind wieder gewonnen. An der Spitze Generalmusikdirektor Dr. Muck. Dieser Künstler, eine Wcltberuhmtheit, den uns einst nach seiner jahrzehntelangen unvergeßlichen Aufbauarbeit am Berliner Opernhaus« Amerika entführt hatte, als er, ein aufrechter Mann, sich der Cliquenwirtschaft unter dem Intendanten Wilhelms II. nicht beugen wollte und feinen Abschied nahm, stellt seine Kraft zum drittenmal� in den Dienst unserer Sache. Muck ist einer der Vor- kämpfer für unsere neue Musik gewesen: mit Recht ist also ihm die hohe Aufgabe überlassen, unsere Hörer zum erstenmal in die Geistes- wett der zeitgenössischen Musik(Strauß, Busoni, P f i tz n e r u. a.) einzuführen. Das erste Konzert aber bringt Werke der beiden größten Meister der Vergangenheit: die ragenden Gipfel Bach und Beethoven, deren Bedeutung in ihrer eigenen Zeit nicht erkannt wurde, sind die Eckpfeiler unserer gesamten Musikentwicklung in den letzten Jahr- Hunderten gewesen. Werke für Orchester und Klavierkonzerte(mit Orchester) sollen uns diesmal in diese Wunderwett einführen. Kapell- jmeister Eduard Mörike, unseren Konzert- und Opernbesuchern wohlbekannt, leitet diese Aulführung: als Solist wirkt ein junger Klavierspieler M. Münz, dessen erstes Auftreten im Vorwinter ihn als eine sehr bemerkenswerte Hoffnung unter dem jüngsten Nach- wuchs erwies und der nun zum erstenmal vor unser Arbeiterpubli- tum tritt. Das dritte Orchesterkonzert soll ein Bild des Genies Mozart geben, der als dos berühmteste Wunderkind aller Zeiten Europa mit seinem Ruhm erfüllte. In unbegreiflicher Fülle strömte die Musik auf ihn nieder, in beispielloser Mannigfaltigkeit schrieb er unter dem Sturme der künstlerischen Einfälle seine Werke nieder, bis ein früher Tod ihn der Welt entriß Von seiner Vielseitigkeit soll ein Konzert Zeugnis geben, dessen Lewing Dr. Stiedry, Kapellmeister der Etaatsover, übernommen hat. Frau Felo Roonfeld und Frau Rose Walter, deren ausgezeichneie Leistungen, zumal auf dem Gebiete der Mazartschem Geist verwandten Kunst, aus unseren Kon- zerten bekannt sind, wirken als Solisten mit. Das Konzert in der Garnisonkirche bringt den her- vorragenden Orgelvirtuosen Prof. Walter Fischer wieder vok unser Publikum: der durch seine Gesangskultur unerreicht hochstehende Madrigalchor unter seinem Leiter Prof. Carl Thiel wird mit Chören, vor ollem solchen>n weihnachtlicher Art erfreuen: Pr vs, Flewm 1« g., berühmter Mtuoj« aus der Oboe, ist Sollst. Ein Konzert ist diesmal dem Klavier allein gewidmet. Es ist gelungen, hierfür Eduard Erdmann zu gewinnen. Dieser junge Künstler ist vor ein paar Iahren mcteorgleich aufgetaucht. Sein erstes Konzert war ein Ereignis für das Berliner Musikleben: Die gesamte Krittk sieht in ihm den kommenden Mann, der die große Tradition der Meister des Klaviers, eines Liszt und eines BusoNi, fortzuführen berufen ist. Auch als Komponist hat der junge Erdmann sofort Aufsehen erregt. Er wird einen Ueberblick über die Entwick- lung der Klaviermusik von den allen Meistern an bl» zur Gegenwart geben. Außerbalb dieser Abonnementskonzerte veranstaltet der Bit- dungsausschuß noch zahlreiche andere, von denen wir hier nur noch auf eins hinweisen, das dem Arbeiterlied gewidmet sein wird. Wie man sieht, ein glänzendes, gediegenes und vielseitiges Pro- gramm, das der Bildungsausschuß für den diesjährigen Konzert- winter unseren musikfreudigen Genossen Darbietet. A.G. Im Reue« Thealer am Zoo wurden gestern„Die ersten Sporen" von Roda Roda aufyeführt. Leider ein völliger Mißgriff. Bei dem Fehlen jedes lustigen, ja auch nur erträglichen Einfalls dehnte sich der Abend ins Endlose. Ein paar Wendungen am Anfang schienen daraus hinzudeuten, daß es irgendwie auf eine aktuelle Schieberiype abgesehen sei. Ein ehemaliger Theaterstatist, der während des Krieges als„d. u." sein geschäftliches Genie ent- deckte, hat aus dem Ertrag ein Prunkschloß mit richttgem Ahnensaal sich zugelegt. Aber die Karrikatur trägt ihre Farben allzu dick auf. Der Parvenü und seine ganze Gesellschaft aus dem Schlosse macht den Eindruck von Patienten einer Kaltwasserheilanstalt. Beispiels- koeise läuft der Erfinder einer neuen Sorte Milchersatz herum, der zu seinen Präparaten, welche er dem Konsorttum vorlegt, Nacht für Nacht die Milch aus den Kuhställen des Schloßherrn stiehlt usw. Schließlich geht die ganze Affäre aus eine der altbekannten Spuk- geschichten hinaus: Vater und Sohn erscheinen, galanten Abenteuern nachgehend, im Ahnensaale als Gespenster und so. Auch die Auf- führung Uetz mancherlei zu wünschen übrig. är. Arbeiter als Amakeurpholographen. Eine interessante Aus- stellung von Photographien haben die Mitglieder der Verwaltungsstelle Berlin des Verbandes der Li- thographen, Steindrucker und verwandten Be- rufe zusammengetragen und im Saal Z des Berliner G e w e r k- s ch a s t e h a u s e s der Oeffentlichkeit zugängig gemacht. Die ausgestellten Photographien sind ausnahmslos in Muße- stunden von den Arbeitern dieser Berufe hergestellt und zeigen, daß es der Photographie möglich ist, auch anderes als den üblichen Kittch zu liefern. Photographie ist keine Kunst, aber die handwerkliche Be- herschung ihrer Ausdrucksmitel kann immerhin gepaart sein mit künstlerischem Sehen und mit der Gabe, das Charatteristifche der sichtbaren Welt mit den Darstcllungsmöglichkeiten de» Objektivs glücklich zu treffen. Den Unterschied zwischen Kunst und Kitsch in der Photographie zeigt die Ausstellung besonders deutlich dem. der Vergleiche anstellt zwischen den Ausstellungsobjekten:„Wie man es nicht machen soll" und den von künstlerischem Empfinden sprechen- den Aufnahmen. Obwohl nicht alles einwandfrei ist. was hier ge- bot« wird, ist doch der Bejuch der Ausstellung all« Arbeiter» zu empfehlen. Sie ist am Sonntag von 10 Uhr vormittags bis 4 Uhr nachmittags unentgeltlich geöffnet. Um 11 Uhr oormitags spricht der Lichtbildner Oertel über„Die Kunst der Photographie". Heinrich Zille über sich selbst. Im Almemach der Berliner Kunsthandlung Fritz Gurlitt, der unter dem Titel.Da» gra- phisch« Jahr" soeben erscheint, gibt Heinrich Zill», der Schil- derer des dunkelsten Berlins, folgenden Bericht über seinen Werde- gang. Als Kind darbender Cllern schon früh nach Erwerb gehend, dann Lithographenlehrling, später in allen graphischen Gewerben tätig, versuchte ich immer das aufzuzeichnen, was ich sah und erlebt hatte. 1900 kam ich. als t2jährtger. mit meinen Kritzeleien an die Oeftent- lichkeit. Meist malen arme Kunstjünger dicke Schinkenbrote, und die reichen Maler erbarmen sich der arme Leute in Wort und Bild. Ich war meinem„Milljöh" treu geblieben, wenn auch nicht in dem Sinne, wie mir ein reicher Malerjüngiing erzählte, der zufällig ein paar arme Kinder, die ich oft gezeichnet hatte, als Modell be- kam und sich bei der Mutter der Kleinen beklagt habe, daß die Gören so wenig sauber wären, von der entrüsteten Frau zur Antwort bekam:„For Zillen tönn'o je jarn ich dreckich jenug sind!" Auf den Ausstellungen gefielen mein« Schilderungen jahrelang gar nicht, man sagte, ich verunglimpfe Berlin und seine Bewohner. Nach und nach lernten die Leute sehen, urteilen und mich verstehen. Im Osten und Norden Berlins verstanden ste mich gleich, als meine Gestalten im„Simplicissimus" und der„Jugend", den ersten Zeit- schriften, die mir gnädig waren, auftauchten. Meine erste eigen« Wohnung war im Osten Berlins im Keller, nun sitz« ich schon seit Iahren im Berlmer Westen, vier Treppen hoch, also„gestiegen". Einige meiner Radierungen haben sich sogar in- Kupserstichkabinett verstiegen. Und— wenn ich noch lange nicht das Leben so gebannt habe, wie ich es tnöchte, so ist nur doch wenigstens gelungen, daß mein Hinweis ein Ansporn an Jüngere und Kräftigere sei. diese soziale Rote auszubauen. Was ich als Kind sah. mitfühlte, im Laufe der Jahre Miterlebte und festzuhalten versuchte, sollte denen helfen, die füÄÄ ÄÄ*» m'" i" m»<"•»"""" lm Sehersaal. Beim Umbruch einer Tages- Zeitung wird bekanntlich durch Bqcheben des Satzes manchmal Un> heil angerichtet. So kommt es vor. daß Uebcrschriften verwechselt werden oder gar Zwei Beitrage ineinander geraten. Das Schlimmste auf diesem Gebiete leistete sich unftelwillig ein New Yorker Metteur ktIx m• J» liner �Weszeltung. Untereinander sollten zwei Nein- Berichte stehen: der eine handette von der Abschiedspredigt m.anöer< von einem tollwütigen Hunde. l"L Metteur, der den Umbruch vornahm, da, Mißgeschick, daß der Bericht(wörtlich übersetzt) lautete:.Pastor Iohnston hiell gestern eme Abschiedspedigt in der St. Paulskirche oor der Zahlreich oersamm-'t-n Gemeinde, die zu Tränen gerührt war, als der geliebte Seelfl... �richtete, daß die Aerzte ihm einen längeren Aufenthalt m einem milden Klima verordneten. Er dantt» dann der Gemeinde in rührenden Worten und erfleht« des Das Hakenkreuz im Mauseloch. Eine wundervolle Selbsicharakteristit seiner LnhSnger gibt das deutsch-monarchistische Abendblatt des Herrn W u l l e. In einem Artikel.Angstmeierei" liest es seiner hasenhsrzigen Gefolgschaft in folgender Weise die Leviten: Wie war's doch vor der Ermordung Erzbergers und vor der Ausnahmeverordnung? Die nationalen Versammlungen waren gut besetzt, die schwarzweitzroten Fahnen flatterten über den Schrebergärten, nationale Lieder wurden ge- sungcn, und auf der Straßenbahn, in der Eisenbahn und im Menschengewühl konnte man manch kräftig Wörtlein hören. Kurz, man konnte glauben, daß der Bürger sich auf seinen Bekenner- m u t besonnen hätte. Nur Skeptiker meinten, das alles feien nur Zeichen einer Konjunktur, die manchen gerade günstig erscheine: der geringste Umschwung könne alles verschwinden lassen. Sie haben recht gehabt. Ein paar derbe einschüchternde Worte einer Regierung, der man noch eben das Gegenteil von Hochachtung bezeugt hatte, ein paar Ausschreitungen von aufgehetzten, p'ündc- rungslustigen Lausejungen, ein paar Drohungen und alles sitzt im Mauseloch. Sie waren unter den ersten darin, mein lieber Herr Maier oder Müller oder Schulze oder wie Sie sonst heißen mögen. Sie meinen: nein? Es fei doch nur vernünftig, seine Versammlungen abzusagen, nicht durch Hakenkreuze und zur Schau getragene vaterländische Gesinnung die Gegner zu reizen, und es sei nur Vorsicht, wenn man einmal erst den Verlauf der ersten Wahlversammlung abwarte? Wir fühlen uns doch genötigt, die Leser des Herrn Wulle vor ihrem hartherzigen Kritiker zu verteidigen. Schon Schiller läßt seinen Kapuzincrmönch sagen:.Aber wie soll man die Knechte loben, kommt doch das Aergernis von oben." Saß nicht auch Herr Wulle höchstpersönlich in den Novembertagen des Jahres 1918 im Mauseloch, pries er nicht damals in den höchsten Tönen die schwarzrotgoldeneFlagge.dieer jetzt als.Schmachfetzen" und„Iudenfahne* tituliert? Er hat doch wahrlich nicht das Helden- hafte Beispiel geboten. Und dann noch eins: Im roten.Tag" hat siingst Profesior R e i n k e- Kiel die Antworten veröffentlicht, die er von M o n- archisten auf die Frage erhielt, warum sie die Wiederherstellung dsr Monarchie forderten. Diese Antworten lauteten bekanntlich: Weil ihre Söhne dann viel bessere Chancen des Fort» k o m m e n s haben würden, weil es dann wieder H o f b ä l l e gäbe, weil die Valuta steigen würde usw. Kann man von solchen .Idealisten" verlangen, daß sie mit Heldenmut für ihr« Ueber- zeugung einstehen?!_ Die Amgesiallung der flskosischen Zechen in Preußen. Der amtliche preußische Presiedienst schreibt: Die Frage der Umwandlung der staatlichen Bcrgwerksbetriebe, in erster Linie derjenigen in Westfalen, in»ine prioatwirtschaftlich« Untern eh> mungssorm befindet sich noch im vorbereitenden Stadium. Der Wunsch, die Betriebsverwaltung freier beweglich zu machen, sie ins- besondere von den Fcsieln des lange im voraus festzulegenden Haus- haltsplanes zu befreien, hat in Verbindung mit dem Gesichtspunkte der Anlehnung an die bereits im nahezu alleinigen Besitz de» Staates befindliche Bergwerksgefellschast.Hibernia" den Gedan- ken der Umwandlung in eine A kt l e nge s e l l s cha ft nahegelegt. Dabei hat der zu der Frage gehört- Gesamtbetnebsrat der west- fälischen Staatswerke angeregt, den Aufsichtsrat dieser Aktiengesell- schaft aus je 4 Vertretern der Staatsregierung, des Landtages und der Gewerkschaften zusammenzusetzen. Irgendein Beschluß ist bis- her weder über diesen Vorschlag noch über die ganze Frage der Ge- sellschaftsfcrm gefaßt worden, zumal dabei steuerliche Gesichtspunkte naturgemäß ein» erhebliche Rolle spielen. Daß es mit der äußeren Form de» Unternehmens nicht getan Ist, sondern, daß seine Ver- woltung nach den in der Privotindustrie bewährten Grundsätzen geführt werden muß, ist klar. Dazu gehört ober nicht, daß ein solches Unternehmen die gleiche Dividendenpolitit treiben muß, wie ein im Besitz privater Aktionäre befindliche» Unternehmen. Es wäre daher falsch» aus dem Umstände, daß die.Hibernia" im Geschäftsjahre 1919 keine Dividende verteilt hat. auf mangelnde» kaufnzönnisches Verständnis der Organe dieser Gesellschaft zu schließen. Da» vorlSusige Ortsklalsenverzeichnis und die Nokzuschläge. Der preußische Finanzminister beantworte, die kleine Anfrage Nr. 213 des Abgeordneten B a u m h o f f w:e folgt: Da, vor- läufige Ortsklasienverzcichni» ist nicht nur für die Zahlungsanwet- Tsung der Ortszufchläge und de? darmif entfallenden Susgletchzu- ! schläge, sondern seltuwerständlich auch für die Berechnung der nach dem Gesetz vom 13. Dezember 1929(Gesetzsammlung von 1921, ». 218) und der Verordnung vcm 3. Februar 1921(Gesetzsammlung S. 302) zu gewährenden Notzuschläge zu den Ausgleichszu- schlagen maßgebend. Sämtliche Regierungen sind hierauf durch einen Runderlaß noch einmal ausdrücklich hingewiesen worden. Die Saartelcgalicn. Die in Genf eingetroffene A b o r d- n u n g des Saargebiets fetzt sich aus folgenden Persönlichkeiten zu- � sammen: Heinrich Becker, Pfarrer: Richard Becker, Kaufmann: Boch, Industrieller: Gerhardt, Arbeitersekretär: Hillen- v r a n d t, EewerkschAstssekretär: K a r ch e r. Jndm ricller: L e r- scher, Rechtsanwalt: Raabc, Fabrikdircktcr: Roechling, Kommerzienrat: Schweizer, Ma'-mmeister: C i e a f r i e d, Fa- brikdirektor: von Bepelius, Industrieller: Wildberger, Kaufmann. Das norwegisch. russische Handelsabkommen ralifHerl. Im S t o r t h i n g, dem norwegischen Pc>r'~ment, wurde mit 69 gegen 47 Stimmen das norwegisch-russische Handelsabk o m. men ratifiziert. Die Mehrheit bestand hauptsächlich aus Vertretern der Linken. l behörden betriebene Feststellung b«r Renten nach dem neuen Recht 1 neuerdings gehemmt worden märe und im übrigen gerade diejenigen i Rentenempfänger, die noch die niedrigen Rentm des alten Rechts beziehen, benachteiligt gewesen wären. Himmels Segen für die Andächtigen, worauf er(hier beginnt die neue Zeile) in wilden Sprüngen die Benefit Street hinabraste, wo ihm die Gasienbuben einen alten Kochtopf an den Schwanz banden. Mit diesem Anhängsel versehen, warf er sich in die James Street und rannte verschiedene Leute und emen Verkaufsstand am Markt um, wodurch erheblicber Bruchschaden entstand. Danach sprang er einem älteren Herren durch die Beine, der erschreck« aus dem da- durch vom Schwanz gelösten Kochtops sitzen blieb, �n unmer tol» lerem Laufe rannte er weiter, bis ein Schutzmann den Tollwütigen durch einen wohlgvziekten Schuß schließlich zu Boden streckte." Die aufs tiefste erschütterte Gemeinde des Pfarrers Johnfton, die dieses las. atmete erst wieder auf, als der geliebte Seelsorger nach einigen Wochen aus dem milden Klima beimgekehrt war, neu gekräftigt die Kanzel bestieg und eine scharfe Büßpredigt wlder den Drucksehlerteufel hielt._ von öer körperlichen Arbeit anderer den Nutzen zu stehlen verstehen diejenigen am besten. die sonst das Stehlen mitsamt der körperlichen Arbeit sur strengstens verpönt erklären: � hält der Schmutz gerade solches Gesindel ab. das am allere tiefsten drinsteckt: � mit Ehrlichkeit zu reden verlernen so viele, well sie diese in den Himmel heben und sie also nicht mehr vor Augen haben, um sich nach ihr zu richten: � werden heutzutage so manche Fleißige nur deshalb krank, weil eine unübersehbare Menge von Müßiggängern sich an ihnen gesundmacht:# stecken die Nichtstuer natürlich den Segen noch solange rück- sichtslos ein, wie sie nicht eingesteckt werden. W. Rolt,n,-N«?ee. vSlkerverkSbnvng dvrtblula de.ZFriedrir!-Wi!bclin->e,i>m!ialli!ini.B.'.lin,kkochstr.l3:OcftenIIlwe 4-aIlSveriamoüiing. N-dn-r sind: Hann Graf Kegler. Srnfl Friedrich. Paul O e st r e i ch. Karten zi: den einzelnen TaguugSabschnltien zu 2, 3, 1 Mt.. Kcsamtkarte 4 A, an der Eaaltafse. v-lkSoperette Walhalla-Th-ater. Heut« mittag IS vhr findet zum Besten der Hinterbliebenen d r>-pauer Erplos««n». kotastrophc eine Matinee statt. Eintt.ti-�ctenzum Preise von l dt« d M an der Theaterkasse. Der Ertrag wird ohne Abzug den Notleidenden zug-sührt. SlöBk össeiWe WUMMluiW Heute, Sonntag» öen 2. Oktober: 8. Urels Cladow: Nachmittags 4 Ahr, im Lokal Bäumann. Thema: „Dsr Kampf gegen die Rea'fion im Siadlparlamenl." Referent: Dr. Ostrowski, Sladiverordncter. 18. kreis jaifcnbetg: Nachmittags 3 Ahr im Gasthof zum goldenen Stern in Warlenberg.' Thema:„Der Kampf gegen die Reaktion im Sladtparlament." Rcjereul: Gustav TV e i d e, Lezirksverordnetcr. Morgen, Montag, öen?. Oktober: 20. Kreis Reinickendorf'Qst: 7)4 Ahr. in der 3. Gemeindefch'.ile, Leikeallee. Frauenverfammlung. Thema:„Die politische Bedeutung der Sladtoerordnetenwahlen für die Frauen." Referentin: Gertrud Hanna, Siadlvercrbneke. 14. Krei» Neukölln: 91. und 94. Abt. in der Kindl-Brauerel. her- mannstr. 215: Frauenwählerinnenoerfammlung. Thema: „Die polikifche Bedeutung der Stadlocrordnetenwahlen für die Frauen." Referenlin: Frau TNarie 3 u ch a c z, ZNdR. 16. Kreis Friedrichshagen: 7)4 Ahr, im Restaurant Rslandseck, Scharnweberfkr. 80. Referent: Brinkmann. Uebermorgcn, vienstag, öen 4. Oktober: 4L Kreis Schönhauser und Prenzlauer Borsladi: 7 Uhr, In der Aula des Lmienflädtifchen Gymnasiums, Gleimstr. 49. Thema: „Die politischen Lügen der bürgerlichen Parteien im Stadt- Parlament." Referent: Franz Krüger, RidL. 7. Krel» Charlottenburg: Sö. Abt.. 7 Ahr. in der Aula der 14. Ge- meindefchule, Peflalozzlstr. 40. Thema:„Die bevorstehen- den Stadlverordnclenivahlen." Referent: Alberl h o r li h, Stadtoeroidneter. 9. kreis Grunewald: 7)4 Ahr. im. Hubertus, Huberlusbader Straß e. Thema:„Sozlasiflsicher Ausbau oder reaktionärer Rück- schritt im Reich, Siaal und Gemeinde." Referent: her- mann Molkenbuhr. MdR. 12. Kreis Stegsitz: S Uhr. im Gymnasium. Heesestraße. Thema:„Die politische Vedel''"t"i> der Sladtverordnetenwahlen." Resc- reut: Kurt Hein ig. 14. Krei, Nenkösin: 89.. 90.. 92. und 9Z. Slbt., 7 Ahr. in de? Aula des Kaiser'Friedrich-Realzy.uuastunis, Kaiscr-Fri.edrich- Straße 210. Thema:„Die Bedeutung dqr Stadtverord- netenwahlcn." Referent: Bürgermeister Scholz. 14. krel, Neukölln: 94. und 95. Abt., 7 Uhr. in der Kindl-Brauerel, herniannstr. 215. Thema:„Der Kempf gegen die Reak- Non im Sladtparlament." Referent: Dr. Max B e n d i n e r. MdL. 15. Kreis Treptow: 7)4' Ahr. im Biktoriagarlen, Am Treptower Park. Thema:„Der Kampf gegen'die Reaktion Im Stadl- Parlament." Referent: Stadtrat Engen Brückner. 20. Kreis Reinickendorf-TVcft: 7)4 Uhr, in der Iluta der Gemeinde- schule. Auguste-Dikloria-Allee 29. Thema:„Die politisch« Bedeutung der Skadlocrordnelcnivahlen für die Frauen." Referentin: Gertrud Hanna, MdL. * Beamte und Angestellte der Reichs-, Skaals- und Gemeinde- behörden! 7)4 Ahr, ln der Aula der Chamiffofchule, Schöneberg, Darba- rostaplatz. Große öffentliche Bsrsammlung. Tagesordnung:„Die Bedeiitinig der Sladlverordnekenmahlen für die Beamten und An- geflellten." Referenl:'Hermann Lüdemann, Finanzministcr a. D. Ms öer Partei. Hugo Methner gestorben. Von einem schweren, fast unerseh- baren Verlust ist die Partei wie überhaupt die gesamte Arbeiterschaft von Frankfurt a. O. betroffen worden. H u g o Methner ist im Alter von 49 Jahren verstorben. Von Beruf Holzarbeiter, hat er in unermeßlichem Fleiß die Zahlstelle des Verbandes von 20 auf 1200 Mitglieder, das sind 99 Prcz. der gesamten Frankfurter Holzarbeiter, gesteigert. Unermüdlich arbeitete er auch am Aufstieg und der Entwicklung der Parteiorganisation, und ist es nicht zuletzt ihm zu danken, das� die Partei in den kritischsten Zeiten allen Stür- men getrotzt hat. Seit 1920 besoldeter Stadtrat, hat er es ver- standen, auch über den Rahmen der Arbeiterschaft hmaus sich Achtung zu verschaffen, die sich gründete auf die praktische Arbeit im Dienste für das Allgemeinwohl. Die Partei wird dem unwandelbaren Kämpfer ein dauerndes Andenken bewahren. WLetstHaft Der erneute Rückgang öer Mark. Die Preise fremder Zahlungsmittel sind in der letzten Woche wieder hinaufgeklettert. Der Dollar, der am Ende der ver- gangenen Woche mit 108,76 Mark(vor dem Kriege mit 4,20 Mark) bezahlt wurde, ging bis zur Wochcnmitte auf den Rekordkurs von 126,87, sank dann wieder bis auf 115,38, um gestern wieder 124,37 Mark zu kosten. Die Schwankungen sind noch erheblich gröb�. wenn man die Frciverkehrskurse berücksichtigt. Für zufamm...- sassende Uebersichten muh man sich aber auf einen Vergleich der amtlichen Notierungen beschränken. Nach amtlichen Kursen der Berliner Börse wurden für einige der wichtigsten Zahlungsmittel des Weltmarkts an verschiedenen Stichtagen folgende Preise gezahlt: am 28. 7. 16. 8. 14. 9, 24. 9. 1, 10. Sozmkes. levenmgszuschüsse für ZNilikärrenkenempfSnger. Alle Schwerbeschädigten und Hinterbliebenen, die Renten nach dem Reichsversorgungsgesch, dem Altcrsrentnergesetz oder früheren Milltäroersorgungsgesetzen beziehen, erhalten auf Grund einer Ver- ordnung vom 24. September d. I. aus Anlaß der gegenwärtigen Teuerung mit Wirkung vom 1. August bis auf weiteres laufende Teuerunoszuschüsse. Diese Zuschüsse betragen für jeden Schwerbeschädigten monatlich 30 M. und daneben, wenn er für Kinder zu sorgen hat, für jedes Kind 15 M. Ist seine Erwerbsfähigkeit um 70 oder 80 Proz. gemindert, so erhöht sich sein Zuschuß von 30 auf 50 M., ist er noch mehr erwcrbsbeschränkt, auf monatlich 75 M. Jede Witwe erhält 25 M, oder, wenn sie invalide ist und nicht im Erwerbsleben ftebt, 40 M., jede Waise sowie feder Elternteil monatlich 15 M. Die Zuschüsse für die Witwen von 25 M., für die Waisen und die Eltern von 15 M. werden von der Postkasie gleichzeitig mit den Renten ausgezahlt, die übrigen Zuschüsse von den Fürsorgestellen. Bei der ersten Auszahlung, die im Laufe des Oktober erfolgen soll, werden die Beträge sür August, September und Oktober in einer Summe au«akzohit. Später wird die Aus- zahlung monatlich erfolgen. Der Zeitpunkt der Zluszahlung wird noch bekanntgegeben werden Don einer allgemeinen Erhöhung der gesetzlichen Teuerungszulagen mußte im gegenwärtigen Zeitpunkt abgesehen werden, weil sonst durch die zeilraubend« Berechnung dieser Zuschläge dt» jetzt mtt allem Nachdruck von den Lerjorgung»» l00boll. Gulden 2477,50 2882,10 8439,05 3458,50 8896,10 1 Pfd. Sterling 289,70 848,15 408,05 406,55 462,50 1 Dollar... 81,03 90,90 109,04 108,78 124,37 100 französ. Fr. 620,85 695,30 779,20 776,70 874,10 100 S-bweiz. Fr. 1821,15 1498.50 1896,10 1878,10 2147,85 100 österr. Kr. abgestempelt 9.18 10,58 10,18 8,95 7.82 100 ischecfi. Kr. 101,25 103.86 132,85 122,10 127,35 Wie sehr an der Verschlechterung der Kaufkraft Deutschlands heimische Interessenten mitwirken, zeigte sich wieder bei dem gestrigen Steigen der Devisenkurse. In New Aori war der Preis für 100 M. auf 84)4 Cents zurückgegangen. Das entspricht einem deutschen Dollarturs von 118)4. Die Berliner Börse aber setzte den Preis des Dollars bis auf 124,37 herauf. Und die ameri- konischen Notierungen werden, wenn nicht etwas dazwischen kommt, nach alter Gewohnheit sich wieder nach den deutschen richten. Es ist klar, daß etwas dagegen geschehen muß. Seit langem wartet man auf die tatkräftige Inttiative der Reichsbant, die im Dienste des kaiserlichen Deutschland 95 Milliarden Kriegsanleihen und einen stattlichen Betrag schwebender Schulden in das Volk hin- eingepumpt hat. Aber man scheint dort nach den Ersahrungen mit der Deoisenzenttale in der Nachkriegszeit geschreckt oder auch von dem Glauben der Allmacht schlechter Devisenkurse über die Entschlüsse der Entente etwas zu sehr überzeugt zu sein. Jedenfalls ist es er» staunlich, mit welcher Zurückhaltung man zusieht, wie der Noten- umlauf— erst kürzlich wieder um mehr als eine halbe Milliarde— und die schwebenden Schulden anwachsen, und wie ängstlich man die Schwierigkeiten beurteilt, die sich einem Vorgehen gegen die Devisen- spekulation und-Hamsterei entgegenstellen. Damit ist nicht gesagt, daß die Reichsbank gegenüber den Kurstreibereien untätig ist. Soeben bestätigt sie in einer amtlichen Mitteilung unsere schon am Donnerstag gebrachte Meldung, daß sie sich in letzter Zeit nicht nur nicht an den Devisenkäufen beteilige, sondern sogar durch Abgabe von fremden Wechseln den Kurs zu drücken versuche. Die Absicht ist gewiß löblich, ihre Durchführung aber zeigt, daß die Reichsbank am freien Markt eben dem Ansturm der Spekulanten. Kapitalflüchtlinge und Hamsterer nicht gewachsen ist. Hier kann nur eine scharfe Besteuerung der Devisenumsätze helfen. selbst auf die Gefahr hin, daß dadurch Einfuhren verteuert werden. Bei der wahnsinnigen Preissteigerung für Auslandslebensmittel in- folge des Dalutosturzes kommt es wirklich nicht mehr darauf an, ob sich das Pfund Schmalz um wenige Pfennige verteuert, wenn auf der anderen Seit: denjenigen, die mit der Kaufkraft des deutschen Volke» Schindluder treiben, dabei das Handwert gelegt und damtt der allgemeinen Preistreiberei ein Riegel vorgeschoben wird. Di« Unabhängigen haben dazu im Reichstag einen Antrag eingebracht, der eine Verdoppelung der vom Reiche vorgeschlagenen Devisen- iimsatzsteuersätze verlangt. Der Antrag ist erfreulich, wenn auch selbst die hier angegebenen Sätze— im Höchstfalle 1 Proz.— kaum ausreichen dürften, um die Spekulation kaltzustellen. Zweck und Ziel jeder so gearteten Besteuerung muß sein, den inneren freien Devisenmarkt einzuschränken und mittel» der Steuerschraube einen Druck dahin auszuüben, daß die ms Land kommenden Devisen nicht unnütz gehamstert werden oder in die 5)ände von Spekulanten kam- men, sondern d«.in ReichezurDerfügungge stellt werden. Eine gewisse Besserung scheint hierin bereits durch das Vorgehen mehrerer Außenhandelsstellen, die auf eine verstärkte Devisenabkefe- rung bei ihren Jndustrieocrbänden einwirken, eingetreten zu sein. Daß der Dalutasturz nicht nur durch die verschärfte Teuerung, sondern auch für die deutsche Ausfuhr schwere Gefahren bringt, ist bekannt. Zunächst allerdings erhöht sich die Ausfuhr, die Beschäftigung der Industrie nimmt zu, und dadurch wird für einen Teil der Bevölkerung der Nachteil, den die Teuerung bringt, aus- geglichen. Gegenwärtig machen wir so eine Periode der Hochkon- junktur durch, die Werke sind vollauf beschäftigt. Aber in demselben Maße erhöht sich auch die Gefahr des Schleuderexports. Wenn sitzt in England der Hochschutzzoll zum Schutze der Industrie ein- geführt wird und mit EinsuhrzZllen, die bis ein Drittel des Wertes der eingeführten Waren betragen, die Einfuhr belastet, so haben wir das den Leuten zu danken, die jede Ausfuhrkontrolle bekämpft und deutsche Ware jahrelang unter ihrem Wert auf den englischen Markt gebracht hoben. Dastür darf jetzt dl- deutsche Industrie ungcachttt aller Reparationslasten das englische Budget erleichtern helfen, dafür muß sich jetzt der Arbeiter mit einem geringeren Lohn begnügen, wenn deutsche Waren nach England kommen sollen. Der Warenver- schleuderung entgegenzuwirken muß daher Aufgabe aller verantwort- lichen Wirtschafter sein. Ein« andere Gefahr, vor der jetzt der Zentral- verband des deutschen Großhandels eindringlich warnt, ist die, daß sich die Industrie mit Autträgen auf lange Sicht eindeckt und dann später auf die Preise Aufschläge nehmen muh, sei es, weil sich in- zwischen die Valuta gebessert und damit die Kalkulationsgrundlage geändert hat. sei es, weil mit der allgemeinen Teuerung die Roh- stoffpreise und Löhne steigen. Dadurch wird natürlich das Vertrauen des Auslands in den deutschen Lieferanten geschädigt und der Aus- fuhr auf die Dauer mehr geschadet als genützt. Darüber darf die gegenwärtige Hochkonjunktur nicht hinwegtäuschen. Crwelterker Schuh der Kleinrentner belw Notapfer. Im Gesetz über das R« i ch s n o t o p f e r sind bei einem steuerbaren Ver- mögen von nicht mehr als 150 000 M bei Abgabepflichtigen im Alter von 45 bis 60 Iahren ein Viertel und bei solchen im Alter von über 60 Jahren ckn Drittel de» steuerbaren Vermögens bis zu 50 000 W. abzuziehen, wenn der Abgabepflichtige am 31. Dezember 1919 kein Recht auf Pension oder Hinterbliebenenfürsorge hol. Diese Ver- günstiqung findet nach der Verordnung des Herrn Reichsministers der Finanzen vom 19. August 1921 auch Anwendung, wenn diese Abgabevslichtigen am 31. Dezember 1919 ein Reckt auf Penston oder Hinterbliebenenfürsorge hatten, sofern am Stichtag« der Jahres- bettag der Bezüge 1000 M. nicht überstieg und das steuer- bare Dermügen zu mindesten» vier Fünfteln aus Kapitalvermögen bestand. OewerMostsbewegung - 1. /lfa-Sewerkschastskongreß. Vorbericht. 21m 2. und 3. Oktober findet der 1. Afa-Gewerkfchaftskongreß in Düsseldorf statt. Aus der gemeinsamen Zusammenarbeit des Zen- tralverbandes der Angestellten, des Verbandes der Bureauangestell- ten und des Verbandes der Lagerhalter und den weiter bestehenden Angestelltenverbänden gleicher Richtung, die in der Frage des einheit- lichen Angestelltenrechts sowie in allen sozial- und wirtschaftspoliti- schen Fragen zusammengegangen sind, ist im Laufe der Jahre die Arbeitsgemeinschaft freier Angestelltenver- bände und nach der Revolution der Allgemeine freie An- gestelltenbund entstanden. Im März d. I. ist mit dem All- gemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund eine Vereinbarung und von April d. I. ab ein Organisationsvertrag zustande gekommen, wo- durch dann festgelegt wurde, daß die Arbeiter in den Arbeiterge- werkschaften und die Angestellten in den Angestelltenverbänden zu organisieren sind. Der ADGB. und der Afa-Bund verpflichteten ich zu einem satzungsgemäßen Zusammenwirken in allen gewerk- chaftlichen, sozial- und wirtschaftspolitischen Angelegenheiten, welche ne Interessen der Arbeiter und Angestellten gemeinsam berühren. Der Allgemeine Freie Angestelltenbund umfaßt 12 O r g a nl- sationen mit rund 7Zl)k>l>l) Mitgliedern und gehört wie der ADGB. dem Internationalen Gewerkschaftsbund, Amster- dam, am Auf der Tagesordnung des Kongresies stehen: Reorganisation des Afa-Bundes, Me Fortbildung des Arbeitsrechts, die Neuordnung der Sozialversicherung. Zu dem ersten Tagesordnungspunkt, zu dem Bruno Süß- Berlin das einleitende Referat halten wird, liegt den Delegierten ein Satzungsentwurf, den eine hierzu bestimmte Kommission ausgearbeitet hat, vor. Ueber die Fortbildung des Ar» bcitsrechts spricht der berufene Kenner, Prof. Dr. Sinzheimer- Frankfurt a. M., und über die Neuordnung der Sozialversicherung der Geschäfteführer des Verbandes Deutscher Ortskrankenkassen, chel- mut Lehmann-Dresden. Wir werden über die Tagung täglich berichten. lvvticherstwB w©oflut Am Freitag war in den Prachtsälen Alt-Berfin eine Branchenversammlung der Böttcher in den Werkstätten, in der mit über- großer Majorität der Aus st and beschlossen wurde. Ge- fordert sind 9,30, 950 und 9,70 M. pro Stunde. Da ein Teil der Arbeitgeber die Forderung bis zu 10 M. pro Stunde bewilligt hat, geht die Arbeit in diesen Werkstätten weiter. Es liegt nun an den übrigen Arbeitgebern, ob ein Kampf oermieden werden kann. JubiläumS-Gratifikation. Am 3. Oktober feiert die Firma C. G. Röder in Leipzig ihr 7Sjähriges Bestehen. In Berlin unterhält die in der Musi- kasienbranche führende Firma eine Niederlassung, der auch die Ber- liner Musikalien-Druckerei, Lindenstraße 10/17, ange- gliedert ist. Aus diesem Anlaß bekamen die Berliner Angestellten zum Monatsschluß eine besondere Zuwendung, und zwar in chöhe von 2 3 0 M. für Angestellte mit 20 und mehr Dienstjahren, von 1 0 0 M. für solche mit 10 Dienstjahren und von 5 0 M. für die kürzere Zeit bei der Firma beschäftigten Angestellten. Die Freude der so großartig bedachten Angestellten wurde jedoch ziemlich eingedämmt ob der Ratlosigkeit, in die sie sich ver- setzt sahen, was sie mit dem Gewinn nun eigentlich be- ginnen sollen. Womöglich müssen sie noch 10 Proz. davon als Steuerabzug entrichten.— Es ist heute eben schwer, so beschenkt zu werden. Streik der Bretterträger. Die Dretterträaer und Platzarbeiter in den Nutzholzhand- k u n g e n befinden sich seit Sonnabend früh im Streik. Zu der Vor- geschichte ist folgendes zu bemerken: Mit dem Verband der Arbeit- geber und dem Transportarbeiterverband bestand seit November 1920 ein Tarifvertrag mit einem Stundenlohn von 5,50 M. Dieser Tarifvertrag wurde zum 30. September gekündigt. Im Laufe der Verhandlungen boten die Arbeitgeber einen Stundenlohn von 5,25 M. Dieses Angebot wurde von den Arbeitnehinern einstimmig abgelehnt und die Organisation beauftragt, den Schlichtungsausschuß Groß-Berlin anzurufen. In der Verhandlung vor dem Schlichtungsausschuß am Freitag konnte die Kammer nicht in Funktion treten, weil die Arbeitgeber gegen ihre Besetzung Einspruch erhoben. Eine sehr stark besuchte Versammlung am Freitag abend nahm, den Bericht der Lohnkommission sowie der Derbandsleitung über den Lauf der Verhandlung entgegen und beschloß, das Manöver der Arbeitgeber, durch ihr Verhalten die Verhandlungen hinauszuziehen, zu vereiteln und deshalb die Arbeit einzustellen. Wir ersuchen die organisierte Arbeiterschaft, hiervon Kenntnis zu nehmen, und bitten um strenaste Solidarität. Die Zentralstreikleitung befindet sich Melchiorstr. 15 bei Fegfara, Telephon Amt Moritzplatz 1831. Außerordentliche Generalversammlung der Sattler. Der Verband der Sattler, Tapezierer und Portefcuiller(Orts- Verwaltung Berlin) hielt am Donnerstag eine außerordentliche Ge- neraloerfammlung im Gewerkschaftshause ab, in der zunächst von Blume der Geschäftsbericht erstattet wurde. Aus diesem ging hervor, daß nach längeren Verhandlungen vor dem Tarifamt eine Teuerungszulage erreicht worden ist. Vom 1. Oktober d. I. gelten danach folgende Mindestlöhne für den Handwerkstarif(Klasse 1 bis 6): Im ersten Jahre nach der Lehre 2,40 bis 5,03 M., im 2. Jahre bis zum 20. Jahre 3,— bis 5,75 M., nach dem 20. bis 23. Jahre 3,00 bis 0,44 M. und nach dem 23. Lebensjahre 4,— bis 0,90 Mark. Für die Treibriemenindustrie gestalten sich nach einem Spruch des Tarifamts die Löhne wie folgt: Gelernte Sattler unter 20 Iahren sollen 5,15 bis 0,90 M. erhalten, über 20 Jahre alte 5,75 bis 8,— M. Ungelernte Hilfsarbeiter von 17 bis 20 Iah- ren erhalten 4,15 bis 5,75 M., über 20 Jahre alte 5,15 bis 0,90 M. Ferner sollen Hilfsarbeiter, die länger als drei Jahre im Gewerbe beschäftigt sind und die Arbeiten eines gelernten Sattlers ausfüh- ren, den Sattlermindestlohn erhalten. Auch in der Lederwaren- industrie haben wir eine Erhöhung der Akkordlöhne um 22)4 Prozent erreicht. Eine Diskusiion über den Bericht fand nicht statt. Dagegen gab ein Antrag der Ortsverwaltung, den Angestellten der Orts- leitung eine Gehaltszulage von 300 Mark monatlich zu gewähren, zu einer regen Aussprache Deranlasiung. Schließlich wurde dieser Anttag fast einstimmig zum Beschluß erhoben. Als 3. Punkt stand„Vorstandswahl" auf der Tagesordnung. Für den bisherigen 1. Vorsitzenden der Ortsleitung, den Kollegen Gerhardt, der das Amt eines 2. Vorsitzenden der Zentrallei- hing übernimmt, wurde mit großer Mehrheit der Kollege Müller gewählt. Zum 4. Punkt:„Stellungnahme zu den Ueberstun- d e n", sprach Gerhardt. Er rügte besonders, daß vornehmlich von den Kollegen Ueberstunden gemacht werden, die das Wort „Revolution" sonst stets im Munde führten. Wenn überhaupt nötig, so könnten Ueberstunden erst dann in Frage kommen, wenn sich die OrtsleitUng durch Prüfung von der Dringlichkeit überzeugt habe. Eine Entschließung im Sinne dieser Ausführungen wurde mit großer Mehrhett angenommen. An der Dekriebsräkefchule beginnt Dienstag, 7 Uhr, im Zim- mer304 des Friedrich»Werderschen-Gymnasiunis, Bochumer Str. 8d, einen Kursus über Gewerbehygiene. Hörerkarten im Bureau Engel- ufer 24/25 und im Schullokal. Arbeitslose erhalten die Karten unentgeltlich.— Freigewerkschaftliche Betriebsrätezentrale. 3m Verliner Einzelhandel wurden nach langwierigen Verhand- lungen von den Arbeitgebern bis zu 2 5 Proz. Gehalts» e rh ö h u n g e n für die Angestellten angeboten. Bei Einrechnung der freiwillig gewährten Septemberzulagen erhöhen sich die Ge- haltsverbesscrungen bis zu 34 Proz. Der neue Gehaltstarif soll bis zum 31. Dezember d. I. lausen, jedoch haben die Arbeitgeber zugestanden, spätestens am 15. November in neue VerHand- lungen über Gehaltserhöhungen einzutreten, wenn die wirtschaftliche Lage der Angestellten dies erfordert. Ferner muß die. Eingruppierung der im Verkauf tätigen Angestellten auf Antrag des Zenlraloerbandes der Angestellten neu vorgenommen werden. Da im gegenwärtigen Moment weitere Zugeständnisie von den Arbeitgebern nicht zu erreichen sind, dürfte sich die An- nähme der Vereinbarungen durch die Angestellten empfehlen. Montag beschäftigt sich eine Mitgliederversammlung der Fach- gruppe Einzelhandel des Zenttaloerbandes der Angestellten im SchultHciß-Saal, Hasenhelde 22/31, mit dem Ergebnis. Das Ist nicht wahrt In unserer Nummer 440 brachten wir unter der Ucberschrift:.Ist das wahr?" eine uns von der Gewerk- schaftskommisiion Berlin zugegangen« Mitteilung, die nach dem Verbleib von 2235,50 Mark frug, die als Ueberschuß aus Kranzspenden den Hinterbliebenen Sylts überwiesen werden sollten und erst am 9. September der KPD. zugingen. Die Ver- muwng, daß die KPD. diese Gelder für andere Zwecke verwandt hat, trifft nicht zu. Das Geld befand sich vom 24. April bis 9. Sep- ? kemd« tn den Händen«die» unserer Parteigenokfen, der m um I mattete und nicht, wie e» seine Pflicht war, rechtzeitig an die zuständige Stelle ablieferte. Wir stellen diese Tatsachen fest und betonen, daß seitens unseres Parteigenossen weder eine Unehrlich- keit beabsichtigt, noch eine Unterschlagung begangen worden ist. daß dieser die ganze Summe, wenn auch— wie schon betoM — verspätet abgeführt hat. Bei dieser Gelegenheit möchten wir alle Betriebsräte, die etwa noch gesammette Gelder in Händen haben, dringend ersuchen, dieselben unverzügliche abz u l i e- fern, damit sich solche unerfreulichen Zwischenfälle nicht wieder- holen. Streik im Schuymachergewcrbc? Zu diesem am Freitag ftüh gebrachten Bericht hat der Verband folgende Richtigstellungen zu machen: Es muß heißen: Die Arbeitgeber erklärten sich bereit, i folgende Zugeständnisse ab l. Oktober zu machen: Mindeststunden- � lohn 0,75 M. für männliche Arbeiter, 5,25 M. für weibliche in i mechanischen Betrieben und nur 0 M. resp. 4,50 M. in anderen Ve- ! trieben. Bei den Akkordlöhnen wurde ein Teuerungszuschlag für Neuarbeiter von 25 Proz., wie bei den Reparaturarbestern, von ' den geforderten 40 Proz. bewilligt. Ferien sollen nach 12monatiger Beschäftigunasdauer während mer Tagen gewährt werden mit einer Entschädigung von 200 M. Achtung! Seisenarbeiterk Durch Abstimmuno in den Betrieben ist der Schiedsspruch vom 27. September 192l ange- n o m m e n worden. Betrieb«, in denen bei der nächsten Lohn- Zahlung die erhöhten Löhne nickst ausgezahlt uxrden bzw. die Nach- Zahlung nicht erfolgt ist, sind dem Verband der Fabrikarbeiter, Engelufer 24/25, Aufgang C, 1 Tr„ zu melden. Die Branchen- leitung. Die Angestellten der Hut- und INüßenfabrikaklon haben ihren ; Unternehmern Forderungen unterbreitet. Ueber das Resultat der � bisherigen Verhandlungen wurde am Donnerstag in einer Ver- ' sammlung Bericht erstattet. Als letztes Angebot machten dt« Unternehmer das einer Zulage bis höchstens 15 Prozent, was hinter der aufgestellten Forderung weit zurückbleibt. Dabei verlangen sie Verlängerung des Tarifs bis zum 31. Dezember. In der Diskus- sion bezeichneten alle Redner dies Angebot als unannehmbar. Be- tont wurde, daß man zum letzten Mittel greifen müßte, wenn nicht ein angemessenes Angebot gemacht werde. In einer einstimmig angenommenen Resolution wiesen die Versammelten da» Angebot mit Entrüstung zurück. St« erklärten, daß sie sich bewußt seien, mit ihren Forderungen nur das zum Leben Notwendig« verlangt zu haben und gewillt feien, eventuell mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln den Kampf aufzunehmen. vom 3nternakionalen Textilarbeikerkongreß berichteten wir in Nr. 458 des.Vorwärts", daß hinsichtlich der Arbeitszeit die 48stündigt Arbeitswoche als Höchstmaß für zu lang erachtet worden sei. In Wirklichkeit wurde die 44standig« Arbeitswocke (Sonnabends 4 Stunden) beschlossen, bei Schichtwechsel eine tägliche Arbeitszeit von 7 Stunden. Die Buchdrucker in Erfurt stellten gestern in den Zeihmgshrucks- reien die Arbett ein, mit Ausnahme der �ribüne".Druckerei, die bewilligt hat. Die Hamburger Buchdrucker haben heute abend mit geringer Mehrheit über die notwendige Zahl beschlossen, m den Streit zu treten. Ob und wann er einsetzt, steht noch nicht stesft W»MMWMWWMMMMWW»»MWWMW>»MWWMWWW> verann». für den redatt. Teil: Dr. Linier Peiler, Ebnrlohinburg! kür klnzeixn:: Tv. Glocke, Berlin. Lerlag: VorwSrts-Verlag 9. m. b.' Berlin. Druck: Bor« wärtS-Buchdruckerei u. DerlaaZanstalt Bau! Tinaer u. Berlin, Lindenftr. S. LIerz»< Beilaqea»od„Die Wählerln". Ver Lohmann-Koeifer öer vollkommenste! Herr O. SS. in SS. schreibt:.«in außerordentlich zutrieben. Ihr Kneifer ist der vollkommenst-, den ich kennen gelernt habe. Ich inochie ihn nicht mehr missen." In unendlich vielen an uns gerichteten Zuschriften kommt-um Auddruck, daß die Käufer den L o h m an n»K n e i fe r als eine Erlösung empfinden. Die Ursache liegt in dem stet« unverändert gen« angepaßten richtigen Sitz de» Kneifer«, in seinem guten Aussehen, seinem stets tadellos festen Eitz ohne jeglichen lästigen Druck und in seiner großen, jahrelangen Haltbarkeit. Der Lobmann. Kneifer ist»in« wahre Wohltat fttr die Augen und schafft die Voraussetzung für ein« Hebung der Sch- leistung. Wer Augengläser braucht, oder wer mit seiner Brille oder seinem Kneifer nicht zufrieden ist, wende fich direkt ohne Kaufzwang an die Lohmann- Kneifer-Gesellschaft. Berlin IV'. Potsdamer Str. 134a(keine Filialen). Daselbst auch kosten. los«. Aiiqenprüsung. AuSwäriige erhalten Prospekt 2 D kostenfrei. Leipziger Streß e(Versand- Abfeftangf KSafgetreße fosenthaler StreBe Morffzpfatw Strumpfwaren Damenstrümpfe i™*. mutet. 0 kräftig, schwarz a»»» rf'ö Damensir ümpfe fein, schwarz oder farbig........ Damenstrümpfe ÄTW* pelsohl. u. Hoth/era., sdiwarx odAederfarb.■****0 Damensirümpfe /« jeweu/»«- schwarz oder farbig«.«.«.••&05v Damensirümpfe ,.0 Kunstseide, farbig............ Damensirümpfe Tnumueu»__ schwarz oder fein farbig......... OU 50 Herrensocken»««*,... Herrensocken schwarz oder feinfarbig......... Herren-Schwei fisodeen grau, mUielsiark, luß ohne Saht.... Herrensocken«*»•«» mu farbig gesiiekiem Zwickel........ 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Wenn an diese Aufforderung, jemand an den La- ternenpfahl zu hängen, di« Bemerkung geknüpft wird,„weg mit dem Gesindel", sd kann ich nicht anerkennen, daß gerade Sie(zu den Sozialdemokraten) berechtigt wareji, sich über Mordhetz« bei anderen zu beschweren.(Lebhafte Zustimmung rechts.) Wohin wir auch sehen, überall dasselbe Bild. Die behördlichen Organe haben es in den meisten Fällen nicht für notwendig erachtet, die«rforder- lichen Maßnahmen zum Schutze friedlicher Bürger zu treffen. Reichsinnenmiriister Dr. Gradnaucr: Die Vorgänge, die der Redner(Abg. Thiel. sD. Vp.j) erwähnt hat, gehören zumeist vor das Forum der ein- einzelnen Landtage. Ich habe das Material von den Landesregie- rungsn eingefordert, sobald es vorliegt, werde ich«s dem Hohen Hause unterbreiten. Der Vorredner hat zweifellos recht darin, daß sich in den letzten Wochen eine Fülle von Vorgängen zugetragen haben, die für jeden,- mag er rechts oder links stehen, schwer be- drückend sind. Aber wir wollen uns doch darüber klar sein, daß alle diese SZorgänge zurückzuführen sind auf die Unglück» selige Tat von Griesbach.(Sehr richtig! links.— Unruhe rechts.) Nach dem Kapp-Putsch kam eine Linksbewegung, die weit über di« Zlbwehr hinausging. Das ist immer nach solchen Er- eignissen der Fall. In der Arbeiterschaft erwachsen dann Besorgnisse, di« weit über die Abwehr hinausgehen. Die Vorgänge der letzten Wochen sind nur auf diese Tat zurückzuführen.(Zuruf rechts: Nein, auf d'-e Verordnung!) Nein, das ist vollkommen falsch, nur auf die Gewalttat von Griesbach find diese Vorgänge zurückzuführen.(Leb- hafte Zustimmung links— große Unruhe rechts.) Ich kann nicht zu- geben, daß die Verordnung den Anschein erwecken könnt«/ als ob sie sich gegen all« die Parteien richtete, die nicht zu den Regierungs- Parteien gehören. Das war nicht die Absicht der Negierung und kann auch nicht aus der Verordnung herausgelesen norden. Ich habe im Reichstag nachher sofort erklärt, daß sich die Verordnung nicht gegen die Parteien richtet, sondern gegen Elemente, die den öffcnklichcn.Trieben gefährden. Ich habe auch versprochen, daß nur in diasein Sinne vorgegangen werden sollte. Von diesen Grund- sätzen habe ich mich bei dieser undankbaren Aufgab: leiten lassen, die Verordnung durchzuführen. Glauben Sie denn, daß es einem Mann«, der Jahrzehntelang im ZeitunasleCen gestanden hat, Vergnügen macht, Ga-,etien zu schikanieren? Die Schuld daran allein tragen die. die solche Dinge veröfsenlllchen.(Große Unruhe rechts— crrog'.e Zwifchenonck», des Ab». Helfferich.) 2>:r Abg. Thiel hat kommunistische Aus, �Herongen zur Gewalt angeführt. Die Aus» lassung der kommunistifcktsn Jugendzeitschrift kannte ich nicht, sie wäre aber sicher unter die Verordnung gefallen. Die Verordnung ist zweifellos' durch die rechkholschewiskischen Treibereien veranlaßt worden, aber nachdem sie da war, mußte ich sie nach allen Seiten anwenden. Ich Hab« eine große Anzahl kommunistischer Blätter verbieten müssen. Daraufhin haben mir Kommunisten, die mich aussuchten, erklärt, daß die Presse sich allerdings nickt zu öffent- lickien Beschimpfungen hinreißen lassen dürfte. Daraufhin habe ich mich zu einer Milderung herbeigelassen.(Lachen rechts.) Ich würde mich nur freuen, wenn in der Presse der Rechten wie der Linken ein sachlicherer Ton platzgreifen würde. Ich habe mich be- müht, nach Möglichkeit ein« ungerechte Handhabung der 3Z«ror!>- nung Zu verhindern und einzelne Verbot« zu mildern. In den Richtlinien wurde erklärt, daß die sachliche Kritik nicht unter- bunden werden solle, sondern daß nur grobe Ausschreitungen ver- mieden werden müßten. Bei leichteren 3Zerslöße» sollte man sich auf Verwarnungen beschränken. Sei Versammlungen sollte durch ZZereinbarungen möglichst das Verbot vermieden werden. In vielen Fällen hat diese Methode auch Erfolg gehabt. Ich richte auch an die Ilrbeiterschgft das lebhafte Ersuchen, alles dazu beizutragen, um unbesonnene Elemente von Ausschreitungen abzuhalten. Mit Selbsthilfe terro- ristischer Art kann von keiner Seile gearbeitet werden. Es ist Pflicht der Behörden, solche Alt« zu verhindern und für Ruhe und Ordnung zu sorgen, sonst kommen wir zum Kamps aller gegen alle. Eine gewisse Entspannung Sst tatsöätzich im öffentlichen Leben be- reits eingetreten. Ohne diese Verordnung hätten wir viel Schlim- mores erlebt. Die allfxitige Rückkehr zur Sachlichkeit wäre das beste Ergebnis.(Zuruf rechts: Scheidemcmn!) Wik allen Zwischenrufen'waschen Sie Ihre Schuld nicht ab. Den Lurus einer über- bitzten leidenftleaftlichen und bis zu'Gewalttätigkeiten gehenden Kampfesweise können wir uns nicht leisten, linser Volk, muß sein Schicksal mit Würde tragen. Ich will im i�inne eines gesunden vernünftigen Ausgleichs wirken. Sorgen wir dafür, daß wir zu besseren Zeiten kommen. Thür. Staatsministcr Frhr. v. Drandenfiein: Ich muß den Aus- führungen des Abg. Thiel über den dentschnationalen Handlungsgehilfentag energisch widersprechen: wir dursten die Erregung der Bevölkerung nicht noch weiter schüren lassen, die durch die Ermordung Erzbergers hervorgerufen worden war. Es war zu befürchten, daß sich diese Tagung zu einer großen anti- republikanischen Kundgebung entwickein würde. Der Deutsche Handelsaehllfenverband selbst hätte solche Kundgebungen nicht verhindern können. Es wäre doch wohl besser gewesen, wenn der DHV. unter den damaligen gespannten Verhältnissen aus seine Veranstaltung verzichtet hätte.(Lachen rechts.) Dies« Dinge werden hier ja überhaupt nur benutz», um die Rechte als Märtyrer hinzustellen.(Sehr richtig! links.) Die Verordnung ist notwendig aewefen, uno ein Staat, der sie in der damaligen Lage nicht erlassen hätte, den würde mit Recht der Vorwurf treffen, er sei ein R a ch t w ä ch t e r st o a t.(Lebhafter Veisoll links— Lachen mchts.) Abg. koch(Dem.): Mit der Unterscheidung zwischen nationaler und antinattonalor Gesinnung sollte es ein End« haben. Eine andere Unterscheidung ist aber beute nötig, dw zwischen national und n a t i o n a l i st i s ch. Wir halten es für nationalistisch, wenn man versucht, nationale Töne auch dann von sich zu geben, wenn sie dem Vaterlande schaden. Auch nach unserer Meinung kann diese Verordnung nicht aus die Dauer bestehen, denn der modern? demokrattiche Staat kann nicht ewig mir den Mitteln des Polizei- staates regieren. Die ordentlichen Gesetz« müssen genügen, um Gewalttätigkeiten zu vermeiden. Wir wollen die Erfüllung, wir wollen«ine Einigung der Mitte, und ich wünsche, daß erns dem Kabinett der Erfüllung bald ein Kabinett der Versöhnung werden möge. 3ibg. Bnzcrle(Bohr. Vp.): Die jetzige Fassung der Vererdmmg he- dentet einen erfreulichen Schritt auf dem Wege des F ö d e r a! i s- mits. In Weimar fanden wir bayerischen Föderaiistm fast"nie die Unterstüitung der Dentschnationalen. Der Friede ist durch die Tätig- keit der Ba.yerilchen Lolksp'artei, nicht dank der Fähigkeit der Deutsch- nationalen geschaffen worden. Uns kommt es auf positive Pflege des Reichsgedankens an. Abg. Frau Zetkin(Komm.): Zwilchen ims und dem übrigen Hau!« klafft ein tiefer Gegensatz. Einig sind wir ims nur in der Tordarntm des Schutzes der Republik, die des Werk das Prololc.'riafs ist. Der Republik fehlt allerdings nochKzor sozial: Gehalt. Die Vor- ordm.mg des Reichspräsidenten jedocb ist tein Schutz für die Re- publik, sondern ein bayerischer Ausnahme, zustandersotz. Beschwerden sollen vom Reichsratausschuß entschieden werden. Das heißt den Teufel bei seiner Großmutter verklagen.(Heiterkeit. Zuruf rechts:' Na dann also lieber bei Ihnen!) . Ich bin lieber dos Teufels Großmutter als deutschnational. (Heiterkeit.) Ter bayerische Ausnahmezustand liat so viel Opser gekostet, daß er nicht einen Tag länger dauern darf. Die Volks- gerichte in Bayern bedeuten ein« B u r e a u k r a t e n j u st i z schlimmster Art. Wir fordern eine politische Slmnestie auch für Mar- Holz.(Lachen.) Er ist keine entmenschte Bestie. Lesen Sie seine Selbstbiographie, durch welche soziale Hölle er von Jugend an gegangen ist. Wenn die Amnestie auch monarchistische Mörder trifft. ist es nicht schlimm, denn ich bin überzeugt, daß die Mörder Erz- bergers und Gareis doch nie gesunden werden. Die Mehrheits- sozialisten sind nicht Herr im Hause der Republik, sondern wohl« wollend geduldeter Gast. Abg. Dr. Lern-(Komm.): Wir stehen nach wie vor auf dem Baden der Diktatur des Proletariats, ober wir verteidigen auch die gegenwärtige Republik. Eine wirksame Verteidigung istQ(» /\ halsfrei od. geschkws. Dt/.Dw Rock reinwoll. Cheviot SS.•" Kl-a SÄ?. 490.- Kleid Srides-Kasd-.mir'7'Y tt mit Fransen garniert L 13.— Retfcnmaat" aus«qa imprägn. Covertcoat tJ3U*~ Strick jaCaeReinwolle.Rausch, mod. Farben«- M«. oyc Bülts.... zusammen«7 t»/. 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Der Antrag, weitere 10 Millionen für Oppau zu bewilligen, wird genehmigt. Die Be. ratung des Antrages aus Erhöhung der Renten wird zurückgestellt. Da» Gesetz über die Börsen- Umsatz st euer wird dem Steuer- ausschuß überwiesen. Das Hau» vertagt sich. Der Präsident wird ermächtigt, die nächste Sitzung nach dem Stande der S t e u e r b e r a t n n g �»in- zuberufen, mit der Maßgabe, dal der ewe zeitgemäßere Form des Dosksschuklehrerelnkommensgesetzez verlangt. Ein Regierungsvertreler meint, daß man bald dazu kommen müsie, auch aus die Lehrerschaft das neue preußische Beamtenbesol- dungsgesetz zur Anwendung zu bringen. Bei Besetzung von Lehrer- stellen bei einklassigen Schulen seilen nach dem Willen der Staats- regierung nur durchaus erfahrene Lehrkräfte berücksichtigt werden. Es wird Besprechung der Großen Ansage beschlossen. Da ober das Haus gleich darauf Vertagung beschließt, wird diese später er- folgen.— Nächste Sitzung Montag 12 Uhr: Haushall für Handel und Gewerbe.— Schluß 2'4 Uhr. (Schloß»es redattioa-Sea Teil».) vember erfolgen darf. dies« nicht noch dem Z. No- chluß gegen 7 Uhr. Sozialismus und Christentum. Der Landtag fetzt« gestern nach Erledigung einiger kleiner Porlagen die Beratung des Antrage» Braun(Soz.) über die Ablösung der Staotsleistuugen an die Religionsgemeinschaften fort. Abg. Sottschaik(Dem.): Wir müssen der Kirche die Lebensnot- »endigkeiten sichern. Sie hat auch heute noch große sittliche und soziale Aufgaben zu erfüllen. DI« Kirche muß aber eine die»an mir zitierten Presseäußerungen nicht gesallen sind, daß nach dem Mord« In deutjchnatianalen Kreisen nicht gejubelt und der tote Mann belchiuipst wurde. Wenn Sie da» bewiesen haben, dann erst sein. Volkskirche und nicht Parteikirche Abg. Dr. Vredt(Wirtfch. Bg.): Eine Ablösung, wie st« die Sozialdemokraten verlangen, ist nicht möglich. haben Sie das Recht, mir die Unwahrheit vorzuwerfen. Weiter wirft man nur di» Aufreizung zum Terror vor. Wenn ich ein so blutrünstiger Mensch wäre, so hatte ich im November 1018 Gelegen- deit gehabt, Sie an die Laterne hängen zu lasten. Die roten Fahnen in Cassel und Görlitz find von Deutschnationalen gestohlen und zerrissen worden, unddasi st Terror. Graf Westarp sprach schließlich von Notwehr gegen Angriffe mit Gummiknüppel». Die GunimiknLopel für solche Zwecke werden sa bei Ihrem Parteifreund K u n tz« angepriesen, an den müsien Sie sich im Bedarfssalle wenden. Daraus wurden sämtlich« Lniräge, die die Aushebung der Ver- »rdnung de» Reichspräsidenten, die die Aushebung de» Ausnahme- zustand«» in Bayern und ein Gesetz zum Schutze der Republik farder», dem Rechtsausschub überwiesen. Dagegen stimmten die Deutschnationalen und Kommunistin, die sofortige Entscheidung verlangtin. Di« Genehmigung zur Einleitung von Ktrafverfohrin Abg. Schneider(Komm.): Die Kirche ist zur Dienerin de» Kapitals herabgesunken. Abg. König-Swinemünde(Soz., Schlußwort) weist den Abg. Koch(Dnat.) darauf hin, daß das Christentum predigt:„Seid unter- tan der Obrigkeit, die Gewalt über euch hat." Seine S ch i m p s- rede aus die Republik war also unchnstlich. Gerade die größten Geister der Menschheit haben, wie©iordano Bruno und Spinoza, mißerhalb der Konfessionen gestanden. Wer be- hauptet, daß nur die Mitglieder der Religionsgemeinschaften ethische Gesinnung besitzen, beweist damll eine Ueberhebung, die scharf zurück- gewiesen werden muß. Au» echtem religiösen Gefühlt heran» fordern wir baldige Trennung von Staat und Kirche. Der sozialdemotrotifche Antrag wird mit den von der Deutsche» Volkspartei beantragten Zusätzen angenommen. Es folgt die Beratung der Großen Anfrage Herrmann-Frieders- darf(Dnat.) über die Lehrkräfte an einklassigen Volks- schulen. In Verbindung damit werden beraten Anträge derselben Partei über Schul- und Kirchensrogen. Die Große Anfrage begründet Abg. Yerrmann-Friedersdorf, MiS. w«. SW. MMlMM „Alle find eine» Lobes voll über Togal." Frau Anna Schröder, Leipzig, schreibt u. a.:„Schon ost hatte ich Gelegenheit, die gute Wirkung Ihrer Togal» Tabletten zu be« obachieiv Verschiedene Bekannt« vsn mir. denen ich Ihr Präpaiat empfohlen habe, sind alle einet Lobet voll. Bei verschiedenen Iii- lachen stets mit bestem Erfolg angewandt, ist et mir ein Herzen»- bedürsnis, Ihnen zu danken für ein s» gutes Mittel, das ftets und sicher toirlt." Mit gleicher Begeisterung sprechen viele Hunderte über Togal.?» hat sich glänzend bei Rheuma, Ischias, Hexenschuß. Schmerzen in den Gelenken und Gliedern. Gickl. sowie bei Nerven- und Kopffchmerzen beioährt. Em Versuch liegt im eigensten Interesie! Togal wurde llinisch erprobt und ärzttich glänzend begutachtet. 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Qeorges Blanralet, HMupIdanteller die promlneateatea PersönUcb- keiten der deoteebem Bühne and Pilmknnei Harfin Keftner »«p-i iuifl Martini Franz Gross Paul Weslenneler Lotte Werkmeister Herta Rletiter Erna Älberti Mai Landa ala Gast Brano Kastoer als Gast Saselia Gura als Gast Wilhelm Hartsteio Allans Martini Albert Paolig Else Jöriis Erich Härtel Bruno Kästner Albort PaulU APOLLO-THEATER • Uhr Allabentfilsh 8 Uhr Komponisten Fron* Gross Unter persönlicher allabendlicher Leitung Paul Liscke Frau Luna flauptdarsteller; Oscar Salo als Gast, Else Berna, ■artin leltner, Prltzi Ire«. Prltz Sitiil, Bora Hagen, Hart Kieswendl. Original Grlgolalls LuVI- Ballett SONN TAG Cat-kag V am£k BrmäBIgte Preise nachm. IVs tbr»911 LUlllI Original• Besetz. NLO Westcrmekrl —v Säbo läfanva'leO ) I Else Berna ♦ Alöerti •x � a»8�i% > ♦ Oura ♦ Werkmeister» KcttaRiJi�i� ,x ßentsch. Theater 2Vi Uhr: Kabale und Liebe 7>, Uhr: Kcaa Mo. 7; tlerodea aad Marlamoe Rammerspiele 2V,: FrOhllng» trwacbeu Vit U.: Die Jungten» von - Bischolsberg Mo. 7, zum ersten Male: Der HBkiicrhof Gr. Schaospielh. (KarlstraSe) ?/, Uhr; Die Weber (Außer Abonnem.) 7: Die Räuber(AuS. Ab) Mo. 7: Häiiber(lmAbon) U.: Theater in der KOniBGrätzerStr. 3 Uhr: Salome 7 30 Die Fahrt ins Blaue (QllBner, Richard, Engt, Vespermann, Slieda.BiloI) Mi,.; Die Fahrt ins Blaue Dl: Die Fahrt ins Blaue ML; Die Fahrt Ins Blau« Do: Satans Maake— Mit dem Feuer«plelen (Orska, Riemann, Blldt) Frl.: Die Fahrt int Blaue So.: Die Fahrt las Blaue Stg.; Die Fahrt ins Blaue KomßdienhaQS 3: Die Sacke mit Lola Tlgnch 8 Uhr: Max Pallenberg Hans Waßmann in neuen Burletkentchw. Jonsys Busenfreund Berliner Theater 3: Der letzte Waller Ttglich 7-30 Uhr: Gpfnaeffin Casino-Tbeater Lothringer Str. 37 Tflgl 3% zu Volkstum'. A�r. der fjröüte Helterkeilserf. 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Uktuter.'Ml Kr«W Konzert unter Leitung wen CencraimuBlhdlr. Leo Blech .WMWWüM bei freien Eiouttt I BlTiifcner-Seal. Frellag, 3. Okt,?'/, U.; rÜEÜES' Abend| I PRO- MIESELHAUSENr rßBtEIU■Mitwirkend Tenl BlrkmeyM-« jUÄflMn Wr w Solotanz, dWienerStaaUop.§ c U. A.: Szene A d Ballett.Sohetitrazadc", aos deng 2 J�olo—eTzer Tänzen-, Borodht«„OioptBiana",» ,.An der schOnen blauen Donau-,„Bekenntnis",, 1„Titata-Bomm, der Narr" 1—ra Kart 6-30M.'lotet t'OCk.A. Werth., Abendk.— I UiWrhqlfittTg5A�>rfe>< 7* Uhrt 14 VsHsti- Ssnsattomn 1 4 Uhr: TwirvarfBkroajea M fnhin MrfB Kein Wahlzwang. Thaat.«. Kotthas. Ter Sei. SJlotiäpt. 16077 SüULT'.jUbtttRb Soiral. nadim. 5 U. Glte-SsiM - t# tyevzen!— »i«t»oraUl «m. tzelta» Preise «»«. II-II,».«« leSiE-'W Slettlner �SHngerj �-g�Abd». T~ i€ '/, u Stg nehm. Nchm.'/i Nchm.'/fPr VarletgB««. Brtttl Iscnias Spez.'Beh. nur für I.HUIt. OesttU u.Hela. Da «chw. Fälle In l»Ta«:. he*. hierQb.unzntasib. Heilert. besi.n. Ref. 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Ion» bern e« gelten die darin vorgeschlagenen Bewerber ow gewühlte Perl reter der Verliiderten bzw. der Ar» beilgeber znm B wschuh (§•9 der Vahiordnnng). Gegen die SUIttgleit der Wahl tann intterhalb eines siRenate bei dem Borhand oder dem Bersichernagoamr der Eiadt Berlin Einspruch erHoden werden(§ 20 der ©nWotbnun«). Die Amtsperlode der ge» wühlten Vetlteter i«ginnt i am L Januar 1922 10/7 Berlin, den 2. Oftobet 1921. Oer Cocftunb Sasel Hartwann. Bors. Kur Tduenizienstrasse 10• Leipziger Strasse 65 Danksagung er Teilnahme med Beerdigung meine» Für dir vielen Beweise herzlschslei die reichen Blumen, penden bei der B lieben Mannes, unser» Botet» Auw. uw.»ubb, sagen wir Freunden und Briannten sowie der die lieben allen Verwandlen. u�l�U»........ r„w.» Soz. B. b. 9.«c, 72. Abt. SPD. Wilmersdorf, des Verein» d. Gast» u. Schankwirte, Ort«gr. Wilmersdors, keinen Zaad» sreunben und insbesondere Hrn. Stadtrat NteMann fllr die ehrenden Worte am Grabe unseren herglichslen Dank. Im Namen der Hinterbliebenen 8911« Paaffin» Huhn, Wilheimsaue 29. Dtscl). Metailarbeitsr-Yerband Ofrwanar.flsftellf Rerlln/ fi. S1. tlnicnItr.8J-8S Geschäftszeit von vorm. 9 Uhr bis nachm. 4 Uhr Telephon: Amt Norden 188. 1289. 1987.«14 vie»»I»p. bc« 4. Oftobcc.»»eh». Ä Uhr, t)e*»b»-f»»rrieUBchuk'»ha«».vre»ae«er»«r. 116 % Versammlung aller i» bat Schwarzblechbetriebe» Beschäftigten Tagesorbnui, g: I. Die vorhaubla««»»»6»» »chII 4. Oktober,»aih».>'.» Ahr Im Vresbenrr(varien, Dresdener Sir.«Sa ZrsAsksu- Vsrssmmluns aller in d.vuchdnirkmaschinea-Reparalur- werkstSiien beschSskigte« Kollegen Tagesordnung; 1. SteNangnahrne zu einem n»»e» Lahnabtommen. S.«erschiedeuos. 96/10 Die Ortso-f Wartung. Kartoffeln 5M'. WUT m Mnime liefern(• r?ebrndef Uej nemaaD&Potensky nmhtra»; dnakar 41 Hcynemaan Bern» W M.»affaacr S trabe 2 Telege.»Abr: Hcpokartn bcrlia Tel: St»wvl.Z88 M. I?• Uder, 58. 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Die erste Gasanstalt. Jede zweite Taslaterne soll nun wieder in Berlin leuchten. Der »rote Magistrat' will der Dunkelheit, durch die Berlin» Strahen fich infolge der Kriegsnöte auszeichneten, steuern.. Die Sicherheit wird im nächtlichen Berlin wisÄer wachsen, choffen wir, dasj es den Ruf der Lichtstadt, den e» früher mit Recht genoß, in abseh» barer Zeit zurückerobert. Die erste Gasanstalt wurde w Berlin in der Gitschiner Straße durch die englische»Imperial Continental Gas Association' errichtet, und als die Gasflammen am IS. September 1826 zum ersten Male»Unter den Linden' brannten, entlockte dies einer Berliner Zeitung folgende begeisterte Schilde» rung:»Gestern oi-end fahen wir zum erstenmal die schönste Straße der Hauptstadt, die zugleich unser angenehmster Spaziergang ist, im hellsten Schimmer der Gasbeleuchtung. Eine große Meng» Reu- gieriger war durch dieses Schauspiel herbeigelockt worden, und alle schienen überrascht; denn heller hoben wir selbst bei glänzender Illumination die Linden nicht gesehen. Nicht in dürftigen Flamm- chen, sondern in handbreiten Strömen schießt da« blendende Licht hervor, das so rein ist, daß man in einer Entfernung von 20 bis 25 Schritten von den größerin Laternen einen Brief recht gut lesen konnte. Einige Privathäuscr haben schon Gebrauch von der Gas- beleuchtung gemacht; vor dem 5)otel de Rome stehen zwei helle Fackelträger und vor BeUumanns Eafi Royal hängt ein Feuer- zeichen wie auf einem Leuchtturm, so daß man den Hafen nicht verfehlen kann. Bald werden auch die anderen Hauptstraßen auf die gleiche Welse erleuchtet werden, und Berlin, da» wegen seine» erfreulichen Eindruckes, den es am Tage macht, berühmt ist, wird auch bei Nachtzeit den Fremden angenehm überraschen.'— Die englische Gasgesellschaft hatte sich dl» Beleuchtung der öffentlichen Straßen und Plätze»innerhalb der Ringmauern' auf 21 Jahre gesichert und mußte dazu bereits 1883 ein zweites Gas- werk errichten. Im Jahre 1817, und zwar pünktlich am 1. Januar nahm Berlin zwei eigene Gaswerk» in Betrieb, um die übrigen Stadttelle mit Gas zu versehen. Bereits zu Anfang des IS. Jahrhunderts war die Gasbeleuchtung in einer Reihe von Fabriken durchgeführt, und es ist bemerkenswert, aus damaligen Berichten festzustellen, daß die erste Folg« dieser Neuerung— dir Derlänge- rung der Arbeitszeit war. Wenn man nun bedenkt, daß das in diese» Fabriken zur Verwendung gelangende Ga» mit ollen schäd- lichen Verunreinigungen, über die später noch«tnize, gesagt wird. behaftet war. so kann man sich vorstellen, welch widerlicher Aufent- Haltsort diese Fabrikräume waren, in denen freibrennend« Flammen einm ekekhoften Geruch verbreiteten, der auch auf die Atmungs- organe höchst unschädlich einwirkte. Für die verachteten Fabrikarbeiter war eben alles gut genug, und machtlos, wie sie waren, mußten sie diese Mißstände ertragen. Durch spätere Erfindungen sind diese Uebelstände nach und nach beseitigt worden und auch die über- menschstlh lange Arbeitezeit ist nach harten Kämpfen dem Acht- stundentog gewichen. 3m Gaswerk. .Gasometer' nennt der Berliner die für jede Gasanstalt so über- aus bezeichnenden Gasbehälter, die mit dem Messen des Gases gar nichts zu Km haben und lediglich zum Aufbewahren der erzeugten Mengen dienen. So falsch wie dies« Bezeichnung ist auch die Vorstellung, die die meisten von dem Wesen der Gaserzeugung haben, die nun auf ein« Geschichte von mebr al» hundert Jahren zurückblicken kann. Der Rohstoff für die Gaserzeugung sind die als Gas kohlen bezeichneten Steinkohlen, deren reichliche Beschaffung heute mit großen Schwierigkeiten verknüpft ist. Auch die Lagerung der in Berlin benötigten Riesenmengen ist nicht ganz einfach, denn die Kohle hat die unangenehme Eigenschaft, sich an der Lust zu zersetzen, so daß der Gasgehalt erheblich zurückgeht, gltichzeltig aber tritt eine Selbsterwärmung auf, die zur Selbst- entzündung führen kann. Im Tegeler Gaswerk ist zur Lagerung der Kohle ein Riesenschuppen erbaut, der so eingerichtet ist, daß er im Falle eines Brandes sehr schnell entleert werden kann. Der Kohlentraneport wird im Gaswerk durch mechanische Cin> I richtungen bewerkstelligt. Drehkrane mit Selbstgreifern ! entladen die Kähne und Sine Hängebahn führt die Kohl« in das , Lager. Im Osenhau» wird nun das Ga» erzeugt. Ein Gasofen ist im Prinzip nichts weiter als ein mit Steinkohle gefüllter Tiegel, der aus mehr als 1000 Grad erhitzt wird und aus dem man das Gas durch ein Rohr abziehen läßt, um es dann der weiteren Verarbeitung zuzuführen. Jedoch ist die Konstruktion dieser Oefcn, deren Füllung und Entleerung früher eine recht anstrengende und unangenehme Arbeit war, ständig verbessert worden. Im Jahre 1818 wurde in einem Ofenhaus von 1820 Quadratmeter Grundfläche, unter Verwendung von 13 Tonnen Koks al» Heizmaterial, au» 100 Tonnen Kohle 21 000 Kubikmeter Gas erzeugt. Zur Bedienung waren 130 Mann nötig. Mit einem modernen Generatorofen, der nur 375 Quadratmeter BodenflLche, 13 Tonnen Heizkohle und 4 Mann zur Bedienung erfordert, werden aus 100 Tonnen Kohle 35 000 Kubikmeter Gas erzeug', und schon sind unsere Techniker dabei, weitere Vorteile herauszusuchen. Das Im Ofenhaus erzeugte Rohgas muß nun gereinigt werden, sonst würden die Rohrleitungen, Brenner usw. völlig verschmutzen und gänzlich unbrauchbar werden. Di» im Rohgas enthaltenen Dämpfe werden durch Abkühlung niedergeschlagen. Gaswasser und Teer werden dadurch gewonnen, die sich zum Teil schon in der an den Oesen entlang laufenden„Vorlag t", einem breiten wagc- rechten Rohr, sammeln. In besonderen Kühlanlagen wird da» Gas durch Lust und Wasser bis auf 20 Grad Celsius abgekühlt. Durch Waschen mit Wasser oder Eisenvitriollösung wird dem Gase Zyan wasser st off und Ammoniak entzogen. Diese» Waschen besorgen die»W ä s ck e r', große, gußeiserne Zylinder, die in mehrere mit Eisenvitriol gefüllte Kammern geteilt sind und durch die das Gas hindurchstrcicht, während die Flüssigkeit in ständiger Bewegung gehalten wird. Die dem Gase noch anhaftenden schäd- lichen Schwefelverbindungen werden in große? Trocken- r e i n i g e r n entfernt. Das sind eiserne Kästen, die mit Eisenoxyd- Hydrat gefüllt sind, das sich mit den Echwefelbcimengungen des Gases bindet. Jetzt ist das Ga» fertig und kann den Abnehmern oder den großen„Gasometern', den Gasbehältern, zugeführt werden. Nebenproöukte. Außer dem Gas sind sehr wertvolle Nebenprodukte gc° wonnen worden. Zunächst der Kok s, die vom Gas befreite Stein- kohle. Vom Ofenhaus wird er zur K o k s o u f b e r e i t u n g ge- schafft, zerkleinert und gesiebt und kann dann Im Gaswerk selbst wieder Im Qfenhmi» unter den Dampfkesseln usw. Verwendung finden oder verkauft werden. Der Teer wird In Zentrifugen von allen«ässrigen Beimengungen befreit und wandert In die chemischen Fabriken, die au« ihm zahlreiche weitere Stoff« ge- Winnen(z. B. Benzol, Toluol, Naphthalin, Anthrazen usw.), au» denen sich wiederum viel« Stoffe gewinnen lassen, die mit den Wäldern, au» denen sich die Steinkohlenlager gebildet haben, In den Schoß der Erde gesunken sind. Das Gaswasser wird nach einer Destillation in sogenannten Kolonnenapparaten ebenfalls an chemische Fabriken abgegeben, die daraus den bekannten Salmiak- geist sowie Ammoniak und Amwoniaksalze herstellen, die wiederum bei der Sprcngstosscrzeugung, bei der Herstellung von Soda, beim Betrieb der Kältemaschinen Verwendung finden. Niel- fach stellen die Gaswerke auch Slmmvniumsulfht her, da, an die Landwirtschaft al» Stickstoffdünger abgegeben wird. Die R e i- nigungemass, der Irockenrelniger wird zu Schwefel- säur« verarbeitet und R e t o r t e n g r a p h i t, der sich In den Retorten de» Ofenhauses bildet, eignet sich zur Herstellung von Bogenlampenkohlcn. Insgesamt werden in einem modernen Gas- werk aus 1000 Kilogramm Steinkohlen folgende Produkte erzeugt: 800 Kubikmeter Leuchtgas, 700 Kilogramm Koks, 60 Kilogramm Teer. 8 Kilogramm Gaswasser, 8 Kilogramm Zyanschlamm, 8 Kilo- : gramm Schwefel und 2 Kilogramm Graphit. Ein« solche V-rcrbcltung der Kohle ist viel volkswirtschaftlicher . als das einfache verbrennen In Oese» und unter Dampfkesseln, das ! bei der heutigen Wirtschaftslage ganz besonders geradezu eine Vcr- lchwendung darstellt. So werden sich die Gaswerk.' nach lange neben den Elektrizitätswerken behaupten können. Die rastlose Technik wird Ihren Btrieb immer einwandsrctcr gestalten und die Organisationen der Arbeiterschaft werden ihre Macht so zu nutzen verstehen, daß diese Neuerungen nicht, wie e« bei der Einführung der Gasbelsuch- tung geschah, die Lage der Arbeiterschaft verschlechtern, sondern ihr selbst und der Allgemeinheit zugute kommen. Die Niesmacher von Groß-SerUn. Am Donnerstag hatte eine bürgerliche Partei zehn Gemeinde� wählerversnmmlungcn abgehaltn. Einer der Redner bezeichnete«» alz ein Unglück, baß beispielsweise die Slrmenvcrwaltung, die Fürr sorgepflcge und die Schulverwaltung ein Tummelplatz für Utopisten geworden sei. Die Zustände in der Arbeitslosenverwaltung seien geradezu ungeheuerlich. Die Berliner Schulen, die srühcr Mustern anstalten waren unh von den Fachleuten der ganzen Welt bcwunr dert wurden, kenne heute niemand wieder. Unordnung herrsche auf der ganzen Linie. Der kommunalpoUtische Zusammenbruch der Rcichshauptstadt sei bereits da. Besonders in.Erscheinung getreten sei das Versagen der Parteipolitiker bei der Verwaltung der ftädtfa schon Werke und der Straßenbahn. Man habe Fachleute von Welt<« ruf einfach gehen lassen und durch Politiker ersetzt, die gar nicht in der Lage seien, aus den städtischen Betrieben wieder rentable Unter- nehmungen zu machen. Die reine Gemeindeverwaltung für städtische Betriebe sei ein überlebter Begriff. Der ahnungsvolle Leser wird nun meinen, diese Miesmachereien können in so üppiger Fülle nur dem Munde eines Nechtspartsiler« entströmen. Weit gefehlt. Der Demokrat und ehemalige Ber� liner Stadtrat Loehning war es, der mit breitem Behagen Berlin als sozialistisches Sodom zeichnete, und die übrigen Versammlungen waren gleichfall» von der Deutschen Demokratischen Partei einbe- rufen worden. Herr Loehning war zwar so gnädig zuzugestehen, daß in der gegenwärtigen Verwaltung eine Reihe ehrlicher Männer sähe, die das Bestreben haben, gute Arbeit zu leisten, aber, so meinte er dann, et fehlt ihnen doch die fachliche Bildung. Zum Schluß aber kam eine Ueberraschung, da vertrat Herr Loehning plötzlich den Gedanken eines Blocks der Mitte von der Deutschen Volkspartei bis zu den Mchrheitssozlalisten auch in der Stadtoerordnetenversamm- lung. Die Bürgerschaft müsse am 16. Oktober alles aufbieten, um die Partei der Mitte zu stärken und dadurch die Mehrheitssozialisten aus der Umklammerung von Moskau zu befreien. Die SPD. In der Umklammerung, von Moskau! Das Bild ist wirtlich einzigartig. Dabeihatsichdie SPD. niemals von Moekau und den Moskito» umklammern lassen. Wohl aber hat die unausgesetzte Aufklärung der SPD. darüber, daß die mostitischen Methoden nicht nach Deutschland ixassen, unzweifelhaft auch zur Beruhigung und Befestigung der kommunalen Ber- Hältnisse in Deutschland wie in Groß-Derlin beigetragen. Unfern Parteigenossen und Slnhängern kann aber nicht eindringlich genug' vor Augen gehalten werden, daß die D rutsch-D em okra ten in Groß-Berlin heute an der Spitze jener stehen, die mit aller Macht bestrebt sind, der Kommune Groß. Berlin ihre kommunalen Betriebe aufzu- lösen und sie In die private Hand zurückzuführen. Alle diese Wünsche und Bestrebungen bedeuten dasselbe, wie wenn man im Reich die Sluflösung der Staatsbahn und ihre Ucberführung In den Privatbesitz fordern würde, was ja In der Tot auch schon ge- schehen ist. Hier gibt e» gar kein Paktieren. Was Gemeinde- besitz und Gemeindebetrieb Ist, bleibt der Ge- m ei n d e. In der Deutsch-Demokratischcn Partei aber sollten sich alle jene Leute, die entschiedene Eoziqlrcformer, Wohnungsreforme� Bodenresormer, Siedler, Genossenschafter sind, setzt ernstlich einmal überlegen, ob sie es vor sich selber und Ihren Familien verantworten., können, wenn sie am 16. Oktober einer Partei ihre Stimme geben wollen, di« in verantwortlichen und einflußreichen Stellen auch heute noch von einem blinden Haß gegen alle gemeinnützigen Wirtschafts. formen, dafür aber von einer inbrünstigen Liebe für den heiligen Privatkopitalismu» b-seelt ist. der Gtrei? im GaftWkrtsAL?>erbe brinot für dos Berliner Publikum leider große Unzuträglichkcsten mit sich, insbesondere für F'emde und Ledige. Die kleineren Lokole werden allerdings weniger �vch den Streik berührt. Jedenfalls dürfen die Unbequemlichkeiten nicht dazu führen, gegen die Streiken- den Partei zu ergreifen. Das Publikum muß zuletzt auf jeden Fall um 10 Proz. höhere Preise zahlen. Es dreht sich darum, daß die Unternehmer Ihr« Angestellten auf diese 10 Proz. verweisen wollen, anstatt ihnen feste Löhne zu zahlen. Die Kellner fordern mit Recht festen Lohn anstatt eine« unbestimmten, tagtäglich schwankenden „Bedlenungzgeldcs'. Eine ganze Anzahl von Betrieben hat den Aröulein. m l Bon Paul E n d e r l i n g. capyrtzM, 1820, by J. C, Cottasche ßuchhanllung Nacht, Stuttgart u. Berlin Nie hatte Fräulein so ihre Abhängigkeit gefühlt. Nie hatte sie so deutlich geipußt, daß sie Dienende war, wie in oieser Stunde. Langsam wuchs ein Groll gegen dies» Men- schen in ihr empor. Wer waren sie denn alle, was leisteten sie denn, daß sie sich anmaßen konnten, sie wie ein Kind zu behandeln das keinen Willen mehr hatte? Sie waren in den Reichtum hineingeboren— das war alles. Dafür kauften sie ihre Sprachkenntniss«, ihre Armtraft— das war nicht viel—, ihre Geschicklichkeit im Nähen, im Kochen. Nein, sie tauften mehr: sie kauften ihre Stimmung, ihren Leib und ihre Seele. Sie konnte sich nicht ausruhen. wenn sie wollte. Sie konnte nicht bei einer begonnenen Ar- beit bleiben. Ein Ruf genügte, sie irgendwo anders hinzu- schicken. Gewiß, man brauchte keine Gewalt, aber man hatte stärkere Waffen. Man wußte: sie war ein junges Mädchen aus guter Familie, von guter Erziehung.—»s genügte ja ein in sanftem Ton gegebener Befehl, der aber doch immer ein Befehl war und keine Widerred» erlaubte. Und da sie ein junges Mädchen von guter Erziehung war. war sie auch viel* wehrloser als alle dje kräftigen, robusten Dienstmädchen, die � im Görkefchen Haus« aus und ein gingen. Di« hatten ihr«, freien Stunden und wurden grob, wenn ihnen etwa» gegen den Strich ging, und kündigten oder gingen einfach fort. Sie kamen überall unter. Und das»Verändern' hatte keine Schrecken für sie. Ost hatte Fräulein sich über sie geärgert; heute begann sie sie zu beneiden. Wie armselig und jämmerlich steht doch so ein junges Mädchen da, empfand sie; und sie begann zum erstenmal darüber nachzudenken, ob da» so sein müsse und ob ihre Eltern nicht besser getan hätten, wenn sie... Ach, das war olles müß>g. Sie batte nichts Bestimmtes gelernt, keinen Beruf, kein Handwerk, kein Studium. Sie hatte von allem ein bizchen gelernt, ein bißchen Sprachen, ein bißchen Handarbelt, ein bißchen Kochen, ein bißchen Musik, von allem ein bißchen.— Sie selber war nur»ein bißchen'. Sie war Fräulein,,, Und während sie die klein« Eva das Bauen mit einem Holzbaukasten lehrte und gleich darauf dem Mädchen beim Spargelputzen half und darauf Frau Franziüs einen Knopf an einen Handschuh nähte, ließ sie der Gedanke nicht los, daß sie nur»Fräulein" war, daß sie ja keinen Namen hatte und daß sie eigentlich schlimmer als Papagei und Hund daran war. Lothar Franzius würde fortfahren und nicht einmal wissen, wie sie hieß. Wie erbärmlich war das alles! Wie dumm war das Leben... *** Lothar Franzius ging in der stillen Fleischergasse auf und ab. Die Männer, saßen jetzt in den Bureaus, Kontors oder sonstwo, die Frauen bei der Kzausarbeit, und zum Ber- gnügen ging keiner, der Zeit hatte in dieser verlassenen Straße spazieren. Auf einem Fensterblech lag eine fette Katze und ließ sich ihren schwarzen Rücken von der Sonne wärmen. Lothar Franzius, der Katzen liebte, trat zu ihr, streichelte über das weiche, warme Fell und kraute sie am Kopf über den schmalen, seltsam zusammengekniffenen Augen, die wie grüngelbe Glas- stücke im Fell saßen. Sie schnurrt« wohlig und dehnte und streckte sich, soweit es ihre Trägheit erlaubte. Der Himmel wer wundervoll blau. Nur«in paar yer- lorene weiße Wölkchen daran wie Wattebäusche. Am Ende der Straße stand»in alter vergessener Wartturm, der Trupf- türm, viereckig, schmucklos, mit grauaelbem Anstrich. Davor ein dunkelgrüner Kastanienbaum mit prachtvoller weitaus- ladender Krone. Bon irgendwoher klang das»Täterätä, Täterätä' aus Trompeten. Die Soldaten übten wohl in der Kaserne auf dem Wiebenplatz oder aus den grünen Wällen, deren Eni- fernung man plante. Es klang grell, disharmonisch in die Stille de» Sommertages. Er ging wieder zurück, dem Museum zu. Da» Museum war nach alten Plänen stilgerecht wieder aufgebaut. Es war einer der seltensten Fälle hier in. der alten Stadt, die nie Geld genug gehabt hatte, um sich durch Restaurierungen zu ver- häßlichen. Gotische Zinnen und Fenster und Bogen— ja, ja, es war alles richtig: innen die Kreuzgänge, der Remter mit seiner Palmendecke, die stellen Fenster mit dem schönen Maßwerk, der Kreuzgang, der Klosterhof— ja, ja, alles war da. Aber da» Beste hatte der Geheime Berurat, der«» nach- baute, nicht schassen können: die Erinnerung an die Jahr- hunderte, den leichten Modergeruch in alten Hallen und Gängen, der etwas vom Duft sterbender Veilchen hat. Es war kein Zweifel: sie kam nicht. Es war Unsinn von ihm gewesen, sie hierher zu bestellen. Was kannte sie denn von ihm, daß er sie zu einem Stelldichein einlud? Und war sie nicht abhängig von allen möglichen, unmöglichen Leuten? Hermann würde sagen, sie liege in Ketten. Al» e»«ls schlug, öffnet« sich die schwere Eisentüre, von der ein paar Steinstufen zum Borgarten führten. Er trat ein. Früher war unten«in wüstes Tohuwabohu gewesen. Bei seinem ersten Besuch hier batte er erschreckende Dinge gesehen: in wildem Durcheinander Statuen Schopenhauers und Chodo- wieckis. der beiden großen Söhne der Stadt, Büsten der Königin Luise, des alten Ftitz und des Astronomen Hevelius, lebensgroße Gipsabgüsse von Hochmeisterstatuen mit Namen und Jahreszahl ihrer Regentschaft, Michel Angelos Pieta und Moses. Und dazwischen Büsten unbekannter Größen, die ausführliche Lorbeerkränze um ihre schmalen Stirnen trugen. Jetzt waren ordnende Hände am Werk, sichteten, merzten aus und stellten Vergessenes ans Licht. Schnell ging er in den oberen Stock. Da oben hatte er noch das Gefühl, sie könnte inzwischen gekommen sein und jeden Augenblick hier oben auftauchen. Unten wEx das Warten zu unerträglich. Aber bald schämte sich Lothar Fran- zius seines Selbstbetruges. Er ließ dl« alten Niederländer, die ibn sonst entzückten, und ging wieder hinunter, durch den Borgarten auf die Fleischergasse. Ain besten war es, zu Görkes zu gehen. Es blieb wohl kein anderer Ausweg'. Als er die Langgasse überquerte, sah er Hermann Görke. Er stand unbekümmert um die Menschen, die an ihm vorbei- trömten, ihn anstießen und anlachten, und studierte eifrig die 5assade eines gegenüberliegenden alten Patrizierhauses, das n schönem Ebenmaß aufstieg und bis zum Giebel mit Stein- kulpturen bedeckt war.»1563' stand am Giebel. Hermann tand verträumt da, ahnungslos über die Störung des Straßenverkehrs, die er bildete, versiebt bis über beide Ohren in die reichen, üppigen, schönen Formen dieser Steingirlanden. dieser nackten Gestalten, dieser edlen Renaissanceornamente, die dort prunkten. (Forts, folgt) Schiedsspruch bereits anerkannt. Steht das Publikum den Kellnern zur Seite und verweigert vorläufig das„Ve- dienungsgel d", dann müssen sich auch die übrigen Betriebe zum Lohngahien bequemen und damit zur Anerkennung des Sch i e dssp r u ch s. Voni Kartell der i m Gast wirtsgewerbe vertretenen Arbeitnehmerorganiiationen wird uns geschrieben: Nach den Beschlüssen der 11 Nachtversammlungcn wurde Sonnabend früh den Unternehmern der neue Tarifvertrag zur Anerkennung vor- gelegt. Ueberau dort, wo nicht bewilligt oder ausgesperrt wurde, traten die Beschäftigten mit ganz geringen Ausnahmen geschlossen in den Abwehrstreik. Die Stimmung der Arbeitnehmer ist. sehr zuversichtlich. Insgesamt stehen ungefähr 3 3 000 Personen im Aus- stand oder sind ausgesperrt worden. Im Laufe des Tages haben zirka IIS Betriebe im: ungefähr 2200 Arbeitnehmern die Forderungen des Kartells anerkannt. Bemerkt sei noch, daß es sich nicht nur um einen ÄeUnerstreik handelt, sondern daß, die gesamten Arbeitnehmergruppen, also auch die kaufmännischen.und technischen Angestellten, Handwerker, Maschinisten und Heizer, tech-- nischen Arbeitnehmer und Musiker in den Kampf einbezogen sind. Bon den Arbcitgeberorganisotivrken werden durch Kontrollkommissio- nen die Unternehmer, die bewilligt haben, krampfhaft bearbeitet, damit sie ihre Zusage wieder zurückziehen sollen. Ein anderer Konflikt ist zwischen den Brauereien und den Gastwirtsbetriebcn ausgebrochen. Es handelt sich hier um den von den Brauereien festgesetzten Preisaufschlag von 80 Pf. pro Liter. Die Lokalkommission der Gastwirtsoereins hatte an die Brauereien das Verlangen gestellt, daß diese die Bierlieferung an alle Wirte einstellen lallten, die nicht bereit sind, die folgenden Preise für den Liter Bier zu zahlen. Für llproz. Vier in Gruppe 1 der Gostwirischasten(das sind kleine Wirttchaftsbetrieb« und solche ohne Kellner) ki Wn in Gruppe II(Gastwirtschaften mit Kellnerbedienung) ,7 M. und in Kruppe III(Gastwirtschaften mit höheren Aufwendun- gen, Kaffees, Dielen, Bars usw.) 8 bis 3 M. Außer dem Hause soll das Liter Bier 6,50 M. kosten und die Flasche Vier 1,75 M. Ein Teil der Gastwirte hatte eine derartige wucherische Bierpreis< erhöhung abgelehnt und stieß dabei auf den Widerspruch sein«r Kollegen, die jetzt die Brauereien boykottieren wollen, die sich dem Unsinnigen Verlangen nicht fügen. mann Walter Protze, serner die 24jährige Frau Frieda Weise wegen Beihilfe zu verantworten haben. Die Mordtat ist am 11. De- zember 1918 geschehen. Frau Hemberg«: wird von R.-A. H i r s ch o- w i tz. Protze von R.A. Dr. Alsberg und die Weise von R.-A. Dr. G r u n w a l d verteidigt. Die Derhandlung wird unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Dr. Zi e t c n mehrere Tage in Anspruch nehmen. Es find zirka 30 Zeugen und Sachverständige geladen. Einen schrecklichen Tod fand am Sonnabend nachmittag in der vierten Stunde die Ehefrau Maria des Dr. phikk Pohlmeyer, die sich in selbstmörderischer Abstckt infolge von Nervenzerrüttung aus dem vierten Geschoß ihrer Wohnung in der H o r n st r. 17 stürzte, und mit dem Körper ans dem eisernen Gitter des Vorgartens hängen blieb. Da niemand ihr Hilfe reichen konnte, alarmierte man die Löschzüge aus der Schöneberger und Wilms- �us einem Cinbrecherpensiouat. !» Das verräterische 7!o!izbuch. Bekannte Berliner Bühnenkünstlerinnen, die sich sonst als Sterne am Btiitnenhimmel vereinigen, vereinigten sich in letzter Zeit in einem Adressen notiz buch von Mitgliedern der Berliner Verbrecherwelt. Bor einigen Monaten fand in der Wohnung einer Frau Pellegrini in der Potsdamer Straße 92 eine Haussuchung statt, bei der u. a. ein Notizbuch gefunden wurde, in dem unter Angahe der genauen Adresse, unter Bezeichnung der Wohnungslage, der Portierloge und unter Bestimmung der mit- zunehmenden Einbrecherwerkzeuge die Namen von Hanni Weiße, Grete Weixlcr, Mady Christians, Artot de Padilla, Erika Glähner und Molly Wessely oerzeichnet standen. Bei dem Besitzer des Buches, einem gewissen Hans Dörr, wurde ein ganzes Arsenal von Diebes- Werkzeug gefunden, wie Sauerstoffschneidebrenncr, Bohrmaschine und eine moderne Erfindung der„Einbrecherwerkzeugfabrikativns- technir, ein Schrittdömpfer zum Verwischen von Fußspuren. In dem„Pensionat" der Frau Pellegrini, die inzwischen nach Italien abgedampft ist, ging es hoch her. Die in der Nacht gestohlenen Waren, zumeist Schreibmaschinen, Teppiche usw., wurden dort„ver- schärft" und mit dem Erlös Sekrorgicn gefeiert. Gegen mehrere Mitglieder dieser Bande, den Dreher Hans Balte, den Illustrator Otto Lenz und den wegen Hehlerei angeklagten Kaufmann Alex Rosuä, hatte gestern die 1. Strafkammer des Landgerichts II zu verhandeln. Mit Rücksicht auf die schweren Vorstrafen erkannte das Gericht gegen Balke auf 3>- Jahre Zuchthaus zusätzlich, gegen Benz auf 2 Jahre Zuchthaus und gegen RosUe wegen einfacher Hehlerei auf 2 Jahre Gefängnis. Die Verpflegungssätze in den städtischen Krankenanstalten. Der Maoistrat hat dem Beschluß vom 27. September in seiner heutigen Sitzung zugestimmt. Es sollen erhoben werden vom 1. Ok° tober für Erwachsene: 3. Klasse 25 M., für Kinder: 3. Klasse 10 M.(In Fällen akuter Insektionskrankheiten und von Tuber- tulose 6 M.) Für Erwachsene und Kinder unterschiedslos in der 2. Klasse 60 M., desgleichen in der 1. Klasse 100 M. Auswärtige zahlen die doppelten Sätze. Ausländer: 3. Klasse 80 M., 2. Klasse 160., 1. Klasse 240 M. NichtVersicherte Erkrankte zahlen in der 3. Klosse, wenn das Einkommen der Ehegatten 20 000 M. nicht überschreitet, die Hälfte der Sätze für Erwachsene. Der Mord an dem Oberlehrer Dr. Hemberger, der vor fast drei Jahren so großes Aufsehen erregte, soll nun am 6. Oktober zur Ber- Handlung vor dem Schwurgericht des Landgerichts II kommen. Unter der Anklage des gemeinschaftlich verübten Mordes werden sich die S6jährige Frau Elisabeth Hemberger und der 23iährige Kauf- KreMMse öeiträge zur Führung des Wahlkampfcs für die Skadlverordnetenwahlen am IS. Oktober senden Freunde und Anhänger der SPD. auf poskscheckkonko 4S74Z an Alex pagels, SV. öS. Lindenstr. Z. Genossen! Der Wahlkawpf erfordert groge Mittel. Gebt schnell und reichlich. straße, die unverzüglich nach einigen Minuten erschienen und die ohnmächtige Frau nach ihrer Befreiung unter großem Zulauf der Menge noch lebend nach dem Urban-Krankenhaus fuhren, und als man dort den schon eingetretenen Tod infolge starken Blutverlustes und schwerer Verletzungen feststellte, die Leiche nach dem Leichen- schauhause überführten. Die Kinderlescstube Trepiom, Kiefholzstr. 46, Gemeindeschule 1, 4 Treppen, wird am Montag, den 3. Oktober 1921, nachmittags 3 Uhr, wieder eröffnet. Sie" ist täglich, außer Sonnabends, von 3 bis 6 Uhr für alle Knaben und Mädchen von 8 Jahren an un- entgeltlich geöffnet. Die Iugendlesehalle ist in den gleichen Räu» meü von Dienstag, den 4. Oktober ab am Dienstag, Donnerstag und Freitag abends von 6 bis 9 Uhr für alle Jugendlichen von 14 bis 18 Jahren gleichfalls unentgelllich geöffnet. Deralnngsstclle für Kriegsbeschädigte. Die Hauptfürsorgestelle der Stadt Berlin für Kriegsbeschädigte wird am 5. Oktober d. I. im Hause P o st st r. 13, Hof Quergebäude 1 Tr. links, ein« B e- ratungs- und Sprech stunde für in Arbeit stehende Kriegsbeschädigte eröffnen. Diese Sprechstunde findet in Zukunft am Mittwoch jeder Woche von'5 bis 7 Uhr statt. Der Zweck ist, den in Arbeit stehenden Kriegsbeschädigten Gelegenheit zu geben, sich Rat in Renten-, Kranken-, Vcrschickungs-, Erwerbslosenfürsorge. usw. Angelegenheiten zu holen, ohne daß ihnen ein Verlust an Ar- beitsoerdienst entsteht. Borschuß- und andere Untcrstützungsange. legenheiten werden in der Beratungs- und Sprechstunde nicht er- ledigt, auch kann über schwebende Anträge keine Auskunft erteilt werden. Neue InvaUdenverflchenmgsmarken gelten von 1. Oktober ab. Die Höhe der Beiträge richtet sich jetzt nicht mehr nach der Zuge- Hörigkeit zur Krankenkasse, sondern ist jetzt der wirkliche Jahres- arbeitsverdienst maßgebend. Nach dem 1. Oktober können alte Marken für die Beitragsleistung nicht angerechnet werden. Auf die heutige Bekanntmachung im Inseratenteil sei hingewiesen. Vermißt wird seit Freitag, den 23. September, der lljährige KurtBöhmer. Mitteilungen erbeten an die Eltern, Schliemann- straße 22. Bekleidet ist der Vermißte mit braunem Anzug, trägt Kneifer und hat an der rechten Hand ein Feuermal, durch Riemen oexdeckt. Unkosten werden erstattet. Für die notleidend« oberschlesischr Musikerschaft veranstaltet die Ortt- venvaltinig Berlin des Deutschen Musikerverbandcs heute vormittags �12 Uhr in der„Neuen Welt", Hasenheide, ein großes Massenkonzert. Das Orchester seht sich zusammen aus 300 Mitgliedern der Ortsverwaltung und steht unter der Leitung des Musikdirektors Fritz Brase. Wagners Rienzi-Ouvertüre, Liszt's n Rhapsodie, die Walküren-Fantasie von Wag- ner-Seidl sowie TschaikowSkhs Ouvertüre ISITtztehen auf dem Programm. SVD.-Elkernbeirätet Die Sprechstunde im Bezirkssetretariat, Lindenstraße 3, fällt bis Donnerstag, den 20. Oktober, aus. Tprachiebule kür Proletarier. In den nächsten Tagen beginnen die neuen Aniängerkurse in Englisch und Französisch für Kinder von 12— 14 Jahren. Anmeldungen von Montag, den 3. Oktober, bis Donnerstag, den 6. Oktober, 10—12 Uhr vormittag«, in der 24. Gemewde- schule. Hinter der Earnisonkirche(nahe Bahnhos Börse), Zimmer 7, Hof rechter Seitenflügel, Part. Brotkartenftichwort. In der Woche vom 3. blZ 9. Oktober darf Brot und Mebl nur aus die Brotkarte abgegeben und entnommen werden, deren Abschnitte das Stichwort»Kaisers Kaffee ist der beste" tragen. BejirksbildnngsauSfchnß Groh. Berlin. ES wird dringend gebeten, die Karten und Marken für die Festkonzerte einzulösen.— Heute nachmittag 4 Ubr in der Aula der 5. Oberreaischale, Weinmeisierstratze 15, Konferenz aller Bildungsousschußmitgkleder. Tagesordnung: I. Bücherei und Schule. 2. Bericht der BiidungsauSschüsse. 3.�Vorlm. Sensationen gibt es in ihm genug. Da sind geheimnisvolle Morde, verwegene Ucbersälle und noch verwegenere Verfolgungen. an die sich erbitteite Kämpfe mit Menschen und Tieren schließen. Herr Albcriini muß sehr viel Zkrast,'Geschicklichkeit und Wagemut ausbicten, um endlich das geheimnisvolle Treiben einer Mörderbandc aufzudecken, aber dennoch kein»Senlationssilm". Mit großer Geschicklichkeit bat Herr Delmont, der Regi'feur, gewissermaßen ErholungSstältcn für die Nerven in dielcm Film eingebaut. Nach anstehenden Szenen iolgcn ganz ausgewählte und prächtig gelungene Naturausnabmcn. die jeden Naturfreund entzücken können. Alle« in allem: ein gelungenes Werk. Bon dem»Schrecken der Noten Mühle' kann man das nicht sagen, weil unnötig oft die Szenerie wechselt und well dieser Film so ganz daraus eingestellt war, Nervenkitzel zu sein. DaS bindert aber nicht, die Leistungen der Hauptdarsteller anzu- erkennen. Zwilchen den Filmen sah man Chetty Leitard, eine Tänzcrm. mit beachtenswerten Leistungen. Ihr folgte ein recht gelchmockioscr Sketch, der mit' dem Sehnsuchtsrus aller Ludendöriscr:»Es kommt der Tag" schloß und natürlich stürmischen Beifall fand, den unsere Komiker verstehen es glänzend, aus die Tränendrüsen des sentimentalen Deutschen zu wirken und aus diese Weise der Propaganda des Neoanchekrieges Dienste zu leisten. „Tas Verbrechen von Honndsditch" nennt sich ei« neuer Film deS Ambeskonzerns. Der Titel ist nicht sehr glücklich gewählt. Er erinnert zu sehr an Hintertreppenromane. Aber sonst ist der Film einer von den wenigen, denen man daS Zeugnis.gut" geben darf. Die Handlung ist eine stammende Anklage gegen die Todesstrafe. In sehr geschickter Weise wird das Urteil der„Sachverständigen", dte satt immer den Neuerungen ablehnend gegenüberstehen und aus ihre wohlkonservierten Ersabrungen bauen, verspottet. Die Regie ist sehr gewandt und einige Szenen sind geradezu ausgezeichnet herausgearbeitet. Im Mittcivunkte des Ganzen steht die Erfindung eines Chemikers(die Chemiker bieten ja den FUm- dichter« noch unbegrenzte Möglichkeiten zu phantastevoller Betätigung), durch die sich Menschen säst unsichtbar machen können. Türen öffnen sich, wenn der Unsichtbare sie durchichreitct, scheinbar von selbst und noch andere ge- heimnisvolle Dinge passieren und werden durchaus befriedigend zur Dar» stellunz gebracht._ Groß-Serliner parteinachrichten. Alorgen, Montag, den 3. Oktober: 2.»reis. Tiergarten. 7 Uhr Interfraktionelle Eitzung der SlternbeirN« und Srsaßnutgliedcr im Konscrenzzimmer der Gemeiadeschule Bremer EU. 15/17. Sozialistische Lehrer sind hierzu eingeladen. 20. Kreis. 6 Uhr erweiterte Kreisoorstandsfitzung Im Rathau« Wittenau. Di« Stadt» und Bezirksverordncten sind hierzu eingeladen. lt.«bt.(früher 33. Äbt.). 7 Uhr bei Eillwald, Pntbuser Str. Zt, Borstaud«. sitzung. Sämtliche Funktionäre müssen erscheinen. Zt.«bt. TZb Uhr Sitzung der Bezirksführer. Krcisoertreter usw. bei Schütz, Zelterstr. 2. Pünktlich 7 Uhr Borslandssstzung mit Eruppenführer, Run- foren. Erscheinen unbedingt erforderlich. Z7.«bt.(alte 32.). 7(4 Uhr gusammenkunst aller Funktionäre tob sonstigen tätigen Genossen hei Kattner, Sleimstr. tö. Niemand fehle. 30. Abt.(alle 3. Abt.). 7sti Uhr Funttionärkonferenz bei Schirm, Eharlotten- straße 8._____ BERLIN C2 BERLIN C2 Breitestrasse Schwarze Ääntel ■us gutem Wintertneh.......... dl. 51.8»" aus molligem Schleifenstoff...... M. 591•" «us voreflglichem Mohair- Astrachan,*717 ganz auf Futter................. M,/ X/•" aus Velour du Nord, elegante Form,"1 ganz auf Seide................ M. Neuheiten in amen- aus reinwollenem Serge, Popeline, QadsMne, mit Tressengarnierung /ICA ItZCt and Stickerei........... M. /OJv" usw. für Herbst und*®tnter Kostüme a.Kammgam-Cheviot, in marine, M, 575»*" KoSlume a.marineCheviot.m.Tressenbesati.M. 750." 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Bdfxtii tm nfierlifle tyJreis QU. 135 UM. Wmufctfl. OTt Sehoffcn treffen f» j« etnn«tchttsen Dattel. oeKeit pttnftlift 6 Ulir Beim Senossen Kärlich. Rubens-, Ecke Beiiasstraße. Abt. Lempelhof. 8 Uhr bei Echnieftie, FriedriS-Wilhelm-Etr. SV, erweiterte Borstcuchssitzung. Einleitung der Wahlarbeiten. Erscheinen unbedingt er acienders. Die für Montag anberaumte FunktionZrkonferenz muß —-hj..-..-----;_v—j.,..!,:-»—'-egehcn werden. Die für heute forderlich. bt. iifori verlegt werden. Die nächste Sitzung wird rechtzeitig bekanntgegeben werden. LeutralarbeitzausfKuh der SPD.-Eltcrnbeiräte Sroh-Derlinl vvrgesehene Sitzung kann nicht stattfinden. l Arauenveranskaltungen am ZNonkag. den Z. Oktober: $L Abt. Lankwitz. 8 Uhr bei Lehmann, Kaiser-Wilhelm-Straste. Uebermorgen, Dienstag, den 4. Oktober: W, Kreis. 7 Uhr in der 4. kemeindelchule am Bahnhof Schönholz, Eltern» bekatsfltzung. Tagesordnung: Wahl des Vorstandes. Kl. Abt.(frühere 19.). Sitzung fäm.liSer Funktionäre, Detriebsvertraurns- leute, Elternbeiräte usw. bei Sckionack, Samariter-, Ecke Rigaer Strotze. B. Abt. Eharlottenburg. 7f? Uhr bei Lue. Ufnauftr. l. Frauenabend. Thema: Frauenkrankheiten und ihre Verhütung". Ref. Gen. Dr. Jaffee. Gäste willkemmen. Zt. Abt. Zehlendvrs. s Uhr findet beim Genossen Micklcy, Potsdamer Str. 2Z, Borftandssttzung statt.— 58. Abt. Lchoneberg. 7>4 Uhr bei Gürlich, Rubens-, Ecke Beaasstratze, Vor- ftandssitzung. Erscheinen aller Vorstandsmitglieder, Vezirksführer, Kassierer und Funktionäre unbedingt erforderlich. J23. Abt. Kanlsdorf.'i',i Uhr Mitgliedervcrfammlunz im geichenfaal der Schule Adolfstratzc 25. Thema:„Bericht vom Parteitag". Ref. Mlchlmann. flaB aller Welt. Cm©rofjfcuet entstand gestern nach Feierabend auf der Reich smerft in Wilhelmshaven infolge Cxploston eines Saucrstcffbchälters. Di« Holzvorrätc und die Tischlerei sind verbrannt. Der Schaden ist erheblich. Menschenopfer sind nicht zu beklagen. Die chinesischen Skudenken in Lyon versuchten gestern das In- stitut Franco-Chinois zu erstürmen. Der Bürgermeister Herriot ist nach Paris gereist, um die Angelegenheit dem Auswärtigen Amt und dem chinesischen Gesandten zu unierbreiten. Die Situation hat sich insofern verschärft, als die chinesischen Studenten ihre an den übrigen stan.)öfischcn Universitäten studierenden Landsleute zu Hilf« gerufen haben, insgesamt 1500 Studenten. Eine Anzahl dieser traf in Lyon ein. Der Tumult nahm einen solchen Umfang an, daß die beuxissnete Macht einschreiten und die Studenten zer- streuen mußte. Spanisch-afrikanische Kabel. Havas meldet aus Madrid: Der Bau des Kabels von Malaga nach Mclilla ist zu Ende geführt. Sehr bald wird auch das Kabel von Algeciras nach Ceuta fertig fein. Vorträge» vereine unö Versammlungen. gentralverbaAb der Maschinisten und Sei, er. Die Bestchtiaung der Erotz- fktnklnstation Zianen kann leider nicht verlegt werden und findet Sonntag, den ltz. Oktober, statt. 7,15 Uhr früh nb Lrhrtcr Bahnhof. Rückfahrt 1 Uhr. Ttzpfrr. AntzervrbentNche Rligllcbcrverfamm'lllng Montag vormittag iv Uhr im grotzen Saal des Wewerkschastshauses, Engcl-Uscr.„Der Stand unserer Lohnbewegung." Alle Kollegen, ob arbeitslos oder in Arbeit, müssen erscheinen. Mitgliedsbuch zur Kontrollabstempelung vorzeigen. Zcntralvcrband der Schuhmacher. Montag abend 5 Uhr Versammlung de: Betriebsräte der Schuhindustrie bei Aeiiischel, Köpenicker Str. 127-1.— ö'-j Uhr Vraiichcnversaminlung der Friedrichstädtischcn Matzbranche bei Mike, Sebastian- ilratze 89.— 6 Uhr giwste Frauenrersaminlung im Saal 1 des Eewerkschasts- Hauses, Engcl-llfcr 24.„Die Frau im Betriebe und in der Organisation."— Schotz- und Reparaturbranche. Vezirksvcrsammlungen in folgenden Lokalen, abends 7 Uhr: Charlottenburg: Licrfch, Kantstr..>2; Steglitz: Ächnkc, Heri'e- strotze 1: Westen: Wiemers, Bülowstr. ö8: Reukölln: Krämer, Fiethcnstr.«9: Südost: Lokal Skalitzer Str. Wii; Osten: Soffmann, Gubener wir. 5; Norden: Henkel, Usedomstr. 18: Moabit: Marx, Oldcnbiirger Str. 19. Tratlsportaibeiter-Derbaud. Sektion u. Gruppe Rohprodukte: Montag 7 Uhr im Englischen Hof, Alcxanderstr. 27c, allgemeine Versammlung. Bericht der Lohiikommission.— Haiidclshilfsarbeiler und-arbciterinnen aus allen Ve- Achtung, Genossinnen! Funktionärinnen-Konferenz ZIlonkag, den 3. Okkober. abends 61/, Uhr, Schulau!« Sieinstr. 32-34, Tagesordnung: . Iraue'nkag und Parteitag ln Görlitz". Referentin: Genossin Clara Ztohm-Schuch, RI. d. R. s Ferner kiesen: Whn(4:), PeveittzzesShxfe.— 4. Renne«. 1. Mpenrrtse !(®. Janef), 2. Bavaria(Bltmannl, 3. NimtiuS(Ientzsch-. S liefen.— i 5. Rennen. 1. Prämie(®. Janrki. 2. Oberfeldherr(I. Heidt', 3. Herze- - gowina(Kaiser). Tot.: 21:10, Play 10, 2.7:10. Ferner liefen: Arme- nier(4), Blau und Weist, Leonore.— 0. Renne«. 1. Trai di>Behr>, 2. Abenteurer(Kaiser), 3. Äenwiiis(O. Sdinübt). Tat.: 48; 10, PI. 17, 40, 18: 10. Ferner liefen: Paloma(4.1, Lämmergeier, Claudius. Ostflucht, Vestalin.— 7.. Renne«. 1. Hauptmann(Tarrasl, 2. Paukenschläger sHuguenin), S. Wolkenschieber(Olejnik). Tot.: 10: 10, Platz 13, 20: 10. Ferner liejen: Taloppe._ Arbeitersport. Die Freie Tnrnerschaft Wilmersdorf feiert am heutigen Sonntag auf ihren Ncrcinsspielplätzen in der Württemberglschen Strasse von 2 Uhr ob das lö. Stif- tungsfcst. Sportliche Wetlkämpfc, tlirncrifche Vorfiil>rungcn, Reigen der Rad- fahrer, Radball-, Hockey- und FutzbaUspiol werden für angenehme Abwechselung sorgen.� Von ö Uhr ab in Rohrs„Wilmcrsdorfer Stadtpari", Kaiser-Allee öö/Ai, gemütliches Beisammensein und Tanz. Vormittags 9 Uhr Abiurnen. Zwei Schauturnen der Knaben- und Mädmenabteilung veranstaltet der Bezirk Osten der Freien Turncrschaft Schöneberg-Verliii an: Sonnlag von 8 bis ö Uhr nachmittags. Die Knabe» werden in der Turnhalle Petersburger Straße 4, die Mädchen in der Turnhalle Rigaer Straße 8 ihre Turnkunst zeigen. Die JArbeiierschaft des Ostens ist zum Besuch eingeladen. trieben der Lcderbranche. Dienstag 7 Uhr tefchliitzfassende Dranchenversamm- lung bei Schultz, Königsgrabcn 2(am Alexanderplatz).— Gruppe Papier und Pappen. Dienstag ö Uhr Echulaula, Siallschreiberstr. 54o, Gruppenversainm- liing. Stellungnahme zum neuen Tarif.— Handclshilfsarbeitcr und-arbeite- rinnen aus den Betrieben der Engros-Erotzkonfektion, Damen-, Mädchcn-Män- tcl-, Mufen-.vKostllme-, Kleider- und Backfifch-Konfckiwn. Dienstag blü Uhr bei Wette, Poststr. 29, Eruppenversammluna. Erwerbslose Eharlottenbnrgs. Dienstag 19 Uhr Spreestr. 13 Versammlung. SUufobinbcc! Dien siaa ii Ubr bei(brrriktnnnn �Srrriinntifh'. 97. y�orfrunm. lung aller in der Geschäftsbuchbranche Beschäftigten. Tiesbanbetriebsräte. Dienstag 4 Uhr im Ecwerklchaftshaus. Enael-Ufer, Versammlung aller in den Ticfbaubetrieben beschäftigten Betriebsräte und Baudclegierte. Frcigewerkfchaftliche Betriebsrätekarte legitimiert. Zielchsbnud der Kriegsbeschädigten usw. Bezirk Norden 8. Heute vormit- tag 9 Uhr grobe Mossenvcrsainmlung oller Kriegsopfer in der Unionsbrauerei, Hofcnheide 22/81. Montag, den 8. Oktober, abends V>8 Uhr. Bczirksverfamm- lung im Patzenhofer, Ehaussecstr.«4.—«rbeiter-Anglcrbnnd S. B. Bundes- und Drlegiertenverfammlung am Montag, den 8. Oktober, abends 7 Uhr, bei Kulack, Kaiferftr. 49/41. Sport. Rennen zu Grunewald. 1. Rennen. 1 Innoecnz(Jentzfch), 2. Lieberich(F. Conrad), 3. Blücher(Olejnik). Tot.: 22: 10, Platz: 13, 62, 12: 10. Ferner liefen: Adrian Warburg(4.), Esau, Grandioso, Mario- manne, Ritter Blaubart.— 2. Rennen. 1. Sonntagsruhe(Zachmeier), 2. Döbcritz(H. Cell), 3. Glückskind(Kosina). Tot.: 373: 10, Platz 75, 58, 30; 10. Ferner liefen: Erbschleicher(4.), Weckruf, Maikotten, Taktfest, Livland, Was, Haubitze n.—3. Rennen. 1. Nculüst(Ole>nik>, 2. Gassi. poli in(Gorslcr), 3. Eberesche(A. Blonler). Tot.: 30:10, PI. 17, 25: 10. ,—,_____ sin.... Freien Turnerschaft Schöncbcrg-Berlin willkommen. öriefkaften üer Reöaktwn. Briefliche Auskunft wird nicht erteilt.— Jeder für den Brief- kästen bestimmieii Anfrage füge man einen Buchstaben und eine Nummer bei. Eilige Anfragen trage man in der Juristische» Sprechstniide, Llndenftr. 8, 1. Hof pari, links, vor. Echriftstülke und Verträge stiid mitzubringen. Lotte 7. 1. Ja. 2. Nachlatz- und Erbanfallsteuer: erstcrc aber nur. wenn der Erblasser ein Doutslbei! war.. Die Steuer richtet sich«ach der Höhe des Er- werbes.— H. K. 100. Sic haften nicht, wohl aber Ihre Frau.— A. 12. Ilur der Vater des einen Knaben. Ein Anspruch auf Schadenersatz besieht aber nur dann, wenn der Bater seine Anfsichtspslicht verletzt hat.— RO. Zä. Ihre Frage lätzt sich nicht allgemein beantworte». Wir verweilen Sie aus S 73 des Vor- stcherungsgcfetzes iür Angestellte, der unter bestimmten Voraussetzungen ein Ruhen der Rente heim Bezüge von Renlen der reichsgeietzlichen Ärbe'terveestche- rung vorsieht.— I. 5. An die Erwerbslosenfürsorgestells Ihres Ve;irks. Z. K. Die Zeitimgs-Zentrale. A.-G.. ist ein Betrieb, der Zustellungen von Zeitungen aller Richtungen an bie Besteller ausführt. Es ist also wohl mög- lich. baß dieselben Bolen Zeitungen der verschiedensten Parteirichtungc» be. stellen.— E. 1». Den gewünschten Unterricht erteile» die Institute Strahlen- dorf, Beuthstr. 11 und Rackow, Wilhelm str. 49. Gssthästlichs MiLeUungen. Die Herbst. Dintcr-Pceisliste der Firma Heinrich Jordan, Berlin SW. 88, Markgrascnstr. 8(88, ist erschienen und wird auf Wunsch postfroi zugeschickt. Die Preisliste dürfte ein willlkomincncr Berater bei Anschasfnngen sein. Die Firma K. Biese, Ariillericstrabe 30, welche Platin, Gold» und Silber- Bruch sowie Sachen zwecks Selbstverwertung zu den höchsten Tageskursen an- kauft, verweist aus ihre heutigen Inserate. Wetter bis Montag mittag. Etwas wärmer, trocken und dielsach heiter, bei schwachen, dorherrscheud südöstlichen Winden. RaucM; Stambul* Nr. 18* Nr. 40 ■■ iMard-Iaiis"i 1 5 II.Crafi,Leipr.St.7SllS — HOcbste Belelhttnng S a Oiskr„ Reellste» 2«äL Oclegenheitä- jr S GTJV käufe, vdren,!- <« Brillanten, S> N AHir Schmucksach. i. i ■ 16-30°/, unL Ladenpr Q Es lolrnt sieli oor festem Kauf le Preise znuergleiclienü Beispielsweise: MbefeWiie moderne Master rein© War© S;- 130/200«m50 140/230.20?" . 195/300„ 325� Diwanüeeken Persermaatcr* reine Ware 140/280cniM. 118,50 TQI1- Gardinen »bgepaSt, dreiteilig Fenster M. 67,50 Eine große Anrehl Teppiche Peblern MObelttoffe, Oardlpen, Läufers tofle,Tisch- und Uiwandecken, TQIlbett decken, Steppdecken, Treppenläufer Teppiel-Spate re BiiOd-S. Seit Iii? öraisslr. 158 Keine Filialen!! Ifirn- u Nierleibe leiden, Eyphili». frisch u. per- . altet, bei Männern und Frauen; ohne Berufsnörnng. Seilversahren über 2V Jahre bewähr! durch Hunderte tSeheikte.— Sprech- i u. 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Feldmano behand. schnell, gründl.. mögl. schmerzlos u. ohne Berufsstörung Syphilis, Harnl-, Frauenleiden, Schwäche. Erpr. Meth. Harn« u.Blutuntersnch Konigstf.�-3ßA— ,. Spr.>9-1. 5-8, Sonnt 10-1. Rabenstein. Piano,. Stimmungen. ftratze 19. Gelegenheiten, ■«-• am*»;, 18««' Spealal-Inatltut für Oeilmainetismus für-hoh'nungslose Kranke Dir. Martin Schulz 25Jähr. Erfahrung Berlin C, Kaiserstraße 35 (Alexanderpl.) n-Ku. 5-7 MI liüuas Anzüge Alfter ♦ Schlüpfe« bequem« bis kr. Ralenzahlg. Gottlieb ZloUenVorfftr. 22 a• Für bf, Einreibung in die Lohnklasse ist nicht mehr die Zugehörigkeit zur Krankenkasse matzgebend, fondern der tatsächlich gezahlte Lohn, und zwar gilt als Iahresarbeitsoerdienst bei täglicher Zahlung da« Dreihundertfach, , wöchentlicher„, Zweiundfünfzlgfach, „»ehntäglichcr,. Dreitzigfache m vicrzehntäglicher,, Eechsundzwanzlgfach, „ monatlicher,, Zwliffache „ viertel|ährlicher„„ Viersache de, gezahkten, auf volle Mark abgerundeten Entgelts. Für Sachbezüge(Beköstigung, freie Station nfw) gM der festgesetzte Wert. Hiernach find sllr Dienstbotra in Drotz-Bcrlin folgende Marken zu verwenden: bar monatlich und freie Etation vi» 25.— M...... Kl. L-- 4.50 M. Bon 25,01, bis 191,66 M.. C= S,S0. , 191,67,. 358,33., v---- 6.50, »««n», den 28. September 1921. Landesverfichernngsanstalt Berlin vor verstaut» "Um™! die Fahne der Republik j Von Dr. Ed. DAVID Eine neue Schrifl aus Gefdiidjtc u. Gegenwart wider die Ver- iditer der Republik und Ihrer Farben. Preis Mark Buchhandlung Vorwärt, BERUM SW.dt, Linden(lrape Kr.f. iwiräil übermätzlgcnFettaniaz beseitigt a. unschädliche natürl. Art„Graziana" lieber 39 Jahre m. böch- sten Erfolgen bewährt. 39.15.— ,3 tzjat 4.5.50 öttoRcidjel, Berlin« Eisenbahnstr.4 WSsdie-Ho! Ilm Leihhaus Morllzplitf 533 oerkauft staunend billig I Hemden 22! Beinkleiderllv, I Bettbez,79, gr. Tepp, 395, I Künftl.-Gaed,55, Stepp- u, I Diwandecken-Daunenbelt. I Rur Gclegcnheiiskäuse. Keine Lombardware. 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Ein erster Versuch der Schnl-Selbstverwaltung in Berlin. n.*) Nachdem im ersten Aufsatz die Schwierigkeiten dargestellt wurden, mit denen gleich zu Beginn die Einleitung der Vorarbeit zu kämpfen hatte, und nachdem die Einwände gegen die Eigenver» iasfung der Schule widerlegt worden sind, fei es im folgenden ge- stattet, den vollen Rahmen einer sich selbst verwaltenden Schule beispielsweise zu zeigen. Je nach Aufsasiung und Bedürf- nis einer Schule kann der Entwurf in seinen einzelnen Teilen ab- geändert werden. Es steht danach� jeder Schule, die sich am Ver- such beteiligt, frei, die kollegiale Schulleitung auch mit Elternbeiräten m ihrer heutigen, gesetzlichen Form durchzuführen. Vorweg aber noch zwei Bemerkungen. Um jedes Mißverständnis auszu- schließen, soll ausdrücklich gesagt werden, daß die vorgeschlagene Schu�rdnung völlig unabhängig von dem ganz anders gearteten Problem der Gemeinschaftsschule besteht. Wer sich zur SelbswerWaltung der Schule bekennt, braucht damit seine päda- g o g i s ch e Grundeinstellung nicht zu ändern. Auch sollen die aufgestellten Grundsätze in ihrer Anwendung auf die höheren Schulen, besonders in bezug auf die Wahl des Schulleiters, eine Abänderung erfahren. Selbstverwolkung der Schule. JMe Schule ist eine Arbeit«» und Lebensgemein» schaft der Lehrer mit Eltern und Schülern. Sämtliche vollbeschäftigten Lehrer bilden den Lehrkörper, die Elternvertreter der Klassen den E l t« r n a u s s ch u ß, die Schülervertreter der oberen Stufen den Schülerausschuß, alle zusammen den Schulaus- s ch u ß der Schulgemeind«. Der Lehrkörper der Schule entscheidet unter dem Vorsitz des Schulleiters innerhalb der gesetzlichen Bestimmungen und behörd- lichen Anordnungen über alle Schulangelegenheiten, soweit sie nicht ausdrücksich der Beschluhfasiung der übrigen Organe der Schulge» meinde vorbehalten find. Der Schulleiter ist Beauftragter des Lehrkörpers und der Schulgemeinde, nicht Vorgesetzter. Sein Amt ist Ehrenamt, für das eine geldliche Entschädigung nicht gewährt wird. Er wird von dem Lehrkörper auf Z Jahre mit einfacher Mehrheit gewählt und von den städtischen und staatlichen Behörden bestätigt. Wird vom Elternausschuß gegen seine Wahl Einspruch erhoben, so muß eine Neuwahl stattfinven. Für den Einspruch ist eine Zweidrittel- Mehrheit erforderlich. Ein besonderes Auffichtsrecht über die ünterrichtllche und erzieh- llche Tätigkeit der Lehrer hat der Schulleiter nicht. Klassenbejuche macht er im Austrage der Konferenz und in Ausübung der kollegialen Ueberwachung ihrer Beschlöfi«. Wie jeder Lehrer, so ist er in be- sonderem Maße den Behörden für die Innehaltung der Gesetze und für di« Durchführung der behördlichen Anweisungen verantwortlich. Gegenüber ungesetzlichen Beschlüfien hat er da» Einspruchsrecht. Der beanstandete Beschluß darf vor der Entscheidung der vorgesetzten Be» Hörden nicht ausgeführt werden. Di« Lehrer find in ihrer Arbeit der Konferenz und den Be- Hörden unmittelbar verantworlllch. Sie führen kurze Entwicklungs- berichte über ihre Schüler und erstatten der Konferenz, in besonderen Fällen dem Schulausschuß, alljährlich einen Arbeits- und Lebens- bericht ihrer Klafie. Mit den Eltern verbindet sie dos Band der Gemeinschaft. Regelmäßige Klafienelternabende führen sie zur ge- meinsamen Arbeit am Erziehungswerk zusammen. Ohne leben- dige Klassengemeinschaften keine Schule. In allen Angelegenheiten der Kinder seiner Klafie ist der Lehrer die nächst entscheidende Stelle, die Konferenz die Be- rufungsstelle. In schweren, da» Leben der Schule gefährdenden Fällen entscheidet der Schulvusschuß. Jüngere Lehrer, die das Zeugnis der Anstellung noch nicht besitzen, wählen sich au» der *) vgl. den Artikel in Nr. äSS. Reihe der Berufsgenofien einen Berttauensmann, der ihrer allge- meinen pädagogischen Grundauffassung entspricht. Er, wie alle übrigen Mitglieder der Konferenz haben die Pflicht, die Weiter- bildung und Entwicklung des jungen Lehrers zu fördern. Jede Klaffe entsendet zwei Elternverter in den Eltern aus- f ch u ß der Schule. Sie werden mit einfacher Mehrheit gewählt und können sich im Falle der Behinderung und bei Fragen, die ein besonderes Fach- und Sachverständnis voraussetzen, vertreten lafien. Der Elternausschuß ist keine Schulaufsichts stelle, er nimmt unter dem Vorsitz des Schulleiters an allen Fragen des Schullebens beratend und mitarbeitend teil. In eigenen oder mit Lehrern gemeinsamen Ausschüfien widmet er sich vornehmlich der Iugendwohlfahrtspflege und den Fürforgebesttebungen an der Schule. Der stellvertretende Vorsitzende des Elternausschusses muß ein Elternoertreter sein. In allen wichtigen und bedeutenden Fragen des Schullebens, bei ernsten und festlichen Anläfien, beruft der Schulleiter den S ch u l- a u s s ch u ß zusammen. Dieser ist das Bindeglied zwischen Schule und Elternschaft, die Vorbcreitunzsstätte aller An- gelegenheiten der Elternversammlung. In offener, gemeinsamer Aussprache finden Eltern sowohl wie Lehrer und Schüler in ihm Rückhalt und Wegweisung in den sie bewegenden Schul-, Erziehung». und Bildungsfragen. In Angelegenheiten, in denen die Meinung und die Auffassung � der Jugend selbst gehört werden muß, insbesondere in Sachen der ; Schulordnung und Schulzucht, wird der S ch ü l e r a u s f ch u ß be- fragt. Die untere Altersgrenze für die Zugehörigkeit wird auf 12 bis 15 Jahre festgesetzt. Jede Schulordnung ist um so besser, je mehr sie eine Ordnung der Jugend ist. Sie muß vom Gemein- schaftswillen getrogen sein. Der Schülerausschuß setzt sich aus Ver- tretern der oberen Klassen zusammen. Monatlich einmal tritt die Schülergemeind«(Mittel- und Oberstufe) zur Unterhaltung und zur gemeinsamen Aussprach« zu- sammen. Die S ch u l g e m e i n d e ist die Gesamtheit der Lehrer. Eltern und Schüler. Sie ist in allen freiwilligen Gesamtveranstaltungen | der Schule, wie Schulfesten, Vortrags- und Unterhaltungsabenden, Fürsorge- und Iugendwohlfahrtsbestrebungen die letztentscheidende | Stelle. Sie zum bewußten Träger des Schullebens zu machen, ist die Aufgabe des Lehrkörpers und des Elternausschusses. Die Schulgemeinde ist ein Bildungs- und Kulturmittelpunkt unseres öffentlichen Lebens.-- • Vielleicht wird es möglich feiif, nach diesem Vorschlage eine Form der Zusammenarbeit zwischen Schule und Hau» zu finden, die alle Teile befriedigt, und die geeignet fft, den politischen Kampf in der Schule zu dämpfen. Solange die Schule nicht entpolitisiert wird, fft sie kein« Stätte der Arbeit und des Glückes unserer Jugend. Zugleich aber schaffen wir mit der neuen Schulverfassung eine Entfaltungsmöglichkeit und eine Beweglichkeit des Lebens in der Schule, wie sie der Aufbau unserer Kultur braucht. Freilich, da» Wesen der Gemeinschaft»schule ist in dieser Schulfonn nicht gegeben. Sie ist eben nur der Rahmen, in dem stch all« wie neue Weise zu geben vermag. Aber der Entwicklung ist Raum gegeben und der Gegensatz zwischen der alten und der»euen Schul« wesentlich gemildert. Wir dürfen oertrauen, daß unter solcher Form das Leben der noch gebundenen, autorttatioen Schule nach dem inneren Gesetz schließlich in das neue Leben der freien Schule münden wird. Die Gemeinschaftsschule aber, die Schule der freien menschlichen Gesellschaft, ist noch nicht da, wo ein« neue Schulsorm versucht oder gesetzt wird; sie ist da, wo der soziale Mensch, der Mensch der Gemeinschaft lebt und arbeitet. Wilhelm Paulsen. Die Kriegsgesellschast. Eine Zukunftsgeschichte. Die..Krieg»gesellschaft zur rationellen Verteilung von Schweiß- fand" feierte den hundertsten Jahrestag ihrer. Gründung. Die Klub- fessel, au» denen schon ganze Geschlechter von Direktoren und Ver- waltung»röten sanft hindämmernd herausgestorben waren, trugen reiche Blumengewkttde, der Vorsitzende Klubsessel feierte außerdem da» Spezialjubiläum de» dreißigsten Lederbezuges und der Re- gierungsprästdent stellte in beredten Worten fest, wie sehr die Klub- fessel seit dem historischen Jahr 1S14 die Träger und Stützen der deutschen Kriegswirtschaft gewesen seien. Emsig klapperten die Schreibmaschinen in den Bureaus und be- stellten unermüdlich neue Klubmöbel an Stell« der alten, abgenützten, die Fernsprecher in den einzelnen Abteilungen rasselten und klingel- ten: in dringenden Nah- und Ferngesprächen verabredeten Tipp. fräulein», Korrespondenten, Funktionäre und Disponenten rastlos und unermüdlich Sonntagsousjlüge, Tanzzusammenkünfte, Geburtstags- bowlen und Familiennachrichten. Brachten es verdiente, eingear- bettete und routinierte Kräfte der K. G. z. r. D. o. S. auf 2t> Im- Porten im Tag, so spornte da» selbst den jüngsten Stift an, es nicht unter 20 egyptischen Zigaretten zu tun. Es rauchte nur so in den Arbeitsräumen vor Hingabe an die große vaterländische Sache. Fast jeden Monat wurden neue Räume hinzugemietet und wer immer von den Gesellschaftsleitern und Bureauvorstehern Vetter oder Base besaß, der schrieb gleich ein« Karte: �Komme sofort! Hoher Lohn! Gute Behandlung zugesichert. Klubsessel vorhrieite».I»ae«». S«blit«rlat: 8®.«8, Lindevstr. I, i, linl«, » Üreppen recht«. Telephon: Mpl. 12108—1(1. Hevke. Sanntag. den 2. Oktober: chent«»den» find«»»ler Schulentlnfinngoieier»»»««ereln«rdeit». z»0«nd chrvß'Berli« mit antem Programm In folflenben Lokalen statt. «nfan» der Feier» 0 Uhr. 8. Frei«. Weddln«. Zn der Aula de» SchlSer-Lyzenm» in der Pank- straft« 40 41. 0, streio. stallesche« Tor. tzeatral.Inaei dhelm Lladenstr. 8, s. Hos, 8 Treppe». In der B»l« Marlannenplaft Ib. 17. strei«. vstdah».?M tzichtenberaer Zuaendheim, Parka»« 1». Renk»»». Tnohe». Milte lschnle,»onanstr. 120.«ortraa mit Licht- bttdern:„Eine Wondeenag dnrch den Tentoburgcr Wald'. Res. Genosse Richard Timm.«le scholentlassenen Zugendlichen find nebst«lter» her,. Nchst eingeladen. Tie Programme bestehe» an, klar». Lieder» zn» Lank, Volksliedern •»bete« mehr. Gesang. Rezitationen, Mnfiknor- Turnerische»«nssiihrnnge» nnd Morgen, Montag, den Z. Oktober: «anrnschnlenwe». Jugendheim Ernststr. 10, Mitgliederversammlung.— storlohorst. Jugendheim Schule Augustc-Biktoria-Strafi«. Mitgli-dernersamm- lung.— P»e»»la»er Berg. Jugendheim Seneselderstr. 8/7, Sinsllhrungoabend für die Schulentlassenen. (Schlaft des redaNioneTe» Teil,.) Sind Lun�enleiden heilbar? Bei Asthma. Langen- a. Kehlkopltnberkalo»«, Schwindsacht, Langen- •pitsea-Katarrh, Tcraltttenl Husten, Verschlelmung, langbestehender Heiserkeit lese jeder die Broschüre mit oaigem Titel. Der Ver'ssser, Herr Dr med Outtmann, Chetant der FlnsenkuranstaK, zeigt darin in voIksverstSnd- hcher Welse natürliche Weae zur Beseitigung dieser schweren Leiden Jeder Kranke erhält diese Broschüre auf Wunsch vollständig umsonst Man sehreibe arte an"' piidlmsim& Co., Rörlin 224, Wggektr. 25 a. nur karte Z ahne 4 u. 7 Jßk. mtt Tdeclenskautsshuk 5 Jahre schriftl. Garantie. Zahnziehen mit Betäubung bei Bestellung von Gebissen gratis. Kronen v. 30 Mk. an. Spez.: ZfihneohneGaumeo. Keine Luxuspreise. aiw-Praxis JCatvani, flauzitjer Strajle t. Pins 10 Pro». Teaerungszuschlag BERLIN SW. 68 Narkgrafcnstr. 84,88 Heinrich Jordan BERLIN SW. 88 Markgrafcnstr. 84/88 Damcnhieldanö Ritte»»-« velcnem. baumwoll. Fla� OiDSC lch fem. teilen Färb. IIQOO und Streite*, SpoeUorm 0'' Kleiderrock p�Äa,. 75M ICIoiH>«. AbbildaBg, vorzügt WoJI- Mclu Cns-Ibi, mod. dunkle Farbi.t, ml.(arbiter Stickerei Cilut Mnnt»i 1«. Abbildg., prima Flausch- ItlalUei jn„lodcrnen Farben. 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Sczemder 1925 findet am Moniag. den 14. November IS21 In d»r geft von mnnittog« I Uhr die nachmittags R Uhr statt. Die WahNalale werden spätesten« ein« Woche vor der Wahl betanniaegeden. E« stnd von den verstcheeten an» ihrer Witt, so Vertreter und Ivo ErfatzmSuner zu wühlen. ?um Leiter der Wahl iß vom varstandr der ütende ernannt worden. Wahlderechtigi stnd die volljährigen Verficherten der Bttriedslrantentaste der Siadlgemeinde Berlin. Wühibar als Brrireier der Versicherten ist nur, wer bei de» flafle versichert und ooUiühriger Deut» scher ist.. � ,, Weder wahlberechtigt noch wählbar find Vee» flcherungopslichtig«, dt« Mitglieder einer ffrsagtaffe lud und deren eigene Rechte und Pflichten auf hren Antrag ruhen, und wer dir SHitgueou;,.., I freiwillig forisetzi. Die Vertreter der Verficherten Im«uvschust dllr> sen dem Vorstande nicht angehören. i 3m übrigen wird auf die Bestimmungen d« 8«1 der Kaffensatzung verwiesen. 1 1 Die Wahlen find geheim. (brundsögen der Berhöttniswahl nach i stimmung der Wahlordnung g-wöhtt. - Die Wahlberechtigte» werden hiermit aufge- fordert, Wahlvorschläge einzureichen. und»war an den Vorstand der Zetriebolranlenkafie . � der wtadtgemeinde Berlin, hier, Reue Schönhauser |, Straße 1, 2 Treppen, stimmer 5, Registratur I. Nach 8 R der Wahlordnung werden nur solche Bedeutend herabgesetzt haben wir für einzelne Waren unsere Preise: nt, die spätestens vier SctwnrR« Hosen, vorzögl. schwerster Woll- stoff.Friedensqual., Ausnahmepreis H. SS.— Feidgraue Hosen.... von M. 90 an Monteure und OrelianxOge, größte Auswahl, nur in schwersten Qual., Leinen, vorzügliche Ver- arbeitung....... 7?->>d!5 9U.— Wäsche Untortieson..... von M. S.— an Sdinhwätrcn HililSrschniirschuhe, Schaftsiiefel, sowie verschiedene andere Sorten äußerst preiswert, vorzügl. Qual, von M. 99.— an Arbeits- n.BerolsKieidanä Qummlpclorin., unverwüstl. M. 49.— Ledorwuston.... von M. 110.— an Amorikan. und ungllsche Uniformen.. 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Unterläßt ner, so entscheidet da» Los. «« von höchstens ies der llnterzeich. hivorschlag darf höchsten» deeimal so. viel'Bewerber benennen, als Vertreter zu wählen stnd. Die einzelnen Bewerber stnd nnter fort- loufendoe Rümmer auszuführen, die die Steihenfalge ihrer Benennung ausdrückt, und nach AaMilien- und »or. Berlin stellte folgende kommunalpolitlsche Grunöltnien auf: T. Die Gemeinden find ouherstande, aus den ihnen nach den be- stehenden Reichs- und Landesgesetzen osfenstehenden Einnahme- quellen(Anteilen an der Reichseinkommen-, Körpsrschafts-, Umsatz. und Grunderwerbssteucr, Ausschöpfung der Realsteuern, indirekten Steuern, Gebühren und Einnahmen aus werbenden Betrieben) ihre notwendigen laufenden Ausgaben zü decken. ltt Ohne schleunige Aenderung der Reichsgcsetzgcbung gehen die Gemeinden ihrem sinnnziellen Zusammenbruch entgegen. III. Durch die Entziehung des autonomen Zuschlazrechts der Gemeinden zur Einkommensteuer und durch Aufhebung des letzten Rechtes des gemeindlichen Eintommenstcuerrechts hat das Reich die Pflicht, neben seinem eigenen Einnahmebedvrf auch die E x i st e n z der Gemeinden, welche die Aufbauzellen für Länder und Reich bilden, unbedingt sicherzustellen. IV. Dringende Alagnahmen zur dauernden Gesundung der Ge- meinde'inanzcn und zur Erhaltung des Selbstverwoltungsrechl» der Gemeinden. .X. ZNahnahmen des Reiches. 1. Schleuniger und voller Ersatz dv durch Aufhebung des U des Landes st euergefetzes für 1920 ausgefallenen t n n o b m c n. 2. Wtedereinräumung eine»— wenn auch in der Höhe be- schränkten— autonomen Zuschlagrechts zur Reichsein- k o m m e n st e u e r an die Gemeinden oder Erhöhung des Länder- und Gemcindeanteils an der Reichseinkommensteucr von zwei Drittel auf drei Viertel. S. Erhöhung des den Gemeinden als Einkommen- st e u e r a n t e i l vom Reich gewährleisteten Betrages mit Rücksicht auf die fortschreitende Geldentwertung von 2S auf mindestens S0 Proz. Aufschlag zum Ertrage der Gemeinden aus der Einkommen- steuer im Rechnungsjahr 1919. 4. Keine Herabsetzung des Länder- und Gemeinde- anteils an der Reichskörperschaftssteuer im Falle ihrer geplanten Erhöhung. S. Beteiligung der Gemeinden an der Reichs- erbschaftssteuer. 6. Keine Inanspruchnahme der Realsteuern und der Wertzu- wachssteuer durch das Reich. 7. Erhöhung der Ueberweisungen an dl« Gemein- den aus der Reichsumsatz st euer von S auf 10 Proz. des Ertrages. 8. Gleichmäßige Beteiligung der Gemeinden an der Umsatz- steuer der in ihrem Bezirk ansässigen Betriebe und Beseitigung des Ausnahmerechts der Gemeinden am Eitz der Unternehmensleitung. 9. Ueberfassung neuer Steuerquellen an die Gc- meinden(Auto- und Fahrzeugsteuer zur Deckung der Wege- und Strahenbaukosten, Steuer auf Feueroersicherungen zur Deckung der Feuerlöschkosten). 19. Ueberlassung der Gas- und ElettrizltSts- steuer an die Gemeinden. 11. Einräumung eines Zuschlagrecht» zn den Reich»- getränte steuern(Wein- und Schaumwemsteuer, Mineral- wassersteuer). 12. HeraufsetzungderchSchstgrenzefürdle gemeind- Nche Verbrauchsabgabe auf Bier von O.Sö M. auf 10 M. pro chettoliter. 13. Zulassung einer gemeindlichen Besteue- rung der Eisenbahn. 14. Dringende Beschleunigung der Zuweisun- gen aus der Reichseinkommen-, Körperschafts- und Umsatzsteuer und Erstattung der Zinsen für erhebliche Ver- spatung der Ueberweisungen. IS. Volle Vergütung der Kosten für Erfüllung der den Ge> meinden vom Reich überwiesenen Aufgaben(Z S2 de» LStG. als Mutz Vorschrift). 16. Reichsbeihilfen für die nach dem Borgange des Reiches notwendigen Mehrausgaben der Gemeinden für B e f o l- düngen. 17. Uebernahme der Kosten für Abbau der Borsifculen und Ausführung de» kommenden Reichsschulgesetzes durch da» Reich (zum mindesten zu zwei Dritteln). 18. Baldigster Abbau der Erwerbslosenfürsorge und Ersatz durch die Arbeitslosenversicherung mit ge- eigneten Uebergangsbestimmunqen zwecks Verhütung einer wesent- lichen Erhöhung der Armenkosten. 19. RüOübertragung der Veranlagung und Er- Hebung der Umsatz- und Gerunderwerbs st euer auf die Gemeinden. 20. Ausschaltung unnötiger Hemmungen der Gemeindesteuern durch Eingriffe der Finanzämter wegen entgegenstehender über- wiegender Interesien der Reichsfinanzen. 21. Beschleunigte Ausübung des Einspruchsrecht« der Finanz- ämter nach ß S de, Landessteuergesetzes zwecks Vermeidung von Steuerausfüllen der Gemeinden. 33. Mastnahmen der Länder. 1. Verteilung des Anteils des Landes und der Gemeinde an örtlichen Aufkommen der Reichseinkommen st euer(zwei Drittel) nach dem Verhältnis der Einkommensteuereinnahme des Landes zu dem der Einzelgcmeinde im Jahre 1919(i n d i o i d u- e ll e V e r t e i l u n g). 2. Schleimigste Verteilung der vom Reich den Ländern über- wiefenen Einkominenfteuerantcile an die Gemeinden. 3. Maßnahmen entsprechend zu A Ziffer 3. 4. Keine Inanspruchnahme der Gewerbe- steuern. S. KeineJnanspruchnahme der Grund- und Ge- bäude steuern, im Notfalle Beschränkung der staatlichen Vor- ausbelastung der Gemeinden und Gsmeindcverbände unter Berück- sichtigung der Grundsteuer zugunsten des Hauptbedarfs der Leistungs- fähigkeit der Steuerpflichtigen. 6. Einführung einer Grundsteuer nach dem ge- meinen Wert für Stadt und Land durch Landesgesetz. 7. Keine Inanspruchnahme der Wertzuwachs- steuer durch das Land. 8. Entlastung des Gemeindeschuletats. 9. Voller Ersatz der Kosten für Erfüllung der vom Staat den Gemeinden überwiesenen Aufgaben einschließlich der Sicherhctts- Polizei. 10. Freiheit der Selbstverwaltung auch im Rahmen der mi- nlsteriellen Mustersteucrordnungen. 11. Acußerste Beschleunigung der Genehmigung neuer Steuer- ordnungen zur Verhütung von Steuerausfällen der Gemeinden. C. Mastnahmen der Gemeinden. 1. Hebung vernünftiger Sparsamkeit in persönlichen und sachlichen Ausgaben als höchstes Gebot einer gesunden Finanz- Politik. Ausstellung eines klaren und übersichtlichen Haushaltplanes ohne künstliche Berdeckung von Fehlbeträgen, sachgemäße und sparsame Verwendung der im Haushaltplan zur Verfügung gebaltenen Mittel, ständige Kontrolle des Finonzstanves durch periodische Uebersichten über Einnahmen und Ausgaben, peinlichste Aufstellung einer jährlichen Vermögens- Übersicht. 2. Ausnutzung aller Steuermöglichkeiten der Gemeinden unter Berücksichtigung der individuellen örtlichen Ver- hältnisse. 3. Erhöhung der Gebühren entsprechend der Geldent- wertung, soweit nicht soziale Rücksichten dieses verbieten. 4. Höchstmögliche Steigerung der Wirtschaft- lichkeit der Gemein debetriebe. v. Genaueste Prüfung der Wirtschaftlichkeit neuer städttscher Unternehmungen vor ihrer Einrichtung. Der Geschäftsführer Dr. 5)aekel, Berlin, teilte mit, daß ver- Handlungen, der Aenretsr der großen Kommunalverbände mit den verschiedenen Fraktionen des Reichstag» und der Einzelparlamente geplant sind, in denen die prekäre Lag« der Be- meinden dargelegt werden soll. Der zweite Dcrhandlungstag galt vor allem dem Entwurf einer» neuen preußischen StäöteorSnung den. Beschlußbehörde und Derwaltungsgerlcht ist in den in diesem Gesetz bezeichneten Fällen für Städte der Bezirksausschuß. Die Leitsätze haekels werden einstimmig angenommen. Angs- nommen wurde ferner«in Antrag 3 unk(Sommerfeld) aus beschleunigte Verabschiedung der Aussührungsanweisung zum Gesetz über die Erhebung einer Abgabe zur Förderung des Wohnungs- baues, ferner ein Antrag auf dringendste Beschleunigung der Bett anlagung zur RAcheeinkommensteuer. Gegen eine ansehnliche Minderheit abgelehnt wurde ein sozialdemokratischer Abänderungsantrag aus Durchführung des Einkammersystems. Mtt dem gleichen Stimmenverhältnis wurden die weiteren sozialdemokratischen Anträge auf Verleihung � des aktiven Gemeindewahlrechts an alle Personen beide»? lei Geschlechts vom vollendeten 20. Lebensjahr« an und die Ver. leihung des passiven Wahlrechts an eine sechsmonatige Ansässig- keit(setzt ein Jahr) im Orte zu knüpfen abgelehnt. Ferner wurde abgelehnt der sozialdemokratische Antrag, daß der Bürgermeister, sein Stellvertreter und die Beigeordneten von den Stadtverordneten zu wählen sind und daß die Wahldaner von den Stadtverordnete» zu bestimmen ist, höchstens aber 12 Jahre betragen darf. Dagegen wurde ein iveiienzr sozialistischer Antrag, bei einer großzügigen Derwaltunqsreform den Frauen die gleichen Rechte einzuräumen wie den Männern, angenommen. Darauf wurden die Seitsätze Beuans einstimmig angenommen. Referent Oberbürgermeister Dr. Bella», Eilenburg, stellt« sol- de Leitsätze auf: Es ist zu verlangen, daß in den neuen Perwaltungsgesetzen in Rechte gewährleistet klarer Form ausgesprochen wird, 1. daß für alle Städte gleiche werden, 2. daß den Städten weder in kommunalen noch in polizeilichen Fragen Landrat und Kreisausschuß übergeord- net werden, und 3. daß da, Ausscheiden der kreisangehörigen Städte aus dem Kreisverbande, besonders durch Herabsetzung der Kreisfreiheitsgrenz«, erheblich zu erleichtern ist. Nach einer Reihe von Einzelforderungen wird dann weiter für die Beratungen zur Venvattungsresorm eine Novell« zu den bestehenden Städteordnun- gen unter folgenden Gesichtspunkten verlangt: I. die Anpasiung der Wahlrechtsbestimmungen an das Wahlrecht für die Landesversammlung, 2. Erweiterung der Befugnisse der städtischen Selbstverwaltungen nach den Vorschlägen des Stoatsminlsters Dr. Drew», S. Aufhebung der Ausführungsinstruktton zur Städteordnung vom 20. Juni 18b8 und de» Ministerialreskriptes vom 26. Januar 1890, 4, die Durchführung der vorstehend gemachten Darschläg« sowie Anerkennung fclgender Grundsätze: Die Aufsicht des Staates in den Städten übt in allen kommunalen und pollzellichen Ange- legenheitcn der Regierungspräsident unter der gesetzlich geregelten Mitwirkung des Bezirksausschusses au». Die Aufsicht darf weder dauernd noch vorübergehend an andere Behörden übertragen wer- Zührertasiung tkv öeutschenJugenöverbänAe Der..Ausschuß der deutsche Jugendverbände", dem etwa 40 der bedeutendsten Jugendorganisationen angeschlossen sind, veranstaltete in der Zeil vom 13. bis 22. September feine erste größere Tagung m Bad Brückenau in der Rhön. Die Konferenz vereinigte über 100 Vertreter der verschiedensten Gruppen und jede berichtete über das Thema:„Die Entwicklung der deutschen Iugendverbünde ! seit Kriegsende". Die Buntheit in der Zusammensetzung der Tei� � nehmer gab der Veranstaltung ein eiaeues Gepräge. Es zeigte sich > deutlich, wie in allen Juaendarganisatianen die Jugendbewegung die Jugendpflege-zurückgedrängt hat. Damit verbunden ist eine Neu- orientierung in der Jugendarbeit überhaupt. Drei özauptgruppen zeichnen sich schon setzt deutlich ab: konfessionelle, völkische und sozialistische Jugendbewegung. In diesen drei Gruppm haben sich die positiven Elements der Jugendbewegung vereinigt. Sie zeigen in ihrem Wirken um die Ersuilung ihrer Ideale neue Wege zur Austragung der Gegensätze auf, die sich ohne Zweisei in kürzerer oder längerer Zeit auch im politischen Leben bemerkbar machen werden. Am ersten Tage kamen die evangelischen und katholt- schen Iugendverbände zu Wart. Unter dem Namen:„Katholische Jugend Deutschlands" sind hier etwa eine halbe Million katholischer Jugendlicher vereinigt. Weiter ist es jetzt zu einer„Internationale der katholischen Jugend" gekommen. Am zweiten Tage sprachen die Iugendgruvpen der deutschen Turnerschaft und des Jungdeutschlandbundes. S,e versuchen zwar auch den Anforderungen der neuzeillichcn Jugendarbeit gerecht zu werden, aber das gelingt hier nur in sehr beschränktem Maße. Dtan stellt sich aus den berühmten Baden der gegebenen Tatsachen und kann trotzdem nicht verhindern, das-, das alte Gewand immer wieder durchschimmert. Nach ihnen berichteten die I u g e n d g r u p p e n d« r B e r ii f s o r g a n i s a t i o n e n. Die Aufgaben ihrer Jugend- pflegearbeit liegen oikf anderem Gebiet. Hier kommt es darauf an, tüchtige Gewerkschafter heranzubilden. Sehr stark zeigte sich die Notwendigkeit des.,.„... Antchlusies der J'igevdsckiionkn da? freien Gewerkschafke«, die infolge ihres Fehlers nur kurz in d-m Referat des Genossen Westphal üb-r die sozialistische Jt-aendbeweqimg. da» am Bor- mitta' des drillen Tages erflaUst wurde, Erwähnt werden konnten. Vor Westphal svrach nach b-r Deniolrat Dr. Momm en über Juaend und Politik. Seine aesunden Ansichten über diese äußerst wichtige Geaci'.wnrtskrage bild.-len eine gute Grundlage für die Aus- führungen Mar WestPhals, der die Entwicklung der f o z k a l i st i- s ch e n I u g a n d b e m e g u n g Vit Kriegsschluß treffend darlegte Er besprach eingehend die aewaltige kulturelle und Erzlehungsarbett unserer Bemeaung. Den Abschluß der Tagung bildete ein gesellige, Beiiamwensein und eine gemeinsame Wanderung, die den erfolg» reichen Arbeitstagen einen harmonischen Ausklnng gaben. Mit d--r Veranstaltung war noch eine Dallversammlung des Ansschusies verbunden, in dar auch eine Neubesetzung der Leitung erfolgte Zum 1. Vorsitzenden Millde Generalpriises M osterts vom Verband der katholischen Jugenh- und Jungmannerverein« Deutschlands, zu seinem Stellvertreter Erich Verband der Arbeiterjugendvereine Deutichlands gewählt.'-" tvchluh de,«daktlsneven Teils.) Stoffe Ilir iljrren- Düd Damen-Bekleidung he-ie F.ifir, gr. Au, wähl, Verit. mcterwelsa Koch& Seeland£ Görtraucrtenstrpße 20—21,• Jil. j" 1 J.Ji Danton• Halbschuhe Boxiaif miero Ledenrten, mit Spang», b. T.»um QCOO Sohnttren...................... Extra billig SFQ Damen• Hslbschuh« braun und aebwara, lum Sdintirea od. mit ßvarg«,*.T. eebt C'bevreau................. 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