to ä Ii— 9R. ä Anzeigenpreis: hlbar. Poft- JKjSSm/ ▼/\ M\ Die«eungefpaltene Ronpareillezeile LemMLZu. MM'iM'-f�rrnf An ▲ v AN. A V.A.> � �. M ioftet 6,- 3Ü.„fllelae«nz-Ige»" [tSMrn. unh I HB.An An, Bl das I.Itgedruckt. War! Z- M.«zu. hemals beut. H'iKkT�K f HU r lässig Mei lettgebruckle Dort.,, jede, Oesterreich,» WI � Ms T/ M B H M Ms Wflf I weilere Wort l- M. Slelleng.such. !2,— M.. tiic HB BS B» Wk f L RB i|H SB wB r/ reH r*4 und Tchlassiellenan, eigen da» erste - M. Post» JESB H�SH HH HB V# l HB SB MB, HB Bn|H IA> P �e Wort L— M. jede, weitere Wort Ä M M II| III|| 1�1 BIX ÄÄrarr rg, toqnjcoen V.M M MM M WM M M-�WHMs»eigen sllr Tdonnenten Zeil.»Ä, M. r Sonntags» Ml HB M»B � JSm� JEÄV M �f/ BH j Die Preise verstellen stch einschließlich !.n'und"der M M 7/■ Teuernng�uschiag. »Inngattnr* MMd» � �/,m«B�'?n, eigen svr die ntich st e Nummer d�di'�dM»» J 4 müssen bi, ö Ahr nachmittags im "nmou„|,# � �*««•r~�S Hauptgeschäft,»erlin 6® 68, Linden» &.- Vevulrev 3DöIus*uIatt•�SÄÄ.sr Zcntralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands nc.467 ♦ Z8. Jahrgang Ausgabe tK Nr. 2ZH VezugSprei PierteljährL ZS,— PL, moi trei ins Hau«, voraus za dezug: Monatlich 12.— N stetlunosgebsthr. Unterst Deutschland, Danzig, dai Memelgediet. sowie die e schen Sediete Polens, Ungarn und Luxemburg! da» übrige Ausländ 29,- destellungen nehmen an Ungarn, Tschecko» Slow moit Holland, Luxembui und die Schwe Der.Borwärt»" mit de deilage.Volt und Zeit", lialtungsdeilage.Heraim Beilage.Siedlung und erscheint wochentäglich zw tag» und Montag» Telegramm» Adr «Sojiafoemotcol: Morgen Ausgabe c OroS• Berlin 30 Pf, auswärts 40 Pfennig D Neüaktion and Expedition: SW öS, Lindenstr. Z '?-»rnkt,r«>-I,rr' Redaktion Morihplatz lSI«!»—»7 »termprecyer. Expedition Moritzplah II7a3—.54 Dienstag, den 4. Oktober 19�21 Zrage an Demokraten und Zentrum. Die Konferenz in üer Reichskanzlei. Die gestrige Besprechung der Parteivertreter beim Reichs- kanzler beschäftigte sich in der Hauptsache mit dem Steuer- Programm. Von sozialdemokratischer Seite wurde kein Zweifel daran gelassen, daß eine Umbildung der Regierung nicht in Betracht gezogen werden könne, solange in dieser Frage nicht volle Klarheit geschaffen sei. Das Projekt der Devisenbeschaffung durch die Industrie liegt aber noch ganz im Ungewissen, zumal die Hauptvertreter der Industrie noch nicht aus München nach Berlin zurückgekehrt find. Eine ungeklärte Frage ist auch, in welcher Weise freiwillig beschaffte Kredite auf die Besitzsteuern und ihre Erhebung Einfluß gewinnen sollen. In allen diesen Fragen wird man erst klar sehen, wenn die Konferenz stattgefunden haben wird, die der Reichs- kanzler Dr. Wirth in den nächsten Tagen mit den Vertretern von Handel, Industrie und Landwirtschaft haben wird. In der Frage der Heranziehung der Unabhän- g i g e n zur Regierungsbildung soll nach den gestrigen Be- sprechungen der Wea schriftlicher Erklärungen eingeschlagen werden. Die Sozialdemokratische Partei wird an Zentrum und Demokraten mit der Anfrage herantreten, wie sie sich zum Antwortschreiben der USP. vom 1'. Oktober stellen, die bürger- lichen Parteien werden darauf schriftlich formulierte Ant- worten erteilen. Mündliche Verhandlungen über die Frage der Re- giervngsbildung im Reiche werden voraussichtlich nicht vor Mitte nächster Woche wieder aufgenommen werden. * Die„Freiheit' berichtet über ein« Provmzialkonferenz Berlin. Brandenburg der USP.. in der Crispien erklärte, es sei nun Aufgabe der USP., die Entwicklung derOpposition in der Sozialdemokratie mehr und mehr zu fördern. Die„Rechtssozialisten' versuchten durch ein ganz raffiniertes Manöver den Un- abhängigen die Verantwortung zuzuschieben. Wir können nicht verhehlen, daß diese Ausführungen Crispiens in der Sozialdemokratischen Partei, nicht zuletzt bei der sogenannten „Opposition', stärkstes Befremden erregt haben. Die Genossen, die den Görlitzer Beschluß für verfehlt halten, denken nicht daran, sich zum Objekt eines„raffinierten Manövers' machen zu lassen, das darauf hinausläuft, sie gegen die eigene Partei auszuspielen. Im übrigen wäre es besser, nicht von„raffinierten Manövern' zu reden. Wenn man nur daran denkt, einander Knüppel zwischen die Bein« zu stecken und stch gegenseitig mit Dauernschlouheit übers Ohr zu hauen, wird die gemeinsame Sache der politischen Arbeiterbewegung nicht gefördert. Wir würden es bedauern, wenn man auf irgend- einer Seite die Frage des Eintritts der USP. in die Regierung als ein bloßes taktisches Intrigenspiel behandeln würde. Wie wenig das von»ns beabsichtigt wird, haben wir im Leitartikel des gestrigen Abendblatts dargelegt. Aus parlamentarischen Kreisen wird uns mitgeteilt, daß dem Reichsminister des Innern Dr. Gradnauer von dem sächsischen Mi- nisterpräsidenten Duck die sächsische Gesandtschaft in Berlin angeboten und mitgeteilt worden ist, daß die Regierung Sachsens ihm in aller Kürze offiziell die Gesandtschaft in Berlin übertragen werde. Dr. Gradnauer hat sich dem sächsischen Ministerpräsidenten gegenüber bereit erklärt, gegebenenfalls dos neue Amt anzunehmen, gleichzeitig aber gebeten, die Neubesetzung nicht vor der end- gültigen Regelung der Koalitionserweiterung im Reich vorzunehmen. Sonnabenü Entfcheiüung überGberfchlesien Genf, Z. Oktober. lWIV.) Wie man von gut unterrichteter Seile versicher«, wird der VSlk-rbundral feine Entschei- du ng in der oberschlesischen Frage am Sonnabend, spätesten, am Sonntag, bekanntgeben. S a t t o w i h. Z. Oktober. Die deutschen Gewerkschaf. len Oberschlesien» haben am 1. Oktober folgendes Telegramm nach Genf gerichtet: Herrn Erich Drummond. Generalsekretäre des Völkerbundes. Genf. Die Unterzeichneten bitten, den zur Vernehmung durch den völkerbundrat nach Genf berufenen deutschen Gewcrkschastsverlre- tern Ehrhardt, Franz und Griese folgendes zu übermitteln, da die Adresse der Herren hier nicht bekannt ist. Die deutschen Gewerkschaften ersuchen ihre nach Gens berufe- neu Vertreter, den völkerbundrot um Entsendung von ver» lreter« des völkerbundroles noch Obers ckilesien zur Prüfung der Frage zu bitten, vei der unabsehbaren De- d e u t u n g der bevorstehenden Enffcheidung ist die P r ü s u ng aller Verhältnisse an Ort und Stelle unabweisbar notwendig. Diese örtlich« Prüfung kann auch durch die mündliche Vernehmung unserer Vertrauensmänner in Gens nicht ersetzt werden. Allgemeiner deutscher«ewerkschastsbund. Deutscher Gewerkschaflsbund. Gewerkschaft, ring. Ein Provisorium? Genf. Z. Oktober.(TU.) In der Behandlung der oberschlesischen Frage scheint insofern ein neues Moment eingetreten zu sein, als man In bestimmten englischen Kreisen neurrding» auf eine B e» schleunigung der Entscheidung drängt, von dem Völker» bundsekretariat nahestehender Seit« verloutet, daß starke Neigung bestände, die Pläne des englischen Majors O t t l e y, welcher sich, wie erinnerlich, seinerzeit al« Sachverständiger in Oberschlesien auf» gehalten hat und erst aus Betreiben des Generals L« Rond feinen Pasten verlassen hotte, erneut zur Diskussion zu stellen. Ottlen hatte seinerzeit die Errichtung eines frei staatlichen Ober- s ch l e s i« n, propagiert und die Einführung einer besonderen Währung verlangt, zu deren Sicherung und Deckung er die Sach- «erte der oberschlesischen Montanindustrie verwendet wisien wollte. Man will von englischer Seite auf diese ursprünglichen Pläne des- halb zurückgreifen, um sie nötigenfall, für ein Provisorium zu verwenden, bi» die endgültige Entscheidung über Oberschlesien ge- fallen sein wird, deren Termin infolge der fron, ösischenHin» haltungstakt ik immer noch nicht al, bestimmbor angesehen werden kann. völkerbunösarbeiten. Di««ölterbandversommlung beschäftigte sich in ihrer gestrigen «oemittagssttzung«It den albanischen G r e n, f r a g- n. über die sich Albanien. Griechenland und Jugoslawien streiten. Nach langer Debatte wurde einstimmig beschlosien, die Bot- schafterkonferenz zu ersuchen, die Grenze so rasch wie möglich fest- zusetzen und eine Unleksuchungskom Mission durch den Mat emnnes ,u lasse» und fofort nach«lbanie» ,u entsende».— Nachwittags wurde das Budget des Völkerbundes bewilligt. Es beträgt Ausgaben in Höhe von 2l)8ö8<)l)l> G o l d f r a n t e n, wovon 8 2ö5 000 auf das I n t e r n a t i o n a l e A r b e i t s a m t ent- fallen. Die Kommission hatte schon drei Millionen g e st r i ch e n, doch kam in der Diskussion zum Ausdruck, daß womöglich weitere Ersparnisse gemacht werden sollen. Ungarn gibt nach! Prag, Z. Oktober.(Tschechoskowakisches Pressebureau.) Die ungarische Regierung hat heute dem Ministerium des Aeußern o f f i- z i e l l die Mitteilung an die volschafiertonferenz zur Kenntnis ge- bracht, daß sie die westungarischen Komitale innerhalb der festgesetzten Frist räumen werde. « Oedenburg, Z. Oktober.(MTV.) Aach einer Meldung des ungarischen Tel-Corr.-Vurcaus wurde heute nachmittag das ans die Uebergabe West Ungarns bezügliche Protokoll von ungarischer Seite vom Generalleutnant hegedues unterzeichnet. Damit sei auch das letzte Hindernis einer zwischen Oesterreich und Ungarn durch die vermilllung der italienischen und t s ch e ch o- slowakischen Regierung abzuschließenden Vereinbarung ge- fallen. Aus Wunsch der Generolkommission werde die ungarische Gendarmerie die Weisungen des Gcneralkommissars zur Ausrechterhaltung der Ordnung in Oedenburg und Umgebung vollstrecken. Llopü George unü öie Arbeitslosigkeit. London, Z. Oktober.(WTV.) wie die„Evening News' meldet, hat Lloyd George sehr ernste Berichte über die Ausdehnung der Arbeitslosigkeit und die Möglichkeit heftiger Arbeitslosenkundgebungen erhalten und ist dadurch zu der Ansicht gekommen, daß eine sofortige Aeußerung über die Absicht der Regierung mehr al, je notwendig ist. Die Schupo soll üie Maschinengewehre abliefern? Pari», Z. Oktober. lWTB.) Der„Matin' meldet, daß General N o l l e t in einer zweiten Note von der deutschen Regierung die Ablieferung der der deutschen Sicherheitspolizei verbliebenen Maschinengewehre verlangt. Der Botschafterrat richtete eine neue Note nach Berlin, in der an die Nachlieferung der rückständigen töOOOO Tonnen Kohle für August und September erinnert wird. « An zuständiger Stelle war hier von keiner dieser beiden Noten bis gestern abend etwas bekannt. Was die Kohlenlieferungen on- belangt, so ist e» jedenfalls unwahrscheinlich, daß der B o t s ch a f t e r- rot sich mit dieser Angelegenheit befaßt hat, für die bisher die Re- parotionskowmission zuständig war. Revidierte» Scharsmacherurteil. Der zweite Strafsenat de, � Reichsgerichts hat der Revision des Schriftstellers R i e b e l i n g- i Berlin, welcher wegen öffentlicher Beleidigung des Deutschoolkspartei- lers Kahl zu einer Gefängnisstrafe von drei Monaten verurteilt worden war. stattgegeben. Rieb«fing wurde der Schutz des§ 198 de, StGB.(Wahrnehmung berechtigter Interessen) zugebilligt._ Vonvarts-Verlag S.m.b.h., SW SS, Lindenstr. Z Kernspreeder- Verlag.«n verhungernden von der Stellung der Sicherheit von 100 000 000 Franc, abhängig macht. Es ist echt menschlich, daß man zehnfach« Beträge für die Munition und das MilitSr ousgibt. und dos Geld den verhungernden verweigert. Gilt es doch hier nur das Menschen» lebe« zu retten, während es dort um die Vernichtung von Menschen geht. Daß man aber im zwanzigsten Jahrhundert lebt, in der Zeit. in der man wieder so viel van Menschlichkeit und van der Güte de» Menschen spricht, das beweist man ja dadurch, daß man die ergreifenden Reden anerkennt, daß man dem Sprecher applaudiert. daß man«rschüttert ist— und lieber die Nahrung verfaulen läßt, «!s daß man die Sterbenden speist au»... einem von so vielen Gründen? Menschen! „Der Mensch ist gut!" Der Mensch ist wirklich gut. Ich bin überzeugt, daß kein einziger von den Herren, die hier mit ihrem „Nein!" unendliches Elend, unendliches Weh über«in Riesengebiet ausgeschüttet haben, daß keiner dieser Herren einen Bettler vergebens bitten lasten wird. Keiner wird«in hungernde» Tier ohne stärkstes Mitgiühl sehen können, daß sie gern bei jeder Sammlung mittun und ergiebig helfen werden— als Menschen. Sobald sie aber über Schicksal« zu entscheiden haben, hört der Mensch auf. Sie werden „Repräsentanten", und ein Repräfentant hat kein Herz. Ein Re> präfentant ist«in lagisch denkendes Gehirn, das alles Für und Gegen zu erwägen hat, und jede Möglichkeit berücksichtigen muß, die der „Ehre" dessen, was er repräsentiert, schaden könnte. Lieber wird «r die ganze Welt auf langsamem Feuer verbrennen, als nur ein Tüpfelchen„auf dem blanken Schild der Ehre"(fa heißt wohl der schön« Auedruck) zulassen. Der Mensch ist gut, aber der Repräsen» tont ist das letzt« Produkt der glorreichen europäischen Zivilisation, die ihr Ideal in der Verwandlung de» Menschen in eine denkend«— nur denkende— Maschine sieht. Arnuenbildung nnd wirkschafkscesorm. Am Eonnabendnach. mittag stand die W i r t s ch a f s r e f a r m zur Erörterung. Klara BahM'Schuch referierte über Beruf und Mutterschaft, Helene Simons über Beruf und Persönlichkeit. Fräulein H e y m o n n gab«inen praktischen Lösungs. und Erlösungsversuch der berufe- tätigen Frau in der Schilderung des Einküchenhauses. Das Thema des Sonntag» war die F r a u e n b i l d u n g s- frage in besonderer Weise, immer im Hinblick auf die sozialen und wirtschaftlichen Perhältnist«. Frau Haffmann-Gwinner charakterisierte die soziale Entwicklung der Familie und gab ihr Programm für di« Zukunft: die Familie zur Stätte der freiesten, individuellsten Erziehung zu gestalten, einer Individualisierung, die doch stets im Gemeinschaftsgedank-n ihre Regelung und ihre Er- gänznng findet. Siegfried Kawcrau kennzeichnete die neue Lebens- und Produktionsfchnle in ihrer besonderen Bedeutung für die Frau. Als Ergebnis dieser neuen Schule erhoffte er einerseits einen neuen Gemeinschaftsgeist der Frau, besten Ergänzung an- dererseit» die Fähigkeit sei, innerlich allein, einsam und dennoch erfüllt zu sein. Solange die Frau ihre Erfüllung auf«inen Menschen stellt, uno sei es der liebste, solange ist sie nicht fähig, Mitglied der neuen Gesellschaft zu sein.— Nach diesem Blick in die Zukunft führte Olga Essig in die Gegenwartsprablematik der Berufswahl und Berufsschule, die noch unter dem Zwang der kapitalistischen Praduttian steht. Die kritische Ablehnung der Frage- bogen und berufsberatenden Technik seitens der Referentin erweckte zum Teil energischen Widerspruch von selten der Arbeiterschaft und der anwesenden Berussberaterinnen. Dach klärte Olga Essig am Schluß die Mißverständnisse auf. Trude Bez-Mennicke schil- dert« am Sanntagnachmittag die Iungmädchennat der bürgerlichen Mädchen, die ohne Berufserziehung aufwachsen. In den Kampf der Geschlechter leuchtete Lydia S t o e ck e r hinein. Die verheiratete Lehrerin wurde mit allem Nachdruck aus pädagogischen Gründen für Mädchen- und Knabenschulen gefordert. Als positive Befreiung für all die körperliche, unterdrückte unbesreite Krast kennzeichnet« Frau Luise Longgaard-Loheland di« rhythmische Erziehung. der Massenpartei nur eine Sekte übrig hUxbt"— Der Artikel scheint vor längerer Zeit geschrieben zu sein, seine Prophe- zeiung ist ja längst in Erfüllung gegangen. Der Spaltungsrekorö. Der B e z i r k O st i a ch s e n der KAPD. setzte sich bis bor kurzem, wie ein Brief deS„Führer� Levinsohn ergibt, aus folgenden Mitgliedschaften zusammen: IL Mitglieder in Dresden. 6 Mitglieder in La«, begast und 3 oder i Mitglieder in Zittau. macht zusammen 2t oder 25. Ausdrücklich bemerkt der Brief Levin- sahnS:„Andere Gruppen bestehen in Ostsachsen nicht." Natürlich sind solche Masten viel zu groß, um in einer einzigen Partei zusammengehalten zu werden und deswegen beschlaß man nach bewährten Mustern, sich zu spalten. Van der Dresdener Ortsgruppe wurde mit S gegen 6 Stimmen der Anschluß an die KPD. beschlossen. Die überstimmte Minderheit ging aber nicht mit. sondern trennte sich. So erhält die KPD. nur«inen Zuwachs von S(neun) Mann, während die Dresdener Minderheit von 5 stech?) mit de» 6(sechs) ebenso radikalen Laubegastern als Stamm der KAPD. in Oftsachscn zurückbleibt. Die 3 oder 4 Zittau« wollen sich zu einem anderen Bezirk schlagen. Sa beträgt der Mitgljedcrbesland der KAPD. Lftsachsens nach der Spaltung genau ein Dutzend. Unter den zur VKPD. übergetretenen befindet sich der bi4« heiige Führer Levinsohn mit seiner Familie. Böse Zungen hatten behauptet, daß die 0 UebertrittSstimmen insgesamt van der Familie Levinsohn herrührten. Da'gcgeir protestiert Willi Levinsohn in seinem Brief mit der entrüstete» Feststellung, daß „die ganze Familie Levinsohn noch lange nicht über neun Stimmen verfügt". Herz, was willst du mehr, die Spaltungen sind noch immer über Familiengröße! Für die Leser aber, die meinen, wir hätten hier eine Satire auf die Parteispolterei ge- schrieben, wollen wir ausdrücklich betonen, daß das Ganze buch- stäblich wahr ist. Der Klub üer formlosen. Trotz des bekannten Verbote» hielt die Deutschnatianal« Volts» parte! am Freitag, den 30. September, tm Kriegcrvcreinshaus eine Sedanfeier ab. Eine Knüppelgard« der Ortsgruppen„Bismarck", „Kaiser Wilhelm",„Otto Weddigen" u. a. m. sargt« für den Schutz gegen unberufene Gäste. Das Niveau der„Feier" entsprach dem der sattsam bekannten Frontkämpfertage. Durch da» wiederhalte Singen von„Heil Dir im Siegerkranz",„Deutschland, Deutschland über alle»" und„izaut die Juden raus"(nach der Melodie: Wir brauchen kein« Schwlegermama!) versetzten sich di« Haken- kreuzler in die richtige vaterländische Stimmung. Der Clou des Abends war ein„E r n e u t e r S ch w u r". besten letzter ver; lautete: Ich will mein Dort nicht brechen Und Buben werden gleich. Will predigen und sprechen Van Kaiser und von Reich! Die offiziellen Fcstreden wurden vom Major a. D. Kurt Anker, dem Nachrichtenoffizier der Obersten Heeresleitung, und vom Reichstagsabgeordneten Grafen v. Westarp, den man sich als besondere Kanone oerschrieben hatte, gehalten. Verhöhnung der Re- gierungsverardnungen, der Republik und der Verfassung von Weimar, die als E p i s o d e bezeichnet wurde, war der Inhalt dteser Ansprachen unter dem Motto„Fürchtet Gott,«hret den König!" Wann wird diesem groben Unfug«in Ende bereitet? Kriminal- oder polizeiverfabren? Zu dieser Notiz in Nr. 402 des„Vorwärts" teill uns das Polizeipräsidium mit, daß dem Darschlag auf Heranziehung der Kriminalpolizei schon seit längerer Zeit durch eine Der- fügung des Polizeipräsidenten Genüge getan fei, wonach die palizei- lichen Ermittelungen bei Strafverfolgung van Palizeibeamten durch die hierfür zuständige Dienststelle, Abteilung 4(Kriminalpalizei), zu führen sind. Weiter wird in dem Schreiben mitgeteilt, daß der �ll Buch- Sie zeigte, daß es sich nicht um irgendwelche Kunststück« handele, sondern um E i g« n a r i e n t i c r u n g im Raum, di« sich au» einem bewußt gepflegten Körperwillen ergebe. Zur lebendigen Anschauung kam diese Darlegung in den rhythmischen Darsührungm der Schult Rhoden-Langgaard. die den Abend füllte und die Tagung harmonisch abschloß. ZNarle Canrad-Ramlo. die München er Schauspielerln, ist, 71 Jahre alt, nach schwerem Leiden gestorben. Seit 1868 gehörte sie dem Münchener Haftheater an und sie ist bis zuletzt in ihrem Beruf tätig gewesen. Lange bevor der Naturalismus auf der deutschen Bühne heimisch wurde, hatte sie sich einen Darstellungsstil aeschassen, der in seiner frischen Urwüchsiokeit und schlichten seelischen Vertiefung die späteren Errungenschaften der„Freien Bühne" und dcs Brahms- Stil» vorwegnahm. Als sogenannt« Naiv« begann sie ihre Laus- bahn, 1901 ging sie al» Charaktrrdorstellerin in» ältere Fach über. Desander, berühmt waren ihre Ibsen-Gestalten. Di«„Nora" hat sie am Z. März 1880 zum erstenmal in Deutschland gespielt. Auch als verfasterin von Romanen und Novellen(„Pastionsblume",„Hell- dunkel,..Landluft",„Feuer",„Im Gnadenwald'.„Männlein und Weiblein") ist sie bekannt geworden. Ihr Gatte war der Schrift- steller Michael Georg Conrad, der einstige Führer der„Jüngst- deutschen". Balkshachschulkursu» auf Helgaland. Aus Helgoland wird uns geschrieben: Aus dem ehemaligen Festunzsgelände des Helga- länder Oberlande» dannern di« Sprengschüste. Geborstene Beton- mauern. Berge verrasteten Drahts bekunden, daß hier eine alte Welt oersinkt. Aber eine neue Welt, di- der Kanonen nicht bedarf, bereitet ihren Aufbau vor: ein Imperialismus des Geiste» und der Menschlichkeit tritt an die Stell« jenes der Gewalt und Unterdrückung: das empfand deutlich die Schar der Gesinnungsfreunde, die sich hier zu einem valkshachschulkursu» vereinigt hatten. Menschen der ver- schieden«» Altersgruppen und Berufe. Hand- und Kopfarbeiter waren gekommen, um sich für einig« Wachen zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammenMtun, die mehr war al, nur eine vermittlungsgelegen- heit von Wissen und Bildung. Soziologisch und sozialökonomisch denken zu lernen und gleichzeitig«in Stück Gemeinschaftsdofein Sio- nomisch und geistig beispielhast zu durchleben und lebendig ZU er- halten: das war Sinn und Zweck der Kurs», die von dem Senosten Dr. Nölting von der Hochschul« für verwastung-wist-nschaft in Detmold m der letzten Septemberhölft« hier abgehalten wurden. Die Räume einer der nur van wenigen Wachmannschaften be- legten Kasernen, die übrigen, nicht niedergelgt werden, boten die Unterkunftsmöglichkeit. Di« Verpflegung auf geweinsam« Mahl- zeiten verteilt, kannte zu annehmbaren Preisen beschafft werden. Ein saziologilcher und ein bialagischer Lehrgang er- gänzten sich trefflich mit künstlerischen und naturwissen. schaftlichen Anschauungskursen, die ihre Objekte der Umwelt entnahmen. Da« Ganze durchleuchtete der Gedanke, durch gleichzeitiges Geben und Nehmen«in Höchslmaß persönlicher und sozialer Befriedigung zu schaffen. Veranstaltungen wie diese sollten in tausendfältiger Wieder- holung eine Massenerlcheinung soziologischer Bildungsarbeit werden. Mit anderen Arten sozialarganischer Zellenbildung tGemeinschafts- schulen, Betriebsräte) wüsten sie innerlich das formen, wa» foTj der Einwirkung des Polizeipräsidiums entzogen fei, da er sich seit geraumer Zeit in den Händen der Staatsanwalt, f ch a f t befinde. Unsere Ansicht über dos außerordentlich s ä u- m i g e Untersuchungsversahren haben wir bereits in Nr. 463 des �Vorwärts" geäußert._ Schutzpolizei und Bevölkerung. Wie halbamtlich mitgeteilt wird, gab der preußische Innen» minister D» M i n i c u s soeben einen Erlaß an sämtliche Ober- und Regierungspräsidenten heraus, in denen er sich mit den aus den Kreisen der Bevölkerung hervorgegangenen Angriffen auf die Schutzpolizei beschäftigt. Dominicus weist darauf hin, daß die Angrisse gegen die Schutzpolizei zwar vielfach berechtigt waren. in vielen Fällen aber der sachlichen Begründung entbehrten. Wörtlich heißt es in dem Erlaß: Ich brauche nicht darauf hinweisen, daß unehrenhaftes und rohes Verhalten einzelner die Gesamtheit der Beamtenschaft auf dos schwerste schädigen und den guten Ruf beeinträchtigen, den sich die Schutzpolizei zu meiner Freude sowohl im aufreibenden täglichen Dienst als auch bei der Lösung großer und schwieriger Aufgaben erworben Hab Die Schutzpolizei kann in ihrer geringen Stärke nur dann ihre Aufgaben erfüllen, wenn sie da» Vertrauen der weite st en Bevölkerungsschichten hat und die Zahl ihrer Gegner auf die Kreise beschränkt bleibt, die auf einen gewalt. samen Sturz der Regierung hinarbeiten. Der Minister ersucht, bei Bekanntwerden von Angriffen oder Beschuldigungen sofort eine Aufklärung de» Tatbestandes anzuordnen und gegen erwiesene Ausschreitungen mit ollen Mitteln vorzugehen, da es im Interesse der Beamtenschaft selbst liege, von Persönlichkeiten befreit zu werden, die sich ihrer unwürdig gezeigt hätten. Anderer» seit» fordert der Erlaß mit Rücksicht auf das Vertrauen in der Oeffentlichkeit eine baldige Berichtigung unwahrer oder auf unzu- treffenden Voraussetzungen beruhender Angaben. Untersuchungsausschuß für Gppau. Auf Grund des Reichstagsbeschlusses vom 28. September wurde ein parlamentarischer Untersuchungsausschuß für den Oppauer Un» glücksfall gebildet. Borsitzender des Ausschuffes ist der Abgeordnete Schwarzer(Bayerische Bolkspartei), stellvertretender Vorsisicnder Brey (Sozialdemokrat). Der Untersuchungsausschuß ist für Oktober tele» graphisch nach Ludwigshafen einberufen. Horti über die Zukunft des öolschewismus. London, Z. Oktober.(IBIB.) 3n einer Unterredung mit einem Vertreter der„Daily News" ertlärte Maxim Gorti, der Kommunismus in Rußtend werde keinen Bestand haben, er habe eine Fackel angezündet, die nicht mehr leicht auszu» lösche» sein und den Arbeitern aller Länder als Führer(?) dienen wird. Setner Ansicht nach werde eine Art sozialistischer oder sogar demokratischer Republik nach Art der Vereinigten Staaken entstehen. Die Aushebung der Blackade würde der beste Meg sein, um Rußland zu Helsen. Augenblicklich sei keine andereRegierungio Rußland möglich, als eine bolschewiflisckie. Wenn die augenblickliche Regierung fallen sollte, so würde ein voll- ständiges Chaos in Rußland die Folge sein. GorN beurteilt die Zukunft Rußlands nicht oplimistlsch. Die große Mehrheit der Bauern richte eine unüberwindliche Schranke gegen das Cindriagen jegliche» Fortschritte» aus. und nur von den in- tellettuellen Kreisen sei eine Rettung zu erwarten. Amerikanische Kinderspeisungen in Petersburg. Kopenhagen. Z. Oktober.(WTA.) Der„Berlingske Tibenbe" wird aus Helsingfors gemeldet: Die amerikanische Hilssaktion in Petersburg hat neun Speiseanstoltcn erössnet, die täglich 66600 Kinder speisen können Die Sowjetbchörixn haben die amerikanische Regierung gebeten, auch Speisen für die Erwachse. n«n zu liesern. wa» jedoch abgelehnt wurde. Die Sowjet» ' regierung hat«in« Verordnung erlassen, wodurch Pässe für Aus» landsreisen wieder eingeführt werden. Ein Paß mit Reisecrlaubnls von Rußland in das Ausland kostet 800666 Rubel. Tie Arbeit des deutschen Roten Kreuzes in Ruftlaud. Moskau(Funkspruch), Z. Oktober. Der Beoollniächtigte des deutschen Roten Kreuze» in Rußland, Herr Hilger, hat in einer Un- Partei und Gewerkschaft äußerlich zum Aufbau der neuen Ge> scllschaft tun. Bemerkt sei noch, daß die Kosten de» vierzehntägigen Kurses ein. schließlich Verpflegung sich aus 166 M. pro Person beliefen. Es gibt noch viele Kasernen, Schlösser usw. im deutschen Vaterlar.de, die für derartige Bildung?» und Gemeinschaftsarbeit als lokale Grund» log« in Frage kämen, freilich, wie betont sein mag. nur sür ernste und intensive Arbeit und nicht als bequeme Sommerfrische. H. D. SItlllchkeitsradau. Aus Hannover wird gemeldet: Eine Protestversammlung gegen die weitere Ausführung von Schnitz. l e r s„Reigen* im Relidenztheater fand Sonntag mittag vor dem städtischen Opern- und Schauspielhaus statt. Die Versammlung war von dem tvonaeliichen Arbeiterverband und dem Volks- oerein Niedersachsen einberufen worden. Es wurde eine Resolution angenommen, in der die Polizeibehörde aufgefordert wird, die weitere Aufführung des„Reigen" zu verbieten. Ein Redner forderte die Teilnehmer aus, sich bei der nächsten vorgesehenen Dorstellung des „Reigen" am Mittwoch nachmittag vor dein Residenztheoter zu ver» sammeln und den Theaterbesuchern den Eingang zu oerwehren. Nack) Beendigung der Versammlung zogen einig« Teilnehmer vor das Residenztheater, wo gerade eine Aufführung stattfand. Die Polizei hatte jedoch die Eingänge besetzen lassen, und die Theater- besuche« wurden durch einen Nebenausgang herausgelassen. Einige Verhaftungen wurden vorgenommen. C, wird weiter gepichelt. Der eben erschienene amtlich« Bericht des mit der Itevenvanrnng desAntialkoholgesetzes betrauten Polizeidirettors von Chicago enthält die austehenerregend« Mit» teilung, daß ö v P r o z. der seinem Befehl unterstehenden Pol!» z i st e n in die D u r ch st e ch e r e t e n verwickelt sind, die den gesetz» widrigen Verlaus und den Schmuggel von Altohol und Schnäpsen zum Ziel hoben.■ Zur Kennzeichnung der ungeheuerlichen Zustände, die sich unter der Antialkoholgesetzgedung in Chicago herausgebildet haben, weist der Polizeidircktor darauf hin, daß die Zahl der Betrunkenen wie die T o d e s f o l l e. die auf D e l i r i u m zurückzuführen sind, in letzter ' Zeit eine Höhe erreicht haben, wie sie vor Einführung des Gesetze» niemals zu oerzeichnen war. Zu demselben Schluß kommt der in New Park oeröffenttichte Bericht, der feststellt, daß sich überall Aden- teurer zu Banden zusammenschließen, die sich die Ausgab« stellen. das Alkoholgesetz zu umgehen. Eine wirtliche Unterdrückung dieses Unwesens würde, wie der Bericht ausführt, allein in New Port eine Polizeimacht von 1666 Köpfen und einen Kostenaufwand von 166 Millionen Pfund Sterling erfordern. SM« Arno-Holz-Abeni». Arn DonneiSiag. 6. Oktober, abend? 7'/, Uhr, tevidil iin K ü n st l e r b a u S. B e l I e v u e st r. 3, E l s e« e q e r au« der .Bleibschmiedc' von A r n o H o l E,nlnti«karten zu 10. 7. ö W. einschl. Steuer sind bei Ed. Bote 4 Bock. Leipziqer Sir. 37 und Taucnd>en« tlrahe 7, bei v. Wertheim, Leipziger Platz und Tauentzienfir. 12 a, fon»« abends an der Koife zu haben. Am.Tturin-, Poisdamcr Sirahe lata, trägt ani?!itt.'voch, abend« llhr, Rudolf B l ü m ii e r Dichlunge» von Kurt tz«» n i ck e und R u g u st Sita mm vor. H e r w a r t h Waiden spielt eigene Toaiverkc. kemdung mit Bitfrefet« der Sowseipress« mitgeteilt, daß, nachdem der erste Dampfer des deutschen Roten Kreuzes put Medikamenten In Petersburg cingclaufen ist, die deutsch« Hils»aktton tat- träftiginAngrifsgenommen werden könne. Di« technische Einrichtung sei so vorbereitet, daß die Hilfsaktionen binnen 24 Stun» den in Tätigkeit gefetzt werden können. Die erste Station werde vor- ausstchtlich in Moskau eingerichtet werden. Die Arbeit gehe im«ng- sten Einyernehwen mit dem russischen Roten Kreuz vor sich. Sobald der erste Vorrat an Medikamenten verbraucht sei, würden sofort weiter« Sendungen folgen. Herr Hilger drückte die Hoffnung aus, daß die Hilfsaktion die Grundlage für spätere engere Beziehungen zwischen Rußland und Deutschland schaffen werde. Der letzte Rest der Sanktionen. Bor der Konferenz in Koblenz. Zur Frage der völligen Aufhebung der wirtschaftlichen Sanktionen hören die PPN. vo,, zuständiger Seite: Bekanntlich sind in der Nacht vom 26. September zum 1. Oktober die Wirtschaft- lichen Sanktionsbestimmungen im allgemeinen gefallen und die Zollverwaltung an der Westgrenze des Reichs ist wieder unter rein deutsche Leitung getreten. Andererseits hat die interalliierte Rheinlandtommifston sämtliche Verordnungen aufgehoben. die sie als von der Londonner Konferenz bestelltes Ausfüh- rungsorgan zur Durchsetzung der Sanktionen ertasten hatte. Für die Ueb«rgang»zelt sind jedoch noch einig« Vorbe« halte gemocht worden. So wird das Em- und Ausfuhramt in Ems feine Tätigkeit noch einige Zeit fortsetzen, das heißt die Ein- und Ausfuhrerlaubnisse über die Auslandsgrenze werden noch wet- ter unter alliierter Leitung von Ems erteilt weden. Denn die nähere Ausgestaltung des vorgesehenen interalliierten Kontrollorgan» soll erst in den nächsten Tagen in Koblenz durch gemeinsam« Be- sprechungen festgelegt werden. Die Einladung zu diesen Verhandlungen ist bereit» an Herrn v. Lucius ergangen, und zwar vom Präsidenten des Sachvcrständtgenkemitees, das durch Beschluß de? Obersten Rats vom 13. August geschaffen worden ist. Sie laufet auf Montag, den 16. Oktober, nachmittags 3 Uhr, in» Palais der Intcrallierten Rheinlondtommission, da« früher« preußische Oberprösidium in Koblenz. Bon deutscher Seite nehmen unter Führung des Gesandten v. Lucius acht Vertreter an diesen Verhandlungen teil, darunter je ein preußischer, bayerischer und hessischer Vertreter. Erst dann, wenn diese Verhandlungen ein« Einigung er- geben haben, an der allerdings kaum zu zweifeln ist, wird der letzte Rest der wirtschaftlichen Sanktionen ausgehoben werden. Die sogenannt« Freiliste, d. h. da? Verzeichnis der Waren, da? vom interalliierten Zollkomitee aufgestellt worden ist und für die man weder bei Ein- oder Ausfuhr ins besetzte Gebiet einer Er- laubnis bedarf, wird allerdings noch weitere drei Monate in Gültigkeit bleiben. Andererseits macht die Kölner Handels. tammer darauf aufmerksam, daß die deutschen Auffangvorrichtun- gen an der Grenze des besetzten Gebiet» ebenfalls noch weiter be- stehen bleiben werden, um ein Ueberfchwcmmen Deutschlands mlt Luxusworen aus dem besetzten Gebiet zu verhindern. wer wird Botschafter in Washington? Berlin, 3. Ottober.(TU.) Zu den in der Presse erwähnten Nachrichten über die Besetzung des Botschafierpostens in Washington (wonach der jetzige Rcichsernährungsminister Hermes in Betracht komme. Red.), verlautet, daß die Entscheidung sich noch längere Zeit hinauszögern dürfte, zumal gegenwärtig die Vorbedingungen für eine Besetzung, soweit die Beziehungen der beiden Länder in Be- tracht kommen, noch nicht einmal erfolgt sind. �Entgegen anderen Meldungen dürfte einer der ersten Anwärter aus den Posten in Washington neben dem Staatssekretär von H a n i e l, der bereit» mehrfach genannt wurde, der Minister de» Auswärtigen, Rosen, sein. Man denkt in letzter Zeit dann aber auch an den früheren Ministerialdirektor im Reichsfinanzministerium, von Stock- b a m m e r n, der auch im diplomatischen Dienst nicht unerfahren ist. Ein ZinanZplan für(pefterreich. Wien, 2. Oktober.(WTB.) Die„Arbeiterzeitung" verössent- licht einen vom sozialdemokratischen Parteivorst and und Abgeordnetenvcrbond sowie den Arbeiterorzanisatio- neu der Regierung unterbreiteten F i n a n z p l a n mit der Ertlä- rung, daß die Stellungnahme der Arbeiterschaft von der der Regie- rung zu dem Finanzplan abhänge. Der Plan fordert Mahnohmen, durch die die Staatseinnahmen erhöht und die Staatsausgaben verringert und die Kreditpolitik in ein neues System gebracht werden soll. In erster Reihe wird die Rioellierung der Vermögensabgabe durch Anpasiung an den gesunkenen Geldwert verlangt, ferner«ine Ergänzung der Vermögensabgabe durch eine jährliche progressiv« Vermögenssteuer, eine Erhöhung der Grundsteuer auf dos Hundertfach« des Frieden». satze» sowie eine Acnderung des Steuersystems für die Industrie durch Auflage einer Gesamtsteuer. Dagegen sollen die Indu» strien, die notwendige Lebensmittel erzeugen, von dieser Steuer be- freit sein. Großhandel und Banken sind zu dieser Steuer heranzuziehen. Der Finanzplan verlangt weiter den Abbau der staatlichen Lebensmittelzuschüsie, Aushebung der Zölle auf die not- wendigen Lebensmittel sowie Rohstoffe und Halbfabrikat«, die in Oesterreich nicht erzeugt werden, dagegen efsekttve Goldzölle auf die Einfuhr von Luxuswaren. Der Plan stellt auch genau« Forderun, gen bezüglich des Abbaues der Zahl der Beamten. All» ä s f e n t- lichen Ausgaben für Kirchenzwecke sind e i n z u st e l, len. Die staatlichen Betriebe sind kaufmännisch geführten, ge- meinwirt schaftlichen An st alten zu übertragen. Beziig, lich der Kreditpolitik werden inner« Anleihen vorgeschlagen, nicht al» allgemeine Zwangsanleihe, sondern im Wege der Anforderun- gen von Valuten und Devisen und ausländischen Effekten. Gleich- zeitig soll eine öffentliche Bewirtschaftung der aus» ländischen Zahlungsmittel eintreten. Das nach Durch. führung des Finanzplant» noch ungedeckt« Defizit sei durch Aus- landskredtt« zu decken, die hauptsöchlich zu Wiederaufbauzwecken, namentlich zur Wiederherstellung und Elektristerung der Eisenboh, »on, zum Ausbau der Waflerkröst« und zur Behebung der Woh- nungsnot venvendet werden sollen. Zum Gesandten de» veulschen Reich«? sür Boltvlen in La Paz wurde Freiherr v. Stengel ernannt. Belgische Schuhzollbestrebuugen. Der Brllsielrr Korrespondent de«„Tenipt" berickitet, der belgische Ministerrat habe grundsätzlich entschieden, dem Parlament einen Gesetzentwurf zum Sckttitze gegen die Einfuhr von Waren au» ehemal» feind« lichen Ländern mit niedriger Währung zugehen zu lassen.— Belgien schließt sich damit den Schutzzollmaßnahmen anderer Länder mit hober Valuta an, die sich von der Konkurrenz der Siaaten mit vernichteter Währung bedroht sehen. Daß st« bannt die Zablung«- säbigkeit ihrer Kriegsschuldner weiter untergraben, erkennen sie nicht. Der Erfolg dieser Maßnahmen ist, daß die Nndurchführbar- kcit des FricdellSvcrtragS beschleunigt zutage tritt. Der Prozeß Zagow. Der Termin sür die Berhandlun? vor dem Reichsgericht gegen den früheren Polizeipräfidonten o. I a"g o w und den srüheren Obcrpräsidenten o. Wangenheim wegen Hnchvcr- rat», ist nunmehr auf Donnerstag, 27. Oktober, angesetzt worden.— Gestern begannen vor dem zweiten und dritten Strassenctt de» Reichs- gerichts die Verhandlungen gegen 14 Angeklagte, meistens Arbeiter, aus Velbert, Elberfeld und Düsseldorf wegen lzochver- kats. der in einem Unternehmen eines auf Beseitigung der beltehen- den Regierung abzielenden kommunistischen Puticheo erblickt wird. Für die Verhandlungen sind mindesten» acht T a Zt in Aussicht genommen. Wiptfdjaft Eine statistische Lüge. Die Berliner Handelskammer hat«in« Schrift des Kammer» zienrats Deutsch, des Vorsitzenden des Direktoriums der in neuer Bearbeitung herausgegeben, die Untersuchungen darüber anstellt, in welcher Weise sich der Ertrag der Produktion auf K o- pitalundArbeit verteilt. Deutsch hat dazu 152 Aktiengcsellschaf- ten mit einem Aktienkapital von 5,6 Milliarden herangezogen, in denen 1356 666 Arbeiter und Angestellte beschäftigt sind, also durch- weg Großunternehmungen mit durchschnittlich 8660 Arbeitern. In diesen Betrieben wurden im Geschäftsjahr 1319/26 bzw. 1626 16 Milliarden an Löhnen und Gehältern gezahlt, 2,2 an Steuern und sozialen Lasten abgesührt, 656 Millionen oder 11,6 Prozent als Dividende ausgeschüttet. Wird nun be» rechnet, wieviel von jeder einzelnen für diese Zwecke ausgegebenen Mark auf Arbeiter und Angestellte, den Staat und dos Kapital ent- fallen, so ergibt sich solgende Rechnung: Durchschnitt � der letzten Periode Angestellte und Arbeiter. 76.7 Pf. 84.6 Pf. der Staat...... 11,7„ 11.7» daü Kapital..... 11.6, 8 4, Deutsch schließt daraus,„daß Arbeiter und Angestellt« ihren Anteil an der industriellen Arbeit bei der inzwischen ein- getretenen Entwertung des Geldes ganz wesentlich erhöhen konnten, der Staat die neuen Steuercrhöhungcn noch nicht durchgeführt hat, während das Kapital sich mit einer erheblich ge- ringcren Vergütung sür sein« Leistungen und Risiken im Produk- tionsprozeß begnügen muh." Er knüpft daran allerlei Mahnungen und Bedenken, die zeigen sollen, daß die Industrie bei dieser Entwicklung Gefahr laufe. Die Rechnung ist trügerisch. Mit Rücksicht auf die Besitz- steuern ist die Industrie in den letzten Iahren mehr und mehr davon abgegangen, ihre Gewinne als Dividenden ouszu. zahlen. Man verwendete da« insolge der ungeheuerlich hohen Preise und der niedrigen Löhne gebildete Kapttal dazu, um Neuanlagen zu schaffen und gab dann Aktien oft ganz um- sonst, oft zu dem Nominalwert aus, der sich wer unter dem Kurswert bewegt«. Auf diese Weise verdienten die Aktionär« manchmal Hunderte von Prozenten, ohne daß das in der Dividende zum Ausdruck kam. Aber Herr Deutsch ist ja„praktischer Wirt» schafter" und hat darum das Recht, wenn er der Arbeiterschaft ein« auswischen will, diese Tatsache ganz ung gar zu verschweigen. Hätte er also den Anteil de» Kapitals am Gewinn genau feststellen wollen, so hätte er dazu eine Uebersicht über den Umfang der stillen Re- serven, Rücklagen usw. machen müssen. Diese ist ober au» den Irugbilanzen, die in den letzten Iahren Mode geworden sind. nicht zu entnehmen. Deutsch geht noch weiter. Cr berechnet nämlich, daß die Divi- dend« auf die Kurswerte, wenn man es in Gold berechne, nur etwa 1 Proz. betrage. Für einen Teil der Aktiengescllschasten mag da» zutreffen, nämlich für diejenigen, die bis zu dem fraglichen Rechnungsabschluß noch keine Kapitalerhöhung vorgenommen hat- ten. Für den übrigen Teil trifft da» nicht, und heute jedenfalls überhaupt nur für ganz wenig« Gesellschaften zu. Von dem Kopi- tat, das heute in den Aktiengesellschaften arbeitet, ist Im Durch» schnitt bereits die Hälfte in Papier ausgebracht und bei einzelnen ganz besonders ertragreichen Werten arbeitet man bereits mit dem vier- und achtfachen Kapital der Vorkriegszeit. Aber der Schwindel von dem Goldprivileg der alten Aktien wird in der Handclspresie immer noch weiter verzapft. Die Börsenkurse zeigen, daß der Gold- wert der Unternehmungen tatsächlich besteht, und daß die Erträge, wenn nicht in Dividenden, so in anderer Form den Aktionären ebenfalls in Gold zugute kommen. � Deutsch weist schließlich darauf hin, daß die Aktiengesellschaften infolge der hohen Erneuerungskcsten darauf angewiesen seien, ganz bedeutend erhöhte Rücklagen zu machen. Tatsach« ist, daß die Aktiengesellschaften auf Milliarden von Reserven verzichtet haben, die sie aus dem Aufgeld bei neuen Kapltalaufnahmen infolge der hohen Börsenkurse hätten erzielen können. Wir haben kürzlich eine ganze Reih« von Beispielen zusammengestellt, die da» so schlagend beweisen, daß selbst der Reichsverband der deutschen Industrie nur ein kümmerliches, nichtssagendes Gestammel der Er» widerung gefunden hat. Wir fragen, worum schenkt man den Aktio- nören, den Börsenjobbern, den Nutznießern der Gekdaufblähung. diese Unsummen, die das Produttivtapital belasten, da sie ja auch „angemessen verzinst" werden sollen. Die ganze Schrift ist ein« tendenziös« Mache übelster Art, sür die sich ein Prioatwirtschostler von internationalem Ruf zu gut sein sollte.. Schließlich sei noch bemerkt, daß in der Statistik von den 162 Gesellschaften keine einzige namentlich aufge- führt ist. Man hat also nicht die Möglichkeit, den Angaben mit Widerlegungen im einzelnen entgegenzutreten. Es ist notwendig. dies« statistisch« Lüge niedriger zu hängen, weil anzunehmen ist, daß sie in ollen Betrieben und bei allen Lohnverhandlungcn den Arbeitern vorgehalten wird. Börsenkurs« und valukaksesstand. Mit dem Rückgang der Valuta schnellen die Börsenkurse in die Höhe. Die„Frankfurter Zeitung" berechnet die durchschnittlichen Kurse von 25 Aktien, 5 i n l ä n- d i s ch e n und 16 a u s l ä n d i s ch e n A n l« i h e n am 36. September auf 25 818, also fast 2566 Punkte mehr als am 23. September. Wieder sind xs die Aktien, die die stärksten Kurssteigerungen auf- weisen. Setzt man den durchschnittlichen Stand der Kurse obiger Papier« am 1. Januar 1326=- 166, so erhält man für Ende Oktober die Meßzisfer 288, die gegenüber der Vorwoche um 18 gestiegen ist. Die Zahlen kennzeichnen das Maß. in welchem der Besitz von Sachwerten höher geschätzt wird als der von Paplermart. Be- zeichnend ist dabei, daß die Kurs« der inländischen Anleihen, in der Hauptsache also Papiermarkbtsitz, in der letzten Ottoberwoche vo» 818 auf 816 g e s u n k e n sind. Deutschland» Ausverkauf. Die Generalversammltmg der Gerb- und Färb st offwerte Reimer-Hamburg hat das englische Angebot, für die Aktie 6566 M.--- 656 Proz. zu zahlen. angenommen. Da« große Unternehmen geht setzt in englischen Besitz über.— Die Julius S i ch e l u. Co. Kommanditgesellschaft auf Aktien in Mainz, ein Konzern, der mehr als 56 bedeutend« Einzelunterneh- mungen umfaßt, soll durch Aklieniaufch in die Hände der A-G. f ü r Industriewerte in Luzern übergehen. S t e u e r t e ch- nische vorteile sind hierfür ausschlaggebend. Und das Deutsche Reich sieht ruhig zu! GewerMafisbewegung 1. Reichsjogenökonferenz See Sergarbeiter. Im Verbandsheim des Bcrgarbeitervcrbandes zu Bochum war am 26. und 27. September die erste Reichskonserenz von Vertretern« der freiorganisierten Bergarbeitcrjugend. Unter den S2 Delegierten stand ein großer Teil noch im jugendlichen Alter und gehörte zu den verschiedenen Richtungen der proletarischen Jugendbewegung. Diese verschiedene Einstellung in sozialistischen Fragen trat während der Konferenz vor einer hervorragenden Sachlichkeit und starkem Wirk- lichkeitssinn zurück. Ueber der lebhaften Aussprache lag ein frischer, geistiger Zug.' Die von dem Verbandsvorsitzenden Abg. � u s e m a n n geleitete Tagung hörte zunächst ein Referat des Gewerkschaftssekretärs M a r t- möller(Bochum) über„Gegenwarts- und Zukunfts- ausgaben des Verbandes", in dem sich die großen Wirtschaft- lichen Umwandlungen und ihr vermutliches Fortschreiten klar hervor- hoben. Zum zweiten Punkt der Tagesordnung referierte der Zentral- jugendsekretär O st e r r o t h(Bochum) über„Zweck, Organi- sierumg und B i l d u n g s a r b e i t unserer Jugend- a b t e i l u n g e n". Aus seinem Bericht über die Tätigkeit der Iugendzentrale ging hervor, daß der Bergarbeitervcrband ungefähr 30 000 Zugendliche unker 18 Zahrcn und 180 Iugendabteilungen zählt. Sämtliche Jugendliche erhalten neben der„Bergarbcitcr-Zeitung" umsonst das Iugendorgan ,.J u n g b o r n". Der Referent sah den Zweck der gewerkschaftlichen JugÄidsektionen darin, Zellen volkswirtschaftlicher und gewerkschaft- licher Durchbildung zu sein. Dadurch würden sie zur notwendigen Ergänzung der proletarischen Jugendbewegung, deren Wert im Her- vorbringen eines neuen sozialistischen Menschentnpus, in der Aufstellung eines sittlichen Lcbensprinzips und im Ausweiten des Be- griffe?„Sozialismus" nach der kulturellen Seite liegt. Jugendsekretär Z.i in m e r(Saarbrücken) berichtete über die g e- werkschasftliche Iuqendkonferenz des ADGB. in Kassel. Ebenso rege wie nach diesen Referaten war die Diskussion.nach dem Dortrag des Jugendsekretärs P i l z e ck» r(Essen) über„Berg- arbeite? und Jugendschutz". Er stellte sich auf den Boden der Forderungen des Reichsausschusscs der Arbeiterjugendorganisa- tionen und empfahl eine zur Frage des Iugendschutzes vorgelegte Entschließung, welche sich an Reichsregierung und Reichstag, außerdem an die Völkerbundsregierung im Saarstaat wendet. In der Entschließung wird ein einheitliches Reichsjugendschutz- g e s etz gefordert; im besonderen aber sechsstündige Arbeits- zeit für Jugendliche unter 16 Iahren, ferner dreiwöchige Ferien für Vierzehnjährige und zweiwöchige für Siebzehn- jährige. Außerdem wird weiter das Verbot von Ueber- und Akkordarbeit für Unter-Sechzehnjährige, das Verbot der Beschäftigung in Brikettsabriken, beim Ahschleppen am Förderschacht, in Kokereien, beim Füllen der Wetterlampen, beim Reinigen der Dampfkesiel durch Bergleute unter 16 Iahren gefordert. Zum Problem„Die berginännische Fortbildungs- schule" referierte Redakteur Th. Wagner(Bochum). Allseitig wurde von den Delegierten die Einrichtung der bergmännischen Fort- bildungsschule in allen Bergbaurevieren gewünscht. Die R i ch t- 1 i n i e n der Iugendzentrale zur Organisierung der Abteilungen und zur Bildungsarbeit wurden einstimmig angenommen. Abg. chuse- mann wies in kurzen Ausgangswortcn auf den Wert der glänzend und fruchtbar verlaufenen Tagung hin. Unter dem Gesang des Soziolistenmarsches wurde die 1. Reichskonserenz der Bergarbeitcrjugend geschlossen._ Die Betriebsräte zur TchlichtungSordnung. Die Vollversammlungen der einzelnen Industriegruppen der Freigewerkschaftlichen Betrlebsrätezentrole für den Wirtschaftsbezirk Groß-Berlin nahmen zu dem Entwurf der Schlichtungsordnunq Stellung. Tie Referenten legten in ihren Ausführungen dar, daß in der Schlichtungsordnunq nicht praktisch? Gesichtspunkte des tag- tichen Lebens berücksichtigt worden sind, sondern daß der ganze Entwurf � daraus hinausläuft, dem j u r i st i s ch e n Einfluß weitestgehende Konzessionen zu machen, weiter auch dem Der- waltungsbureaukratismus die Möglichkeit zu geben, in Streitfällen einzugreifen. Die Streichung des Z 55, der die Bewegungsfreiheit der Ge- werkschaftsn bei Lohnkämpfen vollends unterbindet und nur einen Schutz für das Unternehmertum darstellt, wurde ganz nachdrücklichst gefordert. Die vielen Fußangeln, die in ganz Harm- los klingenden Worten in der Schlichtungsordnung festgelegt sind und sich zum Schaden der Arbeitnehmerschaft auswirken werden, wurden eingehendst beleuchtet.— Die Versammlungen nahmen folgende Resolution an: „Die Betriebsräte nehmen Kenntnis von dem Entwurf der sogenannten Schlichtungsordnung. Sie erklären, daß sie dieses Pro- dukt reaktionärer Verwaltungsorgane in feiner Gesamtheit a b- lehnen. Diese Schlichtungsordnung darf niemals Gesetz werden. Wenn eine neue Schlichtungsordnung nicht zu vermeiden ist, so beauftragen die Versammelten die Freigewerkschaftliche Betriebsräte- zentrale, die Gewerkschaften und die sozialistischen Parteien, mit allen Mitteln dahin zu wirken, daß ein Entwurf Gesetz wird, der in ausreichender Weise die Interessen der Arbeiterschaft wahrnimmt. Die Versammelten verpflichten sich, mit aller Energie in den Kreisen der Belegschaften dahin zu wirken, daß die von der Re- gierung vorgelegte Schlichtungsordnung einmütig abgelehnt wird." Demonstration der streikenden Hastwirtsangestellten. Unter riesiger Beteiligung fand gestern ein Demonstrationszug der streikenden Gastwirtsangsstellten statt, der sich unter Vorantritt eines Musikkorps vom Koppcnplatz bis zum Alexanderplatz und dann durch die Charlottenstiaße und die Straße Unter den Linden bis nach dem Lustgarten bewegte. Reben schmucken Bonnern sah man im Zuge viele Tafeln mit Allsschristen, die den Zweck der Demonstration bekundeten Im Lustgarten sprachen mehrere Redner, unter diesen W i e s e k e, Richter und Stempel. Sie betonten, daß der Kampf den Gastwirtsgehilfen ausgezwungen worden sei und nur um eine gerechte Entlohnung geführt werde. Stempel erklärte im Namen der Musiker: Der Kampf ist auch unser Kampf und der Sieg wird auch unser Sieg sein. Die Ausführungen derb Redner wurden von den vieltaufend- köpfigen Massen mit donnerndem Beifall aufgenommen. Auch die von dem Musikkorps intonierte Marseillaise sowie das Lied:„Wer schafft das Gold zu Tage" fanden stürmischen Beifall. Die Demon- stration nahm bis zum Ende einen würdigen Verlauf. »» *• Das Arbeitnehmerkartell teilt mit, daß heute 300 Betriebe mi t zirka 5000 Angestellten geöffnet sein werden, in denen die Forderungen der Angestellten bewilligt sind. Wegen der am Sonntag an drei Stellen leider vorgekommenen Ausschrei- tungen bittet es zu berücksichtigen, daß diese von ihm aufs schärfste bekämpften und verurteilten Vorfälle durch die Erbitterung hervorgerufen wurden, welche die unversöhnliche 5)ailung u.nd irreführende Berichterstattung der Unter- Nehmerorganisationen ausgelöst hat. Diese haben, wie bereits mitgeteilt, neuerdings ein Eingreifen des Arbeitsministe. riums abgelehnt, weil die Angestellten in den Streik getreten seien. Dem steht aber die Tatsache gegenüber, daß mehr als 20 000 An- gestellte für den 30. September gekündigt waren und daß ins. besondere die Gastwirteinnung noch am Freitag, also vor der Be- schlußfassung über den Streik, ihre Mitglieder angewiesen hat, die Angestellten abends auszulohnen. Auch der Umstand, daß die Unier- nehmer sich in diesem Kampfe von zwei Männern(Skepsgardh und Hegewald) führen lassen, die noch vor Jahresfrist zu den radi- kalsten Führern der Ange st eilten gehörten, trägt nicht wenig zur Verschärfung der Lage bei. Gestern vormittag fand eine Besprechung der Vertreter des Gastwirtsgewerbes mit dem Polizeipräsidenten statt. Als Ergeb- nis ist dem Kommando der Schutzpolizei die Weisung gegeben, mit allen Mitteln einer Wiederholung der Aus- schreitungen vorzubeugen. Die Vertreter der Streiken- den haben dem Polizeipräsidenten erklärt, daß sie alles aufbieten werden, Ruhestörungen zu verhindern. Es scheint demnach, daß an den vorgekommenen Gewalttätig- keiten radoulustige Elemente beteiligt sind, die mit dem Streik selb st nichts zu tun haben. Es liegt also sowohl im Interesse der Aufrechterhaltung der össentlichen Ruhe und Ord- nung als auch im Interesse der Streikenden, daß gegen diese Element« mit aller Schärfe polizeilicherseits vorgegangen wird. Bierpreiserhöhung und Brauereiarbeiter. Mit diesem Thema befaßte sich eine sehr gut besuchte Versamm- lung der Arbeitnehmer(Kopf- und Handarbeiter) der Schult- heiß-Patzenhofer-Betriebe am Sonntag im großen Saal der Bockbrauerei(Fidicinstraße), zu der auch Vertreter des Personals der Kindl- und Engelhardt-Brauereien erschienen waren. I ö r n als Referent wies an der Preiserhöhung der Rohprodukte nach, daß die Brauereien zu einer Bicrpreiserhöhung schreiten muß- ten. Zum Beispiel kostete der Zentner'Gerste vorjähriger Ernte 130 Mark, während der Zentner diesjähriger Ernte mit 240 und 250 M. bezahlt wurde und sogar schon mit 265 M. bezahlt wird. Das ist eine Steigerung um 100 Proz. Hopfen ist sogar um 200 bis 300 Prozent im Preise gestiegen. Wir hoben aber darüber zu wachen, daß das Bier nicht zu sehr verteuert wird, sonst greift der Bierkon- sument zum Kaffee. Wenn die Brauereien mit dem Preis für Faß- hier von 240 M. auf 320 M. für den Hektoliter gingen, können wir nicht sagen, daß der Aufschlag zu hoch sei. In den S r e i t z w i- schen den Brauereien und den Ga st wirten wollen wir uns n i ch t e i n m i s ch e n. Möge er durch einen angemessenen Ver- gleich enden. Wir müssen aber doch die Frage aufwersen, ob es wirklich nötig ist, daß die Gastwirte für einen Liter Bier, für den sie jetzt 3,20 Mark zahlen, durchaus 6 Mark nehmen müssen. Was uns heute hauptsächlich zusammengerufen hat, das ist die von den Brauereien vorgenommene Erhöhung des Preises für den Kasten Flaschenbier von 31,50 M. auf 45 M. Das geht viel zu weit und ist ungerechtfertigt. Tatsächlich ist wegen dieser ungewöhnlichen Erhöhung der so blühende Flaschenbieroertrieb der Schultheiß-Patzenhojer-Beuitbe zusammengebrochen. In vielen Industriebetrieben und ihren Kantinen verzichtet man auf so teurem Flaschenbier. Und die Brauereiarbeiter leiden darunter. 22 Kolon- nen haben im Flaschenkeller gezogen: jetzt ziehen nur noch 5 Kolon- nen. Hier müssen wir eine Prcisänderung oerlangen. Nach lebhafter Diskussion wurde eine Resolution gegen ver- einzelte Stimmen angenommen, in der u. a. ausgesprochen wird, daß die Versammelten in der Erhöhung des Preises für Flaschenbier auf 45 M. pro Kasten eine schwere Gefahr für ihre Existenz sehen. Der infolge dieser enormen Erhöhung eingetretene große Kon- sumrückgang werde sich in noch weit größerem Maße bemerk- bar machen, je mehr die Preise für che übrige Lebenshaltung steigen würden. Die Folge wäre vermehrte Arbeitslosig- keit der Brauereiarbeiter. Die Braucreiarbeiter erheben deshalb— sagt die Entschließung weiter— ihre warnende Stimme und fordern die Brauereien auf, durch eine er- trägliche Preisgestaltung des Flaschenbieres dem Konsum Rechnung zu tragen und andererseits der Arbeitslosig- keit vorzubeugen. Die Weiterbeschäftigung der sogenannten Saisonarbeiter auch während der Winterzeit betraf den zweiten Punkt der Tagesordnung. Durch Verhandlungen mit der Direktion und anderen Betriebsstellen ist es dem Betriebsrat gelungen, einem erheblichen Teil der für das Sommerhalbjahr angenommenen„Saisonarbeiter" die Weiterbeschäf- tigung zu sichern. Die Versammlung sprach darüber ihre Genug- tuung aus und beauftragte den Betriebsrat, bei der Direktion wegen Weiterbeschästigung aller Saisonarbeiter vorstellig zu werden. Buchdruckerstreik iu Hamburg. Die Buchdruckergehilfen Groß-HamburgS find in den Streik getreten und haben die vom ReichSarbeitSministerium gefällte Enischeidung abgelehnt. Jnsolgedesien ist die gesamte bürger- l i ch e Presse in Hamburg, Altona und Wandsbek lahmgelegt. EK wird ein gemeiuschaflliche« Nachrichtenblatt der Groß-Hamburger Tageszeitungen herausgegeben.— In der Urabstimmung nahmen die Verkehrsangestellten den zweiten Vorschlag de» SchlichtungsauSschufieS mit knapper Mehrheit an. Der daß Ham- burger Wirtschaftsleben schwer bedrohende Verkehrsstreik ist ivmit vermieden worden.— Bei der Urabstimmung� der Werft« a r b e i t e r ergaben sich von 8934 Stimmen 4552 für den SchiedS- spruch des ReichSarbeitSministeriumS, 4432 gegen die Annahme. Auch hier konnte trotz heftigster linksradikaler Agitation die Streik- gcfahr beseitigt werden. « Am Sonnabend sind die Buchdrucker Darmstadts in den St r e i k getreten. Die bürgerlichen Blätter Darmstadts erscheinen seitdem nicht mehr. Don dem Streik sind ferner betroffen die Or'e B e n s h e i m und E b e r st a d t. Die Zahl der Sttei- kenden beträgt 300. In der Bonner Fahnenfabrik in Bonn a. Rh. stehen die Arbeiter und Arbeiterinnen seit dem 30. September im Stteik wegen Lohn- differenzen. Der Unternehmer machte Zugeftändnisie von 33 bis 40 Pf. bei der Mehrzahl der Arbeiter und glaubt damit der Teuerung gesteuert zu haben. Wir bitten sämtliche Arbeitervereine aus dem ganzen Reich, die auch zum großen Teil zu den Kunden der Bonner Fahnenfabrik gehören, bei ihren Bestellungen sich bei dem Deutschen Tcxtilarbeiterverband, Filiale Köln, Severinstr. 197, erst nach den Verhältnissen zu erkundigen. Die arbeitersreundlichen Blätter werden gefälligst um Abdruck gebeten. Ueber den Abschluß des Kampfes werden wir berichten. Kinovorführer(Deutsche Filmgewertschaft). Mittwoch 10'/, Uhr im .Alten ASkaniet'. Anhaltstr. 11: Persammlung. Erscheinen dringend notwendig. wertmeister-ert-nd. Be». 15, fiacharuppe Papier: Freitag 5 Uhr im Schult- heiß. Neue Iakobstr. 24/25, Eencrawersammlung. Deutscher Bertehrabund, Abt. Srastsahrer. Seschäft,- und Lastkraftfahrer: Leute 7 Uhr im Scwerkschaftshaus, Engelufer 24/25, Branchenverfammlung. Bortrag des Nollegen Nürnberg über„Die Rechtsschutz, und Halwslichtversiche» rung der Kraftfahrer*. Zentralverband der Zimmerer. Donnerstag Z Uhr im Sewerkfchaftshau». Saal Z, Berfammlung aller Vertrauensmänner, Obleute und Betriebsrate au» dem Hoch-, Beton» und Tiefbau und sämtlichen Fabrikbetrieben. Deutscher Tr-»»p»rtarbeiter,erbaud. Bretterträger und Platzarbeiter aus den Nutzdolzhandlungen: Heute 4 Uhr Versammlung aller streikenden Kollegen in den Zentral-Festsälen, Alt« Iakobstr. ZZ(zwischen Kommandanten, und Oranienstraßc). Bericht über die Verhandlung. Ohne Mitgliedsbuch refp.»karte kein gutritt.— Handelshilfsarbeiter und-arbeiterinnen der Srupp« II au» den Engros- und Drtailbetrieben der Putzbranch«(Damenhütc, Blumen und Federn): Mittwoch 6 Uhr bei Witte, Poftftr. 20, Sruppenverfammlung.— Handclshilf». arbeiter und-arbeiterinnen aus allen Betrieben der Damenwäsche, Schützen., Unterrock-, Weißwaren, und Tapisseriebranch«: Donnerstag 7 Uhr bei Witte, Poftftr. 2S, wichtige Druppenverfammlung.— Handelshilfsarbeiter und-arbeit«. rinnen der Gruppe O au» den Engrosbetrieben der Herren», Knaben, und Burfchenkonfektion, Gummimäntel, Phantastewcstcn sowie Berufskleidung: Donnerstag 5 Uhr bei Witte, Poststr. 20, Grupvenverfammlung.— Handels- Hilfsarbeiter und.arbeiterinnen au« allen Betrieben der Hüte-, Mützen- und Pelzwarenbranche: Dienstag, den 11. Oktober, 5 Uhr, bei Witte, Psststr. 29, Gruppenversammlung. Verband der Maler. Sektion der Lackierer: Mittwoch in Schulz' Festsälen, Am Königsgrabcn 2, Ecke Münzstraß«, Sektionsversammlung. Mus öer Partei. 10 Jahre„Schlesisthe Bergwacht". Die in Waldenburg in Schlesien erscheinende„Schlestsche Berg- wacht" blickt im Oktober aus ein zehnjähriges Bestehen zurück. Aus diesem Anlaß gab unser Parteiorgan«ine stark« Iubiläumsnummer heraus, die Zeugnis davon ablegt, unter welchen Schwierigkeiten das Unternehmen vor zehn Jahren ins Leben gerufen wurde unh welche immense Anstrengungen die Geqner, die im„Wahlverein der gc- mähigten Parteien des Kreises Waldenburg" organisierten Kohlen- barone, machten, um die Existenz der„Bergwacht" zu untergraben. Noch in aller Erinnerung dürfte der Meineidsprozeß gegen den damaligen Geschästsfützrer W e i ch e l t und den Faktor H o f f m a n n von der„Schlesisthen Bergwacht" sein, der im Juli 1913 vor dem Schwurgericht in Schweidnitz zum Austrag kam und mtt der Der- ürteilung der Angeklagten zu schweren Zuchthausstrafen endete. Ein weiterer Angeklagter, ver Arbeitersekretär O st e r r o t h, wurde frei- gesprochen. Der Geschäftsbetrieb der„Schlesischen Bergwacht" wurde am 1. Oktober 1911 eröffnet. Einen Monat vorher war das Blatt bereit» als Kopfblatt der„Dreslauer Volkswacht" erschienen und am 29. Ok- tober 1911, nach nur vierwöchigen Vorbereitungen, ging bereits die erste in der eigenen Druckerei hergestellte Nummer ins Land. Die Auflage bettug damals 8000: bei Beendigung des Krieges waren 13 000 Leser vorhanden. Heute bettägt die Auflage 35 000 einschließ- lich der drei Kopfblätter, der„Striegouer Dolkszeitting", der„Volks- zeitung aus dem Riesengebirge" und der„Reuen Dolksstimme für die Kreise Neurode und Glatz". Es war ein schwerer Kampf, den unser Parteiorgan mit dem fast allmächtigen Grubenkapital und den von ihm ausgehaltrnen gelben Söldlingen auszukämpfen hatte. Aber bereit» vor dem Kriege hatte es gesiegt. Auch in Zukunft wird die„Schlestsche Bergwacht" als Kampfes- organ für die vorwärtsstrebende werktätige Bevölkerung ihre Pflicht tun und die Wacht auf Schlesiens Bergen für die Freiheiten und Rechte des Volkes getreulich ausüben. Vsraritw. für den redakt. Teil: Dr. Werner Peifer, Ebarlottenbprp: für Snzeisen: Th.«locke, Berlin,«erlag: VorwSltS.VcrIas G.m.b.H., Berlin. Druck:«or- Wärts-Vulbdruckerei u. LerlagsanNalt Paul Singer u, Co., Berlin. Lindcnstr.». _»ierz» i Bekl-ae. Die gasgefüllte Ospam-Nifpa-Lampe wendet man Vorteilhaft dort an, Wo neben großer Lichtfülle auf geringen StromVenbraudi Wert gelegt Wird, Nr. 4H7«Z8. Fahrganz Heilage öes vorwärts drenstag, 4. GkLs�2r l92! GroßSerlln Sürgerliche Nißwirtschast. Die Bürgerlichen reden in allen Tonarten von der„Mißwirt- schaft" des sozialistischen Berlin. Sie rechnen dabei auf die Der» geßlidsteit der Bevölkerung. Nun sind kürzlich in der Bezirksver? sammlung des Bezirks IX(Wilmersdorf), in dem das Bürger- tum uneingeschränkt herrscht, Mißstände aufgedeckt war- den, die ein M u st er b e i s p i e l dafür sind, wie sich das Bürgertum eine„fachgemäße" Verwaltung denkt. Es ist festgestellt worden, daß eine kleine Zahl von Unternehmern bei der Vergebung von Aufträgen einseitig und zum Schaden der Allgemeinheit berücksichtigt worden ist. Es muß noch hervorgehoben werden, daß die folgenden Angaben von den Vertretern des Bezirksamts Wilmers- darf nicht bestritten werden konnten, Der Umbau des Stadthauses war ursprünglich mit 4 M i l l i o- n e n Mark angesetzt und hat schließlich 12 Millionen Mark gekostet. An Maurcrlöhnen waren Z,2 Millionen erforderlich, wäh- rend der Arbeitgeber 1,8 Millionen schluckte! Materialien wurden extra geliefert! Das ist ein Zu- schlag von 55— 83 Proz. zum Tariflohn der Arbeitnehmer. Ein Stukkateurunternehmer hat für 300 000 M. Arbeiten erhalten. Hier- von hatte er 60 000 M. Löhne zu zahlen. 60000 M.— 83Proz. steckte er in seine Tasche. Die Zentralheizungsanlaze war erst mit 400000 M. veranschlagt, gezahlt wurde schließlich das 214 fache— 1 Million Mark. Um dieelek- irischen Beleuchtunqsanlagen bewarben sich 4 Unternehmer mit Ange- boten von 81 674 M., 68 690 M., 54 356 M. 62 612 M. Der höchst- bietende, ein Wilmersdorfer, bekam den Zuschlag: ausgeführt hat er die Arbeit für.... 540 000 M.ü! Dieser Unternehmer, ein gelernter Handlungsgehilfe, hat seit November 1918 fast sämtliche elektrischen Installationsarbeiten ausgeführt(in Höhe von % Million Mark), obwohl er stets der Höchstfor- dernde war. Die Wähler mögen erkennen, welche Mißwirtschaft, welche Begünstigung einzelner auf Kosten der Gesamtheit in der Verwaltung Berlins einreißen würde, wenn diese Gesellschaft wieder die Macht in der Hand hätte. Blitzlichtartig beleuchten die hier geschilderten Vorgänge die Mißwirtschaft des Bürgertums, das gegen den roten Magistrat hetzt, weil er das Interesse der Allgemeinheit über das P r o f i t i n t e r es se einzel- ner Unternehmer stellt. Nur die Wahl von Sozial- denlokraten kann eine solche Schädigung der Bevölkerung ver- hindern. Zum Naubüberfall in Wannsee. Der am Wannsee Überfallene Postanwörter Gerhardt hatte sich im Krankenhaus so weit erholt, daß er vernommen werden tonnte. Nach der Darstellung des Ueberfallenen und den bisherigen Er- mittlungen handelt es sich um einen planmäßigen Raubmordversuch. Der Postanwärter hotte sich die Nacht vom Sonnabend zum Sonntag in zwei Tanzlokalen aufgehalten und sich gegen 614 Uhr auf den Weg zum Bahnhof Wannsee gemacht. Weil er nicht orts- kundig war, fragte er zwei Männer nach dem Wege zum Bahnhof. Sie antworteten ihm, daß sie auch zum Bahnhof gehen wollten, er solle nur mit ihnen kommen. Das tat der Poflanwärter dann auch. An der Großen Seestraße bogen die Männer dann mit ihm in einen Waldweg ein. Auf einer Anhöhe erhielt er plötzlich einen heftigen Schlag auf den Kopf. Als er zusammenbrach, packten sie ihn und schleppten ihn ins Master, das an dieser Stelle sehr flach ist. Da der Ueberfallene um Hilfe schrie, stachen sie mit seinem eigenen Messer, das sie sich vorher von ihm hatten geben lasten, auf ihn ein. Endlich packten sie ihn wieder und schleppten ihn noch weiter in das Wasser. Nachdem sie dann ihrem Opfer noch die Brieftasche mit 400 M. geraubt, verschwanden sie. Zweckdienliche Meldungen über die beiden Räuber, die nach dem Kampf im Walser vollkommen durchnäßt sein mußten, werden an Kriminalkommissar Hermann, Polizeiamt Zehlendorf, erbeten. Es stehen 2000 M. De- lohnung für derartige Mitteilungen zur Verfügung. Man vermutet auch, daß die Räuber sich in einem Boot davongemacht haben. Die Organisation der Volkshochschule Groh-Berlin. In kaum zwei Iahren ihres Bestehens hat sich die Volkshoch- schule Groß-Berlin nach innen wie nach außen mit erstaunlicher Schnelligkeit entwickelt. Mit 6 Lehrstätten eröffnete die Volks- Hochschule im Januar 1920 ihre Tätigkeit, heute unterhält sie nicht weniger als 45 Arbeitsstätten in allen Teilen von Groß-Berlin. Ueber 250 Kurse und Arbeitsgemeinschaften aus allen Gebieten der Wissenschaft, Technik, K u n st, Musik und L i t e r a- t u r werden hier abgehalten. Daneben finden Kunstveranstaltun- gen, Museumsführungen und Lehrausfiüge statt. Endlich sind Vorbereitungskurse zur Förderung von Hörern, die die Kenntnisse der Volksschule nicht in genügendem Maße besitzen, vor- gesehen. Charakteristisch für die Volkshochschule Groß-Berlin sind zwei Umstände, die sie vor allen ähnlichen Instituten auszeichnen, an denen Berlin ja keinen Mangel leidet. Es ist dies einerseits der öffentliche Charakter den das Institut dank seiner sehr glücklichen Anlehnung an Sie Kommune Groß- Berlin- trägt, andererseits der wissenschaftliche Ernst, den der Aufbau des vielverzweigten Lehrplans sowohl im ganzen wie im einzelnen atmet. Hier erweist sich die dauernde enge Fühlung, die die Volkshochschule Groß-Benin mit der Universität und den anderen Berliner Hochschulen unterhält, als außerordentlicher Wert. Der juristischen Form nach ist die Volkshochschule Groß-Berlin ein Verein, dessen Mitglieder zum größten Teil Körperschäs- t e n sind. Es sind das die Stadtgemeinde Groß-Berlin und ihre zwanzig Verwaltungsbezirke, die großen Verbände der Arbeiter, Angestellten und Beamten, die Bildungsorganisationen der arbei- tenden ILeoölkerung und die Berliner Hochschulen. Außerdem ge- hören der Mitgliedschaft eme Anzahl von Hörern und Lehrern so- wie einzelne Persönlichkeiten der Wistenschast und des freien Volks- bildungswesens an. Die Vertreter einzelner Interessengruppen bilden gemeinsam die Mitgliederversammlung. Diese übt die ständige Kontrolle über die Tätigkeit der verantwortlichen Organe aus. Ueberblickt man die gesamte Organisation der Volkshochschule Groß-Berlin, so gewinn« man den Eindruck eines zwar komplizier- ten, aber gleichwohl stabil und elastisch gebauten Apparates. Die hohen kulturellen Bestrebungen, denen er zu dienen bestimmt ist, verdienen die regste Anteilnahme der breitesten Oeffentlichkeit. Un- sere Parteigenossen und Freunde wird es interessieren, schließlich zu hören, daß auch eine Anzahl sozialistischer Dozenten an der Ver- liner Volkshochchsule tätig sind. Eigenunfallversicherung der Stadtgemeinde Berlin. Auf Grund des 5 628 der Reichsversicherungsordnung hoben Gemeinden das Recht, die Unfallversicherung für die in ihren Diensten stehenden Arbeiter und Angestellten selbst in die Hand zu nehmen, sosern sie von der Aufsichtsbehörde für„leistungsfähig" erklärt werden. Der Magistrat hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, von diesem Recht Gebrauch zu madjen und die Eigenversicherung in die Wege zu leiten. Die Verwaltung wird, gegenüber dchn jetzigen Zu- stände, ganz erheblich vereinfacht. Bisher kamen für die verschiedenen Verwaltungszweige die verschiedensten Berufsgenosscnschöften in Betracht, was zu einer Verzettelung der Arbeitskräfte führen mußte. Durch Zusammenfassung aller dieser Angelegenheiten, auch der aus den ehemaligen Vororten, läßt sich eine besonder« Verwaltung mit diesen Arbeiten beauftragen, wodurd) eine wesentliche Verbilligung herbeigeführt wird. Weitere Erhöhung des Vrolprcises. Die Steigerung fast sämt- sicher Unkosten, insbesondere der Gehälter, Löhne und des Fuhrlohns erfordert eine, wenn auch relativ nicht erheblidie(nicht ganz 3prozen- tige) Erhöhung des Abgabepreises für Bockmehl. Die Deputation sür das Ernährungswesen beschloß, wie WTB. beridstet, in ihrer Sitzung am 3. d. M., dem M a g i st r a t eine entsprechende Erhöhung des Vrotpreises, und zwar um 15 Pf. für das Großbrot, für die Zeit vom 10. Oktober 1921 ab vorzusdjlagen. Der Preis der Schrippe soll un- verändert bleiben. Einbruch bei der Schauspielerin von Slranz-Führinq. Am Sonntag nachmittag in d:r Zeit von 6Vi bis 8% Uhr suchten Wohnungseinbrecher die Sdjauspielerin Baronin Anna von Stranz-Führing in der Brondenburgischen Straß« 46 zu Wilmersdorf heim, indem sie sich, als die Räume kurze Zeit ohne Aufsicht standen, durch ein Ober- lichtfenster Eingang verschafilen. Sie stahlen Schmucksachen, Klei- dungsstücke, Brillanten und Silbersadjen, diese mit den Zeichen F. F. und Ä. F. und einer siebenzackigen Krone im Gesamtwerte von 300000 Mark. Auf die Wiederbeschaffung ist eine hohe Belohnung ausgesetzt. Ausdehnung des Geschäftsbereichs der KDG. Di« Kleider- Bertriebs-Gesellschaft, kurz KVG. genannt, deren Aufsichtsrot neuer- dings ausschließlich aus Berliner Stadlräten und Stadtverordneten besteht, hat soeben ihre— vierte— Filiale in der Müüerstr. 181 eröffnet. Sie will damit entsprechend ihrem Gründungsprinzip auch den Minderbemittelien des hohen Nordens G-l'egen- heit zu billigem und bequemem Einkauf geben. Die neuen Rävmo zeichnen sich durch eine pediegen-einfache Anlage aus, die ganz in Weiß gehalten ist. Das Unternehmen wird nad? streng kaufmännischen Grundsätzen geführt. Zum Leiter ist.endgültig Direktor Felix K i e b u r g berufen worden, der ein ervrobtcr Fadimann ist. Dezernent beim Magistrat für die KVG. ist Stadtrat Ko h l. Die Zezt'rale bleibt unverändert in der Kommandantcnstr. 81. Die Badeanstalt Bärwaldstraße ist nunmehr vom Bezirksamt VI . Reichskanzler und den Reichsarbeitsminifter Ministerialdirektor Dr. S i tz l e r, für den Reichswirtschaftsminister Geh. Ministerialrat S ch ä s s e r, für den Reichswirtschaftsrat U r- b a n- Berlin, für die Stadt Düsseldorf der Oberbürgermeister der Stadt Düsseldorf, ferner Regierungspräsident G r ü n e r- Düffel- darf. Die österreichlsche Druderorganisation vertritt Viktor Stein- Wien, den Internationalen Gcwerkschaftsbund Amsterdam und den ADGB. L e i p a r t- Berlin. Der deutsche Metallarbeiterverband ist durch seine beiden Vorsitzenden Dißmann und R e i ch e l- Stutt- gart vertreten, der Bergarbeiteroerband durch W aldheck er- Bochum, der Transportarbciterverband durch K l o e s e l, der Verband der Maschinisten und Heizer durch K r u m n o w, die Faka durch S a b b a t h, die freigewerkschaftlichen Betriebsräte durch R ä r p e l- Berlin. Die politischen Parteien haben in Anbetracht der Bedeutung der Tagung ebenfalls Vertreter entsandt, und zwar Franz Krüger- Berlin für die SPD., I ä k e r- Düsseldorf für die Reicbstagsfraktion der SPD., Frau Agnes und Merkel für die USP., Diplomingenieur Dahl für die Demokratische Partei sowie Abgeordneter Erkelenz. Die Luxemburgische Regie- r u n g hat ihren Soziolattache zur Tagung delegiert. Vom Reichs- Präsidenten Ebert, vom Reicksinnenminister, vom Reichsminister für Wiederausbau, vom Preußischen Ministerium für Handel und Gewerbe, vom Badischen Arbeitsminister sind Begrüßungs- schreiben eingegangen. Aufhäuser-Berlin eröffnet den Kongreß und heißt die Delegierten der sämtlichen angeschlossenen Verbände und die Vertreter der Ar- bciterbewegung und Behörden willkommen. Im besonderen begrüßt er den Vertreter des Deutschen B-amtenbundes und sprach den Wunsch und die Hoffnung aus, daß man bald den Deuischcn Deamlcnbund als drillen Dundesgearfsen bewillkommnen könne. Er weist im weiteren Verlauf seiner Rede darauf hin, daß die Tagung nicht nur eine eigene Bedeutung hat, son- dern auch in eine Zeit großen geschichtlichen Geschehens, in eine Zeit gewaltiger wirtschaftlicher Gärungen fällt. Konzentration des In- dustriekapitals einerseits, Jammerund Elend der schaffen- den Klasse andererseits seien die Merkmale der gegenwärtigen ökonomischen und sozialen Situation. Die gegenwärtigen Kämpfe seien ein Ansatz für jene große Auseinandersetzung zwischen Kapital und Arbeit. Diese Kämpfe, die äugen. blicklich auf der ganzen Front zwischen Unternehmern und Arbeit- nehmern entbrannt seien, gingen in letzter Linie darum, wie der Wiederaufbau der deutschen Volkswirkschaft vor sich gehen solle, ob nach den alten kapitalistischen Methoden, oder ob auf g-meinwirtlckastlicher Grundlage. Notwendig sei die Her- stellung einer geschlossenen Front der deutschen Hand- pnd Ko p f a r b e i t e r s ch a f t. Die Aufgabe des ersten Afa-Kon- gresses im besonderen sei,»rgamsatorisch, gewerkschaftlich und sozialpolitisch die Vorausscgungen zu schaffen, um künstig Kopf- und Handarbeiter zu gemeinsamen Aktionen zu befähigen. Die Aufgabe der Tagung müsse auch sein, Wegweiser für die künftige Afa-Be- wegung aufzustellen.(Lebhafter Beifall.) Hierauf konstituiert sich der Kongreß. Als Dorsttzende werden bestimmt: A u f h ä u s e r- Berlin, Süß- Berlin und S t ö h r-Kiel. Als stellvertretende Vorsitzende: Schweitzer- Berlin, Urban- Berlin und Leonhard- Düsseldorf. Hierauf nimmt der Kongreß die Begrüßungsreden entgegen. Geheimrat S i tz l e r- Berlin überbringt die Wünsche und Grüße des Reichskanzlers und des Reichsarbeitsministcrs. Große D«e VMMimlMM! Heute, dienstag, öen 4. Oktober: 4. kreis Schönhauser und Prenzlauer Vorstadl: 7 Uhr, in der Aula des Luilenstädti schon Gymnasiums. Gleimflr. 49. Thema: „Die polilifchen Lügen der bürgerlichen Parteien im Stadt- Parlament." Referent: Frenz Krüger. RldL. 7. kreis Charlottcnburg: Sö. Abt., 7 Uhr. in der Auta der 14. Ge- uieindefchule. Pestalozzistr. 40. Thema:„Die bevorstehen- den Stadtverordnetenwahlen." Referent: Albert h o r l i h, Stadtverordneter. 9. kreis Grunewald: 7!» Ubr, im Hubertus, huberkusbadcr Straß?. Thsmo:„Sozialistischer Aufbau oder reaktionärer Rück- schritt in Reich, Staat und Gemeinde." Referent: her- mann RIolkenbuhr, MdR. 12. Kreis Steglitz: S Uhr. im Gymnasium, heeseslrahe. Thema:..vi« politische vedeutung der Kkadtoerordnetcnwahlen." Referent: Kurt h e i n i a. 14. kreis Neukölln: 89.. 90..'92. und 9Z. Abt.. 7 Uhr. in dy: Aula des Kaiser-Friedrich-Realgymnasiums, Kaiser-Friedrich- Sirahe 210. Thema:„Die Vedeulung der Sladtverord- nelenwahlen." Referent: Bürgermeister Scholz. 14. kreis Neukölln: 94. und 95. Abt.. 7 Uhr. in der Kindl-Vrauerei, hermannstr. 215. Thema:„Der Kampf gegen die Reaktion im Stadtparlament." Referent: Dr. war Bend in er, MdL. 15. Kreis Treptow: 71? Uhr. im Viktoriagarkcn. Am Treptower Park. Thema:„Der Kampf gegen die Reaktion im Stadt- Parlament." Referent: Stadtrat Eugen Brückner. 20. Kreis Reinickendorf-West: 7K Uhr. in der Aula der Gemeinde- schule. Auguste-Viktorla-Alles 29. Thema:„Die politische Bedeutung der Stadtverordnelenwahlen für die Frauen." Referentin: Gertrud Hanna, ZildL. Morgen, Mittwoch, Sen S. Oktober: 1. Kreis Berlln-Mitte: 1. Abteilung. 7 Uhr. In Wittes Fcstsälen, Scbasliaustr. 39. Tagesordnung:„Die Republik und das Rate Haus." Referent: Stadtrat Eugen Brückner. 2. Kreis Tiergarten: 7 Uhr, Wählerinnenoersammlung. Schulaula der Gemeindeschule Sleinmehstr. 79. 2.„Armeniushallen", Bremer Slr. 73. Thema:„Die politische vedeulung der Sladlverordnetenwahlen für die Frauen." Reserenlinnen: 1. G. Hanna, MdL. 2. Siadkverordneke TN. Hoppe. 4 Kreis Prenzlauer Tor: 26. und 28. Abl„ 7 Uhr, Brauerei Pfeffer- berg, Schönhauser Allee 176. Thema:„Die Republik und die neue Gemeinde." Resereul: Hermann Lüdemann, Finanzminister a. v. 11. Kreis Schöncberg: TA Uhr in der Aula des helmholz-Gymua- siums, Rubensstrahe. Thema:„Die Republik und das Rote Haus." Referent: Stadtverordneter Dr. Lohmaan. 13. Kreis Mariendocf: 1A Uhr. Aula des Realgymnasiums Kaiser- strahe. Thema:„Die Republik und das Rote Haus." Referent:: Stadtverordneter Karl hetzschotd. 13. Kreis warienfelde: 8 Uhr, Turnhalle vorfstr. 53. Thema:„Die politischen Lügen der Reaktion im Stadtparlament." Refe- rent: Franz Krüger, MdL. 14. Kreis Reukölln: 7!4 Uhr, Aula der Oberrealschule. Emser Slrahe. Thema:„Die Tätigkeit der Sozialdemokratie im Stadt- Parlament." Referent: Bürgermeister Scholz. 15. Kreis Baumschulenweg: 71? Uhr, Lyzeum Baumschulenstrahe. Thema:„was bedeutet für die Wählerschaft der 16. Ok- tober?" Referent: Birnbaum. 15. Kreis Johannisthal: 714 Uhr bei Senftlcben, Friedrichstr. 48. Thema:„Die Stadt- und Bezirksverordnetenwahlen." Be- zirksverordneter Fabel. 17. Kreis Mohlsdorf- Süd: 8 Uhr, hcidekrug. Söpenicker Str. Thema: „Die Republik und das Rote Haus." Referent: Stadt- verordneter Ewald. Viktor Stein- Wien ist gekommen, um zu bewundern, aber auch um zu lernen. Aus der Tagesordnung des Kongresses ersehe man, wie innig die Bande seien, die zwischen der Kopforbeiterschast und der manuellen Arbeiterschaft beständen. Das sei«in verspätetes Echo auf das Wort Lassallee von der Vereinigung der schwieligen Faust mit dem Blitz des Geistes. Er komme aus einem armen und schwergeprüften Lande, das aber bei aller Armut reich an Begeiste- rung, reich an Zuversicht und reich an Äampfentschlossen- h e i t sei. Unter den 900 000 Mitgliedern der österreichischen Ge- wertschastskominission zählten die Privatangestellten heute 117 000, darunter 40 000 weibliche Angestellte. Stein gab zum vchluß seiner Begrüßungsrede der Hoffnung Ausdruck, daß die Einheit der deutschenund deutschösterreichischen Angestellten- beweg» ng nicht nur ideell, sondern auch bald zur Tatsache werden würde. Geheimer Reaierungsrat S ch ö s f« r spricht namens des Rcichsarbeitsministers Genossen Robert Schmidt. Genosse L e i p a r t- Berlin begrüßt den Kongreß im Namen des internationalen Gewerkschaftsbundes und des ÄDGB. Der International« Gewerkschaftsbund sei von großer Freude erfüllt, daß der große Afa-Bund bei der Entscheidung zwischen Moskau und Amsterdam den weg nach Amsterdam beschritten habe. Namens des großen Bruders ADGB. begrüßt er die Ueber- brückung des Spaltes, der früher zwischen 5?and- und Kopfarbeiter- schaft geklafft habe und daß man sich heute als gemeinsame Streiter gefunden habe. Er hofft auf ein dauerndes erfolgreiches Zusam- menckirken der beiden prvßen Spitzenorqanisotionen. Genosse ffranz Krüger- Berlin überbringt die Grüße und Wünsche der SPD. und weist auf die weitgehende Uebereinstimmung zwischen den sozialistischen Parteien und den Gewerkschaften hin. die beide die Interessen des arbeitenden Volkes vertreten. In zwei Fragen der letzten Zeit habe sich dies« Uebereinstimmung besonders gezeigt, und zwar a>s die Vertreter der internationalen aewerifchaft. licheii Beweaung mit den Vertretern der sozialistischen Parteien ein Programm über die Lösuna der Wiedergutmackungsfraas aufgestellt bätten, und dann, als die Gewerkschaften gemeinsam mit den sozio. listischen Parteien zum Kampfe für den Schuh der deukschen Republik aufgerufen haben. Lange vom Deutschen Deamtenbund hofft, daß die Zeit nickt mehr fern ist, wo auck der Deutsche Beamtenbund sagen würde: Ich sei, gewährt mir die Bitte, in Eurem Bunde der Dritte.— Reickstaasabgeordneter Merkel begrüßt den Kongreß im Namen der USP. als Mitkämpfer in dem großen Kampfe um die höher« Gesellschaftsform, in dem Kampfe für da, Recht, die Kultur und die Freiheit.— Dißmann vom Deutschen Metallarbeiterverband verweist aus die gemeinsamen Ausgaben, die Hand- und Kopfarbeiter zu erfüllen hoben zur Erringuna einer besseren Zukunft. Eine bessere Zukunft sei aber nur zu erwarten, wenn die Klassenberrschast ver- schwindet und einer Gesellschaftsform Platz macht, wo gleiches Recht und gleich« Pflichten für alle gelten. Man wolle nicht mehr länger� Amboß, sondern Hammer sein.. A u f h ä u s e r dankt für die warmberzigen Worte der Be- grüßungen und bittet, nunmel.i w die Werkstatt des Asa-Bundcs einzutreten, um ihn dort bei seiner gewerkschaftlichen und sozialyoli- tischen Arbeit kennen zu lernen. Prof. Dr. Sinzheimer- Frankfurt a. M. hielt sodann ein hochbcdeutsames programmatisches Referat über die Fortbildung des einheitlichen Arbeitsrechtes, das mit lebhaftem Beifall ausgenommen wurde und weiteste Be- achtung aller Arbeitnehmerkreise oerdient. Der Referent ging von den Grundtendenzen der modernen Arbeiterbewegung aus. Sie fei nicht mebr eine Bewegung der Arbeiter im engeren Sinne, sondern aller Arbeitnehm erkreise, die abhängige Arbeit leisten. geworden. Die einheitliche Front der Arbeiterschaft, die von dem gleichen arbeiterrechtlichcn Schicksal beherrscht sei. sei im Werden begriffen. Sie habe den Willen, selbständig und unabhängig die gesellschaftlichen Bedingungen des Arbeitnchmerdaseins planvoll zu gestalten. Die Kraft aller ihrer Aktionen liege in der Ueberzeugung, daß der lebendige Mensch im Mittelpunkt aller Rechts- und Wirtschaftsordnung stehen müsse, daß er nicht nur Mittel für fremde Zwecke, sondern ein Selbstzweck sei. Diesen Tendenzen entspringe die Forderung nach einem e> n h e i t- lichen, autonomen und sozialen Arbeitsrecht. Das Arbeitsrecht umfasse nicht nur den Arbeitsvertrag, sondern alle rechtlichen Beziehungen, die für den Arbeitnehmer von Be- dcutung seien. Das einheitliche Arbeitsrecht solle die Arbeiterschaft aus dem Zustande der Zersplitterung herausführen. Zersplittert seien die materiellen Rechtsvorschristen, die geschichtlich zufällig geworden und zum Teil von politischen Gesichtspunkten be- herrscht worden seien. Dadurch sei ein ungleiches Arbeitsrecht für die verschiedenen Arbeitnehmergruppen entstanden, wie z. 2. in der Frage der Konkurrenzklausel, der Sondergerichte usw. � Ein all- Gemeines Arbeitsrecht müsse diese Zersplitterung aufheben, in dem es für gleiche Verhältnisse gleiche Rechtsvorschrlften schaffe, dos aber Sondervorschriften nicht ausschließe, wenn innere Gründe sie erforderlich mochten. An die Stelle des zersplitterten Bchördenwcsens müßten einheitliche Arbeitsbehörden treten, in denen abteilungsweise alle auf das Arbsitswesen sich be- ziehenden össentlichen Funktionen vereinigt seien. Ein einheitlicher sozialer Geist müsse diese Organisation durchziehen. Eine wichtige Frage sei, ob die kommenden Arbeitsgerichte diesem einheitlichen Behördenorganismus oder den ordentlichen Gerichten angegliedert werden soften. Ausgeschlossen müsse sein, daß die Arbeitsgerichte den ordentlichen Gerichten angegliedert werden, ohne daß alle die vorhandenen Kautelen für eine soziale Rechtsprechung, die die bestehenden Sonderger.chte bleten, mit übernommen werden. Die zweckmäßigste Losung sei die Eingliederung des Arbeitsgerichtes in die einheitlichen Arbeits- behörden. Die allgemeine Ansicht der Sozialpolitik habe sich gewandelt. Der alte Staats- und Kathedersozialismus fei zurückgetreten. Heute habe den Borrang in der Gestaltung der sozialen Dinge der Gedanke der sozialen Selbstbestimmung. Er dränge zur autonomen Rechtsprechung. Das autonom« Arbeitsrecht soll« den Gedanken verwirklichen, daß innerhalb der allgemeinen staatlichen Gesetze in erster Linie die beteiligten Arbeit- nehmer und Arbeitgeber dazu berufen seien, selbsttätig das Arbeitsrecht zu schaffen. Die beiden Formeln für diese Selbsttätigkeit seien: die Tarifautonomie und Räteautonomie. Die Träger der Tarisautonomie könnten nur selbständige und unab- hängige Gewerkschaften sein. Als Träger der Räte- autoNomie seien die Bezirkswirtschastsräte und der Reichswirtschaftsrat heranzuziehen, die dadurch für das Arbeitsrecht ein sel st ändiges Leben gewinnen könnten, daß ihnen der Staat Derordnungsgewalt überweise. Zum Schluß besprach Sinzheimer die Entwicklung des sozio- len Gedankens im Arbeitsrecht. Er beruhe auf der An- schauung, daß die Arbeit nicht nur privaten, sondern auch gesell- s ch a f t l i ch e n Charakter habe, und daß das gesellschaftliche Intrr- esse den.. besonderen Schutz der Arbeit erheische. D!« Gesetzgebung müsse in fortschreitendem Maße in allen aroeitsrechtlichen Beziehungen diesen Gedanken verwirklichen._ Hierbei seien all« Versuche abzuweisen, die, wie die Kapital- und Gewinnbeteiligung der Arbeitnehmer in den einzelnen Betrieben, die Entwicklung des sozialen Gedankens nicht förderten, sondern hemmten. Das Ziel sei, die in ihren Lebens,nter- essen gesicherte Arbeit in organisierter Sesamt. Wirtschaft. Das Arbeitsrecht komme nicht von oben, es müsse von u n t e n wachsen. Deshalb fei die Mitwirkung der gesamten Arbeitnehmerschoft an diesem großen Gesetzgebungswerte erforderlich. (Lebhafter, langanhaltender Beifall.) Der Kongreß tritt sodann in eine Aussprache über diesen Tages- ordnungspunkt ein.___ vortrage, Verelne und Versammlungen. «eichsbu»» der»rieastejchödigte», Seieasteilnehmee und»riegerhinter- bliedrne», Ortsgruppe 0 NO. SriegsbefSödigte: Oienstas, den 4. Ok- tober, abend» 7�, Uhr. in ben Unisns.Festsitlen, Gressswalder Str. 222,?rr- sammlnng. Hinterbliebene: Mittwoch, den 3. Oktober, abends 7lh Uhr, in den Unions-Fesifälen. Greifswolber Str. 222.— Sektion der»ri»g»S«f»»e«""r de» Zntrrnationalen Bund«» de? ktriegsopjee Teutschland», 14. Perwaltungs» bezirk, Zkenkölln. Ritgliederoersommluna am 3. Oktober, abend« 7 Uhr,>» Lokal»on Benthln. Neukölln,«obdin.. Eck- N-Utersiraje Löhnungsfragen usw. — Deutsch« Friedensgesellschaft, Ortsgruppe Buch. Mittwoch, den 3. Oktober, abend, 7\i Uhr, Mitgli-dervers-mmlung bei«chulpich in Buch, Park-, Etfe Schönower Strahe. Tagesordnung: 1. Staatsabsolutismu» und persönllche Frei- heit. Reserent Dr. Pähl. 2. Ouäkerbewegung und Friedensbewegung. Nesercnt Mr. Fletscher, Ueberi'eher Dr. Pohl. 3. Freie Aussprache und Verschiedenes. Gäste willkommen.— N-b-iter.«spe?«ntiste». Dienstag, den 4. Oktober, abend» 7>, Uhr pilnktlich, Monatsversanimlun-, im Sophien-Lnzeum, Weinmeistersiraste. —'«eniaign»-»er srthopSdischin Znenlehrerinne»»nd Seilagmaaftln»-». Mittwoch, den 3. Oktober, abend»« Uhr, in der Ehirurqische» Universttät-Ninik. Ziegelstr. 10 11, Vortrag von Prof.«lapp Uber sei» Shstem der Skolws-ndrhan». lung. Gäste willkommen� Sport. Menne»«»n«runewald. Zi e n n e n. i. iurwglpie(Kostna). 5. Leoni-(Ianke). Lachtaube(Franzke) Tot.: L0:10. Pl. 11, 12, 15-10. genier liefen: Sarabande, Telainou. Rabenieder. Vanje.— 2. Rennen. 1.«nalreen(O. Schmidt). 2. Tardanos(Ieudsch), 8. Kondel(Tanek). Tot.: 85:10. Pl. 14, 15. 13: 10. Ferner liesen: klxenstein(t), vihnau, Liebediener, Parcival, Rnarchlst II.— z. Zi e n n c n. 1. Lenz(Conrad), 2. Prolos(Ieutzich), 3. Ekkehard(Otto Müller). Tot.: 85:10. Pl. 3t. 23, 18:10. Feimer liefen: Theobald(4), Diamant. Meister. Maghare. Jnclan. Turmwart, goung Star.— 4. R e n n e n. 1. Wallenstein sZimmermanni. 2. Olstan(O. Schmidt). 3. Geiser(Llesnik). Tot.: 54: 10. Pl. 12. 10. 14:10. Ferner liefen: Lorbeer(4). Gallivoli III. Derglcich, Kh-re velcm. Harlelin.--».Rennen. 1. Gaidenia(Olejnitt. 2. Tauscndmarknote.(Zach. meirr). 3. Traulich(Tarras). Tat.: 73: 10. Pl. 33, 34, 35: 10. Ferner liefen: Immergrün(4), Moudaine, Priorin. Stichprobe. Madonna, Mctls. C. Rennen. 1..w(Ludwig). 2. Moldau(Danek). 8. WpeinweiB (Bleuler). Tot.: 168: 10. Pl. 40. 22, 24: 10. Ferner liefen: Schicksal(4). Meniko. Erbschleicher, Heiligenroda, Falter, Fürst Poposs. Landstreicher, Paukenschläger.— 7. Rennen, i. Schaumichläaer(Tarras), 2. Barde (Altmann). 3. Goldcriap(Bleuler». Tot.: 52:10. Pl. Ist. 38, 29:10. Ferner liefen: EalsloUeja(4), Marsch marsch Wiwla, Sabotage, Lrplid, La Paloina, Schlingel, Black Mark, Bestalin, Ansage. Arbeitersport. Arbelttrs»»rtk«rt«kl, 2«. Pezie«. Mittwoch, de» 3. Okisber, sbend»» Uh», Desegiertensitzung lm Pllrger, arten, Reinickendorf-Ost, Hauptstr. 30/31. All» Pereine müssen vertrete» fei»,«orstandsmitglieder treffe» sich eine V4 Stunde früher. Wetterbericht bis Wiittwoch mlttaa. Ziemlich mild, ze'ilveüe eusttareiid. jedoch übe, wiegend, bewölkt mit ölier irnederbolicn, im Aorden vielfach starken Regensällen und Irischen westlichen Winden. Mißbrauch öer Lehr.'ingsarbeit. Auf der Tagesordnung der gestrigen Landtagssitzung stand als einziger Punkt die zweite Beratung des Haushalts der Handels- und Gewerbeverwaltung. Abg. Dr. Pinkccneiln .. Siboabit Rndols Blrchcw-Krankenha»» Krankenhau, Westend _•_ Wilmersdorf «ngust'.Biitoria.Kr»kenhaus, Schönebrrg Krankenhaus Neulölln. Buckow » Spandau 0 UfO TO . Nrinickendors ein» neue Krankenpstegeschule sür«Sie»llche» und zvetbliche» Krantenoflegeperlonal vorbehaltlich der guftimmung der Grmeindedehörden eröffnet werden. Gemäß dee neuen ministeriellen Verordnung über die Ausbildung und Prüfung der«raukenpflegepersonen dauert der Kursus der Kranlrnpflegeschule zwei Jahre. Da, Personal muß in der«tantenanstatt wohnen NU» Kranlenpfleaedienst tun. kleiduog Die Höhe di Freie Berpffegung und Unleo- 'wie eine monatliche Barentschä- digung. Die Höhe dieser Entschädigung unterliegt noch der Beschlußsassung der städtischen Körperschaften. Res- düngen stnd an die Direktion des Krankenhause, unter B-tsügung I a) etnes Geburtszeugniffe«, I d) eint« ärztlichen S-sundheitsi-ugnisse, und eine» , Iwpszrugniffes, c) etnes von dem Beweiberftn) selbst verfaßten. und selbst geschriebenen ausführlichen Lebens- i lause». <0 tine» Führungszeugnisse» der Ortsbehörde so-■ wie Zeugnisse aus bisherige» Stellungen bis zum 1j, Oltober 1921 zu richten. Berlin, den 30. September 1921. Teputatiou für daS Gesundheitswesen der Stadtqcmeiude Berti« TgbvRr. 120«es. V.,2>._ IcXt Dmntnkhptr.(Trefies .(_srhläfrif. Oberbeit, Üntorbett n. S Kissen mit 16 Pfd. prima füll- r, Eintadun g rm* BzsicPiiigung BrxuUaussiaUung. {andesßufer1 feimrfU.täeSifdweSzpei K VMrilnf&ld Gtößits Son dtrhau 5 fürjeimn u.Wascfie ü J3 zrlin ,W.Su ßipzi gtr-Sfr.ZO.-ZS. J/» Mittwoch— Donnerstag— Freitag Konkarrenzlose Preise! Fahrradreifen»xV/* vo« 48,-M.bi, 12s m. 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