nt.469 ♦ ZS. Jahrgang Musgabe A Nr. 237 Bezugspreis: BierteljShrl. SS- Hl. monatl. 1 Z,- N. frei ins J>aus, voraus zahlbar. Post» Morgen-Ausgabe c «ieov» verlin SO Pf, auswärts 40 Pfennig D Daiutg, d Memeiqebiet, sowie die ehemals beut» scheu Gebiete Polens, Oesterreich. Ungarn und Luxemburg 22,— Pt, für das übrige Ausland 29,— M. Postdestellungen nehmen an Oesterreich, Ungarn, Tschecho» Slowakei, Däne» mark, Holland, Luxemburg, Schweden und die Schweiz, Der»Borwärts- mit der Sonntags- bcilage»Volk und Zeit-, der lluier- haltungsbeiloge„Heimwelt" und der Beilage„Siedlung und Kleingarten" erscheint wochentäglich zwcimal.Som»- tags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: «Sozialdemokrat Berlin� Nevlinev VolKsblatt Anzeigenpreis: Tie neungelpaltene Nonpareillezeiie kostet M.„Meine Anzeigen- da» leligcdruckte Worl 2,— M,m, beim mechanischen Spiel aber nicht einmal eine Tastenbewegung erkennen läßt, meisterhaft, der Klang edel und weich, die überwältigend starken Töne der Kirchen- orgeln scheinen zu fehlen. Wo gute Organisten sind, braucht man die Mechanik nicht: für kleine Städte und Kirchen, für den- privaten Krösus kann es zum würdigen Fest oder zum Sport werden. Wir hörten ernste Stücke, die von Reger, Lemare. Eddy gespielt waren und— leider— auch Orchesterwcisen, die banal wirken, weil sie dem Geist der Orgel widersprechen. Gibt es einen Gegensatz zwischen heiliger und profaner Kunst? Der Mensch und seine Mittel erheben da» Profane zum Kult und ziehen das Erhabene in den Staub. Der Künstler bestimmt Gren» zen, Ausmaße, Unbegrenzheiten feiner Wirkungen. Er schaltet sich zwischen Werk und Hörer despotisch ein. Und wenn die K a r s a» w i n a tanzt, so ist die beste und die unfertigste Musik Minuten» lang gefesselt von der letzten rhythmischen, ausbalancierten, schwe» benden Zierlichkeit dieses Körpers. Oft war es, als werde zu den leuchtenden Augen und der freundlichen Mimik, zu dem heroischen Wurf ihrer Hände, der tremolierenden Hingebung ihres Rumpfes Musik interpretiert. Die Musik schien von zweiter Hand, und am Anfang war der Tanz. So einprägsam sind ihre Schritte, so musitalisch ihr Rubato, das Erescendieren im Lauf, das Presto der Pirouette, das Andante im Flügelschlag zarter Arme. Gewiß, dos ist alte Kunst, zu tanzen. Aber schöner und erlebter, expresstonisti» scher bewegt sich kaum eine der vielen, die Musik tanzen. Das Pro- sane ist heilig geworden, aus Bewegung löst sich Klang, Mozart und Chopin klingen nicht mehr aus den Tasten des Flügels und den Saiten der Streicher, sondern aus der Welt, aus dem Herz. schlag, aus dem Sprung, dem Takt und der Grazie der Karsawina. Ein Tanzphäncmen. ein Musikgenie, ein Mensch und ein Weib. Sommerfaden.„Fliegenden Sommer" nennt man sie auch, die feinen, glänzenden Fäden, die sich wie Silbernetze über die Wiesen legen oder wie hauchzarte Gespinste durch die Luft fliegen: allein wenn sie fliegen, ist der Sommer vorbei und der Herbst längst ins Land gezogen. Es gibt zwar ouch einen..fliegenden Sommer" im ersten Frühjahr, aber die Fäden fliegen um diese Zeit gewöhnlich so spärlich, dag man sie kaum wahrnimmt. In alter Zeit konnte man sich die Herkunft der Sommerfäden nicht erklären. Daher kommt es auch, daß man Ihnen Namen gab, die mit ihrer Entstehung nichts zu tun haben, daß man sie Marien. seide oder Marknfäden nannte oder Altweibersommer, Frauen- sommer, Sommerflug, Groswebe und Herbstjäden und jn England „Gottes Schleppe". So glaubte man, Elfen hätten die Fäden ge- spannen und über die Erde gebreitet, denen die Göttinnen Frigga und Haida die Kunst de, Spinnens gezeigt haben sollten. Bleich- wohl war es nicht schwer, festzustellen, woher die Fäden stammen, ! nehmungen gänzlich aufzuhören. Da sie und die Dolks- parteiler als die geistigen Väter des Unterfuchungsausschusies an- zusehen sind, erregte der Antrag einige Verwunderung. Von sozial- demokratischer Seite wurde der Zusatzantrag gestellt, die von den Kommunisten vorgebrachten Erschießungsfälle bei sonstiger Schließung der Zeugenvernehmungen gleichwohl noch zu untersuchen. Diejer > Zusatzantrag wurde angenommen, der Gesamtantrag jedoch alsdann abgelehnt. Dagegen fand ein Antrag der Unabhängigen An» nähme, wonach der Ausschuß in die Untersuchung der Er» schießungsfälle eintritt, im übrigen aber die Beweis» aufnähme einstweilen aussetzt. Der Dorsttzend« gab be» könnt, daß die Zeugenvernehmungen zu den Erschichungssällen in tcr n 5 ch st en sitzungsfreien Periode des Plenums vorg«- nommen werden sollen. Nach der allgemeinen Stimmung der Aus- fchußmitglieder zu urteilen, dürsten diese Zeugenvernehmungen die letzten sein. Wie der Untersuchungsausschuß zur Feststellung seines i Ergebnisses gelangen wird, steht bei den vielen widersprechenden Strömungen in ihm sehr dahin. Gemeinwirtschastliche Wohnungspolitik. Im Reichstagsausjchuß für Wohnungswesen berichtete zunächst Abg. Silberschmidt(Soz.)�über das Ergeb- nis der Verhandlungen des Unterausschusses und über die Anträge, die im Unterausschuß zur Annahme gelangt und noch zu erledigen sind.— Abg. Bahr(Dem.) äußerte in der darauf folgenden Einzel- bcratung Bedenken hinsichtlich der in der Borlage festgelegten Richtlinien.— Abg. K u h n t(U. Eoz.) richtete sich gegen Bereitstellung von Mitteln für privaten Wohnungsbau und wollte die gesamten, von der Allgemeinheit aufgebrachten � Mittel gemeinwirtschaftlich tätigen Baugenossenschaften überwiesen wissen. Ministerialrat Dr. Glaß(Reichsarbeitsministerium) erklärte da? Einverständnis seines Ministeriums, daß die Mittel zum Wohnungsbau aus der Wohnungswirtschaft selbst aufgebracht werden. Er legte sodann die Gründe dar, die gegen Schaffung eines Reichs- kommissariats sprechen.— Der Vertreter des Reichsfinanzmini- steriums wandte sich gegen Schaffung von Steuern zu Sonder- zwecken, da der BeamtenaWarat ohnehin unübersichllich ist und nicht noch mehr anschwellen darf.— In der Abstimmung wurden die Richllinien zu einem verstärkten Wohnungsbauprogramm für 1922 und 1923 in wesentlichen Teilen angenommen.— Abgelehnt wurde die Bestimmung, daß für die Durchführung de? Wohnungs- bauprogramms ein dem Reichswirtscheftsministerium anzugliedern- des Reichskommissariat für Wohnungs- und Siedlungswesen, mit einem Reichstommissar an der Spitze, begründet werden soll. Eine wesentllche Aenderung der Vorläge trat ferner darin ein, daß nicht, wie in der Borlage vorgesehen, neben der gemeinschaftlichen ver- wendung der Mittel zu 25 v. H. eine prioatwirtfchaftliche Verwendbarkeit vorgesehen wird. Es wurde beschlossen, daß ohne Einschrän- kung die von der Allgemeinheit aufgebrachten Baumittel gemein- wirtschaftlich tätigen Baugenossenschaften. Siedlungsgenossen- fchaften und Gemeinden zuzuführen sind. Ferner wurden auf An- trag Behrens(Dnat.) eine Reihe von Bestimmungen angenommen, die der Belebung der Bautätigkeit dienen sollen.— Abgelehnt wurde jedoch mit 13 gegen 13 Stimmen die hierbei erhoben« For- derung, alle ohne Zuschüsse mit öffentlichen Mitteln neugebauten und solche Wohnungen, die in Räumen, welche bisher nicht diesem Zwecke dienten, hergestellt sind, von jedem Zugriff der Wohnungs- ämter auszuschließen. Ebenso auch der Anspruch auf weitherzigere Fassung der Bestimmungen über die Gewährung von Baukosten- Zuschüssen, insofern, daß auch mit Wohnungsneubauten verbundenen wirtschaftlichen Zwecken dienende Räume billiger gebaut werden können. ver abgewiesene DhV. Dom Thüringischen Ministe- rium de» Innern wird uns mitgeteilt: In einer noch am Sonnabendabend nach der Plenarsitzung des Reichstage» stattgehabten Sitzung des Reichsratsausschusse», der über die gegen die Ausführung der Ausnahmeverordnung des Herrn Reichspräsidenten einlaufenden Beschwerden zu entscheiden hat, wurde das vom Thü- ringischen Minister des Innern seinerzeit ergangene, von dem deutsch- volksparteilichen Abgeordneten Thiel im Reichstage scharf angc- griffen« Verbot eines Gaujugendtages des Deutsch- nationalen Handkungsgehilfenverbandes, der am 8. und 4. September in Weimar stattfinden sollte, als b e r e ch t i g t anerkannt. Die gegen da» Verbot gerichtete, mit einer Schadenersatzforderung verbundene Beschwerde des D««tschnationalen Handlungsgehilfenverbandes wurde abgewiesen. Ein Erhokungsurlaob des Reichskanzlers. ReichSkonzler Dr Wirth hat einen etwa achttägigen Erholungsurlaub angetreten und heute weiß längst jeder, daß die Sommerfäden Spinnengewebe sind: nur, welchem Zweck sie dienen, Ist wohl den wenigsten bekannt. Die feinen Gespinste, die Fäden und Flocken, die wir als Marien- seid« kennen, stammen also von Spinnen her, aber von keiner der ge- schickten Webespinnen, wie es die Kreuzspinne ist, sondern von Spinnen, die sozusagen keine feste Wohnung haben, von umher- schweifenden Spinnen, und unter ihnen hauptfächlich von der Krabbenspinne, einer kleinen, eigentümlich aussehenden Spinnenart. Di« kleine Krabbenspinne erinnert nämlich durch ihr« stark verlänger- ten.beiden Borderoeinpaare und ihren rundlichen Leib wirklich an die großen Strandkrabben, jene schwanzlosen Krebse, die man, namentlich an den südlichen Meeren, so häufig antrifft. Dazu kommt, daß die Krabbenspinne nicht nur nach vorwärts, sondern auch seit- wärts laufen kann, was sehr drollig aussieht. Der Grund, weshalb die Krabbenlpinnen allherbstlich die Sommerfäden weben, ist ihre Wanderlust. Denn die Fäden dienen ihnen als Hilfsmittel zur Fortbewegung, zum Fliegen durch die Luft. Dieser Flug erfolgt in der Weise, daß die Spinne an irgend- eine freie Stelle hinaufklettert, hier einen Faden festheftet und nun eine Menge von Fäden— oft bis zu einigen Metern Läng«-- spinnt, die sie an ihren Beinen befestigt. Hierauf löst sie dos festsitzende Ende des Fadens ab und läßt sich nun vom Wind in die Lüfte tragen. Je nach der Windstärke kann sie mit diesen Fäden oft sehr weite Reisen zurücklegen, gelegentlich auch sehr hoch kommen: man fand solche fliegenden Spinnen sogar auf der Spitze der Peterstirche in Rom.„,„ Die Flüge der Krabbenspinnen sind übrigens keineswegs V«r- gnügungsreisen: sie«folgen vielmehr meist deshalb, weil die Spinn- an dem bisherigen Standort schon so zahlreich geworden ist. daß die Nahrungsbedingungen sich verschlechtern, weiter, um die Art so weit als möglich zu oerbreiten, und endlich auch einen passenden Ort zum Ueberwintsrn zu finden. Im Frühling machen dann viel« von den Tieren auf der Suche nach einem Sommeraufenthalt wiederum eine Luftreise, und diese Fäden nennen wir den„Mädchensommer. Tankalus in Finnland. Zwischen Frankreich und Finnland ist nach verschiedenen, durch das finnische Alkoholoerbot verursachien Schwierigkeiten nunmehr ein Handelsvertrag zustande gekommen. Finnland verpflichtet sich danach, in Frankreich allen Alkohol zu kaufen, den die Rüchtcrnheitsabteilung des finnischen Sozial- Ministeriums braucht. Aber nun kommt die Grausamreit, oas finnische Sozialministe» ium hat sich verpflichten müssen, ein l.ager zu errichten, in dem französische Produzenten und Kaufleut« dauerno Proben öon Wein und Spirituosen aus st eilen Das wird eine lustige Ausstelluno im Derbotslandel Hier dürfen sich die„Trockengelegten" unter Tantalusqualen ansehen, vne die bauchigen B-nediktincrflaschen aussehen, ou» denen sich eme frühere finnische Generation Jnsviration holte; hier bekommen ne richtigen Kognak zu sehen, nicht den gesörbten Fusel, den man im Schleichhandel kauft Koanak mit vielen Sternen und lockenden Jahreszahlen. Und der Wirt dieser Ausstellung scheußlicher Gifte soll die Nüchternheitsabteilung des Sozialministeriums fein! Pie Galerie(Soldschmidt-Wallerfteia, Schöneverger Ufer.SSs. eröffnet am 5. ONsber eine Sonderausstellung son Aquarellen. ftetchniMgen und«raphtk von Otkar Kotolch la, dt»dieLettvonl907dl»lV-21 umsaffen Der weiße Zleck üer Post. Aus Postbeamtenkreisen wird uns geschrieben: Daß man es in Giesberts Reich nicht besonders eilig hat, die Kaiserlichen' Firmenbezeichnungen und Stempel verschwinden zu lasten, ist bekannt. Auch über die Art, wie dies geschieht, wundert man sich nicht mehr. Neu ist aber, daß man im Bereich der Reichs- postoerwaltung die neu zu beschaffenden republikanischen Stempel so einrichtet, daß sie für alle Fälle gerüstet sind. Es wird jedem aufgefallen sein, daß nach der Beseitigung des Wortes„Kaiserliches" in der chaus» oder Türausschrift der Post- und Telegraphenanstalten man es vermieden hat. die Buchstaben des Restes der Inschrift— also„Postamt",„Telezraphenamt",„Ober- posldirektion" usw.— auf die ganze Jnschriftfläche zu ver- teilen. So sieht man denn die Bezeichnungen der Berkehrsanstaltcn verschämt in einer Eck« zusammengedrückt, während die Buchstaben- abdrücke des verschwundenen„Kaiserl." auf dem Mauerwert noch immer ganz deutlich erkennbar sind. So als ob man beabsichtigt, das Wort bald wieder herzustellen. Aehnlich ist es mit den D i e n st st e m p e l n der Postbehörden. Daß in den alten Stempeln das„Kaiserlich" mit Tinte durchstrichen oder entfernt wird und der Abdruck an seiner Stelle einen weißen Fleck aufweist, damit findet man sich für eine Uebergangszeit schließ- lich ab.- Daß aber neue Stempel mit dem Adler der Republik hergestellt werden und in diesen derselbe ominöse weihe Fleck er- scheint» ist ein bißchen starker Tabak! Man sehe sich den Stempel des H a u p t t e l e g r a p h e n a m t s an. In der Inschrift erscheint ganz wie bei den zur Ausrangierung bestimmten alten Stempeln vor dem Wort.Haupttelegraphenamt" ein langer weißer Fleck, der in keiner Weise in den Stempel hineinpaßt. Wozu soll der Fleck dienen, Herr Giesberts?— Hofft Ihr Telegraphendirektor nach dem Grundsatz,„man kann nie wissen, wie es kommt", in diesen Fleck recht bald ein„alles liebes Wort" einschneiden lassen zu können? Kaiserlich— oder gar nicht! Zu einem charakteristischen Streit mit der Reichspostverwaltung ist es im Freistaat Braunschweig gekommen. Am Gebäude der Oberpostdirektion in Braunschweig befand sich bis vor kurzem noch immer die Aufschrift„Kaiserliche Oberpostdirettton". Aus an- geblicher„Kostenersparnis" wurde sie nicht entfernt. Der braun- schweigische Ministerpräsident Sepp Oerter stellte jetzt an das Reichspostministerium die Forderung, die Inschrift zu beseitigen, andernfalls st« das braunschweigische Ministerium von sich aus entfernen lasten werde.— Und was tat darauf die Reichspost- Verwaltung? In tiesem Schmerz und Ingrimm, daß man ihr in Braunschro-ig das kaiserliche Prädikat nicht gönnen wollte, stellte sie Erwägungen darüber an, die Oberpostdirektion Braunschweig ganz- lich aufzuheben und mit einer anderen Oberpostdirektion zu verbinden. Braunschweig muß gestraft werden, weil es«ine „kaiserliche" Post nicht dulden will. Für eine Reichsbehördv ein reichlich seltsames Derhaltenl_ Ein Schilübürgerstreich. Die rein sozialistische Gemeindevertretung der Landgemeinde Eichwalde Ist durch Verfügung des preußischen Gesamtministeriums aufgelöst worden. Grund zu dieser Maßnahme glaubt der Minister des Innern D o m i n i c u s darin zu finden, daß die bürgerlichen Mitglieder der Gemeindevertretung, die sich in der Minderheit befanden, im Mai d. I. ihre Aemter niederlegten und dadurch den Sozialisten aller drei Richtungen das Regiment allein überließen. Als Ursache fiir die Niederlegung Halle die bürgerliche Minderheit seinerzeit an- geführt, daß die Mehrheit sich nicht ihrem Willen gelegentlich der Neuwahl des Gemeindevorstehers fügen wollte. Nach der Art kleiner Kmder, die nicht mehr mllspielen, wenn sie ihren Willen nicht bekommen, stellten sie sich abseits und beklagten sich bei dem preußischen Innenminister Dominicus über da» nach ihrer Meinung ungezogene Verhalten ihres großen Bruders. Ge- treu dem Grundsatz, daß dem Schwächeren und dem Unmündigen geholfen werden muß. hatte der Herr Innenminister Dominicus ein offene» Ohr für die wenn auch nach demokratischen Begriffen vollkommen unberechtigten Klagen der rechtsstehenden politischen Kinder. Es genügte ihm schon, daß zwei Mitglieder der Deulschem Bollspartei Eichwaldes, die Herren Lehrer Lanze und Mini- sterialbeamter Bottke, ihm in bewegten Worten ihr Leid klagten, um sofort mit der ihm eigenen Energie, sosern es sich um eine zu ergreifende Maßnahme gegen die Linksparteien handelt, einzugreifen und mit Zustimmung der übrigen Mitglieder des Ministeriums, die nach dem berühmten Muster Wilhelms des Letzten ihre Zu- stimmung erteilten, ohne mit der Sache verllaut zu sein, die Ge- meindevertretung aufzulösen. Tatsache ist, daß die Auslösung nur auf den Bericht der vorgenannten beiden Herren erfolgte, ohne daß die Gegenseite bzw. das Landratsamt des Kreises Teltow als vor, gesetzte Dienstbehörde der Landgemeinde Eichwalde gehört wurde. Tatsache ist serner, daß der Herr Landrat v. Achenbach aus- drücklich die schriftliche Erklärung abgegeben hat, daß die rein so- zialistische Gemeindevertretung Eichwaldes beschlußfähig sei. Der zuständige Dezernent im Ministerium des Innern, der Ministerial- direktor M uhler t, hat ebenfalls von der Erklärung des Land- ratsamts über die Beschlußfähigkeit der Gemeindevertretung Kennt- nis erhalten und ist gleichfalls darüber unterrichtet worden, daß die sozialistische Gemeindevertretung die Listennachfolger der sahnen- flüchtigen bürgerlichen Semeindevertreter aufgefordert hatte, ihre Aemter anzutreten. Trotz alledem mußt« aber entsprechend dem Willen des reaktionären Ministeriums Stegerwold das demokratische Recht der brutalen Macht weichen, da hier die Möglichkeit vor- handen war, die verhaßten Sozialisten mundtot zu machen. Juwelen-Kuren. Um die Farbe von Edelsteinen auf künstlichem Wege schöner und leuchtender zu machen, sind von dem Bergwerks- Institut zu Reno in Nevada interessante Dersuche unternommen worden, die von Erfolg gekrönt waren. Man hat, indem man die Steine dem Einfluß von Radium aussetzte, die Leuchtkraft und Tiefe der Färbung außerordentlich verstärkt und so au» wenig wert- vollen Juwelen, wie sie gerade in Nevada häufig gefunden werden, sehr kostbare Edelsteine gemacht. Fünf Milligramm Radium, die etwa SM Dollars kosten, genügten, um einen blassen, unscheinbaren Saphir oder Rubin innerhalb von drei oder vier Tagen in einen kräftig leuchtenden Edelstein umzuwandeln, so daß mit dieser Radium- menge gegen hundert Steins im Jahr veredelt werden könnten. Sehr erfreulich. Aber Rubinen und Saphire interessieren uns heute weniger. Wie wäre e», wenn man einmal den Versuch machte. die wundertätige Verwandlungskraft des Radiums an unseren Bank- noten zu erproben und die papiernen Zwanzigmarkscheine in Gold- stücke zu„veredeln"?_ NeucS auS der Natlonalgalerie. Im Kronprinzenpa I ais, in der neueren Ablcilung der SiaNonalgalerie. ist jetzt im mittleren Stock- werk ein E orin th- S a al elngeiichtet worden al» Weaenstilck zu dem Slevogl-Toal. Wie dieser vereinigt ouck, der Torinih-Taal sür einige Zeit Bilder ou« dem Besitz der Galerie mit Leibgoben»nd bringt so die Kunst d-e Meisler» zu schönerund vielseitiger Darstellung. Die Bilder reichen in ihrer Entstehung von tKSS bi» 1913. Da sieht man ein Knabcnbildiii» n»» Berliner Privatbesitz, da» bekannte Bild einer alten Dome am Koflee, tisch, zwei ftrnuenbildnisse. Da» Bild der Gattin de» Künstler» und die Ivntaltandschast entstammen dem Besitz der Galerie. Ei» herrliche» Rosen- slilleben. 1913 entstanden, schließt dt« Reihe ab. Der kleine anstoßend« Raum vereinigt«ine Anzahl neuerworbener Ze>ch- nungen von H- i n r i ch Z i l l e. gm Ob-rgeschoh lit die van-Gogt-Au». itellung geschlossen und wird nun au» Anlas, der Nh-ml'chcn Woche eine Au»slellungjungerrbetnisch«rKunft eingerichtet. Auch hie: sindet man eine Anzahl neu hinzugekommener Werk«: von Otto Wa ller ein arokc» Bild zweier weiblicher Alte, von E. L. K i r ch n e r ai» Leibgade leinen belannlcn„Leuchtturm", von Max Pech stein eine Landichatt, ein Geschenk an die Galerie, bre bisher nur Stilleben de» Künstler» besä«, von Schmidt- Noitilisi»inen Haien als Leihgab«, endlich von A u g u st Macke da» große Bild„Mädchen unter Bäumen". vuct» Ktesclhansen bringt an ihrem I. Tanzabend am Freitag im Blütbneriaal«in vollkommen neue» Programm unier Mitwirkung Von Toni Birkmeher, Solotänzer der Wiener Staol»o?er. Beinrtch Mo»» wird im Rabmen der vom G-bntzverdand beutscher (Sfinftiicller veronstolteten zeid- und geifteSgelchichllichen Vorträge am Sonntag den 9. Oktober, abend» 8 Uhr, tm Schwechtensaal. Lützowstr. IN. über Europäisch-», Denken" strechen. Dorverlaul bei Bote t�Bock und A. Wertheim. «estc» Deutscher ivkuNkerkakender sllr da» Jahr 1922. 87. Jahrg., » Bände Geb. Ll.öll M.(einschl. aller Zuschläge), Max Heste« Verlag, Berlin W 15— Da» dreibändige Handbuch gl soeben in neuer Bearbeitung -richi-n-n»nd enlhält wiederum-in Noli�uch mit gutem S«r-ibpapier. Musiker-, Geburl«, und Sterbekalender. Verzeichni« der Buhnen, voll- sf�ndiaeS Verzeichnis aller deutschen und der wichtigsten ausländischen Musill-ilschristcn und Verband»organe der Musikvirleg-r. aus den neuesten Stand gebrachte Liste aller Vc>vande. bmistichen und wistenlchallllch-N Bereinigungen und der Siistungen. �a» iett vielen Jahren bewährte Nachichlagcbuch bedars keiner EmPsebiung. doch verdient d« im Ver. hiltni» zu dem reichen und gediegenen Inhalt und der hübschen Aus« stattung sehr beschelden« Prei» einen besonderen Hwwei». französische Spende für Oppau. München, 4. Oktober.(WTD.) Der französisch« Ge- sandte sprach dem Grafen Lerchenfeld sein Beileid zur Oppauer Katastrophe aus und übergab dabei eine Spende für Oppau. Der Stadtrat genehmigte für die Opfer von Oppau ein- stimmig 100 C00 M. Die Sammlung der„Münchencr Neuesten Nachrichten" sür Oppau hat bereits 400 000 M. überschritten. Dresden, 4. Oktober. lWTB.) Der Landtag beschloß zur Linderung der durch das Explosionsunglück in Oppau entstandenen Not 100 000 M. zu bewilligen. Das Ende einer Ungerechtigkeit. Derllo, 4. Oktober.(WTB.) Von englischer amtlicher Seite wird mitgeteilt, daß Seeleuten, die Angehörige früher feind- lich er Staaten sind, nunmehr das Recht zu zeitweiliger Landung in britischen Häken für die Dauer de» Aufenthalte» des Schiffe» in den betreffenden Häfen erleilt wird. Hinsichllich dieser zeitweiligen Landungkerloubiii» sind die deutschen Schiffsosfizlere und Mannschaften jetzt denen einer mit England befreun- beten Nation gleichgestellt. Die Erteilung der Er- laubni« ist davon abhängig, daß sich der Aniragsieller durch einen Paß oder durch eine sonstige hinreichende Legilimation über seine SlaalSangehörigkeit ausweisen kann. Erledigung eines Awisihenfalles. Berlin, 4. Oktober.(WTB.) Die Angelegenheit Langevin hat sich nach Abschluß der Ermittlungen damit erledigt, daß das Auswärtig« Amt dem Präsidenten der Interalliierten Luftfahrt- Ueberwachungslommission sein Bedauern wegen der Aus- schreitungen ausgesprochen hat, die bei Gelegenheit dieses Falles von deutschen Mitreisenden begangen worden sind. « Daraus ergibt sich, daß die Schuld an diesem Zwischenfall«, der sich vor mehreren Wochen im V-Zug Hamburg— Berlin bei Nauen wegen einer brennenden Zigarre im Schlafwagen abspielte, jedenfalls nicht lediglich beim französischen Aontrolloffizier log. wie es die offiziösen Berichte damals zu behaupten schienen. Im übrigen ist eine recht vernünftige Maßnahme getroffen worden, um solchen peinlichen Zwischenfällen in Zukunft vorzubeugen. Wie die LL.-Korrespondenz meld»t, ist in Anbetracht der zahlreichen Zwischenfälle und Zusammenstöße von Ententeosfizieren mit Behörden und Beamten usw. angeordnet worden, daß die ver- schiedenen Ententokommijstoncn, soweit sie zur Interalliierten Mili- tärkontrollkommissicn gehören, auf ihren Kontrollreisen und bei Besichtigungen durch hierfür bei der ehemaligen Heeresfriedenskom- Mission im Reichswehrministerium besonders angestellte ehemalige aktive Osfizter« begleitet werden, die nicht in das Hunderttausend-Mann-Heer einrechnen. vom Internationalen Arbeitsamt. Gens. 4. Oktober.(WTB.) Am 2S. Ottober wird in Genf, wie bereits gemeldet worden ist, die dritte Internationale Ar- beitskonferenz eröffnet werden. Sie wird ungefähr LOO Delegierte aus allen Dvlterbundsstaaten und auch aus Deutschland und den Lerelnlgten Staaten vereinigen. Bis jetzt sprach man im Zusammenhang mit dieser Konferenz Haupt- sächlich von der landwirtschaftlichen Arbeit. Die Tagesordnung ist jetzt endgültig festgesetzt wie folgt: 1. Reform der Zusammensetzung des Derwaltungs- rates des Internationalen Arbeitsamtes. 2. Anwendung des Washingtoner Beschlusies betreffend die Re- gelung der Arbeitszeit auf die Landwirtschaft. 3. Anwendung der anderen Washingtoner Beschlüsse auf die landwirtschaftliche Arbeit, und zwar: a) Maßnahmen zur Verhütung der A r b e i t s l o s i g k e i t: b) Schutz der Frauen undKinder. 4. Besondere Schutzmaßnahmen für die landwirtschaft- lichen Arbeiter: a) Landwirtschaftlicher Fachunterricht: b) Wohnverhältnisse der landwirtschaftlichen Arbeiter: c) Garantierung des Vereins- und K o a l i t i o n,s r e ch t e s: ä) Schutzbestimmungen gegen Unfälle, Krankheit, In. Validität und Alter. v. Desinfektion der Wolle gegen Milzbrandbatterien. 6. Verbot dtzr Verwendung von B l e i w e i ß in der Malerei. 7. Wöchentlicher Ruhetag in Industrie und Handel. 8. a) Verbot der Beschäftigung von Personen unter 18 Jahren in den unteren Schiffsräumen und Heizanlagen: b) Obligatorische ärztliche Untersuchung der an Bord der Schiffe beschäftigten Kinder. wesiungarische Konferenz in Venedig. Budapest, 4. Oktober.(WTB.) Da» Ungarische Telegraphen- Korrespondenz-Bureau meldet: Die Ententen vi«, in der die ungarische Regierung aufgefordert wird, einen bevollmächtigten ver- rreter zur Regelung der we st ungarischen Frage unter Vermittlung de» Marchese della Torretta nach Italien zu senden, traf Sonntag abend im ungarischen Außenministerium ein. Die ungarische Regierung nahm die Einladung an und verständigte die Botschasterkonferenz. daß sie ihren Delegierten entsenden wird. Die Zusammenkunft findet in Venedig statt. Die Note der Botschasterkonferenz hat für eine Verständigung mit Oesterreich eine günstige Lage geschaffen, doch darf man sich keinen übermäßigen Hoffnungen hingeben, da die Borschläge der Entente noch unbekannt sind. Wirtschaft Gegen die Schleudcrkonkurrenz am Weltmarkt. Die Derschlechierung der Valuta erhöht automatisch den Aus- landspreis oller Waren, rvenn man ihn in Reichsmark ausdrückt. Dadurch ist die deutsckie Industrie in den Stand gesetzt, die Weltmarkt- preise solange zu unterbieten, bis die Entwertung der Mark im Ja» land der Balutoverschlechterung gefolgt ist. Man bezeichnet diese Art der Preisunterbietung als Valutadumping. Das Reichsbankdirektorium hat nun in einem Schrei- den an den Reichskommissar für Aus- und Einsuhr- b e w i l l i g u n g auf die Schäden des Valutadumping für die deutsck)« Wirtschaft gerade in der jetzigen Zeit des Merltiefstandes mlt Nachdruck hingewiesen. Es heißt darin: Die starke Steigerung der ausländischen Wechselkurse hat gewisse Nachioile und Gefahren, die in den letzten Iahren in ähnlicher Weise wiederholt aufgetreten sind, aufs neue in den Vordergrund gerückt. Die Verschleuderung deutschen Nationalver» mägsns ist allem Anschein nach in erhöhtem Mäße wieder im Gang oder noch zu erwarten, damit aber auch die Gefahr, daß das Ausland mit Rücksicht auf die eigenen industriellen Interessen mit seinen Abschlußbestrebungen gegenüber der deutschen Kon- kourrenz unter dem Schlagwort des Dumping Ernst macht. Insoweit die deutsä)« Aussuhr den Abschluß in fremder Währung vornimmt, mögen diese Gefahren etwas geringer sein: ihr Bestehen ist aber auch hier kemeswegs zu leugnen. Besonders groß sind sie jedoch, insoweit der Export in Mark stattfindet. Die Reich-bank glaubt, daß Anlaß vorliegt, ohne Verzug die Ausmcrk- samkeit aller beteiligten Stellen, namentlich auch der Außenhandels- stellen und der Verbände, gleichviel, ob es sich bei diesen um ausfuhr- freie oder unter Ausfuhrkontrolle.stehende Artikel handelt, wieder mit allem Nochdruck auf diesen Punkt zu lenken. Bei den Be- strebungen auf Fakturierung in fremder Währung muß dieser Ge- sichtspunkt wieder mehr in den Vordergrund gerückt werden. Die allergrößt« Bedeutung beansprucht er aber bei der allgemeinen Preispolitik der Verbände und der einzelnen Firmen. Es Ist unbedingt notwendig, aanz besonders die Markpreise nach dem Aus« land daraushin zu prüfen, ob sie nicht infolge der neuesten Entwicklungen zu niedrig, vielleicht viel zu niedrig geworden sind. Sicherlsich wird man In deutschen Industriekreisen die Notwendigkeit einer weitsichtigen, über die allernächsten geschäftlicl)«» Ziele hinausgreifendon Politik begreifen, die klug auf einen Teil möglicher, auf Grund einer durch dl« Valutaverhältnisse überhitzten Konjunktur erzielbarer Augenblickserfolge verzichtet, um sich gemäßigte, aber dauernde, durch Abwehrmaßnahmen de» Auslandes nicht gestörte Absatzmöglichkeiten zu sichern. Der Reichskommissar für Aus- und Einfuhr» bewilligung, der seit langem auf die Gefahren der Anti- drunpingbewegung des Auslandes hingewiesen hat, stimmt diesen Ausführungen der Reichsbonk voll und ganz zu. „Es ist daher dringend notwendig, in eine Nachprüfung der Preisstellung bei der Ausfuhr einzutreten mit dem Ziel, solche Ausfuhrpreise zu erreichen, die sür den Ausländer, in feiner Währung gerechnet, nicht oder nicht erheblich niedriger find als die Preise vor drei Monaten, als der Dollar 60 bis 70 Mark galt. Um ein Nacbrücken der Inlandspreise hintanzuhalten, ist der Liefer» Werksbescheinigung jetzt wieder erhöhte Bedeutung bcizu- messen. Wo im Zusammenhang mit der Devisenablieserung zu Repa- rationszwecken jetzt von der Markwährung zur Preisstellung In Hoch- Valuta übergegangen wird, ist darauf Bedacht zu nehmen, daß nicht schlechthin niedrige Markpreise in Hochoa'uta umgerechnet werden, sondern daß ein stabiler Preis in Auslandswährung gewählt wird, der so hoch ist. daß er auch durchgehalten werden kann, wenn die Mark lich wieder bessert. Es muß vermieden werden, daß eine später eintretende Besserung der Mark dazu zwingt, den Auslandspreis in fremder Währung au» dem Grunde heraufzusetzen, weil bann der Gegenwert in Reichsmark die Selbstkosten etwa nicht mehr decken würde. Es würde das nur zu einer neuen Periode der Ausfuhrstockugg führen müffcn, ganz abgesehen davon, daß bei zu niedriaer Preisstellung die Einhaltung langfristiger Perträge deutscherseits wegen der steigenden Selbstkosten leicht in Frage gestellt werden kann, wie stch das im vorigen Jahr zum Schaden des guten Ruf» der deutschen Industrie leider gezeigt hat."_ Aufhebung von Vorschriften über den Handel mlt Tabakware. Durch eine erscheinende Verordnung des Reichswirtschaftsministers werden die Vorschriften über die Handelscrlaubnis für den Handel mit Tabakwarcn aufgehoben werden. Zugleich mit dem Genehmigungszwang für den Handel mit Tabakwaren find auch die Bestimmungen aufgehoben, wonach gewisse Arten von Zeitung»- anzeigen über Tabatwaren verboten sind oder einer behördlichen Genehmigung bedürfen. sich neuerdings in den Lieferungsverhältnilsen bemerkbar machm und die eine Abwehr des Einzelhandels im Interesse der Konsumenten als dringend notwendig ericheinen lassen. Diese Uebergriffe bestehen namentlich darin, daß bestimmte Gruppen des Großhandels systematisch versuchen, sich uberall da voll und lückenlos einzuschalten, wo sie bisher den Verkehr zwischen Hersteller und Einzelhandel nur in geringem oder wenigstens nicht vollem Um- fange vermittelt haben. Das geschieht durch den Versuch, den Einzelhandel vom direkten Bezüge ganz auszuschalten oder durch konsumschädigende Preisstaffelung die Waren zu verteuern oder die Preisgestaltung durch vollkommene Lahmlegung der Außenseiter (Treurabatte) zu beeinflussen. Jede Hiergegen vom Einzelhandel unternommene Abwehr wird als feindlicher Akt angesehen und namentlich wird gegen die Warenhausgruppe im Einzel- Handel Stellung genommen und versucht, einen Keil in die Reihen des Einzelhandels zu treiben. Der Ausschuß des Verbandes Deut- scher Waren- und Kaufhäuser weist die vom Großhandel erhobenen Angriffe mit aller Entschiedenheit zurück. Er wird energische Schritte gegen diese Einschränkungen des freien Dertehrs unternehmen. Der Ausbau des Eiseuwirischaflsbundes. Der Eisenwirtschafts- bund. der Ende März vorigen Jahres gegründet wurde, hauptsäch» lich zu dem Zweck, den Preistreibereien entgegenzuwirken und den Inlandsbedarf an Eisen sicherzustellen, dessen Tätigkeit aber zeit- weilig ruhte, sollte«ine neue Organisation erhalten. Man wollte entsprechend dem Wunsch der Interessenten diesem Selbstver- waltungskörper größere Selbständigkeit geben unter der Voraus- setzung, daß die Vertretung der Verbraucher darin wesentlich gestärkt wurde. Wie jetzt mitgeteilt wird, hat am Dienstag eine Abordnung des Deutschen Stahlbundes dem Reichswirtschafts- Ministerium ihr Bedenken gegen die beabsichtigten Veränderungen der Eisenwirtschaftsbundverordaung vorgetragen. Es dürste damit zu rechnen sein, daß der Reichswirtschaftsminister die von�ihm beabsichtigten Veränderungen der bisherigen Verordnung z u r ü ck st e l i t. Der Entwurf würde demgemäß den gesetzgebenden Körperschaften nicht zugehen, und andererseits würde der Eisenwirtschaftsbund seine am 31. Mai 1S20 an den volkswirtschaftlichen Ausschuh der Nationalversammlung gerichteten Abänderungsanträge zurück- ziehen. Beabsichtigt sind indessen einiae Veränderungen der gelten- den Bestimmungen, die der Eisenwirtschaftsbund im Einvernehmen mit dem Reichswirtschaftsminister auf Grund der bestehenden Ver- ordnung selbst vornehmen kann: insbesondere sollen die A r b« i t- nehmerorganisationen(Deutscher Metallarbeiterverband, Hirsch-Duncker und Christliche Gewerkschaften) Mitgliederstellen im Eisenwirtschaftsbund fortan selbständig bzw. durch die Zentralarbeits- gemeinschaft besetzen dürfen. GewerGhostsbewegung Zum Kampf öer GastwirtsangesteUten. Ja, Bauer, das ist etwas anderes! Die ganze bürgerliche Presse stellt in dem Lohn kämpf im Gast wirtsgewerbe bereitwilligst ihre Spalten zur Verfügung, um den Klagen der Unternehmer über Ausschreitungen der Streiken- den Raum zu geben. Es fei ohne weiteres zugegeben, daß bei einer derartigen Bewegung nicht alles am Schnürchen oerläuft. Gerade das Trinkgeldsystem, das von den Angestellten fo energisch bekämpft wird, hat bei manchem seiner bevorzugten Nutznieher jeden Sinn für Solidarität und Kollegialität erstickt. Diese Trinkgeldjäger, die ihre Schmarotzerexistenz über alles stellen, fordern durch ihr liebedienerisches Verhalten den schärfsten Unmut der aufrechten Angestellten heraus. Abgesehen davon, daß auch unter den den verschiedensten Parteirichtungen angehörenden Strei- kenden und Ausgesperrten die gewerkschaftliche Durchbildung und Disziplin teilweife noch manches zu wünschen übrig lassen mag, so eint ste doch alle das gleiche Ziel: Fe st erLohn statt Trink- gelderl Die Leitung einer solchen Bewegung kann unmöglich auf eine Kontrolle der Betriebe daraufhin verzichten, ob die Angestellten darin Solidarität übten, ob die Plätze der streikenden Angestellten mit Streikbrechern besetzt sind usw. Sie muß auch die Möglichkeit haben, die der Bewegung noch gleichgültig gegenüberstehenden An- gestellten an ihre Solidaritätspflicht zu erinnern. Nun kann aber die Streikleitung unmöglich überall dabei sein. Es kommt bei den Auseinandersetzungen immer noch darauf an, wie sich das noch arbeitende Personal, insbesondere aber die Betriebsinhaber den Beauftragten der Streikenden gegenüber verhalten. Will man sie mit Gummiknüppeln und Revolver empfangen, dann darf man sich nicht wundern, wenn die Streikenden erregt werden und schließlich die eine oder andere Ungehörigkeit dabei mit unter- läuft. Können wir uns also das Verhalten der Streikenden in mancher Beziehung auch leicht erklären, so ist dennoch selbstoerständ- lich, daß auch wir Ausschreitungen nicht billigen können. Wie steht's aber auf der anderen Seite? Werden nicht gleichzeitig die Bierfuhren und die Gastwirte kontrolliert? Sind nicht die Likörstuben bearbeitet und gebrandmarkt worden, bis sie. ihre Bewilligungen zurückzogen und den Betrieb ein- stellten? Wie wird über das Hotel Adlon hergezogen, weil es sich mit den Angestellten geeinigt hat, weil es weiterhin Löhne zahlen will anstatt seinen Angestellten Anweisungen zu geben auf die Taschen des Publikums? Der Verein Berliner Hotelbesitzer droht, den Inhaber von Adlon deswegen auszuschließen und ihn gleichzeitig in eine„Konventionalstrafe von 330 000 M. zu nehmen". Das verkünden die gleichen Korrespondenzen, wird in denselben Blättern berichtet, die nicht genug über den„Terror" der Ange- stellten eifern können. Waren nicht die Angestellten öereit, den Schiedsspruch anzuer- kennen, der ihnen nur das zusprach, was sie bisher längst gehabt haben? Sind es nicht die Unternehmer, die wieder d i e alte Trinkgeldwirtschaft einführen wollen, anstatt auskömmliche Löhne zu zahlen, die ihnen ohnehin das konsumierende Publikum wieder einbringen muß? Das Unternehmertum will alle sozialen Errungenschaften der Angestellten mit diese Forderungen herunter, einem Schlag beseitigen, sie mit der Prozentpeitsche gegen- des Metallarbeitertarifes. sondern setzte für Handwerker 7,50 M., einanderhetzen, um wieder„Herr im Hause" zu fein. Nur darum geht es ihnen— um die Wiedereinführung der unbegrenzten Ar- beitszeit. Die Sache der Unternehmer ist sehr faul in diesem Kampfe, das sittliche und moralische Recht auf Seite der um ihre Existenz und ihre Menschenwürde kämpfenden Angestellten. Deshalb müsie sie es besonders vermeiden, sich provozieren zu lassen und sich vor wirklichen Ausschreitungen um so mehr hüten. An dem Publikum liegt es, daß die Sache der An- gestellten, die hinsichtlich der Trinkgeldbescitigung seine Sache ist, sich in diesem Kampfe durchsetzt. Jeder anständige Mensch sollte darauf verzichten, sich von Streikbrechern Speise und Trank vorsetzen zu lassen. Die Streiklage ist im allgemeinen unverändert. Die Stimmung der Streikenden ist nach wie vor kampfesfreudig. Es haben noch eine Reihe von Betrieben die vorläufigen Vereinbarungen unter- schrieben, so daß sich die Zahl der in Arbeit Befindlichen etwas er- höht hat. Die Arbeitgeber wenden sich in einem Flugblatt an die Mit- bürger Berlins und behaupten, daß das Kartell Lohnerhöhungen von 40— 135 M. pro Woche abgelehnt habe und 1000— 1300 M. verlange. Dies ist eine glatte Verdrehung der Tatsachen, denn über die Löhne, und Gehälter an sich ist überhaupt noch nichtverhondeltworden. Es dreht sich immer noch um die A r t der Entlohnung. Die Arbeitgeber behaupten, daß unsere Mit- teilung, ein großer Teil von Arbeitgebern habe die neuen Forde- rungen anerkannt, eine bewußte Irreführung sei. Dies trifft nicht zu. Die Angaben des Kartells beruhen auf Wahrheit, die Unter- fchristen der Arbeitgeber liegen vor. Das Kartell hat bereits gestern erklärt, daß es für Aus- schreitungen, die bei der Erregung der Massen vorgekommen sind, nicht verantwortlich gemacht werden kann, daß es die Exzesse nicht billigt und zu verhindern versucht. Alle Arbeiter und Angestellten werden dringend gebeten, den gastwirtschaftlichen Angestellten in ihrem berechtigten Kampfe, der nicht zuletzt auch im Interesse des Publikums geführt wird, ihre Unterstützung zu gewähren. Verweigert die Bezahlung der Extrabesteuerung von 10 Proz. zur Zeche und be- sucht die Betriebe, die die Forderungen des Kartells bewilligt haben. Reichs- und Staatsarbciter. In der B e z i r k s k o n f e r e n z für Groß-Berlin und der Gaue Brandenburg und Stettin sprach Kollege Richter- Berlin über Organisationsfragen. Redner schildert, wie durch den nach Kriegsende erfolgten Zusammenschluß der Staatsarbeiter in dem Verband der Staats- und Gemeindearbeiter sich die wirt- schaftliche Lage dieser Arbeitergruppe im Vergleich zur Vorkriegszeit in verhältnismäßig kurzer Zeit gehoben habe. Eine große Zahl noch immer abseits stehender Kollegen müsse noch gewonnen wer- den, damit die Einheitsfront hergestellt werde, die notwendig ist, um die zahlreichen, noch bevorstehenden wirtschaftlichen Kämpfe zu weiteren Verbesserungen erfolgreich führen zu können. Ueber tarifliche Regelung der Lohn- und Arbeitsbedingungen sprach Kollege Mai- Berlin. Hier besonders sei noch vieles ver- besferungsbedllrftig. Anzustreben sei das Dreiklassensystem des Lohntarifs, schärfste Kampfansage ab» jeder Art von„Dienstbereit- schaft". Alsdann referierte Kollege Doktor-Berlin über die E i n- führung von Ruhelohnbestimmungen, die bisher den Staatsarbeitern noch immer vorenthalten werden. Der Verbandsvor- stand wurde beauftragt, hier mit Nachdruck einzugreifen. Die äußerst lebhaft einsetzende Diskussion zeigte, daß es den Staatsarbeitern ernstlich um die Hebung ihrer wirtschaftlichen Lage zu tun ist. Von den zahlreich eingegangenen Resolutionen, die dem Verbands- vorstand zur Erledigung überwiesen wurden, sei besonders die er- wähnt, die den Verbandsvorstand beauftragt, unverzüglich die nötigen Schritte wegen Aufbesserung der unzureichenden Bezüge in die Wege zu leiten. In längeren Ausführungen ging der Vertreter des Verbandsvorstandes, der Kollege S t e t t e r- Berlin, auf die zahlreichen berechtigten Forderungen ein, versprach Weiterleitung und wies aber auch auf die großen Schwierigkeiten der Durch- führung hin. Mit einem Hoch auf den Verband der Staats- und Gemeindearbeiter erreichte die Konferenz gegen 7 Uhr abends ihr Ende._ Streik bei„Kraftverkehr Marken" Schöneberg. Der„Krafwerkehr Marken" entlohnt feine Handwerker und Kraftfahrer feit langem unter dem Tarif- resp. Normallohn. So wurden die Kraftfahrer laut Schiedsspruch des Schlichtungsaus- ichusses, der bereits am 24. Januar 1921 gefällt wurde, mit 5,90 M. pro Stunde bezahlt, die Handwerker mit 6,25 M. Bereits im Mai wurden erneute Lohnforderungen gestellt. Die Direktion verstand es aber, die Verhandlungen bis Anfang September hinzuziehen, um dann ungenügende Zugeständnisse zu machen, so daß die Organisation wiederum den SÄlichtungsausschuß anrufen mußte. Die Forde- rungen lauteten: für Handwerker 8,75 M, Fahrer 8,50 M., Hilfsarbeiter 8 M. Der Schlichtungsausschuß ging aber bedeutend unter berücksichtigte nicht einmal die Sätze sieht der Schiedsspruch folgende Spitzenlöhne für alle Gruppen vor: Für Facharbeiter 8,50 M., für Hilfsarbeiter 7,50 M., für weibliche Facharbeiter 6 M. und für Hilfsarbeiterinnen 5,25 M. pro Stunde. Diese Löhne, die sich für Arbeitnehmer unter 22 Iahren entsprechend abstufen, sollen vom Tage der Wiederaufnahme der Arbeit an Gel- tung habr.i. Am 1. November soll hierzu serner ein Zuschlag von 50 Pf. auf alle Lohne treten. Ueber die Stellung der Parteien konnten wir eine Auskunst nicht mehr erlangen. Die Wahrscheinlichkeit, daß der Spruch das Ende des Streiks bedeutet, ist jedenfalls groß. Deutscher Holzarbeiterverband, Verwaltung Berlin. Für die streikenden Holzarbeiter wird in der Wojte von Dienstag, den 4. Oktober, bis einschließlich Montag, den 10. Ol- tober, eine einmalige Extra» nler st ützung, neben der eigentlichen Streikunterstützung, ausgezahlt und zwar erhalten die- jenigen, welche weniger wie 62 Wochenbeilräge geleistet haben, 30 M. und alle übrigen erhalten 50 M. Die Ortsverwaltung. Verhandlungen über die Putschzulage. Zwischen der Reichsregierung und den oberschlesischcn Gemeinden wird gegenwärtig über die P u t s ch z u l a g e verhandelt. Die Re- gierung erklärte sich bereit, 80 Proz. der Zulage selber zu tragen, während 20 Proz. von den Kommunen zu übernehmen seien. Die Gemeinden ihrerseits wünschen jedoch die Ucbernahme auch dieser 20 Proz. durch die Reichsregierung. Die gewerkschaftliche Arbeitsgemeinschaft beschäftigte sich mir der Weigerung der Interalliierten Kommission. die Putschzulage zu zahlen. Die Arbeitsgemeinschaft hall nach wie vor die Forderung auf Auszahlung der Aufstandszulage aufrecht und ersucht die JAK., für die Bewilligung der Zulage bei den in Frage kommenden Instanzen einzutreten und Verhandlungeu darüber anzubahnen und zu fördern. Bei der BetriebSratswahl in Eintrachtshütte ist ein deutscher Sieg zu verzeichnen. Es erhielten die deulfchen Gewerkschaften 230, die polnische Berufsvereinigung nur 90 Stimmen. Metallarbeiter, seiü auf üer Hut! heute abend finden in den bekannten Lokalen dle Bezirks- konferenzen des Deutschen Metallorbeiterverbandes statt wir werden von Barleigenosscn darauf aufmerksam gemacht, daß in diesen Konferenzen die Neuwahl der Bezirksleitungen vorgenommen wird. Deshalb ist es Aufgabe eines jeden Funktionärs. in diesen Bezirkskonserenzen anwesend zu sein. Die Mit- glieder der Branchenkommission wählen, soweit sie nicht in den Bezirksleitungen vertreten sind, in den Bezirken, wo fie wohnen. Versäume also niemand, diese Konferenz zu besuchen. für Kraftfahrer 7,20 M. und für Hilfsarbeiter 6,50 M. fest. Da die Arbeiter seit Januar keinerlei Lohnaufbesserunzen erhalten hatten, lehnten ste das Angebot ab und legten die Arbeit nieder. Eine erneute Verhandlung lehnte die Direktion kurzer- Hand ab. Da die Belegschaft den Betrieb als teilweise kommunalisiert betrachtet— er wird von Staat und Kommune finanziert— beschloß sie, daß der Portier und der Wächter im Betrieb bleiben, damit derselbe vor Schaden bewahrt bleibt Diese Kollegen wurden aber kurzerhand hinausgewiesen und jetzt oersehen Streikbrecher der so- genannten Pinkertongesellschast den Dienst. Diese Arbeitswilligen werden jeden Tag auf dem Wege zum und vom Betriebe von der Schupo begleitet. Wir ersuchen die Kollegen Schlosser, Kraftfahrer und Wächter Solidarität zu üben! Deutscher Transportarbeiterverband. Deutscher Metallarbeiterverband. Der holzarbeiterstreik vor Sem Cnöe! Noch zweitägigen Verhandlungen mit den Vertretern der Arbeit- geber- und Arbeitnehmerorganisationen der Berliner Holzindustrie hat der Schlichtungsausschuß unter dem Vorsitz des Assessors Kör- n e r am gestrigen Dienstag einen Schiedsspruch gefällt, dessen genaue Formulierung erst am heutigen Mittwoch vorliegen wird. Die S.8.-Korrespondenz glaubt, daß der Spruch aller Wahrscheinlichkeit nach den Arbeitgebern die Durchführung des Reichs- manteltarifes für Berlin, allerdings mit einigen Aende- rungen, auferlegt. Hinsichllich der Lohnforderungen der Arbeitnehmer Technisches Bühnenpersonal. Die neuen Lohnsätze, rückwirkend vom 1. September 1921, betragen für Handwerker 1612 M., Bühnenarbeiter 1511,25 M., Bühnenportier 1007,50 Mark pro Monat. Reinemachefrauen 4,90 M. pro Stunde. A n k l e i d e r 12,90 M., Ankleiderinnen 10,50 M., Garde- robenfrauen 8,10 M. und Logenschließer 7,25 M. pro Vorstellung. Die Abstimmung in höchst, über die wir bereits berichteten, hat folgendes vorläufiges Resultat ergeben: Mit„Nein" stimmten 5380, mit„Ja" nur 648 Arbeiter. Ungefähr 60 Proz. der Arbeiter haben sich an der Abstimmung beteiligt. Die Vereinbarungen können als abgelehnt betrachtet werden. g«ntr»l»«r»»i»d bcc Anq« stillten. Die für hellte angesetzte MItgliederver. sammIUM findet nicht statt. «llto.Ztcparatllr.Betricbe. Donnerstag 7 Uhr im Lokal Iosiqstr. 7 Funk- tionärschuna aller Auto-Reparatur-Nleinbetriebe der Jntcrelsengemeinschai!. Jeder Betrieb mutz vertreten sein. «ngeftellte der Feinmechanik»nd Optik. Donnerstag 7 Uhr in den Sophien- Sälen tWeitzer Saast, Sophienstr. l7/1S, Asa-Bersammlung. Tagesordnung- Wie stellt sich der Arbcttgeberverband zu den geforderten TeuerungszuschlSgen? Wir bitten um das Erscheinen sämtlicher in Asa»Verbänden organisierten Rolle» gen.— Afa-Ortskartell. Vlllld der technischen Angestellten nnd»eamtea. Mitgliederversammlungen, Mittwoch: Köpenick, 7% Uhr im Bauernhof,«öllnischer Platz.— Nordost, 714 Uhr im Ereifswalder Hof, Ereifswalder Str. 4Z.— Oranienburg, 7s4 Uhr im Reichshof, Bcrnauer Str. 38.— Spandau, 7>4 Uhr im Neuen Ratskeller, Rathau».— Westen, 7�4 Uhr im Nationalhos, BUlowstr. 87.— Dornierstaa- -n. r ru. III..!„, ce.fi 78_ u:.■„t.:? «.iiyu iiuirr, 1. ViOtuen iv,< � unr IUI 4,ou)cuoiuu/— nrcitcitti Neukölln, 714 Uhr in den Bllrgersäten, Bergstr. 117.— Zentrum. Slid, 714 Uh, im Alexandriner, Alexandrinenstr. 37.— Oberschöneweide, 714 Uhr im Rest. Hubertus, Edison-, Ecke Waldstratze.— Osten n, 714 Uhr im Logenkasino,«norr- Promenade 2.-- Poisdm, 7>4 Uhr im Rest. Zum Milhlenpark, Neubabelsberger Stratze.— Schöneberg, 714 Uhr im Ebershof, Ebersstr. K8.— Tempelhof, 714 Uhr im Kastno-Restaurant, Berliner Strabe.— Weitzenfee, 714 Uhr im Spatcnbräu, Berliner Allee 232. Berband der Buchbinder»nd Papierperarieiter. Heute 143 Uhr bei Boeke�, Deberstr. 17, Branchenversammlung der Etuis- und Kartonnagenbranche. Be. richt von den Weimarer Verhandlungen. Berantw. für den redalt. Teil: Dr. Werner veller, Charlottenburg: sür Anzeigen: Th. Glocke, Berlin. Verlag 1 Borwärts-Verlag.,b!o.r»°> 19° Damen-Unterhemden 21" Damen-Hemddien 7" LEIPZIGER STRASSE ALEXANDERPLATZ FRANKFURTER ALLEE Unterröcke Trikot-Unterrock 39" Satin-Unterrock....... 49" T udi-Unlerrock Sf. 42" Triköt-Unterrodc r.SÄ„S.,K.„65 :oo Moire- Unterrock""'89� Tuch-Untermrk Peine Wo,ie.|n dunklen 0�00 IUUI UIIIICMUUX Farbeni mö(|0(tem Ansatz*3 Taschentücher Da men-T asdienlüdier�feS! 3°° 4" Damen-Taschentüdier"™""»k3S54K Damen-T asdientücheÄtÄ 3-4« Herren-Taschentücher kS0!" S 475 5" Herren-TasdienlüdierC«-""°S!5,s6m Herren-TasdienfüdierÄÄÜ 7" 9a Kinder-Taschentücher SJr'V, 2« 2" Itt. 469 ♦ 38. �ahrgattg SZügM öZs Vorwarks Mittwoch. 5. Oktober 192? Der Gewerbeetat im tänötag. Ä. Sitzung vom Dienstag, den 4. Oktober, 12 Uhr. Die zweite Beratung des Haushalts der Handels- und Eewerbe- Verwaltung wird fortgesetzt.— Auf Antrag Katz tKomm.) wird die große Anfrage der Kommunisten über die Stillegung der Höchster Farbwerk« nachträglich auf die Tagesordnung gefetzt. Frau Ludewig(Komm.) begründet die kommunistischen Anträge auf Einführung des Sechsuhr-Lodenschluffes, auf Streichung der Stelle des staatlichen Dörscnkommissars und auf weitere Ausgestaltung des Fach und Gewcrbeschulwefens. Abg. Christange(U. Soz.): Die Umsatzsteuer, die Lohn» steuer und ähnliche Steuern, die auf Grund der Reparationsver. Vilich tungen erhoben werden, find nicht geeignet, das deutsche Wirt- schaftsleben wieder auszubauen. Wenn die Finanzämter nicht mehr wissen, wie sie sich helfen sollen, so halten sie sich an indirekte Steuern. Letzt wollen die Untenrehmer durch Lohnabbau und Der- längerung der Arbeitszeit das Wirtschaftsteben aufbauen. Solch« Vorschläge erreichen das Degenteil und wirken provozierend auf di« Arbeiter. Abg. Dr. Grund(Dem.): Der Export nach Rußland bietet große Aussichten für die Zukunft. Darum mutz man Kanal- schifsohrt und Fernsprechwesen nach Ostpreußen und Schlesien besonders gut ausbauen. Abg. Holzammer(Deutsche Wirtschastspartei) bespricht den F a l l Rahordt und weist Vorwürfe gegen das Handwert zurück. Abg. Alohrbokker(Welfe) tritt für Unterstützung der Kleinbahnen durch größere Zuschüsse ein. Abg. Drückner(Soz.): Wir müssen heraus aus dem Dilemma des Friedensvertrages, der uns zwingt, billig zu exportieren und di« Arbeitslosigkeit tu den Siegerstatten vergrößern zu Hessen. Dabei verteilen die Aktiengesellschaften Dividenden, die, obgleich sie vielfach auf Bilanzverschleierung beruhen, immer noch alles zulässige Motz überschreiten. Solche übermäßigen Gewinne sollten dem Staate oersallen. Besonders hoch sind die Gewinne der chemischen Industrie, wozu auch die Werke in Oppau und H ö ch st geHöven. Das Oppouer Unglück muh das Mimsterium veranlassen, in der chemischen Industrie seines Amts- bereiches nachzuprüfen, ob all« notwendigen Schutzmaß- nahmen für die Arbeiter getroffen sind. In den Höchster Färb» werken find 15 000 Arbeiter ausgesperrt worden, weil sie sich durch die Doventhaltung von Unterstützungsgeldern und durch unerhört provokante Acutzerungen eines Betriebsieiters zu gewissen Aus- schreitungen hinreißen ließen. Das Ministerium muß sich bemühen, eine für beide Teile befriedigende Verständigung herbeizuführen. Grauenhaft ist jetzt der Tanz um das goldene, oder vielmehr das papierne Kalb an der Börse. Und dlesekben Kreise entrüsten sich dann über die Unmoral in den n i ederen Volksschichten. Der Staotskommifiar cm der Börse mutz erhalten bleiben. Er mutz aber sein Auffichtsrecht scharf gebrauchen, um die Auswüchse cm der Börse zu beseitigen. Das Schiebertum ist nicht«in Kind der Republik, sondern des Krieges, und oo? allem der Etapp«.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Bei der Versorgung des Heeres hat man die Aufträge wahllos per- teilt und nicht danach gefragt, durch weiche Hände sie gingen. Das ist dann Gewohnheitsrecht geworden. Wir haben von Anfang an den Kampf gegen den Wucher und das Schiebertum aufgenommen. Leider hat auch ein Teil der Produzenten durch übermäßig« Forderungen zur Verteuerung der Lebensmittel beigetragen. In die Landesauftragsstellen müssen unter allen Umständen Arbeiter«?. treter bin« in. Man mutz die Austräge dahin leiten, wo die meisten Arbeitslosen find. Unsere Experimente mit Sozialisierung und Kommunalisterung lehnen auch wir ab. Betriebe, wie der Bergbau, müssen aber endlich im Interesse des Staates verwaltet werden. Rur die.__ SozialZsterung der dazu reifen, konzentrierten Betriebe führt aus der Zerfahr«rch«it der jetzigen Wirtschaft hinaus. Rot- wz-ndig ist eine Einwirkung auf das Reich, um das Arbeiterrecht endlich einheitlich zu gestalten, denn di« Gewerbegerichte und Schlichtungsausschüsse arbeiten vielfach durch, und gegenemander. Der angeblich bevorsdehende Preisabbau ist durch die Höhe der Getreidepreife hintertrieben worden. Rur eine unmittel- bare Einwirkung der Arbeitet auf den Produkttonsprozeß kann der weiteren Verteuerung der Lebenshaltung Einhalt tun.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Das Haus vertagt sich auf Mittwoch 12 Uhr. Tagesordnung: Rest von heute. Haushalt der Porzellanmcrnusattur. Schluß%6 Uhr. Der Kongreß öes /lfabunöes. In der Sonntagnachmittagsitzung wurde über das Referat Sinz- heimer debattiert. In der Diskussion wurde der Entwurf der Schlichtungsordnung als ein« Arbeit bezeichnet, die den Ansprüchen der Arbeiter und Angestellten keineswegs ent- spricht. Beschlüsse wurden zu diesem Tagesordnungspunkt, der mit einem Schlußwort Einzheimers beendet wurde, nicht gefaßt. Einstimmig angenommen wurden die nachstehenden gewerkschaftlichen Gruudsähe. I. .Di« auf dem Privateigentum an den Produktionsmitteln de- ruhende kapitalistische Wirtschaft mit ihrer Entwicklung zum Groß- betrieb und ihrer immer weiter getriebenen Arbeitsteilung hat ein Heer von Angestellten geschaffen, die ebenso wie die Arbeiter Zeit ihre» Lebens darauf angewiesen sind, al» besitzlose Arbeit- nxhmer ihren Unterhalt zu erwerben. Um ihre wirtschaftliche und sozial« Lage zu heben und ihre Rechte gegenüber dem Unternehmertum zu wahren, sind auch/die Angestellten gezwungen, sich in Gewerkschaften zusammenzuschließen. Parteipolitische und religiöse Ueberzeugung darf hierbei kein Hin- derungsgcund für di« gemeinsame Arbeit sein. Die wirtschaftliche Uebermacht der Unternehmer zwingt die Angestellten zum gemeinsamen Kampf um: 1. die Steigerung ihres Anteils am Produttions nrtrcge: 2. die Errlngung günstigerer und die Abwehr schlechterer Arbeitsbedingungen: 3. die rechssiche Sich«- rung des arbeitenden Menschen vor den schädigenden Wirkungen der kapitalistrschen Lohnarbeit. � fite freien Gewerkschaften der Angestellten fordern: 1. die rück- haltlole Anerkennung der Vorrechte des arbeitenden Menschen vor dem des toten Besitzes: 2. di« Beseitigung des°rbelt-. losen Rentenerntommen» zugunsten der Gesamtheit, 3 die Kontroll« der Warenerzeugung und Verteilung: 4. die ge- meinwirtschaftlich» Ordnung der Wirtschasts- sübrunr S. die Mitbestimmung der Arbeitnehmer in allen Fragen de» Lohn- und Arbeitsverhältnisses. Sie erblicken deshalb im wirtschaftlichen Sozialis- mv- gegenüber der privatkapitalistischen Wirtschast die höhere Form der volkswirtschaftlichen Organisation. IV. Da» Mitbestimmungsrecht der Arbeitnehmer muß bei der ge- Eten Produktion, vom Einzelbetrieb« beginnend, bis in die hoch- Spitze« der zentralen Wtrtschaftsorganifattoa verwirkucht Die Betriebsräte haben im Einverständnis mit den Ge- werkschaften und auf deren Macht gestützt in Gemeinschaft mit der Betriebsleitung die Vetriebsdemskratie durchzuführen. Aufgabe der freien Angestelltengewerkschaften ist es, die wirk- fchaftliche und soziale Bildung der Angestellten zu fördern und sie für ihre Tätigkeit in der vergesellschafteten Wirtschaft zu schulen." Zweiter Berhandlungslag. Lehmann, der Geschäftsführer des Hauptverbandes deutscher Ortskrankcnkassen, wandte sich in seinem Referat über die Neuordnung der sozialen Versicherung scharf gegen den über- yitartGimutum! weuuiMUWMnu ul�bki SrsSe WWe WlmWZZM! Heute, Mittwoch, öen 5. Oktober: 1. Kreis Mitte(bisherige 1.. 25.. 27 und Zö. Abk.): 7 Uhr in den Borussiasölen. Zlckerstr. 6/7. Thema: Die bevorstehenden Sladloerordnelenirahlen. Referent: Stadtrat kühne. l. kreis Berlin-Mitte: 1. Abteilung. 7 Uhr. in Wille? Fcstfälen. Sebaslianstr. 39. Tagesordnung:„Die Republik und das Rate Haus." Rescrenl: Stadtrat Eugen Brückner. 2. kreis Tiergarten: 7 Uhr, Wähirrinnenversummlong, Schulaula der Gcmeindeschllie Sleinmehstr. 79. 2.„Armcniushaflen". Bremer Str. 73. Thema:„Die politische Bedeutung der Stadtoerordnetenwahlen für die Frauen." Referenttnnen: 1. G. üzznna. MdL. 2. Stadtverordnete M. Hoppe. 4. kreis Prenzlauer Tor: 2S. und 28. Abt.. 7 Uhr, Brauerei Pfeffer- berg, Schönb auser Allee 176. Thema:.Die Republik und die neue Gemeinde." Referent: Hermann Lüdemann, Finanzministcr a. D. 11. Ärels Schöneberg: 71- Uhr in der Aula des Helmholz-Gymna- sirnns, Rubcnsftraße. Thema:.Die Republik und das Rote Haus." Referenk: Stadtverordneier Dr. Lohmann. 15. kreis Mariendors: 7H Uhr. Aula des Realgymnasiums Kaiser- stratze. Thema:.Die Republik und da» Rote Haus." Reserenl:: Sladtverordneler Karl hetzschold. 15. Kreis Marienfelde: 8 Uhr. Turnhalle Dorsstr. 53. Thema:»Dl« politischen Lügen der Reaktion im Skadkparlament." Refe- rent: Franz Krüger, MdL. 14. Kreis Neukölln: 7% Uhr, Aula der Oberreasschule. Emfer Straße. Thema:.Die Tätigkeit der Sozialdemokratte im Stadt- Parlament." Referent: Bürgermeister Scholz. 15. Kreis Baumschulenweg; 7>- Uhr. Lyzeum Baumschnlenstraße. Thema:.Was bedeutet für die Wählerschaft der 16. Ok- tober?" Referent: Birnbqnm. 15. Kreis Zohannlsthml: 7K Uhr bei Senstleben, Friedrichstr. 48. Thema:„Die Stadt- und Bezirksverordnetcn wählen." Be- zirksverordneter Zabel. Morgen, Vonnerstag, Sen S. Oktober: 7. Kreis Chcrrlottcnbnrg: 51. Abtelluvg. 7)4 Uhr, Herlhoschule, Vayernallee. Thema:.Die Stadkverordnekenwahlen und die wirtschaftliche Lage." Referent: Dr. Kallmann. 7. Krels Charlottenburg: 55. Ableilung, 7 Uhr ln der Siemens- oberreasschule, Schloßstr. 27. Thema:.Die Stadtverordnetenwahlen und die Sozialdemokratie." Referent: Heinrich Pierbücher. 8. kreis Spandau: 8 Uhr bei koch. Feldstr. 53. Thema:.Die Be- deutung der Sladtoerordnetenwahlen für die Frauen." Referenlin: Frau Elfriede Ryneck, MdR. 13. krels Lichtenrade:?!- Udr bei Siielcr. Dorsstr. Thema:.Die Repnbltt und das Rate Haus." Referent: Srcutziger. 14. kreis Britz: 7 Uhr, Beckers Festfaal. Thema:»Die Bedeutung der Sladtverorduetenwohkeu für die Froueu." Referentia: Frau Pfü'.ff. MdR. 15. Kreis Obcrschöneweide: 7)1 Ahr Itn Lyzeum, Zeppessnstr. Thema: »Die Republik und das Rote Haus." Reserenl: Stadtverordneter Johannes Haft. 15. Krels Mederschöneweide: 7)5 Uhr ln der Schulaula Berttuer Straße 101. Thema:.Der Kamps gegen die Reaktton im Skadtparlameni." Referent: Hugo Hcimann. MdR. 10. Kreis Cöpenick: 7'A Uhr im Restaurant.Uhlenhorst". Mahls- dorfer Straße. Thema:.Die bevorstehenden Stodtver- ordneienwahlen." Referent: Stadtverordneter Meyer. mäßig großgewordenen Derwaltungsapparat der sozialen Versicherungsanstalten, dessen Deseiti- gung die Versicherten als eine Wohltat empfinden würden. Er forderte die Umgestaltung der Sozialversicherung in eine allge» meine Volksfürsorge, die sämtliche Zweige in einem ein- heitlichen Verwaltungskörper zusammenfassen soll. Der Kongreß stimmte den Grundsätzen zu, die Lehmann aufstellte. Weiter wurde eine Entschließung angenommen, in der der Reichstag ersucht wird, den vorliegenden Entwurf eines Gesetzes über die Aenderung des Verflcherungsgesetze» für Angestellte nicht zu verabschieden, sondern die Angestelltenoersicherung derart in die Invalidenversicherung einzureihen, daß die besseren Bestim- mungen der beiden Versicherungen bestehen bleiben. In den Bundesvorstand wurden Aufhäufe r. Süß und Stähr als besoldete Vorsitzende gewählt. Der nächste Kon- greß soll in drei Iahren im selben Ort stattfinden, an dem der Ge- werkschaftskongreß tagt._ Mus öer Setriebsräte-Praxis. § 12 der Verordnung vom 12. Februar 1920. Zulässtgkest von Enklassungen ohne Arbeitsstreckung. Der Schlichtungsausschuß Kiel hat am 22. Juli 1921, 15 Arbeiter mit ihrer Klage gegen ihre Ent- lassung abgewiesen. Aus der Begründung ist zu entnehmen: .Aber auch wenn man die Streckungsoerpflichtung auf die für eigens Rechnung gemachten Arbeiten ausdehnen sollte, würde noch zu erwägen sein, daß die schleunigst« Fertigstellung des Schoners nötig ist. um die neuen Aufträge auf zwei Rheinkähne Übernehmen zu können. Durch eine Verkürzung der Arbeitszeit würde die Fertigstellung des Schoners verzögert werden. Eine solche Der» zögerung ist der Beklagten nach den Umständen nicht zuzumuten, weil sie den Verlust der neuen Aufträge zur Folge haben würde, womit den Interessen der Belegschaft auch nicht gedient wäre.— Bei dieser Sachlage mutzte die Verpflichtung zur Streckung verneint werden, womit dieser Entlassung der Kläger an sich ge- rechtfertigt erscheint und auch ein« unbillige Härte im Sinne des § 84, 4 BRG. ausgeschlossen ist, weil sie durch die Betriebsoerhäll- niss« bedingt wird.—" Es ist nicht richtig, die Behauptung aufzustellen, als wenn die Beschaffung von Aufträgen nur im Interesse der Belegschaft liegen würde. Die Derordnung vom 12. Februar 1920 soll gerade die Arbeitnehmer vor Arbeitslosigkeit schützen. Um dies Ziel zu er- reichen, müssen vor Entlassungen Arbeitsstreckungen vorgenommen werden. Wie der Unternehmer, welcher auch heute noch Herr seines Betriebes ist, diele Maßnahme durchführt, ist seine Sache. Er hat jedenfalls kein Recht, die Verordnung zu umgehen. Der Schlichtungsausschuß hat einen nicht haltbaren Grundsatz aufge- stellt. Nach 88 25 bzw. 26 derselben Verordnung muß in solchen Fällen eine Revision durch den Demobilmachungstommissar herbei» geführt werden.—- wenn dl« Arbeit»! ril noch* nicht bis auf 24 wochenstnnden Sr 0&UcfthinaeGii5ld)iift Vi. Magdeburg entschied, wie wir aus.Der Schlichtungsausschuß" Nr. 16 vom 15. August 1921, Seite 250, entnehmen, in einer Streit« fache, da die Arbeitszeit nur teilweise und nach den Ausführungen des Vertreter» der Firma noch nicht bis auf 24 Stunden verkürzt worden war: „Die Entlassungen sind zu Unrecht erfolgt und die Beschwerde- führerinnen wieder einzustellen, da nach dem Ergebnis der Ver- Handlungen eine Arbeitsstreckung vis auf 24 Stunden gemäß der Verordnung vom 12. Februar 1920 8 12 noch nicht erfolgt ist." 8 41 PRG. Gewerkschaftliche Agitation ist keine gröbliche Verletzung der Pslichken der Belriebsoerlreiung. Der Schlichtungs- ausfchuß Frankfurt a. d. O. hat den Antrag des Verbandes lond- und forstwirtschaftlicher Arbeitgeber des Kreises Lebus wegen Ab- setzung einer Bctriebsvertretung abgelehnt,— und zwar aus fol« genden Gründen:... .Der Betriebsrat als solcher hat niemals einen Beschluß gefaßt, Nichtorganisierten Arbeiter des Gutes B..... zum Eintritt die Itt. fitih(SaüanuuciPn nnaüUicL Der ,1— ♦* i' in den Deutschen Landarbeiterverband aufzufordern. Die Spruchkammer kann-ine gröbliche Verletzung der gesetz- lichen Pflichten durch den Betriebsrat nicht anerkennen, weil dieser als solcher weder einen Beschluß zur Aufforderung der Nichtorgani- sicrten, dem Deutschen Landarbcitcrverband beizutreten, gefaßt hat, noch einen solchen, am dritten Pfingsttag nicht zu arbeiten. Aber selb st in einem Beschluß des Betriebsrates, eine Aufforderung zum Beitritt in den Deut- schen Landarbciterverband zu erlassen, könnte an sich keine Verletzung der gesetzlichen Pflich- ten des Betriebsrotes erblickt werden, sofern die Androhung von Zwangsmaßnahmen im Falle der Nichtbeachtung der Aufforderung durch die Nichtorganisierten Arbeitnehmer unterblieb. Ohne eine solche Androhung von Zwangsmaßnahmen wäre der Betriebsrat bei der Aufforderung um Beitritt sogar insofern seinen gesetzlichen flichten nachgekommen, als er das gute Ein- vernehmen innerhalb der Arbeitnehmerschaft, die mit wenigen Ausnahmen aus organisierten Arbeitern besteht, und die den Nichtorganisierten Arbeitnehmern deshalb wenig günstig ist, zu fördern gesucht hätte.(§66, Ziffer 6.) 8 80 des BRG. Bestimmung über die Mitwirkung des Grup- penrates bei der Festsetzung von Einzelstrafen. Der Schlichtungsausschuß Bonn hat in einer srüheren Sitzung die Mitwirkung des Gruppenrates bei der Festsetzung von Einzelstrafen verneint. In der Sitzung vom 11. August 1921(Sache der Rheinischen Vulkonwerke, Obervollendors, gegen den Arbeiterrat der Firma) hat der Schlichtungsausschuß Bonn sich auf den gesetzlichen Standpunkt gestellt und entschieden, daß auch im Einzelfall die Derhängung von Strafen nur nach Anhörung des Gruppenrate» erfolgen darf._ Mus öer Partei. Zehn Jahre Im Dienste der partes. Zwei unserer württembergischen Bruderorgane, die.Frei« Presse" in Reutlingen und die„Donau-Wacht" in Ulm. konnten dieser Tage auf ein zehnjähriges Bestehen zurück- blicken. Sie gaben ihren Ltsern in stattlichen Festnummern ein Bild ihres Entstehens und ihrer Entwicklung. Wir entbieten den wackeren Kämpfern unseren herzlichen Glückwunsch und hoffen, daß sie ihre ganze Kraft darein setzen, für den Sozialismus neue Freunds und begeisterte Anhänger zu"werben. Die Frankfurter Parteigenossen über Görlitz.* Die Frcmtfurter Parleiaenossen führten in ihrer zweiten Generals Versammlung die Berichterstattung vom Parteitag zu Ende. Wey- d e l sprach gegen, Dr. S i n z h e i m e r für den Görsstzer Beschlutz. Im.Schlußwort setzte sich Parteisekretär B r o ß w i tz für di« Durchführung der Beschlüsse des Parteitages ein, das Recht der Kri- tik innerhalb der Parteiorganisation müsse aber gewahrt bleiben. Auch Redakteur Marckwald erkannt« nun an. daß man sich den Beschlüssen des Parteitages fügen muß. Er schränkte seine Wort« in der letzten Versammlung von der Erhebung der Fahne der Rebellion wesentlich ein. Er will nicht gesagt haben, daß er di« Fabne der Rebellion gegen die Parteitagsbeschlüsse erheben wolle. sondern gegen den Parteivorstand, wenn er die Bedingungen für eine cvtt. Koalition nicht richtig durchführe. Es wurde folgende Resolutton gegen wenige Sttnrmen ange- nommen: „Die Bersammwng erklärt sich mit den Ausführungen der Re- ferenten und ihrer Haltung auf dem Parteitage einverstanden. Si» verlangt von der Parteileitung und der„Bolkssttmme" die konse» quente Fortsetzung ihrer bisherigen Polittk." ch Don der Redaktion der Frankfurter„Bolksfttmme" geht uns ein« Klarstellung zu, deren wesentlichster Teil wie folgt lautet: In Nr. 451 des„Vorwärts" war mitgeteilt worden, in einer Frankfurter Parteiversammlung vom 27. September habe Genast« Marckwald erklärt, er erhebe die Fahne der Rebellion gegen di« Parteitagsbeschlüsse und werde die Massen aufrühren und aufrütteln. Wie uns Genosse Marckwald mitteilt, ist der Bericht unrichtig. Marckwald erklärt vielmehr, verlangt zu haben, daß der Beschlutz vom Parteivorstand loyal ausgeführt werde. Sollte der Parte!» vorstand sich auf eine Koalition auf anderer Grundlage einlassen, so werde er, Redner, die Fahne der Rebellion gegen den Parteivorlland ergreifen._ Die Münchener Genossen zum parleilag. Mjinchen, 4. Oktober.(Eigener Drahtbericht des„Vorwärts"� Hier wurde in der Generalversammlung des Sozialdemokratische« Vereins folgende Resolution beschlossen: „Der Sozialdemokratische Verein Münchens nimmt mit Be- friedigung Kenntnis von dem Verlauf des Parteitages. Er erblickt in den Beschlüssen die unvermeidliche Konsequenz der innen- und außenpolitischen Lage. Die Versammlung begrüßt das Bestreben de? Parteivorstandes, auf der Grundlage dieser Forderungen in erster Linie die USP. zur Regierung heranzuziehen. Sie verlangt die Wahrung der Geschlossenheit der deutschen Arbeiterschaft." Der Beschlußfassung ging eine lange erregte Debatte voraus, die im wesentlichen von Gegnern der Görlitzer Beschlüsse geführt wurde. Die Resolution des Vorstandes fand nicht die Billigung der Versammlung. Erst nach eindringenden Worten des Genossen Auer, der für seine Person scharfe Kritik an der zeitlichen und politischen Zweckmäßigkeit des Görlitzer Beschlusses übte, wurde die oben abgedruckte Entschließung angenommen. « Ein« Mitgliederversammlung der Sozialdemokratischen Partei D i e l« f e l d s beschäftigte sich am letzten Freitag mit dem Parteitag von Görlitz. Man bezeichnete die Situation, die zum Görlitz« Koa- littonsbeschluß geführt hat, al, eine Zwangslage. Folgender Antrag wurde dann gegen wenige Stimmen angenommen: „Die Mitgliederversammlung des Ortsvereins der SPD. Bielefeld hat nach einem Referat über den Parteitag von den Beschlüssen von Görlitz Kenntnis genommen und erklärt sich mit ihnen einver- standen. Sie erwartet von den Parteiinstanzen und Fraktionen, daß sie von den Grundforderungen der Koalitionsresolution bei der Re- gierungsumbildung in Preußen und im Reiche keim Iota abstreichen lassen." Siz Wal tag der" che fufton des(SörRijer Parteitages betreffend die Mindestforderungen der Partei bei einer eventuellen Negierungsneubildung. Die Kon- fcrenz betrachtet diese Bedingungen als solche, welche bei VerHand- lungen mit allen Parteien zu gelten haben. Die versammelten SPD.-Beamten sehen die Regierungsfrage als eine rein taktische an. Die Sicherung der Republik steht äugen- blicklich höher als alle Doktorfragen. Jede Möglichkeit zur Demo- kratisicrung der Verwaltung und damit zur Befestigung der republi- konischen Staatsform muß jetzt ausgenutzt werden. Die Konferenz fordert deshalb von den maßgebenden Partei- instanzen, daß die Partei überall ihren Einfluß geltend macht, ins- besondere, daß mit aller Kraft an der Umbildung der Preußen- regierung gearbeitet wird."_ Aufbau unseres Bildungswesens in Thüringen. Am Sonntag fand in Erfurt eine Konferenz der Bildungsaus- schösse und Parteiversine für den Gesamtbezirk Thüringen— die erste nach dem Krieg«— statt, die einen sehr starken Besuch auf- wies. Die Genossen W s i m a n n- Berlin, Rehrkorn und T ö p fe r-LZermar referierten und machten Vorschläge für den Auf- bau und die Ausgestaltung de?. parteigcnöfsischen Bildungswesens in Thüringen. In der sehr eingehenden Aussprache kamen die Schwierigkeiten zum Ausdruck, die gerade in Thüringen dem Ausbau � des Bildungswesens im Wege stehen. Nirgends sind die durch die Zersplitterung-der Arbeiterbewegung geschafienen Verhältnisse so verworren und unerfreulich wie in Thüringen Es zeigt« sich aber auch auf der Konferenz bei allen Vertretern der feste Wille, nach den guten Erfolgen der letzten Landtaaswahl, nach der unser« Partei an der Spitze aller Parteien in Thüringen marschiert, nun mit aller Kraft an den Ausbau einer systematischen Bildungsarbeit zu gehen. Der bereits bestehende Bezirksbildungsausschuß wurde beauftragt, auf Grund der Ergebnisse der Konferenz soweit als mög- lich b-reits in diesem Winter mit einer planmäßigen Durchorgani- sierung des Bildungswesens im gesamten Bezirk zu beginnen und besonders für die kidncren Orte Bildungsmöglichkeiten zu schaffen. Sozlalss. Sznossenschaftspslichtt Die Berliner Konsumgenossenschaft steht vor ihrer alljähr- lichen Generalversammlung. Waren schon in früheren Jahren diese Generalversammlungen der Schauplatz heftig aufeinander- platzender Meinungsverschiedenheiten, dann drohen in diesem Jahre die Gegensätze um so schärfer hervorzutreten, als die innerlich zerriebene und auf gewerkschaftlichem Gebiet immer mehr zurückgedrängte VKPD. jetzt ihre ganze Stoßkraft auf die Eroberung der Macht innerhalb der Berliner Konsumgenossenschaft legt. Ob- wohl unsere konsumgenossenschaftlich tätigen Parteigenossen die Ber- liner Konsmngenossenschaft durch ihr vorbildliches, u n e i g e n- n ü tz i g e s Arbeiten in früheren Jahren groß gemacht haben, sind sie seit Jahren-aus dem Aufsichtsrat systematisch verdrängt worden. Politische llnduldsainkeit siegte über genossenschaftliche Einsicht und Treue. Und trotzdem unsere Par- teigenossen offensichtlich den Großteil der Berliner Konsumgenossen stellen— bei der vorjährigen Wahl zum Aufsichtsrat erhielt unsere Liste mehr als 200!) Stimmen gegen 2600 bis 2700 der vereinigten Gegner, angefangen von der USPD. bis nach ganz links— und obwohl sich unter ihnen die besten Genossenschafter befinden, werden sie an der tätigen Mitarbeit in dem chauptverwalhmgsorgan der Genossenschaft, dem Aufsichtsrat, gehindert. Wenn nicht noch sozusagen in letzter Stunde eine bessere Einsicht siegt, die freilich nur darin bestehen kann, daß man unserer Fraktion für all die ihr gewordenen Unbilden der letzten Jahre volle und ausreichende Genugtuung gibt, dann wird sich zur diesjährigen Generalveriammlung ein Kampf entspinnen, der zwar nicht im Interesse der Konsumgenossenschaft liegt, aber von unseren Parteigenossen aus- und durchgefochten wer- den muß. Dem Aussichtsrat der Genossenschaft gehören zurzeit 12 USPD.- und(3 VKPD.-Genossen an. Zur diesjährigen General- Versammlung scheiden aus 2 Genossen von der USPD. und 4 von der BKPD. Diese Parteikonstellation im Aufsichtsrat läßt jeden, der mit ruhiger Ueberlegung und Sachlichkeit an die Prüfung der Dinge geht, klar erkennen, auf welchem Wegs der sonst unvermeidliche und nicht im Interesse der Genossenschaft liegende Kampf vermieden werden kann. DasWohlderKonsumgenossenschaftundseiner Mitglieder über alles. Das ist das Leitmotiv aller unserer Handlungen. Wenn aber das genossenschaftliche Leben auch in Berlin in geordneten Bahnen fließen soll, denn ist Voraussetzung dazu, daß auch unsere Parteigenosien dafür sorgen, daß sie im Auf- sichtsrat der Genossenschaft so vertreten sind, wie es nicht nur ihrer ziffernmäßigen Stärke, sondern auch entsprechend ihrer Betätigung in der genossenschaftlichen Kleinarbeit nicht anders zu verlangen ist. Unser ganzer Kampf innerhalb der Berliner Konsumgenossenschaft hat sich zu richten und richtet sich allein gegen die systemati- schen Zerfplitterer der Einheit der Arbeiter- s ch a f t, die VKPD., deren Wortführer die Richtlinien für ihre ganze, so auch genossenschaftliche Tätigkeit nicht aus der genossen- schaftlichen Arbeit schöpfen, sondern die sich diese Richtlinien von außerhalb der Genossenschaften Stehenden, von Moskau, vorschrei- ben lassen., Gegen solche, rein aus dem Drang zum diktatorischen Herrschen geborenen Gelüste haben wir uns mit ganzer Kraft zu wehren. Ob und inwieweit uns dabei die Mithilfe der Unabhängigen zur Seite steht, ist heute noch eine offene Frage. Noch bis vor gar nicht langer Zeit waren sie mit den Kommunisten ein Herz und eine Seele, auch sie sorgten dafür, daß selbst bei den vom Genosscnschafts- rat zu vergebenden ehrenamtlichen Betätigungsmöglichkeiten das politische Glaubensbekenntnis von ausschlaggebender Bedeutung war. Möglich, daß eine bessere Einsicht auch bei ihnen zum Durchbruch kommt und die nächste Zeit wird es lehren, inwie- weit auch ihnen das Wohl der Genossenschaft und deren Mit- glieder am Herzen liegt. Diese ganze Situation aber zeigt, daß unsere Parteigenossen nicht achtlos am der konsumgenossenschaftlichen Organisation vorbei- gehen dürfen, wenn sie nicht wollen, daß sich in dieser die Kommu- nisten eine dann schwer wieder zurückzuerobernde Hochburg schassen. Deshalb. Parlcigenossen und Funktionäre, denkt an Eure genossen- schaststche Pflicht!_ Die Kosten des Arbeiisnachweiswesens. Vom Reichsarbeitsminister wird uns geschrieben: Durch die Presse gehen Angaben über die Aufwendungen, die das Arbeits- nachweiswesen erfordert und erfordern wird, die nicht unwider- sprachen bleiben können. Di« Aufwendungen sämtlicher Landes- orbeitsümter für das Etatsjahr 1921 sind nicht, wie dort behauptet wird, auf 200 Millionen Mark im Jahre, sondern nur auf 10 Millionen Mark zu veranschlagen. Es betragen die Kosten des gesamten Arbeitsnachweiswescns, also alle örtlichen Arbeitsnachweise eingeschlossen, in allen seinen Teilen in Deutsch. land etwa ISO Millionen Murk. Ganz unerfindlich ist, woher die Annahme kommt, daß winde- stens 3000 Stellen neu einzurichten sind, wenn der Entwurf des Arbeitsnachweisgesetzes in Kraft tritt. Es darf ganz im Gegenteil erwartet werden, daß durch Vereinheitlichung die Zahl der Arbeits- nachweise vermindert und Stellen erspart werden. Von einer Er- höhung der Anzahl der Stellen ist kein« Rede. �ugenüveranstaltungen. Betein«rSeUet-Jngend.«eltefatUl: 8®.«8,«indenstr. Z, t, Hld«, 2 Treppen rechts. Telephon: Mpl. 121 VS— 10. ZNikgliederverfammlungen am ZNittwoch, den S. Oktober: Friedricksfeld«: Jugendheim Rummelsburaer Straße.— ffriedrichshagen: Zugendheim Lcharnmcdersir. 105o.—(Stoß-gichtetfeide: Jugendheim Albrecht. fttoßc 14a.— Äcnlsdotf; Jugendheim Aüc!iltr._ 2 Zugendheim Nestanrant Sansfonci, Moltlestraße "larfaue 10.— Mohlsdorf: Jugendheim Schule Nigendheim Schule Königftraße.— Prenzlauer Borstadt: Jugendheim Sene- elderstraße.— Südwest: gentraljugendheim Lindensir. 3.— Westen: Jugend. >eini Vaugewerkschule Äurjiirstenstr. 141.— Wedding: Jugendheim MMler-, gdt Vorträge, vereine nnü Versammlungen. Arbeitsgemeinschaft fozialdemolrntischcr Sehrrr und Lehrerinnen, Bezirk. qruppe Potsdem. Ballverfammluna am Donnerstag, 0. Oktober, lO'.h Uhr oot- mittags, in Berlin, Lindenstr. 3(Jugendheim). Tagesordnung: Schulpolltifch« 1 Zragen der Gegenwart. Referent Genosse Bahlke, M. d. L. � Die Teilnahme ! aller Mitglieder ist dringend erfarderlich. Mitglieder der Berliner Ortsgruppe und benachbarter Kreis» und Bezirksgrnppen sind herzlich willkommen.— Volk». fürforge. Fnnkiionärvcrsammlung am Donnerstag, den 0. Oktober, abends 7 Uhr im Restaurant„Zum Engelhardt", Prenzlauer Allee 232, Ecke Metzer Thema: Umanerkennnng der Renten. Bericht vom Gantag. Referent Genosse Mar Berndt, Lichtenberg.— Bund der Arbeiter-Mnfikoereine. Bläsergruppe: Uebüngsabend Mittwoch, den S. Oktober, 7� Uhr, im Rofenthaler Hof, Rosen- thaler Str. 12._ Geschäftliche Mitteilungen. Im Akbambra-Dariets am Moritzplatz findet am Freitag abend der zweite Elite-Abend zugunsten der Opfer der Explossonskatastrophe von Oppau statt. Außer den Mitgliedern des großen BarietSprogramms mit dem Celly.de-Rheydt» Ballett wird der bekannte Fllmcarsteller Heinrich Peer als Gast mitwirken. Sriefkaften üer Redaktion. Briefliche Auskunft wird nicht erteilt. E. P. Bei der Gasentwicklung au- Karbid entsteht kein Stickstoffprodukt. sondern Aetzkalk, der mit Borsicht im Spätherbst als Düngemittel, verwendet werden kann._ Wetter 618 Donnerstag mittag. Größtenteils trocken und dlelfach heiler, in den Mittagsstunden ziemlich mild, in der Nacht zu Doimerttag wieder sehr luhl. (Schluß de« redaktionell»« Teils.) ärztlich empfohlen gegen: Sicht Rheuma Ischias Hexenschuß Nerven- und Kopfschmerzen Togal stillt prompt die Schmerzen, scheidet die Harnsäure auS und geht direkt zur Wurzel des Uebels. Keine schädlichen Neben- Wirkungen. Klinisch erprob: I In allen Apotheken erhältlich.« verwllltunzklt-IIestei'Nn/ N. 54. LinIenltk.8Z.S5 Geschäftszeit von vorm. 9 Ul-r bis nachm. 4 Ubr Telephon: Amt Norden 185. 1239. 1987. 9714. Votznevcfag, ben 6. Ottobet, odends S Ahr in der Schulcula Veinmeiskerstr. 16,17: Vergras«ralMrag aller Kollegen und Kolleginnen aus der Knopf- und Korseliflangen. Industrie Tagesordnung: l. SkeNungnahme zur Kiln- dlgung dos Vertrages. 2. Branchenangetegen» heuen und Lerfchiedenes. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt! Bei der Wichtigkeit der Tagesordnung ist es PfRchi aller Kolleginnen und Kollegen, pünlttich zu erscheinen. Vonnccsfca. den 6. OftoOcr, abend» T Ahr in Odtecs JeftfUIen, Weber skr. 17:, Vollmer aller in Groh.BerlincrJnnungsfchnnedcn beschäftigten Kollegen Tagesordnung: 1. Acrichk von der lohten Oer- Handlung(Teuerungszulage). 2. Verschiedenes. Das Erscheinen aller Kollegen ist unbedingt notwendig Mitgliedsbuch legitimiert! SS 12 Sie Ortsverrvalluug. |B. FEDER I Norden: Brunnenstraßel Osten: Frankfurter Allee 350 Lüden: Kottbusor Damm 103 I Cliarlottenburg: Scharrcnstr. 5 |® KREDIT* j unier gunsH;'. ZaMuncshedlnr. I Sneiseiiroin., Mürraitilmn;. i WarnnüRia., Sifisiiizimirer« Farüiäe u. lasierte ussieri | Le::erso:as � sunösesäej Einzelne Möbel Rlesenauswabl in allen Abfeüg. 1 Trotz Tischlerstreik alte bill. Fr. 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BusichlSg,, flecbt., Wunden; LSHm. fowie Klnderlahm.; Stoffuiccbielkrankh., Zudterkrankheit ufw.— frei«., briefl. u. mündi. Anerkenn, früh, bebandelt.u.gchcilf. Pailenten.dicangaben.VorverBebandluug in uns. Anstalt anderweilig ohne erfolg be. bandelt worden zu sein� 1. Frau h. Hagel, Lachienhauien b. Oranienburg i.M. linterl.- Blutungen u.flervenleiden geheilt.— L.Frau Ww. frittchier,Bln..Mart-nburgerStr.43. Darmgefcbwulftgebeilt.— 3. Frau des Herrn Jnipeir. o. Heinrich. Berlin-friedrlthsfeidc, nlagervleblwf.BonGeb.-Knickuag geheilt.— 4. Herr erich Boch, Berlin, Biri-nltr.43. Von liieren- und Blalenieiden, Slailersuchf, all gemeiner großer Schwache geheilt.— 5. Frau Neslaur. Hering, Bln., Schönhaus. Allee 87. Von Basedowscher Krankveit geheilt.— «. B. Breie. Beriin-Marlendorf,©treittzfir. 8. Schweres RQckenmarkieiden mit cahmung der Beine volltiandig gehellt.— 7. Frau £. Popp. Bcrlin-Cichicnberg, GSrtnerftr.io. Von chronischem Leiden, Herzschwäche und beritopfung geheilt.— 8. HerrB.Scblabifz, Berlin, Caprivistr. 24. Von Geflchtslupus geheilt; vorher mit Radium erfolglos behandelt.— 9. Herr R. hellwig, B.-Borfig- walde, Ernsistr. 25. Von Magengeschwulst, Verttopfung und Nervenschwache gehellt.— 10. Herr Mtlchhändler Gckert, Berlin, Greisenbagener Sirahe 23. Von gichfüch- rheumatischen Schmerzen in©ein und FuRqelent geheilt.— 11. Herr Gastwirt C. Michaelis. Charlotten bürg, ffiallftr. 87. Von(hronlicbem Ceberleiden und Gelbfucht geheilt.— 12. Frau m. Knorr, Bln.-Cichlen- berg, Scharnweberstrasie 62. Von Herzschwäche, Ceberanfchwellung und Magenkrebs geheilt.— 13. Sohn Paul des WeickenstellerS Herrn VllheiM hattner, Bin.-vettend,Beamtenhaus. Von Ichwerem Beinleiden gehellt. Sein sollte abgenommen werden. LW Briefliche Original-Rnerkennungen von uns geheilter Patienten stehen im ülartezimmer der Bnftalt auf Blunfch zur Cinlichf!• Getrennte Behandlungsräume für Damen und Herren!• Sprech- und ße- handlungszelt: 9-1. 9-7'/»— Sonntag und Pro!. Dr. med. und Dr. der BecbanolbcrEpie Arzt, approbiert im SuSl., p. d. deutschen [y Regierung anerkannt Von der Reise zurückgekehrt! BrOckenstraße 10 b , am Bahnhof Jannowitzbrücke AHn« drieffich« Behandlung, nur nach genauer Untersuchung in der HcUanstaft.-WU SüjShrige Praxis. Prosp. über die Heilanstalt geg. Einsend, v, 6 SR. P.i Zur AufKlärunä! Die von einem Teil der Gastwirte Gross-Berlins verbreiteten Aufteilungen über die Gründe ihrer Differenzen mit den Brauereien/sind irreführend und unzutreffend. Der Streit zwischen Gastwirten �.und Brauereien in Berlin ist � nicht auf die Bierpreise der Brauereien, sondern auf das Verlangen eines Teils der Gastwirte um Schutz höherer AiTs- schankpreise A zurückzuführen. Zur Erläuterung diene nachstellende Aufstellung über die Entwicklung der Bierprciso: Ab 8. Juni d. J. betrug der Bierpreis der Brauereien für Vollbier IUI. 2.40 je Liter. Ais Ausschankpreise der Gastwirte waren vereinbart in Gruppe I(einfache Lokale) M. 4.— je Liier in Gruppe Ii(Lokale mit grösserem Aufwand) M. 5.— je Liter. Mitte August bat die Lokalkommission der Gasfwirfsvereinigungen Gross-Berlins, ohne dass die Brauereien eine Preiserhöhung vorgenommen hatten, die Preise in Gruppe I auf M. 5.—, in Gruppe II auf M. 6.— je Liter heraufgesetzt. Ein grösserer Teil von Gastwirten der Gruppe I hat sich an dieser Erhöhung nicht beteiligt und den früher vereinbarten Preis von M. 4— beibehalten. Seit dem 22. September d. J. beträgt infolge der ausserordentlich gestiegenen Rohstoffpreise für Gerste, Malz, Hopfen, der höheren Löhne und Gehälter der Bierpreis IUI. 3.20 je Liter. Die Lokalkommission der Gastwirtsvereinigungen Gross-Berlins hat. aus diesem Anlass als Ausschankpreise vorgeschlagen: 4: In Gruppe I M. 6.—,» in Gruppe II IVI. 7.—, bei Geschähen mit noch höheren Aufwendungen in Gruppe II IUI. 8.— bis IUI. 3.. Ein nicht unbedeutender Teil der Gastwirte, insbesondere diejenigen, die sich im August der einseitigen Preiserhöhung der Lokalkommission nicht angeschlossen und auch bisher das Liter zum Preise von M. 4.— ausgeschänkt haben, lehnen die Erhöhung ihres Ausschankpreises um IUI. 2— auf IUI. 6.— Je Liter als unbegründet y ab und beabsichtigen zu einem geringeren Preise und zwar von IUI. 5.30 je Liter ausuuschänken. Die Lokalkommission der Gastwirte verlangt nun von den Brauereien, diese Gastwirte durch Bierlieferungsentziehung zu zwingen, ebenfalls auf einen Ausschankpreis von je M. 6.—/ je Liter heraufzugehen. Dia Brauereien haben diese Forderung abgelehnt, da es ihnen nicht zugemutet werden kann, einen Teil ihrer Abnehmer gegen ihren Willen zu zwingen, die eigenen Ausschankpreise weiter zu erhöhen, alt sie es für notwendig halten.' Die Brauereien glauben die Feststellung des obigen Tatbestandes der Oeffentlichkeit schuldig zu sein. BERLIN, Anfang Oktober 1921. ,, »t. 7 / Verein der Branereien Berlins nnd der Medend; Bergschlossbrauerei Aktiengesellschaft, Berliner Kindl-Brauerei Aktiengesellschaft, Böhmisches Brauhaus Aktiengesellschaft, Brauerei Julius Bötzow, Engelhardt Brauerei Aktiengesellschaft, Hochschulbrauerei, Lindener Aktienbrauerei Abteilung Schlossbrauerei Schöneberg, Löwenbrauerei Aktiengesellschaft, Schulthelss• Patzenhofer Brauerei• Aktienges. / Baneo Colonial Portuguez Hauptsitz: Lissabon Eintiezaliltes Kapital: Eseodos 10 ODO 000-(al pari Ii, 43000 000-1 Eigene Filialen In portugiesisch West» und Ost= Afrika:: Vertreter und Agenten in allen Plätzen Portugals und Kolonien Dokumentarkredlte, Devisenarbitrage, Warenabteilung, Kontokorrente in Landes- und ausländischen Währungen mit Zinsenvergütung Ausführung aller sonstigen bankmäßigen Geschäfte Bez.-Verb.Berl.EPD. 24 Abt. Stc.4,Ptciijl.Sor Unser lieber ISenosse EriiZt Heumann Ehodowickistr. SO ist verstorben. 21212 Ehre selneniAndenien! Die Beerdigung Hai bereits stattgefunden. Die Abt.-Leitnng. B-z.Verb.B-rl.SPD. 41. Abf. Bez 93 Berlin. llRer Genosse Villi WienliraEli 3miat)Olb-AIe#s-etr.l5 ist am Sonnabend, den L Ott., im 51. Lebens» iahre verstorben. Ehre seinemBndenken! Die'Beerdigung findet Dairnerstag. den6.0tt., nachm. 4 Uhr, auf dem fi>ei- e!. Berlin 43 OS., Eifenbahnstrabe 4, 'Haus cmicoj ���Leipziger Str.5S vorwartsstreberjbennd Srfinder Guie BerbienNinttgfichlett.! Aufliärung und Anregung gebende Broschüre: Ein »euer«Seist? sendetgrat. 3- ErSninnn& Co., Bln.. Köiiiggrätzer Str. 71. Iimi.»idI:Z!i5ili>s!ki>!aitSaz vertäust stminend billig Hemden 22, Beintteidcr20, Betlbez. 76, gr. Tepp. 395, Künstl.-Gard.bo, Stepp, u. Diwandclien.Dauueudeff. Nur Gelegenheitskäufe. Keine Lombardware. M-iSir-Wei im siDDlon-(SronetoalDrennbalin 12.. 13. Oft i 11. Oktober L Uhr IS Uhr «it Tolakisolor I ohne Totalisator Reichsverband für Zucht»»d Prüfung deutscheu Halbblut,. PliSFSSl bes. 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Reckarsti. 2«od Siegfnedjtt. 23/!» ZiaukSIIn: !Tc. 469 ♦ 38. Jahrgang 2. Heilage des Vorwärts Mittwoch, 5. Oktober 1921 GroßSerlln §ür üas einheitliche Lerlin. Zum drittenmal, am 16. Oktober 1S21, soll die Wählerschaft ihre Stimme in die Wagschale werfen, um zu entscheiden, nach welcher Richtung der Kurs in Groß-Berlin gesteuert werden soll. Das Gesetz Groß-Berlin, das am 27. April 1920 nach harten Kämpfen gegen die rechten Parteien im Landtag verabschiedet wurde, hat end- lich mit der Zerrissenheit der einzelnen Gebilde Schluß gemacht. Die Wahlen am 20. Juni 1920 brachten im Berliner Stadtparlament den sozialistischen Parteien 12S, den bürgerlichen Parteien 100 Mandate. Nach diesem Wahlausgang hätte jeder Realpolitiker annehmen müssen, daß sich die bürgerlichen Parteien mit dieser Konstellation abfinden würden, bis'die Legislaturperiode zu Ende ging. Doch weit gefehlt. Gegen die Wahl wurde von der Deutschen Volks- partei Einspruch erhoben. Dieselbe Partei,, die sich in großen Ausrufen als die Partei des Wiederaufbaues betrachtet, die„das Wirtschaftsleben Deutschlands der Gesundung entgegenführen will", war es,, die die» Sabotage Groß-Berlins auf ihr Banner schrieb. Ist es nicht Sabotage, wenn sofort gegen die Wahl Einspruch erhoben wurde, trotzdem die Stadtverordnetenversammlung durch Gültigkeitserklärung von 3000 Stimmen der Deutschen Volkspartei ein Mandat zusprach? Ist es nicht Sabotage, wenn von den Rechtsparteien in den wesllichen Vororten Propaganda entfallet wird mit dem Ruf:„Los von Groß-Berlin?" Ist es nicht Sabotage, wenn der Landtag durch Eingaben bestürmt wird, eine Aenderung des Gesetzes dahin herbeizuführen, daß die west- lichen Vororte aus diesem Gebilde herausgenom- m e n w e r d e n? Die östlichen, nordöstlichen, sowie die nördlichm Bezirke denken gar nicht daran, von Groß-Berlin losgelöst zu wer- den, weil ihre Existenz auf dem Spiele steht und darum gehört e» sich, daß die wesllichen Bezirke einen Ausgleich schaffen müsien. Gegen diese Sabotage und gegen die Parteien, die dahinter stehen, müsien nicht nur die sozialistsichen Masien, sondern alle republi- konisch Denkenden energisch Front machen. Die Äahl am 16. Oktober hat auch eine hohe politische Bedeutung. Hat die Deutsche Dolkspartei, die frühere Nationalliberale Partei, jemals aus sich heraus einen Antrag unter dem früheren Regime gestellt, dem Volke das allgemeine Wahlrecht zu gewähren? Wo blieb das freie Wahlrecht während des Krieges? Wo blieb das Koalitionsrecht der Ange st eilten und Beamten? Wo blieb das Recht der freien Meinungsäußerung der Ange st eilten und Beamten? Erst der verlorene Krieg brachte dem Volke diese Freiheiten gegen den Willen dieser bürgerlichen Parteien. Leider vergißt das deutsche Volk zu schnell, sonst müßten große Schichten sich der Zeit vor dem Kriege erinnern, wo zu den Gemeinden und Stadtparlamenten das Dreiklassenwahlrecht bestand und die Sozialdemokratie nur Eingang in die 3. Klasie hatte, weil Geldbeutel undHausbesitz entscheidend waren. Weiter wird von der Deutschen Volkspartei bis zu den Deutschnationalen bis in die kleinsten Dörfer die Mär von der M iß Wirtschaft des sozialistischen Magistrats verbreitet. Dem Leser wird je- doch nicht gesagt, daß im Parlament 100 bürgerliche Abgeordnete sitzen, die auch ihre Verttetung im Magistrat haben. Groß-Berlin soll durch die Sozialdemokratie beider Richtungen in eine schwere S6)aldenwirtschaft hineingeraten sein. Aber erst am 20. Juni 1920 war die Wahl Dann hat es Monate gedauert, ehe der Magisttat zusammengesetzt werden konnte. Man denke nirf an die Abänderung des Gesetzes bett. Wahl zu den unbesoldeten Magistratsmit- gliedern. Noch längere Zeit dauerte es, ehe die Bestätigung der Magistratsmitglieder durch den Oberpräsidenten erfolgte. Durch diese Verzögerung ist eine geregelte Tätigkeit der Berliner Verwaltung zunächst verhindert worden. Durch den Krieg und die Reparottons- leistungen sind die Schulden nicht nur im Reich und Staat gestiegen, sondern auch in den Gemeinden. Wenn man die Aufbesserung der Löhne und Gehälter für die Arbeiter, Angestellten und Beamten als sozialistische Mißwirtschaft bezeichnen will, so kann das der Partei nur zur Ehre gereichen. Wir stehen immer noch auf dem Standpunkt, daß die in der Gesamtgemeinde Groß-Berlin tätigen Personen so entlohnt werden müsien, daß sie sich anständig ernähren und kleiden können. Es muß mit aller Deutlichkeit gesagt werden, daß unsere Partei- vertteter im Magisttat, in der Stadtverordnetenversammlung und in den Bezirken, wo sie mitverantwortlich waren, alles versucht haben, um eine Gesundung Groß-Berlins herbeizu- führen und daß diese Bestrebungen nun auch Erfolge zeitigen. So ist die Schuldsumme verringert worden. Die Straßenbahn und ein Teil der Werke erfordern keine Zuschüsse mehr. Wäre durch die Sabotage der gekennzeichneten Parteien und ihres Einspruches die Wahl nicht für ungültig erklärt worden, dann hätte es sich schon nach vier Jahren ergeben, daß die Sozialdemokratie mit vollem Er- folge gearbeitet hätte. Das aber wäre der Deutschen Volkspartei und den übrigen bürgerlichen Parteien höchst unerwünscht gewesen und daher der Kampf gegen das rote Berlin. Die gesamte Arbeiter- und Angestelltenschaft, die auf dem Boden der Republik steht, muß dagegen Front machen, den Kampf auf- nehmen und geschlosien am 16. Oktober 1921 sozialdemokratisch wählen. Willi Falkenstein, Bezirksverordneter, Berlin-Weißensee. Heg»n Sie Ultras. Scharfe Abrechnung mit den Rechts- und Linksulttaradikalen in Groß-Berlin hielt in einer von der 74 Abteilung einberufenen öffentlichen Wählerversammlung in Ze Hiendorf der preußische Ministerpräsident a. D. Genosse Paul Hirsch. Ihre vollkommene kommunalpolitische Unfähigkeit, so führte Genosie Hirsch aus, haben die Berliner Kommunisten dadurch bewiesen, daß sie im Magistrat dem Berliner Etat zustimmten, im Plenum ihn aber ablehnten. Die Folge wäre gewesen, daß der Magisttat rechllich nicht die Möglich- keit gehabt hätte, Gehälter und Löhne auszuzahlen, ein Umstand, den die kommunistischen Gemeindearbeiter sofort zu spüren be- kommen hätten, wenn nicht die Bürgerlichen klug genug gewesen wären, den Etat anzunehmen. Unerhört sei auch die Art der Kom- munisten gewesen, aus propagandistischen und agitatorischen Grün- den Anträge zu stellen, denen die SPD. und selbst die USP. nie- mal? hätten zustimmen können. Die Kommunisten haben in Wahr- beit der Reaktion in die Hände gearbeitet. Die bisher kommuni- stifchen Wähler werden zu entscheiden haben, ob sie derart unreifen Geistern wieder ihre Stimme geben sollen. Ebenso schlimm aber haben es die Deutschnationalen gettieben. Einen Vorgeschmack von dem, was kommen würde, wenn diese Leute das Heft in Händen hätten, konnte man in der letzten Stadt- oerordnetenversammlung erleben, wo der evangelische Pfarrr Koch die Juden als Seuche bezeichnete. Auch sei der Berliner Außen- westen, wo die Rechtsparteien stark vertreten sind, der Sitz der Los-von-Groß-Berlin-Bewegung. Der Redner wies dann schlagend die Unsinnigkeit dieser ganzen Bewegung nach, zumal schon vor Jahrzehnten die preußische Regierung selber ein Groß-Berlin schassen wollte, ein Plan, der damals an dem spießerischen Kommunalfreisinn scheiterte. Groß-Berlin sei eine wirtschafts-, sozial- und kultur- politische Notwendigkeit gewesen. Auf dem Gebiet des Armen- und Wohlfahrtswesens, der Steuern, der Schulen, der Polizei, der Feuer- wehr und des gewerblichen Lebens habe im alten Berlin mit seinen Dutzenden von Städten, stadtähnlichen Dörfern, Dörfern und Guts- bezirken ein unorganisches wildes Durcheinander geherrscht, so daß auch vor dem Kriege schon die großen Gemeinden mit Arbeiter- beoölkerung aus den Schul-, Armen- und Steuernöten keinen Aus- weg mehr wußten. Diese Lage wurde noch verschärft dadurch, daß sich die wesllichen Vororte mit plutokrattscher Bevölkerung Herme- tisch von den anderen abschlössen und sich dadurch von der Tragung der allgemeinen Lasten drückten. Das ist jetzt anders geworden und wird auch so bleiben. Der 16. Oktober müsie ollen Unverständigen und Rückschrittlern die Erkenntnis bringen, daß das werktätige Volk von Berlin den ernsten Willen habe, auf der einmal beschritttnen Bahn eines Groß-Derlin weiter zu schreiten. In der Aussprache über diesen mit großem Beifall aufgenomme- nen Vortrag meldete sich auch die deutschnationale Stadtverordnete Frau Ludwig zum Wort, und was sie sagte, das war in der Tat das Dekennknis einer schönen Seele. Sie meinte nämlich seelenruhig in bezug auf die Bewegung Los von Groß-Berlin, man könne es den Zehlendorfer Bürgerlichen doch gar nicht verdenken, daß sie sich dieser Bewegung anschlössen, denn es sei so schön in Zehlendorf, daß man das übrige Berlin gar nicht brauche. Als man der Dame empört zurief:«Das ist doch der reine Egoismus!", erwiderte sie hold lächelnd:„Jawohl, das ist Egoismus, aber ein gesunder!" Und auf einen weiteren Zuruf erwiderte sie mit derselben stoischen Ruhe:„Ich brauche Berlin nicht, denn ich habe mein Einkommen aus Zehlendorf." Schließlich bestritt Frau Ludwig auch, als Schwester des deutsch- nationalen Stadtterordneten Pfarrer Koch-Berlin, daß ihr Bruder gesagt haben soll, die Juden seien eine Seuche. Dabei entschlüpfte ihr ein merkwürdiges Geständnis, dos Ihr z. B. bei Herrn Wulle keine Freundschaft erwecken wird. Sie meinte nämlich, sehr viele ihrer deuftchnationalen Parteigenossen ständen in enger freundschaft- licher Beziehung zu geistig und sittlich hochstehenden Juden. Und sie fügte hinzu:„Diele Juden selber sind es, die die Einwanderung ihrer ostgolizischen Glaubensoenossen aufs schärfste mißbilligen. Der Diskussionsredner der USP., Stadtv. Dr. K ö h l i tz, sowohl wie Genosse Hirsch in seinem Schlußwort widersprachen der Stadtt. Ludwig in bezug auf die Aeußerung des Pfarrers Koch entschieden. Pfarrer Koch habe tatsächlich die Juden als eine Seuche bezeichnet. Stadtv. Köhlitz brachte auch noch zur Kenntnis, daß ein Arzt von Beruf, der Geh. Obermedizinalrat Kirchner, als Stadtverordneter es fertig gebracht habe, zu sagen:„Die Juden fressen uns die ganze Nahrung weg." In seinem Schlußwort betonte dann auch Genosse Hirsch unter großem Beifall, daß offenbar die Ultraradikalen, die Deutschnationalen und die Kommunisten, unbelehrbar seien und daß ihnen die Wählerschaft deshalb am 16. Oktober die richtige Antwort erteilen müsse. Während die Bürgerlichen sich ruhig verhielten, be» tätigten sich die anwesenden Kommunisten in allerlei wilden und deshalb unverständlichen Urwaldlauten. Die Auslese öes Straßenbahn-5ahrpersona!s. Der richtige Mann am richtigen Plah. Bei der Reorganisa ttiv n des Berliner Straßen« bahnwefens wird großer Wert auch auf die Heranbildung brauchbaren Personals gelegt. Sicherheit, Wirtschaftlich- keit des ganzen Unternehmens hängen sehr vom Personal ab. Darum hat man auf dem Straßenbahnhof an der Siegfriedstraße in Lichtenberg, der übrigens mit seinen 500 Wagen der größte Straßenbahnhof der Welt ist, eine besondere Schule für Fahr- personal eingerichtet. Stadtbanrat Adler, der Chef des Verkehrs- wesens der Stadt, zeigte sie gestern den Vertretern der Presse. In einer einleitenden Ansprache betonte Herr Adler, daß diese Lchrstätte es der Straßenbahnverwoltung ermöglichen soll, bei der Ausbildung des Fahrpersonals den Grundsatz:„Der richtige Mann am richtigen Platz" durchzuführen. Hier werden schon bei der Eignungsprüfung, die. mit dem Anstellungsuchenden vorgenommen wird, die psychotechnischen Methoden an- gewendet. Oberingenieur Tramm, der die Schule geschaffen hat, schilderte das Prüfungs- und Unterrichtsver.fahren. Die Prüfung bettifft u. a. die Schärfe des Auges, die Schnelligkeit des Erkennens, die Schärfe des Gehörs, die Sicherheit der Hände beim Gebrauch de: Fahrkurbel, der Bremse usw., die Geistesqegen- wart bei plötzlichen Störungen, die Ruhe und Unerschütterlichkeit gegenüber Schreckwirkungen. Mit allerlei sinnreich erdachten Apparaten, mit Buchstaben- und Farbentafeln, läutenden Glocken, aufblitzenden Lampen und schreckenden Kurzschlußslammen wird dem Prüfling so zugesetzt, daß er sich wie in einem Fegefeuer vorkommen könnte. Durch diese Prüfungen erspart sich die Verwaltung selber wie auch den Prüflingen viel Enttäuschungen, die sich früher, als die Fahranwärter auf dem Wagen selbst ausgebildet wurden, immer wieder einstellten. Es stellt sich nämlich heraus, daß unter hundert sich Meldenden nur etwa dreißig für den Beruf des Straßenbahnwaqenführers geeignet sind. Berlin ist die erste Stadt im Deutschen Reich, die eine solche Einrichtung geschaffen hat. Die Wirkungen der psychotechnischen Eignungsprüfung und des Fahrschulunterrichts haben, wie Tramm mitteilte, sich sehr bald darin gezeigt, daß die Betriebssicher- heit zunahm. Gegenüber dem Vorjahr haben sich die Zu- sammenstöße um 80 Proz., die schweren Verunglückungen von Per- sonen um 40 Vroz. vermindert. Durch zweckmäßiges Perhalten der ausgebildeten Fahrer ist auch ein Ruckgang des Stromver- brauche? erreicht worden. Schließlich darf aber auch der innere Gewinn des Personals selber nicht unterschätzt werden. Der richt'ge Mann am richtigen Platz kann nicht nur dem Gesamtwohl besser dienen als andere, die infolge falscher Berufswahl ihren Aufgaben nicht gewachsen sind. Er findet auch mehr Freude an seinem Beruf, der richttg gewählt ist und seinen Fähigkeiten entspricht. Zum Tode verurteilt. Das Kino als Verführer. Der Frauenmcrd in der Stargarder Straße, der schon einmal gegen den noch jugendlichen Arbeitsburschen Willi Rieding die Sttafkammer des Landgerichts I beschäftigt hat, kam Fräulein. 20] Von Paul E n d e r l i n g. «opyttztit, 1520, by J. Q. Cotiasche Buchhandlung Nachf. Stuttgart ü. Berlin Fräulein ging langsam wieder hinaus. Die Straße war vlötzlich belebt. Es war zwölf Uhr. Die Schüler stürmten aus ven benachbarten Schulen hinaus, lachten schrien und balgten sich. Hüte flogen durch die Luft. Fräulein ging still durch allen Lärm und alles Lachen. „Nie sage ich ihm," schwor sie sich,„daß ich hierherge- gangen bin. Nie. Ach, vielleicht werde ich es ihm auch nie sagen dürfen." Vor ihr gingen zwei Schüler; der eine zeigte dem anderen das Pensum für die nächste Religionssttinde: Der Versucher führte ihn auf einen hohen Berg und zeigte ihm alle Reiche und alle Herrlichkeit auf Erden. Ein Wagen, mit Ponnys bespannt, lenkte den Eifrigen ab. „Ja," dachte Fräulein,„so ist das Leben. Es zeigt uns alle Reiche und alle Herrlichkeit auf Erden und läßt uns dann im Tale, wo nichts mehr zu sehen ist." In ihren Augen lag eine große Mutlosigkeit und eine große Trauer. *** Tiedemanns waren die ersten, die in den Danziger Hof zum Verlobungsfest kamen.. � �. „Sch habe heute nichts seit dem Mittag gegessen, ge- stand Tiedemann,„und auch da nur einen Eierkuchen. Donner- wetterchen, wollen wir aber heute den alten Görke schädigen! Aber Manne l" Frau Tiedemann schrie vor Wonne. „Du bist doch oft zu putzig." Ein wenig spater kam Tante Berta. Sie war etwas indigniert, daß man sie nicht durch einen Herrn im Wagen hatte abholen lassen.......,. „Aber Tantchen, es ist sa noch keine Hochzeit, man bloß «ine Verlobung." Das beruhigte sie endlich. Frau Görke war schon fünfmal im Laufe des Tages im Hotel gewesen. Sie hatte den Restaurateur und den Koch halb zur Verzweiflung gebracht. Sie hatte immer das Ge- fühl, diese Leute würden etwas vergessen oder sich verspaten oder nicht das festgesetzte und bezahlte Menü bringen. Wte leicht tonnten sie es mit irgendeinem anderen Essen ver- Wechseln. „Also zuerst Schildkrötestsuppe." „Gnädige Frau können ganz unbesorgt sein—" Frau Görke war aber nicht unbesorgt. Ihr Hausftauen- sinn litt schmerzlich unter dem Gefühl, was hier alles wieder von der Tafel abgetragen werden müsse, ohne daß man es für die Familie verwerten könnte.„Es ist unverzeihlich von Vater, daß er es nicht zu Hause angerichtet hat." Aber Thea fand es viel schicker und war zum erstenmal seit langer Zoit mit dem Vater zufrieden. Als um acht Uhr erst die Hälfte der Gäste da war, begany Frau Görke vor Angst bei dem Gedanken zu zittern, daß die anderen nichts von der Einladung wüßten, daß sie zu spät ergangen oder daß versehentlich ein anderes Datum angegeben sei. Und dann seien die halben Kosten.zum Fenster hinaus- geworfen. „Dann futtern Tiedemanns das übrige auf," lachte Görke. „Es soll nichts vor die Schweine kommen." Endlich war alles so weit. Die Gäste saßen; die Musik begann. Und die Suppe— die Schildkrötensuppe— wurde aufgetragen. Der Wein blinkte, der Fisch kam. Frau Görke beruhigte sich. Auf einen Wwk Görfes brach die Musik ab. Görke sprach, beide Hände auf die Stuhllehne vor sich gestützt, lang- sam und deutlich vom Segen der Familie, vom Sieg des Fa- miliengedankens, von der Ausbreitung des Görkeschen Fa- milienstammes, der jetzt einen neuen Trieb ansetze. Der Bräuttgam sah glücklich lächelnd auf den Schwieger- vater. Was für ein prächtiger Mann war das doch, dieser als unzugänglich verschriene Millionär. Sprach er nicht wie ein Vater? Und was für schöne Worte fand er doch! Er sah Thea strahlend an und drückte ihr selig die Rechte. Thea zog ihre Hand aus der seinen, mit leichtem Stirnrunzeln. Er merkte es gar nicht. Aber Tante Berta hatte es wohl bemerkt. Sie beschloß, auf Thea zu achten und ihre Mutter gelegentlich zu fragen, ob sie sich noch immer nicht in die Ehe mit Doktor Henning gefunden habe. Görke kam auf den Stand Hennings zu sprechen.„Die humanistische Bildung ist allezeit in unserer Stadt hoch in Achtung und Ehren gestanden." Er verkehrte nie mit einem Nichtkausmann und sah auf seinen Schwager, den Oberlehrer, nur mit Achselzucken.„Die praktischen Stände Hand in Hand out de» wissenschaftlichen; der weit in die Ferne gerichtet« Blick des Kaufmanns und der nach innen gerichtete Blick des Gelehrten— das ist das rechte Augenpaar für Stadt und Staat." Görke sprach lange. Tiedemanns sahen mißmutig, daß der Braten kalt ward und die Soße zu gerinnen drohte. „Und so heiße ich denn unseren lieben Doktor Henning in unserer Familie herzlich willkommen und bitte Sie, einzu» stimmen in den Ruf: Das Brautpaar hoch, hoch, hoch!" Henning stieß fein Glas vor lauter Glückseligkeit so fest an Görkes Glas, daß es zersprang und ein Spritzer Rotwein auf Görkes helle Weste gelangte. Die Tanten sahen darin ein Unglücksomen. Die Herren ein gutes Zeichen:„Das bedeutet Glück." Henning selber war tief unglücklich, um so mehr,'als er im Gedränge der Gratulanten sein Bräutchen nicht fand. Hermann stieß mit dem Onkel an.„Wie gefällt dir die Rede?" fragte der Oberlehrer. „Sie war stilvoll und taktvoll. Mein alter Herr wird noch mal Konsul werden." Oberlehrer Sanders lachte bitter.„Ja, die Rede war sehr taktvoll: das taktlose Wort Liebe kam nicht vor." „Nein, OnZel, du hast recht, das kam nicht vor. Aber ob es Thea erwartet hat?" Beide sahen zu der Braut hinüber, die eben lachend mit Lothar Franzius sprach, und dann blickten sich beide an, ohne den Gedanken auszusprechen, der sie er- faßt hatte. Die Stimmung stieg mit jeder Viertelstunde. Ein Trink- spruch folgte auf den anderen. Vaurat Brandstätter trank auf das Wohl des Elternpaares und des holdseligen Bräut- chens. Ein paar hatten das Hoch schon zu früh ausgestoßen, fielen jetzt aber doch enthusiasmiert in den allgemeinen Chor ein.„Ich finde, das Hoch hätte er schon früher sagen können," sagte van Steen— Kohlenkaufmann van Steen aus der Roepergaffe— zu seiner Nachbarin; seine pfiffigen Aeuglein blinkten wie Weihnachtslichter. Sie lachte etwas verschämt: laut zu lachen wagte sie nicht mehr, seit sie gemerkt hatte, daß der genossene Wein nicht ganz ohne Wirkung geblieben war. Ein allgemeiner Wirrwarr entstand jedesmal, wenn ein Hoch vorbei war. Alle Gäste gingen um die Tafel herum, um mit den Görkes und dem Brautpaar anzustoßen.„Mein lieber Herr Görke," sagte Konsul Steputat,„wer hätte das je gedacht, nicht wahr? Ja. wahrhaftig, wer hätte das ge- dacht?" Aber er wurde von anderen beifette gedrängt. (Forts, folgt.) .cftcm vor dem Schwurgericht des Landgericht» I nochmals zur Lerhandlnug. Rieding war damals zu 12 Jahren Gefängnis ver> urteilt worden. Jetzt stand der 22iährige Arbeiter Emil B ö h n t c wegen Mittäterschaft an diesem schweren Derbrechen vor den(3e> schworenen. Wie erinnerlich, ist am 22. November v. I. die in der Star- mrder Str. Sl wohnende bejahrte Witwe Emilie Ä i l l e r t von dem l7jährigen Rieding unter Beihilfe eines Komplizen ermordet worden. In einem Kientopp in der Münzstraße sah er in einem Schauerstück „Der Würger", wie eine Frau von einem Verbrecher in wenigen Se- künden zu Tode gewürgt wurde. Er beschloß, es ebenso zu machen und eine alte Frau umzubringen und zu berauben. In einer Kaschemme lernte er den Böhnke kennen und dieser war bereit, an dem Unternehmen sich zu beteiligen. Al» Opier wurde die olle Frau Gillert ausgesucht, die Rieding kannte. Es gelang ihnen, am 22. November, vormittags gegen 12 Uhr, bei Frau Gillert Einlah zu erhalten. Diese ist dann in der grausamsten Weise ermordet und beraubt worden. Während Rieding gleich nach der Tat durch Nach- barn der Ermordeten festgenommen werden konnte, gelang e» Böhnke zu entfliehen; er konnte auch erst nach einem Tage verhaftet werden. Während der jugendliche Verbrecher den Böhnke als seinen Verführer schilderte, behauptete dieser, daß er von dem Verbrechen zurückgetreten und schon vor Begehung der Tat aus dem Hause ge- flohen sei. In diesem Sinne führte auch R.-A. Dr. Frey seine Verteidigung. Die Geschworenen bejahten die Schuldfrage wegen Mordes, so daß das Gericht den Angeklagten zum Tode ver- urteilte._ Sensationeller Ireispruch in einem Jamilienörama. Ein überraschendes Ergebnis hatte ein Mordprozeß unter Bor- sitz des Landgerichtsdircktors Dransfeldt. Wegen M o r d v e r- fuchs war der Werkzeugschlosser Otto Dohrmann angeklagt, welcher nach seinem eigenen Eingeständnis auf seine Ehefrau mehrere Revolverschüsse abgegeben hatte. Der bisher unbescholten« Angeklagte hatte im vergangenen Jahre geheiratet und war gezwungen, vorläufig in der Wohnung seiner Schwiegermutter zu wohnen. Dieses Zusammenleben von »alt und jung" störte bald die Eintracht der jungen Eheleute, da die seit IS Jahren von ihrem Manne getrennt lebende Schwieger- Mutter sehr selbständig geworden war. Schließlich wurde die ganze Ehe nur noch zu einem Kampfe eines Mannes gegen zwei Frauen. Der Angeklagte behauptete sogar, daß die Schwiegermutter in un- erlaubter Weife dafür gesorgt habe, daß sich kein Familienzuwachs einstelle. Die Cache spitzte sich schließlich zu, als die Schwiegermutter dem Angeklagten die Wohnung kündigte, so daß dieser gezwungen war, zu seinen Eltern zu ziehen. In dieser Situation beschloß D., durch Selbstmord der Qual ein Ende zu bereiten. Nach einem er- neuten Bersähnungsversuch gab der Angeklagte auf offener Straße auf seine Frau mehrere Schüsse ab, setzte dann die Waffe an die Schläfe und drückte ab. Di« Patrone versagte, außerdem wurde ihm die Waffe von Passanten aus der Hand geschlagen. Vor Gericht belasteten die Frau und die Schwiegermutter den Angeklagten äußerst schwer. Demgegenüber bat Rechtsanwalt Dr. Erich Tr eitel die Geschworenen, sich in die Psyche dieses Mannes hinein zu versetzen.-Krieg, Unterernährung und die fortgesetzten Aufregungen hätten au» dem Angeklagten einen völlig überreizten Menschen gemacht, der Im Affekt schließlich zur Waffe gegriffen habe, ohne in diesem Augenblick Herr seiner Sinn« zu sein. Die Geschworenen kamen zu einer Verneinung der Schuld» fragen, so daß der Angeklagte auf Kosten der Staatskasse frei» gesprochen werden mußte._ Die Folgen einer verfehlten Ehe. Der wegen Erschießung seiner Ehefrau verhaftete Polizeianwärter Johann Neuß au» der Bccmtenkolonie„Daheim" In Mariendorf wurde mit seinem ebenfalls festgenommenen Sohne noch gestern abend von Kriminalkommissar Trettin vernommen. Neuß ist geständig, die Tat Im Streit begongen zu haben. Er hatte, wie mitgeteilt, erst im Februar d. I. seine Frau geheiratet und erst nachträglich, nachdem er von ihr zur Hochzeit gedrängt worden war, erfahren, daß sie früher keinen sittlich einwandfreien Lebenswandel geführt hat. Auch jetzt gab sie ihm noch in dieser Hinsicht wieder- holt Anlaß zu Auseinandersetzungen. Die Eh« war bald sehr un- glücklich und Neuß hatte schon ein Verfahren eingeleitet, daß die von ihm geschlossene Ehe für nichtig erklärt werden solle. Auch am Montagabend gab es zwischen den Eheleuten wieder einen heftigen Streit, der in Tällichkeiten ausartete. Neuß, der angetrunken war, geriet dabei in groß« Aufregung und griff in dieser zur Waffe. Sein Sohn hat mit dem ganzen Vorgang nichts zu tun, da er sich während der fraglichen Zeit anderswo aufgehalten. Er wurde auch sofort wieder entlassen. Kritik am Umsteigefahrschein. Aus den Kreisen der Straßen�ahnfahrgäste schreibt man uns: Die Stadwerwaltung hat jetzt bekanntlich das Weiterfahren auf Umsteigefahrscheinen auf der ursprünglich benutzten Linie b,w. einer dem gleichen Ziel zustrebenden gestattet, jedoch mit der Maßgabe, daß dies nur an den Kreuzungspunktcn geschehen kann. Diese De- stimmung führt aber für die Benutzer der Straßenbahn immer noch zu Ungerechtigkeiten Der Fahrgast, der z. B. mit der Linie vi vom Nollendorfplatz kommt, kann am Llexanderplatz innerhalb der Zweistundenfrist seine Einkäufe besorgen oder andere Bedürfnisse erledigen und dann nach Weißens« weiterfahren, wäh- rend ein anderer, der in der Danzigcr Straße eine kleine Besorgung oder dergleichen miterledigen will und an der Greifswalder Straße wieder einsteigt, um den kürzeren Fahrweg auf einer der ! dort ankommenden Linien nach Weißensee zu benutzen, durch die ! betreffende Bestimmung deran gehindert ist. Es sollte der Stadt- Verwaltung gleichgültig sein, von welchem Punkt aus der Fahrgast mit seinem Umsteigeschein die Weiterfahrt antritt, und es zeugt von | großer Engherzigkeit, wenn man den einen Fahrgast zwingen will, ! den weiteren Weg einer Linie zu benutzen. Oder will man dem- nächst dazu übergehen, den Inhaber des Ümsteigesahrscheins auf dem i Straßenpfloster auf seine privaten Bedürfnisse hin zu kontrollieren? In anderen Städten, z. D Dresden, kennt man solche einengenden ! Bestimmungen für die Benutzung des Umsteigefahrscheins nicht. Also I fort mit dieser letzten obrigkeitlich-spitzfindigcn Schranke, die zu nichts . weiter als Unzuträzlichkeiten führt. Für die Umsteigefahrschein« der Straßenbahn wird, wie �wir soeben erfahren, vom 10. Oktober ab die Verbcsserang eingeführt, daß beim Umsteigen der Anfangspunkt der zweiten Fahrt nicht mit dem Endpunkt der ersten Fahrt zusammenzufallen braucht. Bestehen bleiben aber die Vorschriften, daß die zweite Fahrt innerhalb zwei Stunden gemacht werden muß und keine Rückfahrt sein darf. Hilfe fiir die Minderbemittelten. Die sozialdemokratisch« Stadtverordnetenfraktion H e i m a n n und Genossen haben für die nächste Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag, den ö. Oktober, folgenden Dringlichkeitsantrag ein- gebracht: Die Stadtverordnetenversammlung«oll« b«schließ«n, den Magistrat zu ersuchen, auch in diesem Jahre für hie minderbemittelte Bevölkerung als Beihilfe und zur Anschaffung von Brennmaterialien den Betrag von 8 Millionen Mark bereitzustellen. In den Kreisen der minderbemittelten Bevölkerung Groß-Berlins wirb dieser Antrag, dem auch die übrigen Fraktionen ihre Zustim- mung nicht werden versagen können, lebhafte Genugtuung hervor- rufen, denn es ist ollgemein noch in Erinnerung, daß auch im vorigen Jahre derselbe Betrag von 8 Millionen Mark bewilligt worden ist, und zwar wurde da» Geld für Wirtschaftsbeihilfen im Betrage von 30— 50 M. und für Hergabe von Brennholz verwandt. Inzwischen haben sich die wirtschaftlichen Verhältnisse verschlechicrt statt verbessert, so daß die von ihnen besonders hart Betroffenen eine Beihilfe sehr dringeich brauchen. Tie Feststellung der Stadtlisten. Im Zentralwablamt trat gestern der Stadtwahlausschuß zur Prüfung und Zulassung der Stadtwahloorschläge zusammen. Es waren rechtzeitig 9 Stadtwahlvorschläge eingegangen, von denen nur die Listen der Demokraten, des Zentrums und der Wirtschaftspartei eine Verbindung untereinander erklärten. Auf der Stadtliste der SPD. stehen folgende Kandidaten an erster Stelle: Geschäftsführer Franz Krüger(Köpenick), Lehrerin Liesbeth R i e d g e r, Gasarbeiter Franz Vehr(Reinickendorf- West), Geschäftsführer und Redakteur Dr. Richard L o h m a n n (Treptow), Afa-Sekretär Erich F l a t a u, Invalide Hugo S u b t e, Geschäftsführer Friedrich Schlegel, Parteifekretärin Minna Todenhagen(Treptow), Stadtfekretär Otto Brinkmann (Köpenick), Schriftsteller Kurt H e i n i g(Zehlendorf). Don den übrigen Parteien beginnen die Listen de? U S P. mit Bürgermeister Karl Leid, Parteisekretär Wilhelm D i t t m a n n, Rechtsanwalt Siegfried Weinberg; der Kommunistischen Partei mit Schriftsteller Ernst Reuter- Friesland, Elektriker Georg Koslowskn und Zeichner Mar Dörr; der Demo- traten mit Geh. Justizrat Hove, Kommerzienrat Bamberg und Geh. Regierungsrot P r e tz« l; de« Zentrum» mit Straf- nnltaltspfarrer Dr. S a l z g e b e r, der W i r t f ch a f t s p a r t e i mit Gastwirt Oskar R o e d e r und Direktor Paul Busch; der Deutsch- sozialen Partei mit Schriftsteller Richard Kunze- Friedenau; der Deutschen Dolkspartei mit Geheimrat von Eynern und der Deutf-bnationaleu �olks parte! mit Justizrat Paul L ü d i ck e. Pfarrer Julius Koch und Derbandsdirektor a. D. Dr. Steiniger. Die neuen Gaspreise. Unter dem Vorsitz des Stadtverordneten Detbleffen tagte am Dienstag abe--'' abermals der Stadtverordneten« ausfchuß zur Vorbereitung der Dcckungsfrage für die schon bewilligte Erhöhung der Löhne und Gehälter. Es handelte sich gestern abend im wesentlichen um die Erhöhung des Gaspreifcs, die schon einmal mit den Stimmen der Unabhängigen abgelehnt worden war. Gestern abend gaben die Unabhängigen eine Erklärung ab und stimmten dann ebenfalls mit den Bürgerlichen und M e b r b e i t« f o z i a l I st e n für die Magistratsvorlage und damit für die Erböhung des Gaspreife» auf 1,85 M. Diese Erhöhuna de- läuft sich für den Rest dieses Etatsjahrcs 1921 auf 30 Millionen Mark und für das kommende Jahr auf rund 00 Millionen Mark. Raubansall auf einen Schüler. Als ein Schüler gestern abend durch die Hofjägerallce im Tiergarten radelte, vertraten ihm dort plötzlich zwei junge Männer den Weg. Einer gab ihm einen Stoß, daß er vom Rad fiel. Der zweite bemächtigte sich dann sofort des Rades, stieg out und jagte davon. Auch der andere entkam, indem er in dos Gebüsch bineinlief. Das geraubte Rad, Marke Wanderer, hat ein schwarzes Gestell und Freilauf und trägt die Nr. 24 200.— Auch In der weiteren Umgebung Berlins nehmen die Raubanfälle kein Ende. So wurde gestern in Sommerfeld bei Oranienburg eine ältere Dame von drei jungen Burschen überfallen und unter Vor- baltung einer Pistole ausgeplündert. Den Räubern fielen 2000 M. bares Geld und alle Schmuck- und Wertsachen In die Hände. Bei dem Streit zwischen Brauereien und Gastwirten in Berlin handelt es sich, wie man uns von fachmännischer Seite schreibt, nicht, wie di« Ocffentlichkeit noch vielfach irrtümlich annimmt, um den Preis, den die Brauereien für ihr Bier ab Brauerei den Gast- wirten berechnen. Dieser Preis ist von den Gastwirten als berech- tigt anerkannt und bleibt hinter dem Preis der meisten norddeutschen Brauereien zurück. Hier handelt ee sich vielmehr um den Ausschankprcis der Gastwirte, den diese dem Publikum berechnen. Dieser Ausfchankpreis soll auf Wunsch der Gastwirte- organifaticnen auf mindestens ö M. je Liter erhöht werden. Damit ist aber ein Teil der Gastwirte und namentlich derjenige, der di« arbeitende Bevölkerung zur Kundschaft hat, nicht einverstanden. Die übrigen Gastwirte wollen nun ihre widerstrebenden Kollegen zwingen, ebenfall» diesen erhöhten Preis zu nehmen und verlangen zu diesem Zwecke von den Brauereien, daß diese den Gastwirten, die unter 6 M. verkaufen wollen, so lange die Lieferung sperren, bis sie dadurch gezwungen sind, den Preis auf 6 M. zu erhöhen. Ohne die Berechtigung eines Ausschonkpreises von 0 M. je Liter für einen großen Teil der Gastwirte bestreiten zu wollen, kann es doch den Drauereim nicht zugemutet werden, angesichts der wider- strebenden Ansschten innerhalb der Gastwirtskreiie selbst die Hand zu Zwangsmaßnahmen gegenüber denjenigen Gastwirten zu bieten, die dem Publikum einen billigeren Ausschankpreis erhalten möchten. Ist die weltliche Schule»eligiouslo S? In der von den sozla. listisch en Elternbeiräten im Kreil- Tiergarten gebildeten.freien Schul- gemeinde» tpriibt am 6. Lstober. abend« 7 Uhr. Psarrer»I-Ier in der Aula. Areiner Straße 15/17, über da« Thema:.Ist die weltllche Schule l iligionSIo«?* HauptbetriebSrat der städtischen betriebe und Verwultuuset«. Dollveisammlung aller AelrtebSräte de« Maqistrati am Donnerstag, den 5. Oktober, abend« S Uhr, Vötzow-Brauerci, Prenzlauer Berg. Ter Berliner BolkSchor veranstaltet am Sonntag, den S. Oktober, abends 7 Übe, in der Jstlandftr. S einen heiteren V o r tr a g« a b e n d, zu dem Gallkarten a 2 M. an der Abendkasse und in der VorwärtS-vuch- Handlung, Lindenstr. S, zu haben find. Filmschau. In den Mlchard-OSwald-Lichtspirlen werden die zwei Test« de» SensationSsilm« Kortunat» gezeigt. ES ist erstaunlich, wa« der Pariier Apachenjüngimg Fortunata alle« versteht: Der in den ärmlichsten Per- bällmfien Autgewachiene erweist fich al» ein ge.vandtcr Reiter, er versteht c« ebcnlo geschickt ein Auto wie ein Flugzeug zu lenken al« sich gefellschast- lich gewandt zu benehmen. Co etwa« kann sich eben nur in einem Film n eignen, deficn L>andlung an den Haaren herbeigezogen ist. Gewiß, di« Darsteller haben fich viel Mühe gegeben, aber e» wäre doch beffer, wenn da« Publikum von laichen Mack werken vcrichont bliebe. Uebrigen« ist auch die Photographie ausnahmsweise nicht aus der Höhe. .Eine SchreckenSnacht in der Menagerie- beißt ein FNm der John-Hagenbeck-Film-G. m. b. H., der im Terrathcater(Horden- belgsl'.aßel seine Urausführung erlebte. In«ine stark melodramatische Ziilukgeichitle der von anderen Erzeugnissen her zur Genüge bekannten Art ladeiSstolzer Pater, veriührle Tochter, edler ZirkuSheld, Schluß: Ver- iibrning) sind einige Raubtiereptsoden nicht ungefchickt verwoben. Da« Zheaier erreicht seinen Höhepunkt al« schließlich ein winzige« Kindleln im Rachlhemd biswilligeiw-iie in den Löwenkäfig versetzt wird.(Gotiseidank merkt seibl» der Unbefangene, daß da« Kindlein nicht in Wirklichkeit zu- sanimen mit dieser bösen Gesellschalt gefilmt wurdet. Karl de Vogt mimt den ZirkuSheld mit dem nötigen Heroismus. An einer Stebemolle al« gealterter Elotvn bot Hermann P i ch a eine prächtige ernsthaste Leistung. »Das gestohlene Millionenrezrpt- bestreitet im kportpatait den Hauplteil de« Abend«. Da» von dem Bersalser Han« Gau« aU jcn- teuerlichc DicbeSgcschichte bezeichnete Stück enthält teine sonderlich neu« Adec. An den Hauptrollen ersreuen Arlur Somlay. Harald Pauljen, Lla Eibenschütz. Magnn« Stisler. Rudols Klein-Robden, Albert Paulig und Heinrich Peer durch voiirefiiiche Leistungen. Eingeleitet wird da« Programm mit der zweiten Episode des großen Nobodh-Film«, betitelt.Der M e i st e r de« B i u s s«'. Wie im elften Test hält der ausgezeichnete Sylvester Schässer auch hier durch sein« artistische Kunst da« Publikum in Spannung. Srsß-Serltoer parttinachrichten« heute. Mittwoch, den S. Oktober: t.»rei« Pre»,la»er Tor. Uhr�Sigun, der»ezirlo- und Stabtverorbaete» Rüderodorfer ____.._____ �_________________.....einen. 7». Abt. Dohlen,. 5 Uhr Miigliederversammlung bei Schilling, jtdnlgtn»Tuise- Strotze<2. üorstcndoiitzung VtS Uhr daselbst. «. Abi. R-nlSLn. Die für heute-r.getllndigle Dbteilungeversc-mmluno findet um Z Uhr, die Funlt>onarbesxrechung um 7 Uhr in der„Äoiiduser«laufe*, Kottbuker Damm 90, statt. 125.«dt. Wrltzcnsec. 714 Uhr Mitglied erversammkua» im„Perliner Hof", a» Anionplatz. Referent Theodor Fischer:„Bericht vom Parteitag*. Frauenveranskaltungen: tlQ.«dt.»rLua». 8 Uhr bei Bilde, stöpenicker, Sck« Wilhelmstratz«. Referent Taufendschön:„Wohlfehriopslege in Rutzland*. Morgen, Donnerstag, den ö. Oktober: ». Abt.(früher Z7.). 714 Uhr sehr wichtig« Sitzung sämtlicher FunktiovlK» bei £i>bner, Wilonacker Str. 3s. Unbedinztt, Erscheinen erforderlich. (früher 47.). 7 Uhr Sitzung der Bezirtastthrer mit dem Abteilung»» vorstand bei Senkel, Utrcchler Str. lO. 57. Abt. Eharlottcnburg. Sruvve 2: 7V4 Uhr Bei Kens-, Schlllterstr. 75(Wahl. Vorbereitung). 159. Abt. Fritdrichehage». 7H Uhr bei Schal», Friedrichstr. 31, Miigllederver» fammluna. Referent Dr. W. sttchltn:„Bericht vorn Pariettaa*. 117. Abt. Üichtenbcrg. 714 Uhr Borstanvositznng bei Zandereit, Prinz-Aliert- Siratze. Beirirbovertrauensleute und Elternbeiräte müssen ebensall» er» scheinen. 122. Abt. Bieodarf. 714 Uhr MitgNrderversammlung bti Dorath, Marzahner Strohe 31. Zicferent Dr. Ostrowski:„Bericht vom Poriciiag*. 123. Abt. Krineridars. 3 Uhr Zahlabenh dei Zuck». Arauenveranslaltungen: Alt-Slienicke. 714 Uhr bei Klingenberg, Drünauer Str. 20, Bortragsabenb. «onn-t-n», den« Ol!ob-r. obend, 7 Uhr.«Onscrenz sämtlich«»«r- machsrnrn Mltardritrr In A-Ntr-Ijag-Ntzheln, rindenstr. 3, 2. Kos, 3 Tr». r.nle.«»rtrag Mt tteioisrn«rgscheidee über..Scn-i«s<»iatt,--,ichu»g*. Da» Erschetnea«Irr«-«ach, rar- Mitarbeiter zu dieser«onseren, ist»>• bedingt notwendig. 905 WWk MeiisMiklldOO wieder einmal, datz«in, die in verhallniomitzig Zm Oktober sährt«» sich KrNunstail gegründet wurde,...„>.rio.»,»».:»,,» kurzer tzett an erste Stelle rllckte, und nicht nur in Berlin selbst, sonder» in ganz Deutschland und sogar dariider hinauo berühmt wurde. So ist da, künstliche Höhensonnen. bad„Akti,*, Berlin, Belle-Allianre-PIatz 3». Mit 22 Hc.irnsonnen ist e» die weitaus größte Sv-iialenstalt Deutschlands, und seit ihrem Bestehen sind b-r,its Uder 100 000 Bestrahlungen an mehr als 7000 Patienten aus. geführt worden. Der Direktor der Anstalt ist Spezialist auf dem Erbiete der Ultraviolettbestrahlung, und seine volkstümlichen Aussätze erschienen in vielen Berliner Bläitern. Ader nicht nur Bestrahlungen mit künstlicher Höhensonne werden in der Anstalt ausgeiührt, sondern da» Instrumentarium umsatzt da» ganze Gebiet der elektro- rchystkollschen Keilmethsden, bei denen jetzt so glänzend« Keilersalge erzieU werden. Bor allem vi« Diathermi«, wobei mittel» schmerzlaser hschsreauenter Ström» die Seilwirkung selbst auf di« tief. liegendsten, sonst unzugänglichen Organe ausgeübt wird. AuS-rdem die rein« Kochfreguenz in den verschiebenstei, Aborten. Al, bemerlenswerte Eigentümlichkeit«» der Anstatt feien«»ch 2 Enikettungsstühl« noch Brraonre anariuhrt. Mittel» 2l«f«( tan» man Gewichtsabnahmen bis zu 45 Pfund monatlich erzielen. Datz die Anstatt über ein gutes Röntgen-Instrumenlarium verfügt, ist s-lbstver, ftändlich, da viele zur Behandlung kommenden Fälle erst mittel» Röntgendurchleuchtung oder Photographie diaano- MAMM�WW�MM�Werwähnt werben, Zwecken voll- stizieri werden müssen. Es möge.... datz di« Röntgenstrahlen»u diagnostischen_ I ständig gefahrlos find, lleberdie» �ivird der Ränigen- ap parat nur durch-inen Arzt und Röntgensachmann ge- brauch!, der auch vi« medizinische Leitung der Anstalt hat. Natürlich verwendet er nach Bedarf auch di« anderen Kilsamittel der medizinischen Wissenschost, wie Ubrrdnupl ganze~ schaftlichen elfteren, bei....... ersalge erzielt werden. Ich folge bei der Aufzählung der soeben neu erscheinenden Druckschrift Nr. 12 de» Direktor» ltort. die folgend« strankheiten anführt: Blutarmut, Bleichsucht, Wenstruatlonobesch werden, Weitzflutz, Beschwerden der Schwangerschaft und Wechsel- johre und ander« Frauenkrankheiten. Magen-, Darm- stv-ungen, Fetisucht, Nierenleiden, Blasenleiden, Zucker» lrankheit, Lrberieiden, Gallenstein-, Gicht, Neuralgie (Nervenschmerzen), besonder, Ischias, Gesichts, und Kovf. Neuralgien, Neurasthenie(Nervosttätl, Kerzneurofe, Schlaf- lostgkeit, Rheumatismus, Hexenschutz, katharc»,"' Bruch- husten, Grippe, Asthma. Hautkrankheiten, Flechten(auch Schuppenflecht»), Sinnen, Pickel, Hautjucken. Furunkel, Frostbeulen usw. Haarkrankheiten und Kaaraussall(oft selbst jahrelang bestehende Bahlheit). Tuberkulose, Skrofulöse, Rachlti«(engl. Krankheit), Herzkrankheiten, Aderverkalkung- RUckenmarksleiden, Löh- mungrn, vhrrnleiden. Allgemein« Börperfchwäch, nach KrsnkS-iten und Vpe- ratisnen. Dies, Aufzählung erschöpft natürlich»«cht all« Krank. Helten, die behandelt werden. Jeder Betammt Indessen mündlich kostenlos vsn dem Direktsr Auskunft, und-« wird niemand zur Behandlung angenommen, bei dem kein» Aussicht auf Besserung»der Heilung vorhanden ist. Auch der Massage ist in der Anstalt ein« Stätte er- öffnet, Befand-rs der elektrischen(BidcatlcnsO Massage, deren gllustig, Wirkung bei vielen Krankheiten jetzt er- kannt wird. Di, Massage wird durch grüBte Saiwrstern ausgeführt, evtl. auch von dem Anstaltsleiter selbst. Senn auch die Anstalt hauptsächlich zu Heilzweck-» dient, so ist doch ein- Abteilung auch für rosmetlsch« Zw-cke eingerichtei; Bräunen der Haut. Entfernung von löstwen Haaren, Warzen und Pigmentmälern durch Elekirolhfe usw. DBwohl man Höh-nfsnn« zur Besserung be» Allgemein- Befinden» und zu koemetischen Zwecken auch ohne vor- herig« ärztlich» Untersuchung nehmen darf, ohne irgend» ®$flden befürchten zu müssen, so ist e». doch Bei �ennlheilen rotfam, vorher mit dem leitenden Arzt der o.M, sprechen, der die«rankheit genau(evtl. unter �"9>If-nahme 5,3 zzöntgcnapporate») feststellt und einen «er* �turplan entwirft. _,®lJ«osien aller Bchandlungen im Höhensonnendab „Akt,1» find überaus matzig, und dadurch wird die Anstalt «u tlner richtigen volksheilanstalt, di, auch w-itiger üi l£ on" Stände d-nutzen können. Die hat i?..??nr«N-w-rt«r Weise der Flüchtling-fürsorg« der Stadt 1050 kostenlos- Bestrahlungen für SUJ�.lch und». Mittelte Flüchilinae zur Beriüguilg gestellt. Die Lehand. lungen linden wahrend de» ganzen Tage» von morgen» 3 Bis abend, 8 ununterbrochen statt(autzer Sonntag»). Um auch solchen, die di, 7 Uhr abend» gescha-tlich ver- Hinbert find, Gelegenheit«um«-such- der Änfiatt>» geben, ist diese Di-nslag, und Freiiag, sogar bis 9 Uhr -b-nd« aeöffnet. An den gleichen Tagen finden abend, vsn 3 Uhr ,b Gruppenbestrahlungen fstr Mind-rbemIttPt, Spre außer jjteitoj»,»Ben!» 8 chswnd, ist jedoch r Sonnabend«. A nur von 15—1 und 314».7 Uhi, ___________.uch für di« meisten Krankenkasse» «erden Behandlungen in der Anstalt-usgeführt. Es wäre zu wünschen, daß der Anstalt ein«eitere» Bach». tum und vor allem weiter solche glänzenden Heilerfslg« »-(chi-de« feie»«j,(rfehm U