Nr. 472 �ZS.�ahrgaag Ausgabe U Nr. 234 Bezugspreis: jährt 36,— SR., monatt H— M. J'ilbat. Post- . einscht hu- t U Abend Ansgabe ftti ins Saus, voraus zahlbar, Post» Z,— M. einscht Su« slellunasgebiihr. Unter Kreuzband stir bezug: Monatlich 12,- siellungsgeduhr. unter»reuzvano lue Deutschland. Danzig. das Eaar- und Memelaedict, sowie die ehemals beut- schen Gebiete Polens. Oesterreich, Ungarn und Luxemburg 22,— W., für das übrige Ausland SS,— M, Post- beltellungen nehmen an Oesterreich, Unaarn, TscheNio» Slowakei, Däne- mark. Holland, Luxemburg, Schweden und die Schweiz, Der.Vorwärts" mit der Sonntags- beilage„Volk und Zeit", der Unter- Haltungsbeilage„Heimwdt" und der Beilage„Siedlung und Kleingarten" erscheint wochentäzlich zweimal, Sonntags und Montags einmal. 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Aus London wird gemeldet, daß die englischen Sachvexsländigen gegenwärtig das Wiesbadener Ab- kommen studieren, vom politischen Standpunkt aus wird erklärt, dah England keiuen Widerspruch gegen das Abkommen erheben werde, und dag jedem Plan, der Frankreich zum Wiederausbau der zerstörten Gebiete verhelse, so wenig Opposition wie möglich entgegengesetzt werden solle. Solange je- doch diese Abmachungen von den Sachverständigen nicht gründlich studiert seien, könne man nicht erklären, bis zu welchem Punkte die proportionelle Verteilung der Reparations- summen in Mitleidenschaft gezogen werde und ob dieses Abkommen den Deutschland auferlegten Zahlungen entspreche. So- lange diese Frage nicht geklärt ist. werde sich die öffentliche Meinung sehr reserviert verhalten. Inzwischen würden Ralhenau und Loucheur das Abkommen unterzeichnen, das aber nur in Wirksam- keil treten würde, wenn es auch die vestäligung der Re- parallouskommisflou erhalle. Günstige Aufnahme in Frankreich. Paris, K. Oktober.(EE.) Der Minister für die befreiten Ge- biete, Loucheur, reiste um S.2l> Uhr gestern abend nach Wiesbaden, von zwei Sachverständigen begleitet. Das Abkommen, das nun- mehr abgeschlossen werden soll, erfreut sich in der Presse einer günstigen Aufnahme. Pertinax beruhigt im„Echo de Paris" die französische Ocffentlichkeit, die befürchtet, das Abkommen werde Deutschland weniger Opfer auferlegen als die bisherigen Zahlungs- bedingungcn, die am 5. Mai 1921 in Kraft traten. Man habe nunmehr eine Methode gefunden, durch die sich Deutschland seiner Verpflichtungen entledigen könne: denn Deutschland werde sich seinen Verpflichtungen solang« nicht entziehen, als es keine Mög- lichkeit dazu erblicke. Aber die französische Politik dürfe nicht in ihrer Wachsamkeit nachlösten, zumal die Methode der Reparations- Zahlungen gewisse deutsch-tranzösische Interessen schaffen werde. Nun sei eine Lösung des Reparationsproblems ins Auge gefaßt worden, die zwar auch ihre Nachteile habe, die aber keiner Kritik von irgendeinem Keynes auf der Welt be- gegnen könne. Es sei Deutschland durchaus möglich, die Wies- badener Verpflichtungen zu erfüllen, denn der größte Nachteil der Zahlungen von Goldmark in auswärtigen Devisen sei nunmehr aus der Welt geschafft. Deutschland werde die Reparationsleistungen nunmehr im Innern des Landes mit Papiermark bezahlen können. « Paris, 6. Ottober.(EP.) Es verlautet, daß bei seinem gestrigen Besuche bei Briand der deutsche Botschafter Mayer die Aufhebung der milil arischen Sanktionen er- beten hat._ Um Gderschlesten. Paris, 5. Oktober.(WTL.) haoas zufolge erklärt man au amtlichen Stellen, daß alle Zlachrlchleu über eine Tel- luug Oberschlesiens versrüht sind, und daß die dar- über umlaufenden Gerüchte al» Phantasie betrachtet werden. Schluß Üer zweiten Völkerbunütagung. Genf, S. Oktober. Die zweite Tagung der Dölkcrbundsver- sammlung, der man eine Dauer von drei Wochen vorausgesagt hatte, schloß ihre Tagung heute nach einmonatigen Beratungen ab. Dem Präsidenten v. Karnebeek, besten vornehme und unpar- teiifche Leitung ev zuweilen gelungen war, dieser so vorwiegend «ntentistischen Organisation einen sachlichen und neutralen Charak- ter zu verleihen, fiel heute die nicht leichte Aufgabe zu, der aus- einandergehenden Versammlung einen rühmlichen Nachruf zu wid- men. Er tat dies allerdings mit Zurückhaltung, und eine gewiste Ironie war vielleicht zu verspüren, als er die allzu überladene Tagesordnung der Versammlung kritisierte. Tatsächlich ist während dieses Monats in Genf fast ungeheuer- lich gearbeitet worden. An Fleiß und Eifer hat es den Delegierten nicht gefehlt. Alle diese angestrengt« und fieberhafte Arbeit hat zweifellos das rein organisatorische Gefüge des Völkerbundes gekräftigt. Aber die Anstrengungen der Dele- gierten stehen in keinem Verhältnis zum Ergebnis. Der Völker- bundspakt, den man schon im Vorjahre als«in unvollkommenes Instrument bezeichnet hatte, das unbedingt der Verbesterung be- darf, blieb in feiner alten reaktionären Gestalt bestehen. All« fortschrittlichen Abänderungen wurden abgelehnt oder aus das nächste Jahr verschoben, während die angenommenen Abänderungen im wesentlichen einen Rückschritt bedeuten. In der Abrüstungsfrage beschränkt sich der Völkerbund auf platonische Wünsche. In der Mandatsfrage bestätigte er trotz aller schönen Worte im Grunde nur'einfach die Annektion der früher deutschen Kolonien. Seine Humanitären Initiativen stehen gröh- tenteils noch auf dem Papier. Die Finanzhilfe für Oesterreich ist noch immer nicht in das Stadium praktischer Ausführung einge- treten und das hungernde rustifche Volt ist an die Brüsteler Kon- ferenz verwiesen worden. Armenien erhielt dieselben Versprechun- gen wie im Vorjahr». Litauen und Polen sind ebenfalls keinen Schritt vorwärtsgekommen, und der Weltfrieden, besten Erhaltung die Hauptaufgabe des Völkerbundes fein soll, scheint nach Ansicht seiner Mitglieder durch den albanischen Konflikt nicht gefährdet zu sein. Die Hoffnungen auf Erweiterung des Bundes sind nicht erfüllt worden. Zwar gehören ihm Estland, Litauen, Lettland an rmd die offiziellen Mitglieder werden damit von 48 auf öl erhöht, aber das große Argentinien ist ihm ferngeblieben und andere Staaten des lateinischen Amerikas folgten feinem Bei- spiel. An dem Beitritt der Vereinigten Staaten, die jedoch immer wieder heftig umworben werden, glaubt die Versammlung nicht mehr. Deutschland gegenüber oerhält man sich äußerst zurück- haltend. Für leine Aufnahm.« trat im Gegensatz zum Vorjahre niemand ein. Die Gefühle Deutschland gegenüber haben sich allerdings zweifellos ganz erheblich gebessert, aber einer Abänderung der Aufnahmebedingungen wagte niemand das Wort zu reden, wie die Ablehnung des argentinischen Antrages es bewies. Ungarns Aufnahm« wird verhindert durch die kleine Entente, deren zielbewußtes und geschlossenes Auftreten eines der wichtigsten politischen Ergebnifle der Tagung sein dürfte. Noch stärker als im Vorjahre wurde diesmal fühlbar, wie sehr die eigentliche, fast einzige Macht des Bundes beim Rate ist. So wird das Auseinandergehen der Versammlung auch nicht so einschneidend wie 1920 sein, dck der Rat weiter tagt und der wich- tigste politische Gegenstand, die oberschlesische Frage, noch nicht entschieden ist. Mancher Delegierte versuchte schüchtern das Thema auch in der Versammlung zur Sprache zu bringen. Sie waren dabei sichllich von den Gefühlen einer Versöhnlichkeit beherrscht. So wurde in der Tat auch wiederholt der Gedanke ausgesprochen, daß die Entscheidung des Rates über Oberschlesien vielleicht auch die Entscheidung über das Schicksal des Völkerbundes selbst werden könne. Valuta unö Wieöergutmachung. London, 5. Oktober.(WTB.) Das Northcliffe-Blatt„Eoening News" schreibt unter der Ueberschrift„Die Notwendigkeit einer A b- änderung des Friedensvertrages von Versailles", der Schlüstel der gestrigen Rede Lloyd Georges in Jnverneß sei der Satz gewesen, worin der Premierminister erklärte, man könne die Lage in England nicht stabilisieren, bevor nicht sowohl die Finanz- als auch die auswärtige Politik stabilisiert werde. Darin liege das augenblickliche Problem, und es fei am besten, man trete diesem Problem offen gegenüber, um zu der Erbenntnis zu kommen, daß nur durch internationales Zusammenwirten die Lage in de? Welt wieder in Ordnung gebracht werden kann. Die Nationen müßten ihre Kriegsschulden ausgleichen und die Alliierten müßten erwägen, wie Deutschland am besten seine Ent- schädiqunaen ohne Schaden für die Länder, denen sie geschuldet wer- den. bezahlen kann. Deutschland habe bisher durch Bezahlung in Kohlen in den Ländern, die die Kohlen erhielten. Arbeitslosigkeit geschakfen, und durch die deutschen Schiffe seien in Enaland Tausende von Arbeitern, die von der Schifssbauindustrie obhingen, auf die Straße aeworfcn.„Eoening News" zufolge werde es viel besser sein, selbst den Vertrag abzuändern, wenn England dadurch wirtlich« Reparation erhalte. Auf der anderen Seit« werde das weitere Niederdrücken der ausländischen Währungen, um innerhalb eines Vertrages zu bleiben, für einen vernichtenden Fehler gehalten. Der englisch« Finanzmann George Palsh erklärte In einer Red« über den Außenhandel und die Crwerbslosig- keit, eine Hungersnot in England werde den Bolschewismus bedeu- ten, und in Frankreich, wo eine Hungersnot drohe, werde sie die Revolution bedeuten. Es sei sür Deutschland unmöglich, die Waren, die es braucht, mit seiner verminderten Erzeugung zu kaufen, die Reparationen, die man von ihm fordere, zu machen, und zugleich den Wert der Mark hoch zu halten. Das augenblickliche Wiederauf- leben im Handel sei nur zeitweiliger Art. Unter diesen Umständen müsse man zu allererst Europa auffordern, seine Produktions- kraft wiederherzustellen und dierch die notwendigen Kredite die Ström« des Handels wieder in Gang zu setzen. Durch die Schaffung von Passiven unter den geaenwärtiaen Verhältnissen vernichte man das eigen« Volk. Alle Nationen täten dies. Es habe den Anschein, als ob die Staatsmänner der Welt wahnsinnig ge- worden seien. Als Fortsetzung ihrer Befragung hervorraaender Industrieller veröffentlicht die„Daily Mail" ein Interview mit dem bekannten Hypothekenmakler Charles h. Walter von der Firma H. Salt er u. Sons, der sich wie folgt äußerte: Eng- land befindet sich in der unangenehmen Lage, den Kredit seiner Käufer ruiniert zu haben, insbesondere den Kredit Deutsch- lands und Oesterreich«. Gleichzeitig leidet auch der Kredit der Alliier- ten sehr. Das ist vollkommen klar, wenn man bedenkt, daß. wenn England sein« Kohl», sein Eisen und die daraus hergestellten Waren nicht verkaufen kann und daß es andererseits gezwungen ist, für seinen eigenen Bedarf zu importieren, insbesondere eine Menge von Nah- runasmitteln, es nicht einmal 11 Millionen, geschweige denn vierzig Millionen Einwohner ernähren kann. Bei dem gegenwärtigen Stand« der deutschen Mark ist ein Wettbewerb Englands mit Deutschland unmöglich. Der Kurssturz der Mark wird stüher oder spät« die vernichtendsten Folgen sur Eng» land haben. vorwärtS'verlag G.m.b.H., SW 68, findende. 3 Serrtttan-rh«?- Verlag. SxpediU»« und Inseraten- »vrrnlprrryer. Moriqpla» 1170.1— M Englischer Gewerkschaftskongreß Der Kongreß der englischen Gewerkschaften, der Anfang September in Cardiff tagte, stand ganz unter dem Eindruck der schweren Krise, die heute auch Englands Wirtschafts» leben und damit die Existenzbedingungen der Arbsiterschaft ergriffen hat. Mehr noch als die Diskusswnspunkte selber scheint die Stimmung der Kongreßteilnehmer unter diesem Eindruck gestanden zu haben. Die englische Arbeiterschaft steht mitten in einer Epoche. tiefgehender Enttäuschungen: große und bewunderungswürdige Opfer, wie der letzte dreimonatige Bergarbeiterstreit eins war, sind umsonst gewesen: unentschlossen scheint die Haltung der Regierung gegenüber der Arbeitslosigkeit, die in den� siegreichen Ländern noch schlimmer wütet als bei uns und die trübsten Aussichten Für die Zukunft bietet: eine Reihe müh- selig erkämpfter Einrichtungen zum Schutz der wirtschaftlich Schwächsten sollten wieder verschwinden, wie die Mindest- lohnämter in Heimindustrie und Landwirtschaft— und dabei das wahnwitzige Wettrüsten, der Vau immer neuer Kriegsschiffe, das kein Ende nehmen will, trotz Washingtoner Konferenz und Völkerbund.— Das war das Bild der Zeit, in der das„Parlament der englischen Gewerkschaften" tagte. Die Tagung hat bewiesen, daß die Zeit des wilden Radikalismus, den die Verzweiflung so oft schafft, vorbei ist. Wer erwartet hätte, daß als Reaktion der Enttäuschung nun ein hinreißender Sturm revolutionären Forderns die Trade Union erfassen würde, hat sich getäuscht. DiePhraseh a t abgewirtschaftet. Der Kongreß vpn Cardiff stand—- ohne daß wir damit ein Urteil aussprechen wollen— unter dem Zeichen der Mäßigung, die ja oft nur ein Ergebnis der richtigen Einschätzung der eigenen Möglichkeiten und des Augenblicks ist. Dabei stand die Umorganifation der Spitzen» o r g a n i f a t i o n der im Gewerkschaftskongreß zusammen- geschlossenen Gewerkschaften zur Debatte, und viele hatten zwar nicht etwa bolschewistische Experimente und leichtgefügte Lustbauten erwartet, aber doch eine tiefgreifende Umwälzung der alten Grundlagen. Manches ist geschehen, sehr vieles \ blieb beim alten, und es gab genug Augenblicke auf dem Kon» greß, die bewiesen, wie stark die Erundstimmung im Sinne des Zllten, Gewohnten noch ist. !' Der letzte Gewerkschaftskongreß hatte die Ab'schaf» fung des alten„Parlamentarischen Komi» t e e s" beschlossen, das seit 1371 die Vertretung des Gewerk» schaftskongresses gegenüber dem Parlament hatte, aber in seinen Beschlüssen vollständig von dem jährlichen Gewerk» �schaftskongreß abhängig war und für die große gewerkschaft» .liche Politik und das Zusammenarbeiten der Gewerkschaften wenig oder gar nichts tun konnte. Jetzt sollten endgültig Vollmachten, Funktionen und Mitglieder des neuen All- gemeinen Gewerkschaftsrates(General Council), der an seine Stelle tritt, bestimmt werden. Als Grund» ! gedanke der neuen Organisation ist einmal die„Z e n t r a l i» sierung der eng li schen Gewerkschaftsbewe» g u n g" bezeichnet worden. Die Gewerkschaften sind in 18 Jndustriegruppen eingeteilt, die die 32 Mitglieder des Gewerkschaftsrates aufstellen. Sie werden in K Unter» kömmissionen die Fragen ihres zuständigen Gebietes be» arbeiten. Als Hauptaufgabe sollen sie die Aktionen der ge- werkschaftlich organisierten Arbeiterschaft miteinander in Einklang bringen. Der Gedanke, eine solche Organisation zu schaffen, tauchte so auch 1919 auf, als die Eisenbahner streikten und alle anderen Industrien davon schwer in Mit» leidenschaft gezogen waren. In gewissem Sinne bedeutet so der neue Gewerkschaftsrat eine Fortsetzung des alten„indu- striellen Dreiverbandes" in größerem Stil. Es ist auf dem Kongreß von der Gewerkschaft der Eisen- und Stahlarbeiter beantragt worden, daß jeder größere Streik vorher mit dem Gewerkschaftsrat besprochen Vierden müsse, so daß dort die Exekutive der ganzen gewerkschaftlichen Bewegung zu suchen gewesen wäre. Dem aber widersetze sich vor ollem die mäch- tige Gewerkschaft der Bergarbeiter, weil sie fürchtet, daß sie in der Verfolgung ihrer eigenen Angelegenheiten eimal durch Rücksichten auf die Arbeiter anderer Industrien gehindert werden könnte. Bezeichnenderweise stimmten dagegen die weniger starken Gewerkschaften für den Antrag, der aber an dem S e l b st ä n d i g k e i t s st r e b en der anderen scheiterte. Dieses Verlangen, die alte Autonomie nicht aufzugeben, hat sich auch sonst mehrfach auf dem Kongreß gezeigt. Es gibt heute noch in England über 1299 einzelne Gewerkschaften, die oftmals sich in derselben Industrie heftige Konkurrenz machen, und die miteinander auszugleichen und möglichst auch zu ver- schmelzen eine der schwersten Aufgaben des neuen Gewerk- schaftsrates sein dürste. Ein wichtiger Fortschritt ist e» wenigstens, daß der Gedanke der Organisation der Gewerk» schaften auf industrieller Dasis im Wahl- und Arbeits» modus des neuen Rates Ausdruck gefunden hat. Dieser sog.„Industrial Unionism", erscheint übrigens in den Theo» rien des Gildensoziasismus als Voraussetzung wieder. Jeden» längst einsehen sollen. Aber siailich Mten sie Alch erkennen, daß der b e st e Schutz tjegen reckst� m der V»14 erlassung der Angriffe auf d ie p Ä bli4 limks bs- steht. Erst durch diese AngrÄe hat. sich- Mchtsgesghr zu ihrer jetzigen Größe entwickeln können. Pazifist Luöenöorff. Ludendorff, der e« für notwendig zu halten scheint, als Ersatz für den nach Holland abgegangenen Schwadroneur durch Reden und Projekte die Welt zuZerschüttern, hat schon wieder einem ausländischen Zeiwn.Kimann eins Unterredung gegeben, nämlich dem Münchener MitarkMiter des„Oeuvre" Das Monarchistenorgan„Der Aufrechte hat denn auch unlängst festgestellt, ein nationaler MannHürfe sich zwar nicht mit Ausländern der Entente eivlaffen, aber wenn es 2 u d e n- d o r f f tue, so sei das eben ganz was anderes. Während Ludendorff in seiner letzten Unterredung, die hier veröffentlicht wurde, sehr kriegerisch war und den sseldzug gegen Sowjetrußland an der Spitze der europäischen Armee führen wollte, gebärdet er sich diesmal frledHch und wünscht die Versöhnung zwischen Deutschlaich und Frankreich. Was er in dieser Hinsicht sagt, ist im allgemeinen zu- treffend, wenn es auch alldeutschen OhreN' reMPst pWffsiffch klingen dürfte. Auf die Frage, ob er an die Notwendigkeit einer unüberwindlichen Feindschaft zwischen Deutschland und Frankreich glaube, antwpvtete Ludendorff: Ich glaube im Gegenteil, daß die beiden benachbarten Dolkcr vollkommen voneinander abhängen, insbesondere vom Standpunkt des industriellen Lebens aus, und daß sie schon jetzt in mehreren wirtschaftlichen Fragen parallel laufende Interessen besitzen. Cts ist kein Anla ß dazu gelben, daß«ine grundlegend«" Feindschaft Deutschland und Frankreich voneinander trennen sollte. Das ist sehr schön gesagt. Wir wssnMten nur, daß Herr Ludendorff in.den.Jahren 1914/13 seine tatsächlichen Handlungen nach dieser vxberzeugttng eingerichtet hätte-, wir wünschten ferner, daß die Ludendorff ergebene Presse heute in diesem Sinne wirkte, anstatt unsinnige Haßgesästge' anzustimmen. Mit aller Deutlichkeit muß aber betont werden, daß Ludendorff sicher nicht die geeignete Persönlich- keit ist, um bessere Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich anzuknüpfen: er, der einst nach dem Besitz der M a a s l i n i e für Deutschland gestrebt und Kriegsmaß- regeln ergriffen bat..die wie nichts sonst den Haß Frank- reichs gegen Deutschland geschürt haben und deren Folgen noch 1 heute dos beste Propagandamittel der franzöfi- schenChauvinisten sind., Ein verspäteter Steckbrief. Der enthaftete Rüge unter Mordverdacht. Breslau, 6. Oktober,(Eigener Drahtbericht des„Vorwärts".) Der Staatsanwalt am Landgericht Breslau erläßt heute in den schlesischen Blättern einen Steckbrief gegen den früheren Priöat- dozenjen. Dr. R u g'e aus Heidelberg, der eine deutschoölkische Putschorganisation in Obcrschlesien leitete, die im Zu- sammenhang mit ähnlichen Organisationen in München arbeitete. Dr. Rüg« war vor einigen Wochen, nachdem unsere Parteipresse schwere Anschuldigungen gegen dies« Geheimorganisation wieder- holt gebrocht hatte, bereits verhaftet worden, wurde aber damals merkwürdigerweise sofort wieder steigelassen. Jetzt beschuldigt ihn der Steckbrief des Oberstaatsanwalts nicht nur der Geheim» b ü n d e l e i und des unerlaubten Waffenbesitzes, son- dern auch der Urkundenfälschung und des versuchten Zftor- des. Rüge ist natürlich inzwischen verschwunden. Wir stehen hier wieder einmal vor einer außerordentlich seit- samen Gerichtipraxis. Ein aufs schwerste belasteter Putschist be» findet sich in den Händen der Justiz, man läßt ihn laufen, und nachdem er glücklich verschwunden ist. wird ein Steckbrief hinter ihm erlassen. Im„B. T." wurde vor einiger Zeit die Be- hauptung aufgestellt, daß die Richter, die Rüge aus der Haft enk- ließen, es nicht einmal für nötig gehalten haben, sich mit dem Staatskommissar für öffentliche Ordnung und dem Ministerium des Innern in Derbindung zu setzen, die schwer belastendes Material gegen Rüge hinter sich hatten. Außer» dem wurde Rüge bereits damals in einer anderen Sache steckbrieflich gesucht. In welcher Weise gedenkt der Herr Justiz- minister gegen die richterlichen Beamten einzuschreiten, die in dieser leichtfertigen Weise die Unschädlichmachung eines staatsgefährlichen Verbrechers vereitelt haben? SO 000 Mark auf Ergreifung der Kapp-Berbrecher. " Der Oberreicheanwalt erneuert den Steckbrief gegen die Führer des Kavp-Putsches. Im ganzen sind 8 Personen steckbrieflich ver- folgt, und zwar Generallandschoftsdirektor Kapp, Major a. D. Pabst, Oberst a. D. Bauer, Arzt und Loltewirt Georg Wilhelm Schiele. Schriftsteller Karl Schnitzler, Schriftsteller Trebitsch-Lincoln. Gene- ral o. D. Freiherr v. Lüttwitz, Korvettenkapitän a. D. Ehrhardt. Die Reichsregierung hat auf ihre Ergreifung eine Belohnung bis -zu SO ovo Mark ausgesetzt. Den Wortlaut des Steckbriefes finden unsere Leser im Anzeigenteil._ Domimcus unö Liebermann. Breslau. 6. Oktober.(Eigener Drahtbericht des„Vorwärts".) Äsr ehemalige Dreslauer Polizeipräsident Lieber Mann ver- teidigt jetzt seinen früheren Vorgesetzten D o m i n i c u s in der Brsslauer bürgerlichen Presse gegen den Vorwurf, die Orgesch g e- warnt zu haben. Er hat dies mit denselben Argumenten getan, mit denen er sich selber in dieser Angelegenheit seit ihrer Aufdeckung durch die sozialdemokratische Presse ständig verteidigt hat. Er betont insbesondere, daß tiJ fchlesische Provinzialorgani- sation der Orgesch, der Heimatschutzvcrband verfassungstreuer Schle. ster, durch die Löschung der Mitgliedschaft bei der Orgesch, die be- zcichnenderweise er st nach Erlaß der Verordnung des Reichspräsidenten gegen die Sclbstschutzverbände erfolgte, ihren verbotenen Charakter verloren hatte. Das einzige Bemerkenswerte an dieser Berteidigung ist, daß dieselben Argumente, wie sie Herr Liebermonn für seine eigene Person anführte, nicht genügt haben, um ihn bor der Versetzung w den cinslwc'iigen Ruhestand durch denselben Minister Dominieus zu schützen. Es wird nicht ohne Interesse sein zu erfahren, ob Herr Dominicas dieselben Argumente, die er bei seinen nachgeordneten Beamten nicht gelten ließ, sondern zum Grund der Entfernung vom Amte nahm, jetzt für sich selbst anführen wird. Seme Verteidigung durch den von ihm zur Disposition gestellten Geheim- rat ist an sich allerdings schon kompromittierend genug. Die Saperifche Volkspartei in Gppofition. München, 6. Oktober.(TU.) Das„Bayernblatt", das offizielle Organ der Deutschen Volkspartei in Bayern, schreibt über die Stellung der Deutschen Voltspartei zur neuen Regierung: Die Fraktion ist aus der Koalition ausgetreten. Die Befürchtung aber, die aus manchen Kreisen uns zu Ohren kommt, daß der rechte Flügel des Landtag» künftig grundsätzliche Oppositionspolitit treiben wird, ist unberechtigt. Wir sind gewiß, daß unsere Fraktion sich in ihrer Hallung zur neuen Regierung lediglich von sachlichen Erwagun- gen leiten lassen und die Taten des neuen Mannes abwarten wird. Auch der erweiterte geichäftsführende Landesausschuß der Deutschen Voltspartei hat, wie der„Fränkische Kurier" mttteilt, in seiner letzten Sitzung die nunmehr geschaffene Lage lang« erörtert und einstimmig erklärt, daß die Deutsche Volkspartei in Bayern nicht bereit ist, gegen- über der neuen Regierung von vornherein eine Opposition einzu- nehmen, sondern daß sie vielmehr willens ist, auch außerhalb der Koalition stehend, cm allen Fragen posiiw mitzuarbelten. Tie Bayerische Voltspartei«nd daS ReichSzentrum. Die Bayerisch« Dolkspartei-Korrespondenz schreibt zur Frag« der Wiederherstellung der Arbeitsgemeinschaft mit dem Reichszen- trmn u. a.:„Die Bayerische Volkspartei erhebt mit wachsender Dringlichkeit die Forderung auf Revision der Weimarer Verfassung im föderativen Sinne. Gerade jetzt bat der Führer der Rsichstags- fraktion des Zentrums davon gesprochen, daß die Weimarer Verfm- sung in absehbarer Zeit nicht geändert werden soll. Damit ist gesagt. daß im Kampf um die föderative Staatsidee das Zentrum auf feiten unserer Gegner stehen wird. In der Bayerischen Volkspartei ist keine Aenderung der Gesinnung zu erwarten, so lange es sich um die födr- ratio« Staatsidee handell." fall« können wir für die nächsten Jahre ziemliche harte Aus- einandersetzungen zwischen der alten föderalistischen oder liberal-individnälistischen und der modernen zentralistischen Richtung in der englischen Gewerkschaftsbewegung erwarten. Nachdem erst allerlei Differenzen eine Neuwahl der Mit- glieder des Allgemeinen Gewerkschaftsrates nötig � gemacht hatten, sind jetzt von bekannten Gewerkschaftsführern u. a. folgende Persönlichkeiten hineingewählt worden: Smillie, R. T. Jones, Thomas von den Eisenbahnern, Gosling. Ben Tillet, Findlay, Ogden, I. Beard, Poulton und Margaret Bandst eld für die Frauen. Als erste Tat bat der Rat einen Ausschuß ge- meinsam mit oer Labour Party eingesetzt, der einen Plan zur Behebung der Arbeitslosig- keit ausgearbeitet und dem Unterhaus und Lloyd George eingereicht hat. Die Frage der Arbeitslosigkeit hat den Kon- greß überhaupt sehr lebhast beschäftigt. Ferner wurde Vis Stellung zum Krieg und prak- tische Maßnahmen zu seiner Verhütung diskutiert. Und wie sich auch schon auf dem Parteitag der Labour Party die Abneigung, auf dem Wege des General st reiks politische Ziele durchzusetzen bemerkbar gemacht hatte, so wurde auch hier schließlich anerkannt, daß ein internationaler Streik des Proletariats bei Kriegserklärungen nichts fruchten würde. Man begnügte sich mit der resignierenden Erklärung, daß die Arbeiterschaft sich mit allen ihr zu Gebote stehenden fried- lichen Mitteln für Abrüstung einsetzen müsse, im Augenblick aber könne sich die englische Arbeiterschaft Nicht mächtig genug suhlen, durch einen Generalstreik etwas gegen den internationalen Imperialismus und Militarismus auszurich- ten. Dagegen verlangte der Kongreß Teilnahme einer Ar- beiterdelegatio» an der Washingtoner-Abrüstungskonferenz, Ih die u. a. der Führer der Bergarbeiter, Herbert Smith, ge- wählt wurde So endete denn schließlich dieser Kongreß da, wo heute alle Diskussionen und Entschließungen über das soziale und politische Leben enden müssen: bei der Erkenntnis, daß es das System des Kapitalismus ist, dem der Kampf gelten muß/das man aber nicht mit kleinlichem Flickwerk, mit Re- den, Versprechungen und Selbstüberschätzung, freilich auch nicht mit schwächlicher Unterschätzung von heute auf morgen „zerschmettern" kann. Kommunisten unö Republik. In Thüringen haben Verhandlungen zwischen den drei sozialistischen Parteien ücher die Regierungs- bildung stattgefunden. Wie die„Rote Fahne" berichtet, haben die Kommunisten den ihr von der Sozialdemokratie ange- botenen Eintritt in ein rein sozialistisches Kabinett zwar a b- gelehnt, well sie auf dem Boden der Räterepublik stehen, aber sich zu einer U n t e r st ü tz u n g einer aus Sozialdemo- kraten und Unabhängigen bestehenden Regierung bereit erklärt. In einer formulierten Erklärung spricht die kom- munistische Fraktion aus, daß sie bereit ist, für eine sozia- listisch unabhängige Regierung zu st i m m e n. Jbre weitere Stellungnahme macht sie abhängig von der Gesamt- Politik dieser Regierung, und zwar davon, ob die Regie- rung energisch die Interessen der werktätigen Bevölkerung vertritt. Unter dieser Voraussetzung ist die kommunistische Fraktion auch bereit der Regierung die finanziellen Mittel zu bewilligen. Ihre Stellungnahme zur Re- publik präzisierte die kommunistische Fraktion dahsn, daß sie ihre prinzipielle Stellung zur heutigen bürgerlich-bemo- kratischen Republik nicht aufgeben könne, daß sie aber diese Republik gegen alle Angriffe von rechks mik allen Mitteln verteidigen wird. Die Sicherung des demokratischen Selbstbestimmungs- rechts des Volkes in Reich, Staat, Gemeinde, die Demokrati» sierung der Verwaltung und Republikanisierung der Reichswehr und der Polizeiorgane, die Sicherung und den Ausbau der Sozialgesetzgebung bettachtet � die Kommunistische Partei als Selbstverständlichkeit. Daß es die Aufgabe der Arbeiterklasse ist» die Republik gegen Angriffe von rechts zu schützen, hätten die Kommunisten Die öeöeutung der Stickstossinöustrie. Die Katastrophe von Oppau hat lebhaftes Interesse an den tech- Nischen Fragen der Fabrikation künstticher Stickstofsverbindungen wachgerusen. Die Stickstoffindusttie ist der bedeutendste Zweig der modernen Kunstdüngerindustrie. Sie gewinnt immer größere Bedeutung für die Landwirtschaft, und die Zeit ist nicht allzu- fern, wo. die Stickstofsindusttie bestimmend sein wird für die Ertrag- nisse der Ernten. Die moderne Agrikulturchemie hat weitgehende Einsichten über die Zusammenhänge zwischen der Zusammensetzung des Bodens und dem Wachstum der Pflanzen gegeben Die Erfahrungstatsache, daß die �Pflanzen ihre Nahrung vornehmlich aus dem Boden ziehen, und daß in dem Maße, wie sie die N ä h r s a l z e des Bodens oer- arbeiten, der Boden an ihnen ärmer wird, ist durch die Wissenschaft bestätigt worden. Man weiß heute nicht nur, welche Stoffe dem Boden von den Pflanzen entzogen werden, sondern man kennt euch die zahlenmäßigen Verhältnisse. Während man, gestützt auf die Er- fahrung, zum Ersatz für die den Boden entzogenen Nährsalze dem Boden Naturdünger zuführt, wenn man empirisch(erfahrungsgemäß) arbeitet, erlaubt die moderne Agrikulturchsmie genau zu sagen, welche Ewffe und in welchen Mengen dem Boden zugeführt werden müssen. Sie lehrt aber noch mehr: daß die im natürlichen, organischen Dünger enthaltenen Äährsalze ebensogut in anorganischer, mineralischer Form zugeführt werden können. Sie hat den Weg gebahnt zu einer nach wissenschaftlichen Grundsätzen geleiteten Landwirtschaft, die um so nötiger wird, je größere Ansprüche an den Boden gestellt werden. Die Erkenntnis der Agrikulturchemie führte zur modernen In- dusttie künstlicher Düngemittel, und in dieser steht die Stickstoff- induftrie obenan. Die Stickstoffverbindvungen gehören zu jenen Nähr. salzen, ohne die unsere Ncihrpfla»zen nur kümmerlich gedeihen. Sie müssen immer wieder ersetzt werden, wenn der Boden nicht ermatten soll. Die natürlichen Dünqermengen reichen in der Landwirtschaft nicht aus. Man hat deshalb mit stickstoffhaltigem künstlichen Dünger nachgeholfen. Das Material dazu bot der C h i l i s a l p e t e r, der, organischen Ursprungs, in Chile in großen Mengen abgebaut wurde. Aber, einmal machen die Geldverhältnisse jetzt den Chilisalpeter sehr teuer, denn aber und vor allem mußte man mit der baldigen Er- schöpsung der natürlichen Lager rechnen. Die Chemie mußte also auf Ersatz sinnen. Nun ist aber Stickstoff ein Element, das chemisch sehr träge ist, und nur schwer chemische Verbindungen eingeht. Eine Stickstoffverbindung, das Ammoniak, ergab sich als Nebenprodukt der Easbereitung aus Kohle und konnte in brauchbare Verbindungen übergeführt werden. Das vornehmste Ziel aber war, zu schöpfen au, dem großen und unerschöpflichen Sticksioffreservoir, das wir besitzen, aus der Luft, von der das Gas Stickstoff ein wesentlicher Bestandteil ist. Die große chemische Trägheit des Stickstoffes hat den Bemühungen, den Luststickstofs in brauchbare Verbindungen überzuführen, lange gespottet. Der modernen Cemie ist es gelungen, nunmehr drei Methoden auszubilden, die die Gewinnung von Stickstofssalzen aus Luftstickstoff gestatten: die Gewinnung von Kalkstickstoss, indem Stick- stoff über erhitztes, feinpuloerisiertes Kalziumtarbid geleitet wird, die Gewinnung von Stickoxyd, das wetter verarbeitet werden kann, im«lektrifchen Lichtbogen, und schließlich die Gewinnung von Stick- stosfoerbinduNgen, indem Stictftoff und Wasserstoff bei hoher Tempe» ratur und hohem Druck zur Verbindung gebracht werden. Die letztere Methode wird im größten Maßstab in Oppau wie im Leunowerk angewandt. Die Stoffe, die zum Ausgleich des den Boden durch die Pflanzen entzogenen Stickstoffe dienen, werden von der Industtie gewonnen au» unerschöpflichen Reservoiren: die Luft liefert den Stickstoff, das Wasser den Wasserstoff. Wissenschaftliche Erkenntnis und technische Erfahrung haben gelehrt, die Landwirtschaft von natürlichem Stick- stosfvorkommen unabhängig zu machen. Die Chemie hat die Er» kennMi« gegeben, di- Technik die brauchbare Methode. Die In- dusttie liefert das Produkt zum Wohle der Landwirtschaft, die in nicht allzu longer Zeit völlig auf sie angewiesen sein wird. So ist die Sttckstoffindustrie die Voraussetzung wissenschaftlichen Betriebes der Landwirtschaft, und der Stetgerung ihres Ertrages. Das ist im Lebensinteresse der Allgemeinheit, und gerade die Bettachtung über die Bedeutung der Stickstoffindusttie führt zu gemetnwirtschaftlichen Gedankengängen. Wenn die Katastrophe von Oppau das öffentliche Interesse auf die Stickstoffindusttie gelenkt hat, so soll vor allem daran gedacht werden, daß hier InteressenderAll gemein- heit wahrzunehmen sind. Russische Tendenzdrmnatik. Lunatscharsty, der Volk«- beauftragte für Wissenschaft und Künste in der Sowjetrepublik, mar von der Deutschen Bühnen genossenschaft eingeladen worden, seine Meinung über die Zukunft des deutschen Theaters zu äußern. Seine Abhandlung ist jetzt eingetroffen und wird im„Reuen Weg", dem Organ der Genossenschaft, veröffentlicht. Sie beschäftigt sich weniger mit der deutschen als mit der russischen Bühne, über deren Gegenwart und Zukunft Lunastcharsky unter anderm folgendes ausführt: Indem wir die Theater auf di« Kosten de» Sräats nahmen, haben wir die Platzpreise auf dem Wege zum vollständig freien Ein- tritt bis zum Maximum von 2S0 Rubeln herabgesetzt, was. infolge des niedrigen Werts des Rubels einigen früheren Kopeken gleich ist. Die Billette werden durch die Gewertschaftsoereme verteilt, zu denen bei uns in Rußland ein seder gehört. In Rußland xsibt es unter den Kommunisten solche, welch« alles Alte verwerfen, da sie?s für bour» geois halten. Mit besonderer Heftigkeit geschieht dieses Lossagen vom Alten bei denjenigen Kommunisten, welche mit revolutionärem Geist ein« feurig« Liebe zur sogenannten linken Kunst vereinigen, die in Rußland unter dem Namen„Fuwrismu'tck bekannt ist. Aber es gibt auch kommunistische Illtta-Rsalisten. d. h, Anhänger des reinen propagandistischen Agitationstheaters, die den Futuristen und den Passeisten(Anhängern einer überlebten Kirnst) gleich feindlich gegenüberstehen. Wir erkennen in Rußland die große Wichtigkeit des propaaan- distischen Agitationstheaters, des„PlakatthsatFrs. Natür- ffch können wir nicht von diesen Werken dieselbe künstlerische Boll- kommenheit fordern, die bei wirklich tünsttorifchen Stücken nicht fehlen darf. Vom Plakat kann man nie die gleiche Qualität wie vom Gemälde verlangen. Wir arbeiten jetzt wirksam an der Veredelung der uns überschwemmenden Masse von Agitationsstücken, welche von Arbeitern, Rotarmisten, jungen Propagandadramatikern und Schau- spielern gedichtet werden. Es gibt nichts Oberflächlicheres als die Gewohnheit, die gesamte Theaterkunst der Vergangenheit als„bourgeois" abzutun. Da» Proletariat braucht sich nicht von Hauptmanns Werken der ersten und der zweiten Periode seines Lebens abzuwenden, auch nicht von Zola, Mirbeau, Ibsen, Bernard Shaw und den ihnen verwandten Schrift- stellern. Trotzdem sind alle diese nicht die Schriftsteller des Prole- tariats. Man fühlt in ihren Werten zuviel zerflossene Träumerei öder einen Ueberfluß von schwarzem Pessimismus und ungezügelter Phantasie. Das Proletariat wird selbst den rechten Weg finden. indem es seine eigene Intelligenz mit sich aus den breiten Weg der freien Schöpfung fortreißt. Wir müssen dort unlere Kultur ansangen, wo der kurze und helle Morgen der revoiutionäken Bourgeoisie endigt. Denn dort stehen Riesen, wie Hegel und Goethe, und sie warten auf ihre echten Nach- folger. Die Hüter dieser klassischen Traditionen haben sich in Epi- gönen verwandelt und sehen wie alte Uhus neben den neuen Ultra- Realisten und den ganz neuen Futuristen aus. Aber die proletarische Wage wird frisches Blut in die alten Adern gießen und ihnen die Möglichkeit geben, mit Macht dem wirklich neuen, dem echt futu- ristischen Theater zu dienen, welches, nicht ohne Qualen, in mehr oder weniger longer Zeit di« sozialistische Revolution gebären wird. Rudolf Skeiner und die Berliner Theologen. Die Schleiermacher. Stiftung an der Berliner Universität stellt für 1S21 folgende Preisaufgabe:„Verhält sich die Anthroposophie Rudolf Stei- ners neutral zur Religion, besonders zur christlichen Religion, oder ist sie selbst eine neu« Religion? Wenn letzteres, aus welchen Quellen Ist diese neue Religion geflossen?" An dem Ausschreiben, das bis 31. Dezember läuft und für das der Preis 900 Mark bettägt, können sich nur Studierende der Berliner theologischen Fakultät beteiligen. Amerikanische Sattre. Kürze ist die Eigenschaft, di« schlechte Zigarren, Liebesgeschichten und Seereisen erträglich macht. Berliebtheit ist der Selbstbettug. daß eine Frau anders sei als die andere. Erfahrung nennt man es, wenn man au» seinen Fehl- schlagen lernt, daß das nächste, was man unternimmt, wahrschein» lich auch ein Fehlschlag fein wird. Idealist ist ein Mann, der entdeckt Hot, daß ein« Rose besser riecht als ein Kohlkopf, und der uns daher empfiehlt, Suppe au» Rosen zu kochen, statt aus Kohl. Nuturistllche Musik. In Neapel ist bor einigen Tagen vor über» fülltrm HanS die erste futuristische Oper„Die Uebcrrajckiung-,«in vert deS bekannten ftuturistenfübrer» Marin ettt, über die Szene ge- sangen. CS erlebte einen Tbeatafkandal. der die Direktion veranlatzle, di» Oper vom Spielpia« gleich wieder abzufehe«. tVee entschädigt Oppau? München, 6. Oktober.(TU.) Das große Unglück in Oppau wird der bayerischen Baugewerks- Berufsgenossen- schaft, soweit es sich bis jetzt übersehen läßt, die Entschädigung«- pflicht für etwa 100 Todesfälle und für weit über IVO Verletzte und damit eine jährliche Entschädigungssumme von mindestens 1 Mil- lion Mark auf viele Lahre hinaus bringen. Me Mitglieder der bayerischen Baugewerks-�Berufsgenosienschaft haben nach einer Ver- öffentlichung der Vorstandschaft ab 1. Januar 1322 mit nicht unwesentlich erhähten Beitrügen zur Deckung dieser außerordentlichen Entschädigungslasten zu rechnen. Die Vorstand» schaft steht auf dem Standpunkt, es könne nicht angehen, daß für eine gewaltige Schadenlast, die durch das dem Baugewerbe voll- kommen betriebsfremde Ereignis herbeigeführt wurde, ein be- stimmten Kreis von bayerischen Unternehmen allein aufkommen müsse, Es dürfe vielmehr eine entsprechende Regelung der Ange- oyett durch das Reich erwartet werden. i» Wir känneu uns der Forderung der bayerischen Sauge- werks-Berufsgenossenschaft nicht anschließen. Niemand verlaugt von der Genossenschaft, daß sie den ganzen Schaden von Oppau trägt. Aber es liegt kein Grund vor, sie von Verpflichtungen zu entbinden, die sie gesetzlich übernommen hat. Das Reich ist nicht dafür da, Unternehmungen, an deren Gewinn es nicht beteiligt ist, für Verluste zu entschädigen. Es wäre die Frage zu stellen, ob nicht der Antlinkonzern in dieser Hinsicht die richtige Instanz ist. Für eines sind wir allerdings: für Reicheaussicht dar» über, daß die Genossenschaft ihre Verpflichtungen den Opfern von Oppau gegenüber voll und ganz erfüllt. De Orouckere über Görlitz. „2>ie deutschen Sozial: st en wollen die Republik verteidigen." Unter dieser Ueberschrift gibt der belgische So- zialist Genosse de Brouckere seine Haupteindrücke von der Gör- litzer Tagung im Brüsseler„Peuple" wieder. Auch für die deutschen Sozialdemokraten dürfte es interessant sein, zu wissen, in welchem Licht der Parteitag und seine Beschlüsse unseren ausländischen Be» sinnungsfreunden erscheinen. De Brouckere schreibt, daß das charakteristische Merkmal des Parteitage» der unerschütterliche Wille der deutschen Sozialdemokraten zur Republik gewesen sei.„Die deutschen Proletarier sind entschlossen, ihre Republik mit der ganzen Kraft eines Volkes zu verteidigen, das jetzt den tiefen Wert der Demokratie begriffen hat. Das ging aus dem Ton der Verband- lungen schärfer noch hervor, als aus den angenommenen Resolu- tionen." Er geht dann ein auf den Augenblick nach den Reden der Genossen T r e u- Nürnberg und K ö r n e r- Ludwigshafen, die zu einem spontanen Treugelöbnis für die deutsche Republik wurden. Er nennt die�e Reden„einen jener Momente, die geschicht- lichen Wert haben.... Der gleiche Wille, die Republik zu schützen, zu stützen, zeigte sich in der Diskussion. Wir verstehen heute nur zu gut, daß die Reform der Verwaltung fortgesetzt werden muß, daß die Republik nicht durch die alten Beamten des Kaiserreichs verwaltet werden kann." Zur Programmdebatte übergehend, sagt de Broucköre, daß auch hier jeder Redner auf der Notwendigkeit bestanden habe, alle sozialen Forderungen auf der absolut gesicherten Existenz des republikanisch-demokratischen Staates zu basieren. Von den Höhe- punkten der Programmdebatte sagt« er, sie hätten auf ihn einen der tiefsten Eindrücke gemacht, deren er sich als alter Kongreß- tellnehmer entsinnen könne. De Brouckere beschäftigt sich dann mit der Frage der erw ei« terten Koalitionsmöglichkeit. Seiner ziemlich optimisti- schen Ansicht nach hat die Deullche Doltspartei zugelernt.„Die Geschäftsleute, aus denen sie sich zusammensetzt, haben zuviel ge- sunden Menschenverstand, um nicht zu erkennen, daß eine deutsche Monarchie sich gegen den einigen und jetzt tätigen Willen eines fest organisierten Proletariats nicht behaupten kann. Sie wissen auch, daß die Entente eine deutsche Monarchie um keinen Preis dulden würde." Er vergleicht die augenblickliche Lage Deutschlands mit der Frankreichs zur Zeit der Dreyfus-Affäre. Man denke in den Kreisen der deutschen Sozialdemokratie daran,„einen Block zu bilden, um alles dem einzig Wesentlichen unterzuordnen: der Existenz- sicherung de» neuen Regimes"._ Die firbeitslofenfrage in England. London, 5. Oktober.(WTB.) Die Mitglieder des neu gebilde- ten G e n e r a l r a t e s, etwa 30 an der Zahl, hatten heute eine Ästündige Unterredung mit Lloyd George über die Arbeits- losenfrage. Unter anderen nahmen daran teil Clynes, Smillie und Gosling. Lloyd George schlug vor, daß eine Zahl von Ar- beiteroertretern mit ihm und seinen Kollegen über praktische Maß- nahmen gegen die äußerste nationale Notlage beraten sollen. Wie verlautet, will der Generalrat der Arbeiterschaft Lloyd George be. stimmte Vorschläge zur Behebung der Arbeitslosigkeit unterbreiten. * Der Generalrat der Arbeiterschaft hat einstimmig den Sekretär der Landesarbeiterverbände Walker zum Vorsitzenden für da» nächst» Jahr gewählt.__ Unabhängiger Parteitag. Di« USP. beruft ihren Parteitag auf den 8. Januar 1S22 noch Leipzig(Dolkehaus). vi« vorläufige Tagesordnung enthält folgende Punkt«: 1. Eröffnung und Konftitu- ierung des Parteitage»: 2. Geschäftsbericht: 3. Bericht der Reichs- tagsfraktion: 4. Bericht der Programmkommission: S. Finanz- und Steuerpolitik: 8. Organisationsstatut: 7. Die Internationale Arbeits» gemeinschaft: 8. Anträge; 9. Wahl der Parteileitung.— Die Referenten werden noch bekanntgegeben. Der Fall Schön. Wie uns aus Hamburg mitgeteilt wird, trifft es n i ch t zu, daß der Hamburger Senat in der Sache des General- staatsanwalts Dr. Schön einen Rückzug angetreten und die Vorwürfe zurückgenommen habe. Offenbar ist diese irreführende Meldung von reaktionärer Seite verbreitet worden. Die Außerdienstsetzung des Generolstaatsanwalts ist tatsächlich in vollem Umfang aufrecht- erhalten und, wie bereits gemeldet, von der Hamburger Bürger- schaft mit großer Mehrheit bestätigt worden. Die Ausführungen unserer gestrigen Rotiz„Ein bedauerlicher Rückzug" werden dadurch gegenstandslos. Endlich bestätigt. Seit etwa einem Jahre verwaltet der Genosse Eduard Adler das Landratsamt Eckernförde kommissarisch. Während bei bürgerlichen Anwärtern die Bestätigung durch den In- nenminister umgehend erfolgt, wurde di« Bestätigung des Genossen Eduard Adler durch Herrn Dominicus ungewöhnlich lange hinaus- geschoben, obgleich der Kreistag des Kreises Eckernförd« den Genossen Adle? e i n st i m m i a als Landrat präsentiert hotte.(Einige Bürger- liche hatten bei der Wahl weiße Zettel abgegeben.) Nunmehr ist der Genosse Adler vom preußischen Innenminister endgültig als Land- rat bestättgt worden. Besonders wertvoll ist diese Lestäligung, weil deutschnational-agrarische Element« in der letzten Zeit einen Ver- leumdungsfeldzug gegen den Genossen Adler unternommen hatten. Die„Deutsche Tageszeitung", Hamburger Warte" und fast die ge- samte monarchistische Presse hatte sich zum Träger dieser Verleum- oungen gemacht, ohne von der schließlich«» Aufklärung de« Irrtum- später Notiz zu nehmen. GroMerllu Der pferöefuß. Bei der bürgerlichen Wahlagitation spielt die Unrentabllität städtischer Werke und Betriebe eine große Rolle. Man tut so, als ob kommunale Bettiebe unter allen Umständen Zuschüsse erfordern müßten und als ob insbesondere Betriebe unter s o z i a- l i st i scher Verwaltung unrentabel arbeiteten. Das eine ist allerdings richtig, daß eine städtische Verwaltung mit sozialistischer Mehrheit eine größere Verantwortung auch gegenüber ihren Arbeitern und Angestellten in sich fühlt als ein kapitalistisch geleiteter Privatbetrieb, daß sie es unter allen Umständen ablehnt und ablehnen wird. Ersparnisse auf Kosten der Arbeiterschaft zu machen. Aber Kommunalistcrung braucht beileibe nicht Bureaukra- iisierung zu bedeuten. Gerade Gcmcindebetriebe unter sozio- listischer Verwaltung haben den Beweis dafür erbracht. Ist es ein Zufall, daß die Gaswerke in Neukölln und in Lichten- b e r g so unendlich viel rentabler arbeiten als die A l t- B e r l i n e r Werke? Ist es ein Zufall,, daß selbst ein so heruntergewirtschafteter Betrieb wie die städtische Straßenbahn schon nach«inem knappen Jahre sozialistischer Verwaltung Lohnerhöhungen bewtl» ligen kann, ohne gleichzeitige Erhöhung der Tarife? All das wissen die Bürgerblockleute sehr gut. Trotzdem drehen sie gerade jetzt wieder besonders eifrig die Lügenwalze von den unrentabeln städtischen Betrieben. Warum? Die verhaßten kommunalen Werk« sollen in„gemischt-wirtschaftliche" Betriebe umgewandelt werden. Da kommt der kapitalistisch« Pferdefuß zum Dorschein l Sollte es wirklich Arbeiter, sollte es Angestellte und Beamten, sollte es denkende Menschen geben, die nicht merken, wer hinter dieser Agitation steckt? Die nicht merken, daß sie hier vor die allcrengstcn Interessen einer kleinen Gruppe von Privattopitalisten gespannt werden sollen, die über das geffMl.VN!eriWi!'MlsW«W! Achtung! Frauen! Achtung! 1 4. K r c i»(Britz): Die für heule angesagte ösfenkllche Frauen- Versammlung findet nicht in Beckers Festsälen, sondern um m Uhr in der 2. Gemeindeschule in der Bürgerstraße stakt. Tagesordnung:„Die Bedeutung der Stadloerordnekenwahlen für die Frauen". Refercnttn: Frau Psiilss, MdB. entgangene Geschäft erbost sind? Dieselben Prioatkapitalisten gehen ja auch mit dem famosen Plane um, Post und Eisenbahnen im Reiche in„gemischt-wirtschaflliche" Bettiebe zu verwandeln. Wie harmlos, wie schön das klingt! In Wahrheit ist es hier wie dort dasselbe: Man entblödet sich nicht, die wirtschaftliche Not der Stadtgemeinde, des Laude«, des Reiches a u s z u- nutzen, um hintenherum ein großes Privatgeschäft zu machen. Darum der Sturm auf die städtischen Werke, darum da» scheinheilige Getue angeblich besorgter„Fachleute", darum di« demagogische Hetze de» Bürgerblocks gegen die„sozialistische Mist- Wirtschaft"! Man fürchtet, die Felle könnten dem Privatkapital, dem Großkapttal wegschwimmen, wenn das„Rote Berlin" erhalten bliebe. Augen auf! Wollt Ihr Büttel des Großkapilal» fein? Wähl! sozialdemokratisch! Der we!akeller.„5acha'.anu''. Die Dezirksversammlungen der westlichen Bezirke sind in der letzten Zeit eine unerschöpfliche, wenn auch nicht gerade freiwillig sprudelnde Quelle für den Deweis der bürgerlichen Mißwirtschaft geworden. Ein Kapitel eigener Art war auf diesem Gebiet seit jeher der städtische Weinkeller in Schöneberg.(Glückliche Gemeinde, die ihn sich leisten kann.) Aus' der letzten Bezirks» Versammlung im Bezirk Xl(Schäneberg) richtete die s o z i a l- demokratische Fraktion die Anfrage an das Bczttksamt, warum es dem Beschluß auf Bildung einer Deputation für die städtische Weinkellerei nickt bcigetteten sei. Bürger- meister B e r n d t antwortete mit einer Beteuerung, daß er die beste Absicht habe, mit der Bezirksversominluna sowie den ehrenamtlich tatigen Bürgern zusammen zu arbeite».«Was nutzt der gute Wille, wenn die polittschen Freunde es nicht wollen.) Genosse C r d m a n n erklärte es für unverantwortlich, daß dies werbende Unternehmen. das einzige, über das der Bezirk verfügt, in di« Hände eines solchen „Fachmannes" gelegt wird. Der Dezernent und alleinige Gebieter lei im Zivilberuf P o st r a t. Unser Redner wies weiter darauf hin, oaß das Unternehmen, das früher für den Stadtläckel erhebliche Einnahmen brachte, durch die„fachmännische" Leitung bald so heruntergewirtschaftet sein wird, daß nicht» mehrübrigbleibenwerde. Ohne Beschluß und noch eigenem Ermessen hat der Dezernent die„Kvmmunalisierung". noch ver- arößert und sie auf Kognak und Likeure ausgedehnt, für die in der Bürgerschaft kein Bedürfnis vorliegt. Allerdings schweben hierüber sonderbare Gerüchte und es fei im eigenen Interesse des Bürget- Meisters, für baldige Abhilfe Sorge zu ttagen. Von ollen Rednern, bis zu den Demokraten, wurde unser Redner unterstützt. Nur die Deutschnationalen und ihr« Nachbeter, die Wirtschaftlichen, schwiegen. Wie im übrigen die Wiederaufbmttätigkeit der Nationalisten aussieht, schildert« Genosse F r i tz s ch. Ein deutschnotionales Mitglied des Bezirksamt« hatte sich krank gemeldet und die Zeih dazu benutzt,«uf Kosten der Steuerzahler mit stlnem Segelboot eine Fahrt von Berlin nach Schweden zu machen. Drei Monate wurden hierzu gebraucht. Der ahnungslose Bürgermeister erttärte, daß ihm wohl da, ärztliche Zeugnis vorgelegen habe, daß er ober von der Vergnügungsfahrt erst durch die Anfrage Kenntnis erhallen habe. Den Urlaub habe er auf Grund de» ärztlichen Zeugnisses erteilt. Gattenmorüprozeß tzemberger. Das finstere Famillendrama. das die Ermordung des Ober- lehrers Dr. Hemberger durch seine Frau Elisabeth Hem- b e r g e r und ihren Geliebten, den Kaufmann Walter Protz« zum Gegenstand hat, wurde heute vormittag unter großem Andrang de, Publikums vor dem Schwurgericht des Landgerichts II unter Vorsitz de- Landgerichtsdirektors Dr. Ziethen aufgerollt. Di« Verteidigung führen: für Frau Hemberg er Rechtsanwalt H i r s ch o< witz, für Protze Rechtsanwalt Dr. Alsberg und Asseflor Welt, für die Angeklagte Frau Weise Rechtsanwall Dr. Grünwald. Die Anklage wird von Staatsanwaltschaftsrat G e n n r i ch ver- treten. Zu der Verhandlung, für die drei Sitzungstage angesetzt sind, sind neben zirka SO Zeugen als Sachverständige UniversttSts- Professor Dr. Strauch und von der Verteidigung Sanitätsrat Dr. Magnus Hirsch feld und Sanitätsrat Dr. Fritz Leppmann geladen.» Di« Angeklagte Frau Hemberger war mit ihrem 2S Jahr« ölteren Ehemann in schwere Differenzen geraten, die sie veranlahten, mit Hilf« der beiden Mitangeklagten Protze und Frau Weise in einen leerstehenden Laden in der Urban st laß« zu ziehen. Hier soll nun. wie die Anklage behauptet. Frau Hemberger den Plan ge- saßt haben, ihren Mann aus der Welt zu Waffen, um dadurch in den Besitz der Wohnungseinrichtung und der Witwenpension zu kommen. Sie soll nun ihren Reffen, den Angeklagten Protze, zu dem sie in näheren Beziehungen stand, angestiftet haben, ihren Mann meuchlings zu erschießen. Di« Tat wurde dann auch in der Urbanstraße verübt, wohin man Dr. Hemberger unter einem Borwande gelockt halt«. Die Leiche wurde zerstückelt und dann die einzelnen Teil« teils ins Wasser geworfen, teils auf dem Tempelhofer Feld« ver- graben. Als in Grünau die schon etwa» in Verwesung übcrgegan- gene Leiche eines unbekannten Mannes gefunden wurde, erklärte Frau Hemberger der Polizeibehörde, daß es die Leiche ihres Mannes sei. Das Derbrechen gelangt« erst später durch eine Sclbstbezichti- gung des Protze zur Kenntnis der Behörden. Frau Hemberger gibt über ihr- persönlichen Verhältnisse an, daß sie di« Tochter eines D o r ff ch u l l« h r e r s ist u>u> bis zum 14. Jahre eine Schule in einem kleinen Spreewalddörfchen be- sucht habe. Mit 19 Iahren sei sie nach Berlin gekommen, sei bei der Firma Heyl in Eharloitenburg und anderen Firmen im Kontor in Stellung gewesen. Sie habe ihren Mann beim Tanzunter- richtkennengelerntundihn aus Liebe gcheirakel. Er sei 49 Jahre alt gewe-en und sie 24 Jahre, aber st« habe stets eine Vorliebe für ältere Herren gehabt. Zu Anfang habe ss« stets geglaubt, er sei einfacher Vvlksschullehrer, erst kurz vor der Verlobung habe er ihr mitgeteilt, daß er Oberlehrer und„Doktor" sei. Am 29. April 1909 sei dann die Ehe geschlossen worden. Ihr Mann sei ftüher katholischer Geistlicher gewesen, dann aus der Kirche aus- getteten, um hettaten zu können. Er habe sich dann in London trauen lassen, die Ehe sei jedoch 1898 schon wieder geschieden worden. Ihre Verwandten, die alles ermittelt hatten, waren deshalb gegen eine Heirat, zumal sie auch erfahren hatten, dag H. wegen f i t t- l t ch« r Verfehlungen, die er als Lehrer an der Margarethen- schule begangen hatte, vom Amte suspendiert worden war. Die Ehe sei von Anfang an nicht glücklich oewesen, da ihr Mann mit dem Gelde sehr leichtsinnig umging und sich deshalb bald Wirtschaft- liche Sorgen einstellten. Ihr Moiin machte ihr wiederum Vorwürfe, daß sie ihm nicht genug Geld mit in die Eh« gebracht habe. Diese Zerwürfnisse spitzten sich schließlich derartig zu, daß sie Selbst- mordgedanken bekam« und sich einmal mit Gas vergiften wollte. Um die Geldnot zu beseitigen, ging die Angeklagte, wie sie weiter erzählte, wieder ins Bureau. Die Fola« war, daß ein Hans- Mädchen eingestellt werden mußte, um die Wirtschaft und das im Jahre 1917 geborene Kind zu versorgen. Ihr Mann sei sofort zu den Mädcken zudringlich geworden, so daß sie in 1-� Iahren acht Mädchen hatten. Als sie von einem Mädchen eine eidesstattliche Versicherung erhiell, daß ihr Mann die Ehe gebrochen habe, wollt: sie sich scheiden lassen, gab ober auf Bitten ihre« Mannes wieder nach. Im Jahre 1916 wurde das zweite Kind geboren. Während ihrer Schwangerschaft habe sie ihr Mann vielfach geschlagen und den Boden entlang geschleift und von ihr verlangt, sie soll« einen strafbaren Eingriff an sich vornehmen lassen. Bei einem derartigen Zwischenfall, als ihr Mann auf sie einschlug, habe sie einen doppelten Bruch davongetragen. Sie sei deshalb auch zu ihrer Mutter gezogen. Die Hohcuzollern als Wandschmuck. Manche Leute wollen immer noch nicht begretsen, daß dt« Zeit vorüber ist, wo in jedem öffentlichen Raum ein»aar löohenzo'lern hängen mußten. Die im Sitzungssaal des Berliner Mo» g i st r a t s aufgehängten zwölf Hohenzollern sollen, wie wir bereits meldeten, nun endlich heruntergeholt werden, um als refidenzlich-berlinlsche Rarllät ins Märkisch« Museum zu wandern. Darüber schreien die unentwegt Köniastteuen, die von einer Wieder- kehr der schönen Zeit ttäumen, wo Wilhelm II. in übler Laune den Magisttat rüffelte. Wir hoffen, daß die Säuberung des Magistrats- sitzunassaales als aufmunternde, Beispiel wirken und eine Mahnung auch für andere Behörden sein wird, sich ihres byzan- tinischen Wandschmuckes zu entledigen. Behörden, bei denen der- artige Reliquien aus den Tagen der Monarchie liebevoll noch tonler» viert werden, sind mehrfach im„Vorwärts" genannt worden. Wir wollen heute hinzufügen, daß auch im Gebäude des Landgerichts Berlin I an der Erunerstraße ein Saal noch mit zwei großen Kaiserbildern„geschmückt" ist. Hinaus endlich mit dem Plunder, der hier wie eine Demonstration für die Monarchie wirken muh! An einer Stätte der Rechtspflege sollte man längst-/i« Konseqmmen daraus gezogen haben, daß nach der Gesetz gewerd""": neuen Verfassung wir in einer Republik leben. BilNge» Fleisch in Reinickendorf. In den amtlichen Fleischver- kaufsstellen des 20. Verwaltungsbezirks Reinickendori-Ost. Residenz- sttaße 131, Reinickendorf-West, Kögelstr. 3, Tegel, Bahnhofftt. 6/7 und Schön eberger Stt. 63, gelangt in dieser Woche billiges Schweine- fleisch zu nachstehenden Preisen zum Verkauf: Rückenfett ä Pfund 13 M!.. Kotelettes und Bauch 17,50 Mk., Kamm, Schuft und Schinken ohne Dein 16,50 Mk., Kopf und Beine 8 Mk. Die Haussammlnng de» Oberschlesier-Hiffswerks zugunsten der bedrängten Oberschlesier ergab außerordentlich crsreuliih« Resultate. Durch 3700 Hauslistey wurden im Laufe der vergangenen Woche 152 620 Mark gesammelt, so daß auf jede Hausliste im Durchschnitt 40 M. fällt. „Der Herr der Welt«. DerNuSiiattungZzauber deSApollo-SUeattt« ist jetzt unter der Direktion gam?» Klein auch in di« Komisch« Ov c r gerückt. Ein« große AuSltattungSrevue.Der Herr der Welt" mit»er- bindendem Text von Karl Jrcilchaeider, VelangStexten von De. Beda und Felix Wolfs leitet die neue Aera de? Hause» an der Wctdevdamrr Brücke ein, da« die ernste Kunst schon lange an den Nagel gedüngt hat. An zrdn vninkvoll ausgestatteten Bildern wird die nickt gang neu« Idee enllvickelt. dost»old nicht glülttich mackt und nicht vorwärts bringt, sondern, daß die Arbelt der olleir.iae Herr der Welt ist. DaS Zeitgeschehen lb'.elt. wie«S sich sür»ine Stevue gebärt, eine große Rolle, aber die Spöttereien über politiichc Vorgänge find l«id«r so fade, daß man sie sich besser schenten sollte. Der- giclche» ist nur erträglich, wenn cS von wirklichem Geist zeugt. Ergötzlich ist eS. den schönen Film-Kästner über den versailler Frieden lamen- Heren zu sehen, geschmacklos aber Franz Groß über da« abgetretene Tirol läuielil zu lassen. Daß man sich auch den a!t«» Fritz nicht v er kn eisen kann, zeugt davon, mit wie billigen Eiseklen ein Textdichter, der allerdings sein Publikum richtig einschätzt, heute auskommt. Szene, Ballett», waren ganz auf Pracht gesttmi«: IanreS Klein, der so etwa» versteht, tat darin da» äußerste, zuweilen aus Kosten des guten Geschmack«. Da viele« noch nicht klappte, dauert« dl« Aufsübrung last süns Stunden, wa« selbst sür die Ge- buldigsten-in bißchen zu viel war. Auch nackte Beine und Gold werden einem über, wenn man einen ganzen Abend hindurch nicht« Andere» zie leben kriegt. Au« der großen Reih« der guten Darsteller seien vor allem Lotte W e r k m« t st e r, Paul W« st- r m« i e r und der unverwüstliche Wilhelm Hartstein genonn». Sascha Gura wird im Leben leine MilliardärStochler. Di» Musik von Karl Hajo« d-t nicht»,«a» si« au« der Mass« ähnlicher Erzeugntss« herausheben könnte. «tu NolkSunterhaltungSkouzert in Schöneberg veranstaltet am Dom, tag. den S. Oktober d. L«.. nachm. 4 Uhr, im Bürgersaal de« neuen Ralhause« zu Schöncderg der Ausschuß sür LollSunterhaUungen bei« Bezirksamt XI. Tai kommunale Kinderheim tu Meiulckeudorf-Ost veranstaltet am DonnrrStag. den S. Oktober, abend« 70, Uhr. kn der Jug-ndhall- am Seebad einen Mütterab»nd. ilußer«inem belehrenden Vortrag über Körperpfieoe de» KUtnkinde« finden Aufführungen von Kindern und Chorgesänge statt. Groß-Serliner Parteinachrichten. Heute, Donnerstag. S. Oktober: M.(früh«r 1«.)«dt.«l&, 819., 329., 824., 825. und 327. B-Jht abenv»» Uhr bei Hcefe, M«met«, Str. tzz.«esprechung über: Ist»in gusamm-ng-hm NM der Deutschen DoUtpartei ratsam» Resuml!»enofle Rtgu. Morgen, Freitag, 7. Oktober: «. MA, Steglitz. Adeut» 7»/, Uhr. Steffpuntt vberreolschule TNfenswche. GewerMastsbewegung Der Schieüsspruch im holzarbeiterstreik. Der am Dienstag vom Schlichtungsausschuß KroH-Berlin ge- seilte Schiedsspruch liegt jetzt im offiziellen Wortlaut vor. Er ent- i.ält neben den Lolmsätzen hinsichtlich der Forderung der Arbeit» üchmer auf Durchführung des Reichsmanteltarifs für Berlin folgende bemerkenswerte Sätze:„Die Kammer hält die von den Arbeitnehmer- verbänden geforderte einheitliche Vertragsregelung für das deutsche fjolzgewerbe für dringend notwendig. Sie ist aber der Anficht, daß die Ertschcidung hierfür den in Frage kommenden Ler- bänden überlassen bleiben muß, es fei denn, daß die Durchführung der Reichstarifgemeinschaft durch die Allgemeinverbindlichkeits- erklärung eines bereits bestehenden Tarifvertrages seitens des Reichs- orveitsministeriums ersetzt wird." Bis dahin empfiehlt der Schieds- spnich den Parteisn eine Bertragsregelung, die die Berliner .Holzarbeiter auf keinen Fall ungünstiger stellt i'ls ihre unter den Reichsmanteltarif fallenden 9. o l l e g e n i m Reich Der Schiedsspruch spricht ferner die choff- vr-.g aus, daß beide Parteien sich mit dieser Regelung einverstanden r.tlären, damit die im öffentlichen Interesse erwünschte Beilegung des Streiks endlich er'olgen kenn. Zum Streik der Gastwirtsgehilfen. Die Arbeitsgemeinschaft der Zlrbeitgeberoerbänd« verbreitete ein Flugblatt, worin behauptet wird, die Organisation der An- gestellten fordere an Wochenlohn und Prozenten ein Wochen- einkommen von lOOll b i s 1SOO M. Sie fordere kategorisch die Einkalkulierung in die Preise, um dadurch im dunkeln Trinkgeld fischen zu können und um auf Kosten der Ar- beitqeber Neueinstellungen zu erzwingen. Der größte Teil der K.'llnerschaft werde durch die Organisation behindert, unter dem .■ hnprozentigen Entlohnungssystem zu arbeiten, und die Gäste wür- d,-i bei einer Einkalkulierung der Löhne in die Verkaufspreise der ! dende Teil sein, da dann nicht 10, sondern IS und 20 'rozent einkalkuliert werden müßten. Warum dann IS bis 20 P r o z. Aufschlag, anstatt 10 Proz.? Der vor- nmrf der Unternehmer, die Angestellten wollten im Trüben fischen, kann doch im Ernst nicht erhoben werden, nachdem die A n g e- st e l l t e n den Schiedsspruch anerkannt haben, der das Trinkgeld ? erbietet. Die Unternehmer aber haben diesen Schiedsspruch ob gelehnt. Außerdem haben es die Unternehmer in der chand, i- cher zu sorgen, daß bei gehöriger Lohnzahlung einem etwaigen Im- Trüoen-Fischen gesteuert wird. Sie haben das Recht, unter An- krohung sofortiger Entlassung ihren Angestellten die Annahme von Trinkgeld zu verbieten, wie es im Eisenbahnspeisewagenbetriebe längst mit gutem Erfolg geschehen ist. Daß die Angestellten ein "Äocheneinkommen von 1000 bis 1500 M. fordern, das sollten die "aternehmer dem Publikum nicht erzählen wollen. Wollten sie an die Unterstützung des Publikums appellieren, dann dürften sie die Urteilsfähigkeit des Publikums nicht so niedrig einschätzen. Die Zeche muß das Publikum auf alle Fälle bezahlen. Die Frage M jedoch, ob wir außer den Preisen noch etwa ein Bedienunas- geld zahlen sollen— Trinkgeld in fester Form, oder aber Preise für die Leistungen. Die„Bedienung" gehört mit zu diesen Leistungen. Bei festen Löhnen auf der einen und festen Preisen auf der anderen Seite, hört das Jm-Trüben-Fischen auf. Gibt man zu, daß ein ge- nasser Ansporn für aufmerksame Bedienung— ein Interesse am Umsatz— vom Standpunkt des Publikums wie de« Wirtes aus notwendig ist, dann ist die Anerkennung des Schieds- s p r u ch e s die Konsequenz. Deshalb muß die Sympathie des Publikums auf feiten der Angestellten sein. Entsprechend den gestrigen Abmachungen, sind heute morgen die Notstandsarbeiten fast überall aufgenommen worden, und«s steht.zu erwarten, daß im Laufe des Tages überall die Pumpen- und Kühlanlagen wieder in Betrieb gesetzt werden können. Auch die Bedienung in den Hotels, in denen Mitglieder der Entente- kommissionen untergebracht sind, wurde fast restlos von der Streik- leitung gestellt. So hat der„Kailerhof" 300 Angestellte erhalten, die zur Bedienung der ausländischen Gäste erforderlich sind. Ledig- sich das Hotel„Fürstenhof", wo nur 5 Mitglieder einer Jnteralli- ierten Kommission abgestiegen sind, beschäftigt Streikbrecher. Wie ! an der Streikleitung mitgeteilt wird, hat eine Abordnung der Aus- ständigen mit den Interalliierten Kommissionen verhandelt und sich zur strikten Durchführung der getroffenen Abmachung verpflichtet. !ie von der Streikleitung zur Verfügung gestellten Gastwirtsange- stellten sind vorläufig vom Reichsvermögensamt durch Zivildienst. oertrag eingestellt und es ist der Streitleitung ein gewisses Kontroll- -echt über di« Arbeit dieses Personals zugesichert worden. Potsdamer Geist im Reichspatentamt. „Nur in wenigen Einzelfällen"— so berichtigte der Reichsjustiz- minister in Nr.<33 des„Vorwärts"—,„in denen zur Festsetzung i es Besoldungsdienstalters noch besondere Erhebungen oder ein Zu- sammenwirken mit anderen Dienststellen erforderlich waren, mußte die Festsetzung bis zur Beseitigung der Hindernisse zurückgestellt werden. Im August vorigen Jahres haben etwa 80 mittlere Beamte von 350 begründete Gesuche wegen Anrechnung ihrer vor- aufgegangenen Dienstzeit vorgelegt. Bis heute ist noch nicht ein einziger dieser Fälle erledigt worden. Die Ermittlungen ..schweben" immer noch und so kann noch geraume Zeit oergehen und die Valuta womöglich noch weiter fallen, bis diese Beamten -.u ihrem Geld« kommen. Da es sich fast durchweg um ältere Be- mvte mit Familie handelt, die meist vor 10 Jahren und früher als expedierende Sekretäre geprüft und im Patentamt tätig sind, die immer noch mit geringem Einkommen haushalten müssen, so bedarf es keiner Frage, daß sie auf diese Nachzahlungen von Tag zu Tag warten und sie notwendig gebrauchen. Mit wenigen Aus- nahmen hat übrigens die gesamte Beamtenschaft des Patentamts seit Beginn der Neuordnung um die wohlerworbenen Rechte aus der stüheren gehobenen Stellung zu kämpfen. Den an der Neufestsetzung der Diensialtersbezüge beteiligten Beamten wurde kürzlich eine Verfügung des Präsidenten zugestellt, wonach ihnen für den Fall einer anderen Festsegung des Grund- gehalts der ihnen vor Jahresfrist zuviel gezahlte Betrag wieder abgezogen werden soll, weil die ursprüngliche bessere Ein- stufung nachträglich rückgängig gemacht wurde, trotzdem damals vom Reichsfinanzminister auf das Ersuchen der Behörde um Nieder- schlagung ausdrücklich und vorbehaltlos angeordnet wurde, daß die Finanzleitung von der Rückforderung und Einziehung dieses überzahlten Betrages ab- sieht, und zwar mit Rücksicht auf die drückende Notlage der.Be- teiligten. Entspricht die nachträgliche entgegengesetzte Anordnung des Patenamtes etwa dem Recht, das im Patenamt und im Reichs- justizministerium besonders gepflegt werden soll? Die Beamten im Reichspatentamt beklagen es bitter, daß von dem Präsidenten, Wirkt. Geh. Oberregierungsrat von Specht, derartige Anord- nungen getroffen werden, ohne daß die zuständigen Beamten- organisationen davon Kenntnis erhalten, um rechtzeitig dagegen Stellung nehmen zu können. Es würden sich überhaupt die jetzt besonders großen Schwierigkeiten im inneren Dienltbetriebe des Reichspatsntamtes besser ordnen und überwinden lasten, wenn die Leitung des Amtes sich mit den beteiligten Beamten organisationen ins Einvernehmen setzen würde, statt sie dauernd zu übersehen. Infolge der schlechten Besoldungs-, Anstellungs- und dienst- lichen Verhältniste im Patentamt macht sich der Mangel an guten »Kräften überall in den Bureaus fühlbar, die neu eingestellten Be- amten kehren dem Amt schon vor beendeter Ausbildung wieder den Rücken, und so häufen sich an den wichtigsten Dienststellen die Arbeiten lange unerledigt an zum Schaden der um ihre technischen Erfindungen besorgten Jndullrie- und Handelskreise. Da die Be- Hörde auf die wiederholten Vorschläge der Beamtenschaft zur Ge- schäftsvereinfachung nicht eingeht, so muß in anderer Weise für Abhilfe gesorgt werden.___ Streik in der Chirurgiemechanik. Ueber die Bewegung in dieser Branche haben wir wiederholt berichtet. Nach monatelangem Verhandeln mit den Arbeitgebern hatte der Schlichtungsausschuß Groß-Beriin einen Termin anberaumt, der von den Arbeitgebern nicht wahrgenommen wurde. Ein Abgesandter derselben erklärte, daß die Arbeitgeber in der nächsten Zeit nicht verhandeln könnten. Der unparteiische Vor- sitzende ersuchte die Arbeitgeberorganisation telephonisch, Verhänd- ler zu entsenden. Dieses wurde aber abgelehnt. Daraufhin be- schloß am Montag eine Branchenoersammlung der Angestellten einmütig, Dienstag früh aus den Betrieben zu gehen. Die Urab- stimmung über den Streik ergab eine Mehrheit von SO Proz. für den Streik. Dieser hat am Dienstagfrüh mit großer Energie eingesetzt und ist fast auf alle Betriebe ausgedehnt. Leider beteiligt sich auch in diesem Streik die Schupo wieder als Schutzpatron der Streik breche r. Die Firma Lautenschläger hat Schupo ins Haus geholt und ist auch gegen Streikposten tätlich vorgegangen. Die Leiiergerüfl- und plaharveiler Groß-BerNns harten am 2g. September 1921 e-ne Branchenversammlung. Genosse W. Klüssener referierte über„die bevorstehenden Stadtverordneten- wählen. Seine Ausführungen wurden mit großem Interesse ver- folgt und mit Beifall aufgenommen. Hierauf berichtete S y d o w in eingehender Weife über die zahlreich geführten Lohnbewegungen der Sektion II, in denen olle Branchen durch gute Geschlostenheit und einiges Zusammenhalten bedeutende Aufbesserungen der Löhne und Erweiterungen des sozialen Teils des Vertrages durchsetzen konnten, während einige Branchen di« Löhne der gelernten Arbeiter sogar überschritten hätten. Wenn auch die Lohnkämpfe ohne Führung von größeren Streiks erfolgreich waren, so mußten doch alle Kräfte bei den Verhandlungen bis zum äußersten angespannt werden, da ein Teil der Arbeitgeber nur die Erhöhung des Brotpreijes als Be- gründung für eine Lchnzulagc anerkennen wollte. Einige Arbeit- geber des Leitergerüstbaugewerbes versuchten mit einem direkten Lohnabbau, durch Kürzung des Fahrgeldes, vorzugehen, was aber durch schnelles Eingreifen der Organisation verhindert wurde. Da die Löhne für das Baugewerbe ab 23. September um 1,50 Mark pro Stunde erhöht worden sind, gaten diese, wie üblich ver- einbart, auch für das Leitergerüstbaugewerbe. Es sei Pflicht aller, dafür einzutreten, daß die neuen Lohnsätze von den Arbeitgebern anerkannt und schnell durchgeführt werden. Aber die vielen geführten Bewegungen bedingen eine Aufbeste- rung der Kassenverhältnisse. Um für die noch konimenden schweren Kämpfe materiell gerüstet zu sein, empfiehlt es sich, eine Erhöhung der Beiträge vom 1. November ab vorzunehmen. In der Diskussion sprachen alle Redner für Annahme des er- höhten Stundenlohnes, dem sich die Versammlung anschloß. Dem- nach beträgt der Stundenlohn für Leitergerüstbauer vom 23. Sep- tember 1921 ab 9.30 M. Im Prinzip erkannte man die Notwendigkeit einer Beitrags- erhöhung an. Die Schwerfuhrwerkskukschcr Groß-Berlin» hatten eine Versammlung nach den Zenttal-Festsölen, Alte Jakobstr. 32, einberufen, in welcher Kollege Becker über die bevorstehenden Stadtoer- ordnetenwahlen referierte. Der Referent verstand es, in aufklärender, großzügiger Weise, gestützt auf Tatsachenmaterial aus seiner praktischen Erfahrung als Stadtverordneter, die gut besuchte Versammlung zu fesseln. Cr schloß mit dem Hinweis, daß Berlin bei der Wahl die sozialdemokratisch« Mehrheit im Interesse' der Arbeiterschaft wieder erhatten müsse. In der Diskussion führte Kollege Lenzner(VKPD.) aus, daß er wohl mit dem Austuf zur Wahl an die Arbeiterschaft mit dem Referenten sympathisiere, es aber für notwendig erachte, die bis jetzt geübte Tätigkeit des Stadtparlaments von den Bürgerlichen bis zur SPD. zu kritisieren, und zwar deswegen, weil von den angeführten Parteien für oie notleidende Bevölkerung sowohl als auch in der Arbeitslofenfrage nichts geschehen sei. Zur Tarifkündigung führte S y d o w aus, daß aus formellen Gründen es sich empfehle, den Tarifvertrag zum 31. Oktober cr. der Fuhrherren-Lnnung zu kündigen Die letzte Lohnbewegung habe der Branche wohl einen Erfolg gebracht, doch ständen die Grund- löhne hinter denen ähnlicher Branchen noch zurück. Den Grundsatz der Organisation: Gleiche Arbeit, gleicher Lohn, persuchten die Ar- beitgeber immer zu ignorieren. Es bedürfe daher unsererseits aller Kräfte, diesem Ziel näher zu kommen. Im Interesse des Be�lfes liege es, den Geltungsbereich des Vertrages auf die Einheitsgem- j Groß-Berlin auszudehnen. �. Die Versammlung beschloß die Kündigung des Ver» träges und überließ die Aufstellung eines neuen Vertrages einer gewählten Lohnkommission. Lohnsragen der Berliner Elektromonteure und Helfer wurden am Dienstag in einer öffentlichen Versammlung der Branche be» handett. Der Referent P f a f f en s ch l ä g e r und der Branchen» leite? L e i d i n g e r führten u. a. aus: Von vielen Unternehmern werde bestritten, daß die Elektromonteure keinen Anspruch aus die Ausglcichszulage für Monteure hätten, die in den Abmachungen mit dem Verband Berliner Metallindustrieller festgelegt sind. Diese Be» hauptung der Unternehmer sei wahrheitswidrig. Tatsächlich solle nach den Abmachungen die Ausgleichszulage auch für die Elektro- Monteure in Kraft treten. Die Kollegen, denen die Ausgleichszulage verweigert werde, hätten sich an die Branchenleitung des Metall- arbeiterverbandes zu wenden, damit den Unternehmern in� dieser Beziehung entgegengetreten werden könne.?ie Betriebs» Monteure, die nach richtiaer Auslegung in die zweite Kwste geHorten, uche man in niedrigere Klassen zu bringen. Sache der Betriebsrate sei es, sich nicht einseifen zu lassen, sondern das Nötige zu veranlassen. — Außer dem Verband Berliner Metallindustrieller komme als Arbeitgeberorganisation noch der Verband Deutscher Elettroinstalla» tionsbetriebe in Bettacht. Mit diesem Verbände eine Tarifoerem- barung für öbn Bezirk Berlin zu erzielen, sei bisher nicht gelungen. Verhandlungen vor dem Schlichtungsausschuß mußten vonauslg abgebrochen werden, weil die erschienenen Unternehmer erklärten, keine Vollmacht ihres Verbandes zu haben. Die Kammer hat nun diesem Verband aufgegeben, eine Mitgliederversammlung emzu» berufen und Derhandlungsvertreter zu wählen.— Natürlich habe der Metallarbeiterverband«in Interesse daran, mit dieser Organ»- fotion der kleinen Unternehmer zu einem Tarifabschluß zu kommen Sache der Kollegen iei es. sich dahinter zu setzen. Werde em Tarif auch mit dieser Unternehmergruppe abgeschlossen und von den Kol- legen zur Beachtung verholfen, dann werde man auch auf we wilden Bettiebe Einfluß gewinnen. Vor allem müsse jeder für die Stärkung der Organisatton sorgen. Der Streik in Nordsrankreich scheint sich seinem Ende zu nähern. Gestern begab sich eine Delegation der Streitenden auf Ersuchen der Regierung nach Paris._ SPD.-«ktiro»i, Neue FrtcdrtS�. 2.� grantenlasseni Witgliederoersamininng nachm. 4 Uhr im Sewerlschastshaus, Engelufer 15.__ Ms aller Welt. Sprengstosseuizündung in einer Dynamitsabrik. In der Fabrik der D y n a m i t A.- G. Schlebuch-Manfort in Köln fand vergangene Nacht in einem Raum, in dem Sprengladungen aus Trinittottluol umgeschmolzen und für die Verarbeitung als Bergbausprengstosf vor- bereitet werden, eine Entzündung statt. Das zerkleinerte Mate- rial befand sich in einem Schmelzkessel, der am nächsten Morgen unter Dampf gesetzt werden sollte. Der für diesen Bettieb eigens angestellte Nachtwächter beobachtete auf seinem Rundgang eine Flommenerscheinung an diesem Kessel, setzt« sofort die Wasserbcriese- lung in Betrieb und gleichzeitig die Alarmvorrichtung für dl« Feuer» wehr. Als er sich ungefähr 50 Meier entfernt hatte, erfolgte die Ent- zündung. Durch Glassplitter wurde ein A r b e i t e r l e i ch t ver- letzt, der die Nachtaufsicht in dem Sprengstoffgebäude hatte. Ab- gesehen von den zerbrochenen Fensterscheiben in der ttabrik, blieb die Wirkung der Entzündung auf die nächste Umgebung beschrankt. Wie der Inhalt des Kessels in Brand geraten ist, tonnt« mit Sicher- heit noch nicht festgestellt werden. Das Eisenbahnunglück in Paris. Bei dem Eisenbahnunglück im Tunnel von Batignolles, in unmittelbarer Näh« des Bahnhofs St. Lazare, wurden bis 2 Uhr morgens 16 Tote gezählt. Die meisten Leichen sind infolg« Verbrennung nicht mehr erkennbar. Wetter für morge«. Berlin und Umgegend. Trocken und überwiegend heiter, nur ,eit- weil- etwas nebelig, nacht» wieder sehr kühl, um Mitlag ziemlich mild bei mäßigen südöstlichen Winden. Veraniw fßt den redaN. Till: Dr.»erncr Pclscr. Charlollendurg: für«n, eigen: ZH.«locke. Berlin Verlag: VorwärlS-Verlag«. m. b. Berlin. Druck: Bor- wärls-BuchSruckerel u. VerlagSanflall Paul Singer«. Co., Berlin. Lindenflr. Z. C 11/20. «75. Steckbrief «III! t den Denerallimdschaftsdiriktor«tapp ans Königs. berg i. Pr. Z den Major a. D. pabfl an» Berlin den Oberst a D. Bauer au» Berlin den Arzt und'Bollewirt«eorg rvilhel«»rhlele NU« Naumburg a. E. 5. de» Schriftsteller und Redakteur Karl Schnlhl-r aus Berlin 6. den Schriftsteller Irebihsch-Llarol« au« Berlin 7. den Deneral der Insanlerie a. D. Arelyarr»an LaNwItz au» Berlin ». den Korvettenkapitön a. D. Ehrhardt au» Berlin di, flüchtig stnd oder sich verborgen halten, ist die Ilntersuchungahaft wegen Hochoerrat», begangen in Berlin im Mär, ISA. verhangt Es tnird ersucht, sie zu verhaften und in da» nächste r AngnU! abzuliefern, auch unverzüglich zu den hiesigen Vitien C 11/lW Mitteilung zu machen. Die Reichsregterung hat eine Belohnung di» zu 50000 M. llaafzlgkaufrud Ut.) für denjenigen ausgesetzt, der durch sachdienlich« An- gaben oder andere geeignete Mitwirkung zur Förderung d« Untersuchung, tnrdesondere zur Aufklärung de« Lach- r erhall» oder zur Ergreifung eine» der flüchtigen An- e.-.schuidigten beiträgt. �ersonolbofchrvibuug de» Mofor» a. V. padst: 1. Familienname: Pabft 2. Vorname: Waldemar S. Deburisort: Berlin 4. Aujenthaltsort: Berlin, Regentenftr. IS, bei Arnold 5. Dlaubeasdekenninis: evangelisch »>. Alte»! 2t. 12. 1880 geboren 7. Erötze: ca. 1 Meier 68 gentimeter 8. Haare: dunkelblond, kurz gefchnilten l>. Nase: gewöhnlich 10. N!und: gewöhnlich >l. Bart: dunielbionder, gestutzter Schnurrbart I2. S estalt: schlank ig. Sprache: deutsch 14. Besondere Kennzeichen: loine» Personalbeschreibung de» Oberste» Sauer: 1. Familienname: Bauer 2. Borname: Mar 6. Geburtsort: Quedlinburg 4. Aufenthaltsort: geHiendorf, Schweizer Str.» 5. Alter: St. 1. 186g geboren 6. Größe: ca. 1 Meter 70 Zentimeter 7. Haar: dunlelbloud 8. Rase: gewöhnlich g. Mund: gewöhnlich 10. Bart: dunkelblond gestutzter Schnurrbart 11. nirni; gewöhnlich 12. Gefichtobildung: oval 13. Gestalt: schlank 14. Sprache: deutsch 15. Besondere Kennzeichen: ruhiges, selbstb ewutztes Austreten persoualdeschreibuna de» SchriststeUerö Irebilsch-Olucolu: 1. Familienname: Trebilsch-Lincoln 2. Borname! Ignattn» 3. Geburtsort: Pak», Ungarn 4. Alter:< 4. 187» geboren 5. Beruk: Zournaliit 6. G>auben»dekennlni»: protestantisch 7. Grütze: etwa 1 Meter 80 Zentimeter 5 Gestalt: kräftig Vorsoualbescheeiduu« de»«torvetkeukapitSn» o. O. Ehrhardt: 1. Familienname: Ehrhardt 2. Bornam«: Georg, Hellmut. Hermann 8. Geburtsort: Diersburg i Baden 4. Glauben-dekenmnl,: evangelisch 5. Aller: 2«. 11. 1881 geboren Borstehender Steckbrief, der bereit» am 26. März 1220 von dem Untersuchungsrichter de« Reichigerichts »lasten war, wird hiermit erneuert. Leipztg, de« t Ottober 1921. Orr 0d«rrotq»ou»»Utz Ederwager. Billige, gute Rhein and Mosel 1 Weine| 20er Pgaizer(direkt vom Faß) m Steuer p. Liter 1 4.4«? Plaschenweine m. Fl. u. Steuer von 12.00 an 20cr Liesberger Mosel m. FL u. Steuer 14.40 19er Enkircher Riesling m. Fl. a. St 19.80 Rotwein: La Cöte STSS. 1200 PranzSa. Hennessy-, Prunier-, Pelisson- u. Derby- Cognac Derby-Veiubranii FI.4950 n.3850 Versand auch literweise i Ballons, Fassern u.Waggons Doppel-Kümmel �uur-Fiasch�00 ____ Plllalent I. k. 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