Nr.4S4«ZS. Jahrgang Ausgabe 3 Nr. 249 Bezugspreis: SierletjähtL 86,— 3Jt, monaH. 12,— M. frei ins Haus, voraus zahlbar, Post» beuigi Monatlich 12,— M. einschl. Zu- stellunasgebiihr. Unter Kreuzband für Deutschland. Danzig, das Saar- und Memelgebiet, sowie die ehemals beut- schen Gebiete Polens, Oesterreich, Ungarn und Luxemburg 22,— M, für das übrige Ausland 23,— M. Post- bestcllungen nehmen an Oesterreich. Ungarn, Tschecho- Slowakei, Däne- mark, Holland, Luxemburg, Schweden und die Schweiz. Der„Vorwärts" mit der Sonntags- bcilage„Poll und Zeit", der Unter- haltnngsbeilage„Hcimweli" und der Beilage»Siedlung und Kleingarten" erscheint wochentäglich zweimal, Eonn- tags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: «Sozialdemokrat Dcclin" Abend Ausgabe c GroB-Berlin 20 Pf. auswärts 30 Devliner Volksblsti Anzeigenpreis: Die neungespaltene Nonpareillezcile kostet K,— M.„Slelue ainjcigen" das lettgedruckte Wort 2,— Ai. szu- IMg zwei setlgcdnirktc Worte», jedes weitere Wort I,— M. 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Ein solches Verhalten würde nur der inneren Logik der Tatsachen ent- sprechen. England hält sich für gebunden, den Spruch des Völkerbundes auszuführen, wenn aber dieser Spruch nicht in Einklang mit dem Vertrag stände, dann würde diese Bindung nicht mehr besteben, denn der Völkerbund kann die Mächte von ihrer Verpflichtung, den Vertrag auszuführen, nicht be- freien. Es entsteht nun die wichtige Frage: Ist die Entscheidung vertragsmäßig oder ist s�e es nicht? Leider läßt sich eine sichere Antwort darauf nicht geben, weil eben die Entscheidung noch nicht in ihrem Wortlaut bekannt ist. Sicher ist nur, daß weder Polen noch Deutschland verpflichtet werden können. eine vertragswidrige Lösung anzunehmen. Würde die Ent- fcheidung des Völkerbundes vom Obersten Rat als rechtsgültig publiziert, aber sodann ihre Vertragsmäßigkeit von einer der beteiligten Mächte angefochten, so ergäben sich daraus für die internationale Rechtssicherheit ganz unerträgliche Folgen. Darum ist die Forderung berechtigt, daß den Vertretern Deutschlands Gelegenheit gegeben werde, vor der endgülti- gen Publizierung den Spruch des Völkerbundes aus seine Vertragsmäßigkeit zu prüfen und etwaige Einwände geltend zu machen. Daß den Polen, die im Völkerbund oertreten find, die Gelegenheit dazu nicht fehlt, darf als sicher onge- Nammen werden. Schon jetzt wird vielfach die Ansicht vertreten, daß der Spruch des Völkerbundes tatsächlich vertragswidrig ist und alles, was über ihn bekannt geworden ist, gibt in dieser Be- Ziehung Anlaß zu ernsten Bedenken. Es liegt daher im Interesse des dauernden Friedens, daß dieser Spruch nicht eher in Kraft gesetzt wird, bevor seine Vereinbarkeit mit dem Dokument von Versailles durch eine gerechte und unparteiische Entscheidung festgestellt ist. Eine solche Entscheidung kann aber nicht gefällt werden, ohne daß Deutschland über diese Frage gehört worden ist. Prüfung ües völkerbunövorjchlags! Pari». 1Z. Oktober.((£<£.) wie der.Petit Parisien" an». fährt, hat die französische Regierung der englischen Regierung am S. Oktober mitgeteilt, daß eine Tagung des Obersten Rate» nuhlo» wäre und daß es am einfachsten wäre, die Pol- schafterkonferenz zu beauftragen, die über Oberschlesien gefällte Enl- fcheidung in Srast treten zu lassen. 3 n London aber steht man, wie bereit» gestern mitgeteilt wurde, aus dem Standpunkt, daß man zunächst die Lösung des Völkerbundes kennen lernen müsse und daß man besten sicher sein müsse, daß sie nicht den P e st i m m u n g e n des Verfailler Vertrages widerspreche. Diese Prüfung. die London wünscht, erregt in Paris zweifellos Mißvergnügen. Paris. 13. Oktober.(WTB.) Wie der„Matin" aus London meldet, wird im Laufe der nächsten oder übernächsten Woche der Oberste Rat in London zusammentreten, um die Entscheidung des Lölkerbundrates in betreff Oberschtestens zu er. örtern. Pari«, 13. Oktober.(EE.) Eine Turiner Meldung des„Jour> nal" besagt, daß der Pariser Korrespondent der„(Bazeta del Popolo" dahin informiert sei, daß Briand in Rom und in London die Forderungen erhoben habe, die ganze Angelegenheit, um ihre Lösung zu beschleunigen, der Botschafterkonferenz zu übertragen. Italien habe sich mit diesem Vorschlage bereits e i n v e r» standen erklärt. Man erwarte jetzt nur noch die Antwort Eng- lands, die heute morgen eintreffen solle. Falls auch die Antwort Englands günstig laute, könne der Genfer Beschluß bezüglich Ober- schlesiens sofort veröffentlicht werden. französische Seüenken Pari», 12- Oktober.(WTB.) Auf französischer Seite beginnen sich Bedenken gegen die Genfer Lösung geltend zu machen, und es ist bezeichnend, daß ein so gouoernementales Blatt wie das„Jour- nal" heute in dem Schiedsspruch des Völkerbundes dunkle Punkte findet. Zunächst ist es nicht selbstverständlich, daß die Deutschen die wichtigsten Mittelpunkte der Produktion behalten, und dem„Jour- nal" ist es namentlich peinlich, daß der Bahnhof von Glei- w i tz in deutsche« Händen bleiben soll. Aber auch noch andere Ge- fahren erblickt das„Journal" in der Genfer Lösung. Ihrer Pflicht bewußte Schiedsrichter könnten das Industriegebiet nach ethno- graphischen Gesichtspunkten aufteilen, sie würden sich ober nicht vsr- hehlen können, daß eine solche Teilung den Ruin des wirt- schaftlichen Organismus herbeiführen müßte. Deshalb hätte es Frankreich am liebsten gesehen, wenn das ganze Industrie- gsbiet an Polen gefallen wäre. Aber der Völkerbund glaubt, die territoriale mit der wirtschaftlichen Einheit verbinden zu können, indem er das ganze Gebiet unter die Kontrolls einer gemischten Kommission stellen will. Besser wäre es gewesen, er hätte sich für die Annahme beider Möglichkeiten entschieden. Denn entweder bleibt diese Kommistion eine Fiktion, und dann wird sie die all- mähliche Auflösung nicht verhindern können, oder sie enifaltet eine wirtsame Tätigkeit— und dann wird sie zugunsten Deutsch- lands arbeiten, denn Deutschland hat alle Borteile in Händen, die bereits erworbenen Stellungen und den Mechanismus seiner Arbeiterorganisationen. Polen kann auf diesem Gebiete mit Deutschland in keinen Wettbewerb treten. Das„Journal" fragt daher: Wie lange wird, wenn die wirtschaftliche Einheit aufrechterhalten bleiben soll, die territoriale Einheit bestehen? Die teuren Gaspreise sollen nach den Behauptungen der bürgerlichen Presse und Alugblätter durch die«rote Mehrheit" in der Berliner Stadwerverwaltung verschuldet sein. Aber in allen Großstädten, die eine bürgerliche Mehrheit haben sind die preise für Gas, Elektrizität und Straßen- bahn viel höher als in Berlin Siegt am 1ö. Oktober der Bürgerblock, so werden die BerlinerstädtischenBetriebeden Privatkapitalisten ausgeliefert und die Bevölkerung wird dann dieselben hohen Sätze zahlen müssen, wie in den anderen Städten. Wollt Ihr das verhindern, dann wählt sozialdemokratisch (SPD.) Sine neue Sachverstänüigenkommijsion. Genf, 13. Oktober.(WTB.) Der Völkerbundrat oerösfentlicht die von ihm den Sachverständigen erteilten allgemeinen In- struktionen, die wie folgt lauten: Die vier vom Völkerbund mit der V c r p r ü s u n g der ober- schlesischcn Frage beauftragten Mitglieder verlangen von den von ihnen bezeichneten Sachverständigen die Bezeichnung der allge- meinen Maßnahmen, deren Anwendung geeignet erscheint, den u n- ge st orten Fortgang des wirtschaftlichen Lebens in Oberschlesien zu sichern und die Schwierigkeiten der Uebergangs- zeit auf ein Mindestmaß herabzusetzen. Die Sachverständigen werden eingeladen, die Bedürfnisse des Gebietes zu beurteilen vom Ge- sichtspunkt der Interessen der Industrie, der Finanz und Verwaltung. Sie haben insbesondere zu prüfen die Frage betreffend den Transport, die Berteilung der Wasser- und der Elektrizitätskräfte, den Austausch der Brennstoffe, der Rohstoffe und der Handarbeit, die finanziellen Organisationen der Industrie, die auf Grund einer Konzession erworbenen Rechte, das Zoll- regime und die soziale Gesetzgebung. Sie werden ebenso eingeladen, ihre Meinung abzugeben über die-Dauer der von ihnen für die notwendige Uebergangszcit in Aussicht genommenen Bestimmungen. Sie richten sich in ihrer Arbeit nach Möglichkeit nach analogen Fällen von politischer Trennung und Wirtschaft- licher Wiederanpassung, wie sie bei Grenzverschiebungen in Europa ausgefallen sind. Die Sachverständigen haben ihren Bericht binnen kürzester Frist einzureichen. Sie können Erkundi- gungen einziehen von allen zuständigen Persönlichkeiten, sofern sie es als wünschenswert erachten, auch von deutschen oder polnischen Bewohnern des Abstimmungsgebietes. Wann kommt die Beröffentlichung? Genf, 12. Oktober.(WTB.) Der Beschluß des Obersten Rates über die Lösung der oberschleslschen Frage soll erst nach er- folgter Motivierung an die Regierungen in Berlin und Warschau veröffentlicht werden. Wie man hier heute abend erfährt, soll die Veröffentlichung in den Entcntehauptstädten vor den ver- sammelten Pressevertretern stattfinden. In Paris werden Jshii und Bourgeois, in London Balfour und in Rom Imperial!, in Genf der Generaldirektor Sir Eric Drummond der Presse den amtlichen Text mitteilen. Der amtliche Gericht des völkerbunües. Genf, 12. Oktober.(WTB.) Das Bölkerbundsckrc. t a r i a t gab heute abend folgende amtliche Mitteilung aus, in der die für die Versammlung in der oberschlesischcn Frage maßgebenden Gesichtspunkte dargelegt werden, ohne daß ab« über die Lösung selbst Mitteilungen gemacht werden. Der Völkerbundrat hat seine Arbeiten über die Festsetzung der Grenze in Oberschlesien beendet. Ein Kurier, der heute abend nach Pari» adgeht. wird Herrn Briand, amtierendem Präsidenten des Obersten Rates, die Ant- wort des Völterbundrates auf die Einladung überbringen, die er am 12. August an den Rat richtete mit dem Ersuchen, dem Obersten Rat bei der Lösung des oberschlefifchen Problems Beistand zu leisten. Bei der Prüfung dieses Problems mußte auf Grund der Bestimmungen des Vertrages der Völkerbundrat sowohl die in der Voltsabstimmung zum Ausdruck gekommenen Wünsche der Be- völkerung, wie auch die wirtschaftliche«nd geographische Lage des Landes in Betracht ziehen. Eine ernste Schwierigkeit«gab sich daraus, daß die Bewohner, die für Deutschland gestimmt hatten, mit den Bewohnern, die ihre Stimme für Polen abgegeben hatten, miteinander vermengt leben, und zwar in einem Verhältnis, das zwar nicht immer das gleiche. aber in dem dichtbevölkerten Lande doch stets sehr beträchtlich ist, und zwar sowohl unter wirtschafttichen als auch geographischen Ge- sichtspunkten. Eine Grenz« war undenkbar, die Be- wohner, die für Deutschland gestimmt hatten, nicht an Polen gegeben hätte, so daß dem Rat kein anderer Ausweg blieb, als diesen Fall dadurch zu verringern, daß er die Grenze so sehr wie möglich dem Abstimmungs«gebnis anpaßte. Eine derartige Grenzlinie hätte jedoch Gebiete zerschnitten, die industriell eng von- einander abhängen. Die Aufstellung einer neuen Grenze» in einem Gebiet, das sich wirtschaftlich unter denselben Gesichts- punkten und mit denselben Bedingungen entwickelt hatte, müßte auf beiden Seiten der Grenze die verhängnisvollsten Folgen haben. Das wäre auch hier der Fall gewesen, wenn die Errichtung einer neuen Zollgrenze die Auflösung der öffentlichen Betriebe, wie der Bergwerke, den Umlauf deutschen Geldes, das Inkrafttreten einer neuen bürgerlichen und industriellen Gesetzgebung mit sich gebracht hätte. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten könnten unmöglich nur durch leichte Abänderung ein« einzig ans Grund der Doltsabslim- mung«langten Grenze behoben NHrrden. So gibt es Gebiete, in denen die Abstimmung der einen oder anderen Nationalität ein zweifelloses, wenn auch nicht überragendes Uebergewicht gesichert hatte. Selbst, wenn man nun diese Gebiete nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten und nicht auf Grund der Bolksabstimmung ge- teilt hätte, würde die Grenze aufs engste mtkeinand« v«knüpfle wirtschaftliche Gruppen znschneiden. Der Rat sah sich daher folgender Lage gegenüb«: Eine Grenzlinie, die nicht das Industriegebiet zerschneidet, würde die Hoffnungen und Wünsche von nicht etwa kleinen Mehr- heiten in unwichtigen Gebieten, sondern von entscheidenden Mehr- heilen in sehr wichtigen Gebieten vernichtet haben. Tatsächlich hat nun aber die Bolksabstimmung diese Hoffnungen und Wünsche nicht nur zugelassen, sondern auch ermutigt. Das waren die dem Problem innewohnenden Schwi«igkeiten. Langwierige V«handlungen, die sich mehr als zwei Jahr« nach dem Friedensschluß hinzogen und eine große Bevölkerung in angstvoller Ungewißheit über ihr politisches Schicksal ließen, haben diese Schwi«igke!ten noch beträchtlich ver- mehrt. Mit der Prüfung des Problems beauftragte der Rat zunächst einen Ausschuß, der sich aus vi« Ratsmitgliedern zusammensetzte, und zwar aus den Vertretern Belgiens, Brasiliens, Chinas und Spaniens. Seme Arbeiten überzeugten den Ausschuß davon, daß die Frage nicht dadurch gelöst werden könne, indem einfach eine Grenzlinie aufgestellt werde entweder ausschließlich auf Grund der Volksabstimmung, oder auf Grund wirtschaftlicher Ueb-erlegungen oder infolge eines Ausgleiches zwischen beiden Methoden. Hätte man ohne eine andere Bestimmung die Grenze nach einer dieser Methoden aufgestellt, so wäre man zu den verhängnisvollsten Er- scheinungen gelangt. Infolgedessen beschloß der Vier er rat nach gründlichem Studium, eine neue Grenzlinie zu empfehlen und vorzuschlagen, daß während einer bestimmten Periode Garantien gegen jede Vernichtung der gegenwärtigen wirtschaftlichen Bedingungen geboten werden, wobei diese Periode lange genug währen müsse, um eine vollständige und wirk- same wirtschaftliche Anpassung zu ermöglichen. Allgemein anerkannte Sachverständige und Fachleute wurden damit beauftragt, die gleichfalls notwendigen wirtschaftlichen Bestimmungen zu studieren. Di« betreffenden Personen ge- hörten den technischen Organisationen des Bölkerlmndes an und [rr ;■ unterlagen keinerlei Einflüssen, sowohl was ihre NationalitZt als auch die Politik der Behörden betrifft, von denen sie ernannt wurden. Sie wurden von den vier Ratsmitgliedern ausgefordert, di« allge- meinen Maßnahmen zu untersuchen, welche die Fortführung des Wirtschaftslebens in Oberschlesien sichern und die Schwierigkeiten der U eb er g an g s per i o d e auf ein Mindestmaß beschränken müssen. Die Projekt«, in denen die betreffenden wirtschaftlichen Be- � stimmungen vorgeschlagen werden, sehen in einer langen Penade, in gewissen Fällen für 15 Iahre eine Reihe von Vereinbarungen vor. Dies« Vereinbarungen beziehen sich aus«ine unparteiische und gerechte Regelung der Eisenbahnfrage, die Wasser» und Elektrizitäts- Versorgung, die Zollsreiheit für zahlreiche Erzeugnisse, wie Kohlen und Zink, die Beibehaltung der deutschen Mark als gesetzliches Zahlungsmittel in den an Polen abgetretenen Gebieten. Der Rat schlug gleichzeitig mit der Annahme dieser Projekte Garantien für die polltischen Minderheiten vor, da er hierin ein« wesentliche Ergänzung einer politischen Grenz- sührung erblickt. Rur auf diese Weise war es möglich, den politischen Wünschen der Einwohner die größte Befriedigung zu gewähren und ihnen gleichzeitig den Fortbestand des wirtschaftlichen Wohlergehens zu sichern. Die Schlußansprache. Gens, 12. Oktober.(WTB.) Die Tagung des Völkerbundrates über die oberschleflsche Frage ging heute zu Ende. Gegen 6 Uhr abend» unterzeichneten die Ratemitgliede? das Schlußprotokoll. Am Schluß der letzten Ratssitzung hielt Baron IshU. Präsident der Tagung für die oberschlesische Frage, folgende Ansprache: Meine Herren, der Völkerbundrat schätzt sich glücklich, bei der Lösung einer der schwierigsten und verwickeltsten Fragen angelangt zu sein Er hat, davon bin ich überzeugt, eine der wichtigsten Auf- gaben, die ihm nufactragen wurden, mit Erfolg durchgeführt. Es ist dies eine entscheidende Stunde im Leben de» Völkerbundes. Gestatten Sie mir, bei dieser feierlichen Gelegenheit im Namen meiner franzo- fischen, englischen und italienischen Kollegen, wie auch in meinem eigenen Namen imseren vier Kollegen aus Belgien, Brasilien, China und Spanien dafür zu danken, daß sie dem Rat ihre wertvolle Hilfe gewährten. Das Ergebnis ihrer Arbeiten ist vom Geiste der Recht- l i ch k e i t und hohen Unparteilichkeit erfüllt. Gleichzeitig kann ich nicht umhin, den ehrenwerten Vertretern Englands, Frank- reich? und Italiens meinen aufrichtigen Dank auszusprechen. Sie haben trotz der großen nationalen Interessen, die auf dem Spiele standen, eklatante Beweise ihrer Versöhnlichkeit gegeben. So gelang es uns, eins glückliche Lösung des Problems zu er- zielen. Gestatten Sie mir im Namen des Rates, unserem hervor- ragenden Generalsekretär und seinen Mitarbeitern vom Sekretariat für die wertvolle und unermüdliche Mithilfe bei den Arbeiten unserer vier Berichterstottcr zu danken. Schließlich bitte Ich Sie, meinen persönlichen tiesgefühlten Dank dafür entgegenzunehmen, daß Sie mir die unverdiente Ehre erwiesen, bei dieser denkwürdigen, nunmehr geschichtlichen Sitzung über die oberschlesische Frage zu präsidieren, deren soeben erfolgt« Lösung nicht verfehlen wird, in hohem Maße zur Erhaltung de» Frieden» in Europa und in der Welt beizutragen. vor öer Reichstagssitzung. Tagung der Demokraten. Heute nachmittag treten im Reichstag die demokratische Reichs- und Landtagsfraktion zur Beratung der augenblick» lichen Lage zusammen. Die sozialdemokratische Reichstags- sraktion wird voraussichtlich am Tage vor Zusammentritt des Reichstags einberufen werden, soweit nicht ein früherer Zu- sammentritt notwendig erscheint. Die Einberufung des Reichstags wird aller Wahrscheinlichkeit nach Anfang der nächsten Woche erfolgen. Die Nachricht von einer Demokratentagung erregt unter den gegenwärtigen Umständen gewisse Sorgen, da die Demo- traten bisher leider stets in allen kritischen Zeitläuften den Herd der Nervosität innerhalb der Koalition gebildet haben. Hoffentlich werden die Demokraten diesmal nicht eine Haltung einnehmen, auf die man das Wort anwenden könnte: „Mehr Angst als Vaterlandsliebe!" Hoffentlich werden sie oissehen, daß jetzt am allerwenigsten Zeit ist für eine Politik parteitaktischer Spekulationen, sondern daß es sich jetzt darum Eesinöung oöer Entwicklung! In der heute herrschenden Geschichtsauffassung wird die Be- deutung des Einzclmenschen für die historische Entwicklung gewaltig übertrieben Tüchtige Feldherren erscheinen in der bürgerlichen Ge- fchichtzausfassung als der Motor der Weltgeschichte. Mit keinem Wort, oder bestenfalls ganz nebenbei wird die ökonomische Triebkraft der Geschichte aufgezeigt. Ebenso falsch ist das all- gemeine Urteil über die kulturelle Entwicklung der Menschheit. Da heißt es einfach: Gutenberg hat den Buchdruck erfunden, v. Drais das Fahrrad, Stephenson die Lokomotive, Zeppelin das lenkbare Luftschiff usw. Mit dem Glorienschein des genialen Erfinders werden alle diese Männer umgeben. Staunend erfährt die Nachwelt van der überragenden, der fast zauberhaften Begabung vieler Erfinder. Sie erfährt aber nichts davon, daß nicht Genie und spontane Erfindung die Kulturgüter der Menschheit vervollkommneten, sondern daß die Arbeit der als Erfinder gerühmten Menschen vornehmlich in der Prüfung der bereits vorhandenen technischen Leistungen auf einem bestimmten Gebiet, in ihrer oft nur geringfügigen Ergänzung und vor allem in ihrer Nutzbarmachung bestand. Die Geschichte des Fahrrades ist dafür ein außerordentlich lehrreiches Beispiel. Bereits im 17. Jahrhundert existierten vier- rädige Wagen, die durcb die Insassen selbst in Bewegung gesetzt wer- den konnten. Die im Jahre 1816 von Drais erfundene Grundform des heutigen Fahrrades, die„Draisine", war bereits zwanzia Jahre vorher in Poris aufgetaucht. Dos Nürnberger germanische Museum birgt gor eine der Draisine ähnliche„Laufmaschine", die aus der ersten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts stammen soll. An der 1818„erfundenen" Draisine war nichts neu, wie das lenkbare Vorder- rad. Ueberall zeigte sich ein lebhaftes Interesse für dieses neue Vor- kebrsmittel. Dieses Interesse erlasch nach einigen Jahren wieder. Im Jahre 1882 oersah ein Pariser Ingenieur das Vorderrad mit zwei Tretkurbeln, der Sattel wurde bequemer angebracht. Man versuchte zunächst, die Geschwindigkeit durch Vergrößerung de» Vorderrades zu vergrößern, dieser folgte die Einführung der Kcttenübersetzung. Die Folge war eine größere Gefährlichkeit. Zur Herabminderung der Gefahr wurde dos Vorderrad wieder verkleinert und allmählich der Rahmen verbessert, bis die heute noch gebräuchliche Form des Fahrrades entstand, die vor etwa 25 Iahren durch billige Her- stellunasmöalichkeit vom Luxus- zum Gebrauchsgegenstand wurde. Aehnlich war es mit der Erfindung des Buchdrucks. Ihre Grundform— Siegelring und Münzstempel— sind uralt. Bereits die Assyrcr besaßen Siegclznlindcr. mit denen sie Texte in weichen Ton eingruben. Die Chinesen hatten flache Holzvlotten mit einge- schnitzten Sätzen, die sie auf Papier druckten. Im Mittelalter wurden bereits in Europa Vordrucklettern für Initiale verwendet. Man sieht, daß für Gutenberg wirklich kein Zauberwerk mehr zu tun war. Die„Erfindung" der Lokomotive charakterisiert am treff- l'chsten ein Ausspruch ihres..Erfinders" Stepdenson. Er sagte:„Die � Lakomntwe Ist nickt die Erfindung eines Mannes, sondern einer Notion von Maschineningenieuren." n. Die Jahrhunderte zurückweisende Vorgeschichte der Erfindung � des lenkbaren Flugapparates ist allgemeiner bekannt, ßit meist i k~L handelt, das Reich mit fester Hand über die drohende inners Krise himoegzubrmgen. Mögen die Demokraten also ivenig- stens diesmal den Kopf oben behalten! » Die deutschinonarchistische(sog. deutschnationale) Reichs- tagsfraktion fordert die sofortige Einberufuna des Reichs- tags, damit dieser zu der„bevorstehenden" Entscheidung über ' Oberschlesien noch Stellung nehmen könne. Soviel bekannt, steht aber die Enffcheidung nicht mehr bevor, sondern sie ist bereits gefallen, nur noch nicht bekannd Wäre sie noch nicht gefallen, so würde sie durch deutschinonarchistische Reden sicher nicht günstig beeinflußt. Uebrigens tritt der Äeltestenausschuß heute um 7 Uhr abends zusammen. Ein Aufruf öer deutschmonarchisten. Der Vorstand der Deutschnationalen Volkspartei ver- öffentlicht eine Kundgebung, in der die R e i ch s r e g i e r u n g aufgefordert wird, wegen der ungünstigen Entscheidung über Oberschlesien die Führung zu ergreifen und an allen Orten wie aus allen Kreisen der Bevölkerung heraus wuchtige g e- meinfame Kundgebungen herbeizuführen. Wenn in dem Aufruf gesagt wird, dies« Angelegenheit sei keine Parteisache, sondern eine Sache des ganzen Volkes, so ist dem zuzustimmen. Wir können jedoch nicht der Auffassung bei» pflichten, daß dieser Sache durch Protestkundgebungen gedient wird, di« bei der allgemeinen Erregung nur zu leicht die beteiligten nationalistischen Kreise zu„Aktionen" hinreißen könnten, welche der gemeinsamen Sache des Volkes nur schaden würden. Wir sind der Auffassung, daß gerade im gegenwärtigen Augenblick der Bevölkerung am besten gedient wird, wenn man jede Aufpeitschung der nationalen Leiden- schaften unterläßt und auf eine Demonstrationspolitik ver- zichtet, die bei dem bekannten Mangel an Takt, den die Deutsch- nationalen bewiesen haben, nur neue inner- und außenpolitische Komplikationen herbeizuführen geeignet ist. Kampf üem Lebensmittelwucher! Aon der preußischen Landtagsfraktton wird uns mstgeteist: Die vom„Vorwärts" angekündigten Maßnahmen zum Antrag der Deutschnationalen, daß das Diensteintommm für Beamten und Lehrer automatisch dem Wert des Geldes angepaßt werden soll, haben sich zu folgendem Antrag Braun und Genossen ver- dichtet, in dem unter Punkt 3 deutlich gesagt wird, woher di« Mittel zu seiner Ausführung genommen werden sollen. Der Antrag lautet: Der Landtag wolle beschließen, 1. durchgreifende Maßnahmen zur wirksamen Bekämpfung des täglich zunehmenden Wuchers mit Lebensmitteln und sonstigen notwendigen Bedarf»- artikeln, unter dem die Arbeiter, Angestellten und Beamten schwer leiden, zu treffen: 2. allen im Staatsdienst stehenden Per- sonen, Pensionären und Hinterbliebenen eine dem Grade der Teue- rung entsprechende Zulage zu den Bezügen schnellstens zu ge- währen; 3. das Staatsmimsterium zu ersuchen, dem Landtage zur Aufbringung der dazu erforderlichen Mittel sogleich den Entwurf zu einem Grundsteuergesetz zugehen zu lassen, da» vornehm- lich den durch die Teuerung hohe Gewinne erzielenden Groß- grundbesitz schärfstens heranzieht. Gleichzeittg interpellieren die Genossen Braun, Peters und Husemann die Regierung, was geschehen sei, um ein« planmäßige Versorgung der Bevölkerung mit Kartoffeln zu erträglichen Preisen zu ermöglichen und was geschehen soll, um den Wucher mit Kartoffeln zu unterbinden. Sie weisen in ihrer Anfrage darauf hin, daß es der braunschweigischen Regierung z. B. gelungen ist, den Preis für Kartoffeln auf 35 M. für den Zentner festzusetzen, während sonst Preise von 70 und 80 M. keine Selten- heit sind. Protest des preußischen Landtage». Zu Beginn der heutigen Landtagssitzung wird der Präsident eine Erklärung abgeben, die gegen die beabsichtigte Teilung Oberschlesren» prote» stiert und den Standpunkt des deotsches Aolbe» ln dieser Frage zum Ausdruck bringt. ebenso wie die besprochenen Beispiele, die wir dem Buche von Alfred Vierkandt„Die Stetigkeit im Kulturwandel" entnahmen, und die sich beliebig vermehren ließen, auf die Kontinuität in der Entwicklung hin. Nicht auf der Genialität und der schöpferischen Kraft e i n z e l» ner Menschen beruht der Fortschritt, sondern auf dem emsigen Zusammenwirken, auf der Schaffensfreude Unzähliger. Junge rheinische Kunst. Im Kronprinzenpalais wurde heute mittag eine Ausstellung'moderner Maler des Rheinlands er- öffnet. Sie bietet dem großen Publikum keinerlei Sensation, ober dem Kunstfreunde Freude, Anregung und Belehrung. August Macke, Heinrich Eampendonck, Nauen, Seehaus u. a. marschieren aus. Alles gute Bekannte, die uns im einzelnen nichts Neues mehr offenbaren, die aber durch ihre Gesamtwirkung tnter- essont werden. Denn man konstatiert hier unter Künstlern, die im Innersten einander wesensfremd sind, eine Art„Familienähnlichkeit", di« nie zuvor so deutlich zutage getreten ist, die überrascht und zum Nachdenken anregt. Das Band einer gemeinsamen Schule, wie es früher die Düsseldorfer Akademie für die rheinische Kunst bedeutete, besteht heute nicht mehr. Die rheinische Luft und das rheinische Blut schaffen allein diese Zusammenhänge. Farbenfreude, die sich gern im Lichten, Reinen und Klaren ergeht und die ganz bestimmte, immer wiederkehrende koloristische Harmonien bevorzugt, bildet den charachteristischen Grundton. Um diesen einigenden Grundton noch sinnfälliger hervortreten zu lassen, haben die Arrangeure der Aus- stellung die Arbeiten nicht nach den Künstlern gruppiert, sondern nach dekorativen Gesichtspunkten. So sind Wände zustande gekommen, die vollkommen einheitlich, wie„aus einem Guß" wirken und doch aus Werken ganz verschieden gearteter Persönlichkeiten zusammen- gesetzt sind. Namentlich die Wand, an der Eampendonck mit Macke abwechselt, wirkt überraschend. Die Malerei der jungen Rheinländer ist aufs feinste kultiviert, ober ihr mangelt die urwüchsige Kraft des Ausdrucks. Sie schwelgt in zarten Nuancen, die der einfühlenden Betrachtung immer neue Reize offenbaren, ober sie dringt nur selten in seelisch« Tiefen. Es ist eine wohlerzoaene, liebenswürdige, meist heitere Kunst, ein er- lesener Schmuck für die gute Stube des guten Europäers, aber die aufrüttelnden Fanfaren der revolutionären Gegenwart tönen nicht in ihr.' I. S. Unser Archäologisches Institut in Athen, das jetzt bereit» fast 50 Jahre besteht und auf plürncnde Leistungen zurückblickt, war wah- rend des Krieges von der griechischen Regierung beschlagnahmt und als Töchterschule verwendet worden. Nach dem Frieden aber haben die Griechen das Gebäude dem Deutschen Reich zurückgegeben, obwohl sie es nach dem Versailler Vertrag« hätten behalten oder wenigstens ein paar Millionen Mar? dafür hätten verlanoen können; sie taten di?» wegen der großen Verdienste, die sich das Institut um Griechen- land erworben habe. Dos Institut ist daraufhin im Herbst 1920 wieder eröffnet worden, nahm seine Vorträge und Arbeiten auf und knüpfte auch Beziebunqen zu den Instituten der anderen Nationen an. Die künftigen Aufgaben des Instituts werden sich nach einem in der„Kunftchronik" wiedergegebenen Bericht Dörpfelds darauf zu be» schränken haben» haß Van nur kleine Nachgrabungen unternimmt Maurenbrecher unö öie»Deutsche Zeitung*'. Wir hören, daß Maurenbrecher auf unbestimmte Zeit in Urlaub gegangen ist, um nicht mehr in die„Deutsche Zeitung" zu- rückzukehren. Leute, die es wissen müssen, behaupten, er habe seine deutschmonarchistischen Freunde zu rasch kennengekernt, er könne sie nicht mehr vertragen. Schiele nach Leipzig übergeführt. ZNüncheu, 13. Oktober.(WTB.) Der von der bayerischen Grenzpolizei in Salzburg verhaftete Arzt und Volkswirt Dr. Wss- Helm Schiele, welcher wegen Teilnahme am Kapp-Putsch steck- brieflich verfolgt war. wurde gestern auf Verlangen de» Reichs- amvalts vom Münchner Gerichtsgefängnis nach Leipzig übergeführt. ßestzug ober Gefangenentransport! Am Sonntag, den v. Oktober, sollte in Menden, Kreis Iser- lohn, eine Jahresfeier der dortigen militärischen Dereine nebst dazu- gehörigem Festzug durch die Stadt elfolgen. Einige Tage vorher durchlief das Gerücht die Stadt, der Festzug solle von den Arbeiter- Parteien gesprengt werden. Da die hohe Behörde hierüber in Sorge geriet, bat sie unsere Parteigenossen zu einer Sitzung, als deren Ergebnis die Kriegervereinler zusagten, jede Provokation zu unterlassen, wofür unsere Genossen versprachen, keine Gegendemon- stratton einzuberufen. Nachmittags um 3 Uhr wurde es plötzlich lebendig in der Stadt, und die Schupo rückte heran. Es erschien ein Lastauto mit 40 bis 50 Mann und besetzte den Balkon des Rathauses. Unter dem Schutz der Polizei nahmen die Vereine auf dem Markt- platz Ausstellung. Bevor sich der Festzug in Bewegung setzte, er- scholl das Kommando: Laden und sichern! An der Spitze des Zuges ritten Landjäger mit umgehängten Karabinern. Es folgte die erste Fahne, die ebenfalls bewaffnet war, und an den Seiten des Zuges wie am Schluß waren gleichfalls bewaffnete Mannschaften, so■ daß der.Festzug" eher einem Gefangenen- transport ähnelte. Daß über diese lächerliche Demonstration in der ganzen Stadt gewallige Heiterkeit entstand, bedarf kaum be- sonderer Erwähnung. Wann werden wohl unsere braven Spießer einsehen, daß sie sich durch derartige Schildbürgerstreiche zum oll- gemeinen Gespött machen? Hunger unö Staatsform. Jeder in der Agitation Tätige weiß, wie die unbestreitbare Lebensmittelteuerung von den K o m m u n i st e n für ihre politischen Zwecke ausgebeutet wird. Mag es sich auch zehnfach um Folge- erscheinungen des Weltkrieges handeln, für olles machen die Kommunisten die„bürgerliche" Demokratie verantwortlich, uns Sozialdemokraten in erster Linie. Natürlich verheißen sie auch, daß mit dem Siege des Kommunismus alle Not ein Ende haben würde. Nun lesen wir in der„Roten F a h n e' vom Mittwoch, den 12. Oktober, in einem Propagandaartikel zur Unterstützung Sowjet- rußlands(erste Beilage, erste Seite) wörtlich folgendes: Immer dringender kommen die Hilferufe aus Ruß- land zu uns. und immer dringender wird es einfach Menschen- Pflicht, zu helfen. Wir, die wir hier, gemessen au dem Mangel dort, lleberssuh an Brök, heisch. Aett und anderen guten Dingen haben und die wir selbst in den schwersten Kriegs- Hungerszeiten doch nicht so den Hunger, den vol. ligen Nahrungsmangel gekannt haben, können nur schwer zu einem lebendigen, qualvollen Leidenempfinden für die Leiden der zu Millionen zum Hungertod Verdammten kommen. Wenn ein anderer den deutschen Arbellern erzählle, daß sie Ueberfluß an Brot, Fleisch,-Fett und anderen guten Dingen hätten, so würde die„Rote Fahne" sich wohl nicht genug über dreiste Verhöhnung der Arbeiterschaft entrüsten können. Sie wird sich darauf berufen, daß sie nur von einem verhältnismäßigen Ueberfluß im Vergleich zu dem völlig verhungerten Rußland ge- sprachen habe. Aber gerade durch diesen Vergleich trttt die Verlogenheit der kommunistischen Agitation klar zutage. Denn wenn unser tatsächlicher und unbestreitbarer Mangel gemessen cn dem russischen Elend noch immer glänzender Ueberfluß ist. so kann unser Mangel unmöglich die Folge davon sein, daß wir uns nicht gleich Ruhland zu den Grundsätzen des B o l s ch e- und die sonstige Lehr- und Forschungstätigkeit ausbaut. Infolge der Entwertung des deutschen Geldes kann an große eigene Gra- bungen Deutschlands, wie sie vor dem Kriege durchgeführt wurden, zunächst nicht mehr gedacht werden. Doch bleibt das Institut eine vortreffliche Schule für junge Gelehrte, die es allerdings bei dem gegenwärtig in Griechenland für uns außerordentlich teuren Leben schwer haben werden; sie können sich aber durch Erteilen von Unter- richt an der deutschen und an griechischen Schulen die Mittel zum Unterhalt erwerben. Das Archäologische Institut und alle seine Mitglieder finden bei der griechischen Regierung volle Unterstützung: sie werden auch wieder wie vor dem Kriege bei den griechischen Ausgrabungen zugelassen und sogar beteiligt. Die reiche Bibliothek des Instituts wird von griechischen und fremden Archäologen benutzt, di« Veröffentlichungen der verschiedenen Institute werden wieder ausgetauscht, und so knüpfen sich in Athen auf dem Gebiete der archäologischen Wissen- schaften die durch den Krieg unterbrochenen Beziehungen der ver- schiedenen Nationen von neuem. Leben auf dem Mond? Der bekannte Astronom der Havard- Sternwarte, Prof. W. H. Pickerino. veröffentlicht in„Populär Astronomy" einen Artikel, der die Ergebnisse semer vom August 1S20 bis Februar 1921 gemachten Beobachtungen wiedergibt. Er bekämpft darin die bisher allgemein angenommene Ansicht. daß auf dem Mond alles Leben erloschen sei. Bon einem der Krater, wie fi« die Oberfläche des Mondes in großer Anzahl be- decken, hat Pickering viele Photographien angefertigt, und ist auf Grund dieser Ausnahmen der Ueberzeugungz daß sich auf dem Mond Flächen mit Nflanzenwuchs befinden. Die Vegetation schließt noch der Ansscht de» Astronomen cm jedem Mondtag, der ja vier- zehnmal so lana als unser Tag ist, mit ungeheurer Schnelligkeit auf. In den Kratern muß es nach Pickertnq Waffer und hin- reichende Hitze geben: er will auch auffteiaenden Rauch beobackuet haben. Pickerings Erklärung geht dahin, dag die Sonnenfttahlen. wenn der Mond aus seiner Periode der Dunkelheit auftaucht, seine Ob«rfläche so stark erwärmen, daß in den Kraterfeldern das Pflanzenleben p i l z a r t i g aufwuchert. Dadurch sollen die wechselnden Bcobachtunaen auf der Oberfläch? des Mondes erklärt werden, die den am Mars gemachten gleichen. Irgendeine Er- scheinung mineralischer oder unorganischer Natur könne di« Ursache nicht sein.� Uebrigens sollen die Platten auch zeigen, daß auf dem Mond Wirbel- und Schneestürme, sowie vulkanische Ausbrüche häusig sind. Jedenfalls fei kein Zweifel, daß auk beiden Planeten Leben vorhanden sei,»nd daß wir also gewisser- maßen„vor unseren Türen" eine lebendige West anzunehmen hätten, deren Bedingungen ln mancher Beziehung denen auf dem Mars glichen, wenn sie auch äußerst verschieden von denen aus unserem eigenen Planeten seien. TaS erste Tonntag-Mittags-Konzert Im Schiller- Tbeater Cbarlottenburq am kommenden Sonntag öeginnt pilnktllch II1/, Ndr und bringt unter Mitwirkung von Prot. Leonid Kreutzer Beetboden« Klavier. Trio in v-äur op. 97 und Schubert« Forellen-Oumtett. Margarete Arndt- Ober fingt Lieder von Strauß, Blech». a. wismus bekannt haben. Natürlich weisen die Kommunisten auf die Blockade Rußlands hin. Aber hiergegen ist zu bemerken, daß Rußland vor dem Kriege Getreide in großen Mengen ausgeführt hat, während Deutschland seit Jahrzehnten einen großen Teil seiner Lebensmittel importieren mußte. Trotz- dem bemrkt die„Rote Fahne" ausdrücklich, daß der chunger des im Weltkrieg blockierten Deutschlands nichts gewesen sei gegen den jetzigen Hunger Rußlands, obwohl doch auch Deutsch- land in seiner vierjährigen BlockadezeU die furchtbare Miß- ernte von 1916 und die nicht viel besseren Ernten von 1917 und 1918 gehabt hat. Die Kommunisten sollten nun endlich auf- hören, in ihrer unwahrhaftigen Weise die Sozialdemokratie für die Teuerung verantwortlich zu machenl Das ZNilitärtuch üer Sicherheitswebr. In der gestrigen Sitzung in Köln wurde Staatssekretär Freund als Zeuge vernommen. Er gibt Auskunst über die Ein- richtung der Beschaffungsstell« der Sicherheitswehr. Sie war eine iehr wenig geordnet« Organisation, die sich aus'dm damaligen Zeit- laufen erklärte. Die Stelle war der Polizeiabteilung des Ministe- riums lose angegliedert, nur bei ganz wichtigen Dingen wurde dem Minister Vortrag gehalten. Der erste Auftrag für die Tuch- besiellung ist Anfang Januar 1920 durch Minister Heine erteilt worden. Das zweite Geschäft wurde von S e v e r i n g genehmigt. Später erhob die Reichsbekleidungsstelle und die Privatindustrie Klag« über die Art, wie das Geschäft zustande gekommen sei. Rechtsanwalt Dr. Alsberg: Wurde nicht in einer Sitzung des Staatsmmifteriums das Tuchgeschäst besprochen und kam man nicht auf Grund der vorgelegten Beleg« zu dem Ergebnis, daß dieses Geschäft äußerst vorteilhaft war? Zeuge Freund: Dieser Sitzung habe ich nicht beigewohnt. Rechtsanwalt Dr. Alsberg: Wurde nicht bei Besprechung des Tuchgefchäftes festgestellt, daß bei einer großen Reihe von deutschen Tuchfabriken angefragt worden war, und daß diese überhauvt nicht so große Mengen Tuch liefern konnten, oder aber viel höhere Preise forderten? Der Zeuge bestätigt dies. Weiter fragt Rechtsanwalt Dr. Alsberg, ob es richtig sei, daß in einer Sitzung des Reichskabinetts Staatssekreär Hirsch vom Reichs- wstfchoftsminifterium, der bekanntlich sonst möglichst gegen jede Ein- fuhrgenehmigung war, in diesem Fall« für die Erteilung des Auf- trags war, weil dieses Tuch äußerst billig und in Deutschland nicht zu beschaffen sei. Zeuge Freund: Herr Hirsch und ich waren in der Sitzung des Reichskabinetts der Anficht, daß die Genehmigung erteilt werden müßte. Der Tuchsachverständige Reuerbourg bestätigt die Schmie- rigkeiten der Tuchbeschaffung in damaliger Zeit. Als nächster Zeuge wiro Geheimrat v. Priestorff oernom- men. Er wurde nach dem Kapp-Putsch vom Minister Heine mit der Leitung der Polizeiabteilung betraut. Die Sicherheitswehr war damals völlig zusammengebrochen. Die Leute verlangten Uni- formen. Einen großen Teil der Verluste schob man dem Umstand zu, daß bei der Sicherheitswehr 36 006 Mann nicht uniformiert waren und in Lumpen herumliefen.— Vors.: Es wird gesagt, daß reelle Kaufleute abgewiesen worden seien, daß sich aber alle Türen geöffnet hätten, wenn Schieber gekommen seien.— Zeuge v. Priestorff: Ich bedaure. daß mir nie solche Gerüchte zu Ohren gekommen sind. Für die Herren kann ich einstehen. Ich halte es für ausgeschlossen, daß Geschenke gemacht worden sind, um ins Geschäft hineinzukommen.— R.-A. Dr. Alsberg: Hat sich Minister Seoering um dieses Geschäft direkt gekümmert?— Zeuge: Ich glaube nicht. Der Zeuge Agent Daniel war für die Veschaffungsstelle tätig. Als sich H e n s e l e r um die Tuchlieferung bemühte, habe er selbst im Auftrage der Bejchaffungsstelle bei der deutschen In- dustrie angefragt. Er habe aber nirgends eine so große Bestellung anbringen können. Die Firma Schöller in Düren, die größte deutsche Fabrik für diesen Arnkel, habe erklärt, daß für den Preis nicht geliefert werden könne. Außerdem konnte Schöller nicht mehr als 50000 Meter im Jahre liefern. Rechtsanwalt Richard Wolfs- Berlin verweist darauf, daß nach den Akten Severins ausgesagt habe, Geheimrat von Priestorff sei wegen des Tuchgeschäfts seines Amte» enthoben und durch A b e g g ersetzt worden.— Der Zeuge v. Priestorff erklärt ent- rüstet, daß er nicht verstehe, wie Seoering derartiges habe angeben können. Der Zeuge wird dem Minister Seoering bei dessen Ver- nehmung an einem der nächsten Tage gegenübergestellt werden. Die Abrechnung mit Dominicus. Der Aeltestenrat des preußischen Landtages hat beschlosien, daß die sozialdemokratische Interpellation über die preußische Innen- Politik auf die Tagesordnung der morgigen Sitzung gesetzt wird. Die Besprechung der großen Anfragen, die den Fall des ehe- maligen Breslauer Polizeipräsidenten v. Liebermann betreffen, soll hiermit verbunden werden. Damit dürfte der Konflikt er- ledigt sein, der sich aus der gestrigen Absetzung der Interpellation von der Tagesordnung ergeben hat. Die Karliftengefahr. Wien, 13. Oktober.(Eigener Drahtbsricht des„Vorwärts".) Graf Julius Andrassy, das Oberhaupt der ungarischen Legi. timisten, und einer der Organisatoren des ungarischen Bandenkrieges gegen das stiedliche Deutschösterreich, ist am Diensrag in Wien eingetroffen, um— an einer Konferenz der Friedensgesell- schaff teilzunehmen. Di«„Arbeiter-Zeitung" verlangt, daß dieser tatwolle Herr, der überdies der letzte Außenminister der Habsburger- Herrschaft gewesen ist, unter gehörige Konwolle gestellt wird. Gestern abend um 7 Uhr wurde in der vordersten Linie des Grenzschutzes gegen Ungarn ein habsburgischcr Oberst a. D. angehalten, der sich verdächtig gemacht hatte, und über den Grund semer Anwesenheit an der Front keine Auskunst geben konnte. Man verhaftete ihn und schickte ihn nach Wiener-Neustadt. Der Arbeiterschaft hat sich tiefe Erregung bemäch- tigt. Heute abend finden in allen Bezirken Wiens sozialdemokratisch« Bezirkskonferenzen statt mit der Tagesordnung: die innen- und außenpolitisch« Lage und die nächsten Ausgaben. Die neue Irreöenta. Rom. 12. Oktober.(WTB.) Die vier deutschen Abge- ordneten Südtirols legen in einem Schreiben an die Presse die Gründe ihrer Abwesenheit beim Empfange des Königs von Italien gelegentlich seines Besuches in Südtirol dar. Sie sagen, die Regierung befriedige die von den Verwetern von Oberetsch geäußerten Wünsch« nicht, die Sprache der Presse sei gegen Land und Bevölkerung. Es fehle eine Regierungs- erklärung. um ihre Rationalstät, ihre historischen Rechte und Ge- wohnheiten zu schützen gegen die Verfolgungen und die Bestre- bungen, das Land zu italienisieren. indem man den Kindern durch Besuch italienischer Schulen die italienische Nationalität auf» zwinge. Beamte deuffcher Nationalität durch Italiener ersetze, die militärische Dienstpflicht erwestere, eine Kctmmission zur Ersetzung deutscher Ortsnamen durch italienische bilde und die Freiheit der deutschen Presse einschränke. Die deutschen Abgeordneten schließen mit dem Satze, olle hätten das Gefühl. Oberetsch sei erobertes Land. Senator Knox gestorben. Der ehemalige Staatssekretär Senator Knox ist infolge eines Schlaganfalles in Washington gestorben. Se- nawr Knox war einer der eifrigsten Vorkämpfer eines Sonder- friedens der Vereinigten Staaten mit Deutschland. HroMerlln Spltzenkanüiöat bei öen Deutfthnationalen. An die Spitze von Kandidatenlisten stellt begreiflicherweise jede Partei diejenigen Personen, auf deren Wahl sie besonderen Wert legen muß. Wie wir aus den für die Bezirksverordneten- wählen Neuköllns eingereichten Kandidatenlisten ersehen, ist Spitzenkandidat bei den Deutschnotionalen ein Diplomingenieur G a u d i g. Das ist derselbe zeitweilig als Oberlehrer beschäftigt gewesene Herr Gaudig, der am Montag vor dem Schöffen- gericht Neukölln als Kläger auftrat, aber eine nicht b e- neidenswerte Rolle spielte.(Vergl. unseren Bericht in Nr. 479.) Dieser Gaudig hatte, das sei hier nochmals festgestellt, in der„Deutschen Tageszeitung" annonciert, daß er für e r h o l u n g s- bedürftige Kinder deutsch nationaler Eltern bei Landwirten unentgellliche oder mäßig vergütete Aufnahme suchte. Angebote erbat er an sich selbst, der sich mit Name und Wohnung und mit dem Zusatz„Vorsitzender derOrtsgruppeNeu- kölln der Deutschnationalen Volkspartei" unter- zeichnet hatte. Die eingehenden Meldungen ergaben schließlich nur drei Stellen, und zwei davon besetzte Gaudig mit seinen eigenen Kindern. Weil ihm in einer Broschüre eines Neu- töllner Deutschnationalen das und anderes zum Vorwurf gemocht wurde, klagte er. Vor Gericht erklärte er, anfänglich habe er nur für seine eigenen Kinder einen Landausenthalt gesucht, erst hinterher habe er an Verschickung auch von Kindern seiner deutschnationalen Parteigenossen gedacht. Da habe er dann diese Form der Annonce gewählt, sich aber nach wie vor für berechtigt zur Verschickung seine- eigenen Kinder gehalten. Die rechtsstehende Presse schweigt über diesen Prozeß. Wir empfehlen unseren Genossen und Genossinnen, besonders die mit Kindern gesegneten Unterbeamten darüber aufzuklären, wie Herr Gaudig, Vorsitzender der Ortsgruppe Neukölln der Deutschnationalen Volkspartei und jetzt ihr Spitzen- kandidat, die Verschickung von Kindern deuffchnationaler Eltern bewieb. Die SPD. war bei der Oandkagswahl am 20. Februar die weitaus stärkste Partei in Berlin Der 16. Oktober muh jedem zeigen, datz wir unaufhaltsam vorwärts schreiten Wir müssen auch in der 5tadtverordnetenversammlung als grötzte Partei einziehen. Deshalb werbt unablässig jede Stimme für die SPD. Unterhaltsame Glossen zur Wahl. Der Gutsbezlrk in Berlin. Die neue Berliner Großgemeind« setzt sich bekanntluh aus ehemaligen Stadt- und Dorfgemeinden und Gutsbezirken zusammen. Die wenigsten aber werden wissen, daß sich mitten in dem ursprünglichen alten Berlin, umgeben von Hunderten von Straßen und Tausenden von Häusern, auch ein Gutebezirk befand, der erste und vornehmste des Landes: Da» ehemalig« kaiserliche Schloß bildete nämlich bis zum 9. November 1918 einen Gutsbezirk für sich, und in diesem winzig kleinen Bezirk hatten die Riesenstadt und ihre Vertreter nichts zu sagen. Im Gegenteil, der„Gutsherr" des „Gutsbezirks Berlin Schloß"— so der offizielle Name— diktiert« den Berliner freisinnigen Stadtvätern seinen allerhöchsten Willen, und die Freisinnigen nahmen alles hin, was von oben kam, den Befehl sowohl wie die Roten Adler vierter Güte und die Kronen- orden und verrieten damit das Boll an den Herrscher. Wer will diesmal so dumm sein, diesen Freisinnigen, die sich heute Demo- traten nennen, auch nur eine Stimm« zu geben? ZtSchtlich-ualionaler Dorfspuk. Im 10. Bezirk Zehlendorf, wo die Monarchisten und Re- oktionäre bekanntlich so zahlreich sind wie die Heuschrecken in Afrika, hat sich vor einigen Wochen im alten Dorfteil Zehlendorf folgendes erbauliche Stücklein abgespielt. In der Dorsaue hatte man bereits vor dem Krieg auf einem Sockel ein« Bronzebüste des alten Kaisers aufgestellt. Als im Krieg das Vaterland in Not aeriet, wuroen die Gemeinden oerpflichtet, Denkmäler ohne künstlerischen Wert abzuliefern. Auch die Zehlendorfer Kaiserbüste mußte, weil ohne Kunstwert, daran glauben. Eines Tages war die Büste verschwun- den und jedermann sagte: Auch Zehlendorf opferte— angeblich— sein Scherslein auf dem Altar des Vaterlandes. Aber Wunder über Wunder, im Jahre des Heils 1921 war eines Frühmorgens die Büste wieder auf ihrem Platz. Die Zehlendorfer Patrioten hatten sie dem in Not befindlichen Vaterland glatt unterschlagen und In einer Rumpelkammer aufbewahrt. Im dritten Jahre nach der Re- volution schien ihnen der Zeitpunkt gekommen, ganz heimlich über Nacht die Büste wieder aufzustellen. Und der Bezirksbürgermeister Dr. Köster, der in seinem Amtszimmer ungefähr zu der gleichen Zeit das Kaiserbildnis wieder aufgehängt hat, duldet derartiges. So steht die Kaiserbüste auch heute noch in der Zehlendorfer Dorsaue und harrt der Zeit, die diesem unwürdigen Spuk ein Ende bereitet. Die Zeit ist da. Ein Wahlzettel kann stärker sein als eine bronzene Kaiserbüste. Aber nur ein sozialdemokratischer. Noble Kampfesweife. Ein Pump der„Freiheit" beim„Lokal-Anzeiger". Der deutschnationale„2 o k a l- A n z e i g e r" hat in der Reihe seiner Artikel über die Stabtverordnetenwahlen auch «ine Betrachtung über die Wahlpflicht gebracht. Seinem Ur- teil, daß die Wahlfaulen als Verräter anzusehen sind, muß jeder beistimmen. Der vom„Lokol-Anzeiger" an die bürgerlichen Kreise gerichtete Aufruf, am Tage der Wahl ihre Pflicht zu tun, möge auch von unseren sozialdemokratischen Wählern beherzigt werden! Der Artikel des deutsch» nationalen Blattes schließt mit der Betonung, daß es auf die Mobil- machung aller Bürgerlichen ohne Unterschied der Partei ankommt. Er mahnt die Wähler der Deutschnotionalen Volkspartei, der Deut- then Volkspartei, der Deutschen Demokratischen Partei:„Es wiegt iesmol alles in eine Schale. Rur wählt!" Die„F r e i h e i t" der Unabhängigen druckt einen beträchtlichen Teil der Mahnungen des„Lokal-Anzeigers" ab und empfiehlt sie dringend zur Beachtung. Außerdem setzt sie ihren Lesern die folgende Bemerkung des„Lokal.Anzeiger"-Artik«ls vor:„Tut doch diesen Mehrheitssozialisten den Gefallen und befreit sie aus oer Knechtschaft der Kommunisten! Sie werden euch dafür beschimpfen: aber sie werden in den tiefsten Tiefen ihres Herzens euch dankbar sein. Sie möchten ja so gern anfangen, vernünftig zu sein." Im Anschluß daran spricht das Unaöhängigen-Blatt von einem„wunder- vollen Gemisch der bürgerlichen Parteien und der allmählich„ver- nünstiger" werdenden Sozialdemokratie". Bei der„Freiheit" ist die Armut an eigenen Gedanken so groß, daß sie znr B e k ä mv f ung der Sozialdemokratie einen Pump beim„L o k a l- A n z e i g e r" anlegen muß. Die Kampfesweise, die man in diesen Wochen der Agitation zu den Stadtverordneten» wählen bei dem deutschnationalen Blatt erlebt hat, scheint dem Blatt der Unabhängigen den„Lokal-Anzeiger" nicht verekelt zu haben. Wenn von Bürgerlichen ein Haufen Dreck gegen die Sozialdemokratie geschleudert wird, so findet sich f ü r d i e „Freiheit darin immerrroch etwas, was sie auf- klaubt. Aue dem Artikel des.Lokal-Anzeigers", dem die„Freiheit" ihr Wurfgeschoß gegen uns entnahm, verdient einer weiteren Oefsent- lichkeit noch einiges mehr bekannt zu werden. Er beginnt mit folgenden auch von der„Freiheit" wiedergegebenen Sätzen:„Das Wetter ist wieder verflucht schön. Werden die Berliner am Sonn- tag wieder finden, daß es zu schön ist, um sich eine» Wahlzettels, eines einzigen Wahlzettels wegen etwa? von seinem Spaziergang abzubrechen?"„Dann werden sie sich auch am Montag wieder in der Gosse finden!" fährt der„Lokal-Anzeiger fort. Aber diesen Satz, der sofort die Tendenz des„Lokal- Anzeiger"-Artikels erkennen läßt, hat die„Freiheit" ihren Lesern vorenthalten. Bei dem Wort„(Boss e" soll der„Lokal-Anzeiger"- Leser an den gefürchteten Sieg der sozialistischen Par- t e i e n denken. Weiter sagt der Artikel:„Wenn Berlin nach den Erfahrungen dieses Jahres die Diktatur seines Lumpen- g e s i n d e l s nicht los wird, dann hat es eben die Stadtverordneten- Versammlung, die es verdient." Auch diesen Satz mit seiner Be- schimpfunq der sozialistisch gesinnten Arbeiterbevölkerung gibt die „Freiheit" nicht wieder, damit ihre Leser nicht merken, aus was für einem Dreckhaufen sie ihr Waffenarsenal bereichert hat. Gegenüber dem.Lokal-Anzeiger" fällt uns das Wort des von dem deutschnationalen Blatt verehrten„Alten Fritzen" ein:„Mit solchem Pack muß man sich herumschlagen!" Gegen- über der„Freiheit" überlassen wir es unseren Genossen, dieses Wort entsprechend zu ändern. Im übrigen aber wiederholen wir: Tut am Tagif der Wahl eure Pflicht!" Wieder ein Einbruch bei der Post. Ein verwegener Einbruch wurde in die Räume de» Post- amts 77 in der Luckenwalde? Straße verübt. Hier hat die Post-Webstelle Kleiderstoffe untergebracht. Von den Gleisen der Hochbahn drangen die Verbrecher nachts gegen die Lagerräume vor, sägten die Eisenstangen einer Fenstersicherung durch und verschafften sich so Eintritt. Unbemerkt holten sie für 180 000 Mark blau« Herren st offe heraus und schafften sie, wie die Nachforschungen ergaben, auf einem Handwagen weg. Die Kriminalpostdienststell«, die sofort die Ermittelungen aufnahm, stellte alsbald fest, daß der Handwagen mit der Ladung ffüh morgens in der Klosterstraße von einer Polizeipatrouille angehalten worden war. Die Einbrecher er- griffen die Flucht und ließen ihre Beute im Stich. Der 5?andwa.qen gehört einem Gemüsehändler in der Bötzowstraße. Von ihm hatte ihn der Schlosser Gustav Roß aus der Greiswalder Straße 29 unter der Vorspiegelung geborgt, daß er Kartoffeln vom Bahnhof abholen wolle. Roß ist seitdem flüchtig und wird ebenso wie seine unbekannten Spießgesellen eifrig gesucht. Nach Lage der Sache müssen sich unter diesen auch Leute befinden, die auf dem Postamt dienstlich zu tun gehabt haben. Mitteilungen, die zur Aufklärung beitragen können, nimmt die Kriminalpostdienst. stelle in der Friedrichstr. 129 entgegen: Anruf Norden 9875. Der Versuchung erlegen. Den Segen der bedingten Begnadigung auch für erwachsene Angeklagte zeigte ein vor dem Schöffengericht Berlin-Lichtenberg verhandelter Fall. Vor Gericht stand eine noch nicht vorbestrafte Arbeiterwitwe, die unier Tranen ein volles Geständnis ihrer Ver- fehlung ablegte. Die Frau war, da sie sich um ihre zwei kleinen Kinder im Hauehalt zu bekümmern hatte, längere Zeit ohne Arbeit gewesen. So war sie in Rot geraten, und es kam noch hinzu, baß sie sich aus Mit- gefühl dazu bereitqcfunden Katte, eine andere Arbeiterin bei sich aufzunehmen, der sie für 30 M. wöchentlich volle Kost und Pension gab, womit sie aber nicht auskommen konnte. Als nun aber eines Tages ein Brief aus Amerika von der Mutter der Mitbewohnerin kam, ließ sich die Angeklagte zunächst aus Neugier dazu verleiten, den Umschlag ganz zu öffnen, und fand hierbei einen Scbeck von 6000 M. vor. Sie hob dann das Geld unter Fälschung des Nmn-ns ab und verbrauchte es für sich. Der Staatsanwalt beantragte, da hier ein schwerer Vertrauens- bruch vorlänge, 2 Monate Gefängnis. R.-A. Dr. Schweitzer bat, der Angeklagten, die ein Opfer der Versuchung geworden sei, dies zugute halten und ihr neben einer milderen Strafe auch die Wohltat der bedingten Begnadigung zuteil werden zu lassen.— Das Gericht erkannte trotz der Schwere der Tat mit Rücksicht auf die vorhandenen mildernden Umstände nur auf 6 Wochen Gefängnis und beschloß, Ermittlung darüber anzustellen, ob bei dem Vorleben der Angeklagten die Gewährung der bedingten Begnadigung ange- bracht sei._ Städtische» Wellpanorama Neukölln Das Bezirksamt hat be- schloffen, den klassenweisen Besuch des Instituts durch die Schulen in Zukunft unentgeltlich stattfinden zu lassen. In dieser Woche zeigt das Panorama Bilder aus Finnland. Die Charlottenburger Waldschule für Gemeludeschultinder wird im Winterhalbjahr 1921/22 weiter für 40 Kinder offengehalten. Da dem Bezirksamt für das Winterhalbjahr keine Mittel bewilligt worden sind, werden die von verschiedenen Firmen und Privaten in dankenswerter Weife für die Gemeindewaldschule zur Verfügung gestellten Beträge zur Deckung der entstehenden Kosten verwendet. TaS Oberfchleiier-Hilfswerk. da» bisher feine Hauptgeschäftsstelle Unter den Linden 73 batte, teilt mit, dak vom Freitag, den 14. Ottober, ab die Hauptgefchältsstelle sich im Schlosi B-llevu« b-flndst. Mi Anfragen. Anschriften usw. müssen von diesem Tage an unter Angabe der genauen Anschrift:„Ha uptgefchästS stelle deS Oberfchlefier- Hilfswerks' nach Schloß Bcllevue gerichtet werden. (Die Gilde Eücilie. Vereinigung kirchenmufikalifcher Wandervögel, veranstaltet am kommenden Freitag 7 Uhr morgens in der Klosterkirche zu Berlin eine altttrchlich« Frühmcffe. Philosophische Kurse des Genossin Dr. Max Ap el: Donnerstag 7'!,— 9 Dorolheenftraß« IL: Anleitung zum philosopdiichen Denken; Freitag ?>/,— S Weißenburger Etr. 4»: Einführung in die Philosophie. Wetter für morgen. Berlin und Umgegend. Mild und zeitweise aulllarend, jedoch über- «iegenb neblig oder wolkig bei größtenteils schwachen, vorherrschend süd- westlichen Winden. Keine wesentlichen Niederschläge. Groß-Serliner parteinachrichtea. 10«. Abt.. Siipeul». Keule abend S Uhr Flugblattverbreitrmg von de« bekamrten Lokalen aus. Sllße jsWk WWMlsgMlMW. 12. Srcis Steglitz: 8 Uhr im Gymnasium Heeseskraße. Referent: Londtagsabgeordneter Gehrmann. 16. Kreis Köpenick: 7)4 Uhr Im Stadtheatcr, Atter Markt. Referent: Herm. Silberschmidt, M. d. R. Thema:„ver Kamps um» Rote Haus lu Berlin". 17. Kreis Mahtsdorf: Morgen Freitag 7)4 Uhr bei Anders. Bahnhofstrahe. Referent: Frau Elfr. Ryneck, M.d.B. OewerkschQstsbswegung Eine Erklärung öer Gastwirtsangeftellten. Zu dem Verständigungsvorschlag des Polizeipräsidenten Gen. Richter erklärt das Kartell der im Gostwirtsgewerbe vertretenen Arbeitnehmerorganisationen: „Das Kartell verbürgt sich dafür, daß von dem Augenblicke an, wo sich die Parteien an den VerhaniZlungstisch setzen, um auf der Grundlage des Schiedsspruches vom 23. Septem- btr einen neuen Tarif zustandezubringen, die Abwehraktion der Arbeitnehmer sich noch mehr als bisher streng darauf beschränken würde, die. Tätigkeit der Streikposten und die Flugblattverteilung so zu gestalten, wie es der Herr Polizeipräsident gestern selbst als zulässig und berechtigt bezeichnet hat. Das Kartell wird ferner dafür Sorge tragen, daß die am heutigen Tage einge st eilten Not- stand? arbeiten zu derselben Zeit in vollem Umfange wieder aufgenommen werden." Kampsesstimmung bei den Konditoren. Das in Konditoreien beschäftigte Personal war am Mitt- woch zahlreich zu einer allgemeinen Sektionsoersammlung erschienen, um zu prüfen, wie sich die Arbeitgeber vor dem Tarif zu drücken »ersuchen. Hierzu referierte T h i e m c. Der Schiedsspruch vom 12. September wurde von der Arbeitnehmerschaft abgelehnt, die Arbeitgeber nahmen ihn an und beantragten die allgemeine Ver- Kindlichkeit. Der Demobilmachungskommissar lehnte diesen Antrag ab. Der Verband der Bäcker und Konditoren hat nun sofort nach Ablehnung des Schiedsspruchs neue Lohnforderungen ein- gereicht, der aufgelöste Interessenverein Hot die Forderungen an lbermeister Lochau weitergegeben. Dieser sagte dann: Bevor ver- handelt werde, müsse der Gehilfenausschuß der neuen Innung ge- wählt werden und mit dem werde man oerhandeln. Die Verbands- Vertretung des Personals drängte dann auf Verhandlungen mit einer etwa bestehenden Ueberleitungskommission der Arbeitgeber, deren Existenz schließlich zugegeben wurde. Herr Lochau übernahm es, an diese die Forderungen zu leiten, die von den Funktionären am 26. September aufgestellt wurden. Am 1. November läuft der Tarif ab. Wir haben zu entscheiden, führte Thieme aus, ob wir uns noch länger an der Nase herumführen lassen.astsrats um eine gutachtliche Asußerunq betreffend di« Tonsfichigkeit des gelben Väckergescllen- bundes. Der Sozialpolitische Ausschuß faßte nachstehenden Beschluß: „Der Sozialpolitische Ausschuß des Reichswirtschaftsrots beant- «ortet das Schreiben des Reichsarbeitsministeriums dahingehend, daß er den Bund der Bäcker-(Konditoren-) Gesellen Deutschlands als eine tariffähige wirtschaftliche Vereinigung der Arbeitnehmer des Bäckergcwerbes nicht anerkennen kann, da der Bund sowohl nach seiner Entstehung als auch nach seinem Ver- halten sich als eine von den Arbeitgebern abhängige Organisation erweist und auch der Zcntralvorstand der Zentral- orbeitsgemeinschaft der industriellen und gewerblichen Arbeitgeber und Arbeitnehmer Deutschlands nach seinem Beschluß vom 30. Juli 1921 diesen Bund als eine wirtschaftsfriedliche(gelbe) Organisation bewertet, die nach Ziffer 3 der Vereinbarung vom 13. Noveinbcr 1918 weder einer Spitzenorganisation der Gewerkschaften, noch einer Reichsarbeitsgemeinschaft angehören kann." Für die Oeffentlichkeit beachtenswert sind die Eingeständnisse des tuenden vom Bäckermeisterinnungsoerband, der in der Sitzung als Sachverständiger der Arbeitgebergruppe vernommen wurde. Er erklärte, daß die Innungen den gelben Bund niemals aus durch- sichtigen Absichten finanziell unter st ützt hätten, seine Tarifföhigkeit also aus diesem Grunde nicht angezweifell werden ; könne. Es wird also zugegeben von dem berufenen Vertreter der Bäckermeister, daß die Innungen den gelben Bäckergesellenbund finanziell unterstützen. Bei allen aufwärtsstrebenden Bäckergehilfen ! wird sich nach diesem Vorgang die Anschauung durchringen, daß ihre ' wirtschaftliche Lage nur durch die freie Gewerkschaft verbessert werden kann._ jn einer Versammlung sämtlicher Angestellten der städtischen i Werke berichtete Fritz Schmidt über die Tarifoerhandlungen mit , dem Magistrat. Der Redner führte aus. daß die Verhandlungen sich � ungemein schwierig gestaltet hoben. Eine vierwöchige Vcrhand- lungszeit Hobe nicht ausgereicht, um eine Entscheidung herbeizu, führen. Endlich sei die Verhandlungskommission zu dem Entschluß gekommen, dem Magistrat völlig neue Borschläge zu unter- breiten und eine kurzfristige Antwort zu verlangen. Auf Titel komme es uns nicht an, sondern auf die Anerkennung des Grund- satzes, daß die Arbeit in den werbenden Betrieben höher zu bewerten fei, als die Tätigkeit in den Vcrwaltungsbetrieben. Von L e c tz wurden die Ausführungen des Referenten noch im gleichen Sinne ergänzt. Es müsse mehr kaufmännischer G e i st in den städtischen Werken walten, um ihre Rentabilität zu heben. Nach einer kurzen Aussprache wurde eine Entschließung ein- stimmig angenommen, in der die versammelten Angestellten sich mit den Ausführungen der Referenten vollständig einverstanden er- klären und sofortige Einreichung der neuen Vorschläge und eine so- fortige Entscheidung des Magistrats darüber oerlangen. Der Landesverband der Mcdizinalpraktikanken in Preußen machte das Reichsministerium des Innern daraus aufmerksam, daß die durch die Zciwerhältnisse geschaffene Lage der Medizinalprakti- kanten eine ähnliche sei wie die der Volontärärzte der Eharite und drang auf eine schnelle Aenderung der Zustände, sonst würden die Medizinalpraktikanten gezwungen sein, sich den Gewerk- schaften anzuschließen. Der Vertreter des Ministers ver- sprach Abhilfe. D'e Arbeiter und Arbeiterinnen des chemischen Großhandels beschäftigten sich in einer sehr stark besuchten Versammlung ober- mal? mit der Stellungnahme des Arbeitgeberverlmndes über die ultimativ eingereichten Forderungen. Puhlmann teilte mit, daß die Arbeitgeber am Freitag zu Verhandlungen bereit seien. Ferner habe sich der Arbeitgeberverband an den Demobilmachungskom- missor um Vermittelung gewandt: durch das Eingreifen des Trans- portarbeiterverbondes sei es möglich gewesen, den Termin auf Frei- tag S Uhr festzusetzen. Es wurde den Anwesenden folgender Bor- schlag unterbreitet: Von dem gefaßten Streikbeschluß zunächst Abstand zu nehmen und das Ergebnis der Verhandlung vor dem Demobilmachungs- kommisiar abzuwarten. Werden keine weiteren Zugeständnisse ge- macht, dann soll erneut Stellung genommen werden. Sämtliche Diskussionsredner lehnten den Vorschlag ab und verlangten sofortige Arbeitsniederlegung. Gegen eine große Minorität gelangte der Vor- schlag schließlich doch zur Annahme. Sollten aber die Verhandlungen vor dem Demobilmachungs- kommissar kein zufriedenstellendes Zugeständnis zeitigen, ist die Ar- beiwehmerschoft bereit, das letzte gewerkschaftliche Mittel der Arbeits- niederlegung in Anwendung zu bringen. Der Schiedsspruch für die Portiers in Geschäfts- und Industrie- Häusern, Fahrstuhlführer, Heizer, Wächter und Reinmachesrauen be- schäftigte eine Bronchenversammlung. Bittermann gab den Bericht von den Verhandlungen und hob hervor, daß der Schiedsspruch bei weitem nicht das gebracht habe, was die Tarifkommission von den Unternehmern forderte. Um ober eine tarifliche, wenn auch eine nicht den Zeitverhällnisien entsprechende Cntlohung sicherzustellen, empfahl der Berichterstatter im Austrage einer Branchenfunktionär- konscrenz die Annahme des Schiedsspruchs. Jn der Diskussion wurde von sämtlichen Rednern bedauert, daß der Schiedsspruch in keiner Weise den berechtigten Forderungen Rechnung trägt, und be- tont, daß die durch Ablehnung der Arbeitgeberschaft geschaffene Situa- tion dessen Annahme erfordere, um bei einem späteren Termin ; erneute Forderungen stellen zu können. Gegen wenige Stimmen wurde der Schiedsspruch angenommen. Jn einer einstimmig an- | genommenen Entschließung werden die sozialistischen Fraktionen im ' Stadtparlament beauftragt,„schnellstens dahin zu wirken, daß von ! Gesetzes wegen dafür gesorgt wird, daß für die in Geschäfts- und Industriehäusern, sowie in Luxuswohnhäusern beschäftigten Portiers, > Fahrstuhlführer und Wächter endlich das Existenzminimum geschaffen wird". Die kaufmännischen Angestellten im Kohlengroßhandel nahmen in einer Mitgliederversammlung zu dem Angebot der Unternehmer Stellung. Wille teilte mit, daß die Arbeitgeber 2V Proz. auf das Tarifgehalt bewilligen und die Kinderzulage von 39 auf 199 M. erhöhen wollen. Die Versammlung bezeichnete das Angebot der Unternehmer als ungenügend und beauftragte die Verhandlungs- kommission, nochmals mit dem Verband der Berliner Kohlengroß- Händlsr Fühlung zu nehmen. Freitag ä Uhr im Kewerlfchaftshau-. Engel- '' Beschlußfassiing über das Ergebnis Deutscher Holzarbeiter-Derbaud.„ ufcr 24,25, Bersammlung der Ktavierarbeiter. der Verhandlungen. «fa, Metabe?» sMetallmdustriet. Di- ttammissionsmitglieder lammen Freitag 3 Uhr in der Geichiistsstelle des Ortskartells zusammen. Di« Ttrllunenahme der Afa-Funkttonäre der Wetollindustrie ist dem Ver- band Berliner Mclallindlistrieller m>ige:ci!t worden. W- Mitteilung aller weiteren Maßnahmen ersolgt, sodaid das Antwortschreiben der Arbeitgeber eingetroffen ist. Alle Fragen, die einzelne Betriebe oder solche betreffen, die dem VBMZ. nicht an» gehitren, lönnen erst beantwortet werden, wenn die Kommission neue Beschlüsse gefaßt hat. Wir ersuchen, die Arbeiterpresse zu verfolgen. zentralverband der Fleischer. Freitag 7Uhr B-rsammlupg der BerkSuferinnen und Eeiellen in den Ladenfleischereten im„Englischen Hosi', Alexanderstraße 27c. Tagesordnung: Bericht über die Lohnverhandlungen. Wirtschcifi Soften des Nahrungsmittelaufwandes. Di« im Großhandel beobachtete Steigerung der Preise prägt sich nunmehr auch im Kleinhandel deutlicher aus. Die zu- nehmende Verteuerung kommt besonders schqrf in der Lebens« mittelpreis st ati st it zum Ausdruck. Die von R. Calwer auf Grund der Berichte von rund 299 Plätzen berechnete Index- ziffer, die den NahrungSmiltelauiwand einer vierköpfigen Familie, Eltern und zwei Kinder, pro Woche in Mark angibt, zeigte nach den„Monatlichen Ucbersichten über Lebensmittelpreise" in den Monaten April bis September folgende Bewegung: Kosten des Nahrungsmittelaufwandes je Woche in Mar Avril 351,27 Juli 359.91 Mai 333,11 August 359,96 Juni 331,35 September 399,39 Im Vergleich zum September 1929 ergibt sich eine Steigerung der Kosten des Nahrungsmittel- aufwand« S um 123,61 M. pro Woche. Für September 1919 berechnete sich die Indexziffer auf 95,67 M. Im Vergleich zur Vorkriegszeit(September 1913— 25,78 M. haben sich die Kosten des NahungsmittelaufwandeS etwa auf das Sechs- zehnfache erhöht._ Englands Außenhandel. Der Wert der engliichen Einfuhr betrug iin September 87 118 397 Pfund Sterling, das find 63 638 629 Pfund Sterling weniger alS im September 1920. Der Export betrug 53 217 378 Pfund Sterling, das find 62 208 335 weniger als im Vorjahre, und die Wiederausfuhr betrug 8 391 641, das find 1 735 961 weniger als im gleichen Zeit- räum des Vorjahres. Der„Observer" bezeichnet obige Zahlen, die einen riesigen Rückgang in der Ein- und Ausfuhr aufweisen, als ein Zeichen für die ernste Lage des britischen Handels. Argen kinische Eisenbahnauslräge für Deutschland. Nach argen- tinischen Bläitermeldungen hat die argentinische Eisenbahnverwal- tung nach Deutschland Bestellungen auf Eisenbahnmaterial im Betrage von zwei Millionen Goldpesos in Auftrag gegeben. Der Liefcrungskontrakt schreibt vor, daß Deutschland diese Summe zum Ankauf argentinischer Wolle verwenden muß. Verantw. für den redokt. Teil: Dr. Weener Vciser, Charlottenburg: für Anzeigen: Th. Glocke, Berlin. Verlag: Vorwärts-Verlag G.m.b.H., Berlin. Druck: Vor- wärts-Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin. Lindenstr. 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