Nr. 49$ ♦ ZS. Jahrgang Ausgabe V Nr. 247 Bezugspreis: viertel! Shrl. 86,— ajl., monatl. Ii— R. frei ins Haus, voraus zahlbar. Post- bezug: Monatlich 12— 9)1. einschl. 8» stellungsgebsthr. Unter Areuzband für Deutschland, Danzig, da» Saar- und Memclgebiet. sowie die ehemals beut- schen Gebiete Polens, Oesterreich, Ungarn und Luxemburg 22,— M. für das übrige Ausland 29,— M. Post- bestellungen nehmen an Oesterreich, Ungarn, Tschech»- Slowalet, Düne- Wort, Holland, Luxemburg, Schweden und die Schweiz. Der„vorwärts* mit der Sonntags- erscheint wochentäglich zweimal. Sonn- tags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: «Sozialdemokrat Setlta** Abend Ausgabe Derlinev VolKsblstt [ 30 Pfennig) AuzeigeupreiS: Die neungespallene Nonpareillezelle lostet K,— M.«»lein» Anzeigen* da» fettgedruckte Wort M. lzu- lässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort l.— M. Stellengesuche und Schlafstellenanzeigen da« erst« Wort h— M. jede» wettere Wort (0 Psg. Worte über lb Buchstaben zählen für zwei Wone. ssami»en-An- zeigen sür Abonnenten Zeile 8,60 9)1 Die Preise verstehen sich einschließlich Teuerungszuschlag, Anzeigen für die nächste Nummer müssen bi» 6 Ahr nachmittag» im Hauptgeschäft, Berlin SW 68, Linden» straß»3. abgegeben werden. Gebssnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr abend». NO Zentralorgan der rozialdemokratifcben Partei Oeutrcblands Keüaktion und Expedition: EW HZ, Lindenstr.Z M-rniArecker' Redaktion Moritzplay ISIvS—»7 �crn,prer»irr. Morttzplatz 1I7SZ— Freitag, den Äl. Oktober 19%1 vorwärts-verlag G.m.b.H., GW HS, Linden str. Z > Verlag. Expedition«nd Inseraten- rfwuipvzafn. Moritzplatz 11753—54 Krisenstimmung. Die Sitzung des Reichskabinetts.— Der Wortlaut der Pariser Note. der amtliche Text. Das Reichskabinen berät seit vormittags g Uhr die Entscheidungsaoke über Oberschlesicn. In Berlin steht man unter dem starken Eindruck, daß die Entscheidung noch un- günstiger ist. als das nach den ersten Verössentlichungen zu erkennen war. Die Wirkung dieser Tatsache auf die b ü r- gerlichen Fraktionen, zumal auf die D e m o k r a t e n und die D e u t sch e B o l k s p a r t e i. ist unverkennbar. D i e Stimmung gegen das Kabinett Wirth hat sich in den vormittags st unden verstärkt. Es besteht die Absicht, neue Verhandlungen mit der Entente anzubahnen. Räch dem Wortlaut der Rote sind die Aussichten auf irgend- einen Erfolg neuer Verhandlungen nur gering. Von welcher Seite das Kabinett Wirth abgelöst werden wird, ist einstweilen ganz unklar. Aus führenden englischen Wirtschaftskreisen werden Stimmen gegen die oberschlesische Entscheidung laut, die sich mit dem deutschen Arteil über die wirtschaftlichen folgen dieser neuen Gewalttat decken. Die englische Regierung aber scheint fest auf der Entscheidung von Genf zu beharren. Die Wikgliedcr der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion sind ersucht worden, über Sonntag in Berlin zu verbleiben. Es ist noch ungewiß, ob am Sonnabend eine Reichstagssihung flatts'.ndel und möglich, daß eine am Sonntag abgehalten wird. « Verlin, 21. Oktober.(DTB.) heute morgen um 9 Uhr fand eine Kabinettssihung statt, in der der Auhenminlster Dr. R o s e n über die Rote betreffend Oberschlesien referierte. 2m Laufe des Tages werden sich die beteiligten Ressorts mit dem In- halt der Rote eingehend beschäftigen und dem Kabinett, das voraus- sichtlich heute abend zu einer neuen Sitzung zusammentreten wird, das Ergebyis ihrer gutachtlichen Aeuherungrn vorlegen. Wenn das Kabinett Wirth heute fällt so ist das ein S i e g des Unverstandes, der Deutschland teuer zu stehen kommen kann. Man ist über den Inhalt der neuesten P a- r i s e r Note mit Recht entsetzt, man ist mit Recht der Mei- nung, daß die über Oberschlesien gefällte Entscheidung v e r- t r a g s w i d r i g ist. Deutschland werden durch diese Ent- scheidung Verpflichtungen auferlegt, die im Dokument von Versailles keine Rechtsstütze finden, die ibm nur durch G e- malt aufgezwungen werden können. Darüber besteht volle Einigkeit, daß diese Entscheidung wider alle Vernunft und wider alles Recht ist, und daß ein letzter Versuch, eine Besse- rüng zu erzielen, unternommen werden muß, wenn er mit irgendeiner Aussicht auf Erfolg unternommen werden kann. Ueber die Frage, was von deutscher Seite noch getan werden kann, sollte nun das Kabinett sachlich und ohne jede Ablenkung beraten. Denn alle Politiker ohne Unterschied der Partei müßten doch in d e r Erkenntnis einig fein, daß diplo- matische Schritte in der oberschlesischen Frage, wenn sie irgend- eine Aussicht auf Erfolg haben sollen, von dem gegen- wärtigen Kabinett unternommen werden müssen und nicht von seinem etwaigen Nachfolger. Die Aufgaben, die sich setzt ergeben, sind solcher Art, daß kein Mensch mit gesunden Sinnen sich zu ihnen dränaen wird. Rein menschlich, persönlich könnten die Mitglieder des gegenwärtigen Kabinetts heilfroh fein, wenn sie von jeder weiteren Verantwortung entbunden werden würden. Es ist wahrhaft kein beneidenswertes Los, das ihnen zugefallen ist, immer wieder mit minimaler Erfolgaussicht Anstrengungen zur Wahrung der deutschen Interessen unternebmen zu müssen, und sich nachher von jenen beschimpfen zu lassen, die an der unglücklichen Lage Deutschlands die wahren Schuldigen sind. Der Versuch, an der gefällten Entscheidung noch etwas zu ändern, ist die undankbarste Aufgabe der Welt. Wir wür- den sie gern den bürgerlichen Parteien, am liebsten den Deutschnationalen überlasten, die dann auch einmal zeigen müßten, was sie können. Bleibt das Kabinett Wirth im Amt, dann wird den Herren von rechts alles, was es tut, zu wenig sein Und bleibt sein Vorgehen ohne Erfolg, so wird es neue Flüche und Ver- wünschungen der unentwegten Hetzer über sich ergehen lasten müsten. Diese Flüche und Verwünschungen würden wir wahr- haftig lieber anderen gönnen, die sie wirklich verdienen Aber das ist nicht das Entscheidende. Das Entscheidende ist. ob eine neue Regierung bessere Aussichten hätte bei der Entente oder gegen die Entente die deutschen Wünsche durch» zusetzen. Auf diese Frage kann jeder, der noch etwas Ge- wissen und Ueberlegungslähigkeit oesitzt, nur antworten, daß das Gegenteil der Fall wäre. In dem Augenblick, in dem das Kabinett Wirth stürzt, würde der ganze riesenhafte Propagandaapparat des französt» schen Chauvinismus die Nachricht in die Welt heulen, daß in Berlin die Politik des Friedens aufgegeben und daß das alte nationalistische Deutschland wieder aufer- standen sei. Mit einer Zentnerlast von Mißtrauen belastet würde die neue Regierung an ihre Arbeit gehen. Würde es ihr gelingen, binnen kürzester Frist— denn jeder Zeitverlust wäre Gefahr— das Mißtrauen zu besiegen und die Mächte zu einem mehr entgegenkommenden Verhalten zu veranlassen, als dies dem Kabinett Wirth gelungen ist?* Die Aussichten, noch etwas für Oberschlesien zu erreichen, sind gering. Aber das Maximum dieser Erfolgaussichten liegt immer noch beim Kabinett Wirth. Das Minimum liegt bei einer rechtsgerichteten, nationalistischen Regierung. Oder hat eine andere Parteigruppierung mit einem ande« ren Kanzler irgendein geniales Programm, um Deutschland mit einem Schlage aus seiner unglücklichen Lage zu befreien, ganz Oberschlesienwiederzurückzuholen? Wir würden ihr neidlos ihre große weltgeschichtliche Rolle über- lassen, denn es ist tausendmal besser, ein schlechter Prophet ge- wefen zu sein, als das Unheil des eigenen Landes und Volks richtig vorausgesehen zu haben. Wo ist diese neue Koalition? Wo ist der Mann? Wo ist das Programm? Käme morgen eine neue Regierung ins Amt, die zeigen soll, daß sie es bester kann als die bisherige, so wäre dick Host- nung, daß ihr das gelingt, verschwindend gering, die G e- fahr aber, daß sie Dummheiten beginge, die das Unglück Deutschlands noch vermehrten, riesengroß. Vor dieser Gefahr zu warnen, ist heute Pflicht jedes Poll- tikers, der sich seiner Verantwortung gegenüber dem Volke be- wüßt ist. Weder darf sich das Kabinett Wirth zu u n ü b e r- legten Handlungen drängen lasten, die statt Nutzen nur Schaden bringen, noch darf das Kabinett Wirth gestürzt und von einer neuen Regierung abgelöst werden, die- mit den Schicksalen Deutschlands hafardiert. Wir fordern in letzter Stunde, daß das Kabinett Wirth im Amte bleibt, daß es reiflich erwägt, was die gegebene schwere Lage zu tun gebietet und daß es mit einer Erklärung über feine fernere Politik vor den Reichstag tritt. Findet sich dann eine Mehrheit im Reichstag, die glaubt, eine andere, dem deutschen Volk heilsamere Politik treiben zu können, so mag sil ♦s wagen und die Verantwortung auf sich nehmen. Der Reichs- tag muß aber in seiner nächsten Sigung eine aktionsfähige Re- gierung vorfinden, und die?� Regierung kann, wenn d i e V e r- n u n f t siegt, keine andere als die Regierung Wirth sein. Wir veröffentlichen nachstehend den vollständigen Text !der Note über Oberschlesien in der amtlichen beut- � schen Uebersetzung. Paris, 20. Oktober. Herr Botschafterl Ich habe die Ehre, Ihnen anbei den Text der Entscheidung zu übermitteln, die die Botschafterkonferenz am 2 i im iii M.-riMCC'S-Kwa ritn»-»— i—■■ iiMiii u.«*----- m Die neue Brenie in Überschlesien nach der Ent' scheidung des Völkerbundrates. In Erwägung, daß nach dem Wortlaut des Artikels 88, letzter Absatz des Friedensvertrages von Versailles, es ihre Aufgab« ist, in i dem der Volksabstimmung unterworfenen Teile Oberschlesiens die Grenzlinie zwischen Deutschland und Polen aus Grund der Volksabstimmung festzusetzen. in Erwägung, daß am 20. März 1021 die Volksabstimmung unter den im Anhang des oben erwähnten Artikels festgesetzten Be- ''ngungen stattgefunden hat, und in Erwägung, daß sowohl nach dem Erqebnii der gemeint»«- weisen Abstimmung als auch nach der geographischen und Wirtschaft- lichen Lage der Ortschaften die in Bettacht kommende Abtretung von Gebieten gewisse Fragen aufwirst, die geregelt werden müssen, beschließen das Britische R«ich, Frankreich, Italien und Japan, die mit den Bereinigten Staaten von Amerika als alliierte und asso- ziierte Hauptmächt« den Friedensvertrag von Versailles unterzeich- n«t haben, nach Einholung des Gutachtens des Völkerbundsrates fol- gendes: I. Die Grenze zwischen Deutschland und Polen in dem in Artikel 88 des Friedensvertrages von Versailles bezeich- neten Teile Oberschlesiens wird folgendermaßen bestimmt: Die Grenze folgt der Oder von ihrem Eintritt in das oberschl«sifche Abstimmungsgebiet bis zur Höhe von Riebotschau, von dort ob verläuft sie nordostwärts, wobei an Polen fallen: die Ge- meinden Hohenbirken, Wilhelmstal, Raschütz, Adamowitz, Bogunitz, Lissek, Summin, Zwonowitz, Chwallentzitz, Ochojetz. Ober- und Nie- der-Wilcza, Kriewald, Knurow, Gieraltowitz, Preiswitz, Makoschau, Kunzendorf, Paulsdorf, Ruda, Orzeqow, Schlcsiengrub«, Hohenlinde, während bei Deutschland bleiben: die Gemeinden Osttog, Markowitz, Babitz, Gurek, Stodoll, Niederdorf, Pilchowitz, Nieborowitzer Hanl- mer, Nieborowitz, Schönwald. Ellguth-Zabrze, Sosnitza, Mathesdorf, Zaborze, Biskupitz, Bobrek, Schömberg: von da aus läukt dl« Grenze zwischen Roßberg(an Deutschland) und Birkenhain(an Polen), dann ; wendet sie sich nach Nordwest, wobei auf deutscher Seite verbleiben: > die Gemeinden Karf, Miechowitz, Stollarzowitz, Friedrilhswille, Ptakowitz, Larischhof, Miedar, Hanussek, Neudorf-Tworoa, Kotten- luft, Potempa, Keltsch, Zawadztt, Veterihof-Pluder, Klein-Lagiewnik, Skrzidlowitz. Gwodzian, Dzielno, Czieasnau, Sorowski, während auf polnischer Seite verbleib«n: Scharley, Radzionkau, Trockenberg, Neu-Repten, Alt-Repten, All-Tarnowitz, Rybna, Piassetzna, Boru- sch»«!tz, MikolesKa, Drahthammer, Vruschiek, Wüstenhammer, Kokot- zek, Koschmieder, Pawonkau, Spiezelhof(Gutsbezirk), Groß-Lagiewnik, Glinitz, Kochtschütz, Lissau,— von da ab fällt die Grenze nordwesb märts mit der alten deutsch-russischen Grenze zusammen, bis zu dem Punkt, wo sie mit der deutsch-polnischen Grenze zusammentrifft, wie sie in Artikel 27 des Vertrages von Versailles beschrieben ist. Die in Artikel 87 des Versailler Vertrages vorgesehene Grenz- fcftsestungskommission wird die Grenze an Ort und Stelle ziehen. Sie wird ihre Arbeiten unverzüglich beginnen. Wirtschaftliche öeftimmuogen. Z. Die deutsche und polnische Regierung werden in möglichst kurzer Frist gemäß Artikel S2, letzter Absatz des Friedensvertrages unter Zugrundelegung folgender Bestimmungen ein Abkommen treffen: a) Eisenbahnen. Die Recht« und Pflichten der Eisenbahnen und Straßenbahnen, soweit sie sich in Privat- oder Kommunalbesttz befinden, bleiben durch ihre Konzessionen geregelt: die Letriebseinhelt des Rehes der fchlesischen Kleinbahn-Aktiengesellschaft bleibt für die Dauer von IS Iahren aufrechterhalten. Der Betrieb der deutschen Rormal- und schmalspurigen Eisen- bahnen wird im Abstimmungsgebiet für die Dauer von lS Jahren einer gemischten Verwaltung unterstellt. Die Mengen rollenden Ma- terials, die auf das Abstimmungsgebiet entfallen, werden gemäß Artikel 371 des Versailler Vertrages bestimmt werden. Die Tarife werden einheitlich geregelt. Nach Artikel 36S des Friedensvertrages von Versailles wird jeder Spezialtarif, der zwischen dem deutschen Gebiet und einem Punkt des Abstimmungs- g-bietes in Kraft ist, aus das gesamte Abstimmungsgebiet Anwen- dung finden. Der Vorteil jedes Spezialtarifes, der im Abstimmungs- gebiet Geltung hat, wird den Waren der gleichen Art zugute kom- men, die aus Polen, Deutschland oder aus irgendeinem anderen Lande ausgeführt oder dorthin eingeführt werden. Die Fahrpläne werden nach den Bedürfnissen der Industrie geregelt, und der Ausenthalt der Ar- b e i t e r z ü g e, die über die Grenze fahren, wird nach Möglichkeit beschränkt werden. Die Kosten der sozialen und staatlichen Ver- sicherungen zugunsten der Angestellten der fchlesischen Eisenbahnen werden der Verwaltung dieser Eisenbahnen zur Last fallen. Für den Betrieb der Eisenbahnen wird eine einheliliche ver- rechnung eingeführt werden, die alle Einnahmen und Ausgaben«in- schließlich der Unterhaltungskosten der Gleise und des Eisenbahn- Materials und die Einzal/lungen in die Fonds für Erneuerungs- arbeiten umfassen. Die Ausgaben für Neuarbeiten wer- den besonders verrechnet werden: sie werden von dem Staate ge- tragen, auf dessen Gebiet sie ausgeführt werdsn. Gewinn oder Ver- lust wrden unter beide Länder, je nach der Lage der ihnen ge- hörenden Eisenbahnlinien und nach Bedeutung des Verkehrs ver- teilt werden. b) Wasser und Elekkrizitäl. Soweit das Gebiet, in dem sich die Wasserleitungen befinden, nicht ganz einem der beiden Länder zugesprochen wird, bleiben mangels besonderer Abmachung zwischen beiden Parteien die vor- ha n denen Leitungen bestehen. Zu diesem Zweck wird eine gegenseitige Grunddienstbarkeit geschassen werden. Die Wasser- kräfte der Gegend von T a r n o w i tz und O l k u c z werden unter Bedingungen, die den Interessen beider Länder entsprechen, zur Ver- f.ügung des ganzen oberschlesischen Gebietes gestellt. Der gegenwärtige Betrieb der„Oberschlesischen Eiektrizitäls- werke" bleibt für drei Jahre aufrecht erhalten. Der polnische Staat kann sodann die Hntrale in Chorzow und das daran angeschlossen« Netz käuflich erwerben. Solange ein polnisches Unternehmen nicht errichtet ist, muß die Gesellschaft die Elektrizität in beiden Teilen des Gebietes zu gleichen Bedingungen liefern. c. Geldwesen. Während eines Zeitraumes, der 18 Jahre nicht überschreiten soll, wird die deutsche Aiark die einzige gesetzliche Münzeinheit in dem Abstimmungsgebiet bleiben. Die beiden Regierungen können durch Vereinbarung beschließen, eine Abänderung dos Münzsystems vorzunehmen, wenn eine solche nötig werden sollte. Es wird der gemischten Kom- Mission, die unten vorgesehen ist. obliegen, den Zeitpunkt zu be- stimmen, von dem an die deutsche Mark aufhört, die einzige gesetzliche Münzeinheit zu sein. ä. Post. Für die Dauer des Umlaufes deutschen Geldes in der polnischen Zone werden die Post-, Telegraphen- und Telephongebühren in deutscher Währung erhoben. » e. Aollweseu. Die Zollgrenze wird«nderneuenpolitischenGrenze errichtet werden, sobald diese gezogen ist. Die deutsche und polnische Zollgesetzgebung und ihre Zolltarife finden mit folgenden Ausnahmen Anwendung: 1. Während eines Zeitraums von fechsMonaten werden die Waren, die von anderen Ländern nach dem Abstimmungsgebiet gehen, und die die Einfuhrzölle an der deutschen oder polnischen Grenze vor der Teilung Oberschlesiens bezahlt haben, zollfrei die Grenze überschreiten können. 2. Während eines Zeitraumes von IS Iahren werden die natürlichen Erzeugnisse, die ihren Ursprung und ihre Herkunft in einer der beiden Zonen des Abstimmungsgebietes haben, und die dazu bestimmt sind, in der anderen Zone verbraucht oder verwendet zu werden, zollfrei über die Grenze gehen. 3a. Während eines Zeitraumes von 0 Monaten werden die Rohstoffe und Halbfabrikate der Betriebe der einen der beiden Zonen des Abstimmungsgebietes, die dazu bestimmt sind, in den Betrieben der anderen Zone verbraucht oder oerarbeitet zu werden, zollfrei über die Grenze gehen. In den Einfuhrbewilligungen für diese Erzeugnisse müssen die Absende- und Empfangsstellcn nam- Haft gemacht werden. 3b. Während eines Zeitraumes von IS Iahren werden die Rohstoffe und Halbfabrikate, deren Ursprung und Her- kunft aus den Betrieben der einen der beiden Zonen des Abstim- mungsgebietcs feststeht und die dazu bestimmt sind, in den Betrieben der anderen Zone verarbeitet zu werden, zollfrei über die Grenze gehen, wenn sie wieder in ihr Ursprungsland einge- führt werden müssen. Die Einsuhrbewilligungen dieser Er- zeugnisse müssen die Absende- und Empfangsstellen namhaft machen. 4. Gemäß Artikel 268 des Vertrages von Versailles werden die natürlichen Erzeugnisse oder die Fabrikate, deren Ursprung oder Herkunft aus der polnischen Zone des Ab- stimmungsgebietes feststeht, bei ihrem Eingang in das deutsche Gebiet während eines Zeitraumes von 3 Iahren von jeder Zollabgabe befreit werden. Die Frist von 3 Iahren wird mit der Bekanntgabe der neuen Grenze an Deutschland und Polen zu laufen beginnen. Für die Regelung der Ausfuhr werden beide Länder sich ver pflichten, während eines Zeitraumes von 15 Jahren die Ausfuhr von Erzeuguissen aus ihren Gebieten zu erleichtern, die für die In- dustrie.des einen oder anderen Teiles des Abstimmungsasbietrs un- entbehrlich find. Sie werden hierfür die notwendigen Ausfuhr- genehmigungen erteilen und die Ausführung der Verträge, die zwischen Privatpersonen geschlossen werden, gestatten, unter der Voraussetzung, daß die Einfuhrabgaben für diese Erzeugnisse bei ihrer Einfuhr in deutsches bzw. polnisches Gebiet gezahlt werden, soweit nicht in den vorhergehenden Paragraphen Ausnahmen vor- gesehen sind. Alle Bestimmungen über das Zollwesen an der neuen deutsch-polnischen Grenze in Oberschlesien, die nicht lediglich eine Aftwenoung der obigen Grundsätze sind, werden als ein g e- wohnliches'Wirtschaftsabkommen zwischen Polen und Deutschland angesehen. t) kohle, Bergiverkserzeugnisse. Gemäß Artikel 90 des Friedensoertrages von Versailles wird Polen während eines Zeitraumes von IS Jahren von der end- gültigen Zuteilung des Gebietes ab die Ausfuhr von Berg- Werkserzeugnissen der polnischen Zone des Abstimmungs- gebietes nach Deutschland gestatten. Bezüglich der Kohle werden bei Anwendung dieses Artikels die Bestimmungen der verschiedenen Friedensverträge, Entscheidungen und internationalen Abmachungen zwischen Deutschland, Polen und den Ländern in Betracht gezogen werden, die unmittelbar oder mittel- bar an der Einfuhr oberschlesischer Kohle interessiert sind, soweit die Verträge für Deutschland und Polen Berpflichtungen an Kohlen- lieferungen enthalten. Deutschland wird während eines Zeitraumes von 15 Iahren die Ausfuhr der vcrqwerkserzeugnisse seines Ge- bieles in d'e polnische Zone des Abstimmungsgebietes zu den in Artikel' 90 des versailler Vertrages vorgesehenen Bedingungen gt- stallen. Die Ausfuhrzifser der Bergbauerzeugnisse auf die diese Be- stimmung Anwendung findet, wird nach dem Durchschnitt des Umsatzes der Jahre 1911—1913 berechnet werden. x) Arbeitgeber- und ArbeUnehmeroerbäud«. Die deutsche und polnische Regierung werden für die Dauer von IS Jahren die Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände, die im Ab- stimmungsgebict tätig find, anerkennen. Diese Verbände werden in der Lage sein, Kollektivverträge für das gesamte Abstimmungs- gebiet abzuschließen. b) Soziale Versicherungeu. Die Ueberweisung der Bestände der deutschen sozialen und staatlichen Versicherungsan st alten an Polen für den ihm zugesprochenen Teil von Oberschlesien wird gemäß den Vor- schriften und Bedingungen des Artikels 312 des Versailler Vertrages stattzufinden haben. DieRentenempfängerderfozialen und staatlichen Versicherungsan st alten werden alle Entschädigungen und Pensionen empfangen, die ihnen zugesichert worden sind. Die polnische Regierung wird in kürzester Frist in der polnischen Zone besondere Behörden für das Versicherungswesen so- wie für die Verwaltung und die streitige Gerichtsbarkeit schaffen. Die örtlichen Kassen, sei es in der polnischen Zone, sei es in dem gesamten Abstimmungsgebiet(Oberschlesischer Knapp- schaftsverein, Oberschlesische Bergbauhilfskasse usw.) werden für die Dauer von IS Jahren aufrecht erhalten werden, es sei denn, daß die beiden Regierungen nicht früher dahin übereinkommen, eine Tei- lung vorzunehmen. i. Verkehr. Für die Dauer von 13 Jahren wird jeder, der in dem Abstim- mungsgebiet einen ordnungsgemäßen Wohnsitz hat, oder dort einer regelmäßigen oder beruflichen Tätigkeit nachgeht, kostenlos eine Verkehr skarte erhalten, die es ihm gestattet, ohne weiteres die Grenze zu überschreiten. j. Allgemeine Bestimmungen. Die im Abstimmungsgebiet geltenden Bestimmungen, insbe- sondere die auf dem Gebiete des Bergbaus, der Industrie oder des Handels oder auf dem Gebiete der Arbeitsgesetzgebimz bestehenden Vorschriften einschließlich der Ueberwachungsvorschrif- ten, bleiben in dem an Polen fallenden Teil des Abstimmungsgebie- tes in Kraft, bis Polen auf diesem Gebiet Bestimmungen erlassen hat, die in seinem ganzen Lande zur Anwendung kommen und an die Stelle der bestehenden Vorschriften treten können. Hierbei ver- steht es sich jedoch, daß Polen das Recht haben wird, in der schlesisch- polnischen Zone die Aenderungen einzuführen, die Deutschland auf seinem Gebiete zu treffen für gut befinden wird. " Unbeschadet der Bestimmungen des Artikels 256 des Friedens- »rveckrages werden diese beiden Länder alle Rechte und besonder» die Konzessionen und Privilegien, die vor der Teilung von Privatpersonen und Gesellschaften oder anderen ju- riflischen Personen erworben worden sind, auf dem ihnen zugeleil- ten Gebiete anerkennen und achten. Polen verzichkel auf die Dauer von 15 Zähren auf die Vorteile au» den ArKkeln 92 und 297, betreffend die Enlelanung von industriellen Anlagen. Bergwerken oder Lagerungen, außer wcnn nach Ansicht der gemischten Kom- m l s s i o n die Enteignung für die Ausrechierhaltung de» Delrtebes unumgänglich notwendig ifl. Alle Meinungsverschiedenheiten zwischen der deutschen und pol- Nischen Regierung, die sich während eines Zeitraumes von IS Iah- ren über ein« gesetzgeberische Maßnahme der beiden Länder er- geben, die den Letrisb von Gesellschaften oder industriellen und Handelsunternehnnmqen betrifft und in unbilliger Weife die Freiheit dieser Gesellschaften und Unternehmungen w bezug auf die Nationalität ihres Personals, ihrer Administratoren oder ihrer Ka- patitien beeinträchtigt, können, von der mterefsierten Regierung dem Völkerbundrat übergeben werden, dessen Entscheidung beide Sie- gierungen anzunehmen sich verpflichten. Beide Länder können auf Grund eine» gemeinsamen Abkommens alle llebergangsbe st immunge» abändern oder beseitigen. k. NaNonaMälsrccht, Recht des Wohnsitzes und Schutz der Müder- heiteu i» Oberfchlefieu. Die Fragen, die sich aus der Nationalität der Personen ergeben. die bei der endgültigen Zuteilung des oberschleflschen Gebiets in dem Polen zugesprochenen Teile ihren Wohnsitz haben, werden gemäß Artikel 91 des Friedensvertrages von Versailles und den Artikeln 3, 4, 5 und 6 des Vertrages vom 28. Juni 1919 zwischen den Ler- einigten Staaten von Amerika, dem Britischen Reich, Frankreich, Italien und Japan einerseits und Polen andererseits geregelt. Alle Personen, oie zu derselben Zeit in diesem Teil de» Gebietes ihren Wohnsitz haben und die gemäß Artikel 91 des Friedensvertrages von Dersailles das Recht der Option für die. deuifchs Staatsangehörigkeit ausgeübt haben, ohne sich der Möglich- kekt zu bedienen, während der 12 Monat«, di« der Ausübung ihre« Wahlrechts folgen, ihren Wohnsitz nach Deutschland zu verlegen. müssen ebenso wie die Personen, die im ß 2 de» Artikels vi de» Friedensvertrages von Versailles erwähnt sind, das Recht haben. ihren Wohnsitz 15 Jahre lang, vom Tage der endgültigen Zuteilung des Gebieies an gerechnet, in Polen zu behalte«. Plakate als Spmbole. Es gibt friedlose Zweifler, die behaupten, daß nichts oder zu wenig für den Wiederaufbau Deutschlands getan werde. Sie sind im Unrecht. Der Augenschein lehrt es. Wir haben wieder ein Offizierskorps, das sich von dem des wilhelminischen Deutschland nur durch die Uniform unterschiedet. Wir haben jenes freie Spiel der Kräfte wieder, das es jedem Industriellen gestattet, zu fabrizieren, was er will. Wir haben bis auf einige rudimäntäre Reste jene freie Wirtschast wieder, die es jedem freistellt, soviel Milch zu kaufen, als ihm sein Geldbeutel gestattet— es ist die Schuld der Säuglinge, daß sie keinen Geldbeutel haben. Und wir haben endlich auch wieder das vollprozentigs Bier. Damit vor allem ist jener selige Zustand wieder erreicht, an den die Deranstaltcr eines Bauernballes in einer gewissen deutschen Stadt dachten, als sie auf ihre Plakate die Parole schrieben: Es wird wieder jo schön wie früher! Da» deutsche Volk läuft gegenwärtig mit drei sehr verschiedenen Gesichtern herum, wovon das eine der Gegenwart zugekehrt ist. Da es uns en face anblickt, finden wir uns in seinen Zügen leicht zurecht. Hinter seiner Stirn denkt der Gedanke: Was ist heute zu tun, um die Sünden der Vergangenheit wiedergutzumachen zum Heils der Zukunft. Aber viele blicken geflissentlich daran vorbei und bedienen sich der Augen eines der beiden anderen Gesichter. Diese zeigen uns nur ihr Profil. Das eine mtt einem fatalen Barbarenzug um den Mund und fanatisch glühenden Fieberaugen blickt über die Realitäten der Gegenwart hinweg in eine ferne Zu- kunft. Und die Leute, die unter der Hypnose dieses Blickes denken und handeln, erblicken nichts anderes als die rotlohende Fata Mor- gana eines kommunistisch-bolschewistischen Gewaltstaaies. Diesem Zukunftstraum opfern sie bereitwilligst die Gegenwart. Aber so vorausschauend sie sich gebärden, so rückständig sind sie bei näherem Zusehen. Und vor allem bedienen sich diese Apostel sehr gestriger, ja mitunter mittelalterlicher Methoden gegen alle und alles. Das andere der beiden Profile schaut in die Vergangenheit. Es glänzt in den rosigen Schweinchenfarden des selbstzufriedenen Spießers. Er ist in seiner Seldstzüfriedenheit nicht minder grau- sam. Wenn er nur süße Milch in seinen Morgenkaffee gießen kann, s» ist es ihm völlig gleichgültig, ob um deswillen arme Säuglinge hungern. Sein Konterfei hat eine Kulmbacher Bierbrauerei wirk- sam auf eines ihrer Reklameplakate gesetzt. Da liegt er fett und wabblich und rosig wie ein Milchschwein in den weichlichen Kissen seines Bettes. Seine im Fette versunkenen Aeugleui strahlen einem Glas P-vllbier entgegen, das aus den Wolken des Himmels zu ihm Nicderschwebt. Wir sinv auf dem besten Wege dazu, daß es wieder so schön wir» wie früher. Wir brauen wieder Pollbier. Und die Milchbe- wirtschastung ist glücklich auch abgebaut worden.-- Run steigen natürlich die Milchpreise, und die Milchnot derer, die Milch am nötigsten brauchen, wächst von Tag zu Tag. Da soll die Wohltätig- feit helfen— es wird wieder so schön wie früherl Man arrangiert Wohltätlgkeitsfeste. Darunter aber schwärt die Wunde weiter und weiter. Uebelste Begleiterscheinung ist dabei, wie wir mtt der Not derer kokettierten, denen ernstlich keiner der„Wohltäter" helfen mag. Nicht nur dem Ausland, dem wir Tag für Tag die unnützesten Dinge für Sündengeld abkaufen, flennen wir in Wort und Bild, unser Elend— vor uns selbst rühren wir mit Bildern der Not— ohne Sinn für unsere groteske Heuchelei. Auch dafür war ein Plakat symbolisch. Wochenlang hing es in allen Straßenbahnwagen einer deutschen Stadt. Ueber eine große Milchflasche hinweg starrten drei grauenhaft oerhungerte Kindergesichter. Und darunter stand in großen Lettern die Aufforderung zur Teilnahme am„Volks- und Dirndlfest" zugunsten der Milchspende. Das Plakat hing da, von Tausenden gesehen und gelesen, das Fest fand statt, von Tausenden besucht. Ein F e st zum Besten armer Opfer. Und die festfreudigen Teilnehmer spürten keinen kalten Rückenschauer, wenn Ihr Blick vom konzertumrauschten Kafseetisch weg das Plakat mtt den drei hungernden, stummschreienden Kinder- grimnssen streifte. Und doch war auch dieses Plakat wie jenes der Brauerei ein Symbol, war eine ungewollte, erschütternde, grimmige Satire auf alle, die schon zufrieden sind, wenn es wieder markenfreie Milch und zwölfprozentiges Bier gibt, wenn es für die stumpfeste, dumpfeste Vergnügungssucht„wieder so schön wie früher" wird. _ E. H. Wie hoch erheben sich die neuen Staaten Europas über den Meeres'piegel Lekanntiich hat der Ausgang des Weltkriegs eine ganze Anzahl von neuen Mittel- und Kleinstaaten in Europa ent- stehen lassen, bei deren Grenzziehung meist alles andere mehr be- rücksichtigt worden ist als die Zusominenfassung geschlossener Natur- gebiete. Dies zeigt sich vor allem, wenn man der Frage nachgeht, wie hoch diese neuen Staatengebiete über den Meeresspiegel aus- steigen. Man kommt da zu überraschenden Ergebnissen. Polen z. B. ist ein Flachlandstnat. das Uebcrgangsgebiet von der norddeutichcn zur russischen Tiefebene: und doch steigt es in der Meoraugspitze der Hohen Tatra, die ihm mit Galizien Zuge- fallen ist, bis zu LS03 Meter Seehöhe auf, also höher als z. 58. das fast ganz von Hochgebilgen«rfnllte Norwegen. Es wirb aber noch überragt von Jugoslawien, dessen Grenze mit Italien über die Jütischen Alpen verläuft und hier im Triglaw zu 2861 Meter aufst.igt. und der T s ck> e ch o s l o w a k e i, zu der der höchste Gipfel der Hohen Tatra, die 2663 Meter hohe Gerlsdorfer Spitze geltfirt. Oesterreich dagegen hat seine bisher höchste Erhebung, die stolze Pyramide de» Ortler(3902 Meter), an Italien abtreten müssen, und gipfelt jetzt im Großglockner(3798 Meter) der Hohen Tauern. Noch weit größer ist die„Erniedrigung des neuen Ungarn im Vergleich zu dem alten, dem ja sein« ganze schützend« Gebirgsumrahmung genommen worden ist: von den 2663 Meter der Franz-Joses- oder Gerlsdorfer Spitze ist«s auf 1010 Meter im Matrogebirge herabgedrückt worden. Es wird also an Höhe weit von Finnland übertroffen, das sich im Haltiotuntnri an der schwedischen Grenze zum 12S4 Meter Seehöbe, also höher als das Erzgebirge und der Vesuv, erhebt, wie wir aus der Ueberstcht „Berge" im neuen.Brockhaus ersehen, in der die höchsten Er- Hebungen aller Staaten und wichtigeren Gebirge der Erde zu- sammengestellt sind. Reine Flachlandgebiete aber sind die neuen b a l t i» schen Staaten: Estlands höchste Erhebung ist der 324 Meter hohe Eierberg zwischen 5Walk und Pleskau. und Lettland er- hebt sich im Eaising zu 313 Meter: etwa ebenso hoch mögen Litauens höchste Hüge! sein, dessen Grenze« ja noch nicht fest« liegen. Ein« Rskspende deukschcr Kunst. Die nächsten großen Berliner Ausstellungen werden eine Einrichtung zum ersten Mole anwenden, die der notleidenden deutschen Kunst erhebliche Mittel zuführen soll. Jeder Besucher erhält für einen zwangsweise erhobenen Zuschlag zum Einttittsgeld in Hohe von 1 Mk. eine kloine Originalqraphit von einem der in der Ausstellung vertretenen Künstler. Diese Notspende hat in der Künstlerschasr ganz Deutschlands lebhaftes Echo gefunden. Es ist damit zu rechnen, daß bald in ganz Deutschland dieser Notgroschen erhoben wird. Rcichskunstwart Rcdslob hob in einer diese Frage behandelnden Versammlung hervor, daß diese Mittel für werbende Zwecke verbraucht werden sollten, um Typen öffentlicher Kunstxslege aufzustellen. Darüber hinaus hofft man auf die Spenden von Kunstfreunden, um der Unternehmung bald einen kräftigen Fonds zu geben. Eine Konferenz zur Festlegung des Osteftefles soll zu Anfang des nächsten Jahres in Rom unter dem Vorsitz des Kardinals Msrcier stattfinden. Die Bestrebungen zu dieser Kalendcrreform sind ja be- sonders von deutscher Seite bereits vor dem Kriege eifrig aufgs» nommen worden, und im vergangenen Jahrs brachte sogar Lord Desborough im Oberhaus einen Gesetzantrag ein, der die Festlegung von Staats wegen forderte. Es bestanden aber bisher noch immer Unstimmigkeiten zwischen den verschiedenen Glaubensbekenntnissen: man hofft aber nun, diese Gegensätze beseitigen zu können und wirklich zu einer festen Datierung von Ostern zu kommen. Ein göttlicher Zensor. In Bonn beanstandete die Zensur 1846 den Titel einer Uebersttzunz von Dantes„Göttliche Komödie", weil, wie der Zensor schrieb,„mit göttlichen Dingen keine Komödie gespielt werden dürfe". Könnte auch heute noch bei uns passieren. Denn die deutsche Republik hat zwar kein- Zensoren mehr, aber sie hat göttlich« Polizeibehörden und göttliche Staatsanwälte. Knnstlergilfr s«r die Hungernden i» Rnsiland. Ernst Toller bat den Ellraa icincs neucileu Bühnenwerkes.Die''Illalchinenslürmer- der Künslltlbilfr fik die Hungernden Ruchands zur Verfügung gestellt.— Johannes R. Becher bat einen ZylinS Gedichte überwieien. Einer, der nicht gefeiert werde» wollte. In Dresden verstarb kürzlich der Berleger einer großen Zeitung. Die Bekanntgabe deS Tode» elsolgte ans Wunsch deS Verstorbenen erst nach seiner Bestallung. Die Polen deutscher Staatsangehörigkeit, die über 18 Jahre alt sind, und am Tage der endgültigen Zuteilung des Gebietes ihren Wohnsitz in dem Deutschland zugesprochenen Teil haben, sind berech- tigt, innerhalb der beiden folgenden Jahre gemäß Artikel 91 des Oertrages von Versailles für die polnische Staatsange- Hörigkeit zu optieren. Die Polen, die zu dem gleichen Zeitpunkt ihren Wohnsitz in den Teilen Oberschlesiens haben, die endgültig Deutschland zuerkannt sind, müssen das Recht haben, ihren Wohnsitz in Deutschland IS Jahre lang von diesem Zeitpunkt an gerechnet, zu behalten. Diese Regel muß auch auf die Polen deutscher Staatsangehörigkeit, die für die polnische Staatsangehörigkeit gemäß des Artikels 91 des Friedens- Vertrages von Versailles optiert haben, ebenso wie auf polnische Staatsangehörige, die nicht deutsche Reichsangshörige sind, Anwendung finden. Der vertrag über den Schuß der Minderheiten, der am 28. Juni 1919 zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika, dem Britischen Reich, Frankreich, Italien und Janan einerseits und Polen anderer- feits abgeschlossen wurde, findet Anwendung auf den Teil Ober- schlcsiens, der endgültig Polen zuerkannt worden ist. Die Billigkeit ebenso wie die Aufrechterhaltung der Wirtschast in Ober- fchleflen erfordert, daß die deutsche Regierung verpfli ch- t e t wird, mindestens für die Uebergangszeit von 15 Jahren, vom Zeitpunkt der endgültigen Zuteilung des Gebietes an gerechnet, die Bestimmungen der Artikel 1, 2, 7, 8, 9(Abf. 1 und 2V 10. 11 und 12 des genannten Vertrags anzunehmen, soweit es sich nicht um den Teil Oberschlcsiens handelt, der endgültig Deutschland zuerkannt woriv'n ist. Die Bestimmungen des Abkommens, das zwischen der deutschen ■und polnischen Regierung geschlossen wird, um die oben zum Aus- druck gebrachten Grundsätze in die Tat umzusetzen, begründen sowohl für Deutschland als auch für Polen Berpslich- tungen von internationaler Tragweite und wer- den daher in derselben Weise wie die Bestimmungen des Vertrages vom 28. Juni. 1919 unter die Garantie des Vclkebundes gestellt. Jede Einzel- oder Sammeleingabe von Vewohnern Ober- schlesienz an den Dölkerbnndrat wegen dieser Bestimmungen oder wegen der Ausführung der Bestimmungen des Vertrages vom 28. Juni 1919 wird, soweit diese Bestimmungen Heute betreffen, die einer nationalen, religiösen oder sprachlichen Minderheit anae- hören, derjenigen Regierimg eingeschickt werden, in deren Gebiet die Antragsteller ihren Wohnsitz haben. Diese Regierung ist ver- "stichtet, die Eingabe mit oder ohne Stellungnahme dem Völker- lmndrat zur Prüfung zu übersenden. Die Kommissionen. Für die Ueberwachung der Ausführung dieser Maßnahmen werden«ingesetzt: I. Eine gemischte Kommission für Oberschlcsien. bestehend aus .2 Deutschen und 2 Polen, die aus Oberschlesien gebürtig sind, und aus einem Präsidenten fremder Nationalität, der von dem V ö l> kerbundrat bestimmt wird. II. Ein Schiedsgericht zwecks Schlichtung aller privaten Strei- ligkeiten, die aus der Anwendung des oben erwähnten Abkommens sich ergeben können. Dieser Gerichtshof wird sich aus einem von der deutschen Regierung und einem von der polnischen Regierung ernannten Schiedsrichter zusammensetzen. Der Völkerbund- rat wird gebeten werden, den Präsidenten dieses Gerichtshofes zu bestimmen. Alle Meinungsverschiedenheiten über die Ausführung und die Auslegung des Abkommens müssen nach den Bestimmun- gcn dieser Uebereinkunft getroffen werden. III. D!« in dem vorstehenden Artikel II vorgesehen« Rege- lung wird durch einen deutschen und einen polnischen Bevollmäch- tlgten unter dem Vorsitz einer vom Dölkcrbundrat bestimmten Per- fönlichkeit verhandelt werden, die bei Meinungsverschiedenheiten Zwischen den Parteien die Entscheidung fällt. " Die deutsche und die polnische Regierung werden ausgesordert, den dliicrlen Hauptmächten innerhalb 8 Tagen nach der gegenwärtigen Entscheidung den Rainen des v ev oll- m äch kigtcn mitzuteilen, den jede von ihnen bezeichnet hat, um unker den o'bcn benannten Bedingungen das Abkommen i>'-r öle wirtschaftlichen fragen und über den Schuß der Minder- Heiken zu verhandeln, das auf der Grundlage des Artikels II be- schloffen werden soll. Sowie die Bevollmächtigten namhaft gt-f wacht sind, wird der Präsident sie an einen ihm geeignet er- scheinenden Ort laden. IV. Sobald die alliierten Hauptmächte der Ansicht sind, daß die Grenzkommission die im Artikel I beschriebene Grenze an Ort und Stelle hinreichend festgesetzt hat, und daß die im Ar- likel III vorgesehenen Verhandlungen zur Annahme einer Regelung nach Artikel II gestihrt haben, wird die Abstimmungs- kam Mission der deutschen und der polnischrn Regierung die in den Absähen 1 und 2 des ß S der Anlage SS vorgesehene amt- liche Mitteilung zugehen lassen. V. Die deutsche und polnische Regierung werden ausgefordert. innerhalb der nächsten acht Tage ihre Delegierten für die unter Artikel II osrgesehene gemischte Kommission zu bestimmen. Die gemischte Kommission wird sogleich zusammen- treten, um der Interalliierten Kommission bei den Maßnahmen ihren Beistand zu leisten, die die Ueberl-Itung des augenblicklichen Zu- flandes mit sich bringt. VI. Die vorliegende Entscheidung wird der Abstimmungskom- Mission wie auch der deutschen und polnischen Regierung offiziell mitgeteilt werden. gez. hardinge of Penhurst. JulesCambon. BoninLongare. Jfhii. Dr. Naper nicht KanzlerkanAiöat. Herr Botschafter Dr. Mayer in Paris läßt uns mit- teilen, daß er gegen die Meldung über seine angebliche Kan« didatur für den Kanzlerposten entschieden Verwahrung ein« legen müsse. Eine Kandidatur seiner Person könne nicht in Frage kommen._ Weitere Bbschwächung öes Dollars. Die spekulatwen Käufe, durch die der Dollarturs zu Be- ginn dieser Woche auf 19ö hochgetrieben wurde, haben fast ganz nachgelassen. Die Ratifikation des deutschamerikanischen Friedensvertrages durch den Senat der Dereinigten Staaten und eine allgemein ruhigere Beurteilung der innerpolitischen Lage Deutschlands tragen wesentlich zur Erholung der Mark bei. Heute wurden Dollarnoten anfangs mit 161 an- geboten; im weiteren Verlauf der Börse senkte sich der Kurz auf etwa 1ö6._ �ur Lage im Zeitungskonflikt. Der Stand der Ding« ist unverändert. Der Reichsarbeits- minister Dr. Brauns gibt sich alle erdenkliche Mühe, den Streit beizulegen, jedoch gerade die gespannte politische Lage, die dazu veranlaßt, hindert an raschen Verhandlungen. Das Personal von Rudolf Masse wird erst dann in Tätigkeit treten, wenn die Ange- legenhest erledigt ist. Es ist möglich, daß dies morgen bereits der Fall ist. 2a der Betriebsversammlung des Personals von Rudolf Mosic wurde folgende Entschließung gegen zwei Stimmen angenommen: „Die heutige Betriebsversammlung kann das Angebot des Herrn Slrbeitsminifters. die Arbeit unter Vorbehalt aufzunehmen, nicht annehmen. Sie beschließt aus sachlichen Gründen und gestützt auf das Vertrauen der gesamten Kollegenschaft im Vuchdruckgewerbe, im Kampfe auszuharren, bis ihren gerechten Forderungen Genüge ge- fchehea ist." Rücksichtslose Seamtenpolitik. Im Reichstag hat Genosse S t e i n k o p f die folgende Anfrage an die Regierung eingebrocht, deren Beantwortung für zahlreiche Angestellte im Verwaltungsdienst von höchstem Interesse ist. Die Anfrage lautet wörtlich: In der letzten Zeit häufen sich die Fälle, in denen Arbeitern und Angestellten der Dienst bei Verwaltungen des Reichs grundlos und ohne jede Rücksicht auf die Bestimmungen des Betriebsräte- gefetzes gekündigt wird. Die Folge ist, daß sich die Gekündigten an den Schlichtungsausschuß wenden, der den Reichsfiskus regelmäßig zur Weiterbeschästigung oder Zahlung namhafter E n t- schädigungen verurteilt. So wurden allein in einer Sitzung eines Schlichtungsausschusses 15 Gekündigten rund 67 000 M. zugesprochen, und man sagt, daß Fälle mit 20 000 und mehr Mark Eni- schädigung nicht zu den Seltenheiten gehören. Nach weitverbreite- ter Ansicht geschehen diese vom Schlichtungsausschuß als u n b e- gründet festgestellten Kündigungen lediglich zu dem Zweck, u n- bequeme Arbeiter und A n g e st e l l t e loszuwerden, auch um den Preis hoher Entschädigungszahlungen und in dem Bewußt- sein, daß das Reich diese leisten muß. Ich srage: 1. Sind der Reichsregierung diese Zustände bekannt und was gedenkt sie zu tun, den Bestimmungen des Betriebsrätege- s e tz e s auch seitens der Reichsverwaltungen Beachtung zu verschaffen? 2. Wieviel solcher vom Schlichtungsausschuß als unbegründet festgestellten Kündigungsfälle sind von den Verwal- tungen des Reichs seit dem Inkrafttreten des Betriebsrätegesetzes ausgesprochen worden, in wieviel Fällen erfolgte Weiterbeschästi- gung, in wieviel Entschädigungszahlungen und wie hoch belaufen sich diese einzeln und in der Gesamtsumme? Ich bitte um schriftliche Antwort. « Im Reichstagsausschuß für Beamtenangelegenheiten berichtete der Vorsitzende Abg. D e g l e r k(Dnat.) über ein von ihm an den Finanzminister gerichtetes Schreiben, in dem er forderte, daß der Ausschuß in der Frage der Erhöhung der Beamtenbezüge zu Rate gezogen wird. Gemäß einem Antrag des Abg. W e u e r- mann(D. Vp.) wurde nach längerer Debatte beschlossen, die Re- gierung zu ersuchen, den Beamtenausschuß zur Beratung der Teuerungsaktioy sofort hinzuzuziehen. Wiesbadener Abkommen und Reparationen Die Wiederizntmachungskommission nicht zuständig. Paris, 21. Oktober.(EE.) Nachdem die Reparationstom- Mission in offiziöser Sitzung das Wiesbadener Abkommen geprüft hatte, das ihr von der französischen Regierung vorgelegt worden war, versammelte sie sich gestern zu einer offiziellen Vollsitzung, um folgende Beschlüsse zu fassen. 1. Die Reparationskommission erNärt sich mit den allge- meinen Grundsätzen des Wiesbadener Abkommens, wo- nach Vereinbarungen getroffen werden sollen, um es Deutschland zu ermöglichen, den größtmöglichen Teil seiner Verpflichtungen in Form von Waren und Naturalleistungen abzutragen, namentlich zu dem Zwecke, daß ein rascherer Wiederaufbau der zerstörten Ge- biete erfolgen könne, einverstanden. 2. Sie glaubt aber, daß das Abkommen von Wiesbaden Verstöße gegen die Bestimmungen des Teiles VIII des Frie. densvertrages enthalte, be, anders gegen den Artikel 277, Z 12 und§ 19 des Anhanges II und jj 5' des Anhanges IV. 3. Da die Reparationskommission nicht kompetent ist, derartige Verstöße zu billigen, beschließt sie, die Frage den Re- gierungen, die in der Reparationstommission vertreten sind, zu überweisen, und sie richtet gleichzeitig an diese eine Abschrift des Memorandums und dessen Anhanges, deren wohlwoliendg Prüfung sie empfiehlt. 4. Unter Vorbehalt der Garantien, die die alliierten Regierun- gen evtl. für notwendig erachten können um ihre Interessen zu schützen, empfiehlt die Kömmission, daß Frankreich ver- nünftige Erleichterungen gewährt werden sollen, um seine Zahlungen für weitergehende Naturallieferungen ausschieben zu können, die Frankreich wahrscheinlich während der nächsten Jahre erhält, wenn dos Wiesbadener Abkommen befriedigende Resultate zeitigt. Der»Petit Parisien" fügt hinzu, daß eine Entscheidung über die 26prozentige Ausfuhrtaxe, inwieweit sie sich auf die Lieferungen Deutschlands, die vorläufig nicht bezahlt, sondern Frankreich kreditiert werden sollen, bezieht, nicht gefunden wurde, doch erklärte sich die Reparations- tommission in dieser Frag« für kompetent. Das„Petit Journal" behauptet daß die Jntompetenzerklärung der Reparationskommission unabsehbare Folgen haben könne. Aber die französische Regierung habe bereits früher be- schlössen, das Wiesbadener Abkommen der Reparationskommission nur in den Punkten vorzulegen, für die diese kompetent ist. Indem sich die Reparationskommission als inkompetent erklärt, nahmen die Alliierten Gelegenheit, über diese Fragen einen eingehenden Ge- dankenaustausch zu pflegen. Es scheint, daß die Alliierten Frank- reich nicht das Recht bestreiten können, einen Teil seiner Repara- tionsforderungen nach seinem Gutdünken zu begeben. Revolution in Portugal. In Portugal, diesem alten Unruhenherd, der auch nach dem Sturz der Monarchie nicht zu geordneten Verhältnissen kommen konnte, ist von neuem eine Revolution ausgebrochen. Schon feit den letzten Kammerrvahlen herrschte eine verschleierte Krise. Die M i l i t ä r p a r t e i trat verschiedentlich mit Drohungen an das Porlament heran. Sie hat nunmehr die Macht an sich gerissen, ohne wahrscheinlich das Land aus den ewigen Finanznöten und innerpolitischen Unklarheiten heraus- führen zu können. Lissabon, 20. Oktober,(havas.) Der Ministerpräsident G r a n j a, die Minister Admlral Machado S a n t o s, Carlos Maro, Carlos Freitas- Silva sind Opfer eines Attentats geworden. Der ehemalige Ministerpräsident Euyha Lea» ist verwundet worden. Der Präsident der Republik hak, um weiteres Blutvergießen zu ver- meiden, die von dem neuen Ministerpräsidenken und Minister des 2nnrrn Oberst E o elh o vorgeschlagene Umbildung des Mi- n i st e r! u m v angenommen. Zum Finanzminister wurde Carla. zum Sriegsminisier Simoes. zum Marincmin'.ster Pinto, zum Mi- nister des Acußeren Veiga ernannt. Das neue Kabinett hat die Parlamentswahlen vom 10. 2utt d. 2. für ungültig er- klärt und alle von diesem Parlament vorgenommenen Handlungen annulliert. Lissabon, 21. Oktober.(EE.) Ueber die Revolution verlautet: Gestern morgen wurden vom Meere her Kanonenschüsse ge- hört. Das Militär ging ans dem Kampfe, der stallfand, sieg- reich hervor. Die neue Regierung verurteilt die Minlstcrmorde und erklärt, daß sie die Urheber vor Gericht stellen werde. 2n Lissabon herrscht große Erregung, in den Straßen patrouilliert Militär. Sturz des albanischen Kabinetts. Ein Telegramm aus Du- razzo meldet den Sturz des albanischen Kabinetts. Die Gründe werden nicht mitgeteilt. Lärmszenen im Landtag. Vor Eintritt in die Tagesordnung erteilt Präsident L e i n e r t dem Ministerpräsidenten S t« g e r w a ld das Wort. Abg. Kotz (Komm.) ruft: Ich hatte ums Wort gebeten. Präsident Le inert erwidert: Wir sind noch nicht in die Tagesordnung eingetreten. Es erhebt sich ein ohrenbetäubender Lärm'der Kommunisten, die durch andauernde Zwischenrufe versuchen, den Ministerpeäsidenten, der das Rednerpult betreten hat, am Sprechen zu hindern. Die Kam- munisten rufen dazwischen: Erst soll der Reichstag sprechen. Der Lärm steigert sich immer mehr, so daß der Mi- nssterprässdent völlig unverstänttich bleibt. Aus der Rechten ertönen Ruf«: Schmeißt sie raus! Präsident Lemert ersucht dringend, den Ministerpräsidenien nicht zu stören. Der Lärm schwillt aber immer mehr an. Von der Erklärung des Ministerpräsidenten ist nur hin und wieder«in ein- zetnes Wort zu verstehen. Trotz des andauernden Geschreies der Kommunisten spricht der Ministerpräsident weiter. Die Abgeord- neien haben sich vor dem Rednerpult zu einem dichten Haufen zu- sammengeschart, reden in höchster Aufregung auseinander ein. Die Stenographen oersuchen nicht mehr die Worte des Ministervräsicen- ten auszuzeichnen. Diejeniocn Abgeordneten, die einzelne Sätze der Erklärung des Ministerpräsidenten verstehen, rufen auf der Rechten und in der Mitte stürmiich Bravo! dazwischen. Als der Minister- Präsident die Rednertribüne vorläßt, begleitet ihn minutenlanger stürmischer Beifall der Rechten. Zur Geschästsordnung erhält darauf das Wort Abg. Herold(Zentr.): Mit Rücksicht auf die groß« Bedeutung der soeben aehörten Erklärung des Ministerpräsidenten beantrage ich die Sitzung zu vertagen.(Gelächter und Zurui« bei den Kommu- nisten.) Abg. Kak(Komm.) wird auf der Tribüne von stürmischen Protestrusen der Mehrheit empfangen, die ihn minulenlang nicht zu Worte kommen läßt. Präsident Leinert ersucht das Haus, ruhig zu bleiben.(Stürmische Protestruse rechts.) Präs. Leinert: Ich bitte Sie, die Verhandlungen nicht durch Zwischenrufe zu stören. Ich muß jedem Abgeordneten zum Wort verhelfen, sei es von rechts oder links. Abg. kah(Komm.) führt unter dauernder großer Unruhe der Rechten aus: In unserem Bureau in der Rosenthaier Straße sind Schutzpolizisten erschienen, um Material herauszuholen. Der Abg. Meyer von meiner Fraktion wurde deshalb aus dem Aeltestenrat herausgerufen. Der Vorsitzende Leinert weigerte sich, mich an feiner Stelle an den Verhandlungen teilnehmen zu lassen. Bis jetzt ist es üblich gewesen, daß ein anderer Abgeordneter zur Vertretung einspringt, wenn ein Abgeordneter durch Ausnahmesälle verhindert war, an der Sitzung des Tleltestenrots teilzunehmen. Das ist hier nicht gestattet worden.' Der Aeltestenrat hat in unserer Ab- Wesenheit an Stelle der festgesetzten Tagesordnung die Erklärung des Mini st erpräsidenten auf die Tagesordnung gefetzt. Jetzt hat vor Eintritt in die Taaesordnung der Präsident gegen alle Geschäftsordnung mir nicht das Wort erteilt.(Erneuter Lärm rechts.) Die Kommunisten werden bei allen möglichen Gelegenheiten ver- gewaltiqt. Deshalb können Sie es uns nicht zumuten, daß wir uns an diesem Orgeschrummel beteiligen sollen. Abg. Braun(Soz.): Im Hinblick auf den furchtbaren Ernst der Lage in unserem Vaterland« bedauere ich die Szenen, die sich hier abgespielt haben. Sie hätten vermieden werden können, wenn mon unseren Ratschlägen im Aeltestenrat ge- folgt wäre. Nachdem man aber geglaubt hat, vor dem Reichs- tag und vor der Reichsregierung hier zu der oberschlessschen Fragte Stellung zu nehmen, können wir da nicht mitmachen. Auch im Hinblick auf die Unterstützung der O p p a u e r Opfer, die noch auf der Tagesordnung steht, können wir einer Vertagung nicht zustimmen. Präsident Leinert weist die Vorwürfe des Abg. Katz, daß er sich geweigert hätte, die Immunität der Abgeordneten zu schützen, zurück. Bezüglich der Vorgänge im Aeltestenrat stellt der Präsident fest, daß Abg. Katz sich nicht an ihn gewandt hat. Abg. Leid(U. Soz., erhebt ebenfalls Einspruch gegen die Ver- tagung. Abg. kah bestreitet die Behauptung des Präsidenten, daß er ihn über den Ausnahmefall nicht aufgettärt habe. Präsident Leinert widerspricht. Abg. Dr. Meyer(Komm.) protestiert aufs schärfste gegen die Vertagung. Gegen die Stimmen der drei sozialistischen Fraktionen wird die Sitzung geschlossen.(Großer Lärm bei den Kommunisten.) Präsident Leinerl schlägt vor, die nächste Sitzung abzubauen: Donnerstag, den 3. November, 1 Uhr. Besprechung der Erklärung des Ministerpräsidenten.(Lachen bei den Kommunisten.) Zwei Anträge der Kommunisten, die nächste Sitzung heute nachmittag bzw. Sonnabend früh abzuhalten, werden gegen die drei sczialistischen Parteien abgelehnt. Es bleibt also beim 2W. schlag des Präsidenten. Schluß nach Mi. Uhr. * Eine Erklärung ües präfiSenten leinert. Zu den heutigen Vorkommnissen im Landtag teilt uns der Präsident, Genosse Leinert, folgendes mit: Während der Sitzung des Aeltestenrates läutete der Abgeordnete Neu mann-Berlin im Landtage an und teilte mit, daß die Schutzpolizei in einem Gebäude der Rosenthaler Straße Haus- suchungen vornehme. In dem Hause hätten die kommunistischen Abgeordneten ein Zimmer, das lediglich für Abgeordnete bestimmt sei. Die Polizei beachte aber diese Angabe nicht, sondern beabsichtige, auch in diesem Zimmer Haussuchungen vorzunehmen. Das verstoße gegen die Immunität und er verlangte, daß ich dagegen einschreiten solle. 2ch habe darauf erwidert, daß mir in rinem anderen Gebäude als dem Landtage keinerlei Exekutive zustehe. Die Immunität der Abgeordneten fei durch die Reichsoerfasfung geschützt. Weshalb die Haussuchung stattfinde, könne ich nicht wissen, da der Abg. Neumann mir den Zweck der Haussuchung auch nicht mitgeteilt hatte. Ich habe ihm den Rat gegeben, sich an den Mi- nister des Innern zu wenden. Dieser könne Anordnungen treffen, da ihm die Schutzpolizei unterstehe. Ich habe darauf auf- merksam gemacht, daß Immunität dann nicht in Betracht komme, wenn ein Abgeordneter innerhalb 24 Stunden nach Ausübung der Tat festgenommen würde. Wenn im Landtage irgendeine Handlung der Schutzpolizei unternommen würde, könnte ich ein- schreiten, well mir im Landtage das H a u s r c ch t und die Po- l i z e! g e w a l t zustehen. Für die Gebäude in der Rosenthaler Straße sei ich nicht z u st ä n d i g. Der Abg. Katz behauptet demgegenüber, daß der Landtag»- Präsident seine Pflicht verletzt hätte und den Schutz der Immunität nicht sichere. Der Präsident hat aber ganz richtig gehandelt, denn nach den gesetzlichen Bestimmungen steht ihm keinerlei Auf- sichtsrecht gegenüber der Polizei zu. Alberk Thomas legt sein Ilbgeordneienmandat nieder. Nach einer Pariser Meldung hat der Direktor des Internationalen Arbeitsamts in Genf, Albert Thomas, sein Abgeordneten- Mandat niedergelegt. Es wurde in dieser Richtung schon seit zwei Jahren von der französischen Partei, auch nach der Spaltung von Tours, ein Druck in diesem Sinne auf ihn ausgeübt. Aber die Bezirtsorganisatfon des Departements Tarn, in dem er als Nach- folger von Iayrös gewählt wurde, setzte sich dieser Forderung ent- gegen und sprach ihm noch kürzlich ihr volles Vertrauen aus. In- dessen hatte Thomas infolge seiner Funktton in Genf sein Mandat toisöckislcki seit Mannten n!ck>f mebr an-n-'is't. OeVerMastsbewegung Fort mit dem Trinkgeld! Gleich den Unternehmern im Gastwirtsgewerbe behaupten auch »nanche Gäste, die Kellner würden auch bei fester Bezahlung nach ivie vor Trinkgeld nehmen. Eine Zuschrift an uns besagt:„Solange die Welt bestehen wird, werden die deutschen Kellner Trinkgeld neh- men und wenn sie finanziell noch so gut von ihren Brotherren gestellt sind. Machen Sie doch mal die Probe aufs Exempel und gehen zum Lldlon-Hotel, um nur eines herauszugreifen. Trotz fürstlicher Eni- lohnung nehmen sie alle und sind keinem xtwa böse, der es wagen sollte, ihnen das so verpönte Trinkgeld anzubieten..." All diesem Gerede gegenüber steht die Tatsache, daß kein Trink- geldnehmer denkbar ist, ohne T r i n k g e l d g e b e r. Solange die Gäste wissen, der sie bedienende Kellner ist in seinem Einkommen auf Trinkgeld mit angewiesen, solange fühlen sie eine gewisse moralische Verpflichtung, Trinkgeld zu geben. Sobald jedoch feste Löhne ge- zahlt werden, schlägt diese moralische Verpflichtung ins Gegenteil um: kein Trinkgeld mehr zu geben. Protzen-Experimente besagen nichts gegen die Kellner. Wenn die Gäste, trotzdem sie wissen, daß das Personal nunmehr feste Be- Zahlung hat, dennoch Trinkgeld anbieten, sei es aus Gewohnheit oder aus Uebermut, dann hat keiner von ihnen die moralische Berechti- gung, den Kellnern einen Vorwurf daraus zu machen, daß sie Trink- geld annehmen, denn nicht die Kellner, sondern sie selber wären dann die Schuldigen. Nicht ein einziger Kellner wird das Kun st stück fertig bringen, Trinkgeld anzunehmen, wenn' kein Gast mehr Trinkgeld gibt. Mit der Vereinbarung über feste Lohnzahlung haben die Unter- nehmer es in der Hand, j edcn Kellner, der Trinkgeld an- nimmt, sofort fristlos zu entlassen. Damit werden all die einfältigen Ausreden und die hämischen Verdächtigungen hinfällig. Erst gestern wurde die Schwindelnachricht verbreitet, im Hotel Adlon habe der Betriebsrat sein Amt niedergelegt, weil die Kellner weiterhin Trinkgelder nähmen. Man stelle sich vor, daß in diesem Hause zumeist valutapralle Ausländer oerkehren, die das deutsche Papiergeld nicht so genau zu zählen brauchen: daß dort mitunter einem Kellner ebensoviel oder noch mehr Trinkgeld an einem Tage angeboten wird als sein ganzer Wochenlohn beträgt, und würdig« demgegenüber die Tatsache, daß kein Kellner im Hotel Adlon das so häufig� reichlich und aufdringlich gebotene Trinkgegld annimmt. Der Kellnerbeirat erklärt:„Nachdem im Hotel Adlon die For- derungen der Arbeitnehmerorganisaiion bewilligt wurden, fand eine Versammlung des im Haufe beschäftigten Bedienungspersonals statt. Einstimmig wurde die Forderung auf Entlassung bei Trinkgeld- annähme gestellt. Statt massenhafter Trinkgeldforderungen(II), wie die„Deutsche Zeitung" schreibt, sind täglich massenhafte kategorische Trinkgeldabweisungen erfolgt, und der Betriebsrat ist in der Lage, das auch zu beweisen. Daß der Kellnerbeirat aus irgendeinem Grunds sein Amt nieder- gelegt hätte, ist nur eine Irreführung der öffentlichen Meinung. Der gesamte Betriebsrat mit Einschluß des betreffenden Kellncroeirates, der noch wie vor sein Amt inne hat, hat Beschluß zur Straffer- folgung gegen den oder die Urheber der oben erwähnten Zcitungs- notiz der„Deutschen Zeitung" gefaßt." Fort mit dem Trinkgel dl Aber auch mit all dem Schwindel, all den Lügen, die gegen die kämpfenden Eastwirtsange- stellten verbreitet werden!_ GOO 000 Mitglieder! Das Organ des Deutschen Textilarbeiteroerbandes,„D e r Tex t i l- A r b e i t c r" hat fein« Auflage über 600 090 Exem- plar« gesteigert. In der Regel ist die Auflage der Verbandsorgane etwas höher als die Mitgliederzahl, da eine Anzahl im Austausch mit anderen Zeitschriften, an die Arbeitersekretariatc, die Ortsaus- fchüsse des ADGB., an Bibliotheken und behördliihe Stellen abgegeben wird. Beim Tertilarbeiterverband wird diese Zahl von Exem- pldren nicht nur ausgeglichen, sondern noch eine ganze Menge da- durch erspart, daß den weiblichen Mitgliedern die„Gcwerk- schaftliche Frauen zeitung" geliefert wird und dafür der betreffenden Familienmitgliedschaft nur je ein Exemplar des Verbands- organs ausgefolgt wird. Die Auflage des Verbandsorgans ist also ziemlich gleichbedeutend mit der Mitglied erzähl des Textil- a r b e i t e r ve r b a n d« s, die mithin ebenfalls die Zahl von 6000 0 0 überschritten hat. Gescheiterte Berschmelznng. Die Urabstimmung über den Zusammenschluß der Verbände der Bäcker und Konditoren, Brauerei- und Mühlenarbeiter, Fleischer und Berufsgenossen hat am 9. Oktober folgendes Er- aebnis gezeitigt: Es stimmten für den Zusammenschluß im Verbände der Bäcker und Konditoren 16133, im Brauerei- und Mühlenarbeiterverband 16 421, ini Fleischeroerband V1S6, insgesamt 417 15 M i t g li e d e r. Gegen den Zusammenschluß stimmten 5349 bzw. 21 155 bzw. 552, insgesamt 2 7 0 5 6. Da jedoch im Verbände der Brauerei- und Mllhlenarbciter von den Abstim- menden die Mehrheit gegen den Zusammenschluß votierte, so ist die Verschmelzung dieser drei Verbände gescheitert. Die Stimmbeteiligung war sehr schwach: von den vorhandenen 173 000 Mitgliedern haben nur 69 017 von dem Recht der Abstim- mung Gebrauch gemacht. Am besten war die Beteiligung im Braue- rei- und Mühlenarbeiterverband mit mehr als 50 v. H., im Fleischer- verband betrug sie 41,3 v. H., weit zurück mit 29,62 o. H. blieb aber der Bäcker- und Konditorenverband. Es hat sich nicht bewahrheitet, was von den Verschmelzungsfreunden fortwährend behauptet wurde, daß die Massen stürmisch den Zusammenschluß fordern. Die Nr- abstimmung hat im Gegensatz bewiesen, daß besonders in den Groß- städten eine große Jnteressenlosigkeit zu dieser Frage besteht. Angestelltentarif in Schloffereien. Die in der Afa organisierten Angestellten der Kunst- und Bau- schlossereien sowie der Geldschranksabriken stehen mit dem Arbeit- gcberverband im Tarifvertagsverhältnis. Sie kündigten vor einiger Zeit die Gehaltssätze des Tarifs und stellten neue Gchaltsforderungen. Bei dieser Gelegenheit erfuhren sie dann, daß der Gewerkschaftsbund der Angestellten sich nachträglich dem Tarifabkommen angeschlossen hat, den die Unternehmer nunmehr zu den Verhandlungen hinzu- ziehen wollten. Dagegen wehrten sich die Afa-Angestellten. Doch mußten sie erst einen Schiedsspruch heibeiMrcn, der die Arbeitgeber verpflichtet, zunächst mit der„Afa" allein zu verhandeln. Das Er- gebnis der Verhandlungen war, daß ab 1. Oktober auf die bestehen- den Gehälter«in Zuschlag von 25 Proz. in den Bauschlossereien und von 20 Proz. in den Geldschranksabriken erfolgm soll. Die unter- schiedlich« Behandlung der Techniker mit oder ohne Werkstatipraxis soll fortfallen, doch wollen die Unternehmer die unterschiedliche Be- zahlung der Techniker in den Schlossereien und in den Geldschrank- fabriken beibehalten wissen. Die neue Regelung soll bis Jahres- schluß gelten, mit Kündigung ab 1. Dezember. Ueber die Verhandlungen und das mitgeteilte Resultat berichtete Marquardt eingehend am Mittwoch in einer gut besuchten Branchenversammlung der Afa. Die Tarifkommission verspricht sich nichts von einer Anrufung des Schlichtungsausschuffes und empfiehlt nach reiflicher Ueberlegung die Annahme der zugestandenen Tarifsatze. In der Diskussion wurden von verschiedenen Rednern Bedenken gegen die Vorlage geltend gemacht, besonders gegen die Bindung bis zum 31. Dezember. Angenommen wurde folgende Resolution: „In Anbetracht der teuren Lebensverhältnisse sehen die Ver- sammelten in dem Angebot keine ausreichende Bezahlung, zumal die Sätze bis zum 31. Dezember als feststchend gelt« sollen. Trotz schwerer Bedenken sind die Versammelten bereit, die Tartskommission zu beauftragen, der Annahme zuzustimmen unter der Voraus- s e tz u n g, daß die Sätze nur für Oktober und November gelten sollen. Für den Fall, daß die Arbeitgeber dies berech- tigte Verlangen ablehnen, beauftragen die Versammelten die Organi- sationen, weitere Schritte einzuleiten." Neue LohnvereinSarungen im Friseurgewerbe. Im Friseurgewerbe gelten ab 20. Oktober neue Lohnsätze. Nach ihnen erhalten Herrenfriseure 200, Damenfriseure 210, Friseurinnen mit regelrechter Lehrzeit 210, ohne regelrechte Lehrzeit nach ständiger Tätigkeit von einem Jahre 185, von zwei Jahren 200, von drei Jahren 210 Mk. Für Haararbeiter und -arbeiterinnen 280, qualifizierte 315, Präparateure und Einrichter 345 Mk., wozu bei Akkordarbeit ein Aufschlag von 30 Proz. erfolgt. Handpflegerinnen erhalten 195 Mk. Außer- dem dürfen bisher bessere Bedingungen nicht verschlechtert werden. Für die Kollegen und Kolleginnen in den Warenhäusern gelten ab 20. Oktober folgende Lohnsätze: Herrenfriseure 250. Damen- f r i s e u r e 260, Friseurinnen 250 und Handpflege- rinnen 200 Mk. Zu diesen Sätzen kommen außerdem 10 Proz. von jeder Bedienung und dem Verkauf hinzu. Die A u s h i l f s- löhne sind gleichfalls im entsprechenden Maße erhöht worden. Die Funktionärkonferenz stimmte dieser vorläufigen Ver- einbarnng unter der Bedingung zu, daß die Verhandlungen über einen Tarifvertrag weitergeführt werden, welcher nach dem Bericht der Kommission in nächster Zeit zu einem Abschluß führen soll. Die Vereinbarung ist von den Innungen und Freien Vereinigungen der Arbeitgeber Groß-Berlins und der Arbeitnehmerorganisation unter- zeichnet worden._ Amerika vor einem Eisenbahnerstreik? Der drohende Eisenbahnerstreit ist nach einer Washingtoner Meldung der Dena plötzlich zur brennendsten Frage des Tages ge- worden, Das Kriegsministerium und der Generalstab arbeiten be- reits ein A k t i o n s p r o g r a m m aus, das für den Fall der Verwirklichung der Streikdrohung für den Oktober unver- züglich in Kraft treten soll. Präsident Harding hat, um den Streik zu verhindern, beschlossen, alle Eisenbahnbetriebsleiter und Führer der Fachverbände zu zwingen, sich der Entscheidung des Eisenbahn- Arbeitsamtes unbedingt zu fügen. Das Eifenbohnarbeitsamt hat die Führer der vier Eisenbahnerverbände und den Vorsitzenden der Ver- einigung der Weichensteller zu einer Konferenz nach Washington berufen, von der man sich die Beilegung des drohenden Konflikts erhofft. Inzwischen werden, nach dem Beispiele des letzten großen eng- lischen Streiks, von der Regierung und von allen Teilen der Bevol- kerung umfassende Maßnahmen getroffen, um die evtl. Streikwir- kungen zu paralysieren. Das Schiffahrtsamt wird alle Schiffe in Dienst stellen, um den Küstenhandel- und-oerkehr erweitert auf- rechtzuerhalteii. Ebenso werden von den städtischen Behörden zahl- reiche Motorlastzüge zusammengestellt, ein umfassender Handelsflug- dienst organisiert, und auch von feiten der amerikanischen Post sind großzügige Vorbereitungen im Gange, um durch Flugzeuge den Postdienst in großem Umfange aufrechtzuerhalten. Verbindlich erNärker Tarifvertrag. Der am 1. August 1921 zwischen dem Arbeitgeberverband Berliner Tapisse- riefabrikanten und dem Zentralverband der Angestellten mit Wirkung vom 1. August 1921 abgeschlossene Tarifvertrag ist für all- gemein verbindlich erklärt worden. Tarifverträge sind ebenso wie die für den Einzelhandel Groß- Berlins im Ortsbureau, Bellealliancestr. 7/10, erhältlich. In der Mühcnbranch« haben fich in einzelnen Betrieben Streikbrecher gefunden. In allen solchen Fällen ist von� den Mitgliedern des Transportarbeiteroerbandes strengste Solidarität zu wahren und Streikarbeit zu verweigern. Die Handels- Hilfsarbeiter lehnen es ab, mit Arbeitswilligen gemeinsam zu arbeiten und ihre Arbeiten zu vollenden. Wo in solchen Betrieben Differenzen mit der Geschäftsleitung entstehen» ist der Organisation sofort Mittellung zu machen. Für den Achtstundentag, gegen das lleberstundenunwesen nahm eine Betriebsversammlung der Angestellten der Engelhardt-Betriebe Stellung, die folgende Resolution einstimmig annahm: „Die Angestellten der Engelhardt-Betriebe behandelten eingehend die Frage des Ueberstundenunwesens und des Achtstundentages. Die Versammlung beauftragt die Angestelltenräte, in Gemeinschaft mit den Organisationen für Abstellung des Ueber st unden- Unwesens Sorge zu tragen. Wenn die Arbeit im Betriebe von dem vorhandenen Personal nicht mehr bewältigt werden kann, so hat die Einstellung Erwerbsloser zu erfolgen. Ferner geloben die Versammelten, an dem Achtstundentag festzuhalten und sind bereit, die Anschläge der Arbeitgeber gegen diese soziale Errungenschaft mit den allerschärfsten Mitteln abzuwehren." Die Arbeitslosigkeit in der Tschechoslowakei erreichte im Sep- teniber den tiessten Stand, da in der ganzen Tschechoflowakei nur 26 000 Personen staatliche Unterstützung bezogen. Die Zahl der Arbeitslosen betrug im August 29 000, mithin hat sie sich um 3000 vermindert. Gegen den Achtflundenkag. der am 1. Oktober in Belgien ein- geführt wurde, haben die Unternehmer mtt der Begründung eine Protestaktion eingeleitet, daß die belgische Industrie dadurch konkurrenzunfähig würde. Wirtsthcrft Syndikalsbildung. Zwei sehr wichtige Syndikate sind im End» stehen begriffen, nachdem die Zwangsbewirtschaftung für ihre Er- Zeugnisse aufgehoben ist. Zunächst wird das Zuckersyndikat die Interessenten zusammenfassen, um preisregelnd und den Absatz ordnend einzugreifen. Nach den neueren Berichten scheint diese Syn- dikatsblldung unter Dach und Fach zu fein, und die Verbraucher werden sehr bald erfahren, was ihnen bei dieser neuen Zwangs- Wirtschaft bevorsteht. Ein zweites, nicht minder wichtiges Syndikat bildet sich durch einen Zusammenschluß der Steinsalzwerke. Hier liegt indirekt ein Druck der Regierung vor, die den Zusammen- schluß gefordert hat, um die Interessenten für die Verbrauchs- abgäbe zu einer zweckmäßigen Organisation zusammenzuschließen. Die Derbrauchsabgabe führte bisher bei einer Gleichmäßigkeit zu einer harten Belastung derjenigen Unternehmungen, die ungünstig in ihrer Produktion standen, und bevorzugte die bessergestellten. Die Regierung hat den Interessenten nahegelegt, die Salzabgabe s e l b st auf ihre Betriebe umzulegen je nach der Leistungsfähigkeit der Un- ternehmungen und dabei zugleich auch die Absatzgebtete zu regeln, um möglichst Frachtersparnisse eintreten zu lassen. Wir dürfen in einem Zustandekommen dieses Salzsyndikats wohl den ersten Ver- such sehen zu der Durchführung eines Steuersyndikats. Die Regierung würde dann von dem Syndikat einen bestimmten Bettag nach der Höhe seines Umsatzes als Steuer fordern, aber, wie schon bemerkt, die U m l a g e dieser Steuer den Interessenten selbst überlassen. Im vorliegenden Falle wird man gegen diese Art der Steueraufbringung nichts einwenden können. Nur scheint es uns verfehlt, zu glauben, daß für alle Industrien eine ähnliche Organi- sation in der Steueraufbringung ohne weiteres durchführbar wäre. Immerhin, der erste Versuch bei einer Jndustriegruppe. die g ü n- st ige Bedingungen dafür bietet, wird Gelegenheit haben, Er- fahrungen zu sammeln über die Ausdehnung einer solchen Steuer- umlage auf andere Industrien. Die Kapilalausnahmen der Industrie haben im Monat Sep- t e m b e r angehalten. Sie betrugen insgesamt 530,11 Millionen Mark, blieben aber wesentlich unter den Ansprüchen, die in den ersten sieben Monaten dieses Jahres gestellt worden sind. Nach den Aufzeichnungen des Bankhauses Schwarz, Goldschmidt u. Co. sind im September 182,39 Mill. Stammaktien beantragt worden. Die Summe der neu geschaffenen Vorzugsaktien hat gegenüber dem Vormonat eine Erhöhung erfahren. Insgesamt wurden 46,52 Mill. Mark Vorzugsaktien beantragt. Somit sind in den ersten drei Vierteln des laufenden Jahres nicht weniger als insgesamt 12 264,83 Mill. Aktien und Obligationen geschaffen worden. Die Zahl der Stammaktien ist auf 8024,35 Mill. gestiegen. Ein großer Teil von ihnen dient weniger der Erhöhung des Betriebskapitals, als der K a p i t a l o e r w ö s s e r u n g, die den Aktionären riesige Gewinne brachte. Oeskcrrcichische Handelskammern für den Anschluß. Auf dem österreichischen Handelskammertag besprach der Vertreter der Jnnsbrucker Handelskammer den Plan einer Arbeitsgemein- s ch a f t mit den Kammern im Deutschen Reiche, wobei er auf die innigen wirtschaftlichen Verbindungen mit Deutschland und auf die Erklärung des deutschen Industrie- und Handelstages hinwies, der sich zu einer solchen Zusammenarbeit grundsätzlich bereit erklärte. Die Vertreter anderer österreichischer Handels- kammcrn sprachen sich im gleichen Sinne aus. Sie wiesen darauf hin, daß Deutschland trotz seiner durch den Friedensverttag plan- mäßig herbeigeführten Notlage noch immer der wichtigste Faktor der Volkswirtschaft des europäischen Festlandes ist. Uenrnmr für den rcdalt. T-ll: Dr. Werne Peisce. Cdarlottenburq: für Slnjeiflcu: Td. Glocke, Berlin. Verlag: Vorwärts-Verlag G.m.b.H.. Berlin. Druck: Vor« wärlS-LuSdruckerei u. DerlagsanfUU Paul Singet u. Co.. Berlin. Lindenllr. 3, Brzirksoerband SPD, 11. Kreis. 79. Abt. Unser Genosse liösssisnn Dunker Bantzener Platz 3 ist verstorben. Ehre seincmAndenkcn! Die Beerdigung findet statt Sonnabend, den 22 Oktbr„nachm. SUhr, auf dem 2. städt. Fried- Hof Schdneberg, Eydt- stratze(Blanke Hölle). Zahlreiche Beteiligung erwartet. Die Abteilungsleliung. Metallbetten, Etahlmatratz., Kinderbetten dir.an Private. Katal.30/lfr. SisenmöbelsadrSuhlsTH.)? Die Lieht- um Natur- Heilmethode, sowie die elektro-physlkallache Therapie haben gegen frische und veraltete Leiden glänzendste Erfolge erzielt. Das modernste Institut auf diesem Gebiete ist Kaus Oranien Eiektro-mtfL Anstalt Oranienstr. 37 Unter Leitung von Aerzten, auch einer Aerztin 15 elektro-medizin. Behandlungen von M. 80�— an. ~~ Prospekte u. Auskunft kostenlos Töhno unn Q M. Telli«Jilg.Sj. Gar. Kronen lau. /.lllltlt, Vüll 0 cn Zafcnz m.Einspr.h.schmerzld. ,,.pn. 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Während Knüppel- Kunze in den sechs Alt- Berliner Bezirken nur eine ganz lächerlich- unbedeutende Stimmcnziffer erhielt, war die Zahl seiner Anhänger in den westlichen und südwestlichen Vororten Charlottenburg, Wil- mersdorf, Schöneberg, Friedenau und Steglitz schon erheblich genug, um den moralischen Tiefstand dieser.feineren"' Viertel zu beleuchten. Wie aber ausgerechnet das industrielle Spandau zu diesem benei- denswerten Rekord der Knüppel-Kunze-Anhänger kommt, ist ein Kapitel für sich, in dem ein ganzes Stück unserer Zeitverhältnisse enthalten ist. Die 4SS1 deutschsozialen Stimmen in Spandau sind nämlich zum großen Teil Arbeiter stimmen! E» handelt sich um jene schon vor dem Kriege sattsam bekannten Arbeiter der Spandauer Staatsbetriebe(Gewehrfabrik, Pulverfabrik usw.), die einst die Leib- garde der gelben Gewerkschaften bildeten. Unter dem Dreiklasten- «ahlrecht mußten sie bei den Landtags- und Gemeindewahlen konservativ wählen und zeigten sich aber auch sonst von einer absoluten politischen und gewerkschaftlichen Unwissenheit. Nach der Revolution entdeckten sie sofort ihr sozialdemokratisches cherz. Für sie war aber der Umsturz eine rein materielle Angelegen- heit, und als sie infolge der notwendig gewordenen Umstellung der Spandau'er Werke zum Teil entlasten werden mußten und Forde- rungen stellten, die leider nur zum geringen Teil erfüllt werden konnten, wandten sie sich nach links und fanden bei der USP. und später bei den Kommunisten freundliche Aufnahme. Sie bilden, etwa 5300 an der Zahl, zwei Vereine, den Verein der Alt- Pensionäre der Spandau er Staatsbetriebe(4000 Mitglieder) und eine Zweiggruppe desVerbandesderStaats- arbeiter Deutschlande, unter Führung von zwei ehemaligen Gelben, Mendt bzw. So mann. Als nun auch die linksradikalen Parteien die materiellen Forde- rungen dieser teils pensionierten, teils aktiven Arbeiter, denen es— das muß anerkannt werden— infolge de» verlorenen Krieges ganz besonders schlecht geht, nicht erfüllen tonnten, suchten fte_ ihr Hell bei den Deutschmonarchisten und ließen sich natürlich von den wildesten Schreiern unter den Rechtsbolschewisten einfangen. Der Verband der tSaatsardeiter trat aus dem Metallarbeiterverband aus und schloß sich dem Christlich- sozialen Verband des deutschmonarchistischeu Düsseldorfer Arbeitersekretärs und Reichstagsabgeordneten Koch an. Knüppel-Kunze veranstaltete in Spandau große Versammlungen, in denen er diesen politisch gänzlich unerfahrenen, wirtschaftlich zur Verzweiflung ge- triebenen Menschen die Erfüllung ihrer Wünsche versprach. Und so ziehen in die Spandouer Bezirksversammlung fünf bis sechs Vertreter der wildesten antisemitischen Truppen ein, darunter vier Arbeiter, die seit der Revolution in allen sozialistischen Par- teien kurze Gastrollen geg-ben haben. Wo sie bei den nächsten Wahlen landen werden, läßt sich nicht prophezeien. In dieser tragi- komischen Spandauer Wahlerschetnung ist ein Stück des durch den verlorenen Krieg hervorgerufenen positischen und wirtschaftlichen Elends der deutschen Arbeiterklaste enthalten. örot für Kartoffeln. Die Kortoffelknappheit, die zum erheblichen Tell auf die Zurückhaltung der auf dem Lande befindlichen Kartofselbeständ« in wuche- rischer Absicht zurückzuführen ist, zwingt jetzt die Gemeindebehörden, der notleidenden Bevölkerung einen Ersatz bereitzustellen. Mit Rücksicht auf die Kartoffelknappheit hat die Ernährungs- deputation sich entschlosten, dem Magistrat eine vorüber- gehende Erhöhung der Wocheabrotration um 150 Gramm vorzuschlagen. Täglich?'/- Millionen Fahrgäste. Aus Groß-Derlins Eisenbahnverkehr. In unseren Mitteilungen über den Umbau des Bahnhofs Friedrichstraße erwähnten wir die hohen Verkehrszifsern dieses Bahnhofs. Von Interesse sind auch die jetzigen Ziffern des gesamten Eisenbahnverkehrs im Eifenbahndirektionsbezirk Berlin. Dem Fernverkehr dienen täglich etwa 800 abgehende bzw. ankom- mende Personenzüge, darunter rund 100 D-Züge. Befördert werden täglich 56000 Reisende, das ist soviel wie die Gesamt- bevAkerung einer ansehnsichen Provinzialstadt. Im Stadt-, Ring- und Vorortverkehr laufen täglich etwa 2200 Züge. chier stellt sich die Zahl der fahrenden Personen auf täglich VA Millionen, womit die Derkehrszisfer der Zeit vor dem Kriegs bereits wieder überschritten ist. An Sonn- und Feiertagen ist, wenigstens im Sommer, die Benutzung der Stadt-, Ring- und Vor- ortzüge noch stärker als dieser Durchschnitt. Zu Pfingsten ging die Verkehrsziffer diesmal über2MilhionenproTag hinaus. Bahnhöfe mit besonders starkem Sonntagsverkehr sind z. B. Grünau (60 000) und Nikolassee(70 000 in der Badezeit). Fahrpreisermähigung zugunsten der Jugendpflege. Seit längerer Zeit wird auf den deutschen Reichsbahnen und bei einer Reihe von Privateisenbahngeselljchaften«ine Ermähigun g des Fahrpreis.es in der 8., neuerdings auch in der 4. Wagen- klasse solchen Vereinen für ihre Ausslüge gewährt, deren Ziele aus- schließlich der Jugendpflege zugute kommen. Diese Fahrpreisermätzi- gung wird nur solchen Vereinen gewährt, die besonders anerkannt und in eine Liste aufgenommen sind, an chand deren die Fahrpreis- ermäßigung, die auf"besonderem Vordruck von Fall zu Fall bean- tragt werden muß, von den Fahrkartenausgaben bzw. den Bahn- Hofsvorständen oder der zuständigen Eisenbahndirektion je nach der Dauer des Ausfluges und der Länge der zurückgelegten Fahrt ge- währt wird. Für die Anerkennung eines solchen Vereines und feine Aufnahme in die List« der für Erlangung der Fahrpreisermäßigung berechtigten Vereine ist jetzt eine neue Vorschrift herausge- geben worden, die die Aufnahme erleichtert. Die Anerkennung eines Bereines wird in Zukunft von den Jugendämtern ausge- sprachen: an Orten, wo Jugendämter noch nicht bestehen, von den Orts b«Hörden, also Gemeindevorstand oder Polizeibehörde. In einer Ueberganaszeit, die am 81. Dezember d. I. endet, werden die Fahrpreisermäßigungen zugunsten der Jugendpflege auch noch nach den seither geltenden Bestimmungen gewährt. Vom 1. Januar können Jugendpflcgefahrpreisermäßigungcn nur noch von solchen Vereinen in Anspruch genommen werden, bi( den Listen aufgenommen worden sind. die in die neu aufzustellen- Die Agentur üer �ugenülichen. Eine Schwindelgründung aus dem Papier. Lebensmittel- und Scheckschwindel im Großen betrieben zwei junge Leute, die gestern von der Kriminalpolizei festgenommen wurden. Vor einiger Zeit versuchten ein 20 Jahre alter Fritz Klein und ein Arthur Geseke, der auch erst 21 Jahre zählt, in dem Hause Wilsnacker Straße 18 ein Zimmer für Bureauzwecke zu mieten. Ob- wohl ihnen das mißlang, gaben sie trotzdem auf gedruckten Geschäfts- briefen dieses Haus als Sitz einer neuen Firma an, die sie„A g e n- tur und Kommission, Richardt Brandt, Berlin NW., Wils- nacker Straße 18" nannten. Die schönen Geschäftsbriefe besagten, daß die Firma Handel mit Butter, Schmalz, Margarine, Käse usw. treibe, und gaben eine Bankverbindung und einen Fernsprech- anlchluß an. Diese Briefe versandten die beiden Schwindelunter- nehmer an Großhandlungen, bei denen sie beträchtliche Posten von allen Sachen bestellten. Jeder Bestellung legten sie den Kaufpreis in Form eines Schecks auf eine hiesige Großbank bei. Die Kutscher, die sie mit dem Abholen der Waren beauftragten, er- hielten ein Schriftstück, mit dem sie sich bei den Großhandlungen aus- wiesen. Alle Waren, die sich die Inhaber der Schwindelfirma auf diese Weise verschafften, machten sie sofort wieder zu Geld. So hatten die Großhandlungen, wenn sich die Wertlosigkeit der Schecks ergab, jedesmal das Nachsehen. Gestern gelang es, die Unternehmer, die zur Einleitung und Abwicklung der Geschäfte von irgendeiner Stelle aus den Fernsprecher zu benutzen pflegten,, zu er- Mitteln und festzunehmen. Es sind Söhne achtbarer Eltern. Die Sucht mühelos reich zu werden, hat sie auf die schiefe Ebene gebrocat._ Fünfzig Mark für ein Nachtquartier. Auf den Bahnsteigen der Berliner Bahnhöf«, besonders im Westen, kann man häufig Frauen und junge Mädchen beobachten, die bei Ankunft der Fernzüge lebhaft einen Zettel schwingen und beispielsweise rufen:„Hier Quartier für die Herren aus Nürnberg!" Es handelt sich um Zimmervermittlung, die von bestimmten Stellen, gewöhnlich Ausstellungsleitungen, Sportveranstaltungen und der- gleichen, ausgeht. Das Zimmer wird immer nur für eine Nacht vermietet und darf dann nicht unter 50 M. abgegeben werden. Die vorher verständigten Ankommenden zahlen zwar noch mehr als im Hotel, sind aber doch froh, sich nicht auf die Zimmersuche begeben zu brauchen. Es gibt also namentlich im Berliner Westen noch genug Wohngelegenheiten, wenn man nur entsprechend zahlt. „Volk und Zeit", unsere illustrierte Wochenschrift, liegt der heutigen Postauflage bei. Der Hamburg-Lehrter Güterbahnhof fft morgen. Sonn» abend, wie die Eisenbahndirettion Berlin mitteilt, für die An» nahm« von Gütern gesperrt. Umleitung von Straßenbahnlinien. Bauarbeiten in der Ber- liner Straße zu Neukölln machen es erforderlich, von heute ab die Wagen der Linien 7, 15, 47, 48, 53 und I bis auf weiteres in beiden Richtungen über Kaiser-Friedrich-Straße und Fuldastraß«, die Wagen der Linie 27 in Richtung Berlin über Berliner Straße und Fuldastraß« umzuleiten. Eine Oberschlesienkundgebung findet, wie die Vereinigten Ver- bände heimattreuer Oberschlesier uns mitteilen, am Sonntag, den 23. Oktober, nachmittags 3 Uhr, im Lustgarten statt. Redner oller Parteien werden sprechen! Soziales. Heilverfahren der Angestelltenoersicherung. Nach dem Jahresbericht des Direktoriums der Reichsoer« ficherungsanstalt find 50 582 Anträge auf Gewährung von Heilverfahren im Jahre 1920 eingegangen, gegen 43 040 in 1919. Dementsprechend ist die Zahl der erledigten Fälle von 40 313 in 1919 auf 51 534 in 1920 gestiegen. Davon wurden ge- nehmigt 1920: 34 071— 66,12 Proz.(1919: 26 275— 65,18 Proz.). Die ,34 071 genehmigten Heilverfahren betrafen: Zahnheilverfahren 8726, ständige Heilverfahren 24 804 und Gewährung größerer Heil- mittel 541. Durchgeführt wurden von den 24 804 genehmigten ständigen Heilverfahren 7784— 31,39 Proz in Lungenheilstätten, 5819— 23,48 Proz. in Sanatorien, 9374— 37,79 Proz. in Bädern, 430— 1,73 Proz. in spezialarzrlicher Behandlung und 1397— 5,63 Proz. unter Zuschußgewährung seitens der Reichsverstcherungs- anstalt für Angestellte. Die Zahl der Verpflegungstage betrug zusammen 1 401 221 Tage, davon in Lungenhctlstätten 692 960, in Sanatorien 303 768, in Bädern 400 684 und bei Be- Handlungen in Krankenhäusern usw. 3809. Die K o st e n für Heil. verfahren betrugen 44 809 590 M. Von den Gesamtaufwendungen entfallen die meisten, nämlich 20194 728 M.— 44,97 Proz. auf Lungenheilstätten, 12 540 200 M,— 27,92 Proz. auf Bäder, 8365 384 M.— 18,62 Proz. auf Sanatorien. Im Durchschnili kam ein Fall des Heilverfohrens in Lungenheilstätten auf rund 2577 M., in Sanatorien 1440 M. und in Bädern 1331 M., während Zuschüsse zu Heilverfahren durchschnittlich 1652 M. für einen Fall erforderten. Im Gesamtdurchschnitt kommen auf einen Fall rund 1761 M. Kosten. 1916 betrug der Durchschnittssatz noch rund 465 Mark: er stieg bis auf 860 M. in 1919 und überschritt im Berichts- jähr« die doppelte Höhe dieses Betrages. Einschließlich einer Aus- gäbe von 115 000 M, für Beihilfen zur Tuberkulosebekämpfung usw. wurden für Heilverfahren 1920 ausgegeben 44 924 690 M., 1919 dagegen nur 17 423 196 M. Auch eine Kulturerscheinung. Im Frühjahr d. I. hat der Reichstag auf Antrag des Bcvsike- rungspolitifchen Ausschusses in dankenswerter Weife einstimmig einen Antrag angenommen, der die Reichsregierung r.ücht, auf die Beseitigung der noch bestehenden Bordelle hinzuwirken. Hier- durch sieht sich die ehrbare Zunft der Bordellwirte in ihren wirtschafllichen Interessen aufs schwerste bedroht und der„Reichs- verband der Vermieter öffentlicher Häuser" in Leipzig— was es auch alles für Reichsverbände gibt!— hat eine Eingabe an den Deutschen Reichstag abgesandt. Er protestiert in ihr allgemein gegen die Aufhebung der Prostitution und meint, daß sie ein un- lösbares Problem sei, das man am wenigsten vom grünen Tisch aus lösen könne. Als Hauptargument wird angeführt, daß selbst das Papsttum in verschiedenen Zeitabschnitten der Prostitution fördernd gegenüberstand!. Soweit die Eingabe. Wir hoffen, daß der Reichstag sie dort- hin legen wird, wohin sie gehört, nämlich in den Papierkorb; fach- lich erübrigt sich jedes Wort der Entgegnung. Wenn wir von ihr Notiz nahmen, so nur, um als gewissenhafte Chronisten dies« inter- essante„Kulturerscheinung" festzuhalten und unseren Lesern zu zeigen, was es mit dem„Reichsverband der Vermieter öffentlicher Häuser� auf sich hat._ . Wetter für morgen. Berlin nnd Umgegend. Ein wenig tübler, überwiegend bewölkt und etwas neblig mit wiederholten leichten Ltegensällcn und ziemlich irischen westlichen Winden. Gewinn-Auszug der 18. Preuß.-Südi».(244. Preuß.) Klassen-Lotterie 5.«lasse. 6. Ziehungtiag. 20 Ottabci 1921. Oluf>»»« gezogen« tRurnrner find zwei gleich hohe«ewiiuie gefaNrn, nnd»Wae>» einer auf die Lote gleicher sRurnmer in den beiden AbteUunge» I und II Ohne Gewähr. Nnchdiuei Verbote». In der BormittagSzichung wurden Gewinne über<90 Marl gez-geo! 2 zu 16000 M 184488 4 zu 10000 M 10008 108813 6000 M 30568 113101 128668 142679 176038 201655 203406 203608 252798 283110 98 zu 3000 M 18«45 28861 36326 63262 66081 61581 73536 OSSCC 96043 100675 101825 102363 103779 103918 109889 111040 113460 127212 127946 132089 132816 139721 142047 144782 15�684 151554 166263 168054 168691 169803 170049 174560 177769 133661 195653 222070 227067 227285 231448 239361 260338 256338 269461 269830 272808 280337 282950 285775 299833 332 zu 1000 M 1427 9185 12169 13507 14434 21103 25947 26184 28301 28739 29249 31362 32772 32379 33185 33248 33837 34704 34735 3473- 34869 36027 36112 86140 38943 37800 38049 40474 40347 41321 4400 44490 48069 63191 63089 65010 67428 63638 6:926 66184 67283" 67731 70368 72807 78673 82523 83278 86613 67672 92312 07267 99668 100454 102063 103309 112082 113886 117361 119635 118657 119114 121680 1246 4 126656 127022 132447 133808 135403 136419 136734 138724 140323 141335 141654 142233 143361 144852 147290 149163 160478 161490 163929 160'-6; 161608 162937 166421 166284 167183 167338 167797 171027 173620 173714 173857 175638 177079 170066 179884 179780 180111 180540 183518 11-63 3 187323 182404 104781 197588 196178 200530 200043 203274 204064 206536 200884 211100 213929 215291 217851 218588 223091 223471 225074 22707 228576 233608 233604 234292 236074 238320 239027 242217 247937 249030 260688 262198 262601 254763 257037 257989 262638 262986 263272 264108 264314 263689 273225 275555 276167 276608 290012 290433 291104 292937 293160 203718 296027 296832 297250 297802 20-197 298343 In der RachmiNagSzichuug wurde« Gewinne über 450 Marl gezogen: 2 zu 80000 M 39560 2 zu 40000 M 254178 4 ZU 300110 II 49116 254153 2 zu 15000 M 197037 8 zu 10000 M 117306 142968 315107 284775 10 zu 6000 M 8764 146631 190493 219786 284211 118»« 3000 dl 2062 12465 16192 19481 19633 2743Z 27606 41236 46316 «9091 50209 60676 66309 66516 70656 78603 78903 83402 87655 67943 89840 96968 102914 106071 116487 138022 160341 162278 152660 153206 169987 172032 183403 183624 188250 180675 189383 194200 192630 201432 202481 202018 203256 206845 219956 226613 228287 231594 262766 264002 267653 264627 268179 270168 278421 283334 284176 290680 294438 292 zu 1000 M 1040 1928 6958 8961 8976 13346 13439 14520 18412 21331 22944 26403 27937 28034 29725 30405 3566-1 36193 96723 377y4 42682 42607 42805 44233 46634 4988« 62820 64897 69161 61265 62123 62843 63898 66888 72607 72962 73518 74525 76738 76306 73703 787„ 79412 84669 87135 88098 80495 91682-.6677 68074 100801 10150 104333 106264 107218 109812 110343 111971 117433 117033 1-5142 12501 125816 127639 128247 128651 136449 138320 138564 138818 11 9301 1406-8 143087 143924 145104 146895 148779 150214 166214 166547 1678/0 101233 166907 165962 174701 177701 173182 173621 181643 181897 185264 180470 193698 199131 200626 202747 204059 204234 204991 207491 209341 211822 23108« 222064 224359 224044 226319 228276 227214 226694 228200 230629 232393 236227 236654 237374 239836 240257 244734 245906 247886 261»-. ,61800 264613 268208 265673 265718 268004 270023 271707 272090 273808 275203 276633 280426 280841 281470 282455 287022 289425 292210 29240 293176 296724 206874 263620 Tie in Dein vorstehenden Sewina.'nudzng nicht enthaltenen nieorigeren«Äewinne sind ans de» Listen zu erichc». die bei den staatlichen Lotterie-Einnehmern zur uncntgclvlichcn EinN-dt »»»liegen. Iis lstiiuüi des SlimiiMis und der WM SM lMllide Sömime. Von F. Kort, Direktor des künstl. Höhen- sonnenbades„Aktis". Auf keinem Gebiete Hot di< künstl. Höhensonne solche unbestrittenen und überall anerkannten Etrfolge erzielt als bei der Heilung des Haarausfalls..Daß die Haarbalsame der Gcheimmittelfabrikanten umd Schönheitsinstitute keine Heilung bringen, weiß nachgerade wohl ein jeder. Aber die wenigsten kennen die Wirkung der künstl. Höhensonne und r.iiscn, daß sie sogar oft jahrelang bestehende Kahl- heit heilt. Die Art der Heilwirkung ist eine leicht erfeundore. Durch die Bestrahlung wird ein: ver- mehrte Blutzustihr nach dem Haarboden herbei- geführt und dadurch eine Ueberernährung der vorher ünterernährten Haarpapillen herbeigeführt. Wo der Haaraussall auf Bakterien zurückzuführen ist, tritt auch die bakterientötende Wirkung der künstl. HLliensonnc hinzu. Am bekanntesten ist die Alopecia areata, der ringförmige Haarausfall, der von einigen einem Vilze.zugeschrieben, von anderen aber für Nerven- stöningen gehalten wird: wahrscheinlich ist beides. Diese Krankheit kann so weit gehen, daß auf dein ganzen Körper keine Spur eines Härchens zu finden ist. In den meisten Fällen bringt die künstl. Höhen- sonne, richtig angewandt, selbst hier noch voll- ständige Heilung, und nur bei jahrelangem Bestehen dieser Alopecia ist diese Aussicht oft ungünstig. Die häufigste, aber oft zu wenig beachtete Er- krankung der Haare ist die Seborrhöe, die man mit Schmerfluß verdeutschen kann. Diese Absonderung der Talgdrüsen der Haut führt nach Sanitätsrat Dr. Jessner totsicher zum Haarausfall und zur Kohlheit, wenn nicht etwas dagegen getan wird. Das sicherste Mittel gegen Seborrhöe ist aber wiederum die künstl. Höhensonne, selbst wenn schon Haarausfall vorhanden ist. Die Seborrhöe erfordert ober die verhältnismäßig größte Anzahl von Be- stralflungen und ist am schwierigsten zu behandeln. !!lm wenigsten Bestrahlungen erfordern die- jenig en Haarerkrantungen, die sich durch Spaltung und Knötchenbildung der Haare(besonders bei Frauen) kennzeichnen. Jich verloste damit das Gebiet der direkten Er- krank ungen der Haare oder des Haarbodens und komm e zu der jetzt besonders bei jungen Männern so hä ufigen Alopecia praematura, dem vorzeitigen Haar ausfall. Täglich kommen solche jungen Leute. die rneistens im Felde den Beginn des Haarausfalls beme rkt haben, mit Klagen zu mir, daß sie fürchten, jetzt schon eine Glatze zu bekommen. Ich kann ihnen die Wiedererlangung der Haare innerhalb 1—6 Wochen in sichere Aussicht stellen. Meistens liegt der Grund in einer Unterernährung der Haar- Papille, die eben durch die Bestrahlung beseitigt wird. Sehr häufig wird der Haarausfall hervorgerufen durch anderweitige Erkrankungen des Körpers, be- sonders Blutarmut, Nervenleiden. In diesen Fällen muß natürlich auch die Ursache beseitigt werden. und dabei bilden neben Kopfbestrahlungen die Be- strahlungen des ganzen Körpers, wie ich sie in meinen früheren Aufsätzen geschildert habe, ein aus- gezeichnetes Hilfsmittel. Auch die Glatze kann in außerordentlich vielen Fällen wieder behaart werden. Jedenfalls empfiehlt sich immer der Versuch da, wo noch Flaumhaare vorhanden sind. Man könnte nun meinen, die Bestrahlung gegen Haarausfall sei die einfachste Sache der Welt. Man brauche nur die Höhensonne über den Kopf zu stellen und die Haare wüchsen von selbst. Das ist aber durchaus nicht der Fall. Schon viele kamen zu mir, die schon Dutzende von Bestrahlungen ge- nommen hatten, ohne den geringsten Erfolg. Wenn ich mir dann die Art der Bestrahlung beschreiben ließ, so war das für mich kein Wunder. Ein Wunder wäre es gewesen, wenn trotz der falschen Bestrah- lung Haare gekommen wären. Wenn man also keinen Erfolg mit der Bestrohlung hatte, so frage man sich erst, ob man an der richtigen Stelle ist und nicht Zeit und Geld nutzlos vergeudet. Die«leisten, die Bestrahlungen ausführen, wissen gor nicht, was bei der Bestrahlung erzielt werden muß, um den Zweck zu erreichen. Es ist genau auf Zeit und Ab- stand von der Lampe sowie die richtigen Intervalle zu achten. Ich kann selbstverständlich in dem kleinen Rahmen dieses Zeitungsartikels nicht die Heilung des Haarausfalles so ausführlich behandeln, wie es sein müßte. Ich gebe aber während meiner Sprechstunden (10 bis 1 und 4 bis 7A) im künstlichen Höhensonnenbad„Aktis", Belle-Alliance-Platz 6 a(genau auf Anschrift achten) kostenlos jede gewünschte Auskunft*). *) Die Bestrahlungen selbst finden ununter- brachen den ganzen Tag statt. Ich mache noch daraus aufmerksam, daß das Höhensonnenbad„Aktis" keine Zweiganstalten i Groß-Berlin hat. Die Preise für die Bestrahlung-- sind sehr müßig. Damen=Konfektion Kleiderrock 111 LtoLsii andmodern. 75 00 45 00 39 00 29 00 65 00 49 00 39 00 29 00 195 00 695 00 295 00 575°° 375°° 115«° 525°° 245°° 495°° 275°° Oberhemdbluse ffÄien Klfld marineblau mit kunstseidonen Streifen IVICIU anderen Dessins........ k leifi Schlüpfer, Seiden-Triiot in schön.Farben, rviciu sejjj modern............ Wintermantel CÄXÄir Wintermantel Qi-**5r*Lr5 Stantfustev Allee 287. ••• Sonderangebote und Celegenlieitskäule in Resten Stores, Bettdecken Madras- u. Künstler Gardinen Spez.-Gardinenwerkst. am Rinsbahnbof Bettwäsche zu Fabrikpreisen Danienhemden, Hand- tllch. Tischtuch., Schurzen Ausschneiden 1 VergOke S%"tmgfl Eekeiireent �igfccn9'3 Sanitätsrat Dr. Wegsclieldsrs n Orig. Vorschr. geg. Husten. Asthma) u. Lungenieiden I Billig und gut Kaulen Sie Ihre Herrengarderobe in der Beklsidungszentrale des Nordens KouenUialcr Str. 60(Nähe Rosonth. PI.) 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