Hr. 507 � ZS. Jahrgang Tlusgabe M Nc. 2SH VczuqSpretS: Vierteil iihrl. ZS,— ä>i., roonatl. 12,— M. frei inä iraue, voraus zat>!bar, Postbezug: Monatlich 12,— M. einschl. Zu- stciluuasgekühr. Unter Kreuzband lür Vettischiand, Danzia, das Laar- und !ü!e!nrlaeb>e!, sowie die ehemals beut- ichcn Gebiete Polens, Oesterreich Ungarn und Luxemburg 22,— M., für das übrige Ausland ZI,— M, Postbestellungen nehmen an Oesterreich. Ungarn, Tschecbo- Eiowatei, Däne- mar!. Holland. Luremburg, Schweden und die Ewweiz. Der.Vorwärts" niit der Sonntags- beilage„Pol! und Zeit", der Unter- halinngsbeilage.Lcimwelt" und der Beilage„Siedlung und Kleingarten" erlchcint wochcniaglich zweimal. Sonn- tags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: „Sazialvrrnotral BcrNa- Morgen Ansgave Berliner BoIIifvlilatt ( 40 Pfennig) AnzeigenvretS! Die neungespalienc Nonpareillezeile tostet k.— M.„Meine Anzeigen- da» leilgedruckte Wort 2,— M.(zulässig zwei settgedruckte Worte), jedes weitere Wort 1.— M. Stellengesuche und Echialstellenanzeigen das erste Wort I.— M. jede« weitere Wort K0 Psg. Worte Uber IS Buchstaben zählen sllr zwei Worte. ssamilien-An- zeigen sllr Abonnenten Zeile 3,60 M. Die Preise verstehen sich einschließlich Teucrungszuschlag. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 8 Uhr nachmittags im Hauptgeschäsi, Berlin SW SS, Linden. straße L. abgegeben werden. Geöffnet von S Uhr srllh bis 5 Uhr abends. Zöntralorgan der fozialdcmokratirchen partd Dcutfchlands NeSoktion und Expedition: Cv) öS, Linöenftr.Z �kornivrellier' �»edaktion Morlstplay lSittS— i»7 Jl------: inxvcdition Moritzpla» l>7SZ— St Donnerstag, den 27, Oktober 1921 0orwärt«-verlag G.m.b.k., SW ö8,?.jnüenstr. 3 N�rnkUv.-eii�v- Vrring, knihaliimgen. Die Demokraten gingen diesmal mit der rCZ v» f iv*/*»-*!*)» rt*tv*S w* t» v* rt« v*rt ff w> /"* r*,* V* rw*. i... V_v Ausführungen. Sehr notwendig und wirkungsvoll waren die wenigen Sätze, die Müller den Deutschmonarchisten widmete, die noch niemals so deutlich wie in der oberschlesifchen Krise gezeigt haben, daß sie dos Wort„national" für die Zwecke ihrer Partei gestohlen und mißbraucht haben: An der Hand einer besonders schamlosen Stelle aus der gestrigen Morgen- ausgäbe der„Krcuz-Zeitüng". die übrigens nur eine der unzähligen Dreckspritzer ist, die die Rechtspresse in den letzten Tagen gegen unsere Partei geschleudert hat, lehnte er scharf jede Gemeinschaft mit diesem Gesindel ab. Die ernste, schlanke und schöne Priestergestalt des Ab- geordneten Ulitzka(Zentr.) folgte unserem Fraktions- redner auf die Tribüne. Dieser Führer der oberschlesifchen Deutschen war besonders berufen, von hier aus noch einmal die Leiden unserer Volksgenassen im Abstimmungsgebiet in Erinnerung zu bringen und die Ungerechtigkeit des Genfer Diktates bervorzuhebcn. Indessen, wie meist in solchen Sitzungen, beginnt sich die Spannung etwas zu lösen, als die nächsten Redner er Rechten. Sitzungsbericht. Am Negierungstische: W i r t h, B a u e r. K ö st c r, R a db r u ch. stermes, Giesberts, Brauns, Gehler, Groener, Schmidt. Präsident Lobe eröffnet die Sitzung um 4 Uhr 20 Minuten mit folgenden Aus. führungen: Ich eröffne die Sitzung des Reichstags, die Stellung nehmen muh zu dem schweren, vielleicht unabmendboren Schlage, der un- lerem Volk durch die Entscheidung de? Obersten Rates über Ober- ! ch l e I i c n zugefügt worden ist. In den Monaten vor und nach der Abstimmung habe ich von diesem Platze aus oft die mahnende und warnende Stimme gegen die Zerreißung unseres Landes er- hoben. Sie ist ungchört verbellt. Heute werden die einzelnen Par- teicn von ihrem politischen Standpunkte aus, heute wird die neue Regierung dazu Stellimg nehmen. Ich will ihnen nicht vor- greisen. Ein Wort aber liegt mir om Herzen, ein Wort, gerichtet on die Landsleute, die in den nächsten Wochen oder Tagen ge- scheinen. Es" sind die" Vertreter der beiden Rechtsparteien,! Zwungen von uns gehen sollen. 220 000 Erwachsene in den jetzt Hergt für die Deutscbmonarchisten und Kahl für dj« abzuttctenden Gebieten haben März sich für das Ver- Deutsche Volkspartei. Beide Redner sprechen Verhältnis- �'ben� tiefem ♦wnv».V /*'-». 1�1*'»r' f/**•!/*>* oiM/*«* 1 Schmerze sehen wir sie und ihre Familien von uns Abschied nehmen. maizig zurückhaltend, man me.kt trotz allen lauten i gjiänncr, die ein Leben voll Arbeit mit unserem Londe verband, nungsphrasen, daß sie in ihrem Innersten einsehen, daß uns deren schönste und heiligste Erinnerung mit der deutschen doch nichts anderes übrig bleibt, als die bittere Pil.e zu � Erde verknüpft ist, Kinder, deutsche Kinder, in deren erwachendem schlucken. Der Saal hat sich während dieser� zwei etwas un- 1 Sinn vielleicht zum ersten Male das Ahnen und Begreifen von dem erwartet ruhigen Reden ziemlich geleert. Er siillt sich aber wieder, als der Redner der Unabhängigen. Dr. Breit- scheid, die nicht allzu schwere Aufgabe unternimmt, den reaktionären Parteien zu antworten. Brcitscheids Rede war eine gute politische und theoretische Leistung. Köstlich war insbesondere seine Abrechnung mit den Demokraten. Nach Breitscheid übernahm der sympathische Profestor S ch ü ck i n g die sehr undankbare Aufgabe, die schwankende Haltung der Demokraten zu rechtfertigen und ihre endgültige Stellungnahme zu begründen. Es dürfte ihm aber schwerlich gelungen sein, auch nur die Gesamtheit davon zu überzeugen, daß sie in den letzten Tagen vernünftig gebändelt haben. Nun kommen die Vertreter der kleinsten Fraktionen zu Wort, die vor leeren Bänken sprechen müssen. Nach der ablehnenden Rede des Sprechers der Bayeri- schen Volkspartei wird nacheinander den zwei Rednern der Kommunisten Heydemann und Dr. Paul Levi das Wort er- teilt. Um 11 Uhr ist Levi zu'Ende. Run erklärt Marx sZ.), daß seine Partei den Antrag der Rechtsparteien ablehne. Müller(Soz.) erklärt das gleiche für die Sozioldemokraiie, dasselbe tut L e d e b a u r für die Unabhängigen. Er begründet zugleich die Zustimmung seiner Fraktion zu der Erklärung der Regierung mit einigen einschränkenden Bsmerkungen. Von Marx(Zentr.) und Wels(Söz.) liegt ein ge- memsamer Antrag vor. der besagt:„Der Rciihskag billigt die Erfläruna der Regierung." Die Demokraten haben während der Sitzung sich in ihr Fraktionszimmer zurückgezogen. Wie sie zurückkommen, wird allgemein erzählt, aucki sie hätten sich entschlossen, f ü r den Antrag Marr-Wels zu stimmen. Deutsche Volkspartei. Deutschnationale und Bayerische Volkspartei bringen dagegen einen gemeinsamen Antrag ein, der in schwülstigen Redensarten inhaltlich eigentlich nur die Klange bes Wortes kommt: Dort ist deine Heimat, dort ist dein Baterlond! Wir wollen den Scheidenden, die durch das Gebot ; fremder Machthaber einem fremden Lande mit fremder Sprache und ! fremder Kultur zuciewiesen werden, wir wollen ihnen nochmals die ! Hand aus die Schulter legen, ihnen ernst ins Lluge blicken und ihnen ein Wort, ein Gelöbnis sagen: Treue um Treuel(Lebhafter f Beifall.) Denn eins ist gewiß, keine Macht der Erde kann durch das Mittel der Gcwclt Unrecht in Recht verwandeln.(Erneuter Beifall.) Wir trübe auch die Zukunft vor uns liegt, die deutsche Bolksoertre- lung. obcrschlcsische Landsleute, d?« Abgeordneten der deutschen.Re- rublik geben Euch das Gelöbnis der T re u e, und dieses Ge- löbnis wird bestehen.(Lebhafter Beifall.) Eine Beschwerde des Abg. Braß(Äomm.� über eine bei ihm vorgenommene Haussuchung wird dem Gcschästsausschuh überwiesen. Eingegangen sind die Eteuervorlagen. Auf der Tagesordnung steht die Beratung der E n t s ch e i» dung der Botschaftcrkonfcrcnz vom 20. Oktober d. I. �dchokar;zlee dr. Wirth:, Auf Grund des Zluftrages des Herrn Reichspräsidenten habe ich die Bildung der neuen Regierung übernommen, die ich die Ehre habe, Ihnen vorzustellen. Reben dem Kanzleramt, das mir geworden ist, habe ich die Leitung der au s w ä r t i g c n G e- I ch ä s t e übernommen. Die übrigen Ministcrposten sind wie folgt besetzt worden: Retchsschatzminister und Vizekanzler: Bauer, Minister des Innern: Dr. Köster, Reichsarbeitsminister: Dr. Brauns, Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft, gleichzeitig beauftragt mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Finanzministeriums: Dr. Hermes, Wehrminister: Dr. Geßler, Reichsvcrkehrsminister: Gröner, Reichspostminister: Giesberls, Reichswirtschoftsministcr: Schmidt, Reichsjustizminister: Dr. Radbruch. Der Posten des Ministers für Wiederaufbau steht noch offen....... l*— Die neue Regierung ist in einer schweren äußeren Lage des Reiches und unter innerpoütischcn Schwierigkeiten gebildet worden, auf die der Herr Reichspräsident Bezug genommen hat, als er an mich die Aufforderung richtete, das verantwortungsvolle Amt zu übernehmen. Da ich der Meinung bin, daß kein Politiker und keine Partei, welche innere Notwendigkeiten zu politischer Tat werden lassen wollte, sich der Verantwortung entziehen tonnte, habe ich dieses Amt übernommen und Mitarbeiter gesucht und gefunden, die mit mir eines Glaubens sind, daß es nicht angängig ist,'das Schicksal des Vaterlandes durch eine lange Krifts der Regierungsbildung oder eins handlungsunsiihige Negierung aufs Spiel zu setzen. Ich spreche diesen Männern auch hier an dieser Stelle meinen besonderen Dank für ihre Berel iwilligkcit zur INilarbcil aus.(Beifall.) Die Aufgabe, die als nächste und dringlichste der neuen Regie- rung unterbreitet wurde, ist zugleich auch die schmerzlichste und härteste, die wohl einer Regierung zuteil werden kann. Es ist uns durch die Verhältnisse auferlegt, innerhalb kürzester Frist Stellung zu der Entscheidung der Botschafterkonferenz über Oberschlesien zu nehmen und die mit einer solchen Stellungnahme verbundenen Entschlüsse durchzuführen. Wie Sie wissen, haben die alliierten Hauptmächte, England, Frankreich, Ltalien und Japan, am 20. Ok- tobcr eine Entscheidung getroffen, die das oberfchlesifche Abfiim» mungsgebiet durch eine den I n d u st r i e b e z i r l z e r r e iß e n d e Grenze teilt, und die Deutschland die Verpflichtung auferlegt, mit Polen unter Leitung eines neutralen Vorsitzenden ein ll e ö e r- g a n g s a b k o m m e n abzuschließen, durch das die aus der Grenz- führung sich ergebenden wirtschaftlichen Schädigungen ausgeglichen werden sollen. Zugleich haben die beteiligten Mächte Deutschland und Poli-n aufgefordert, innerhalb acht Tagen je einen B e v o l l- mächt igten zum Abschluß dieses Abkommens zu benennen. Auf diese Entscheidung der Botschafterkonferenz hin hat sich die frühere Regierung entschlossen, dem Herrn Reichspräsidenten ihre De- wiss i cl n anzuzeigen und mit diesem Schritt die Auffassung be- kräftigt, Laß sie die Entscheidung in der oberschlesischen Frage in der Form, wie sie erfolgt ist, als ein Unrecht und ein Unglück ansieht. Sie hat zugleich in dem den Rücktritt begründenden Schrei- den sich dahin ausgesprochen, daß durch den Spruch der Botschafter- konferenz eine neue politische Lage geschaffen sei. Zu diesen beiden Gesichtspunkten, die den Rücktritt der alten �Regierung vcr- anlaßten, hat auch die neue Regierung Stellung zm nehmen. In ihrem Namen erkläre Ich, daß auch sie in der veurleilung der Eni- schcidung über Oberschiesien in nichts von dem Standpunkt der ollen Regierung abwelchk. Auch die neue Regierung ist der Meinung und betont feierlich vor oller Welt, daß durch den Spruch der Vslschafker- konfereuz Deutschland und dem betroffenen Oberjchlesien Harle Gc- walt angetan wird.(Lebhafte Zustimmung.) Wenn wir diesen Spruch über Oberschlesien auf Grund des durch den Versailler Friedensvertrog gegebenen Rechtes prüfen, so lag es nach dem letzten Absatz des Artikels 83 in Verbindung mit § v des Mandats zu diesem Artikel den alliierten Hauptmächten ob, eine Grenze zwischen Deutschland und Polen z'u ziehen, die sowohl dem Abstimmungsergebnis als auch der geographischen und wirt« schaftlichen Lage der Ortschaften Rechnung tragen sollte. Diese Eni- scheidung durften nach der Rechtslage nur die Hauptmächte s e l b st treffen. Sie haben sich dieser Pflicht jedoch dadurch ent, ledigt, daß sie den Rat das Völkerbundes um ein Gutachten ersuchten und zugleich darüber übereinkamen, dieses Gutachten, wie es auch lauten möge, als für sie bindend anzunehmen. Noch unserer Auffassung, die mit dem allgemeinen Rechtsempfinden identisch ist, verstößt durch diese Uebertragung der Entscheidung an eine an- dere Instanz gegen den klaren Wortlaut des Vertrages.(Sehr richtig!) Dieser Verstoß wird auch nicht dadurch geheilt, daß die Entscheidung vom 20. Oktober nach außen hin und formell als Bs» schlug der Hauptmächte dargestellt wird. Aber auch in der Sache selbst steht die getroffene Entscheidung mit den Vorschriften des Ver- träges im schroffsten Widerspruch.(Zustimmung.) Die Entscheidung muß selbst anerkennen, daß die alliierten Hauptmächte nicht imstande gewesen sind, eine Grenze zu finden, die sowohl der Abstimmung der Einwohner als auch den gcographi- schen und wirtschaftlichen Verhältnissen des Landes gerecht wird, sie stellt vielmehr ausdrücklich fsst.chaß die gewählte Linie wichtige wirt- schaftliche Interessengebiete zerreißt, also eine Gefahr für Oberjchlesien nicht vermeidet, die durch die Bestimmungen des Vertrages vermie- den werden sollte. Daraus ergibt sich aus einer Logik, die nicht nur die Logik Deutschlands sein kann, daß die gezogene Grenze nicht gezogen werden durste, weil sie das Recht Deutschlands EiUöeckzrngm unö Enttäuschungen. Konzertumschau von Kurt Singer. Wenn entschieden werden muß(und geschieden) zwischen Musik, die groß crlebt und nicht gekonnt ist und einer Musik, die groß- artig gekonnt und nicht erlebt ist, so darf die Wahl auch gegen das erste Sinnenurteil nicht schwer fallen. Was vom Begriff de�Welt, was vom Eefühlsniederschlag großer Denkprobleme, was vom Er- schauern vor Gott, Erde, Tod in Tönen ausgedrückt ist, was Rhyth- mus und Mslos an Bekenntnis und Irrtum zusammenschweißen kann, das erst macht Musik würdig ihrer selbst. Alle Mittel sind ge- heiligt durch den Zpzcck der Erlebnissuggestion. Die Grenzen zwi- schen absoluter und relativer, zeichnerischer, im Programm oerdeu- telter Krückenmusik schwinden vor dem Zauberstab eines ganzen Menschen. In seiner zweiten Sinfonie ist Mahler der größten, mitreißendsten Menschen einer. Die Schicksalstonart L-Moll diktiert Stimmung und Gehalt, eine gebrochene und wühlende Sehn- sucht, eine in Leid und Lied ausgegsbMe Verzweiflung: ein rasender Versuch, zwischen Diesseits und Jenseits, zwischen Leben und Tod die Wahl zu treffen. Schreiender Kampf, inbrünstiges Wollen, wie in den gleichgstönten E-Moll-Sonfonien Beethovens, Brahms, Bruckners(der drei schrieb), groß erlebte, schöpferisch gekonnte Musik. Dieser erste Satz ist eine Sinfonie für sich, ihr Weh, ihr Glanz, ihr Aufbäumen ist erschütternd: Unfaßbarkeiten, Rätsel, Geheimnisse, die bis zu den Sternen zu deuten scheinen. Ein 5)erz öffnet sich ganz. Und siehe da, es blutet. Für die Gottheit, für das Juden- tum, für die menschliche Erlösung. Ein träumerischer, tanzend an- mutiger Rückblick in Andante, ein svukartiges Scherzo und dann— Entrinnen aus der»todgeweihten Verlassenheit, ein Requiem des tiefst Getroffenen, eine Hosfnungsseligkeit und Frommheit ohne- gleichen:„Auferstehen, ja auferstehen wirst du, mein Staub, nach kurzer Ruh." Uebor diesem ungeheuren Werk schattet der Himmel, geistert das Leben und der Tod. Ein Ewigkeitswert. Mahler hat diese Größe nicht mehr erreicht. Oskar Fried packte der Dämon, und er schuf selbst an dem kühlen Podium der Skala herab Feuer- und Gewitterstimmung, unvergeßlich, brausend und schön. Die Liebe zu diesem Werk war die erste Entdeckung oder Wie- derentdeckung. Die zweite hieß Mendelssohn und war be- denklich. Ein löstimmiger Chor des 18jährigen, ungedruckt, aufge- fanden in der Bibliothek der Singakademie, von Schumann (Georg) liebevoll nachgezeichnet. Eine prachtvoll gelöste Aufgabe der Stimmführung und der Satztechnik, weder thematisch gewählt noch besonders gelungen in der Farbmischung: zum Schluß aller- dings findet sich der Meister, der einmal Paulus-Chöre schreiben sollte. Auch die Palaestrina-Motette„Tu es Petrus" wirkt trotz der Klarheit des Satzes nicht überwältigend: zu viel Askese, zu wenig Blut. Frai� Pos-Carloforti wiederholte mit technischer Bra- vour und Stilfoingefühl einen Teil ihres Bach-Hasse-Progrcmms. Fritz K r e i s l e r bleibt einzig. Wunsthfrcies Genießen bei der fchönlinigen Cesar-Franck-Sonate, jeder Ton eine Köstlichkeit, jeder Strich eine neue Bollendung. Diesen Geigenton im Ohr wandert man fort und trifft, sehr kritisch gestimmt, auf einen anderen, der hasten bleibt. Anna Hegner, dein Name soll genannt und ge. priesen sein. Geigerin aus Basel, die es unternimmt� in einem aus dem Bertrage verletzt. Um diese eingestandene Rechtsverletzung in der Grenzsührung auszugleichen, haben die alliierten Haupt- mächte zugleich beschlossen, den beteiligten Staaten ein U e b e r- gangsregime aufzuzwingen, eine Maßregel und Berfügung, die gänzlich außerhalb der ihnen vom Vertrage zugewiesenen Bs- fugnisfe liegt.(Lebhafte Zustimmung.) Wenn sie sich anscheinend auf den letzten Absatz des Artikels 32 stützen wollen, rechtfertigt dieser ihr Vorgehen in keiner Weise, er verpflichtet Deutschland ledig- lich, mit Polen ein ergänzendes Uebereinkommen zu treffen über Fragen, die der Vertrag nicht birgt. Rirzends ist bestimmt, daß der Znhalk eines solchen llebereinkommens von den alliierten Mächten diktieri werden könne. Es ist vielmehr so, daß diese Vorschrift bei- den Staaten das Recht zusichert, sich frei und unbeeinflußt über die einer Regelung bedürfenden Gegenstände zu einigen. Ich kann also wohl scaen, daß hier durch eine Beugung des Vertrages aus Wohltat Plage gemacht wird. Diesen Standpunkt, diese Rcchtsauffassung wird die neue Regierung den alliierten Wächten gegenüber zum Ausdruck bringen. Die deutsche Regierung sieht die Entscheidung der Botschafter- konserenz alz gegen Verkrag und Recht verstehend an. Sie ist der Auffassung, daß in Oberschlesien durch Gewalt ein Zustand geschasfen werden soll.(Sehr richtig!) Aufgabe der neuen Regierung war es daher, die Regeln zu finden, nach denen eine praktische und mögliche Politik in der nächsten Zukunft sich zu bewegen hat. Die nächste und dringsüdste Aufgabe, die es zu lösen gilt, ist die, der Verpflichtung zur Entsendung eines Vertreters zu den Wirtschaftsvcrhandlunqen über das Ilebergangsregime nachzukommen. Die Entscheidung der Botschafterkonferenz stellt Deutschland vor die Wahl, einen Vertreter zu entsenden und das zur �Ausrschterhaltnng der wirtschaftlichen Blüte des polltisch zer- risfenep Landes Mögliche zu tun oder aber sie dem Zwang und den Willkurlichkeiton fremder Machthaber ausgesetzt»zu sehen. Eine Möglichkeit, die von schwersten Folgen nicht nur für das Land selbst, sondern auch für unser ganzes Vaterland fein muß. Vor diese Ent- scheidung gestellt, ist es die Aufgabe der Politik, den Interessen Oberschlesiens selb st und denen ganz Deutschlands gerecht zu werden, linsers erste Pflicht ist es beute, die Hunderttausende deutscher Volksgenossen,.die durch den Machtspruch der alliierten Hauptmächte zu Polen geschlagen werden, nicht im Stich zu lassen. (Lebhafte Zustimmung.) Den Versuch zu machen, der durch die Zer- schneidunq drohenden Verelendung blühender Gebiete soweit wie irgend möglich entgegenzuwirken. Von dieser Betrachtung der Lage ausgehend wird sie ihren Bevollmächiiglen für die Dirlschaf-sverhandlungm ernennen und ihn den alliierten Hauptmächten unverzüglich mit- teilen. Wenn die Regierung in dieser dringenden Stunde die Zu- st i m m u n g der deutschen Volksvertretung zu den so bezeichneten Entschlüssen erbittet, welche sie zur Durchführung benötigt, so ver- hehlt sie sich nicht, daß durch die Rücktritts erklärung der alten Re- gierung eine neue Lage geschaffen worden ist. Die neue Re- gierung sieht es als einen sch w e r e n Fehler an, dem deutschen Volke wie dem Auslande zu verheimlichen, daß durch die vorauf- gegangene Verstümmelung deutschen Territoriums infolge der Entscheidung über Oberschlesien Deuffchlands Leistungsfähigkeit so vermindert wird, daß alle Berechnungen, die man bis- her über die Möglichkeit der deutschen Reparationsleistungen aufge- stellt hat, in neue st arte Zweifel gezogen werden müssen.(Leb- hafte Zustimmung.) Die ehemaligen Gegner Deuffchlands haben die Hoffnung auf die Gesundung der durch den Krieg zerrütteten Wirtscbaft, auf die Wiedergutmachung der durch den Krieg verursachten Schäden, aus den Wiederausbau der gesamten Wclrwirtschaft vornehmlich auf die deutschen Reparationslei st ungen gestellt und im Ver- folg dieser Politik Deutschland Lasten auferlegt, die wenn sie überhaupt zu tragen sind— nur unter Belastung aller Kräfte getragen werden können. Durch die obcrschlesische Entscheidung wird diese Voraussetzung auf das schwerste erschüttert. Ich will mich darauf beschränken, Ihnen ganz kurz eine nüchterne Uc-bcrsicht darüber zu geben, was Deutschland an ideellen und materiellen Gütern durch die Entscheidung verlieren soll. Denn nach den Berechnungen des statistischen llieichsamts soll Oberschlesien durch die Abstimmung 365 000 Einwohner, d. h. 43 Proz. des Abstimmungsgebietes an Polen verlieren. Demgegenüber betragen die Ziffern des Abftimmungs- ergebnistes 62 Proz. deutscher und 28 Proz. polnischer Stimmen. Es werden also noch mehr als 11 Proz. der Bevölkerung abgedrängt, als für Polen gestimmt haben.(Lebh. hört, hörti) Hierbei' ist nicht berücksichtigt, daß das Ergebnis der Abstimmung ein so viel günsti- geres für Deutschland gewesen wäre, wenn die Abstimmung mit Zyklus fast alle namhaften Geigenkonzerte unter Orchesterbeglei- rung zu spielen. Leider feblt der ganze Bach und zwei Drittel Mo. zart. 15 Werke auf dem Repertoire— das ist schon eine Leistung des Gedächtnisses. Am gefährlichsten Abend begegnen wir uns: Schüler- und Konservatoriumskonzerte von Viotti, Beriot, Vieux- temps. Was kann da werden? Ein Erlebnis. Tituskopf, Mischung aus Bsaye und Matkowsky, starker, männlicher Arm, Aug und Stirn geladen von Musik, jede Mustelfaser spielbercit. Ein seltenes In- strument, eine erlesene Technik, ein Temperament und eine Seele, Liebe zum Kleinsten und eine rasende Unbckümmertheit. Conrad A n s o r g e bleibt der absolute, in sich gekehrte, denkend große Pianist ohne Blendung bei Liszt wie bei Brähms(op. 5). Fritz D ettm a n n sollte von ihm lernen. Er poetisiert seinen Chopin noch viel zu wenig, bringt aber ein gerüttelt Maß Anschlag- und Spielbegabung mit, die ihn am Ende seiner Jugend.über den Durchschnitt emporheben wird. Den hat die jugendliche Rosenthal- Schülerin Tünde B r a j j e r schon überschritten. Sie geht mit Macht gegen die Tasten an, wird im Ton vom schlechtesten aller Hochschul- flügel im Stich gelassen, spielt sicher, sauber und mit einem ungc- wöhnlichen Zuschuß von Temperament, Seele, Innigkeit. Chopin, Reger, Liszt— sie gewinnt uns auf der ganzen Linie. Eine präch- tigs Begabung. Helge L i n d b e r g bleibt bei aller Stimmpracht seines voluminösen Baritons eine leichte Enttäuschung. Seit Me- schaert hat man zwar solch Martellato nicht mehr gehört, und die Atemkunst(in einer Händelschen Opernarie) ist vorbildlich. Nur das menschliche Antlitz und das kochende Gefühl, das pochende, warme Herz bleiben unsichtbar, selbst in einem sanften, wunderschön gesungenen Händelschen Liebeslied(„Teure Waidcsschatten"). Im Lichtenberger Volkschor und Sinfonieorchester wagt sich der rührige und umsichtige Dirigent(Paul Kurz) an die Msndelssohnschs Walpurgisnacht. Welch hübsche Stimmen! Wo aber war im Ehor des Volkes oder der Druidenwächter auch nur ein einziges Piano? Das Werk lebt von solchen Kontrosien und ist auch weder ohne Tamtam und Becken, noch mit halben Solisten, noch mit sechs schüchternen ersten Geigen und vorwitzigen Cellisten zu machen. Zurück in die Lichtcnberger Schule! Und wir halten zum Schluß einen Augenblick den Atem an. Wo wird Enttäuschung zum Unsinn, und ist immer wieder Wunder- und Neuland zu entdecken? Bei Mozart allein, dessen Musik aus den Sternen kommt, wie Mahlers Musik zu den Sternen will. Bruno Walter dirigiert das Divertimento in L-Dur. Sechs Sätze, und jeder eine Köstlichkeit. Und die Philharmonie wird zum Götter- saal, und die Musiker sind Künstler geworden, und alle schmiegen sich unter dem sanftesten, liebevollsten und künstlerischsten Stab eines Mozarffchwärmers in die diffizilste aller Musiken ein. Das ist Können, das ist ätherisches Klangbild. Wer macht das Bruno Walter nach? Die I v o g ü n als Gast: in der fraulichsten aller Arien der Weltliteratur, in der einschmeichelnd-zartesten Mozartschen Ton- reihe(„il re pastore") eine tleinstimmige, liebe, gefühlswarme, doch unbegnadete Virtuosin. Die Beschleunigung des Mondumkaufe». Bei der letzten Mond» sinsternis hatte man im Observatorium von Greenwich die Veobach- tung gemacht, daß die Verfinsterung eher eintrat, als sie nach der astronomischen Berechnung eintreten durste. Der Direktor des Pa- voller Ruhe und unter einem wirklichen Schutze stattgefunden hätte (lebhafte Zustimmung), nicht unter dem Druck polnischen Terrors. In den abgeschnittenen Gebieten gehen uns große blühende cheutsche Städte verloren, alte Zentren deutscher Kultur. Ich erwähne ins- besondere die Stadt K a! t o w i tz, die mit 85 Proz. aller Stimmen ihre Zugehörigkeit zum Deutschtum bekundet hat.(Lebh. hört, hört!) 42 000 in Kattowitz abgegebenen deutschen Stimmen standen nur 3500 polnische gegenüber.(Erneutes hört, hört!) Daß es in der Welt jemand gibt, der gegen dieses Abstimmungsergebnis nicht pro- testieren würde, darf man bezweifeln.(Lebh. Zustimmung.) Ich erwähne ferner die Stadt K ö n i g s h ü t t e, in der sich 73 Proz. für das Verbleiben bei Deutschland ausgesprochen haben. Das Ver- häftnis betrug 31864 deutscher Stimmen gegenüber nur 10 467 pol- nischer Stimmen. Wenn nun diese und anders deutschen Kultur- Zentren ohne Rücksichtnahme auf ihre Geschichte, auf ihre Bcoölke- rung und auf ihren laut bekundeten Willen von Deutschland abgc- drängt werden sollen, so muß jeder Glaube daran schwinden, daß Recht und Gerechtigkeit, daß insbesondere das S e l b st b e st i m-- mungsrccht der Völker eine wesentliche Bedeutung haben kann. (Sehr richtig!) Unter Ken Bodenschätzen Oberschlesiens nimmt die Kohls den ersten Platz ein. Nur ein relativ geringer Teil der Kohlen.- gruben soll noch dem Spruch der Botschafterkonferenz bei Deuts ch- land verbleiben, 75.5 Proz. der oberschlesischen Kohlenförderung sollen an Polen fallen. Zieht man die qesamten Kohlenvorkommen in die Rechnung ein, so verbleiben Deutschland von den 60 Milliarden Tonnen Kohlenvorkommen nur 5,5 Milliarden, 30 Proz. des Vorkommens fallen, an Polen. An Bleierzen werden In Zukunft nur 5000 Tonnen statt der bisherigen 22 000 Tonnen von Deutschland gefördert werden können Wir verlieren mindestens 66 Proz. der bisherigen Förderung. Damit nicht genug, fällt auch die Mehrzahl der S i l b e r b ü t t c n an Polen. Von den 37 oberschlesischen Hochöfen fallen 22 an Polen. Diese neue Infragestellung der deutschen Repa- rationsmöglichkeiten führen unsere Gegner in einem Augenblicke herbei, in dem weite Kreise des deutschen Volkes zu der Erkenntnis der Notwendigkeit umfassender Reparationsleistungen Deutschlands heranzureifen beginnen. Die größten Wirtschaftsländer der Welt haben unter dem Problem der Arbeitslosigkeit aufs schwerste zu leiden, eine Erscheinung, deren Zusammenhang mit den deutschen Reparationslasten nur von denjenigen verrannt werden kann, die nicht den guten Willen zur Einsicht haben. Die frühere Regierung hat mehrfach in eindringlicher. Weise darauf hingewiesen, daß die oberschlesffche Frage nicht eine speziell deutsch- polnische, sondern eine europäische und eine weltpolitische Frage, kurz ein weltpolitisches Problem ist. Die gegen- wärtige Lage der Weltwirtschaft zeigt in allen Ländern katastropbale wirtschaftliche Erscheinungen. Bisher hindern jedoch kurzsichtige Be- schlüsse, Verträge und Belastungen die Welt daran, den Weg zu gehen, der auch draußen, vor allem in England gezeigt worden ist, vor allem den Weg zur gemeinschaftlichen Arbeit am Aufbau von Wirtschaft, Kultur und Recht. Dle Politik der bisherigen Regierung ist darauf eingestellt gewesen, durch Reparationsleistungen bis zur Grenze des menschlich Möglichen neben ihren allgemeinen Verpflichtungen zum Wiederaufbau, vor allem zweierlei, nachzukommen. Sie will den guten Willen bekunden, zur Beseitigung des aus den Kriegsleidenschaften hervorgegangenen Mißtrauens der Völker beizutragen und damit die G r e n- z e n aufzuzeigen, welche der Erfüllung durch die n a t ü r li ch e n Bedingungen der Weltwirtschaft gezogen sind. Don diesem gulen Willen wird auch die neu» Regierung nicht abweichen, sie wird durch den Willen, ihren laufenden Berpslichluugen nachzukommen, auch weiterhin den Gegnern jeden Vorwand nehmen, um die von ihnen geplante Vernichtung Deuffchlands durchzuführen. (Sehr richtig!) Ich fasse die Stellungnahme der Regierung heute dahin zusammen: Die deutsche Regierung erbtickk in dem Spruch der vokschaffer- konfcrenz uichl allein eine llngerechligkcik gegen das deutsche Volk, der sie wehrios gegenübersteht, sondern auch eine Verletzung des Versailler Friedensverirago, dessen klarem Wortlaut die Entscheidung widerspricht. Die deutsche Regierung legt gegen den hierdurch geschaffeneu Zustand als gegen eine Rechtsverletzung feierliche Verwahrung ein, wenock das Mittel an. welches das Völkerrecht als Schutz gegen Vergewaltigung kennt. Um die dem deutschen Volke drohende Verelendung z» vermeiden. sieht sich die deutsche Regierung gezwungen, den in der Pole vor- gesehenen Delegierten zu ernennen, ohne Ihre Rechksausfassung preiszugeben. Die Regierung erbittet zu der darauf begrün- riser Observatoriums, Professor Bigourdan, der über die Richtigkeit dieser Beobachtung befragt wurde, äußerte sich dahin, daß die Mög- lickkeit nicht bestritten werden könne.„Nach meinem Dafürhalten", erklärte er,„waren die Astronomen des Observatoriums von Green- wich durchaus zu der Erklärung berechtigt, daß der Mond eine un- vorhergesehene Beschleuniguna'eige, die durch die Mondfinsternis zur Entdeckung gelangt ist. Es ist seit geraumer Zeit bekannt, daß der Mond bei seiner Bewegung um die Erde eine anormale Be- schleunigung an den Tag legt. Mit anderen Worten: er befleißigt sich einer größeren Schnelligkeit, als er es nach dem Newtonfchen Ge- setz wn dürfte. Allein diese Tatsache ist schon seit mehr als hundert Jahren bekannt. Verschiedene Astronomen haben sich damit bc- schöstigt und sind auf Grund ihrer Untersuchungen zu der Feststellung gelangt, daß die hundertjährige Beschleunigung der Bewegung des Mondes etwa 6 Bogensekunden beträgt. Das ist durchaus minimal, wenn man sich vergegenwärtigt, daß 6 Bogcnsekundcn kaum den drei- hundertsten Teil des Monddurchmessers ausmachen. Die Genauigkeit der astronomischen Methoden läßt indessen keinen Zweifel zu, daß die Mondbewegung alle'hundert Jahre um diese geringe Zeit an Schnelligkeit gewinnt. Ueber die Gründe dieser Schnelligkeitsbewe- gung ist man indes bis jetzt im Unklaren." Für die Freiheit der Theaterkritik tritt der Verband der Berliner Theaterkritiker in folgender Erklärung ein:»Das Gericht hat den Krititer Herbert Jhering, weit er die Berufsiüchtigkeit zweier Schausvieler derneiul bat, für schadenersatzpflichtig erklärt. Die Rechtskraft dieses absonderlichen Urteils ist noch unbestätigt. Dessen ungeachtet erbebt unser aus 80 deutschen Kritikern bestehender Verband nachdiücklichst Einspruch wider einen solchen die Möglichkeit jeder ernsten Kritck ausschaltenden Feblspruch... Orffentlich Wirkende babe» öffentliche Kritik zn gewärtigen. Ein Mlnisier oder irgendein Politiker könnte aus Schadenersatz klagen, weil ihm durch tadelnde Beurteilung sein„Fortkommen erschwert" wird. Ter vom Landgericht gefällt» Spruch würde nicht nur die Freiheit des Kritikers einengen uud>i?ine Wahrhaftigkeit bedrohen, sondern auch dem Kunslleben durch Einschüchterung des ehrlichen Urteils einen Schaden zufügen, für den es keinen Ersatz gäbe" Ein Schopenhauer-Museum wurde km Obergeschoß der Stadt» bibliothek zu Frankfurt a. M. eröffnet. Dos Wenige, das aus dem Nachlasse Schopenhauers'gerettet werden konnte, ist hier zu» fammengstragen. Außerordentlich wertvoll sind die handschriftlichen Aufzeichnungen Schopenhauers und seine Bibliothek. Dos Museum besitzt weiterhin den zweiten Teft des Manuskriptes von Schopsn» � Hauers Werk„Die Welt als Wille und Vorstellung", sowie eine An- zahl von Briefen aus seinem Freundeskreise. Bilder und Büsten des Philosophen vervollständigen die Sammlung. Die Museumsführung!:» durch Direktaralbcamte finden am nächsten Sonntag von Uhr im Alten Museum(Antike Bildmerls) und im Kai!cr.Fricdnch.Museum(Altchrtstliche Kunst und Aitniedertändische Ge- Wälde) statt. Reues deutsches Hartgeld. In München lind im Haublmiinzawt Vorbereitungen zur Prägung von Wortstücken im Gange. Es sollen aber auch Zwei- und Dreiinarlstücke geprägt werden. Welches Metall oerweudft und wie das Münzbild gestaltet werden soll, ist»och nicht bestimmt deken PolMt Ihre Zusiimwung. v?e Regierung Ist allerdings nicht aus dem festen und beschlösse,'.cn Willen einer?!n-ahl von? a r- teien hervorgegangen, sondern fetzt sich aus Zllönnern zusammen, die sich im Drange der Stunde dem Enterlande zur Verfügung gestellt haben. Ich mciß wohl, das! eine grosz? Anmht von.fragen der Lösung bedürfen, die in der heutigen ImlZrung nicht berührt werden können, so z. V. die SrnZhrnngslage. die Preissteigerung, die Zkcubesoldung der Beamten und die Hilfe für die kleinen Rentner. Ich bitte, diese Fragen heute zurückzustellen, und richte den dringenden Appel! z u r Ä i t a r b e I t an die Parteien dieses Hauses.(Deimll.) Das Haus tritt in eine Vesprechung der Regierungserklä- rung ein., Mg. N!Wer-5?anken(Toz.j: Ter Herr Präsident und der Herr Reichskanzler haben bereiis der Haltung der oberschlesiichen Bevölkerung, dieser Märtnrer der d-utscken Sache, gedacht.. Lch schließe mich namens der Fraktion an. Wir glauben besonders dazu legitimiert zu sein: denn in den Zeiten der Abstinimung sind die deutschen Arbeiter und die deutschen Gewerkschaften die stärksten Tröger des deutschen Gedankens und die Hüter der deuti/'en Sache in Oberschlesien ge- wesen.(Sehr richtig! 6 6 Soz.)'Cfs steht einzig in der Gekchichte da, dah ein Teil eines Volkes drei hahre noch einem tclchen Kriege In auf die Falter gespannt worden ist, wie das in Oberschlesien der Fall war. Wir wissen uns eins mit der Bevölkerung Oberschlesiens. Uns bindet gemeinsame Kultur und'Sitte. Wir hören von den deutschen Parteien und von den deutschen Gewerk- 'Soften Oberschlesiens das Gelöbnis, daß die Deutschen dort auch unter der Fremdherrschaft ihr Deutschtum bewahren werden und eines Kinnes bleiben mit den Brüdern und Schwestern in der deutschen Republik.(Bravo! b. d. Soz.) Unsere Aufgabe wird es jetzt in erster Linie sein, den Deutschen dort zu hellen, soweit das noch in unseren Kräften steht. Das ist der praktische Dank, den die Oöerschlesier von uns verlangen können. � Mit einer Politik der großen Gelte ist niemand gedient(lehr richtig! b. d. Soz.), weder -'cnen in Oberschlesien noch uns im Reichs. D e m o n st r a t i o n s- volitik ist etwas, was sich ein wehrloses Volk nicht leisten kann. Wir haben darin andere Auffassungen als die lmlionalisti'chen Slopffechler, die die Schuld an der militärischen Niederlage und an dem Zu- snmmenbruch des Reiches(sehr richtig! b. d. Soz.— Widerspruch und Unruhe rechts.) dadurch zu verdecken suchen, daß sie uns das Vor- ständniz für nationale Fragen absprechen. Eine nichtswürdige Hetze in der rechtsgerichtsren Presse ist die Quittung für die.Dal» tung der sozialdemokratischen Arbeiter in der Ab- stimmungskompagne für Oberschsesien. Fch will in dieser Stunde nicht wc�ler polemisieren, ich will zu der Hetze nur einen Satz laxen. Sie setzt ein an dem Tage, an dem der Reichstag sich über Obcrschlesien ünterhnlt, und man mutet uns zu, mit einem solchen Gesindel eine Einheitssront zu bilden.(Lebhaftes Bravo! b. d. Soz.— Große Unruhe rechts.— Glocke des Präsidenten.) Wenn uns jemand den Vorwurf nationaler Un zuverlässig? eit machen will, so können wir darüber mit Verachtung hinweggehen.?n den sieben schweren Dohren, die Deutschland hinter sich hat. hat unsere Partei den besten Beweis geliesert. daß sie sich an. nationaler Zuverlässigkeit von keiner anderen Partei übertrefsen läßt. Weil wir uns das Recht herausnehmen, zu jeder Zeit und jedermann die Wahrheit zu sagen, deshalb haben wir auch die Bfiicht, heute den Staatsmännern der Enteute zu lagen, daß die Entlcheidi'ng über Obcrschlesien nicht nur mit allen Rechts- begriffen unvereinbar ist, sondern auch mit dem Ver- �ailler B e r t r a g— den ich nicht. meinte, wenn ich von Rechtsbegriffen sprach— u n v e r t r ä g l i ch ist. Die Entscheidung, die der Oberste Rat über Oberschlesien aus Grund des Gut- achtens des Völkerbundes getroffen hat, kann nach unseren Rechts- begriffen kein Recht schaffen, sondern ist ein Ausfluß der Gewalk. Fch sage nach dem Auslande hin: als überzeugte Anhänger der Völkerbun'dsidee bedauern wir, daß der Bölkerbnndrat sich dazu hergegeben hat. die weder mit dem klaren Ergebnis der W- stimmung noch mit den Bedürfnissen der oberschlesisthen, der deutschen, der europäischen Wirtlchast verträgliche Entscheidung zu decken. Das ist für uns ein neuer Beweis dafür, daß Rechtsfragen vor ein unabhängiges Schiedsgericht geboren und nickt eni- schieden werden dürfen von Delcaierten von Regierungen, die nach machtpolitischen Grundsätzen und nicht nach rechtlichen Auffassungen ikre Entscheidungen treffen.(Sehr rickkia! b. d. Soz.) Aus der uns übermittelten Entscheidung über Oberschsesien spricht nicht das Selbstbestimmunasrecht der Völker, sondern in ihr sehen wir vielmehr die Auswirkung des f r a n z ö s i s ch- p 0 l n i l ch e n Geheim Vertrages, der' entgegen den Satzungen des Völker- bundes weder in Kens registriert, noch durch das Amt des Völker- bundes veröfjentlicht ist. Der cherr Reichskanzler hat schon auf eine Rede des englischen Ministerpräsidenten hingewiesen. Wie soll das von ihm gewünschte einträchtig-! Zusammenwirken gefördert werden, wenn Oberschlesicn ohne Rücksicht auf seine Wirtschaft und gegen den Willen des größten Teils seiner Bevölkerung durch eine mit keinem Vernunstgrunde zu rechtfertigende Entscheidung durch eine Zickzacklinie grausam zer- rissen wird. Lloyd George hat übrigens in derselben Rede auf die Notwendigkeit der Stabilisierung unserer Währung und auf die Verknüpfung der weltwirtschastlicken Zusammenhänge hjnaewiesen, und er hat den chern, Professor E 0 s s e l aus Stock- Holm als einen der glänzendsten Wirtschaftler gestiert. Aber dieser Professor Cassel hat die Genfer Entscheidung als eine Versündigung an der Rakur der Mssenschaf! bezeichnet und als steues folgenschweres Beispiel für dos durch den Aersailler Vertrag ignorierte, politische und wirtschaftliche Auf- lösungsproxramm. Warum feiert Llond George diesen glän- zendsten Wirtschaftler, wenn er in der Praxis auf dessen Ans- fassungen pfeift?(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) An der englischen Massenarbeitslosigkeit kann Lloyd George doch ermessen, wie die. in der Praxis beschlossene Diktatpolitik der vier starken Männer ununterbrochen die europäische Wirtschaft verwüstet. Welcher Wirtschaftler will bestreiten, daß durch den Ver- lust Oberschlesiens die Erfüll 11 ngsmöglichkeit Deutsch- lands enger begrenzt wird? In den Slbstimmungsgebieten 'oll Polen die staatliche Gewalt ausüben. Das bringt die Mög- ichkcit des Verfalls für große Teile des Industriegebietes mit ich, die ja durch ein uns ausgezwungenes, auf 15 Jahre berechnetes, älkcrrechtlich einzig dastehendes, gemeinsames Wirtschaftssystem usammengehasten werden sollen. Wenn heute die Abstimmung in Oberschlesien wiederholt werden ollte, so ist nicht daran zu zwelloln, daß sie ganz anders zu- unsten Deutschlands ausfallen würde, als das früher der Fall war. ln den Wahnwitz einer Zerreißung ihrer engeren chsimot haben uch die polnisch stimmenden Arbgiter�Oberschlcsiens nicht gs- acht.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Nach em der deutschen Regierung übermittelten Entscheid des Obersten iotes soll über das Eisenbahn-, Zoll- und Geldwesen, über die Wasserwirtschaft, über die Elektrizitätswirtschaft des-Abstimmungs- gebietss verhandelt werden, es sollen Kommissar« dazu ernannt werden. Der Reichskanzler Hot uns mitgeteilt, daß die Re- gierunq dazu bereit ist. Dabei ist nicht zu vergessen, daß diese. Ein- schränkungen für das gesamte A b st i m m u n g s g e b i e t gelten sollen, daß also auch für den an Deutschland fallenden Teil auf 15 Lahre die deutsche Souveränität aufs schwerste beeinträchtigt wird, falls nicht vorher die deutsche und die polnische Regierung auf dem Wege freier Vereinbarungen Aendcrungeu erzielen. Wir erklären zunächst rein rechtlich, daß diese Bestimmungen eine SICtze In dem vcrsailler vertrag nicht slnd-n. Durch diese Eni- scheidungen wird das oberschlesifche Volk auf das schwerste beunruhigt. Wir sind der Auftossung, daß bei den Verhandlungen, die vorgesehen sind, die deutsche Regierung versuchen muß und wird, die oberschlesische Bevölkerung nach allen Kräften zu vertreten. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Für den Schuß der Mnderheiten auf beiden Zeilen muß bald gesorgt werden, hierzu müssen sich Deutsche und Polen zu gemeinsamer Arbeit die chände reichen, wenn nicht neue unnütze Leiden aus das schwergeprüfte Volk heraufbeschworen werden sollen. Die allcrvorkchrtesie Politik wäre es, wenn versucht würde, eine Politik der Rache zu treiben. Eine Politik des Sö 0 y k 0 t t s würde nicht nur die oberschlesische, sondern auch die gesamte deutsche Industrie schädigen. Wir appellieren nicht nur an die Deutschen, sondern auch an die P 0 l e n. Auch bei ihnen muß der Gedanke der Wirtschaft über den nationalistischen Gedanhen siegen. Ihr junger Staat hat das doch wahrhaftig notwendig. Wir haben zu dem Kabinett Wirth nach der Erklärung des Herrn Reichskanzlers das Vertrauen, daß es sein Möglichstes einsetzt, um diesen Zielen zu dienen. Der Herr Reichskanzler hat erneut eine sehr schwere Aufgabe übernommen. Meine Partei dankt ihm ausdrück- lich dafür, daß er in dieser Zeit schwerster Not erneut dies große persönliche Opfer gebracht hat(Lebhaftes Bravo! bei den Sozialdemo- kraten.) Wenn er dafür in einer gewissenlosen Presse als„Kleber' beschimpft worden ist, so mag er sich damit trösten, daß nur Schwachköpfe oder Verleumder heute einem Reichsminists? nachsagen können, er klebe am-Amte.(Zustimmung bei den Soz.) Man wirft dem Herrn Reichskanzler vor, daß seine bisherige Politik falsch gewesen sei. Ich habe im Austrage meiner Fraktion zu er- klären, daß unserer Auffassung nach die von dem zurückgelrelenen Kabkaest betriebene Politik icke einzig mögliche war(sehr wahr! links), und damit war sie ricklig.(Erneute Zustimmung links.) Jedes Kabinett muß nach unserer Ausfassung die gleiche Politik treiben: denn die heutige deutsche Politik folgt im großen zwangsläufig aus dem verlorenen Kriege, und nur im kleinen haben wir die Hände noch frei. Wenn nach der Entscheidung des Botschafterrates Teile von Oberlchlesien verloren gehen sollen, so ist das eben die Folge davon, daß wir diesen Krieg verloren haben, daß die deutsche Ober st e Heeresleitung gezwungen war, im Oktober 1918 vor den Machtmitteln der Entente zu kapitulieren. Uebrigcns kann ich aus den vielen Vesprechungen der letzten Wochen mitteilen, daß es in den Parteien, die bereit waren, über eine Koalition zu beraten, bis in die Reihen der Deutschen Volksparteihinein Einmütigkeit darüber herrschte, daß an der Politik der versuchten vericagserfllllung bis an die Grenze der deutschen Leistungsfähigkeit festgehalten werden muß.(Hört, bört! bei den Soz.) Meine Fraktion hat mit aller Entfcheidsnheit einer Demission des Kabinetts Wirth wider- sprochen. Sie wollte alsbald nach Eingang der Entscheidung über Oberschlesien das Parlament entscheiden lassen, das entspricht unserer Auffassung des parlamentarischen Systems. Leider kamen wir nicht dazu(Abgeordneter Dr. Helfferich: Warum nicht?)— Das wissen Sie doch, Herr Kollege Helfferich(Erneuter Zuruf rechts). Sie missen doch, daß insbesondere von der demokratischen Partei ver- langt worden ist, daß das Kabinett bald demissioniert. So kommt heute leider erst in letzter Stunde der Reichstag dazu, sich in der wich- tigen Frage zu äußern. Da? hat auf die oberschlesilche Bevölkerung, das hat auf die öffentliche Meinung hier und im Auslände den allen-ngünstigsten Eindruck gemacht. f Sie haben die Ausführungen des Herrn Reichskanzlers gehört. Die Entscheidung liegt bei Ihnen. Fällt sie gegen das Kabinett Wirth aus, so hat die Mehrheit die Pflicht, die Regierung zn bilden.(Sehr richtig! bei den Soz. und im Zentrum.) Meine Freunde würden um der Sache willen bedauern, wenn es so käme: denn dos deutsche. Volk in seiner Gesamtheit hätte die Folgen zu tragen. Es kann jetzt nur eine klare Entscheidung geben: sie muß für das Kabinett Wirth günstig ausfallen, wenn neue langwierige Wirren und schurre Demütigunaen dem Deutschen Volke erspart bleiben sollen.(Lebhafter Beifall bei den Soz.) (Den weiteren Bericht finden unsere Leser in der 2. Beiloge.) Zrankreich unö üas Memelgebiet. Das führende Organ der Demokraten im Memelgebiet, das„Memeler Dampfhoot", stellt die Behauptung auf, unsere Notiz„Französische Interessen in Memel" seien � auf Kreise zurückzuführen,„die am liebsten das Memelgebiet an Litauen ausgeliefert sähen". Demgegenüber stellen wir fest, daß der- artige Kreise in Deutschland unseres Wissens überhaupt nicht existieren und dass unsere Notiz auf eigenen Informationen be- ruht. Ebenso verfehlt ist es, wenn das„Dampfboot" an- nimmt, daß mir uns gegen die Autonomie des Memelgebietes wenden. Wenn es nach unseren Wünschen ginge, dann würde das Memelgebiet wieder an Deutschland angegliedert, wohin es von Rechts wegen auch gehört, und wir wissen uns in diesem Wunsch eins mit der gesamten Bevölkerung Deutsch- lands. Da dem Deutschen Reich alxnr durch den Versailler Vertrag das Recht genommen worden ist, in der Memelfrage mitzusprechen, halten wir es für zwecklos, unserer unmaiz- geblichen Meinung Ausdruck zu verleihen. Für unsere Pflicht halten wir es dagegen, die Memslbewohner auf die G e- fahren aufmerksam zu machen, die ihnen von dieser oder jener Seite drohen., Und in dieser Hinsicht glauben wir auf dem rechten Wege zu sein. Das„Memeler Dampfboot." bestätigt nicht nur unsere Meldung, daß ein französisches Finanzkonsortium an die Stadt Memel zwecks Ankaufs städtischen Industrie- und Wohn- geländes herangetreten ist, sondern fügt dem noch hinzu, daß die Verhandlungen noch immer im Gange sind. Die Gefahr einer Ueberfpemdung Memels durch Frankreich ist also sehr ernst. Wenn das„Dampfboot" behauptet, der französische Oberkommissar Petisnd sei an dem Geschäft nicht interessiert, dann möchten wir dem Organ empfehlen, sich ein- mal in der Verwandtschaft des Kommissars umzusehen. Sehr erstaunt sind wir, daß das„Memeler Dampfboot" obendrein Niederlassungen französischer Handels- und Jndustriegefell- schaften in Memel auch noch begrüßen zu müssen glaubt. Es wäre bedauerlich, wenn dieses alte demokratische und deutsche Blatt seine Traditionen vergessen haben sollte. Wir wissen nicht, ob diese Art von Politik geeignet ist, die kulru- rellen und wirtschaftlichen Interessen des Deutschtums im Memsllande zu wahren. Das Schicksal desSaargsbiets sollte doch zu denken geben.___ �sch öer �artikularssmus! vkünchen,?6. Oktober.(TU.) Bei den einzelnen Wehrkreis. kcmmandos zirkuliert ein Befehl des Reichswehrmini st e- r i u m s, wcnoch Fahnen, die Eigentum des Reichsmilitärfiskus bleiben, weder bei öffentlichen Umzügen, noch bei sonstigen Fest- lichkoiten verwendet werden dürfen und der Heeresverwaltung an- zuzcigen sind. Der Vertreter Bayerns im R e i ch s r a t, Ministerialrat Sperr, hat auf Veranlassung der bayerischen Regierung dem Rcichslöehrministizrium schriftlich erklärt, daß die bayerischen Fahnen bayerisches Eigentum bleiben und nie in den Be- sitz des Reichsmilitärfiskus übergehen, und daß Bayern ferner sich das Recht nicht nehmen lassen wird, über seine Fahnen so zu ver- fügen, wie es ihm gut dünkt. Eine schriftliche Gegenäußerung des Reich-wehrministeriums liegt noch nicht vor. Recht so! Bayern darf niemals in den Verdacht kommen, auch nur das Geringste' von seinem geheiligten Partikularismv« preis- zugeben, selbst wenn es sich nur. um ein paar lumpige Fahnen harr- delt. Wir sind gespannt, welche Haupt- und Staatsaktionen Bayern einleiten wird, wenn Herr Geßler— was wir doch hosten wollen— fest bleibt. Die interaUizerte tzanöelskontt'olle. Koblenz, 26. Oktober.(WTB.) Am Montag bezaiznea hier die Berhandlungen zwischen der vom Gesandten v. M u t i u S ge- führten deutschen Delegation und dem Interalliierten Eachverstän- digenkomitee unter Vorsitz von Dell' dbadessa über die Aus- gepaltung des Interalliierten Organs zur lleberwachung der Handhabung des deutschen Ein- und Ausfuhrsystems im besetzten Gebiete, dessen Schaffung bekanntlich nach dem Beschlutz des Obersten Rates vom 13. August Vorbedingung für die Auf- Hebung der wirtschaftlichen Sanktionen ist. Den Verhandlungeil lag ein Entwurf dös Interalliierten Sachverstündigenkomitees zu- gründe, über den in zwei Sitzungen ein Ausrausch der Ansichten stattfand. Da der Präsident und einige Mitglieder des Jnteralliier- tsn Komitees, die an den Arbeiten der Pariser Konferenz über die Besotzungskosten teilnehmen, abreisen mußten, wurden die VerHand- lungen heute unterbrochen, um spätestens Anfang November fortgesetzt zu werden. Die Zwischenzeit soll zur Prüfung der gegenseitigen Vorschläge und Einwendungen verwendet werden. Der bisherige Gang der Verhandlungen läßt erhoffen, daß es im Sinns gegenseitiger Verständigung gelingen wird, zum'Abschluß einer Vereinbarung zu kommen. Korfantp gegen Genf. Warschau, 26. Oktober.(OE.) In der Scjmkommission für Auswärtige? gab der Außenminister S k i r m u n t eine Erklärung über Oberschlesien ab, die st r e n g v e r t r a u li ch? r Natur war. In der Diskussion trat nach langer Pause erstmalig wieder Kor- f a n t y hervor. 5lorfanty beanspruchte die Anerkennung des Er- sotges des von ihm geleiteten Mai-Aufstandes, ohne welchen nur Rybnik und Plcß an Polen gefallen wären. Ferner hob er die Bedeutung der Tatsache hervor, daß noch polnische Bevölkerung in dem Deutschland zugesprochenen Teile Oberschlesiens verbliebe. Er verlangte, daß die Regierung nach einer Abkürzung des fünf- zehnjährigen Wirtschaftskondomini ums strebe, welches er als überaus lästig kritisierte. Ebenso sprach er sich gegen die Beibehaltung der deutschen Währung in dem pol- nischcn Teile Oberschlesiens aus, da diese Bestimmung von beträcht- licher Tragweite für das polnische Finanzwesen sein müsse. Tumult in der französischen Kammer. $3tis, 26 Oktober.(WTB.) Die heutige Kammersitzunz be- gann mit der Fortsetzung der Diskussion über die ollgemeine Politik der Regierung. An erster Stelle spricht Abg. A r a g 0, der die Politik seiner Gruppe vertritt und gegenüber den Er- klärungcn des Ministerpräsidenten Briand verteidigt. Nach ihm erhält das Wort der Abg. Puech. Es kommt im Laufe seiner Rede, die sich nur mit innerpolitischen Fragen beschäftigt, zu lärmenden Zwischenfällen, als er uom Prozeß Maloy spricht und behauptet, ein Parlamentarier habe im Staatszerichts- Hof, also im Senat, im Augenblick des Verdiktes eine neue Be- schuldigung hervorgebracht. Einige Tage später sei er dafür durch ein hohes Stavtsomt belohnt worden. Gemeint ist Senator F r a n- d i n, ehemaliger Generalresident von Tunis, dessen Sohn, der Abg. Frondin, heftig protestiert und Herrivt vorwirft, er habe sich an ausländische Regierungen verkauft. Es entsteht ein un» geheurer Tumult. Um eine Schlägerei zu vermeiden, unterbricht der Präsident sofort die Sitzung und läßt die Tribünen räumen. Die Sozialisten schreien Auflösung. Nach etwa halbstündiger Unterbrechung wird die Sitzung wieder aus? genommen. i McKenna für Streichung öer Kriegsschulden London, 26. Oktober.(Reuter.) Im Commercial Club in Chi-' cago hielt Reginald M c Kenn«, früherer englischer Schatztanzler und jetziger Vorsitzender des Aufsichtsrates der London Joint City and Midland Bank, eine Rede, in der er erklärte, Deutschlands R e p a r a t i 0 n s z a h l u n g on an England und die Rückzahlung der Kriegsanleihen der Verbündeten on England könne sich eher. als ein Fluch denn als ein Segen erweisen. Der Redner fügte hinzu, England verlöre durch die Existenz von zwei Millionen Ar- beitslosen mehr, als es je in dreißig Jahren von Deutschland an Reparationszahlungen erhalten würde. Er möchte lieber sehen, daß das arbeitslose Volk Reichtum schasse, als dag es um den Preis der Arbeitslosigkeit tropfenweise Reichtum von Deutschland erhalte. Was er von England sage, fuhr der Redner fort, gelte auch in ge- ringerem Maße von den Vereinigten Staaten. Mc Kcnna sagte weiter, die Kriegsschulden, welche an England zu bezahlen seien, belaufen sich genau auf dieselbe Summe, wie diejenigen, welche England den Vereinigten Staaten schulde. Was nun die dem Ver- einigten Königreich geschuldete Summe betreffe, so sei McKenna nicht nur nicht sanguinisch darüber, ob sie bezahlt werde, er würde sie, wenn es in seiner Macht liege, auch streichen. Ungarn gegen die Kleine Entente? Vudopcft, 26. Oktober.(UK.) Das angekündigte Ultimatum der Kleinen Entente ist bisher noch nicht übergeben worden. Das Kabinett wird natürlich erst nach Eintreffen der Rote in der Lage sein, Beschlutz darüber zu fassen. Jedoch verlautet mit Bestimmt- heit, daß die Regierung nicht gewillt ist. eine Tin- Mischung in die inneren Verhältnisse des Landes z» gestatten. Man nimmt hier den Standpunkt ein, daß eins Absetzung der Kmbsburger durch Gesetz nur mittels eines freien Beschlusses der Nationalversammlung ohne außenpolitischen Druck zustande kommen könne. Jede Forderung der Kleinen Entente, die als eine Zwangs- weise Einmischung in die Rechte der gesetzgebenden ungarischen Körperschaft anzusehen sei, wird unbedingt abgelehnt werden.» Terror in Budaftest. Budapest. 26. Ottober.(UK.) Die Hauptstadt steht seit gestern unter der förmlichen Diktatur der Dctachements der„Erwachendon Ungarn", besonders die Dctachements Pronaz und Hejjas fühlen sich, seitdem mit ihrer 5)ilfe der karlistische Ausstand nieder- geworfen ist, als allmächtige Herren der Situation. Hand in Hand mit ihnen arbeiten die„Erwachenden Ungarn", die gestern wieder große Demonstrationen veranstalteten, wobei zahlreiche Passanten blutig geschlagen und die Druckereien der» liberalen Zeitungen„Az Est" und„Magyarorszag" gänzlich demoliert wurden. Wie üblich richteten sich die Uusschreitun- gen gegen die Juden, denen man diesmal vorwirft, mit den Karlisten konspiriert zu hoben, während sie bisher bekanntlich stets wegen bolschewistischer Gesinnung verprügelt wurden. Wie zur schlimmsten Zeit des Weißen Terrors im vorigen Jahre sind jetzt die Straßen Budapests nack) Eintritt der Dunkelheit menschenleer, da jedermann die Uebergriffe der„Erwachenden" fürchtet. Die wirk- lichen Führer des legitimistischen Unternehmens befinden sich nur zum Teil in Haft und es wird von Stunde zu Stunde klarer, daß sie auch diesmpl straffrei ausgehen werden. GeVer5schostsbewegung Die vechanSwngen im GastWirthAewerbe. Gestern na6)M!ttag kamen die Vertreter der Unternehmer end- lich zu Verhandlungen mit den streikenden u:,d ausgesperrten An- gestellten. Als Beauftragter des Obcrpräsidenten leitete Assessor £r. Körner die Verhandlunaen, zu denen rußer den Vertretern der Parteien der Arbsitnehmervorsitzende im Reichswirtschastsrat, Adolf Cohen, und als Vertreter der Berliner Gemerlschafts- kommission Vollmcrhaus erschienen waren. Die Verhandlungen be- gannen recht erregt da die Arbeitgeber einen Fall neuer„Aus- schreitungen" verbrächten, den die Arbeitnehmervcrtreter daraus zurückführten, daß die Direktion des betreffenden neu eröffneten Cafes secbs Ringkampier gedungen habe, um sie auf die Streik- posten loszulassen. Schließlich gelang es dem Vorsitzenden, die Parteien zu sachlichen Verhandlungen zu bewegen und so gab Rechtsanwalt chainpe für die Arbeitgeber, Richter und Ströhlingcr für die Angestellten einen Abriß über die Ursache und den Ver- lauf der � Bewegung. Die Situation wurde infolge der gereizten izaltung beider Teile häufig kritisch, doch gelang es iminer wieder den drohenden Abbruch der Verhandlungen zu verhindern. Die Zlrbeitgcber erklärten dann, an der Forderung des Iv-Prozentsnstems festhalten zu müssen, während die Angestellten als Grundlage für die Verhandlungen lediglich den Schiedsspruch des Schlichtungsau sfchusses aner- kennen wollten. Dr. Körner machte den Vorschlag, eine vor- läufige Einigung in der Weise herbeizuführen, daß zu- nächst in allen Betrieben die Arbeit sofort wieder ausgenommen und die Frage des Entlohnungssystems einem Schiedsgericht überlassen werden soll, das sich aus drei unparteiischen Vorsitzenden, drei Arbeitnehmern und drei Arbeit- gebcrn zusammensetzen soll, die jedoch sämtlich nicht dein Gast- wirtsgcwcrbe angehören dürfen. Nach längeren Beratungen erklärten die Arbeitgeber, daß sie zu dem Vorschlage keine bindende lMlärung abgeben könnten, sondern erst die Entscheidung der am Donnerstagabend tagenden Vcllver- fammlung abwarten müßten. Die Arbeitnehmer nahmen den Vor- schlag an. Am Freitagmorgen wollen die Arbeitgeber dem Demo- bü'machungskommissar ihre Entscheidung mitteilen, so daß, falls dieser Vorschlag Anklang findet, an diesem Tage mit neuen VerHand- lungen zu rechnen ist. « Den Gewerkschaften und politischen Parkeion sowie sonstigen körporschaflen, die mit der Arbcitnehinerschaft sympathisieren» sei nochmals der Beschluß der Gewerkschaftskom- Mission Berlins und des Ortskartells des?lfa- Bundes in Erinnerung gebracht, in den bestreikten Lokalen und.?ülen weder Sitzungen noch Versammlungen abzuhalten. Da. wo bereits Saalbestellungen erfolgt sind, sind diese mög- lichst rückgängig zu machen. Wo dies nicht mehr möglich ist, muß dafür gesorgt werden, daß keiner der Besucher etwas verzehrt. Die Organisationen haben für die restlose Durchführung Sorge zu tragen. Das Verzeichnis der bewilligten Saalgcschäfte kann von der Streikleitung, Elsasser Str. 8 bis 7 Mark herauf- gesetzt. Die Baluta allein kann den Preisunterschied nicht rechtfertigen, denn die Margarine wird ja nicht fertig einge- führt, sondern nur ihre Rohstoffe, und in dem gelben Butterersatz, der den Brotaufstrich der Arbeiterfamilie bildet, befindet sich ein gut Teil lächerlich billiger deutscher Arbeitskraft und deutscher Kohle. Sind doch die Arbeitslöhne sowohl wie die Kohlenpreise weit hinter den Weltmarktpreisen zurückgeblieben. Offener Zuckerwucher. Noch schlimmer sieht es beim Zucker aus. Hier wurde, ahn- lich wie bei den Fettwaren schon früher, die Zwangswirtschaft neuer- dings aufgehoben. Der Erfolg ist, daß es an Zucker fehlt. Die Preise sind allerwärts»erschieden: in einzelnen Stadtgegenden gibt es an einzelnen Tagen Zucker um 4,50 bis 5,50 Mark, in anderen verlangt man 7,50 bis 10 M. pro Pfund. Diese Tatsache beweist schlagend, daß hier Lumpen, Schieber und Betrüger am Werke sind. Haben wir überhaupt eine Polizei? Be- zahlen wir sie nicht mit unseren Steuern? Warum wird die Wuchergesetzgebung nicht angewandt? Die Preistreiberei bei Kartoffeln. Nicht viel anders liegen die Dinge am Kartoffclmarkt. Dieser ist seit vorigem Jahre frei. Seitdem waren die Preise bei großen Schwankungen immer noch verhältnismäßig erträglich. Jetzt aber sind die Kartoffeln knapp, die Preise gehen immer mehr in die Höhe und haben den für den Kleinrentncrhaushalt unerfchwing- lichen» für den Arbeiterhaushalt erdrückenden Preis von 80 bis 90 Pfennig das Pfund erreicht. Die Ursache dieser Preissteigerung ist schwer zu ermitteln. Die Eisenbahn hat Maßnahmen getroffen, um eine größere Zahl von Waggons freizubekommen. Aber schon bis- her hat sie genau soviel Waggcns gestellt wie im vorigen Jahre. Das Gerede von der Verschiebung ins Ausland, so nahe auch die Ber- mutung liegt, hat seinen Ursprung an irgendeinem Hakenkreuz- stammtisch. Die Ausfuhr ist so scharf kontrolliert, daß erhebliche Mengen ohne Genehmigung der Regierung nicht ins Ausland kön- nen und die Regierung hütet sich, Ausfuhrbewilligungen im großen zu erteilen. Am Kartoffelmarkt hat eben die Anarchie Platz ge- griffen, die für den freien Handel typisch ist. Die landwirtschaft- lichen Organisationen klagen über eine schlechte Kartoffelernte. Dar- aufhin setzte sich alles in Bewegung, was Geld hatte, und h a m- sterte Kartoffeln. Das Geld entwertet sich fortgesetzt, darum kann das selbst jeder Eckensteher, der noch nicht bis drei zählen kann. getrost riskieren, Kartoffeln zu kaufen, um sie später teurer zu ver- kaufen. Diese und ähnliche Zustände werden durch dieBersor- gungsangst der Massen gesteigert, die natürlich in ihrer Not auch zusehen, wie sie Kartoffeln bekommen und jeden Preis be- willigen, anstatt einmal ruhig die Händler sitzen zu lasten und zu versuchen, einige Wochen mit Reis, Hülsenfrüchten und dergleichen auszukommen, wie es im Kriege oft geschah. Her mii Höchstpreisen und Wucherverfolgung! Die bürgerlichen Blätter schlagen einen Mordsradau. Es ist an der Zeit, daß man diesen Tintcnkulis einmal gründlich die Wahr- heit sagt. Das traurige Gelichter, das dauernd dir Zwangswirtschaft mit Dreck beworfen hat, dann mit Hilfe der bürgerlichen Parteien ihre Abschaffung durchfrtzte, steht jetzt da und schreit über die Re- gierung. Wir haben diese Zustände damals vorausgesehen, und un- sere Genossen haben sich die niedrigsten Vorwürfe gefallen lasten müssen, weil sie die Zustände von heute ankündigten. Um so mehr haben wir jetzt ein Recht zu fordern, daß die Regierung alle Mittel aufbietet, um wenig st ens mit 5) Sch st preisen und Wucherbestrafung einzuschreiten. Die Masten werden ihre Arbeit erleichtern, wenn sie sich trotz der drückenden Not Beherrschung auferlegen und sich nicht zu Unbesonnenheiten hin- reißen lassen. Aber jeder soll es dem anderen sagen, daß wir dieses Elend der Raffgier von Händlern und Agrariern, aber nicht viel weniger den bürgerlichen„Volkspolitikern" von Scherl über Ull- stein bis Moste verdanken, und daß eine Hilfe nur kommen kann, wenn wir den sozialistischen Führern zur Macht verhelfen. * Die Regierung muß durchgreifen. In der gestrigen Generalversammlung der Kon» sumgenosscnschaft, über die wir morgen ausführlich berich- ten werden, wurde auch eine Resolution gegen den Kartoffel- wucher angenommen, in der ganz entschieden gefordert wird, daß die Regierung und die gesetzgebenden Körperschaften unverzüglich geeigneteMaßnahmenergreifen, diees ermöglichen, die arbeitende Bevölkerung mit Kartoffeln, als dem unentbehr- lich st en Nahrungsmittel, in ausreichendem Maße und zu den k> i e d r i g st e n Preisen zu versorgen. Die Resolution verurteilt ferner aus das f ch ä rf st e die wucherische Aus- beutung der schwerschaffenden städtischen Bevölkerung durch die- jenigen Landwirte, die nur aus niedrigen, gewinnsüchtigen Motiven die ungeheure Not des Volkes noch künstlich steigern helfen und ver- langen von der Regierung im Interesse der Aufrechterhaltung ge- ordneter Zustände rücksichtsloses Durchgreifen auf Grund des Wiphergesetzes in Verbindung mit Beschlagnahme der vorhan- denen Vorräte nach einem Umlageverfahrcn. » Angesichts der gegenwärtigen Kartoffelknappheit ist der Ma- gistrat dem Beschluß der Ernährungsdeputation auf vorüber- gehende Erhöhung der Brot- und Mehlportion beigetreten. Der Preis des neuen Groß brotes von 2050 Gramm beträgt, entsprechend dem Preis des bisherigen Großbrotes von 1900 Gramm 7,65 M. Die Einzelheiten der Neuregelung werden durch Verordnung bekanntgegeben werden. d!e hanöwsrkskammer Zum 5aU RsharSt. Die Vollversammlung der Handwerkskammer zu Berlin hatte in ihrer letzten Sitzung, wie von uns berichtet, den Vorstand beauftragt, auf Grund des bisherigen Ergebnisses der Untersuchung einen Ve- richt über den Fall des früheren Präsidenten Rahardt zu erstatten. Der Vorstand hat diesen Bericht, dem wir folgendes entnehmen, jetzt den Mitgliedern der Kammer zugehen lasten. ' Es handelt sich bei dem Anlaß zur Verhaftung R a h a r d t s und des Baumeisters Sonncnbura sowie bei der Verhaftung eines Handwerkskammer- und eines Intendanturbcamten lediglich um eine Untersuchung über Verfehlungen, die sie sich in Handwerks- kammcrangclegcnhciten sollen zuschulden haben kommen losten. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht ein g e m ei n s ch a f t l i ch e r Betrug In Höhe von 79 416 M. zuungunsten der Handwerkskammer. Dabei erfuhren das Verhältnis Rahardts zu dem Hand- werkskammcrfekretär Holfmann und die Beweggründe zur An- stellung Heffmanns bei der Kammer, die der Präsident veranlaßt hatte, eine unerfreuliche Beleuchtung. Ferner waren im Disziplinar- verfahren gegen Hoffmann sowohl Rahardt«l» auch zw»? andere Personen als Zeugen eidlich vernommen worden und hatten Hofi- mann zu decken versucht so daß sich nunmehr auch der Verdacht falscher eidlicher Aussagen ergab. Dies hatte die Ver- Haftung Rahardts und der drei oben bezeichneten Personen zur Folge. Weitere Verhaftungen haben unseres Wissens in der Sache gegen Rahardt und Genossen nicht stattgefunden. Die aufsichtsbehörd- liche Untersuchung hatte die vorgekommenen Ordnungswidrigkeiten und Satzungsverletzungcn gerügt und abgestellt, die unter Rahardts Geschäftsführung sich eingeschlichen hatten und deren Be- seitigung auch die Volloersammlung schon seit dem Frühjahr dieses Jahres eingeleitet hatte. Der Vorstand der Kammer hat sich über- zeugt, daß das Vertrauen zu seinem V»rsitzenden nicht immer angebracht gewesen und von diesem selbst mehr- sach mißbraucht worden ist. Der Vorstand hat darauf der Voll- Versammlung seine Aemter zur Verfügung gestellt. Die Vollvcr- sammlung aber hat den guten Glauben des Vorstandes nicht in Zweifel gezogen und deshalb nach der Wahl de» neuen Präsiden- ten K. L u b e r t die übrigen Vorstandsmitglieder wiedergewühlt. Das Donnerwetter im Schornstein. Gekränkter„Ersinderfimmc!". Ein Dummerjungenstreich, der sehr leicht zu einer Anklage wegen Verbrechens gogcn das Sprengstoffgesetz hätte werden kön- nen, führte den 17jährigcn Mechaniker S. ovo das Schöffengericht. — Der Angeklagte besuchte die Fachschule und war hier von einer Art„Erfindersimmel" gepackt worden. Ohne Erlaubnis seiner Eltern hatte er sich im Keller eine W c r k st a t t errichtet, in der er die abenteuerlichsten Pläne in die Wirklichkeit umzusetzen versuchte. Da er mitunter bis in die Nacht hinein hämmerte und in seinem„Laboratorium" die fatalsten Gerüche erzeugte, die das ganze Haus verpesteten, beschwerten sich bald die Hausbewohner, und die Folge war, daß der Vater des Angeklagten die heimliche Werkstatt aufhob. Der um seine schönsten Freuden gekommene junge Mensch wälzte in seinem Hirne finstere Rachepläne, die ihn schließlich zu folgender Tat führten. An einem Sonntagvormittag, als die Hausfrauen gerade mit der Zubereitung des Mittagestens beschäftigt waren, gab es plötzlich im 5keller einen gewaltigen Krach und im nächsten Moment fuhr aus den Kochherden eine dicke Nuhwolke den Frauen ins Gesicht. Mit schwor- zen Gesichtern liefen die Frauen hilfeschreiend auf. den Treppen- flur hinaus. Durch den Luftdruck waren gleichzeitig die Koch- töpfe umgekippt, so daß das Essen verdorben war.— Die Ermittlungen ergaben, daß der jugendliche Angeklagte der Urheber dieser eigenartigen Sonntagsüberraschung war, indem er explo- dierende Stofse in' dem im Keller gelegenen sogenannten Rußsall der Schornsteine zur Entzündung gebracht hatte. Da man bei der Stärke der erfolgten Explosion zuerst an die An- wendung von Sprengstoffen dachte, wurde zuerst ein Ermittlungs- verfahren wegen Sprengstoffvsrgehens eingeleitet. Da sich die Angaben des Angeklagten, er habe lediglich meh- rere der als Feuerwerkskörper käuflichen Kanonenschläge zur Detonation gebracht, nicht widerlegen ließ, wurde nur An» klage wegen VerÜbung groben Unfugs gemäß Z 360, 11 Strafgesetzbuch erhoben und gegen S. ein Strafmandat über«ine Woche Haft erlassen. Hiergegen legte S. Berufung ein und erreichte damit, daß das Schöfsengcricht es zwar bei der Strafe beließ, ihm aber, da es sich um einen in jugendlichem Leichtsinn begangenen Streich handele, die sogenannt« bedingte Begnadigung gewährt«.___ NeichIgevände 0T8 Wohmmgen. Zu Wohnungen nutzbar gemacht werden sollen auch die entbehr- lichen Räume in RcichSgebäuden. Der ReichSschatzminisier bat an- geordnet, daß die Verbandlungen über die Bildung eines Reichs- sonds zum Umbau solcher Räume wieder aufgenommen werden. Die Vorarbeiten sollen sofort in die Wege geleitet.werden, damit man die möglichen Umbauten im Falle der Bewilligung der Mittel unverzüglich ausführen und dann gleich auch die WobnungSbauten durchfübren kann. Voraussetzung soll aber in jeden, F«lle sein, daß die Maßnahme wirtschaftlich ist. Wenn im einzelne« Falle mehr als 30 000 M. nötig sind, so hat sich der Reichsminister die Eni« scheidung vorbchalteir. Diese Fürsorge erstreckt sich nicht nur auf die Reichsschatzverwaltung, sondern zum Teil auch auf andere Zweige der.Reichsverwaliung. Es sollen sämtliche geeignet« und entbehr- liche Räume erfaßt und für den WohnungSeinbau vorgesehen werden. 88s Araulem. Von Paul Enderling. Am Weihnachtsabend war Goga krank. Cr hustete und erbrach sich. Sie saß die ganze Nacht an seinem Vett. Zu Hause, drüben überm Rhein, sahen die Augen in glitzernde bunt? Bäumchen. Sie saß, zerschlagen, eine abgehetzte Sklavin, und �siegle im Halbdunkel das kranke Kind. Monsieur lief Zigaretten rauchend und spuckend auf und ab durch die Wohnung. Zwischenein dankte er Mademoiselle mit Kniefall und Tränen in den Augen. Madame erklärte sich für erschöpft. Und beide legten sich schlafen, während Mademoiselle dem Kind Umschläge machte und Tropfen gab — die ganze Heilige Nacht hindurch... Ein Todesfall zu Hause rief sie zurück. Es regnete wieder, wie bei der Ankunft. Die Boulevards lagen kahl und leer und winddurchbraust. Auf dem Asphalt standen Pfützen. Als Fräulein am Ostbahnhof das Billett nahm, dachte sie daran, noch eine Rundfahrt durch Paris zu machen. Aber es war nicht mehr viel Zeit, und Monsieur Labrousse hatte wohl auch Angst, daß er das Auto bezahlen müßte.„Adieu charmant pays de France..." „Es ist gut, Werner. Du kannst es jetzt schon ganz gut." Fräulein seufzte und sah in den Regen hinaus, der in den Garten prasselte. Geld. Frau Görke schien es doch richtig, mit Hermann zu sprechen. Sie sprach selten mit ihrem Sohn: sie hatte so wenig Zeit und hatte dann noch immer das unangenehme Gefühl, nicht den rechten Ton zu finden. Sie hatte lange, zu lange immer nur den kleinen Jungen ln ihm gesehen, den man nicht ganz ernst zu nehmen brauchte. Immer war ein zu weiter Abstand zwischen ihr und ibrem Sohn gewesen: Zuerst sie hoch über ihm, dann eines schönen Tages beinahe umgekehrt. Und als er plötzlich fremde, nie gehörte Ideen aussprach und leidenschaftlich verfocht, war sie erschreckt zurückgeprallt Und als er erst begriffen, daß sie ihn gar nicht verstehen wollte, daß die bequeme Tyrannis des Görkefchen Hauses ihr ein Verstehen fast verbot, gingen sie vollends auseinander.� Allmäblich fürchtete sie sich fast vor ihrem Sohn- Er blickte sie immer so ironisch an und war so schweigsam. Gott, was batte man eigentlich von seinen Kin-! dern und seinen vielen Mühen für sie... „Hermann, es ist wohl besser, wenn man dich nicht so oft mit Fräulein sieht." Er verstand sie gar nicht. „Du bist so oft am Strande mit ihr." „Ja, ja— und?" Sie machte ihr unglücklichstes Gesicht.„Tante Berta sagt auch—" „Das dachte ich mir, daß sie wieder etwas angerichtet hat; sie sah befriedigt aus, wie eine Schlange nach dem Fraß." „Hermann, was hast du bloß für Ausdrücke! Sie ist doch eine Verwandte!" Die ganze Görkcsche Familienentrüstung lag in ihrer Stimme. „Und als solche hat sie das Recht, mich straflos zu be- leidigen, nicht wahr? Nein, Mutter, mir imponiert der Fa- milienfimmel nicht mehr. Aber ich will stillhalten und für meine Person schweigen. Man lernt das ja hier." „Hermann!" „Ach, laß nur, Mutter. Wir wollen uns doch keine Sen- timentalitäten vormachen. Aber Fräulein soll sie aus dem Spiel lassen. Fräulein steht so hoch über ihr, daß sich dieser alte Speiteufel nicht unterstehen soll—" „Hermann!" „Ich werde zu ihr gehen und sie zwingen, sich bei Fräulein zu entschuldigen.' Er wurde ruhig bei diesem Gedanken. „Das wirst du nicht tun, Hermann." „Ja, soll sie sich denn alles erlauben dürfen?" „Du mußt Achtung vor ihr Alter haben." „Nein, davor habe ich keine Achtung. Denn Alter ver- pflichtet sie durchaus nicht dazu, lauernd umherzugehen und in fremde Suppen zu spucken." Frau Görke war keine große Psychologin. Aber sie merkte doch, daß sie mit ihrer Mahnung Hermann erst recht auf einen Weg gebracht hatte, den sie ihn nicht gehen lassen durste: Die Geschichte mit Fryulem schien doch tiefer zu sitzen, als er es sich selbst einzugestehen vermochte. Sie sah sehr sorgenvoll auf ihn. Er dachte doch nicht etwa daran, sie zu heiraten? Du liebe Zeit, was würde Julius sagen wenn er börte, sein Sohn wolle eine Gouvernante-- nein, es war nicht auszudenken. Sie nahm sich vor, gelegentlich Thea zu bitten, auf ihren Bruder einzuwirken. Denn Gefahr schien vorhanden. Und es war auck> keine große Beruhigung für sie, als sie j von Hermann das Versprechen erlangt hatte, daß er mit Tante Berta über diese Sache nicht sprechen werde.„Und mit Fräu« lein? Wie ist es damit?" fragte sie ängstlich. Lieber Gott, es mußte doch ausgesprochen werden! „Ich werde mit ihr zusammen sein, wo ich kann," sagte Hennann.„Nicht um dich zu ärgern, Muttchen, sondern weil sie mir hier wie die Oase in der Wüste ist." Und er tätschelte die Mutter zärtlich auf den Rücken. Sie sah unruhig auf ihn: sie wußte nicht recht: sollte sie dankbar für seine ungewohnte Zärtlichkeit sein oder ärgerlich über seine Ablehnung? * P* Draußen rar dem Steg schwankten die Boote. Sie waren mit Blumengewinden überdacht. Grüne und rote und weiße Punkte flammten herüber. Die Lampions zeichneten grüne und rote und weiße Linien auf das stilldunkle Wasser. Die Kurgäste drängten sich vorne am Steg oder fuhren auf der„Möwe", die bunte Glühlichtketten trug, in den Wasierkorso hinein. Fräulein saß mit Werner in einem Fischerboot. Im letzten Augenblick sprang Hermann hinein: sie hatte ihn nicht ab- weisen können. Der Fischer ruderte langsam, mit gleichmäßi- gen, schweren Ruderschlägen über die See, d« glatt, wie eine Metallscheibe dalag. Nun waren sie mitten zwischen den bunten, lichtgeschmückten Booten. In einem spielte jemand auf einer Laute und sang ein dummes, schmachtendes Lied. Die Boote kreuzten. Blumen flogen durch die Luft. Rosen fielen ins Wasier und schwammen darin. Lachen und Gesang und Musik erfüllte den ganzen Abend. Eine Rose fiel in ihr Boot. Als Fräulein sie anstecke» wollte, nahm Hermann sie ihr fort und warf sie in die See. �„Warum?" fragte sie leise. Aber er gab keine Antwort und sah abgekehrt nach dem Horizont, wo ein Kriegsschiff auf der Reede kreuzte. Weiße Strahlenbänder durchschnitten das Dunkel, beleuchteten scharf einige Boote und Köpfe, knüpften an den Steg an, rissen ob und oersanken ins Dunkel; die Scheinwerfer des Kreuzers arbeiteten. „Wie schön!" sagte Fräulein. „Ich fange an zu frieren," klagte Werner, und Fräulein band ihm den Schal fester um. „Wollen wir nach Hause?" „Ja. Mama meint auch, ich dürfe nicht solange auf dem Wasser bleiben." (Forts, folgt.) Einer Geldstrafe von einer Million entgange«. Unter der Anklage des Juwelenschmuggels hatten sich r�-r dem Schössengerlcht Berlin-Mitte der Kaufmann David !1! u in m e l und der Kaufmann Viktor Kahn, beide aus Riga, zu verantworten.— Die beiden Angeklagten wurden beschuldigt, ohne die ersorderli'che Einfuhrerlaubnis zu besitzen, Perlenketten und Brillanten im Geiamtwerte von über eine Million Mark über die deutsche Grenze im Osten geschafft zu haben. Eine Perlenkette im Werte von 400 lWO M. wurde in der Hosen- ia che iib�r die Grenze gebracht, eine aus 199 Perlen bestehende elte in' einem Nagelpflegeetui. Dieser Schmuggel kam durch eine Diebstahlsasfäre zufällig zur Kenntnis des Kriminalkommissars Ccnnat, der die wertvollen Juwelen beschlagnahmte. Staats- anwalt K o p e r s k i hielt den Tatbestand der Verordnungen vom 16. Januar 1917 und 22. März 1920 für erfüllt und beantragte gegen Rummel eine Woche Gefängnis und eine Geld- st rase von einer Million und 200000 Mark und gegen Kahn 100000 Mark Geldstrafe. Das Gericht kam jedoch ohne besondere Beratung zu einer Freisprechung der Angeklagten, da es keinerlei Beweis dafür erbracht ansah, daß die Angeklagten mit den Juwelen hier Geschäfte machen wollten n id es sich tatsächlich nicht nur um Privateigentum handele. Zu geringes Gewicht bei Kleingebäck. Die Preisprüfungsstelle Berlin hat durch Revisionen s ügestellt, daß eine große Anzahl von Bäckern entgegen der Ma- gistratsverordnunq, die einen Preis von 45 Pf. für 100 Gramm auf Marken abzugebenden Kleingebäcks vorschreibt, Schrippen zum Verkauf stellt die nicht das vorgeschriebene Gewicht habe n. Ebenso hat die Prcisprüfungsstelle auch festgestellt, daß das ebenfalls auf Marken zum Preise von 7,10 M. abzugebende Groß- b r o t häufig nicht das vorgeschriebene Gewicht von 1900 Gramm Hai. Derartige Zuwiderhandlungen sind nicht nur nach der Ma- gistratSverordnung, sondern auch nach der Preistreibereiverordnung srasbar. Es ist daher seitens der Prcisprüfungsstelle bereits gegen eine Anzahl von Bäckermeistern Strafanzeige erstattet worden. Be- schwerden in dieser Beziehung werden vom Magistrat Abteilung für Brotversorgung und von der Preisprüfungsstell« entgegen- genommen. Reue Papiernot. Der Verband deutscher Druckpapierfabriken führt die neuerdings aufgetretene P a p i e r n o t auf die m a n g e l- hafte Wagenge st ellung durch die Eisenbahn zurück. Trotz- dem eine große Zahl von Papierfabriken infolge von gewerkschaft- luden Kämpfen mehrere Wochen stillgelegt waren, sei es bisher nicht g-lungen, die noch vorhandenen Vapiervorräte abzuführen. Die Presse ist durch die sich neuerdings wieder bemerkbar machende Paviernot aufdas schwerste gefährdet, wenn nicht alsbald Abhilfe geschaffen wird. Ein Gast Hnd dreißig Reppcr. Die Streifmannscbaft der Ber- liiier Kriminalpolizei Hai in der vorvergangencn Nacht wieder eine eunze Reihe von Lokalen ausgehoben und dabei viele gesuchte Prionen dingfest gemacht. Unter anderem wurde in der Fasanen- straße einem Nachtlolal ein Besuch abgestattet, in dem Nackitänzc vorgefühlt wurden. ES wurde geschlossen und die etwa dreißig anwesenden Personen festgestellt. Dabei stellte sich heraus, daß iniier ihnen nur ein richtiger Gast war, alle anderen Per- sauen waren Nepper, Schlepper und Dirnen. Der letzte Besuch galt einem S p i e I k l u b. der in der Neuen F r i e d r i ch st r a ß e 87 im ersten Stock bei Heidemanu tagte. Dort hatte sich eine Gesell- schaft von ungefähr 100 Personen zusammengefunden, von denen Viele, all die Beamten unerwartet einfielen, ihre Waffen, Pistolen Schlagringe usw. forlwarfen. Sämtliche Spielgeräte wurden hier beschlagnahmt und alle Anwesenden festgestellt. Eine Zugendpflegewoche des Bezirksjugendamts Neukölln will in Erkenntnis der Talsache, daß gerade in gegenwärtiger Zeit auf die geistige und körperliche Heranbildung unserer Jugend der aller- größte Wert gelegt werden muß, die gesamte Oeffentlichkeit zum ersten Male durch ihre Veranstaltung mit allen Einrichtungen be- kannt gemacht werden, welche obengenanntem Zwecke dienen. Die in größtem Stile vorbereitet- Veranstaltung, welche vom 12. bis 1!'. Dezember 1921 in Berlin, Neue Welt, Hasenheide, stattfindet. gliedert sich in zwei� Teile. Einerseits sind erste Fachautorttäten für populäre Vorträge gewonnen worden. Ergänzung hierzu ist der zweire Teil der Veranstaltung, die Ausstellung gedachr, welche praktisch anschaulich das vorführt, was in vorbildlicher Weise z ir geistigen und körperlichen Entwicklung der Jugend geeignet ist. Auskunft in allen Angelegenheiten erteilt das Bezirksjugendamt in veriin-Neukölln, Rathaus, Zimmer 278. Die erwartete Verzehnfachung der Autokare ist eingetreten. Der Magistrat hat zugestimmt, daß die Fahrpreise der Kraftdroschken-, Benzin- und Elekirodroschken auf das zehnfache der Taxe III erhöht werden.— Ferner hat der Magistrat der Erhöhung der Fahrpxeise bei den Pferdedroschken von der sünsfachen auf die sieben- fache Taxe zugestimmt. Bezirksbildungsansschnf, Gros,- Rerltn. Abonnements- F e>t i o n z e r t e. Neuaiislage eines Abonnements für die folgenden vier Konzerte, zusammen 19,20 M. Einzeichnungen im Bureau de? Bezirks- vildmigsaiisschusseS und bei den Mitgliedern der Kreisbildungsausschüsse. — Sonntag, den 6. November, Einjilbrungsabcnd sür das am 13. Nov. tiatlfindende Mozart- Konzert. Vortrag mit Demonstrationen am Klavier Dr. E. Joll, Gesang Gertrud Wols. Karlen ä 1 M.— Freitag, den 2. Dezember, nachm. b>/, Uhr, in der Neuen Welt, Halenheide 108/1:4, .Sicgsricd' von Richard Wagner, 2. Teil aus der Trilogie»Der Ring des Nibelungen' in erster Besehung des Deutschen Obcrnhauses unter Leitung des Direktors Herrn Harlmann. Karten a 8 M. sind zn baben im Bureau des BezirkSbildunzSauSschusicS, Lindenstr. S, 2. Hos 4 Treppen, Zimmer 12, bei den Mitgliedern der KreiSbildungSausschüsse und in der Buchhandlung.Vorwärts', Lindenstr. 2. Ueber»Die religiöse Bedeutung des Marxismus» spricht Freitag, den 25. November, abends 7'/, Uhr, im großen Gemeindeiaai, Hertaitr. 9/lt zu Neukölln, Pfarrer Mennicke. Gäste und Freunde BeZ Bundes religiöser Sozialisten sind h-rzkich eingeladen. Groß-Serliner parteinachrfchten. Heule. Donnerstag, den 27. Okksber: 4. Kreil. Prenzlauer Tue. vers-uiimlung der Elternbeiriite des Kreises 7-4 Uhr Echulaula S-nefAdcrstr. derscr Str. 2, Untcrhaltungsabcnd. Nlorgen. Freikag. den 28. Oktober: I. Stets. Wcdding. 7 Uhr bei Kerfin, Pankstr. 69, erweiterte Kreisvorstands- sitziing. 16. Kreis. Versammlung der Elterubeiröte abends 7 Uhr Schulaula de» Real» g-imnasiums Bcrncr Straße, Reinitkendorf-Ost. Thema:„Paulsens Schul» Programm". Ref. Dr. Karsrn. U. Abt. Die bereits angesetzte Sitzung der Bergnllgungskommiffion muß um- Itändehalber ausfallen. 43. Abt. tfrühcr 8.). 7 Uhr Borstandssitzung bei Hcintze, Dieffenbachftr. 67. I3l. Abt. 7-3 Uhr Konferenz der Sozialistischen Parteien im Gcfangssaal des Realgymnasiums Buchholzcr Strche. tzl. Abt. Sharlotteuburg. 7-4 Uhr Abteilungsverfammlung bei Schellbach, »önigin-Elisabeth-Str. 6. Thema:„Do» Berfassungsweseu. Ref. Dr. Ben- L diner, Ai. d. L. Frauenveranstaltungen: Kreisauaschutz sür Arbeitcrwohlsahrt 1. 8 Uhr Bersammlung aller Abteilungs- ausschllssc, aller Helfer und Helferinnen des 9. Stadtbezirks im neuen Wil- mersdorfcr Stadthaus, Zimmer 4, Kaiser-Allee, Ecke Schaperstratz«. Tages- ordnung:„Das kommend« Iugendwohlfahrtsgesetz". Referentin Else Echeibenhuber. Gäste willkommen. Alle in der Wohlfahrtspflege tätigen Eenosiinnen und Genossen werden aufgefordert, an dieser Konserenz teil- zunehmen._ �ugenüveranstaltungen. Verein Arbeiter-Iugend. Sekretariat: SW. 68, Lindenstr. 3,!. Hos link», 2 Treppen recht». Telephon: Mpl. 121 08—10. Heute. Donnerstag, den 27. Oktober: Grünau-Falkenberg. Jugendheim Folienberg, Baubude, Vortrag:„Das Sozialistengesetz".— Lankwitz. Jugendheim Eendlitzstr. 6, Diskussion:„Berliner Zeitungen".— Norden. Jugendheim Schule Putbuser Strche, Vortrag:„Gc- meinschaftserziehung".— Stralancr Viertel. Jugendheim Naaterstr. 3, Vor» trag:„Urgeschichte der Mark".— Rcichcnbcrgcr Viertel. Jugendheim Elozauer Straße 12—16, Lcseabend:„Maxim Dorki". vortrage, vereine unü Versammlungen. Verband der Gärtner«nd Eürtncreiarbeiter, Vcrwalwna Berlin. Gruppe Gcmeindcgärtnerei. Gruppcnversammlung Freitag, den 28. Oktober, 714 Uhr, in Schulz' Festsälcn, Am Königsgraben 2.— Schutzperband der Echweehörigen E. V. Heute 7>,4 Uhr Echwerhorigenschule, Eethsemanestrahe 4, Ablese» und Sprachpstegeunterricht. Gäste willkommen.— Reichspereinigung ehem. Krieg», gefangener. E-uppe Norden 2. Sitzung mit Damen am Freitag, den 28. Ok» toder, abends 7-4 Uhr, im Restaurant Berolina-Festsäle, Schönhauser Allee 28. — Im Verein„Recht und Sozialismns" findet am 28. Oktober, abends 7-4 Uhr, Bellevuestr. 16, II, ein Vortrag des Ministerialrats Dr. Kriiger:„Die Soziali- sierung des Wohnungswesens" statt. PUnktliGcs Erscheinen ist wegen des Haus- schlusses um 8 Uhr crwllnscht.— Bnnd„Saar-Verein", Ortsgruppe Beiliu. Rczitationsabend des Herrn Th. Durgarth. früher Direktor des Etadtthcatcrs in Saarbrücken, heute 714 Uhr im Pcreinshaus Deutscher Ingenieure, Ber- lin NW., Sommerstr. 4. Ingenieur Labb« wird Sachen in Saarbrücker Mund- art vortragen.— Eibachabteilung Osten II des Berliner Arbeitcr-Schachklubs svielt Freitag 7 Uhr Weberstr. 16 bei Höhne. Gäste willkommen. Für Jugend- liche und Schüler kein Trinkzwang. Kursus für Anfänger.— Arbeiter-Sama- rlter-Kolonnc Berlin E. B. Mitgiicderoersommlungen am Freitag, den 28. Ok- taber, 7 llbr. Abt. Schönebcrg: Im Lokal Händel, Schöneberg, Borbergstr. 11. Abt. Charlottenburg: Im Lokal Thelen, Charlottenburg, Kaiser-Friedrich- Straße 46d._ �US aller Veit. Der Sturin vom letzten Sonntag bat aucb da? 6000 Personen fastende Borstellungszell von Wilhelm Hagenbecks Raubtier-Drestur« schall mit der gesamten Inneneinrichtung in Wittenberge zerstört. Hagenbeck wird vom 1. November ab in einem Holzbau im Kleist- Park, dem ehemaligen Botanischen Garten, gastieren. Schwere Gasvergiftung. Der bei den städtischen Kranken- anstalten in Düsseldorf beschäftigte Dr. Walter wurde gestern morgen mit seinen beiden Kindern im Alter von 5 Monaten und 2% Jahren im Schlafzimmer infolge ausströmenden Gases be-' sinnlingslos aufgefunden. Das Gas war dem undichten Badeofen entströmt. Wiederbelebungsversuche waren bei allen erfolglos. Abel verhaskek. Wie uns aus Hamburg gedrahtet wird, wurde der Hauptgeschäitsführer des Hamburger Bürgerbundes Abel, der, wie wir gestern früh meldeten, 93 000 Mark unterschlagen hattd, in der vergangenen Nacht in Hamburg verhaftet; er ist geständig, das Geld unterschlagen und bereits durchgebracht zu haben. Der Orieniexpreh als Schiebcrzug. Am Dienstag abend kam der Orientexpreßzug Wien— Paris in München wiederum mit erheblicher Verspätung an. Es wurde eine genaue zollamtliche Untersuchung des Zuges vorgenommen. Man fand wiederum bedeutende Summen an Gold- und Silber- g e l d, das nach Frankreich verschoben werden sollte. iVs Zentner Gold und Silber konnten beschlagnahmt werden. Explosion eine» iialienifchen Fort». Verursacht durch einen Waldbrand, geriet das Fort Santa Helena bei Mailand in Brand und explodierte. Die Zahl der Opfer soll sehr beträchtlich sein._ Sport. Renne» zu Mariendorf, Mittwoch. 36. Oktober. 1. Rennen. 1. Flora Bingen sKnöpnadel), 2. Faust II(B. Heckerl). 3. Irrfahrt (Jaüß fr.). Tot.: 40: 10, Platz: 14, 14, 14; 10. Ferner liefen: Sieg- mund Siiver<4.), SilveriuS, Ella, Favorita I, Frazenicht, KiauS, Etbel- berib. Dpsilanli, Pechncllc, Eavantine.— 2. Ren neu. 1. Franko I(H. Grube). 2. Edelweiß I lHm. Schleulcner), 3. Mirabilis I(Wiefener). Tot.: 53: 10, Platz: 13, II, 14: 10. Ferner liefen: Long Paulinchen<4.), Gänseliefel, Gänger, Vilja I.— 3 Rennen. 1. Mgdel(O Schmidli, 2. Pcrry 5i.(Michel), 3. Briluhllde Hl(Hennig). Tot.: 37: 10, Platz: 19. 30, 199: 10. Ferner liefen: Schlivs(4.), Handschlag, Willy l. Man- rice, Hindenburg II, Fioris A. Clara I, Heideprinz I. Küchcnmädchen, Kammerfritz, Allcrtony, Deborah W, Flieger, Ouasco, Dombax, Albanier.' — 4. Rennen. 1. Hoislcinerin Ii(Fauß jr.), 3. Flieger I. Tot.: 32: 10, Platz: 14, 21, 15: 10. Ferner liefen: CrocuS(4.), Tovinambour, Gudrun II, Durchbruch, Lucille FriSce. Diane VII.— 5. Rennen. 1. Wahlstatt(P. Doclcmann). 2. Allenstein(Weidmüllcr), 3. Koidfinder (Maitzahn),-rot.; 88: 10, Pia?: 26, 19,24:10. Ferner liefen: Kufa Dillan(4.), Baron Wat:S, Erbprinz I, LlkbairoS, Dr. Chelfea, Emigre.- 6. Rennen. 1. Hcir Reaper(E. Treuherz). 2. Lady Marion II(Jauß jr.), 3. Clco Küfer(Kaupper). Toi.: 66: 10, Platz: 25, 13, 29: 10. Ferner liefen: Donna Todd(4.), Aiücke, Miß TootS, Union Boy, Clara Bingen.— 7. R c n n e n. 1. Cladium(Weidmüllcr), 2. Edler(F. Schlahcr), 3. Ma- difonrchnni.„i ifft.nmnti.r Reutolln: Neckarstr. 2. Geöffnet von 9—6 Uhr. »?«1m-»- Frledrichsbau!�«ur?-N°utS»».»ritz: Siegfriedstr. 28/29. Geöffnet von Straße s° l I m a ll». Friedrichshagen.«urz. H, r t r a IN p f. Brllckenftr. Grünau- ilran» ffletn Friedrtchstr 16. Halenfee. Grunewald: Halenfe«, Seorg-Wilhelm-Str. 2. Her,fclde: Martin Smolibowsti. Senniosdorl' s m m u I a I ZIathenoustr 7. Hoheuneuendorf: S t e g e r t s. Bismarckstraße. lohonnisthat ÄIwin Gammiich Bismarckstr. 8. starlsborst: Frau Stank«. Hentigstr. 82. vorn»arterre. staulsdorf: L i e b l g. Finsterbcrger Str. 4. 9-6 Uhr. 16 II. Lchliedener Ties- Baumfchulenweo: Frau stöpke, ilicfholzstr. 186. Laden. tlöntaS-Wustcrhausen. Stiederlehme: Fried r. Baumann � strahe 65 /Laden: "..»-w— u-i'. � w._. ä i__ 1777 co__ r:____ /Tri— e? Riederichönhouieu | kowstr. 14. :9Ion>an)t«; st a r 1 jlrohnbera Elsen bahnstr. 16. Oranienburg: Heinr. Loenhardt. Stralsundcr Str. I. iOberichänewcidc: Bobert Laut Matbildenstr. 6. Pankow'?I i ß m» n n Mühlenktr. 76. Pvtsdam: Frau Lack. Kurillrstenstraße 11. Siahnsdorf: Zecher« Forststr. 7. Reinickendorf-Oft Schönholt: Albert Wahl«. Provln». stönigs-Wusterhausen. Berliner Str. 6. Köpenick, Kirschgarten: Schlag, ttietzer Deöfsnet von 9—6 Uhr. Lichtenberg I: Lichtenberg, Wartenbergstr. Neinickendorl-Rosenthal: W. Pur». Prtnz.Heinrich.Str. 84 Str. 6 iLadenf. Schmargendorf: N e h a b. Breite Str.«. Schöueberg: Belziger Str. 27. Geöffnet von 9—6 Uhr. Geöffnet Sentta Frted-maid Ghausteestr. S4 'SirulenSstadt: Stet», Nonnendamm-Alle« 93 a. Spandau: B u l I a ck. Moritzstr. 14. Sarth. 8 Tr, Staaken: Frau stufe rau, Staaken, Scheidtstr. IL. Steglitz: Schlotzstr. 97. Diidende: L u d a> t g Salskestr. 86. 'Tegel, Borsigwalde, Reinickendorf-West, Waidmanaslnft, freie Scholle, Kermsdarf, Birkenwcrder, Bergfeld«, tolpe und Borgsdorf: Borsigwalde, Näuschstr. 16. Gr» öffnet oon 9—6 Uhr. Teltow: Rittcrstr. 28. Tempelhos: staiser-Wilhelm-Str. 18. iTempelhof: Kandier, Hohengollernkorf» 8. Trebbin: Göring, Bahnhofstr. 62. Treptow: Gramen« Klefholzstr. tIS, vorn 1 lt. Wcitzenfee: Berliner Allee S4. Wildau. Sohcnlehme: R u d. L e t I o w. Wilhelmphagen, pestenwintel: s ch« l» a. Wilhelmshagen, Wilhelm str. 81. «Nmersdoif: Holsteinische Str. 19, Tübinger Str. 2». Wittenau: Wilh. Zimmermann. Rosen thaler Str. 46. Woltcrsdort: Schurbaum. Gichendnmm 22. sieblendori. Schlochteniee«ilolaolee: W e« n« r stehlen» darf. Teltower Str. 3. Zeuthen, Mierodorf: Zeuthen, Siedlung, Straß« 3. Zogen: Albert Stein Miuenwalder Sir. 17. SSmtllche Literawr sowie werden »sie«istenschaftkiche» Wenk, geliefert. Sonntag, stnd di» Geschäftestelea gelchloll»». f nieale� Umspiele üsw.0! WfaprirroaoQwocicxxxxjo tyxicK*xx>ocxxx>ry> �ooooco j«>-*-oroc oduB Opernhaus Tannhäuser » Uhr Schanspielhaus Fiesce 7'/, Uhr Dentsch. Theater T'/iUht Kenn Freit. T1'« Uhr; Louis Ferdinand, Pilnzr. Preußen Kammerspieie 8 Uhr; Der Hühnerhof Trt 8 s Der Hühnerhof Gr. Schansplelh. (Karlstr«ße> 7V, Uhr. Die Rauber Frt T1/! 0.; Die Rauber Theater I. d. KOsiggrätzerStr. Allabenu.ieh 7 SO Uhr: Manon Lescaut 'Orska. Janssen. Ricmaan, Slldt, Brandt, PIcha, Rehkopf, Appell, Klupp, May) £ KomOdienhans U Die Fahrt Ins Blaue QlUner. Riehard, Engl, Prflckl, Stielte, Dernburg Berliner Theater Täjlieli 7J>0 Uhr: (PrinSQ/fin ä/Mg FritziNassarya c. Ralph Art Roberts Pepl Zampa, Kiper Canh-al-Theater 7 Uhr: Freie VolksbBhne Frt 7: Sa«•etektirmädel Oeutachoo Opornhaus 7«/, u.: IcrFreiMüli Fr'odr. WilbeliM«dt. Th. » uhr: iserlnB Clrl Intlmas Theater SU; Die Speluake/ Lauf doch atckt Immer nackt herum Kleinas Schauspielhaus Vit U.: Ktkl(Uustsp.) Lustsploihaus u'hr: Die Seiiaospieler Mefrepel-Theeter �DieStralensängerln Neues Oporettenthaator «uhr: Königin d. Kacht Neues Theater am Zoo uhJasEwig-Männiielie Neues Volkstheater w.uhn Die fffldente Schiller-Th. Charlottenb. 8 Uhr: Meine Frau, die Hofschausplelcrin Schloßpark-Th. Steglitz 7»/, Uhr: EhC Thalia-Theater 7«/.u:Scl!äni'Dicli, Lotte Thea! a. Nollendorfplatz 3'/»: Das ßztemporale uhr Vetter aus Dingsda Theater des Westens v/t u.: Braut d.Lucn!Ius Th.i.d.Kommandantenstr. (Jüd. Künstler-Theater) 7 Uhr Dybuk Wallner-Theater 7',. uhr: Niichen Volksopor. Walhalla-Th. uhr Glocken vXomeTille ResidenzTheater Täglich n/t Uhr Der Kig in Paris OlgaLlmburg, Kaiser-Titz, Else Wasa, Eugen Rex Kleines Theater Täglich V/t Uhr: Frl. Josette -meine Frau Eugen Burg, Carola Teelle Falkensteln, Hans Albera Trlanon-Theater Tiglich 7» Mein Fn UV: Arnold Korll. LeMeällnder W Bendow, ffli.Sebnelder- Nissen, Fr. Schtnemann (Kas.• Th.ater) Uhr• Bas Glück der kleinen Lenie Casino-Theater Lothringer Str. 37 Nur nocta bis inkl. 8. Nov. Exzellenz Maxe Freitag, 4 Nav.z.1 Male: Der wag»am Qlück. Volksstück in 4 Aufzea. Sonnt 3'/. Pantoffelheld Musik. KaiüDierspiele Schillersaal. Heute SU Eröffnung Diener— Olfenbach Doktor— Schubert Waschküche- Dlttersd Volksbühne Theater»?»> BUlowput* VJ%: Kapltün Brass- bounds Bekehrung tesslag-Theater U»r; Die Spielereien einer Kaiserin Freitag 7 Der lasterhafte Herr Tschu Sonn ab u.;«nnt?>/, U.! Die Spielereien einer Kaiserin Deutsehes KOnstler-Th. Vi, Uhr zum ISO. Male; Die Bailerina des Königs (Leopoldine Konstantin) A'labendbeh VI, Uhr: • le Ballerina d. Königs Theater am | KorfürsteDilanini I Allabendl. S Uhr ilngeborgi Eclcersberf, Sand rock, üoeiz. üüntiier,. Walter [TpfliBne.»uv:! Wettlauf mit J [ dem Schatten J i Heim-i, Wlatersteln., Oppen< GröSenwahn 1 Leitung. RosaValeltll Allabendl. 8% Ulir! 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Oktober, abends ö Uhr im grohen Saal des Gewerkschoftshauses, Engelufer 25: Senei'al-Vei'iawmlung Tagesordnung: L Berichl vom III. SuartaL a> Geichällsbericht. bi Kaffenberichi. c) Bericht der Revisoren. 2 Antrag au! ilend-rung de» Ort,staluts. 3. W»>>> der undeseldeten Mitglieder der Orisoerwallüng. 4. Berdandsangeiegsnheiten. Zutritt zur Keneral-Bertammlung haben nur die nenaewdhiten Bertreier unter Porwrisung ihrer Delegierten larte und des Mitgliedsbuches. 37 10 Die Sfrfnmmlung wird ptnftlich erSffneL_ Pia Ottgocttoaltnng. Kasenröle. Scmmersprossea Picke', Haut- unremigkeit, Gesichtsröte etc.. werden schmerzlos, unmerkbar für die Umgebung, abgescbäli durch echte Vater» PhlUpp-Scbälkur, danach kommt anmutige junge zarte Haut zum Vorschein, & 12 M. vom Laboratorium Drcsden-Zschachwitz 146, erbälllich in der Eletanten- apotheke, Leipziger Straße, und in den Drogerien Basnanstr. 2, Fehmarnstraße 3. Reinickendorfer Str. HO. 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Schon die Abstimmung entsprach nicht den Bestimmungen von Versaillesi sie stand unter polnischem Terror, den Frankreich begünstigte. Die Auswertung der Abstimmung ist noch ungerechter. Die Oberschlesier statten geglaubt, über das Schicksal des gesamten ungeteilten Ober- schlesien abzustimmen. Bei einer neuen Abstimmung würden viele, die für Polen gestimmt haben, heute für Deuts ch l and stimmen. Wenn wir einen Vertreter zu den Wirtschaftsvcrhandlungen schicken, so tun wir es nur in der Erwartung, daß Gleichberechtigung bei den Verhandlungen Platz greift. Voraussetzung dazu ist ein wirklich unparteiischer Vorsitzender. Im Namen des ganzen ober- schlesischen Volkes erhebe ich gegen den Spruch von Genf, der ein R e ch t s b r u ch und ein 5) 0 h n auf die feierlich garantierte Selbstbestimmung ist, vor aller Welt feierlich Protest. Wir glauben an die Gerechtigkeit der Weltgeschichte und hoffen darum aus eine Wiedervereinigung mit unserem lieben Obcrschlcsien.(Lebh. Beifall.) Abg. horgt(Dnat.): Eine Welle der Empörung hätte durch unser Volk gehen müssen, die auch die Regierung, das Parlament Hütte mit sich reißen müssen. Vor aller Welt hätte man alle Mittel des Widerstandes und der Beeinflussung ausnutzen müssen. Nichts davon ist zu sehen gewesen. Die letzten 6 Tage haben nicht zum Ansehen des parlamentarischen Systems beigetragen. Aus allen Ausführungen des Reichskanzlers klang hervor, daß wir vor einem unabänderlichen Gewaltakt stehen. Dagegen erheben wir Wider- spruch.(Lachen links.) Wenn wir diese Vergewaltigung wieder akzeptieren, dann streichen wir uns selbst aus der Liste der Völker aus.- Wir lehnen die Annahme der oberschlesischcn Entscheidung und die Entsendung eines Kommissars ab.'Die Durchführung der oberschlesischcn Entscheidung führt womöglich zu ernsten Meinungsverschiedenheiten zwischen den Alliierten. Wir stehen vor einem Wendepunkt unserer ganzen Außenpolitik.(Lachen links.) Wir müssen die Irredenta in Polen vorwärts treiben. Das Erfüllungsprogramm müßte eigent- lich auch für seine bisherigen Vertreter altes Eisen geworden sein. Es hat ein völliges Fiasko erlebt, wie auch das unglückselige Rathenau- Abkommen beweist. Die neue Regierung Wirth wird nur eine vorübergehende Erscheinung sein. Abg. Dr. kahl(D. Dp.): Warum ist nicht der Reichstag sofort nach Eingang der oberschlesischen Entscheidung vom Kanzler orientiert worden? Wir haben ein ewiges, unverlierbares Recht auf Ober» schlesien.(Beifall.) Obcrschlesien ist deutsch und wird deutsch sein. Versailles sah gar keine Teilung vor. Den Abschluß des Wirtschaftsabkommens zum aufgezwungenen Bestandteil eines Diktats zu machen, ist Rcchlsbruch im schärfsten Sinne. Durch die Abtrennung von Obcrschlesien wird unsere Leistungsfähig- keit wesentlich herabgesetzt. Auch wir wollen erfüllen, soweit unsere Leistungsfähigkeit reicht. Aber durch die Annahme der oberschlesi- schen Entscheidung ist unsere Reparationsfähigkeit in Frage gestellt. Von einer Protestaktion erwarten wir allerdings nichts. Vorläufig wird das Celbstbestimmungs- recht der Völker nur da anerkannt, wo es gegen Deutschland geht Mg. öreitscheiö Allzn oft haben wir schon Anklage erheben müssen gegen die- jenigen, die die Schuld tragen an Deutschlands Elend. Wir schließen uns auch heute nicht aus, wenn wir auch die Schuldigen nicht einzig und allein außerhalb der deutschen Grenzen suchen. Auch wir empfinden tiefen Schmerz über den Verlust deutschen Landes, zumal der neue Staat den Oberschlesicrn keine Sicherheit für ein wohnliches Unterkommen bietet. Es war ein Fehler aller bisherigen Regie- rungen, in der oberschlesischen Frage Illusionen aufrechtzu- erholten, die zusammenbrechen mußten. Darum ist jetzt Schrecken und Erbitterung so groß. Verloren war Oberschlesien in dem Mo- ment, als L u d e» d o r f f die Regierung drängte, den Waffen- stillstand anzubieten. Der Friedensvertrag war ein natürliches Ergebnis des verlorenen Krieges und eine Frucht des kapitalistischen Imperialismus. Gegen diese Politik setzt sich die sozialistische Ar- beitcrschaft zur Wehr, aber nicht mit leeren Demonstrationen, son- dern dadurch, daß sie dem Lmperialisinus den Boden entzieht und das Wirtschaftssystem ändert. Eine Politik der Irredenta würde nur nutzlose Opser fordern. Es ist unrichtig, wenn sich die Regierung aus einen Bruch des formalen Rechtes beruft. Das for- male Recht ist nur bei den Wirtschaftsbestimmungen von der Entente verletzt worden. Gerade diese Bestimmungen aber bedeuten eine Milderung des Friedensvertrages und wir müssen daraus das Beste herausholen. Die Regierungs- krsse ist nur zum Teil durch die oberschlesisthe Frage verursacht. Ein Hauptgrund liegt in der Sehnsucht der bürgerlichen Koalitions- Parteien nach dem Anschluß an die Rechte. Diese Sehnsucht ist durch den Görlitzer Beschluß der Sozialdemokratie sehr gestärkt worden. (Widerspruch bei den Soz.) Sie(zu den Soz.) hätten dabei zum mindesten geschickter operieren sollen. Die Demokraten haben in der schwierigsten Situation unglaublich verantwor- tungslos gehandelt. Anscre Haltung gegenüber dem neuen Kabinett wird dieselbe sein wie vorher. Wir werden die Regierung so lange unterstützen, wie ihre Politik im Interesse des arbeiten- de n.Volkes liegt.(Sehr wahr! bei den li. Soz.) Wir wollen keine Politik des aktiven oder passiven Widerstandes, sondern die Fort- führung der Politik der Erfüllung.(Lebhafter Beifall bei den U. Soz.) Präsident Lobe teilt mit, daß vom Provinzialausschuh Ober- und N i e d e r s ch l e s i e n s ein Telegramm eingegangen ist, in dem gegen das Genfer Diktat einmütig Protest erhoben wird. Diese Kundgebung ist einstimmig von den Deutschnationalen bis zu den Mehrheitssozialisten beschlossen worden.(Beifall und hört, hört!) Abg. Schücking(Dem.): Die Fraktion stimmt im Interesse Oberschlesiens der Entsendung eines Kommissars zu unter der Boraussctzung, daß sich daraus keine Anerkennung der dem Friedensvertrag widersprechenden Entscheidung ergibt. Der ehemalige polnische Ministerpräsident hat nach der Mitteilung eines Lembergcr Blattes offen erklärt, daß Polen bei der Abstimmung beinahe jede Stimme hätte kaufen müssen.(Lebhaftes hört, hört!) Wir erheben flammenden Protest gegen die Wegnahme Oberschlesiens.' Abg. Emmwger(bayer. Vp.) legt schärfste Verwahrung gegen die Genfer Entscheidung ein und lehnt die Entsendung eines Kommissars ab. Abg. hcidcmann(Komm.) verliest nach längeren Ausführungen eine Erklärung, die die Entscheidung der Botfchafterkünferenz ablehnt, ober vor nationalistischen Abenteuern warnt. In der neuen Ne- gierung Wirth sieht die Kommunistische Fraktion lediglich den Platz- hatter sür eine Stinnesregierung. Eingegangen sind inzwischen die weiter oben wiedergegebencn Anträge Marx lZü-Wels(Soz.) und der Rechtsparteien. Abg. Levi(Kommunistische Arbeitsgemeinschaft) protestiert eben- falls gegen die Genfer Komödie. Abg. TNarx(Ztr.) stellt in einer Erklärung fest, daß seine Partei den Antrag Em in inaer ablehnen werde, nicht etwa, weil sie mit dem materiellen Inhalt nicht einverstanden wäre, sondern weil im Vordergrund der Verhandlungen die Regierungs- e r k l ä r u n g stehe Sie enthalte in knapper, sachlicher Form alles, was auch im Antrag wiederholt sei. Abg. IRiiller-Franken(Soz.) erklärt den Antrag ebenfalls für überflüssig. Abg. Ledebour(U.Soz.): Wenn wir dem Antrag, der die Er- klärung der Regierung billigt, zustimmen, so billigen wir damit nicht sämtliche Ausführungen des Reichskanzlers. Den Antrag Emminger lehnen wir ab. Es folgen die namentlichen Abstimmungen, über deren Resultat wir bereits im Hauptblatt berichtet haben. Damit war die Tagesordnung erledigt. Es folgt eine umfang- reiche Geschäftsordnungsaussp räche über die nächste Sitzung. Es wurde beschlossen, die nächste Sitzung am 3. Novcm- der, nachmittags 3 Uhr. mit folgender Tagesordnung festzusetzen: Interpellationen über die Vorkommnisse in der Pfalz, über die Preissteigerung, Steuerfragen, Anträge. Vor"Schluß der Sitzung beglückwünscht der Präsident Löbe den Abg. F r o h m e(Soz.) zu seinem 40. Jahrestag seines Ein- tretens in den Deutschen Reichstag.- Schluß 12 Uhr. * Hamburg, 26. Oktober.(Eigener Drohtbcricht.) heute ergriff in der Hamburger Bürgerschaft vor Eintritt in die Tagesordnung Gc- nasse Boß das Wort zu einer Ansprache über Oberschlcsien, die das Haus stehend anhörte. Die Entscheidung hcs Völkerbundes sei eine Verletzung des S e l b st b c st i m m u n g s r e ch t e s, die dem Sieges» willen der Entente entsprungen sei. Die Geschickte werde dafür sorgen, daß die Idee de? Gerechtigkeit über die G e w a l t siegen werde. Ein Kommunist gab eine kurze Erklärung für seine Partei ab, worauf sich das Haus an die Arbeit begab. -, die preußische Regierungsfrage. Die in Preußen gepflogenen Verhandlungen über eine Regierungsumbildung sind dadurch ins Stocken geraten, daß die Sozialdemokratische Partei infolge der Vorgänge im Reich die Schaffung einer großen Regierungskoalition zurzeit nicht für möglich hält. Lewald gehl! Wie die PPR. hären, wird als Folge des Wechsels im Reichsinnenministerium auch dessen Staatssekretär Dr. Lewald aus diesem Ministerium ausscheiden. RdchsgsrichtUches Schneckentempo. Wie uns aus Thüringen mitgeteilt wird, ist das seit vielen Mo- naten schwebende Ermittlungsverfahren gegen den Gendarmerie- major Müller-Brandenburg wegen angeblichen Versuchs zum Hochverrat vom Obcrreichsanwalt noch immer nicht ab- g e s ch l.o s s e n worden. Auf eine Anfrage kam aus Leipzig die Antwort, daß„noch nicht abgesehen werden könne, wann das Ermittlungsverfahren gegen Müller-Brandenburg abgeschlossen wird".> Es ist zwar höchst unwahrscheinlich, daß bei diesem Verfahren irgend etwas Positives herauskommt, da es auf Denunziationen eines geistig Minderwertigen hin eingeleitet wurde, aber die Sache hat ihre ernsten Seiten: Gegen Müller-Brandenburg.schwebt aus dem gleichen Grunde ein Disziplinarverfahren. Dieses Dtsziplinarver- fahren ist nun bis zu der Entscheidung des Reichsgerichts ausgesetzt worden, es kann nicht fortgeführt werden. Die Folge davon ist, daß Müllcr-Drandenburg eins neue Anstellung im Polizeidienst nicht bekommt, weil natürlich keine Landespolizeibehörde einen Beamten einstellt, gegen den noch ein Verfahren anhängig ist. Der sächsische Innenminister L i p i n s k i beabsichtigt, Müller-Brandenburg onzu- stellen, kann es aber einstweilen nicht tun. So hat die Vcrschlep- pung des Verfahrens vor dem Reichsgericht die praktische Wirkung, daß der republikanische Pclizeimajer auf unabsehbare Zeit von der polizeilichen Betätigung ferngehalten wird. Wenn dann nachher das Verfahren mit Einstellung endet, zuckt man bedauerlich die Achsel. Der neue Neichsjustizminister, Genosse R a d b r u ch, hätte hier gleich Gelegenheit, ein etwas schnelleres Tempo in die Ar- betten der Reichsanwaltschaft zu. bringen. * Bei dieser Gelegenheit könnte auch gleich dafür gesorgt werden, daß nun endlich der Prozeß gegen Jagow und Wangcnheim zur Verhandlung kommt. Nach den neuesten Aufklärungen scheint es mit der Sclbststellung der Bauer, Ehrhardt und Genossen nichts zu sein. Es hätte uns auch gewundert, wenn diese Herren Ossi- ziere moralischen Mut aufgebracht hätten. Aber das Reichsgericht ist auf ihr Angebot hereingefallen, und hat den Jagow- Prozeß deswegen vertagt. Das Reichsgericht hat sich mit seiner Gutmütigkeit blamiert, genau wie der glücklich gewesene Reichs- justizminister Schis s c r mit seiner Beteuerung, daß Herr v. Jagow krank und haftunfähig wäre. Vielleicht lernt die deutsche Justiz daraus- endlich einmal die Prozesse gegen die Kappisten mit der- selben Rücksichtslosigkeit durchzuführen wie alle anderen, und diesen „hochstehenden" und„echt nationalen" Verbrechern keine besondere Schonung zu gewähren.--— Gegen üie Härten öer Lohnpfändung. Aus parlamentarischen Kreisen wird uns geschrieben: Die in dem Lohnbeschlagnahmegesetz geltenden Summen sind dem Wcrtverhättnis des Geldes durchaus nicht mehr angepaßt. Zahlreiche Lohn- und Gehaltsempfänger sind daher bei Anwen- dung des Gesetzes in die schlimmste Notlage geraten. Um diesen starken Uebelstand zu beheben, hat die Sozia l- d e m o t r a t i s ch e Fraktion des Reichstages den folgenden Gesetzentwurf als schleunigen Antrag eingebracht: Das Gesetz betreffend Acndcrung der Verordnung über Lohnpfändung vom 16. August 1926(„Reichsgesetzblatt" Seite 1572) wird dahin geändert, daß 1. in Artikel I Ziffer 1 an die Stelle des Wortes„fünf- tausend" das Wort„fünfzehntausend", 2. in Artikel I Ziffer 2 an die Stelle des Wortes„vier- tausend" das Wort„zwälftaufend", 3. in Artikel i Ziffer 3 an die Stelle der Worte„neun- tausend" und„sechstausend" die Worte„achtzehntausend" und „fünfzehntauscnd'. 4. in Artikel I Ziffer 4 an die Stelle der Worte„31. De- zember 1921" die Worte„31. Dezember 1922" treten. Das Gesetz tritt am 15. November 1921 in Kraft. Es ist anzunehmen, daß der Reichstag in einer der nächsten Sitzungen dem Antrag die Zustimmung erteilt und daß das Gesetz schon mit dem 15. November in Kraft tritt. für ü!e InyaliAen*. Zu dieser Notiz in Nr. 499 des„Vorwärts" sendet uns die Firnm Haalensiein u. Vogler eins Berichtigung. Danach stellt sich das Berhältnis der Firma zuni Jnvalidendank folgendermaßen dar: Der Jnvalidendank hatte eine Annoncenabteilung eingerichtet, deren Risiko er im Jahre 1911 nicht mehr tragen konnte. Er trug sich mit dem Gedanken, das ganze Anzeigengeschäft aufzugeben, nahm aber hiervon Abstand, weil die Haasenstein u. Vogler A.-G. mit dem Jnvalidendank im April 1911 eine Interessengemeinschaft abschloß. Dieser Vertrag gab zwar der Haasenstein u. Bogler A.-G. den größeren Gewinnanteil, bürdete ihr aber das gesamte Risiko auf, insbesondere die Verpflichtung, alle V e r l u st e zu tragen. Der Jnvalidendank begnügte sich mit dem kleineren Teil des Rein- gewinns(36 Prcz.), den er aber völlig r i s ik o l o s erhielt. Bis zum Jahr? 1914 hat die Haasenstein u. Vogler A.-G. an dem In- scralengeichäft nach einem anfänglichen Gewinn im ersten Jahre 666 666 M. verloren. Unrichtitg ist jedoch, daß ihr Kapital bei Kriegsausbruch verloren war. Dies betrug 2 Millionen Mark und war trotz der Verluste völlig intakt. Ende 19l6 und Anfang 1917 steigerte sich infolge der Wcrbungstätiqkcit für die Kriegsanleihe die Jnserateneinnahme bedeutend. Dcr Vorstand des Jnvalidendernks hat sich darauf bemüht, den noch mehrere Jahre laufenden Vertrag zu seinen Gunsten abzuändern und den Gewinnanteil der Haafenstem u. Vogler A.-G. herabzusetzen. Das ist ihm auch gelungen, obwohl die Haasenstein u. Vogler A.-G. anfangs mit Hinweis auf ihre früheren Verluste Widerstand leistete und obwohl der Invaliden- dank kein verfügbares Recht zur Vertragsänderung besaß. Der In». validendauk erhielt seitdem den größeren Teil des Reingewinns, dieser Anteil wurde später nochmals erhöht(auf 75 Proz.). Bezüglich des 5)crrn Recke wird ausgeführt, daß er niemals General war, sondern Revisor bei dcr Ijaastnstcin u. Vogler A.-G. Dcr Verwaltungsrat und Vorstand. des Inva» l i d c n d a n k s sendet uns gleichfalls eine Berichtigung, die sich im wesentlichen mit der obigen der Firma Haasenstein u. Vogler deckt. In ihr wird bezüglich des Generals Behn ausgeführt, daß Ihm außer seinem Gehalt von der Firma liaasenstein u. Vogler eine Tantieme von 5 Praz. zugesagt war. Als sick infolge der großen Jnscratenaufträge die Tantieme über alles Erwarten hochstellte. Hab? General Behn freiwillig im Interesse dcr Invaliden auf den größeren Teil seiner vertragsmäßigen Ansprüche verzichtet und sich mit einer einmaligen Abfindung von 25 666 M. begnügt. Sämtliche Vorgänge beim Jnvalidendank seien seitens dcr aufsichtführenden Behörden dem preußischen Ministerium des Innern und dem Reichsausschuß für Kriegsbeschädigte geprüft worden, ohne daß Veroulassung gesunden sei. im Aufsichtswegc irgend etwas gegen den Jnvalidendank zu veranlollen. Unsere Darstellung war seinerzeit dem„Rcichsbnnd" entnommen, der sich wohl zu der Angelegenheit noch äußern wird. demonftration öe? Teleqraphenbeamten. Hamburg, 26. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Auf Deranlas- sung dcr Kommüniüen fand am Mittwoch in Hamburg eine De- monstration der Telegraphen- und Pvstangestellten statt, die für eine Wirtschaftsbeibilfe von 2666 M. demonstrierten. Da die Gc- werkschaften die Beteiligung an dieser wilden Aktion abgelehnt hatten und aufforderten, bei dcr Arbeit zu bleiben, erschienen nur zirka 2666 Personen, die zur Obcrvo'idircktion zogen, um dort ihre", Forderungen zu vertreten. Die Ordnungspolizei hatte den Bann- kreis besetzt._ Die SchiichtunstsorSnunn Aussprache stimmt Albrechi > ein ,nwannseiu>™ng?ver!le? fitze! tauft dra. 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