nt>5»$ ♦ ZS. Jahrgang Ausgabe 3 Nr. 252 Bezugspreis: Z!i,rteliB>rl. 30,— M.. monatl.\X— 31 irei ins ftons, ooran« zahlbar. Posi- bczug: Monatlich 12,— M. einschl. gu- l-dliungsgebUhr. Unter Kreuzband für Deutschland. Danzig. das Saar- und Memelaebiet, sowie die ehemals beut- schen Gebiete.Polens, Oesterreich Ungarn und Luxemburg 22,— 3K, filt das übrige Ausland 29,— M. Post- bestellungen nehmen an Oesterreich. Ungarn, Tschecho- Slowalei, Däne- mnft, Holland, Luxemburg, Schweden und die Schweiz. Der„Dormärts" mit der Sonntags- beilage.Volk und Zeit", der Unter» baltungsbkilage.Heimwelt" und der Betlage„Siedlung und Kleingarten" «rschcmt wochentäglich zweimal.Sonn- tags und Montags ewmal. De! egramm- Adresse: «Sozlatdrrnokral verN»� Abend-Ausgabe Vevlinev Volksblsti ( so pksnnig) Anzeigenpreis: Die ueungespaltene Nonpareillezeile tostet M.„klein- An, eigen' das ieUgedruckte Morl 2,— M.(zu- lässig zwei settgedruckle Worte), jedes weitere Wort l,— M. 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Der deutsche Bot- schafter in Paris übermittelte der Bolschasterkonfereuz heute folgende Note: Die deutsche Regierung hat mit tiefer Enttäu- schung von der Rote des Obersten Rates vom 20. Ottober Kenntnis genommen. Sie erblickt in dem territorialen und wirtschaftlichen Diktat, welches dadurch dem Deutschen Reich auferlegt wird, nicht allein eine Ungerechtigkeit gegen das deutsche Volk, der sie wehrlos gegenübersteht, sondern auch eine Berlehung des Bersailler Beitrages, dem die in Genf getroffene und von den alliierten Hauptmächten angenommene Entscheidung widerspricht. Die deutsche Regierung legt daher gegen den hierdurch geschaffenen Zustand als eine Rechtsverletzung a u e d r ü ck- lich Berwahrung ein. Lediglich unker dem Druck der in der Rote ausgesprochenen Drohungen, und um der deutschen Bevölkerung des oberschlesischen Industriegebietes die sonst bevorstehende Bcrelendung soweit wie möglich zu ersparen. sieht sich die deutsche Regierung gezwungen, dem Diktat der Rlächke entsprechend die darin vorgesehenen D e l e- gierten zu ernennen. Die Namen der deutschen Dele- gierten werden unverzüglich mitgeteilt werden. Lanöesverrat aus Parteitaktik. Die Vertreter der Deutschen Dolkspartei in der Sitzung beim Reichspräsidenten vom 24. Oktober stammeln gegen die Feststellungen der Genossen Müller, Scheidemann und Wels eine kleine Ausrede: Die.Nationalliberale Korrespondenz" habe lediglich einen Bericht über die Sitzung gebracht, in der die Reichstags- fraktion der Deutschen Dolkspartei zu den vorausgegangenen Der- Handlungen beim Reichspräsidenten Stellung nahm und in der sie zu einer Ablehnung der geplanten Regierungskoalition gelangte. In bezug auf die Verhandlungen beim Reichspräsidenten sei in diesem Bericht lediglich gesagt, daß die Fraktion zu ihnen Stellung nahm und daß sich bei diesen Verhandlungen weitgehende Meinungsverschiedenheiten in bezug auf die Haltung der Parteien zur oberschlesischen Frage gezeigt hätten. Im übrigen sei lediglich der Standpunkt der Fraktion dargelegt worden, der dahin gehe, daß die Grundlage für eine große Koalition zurzeit nicht gegeben sei, weil die von der Deutschen Volkspartei vertretene Auffassung nicht von ollen zur Regierungsbildung berufenen Par- teien gebilligt werde. Einer eigenen Antwort sehen wir uns durch das„Der- liner Tageblatt" enthoben, das trotz seiner heißen Liebe zu der Volkspartei dazu bemerkt: Diese Erklärung der parteioffiziellen Korrespondenz wird, ab» gesehen von ihren Parteifreunden, niemand befriedigen. Auf der Deutschen Volkspartei bleibt der schwere Vorwurf haften, daß sie aus porteitaktischen Gründen, nämlich um die chaltung der eigenen Partei zu rechtfertigen und die Polit-.t einer anderen Partei zu tadeln, aus einer vertraulichen Besprechung Mitteilungen veröffentlicht hat, die d i e deutsche auswärtige Politik zu schädigen geeignet sind. 3m Rclchstag befiehl außerhalb der Rechtsparieien darüber nur eine Meinung. Das ist richtig. Wir nehmen an. daß sich die persönlich anständigen Menschen in der Volkspartei sich dieser allgemci- nen Meinung anschließen. Wie sie Parteien abstimmten. ' Für die- Vertrauensresvlution Wels-Marx, die bekanntlich 2?0 Stimmen vereinigte, haben geschloffen gestimmt: Sozial» demokraten, Zentrum und Unabhängige, ferner die Mehrheit der Demokraten, während sich ein Tell der Demokraten der Stimme enthielt. Gegen das Vertrauen stimmten die Deutschmonarchisten, die Deutsche Volksp artet, die Bayerische Volkspartci und die Kommunisten.(132 Stimmen.) Für den Antrag der drei rechtsstehenden sogenannten Volksparteien stimmten 152 Abgeordnete: Deutschnationale, Voltsparteiler,"Bayerische Dolksparteiler und Demokraten. Dagegen stimmten mit den Sozialdemo- kratcn, dem Zentrum und den Unabhängigen diesmal auth die Kommunisten.(213 Stimmen.) Vertrauensvotum für Hrianü. Baris. 26. Oktober.(MTB.) Nach Wiederaufnahme der Kammerflhung tauschten die Abgeordneten I randin und herriot gegenseitig Erklärungen aus, wodurch der Zwischenfall beigelegt wurde. Darauf ergriff da» Wort Ministerpräsident Brland Er setzte sich mit Tardieu auseinander und sagte, es fei Zeit, zu einem Entschlüsse zu gelangen. Das Land wolle, daß man die Regierung noch ihren Handlungen bemtrlle und daß man nicht eine Regierung wegen einer Frage der inneren Politik stürze, nachdem man die Gewißheit erlangt habe, daß sie keine für das Land ge- fährliche Außenpolitik betriebe. Er habe das Recht zu sagen, welches die republikanische Mehrheit sei, mit der die Regierung arbeiten wolle. Wenn in der Gruppe, die er meine, Männer vorhanden seien, die die Gesetze der Republik nicht annehmen, dann müsse sich die Mehrheit von diesen trennen. Ader die BlehrheU, die er verlange, müsse groß sein. Denn nur dann sei die Unabhängigkeit gesichert. Vriand ging alsdann zur auswärtigen Politik über und sagte, als Tardieu der Regierung angehörte, hätte Frankreich den Sieg davongetragen. Sein Prestige sei ungeheuer gewesen, trotzdem habe diese Regierung Konzessionen machen müssen, weil Frankreich nicht allein gewesen sei, Konzessionen hinsichtlich der Sicherheit des Landes und auch hinsichllich der Grenze. Die Regierung habe auch nachgeben müssen in bezug auf die Einheit Deutschland», ferner in der Frage Palästina und in der Frage Mossul. Außerdem habe sie die Entscheidung über Oberschlesien, wonach dieses vollkommen Polen zugeieilt worden wäre, aufgeben müssen. Frankreich im Glänze seines Sieges habe also nachgeben müssen, und jetzt— zwei Jahre nachher— in einem pulverisierten Europa, das in ständiger Gefahr sei, mache er„unnötige" Kon- Zessionen? Rem, weil jeden Tag Brände entstünden und well er die Einigkeit mit den Alliierten aufrechterhalten wolle! Vriand fragte, wenn er eine deutsche Regierung zwing?, zu demissionieren, damit Deutschland nackizebe, sei das etwa, wie Tardieu gesagt habe, eine nachgiebige Politik? Briand erinnerte auch daran, daß er es gewesen sei, der e« verhindert habe, daß Reichswehr die Grenze von Oberschlcsien überschritten habe. Im weiteren Verlauf der Polemik gegen Tardieu sprach Briand auch über die Konferenz in Washington. Die französische Regierung habe diese Konferenz nicht genügend vorbereitet, so habe Tardieu gesogt. Das Gegenteil fei der Fall. Mit größter Sorgfalt sei alles vorbereitet worden, um Frankreichs Interessen so gut wie möglich wahrzunehmen. Briand nahm auch noch sür sich in Anspruch, daß er in seiner Außenpolitik die größte Mühe Hobe walten lassen, um England an der Seite Frankreichs zu halten, das sei keine arm- selige Politik, wie Tardieu sie genannt habe. Nach einer kurzen Be- merkung über Rußland schloß der Ministerpräsident mit den Worten: Nun haben Sie alle Aktenstücke des Prozesses in Händen, fällen Sie Ihr Urteil I Briand nimmt von den sechs Tagesordnungen, die eingebracht wurden, namens der Regierung die Tagesordnung Manaut an, in der gesogt wird, die Kammer, die die Erklärungen der Regie« rung billigt, habe Vertrauen zu ihrer Festigkeit, um im Ein- Verständnis mit Frankreichs Alliierten die Realisierung der Reckste sicherzustellen, die Frankreich zuerkannt wurden. Sie vertraut dar- auf, daß die Regierung fortfahre, das Prestige Frankreichs im Aus- lande zu verteidigen, den Frieden nach außen und die Ordnung im Innern aufrechtzuerhalten, damit sie ein« weitgehende Politik republikanischer Union durchführe. Die Kommer lehnt jeden weiteren Zusatz ab und geht zur Tagesordnung über. Der Abgeordnete Raiberti in Gemeinschaft mit General Eastelnau brachte die Tagesordnung der Minderheit in der Kammer ein. Die Zahl der Abgeordneten dieser Minderheit wird nach der Abstimmungsliste mit S2 angegeben. Die Sozialisten beon- tragten in ihrer Tagesordnung die allgemeine Abrüstung. Dieser Tagesordnung wurde von der Kammer die Priorität versagt, und zwar mit 514 gegen 79 Stimmen. Schließlich wurde de: von der Regierung angenommenen Der- krauenskundgebnng mit 529 gegen 178 Stimmen die Priorität zu- erkannt. Der erste Teil der Tagesordnung Manaut bis zu dem Wort„durchlühre" wurde mil 391 gegen 185 Stimmen angenommen. Der Rest der Tagesordnung durch Handausbeben. Barons wurde die Tagesordnung Manaul in ihrer Gesamtheit mit 338 gegen 172 Stimmen angenommen. Srianss presse. Parts, 27. Oktober.(WTB.)„Echo de Paris" sagt, für den Augenblick nehme es obne Widerspruch die Entscheidung der Kammer an, denn der Ministerpräsident erhalte für die Washing- toner Konferenz die verlangte Unterstützung, aber er habe e i n sehr klares Mandat erhalten; es genüge nicht, dort zu reden, sondern er müsse bandeln. Man werde also, wenn die Ergeb- nisse vorliegen, wieder auf die Frage zurückkommen. „Petit Journal" meinte, es sei Briand nicht schwer ge- worden, seiner Mehrheit bestimmte Verspre6)ungen zu mache». Der Tcndenzprozeß sei daher gewonnen worden. „P o p u l a i r«" erklärt, Briand verdanke seinen Sieg ebenso seinen Gegnern wie sich selbst und seinen Freunden. Die Sozia- listen hätten ihm ihr Vertrauen geschenkt, weil sie nicht den Männern in die Hände zu arbeiten wünschten, die als Regierüngs- Politik nach außen eine Politik der Gewalt und des Krieges be- treiben und in der inneren Politik das Gesetz über den Acht- stundentag aufheben wollten. Im„Radical" wird die gestrige Abstimmung so gedeutet, daß das Parlament dadurch nicht hätte seine Weigerung ausdrücken wollen, Frankreich an internationalen Verhandlungen teilnehmen zu lassen, aus denen die Frag« de? Entwaffnung behandelt werde, Hätte man Frankreich nicht im gegenteiligen Falle imperialistischer Plane bezichtigt? Wirth und Befand. Zur selben Stunde, da das neu erstandene Kabinett Wirth im Reichstag einen unerwartet großen Sieg errang, hat die französische Kammer durch ein nicht minder starkes Vertrauensvotum Herrn Briand in seinem Amt als fran- zösischer Ministerpräsident bestätigt. Damit ist fürs erste einer unheilvollen Entwicklung Halt geboten, die von den nationa- listifchen Quertreibereien hüben und drüben auszugehen drohte. Gegen ein deutsches Kabinett, das rechts von Wirth stand, hätte die französische Kammer zweifellos ein ultranationalisti- sches Kabinett gestellt, das gegen das wehrlose Deutschland mit unoerhüllter Gewaltpolitik aufgetreten wäre. Als hier das Treiben gegen Wirth begann, witterte drüben Herr Po'.ncar� Morgenluft. Diese Entwicklung, die für beide Völker unheilvoll gewesen wäre, ist vorläufig abgebogen worden. Im„Deutschen" des Herrn Stegerwald schreibt eine gute Seele, die Entente fürchte nichts mehr als die deutsche „nationale Einheitsfron t". Diese gute Seele hat eine komische Vorstellung von der Entente. Sie weiß nicht, daß die erbittertsten, gewalttätigsten Feinde Deutschlands auf die Herstellung dessen, was s i e die„nationale Einheitsfront" nennen, förmlich lauerten. Jetzt, da sich Deutschland in seiner Volksvertretung auf die Vernunft besonnen hat, stehen sie vorläufig am Grabe ihrer Hoffnungen. Die Rede Briands enthält manche bemerkniswerten Sätze. Wertvoll ist vor allem das Eingeständnis, daß Frankreich auf der Höhe seines Sieges in zwei Punkten zur Nachgiebigkeit genötigt war. Der eine ist die Einigkeit Deutsch- l a n d s, der andere die Zuteilung von ganz Ober- schlesien an Polen. In unsere Sprache übersetzt heißt das, daß die deutsche Republik sich ihre innere Einheit und eine Million Oberschlesier gerettet hat. Die Frage steht offen, ob eine deutsche Dtonarchie nach ihrer militärischen Niederlage mehr zu erreichen vermocht hätte. Die deutsche Republik hätte diese verhältnismäßigen Er- folge nicht erzielen können, wäre nicht bei einigen Bundes- genossen Frankreichs mehr Einsicht in die politischen Nvl- wendigkcitcn vorhanden gewesen als bei Frankreich selbst Das ist das Betrübliche an Briands Eingeständnis, daß es den Vernichtungswillen der französischen Politik nach dem Siege Deutschland gegenüber bestäsigt. Solange dieser Vernichtungs- wille besteht, besteht auch die Möglichkeit, daß Deutschland vor ihm bei den Bundesgenossen Frankreichs Schutz suchen muß. Die französische wie die deutsche Politik werden dadurch auf Bahnen gewiesen, die zu einer dauernden Vergiftung des Vcr- hältnisses der beiden Nachbarvölker zueinander führen müssen. Weit besser ist beiden Völkern gedient, wenn jener Ver- nichtungswille an der politischen Einsicht des fran- zöfischen Volkes selbst seine Schranke findet. Diese politische Einsicht muß den Franzosen sagen, daß der Versuch von vierzig Millionen, siebzig Millionen dauernd nach Methoden der Gewaltpolitik zu behandeln, dem Unterdrücker selbst keinen Segen bringen könnte. Auf die Dauer ist in einem Kampfe zweier Rationen um Sein oder Nichtsein gegeneinander nicht die Zahl der Gewehre entscheidend, über die jede von ihnen verfügt, sondern die Zahl der Köpfe und der In h a l t dieser Kopse. Wenn sie von nationalistischen Kraftphrascn erfüllt, von militaristischen Zwangsvorstellungen beherrscht sind, so wird sich eines Tages ihre Unterlcgenhcit kraß herausstellen. Das gilt für die einen wie für die andern. Bemerkenswert scheint uns auch die Acußerung des fran- zösischen Staatsmannes über das„pulverisierte E u- r o p a". das der Krieg zurückgelassen habe. Wahrlich, ein hartes Urteil über die Friedensmacher voll Versailles, St. Ger- main, Trianon, Reuilly! In welchem Grade wäre aber diese „Pulverisierung" fortgeschritten, wenn es diesen Leuten zu allem übrigen auch noch gelungen wäre, vorübergehend die Einheit Deutschlands zu zerreißen? Und was hätte ein pulverisiertes Deutschland für den Wiederaufbau des durch den Krieg grausam zerstörten Nordfrankreich zu leisten vermocht? Ist mit Briand die allen, vor allem auch Frankreich selbst, heilsame politische Vernunft auf dem Marsche? Wir wagen diese Frage nicht zu bejahen. Gewiß, nachdem ein jähre- langer Krieg die nationalen Empfindungen bis zum Wahnsinn aufgepeitscht hat. muß jeder Staatsmann, der nicht von der Bildfläche hinweggefegt werden will, damit rechnen, daß der reißende Strom der Leidenschaften nur allmählich in sein Bett zurückkehren kann. Aber solange Frankreich nicht erkennt, daß die militärischen Sanktionen ein un- haltbares Unrecht sind, daß das gegen Oesterreich erlassene Anschlußverbot wilder Hohn auf das Selbstbestim- mungsrecht der Völker ist, und daß eine Ueberfpar.nung der deutschen Leistungen über die Leistungsfähigkeit hinaus zur Vernichtung nicht Deutschlands, sondern der gesamten Welt- Wirtschaft führt, solange wird man nicht behaupten können. daß der Welt die Morgenröte einer neuen, besseren Zeit dämmert. hat noch Jene unheilvolle Entwicklung, die Volk gegen Volk treibt. noch keine rückläufige Bewegung angenommen, sie ist nur durch die Mederauferstehung des Kabinetts Wirth und durch die Erhaltung des Kabinetts Briand zu einem gervissen Stillstand gekommen. Deutschland hat den Mut des Besiegten ge- funden, unvermeidliche Folgen stiner Niederlage jeuf sich zu nehmen, aber Frankreich noch nicht denMutdesSiegers, dem geschlagenen Feind mit Mäßigung und Gerechtigkeit und mit dem Willen zu wahrhaftem, dauerndem Frieden gegen- überzutreten. Millionen in Deutschland stehen mit ihrer Ueberzeugung dafür ein, daß die Schäden des Krieges nach Kräften wieder gutgemacht werden, und daß nie wieder Krieg sein soll. Ihre Ueberzeugung hat der gegenwärtigen Regierung über die schwerste Krise hinweggeholfen und damit die weltpolitische Lage für alle, zunächst für Deutschland, aber zugleich auch fW Frankreich erleillstert. Das war eins Tat des Muts, auf die wir das Recht haben, ein klein wenig stolz zu fein, es war ein heißer Kampf, aber wir haben gewonnen! cheiß war der Kampf, weil hinter unseren inneren Geg- nern der französische Nationalismus als ihr bester Bundesgenosse stand. Der Sturz des Kabinetts Wirth. die Bedrohung feiner einsichtsvollen, auf die Wiederherstellung eines wahrhaft befriedeten Europa hinzielenden Arbeit, war eine Auswirkung jener Politik die auf die Vernichtung der deutschen Einheit, auf die Losreißung ganz Obsrschlesicns, auf die Puloerisierung ganz Europas hinarbeitete. Ein franzö- sifches Chauoiniftenblatt schrieb in den Krisentagen haßerfiillt, daß die Politik des Kabinetts Wirth für Deutschland Goldes wert fei. Sie ist es, aber, Franzosen, vergeht nicht, daß Deutschland Gold braucht, um seine Schulden an Frankreich bezahlen zu können! Dem extremen Nationalismus, der vorgibt und fich viel- leicht selber einblldet, er wolle seinem eigenen Volke Glück bringen, der aber allen, nicht anderes bringen kann als ent- setzliches Unglück, hat ein Spiel verloren, aber er gibt es noch nicht aus. Die französischen Nationalisten haben noch eine Hoffnung: den deutschen Nationalismus. Und die deutschen Nationalisten haben auch eine: den f r a n z ö s i. s ch e n Nationalismus. Die Welt würde den Tag segnen, an dem eine französische Regierung den Mut haben wollte und dürfte, den französischen Ustheilsriftern ebenso die Stirn zu bieten, wie ihren deutschen Gesinnungs- und Zielgenossen da» Kabinett Wirth. Treue um Treue l Das Ausscheiden des Wiederaufbauministers Dr. R a t h e- n a u wird von der Presse der Linken lebhaft bedauert. Sowohl die„Voss. Ztg." wie die„Freiheit" sprechen ihr Be- fremden über den Rücktritt des Ministers aus und weisen über» einstimmend darauf hin, daß der Beschluß der D e m o k r a- t e n, sich nicht an der Regierungsbildung zu beteiligen, für Rathenau nicht hätte bindend sein dürfen, da er nicht in seiner Eigenschaft als Demokrat, sondern als F a ch m i n i st e r im besten Sinne des Wortes dem verflossenen Kabinett angehörte. Die„Voss. Ztg." schreibt: E» konnte den demokratischen Abgeordneten keinen Augenblick zweifelhaft sein, welche Schwächung der internationalen Stellung de» Kabinetts es bedeuten mußte, wenn gerade R a t h e n a u aus der Ministerliste fehlte. Es war der Fraktion ja auch nicht unbe- tannt, daß Dr. Rathenau zwar Mitglied der Demokratischen Partei war und ist, daß er aber nicht als Partei min ister, sondern lediglich auf die Initiative des Reichskanzlers Wirth und gegen starke Bedenken vieler demokratischer Parteigrößen in die- frühere Regierung eingetreten war. Und es gehörte schon eine stark« Dosis von Vergeßlichkeit dazu, jetzt plötzlich denselben Dr. Rathenau als Parteimann zu reklamieren, den man bis vor kurzem nie in die vorderste Linie gelassen, der sogar in den Reihen der eigenen Partei Schwierigkeiten zu überwinden hatte, ehe er, einer der berufensten Wlrsschastskenner, in den Reichswirtschaftsrat von der Regierung nominiert werden durfte. Dieses Verhallen der Fraktion war um so bedauerlicher, als Rathenau durch ihren Beschluß in den Verdacht der Untreue gegen Dr. wirth gelangen konnte, der Rachenaus Mlnlsterschaft allen Bedenk«» und widerständen der Parteien abgerungen halte. i i—— n———— a ir s e ii eingerichtet. Sie»crichickt auch in den tlewiten Ort nn halbjährlichem Wechsel in Bii Artisten, die gleich ol» Regal» dienen, nach freier Wahl der Empfänger. Ungarn und die kleine Entente. Aus verschiedenen Quellen wird gemeldet, die kleine Entente habe der ungarischen Regierung das Ultimatum, in dem die Auslieferung Karls und die Abrüstung Ungarns unter Bürgschaft verlangt wird, bereits überreichen lassen. In hiesigen gutunierrichteten Kreisen hält man diese Nachricht für verfrüht. Immerhin werden die militärischen Bor- bsreitungen fortgesetzt und man dürfte sich auf feiten der kleinen Entente kaum mit der Jnternierung Karls begnügen. Man hält es auch weiterhin für unbedingt geboten, Ungarn zur Abrüstung zu zwingen und wird sich auf keine Scheinaktion einlassen.. Um Karl. Dudapesi, 26. Oktober.(WTB.) Exkönig Karl und Exkönigin Zita sind Mittwoch morgen aus Tata nach Tihany in das B ene- diktinerkloster gebracht worden. Prag, 26. Oktober,(WTB.)«Pravo 2idu* meldet, daß der Ministerrat beschlossen habe, der Nationalversammlung einen Gesetz- entwurf zu unterbreiten, nach dem der Großgrundbesitz des karlistifchen Adels unverzüglich beschlagnahmt werden soll. Hejas in Oedenburg. Budapest, 26. Oktober.(WTB.) Seit heute mittag ist Oeden- bürg von Banden unter dem Kommando des Oberleutnants Hejas besetzt. Hejas hat die in Oedenburg befindlichen Leziti- misten entwaffnet. In Budapest wurde eine amtliche Bekannt- machung veröffentlicht, in der die Tätigkeit des Oberleutnant» Hejas gegen die Putschisten lobend hervorgehoben und mitgeteilt wird, daß er sich jetzt in Oedenburg befinde und bereit fei, die Stadt beim Eintreffen der zur Aufrechterhaltung der Ordnung erforderlichen Kräfte wieder zu räumen und sich der Generalskommission zur Ver- fügung zu stellen. Rakooszky, Andrassy und Gratz sowie die Führer der Aufständischen, Major Osztenburg und Oberstleutnant Kurz. sind nach Budapest gebracht und in gerichtlichen Gewahr- j a m genommen worden. Die Abgeordneten Beniczky und Szmrecsanyi, di� ebenfalls der Urheberschaft des Handstreichversuch» beschuldigt werden, haben sich freiwillig gemeldet und sind in Polizei- hast genommen worden. Budapest— München. München. 27. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Zu den Mel- düngen der österreichischen Regierung über die Beteiligung bayerischer Bölklinge an dem Karlistenputfch in Ungarn erhebt die bürgerliche- Presse Münchens ein großes Entrüstunzs- geschrei und gibt ihr Unbehagen zu erkennen über ihre»wenig ireundnachbarliche Gesinnung". In diesem Zusammenhange ist es vielleicht von Bedeutung, daß der ehemalige Stabschef der baye- rifchen Einwohnerwehr, Graf Kirchner, und der Stabschef der Tiroler Iugendgruppe zu Besprechungen in Budapest während der letzten Woche erwartet wurden und daß zwischen München, Innsbruck und B u d a p e st, wie wir bestimmt wissen, in der letzten Zeit ein umfassender„Kurierdienst" von Angehörigen ehemaliger Zeitfreiwilligenoerbände bestand. �rbeitslosenelend. Labour Party gegen die englische Negierung. Coudon. 27. Oktober.(MTB.) Bei der gestrigen Erörterung der Arbeitslosenunterstützung im Unterhause verließen die Arbeitermitglieder, unwillig darüber, daß sie keine größere Zuwendung von feiten der Regierung für die Unterstützung der Arbeiterfamilienglieder erlangen tonnten, unter heftigem Einspruch da» Hau». Die ArbeUerpartei beschloß, ein« Abord» nung an Lloyd George zu senden und ihn dringend zu ersuchen, den Beitrag für Kinder von Erwerbslosen zu verdoppeln. Asguith unternimmt einen Redefeldzng. A e q u i t h eröffnete gestern feinen polltischen Hcrbstfeldzug mit einer Rede in Tunbridge Wells, in der er die irische, die russische und die mesopotamische Politik der Regierung, wie die Behandlung des Arbeitslofenproblems einer scharfen Kritik unierzog. Asquith forderte zur Behebung der Erwerbslosigkeit und zur Förde- rung des Handels Streichung der internationalen Schulden und vor allem eine Revision des gesamten R e» parat ionsplanes. Riescndemonstration in Kopenhagen« Kopenhagen, 26. Oktober.(EP.) Heute kam e» hier zu einer großen Arbeiterdemonstration gegen die von der Regie- rung vorgelegten Arbeitcrgesetze. 2 5 000 Menschen zogen nach dem Reichstagsgebäude. Dem Minister des Innern wurde von einer Deputation eine Resolution vorgelegt, in der für die Arbeitslosen Arbeit verlangt und gegen jeden Versuch, die Löhne zu r e d u- zieren, protestiert wurde. Die Demonstration nahm einen durchaus ruhigen Verlauf._ Die Genfer flrbeitskonferenz. Senf. 26. Oktober.(MTB.) In der heutigen Sitzung der Internationalen Arbeitstonferenz wurden die Vize Präsiden- ren bestimmt. Es wurden gewählt: 1. für die Regierungen de Syloa Braga-Brasilien, 2. für die Arbeitgeber Edström-Schweden, 3. für die Arbeitnehmer Iouhyux-Frankreich. Für den Ausschuh, der die in den Sitzungen zu behandelnden Fragen vorschlägt, wur- den gewählt: 1. für die Regierungen Godarel-Frankrcich, 2. für die Arbeitgeber Edström-Schweden, S. für die Arbeitnehmer Sotol- Polen. Die Versammlung begann hierauf die Debatte über die g r u n d- s ä tz l i ch e n Fragen, namentlich darüber, ob der Verwaltungsrat zuständig sei, die Anwendung der Washingtoner Beschlüsse betref- send die allgemeinen wirtschaftlichen Arbeitsbedingungen auf die Tagesordnung zu fetzen. Frankreich und die Schweiz hatten sich bi» jetzt dagegen geäußert, die südlichen Staaten traten jedoch dafür :in. I o u h a u x- Frankreich trat für Anwendung der Wa'hing- toner Beschlüsse auf die tandwirlschaftlichen Verhält» nisse ein. Nachdem sich noch die Vertreter Kolumbiens. Chiles, Indiens, Großbritanniens, Belgiens, Hollands und der Schweiz zu der Frage geäußert hatten, wurde beschlossen, die Sitzung aufzu- heben, um morgen zunächst die Kompetenzfrage, d. h. ob die Versammlung berechtigt ist, die Frage der Festsetzung der Ar- bcitszeit, in den landwirtschaftlichen Betrieben auf die Tagesord- nung zu setzen, zu erledigen. Das Komitee des Internationalen Gewertfchafts- b u n d e s, bestehend aus Thomas-England, Jouhaux-Frankreich, Mertens-Belgien und Hyman» und Ouoegeft�olland, richtete«ine Denkschrift an die> D. legierten des Internationalen Arbeits- kongresses, in der sie ersuchen, daß an Stelle de» von der holländi- schon Regierung als Arbeiterocrtreter nach Genf enffandten Sarra- rens, der aus einem Konglomerat von kleinen Arbeiterorganisa- tionen und dem holländischen Gewerkschaftsbund hervorgegangen fei, Oudegest, der Sekretär des Internationalen Gewertschafts. dunde«. als Delegierter der holländischen Arbeiter« s ch a f t bezeichnet werde. GroßGerlln die Klonte- Gläubiger. Die erste Gläubigeroersamtylung In einem der größten Kon- kurs«, den man bisher kennt, fand heute vormittag im großen Schwurgerichtssaal des neuen Iustizpalastes in Moabit unter dem Dorsitz des Amtsoerichtsrats Schulze statt. Man hatte aus den Er- fahrungen der Gläubigerversammlung im Köhn-Konzern gelernt und infolzedessen diesmal eine bessere Organisation durchgeführt. Personen, die mit dem Konkurs nichts zu tun hatten, kamen nicht in den Saal. Rur wer im Besitz eines Dividendenscheines war. fand Zutritt. Trotz alledem herrschte ein riesiges Gedränge. Unmittel- bar nach Eröffnung der Gläubigerversammlung durch Amtsgerichts- rat Schulze beantragte Rechtsanwalt Stern als Vertreter der Gläubigergruppe Kämpf-Hohcndorf die Vertagung der heutigen Gläubigerversammlung mit Rücksicht darauf, daß da- Landgericht III am morgigen Freitag über die Beschwerde gegen den Konkursantrag zu befinden habe. Der Antrag wurde sedoch mangels gesetzlicher Gründe hierfür vom Gericht abgelehnt.— Hierauf beantragte Rechtsanwalt Blum- berg, der Verteidiger Klantes, die Borführung feine« Klienten, da dieser den dringenden Wunsch hob«, sich selbst vor seinen Gläubi- gern zu rechtfertigen.(Stürmische Bravorufe.) Der Untersuchungs- lichter habe die Borführung Klantes wegen Fluchtverdacht abgelehnt. Auch dieser Antrag wurde abgelehnt. Dann erstattete Konkurs- Verwalter Wunderlich den Bericht. Er kennzeichnet« zu Beginn(einer Ausführungen den Gemein- schuldner Klent«, der 1919 als Reisephotograph und Zeitungsaus- träger 20.64 M. Steuer bezahlte, während er 1920 und 1921 zu einer halben Million Mark Steuer veranlagt war. Klante fei nicht der„geborene" Betrüger, doch habe ihm fein von großem Glück begünstigter Idealismus zu immer größeren Transaktionen verleitet, denen er nicht gewachsen war Reben dem Konkurs de» Klante-Konzerns läuft der der Max Klante u. Eo., G. m. b. H., die im Dezember 1920 Max Klante mit 4Z0000 M. begründet hatte. lieber die Entstehung der Zahlungsschwierigkeiten vermochte der Konkursverwalter keine genauen Angaben zu machen, da die Bücher Klantes so gegen alle kaufmännische Sorgfalt geführt waren, daß die beeidigten Revisoren zu einem vernichtenden Urteil ge- kommen sind. Die Dar- und Sachwerte. Aus dem Postscheckguthaben flössen der Konkursmass« 12 806 000 Mark zu, au» der Köpenick«? Bank S,8 Millionen, von Bertretern 20 000 M.. au« dem Rennstall SS4 000 M., aus dem Finanzamt Dresden 2 Millionen, aus dem Finanzamt Lübeck 84 000 M. Zwischen Makulatur versteckt fand sich«ine Kriegsanleihe in Höhe von 600 M., bei der Köpenicker Bank lagen an Effekten 21 216 M., so daß dl« Gesamtsumme der Geldwert« auf 21 300 000 M. gezählt wird. Der Rennstoll Klantes ist auf 200 000 M. zu schätzen, die drei Auto» auf 120 000 M., die Bureaueinrichtung auf 100 000 M., eine Villa und«ine Druckereimaschine werden auf 280 000 M. ge- schätzt, so daß insgesamt auch hier 700 000 M. herauskommen. Insgesamt repräsentieren die Aktiven etwa 23 Millionen Mark. Hiervon sind etwa 5 Millionen für Angestellte, Finanzämter usw. in Abzug zu bringen,(o daß nur 17 Millionen Mark für ovrrechtslvse Forderungen verbleiben. Die Finanzämter, die 8— 10 Millionen beschlagnahmten, wollen jedoch mit dem Konkursverwalter verhandeln und ihre Forderungen ein- schränken. Di« Versammlung ging bei Schluß des Blattes noch weiter. Tragisther Toö eines Mensthenfreunöes.. Von dem Deuffchen Eisenbahneroerband erhalten wir folgen- den beachtenswerten Bericht über ein höchst bedauerlichen Vorgang mit tragischem Ausgang, dem wir wegen der grundsätzlichen Ein- stellung de» Verbandes zu einer wichtigen Kulturfrage gern Raum geben. „Auf die traurigen und fürchterlichen Folgen des unsinnigen Alkoholgenusse». welch« besonders in der letzten Zeit häufig in Er- scheinung traten, ist sehr oft in der Presse hingewiesen worden. Leider treffen die Auswirkungen In vielen Fällen solche Personen, welche nicht betrunken ssnd und sich bemühen. Bezechten zu helfen. Ein solcher besonders bedauernswerter Fall ereignete sick in der Nacht vom 16. zum 17. Oktober d. I. auf dem Bahnhof Stralau- Rummelsburg. Der Arbeiter Gustav Sydow, Berlin-Lichtenberg wohnhaft, kam um 11.49 Uhr aus dem betreffenden Bahnhof an. Ein stark angetrunkener Freund gebärdet« sich ziemlich auffällig und macht« sich unangenehm bemerkbar. Svdom, der kein Freund von solch lärmenden Szenen war, versuchte den Betrunkenen zu beruh!» gen. Wie so oft bei solchen Vorkommnissen, wnrde dieser aber un- gebärdig und stieß den Sydow angeblich unbeabsichtigt vor die Bruit. Sndow kam zu Fall, liel unglücklicherweise unter den fahrenden Zug und wurde sofort getötet. Unüberlegtheit und mangelnde Energie de» einzelnen, der nicht Herr seiner selbst ist. um den übermäßigen Alkoholgenuh zu unter- lassen, aber auch da, nicht scharf genug zu verurteilende Vergnüoen von leider gewissenlosen Kollegen, einem anderen einen ordentlichen Rausch zu verschaffen, sind Ursache zu solchen traurigen Vorkomm- nissen. Ei ist endlich an der Zeit, daß daraus ge- sehen wird, daß solch» Saufereien unterbleiben »nd daß man seine Freizelt zun wichtigerem Rachdenken und zur Weiterbildung benutzt. Kamps dem Ausbeuter und dem Kapitalis- mos! heißt es. In Wirklichkeit stärkt man den Schnapsmagnaten, unseren größten Feinden, den Rücken. Wenn es ganz ohne einen Schnaps und Bier bei vielen nicht geht, so sollte man doch endl'ch anfangen. Maß und Ziel zu halten. Unser Zeit braucht klare Köpff» und die Selbstbduselung muß endlich aufhören. Im Verkehr mit Betrunkenen aber lasse man äußerste Vorsicht walten, und wenn es nicht anders geht, ersuche man ander« Mitmenschen um Hilfe." « Kursus über die Alkoholfragc. Die Berliner Ortsgruvpe des Arbelter-Abstlnenten-Bundes veranstaltet zur Aufklärung über die setzt wieder wachsende Alkoholgefahr«ine Reihe von Borträaen kür Erwachsene und Jugendliche. Die Themen der einzelnen Borträae lauten:„Der Alkohol vor dem Forum der ärztlichen Wissenschaft". Referent Genosse Dr. S. Drucker.„Altohol und Klassenkampf." Reserent Genosse Ehr Wurm.„Das Alkoholkavital." Referent Genosse G. Davidsohn.„Alkohol und freie Jugendbewegung." Re- ferent Genosse P. Plottke. Außerdem LIchtbilderivrfülmungen. Die Vorträge finden an jedem Sonnabend, vünktlich 714 Uhr abend», im Zeichensaol der Sophien- Schul«, Weinmeister« st r a ß e 16il7, statt. Der Kursus beginnt am Sonnabend, den 29. Oktober 1921. Der Eintritt Ist unentgeltlich. vie Seneralverfammlun� öer Konfumgenossensthast. Ein erfreuliches Bild voß der Entwicklung de» Konsum- genossenschaftswesen» entrollte der Jahresbericht, der am Miitwoch- abend in der Generaloersammlung der Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend, die in der„Reuen Welt" tagte, erstattet wurde. Nach dem Bericht sst in dem abgelaufenen 22. Geschäftsjahr der Ve'amtumsatz aus 233 989 073 HL gestiegen gegen 140 533 486 Mark im Vorlahr». Der Reservefonds beträgt 1 629 000 M.. an eigenen Betriebsmitteln sind 49 343 402 M. vorhanden. Den Mit- gliedern kann eine Rückvergütung von 3 151 137 AI. gewährt werden. Der genannte Umsatz wurde in 162 verkauft- Stellen, unter denen sich vier tonsumgenossenfchaftlich« Warenhäuser itfinden, erzielt. Am Schluß de» Geschäftsjahres waren 2216 Per- fönen im Betriebe beschäftigt. Die Herstellung von Mineralwasser hat einen bedeuten- den Umfang angenommen, namentlich hat das Gstränit bei den Arbeitern in größeren Industriebetrieben gute Aufnahme gefunden. Während im Borjahre nur 711600 Flaschen abgesetzt wurden, stieg die Zahl in diesem Jahre auf 2 503 000 Flaschen. Im Gelchüsts- jähre wurde auch eine Konditorei in Betrieb genommen, die i bisher schon einen guten Aufschwung zu buchen hat. Ferner wur- den 12 neue Verkaufsstellen für Lebensmittel eröffnet. Demnächst soll in der Rvstnenstrahe in Eharlottenburg noch ein neues, das größte Warenhaus eröffnet werden Die Sparkasse der Genossenschaft hat ebenfalls einen großen Aufschwung zu verzeichnen. Der Bestand sti»� von 30 578 461 M. im Barjahre auf 37 683 �2 M. Ein neu geplantes Unternehmen ist dt« Errichlung vou Schlächterläden in Groß-Scriin. Man will sich jedoch damit nicht begnügen, sondern neben dem Berkauf von Frischfleisch auch die Versorgung mit Gefrier- fleisch einführen, das sich um etwa den dritten Teil billiger stellen wird. Auch auf die Erweiterung des L e r f i ch«- rungswefens soll besonders hingewirkt werden. Nachdem Genosse M i r u s oen Geschäftsbericht erstattet und mitgeteilt hatte, daß von dem Ueberschuß 114 Proz. an die Mit- glieder rückvergütet werden sollen, erklärte Genosse Lange im Namen des Äufsitchsrats, daß sowohl Geschäftsbericht als auch Buchführung vollständig in Ordnung befunden worden seien. In der darauf folgenden Aussprache, die den größten Teil des Abends in Anspruch nakm, wurde der Geschäftsbetrieb von mehreren Rednern bemängelt Einer von ihnen sprach von „Zuckerschiebungen" und ein anderer verlangte von der Leitung der Genossenschaft, sie solle sich auf revolutionären Boden stellen. Dem ersteren wurde an der Hand von Taffachen nachgewiesen, daß beim Zuckereinkauf wie auch beim Berkauf ganz korrekt ver. fahren worden ist. und dem anderen wurde erklärt, daß e« Sache jede» Genossen sei. sich eurr ihm passenden Partei anzuschließen. Di« Genossenschaft als irlche müsse unter den gegebenen Verhält- nissen auf neutralem Boden stehen. Hierauf wurde die übliche Ent- lastung gegen wenige Stimmen auegesprochen und ebenso gegen einige Stimmen die Bilanz genehmigt. Der Antrag des Borstandes, aus den Mitteln, die nach Abzug der an die Mitglieder zu zahlenden 1Z4 Proz. Rückvergütung verbleiben, 20 000 M. dem Reservefonds und den Rest dem Spezial- reseroefonds zu überweisen, wurde angenommen. Zwei Entschließungen lagen der Verlammlung vor. Die erst« protestiert gegen die geplant« Erhöhung der Umsatz. steuer von 114 auf 214 Proz., wa» ein« unerhörte Belastung für die ärmere Bevölkerung bedeuten würde, weil durch die hohe Steuer die allernotwendigsten Lebensmittel verteuert und die Geschäfte mit ganzer Schärfe er- faßt werden, die, wie die Genossenschaften, ihre Umsätze genau verbuchen. Die zweite Entschließung, die sich gegen den Kar- tofselwucher wendet, ist bereits in unserer Morgenausgab« veröffentlicht worden. Die erste Resolution wurde gegen einzelne Stimmen, die zweite einstimmig angenommen. Hierauf wurde zur Wahl der 6 Aussichtsratsmitglieder und 6 Erfatzmitglieder geschrillen. Es wurden für die vom Genossen- fchaftsrat vorgeschlagene Liste 2317, für die gegnerische Liste 1300 Stimmen abgegeben. Gewählt ssnd hiernach in den Aufsichtsrat: Karl Fritz, Robert Henkel, Leopold Iacnbowski, Franz Liese, E. Michaelis und Georg Vieth. Als Ersatzmänner Paul G r a h l, Karl Günther, Emil K a m j u n k e, Gustav Menzel, Hugo W a l t h e r und Wilhelm Zimmermann. Der„Kaiser von Marokko". Vor einigen Tagen berichteten wir über die Festnahme einiger Mitglieder der ehemaligen„Weddingkolonne", die«in wahrer Schrecken für die Restaurateure waren. E« handelt« sich um sieben hünenhafte Männer, von denen man vier dingfest gemacht hatte. Dl« übrigen drei,«in Friedrich Stein, ein Walter Günther und ein Her- mann Stahl, genannt„Lockenede", wurden gestern ebenfalls ermit- lelt und hinter Schloß und Riegel gebrächt. Stahl hatte sich, als er die Verhaftungen der vier«�genannten Spießgesellen erfuhr, schleunigst in ein« Irrenanstalt geflüchtet. Hier spielte er den Kaiser von Marokko und beschuldigte sich auch, seine Frau ermordet zu haben. Die Kriminalpolizei entlarvt« den„Kaiser" sehr bald und nahm ihn fest.„Lockenede", ein Hüne an Gestalt, hatte in geheuchelten Tob- suchtsanfällen die Sicherheitsstäbe seiner Zelle wie dünne Drähte krumm und schief gebogen. Alle von den sieben Männern Geschä- digten werden jetzt ersucht, sich bei dem Leiter der Streismannschast im Zimmer 75 des Berliner Polizeipräsidiums zu melden. Die?ln- führcr der Tande, die Brüder Schliemann, stammen im Gegensatz zu den anderen Verbrechern aus sehr achtbarer Familie.. falsche FernspretH-Kontrokleure. In letzter Zett haben, wie die Obcrpostdireltion Versin mllleitt, wiederholt unberechtigte Personen Zutritt zu den Wohnungen von Fernsprechteilnehmern gesucht und gesunden, die vorgaben, vom Fernsprechamt oder einer anderen Dienststelle der Reichs-Postver- waltung mit der Durchprüfung der Sprechstclle beauftragt zu sein. Solche Personen benutzen dann einen unbewachten Augenblick, um Eigentum des Wohnungsinhabers zu entwenden. Es wird deshalb darauf hingewiesen, daß alle Beamten und Arbeiter der Reichs-Post- und Tclegraphsnverwaktung. d'e mit Sgrechstellenarbeiten betraut werden, einen amtlichen persönlichen Ausweis bei sich' führen, auf dessen Vorzeigung die Fersprechteilnchmer in sedcm Falle bestehen sollten, bevor sie den Zutritt zu ihrer Wohnung gestatten. Eine ähnliche Mahnung zur Vorsicht ist bereits im„Amtlichen Fern- sxrechbuch für Berlin und Umgegend" auf Seite 4 enthalten. vor der Wiederaufnahme des Sraskdroschkenoerkehr». Gemäß dem in der Berliner Krastdroschkenversammlung am Montag ge- faßten Beschluß,»pird am morgigen Freitag eine neue Versammlung der Kraftdroschkeybesitzer im Lehrervercinshans zusammentreten, in der dann über die Wiederaufnahme des Kraftdroschkenverkehrs be- schlössen werden soll. Bedingung für die Wiederausnahme ist je- doch, daß da« Pokizcivräsidium bi» zum morgigen Tage die Ver- ordnung betreffs Einführung der Ivsachen Autoiaxe ausgearbeitet und veröffentlicht haben wird. ver vollendorsplaß, der jahrelang wegen der dort zur Aue- führung gelangenden Untergrundbahnbauten von Bauzäunen ein- gesäumt war. ivird nunmehr, nachdem die hauptsächlichsten Rohbau- arbeiten ousgefübrt und die ertordcrlichen Ausschüttungen oorge- nommen worden sind, seine ursprünglich« Gestaltung wieder erhalten. Schon jetzt werden die Vorarbeiten für die Wiederherstellung de? gärtnerischen Schmuckanlagen begonnen. Am Albambra-Narieit»m Moriaplah findet am stv«it«q der zweite Ellte-Ndend statt. Ruder dem umwnqreirben vktobcr.Vroaramm mit dem Ballett Eelly de Zlhevdt willen a!s Gäste Heimich Peer»nd Martha Iaeckel w Szene.Die Dame ohne Kleid" mit. Wetter für morgen. lperli««nd Umgeaend. Mild, j-dech llberwieaend bewZltt«nd«iwa» nebelig bet mäßigen westlichen Winden. Keine erheblichen NiednfchlSge. Grosi-Serlinee parteinack»richten. Heule. Donnerstag, den 27. Oktober-. d Srete, rieegart»», Abt. 8—13. Di, Frauenverfammluna MI au«. 7.«ret».«h,rl»ttenb»r?. Di, für heul« adend In d« Lildniz-tberruilschul« idfiges cht« Milgliedeeversammlung fälle dringender«drünfi« wegen au«. II.»««»« CUhtfitra: 7 Ufte RUgIicd«r»r?srminl>-»« In der Schul- auta Rurttsirnß« 10. Thema:.Der«öriche: Parteitag".— SUstrciU: Cum fchmon*. GewerGHostsbewegung Sauarbeitermangel und Umschulung. Der Vorstand des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes hat im Austrage der Vauarbeiteroerbände dem Reichsarbeits- Ministerium eine Denkschrift iidcr die Maßnahmen zur B e h e- bung des Bouorbeitermangels überreicht. Sie stellt dabei in den Vordergrund die Forderung, daß künftig eine plan- mäßigere Verteilung der Bauarbeiten auf das ganze Zahr erfolgen muß, um die iin Baugewerbe typische pcrio- dische Arbeitslosigkeit zu vermeiden. Eine gründliche Behebung des Mangels läßt sich nur durch vermehrte Lehrlings- Haltung und Hebung des Lehrganges erreichen. Für die lächer- lich geringe geldliche Entschädigung, wie sie heute üblich ist, wird ober kein Vater den Jungen in die Lehre geben können. Die Zuriickführung der zu anderen Berufen abgewanderten Arbeiter wird erst möglich fem, wenn den Betreffenden annähernde Gewißheit geboten werden kann, daß die Beschäftigung, eine dauernde ist und daß sie mindestens gleich gute Bedingungen wie im bisherigen Beruf finden. Die Denkschrift lehnt irgendwelche Zwangsmittel bei der Zurückstihrung als un- geeignet ab. Für die Umschulung von Hilfsarbeitern stellt sie eine Reihe von Leitsätzen auf. Es sollen hezirklich und örtlich paritätische Uinschulungsausschüsse gebildet werden. Umzuschulen sind Hilfsarbeiter oder Baugewerbler minder gut beschästig- ter Branchen im Alter von 18 bis 25 Jahren. Der endgültigen Einstellung als Lehrling soll eine Prüfungszeit voraufgehen. Die Lehrzeit soll ein Jahr betragen, sofern nicht für besondere Ge- werbe(Zimmerer) infolg« besonderer fachlicher Schwierigkeiten eine längere Lehrzeit notwendig ist. Den Lernenden ist der Tarif- lohn für Hilfsarbeiter zu garantieren. Die Lehre selbst untersteht der Kontrolle des Ausschusses, um Mißbrauch zu ver- hindern. Um die Einstellung von Umzuschulenden zu erreichen, soll die Vergebung öffentlicher Bauten von diesbezüglichen Vor- schriften abhängig gemacht werden. Auf den in der Denkschrift gezeichneten Wegen läßt sich die Lösung des so brennenden Problems finden. Di« Gewerkschaften sind sich der Notwendigkeit, für die Durchführung der Bauten ge- nügende Arbeitskraft zu sichern, durchaus bewußt. Ihre Mithilfe ist gesichert, aber nur dann, wenn auch die Unternehmer gewillt sind, alle diesbezüglichen Fragen gemeinsam mit den Ge. werkschaften zu lösen. Ein sich an einigen Orten zeigender Wider st and der Bauarbeiter gegen die Maßnahmen, insbesondere gegen die Umschulung, ist unklug. Wenn auch zu begreifen ist, daß diese Arbeiter nach den langen, trüben Zeiten den Vorteil der besseren Konjunktur festhalten möchten, so sollen sie nicht vergessen, daß, wenn sonst nur die Bedingungen für ver- mehrten Bau gegeben sind, der ungesättigte Hunger nach Wohnun- gen alle Hindernisse niederrennen wird, zum Schaden der Arbeiter selbst. Zum Kampf im Gastwirtsgewerbe. Wie schon durch ihre Zustimmung zu dem Schieds- s p r u ch des Schlichtungsausschusses, haben die Ange st eilten auch g e st e r n wieder bei den Verhandlungen durch ihre Z u- st i m m u n g zu dem Einigungsoorfchlag des Vorsitzende», die Arbeit sofort wieder aufzunehmen und die Entscheidung einem unpartei- ischen Schiedsgericht zu überlassen, den Beweis erbracht, daß es ihnen darum zu tun ist, zu einer annehmbaren Verständigung zu kommen. Die A n g e st e l l t e n waren jederzeit zu Verhandlungen bereit. Di« Arbeitgeber dagegen verschanzten sich immer wieder hinter den„Ausschreitungen", um Verhandlungen aus dem Wege zu gehen. Nachdem sie sich nun endlich dazu bereit fanden, zeigte es sich, daß ihre Vertreter gewissermaßen mit gebundenem Mandat erschienen waren. Sie lehnten sogar ein« Er» klärung ab, ihrer heutigen Versammlung die Annahme des Ei n i g un g s v o rsch log s zu empfehlen! Hoffentlich stimmt die Versammlung der Arbeitgeber dem Vor- schlage dennoch zu. Entzieht sie sich der Möglichkeit einer sofor- tigen Beilegung des Streiks und der Aussper- rung und damit natürlich auch aller Begleiterscheinungen dieses Lohntampfes, dann tragen die Führer im Unternehmer- lager die volle Verantwortung für die Folgen. « Der Syndikus des Vorstandes der Arbeitsgemeinschaft der Arbsitgeberverbände. im Gastwirtsgewerbe Groß-Berlins, Herr Rechtsanwalt H a m p e, sendet uns zu unserem Bericht über die Arbeitgeberversammlung am 21. Oktober in der Sonntygnummer des..Vorwärts" folgende Richtigstellungen: l. Es ist unrichtig, daß ich in einer Versammlung behauptet habe, die Streikenden hätte« am 1. Ncvember kein Geld zur Miete und kämen dann betteln. 2. Es ist unrichtig, daß ich behauptet habe, daß die Betriebsräte auf keinen Fall wieder eingestellt wür- den. 3. Es ist unrichtig, daß ich den im übrigen frei erfundenen angeblichen Ausführungen des Herrn Hegewald, der Demobil. machungskommisiar sei nur der Handlanger der Arbeitnehmer, zu- gestimmt habe. Er sei vielmehr der Ueberzeugung, daß die Gewerkschaften, wenn� sie wollen, die Streikunterstützung auch noch lange zahlen können: er habe lediglich die gesetzlichen Bestimmimgen über Eni- läsiunq von streikenden Angestellten, darunter auch für Betriebs- räte, in absolut objektiver Weise erläutert und nach der Rede des Herrn Hegewold überhaupt nicht mehr gesprochen'. Streik in den Konditoreien bevorstehend. Die Konditoreibesitzer, welche erst für sich die Zwongsorgani- sotion(Zwangsinnung) geschaffen hoben, wollen jetzt daran gehen, die ihnen von jeher verhaßte Organisation der Arbeitnehmer zu zertrümmern. Sie wollen keinen Lohntarif. Trotz der hohen Preise, welche fn den Konditoreien genommen werden, wollen die Herren Löhne zahlen, wie es ihnen gefällt. Sie kündigten den paritätischen Arbeltsnach- weis: die Arbeitnehmer sollen wieder von Betrieb zu Betrieb laufen und sich zu jeder Bedingung anbieten. Sie kündigten den Tariß nachdem sie. mit dem Gcwerkoerein der Bäcker und Konditoren (H.-D.) einen Tarif abgeschlossen, jede weitere Lohnerhöhung ausschließt. Hier spielt der Gewcrkverein die Rolle der Gelben. Alle Versuche der Organisation, eine Verständigung, herbeizu- führen, sind an dem Starrsinn der Arbeitzeber gescheitert.' Wir sind gezwungen, in den Abwehrkamps einzutreten. Führer der Arbeit- geber verlangen von ihrem Personal, daß sie nicht dem Ver- band angehören dürfen. Die Organisation soll mit allen Mitteln vernichtet werden. Diesen scharfmacherischen Plänen muß ein Paroli geboten wer- den. In einer am Dienstag, den 1. November 1921, abends 7 Uhr, in den„Sophiensälen". Sophienstr. 17/18, stattfindenden Per- sammlung wird das Konditorcipersonol zu dieser Frage Stellung nehmen und weitgehende Beschlüsse fassen. Zentrolverband der Bäcker, Konditoren und verwandten Berufsgenossen Deutschlands. Tarifverhandlungen der städtischen Angestellte«. Nachdem die neuen Vorschläge der Angestellten der Berliner städtischen Werke, die dem Magistrat als Grundlage für die Tarif- Verhandlungen überreicht worden waren, vom Magistrat abgelehnt wurden, wird heute nachmittag im Reichsarbeitsministerium ein Schiedsgericht zur Schlichtung des Streitfalles zusammentreten. Den Vorsitz führen drei Unparteiische, darunter der frühere Finanz- minister Lüdemann. Unter den vom Magistrat entsandten Beisitzern befindet sich der Stadtkämmerer Dr. Karding. Sollte es zu keiner Verständigung kommen, wird das Schiedsgericht einen Spruch fällen. Arbeitsbeschastung für Ausländer. Die Arbeitslosigkeit der Arbeiter in Berlin und seiner nächsten Umgebung ist so groß, daß wiederHoll von den zuständigen Stellen Mittel bereitgestelll werden mußten, um die allergrößte Not zu lindern. Mit Geld ist hier aber wenig getan, die beste Lösung kann nur die Beschaffung von Arbeitsstellen sein; deshalb sind ja auch Millionen für Nofftandsbauten bewilligt worden. Durch Vermittlung des Landesarbeitsamtes konnte ein Teil der Arbeitslosen im vergangenen Sommer in der Torfindustrie, welcher in Zukunft durch die Abgabe des größten Teiles unserer Kohle an Polen noch größere Bedeutung wie früher zukommt, untergebracht werden. Hie? scheint man in Zukunft wieder mehr Ausländer oerwenden zu wollen, denn der L o n d r a t des Kreises Teltow erließ in der Prooinzpresse eine Auf. forderung an die Arbeitgeber der Landwirtschaft.und der Torf» » n d u st r i e, die im Jahre 1922 ausländische Arbeiter b«. schäftigen wollen, bis 15. Ottober einen entsprechenden Antrag an ihn zu richten und die Genehmigungsscheinc für 1921 beizufügen. Diese„Bekanntmachung" muß geradezu anreizen, ausländische Arbeiter anzufordern und läuft den Bemühungen des Landes- arbeitsamtes, hiesige Arbeitslos« in solchen Betrieben unterzubrin- gen, unseres Wissens direkt entgegen. Wohin sollen wir aber kommen, wenn Maßnahmen einer Behörde immer wieder von einer anderen durchkreuzt werden? Der Landrot des Kreises Niederbarnim soll eine ähnliche Aufforde- rung erlassen hoben. Auf jeden Fall müssen wir verlangen, daß zunächst Beschäfti- gung für die hiesigen Arbeitslosen geschaffen wird und daß Aus- länder nur in äußerst beschränktem Maße zugelassen werden, wo «ine Besetzung durch Deutsche nicht möglich ist. Was sagt übrigen» das Brandenburgische Landesorbeitsamt hierzu?_ Lohnzulageu der Wagen- und Karosseriearbetter. Ein« äußerst zahlreich besuchte Dollversammlung aller in Wagen- und Karosseriefabriken beschäftigten Arbeiter nahm am Millwoch den Bericht ihrer Verhandlungskommission entgegen, den Henschel erstattete. Gemäß dem Beschluß der letzten Vollver- sammlung wurde mit den Fabrikanten auf der Grundlage der allen Forderungen verhandelt. Es wurden demnach Stundenzu- lagen von 1,60 M. für Facharbeiter, von 2 M. für Hilfsarbeiter, von 1,30 M. für Arbeiterinnen und von 1 M. für Jugendliche ge- fordert. Im Laufe der Verhandlungen wurden im Hinblick auf Gegenvorschläge die Forderungen modifiziert. Nach manchem Hin und Her gestanden die Unternehmer für alle Kategorien(Fach- arbetter, Hilfsarbeiter, Arbeiterinnen und Jugendliche) eine Stun- denzulage von ILO M für die Zeit vom 15. Oktober bis zum 30. November zu und«ine weitere Zulage von 1 M. für die Zeit vom 1. Dezember bis zum 15. Januar. Nach der Dis- kusfion nahm die Bersammlung gegen wenige Stimmen das An- gebot an._ «ewerkschastsunlerkommission de- 14. Verwaltungsbezirkes. Freitag 7 Uhr bei Kasiuhn, Neukölln, Crkstr. 8, Ecke Donaustraße, Versammlung sämtlicher der Ortskrankenkasse Neukölln und Britz angeschlossenen Betriebe. Aufstellung der Delegierten zur Ausschußwahl. Jeder Betrieb muß den Obmann bzw. ein Be- triebsmitglied zu dieser Versammlung delegieren. Der nächste Gewerkschaftskongreß in Rom. Der Vorstand des Internationalen Gewerkschaftsbundes Amsterdam, dessen Mitglieder sich gegenwärtig in Genf befinden, hat beschlosien, den nächsten' inter- nationalen Gewerkschaftskongreß zum 20. April 1922 nach Rom ein- zuberufen. Mus aller Welt.- Schneefall im Teutoburger Wald. In den höher gelegenen Orten des Teutoburger Waldes und in Dod Meinberg trat gestern morgen der erste Schneefall ein. Die Temperatur ist stellenweise bis aus 2 Gad gesunken. Erdbeben in Italien..Secolo" meldet, daß in der Nähe von Massa-Carrara ein Erdbeben stattgefunden bat, da« drei Sekunden dauerte. Die Bevölkerung ist aus der Stadt geflüchtet. Der Schaden ist sehr groß. Wivtfdyaft Die stohlenprodukkion vom Januar bis September. Nach der vorliegenden Ueberjicht des Statistischen Reichsamtz läßt die deutsche Kohlenproduktion in den ersten Drcivierteljabren eine geringe Erhöhung der Kohlenförderung gkgen die Verglcichszeit des Vorjahres erkennen. Die Steinkohlenpro- d u k t i o n. die im September von 11,54 auf 11,60 Tonnen gestiegen war, erhöhte sich für die ersten neun Monate um annähernd fünf Millionen Tonnen, nämlich von 95,7 aus 100,6 Millionen Tonnen. Die Steigerung wäre wahrscheinlich noch größer gewesen, wenn nicht die Kohlenförderung Oberschlesiens durch die Unruhen noch der Abstimmungszett durch den Polenaufftand sehr beeinträchtigt gewesen wäre. Die Vraunkoblenproduktion stieg in den ersten Drei- Vierteljahren von 81.19 auf 90,82 Millionen Tonnen, die Produktion von Koks um rund 2% auf 20,76 Millionen Tonnen, die von Braun- kohlenbriketts um rund 3.3 auf 21,2 Millionen Tonnen. Zeigt die deutsche Kohlenförderung eine allmähliche Zunahme, wenn auch die Ergebnisse des Jahres 1913 noch längst nicht erreicht sind, so wird die Produttionsgrundlage des Kohlenberg» baues durch den Perlust eines Teiles von Oberschlcsien mit einer Förderung von 31,7 Millionen Tonnen jährlich ganz beträchtlich eingeengt. Vcrkaufsverbok an Ausländer im Rheinland. Im Hinblick av.f den Äu-Zverkauf im Westen hat der Oberpräsident der Rhetnprovhi, eine Polizeiverordnung erlassen, wonach der Kleinhandels- verkauf an Ausländer und die Vermittlung zum Verkauf an Ausländer zunächst bis einschließlich 5. November verboten find. Für das Verbot find verschiedene Ausnahmen festgesetzt. Im„Elektrakonzern", einem Elektrizitätskonzern, aut den der sächsische Staat maßgebenden Einfluß hat, erfolgt ein engerer Z u- samrnenschluß von mehreren Gesellschaften. Die Z w i ck a u e r Elektrizitäts- und Straßenbahn- A.-G., die Bogt- ländilchen Elektrizitätswerke A.-G. und die Erzge- birgifch-Vogtländische Bahn- und Elektrizitäts- A.-G. werden unter Führung der erstgenannten Werke zu den „Kraftwerken W e st s a ch s e n" zu einem einheitlichen Unter» nehmen zusammengefaßt. Dercmtw. für diu redalt. Teil: Herbert Lepere. Sertin: für Anzeigen: Th. Sl-cke. Berlin. Verlag: Barwärts-Verlag E. m. b. H., Berlin. Druck: Vorwärt»- Buchdruckerei und Berlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin, Lindenstr. 3. Gewinn-Auszug der 18. Preuß.-Südd.(244. Preuß.) ». Aloise. 11. Aiehunggtag. Klassen-Losterie 26. Oktober 1921. Qluf jede gezogene Mummer find ztvet gleich hohe Gewinne gefallen, und»Wae I» einer auf die Los» gleicher Mummer In den beiden Abteilungen I unb II Ohne«-währ. Nachdruck verbot:». I» der Sormittagtziehimg wurden«ewimie Uber 490 Mark gzog«: 2 an 100000 X 161670 2 IN 80000 M»9167 3 VN 10000 M 226468 32 in 6000 M 242 89719 116780 131303 179144 187780 198941 288380 281911 267147 271989 273052 274482 294867 294998 296288 104 VU 3000 M 9488 18995 22880 60286 74895 75636 75668 76345 84131 83862 93748 96593 98868 10141« 102938 108601 120845 128289 126 86 130414 183746 186857 143320 148770 15415« 184947 174883 178999 189-08 186930 191409 19173« 188975 208760 211810 211874 213190 322018 226607 230748 280992 331581 240880 243382 243833 244210 247550 254323 268248 281179 204439 299802 370 m 1000 M 3708 4008 8087 6338 8014 0084 6633 8062 7228 11966 12003 18036 13910 14030 18843 19770 19818 20963 23407 30433 37535 3786« 30318 39948 42837 43583 87282 62820 06757 67448 69090 89348 76693 76871 75929 76889 769:18 78763 88627 88866 90841 92714 93179 96418 33330 50398 89374 80104 97960 33379 82118 69629 81105 98473 34139 63876 69-88 81066 98567 36741 56463 76356 87044 86187 64607 72113 86624 100051 101977 103070 108094 108030 108327 107321 109648 113387 114352 116251 116349 118453 119713 119783 119843 120068 124282 128882 130933 139719 136895 139948 142193 142671 145692 146409 146706 140571 151858 164589 150188 159261 180848 180857 181887 192617 168673 166992 188187 168692 188787 187774 189168 170168 172811 176728 180092 180761 181189 181173 182812 187085 187728 180379 102100 19-817 193069 194489 198216 201336 202170 202631 202819 205257 208187 210192 212897 213397 214770 216878 216998 3l74>2 217040 217388 2:9162 219307 219740 220229 221399 222171 224281 229639 231769 237229 237041 243698 244178 248207 247600 261864 263682 286708 266086 268089 283500 264140 285346 288094 267260 269289 273267 274706 277247 260626 280699 285863 386433 291159 291763 293140 293186 283813 294240 204591 294788 297640 299682 I« der«ochmittagsziehuug wurd-u venlinne über 480 Morl gezogen: 2 n 60000 M 10418t 2 m 40000 M 78771 2 La 18000 M 80741 4 zu 10000 M 292268 297194 20 zu 5000 M 36442 67922 116281 120185 129118 183203 178718 195817 207211 288576 128 zu 3000 N 17916 19078 22982 28808 30180 41063 43303 46036 47029 54122«2098 88382 88349 72820 72833 88442 91202 162438 107887 .12818 118203 121512 122989 126284 182628 138770 146868 149284 182362 157642 183737 189852 174427 178978 180618 182918 184 48 186044 19008« 193453 198660 211879 213463 218120 222165 223839 223695 228736 230969 234212 244822 247193 282984 265385 266846 268969 271812 374189 276323 281608 287426 294482 295818 297382 364 ZB lOCO M 143 791 1224 1278 1662 3619 10347 11669 16799 17031 17527 18190 19091 21048 21826 23638 24277 27276 28044 28697 .9084 31297 32003 33 12 33592 36287 38628 39839 45900 46778 49014 50862 60770 61824 62758 64928 66081 87897 88202 80304 61188 61356 61818 63988 71241 76427 76838 80640 80683 82273 62784 837-8 85062 88049 88268 82131 92897 96647 88371 100715 102053 105078 106863 108731 110365 112689 113780 120386 121682 122746 126141 126339 127766 120362 128766 131201 132867 138602 136167 138167 139316 140130 141831 146001 148244 148385 149208 160220 152706 165114 162636 163288 171237 173208 179009 180861 162101 183976 169273 189477 190003 180602 182123 182674 194339 194991 196826 186600 188111 200022 200022 203837 204640 204609 205845 210063 210419 211142 212480 214066 214811 216712 216772 218921 219143 221888 223661 226373 226691 234719 23596# 237130 237678 237806 244132 246440 247426 240784 260504 262433 266934 266219 266607 266044 260382 260495 260909 262187 262806 263646 284618 274870 278063 277821 278490 278608 278994 279587 281878 281925 282063 232608 26-703 287749 286185 288200 289465 288749 290003 291093 291133 282778 283220 293232 297039 293697 298106 Sie in dem vorkteheuden Gewinn-vudzns nicht enthaltenen niedrigeren Gewinn« find and de« Liften zu erfedrn. die bei de« staatliche» Lotterie-Sinnehmer» zur nnenlgeiviiche» Stnficht andllegea. 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