flg. 509 ♦ ZS.�ahr�mg Ausgabe Ä Nr. 257 Bezugspreis: Lierteljilhrl. 86.— M., monatl. 1Z.— M. k-ej ms 5?aus, voraus zahlbar. Post- bezug: Monatlich 12,— M» einschl. tzu- ltellungsgebllhr. Unter Kreuzband Illr Deutschland, Danzig, das Saar- und Memelflebiet. sowie die eheuial» beut- schen Sebiete Polen», Oesterreich Ungarn und Luxemburg 22,— ÜIL, für das übrige Ausland 29,— M. Post- beftellungen nehmen an Oesterreich, Ungarn, Tschecho- Elowatei, Diine- Marl, Holland, Luxemburg, Schweden und die Schweiz. Der.Borwiirts" Mi» der Sonntags- beilag«„Voll und Reif, der Unter- baltungsbeilage«Helmwelr' und der Beilage„Siedlung und Kleingarten" ericheint wochentäglich zweimal. Sonn- tags und Montag« einmal. Telegramm- Adresse: „Sojicldetnoftal vnttof Morgen-Ausgabe Verlinev PolItöbJatI AuzeigeupreiS: Di» neungespaltene NvnpareUlczeile lostet S<— A!.„Slawe Anzeige»- da, lettgedruckte Wort S,— M. Henderson schildert dann den traurigen Zustand der internationalen Zerrissenheit und schließt: Es geht aus Ihrer Erklärung klar hervor, daß es die Absicht i der Wiener Arbeitsgemeinschaft ist, jeden tatsächlichen. FortschrittzurinternationalenEinheitsolange! zu verhindern, bis die Kommunisten ihre Haltung derartig geändert haben, daß ein Zusammenwirken mit allen anderen so- zialislischen Parteien in der Welt möglich wird. Diese Vertagung auf» Unbestimmte ist nicht zu recht- fertigen, und die Exekutive der britischen Labour Party be- dauert daher, daß ihre Bemühungen für eine allumfasiende Internationale, welche, soweit sie die„Zweite" betrifft, in dem in dieser Mitteilung gekennzeichneten Umfang Erfolg hotten, wegen der von der Wiener Arbeitsgemeinschaft ausgehenden Widerstände nicht zu einem befriedigenden Abschluß kommen tonnte. Dte Arbettsgemetuschast hat darauf nicht mtSfc geantwortet. Völkerbundliga. Von Lnbo M. Hartmann. Wien, Ende Oktober. Es wäre für keinen objektiven Beobachter zu verwundern, wenn die vberschlesische Sache viele Gläubige des Völkerbundes in Deutschland zu Skeptikern gemacht-chätte. Nicht einmal so sehr wegen des Inhaltes der Entscheidung, als hauptsächlich deshalb, weil es ja zweifellos zu sein scheint, daß in diesem Falle der Völkerbundrat seine Aufgab« vollständig verkannt hat. Von den Anhängern des Völkerbundes wird dieser als eine Instanz betrachtet, die im Namendes Rechtes und der Gerechtigkeit zu urteilen hat, gleichsam au cksssu» Ss In inSIös, oberhalb des Kampfgedränges. Der Völkerbund soll sich ja erheben über die diplomatischen Kniffe und über die Machterwägungen, die bisher im Völkerleben entschieden haben, wie der Richter innerhalb des Staates sich zu erheben hat über die Parteiungen und Fehden zwischen denen, die er zu richten hat. Nur insoferne der Völkerbund dies tut, hat er eine Existenzberechtigung. Manche Skeptiker werden sagen, daß es von vornherein bei den heutigen Verhältnissen ausgeschlossen ist, daß der Völkerbund seine hohe Aufgabe erfüllt, da er doch nichts anderes ist als ein Organ von Staaten, die selbst das S t a- dium des Imperialismus noch nicht überwunden haben nnd infolgedessen sich auch nicht von feiner imperialisti- schen Basis lösen kann. Und eben diesen Zweiflern scheint das Borgehen des Völkerbundes in der oberschlesischen Frage recht zu geben, weil nach all dem, was man von seinen Beratungen erfahren hat, er gar nicht versucht hat, sich ein eigenes Bild aus erster Quelle über Recht und Billigkeit zu oerschaffen und nicht einmal eine kontradiktatorisch« Verhandlung der Inter- essenten zugelassen, sondern in gar nicht juristischer, sondern politischer, und zwar macht politischer Art mit den Großmächten vechandelt hat und es versuchte, ein Kompromiß zwischen den Interessen der Großmächte, eine Resultierende aus deren Machtverhältnissen zu finden, welche zumindest nicht notwendigerweise zusammenzufallen braucht mit dem Recht, das mit uns geboren ist, mit dem Selbstbestimmungsrecht der Völker, das doch sein leitender Grundsatz sein soll. Nichtdestoweniger hat man gewiß nicht das Recht, das JdealeinerinternationalenRechtsordnung, das sich auf einen Völkerbund stützt, abzuweisen, mag man auch an dem bestehenden Völkerbund, der schon seiner Oraani- sation nach g a n z u n d e m o k r a t i s ch ist, die schärfste Kritik üben. Und gewiß wäre es eine schöne Aufgabe der V ö l k e r- b u n d l i g e n, die in nahezu allen Ländern entstanden sind, mit der Agitation für den Völkerbund gedanken eine Bewegung zu verbinden, welche den Zweck hat, den bestehenden Völker- bund in einen idealen oder sich dem Ideal nähernden Völker- bund umzuwandeln. Schon heute aber ist es ihre Aufgabe, hervorragende Repräsentanten der verschiedenen Völker, welche einander noch vor kurzem verhetzt und mit den Waffen in der Hand gegenüberstanden, zusammenzuführen, damit sie rer- suchen, sich miteinander schiedlich-friedlich auseinanderzusetzen und eine össentliche Meinung zu bilden, welche sich über alle Länder erstrecken soll. Aber auch hier hängt natürlich alles von der Ausführung des schönen Gedankens ab. Vor wenigen Tagen tagte in Wien der Generalrat der Völterbundlige nunion, und es waren zu dieser Tagung aus den verschiedenen Ländern die Vorkämpfer der Völkerbundbewegung zusammengekommen, Männer von bestem internationalen Namen, wie der Präsident A d o r, der belgiscbe Senator Lafontaine, Sir W. D i ck i n s o n, der Historiker Aulard und viele alte Vorkämpfer, wie d'Cstournelles de Constant u. a.— Aus Deutsch- land waren u. a. Graf B e r n st o r f f und Prof. I a e ck h er- schienen. Die Gäste wurden, wie natürlich, mit großer Freude und Gastlichkeit empfangen, und es ist auch selbstverständlich, daß sie sich mit Wärme Oesterreichs anzunehmen versprachen, so namentlich in der Frage der Kredithilfe, die ja für Oester- reich sozusagen chronisch-akut ist. Sie werden wohl auch oas, was sie in Oesterreich erlebt haben, in ihren Ländern weiter- verkünden, wie sie versprochen haben, und dies könnte ja einer der wichtigsten Erfolge werden. Dazu gehört nun allerdings, daß ihnen Gelegenheit geboten wird, die Verhältnisse auch wirklich so zu sehen, wie sie sind— und ob dies geschehen ist, darf wohl als fraglich bezeichnet werdem Selbswerständlich ist ja die Zusammensetzung jeder einzelnen Völkerbundliga eine mehr oder weniger zufällige, und so trifft es sich, daß an der Spitze der österreichischen Bölkerbimdliga Männer stehen, von denen man wohl sagen kann, daß sie in keiner Weise die öffent- liche Meinung Oesterreichs vertreten und deshalb trotz der besten Absicht ihre Kollegen objektiv nicht richtig informieren könnten. Als Präsident der Wiener Völkerbundliga fungiert der frühere k. u. t. Botschafter in Washington D u m b a, der von dort abberufen werden mußte, weil er doch gar zu sehr in die Methoden der alten Diplomatie verwickelt war. Der eine der Vizepräsidenten ist der Gras M e n s d o r f, welcher bi? zum Ausbruch des Krieges k. u. k. Botschafter am englischen Hofe war, hauptsächlich auch deshalb, well er mit dem eng- lischen Königshause oerwandt ist: der andere Vizepräsident endlich ist Dr. Josef Redlich, der letzte Finanzminlster des zusammengebrochenen österreichischen Staates, von dem es auch bekanntX) ausgestorben, wahrscheinlich schon eher, so daß die wilden Ure im Spreewald anscheinend die letzten ihrer Art waren. Literatur-Nobelpreis für Hardy oder Galsworthy. Nach Mit- teilung der Stockholmer Zeitung„Dagens Tiding" dürste der dies- jährige Nobelpreis, der bekanntlich rund 159 999 schwedische Kronen(nach jetzigem Kurie etwa 5 Millionen Papier- mark) beträgt, aller Wahrscheinlichkeit nach einem Engländer zu- fallen. In erster Linie kämen hierfür Thomas Hardy und John Galsworthy in Betracht, die bereits bei früherer Gelegenheit mehrfach vorgeschlagen waren. Weit geringere Aus- sichten hätten H. G. Wells und Bernard Shaw. Aus anderen Ländern werden als mögliche Kandidaten ge- nannt die Franzosen H'nri Bcrgscm, Paul Claudel und Marcel Prevost, von Deutschen Thomas Mann und vo» Dänen Georg Brandes. Wiederaufnahme des Telegraphenverkehrs durch Russisch-Asien. Bekanntlich hat unlängst die„Große Nordische Tele» g r a p h e n g e s e l l s ch a f t". die ihren Hauptsitz in Kopenhagen hat und die früher bereits den Drahtverkehr bis nach Asien hinein besorgte, von der Sowjetregierung die Konzession für sämtliche telegraphischen Verbindungen mit Europa erhallen. Die während des Kriege» schwer beschädigten Anlagen sind Karl nach Rumänien. Par�s. 27. Ottober.(WTV.) Die Volschasterkonserenz be- schloß, daß Exkönig Karl an Bord des englischen Kanonenbootes, das sich gegenwärtig vor Budapest besindet, gehen solle. Er soll sich dann nach Galatz begeben, wo er die endgültige Entscheidung der Mächte über seine Ztitermening erwarten wird. Die Konferenz genehmigte dann das Protokoll von Venedig über die Verhandtungen wegen des vurgeulandes. Wie wir hören, trifft die Nachricht eines Belgrader Blattes, daß ein Ultimatum der Kleinen Entente wegen AbsGimg und Abrüstung in Budapest überreicht worden sei, nicht zu. Die Kleine Entente besteht aber darauf, daß endlich die Bestimmungen von Trianon durchgeführt werden. 5?eute war in der Tschechoslowakei der erste Niobilmachungstag. wer ist schulö an Karls Ausbruch! Dem„Vorwärts" schreibt man: Der Schweizer Bundesrat untersucht die Schuldfrage. Er mag die Berantwortlichen oder wenigstens einen Teil von ihnen unter seinen eigenen Ossi- zieren suchen. So unglaublich es klingt— es gibt selbst in diesem seit jeher und ständig republikanischen Lande Offiziere, die Sympthien für„gekrönte Häupter" und für die Monarchie selbst haben. Das ergibt sich aus dem von Schweizer Offizieren mit ungewöhnlichem Zeremoniell umgebenen Empfang des Exkaisers Karl in Buchs 1918, was zu einer sozialistischen Interpellation führte. Das folgt auch aus dem Umstände, daß in der Ostschweiz noch drei Monate nach der deutschen Revolution unter den Augen Schweizer Offiziere in Herisau bei St. Gallen von deutschen internierten Offizieren monarchistische Demonstrationen, darunter eine offizielle Kaiser geburtstagsseicr, veranstaltet und die sich dagegen wehrenden internierten deutschen Offiziere von ihren eigenen Kameraden unge> straft beleidigt werden, ja noch sogar von Schweizer Offizieren g e. mahregelt werden konnten. Auch in Karl Habsburgs Fall werden die Schuldigen oder Mit> schuldigen in Schweizer Offizierskreisen, wahrscheinlich in Verbindung mit.f ranzösischen royalistischen Offizieren zu suchen sein, lieber all sind es die reaktionären Offiziere, die den Frieden stören und Unheil anrichten. Es ist nur merkwürdig, daß demokratische Staaten sich dieser steten Gefährdung nicht entledigen. V Neue Reöe örianös. Paris. 27. Oktober.(EE.) Im S e n a t beantwortete B r i a n d eine Interpellation des Senators Henri de Iouvenel, Chefredakteurs des„Matin". Der Ministerpräsident gab zunächst die Ergebnisse der Abrüstung in Deutschland bekannt. Alle Forderungen der All! irrten, die im Ultimatum niedergelegt sind, seien erfüllt worden, die Zerstörung der befestigten Plätze systematisch durchgeführt war- den. Kiel existiert nicht mehr als Kriegshafen, es bleiben nur noch 2S Proz. des Kriegsmaterials zu zerstören. Die Alliierten setzten auch die Auflösung der geheimen Organisationen in Deuffchland durch. Dennoch habe Deutschland eine überraschende Kraft der Produktion. Die deutschen Ingenieure verfügten über die notwen- digen Pläne, am in kürzester Zeit das erforderliche Kriegsmaterial herzustellen. Frankreich müsie daher die Augen offen halten. Die gegenwärtige Lage, die Frankreichs Sicherheit garantiere, müsie weiterhin aufrecht erhalten bleiben. Reichskanzler VZirth habe alle Versprechungen eingelöst und bemerkenswerte Autorität bekundet, als er, nicht ohne Gefahr, Bayern zur Auslösung der Einwohner- wehren zwang Wird er aber seine Autorität auch weiterhin auf- rechterhalten können? Bezüglich Oberschlesiens sagte Briand, daß alle Welt die Unparteilichkeit des Schiedsspruches aner- kennen müsse! Nach heftigem Proteste habe auch die deutsche Re- gierung ihren Vertreter für die Wirtschaftskommission ernannt. Frankreich habe jetzt die Sicherheit, daß endlich alle Gefahr in Oberschlesien beseitigt sei. Zu Karls Abenteuer sagte Briand, durch die Einmütigkeit der Alliierten sei die Kriegsgefahr in wenigen Stunden beseitigt worden. In der Orientfrage sei durch lange Ver- Handlungen ein Einvernehmen erzielt worden, wodurch Frankreich im Orient nicht mehr vom Kriege bedroht werde. In Deutschland werde man sich morgen dem neuen Kabinett gegenübersehen, das nun durch die Angestellten der Gesellschaft wiederhergestellt wor- den, und zwar nicht nur die Station in Petersburg, son- den, auch die Leitungen durch ganz Asien bis nach I r k u t s t und K i a ch t a. Die feit April 1918 bestehende telegraphische Isolierung Rußlands hat damit aufgehört. Dieser Tage wurde das erst« nach Westen gerichtete Tele- gramm über Stockholm abgesandt, dos über die wiederhergestellte Linie Petersburg—-fielsingfors seinen Ansang nahm. In der Zwi- fchenzeit war die Sowjetregierung hinsichtlich der telegraphischen Verbindung mit ihren Vertretern im Auslande auf den d r a h t- losen Verkehr angewiesen. Die Grenaökere. Demokraten und Volksparteiler in der Regie» r u n g s k r i s e.) Die Degen zogen zwei Grenadier, das Vaterland wollten sie retten. Sie schwollen vor lauter Kampfbegier und schoben zurück die Manschetten. Der eine war bläßlich, ein Demokrat, sein Leibrock schon merklich verschossen: viel Feuchtes war ihm bei heldischem Rat ins Unterfuttcr geflossen. Der andere sprach: In Sturm und Braus befolg ich profitliche Winke. Wenn alles zerkracht, wir halten aus— . Herr Stinnes hat nzassige Pinke. Wir litten im Kriege und nachher nicht Rot. es füllten sich weidlich die Kassen. Und ging es, Bruder, in den Tod, den Rebbach woll'n wir nicht lassen. So laß uns liegen und horchen siill wie eine Schildwacht im Grabe, was schert uns des Volkes Hungcrgebrüll, wir hüten die köstliche Habe. Schon hatten all ihre Leidenschaft die Grenadiere vergessen— den Unrat, den sie ins Land geschafft, die anderen konnten ihn fressen! __ Schlaraff. Staatkover. Statt.Ritter Blaubart� wird heute.Boheme" gegeben. 'lnfang 7»/, Uhr. Ueber Pazifismus und Kunst ünicht beute abend 7 Uhr Max Der, in der Deutichen FriedenSgeseltschaft iOrtS. qrupp« Berlin). Die fsreilagiitzlingen der IriedenSgeselllchast linden im Bürgersaal- deS Berliner Rathauses statt und find jedermann zugänglich. Arbeiter-KuustanSstellung. Petersburger Str. 39. Sonn. abend, den 2».. abends Ti, Uhr, Bartrag-.Proletariat nnd Kunst", von Bernward Gabelin. Sonntag um 11, 1 und 7'/« Uhr: Besondere Führungen durch die Ausstellung mit»ortrag. Wirth umgebildet habe, nur vermisse man Rathen cm, der das Ab- kommen mit Loucheur schloß, das jetzt dem Senat vorgelegt werden solle. Doch enthalte dieses Abkommen für Frankreich nur Mö g- l i ch k e i t e n, aber keine Verpflichtungen. Zur finanziellen Frage verweist Briand darauf, daß bei einem Staatsbankrott Frankreich ein Recht auf Deutschlands gesamte Reichtümer habe:„Die Volks- partei muß zahlen!" Das fozialreaktionäre Zrankreich. Auf der Genfer Zlrbeitskonferenz. Genf, 27. Oktober. lWTB.) Zu der von Frankreich aufge worfenen Frage der Zuständigkeit der Konferenz für die Regelung der Arbeitsbedingungen in landwirtschaftlichen Betrieben erstattete Albert Thomas den Bericht, aus dem hervorgeht, daß die Zu- ständigkeit der Konferenz niemals bestritten wurde und die fran- zöfrfche Regierung erst im letzten Augenblick ibren Einwand erhoben hat. Der französische Ministerialdirektor Fontaine erklärte jeden Eingriff in die landwirtschaftliche Produktion für bedenklich, solange Frankreich infolge der Kriegsverwüstungen seiner nördlichen Provinzen zu einer erhöhten Produktion gezwungen sei. I o u b a u x antwortete sofort, es könne kein Zweifel bestehen, daß die landwirt- schaftlichen Betriebe noch der Auffassung des Verfailler Alliierten- Vertrages der internationalen Regelung zu unterwerfen feien. Die französische Regierung habe die Frage nur aufgeworfen, um ihre politischen Beweggründe zu verschleiern. Die englische Ab- rodnung erklärte, daß die Konferenz ihre Existenzberechtigung ver- lieren würde, wenn sie die landwirtschaftlichen Arbeiter von dem Vorteil einer internationalen Schutzgesetzgebung ausschließen wolle. Der französische Regierungsoertreter trat darauf den Rückzug an durch die Erklärung, daß man nur durch die Rücksichten der O p p o r- tunität bestimmt worden fei, weil eine Verkürzung der Arbeits- zeit in der Landwirtschaft gegenwärtig unmöglich erfcheine. Die Verhandlung wurde auf morgen vertagt. Deutfthlanüs argentinische Zreunüe. Mittwochabend sprach in der Aula der Berliner Universität auf Veranlassung des fpanifch-amerikanifchen Athenäums der bekannte argentinische Politiker Dr. O y h a n a r t e, der Mitarbeiter des ar- gentinifchen Präsidenten Irigoyen. Nach einleitenden Begrüßungs- warten des Rektors Prof. Dr. N ernst im Namen der Universität und des Konsuls Candioti, als Präsident des Athenäums, er- griff Dr. Oyhanarte das Wort, sogleich zu Beginn stürmisch begrüßt. Der Redner besprach dann die argentinische Politik während des Weltkrieges. Er bewies im einzelnen, wie Präsident Irigoyen, allem Drucke trotzend, die Neutralität gewahrt habe und wie dann' die Haltung Argentiniens vor dem Völkerbund in Genf nur eine logische Folge dieser Politik gewesen sei. Der Führer des argen- tinischen Volkes wollte einen wirklichen Völkerbund, nicht die Ver- f ä l f ch u n g des ursprünglichen Gedankens, die nur dazu bestimmt fei, das Werk von Versailles zu vollenden. Darum habe Ar- gcntinien den Antrag gestellt auf Zulassung aller Völker, ohne Rücksicht darauf, ob dieser Antrag Mißfallen erregen würde. Denn nur so könne die Verwirklichung des Völkerbundgedankens geför- dert und eine Grundlage für einen dauernden Frieden gesichert wer- den. Dr. Oyhanarte schilderte darauf seine Eindrücke in Deutsch- land, insbesondere seine Empfindungen beim Besuche Heidelbergs, Münchens und Nürnbergs. Ueberall habe er das deutsche Volk wieder in unverdrossener Arbeit gefunden. Im festen Glauben oer- traue er auf eine neue und glückliche Zukunft dieses Voltes, an dem sich der Satz bewähren wird, daß„die Besiegten die wirklichen Sie- ger sind". Unter den Teilnehmern, welche die Aula bis auf den letzten Platz füllten, befände? sich die diplomatischen Vertreter Spa- niens, Portugals und sämtlicher amerikanischer Staaten. Die beut- schen amtlichen Kreise waren durch den Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung und durch Mitglieder des Auswärtigen Amtes vertreten. '• Dr. Hvraciv Oyhanarte war vorgestern vom damaligen Außenminister Dr. Rosen empfangen worden, der Herrn Oyha- narte bat. seinem Lande den Dank Deutschlands für Argentiniens Verhalten während des Weltkrieges und seither auszusprechen. Die deutsche Regierung sei aufs höchste erfreut gewesen, anläßlich der Feier der argentinischen Fahne öffentlich Zeugnis von der Hoch- achtung und Wertschätzung oblegen zu können, die Deutsch- land für die befreundete argentinische Republik empfindet. Dr. Rosen versicherte, Deutschland, das trotz der schweren Zeit, die es durchlebe, fest auf feine Wiedererftarkung hoffe, hätte den lebhaftesten Wunsch, auch an Argentiniens Blühen und Gedeihen mitzuarbeiten. Geeckt unü Geßler. Verlin. 27. Oktober.(WTB.) Die„Freiheit" vom Donnerstag abend bringt die Nachricht, daß General von Secckt am Mittwoch mit mehreren Offizieren beim Reichspräsidenten vorgesprochen und diesem die ultimative Forderung überbracht habe, Minister Geßler im Amte zu belassen, widrigenfalls die Reichswehr nicht mehr mitmache. Wie wir von zuständiger Stelle hören, ist dieser Vor- gang völlig aus der Luft gegriffen, ein Besuch des Generals von Seeckt beim Reichspräsidenten hat überhaupt nicht stattgefunden. Selbstverständlich hat weder General v. Seeckt nach irgendein an- derer Offizier bei irgendeiner Stelle irgendwelche Schritte für die Besetzung des Postens des Wehrministers getan. Ein Opfer bolschewistischen Terrors. Im Tifliser Gefängnis starb eine qualvollen Todes Dr. Parmcn Tschidschinadfe, ein hervorragendes Mitglied der Sozial- demokratischen Partei Georgiens. Der Verstorbene stand im aktiven Dienst der Partei seit 1896. 1903 wurde er aus Transkaukasien aus- gewiesen. Das stürmische' Jahr 190S ermöglichte seine Rückkehr nach Georgien. Nach vier Iahren rastloser Tätigkeit mußte er wieder ins Gefängnis wandern, das er erst 1911 verlieh, um in die Ver- bannung zu gehen. Bei Ausbruch der Revolution 1917 war Tfchitschinadfe im Ar- beitcrdelegiertenrat Rostows einer der bedeutendsten Männer. Bei Proklamierung der Unabhängigkeit der Georgischen Republik wurde er in die Regierung gewählt und verwaltete das Ministerium des Innern, spater wurde er zum Wehrminister ernannt. Auf diesem Posten verblieb der verstorbene Genosse bis zum Ueberfall Sowjetruhlands auf Georgien und der Besetzung des Landes durch die russisch-bolschewistischen Truppen. Er tdußte, was seiner unter dem bolschewistischen Regime harrte, wollte aber die Heimat nicht verlossen. Zusammen mit Hunderten anderer Genossen, die ihr ganzes Leben in den Dienst des So- zialismus gestellt, wurde er von den Moskauern ins Gefängnis ge- worfen, in dasselbe, das ihm noch von den Zeiten des Zarismus o gut bekannt war. Aber jetzt war das ganze Land ein Ge- ängnis, und das Gefängnis eine wahre Hölle! Jeden Tag wurden neue Opfer eingeliefert und jede Nacht gab es„Arbeit" für die Henker: Iede Nacht werden im heutigen Tiflis 30 Menschen er- chossea. Schwer krank lag er in seiner Kerkerzelle: an die eigene Be- reiung hat er nicht mehr geglaubt, aber unerschütterlich war sein Glaube an die Freiheit seines Volkes. Da» Leben dieses edlen, alten Kämpfers, das in unsäglichen Qualen auf den Kasematten van Tiflis erlosch, liegt auf dem Ge- wissen der Moskauer Diktatoren, die durch ihre in Georgien tätigen Agenten die gesamte Mitgliedschaft der georgischen Sozialdemokratie buchstäblich physisch ausrotten lassen. Die Moskauer Macht- haber werden darüber— früher oder später— dem europäischen Proletariat Rechenschaft abzulegen haben. Reichsrat. Der Rcichsrat hidlt am Donnerstag abend eine öffentliche Sitzung ab. Eingegangen sind Gesetzentwürfe über Notstandsmaßnahmen zur Unterstützung von Empfängern von Renken aus der Invalidenversicherung und über die am 30. November 1920 in Madrid abgeschlossenen Weltpoftvcrcins-Derträge. Diese Bor- lagen wurden den zuständigen Ausschüssen überwiesen.— An- genommen wurde ein Gesetzentwurf, betreffend Abänderung des ß S Abs. 7 der Verordnung über die Abgeltung von Ansprüchen an das Reich vom 4. Dezember 1919. Die entsprechende Bestimmung der Verordnung gibt dem Reichsfiskus die Möglichkeit, ungerechtfertigte Bereicherungen, die Vertragsgegnern aus der Abgeltung zugute kom- men, z. B. etwaige Doppelzahlungen durch Klage beim Reichs- wirtschaftsgericht zu verfolgen. Der Reichsrat erklärte sich damit einoerstanden, daß eine Ermäßigung der Kohlensteuer entsprechend den Bestimmungen des Gesetzes stattfinden soll 1. für die Gruben des Kohlensyndikats für das rechtsrheinische Bayern(Braun. kahlengruben) und für die oberbayerischs Pechkohl« sowie für die rechtsrheinische bayerische Steinkohle: 2. für die Braunkohlenaruben des Landes Hessen und des Westerwalds: 3. für die Pfälzischen Gruben, 4. für die Braunkohlcngruben der Frankfurter Gruppe des ostelbischen Syndikats, einschließlich eines Werkes bei Guben: 5. für die Braunkohlenbezirke Forst und Görlitz. Schließlich wählte der Reichsrat noch 5 Beisitzer und 5 Stellvertreter für den Staats- gerichtshvf._ Die Staffelung üer Diersteuer. Infolge der Finanznot des Reiches ist bekanntlich«ine starke 5)eraufsetzung der Biersteuer nach den Regierungsvorschlägen auf das vierfache unabwendbar. Man wird sich wie mit anderen indirekten Steuern auch grundsätzlich mit dieser Steuer abfinden müssen, wenn- gleich über das. Ausmaß die Meinungen verschieden sind. Run macht sich neeurdings in der Industrie das Bestreben bemerkbar, vollwürzige Biere mit geringem Alkoholgehalt herzustellen. Ratür» lich sind die Versuche, die in dieser Richtung gemacht wurden, von dzr Tcmperenzbewegung begünstigt, von dem Braukapital aber bekämpft worden. Vom Standpunkt der Volksgcsundheit aber und der besseren Ausnutzung der Gerste wäre es wünschenswert, daß man den alkoholarmen Bieren, besonders wenn sie im Geschmack dem Vollbier gleichwertig sind, steuerliche Begünstigungen zuteil werden läßt. Dieser Standpunkt ist in der bisherigen Besteuerung schon dadurch zur Anwendung gelangt, daß man zwischen Stark- und Einfachbier unterscheidet. Es wäre nicht mehr als folgerichtig. wenn man ihn allgemein dadurch bekräftigen würde, daß man die Biersteuer wie in Norwegen nach ihrem Alkoholgehalt staffelt. Ein Ausfall an Steuern brauchte damit nicht verknüpft zu sein. Der Reichstag wird bei der Beratung der Steuervorlagcn Gelegenheit haben, sich mit der Frage näher zu befassen und es wäre nur erfreulich, wenn hier eine den sozialen Erfordernissen entsprechende Regelung erreicht werden könnte. „Etappe Gent." Der Schriftsteller Heinrich Wandt, der unter diesem Titel ein Buch über die Zustände in der Etappe geschrieben hat, hatte sich gestern vor der 4. Strafkammer des Landgerichts I unter der Anklage der Beleidigung zu verantworten. Die Klage war von der Staatsanwaltschaft im öffentlichen Interesse erhoben worden, als Nebenkläger war der ehemalige Leutnant Hauswald zugelassen. In einem Abschnitt des Buches wird Leutnant �aus- wald beschuldigt, aus der Etappenstation Cortryck täglich schwer« Pakete mit„requiriertem Gut" nach Hause geschickt zu haben. Er habe in der dortigen Gegend förmliche Raubzüge unternommen. Der Angeklagte erklärte, den Wahrheitsbeweis antreten zu wollen. Der Kläger erklärte unter seinem Eid die Vorwürfe für unwahr. gab allerdinas zu, käuflich erworbene Lebensmittel nach Hause ge- schickt zu haben, einmal auch 70 Pfund Saatkartoffeln an seinen Bruder. Da der Angeklagte weitere Beweisanträge stellte, mußte die Sache nach mehrstündiger Verhandlung vertagt werden. Die Londoner Zrlandkonferenz geht, wie Lloyd George im Unter- haus erklärte, weiter. Spaniens Sieg. Bei der Besetzung des Monte Arruit in Nord- ajrika wurden von den Spaniern' gegen tausend Leichen ge- funden. Kabylenongrisfe auf Gomara und das Gebiet van T e t u a n wurde« abgeschlagen. Denkst Du öaran, daß die Berliner Wahlen mit durch Dein« Schuld so un- günstig ausfielen? Du hast das sicher Dir selbst schon ehrlich zugestanden. Damit ist aber nur wenig gewonnen. Jetzt mußt Du zu Deinem Teil dafür sorgen, daß die Scharte ausgewetzt wird. Schaffe öem»vorwärts"' llefer. Sorge dafür, daß Dein Blatt neue Anhänger erhält. Es ist Deine Waffe, es ist Dein Bollmerk gegen die Reaktion. Deine Pflicht' ist es. dafür zu sorgen, daß der„Vorwärts" in alle Wohnungen des arbeitenden Volkes, in jede Fabrik und Werkstatt kommt. Er bereitet den Boden, auf dem zukünftige Erfolge wachsen sollen, schaffe ihm Abonnenten. Nachstehender Bestellzettel ist auszufüllen und an die Hauptgeschäftsstelle des„Vorwärts", Berlin SW. 68, Linden- straße 3, einzusenden. Ich abonniere den„Vorwärts" mit der Illustrierten Sonntagsbeilage„Volk und Zeit", der Unterhaltungsbeilage „Heimwelt" und der lltögig erscheinenden illustrierten Beilage„Siedlung und Kleingarten" In Groß Berlin täglich zweimal frei ins Haus für 12 M. pro Monat Navember. Name Wohnung: -Straße Nr__ vorn- Hof— Qoergeb.— Seil nfl-- Tr. links— rechts bei. Gewerkschastsbewegung Tagung öer Unternehmer. Die Vcreinii»ung der Deutschen Arbeitgeber tagte am 20. Oktober im Hotel Esplanade in Berlin. Der Vorsitzende. Reichstagsabgeord- neter Sorge, erklärte in seiner Erössnungsrede, das Unternehmer- (um sei von dem sesten Willen beherrscht, ständig Verh and- lungsmöglichkeiten zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern zu schaffen und damit die� Unterlage für einen sozialen Frieden als Grundlage für die Möglichkeit emes Wiederaufbaues. Dr. T ä n z l e r. der Geschäftsführer der Ber- linigung, bot in seinen„Grundsätzlichen B et r a 6? t u n g e n zur Sozialpolitik" keine neuen Gedanken. Dny ihm die ganze Richtung»ichr paht, ist nichts Neues. Er möchte manche Ge- setze,„die unter Sozialpolitik gebucht werden", auf die Wohlfahrts-und Armenpflege umbuchen, und zwar ins- besondere auch deshalb,„weil damit jede Heranziehung der Industrie zu den Kosten der Erwerbslosenfür- sorge auch vom moralischen Etandvunkte aus ent- fäll t". Glaubt denn der Mann und seine Gleichgesinnten im Ernst, das Problem der Erwerbslosenversicherung sei als Armenpflege zu lösen? Ueberflüssig, zu bemerken, daß Dr. T S n z l e r die uneingeschränkte Akkordarbeit wiederher- gestellt und den A ch t st u n d e n t a g gründlich abgebaut wissen will. um der„Wohlfahrt des Volkes" zu dienen. Die bisherige Sozial- volitik Hobe zur Zwangswirtschaft in sozialen Dingen aesührt. Also:„freie Wirtschaft auch in der Sozial» Politik"! Der Entwurf des Arbeitsnachweisgesetzes gefällt den Herren vor ollem deshalb nicht, weil er die Angestellten mit in seinen Geltungsbereich einbezieht. Bezeichnend ist, daß der Referent sich auf den Arbeiterführer Erkelenz berufen konnte,„der in überzeugendster Form vor dieser kostspieligen amtlichen Sozialpolitik gewarnt hat". Es ist wahrlich ein billiges Vergnügen, den Arbeitern und Angestellten, insbesondere aber den Arbeitslosen zu empfehlen, die beste Fürsorge sei immer die, die sich der einzelne selbst schaff«, durch seine eigen« Initiative, nicht durch fremde Hilfe. Zu diesem Rezept fehlt die Gebrauchsanweisung. Was Dr. Tänzler nertritt, ist dos Gegenteil von Sozialpolitik. .kritisches zur Lohnbewegung" brachte Konsul K l ö n n e- Dort- inund vor. Er errechnete eine Steigerung der Löhne in der Eisen- industrie auf ungefähr das IZfache, auf die Arbeitsstunde bezogen aber auf das Itzfache des Friedensstandes. Hinzu komme ein Rück- gang in der Leistung infolge des ungeteilten Achtstundentages, so daß die Löhne, auf die Produktion bezogen, hier die Friedenszahl ?t>- bis 2Smal übersteigen. Diese Zahlen könne man im allgemeinen für ganz Deutschland als richtig unterstellen. Das 5)eil fei nur von einer Steigerung der Intensität der Wirtschaft zu erwarten. Gewiß, doch kommt es auf die Mittel an, die dazu dienen sollen; darüber wird es keine Verständigung geben, wenn und solange man sie in der Entrechtung der Arbeiter, in ihrer unbehinderten Aus- beutung erblickt. Auch dieser Redner befaßte sich mit der Er- merbslosenfürsorg«, die insofern falsch aufgezogen sei,„als sie jedem, dem die Kraft oder Lust zur Arbeit fehlte(Nicht die Arbeits Möglichkeit? D. Red.), soviel zubilligen wollte, daß er wenigstens feine Existenz, wenn auch in bescheidenem Ausmaß, ge- sichert sah". Der grundsätzliche Fehler oller Lohntarife sei das Schematisieren. Das kommt doch hauptsächlich daher, daß die tarif- lichen Winde st löhne in der Praxis der Unternehmer a l s H o ch st l ö h n e behandelt werden. Die Verschlechterung der Valuta bringe mit unfehlbarer Sicherheit eine Steigerung der Lohnhöhe, während bisher„keine ein- zige Berbeljerung der Valuta eine entsprechende Minderung der Löhne im Gefolge hatte". Das ist ein Vörfenwitz, und nicht einmal ein guter. Sein Bluff führte den Referenten zu einem Vergleich mit Ebbe und Flut. Sollte der Herr Konsul K l ö n n e wirtlich nicht wissen, daß bei unseren Valutaverhältnissen die Verschlechterung chronisch, und nur von gelegentlichen Besserungen unterbrochen, ist, die sich für den Konsumenten auf dem Lebcnsmittelmarkt kaum be- inerkbar machen in Einzelheiten, in ihrer Gesamtheit überhaupt nicht, dann mag er sich' dies von dem erstbesten Arbeiter sagen lassen. Die Weisheit, daß durch die Erhöhung der Löhne der Arbeiter mehr Papier, aber nicht mehr Ware be- kommt, ist den Arbeitern geläufig, doch können sie beim besten Willen nichts damit beginnen, zumal sie von Unternehmerseite ledig- lich zu dem Zwecke verkündet zu werden scheint,, um die Arbeiter zu belehren, sie müßten von Lohnforderungen absehen, um dadurch eine Preissenkung herbeizuführen. Dies« Theorie muß an ihren Ausgangspunkt verfolgt werden. Waren die Steigerungen der Lebensmittelpreise etwa eine Folge von Lohnerhöhungen? War nicht die wucherifche Ausnützung der Lebensmittelknappheit durch Steigerung der Preise die Ursache der nominellen Lohnerhöhungen? Erst eine allgemeine wesent- liche Senkung der Lebensmittelpreise kann zur Ver- ininderung der Löhne führen. Die Schlußfolgerung des Referenten,„gerade im Jnter- esse des Arbeiters ist es, zielbewußt auf die Niedrighaltung der Löhne hinzuorbeite n", ist daher falsch. Der Arbeiter muß zielbewußt darauf Hinarbelten, daß er mit semer Familie leben kann. Kann er das nicht mit dem geltenden Lahn, ist er gezwungen, auf die Erhöhung seines Lohnes hinzu- arbeiten, da es nicht in seiner Macht tiegi, auf die Niedrigdal-t tung der Lebensmittelpreise hinzuwirken. Das ist die Aufgabe. Die Kosten für den Erholungsurlaub der Arbeiter, auf' den der Arbeiter gerechten Anspruch habe, die Freistellung von der Arbeit nach dem Betriebsrätegesetz„und sonstige Ver- günstigungen schätzt der Referent auf rund 10 Proz., die der absoluten Lohnhöhe zuzuzählen seien. Da möchten wir denn doch die Unterlagen für diese Schätzung nach- prüfen! Bezügsich des Soziallohns vertritt Dr. Klönne zwar die Auffassung, daß in normalen Zeiten die Bezahlung nach der Leistung und nicht nach dem Familienstande sich richten soll, aber für derartig anormale Zeiten wie die heutigen müsse der Familienstand bei der Entlohnung berücksich- t i g t werden. Dagegen wäre nichts einzuwenden, wenn nicht den unverheirateten Arbeitern die Kosten dafür auferlegt werden würden. Der Arbeitgeber habe die Pflicht, bei der Regelung der Arbeitsform und der Entlohnung führend mitzuwirken. Er müsse aus seiner passiven Abwehrstellung heraus, beweisen, daß seine Führereigen- schaften auch bei' der Lösung der sozialen Frage(Wie die Unter- nehmer sie auffassen!) nicht versagen. Konzilianter waren die Aus- führungen des dritten Referenten, des Generaldirektors der Rheinisch- Westfälischen Sprengstoff-A.-G. in Köln, Dr. Paul Müller, über zugeben, erscheint uns wenig berechtigt. Zohnbewegungen und Streiks im Bekleidungsgewerbe- Der Deutsche Bekleidungsarbeiterverband berichtet über die im Jahre 1920 stattgefundenen Lohnbewegungen und Streiks folgendes: Es fanden statt in SZ7 Orten 2341 Bewegungen mit 73 773 Betrieben, die 666 680 Arbeiter beschäftigten. Bei den Lohnbewegungen ist die Anzahl der Betriebe und Beschäftigten mehrfach gezählt,' da an den einzelnen Orten 2 bis 3 Lohnbewegun- gen stattgefunden haben; die Anzahl der Mitglieder hingegen ist nur einmal aufgeführt. Bei den Angriffs- und Abwehrstreiks kommen die gleichen Orte, Betriebe und Beschäftigte, sowie auch die gleichen Mitglieder in Frage. Der Verlust an Arbeltszeit be- trug bei den Angriffs- und Abwsbrstreiks ö0S077 Tage. Der Ver- lust an Arbeitsverdienst betrug 11 230 763 M. Die Bewegungen endeten erfolgreich in 2328 Fällen sür 659 292 Veschästigte und erfolglos in 13 Fällen für 7388 Beschäftigte. Die Bewegungen wurden beigelegt in 1760 Fällen durch Verhandlungen mit den Organisationsvertretern, in 334 Fällen durch Verhandlungen vor den Schlichtungsausschüssen und in 247 Fällen durch Verhandlun- gen vor Unparteiischen. Es wurde erreicht für 198 909 Beschäftigte eine wöchentliche Lohnerhöhung von 19 125 999,35 M., das sind pro Person 96,16 M. Für 271 Veschästigte wurde eine wöchent- �iche Arbeitszeitverkürzung von 1977 Stunden erreicht. Die Bewegungen verursachten dem Verband insgesamt 2 031 287,95 Mark Unkosten._ Geistliche Agitation für die Christliche«. Der Generalsuperintendent V. S t o l t e lud zu einer Ver« sammlung der Ptarrer von Magdeburg und Um- g e g e n d zum 18. Oktober im klemen Saal der Äadtmission ein, um eine genaue Kenntnis und wärmere Teilnahm« für die christ- lichen Organisationen der Arbeiterschaft zu vermitteln. Es waren hierzu Vorträge in Aussicht genommen über das Werden und Wirken der christlichen Gewerkschaften, die evangelische Kirche und die christlich-nationale Arbeiterbewegung, Referenten Reichstags- abgeordneter Hartwig und Bethelhei- Bielefeld, und über die Frage:„Können die evangelischen Gel st lichen die chri st lichen Gewerkschaften fördern, wofür Pastor Pasewald aus Menz als Referent vorgesehen war. Wenn die evangelischen samt den katholischen Pfarrern und Kaplänen den christlichen Gewerkschaften eine wärmere Teilnahm« widmen, dann kann es diesen sicher nicht mehr fehlen. Unter den freigewerkschaftlich organisierten Arbeitern und An- gestellten ist ma» der Meinung, die Pastoren dürften sich nicht dazu hergeben, die freien Gewerkschaften durch Unterstützung der christ- lichen Gewerkschaften zn schädigen; oder aber die Mitglieder der freien Gewerkschaften müßten unter solchen Umständen ihre Kir- chensteuern sparen durch Austritt aus de*r Landeskirche. Die freien Gewerkschaften werden sick jedenfalls auch weiterhin ohne eine„wärmere Teilnahme" der Pfarrer zu Helsen wissen._ Internationale der Postangestellte». Aach den Eisenbahnern find die Postangestellten die ersten öffentlicken Angestellten gewesen, die sich naÄ dem Weltkrieg« inter- naiional formiert und in Mailand ihre Postinternationole(JPTT.) gegründet haben. Die JPTT. wird in den nächsten Wochen eine Zeitschrift herausbringen, die sich die Aufgabe stellt, die orga- nifatorischen und sozialen Bewegungen der Postangestellten, weiter- bin der öffentlichen Angestellten im allgemeinen und schließlich aller Arbeitnehmer in ihren Gesichtskreis zu ziehen. Der AboniiementkprciS beträgt 15 M. für die ersten sechs Folgen. Man abonniert beim Sekretariat der Internationale des Personals der Post-, Telegraphen-«nd Telephonbetriebe, Wien 18, Peter-Jordan-Straße 96. Znfinmnenschlnst der englischem SlngesteMei». Der große englische Angestelltenkongreß im September, auf welchem eine Million Angestellte vertreten waren, hatte die Schaffung einer Spitzenorganisation in die Wege geleitet. Auf dem Kongreß wurde ein« ständige Kom» miffion, bestehend aus Vertretern der einzelnen Angestelltenver- bände, eingesetzt und die Errichtung eines zentralen Bureaus be- schloffen. Im Vorstand sind folgende Verbände verirrten: Zen- tralverband englischer Angestellter, die Verbände der Eisenbahn- angestellten, der jchotlländischen Bankangestellten, der Schissahrts-, Börse-, Versicherungs- und Notariatsangestellten. Auf der Kon- ferenz waren äußerndem noch folgende Angestelltsnorganisationen vertreten: Di« Verbände der Angestellten in der Seeversicherung, Schiffbau-, Maschinen- und Stahlindustrie, der staatlichen Beamten, der Lehrer an Elementarschulen, der weiblichen Biireauangestpltten und Sekretärinnen, der Angestellten und Arbeiter im Kleinhaildc!, der Vollzugsbeamten im öffenilichen Dienst, der Verband der Hand- lungsgehilfen, Warenhausarbeiter und-beamten, der Verband der Architekten und Techniker, der Elektrotechniker, der Apotheken- angestellten und Chemiker. Gleichzeitig mit der Errichtung einer Spitzenorganifation ist eine zweite Bewegung im Gange, welche die Vereinigung der verwandten Organisationen anstrebt, um einer heillosen Zersplitterung der Kräfte vorzubeugen. Die Angestellten- verbände im Bergbau sollen zuerst in einer einheitlichen Organisa- tion zusammengefaßt werden. Der Verband der Bureauangestell- ten im Bergbau hat sich bereits mit dem schottischen Werkmeister« verband fusioniert, als dritter kommt jetzt der englische Werkmeister- bund in den Zentralverband. Hier ist eine Bewegung in der Rich- tung der Industrie- statt Berussverbönde zu konstatieren. Die stand aufzubauen bestrebt sind. ver Streik im chemischen Großhandel wurde nach zehntägiger Dauer unter der Bedingung beendigt, daß die Arbeit heute aufgc- nommen wird. Die Lohnsätze des neuen Abkommens sind ol, Montag im Bureau des Tronsportarbeiterverbandes, Berlin SO. 16, Engelufer 24/25, Zimmer 33. gegen Vorzeigung des Mitgliedsbuches abzuholen. Die Unterkommiffion des 12. Verwaltungsbezirks beschäftigte sich in ihrer letzten Sitzung mit der Aufstellung der Ausschuß- Mitglieder für die Ortskrankentassen Steglitz und Eroß-Lichterfelde. Die Wahlen finden für Steglitz am 3. Dezember von 2 bis 8 Uhr im Kassenlokal, Körnerstratze, für Groß-Lichterfelde am 16. Dezember von 2 bis 8 Uhr bei Flei- scher, Bäkestr., statt. Die Vertrauensleute der einzelnen Betriebe sind verpflichtet, sich die Ausweise für die Wahl für ihren Betrieb zu besorgen. Als Arbeitslosenrat wurde Genoffe Zander be- stätigt. Annahme fand ein Antrag, wonach aus den Kreisen der Bauarbeiter zwei Genoffen zu wählen sind, die als Bauten- kontrolleure zu fungieren haben und von der Gemeinde als Angestellte zu übernehmen sind. SPD.'Tftetallarbeileroerlrauensleutet Obleute, Betriebsräte, Generaloerfammlungsdelegierte usw., Montag, 6 Uhr, wichtige Konferenz in den Sophiensälen, Sophienstr. 18. Partei- und Der- bandsbuch legitimiert.— Der Fraktionsvorstand. »«iMwertschaftllch««ctriev-rätszcntrale. Untergruppe I: DMelfairNo. tion, Polierer, Drechsler. Bildhauer, Tapezierer, Bautischler, Einsetzer, Boden- leger, Ialousiebranche, Eiige- und EchneidcmiUjlen. Heute 5 Uhr im Gewerl- schaftshaus, Saal 5, Wahl der Untergruppcnleitung. Perlehrebund. Poftkranlenlaffenausschutzmitglieder! Morgen abend 6 Uhr im Gewerlschastohaus, Engelufer 24/25, Saal 3, Sitzung. Bortrag. Bildung eines Ausschusses. Verantw. für den redalt. Teil: Dr. Werner Peifer, Eharlottenburg: für An. zeigen: Th. Slocke, Berlin. Verlag BonoSrts-Vsrlag G. m. b. H., Berlin. Druri: Barmiirts-Buchd ruckerei u. Bcrlagsanstalt Paul Siuger u. Eo„ Berlin, Liudenstr.!!. Hierzu 1 BcUage. mflavia- Millen iget, geschiih!» jut veslnfektto« der Mund- und RochetchZhle besonder» bei �Urinno Heiserkeit, ftalsentzüntmnj, va» VHktzjPt,* jchlelmung. Erbpltlich In den Apotheken n. vrdgetlen. Stoffe !ür Herren- and Damen-üeldeldiinij beste Fabr., gr. Auswahl, Verk. meterweise Koch& Seeland" h Gertraudtenstraße 20—21. Man fordere ausdrücklich „Pfeii- Spar- Gliihkörper und ctchio aufdie~Pfeir-3chufz/narke r- Glühkörper 25%Oas-JCrspamis MWer iMMtennM Verwaliungssielle Verlin 7l 54. Linlenstr. SZ-SS Seschästszeitoon»ormlttago 9 Uhr bis nachmittags 4 Uhr Telephon: Amt Norde» l«5, l2!i«, 1»»7,»714 Sennraa, den 30. Oriobct, aormiffaga 9'/, Ahr, Im»osrnkhaler ftof, Rosenthaler Slratzc 11/12; UWeMlsMMWwMkzeW'Wser Tagesordnung: 4. Die wirtfchastliche Sage. 2. Diskussion. Z. Sruppenangelegenheiteu. iOl/7_ vle Orkaverwalknng. Erklärung! Die beleidigenden Aeuherungcn aeflen den Regierungspräsidenten König in Zl r n s b c r g, die in Nr. des„Miesbacher Anzeigers" vom 11. Februar 1SÄ1 und zwar in dem Gedicht„Die F-cttschatulln" enthalten sind, nehme ich mit dem Nusdruck des Bedauerns zurück. Miesbach, de» SI. Oktober IVS l. Nikolaus Eck, verantwortlicher Schriftleiter des„Miesbacher Anzeiger". Steckbrieferledigung. Der Steckbrief hinter den Arzt Dr. Schiele wegen Hochverrats ist erledigt. Leipzig, den 2t. Oktober IS2l. Der Untersuchungsrichter de« Neichsgerlchts. 2SM. wöchentliche lellzaiilung Herren" Anzflgc und Ulster in nur gedieg. Aus tUhrungen u. Stoffen, solange Vorrat reicht, zu billigen Preiser G«hr. Kassner Bülowstri�Ä" ITratirM billig | Duk.-Oold vOOgest 14 kit. 585. 8 krt 3«.. volle Garantie für I I Feingeha t. In jeder I GröBe u. Preislage| 1 vorrätig am Lager r Ankaufs stelle{ I'flr Juwelen, Uhren, I I Gold u.Silberbtucb I I zum heutigen seht 1 1 hohen Tagespreis, l 1 A. Butl erfaß,! 0., Andre, sslr. 44, 1 E. Gr. Frankfurt. St| | vls-a-vis Jandorf.| Auhnatlsclu Plslslei ot*. Ankaut, Verfaul, Umtausch fBeroehr-.fabrif' Gustav Balzet Berlin ¥/ 8. Martgr.fonstr, 50 Auf Teilzahlung! äszSsLPalEtois in moderner Ausführung für Herren u. Burschen Prima Verarbeitung! 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Und weil die achtlose Zeit heute für diese Bescheidenheiten wenig übrig hat. ist es ver. djenstooll, sie den wenigen vor Augen zu führen, die die Kunst der Spitze zu würdigen wissen.\ Die.Deutsche Spitzenschule' veranstaltet zurzeit in ihren Räumen in der Bayreuther Straße SS eine große Ausstellung deutscher Landspitzen, die zumeist in ihrer eigenen Schule und von Heimarbeiterinnen, die in ihren Werkstätten unterrichtet worden sind, ausgeführt wurden. Die deutsche Spitze ist gerade in letzter Zeit sehr stark propw giert worden, mit Recht, denn e» handett sich hier um eine in jeder Beziehung bewundernswerte Qualitätsware, ganz gleich, ob es Kopien alter Muster oder ob«» neue Stücke sind. Die Spitzen schule erteilt Unterricht: e» werden all die Techniken gelehrt, die bei der praktischen Arbelt in Bettacht kommen. Die Schule ver» gibt indessen auch Aufträge an mehr oder weniger geübte Heim» arbeiterinnen sowohl für Klöppel», Näh», Filet- und ander» Tech. niken. Di« Ausstellung umfaßt eine große Anzahl handgearbeite» ter Spitzen in Rosaline., Tülldurchzug, Binche», Brabanta», Dalen» cicnne», Reticella»(genäht und geklöppelt), Stticksilet», Bierländer» filet» und Tondernsche Technik. Tondern ist für die deutsche Spitzenarbett verloren, die dorttge Technik wird jetzt in Liebenau, einem Dorf in Hannover, hergestellt. In der Ausstellung gibt es Vielerlei zu sehen: Borten, Stteifen, Einsätze, Taschentücher, Decken, Kissen, Tabletteinsätze, Kragen usw. Nicht nur die Spitze, auch die Montierung ist ausgezeichnet: die ausländischen Käufer werden sich mit den Preisen einverstanden erklären, sofern sie für Qualitätsarbett Verständnis haben. Die Spitzen können nicht billig sein, denn hier handelt es sich um mühseligste, vorzüglichste Handarbeit. Die Nutzspitzen sind auf Haltbarkett«ingestellt, die Kopien wertvoller Schleier, Blenden und anderer edler Spitzen sind Kulturwert«, die das beste Zeugnis für die deutsch« Epitzenkunst, ihr« Lehrkräfte, ihre Schülerinnen und Heimarbelterinnen ablegen. (dberschlesier, sorgt für Eure Urtvnöen! Der Magisttat Berlin erläßt folgende dringend« Mahnung: Angesicht» der erneut drohenden Abtrennung deutschen Landes und Ueberantwortung dichtbevölkerter Kreis« an eine fremde Macht erscheint es dringend angebracht, alle Einwohner Groß-Bmins, die aus den gefährdeten Bezirken stammen, auf die u m g« h e n d« B e» schaffung aller standesamtlichen bzw. kirchlichen Ur- künden(Geburts», Heirat»», Sterbeurkunden, Taufscheine, Trau- scheine usw.) hinzuweisen. Und zwar sollten diese Oberschlesier sich nicht auf die Beschaffung nur der Urkunden beschränken, deren sie in allernächster Zeit bedürfen, fondern sie sollten sich all« im Laufe ihre» und ihrer Kinder Leben möglicherweise einmal benötigten Ur» künden von den zuständigen Standesämtern bzw. Pfarrämtern gegen Nachnahme der Kosten schicken lassen. Eile tut not! Die üble Lag« der au» den abgettennten Gebiete� Posens und Westpreußens stam» menden Landsleute, die auf keine Weife in den Besitz für sie not- wendigster Urkunden au» den genannten Landesteilen gelangen können, möge als Warnung dienen. verlängerte Staötbahnzüge.' Täglich 70 000 Sitzplätze mehr als bisher. Die Klagen über die außerordentliche Ueberfüllung der Stadt- bahnzüg« hat die Eisenbahnverwaltung veranlaßt, eine Reihe von Ausbauten in die Wege zu leiten, die demnächst fertiggestellt werden. Eine Verbesserung de» Stadtbahnverkehrs soll somit nicht durch Beschleunigung der Zugfolge, die bei dem 2-Minutenverkehr Gegen Spitzbübereien in ftaötisihen Setrieben. Die Erbschaft aus Zur Bekämpfung der Unterschlagungen und Diebstähle in Be» trieben der Stadt ist bekanntlich eine eigene Ueberwachungs- a b t e i l u n g geschaffen worden. Ueber ihre bisherige Tätigkeit gibt der Dezernent Stadtrat Schüning folgende Darstellung: „Vom 1. April bis zum 3l>. September liefen bei der Ueber- wachungsabteilung 51 i Meldungen ein: 290 erfolgten durch andere Dienststellen und 284 durch Beamte der Ueberwachungsabteilung. 369 Fälle bettafen Diebstähle, 32 Unterschlagungen und 173 sonstige Vergehen. Hieran waren beteiligt 497 Personen, davon in st ä d t i» schen Diensten 114. 74 Personen kamen zur ftistlosen Eni- lassung, gegen 13 wurde Strafanzeige erstattet. Außerdem wurden 61 Strafanzeigen gegen nicht bei der Stadt beschäftigte Personen veranlaßt. Hierbei ist aber zu bemerken, daß von den 374 Mel- düngen bei 327 die Ermittelungen noch nicht abgeschlossen sind. Bei den Verfehlungen handelt es sich nicht nur um kleine, sondern auch um große Sachen. So wurde festgestellt, daß i n cichterfelde seit 1917 bis Mai 1921 1260 000 Brotkarlen. 250 000 Reisebrotmarken und eine große Anzahl Zuckerkarlen mehr angefordert wurden. Der Gewinn, den der Dieb und die Hehler erzielt haben» beziffert sich auf ü b e r 3 M i ll i o n e n M a r k. Die Verhandlung, zu der sechs Sachverständige, 30 Beamte und Angestellt« geladen sind, findet vor- aussichtlich vom 10. bis 20. November statt. In einem anderen Falle, der auch in die Kriegszeit fällt, handelt es sich um 166 Waggon» angeblich verfaulter Sartoffeln, die an die Kraft- futterwerte n Seegefeld verkauft wurden, und zwar für 1 M pro Zentner frei Seegefeld. Don hier wurden sie für 6 bis 13 M. pro Zentner weiterverkauft, und gingen somit der Berliner Bevölkerung verloren. Das Gericht wird auch diese Angelegenheit aufzuklären haben. In der Mlchkuranflalt wrißense« wurden be- deutende Unterschlagungen festgestellt, die ebenfalls in die Kriegszeit zurück reichen. Es handelt sich hier um nahezu eine halbe Million Mark. Beim wirtschaflsamt Reinickendorf wurde ein Fehlbetrag von 120 000 M. festgestellt. Einige ähnliche Fälle werden zurzeit noch bearbeitet. Unterschlagungen wurden in einer Reihe von Fällen aufgeklärt. So beim Wohnungsamt 20 000 M. Gehälter, in der Kriegsbeschädigtenfürsorge 30 000 M. durch Fälschung von Unterstützungsakten, Sparkasse zwei Fälle mit 10 000 M., Erwerbslosenfürsorge 43 000 A. Diebstähle wurden aufgedeckt beim ZNilchamt in zirka 50 Fälle« (Milch, Butter und Sahne). Bei zwei Kontrollen wurden allein 64 Pfund Butter und 34 Pfund Margarine abgenommen, die von 7 bzw. 3 Frauen mitgeführt wurden. Außerdem gelang es der Ueberwachungsabteilung 17ft) Milchkannen im Werte von 250 000 Mark zu beschlagnahmen und dem Milchamt wieder zuzuführen. Bei den kranken- und sonstigen Anstallen wurden in 60 Fällen Ange» stellte festgestellt, die städtisches Eigentum entwendet hatten. Es han- delt sich in der Hauptsache um größer« Wäschebestände. In den Häfen- und Speichereibettieben wurden 45 Diebstähle festgestellt. Hier ist es der Ueberwachungsabteilung gelungen, die großen Verfehlungen der Vergangenheit aufzudecken. So der„großen Zeit". einen Bodenmeister zur Anzeige zu bringen, der heute Villenbesttzer ist und ein Vermögen von 120 000 M. hat. Bei der Rathausocr- wallung wurde ein Handwerker, der eine volle Wagenladung Läufer, Borhänge usw. gestohlen hatte, festgestellt. Bei der Süteroerwol- tung richtete die Ueberwachungsabteilung einen besonderen Wacb- dienst mit Zuhilfenahme von Polizeihunden ein mit dem Erfolg. daß 130 Personen beim Obstdiebstahl festgestellt wurden. Außer dem dürfte die Obsternte infolge der strengen Bewachung nahezu um ein Drittel größer sein als sonst. Auch für das Landesfinanzamt ist die Ueberwachungsabteilung bis zum 30. September mit Steuerermittelungen beschäf- tigt gewesen. In 9 Monaten ist hierdurch ein Mehrbetrag an Reichs- steuern von zirka 7 Millionen Mark zu verzeichnen. Diese Tätig- keit ist am 1. Oktober jedoch eingestellt. Dies« Darstellung soll einen Einblick in die Organisation und Tätigkeit der Ueberwachungsabteilung geben. So bedauerlich die Vorkommnisse, die hier angeführt und nicht angeführt sind, auch sein mögen, bei einer so großen Verwaltung werden diese kaum zu vermeiden sein. Der Magistrat ist bestrebt, durch zweckentsprechende Reorganisation und scharfe Kontrollmaßnahmen diese Mißstände auf ein Minimum herabzudrücken. Die übergroße Mehrzahl der städtischen Beamten, Ange st eilten und Arbeiter wird ihn darin u n t e r st ü tz« n. Die Ueber- wachungsabteilung hat sich aber als ein notwendiges Mittel be- wiesen, um diesen Zweck zu erreichen.' » Wir haben diese Ausführungen ungekürzt wiedergegeben. Der ,L o k a l a n z e i g e r' fetzt über das Ganze die Ueberschrift:„Wie in der Stadtverwaltung gestohlen wird' und hängt unten eine Be- merkung an, die mit dem Höhnenden Satz schließt:„Ein prächtiges Ergebnis der neuzeitlichen Verwaltungstätigkeit". Unter der „neuen Zeit' versteht dieses saubere Blatt selbstverständlich die Zeit nach der Revolution. Aus dem Bericht des Stadtrats Schü- ning geht aber hervor, daß einige besonders schlimme Sache» schon in die Kriegsjahre fielen, in die sogenannte »große Zeit'. Ihr haben wir es zu„danken', daß die Spitz- bübereien überhand nahmen. Diese oerwüstende Wir- kung des Krieges hat sich ja nicht nur in den Betrieben der Stadt Berlin gezeigt, sonder» z. B. in den Post- und Elsenbahnbettieben. die bis auf den heutigen Tag nicht von den„Roten' geleitet worden sind.'Hat man vergessen, wann dl« ersten Diebstähle an Lie- besgabensendungen gemeldet wurden? Das war i m Herb st 19141 Will die Verlogenheit der bürgerlichen Presse vielleicht auch jene Diebstähle in den Post- und Eisenbahnbetrieben als„prächtiges Ergebnis der neuzeitlichen Verwaltungstätigkei!" hinstellen? Die zum Schutz der Berliner städtischen Betrieb« ge- schaffen« Ueberwachungsstelle wird, nebenbei bemerkt, nicht von einem bürgerlichen Magisttatsmitglied geleitet. Stadttat Schüning gehört zu den Unabhängigen.• in den Hauptverkehrszeiten unmöglich � ist, sondern durch eine B e r- längerungderZüg« eintreten. Don sämtlichen, im Bereich der Cisenbahndirektion Berlin ver» kehrenden Stadt-, Ring- und Borortzügen(an den Werktagen rund 2000 Züge) fahren über ein Drittel(rund. 730 Züge) täglich über die Stadtbahn. Durch die Verlängerung der Bahnsteige einzelner Dahnhöfe(Charlottenburg, Jannowitzbrücke usw.), die zur- zeit im Bau begriffen ist, wird es möglich, sämtliche Züge auf der Stadtbahn um 2 Wagen zu verlängern, wodurch täglich 1460Wagenm«hr über die Stadtbahn gefahren werden können und den Benutzern ein Mehrangebot von über 7 0 0 00 Sitz» pStzen täglich mehr als bisher zur Verfügung steht. Neben diesen Verbesserungen des Verkehr» auf der Stadtbahn wird auch gleich- zeitig eine Verbesserung auf der Ringbahn vorgenommen, zu der die Vorarbeiten ebenfalls schon im Gange sind. Aus dem Ringbahnhofs Westend, auf dem jetzt zum Fahrplan- Wechsel der Dahnsteig A wieder in Betrieb genommen worden ist, wodurch eine Erleichterung der Abfertigung der Züge erreicht wurde. wird eine neue Vekohlungsanlage errichtet werden, um die Versorgung der Ringbahnzüge mit Kohle, die bisher auf dem Pots- damer Ringbahnhof vorgenommen werden mußte, späterhin in Westend vornehmen zu können. Die Anlage auf dem P o t s- damer Ringbahnhof verschwindet mit Inbettiebnahm« der neuen.Anlage in Westend, um einer Verlängerung des Bahn- stciges Platz zu machen. Auch diele Verlängerung eines Bahnsteiges steige» wird die Erhöhung der Wagenzahl in den Ringbahnzügen ermöglichen, ohne daß zu einer Vermehrung der Züge geschritten werden muß, wodurch eine bessere Ausnutzung der Anlogen miig- lich ist. Ein Ratteu-Groftkampftag. Behördlicherseits wird den Natten Berlins Fehde angesagt. Um den durch Rotten verursachten erheblichen wirtschaftlichen Nachteilen und Gesundheitsgefahrdungen vorzubeugen, hat der Polizei- Präsident für Mittwoch, den 2 3. November, eine allgemeine Rattenvertilgung in Berlin angeordnet. Die Eigentümer aller im Stadtkreis Berlin belegenen Haus- grund stücke sowie Lager- und Schuttplätze und die In- haber von Laubxngr und stücken oder die gesetzlichen Ver- treter dieser Personen haben zur Vermeidung einer Geldstrafe von 130 M. oder entsprechenden Haftstrafe auf ihren Grundstücken bzw. Fräulein. 391 Von Paul Enderling. Sie kehrten um. Einmal stießen sie mit einem Boot zu- sammen; Fluche und Gelächter klangen herüber, und der un- geschickte Ruderschlag wehte einen Wasserspritzer über sie hin. Ein Studentenboot mit zwei Reihen roter Papierlaternen schoß durch das Gewimmel der Boote. Run fuhren sie in großem Bogen um den Steg herum. Es war dunkel um sie. Fräulein atmete in tiefen Zügen den herben Geruch des Wassers ein. „Wissen Sie. warum es so schön ist?' Hermann neigte sich zu ihr herüber.„Weil uns nur dies dünne Brett vom Tode trennt. Nur das ist Leben, das dem Tod ins Gesicht sieht.' Fräulein schwieg. „Das Element, das bewegliche Element, das uns jederzeit aufnehmen kann und trösten kann und uns wie eine Mutter schaukelnd und wiegend in den Tod wiegt. Möchten Sie jetzt nicht sterben?' „Nein,' sagte Fraulein. Und es klang wie ein Jauchzen. „Sie hoffen noch auf Glück?' „Ja. Von ganzer Seele, von ganzem Herzen und von ganzem Gemüte.'» „Amen. Ich aber wünschte, daß sich diese Bretter lösten und lockerten und wir auf den Grund sänken zu Muscheln und Bernstein. Das ist mein Trost, daß so etwas einmal mein Ende fein kann— wenn ich will.' Dies Letzte sprach er ganz leise. Aber Fräulein hörte es dennoch, und sie mußte später daran denken. „Ich glaube an die Lichter und die Blumen,' sagte sie und sah in das bunte Geflimmer der schaukelnden, funkelnden, fröhlichen Boote da drüben. Nun bogen sie um den Steg und legten an. »»» An einem Sonntag kam Oberlehrer Sanders heraus. Als er am Danziger Hauptbahnhof das Billett nahm, stürzten Tante Berta und Tante Tinchen heran. Sie waren auch zu Görkes eingeladen.„Also ein Familientag", seufzte der Oberlehrer. „Ja. der gute Görke!' sagte Tante B«rta. „Wenn nur der Kaffee nicht wieder so stark ist,' stöhnte Tante Tinchen schon im voraus.„Ich bin den milden Kaffee so gewohnt, und meine Gesundheit ist durchaus nicht so fest, wie es den Anschein hat.' Tante Tinchen aß mehr als drei Gre» nadiere nach einem Tagesmarsch mit Feldpackung.« „Da hätte ich mir an deiner Stelle denn Kaffee mitge- nommen,' sagte der Oberlehrer augenzwinkernd. Auch er hatte den Kaffee des Stettiner Verehrers tennengelernt. „Man tränkt doch nicht gern Leute, die einen einladen." „Na ja." „Wir haben uns ja solange nicht gesehen, Otto.' Tante Berta spürte eine Anwandlung von Zärtlichkeit und umarmte den Oberlehrer. Cr schob schnell die brennende Zigarre in den Mund. So war er sicher vor ihren Küssen. Ihre Küsse hinter- ließen Spuren und waren in der Familie gefürchtet. „Nun ist es aber Zeit, einzusteigen. Wenn wir nur nicht den Zug versäumen I" Die beiden Tanten waren stets von einem Reisefieber erfaßt, wenn sie die halbstündige Fahrt nach Zoppot vorhatten... Tante Tinchen verglich andauernd die Bahnhofsuhr mit ihrer eigenen und konstatierte erregt, daß die Bahnhofsuhr falsch gehe.„Man müßte protestieren, Otto. Ja, protestieren müßte man." „Otto, ist es wahr, daß du dich pensionieren läßt?" Er fuhr zusammen. Sie hatte seine geheimsten Gedanken erraten, die er noch niemandem anvertraut hatte. Seit jenem Tage, der der Fluchtnacht Theas folgte, war ihm Schule und jede Oeffentlichkeit mehr und mehr zuwider geworden. Mehr und mehr vergrub er sich in seine Studien, mehr und mehr befreundete er sich mit seinem Landsmann Schopenhauer. „Wie kommst du darauf?" fragte er barsch. „Gott, du bist doch schon recht wacklig, und der Jüngste bist du auch nicht mehr." „Ich bin zwei Jahre jünger als du." entgegnete er boshaft. Tante Berta zog sich gekränkt zurück. Um so eifriger wurde Tante Tinchen. Sie lachte ihn sogar an, als sie fort- fuhr:„Du gehst doch nicht am Ende auf Freiersfühen? Je llcr!" Und sie schüttelte neckisch den Zeigefinger. oller, je voller! Wie ihre Pferdezähne blecken— dachte der Oberlehrer. Laut sagte er:„Du hast's getroffen, Tinchen/ Beide fuhren auf ihren Sitzen herum.„Ja, wer denn? Wer?" Er zog die Stirn in diplomatische Fallen.„Es ist ja eigentlich Geheimnis—' Beide schrien unisono:„Aber uns kannst du es doch sagen!" Er fuhr ernst fort: und eigentlich soll ja ersb der Familienrat heute entscheiden—" „Also deshalb! Und wer ist es?" „Aber nicht weiterreden! Ich vertraue das Geheimnis nur euch an." „Wie ein Grab will ich schweigen," sagte Tante Tinchen. „Aber das ist doch unter Verwandten selbstverständlich," echote Tonte Berta. Beide brannten aus den Moment des Aussteigens. Beide nahmen sich vor, den näheren, wenn auch unbequemeren Weg durch die Schefflerstraße zu benutzen, um früher im Görkeschen Hause anzukommen. „Also, dann will ich es verraten Am letzten Jahrmarkt, am Dominik, habe ich die Bekanntschaft gemacht—" Also keine Bekannte— dachten beide Tanten.'' „Ich glaube, ihr habt sie auch gesehen, wenn auch nur außerhalb der Bude." „Der Bude?" Beide starrten ihn verständnislos an. Beide witterten etwas Fürchterliches. „Ja. Es ist die bekannte Dame ohne Unterleib." Beide schrien auf, aber nicht vor Lachen, sondern vor tief- brennender, blutender Gekränktheit. Der Oberlebrer blieb völlig ernst. Er war mit sich zu- frieden. Sie ließen ihn den Rest der Fahrt über in Ruhe und protestierten nicht einmal, als er das Fenster öffnete. Das Essen ging still, in ziemlicher Gedrücktheit vor sich. Keiner war recht in Stimmung. Görke hatte Rotwein auf- fahren lassen und hielt eine Rede, in der er seine lieben Ver- wandten willkommen hieß,„soweit sie seinem Rufe zu folgen die Liebenswürdigkeit hatten." Hermann faß finster in sich gekehrt und ignorierte Tante Berta, die ihrerseits genug zu tun hatte, um Hermann und Fräulein gleichzeitig im Auge zu halten. Fräulein saß stumm am unteren Tifchende. Tante Tinchen schlug in das Kasseler. Rippespeer ein. als gelte es einen Preis zu gewinnen. Frau Görke sah gequält auf die Schüssel. Es würde nicht reichen, wenn es sö weller ging. Sollten die guten Senfgurten doch angegriffen werden? (Forts, folgt.) In den Sauden fjrunbftflffen an geeigneten Stekken sin Kellern, iksche und Abfallgruben, altem Mauerwerk usw.) am 23. November wirk same Rattenvertilgungsmittel, nämlich Phosphorlatwerge oder Meerzwiebelpräparate(die aber weniger wirksam sind), auszulegen. Von der Verpflichtung zur Auslegung dieser Mittel sind nur diejenigen defreit, die einen Kammerjäger oder einen anderen, auf dem Gebiete der Rattenvertilgung bewährten Fachmann mit dem Auslegen des Giftes für den festgesetzten s£ag beaustragen und dies durch eine Bescheinigung des Beauftragten ihrem zuständigen Polizeiamte nachweisen. Zm Verlauf der gestrigen Klante-Gläubigerversammlung, über die wir im Abendblatt ausführlich berichteten, kam es zu stürm i- fchen Auseinandersetzungen als der Vorsitzende die Frage stellte, ob die Gläubigerversammlung Herrn Wunderlich als Konkurs« Verwalter weiter behalten wolle. Während ein Teil der Gläubiger für die Beibehaltung Wunderlichs sich aussprach, wurde von anderer Seite seine Absetzung gefordert. Als der Vorsitzende einem Redner. der sich nicht an die' Sache hielt, schlieszlich das Wort entzog, ent- stand ein Tumult, der weitere Verhandlungen längere Zeit unmöglich machte. Nach Wiedereröffnung der Sitzung befragte Konkursverwalter Wunderlich die Versammlung, ob sie damit ein- verstanden sei, datz Frau Klonte und ihre Kinder weiter u n t e r st ü tz t würden. Da eine Entscheidung hierüber in der Ver- sammluug nicht zu erzielen war. beschloß das Gericht, die Ent- ichcidung hierüber sich vorzubehalten. Tie Zusammensetzung der Versammlung machte sodann die Vornahme einer geordneten Ab- stiinmung unmöglich. Schließlich beschloß da-Z Gericht, die Gläubiger- Versammlung zu vertagen und einen neuen Termin anzusetzen. Die neuen Schlafwagen Z. Klasse. Wie bereits kurz mitgeteilt, hat bei der Festsetzung der neuen Bettkartenpreise, die vom 1. No- vember ab in Kraft treten werden, der Reichsverkehrsminister auch die Indienststellung der Schlafwagen 3. Klaffe bereits berücksichtigt und als Termin für die voraussichtliche Einführung der Schlafwagen 3. Klaffe den IS. kommenden Monats in Aussicht genommen. Die ersten dieser Wagen werden voraussichtlich in den Schlaswagenzug, der zwischen Berlin und München(ab Anhalter Bahnhof 7.18 Uhr abends) oerkehrt, eingestellt. Weitere Schlafwagenläufe 3. Klasse sind in Aussicht genommen für die Strecken Berlin— Ostpreußen und Berlin— Köln. Gegen die Zlackttänze auf Rummelplätzen wandte sich in seiner letzten Sitzung der Verband der Schausteller und beschloß, jede an- stößige Vorstellung auf den Plätzen zu verbieten und die Kontrolle darüber einer aus Slbanstellern und Artisten zusammengesetzten Kommission auf dem Einzelplatze in die Hand zu geben. Die Dar- bietungen auf diesem Gebiet waren primitiv und so minderwertig, daß die betreffenden Artisten es selten ans mehr als zwei Vor« stellungen brachten. Die Polizei fand selten Ursache zum Eingreisen, weil sich schon die Schausteller im Interesse ihres Standes energisch gegen den Mißbranch ihrer Plätze wehrten. Wasservergeudung durch Kinder. Trotz wiederholten Hinweises auf die unrechtmäßige Wasserentnahme aus den- Straßenbrunnen und die Wasserverschwendung durch Kinder kann man noch täglich die Beobachtung machen, daß Kinder am Brunnen stehen und ohne Ursache das Wasser laufen lassen, sich gegenseitig bespritzen oder durch sonstige Spielereien größere Wassermengen verplantschen. Eine derartige Äasservergeichung müßte schließlich zur Sperrung von Brunnen führen. Die vielen Gespanne hätten dann keine Tränke- statte mehr, da sie nur auf Straßenbrunnen angewiesen sind. An die Eltern und Lehrer ergeht daher wiederholt das Ersuchen, den Kindern diesen Unfug streng zu verbieten und ihnen die eventuelle Bestrafung seitens der Schulbehörde vor Augen zu halten. Die Winterausgabe von KiestttnaS.Verliner Verkehr" ist lo- eben erslbienen und umtaßt mit einem um 32 Seiten vermehrten Umfang die Eisenbahnsahrpläne, die jetzt alte Eisenbahnlinien-ZlorddentschlandS, io, wie den Durchgangs- bzw. itknichiiihvertehr nach West-, Mittel- und Ott- denlschlar.d betreffen. Der Berliner Stadt- und Vorwrlverkehr. eiulchlietzlich der Stratzcnbabneii und Omnlbiiffe/ ist ganz besonders nnsführttch dargc-- stellt. Preis ii.S0 M. Bund religiöser Sozialisten, Ortsgrupve Moabit. Heute abend 8 Ubr iprichl Miß GileZ, Mitglied der Ouäkertommission, im Eemeindesaal, Beusseistr. 35, Ouergcb. Part, über das Thema:.Was wollen die Quäker?" Eintritt srei. Aussprache. �lus öen kreifea. In einer gut besuchten Mitgliederversammlung nahm Steglitz zum Garlitzer Parteitag Stellung. Nach einem instruktiven Referat des Gen. Ed. Bernstein und einem Korreferat des Gen. H. Strö- bel wurde eine Entschließung angenommen, wonach die Ver- sammlung den Görlitzer Beschluß bezüglich der Regierungskoalition zu eigen macht, vom Parteivorstand aber fordert, daß an den grund- sätzlichen Forderungen bestimmt festgehalten wird. Das Resultat der Abstimmung wurde von der Mehrheit mit Beifall begrüßt. Zilmschau. »EhristuS". Die Ltchlbiid-iÄcstllschajt Strahburger u. To. hatte zu »tner Voilührung deZ ltalienischen Films.CHrisluS« cht die Philharmonie geladen. Man kann aber mit Fug verlangen, daß man uns mit der- artigen italienischen Importen, tzivcnn sie nicht« Besseres bieten können, ver- schont. Die ganze große Menichheilsiragödie löst sich auf in locker gereihte Filmbilder. Man reitet gewifferniaßen im Galopp durch das Neue Testa- menr und gowahrt dabei«ine Unmenge Bolls in allen Bildern, daneben schöne llandschasten ans Palästina und Slegvptcn, anscheinend übcrbcttchict, so daß die meiilen Bilder schwarz und dunlci bcrauStameu. Christus selbst wurde tn MaSle und Gesten durchaus würdig verkörpert, aber er lam einem bildlich nicht nahe genug und in dramatischcr Hinsicht überhaupt nicht. Die technische Widergabe in Licht und Format war in der Phil- Harmonie geradezu miserabel. Schädel Das' Schönste war das Phil- harmonische Orchester unter Scharwcn'a. Man hätte das Ganze in einem regulären Kino vorführen sollen. »JlatanSketten-. Im Motiv Haus Hardenbergstraße läuft ein Film; Satanskcttcn, der sich SenfationSspielsilm nennt. Der Inhalt ist kurz folgender: Ein rüchcr Industrieller lernt die Tochter(Reffet Orla) der Barontn Conta(Margarete Kupjrr) kennen. Dann kommt ein Scheusal von geborenen Margiiisiugenüveransta!tungen. Verein Arbeiter-Jugend. Sekretariat: SW. 88, Lindenstr. 2, 2. Hos link», 2 Treppe» recht». Telephon: Mpl. 121«8—19, Heule, Freilag, den 28. Oktober: Bohnsdors. Jugendheim Gemcindeschule Dohmeftroße, Borlrag:„Werden und Vergehen im Weltall".— Charlottenbura. Jugendheim Rosincnstr. 4, Vortrag:„Die Buchdruckerkunst".— Kalensec. Jugendheim Schule Joachim. Fried- rich-Straße, Vortrag:„Was ist Sozialismus.— Moabit. Jugendheim Schule Walbenscrstraße, Vortrag:„Böller und Nassen".— Ncukölln.Siid. Jugendheim Noaatstr.!>3, Bortrag:„Die Grundbegriffe der Sozialdemokratie".— Ri-der- schdnhauseu. Jugendheim Schule Blankenburqer Straße, Vortrag:„Ein Aus- Nug i» den Weltenraum".— Nordosten. Jugendheim Schule Pasteurstraßc, Vortrag:„Glauben und Wissen".— Petersburger Biertel. Jugendheim Schule Straßmannstraße, Vortrag:„Grschichtsauffassung".— SchSneberg l. Jugend- heim Rubens-, Ecke Hauptstraße, Diskussion:„Was gedenken wir zu Weih. »achten zu tun".— Treptow. Jugendheim Elsenstr. 2, Vortrag:„Cchus» rcforni".______ Hus aller Welt. Ein Grenzzwischenfall. Der Pariser.Malin" schreibt angeblich asfiziös:�Der Soldat Liebenhaidt, ein Elsässer, ging in Begleitung seine? jüngeren Bruders aus den Wiesen bei Scheibenhard an der Pfälzer Grenze spazieren und wurde nur wenige Meter von der Lauier zweimal angerufen. Da die Lauter an dieser Stelle einen ziemlich starken und lauten Strom hat, hörten die beiden Brüder oen Anruf nicht, worauf ein» deutscher Zollbeamter einige Pistolen- schüsse abgab, die den Licbenbardt trafen, der dann auf französischem Boden niederfiel. Der Getötete hatte ein Paket Tapeten bei sich, deren Ausfuhr aus Deutschland nicht verboten ist. das aber den Anschein van Schmuggelware erwecken mußte.— Uebrigens gibt es ja auch Ausfuhrstrafzölle der Entente. Crzbergers Tochter wird Rönne. Holländischen Blättern zu- folge ist die Tochter des verstorbenen Erzbergers in ein holländisches Karmeliter-Nonnenkloster als Novize eingetreten. Sport. Rennen zu Grunewald. DomierStag. 27. Oktober. 1. N e n n e n. 1. Primadonna(Janke), 2. Sechausen sFranzke), 3. Scapa(Eberl). Tot.: 41: 10, Platz: t6. 34, 15: 10. Ferner ltcien: Münze(4.), Glanz, Flicgerhcld, Malentc, Pfälzer, EriS, Mcmento(sletzengcbt.)— 2. Nennen. I. Lonja(O. Schmidt), 2. Eontrahcnt(Tarras), 3. Queen Henrictia (Ientzlch). Tot.: 113:10, Platz: 33, 16, 15:10. Ferner liefen: Meerlckianm(4.), Sldvian Werburg, FriedcrtcuS, Moralda, Ieffy. Herrscherin, Chicaneur. Mobil, Ketik, Turmwart. Turmlied.— 3. Rennen. l. Anatreon(O. Schmidt), 2. Pcrillcs(Rastcnb-rgcr), 3. Geiser(Olcjnik). Tot.: 53: 10, Platz: 18, 25: 10. Ferner Uesen: Träumer(4.), Harfe, Paukenschläger.— 4. Rennen. L Mime(O. Schmidt), 2. Willana (Otcjnik), 3. Gravos«(Altmann). Tot.: 60: 10, Platz: 21, 21. 24: 1#. Ferner liefen: Marschmarsch(4.), Mabaradja, Mispel, AuScrwähUe, Im- Porte, Terz. Willana wurde wegen Bchinderns aus den zweiten Platz per- wtcicii.— 5. Renne n. 1. Abt. 1. Obersetdhcrr(Heidt), 2. tlian IX (Preißler). 3. Ronrad(Kaiser). Tot.: 76: 10. Platz: 43, 26, 51: 10. Ferner tiefen: Dunst(Ij, Berliner Tcifi, Sonntagsruhe, Pallenbcrg/ Liebesgott, Palme, Combattant, Terek.— 2. Abt. 1. Madaui(Standinger), 2. Htuimclblau iKatper), 3. Orne(Bleuler). Tot.: 51: 10, Platz: 22 48, 43: 10. Ferner Uesen: DardanoS(4.), Correggio, Abend stürm, Hütcger, Parthcr, Famulus, Erbschleicher, Föhn.— 6. Rennen. 1. Hein- rich geh(Olejnil), 2. Baroe(Slaudinger), 3. Tausendmarknotc(Tarras). Tot.: 50: 10, Platz: 15, 20, 14: 10. Ferner Uesen: Habicht(4.). An- jutka, Burgritler, Leibsuchs, Sabotage, Meister Memling, Mondaine, Mata- bor, Ritter Blaubart, Markomanne, Lindenblüte.— 7. Rennen. 1. Gycre velem(Gorsler), 2. LustibuS(Tarras), 3. Weser(Slaudinger). Tot.: 80: 10, Platz 33, 28. 34: 20. Ferner Uesen: Anemone(4), Maza- ntello, SaStia, Arkansas, Siamit, Jndling, Wilna, Einhart, Mcniko, Friedens- ritter, Dalai Lama._ Arbeitersport. Spieltcrmine der Freien Hockey-Vereiniguna(M. d. A. T. u. So. B.) am Sonntag, den 20. Oktober: Aus dein Spielplatz Schönhauser Allee: Fichte 2 l— Fichte III 2—314 Uhr(Rothe— Lenz): Ficht- 1 1-Ficht- 121 314-5 Uhr (Braun— Vogel). Auf dem Sportplatz der Fr. Turnersch. Wilmersdorf, Würt- tembergtsche Straße: Wilmersdorf l— Roland I 1—214 Uhr(Riene— Vehrends): Moabit I— Lichtenberg II 214—4 Uhr(Tesch— Schzvarz). Auf dem Sportplatz in Staaken: Staaken I— Lichtenberg 1014— 12 Uhr(Richter— Dußc). Stadt. Spielplatz in Westend: Charlottenburg l— Fichte 12 II 914—11 Uhr(Dittbörncr— Haubenschild). Nartellsportplatz Lichtenberg: Lichtenberg III— Fichte U> II 114 bi» 2 Uhr(Martini— Schröder). Arbeiter-Turn- uud Sportbund. AltcrsriegcnNirner Groß-Berlins. Eonn- tag, den 20. Oktober, Herbftturnsahrt nach Sperenberg. Treffpunkt 7 Uhr Pots. damcr Ringdahnhof. Abfahrt 7,lo Uhr bis Zossen. Gäste willkommen. Arbeite«. Nadsaheer-Beeein„Groß Berlin". Sonntag früh 614 Uhr Nauen. Nachmittags 1 Uhr Hennigsdorf fBrofe). Start: Martanncnplatz. Arbeiter-Radsohrer-Bund„Sslidarität" Berlin. Touren für Sonntag, den 20. Oktober: 1. Abt. Nowawes(Turnhalle), Start 1 Uhr Möckcrnstraße 114.— 2. Abt. Löwcndorf, Start 7 Uhr; nachm. Nowawes, Start 1 Uhr Planufer 62. — 2. Abt. Pichclswerder(Freund), Start 1 Uhr Lauscher Platz(Kirche).— 4. Abt. Johannisthal(Bo!a>, Start 1 Uhr Mcmelcr Park.— 5. Abt. Baß- darf(Nedlersruh), Surrt 1 Uhr Kointureiplatz.— 6. Abt. Preislangfamfahren nach Wittenau(Eberhardt), Start 1214 Uhr kopenhagener Str. 26.— 7. Abt. Damcntour, Start 12 Uhr; Herxntour, Start 1 Uhr kolonicstr. 147. gicl am Start.— 8. Abt. Hirschgartrn(Wilhclmshof), Start 1 Uhr Woldstr. 8.— 10. Abt. Wittenau(Ebcrhardt), Stari 1 Uhr Comcniueplatz.— 11. Abt. Streifzilge durch den Grunewald, Endziel(Freund), Start 1 Uhr.— Vrtsgr. Lichtenberg. Birtenwcrder(Japan), Start 1 Uhr Traveplatz.— Ortsgr. Neu. tälln. Zehlendorf, Karlstr. 12, Start 1 Uhr Richardplatz.— Ortsar. Pankow. Pichclswerder(Freund), Start 1 Uhr Florastr. 24.— Ortsgr. Räntgenthal und Umgegend. Nach Wandlitz(Liepnitzfee), Start früh 8 Uhr an der Zentrale in Buch.— Fahrwurte. Zentralfahrwartschung Freitag, den 28. Oktober, Runge- straße 7, 7 Uhr. Erscheinen ist Pflicht. Touristen-Verein„Die Ratnrfreundc". Abteilung Mitte. 20. Ottober: Naurn.Funkenturm— Finkenkrug. Abf. Lehrter Bahnhof 7215, Putlitzstraße 7,21 Uhr bis Nauen. De« Schwimmvcrein„Welle", Berlin, veranstaltet am Sonntag, den 20. Ok- tober, nachmittags 2 Uhr, in der städtischen Badeanstalt An der Schillings- brücke, ein großes Schau- und Wettschwimmen. Hervorgehoben sei der Kunst. reisen, der von der Damenabteilung geschwommen wirb. Zum Schluß wird ein elektrischer Lampionreigen vorgeführt. Freie Turnerschaft Echineherg-Verlin. Sonntag: Altersriegenturnfahrt nach Cchiincich«(Restaurant Mann). Treffpunkt 9 Uhr vormittag Bahnhof Karlshorst.— Veziek Schäncberg. Sonnadcnd Berfammlung bei Rosenthal.— Fußball-Abt. Wettspiel gegen Adler 08 auf dem Jugendheimplatz.— Bezirk Süden. Sonntag Schauturnen der 1. Mädchen-Abteilung Turnhalle Böckh. straße 17, 3—5 Uhr nachmittags. Frei- Turnerfchaft R-ukS»n.«ritz. 1. Männcr-Abt. Sonntag, den 30. Ok. tader, äff-ntliches Turnen um 241 Uhr in der Turnhalle Hertzbcrgplatz, unter Mitwirkung des Mandolinenklubs„Prelto"(M. d. B. d. A. M.), ca. 20 Mann. Der Eintritt ist frei. Sriefkasten der Redaktion. Briefliche Auskunft wird nicht erteilt.- Jeder für den Brief. tasten bestimmten Anfrage füge man einen Buchstaben und«in« Nummer bci. Eilige Anfragen trage man in der Juristisch»» Sprechstunde. Lindenstr. 2. 1. Hof pari, links, vor. Schriftstücke und Verträge sind mitzubringen. .. 18* A''".— O- 75. In 5 Jahren. Nicht unter einem Monat. Nur beim Vorliegen mildernder Umstände kann auf eine geringer« Strafe erkannt werben.— P. 52. 1. Wöchentltch 84 M. 2. Bei der allgemrinen Ortstranken. lasse.— vrbg. 8». 1. Ja. t. Legen Sie Einspruch ein.— G. 101. 1. 80 Prof., fofern die Friedensmiete mehr als 2100 M. betrug. 2. 840 M. plus 45 Proz. 8. Bis 2400 M.— A. K. 25. Wenden Sie sich an das Amtsgericht, Abteilung für Nachlaßsachen.— Z. M. 100. Vom 1. November ab monatlich 7,50 M.— «-«- 121. Die Ocffeiitlichkeit ist nur für die mündlichen Verhandlungen vor» tcschricbcn. Der � 20 des Gesetzes betr. die vorläufige Regelung verschiedener 'Untte des Gemeindeperiassungsgrsetzes vom 12. Juli 1219 ordnet zwar die Oeffentlichkeit auch für alle Amtsversammlungen an. Ob dieses Gesetz aber im vorliegenden Fall« zur Anwendung gebracht werde« tonn, ist zweifelhaft. Wivtfdyaft Keine Privatisierung der Eisenbahnen. WTB. meldet: Unter dem Vorsitz des Reichsministers Gr Ost n er trat gestern der Sachverständigenbeirat des Reichsverkehrsministeriums zu einer Besprechung der Lage der Reichseisenbahnen zusammen. Auf der Tages- ardnung stand die Frage, die in letzter Zeit durch mehrere Presse- artikel auch die breite Oeffentlichkeit beschäftigt hat, ob die Ueber- führung der Reichscisenbahnen in Privatbetrieb eine Ge- sundung der finanziellen Lage der Reichseisenbahnen herbeizuführen geeignet wäre. Dieselbe Frage war bereits' vor drei Wochen in der Prastdentenkonferenz in München erörtert worden. Nachdem schon auf dieser Konferenz gegen den Privat- betrieb allgemein eine ablehnende Haltung angenommen war, ist auch in der Sitzung des Sachverständigenbeirates von keiner Seite die Ueberführung der Reichseisenbahnen in Privathände in irgendeiner Form empfohlen worden. Die ganz über- wiegende Mehrheit war auch der Auffassung, daß eine Uebertra- gung der Verwaltung an eine privatrechtliche Gesellschaft, selbst unker Wahrung des Eigentumsrechtes des Reiches, nicht zweckmäßig sei. Dagegen wurde eine vielseitige Durchdringung des Staats- betriebe? mit kaufmännischem Geist und möglichste An- wendung privatwirtschaftlicher Grundsätze inner- halb des Staatsbetriebes empfahlen. Der Beirat billigte die Ab- ficht des Ministers, bei der Einbringung des Eisenbahnfinanz- gesetzes eine Reihe van Anwendungsmäglichkeiten Privatwirtschaft- licher Grundsätze durchzuführen. Dieses Eisenbahnfinanzgesetz soll nach den Absichten des Ministers noch in dieser Tagung de» Reichs- tages zur Verabschiedung gelangen. Damit dürfte vorerst der leidige Streit darüber, wie man die Eisenbahnen an das Privatkapital ausliefern kann, erledigt sein. Wieder 311 Millionen Mark neues Papiergeld. Der Ausweis der Rcichsbank vom 22. d. M. zeigt ein weiteres Anwachsen des Papiergetdumlaufs. Während der Umlauf an Darlehnskassenscheinen um 104,7 Millionen Mark auf 7322,0 Millionen Mark zurückging, sind an Banknoten 416 Millionen Marl neu in den Verkehr gegeben worden, so daß der Banknotenumlauf am 22. d. M. die Höhe van 88 144,2 Millionen Mark erreicht hat. An beiden Geldzeichen zu- sammen sind also 311,3 Millionen Mark neu in Umlauf gelangt. In der dritten Oktoberwoche des Jahres 1020 wurde demgegenüber Papiergeld für 280,8 Millionen Mark aus dem Verkehr gezagen. Eine Erhöhung der kassecpreise kündigt der Verein der Kaffee- Großröster und-Händler an und begründet sie mit dem erhöhten Zoll und der Markentwertung. Die Regierung, die weiß, daß der Kaffee- Handel sich nach vor Inkrafttreten der Zalloerdappelung eingedeckt hat, wird dafür zu sargen haben, daß die Preiserhöhungen nicht über das gerechtfertigte Maß hinausgehen. Da allein die Valuta- Verschlechterung den Kaffee im Einkauf um 8 Mark verteuert, ist mit einer Einschränkung des Verbrauchs ohnehin zu rechnen. Der Massenandrang zur Börse hat derartige Farmen cmge- nammen, daß der Börsenvorstand die für heute angekündigte zweite Vallbörse dieser Wache aussallen lassen muß. Makler und Banken können die vorliegenden Aufträge nicht bewältigen. Auch di« bisherige starke Einschränkung des Verkehrs auf zwei Voll- und eine Halbbärse wöchentlich hat das Spielfieber nicht einge- dämmt. Die erneute Verschlechterung der Mark. Noch vorübergehender leichter Erholung des Martkurses trat gestern wieder eine Ver- fchlechterung ein Der Dollar, der vorgestern mit 165,33 notiert worden war, kostet« nach den amtlichen Kursen der Berliner Börse gestern 173,57 M. 100 holländische Gulden wurden um 200 M. l?gher mit 5804,10 M. bezahlt. Es stiegen serner u. a. 1 Pfund Sterling von 655,80 aus 681,30 M., 100 französische Franken von 1206 auf 1263 M., 100 Schweizer Franken von 3016,05 auf 3176,80 Mark. Ufa(Universum-Film-A.-G.). Der Aufsichtsrat beschloß im Zusammenhang mit ihrer kürzüch erfolgten Fusion mit der Decla-Bioskap-A.-G. eine Verdoppelung des Aktienkapitals auf 200 Millionen Mark. Der Generalversammlung, die darüber zu be- schließen hat, soll ferner ein Zusammenschluß mit der National- Film«A.-G. vorgeschlagen werden. Die Meldung kennzeichnet die Kanzentratianstendenzen in der Filmindustrie. Nachdem zuerst drauflos gegründet wurde, macht sich in erhöhtem Maße eine Zu- sammensasiuna der Unternehmungen notwendig, um die Betriebe auf eine wirtschaftliche Grundlage zu stellen und ihre Kon- kurrenzfähigkeit gegenüber dem Ausland zu steigern. Erhöhte Karlosselzustihren. Die Steigerung der Kartaffelpreise wurde zu einem Teil aus die unzureichenden Kartoffeltransporte zurückgeführt. Jetzt wird aus dem Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft mitgeteilt, daß es den Bestrebungen des Reichs- Verkehrsministerium erfreulicherweise gelungen ist, die Zahl der an einem Tage beförderten Güterwagen mit Kartaffeln auf über 7000 zu steigern. Ein internationales Abkommen in der drahklosen Tclegraphie. Die vier führenden Werke der drahtlosen Telegraphie der Welt, nämlich die amerikanische Radiagesellschaft, die französische Gesell- schaft für drahtlose Telegraphie die deutsche Gesellschaft und die englische Markonigesellschaft haben einen Vertrag geschlossen mit dem Ziele, die wissenschaftliche und technische Vervalltomm- nung des drahtlasen Telegrammverkehrs ge- meinschaftlich zu bearbeiten. Auf diese Weis« will man die zuverlässige, sparsame und schleunige Beförderung von Nachrichten auf drahtlosem Wege sichern und zu gleicher Zeit einer Bergeu- dung der verhältnismäßig wenigen für Verkehr auf weite Entfer- nungen verfügbaren elektrischen Wellenlängen vorbeugen. Die deutschen kohlenlies erungen an Frankreich. Nach amt- licher Mitteilung aus Paris hat Frankreich von Deutschland im Laufe des Monats September 253113 Tannen Koks, 610 556 Tannen Steinkahlen und 43 327 Tonnen Braunkohlenbriketts er- halten. Insgesamt sind nach Frankreich seit Monat Januar aus Deutschland gekommen: 2227 055 Tannen Koks, 5 444 056 Tonnen Steinkohlen und 271 334 Tonnen Braunkohlenbriketts. Eine Volksbank in Estland. Die vom Lettischen Genosscnschans- kongreß im Februar 1920 beschlossene B a l k s b a n t hat mit Gr- nehmigung des Ministeriums ihre Tätigkeit-»,» diesen gün. auch zerbroch. J stigen Moment und J Aokfltlf lknhlneine /verkaufen S i c/ � En?ros. Preisen Brillanten zum Auslandskurs EdelmetallgroBtiandlnng Gold-, Silber-, Platin ' bruch und Gegen- r stände.— Meine 'handelsgerichtlich ein» ' getragene Firma bürg/ Ihnen für absolute> ffAPP Huullik3f W handeisgerichtL eingetragene Firma neeilliai X Beuthstraße 10 '(Laden) am Spittelmarkt. Tel.: Zentrum 1876 Möbelfabrik Bob. 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