Nr.SlS» 38. Jahrgang /lusgabe Z Nr. 2SZ Bezugspreis: VierteljShrl. 38,— 31, monatl. 12,— M. frei ins Saus, voraus zahlbar, Post- bezug: Monatlich 12,— Zst. einschl. Zu- stcllungsgedsthr, Unler Kreuzband für Deutschland, Danzig, das Eaar- und Memelgebiet, sowie die ehemals beut- fchen Gebiete Polens, Oesterreich Ungarn und Luxemburg 22.— M., für das übrige Ausland 2?,— M. Post- bestellungen nehmen an Oesterreich. Ustgarn, Tichecho- Elowalei, Däne- marl, Holland. Luxemburg, Schweden und die Schweiz, Der„Vorwärts" mit der Sonntags- beilage„Volt und Zeit", der Unter- Hallungsbeilage„Heimwelt" und der Beilage„Siedlung und Kleingarten" erscheint wochentäglich zweimal, Sonn- tags und Montags einmal. Telegramm- Adreste: »Sozialdeiuolrat Oerdn' Abend Ausgabe berliner volksblstt ( IS �snnZg) Anzeigenpreis: Die neungespaltene Slonpareillezeile lostet 8,— M.„kleine Anzeigen- das letlgedruclte Wort 2,— 3!.(zu- lässig zwei fettgedruckte Wortes, jedes weitere Wort I,— M. Stellengesuche und Schlasstellenanzeigen das erste Wort i,— 93t, jedes weitere Wort •60 Pjg, Worte über 1ö Buchstaben zählen für zwe! Worte. ffamilien-An» zeigen für Abonnenten Zeile 3,00 M. Die Preise verstehen sich einschließlich Teueru uc! s-Uschlag. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis S Ahr nachmittags im Hauptgeschäft. Berlin SW 83, Linden- straße 2, abgegeben werden. Geöffnet von ü Uhr jrüh bis d Uhr abend». >10 Zentralorgan der rozialdemokratifchen Partei Deutfcblands Reüaktion und Expedition: SW öS, Lindenstr. 3 >?.»«.«k�v«>e-l,er- Redaktion Moriitplai, ISliiS— g? " erllsprruiri,. �p�ditlo« Moritzpla» II7SZ— sz Srianös Programm für Washington. Paris, 28. Oktober.(DTB.) In Erwiderung auf die Ausfüh- rungen des Senators Iauoenal über die Washingtoner Konferenz sagte B r i a n d in seiner Rede im Senat, er habe sich entschlossen, persönlich nach Washington zu gehen, um dem ameri» konischen Volke den Dank der französischen Nation für die Unter- stützung während des Weltkrieges zu bezeugen. Er hoffe, daß be- reits am ersten Tage wichtige Fragen zur Verhandlung kommen und die allgemeinen Richtlinien festgelegt werden würden. Wenn das geschehen sei, werde er zurückkehren. Die anderen französischen Vertreter und Sachverständigen würden die Aufgabe haben, die Einzelheiten zu regeln. Im einzelnen führte Vriand noch aus, die Interesien Frank- reichs bezüglich der Frage des Stillen Ozeans und der Ab- rüstungsfrage würden nicht vernachlässigt werden. Außer- dem würden die französischen Vertreter vielleicht nützliche Dienst« beim Vertreiben von Gewitterwolken und Nebelwolken leisten können. Endlich würden sich auf der Konferenz die Staatsmänner miteinander persönlich in Verbindung setzen. Besprechungen würden angebahnt werden und die« würde zur Beseitigung zahlreicher Schwierigkeiten führen. Besonders würde es vielleicht gut sein, wenn die Franzosen ihren eigenen Egoismus mit dem Englands in Verbindung brächten, damit auf beiden Seiten die vorspringenden Ecken und Kanten abgeschliffen würden. So werde man dazu ge- langen, die beiderseitigen Interesien in Uebereinstimmung zu bringen. In der Abrüstnngsfrage werde er in Washington erklären: Frankreich ist bereit, olles, zu unterschreiben, was dazu führen kann, die Rüstungen einzuschränken und die auf den Völkern ruhenden Lasten zu erleichtern. Aber vor allem muß Frankreich auf seine Sicherheit bedacht sein. Das ist eine Lebensfrage, die nicht vernachlässigt werden kann, ohne daß die ganze Welt in Gefahr kommt. Im Falle eine« Krieges müßte das siegreiche Frankreich mit vollem Recht von seiner Stärke Gebrauch machen, um den Schutz seiner Grenze besser zu sichern. Es hat dies nicht getan auf die von England und Amerika abge- gebene Zusicherung ihrer Allianz. Frankreich hat diese schöne Geste des Verzichtcns iid Vertrauen» ausgeführt und jetzt weder sichere Grenzen noch cincn vertrag. Unsere Alliierten werden nicht be- streiten, daß Frankreich in dieser Weise seiner Illusionen verlustig gegangen ist und sich jetzt genötigt sieht, die Waffen, die allein seine Sicherheit gewährleisten können, in die Hand zu nehmen. Der Senat sprach Briand mit 301 gegen 9 Stimmen sein Ver- trauen aus. und Kavallerie und für die Genietruppen bis zum Jahrgänge 1890 durchgeführt. Die deutschböhmlfche Bevölkerung seht der Mobilisakloo schärfstenwiderstaud entgegen. Zu großen Trupps überschritten sie die sächsische und bayerische Grenze, um sich der Mobilisation zu entziehen. Der Grenzverkehr wurde in solchen Fällen gesperrt. Der Eisenbahnverkehr aus der Linie klingeuthal— Graslitz wurde iu der Nacht vom Mittwoch bis Donnerstag einge- stellt. Gestern nachmittag 5 Uhr kam es in Graslitz zwischen der Bevölkerung und dem tschechischen Militär nach einer versamm- lung zu blutigen Kämpfen. Nachdem die Bevölkerung die tschechische Geudarmerie entwaffnet hatte, versuchte sie, auch das Militär zu entwaffnen. Hierbei gab es 7 Tote und 20 Ver- mundete, auch iu A f ch und S o m o t a u wurde das Milltär entwasfuet. Der Belagerungszustaud steht in Aussicht. «* • Paris, 28. Oktober.(DTB.) Nach dem„Journal" schlägt Eng- land vor, König Karl Aufenthalt auf der Insel Madeira an- zuweisen._ Zronkreich Hilst Rußlanü. Paris, 28. Oktober.(MTB.) Der Finanzausschuß der Kammer nahm den Entwurf an, durch den ein K r e d i t o o n S M i l l i o n e n, davon 4 Millionen in Lebensmitten, für die Hungernden in Rußland, eröffnet wird. Der Entwurf wird heute der Kammer zur Beschleunigung vorgelegt. Deutschlanüs Rechtsverwahrung. „Nicht eingetroffen nnd wirkungslos". Paris, 28. Oktober.(EE.) Die Botschafterkonferenz beschäfttgte sich, wie bereits gemeldet wurde, mit dem Schreiben des deutschen Botschafters Dr. Meyer, das den Protest der Reichs- regierung enthält. Hierzu erklärt das„Petit Journal", dieser Protest sei unzuläsiig. Die Botschafterkonfcrenz habe daher beschlossen, der deutschen Regierung mitzuteilen, daß der deutsche Protest als nicht eingetroffen und wirkungslos bettachtet werde. Deutschland habe keinerlei Meinung über die Entscheidung des Obersten Rates auszusprechen, Deutschland habe nur seine Devoll- mächtigten zu ernennen. Dies tat Deutschland. Diese Ernennung muß als der Hinweis betrachtet werden, daß Deutschland ohne Vor- behalt und mit ollen Folgen die Regelung der oberschlesischen Frage, die ihm bekanntgegeben wurde, annimmt. Die Redaktion der Antwortnote auf den deutschen Beschluß wurde gestern vorbereitet, der Wortlaut wird noch heute den Delegierten vorgelegt und Berlin übermittelt werden. Die Vorbereitungen öer kleinen Entente. Graz. 27. Oktober.(WTB.) Die„Tagespost" meldet aus Bei- grab, die von der Regierung gegen Ungarn getroffenen m i l i t Z- rischen Vorbereitungen würden fortgesetzt. Dem- selben Blatt zufolge wird aus Bukarest berichtet, daß General Averescu mit der rollständigen Mobilisierung der Infanterie und Kanallcrie betraut worden sei, Prag. 27. Oktober.(WTB.) Der österreichische Geschäftsträger Dr. Marek hatte m't dem Ministerpräsidenten B e n e s ch über die etwaigen Wirkungen der gegen Ungarn vorbereiteten Aktion auf Oesterreich eine Besprechung, wobei er bezüglich der R e s p e k t i e- rung der österreichischen Neutralität beruhigende Zu- sichcrungen erhielt, „Ecsko Slowo" meldet, der Karlisten-Führer Prinz Ludwig D indisch. Gr ätz sei an der tschechoslowakischen Grenze ver- h a f t e t und nach Prag gebracht worden. Widerstand der Teutsch-Böhme«. Prag. zs. Ottober.(Eigener Drahtbericht.) Gesten» wurde die MoblNfierung der Jahrgänge bis 189S für Artillerie, Infanterie Relchsregierung unü Seamtenverbänüe. Im Reichsfinanzministerium fanden am 2S. und 27. Oktober ausgedehnte Verhandlungen über die notwendig gewordenen Gehaltsverbesierungen für die Be- amten statt. Nach der Auffassung des Reichsfinanzmini- steriums handelt es sich diesmal nicht ausschließlich um eine Teuerungsaktion, sondern um eine Neugestaltung des Besoldungsgesetzes. Den Vorschlägen der Beamten- gewerkschaften stehen Vorschläge des Reichsfinanzmini- steriums gegenüber. Die Verhandlungen dauerten am Donnerstag bis nachts 1 Uhr, führten aber noch zu keiner Einigung. An der Bewegung beteiligt find die fünf Spitzenverbände, die eine 21gliedrige Verhandlungskommis- s i o n entsandt haben. Hierzu stellen der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund und die Afa 8, der Deutsche Beamten- bund und der Deutsche Gewerkschaftsbund je 5 und der Gewerkschaftsring 2 Vertteter. Geplant ist zuerst über die Beamtenforderungen und tm Anschluß daran über die Angestellten- und Arbeiterforderun- gen zu verhandeln. Die Verhandlungen sollen mit groß- ter Beschleunigung zu Ende geführt werden. Starke Schwantungen ües Dollarkurses. Im Verkehr zwischen den Banken wurden heute morgen Dollarnoten zu einem Kurse von 187— 189 gehandelt. An der Börse setzte der Kurs in dieser Höhe ein, ging aber im weiteren Verlauf sehr rasch auf etwa 1731/, zurück, da nach Meldungen aus New Bork in dortigen Finanzkreisen eine Anleihe für Deutschland im Umfange von einer Milliarde Dollar zustande gekommen sein soll. Die Anleihe soll für Reparationszahlungen verwendet werden._ Das Wüten üer Sicherheitspolizei. Im Untersuchungsausschuß des Landtages wurde heute die Zeugenvernehmung zu Ende geführt. Zeugin Frau Straube- Ouerfurt, Witwe des erschossenen Konsumvereins- Verwalters Straube, schildert die Gefangennahme und Fortführung ihres Mannes. Dieser sei unterwegs geschlagen worden. Zeugin legt den arg zersetzten Hut ihres Mannes vor. Die Sipo-Mannschaften hätten einen ganzen Wagen voll Konsumvereinssachen, Zigarren, Schuhe, Würste, fortgeschafft. Vom Bürgermeister Behrendt sei trotz Aufforderung Hilfe verweigert worden, weil es sich an- geblich um das Lager der„Roten Armee" handelte, was nicht der Fall gewesen sei. Die Erschießung in Schasstadt habe sie nicht gesehen, sondern die Leiche erst nächsten Tages in der Leichenhalle gesehen. Schußkonäle habe sie nicht gesehen, wohl aber sei das Gesicht ihres Mannes blutüberlaufen gewesen. Auf Befragen erklärt die Zeugin, ihr Mann habe auf Grund des Waffenscheines einen Re- volver für das Geschäft gehabt. Sonst habe er nur noch an Waffen ein Seitengewehr besessen. Bürgermeister 5) e i m ck e habe die Nach- richt von der Erschießung schon früher gehabt, als die Exekutton vollzogen worden fei. Als nächster Zeuge sagt Bürgermeister H e i m ck e- Ouerfurt aus: Der erschossene Sttaube ist der geistige Leiter der Ouerfurter Arbeiterschaft gewesen. Zeuge hat den stühe» sehr ruhigen Straube als Gewaltmenschen gekannt und ihn wiederholt beschworen, die Arbetter nicht ins Unglück zu stürzen. Vonvärts-Verlag G.m.b.H., EW 6$, Lindenftr. 3 SecrMibre-ehe-r- Verlag. Expedition«nd Inseraten- »svrnjprrnivr. Abteilung Moriyplat» 11753-54 die deutschen Gewerkschaften. Das Internationale Arbeitsamt in Genf veröffentlichte in der Augustnummer seiner„Internationalen Arbeitsrundschau" eine Zusammenstellung der Gewerkschaften der Welt. Danach gibt es in dreißig Ländern 48 929 000 gewerkschaftlich organisierte Arbeiter. Davon entfallen mehr als ein Viertel, nämlich 13 Millionen auf Deutschland, das die größten Arbeiterorganisationen der Welt hat. Die deutsche Gewerkschaftsbewegung ist keineswegs ein- heitlich. Sie zerfällt in die verschiedensten Gruppen und Grüppchen. Da sind die Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereine, die christlichen Gewerkschaften, die verschiedenen Arbeiter- Unionen,(wild gewordene Kommunisten), die Syndikalisten und die in neuerer Zeit entstandenen Gründungen der Deutsch- monarchisten, die Vereinigungen nationaler Arbeiter und An- gestellter. Alle diese Splitter zusammengenommen haben nicht die Macht, die eine große Gewerkschaftsgruppe besitzt, die zusammengefaßt ist im Allgemeinen Deutschen "ewerkschaftsbund(ADGB.) und im A l l g e- meinen freien Angestelltenbund(Afa). Sie verfügt über 64 Organisationen mit nahezu 9 Millw- nen Arbeitern und Angestellten. Zwischen diesen beiden großen Teilen der auf dem Boden des Klassenkampfes stehenden Gewerkschaften besteht ein K a r t e l l o e r- h ä l t n i s, daß die Selbständigkeit der beiden Teile aner- kennt, sie aber verpflichtet, in allen gewerkschaftlichen, sozialen und wirtschaftspolitischen Angelegenheiten, die die Interessen der Arbeiter und Angestellten gemeinsam berühren, z u- sammenzuarbeiten. Beide Teile sind dem Jnternatio- nalen Gewerkschastsbund in Amsterdam angeschlossen. Neben diesen beiden größten Organisationsgruppen der deutschen Arbeiter und Angestellten läuft eine dritte, ebenso beachtenswerte, die der deutschen Beamten, die ihre Spitze findet imDeutschenBeamtenbund. In dieser Organi- sation sind zusammengeschlossen alle Beamten des Reiches, der Staaten und der Gemeinden. Die Organisation der Beamten-. verbände hat es leider noch nicht zu einem Bekenntnis z u f r e i g e w erkschaf-tlichenGrundsätzen gebracht, aber sie sympathisiert mit den beiden Spitzenorganisationen der Arbeiter und Angestellten, und die Bestrebungen gehen dahin, alle drei Organisattonen zusammenzufassen. Vor einigen Monaten schien die Verwirklichung dieser von dem verstorbe- nen Führer der deutschen freien Gewerkschaften, Karl Legien, propagierten Dreisäulenmacht in greifbare Nähe gerückt zu sein. Leider gelang das Werk nicht, aber es wird in nicht allzu ferner Zeit möglich fein, in Deutschland die Ein- heitsfront aller Hand- und Kopfarbeiter zu errichten. Kurz nach der Revolution, aber nicht infolge der Revolution, sondern in konsequenter Fortsetzung der von den steien Gewerkschaften betriebenen Tarif- Politik gingen die Gewerkschaften Arbeitsgemein- schaften mit den Unternehmern ein. Diese Ar- beitsgemeinschaften erstrecken sich aus die einzelnen Industrie- zweige und sind wiederum zusammengeschlossen in der Z e n- tralen Arbeitsgemeinschaft. Auch um die Not- wendigkeit dieser Arbeitsgemeinschaften wird im Augenblick heftig gekämpft, große Teile der Gewerkschaftsmitglieder for- dern die Auflösung dieser Gemeinschaften, weil sie glauben, dadurch eine größere Bewegungsfreiheit zu bekommen, die sie besonders bei Lohnbewegungen vermissen. Der alte und er- fahrene Teil der Gewerkschaftsmitglieder allerdings hält an dieser Arbeitsgemeinschaft zwischen Arbeit und Kapital fest. nicht aus grundsätzlichen, sondern aus rein taktischen Erwägungen heraus. Die Organisationen der Arbeiter zählten im Jahre 1900 kaum 700 000 Mitglieder. Zehn Jahre später war bereits die zweite Million überschritten, und bis zum Ausbruck, des Kriegs organisierten 48 Zentralverbände 2 Sil 137 Arbeiter und Ar- beiterinnen. Der Krieg unterbrach diese glänzende Entwicklung, so daß es im Jahre 1916 nur noch 960 000 Gewerkschafts- Mitglieder gab. Langsam wuchs diese Zahl bis zum Kriegs- ende um 700 000. Die Revolution aber brach die Fesseln und machte für jeden den Weg zur Organisation frei. Jetzt setzte eine stürmische Aufwärtsbewegung ein. die die kühnsten Hoff- nungen übertraf. Im letzten Quartal des Jahres 1919 zählten die im ADGB. zusammengeschlossenen 52 Arbeiterorganisationen 7 337 477 Mitglieder, davon waren 1 615 922 Frauen. Die Einnahmen beliefen sich auf rund 247 300 838 M„ denen 200 408 709 M. an Ausgaben gegenüberstanden. Ohne das Vermögen der größten Organisation, des Deutschen Metall- arbeiterverbandes, betrug das der übrigen 51 Zcntralverbände 133 180 009 M. Dieser gewalttge Mitgliederzustrom hatte aber das Reservoir der Unorganisierten noch nicht leer ge- macht. Die Entwicklung wurde zwar sehr ruhig, aber immer- hin brachte das Jahr 1920 noch einen Zuwachs von 688 205 Arbeitern und Arbeiterinnen, so daß am Ende des Jahres 1920 8 025 682 Mitglieder der Freien Gewerkschaften gezählt wurden, unter denen sich 1 697 939 Frauen befanden. Die Zahl der Zentralverbände war sich gleichyebNKien und. feetrug 52, deren Zweigvereine sich aber um 3409 auf 27 271 oermehrten. Ins Riesenhafte wuchsen die Einnahmen und Ausgaben. Insgesamt flössen 747 114 43S Mark in die Kassen der Gewerkschaften. Darunter waren allein fast 530 Millionen Mark Verbandsbeiträge. Die Aus- g'''.'en erreichten die Höhe von 543 814 615 M. Darunter befanden sich 108 549 907 M., die gezahlt werden mußten an Unterstützungen für Mitglieder, die im Streik standen oder ausgesperrt waren. Das Vermögen der Gewerkschaften ohne das der beiden größten Organisationen, nämlich wieder des Metallarbeitsrverbandes und des Verbandes der Landarbeiter, vermehrte sich fast genau um den Bestand des Vorjahres auf 263 469 522 M. Natürlich spielt auch hier die Geldentwer- hing eine Rolle mit, die zu Beitragserhöhungen auf der einen und zu gewaltiger Steigerung der Ausgaben auf der anderen Seite geführt hat. Von Interesse ist noch das Zeitungswesen der Gewerkschaften. Jeder der 52 Zentralverbände hat seine eigene Zeitung. Dazu kommen 29 Blätter, die von sieb- zehn Gewerkschaften herausgegeben werden zu dem Zwecke, sich mit der Heranbildung der Lehrlinge, der jugendlichen Ar- beiter und der Betriebsräte zu beschäftigen oder aber den Mit- gliedern überhaupt fachtechnisches Wissen zu geben. Die größte Gewerkschaft im ADGB. ist, wie schon erwähnt, der Metallarbeiterverband mit 1 647 916 Mitgliedern. An zweiter Stelle steht der Landarbeiterverband mit 695 695. Der Transportarbeiteroerband organisiert 568 080 Arbeiter und Arbeiterinnen und schließt die Reihe der Organisationen, die über eine halbe Million Mitglieder haben. Die riesige Organisationsmaschine, die wir hier in rohen Zügen gezeichnet haben, hat mannigfaltige Aufgaben. Sie soll die Not und das Elend der unteren Volksschichten lindern und ihre wirtschaftliche Lage heben. Sie soll ober darüber hinaus die Arbeit befreien, d. h. dem Arbeiter das Recht geben, nicht nur zu arbeiten für andere, sondern auch m t t z u b e- st i m m e n im Produktionsprozeß. Damit der Arbeiter diese Funktion ausüben kann, müssen die Gewerkschaften ihn mit dem nötigen Wissen ausstatten, das ihn befähigt, nicht nur mitzuarbeiten an der Umgestaltung der Wirtschaft, sondern sie auch einmal wirklich zum Wohle der Allgemeinheit führen zu können. Aber diese Ausgaben müssen Heute zurücktreten hinter der einen, dieVerschlechterungderLebensHaltung des Arbeiters zu verhindern. Alle Kräfte müsien angespannt werden, um die sich in Erfüllung dieser Ausgabe ergebenden Wirtschaftskämpfe zugunsten der Arbeiter zu ent- scheiden. Darüber hinaus haben die freien Gewerkschaften die hohe Aufgabe zu erfüllen, die deutsche Republik zu schützen. Sie haben schon einmal gezeigt, daß sie dieser Aufgabe gewachsen sind, als es galt, im März 1920 Herrn Kapp und andere Hochverräter davonzujagen. Die freien Gewerkschaften können diese große Aufgabe übernehmen, weil sie im Gegensatz zur politischen Arbeiterbewegung einig sind. Die Kommunisten haben zwar versucht, sie auf Befehl Moskaus zu zertrümmern, sie haben auch eine Zeitlang in verschiedenen Organisationen die Oberhand gewinnen können. Aber bei der Arbeiterschaft kehrte bald die ruhige Ueberlegung zurück, in demselben Maße weicht der Bolschewismus. Die Gewerkschaften waren in ihrem innersten Kern so gesund, daß der Svaltbazillus von Moskau ihnen nichts anhaben konnte. Sie überwanden die Gefahr und blieben einig und sind heute so stark, daß sie nicht nur der beste Schutz derRepublik, sondern auch die sicherste Gewähr für die W i e d e r v e r e i n i- gung der politisch getrennten Arbeiterschaft sind._ Natheaau über seioen Rücktritt. In einer Versammlung des Badischen Landesverbandes der Deutschen Demokratischen Jugend in Mannheim sprach der bisherige Wiederaufbauminister Dr. R a t h e n a u über die Bedeutung der oberfchlesischen Entscheidung. Er wies auf die Sinnlosigkeit des Urteilsspruches hin und er- innerte an den Protest gegen die Gewalt am 1. März 1871 Oos Stöckchen. Einer der sonnigsten Herbsttage dieses Jahres. Der Himmel spannt ein hellblaues Seidentuch über den weiten Sportplatz. Die doppelte Reihe von Platanen, die ihn umzieht, wärmt sich noch etn- mal behaglich in der Mittagshelle, ehe der Frost sie überfällt und die letzten gelben und flammend roten Blätter von den Aesten reißt. Etwas vereinsamt und verloren sitze ich auf der Bank unter einem der Bäume. Die Flüche vor mtr ist leer an diesem Werk- tage, der märkische Sand darauf glitzert fast in der Fülle des prallen Lichts. Lustig zu denken, wie an Feiertagen Scharen von Fußballspielern emsig hier kämpfen, wie schlanke Läufer mit rudernden Ellbogen und vorgeneigten Köpfen einander zu über- treffen suchen. Heute tun sie alle ihre Lohn- und Brotarbeit in Werkstätten, Fabriken, Bureaus. Der Platz bleibt den Schulen überlassen für ihre Turnstunden. Nun nahen zwei Klassen, eine von der Lehrerin geführte Mäd- chenschar, eine Jungengesellschaft mit ihrem Verufserzieher. Die Mädchen drängen sich in der um einige hundert Meter entfernten Ecke und beginnen ein Ballspiel. Ihr Juchzen klingt silbern herüber, die bunten Kleidchen wehen wie Blumenblätter, mit denen der Wind schäkert. Die Jungen, acht- bis neunjährige Volksschüler, stellen sich in Reih und Glied in der Nähe auf, oor den beiden Gliedern mit scharfen Kommandorufen der Lehrer, bewaffnet mit verdächtigem Rohrstöckchen. Dem Rohrstöckchen scheint die wichttgste Rolle bei der ganzen Veranstaltung zugewiesen zu sein. Die Kinder beginnen Freiübupgen. Ob sie die kleinen Körper drehen, auf die Fuß- spitzen heben, mit den Armen auf- und seitwärts fahren, immer spricht der Stock mit. Immer hat der eine oder der andere etwas falsch gemacht, immer saust das Rohr heimtückisch von hinten aus den Rücken, wenn der Kommandeur prüfend vorbeischreitet, brutal von vorn, indem der scharf« Pädagoge einen der Knaben bei der Hand ergreift und die Fingerspitzen mit der bekannten Tätzchen- exekutive bedenkt. Sogar bei einem Renn- und Haschespiel hagelt es Kopfnüsie für Nachzügler. Harren diese Schüler wohl mit großer Lust der Stunden auf dem Platze für Spiel und Sport entgegen, bei denen so für ihre leibliche Kräftigung gesorgt wird? Vielleicht doch. Denn die ungleich schwierigere geistige Vervoll- kommnung innerhalb der Klafsenwände erfordert sicherlich eine noch ausgedehntere Anwendung von Stocknachhilfen. Wenn die Jungen Männer geworden sind, werden sie auf vielerleit Art daran zurück- denken. Beim Zuschauen— ich weiß nicht, wie es kam— fiel mir ein alter Holzschnitt aus einem Buche ein, das über mittelalterlich« Schulanstalten berichtet. Man sieht auf dem Bild das Innere eines Lehrerzimmer« mit einigen Zöglingen. Einer davon ist dergestalt [in der P Raiianaloerfammlung anläßlich des Abschiedes ! von Eijaß-Lc...'iugen. Sodann sprach Rathenau über die K a b i ii e t t s diidung und führte über seinen eigenen Rück- tritt aus: Nicht außenpolitische Gründe haben mich gegen den Eintritt in das neue Kabinett bestimmt, sondern lediglich der Be- schluß unserer Fraktion, ihre Mitglieder nicht von neuem in das Kabinett eintreten zu lassen. Ich selbst bin diesem Beschluß nicht bcigelreien, aber als Demokrat erkläre ich mich mit einem Beschluß auch dann solidarisch, wenn er gefaßt wird von einsichtigen Männern auch gegen meine Stimme Auch wenn man Rathenaus Berhalten völlig würdigt, so zeigen doch gerade seine Ausführungen die Notwendigkeit, ihm die Möglichkeit zu einer Revision seines Entschlusses zu eröffnen. Die Demokratische Partei würde sich ein sachliches Verdienst erwerben, wenn sie Dr. Rathenau den Weg zur Fortführung seiner einmal begonnenen Aufgaben freigäbe. Doppelt unverständlich ist die Stellungnahme der Demo- traten dadurch, daß sie zwar der Regierung ihr Vertrauen aussprachen und G e ß l e r in der Regierung beließen, dem Fachminister Rathenau jedoch die Teilnahme am Kabinett untersagen wollen. Diese mehr als sonderbare Haltung der Demokraten setzt ihrer kaum noch begreiflichen Stellungnahme in den letzten Wochen die Krone auf. » Oberpräsident v. B a t o c k i hat den Reichspräsidenten um Ent- Hebung von seinem Amt des Reichskommisiars zur Ausführung von Wiederaufbauarbeiten gebeten. Er begründet sein Ersuchen mit dem Scheitern des Planes, eine auf breiterer Grundlage errichtete Reichs- regierung zu bilden._ Schwere Explosion bei Lreslau. Breslau, 28. Oktober.(MTB.) heut« früh S Uhr 30 Mn. brach In der ZNunitionsfabrik In karlowlh eio Feuer aus. Das Granatenlager geriet in Brand und explodierte. Die Explosionen danern fort. In Ergänzung diefer Meldung drahtet uns unser Breslauer Be- richierstaiter folgendes: Früh um S Uhr entstand in der Munitions- verlegestelle in karlowlh bei Breslau durch Selbstentzündung ein Brand. Ein Arbeitsschuppen wurde durch die Explosion einiger Gra- naken eingeäschert, doch Ist niemand dabei verletzt worden. Die städtische Feuerwehr aus Breslau war innerhalb weniger Minuten auf der Brandstelle und konnte den Brand auf seinen Herd beschränken. da die verschiedenen Munitlonsschuppen in Sarlowih sehr weit auseinanderllegen. Bach etwa drei Stunden war der Brand völlig gelöscht und jede Gefahr beseitigt. Der Materialschaden ist be- trächilich. Die Sicherung üer Volksernährimg. Bremen, 28. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Gestern tagte in Oldenburg unter dem Vorsitz des Reichsernährungsministers Dr. Hermes eine Konferenz der Ernährungsminister der Länder. Der Reichsernährungsminister wies in seiner Rede darauf hm, daß die letzten Monate die akuten Ernährungsprobleme wieder in den Vordergrund gedrängt hätten. Zur Lage in der Kartoffelversorgung führte ein Der- treter des Reichsernährungs- und Landwirtschastsministeriums au», daß nach Mitteilung von Sachverständigen angenommen werden könne, daß die Ernte etwa 26 Millionen Tonnen bettage, somit also für die Versorgung der Bevölkerung, für die nur 8 Millionen Tonnen erforderlich seien, ausreiche. Seit dem 1. September seien ZS Millionen Zentner bewegt, was hinter der bis zum gleichen Zeittaum des Vorjahres bewegten Menge nur um ein ge- ringes zurückbleibe. Als Ursache der augenblicklichen Schwierig- leiten in der Kartoffeloersorgung wurde von den Konferenzteilneh» mern die in diesem Jahre besonders starte Nachfrage nach Kar- tosfeln aus dem Westen und Süden unseres Landes, wo Miß- ernten zu verzeichnen sind, und ferner da» Fehlen der Einfuhr von Kartoffeln aus fremden Ländern, festgestellt. Von den Tellnehmern wurden als Ergebnis der Berattingen nochstehende Maßnahmen beschlossen: auf eine Leiter geflochten, daß oben der Kopf, unten die Füße zwi- schen die Sprossen geklemmt sind, während die Kehrseite der Züchtt- gung entgegenharrl. Ein anderer zappelt halb entblößt zwischen den Beinen des Präzeptors unter der Rute. Der schöne Tag schien sich mir plötzlich zu trüben, lliwennutet schnob mir ein« höhnischer taller Luftzug ws Genick. Länger mochte ich nicht weilen, sondern Hub mich schleunigst von hinnen. All- mählich verklang dag Lachen der Mädchen, durchschnllten von einem schnatternden Befehlsschrei des Meisters der Knaben. H. G. Das Geheimnis der Iadexzlffern. Die sogenannten Index- Ziffern, durch die der Grad der Teuerung zahlenmäßig angegeben wird, spielen heute in unserem Leben«ine große Rolle. Wo» nun aber diese Zahlen bedeuten und wie sie errechnet sind, darüber sind sich die meisten im unklaren. Einen Einblick in die Feststellung der Teoerungszahlen gewährt Dr. Friedrich Lübstorf in �Reclams Uni- rxrsiim*. Nach der Methode der Reichsftattstik werden die Kosten der Lebenshaltung, soweit Nahrung, Wohnung und Beleuchtung in Frage kommen, an einer Normalration gemessen, die den Bedarf einer fünfköpfigen Familie von zwei Erwachsenen und drei Kindern von 12, 7 und IIS Jahren in je 4 Wochen darstellt. Die Kosten für die Nahnmgsmitttlmenaen werden am Schlüsse jeder Verfor- aungswoche berechnet. Die Preise werden amtlich unter Mitwirkung berufener Sachverständigen für den 15. jedes Monats festgestellt, daraus wird ein Durchschnitt berechnet. Zu den Nahrungsmitteln tritt eine in der Reichsstatistik vorgesehene Menge Brenn- und Leuchtstoffe, die nach den ortsüblichen Preisen angesetzt werden. Für die Heizung nimmt man eine Wohnung an, die aus zwei heizbaren Zimmern, 1—2 Echloftommern und Küche besteht. Di« auf diese Weise errechnete Zahl wird Teuerungszahl 1 genannt; sie betrug für die 4 Wochen vom 29. August bis 25. September 19211 in Leip- zig gerode 1000 M. Von manchen statistischen Aemtern werden außerdem auch noch Indexziffern sür sonstige Lebensbedürfnisse, insbesondere für K!ei> dung berechnet. Jedoch ist es außerordentlich schwierig, eine Be- darfsumme aufzustellen, die das Existenzminimum für die vielfachen Lebensbedürfnisse festlegt. Es ist möglich, Lebensbedürfnisse wie Gemißmittel, Körperpflege, Ausbesserung von Kleidung, Abschrei- bung auf Wirtschaftsgegenstände, Ausgaben für Verkehr, Kultur- und Unterhaltungszwecke und Abgaben zu beziffern, während Reu- onschaffungen von Kleidung, Wäsche und Schuhwerk nicht berück- sichtigt werden. Die auf diese Weise entstehende Teuerungszahl 2 wurde z. B. in Leipzig für den Vierwochenabschnitt vom 29. August bis 25. September mit 454 M. angegeben. Die Schwierigkeiten, den gegenwärtigen tatsächlichen Bedarf an Kleidung, Wäsche und Schuhwerk zu erfassen, ist so groß, daß darüber erst genaue Er- Hebungen in Arbeiter- und Angestelltenkreisen an den verschiedenen Orten vorgenommen werden müssen. Literarische Sondervorstellungen der Volksbühne. Die Volksbühne muß sich bei ihren Vorstellungen vornehmlich an Werk« halten, die bereits anerkannt sind oder deren Aufführung doch wenigsten» kein 1. Besserung der Wagenstellung für die östlichen lieber» schußbezirke. 2. Unterlassung jeder Ausfuhr und Durchführung der strengen Ueberwachungsmaßnahmen. 3. Möglichste Verringerung der Bearbeitung von Kar- tosfeln in Stärkefabriken, Trocknereien und Brennereien. Die Verarbeitung soll auf Kartoffeln, die für die menschliche Ernäh- rung ungeeignet sind, beschränkt werden. 4. Begegnung der wilden Aufkäufe durch Verordnungen und Abhängiqmachung des Aufkaufs von Kartoffeln beim Erzeuger zwecks Weiterverkauf von der Erlaubnis einer von der Landes» regierung zu bestimmenden Behörde des Aufkausgebictes. 5. Die Eisenbahn soll ersucht werden, nur solche Sen- düngen zu befördern, die von Aufkäufern aufgegeben werden, die j sich im Besitze eines C.'oubnisscheines befinden. 6. Falls Landwirte oder Händler den Preis in einer Weise steigern, der den Gestehungskosten und der Marktlage in keiner Weise entspricht, soll von den Vorschriften der Verordnung gegen Preistreiberei vom 8. Mai 1918 sowie von dem Gesetz über Verschärfung von Strafen wegen Schleichhandels, Preis- tteiberei und verbotener Ausfuhr lebenswichtiger Gegenstände vom 18. März 1920, nachdrücklichst Gebrauch gemacht werden. Die Strafverfolgungsbehörden sollen von den Ländern strengstens angewiesen werden. Sollten sich die aus diese Maßnahmen gesetzten Hoffnungen nicht erfüllen und nicht noch vor Eintritt des Frostes eine Enlspan- nung eintreten, so war man in der Konferenz der Ansicht, daß das Ministerium für Ernährungs- und Landwirtschaft eine B e- standsaufnahme zwecks Vorbereitung weiterer Maßnahmen für die Sicherung der Versorgung der Bevölkerung anordnen müsse. In diesem Falle sollen die Ernährungsminister zu einer neuen Kon- ferenz zusammentteten._ Ein fünfzigjähriger Jubilar. Am heutigen Tage vollendet da« älteste unserer seit ihrer Grün- dung ununterbrochen erscheinenden Parteiblätter, die„Fränkische Tagespost' In Nürnberg, das fünfzigste Jahr Ihres Bestehens. Im Jahre 1869— nach Errichtung der Eisenacher Partei— beschloß eine Gruppe interessierter Genossen die Gründung eines eigenen Organs. Der Plan wurde jedoch durch den Krieg 1370/71 unter- brachen und drohte auch nachher infolge Mangels an Mitteln zu scheitern. Da kam Hilfe von anderer Seite. Im benachbarten Fürth war eine Gruppe radikaler Demokraten Jakobyscher Rich» tung, die zur Bekämpfung der Reattton ein eigenes Blatt gründen wollten und sich bereit erklärten, dieses Blatt auch unseren Genossen zur Verttetung ihrer Grundsätze zur Verfügung zu stellen. Zu den ersten Redakteuren gehörte Genosse Wilhelm Bios. Im Jahre 1572, nach dem Uebertritt Johann Jakoby» zur So- zialdemokratie wurde das junge Blatt offizielles Organ unserer Partei. Seitdem ging es unablässig aufwärts. Im Jahre 1874 wurde eine Genossenschaft gegründet und die Druckerei erweitert. Der Titel der Zeitung wurde abgeändert in„Demo- kratischcs Wochenblatt', nach einem halben Jahre in„Nürnberg- Fürther Sozialdemokrat'. Nach weiteren drei Jahren tonnte unser Bruderblatt bereits täglich erscheinen. Dann kam das Sozialistengesetz mit seinen„Segnun- gen'. Der„Nürnberg-Fürther Sozialdemokrat' wandelte sich in die„Fränkische Tagespost' und überdauerte durch geschickte Re- daktion das Schandgesetz. In diesen schweren Jahren leistete die Zeitung der sozialistischen Sache durch Geheimvertrieb von Flug- blättern, Broschüren usw. große Dienste und war infolgedessen der reaktionären Pollzeitamarilla ein Dorn im Auge. Als das Sozia- listengesetz in den letzten Zügen lag, begingen unsere Genossen in gutem Humor das Fest der hundertsten Haussuchung! Die Redaktioneleitung unseres Bruderblattes war zahlreichem Wechsel unterlegen. Nach Grillenberger und O e r t e l wurde es vom Genossen S 0 d e k u m(1898— 1900), vom Genossen Scheidemann(1900—1902), sodann bi» zum Jahr« 1907 vom Genossen Dr. Adolf Braun geleitet. Als dieser nach Wien ging, folgte ihm Kurt E i s n e r bis 1910, hierauf Wilhelm Herzberg, der 1911 starb. Bis zu feiner Berufung in den Parteivorstand im Jahre 1920 leitete nunmehr wieder Adolf Braun die Redaktion de» Blatte», die seitdem dem Genossen Emil Fischer untersteht. Unser Nürnberger Bruderblatt hat manchen Etunn überdauert. Heut» steht es fester und stolzer da als je, und an seinem Ehrentage rufen wir ihm ein lautes und herzliches„Glückaufl' zu. allzu großes Experiment bedeutet für das Theaterleben. Bei ihrer Bedeutung hat aber die Berliner Volksbühne auch«ine Verpflich- tung, sich um die Förderung jüngerer, noch unerprobter Talente zu kümmern und solchen Werten die Bühne zu erschließen, deren Eigenart einen Erfolg beim großen Publicum zweifelhast erscheinen läßt. Gerode dt« Volksbühne scheint hier berufen, ein« wichtige Mission zu erfüllen, weil sie allein imstande sein wird, für derartige „Dersuchsausfführungen' ein Publikum zu stellen, in dem auch Ar- better, Angestellte usw. eine starke Rolle spielen. Schon in der vergangenen Spielzeit wurde arundsötzlich die Einführung gelegentlicher„literarischer Sondervorstellungen' zur Aufführung von Werken eigenartigen Charakters beschlossen. Mit einer Einftudlerung von Paul Zechs„Verbrüderung' im Reuen Dolkstheater wurde auch ein erster Versuch gemacht. Im neuen Spieijahr hat man nun die Veranstaltung der literarischen Sondervorsteilungen aus»ine breitere Basis gestellt. Es sind einige „Sonderabteilungen' gebildet worden, denen sich jedes Mitglied neben seiner eigentlichen Abteilung anschließen kann, für die sich aber auch Richtmitgtieder anmelden können. Wer einer derartigen Sonderabteilung angehört, erhält durch sie im Laufe des Winter» drei Vorstellungen, die unter Heranziehung von Kräften anderer Bühnen im Neuen Voltstheater hier ihre erste Aufführung erleben. Die Vorstellungen finden stet» abends statt, die erste am 18. November. Der Mitgliedsbeitrag bettägt bei diesen Sonder- abteilungen je Vorstellung 7,50 M. oder bei Vorauszahlung des Beitrages für alle drei Dorfttllungen 20 M. Anmeldungen müssen, da nur eine beschränkte Platzwahl zur Verfügung steht, sofort er- folgen, und zwar unier gleichzeittger Einsendung mindestens des ersten Dorstellungsbeittages— bei der Geschäftsstelle der Volks- bühne, Berlin, Linienftt. 227. Als erstes Werk im Rahmen der Sondervorstellungen wird die „Passion' von Paul Baudifch in Szene gehen; späterhin„Das letzte Gericht' von Julius Maria Becker und vielleicht ein Werk von Alfred Brust. Die neuen Briefmarken. Dl« Ausgabe der neuen deutschen Marken ist nun vollständig geworden, und man kann das Ergebnis dessen, was aus dem Künstierwettbewerb vor 2 Jahren hervorgegangen ist, beurteilen. Di« neuen Marken in ihrer Unterschied- «chkeii nicht nur an stillsklscher Haltung, auch an Zweckmäßigkeit und künstlerischem Werte beweisen, daß der bisherige Weg eines freien oder belchränkien Wettbewerbes keinesfalls der richtige ist. Sollte sich die Schaffung neuer Marten wiederholen müssen, so ist im Interesse der Sache zu wünschen, daß die Gestallung der Marken von einer Stelle einheitlich geregelt wird, und dazu ist doch wohl der Reichskunstwatt die geeignetste. Di« Vllzanöftellnns im Botetilchen viufemn in DaMev! ill am LS. geöffnet von IL— 6 Ubr. am 29. und 30. von 10— 3 Nhr. Eintritt 1 M.. für Schiilllaflen 30 Pf. je Kind; am 28. von 5 Uhr ab 2 M. zugleich zu dem Lichtbildervortrag über.Gisl- und Speisepilze". Tie Berliner Sezession eröfsnct am Sonnabend, mittag« 12 Uhr, ihre 4t. Ausstellung. Ludwig Hardt spricht Sonntag 7'/, Uhr in der vertto««tzefflon (Surjürftendamm 832) hetter« Jhlleu und Stotetlm. Noch keine Einigung im Haftwirtsgewerbe. Die Arbeiterschaft zur Unterstühung des Kampfes bereit. Die Aussichten auf eine baldige Beilegung des Streiks der Gast» wirtsangestellten haben sich im Laufe des gestrigen Tages sehr v e r» schl echter t. Wieder sind es die Unternehmer. Ne unter den fadenscheinigsten Ausreden das Zu st anbekommen von Verhandlungen sabotieren. Wie sie den Schiedsspruch des Schlichtungsausschusses im Gegensatz zu ihren Arbeitern abge- lehnt haben, so lehnen sie auch jetzt die Annahme des Vorschlages ab, der die Einsetzung eines Schiedsgerichtes vorsah. Durch diese Eni- scheidung haben die Arbeitgeber erneut zu erkennen gegeben, daß sie nicht daran denken, zur Schlichtung des Streitfalles beizutragen. Sie halten an ihrem Standpunkt fest und glauben, die Streikenden durch Hunger zum Nachgeben zwingen zu können. Wenn sie so rechnen, dann unterschätzen sie ganz bedeutend die Solidarität der A r b e i t e r s ch a f t. Die Gewerkschaftskommission hat in Verbindung mit dem Afa-Ortskartell wiederholt die Sympathie der Berliner Ar» beiterschaft mit den Gastwirtsangestellten bekundet und für den Fall, daß die Unternehmer nicht an den Verhandlungstisch gehen, schärfste Gegenmaßnahmen angekündigt. Der Augenblick, da diese in Funktion treten können, ist setzt gekommen. Wir zweifeln keinen Moment daran, daß die Berliner Arbeiter ihr» kämpfenden Kameraden mit allen ihnen zur Ver- fügung stehenden Mitteln unterstützen und so die halsstarrigen Unternehmer zu Verhandlungen zwingen werden. Die Ablehnung des Vorschlages zur Einsetzung eines Schieds- gerichtes begründen die Unternehmer wie alles andere mit den .Terrorakten". Wir erklären wiederholt, daß wir alle Ausschreitungen der Streitenden auf das schärfste verurteilen, und wir warnen diese erneut, sich nicht durch Irgendwelche Provokationen zu Unbesonnen» heiten hinreißen zu lassen. Wie Ausschreitungen entstehen können, zeigt der folgende Fall, der sich In den späten Abendstunden des 24. Oktober Im Cafe Bauer, Unter den Linden, ereignete. Ein Vertreter der Streikenden betrat das Lokal und fand zwei Studenten vor. Auf die Frage nach dem Zweck ihres Daseins erwiderten sie, daß sie das Hau» be» wachen müßten. Als Grund für ihre Handlungsweise gaben sie ihren Hunger an. Während dieses Besuches meldet� der Portier des Cafes„U e b e r f a l l" und sofort kam ein Lastauto mit— bi» an die Zähne bewaffneten— Schupoleuten an, um gegen„Aus- schreitungen". vorzugehen. Nicht sehr stolz sollen sie wieder abgerückt sein, als man sie über den„Irrtum" aufklärte. Auch auf dem Potsdamer Platz ereignet« sich am letzten Mitt» woch eine Begebenheit, die das Thema„Ausschreitungen" betrifft. , Dort näherte sich der Direktor L i? p s ch ü tz von der Hotel-Betriebs- ! Aktiengesellschaft in Begleitung einiger Nummclboxkömpfer der �„Bellevue-Kvnditorei". Sofort stürzten sechs Schupoleute aus dem Lokal heraus und empfingen den Herrn Direktor, der diese wiederum einlud, ins Lokal zu kommen. Ob dieses merkwürdigen Spiels gab es ein wenig Aufregung unter den Streikenden und dem Publikum. Das veranlaßt« die Schupo, vier Streikposten in das Lokal zu schleppen, von denen einer in Krämpfe fiel. Die im Lokal verbliebene Schupo verlor den Kopf, griff zur Signalpfeife, einer der draußen stehenden Beamten stürzte mit gezogenem Säbel ins Lokal und mußte mit Mühe davon abgehalten werden, auf den sich in Krämpfen Windenden einzuhauen. Mit solchen Mitteln kämpft das Unternehmertum und die ihm offenbor sehr ergebene Schutzpolizei nun schon feit vier Wochen gegen die Gastwirtsangestellten. Ihr Ziel haben sie nicht erreicht, und sie werden es jetzt erst recht nicht erreichen, dafürbürgtdieGroß» Berliner Arbeiterschaft. yevte neue verhanölungen. Die BS.»Korrespondenz meldet, daß die am Mittwoch abge» brochenen Verhandlungen heute fortgesetzt werden, da die gestrige Versammlung der Unternehmer den Vorstand der Arbeitsgemeln» schaft zu weiteren Verhandlungen autorisiert hat, allerdings mit der Maßgabe, daß über die Frage des Schiedsgerichts nicht verhandelt wird. Weiter weiß die Korrespondenz mitzuteilen, daß der polizeiliche Schutz au» der Konditorei Bellcvue am Potsdamer Platz zurück» gezogen wird. Zum Handeln entschlossen! kurz vor Redaktionsschluß wird uns mitgeteilt, daß sich der Ausschuß der Gewerkschaftskommissioo entsprechend den vollmach. len, die er von der Plenarversammlung erhalten hat. gestern sehr eingehend mit der Lage im Gastwirtsgewcrbe beschäftigt hat. Er sah sich genötigt, ziemlich welttragende Beschlüsse zu fassen, die sofort in die Tat umgesetzt werden sollen, wenn nicht schleunigst eine Einigung zustande kommt. Die für die Durchführung dieser Maßnahmen bestimmten kör- perschaften werden aufgefordert, sich bereit zu holten. GroßSerün Die Sekanntschast vom Zünf-Uhr-Tee. Raubübersall mit der Kinderpistole. Eine überraschende Aufklärung hat«in Raubüberfall gefunden, der vor einigen Tagen im Grunewald oerübt wurde. Eine Gräfin lernte beim Fünf-Uhr-Tee in einem der ersten Hotels einen jungen Mann kennen, der sich Dr. Schönfließ nannte. Man trat sich näher und machte gemeinsame Spaziergänge, so auch nach dem Grüne- wald. Hier tauchte in der Nähe des Bahnhofs plötzlich ein zweiter junger Mann auf. Er kam an die Spaziergänger heran und gab ohne weiteres auf den Begleiter der Dame einen Schuß ab. Dr. Schönfließ brach anscheinend besinnungslos zusammen. Jetzt wandte sich der Angreiser der Dame zu und nahm der zu Tode Erschrockenen mit vorgehaltener Waffe die kostbaren Ringe von den Fingern. Froh mit dem Leben davongekommen zu sein, eilte die Beraubte zur Polizei und machte Anzeige. Das Gelände wurde sofort ab- S«sucht, aber ohne Erfolg. Sogar der angeschostene und scheinbar hwcrv erletzte Dr. Schönfließ. dem man Hilfe angedeihen lassen wollte, war verschwunden. Die Kriminalpolizei, die sich mit der Aufklärung beschäftigte, erkannte gleich, daß es mit diesem Ueberfall«ine besondere Be» wandtnis haben müsse: sie entdeckte den verschwundenen„Schwer. verwundeten" in einem Sanatorium, in dem er sich angeblich wegen eines Nervenschocks aufhielt und stellte ihn als einen jungen Mann fest, der zwar Schönfließ heißt, sich den Doktortitel aber zu Unrecht beizelegt hatte. Der Räuber wurde gleichfall» ermittelt und fest» genommen in der Person eines„Kunstmalers" Fischer. Beide sind Söhne achtbarer Eltern. Sie hatten sich, um sich Geld zu verschaf» fen, zu dem Ueberfall zusammengesunden. Das„Mordmstrument" wurde ebenfalls gefunden und beschlagnahmt. Es erwies sich als eine Kinderpistole mit Knallblättchen. Die erbeuteten Ringe hatten die Uebcltäter bereits oerkauft und oersetzt. Die Verhafteten wurden dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Einführung der zehnfache« Antotaxe. Nachdem das Polizeipräsidium die Einführung der zehnfachen Tax« bei den Kraftdroschken nunmehr endgültig genehmigt hat. kann mit Sicherheit erwartet werden, daß die am heutigen Freitag nach- mittag stattfindende Versammlung der Berliner Kraftdroschken- besitzer die sofortige Wiederaufnahme des Verkehrs beschließen wird. In den Kreisen der Kraftdroschkenbesttzer ist man zwar der Ansicht, daß auch die zehnfache Taxe augenblicklich noch keine völlige Deckung der Betriebsuntosten bedeuten würde, doch gibt man sich der Hoffnung hin, daß der PolizeipiKsident sich alsbald zur Einführung einer Nottaxe bereiterklären wird'. Der gestrige Beschluß des„Interessen- Verbandes der Berliner Auto- und Elektrodroschkenbesitzer". der bereits von heute ab für die ihm angeschlossenen Droschkenbesitzer die Einführung der fünfzchnfachen Taxe vorsieht, hat für die Fahr- gäst« der betreffenden Kraftdroschken keine Gültigkeit, da er gegen die Verkehrsordnung verstößt._ Soziale Einküchenwirtschaft. Im Bürgersaal des Berliner Rathause» fand gestern abend durch den Verein für gemeinnützige Einküchenwirtschaft, den Deutschen Verein für Wohnungsreform und die Deutsche Gartenstadtgesell- schaft eine Vortragsoeranstaltung statt, in der zu dem Thema „Soziale Einküchenwirtschaft" die Genossin Iuchacz, Frau Z e p l e r und Robert Adolph sprachen. Alle drei Referenten waren sich einig in dem Punkt, daß die berufstätige Frau bei den heutigen erschwerten Wirtschaftsvcrhältnissen nur dann ihren Pflichten nachkommen kann, wenn ihr die zermürbende Hauswirtschaft durch die genossenschaftliche Regelung des häuslichen Betriebes abge- nommen wird. Genossin'I u ch a c z wies darauf hin. daß dies Thema vor allem die berufstätige Frau angehe: sie allein müßte entscheiden, ob sie auf Grund ihrer meist sehr traurigen Erfahr»»- gen sich Zu der neuen Idee bekennen wolle, denn sie wäre es. der die Mühsaal des Alltags abgenommen werden sollte, damit sie in die Lage käme, ihren Geist weiter zu bilden und der Allgemeinheit zu nützen. Es wurde dann auch mitgeteilt, daß in Lankwitz ein« qe- Meinsame Einküchenwirtschaft gegründet werden soll. Wir bebakten uns vor, bei der Bedeutung, die diese Frage für die wirtschaftliche Selbstbefreiung der Frau hat, eingehend darauf zurückzukommen. Ein Darlehen für öen Magistratsbaurat. Bei der städtischen Darlehnekasse für Beamte, Lehrer, Angestellte und Arbeiter hat der Dezernent, Stadtrat Benecke, sich eine Eigenmächtigkeü geleistet, die zu einem Protest der Mehrheit des diese Wohlfahnseinrichtung verwaltenden Ausschusses geführt hat. Im April l92i beantragte ein Magistrntsbaurat, der damals rund 31 000 M. Iadreseinkommen hatte und nur für seine Frau und ein siebenjähriges Kind zu sorgen brauchte, für sich ein Darlehen von 4000 M. Der Borprüfer sah keine dringende Notlage und empfahl Ablehnung, die nachprüfende StadtverordneteFrauSchulze aber befürwcrtete 2000 M. und dasselbe tat in der Ausschußsitzung vom 18. Juni der Stadt- verordnete Merten. Der Ausschuß lehnte jedoch Gewährung eine» Darlehn» für den Magistratsbaurat ab. Stadtrat B e n e ck e aber nahm nochmals Rücksprache mit den beiden Stadtverordneten Merten und Frau Schulze und ver fügte am nächsten Tage die Bewilligung von 2000 M., die dann auch ausgezahlt wurden. Wir entnehmen diese Angaben einem Schreiben, das der fozialdemo- kratische Stadtverordnete Genosse Subke als Mitglied des Ausschusses und zugleich im Namen der Ausscbußmehrheit am 21. Oktober an den Magistrat gerichtet hat Das Schreiben bezeichnet die Handlungs- weise des Stadtrats Benecke als unerhört und weist darauf hin, daß Darlehen von dieser Höhe nicht durch die Dezernenten allein gewährt werden dürfen und daß nach Behandlung der Angelegenheit im Ausschuß eine Erledigung durcki den Dezernenten allein überhaupt nicht mehr zulöistg ist. Der Magistrot wird ersucht, dafür zu sorg I, daß Stadtrat Benecke künftig die Beschlüsse des Ausschusses als für sich maßgebend und bindend anerkennt. Wir wollen dazu bemerken, daß Stadtrat Benccke zur Deutschen Volkspartei, die Stadtverordnete Frau Schulze zur Wirtschaftspartei, der Stadtverordnete Merten zur demokratischen Partei gehört. Welches Geschrei hätte die bürgerlich« Vresse erhoben, wenn es sich um Mitglieder der linksstehenden Fraktionen handelte. Untergrundbahnhof„Leipziger Straste". Die Bauarbeiten im mittleren Teile der Friedrichstraße, die zur Herstellung ber Nord-Cüd-Bahn seit einer Reihe von Iahren die Friedrichstraße in ihrer ganzen Länge für den Wagenverkchr in der Längsrichtung gesperrt haben, so daß Omnibusse und Geschäfts- fuhrwerke zu weiten Umwegen gezwungen wurden, nähern sich nun auch, soweit sie den Tunnelrohbau betreffen, ihrem Ende. Kurz hinter der besonders tiefliegenden Untcrfahrung der Untergrund- bahnlime Spitielmarkt— Leipziger Platz an der Mohrenstraß«, die nahezu vollendet ist, steigt die Bahnstrecke allmählich wieder bis zum neuen Bahnhof Leipziger Straße, der mit seinen Eisenkonstruktionen für die Treppenonlagen beinahe fertiggestellt ist. Zwischen der Leipziger und der Krausenstraße wird jetzt an den letzten Teilen der Tunneldecke gearbeitet, in der die Aussparungen für die Zugänge zum Untergrundbahnhof freigelassen werden. In der Mit'« des Fahrdammes liegend, werden zwei Treppen hergestellt, von denen die«in« für den Zu- und die andere Treppe für den Ausgang der Fahrgäste bestimmt ist. Durch eine geräumige Vorhalle fübren die Treppen zu dem Mittelbahnsteiq, von dem aus die Reisenden von der rechten Dahnselte nach Norden und von der linken Seite nach Süden abfahren können._ „Volk und Zeit", unsere illustrierte Wochenschrist, liegt der heutigen Postauflage bei. Da» Oberschlester-Hilfswerk erläßt einen Aufruf„Hilfe für Ober- schlesten", in dem mitgeteilt wird, daß sich zur Durchführung einer Reichsjugendwoche eine Einheitsfront aller Iugendverbände gebildet habe. Wir weisen darauf hin, daß die A r b e i t e r- I u q e n d an dieser angeblichen Einheitsfront aller Jugend» verbände nicht beteiligt ist. Es handelt sich also offenbar um eine Einheitsfront bürgerlicher Iugendverbände. Die Ausgabe der Brotkarten findet in HemiigSdori für den Monat November am Sonnabend, den 29. Oltober, und Montag, den 31. Otlober d. I. im RatkauS. Zimmer 13, statt. Der Eharlotienburger verein für pädagogisches Filmwesen, der ti sich zur Ausgabe gemacht bat, den Schundfilm zu bekämpfen, bringt am Sonnabend, den 28. Oktober, abend? 6 und 8'/, Ubr, im Schiller- Realgymnasium. Schillerstr. 28, die beiden Filme.Mit dem Flugzeug zum Mond* und»Wie der Klolcm in die Welt kam* zur Vorführung. Einlast 2 M.. Mitglieder 1,50 M. Zum Problem der Fruchtabtreibuug sprechen Dr. med. Max Hirsch und Dr. Phil. Helene Stöcker anläglich der 7. Geiieralvcrfammlung de? Deutschen Vunde? für Mutterschutz am Freitag, den 28. Oltober 132!(heute), abend» 8 Uhr. in der Aula der Elisabcthschirle, Berlin, Kochitr. 85. Freie Aussprache. Eintritt sür Milglleder srei, für Nichtmitgliedrr 1 M. Wetter für morgen. Berlin uod Umgegend. Ein wenig kühler, zeitweise gusllarend, je- doch überwiegend trübe und nebelig bei mästigcn westlichen Winden. Keine erheblichen Niederschläge. Geschäftliche Mitteilungen« Äemmler»Bleoberg die alte Epezlalsabr» liefert in zed..�...., Auasllhrung eiserne und transportable itacheldsen, Kochherde in jeder und«uesührung sowie rnodenre Kamm«. SewerMoftsbeWegung Der Reichstarif der Maler. Der verband der Maler. Lackierer und Anstreicher(Filiale Berlin) erledigte in seiner gutbefuchien Mitgliederversammlung am Donnerstag zunächst die Hauskassierersrage. In geheimer Abstimmung wurde sie mit S2iZ gegen 211 Stimmen abge- lehnt. Zum Lohnabkommen teilte B ö tz e r mit, daß der Haupworstand da» bis zum 30. November laufende Lohnabkommen bereits gekündigt spat. Die Forderung wird den Verhältnissen angs- paßt werden. B l ü t h g« n verlangte, daß die Forderung min- d e st e n s 80 P r o z. betragen und die Dauer des Lohnabt-ommens 4 Wochen nicht überschreiten soll«. Die Versammlung stimmte dem zu. B ö tz« r referierte ferner über die Kündigung de» Reichstarifs, der am IS. Februar abläuft. Die G e l t u n g s- dauer der allgemeinen Normen des Reichstarifs ist nach Mei- nung des Redners diesmal zweckmäßig auf VA Jahr festzu.egen, um ein« günstigere Ablausszeit zu erreichen. Dagegen müssen die Lohnabkommen beweglich gestaltet werden, indem bestimmt wird: D«n Verhältnissen entsprechend sollen die Arbeitnehmer jeder- zeit da» Recht haben, eine Lohnrevision zu beantragen. Borgs- schlagen wird ein« reichstariflich festzulegende Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit auf 48 Stunden, die mit der Einführung de» steien Eonnabendnachmittags verknüpft werden kann. Die U e b e r st u n d« n f r a g e ist im Reichstarif dabin zu regeln, daß Ucberstunden- und Nachtarbeit nur in dringenden Fällen und auch dann nur mit Zustimmung des Bertrauensmannes, der Betriebsräte und der Mehrheit der Beschäftigten geleistet werden dürfen. Die Zuschläge sind zu erhöhen sür Uebersiunden auf 80 Proz. und für Nacht- und Sonntagsarbeit auf 100 Proz. Auch die Zuschläge für Arbeitserschwerung sind zu erhöhen. Die Frage der Ferien muß endlich geregelt werden. Die Lehrlings- «ntschädigung und die Lehrzeit sind festzulegen. Auch für Gehilfen im ersten Jahre nach der L«hre muß der Lohn, der bei ihnen bisher der freien Vereinbarung unterlag, festgelegt werden.— In der Diskussion wünschte Geiekow, daß der Reichstarif- vertrag für Berlin überhaupt abgelehnt wird. Auch B l ü t h g e n sieht im Reichstorifvertrag nur eine Fessel. Er begründete in etwa einstündiger Rede folgenden Antrag:„Die Derfammelten lehnen es ab, irgendwelche Anträge zum Reichstarifoerirag zu stellen, da sie auf dem Boden der Schaffung eines Ortstarifvertroges stehen". Klotz legte dar, wie töricht es sei, B e r b e s s e r u n g s- an träge zu dem nun einmal bestehenden Reichstarifvertrag ein- fach negieren zu wollen. Der Antrag B l ü t h g e n erhielt 4 Stim- men Mehrheit._ Ein« Vranchenverfammlung der Schmied« nahm den Bericht über das Ergebnis der Lohnverhandlungen mit den Metallindustriellen entgegen. Der Branchenleiter wies darauf hin. daß der letzte Schiedsspruch sehr ungünstig ausgefallen lei und große Unzufriedenheit hervorgerufen habe. Jetzt fei ein Zuschlag von 2 M. stündlich auf alle Löhne gefordert worden. Die Unternehmer wollten nur 1 M. bewilligen und ab Dezember auf alle Stunden- löhne 28 Pf. auffchlagen. Zu einer Einigung kam es nicht. Auf eine nachträgliche Anfrage wurde geantwortet, daß die Arbeitgeber bereit fein würden, für die 1. Lohnklasse 1,20, für die 2. Lohnklasse 1,10 und für die 3., 4. und 8. Lohnklasse 1 M. Zulage ab 1. November zu gewähren und weiter ab 1. Dezember für alle Lohnklasscn gleich- mäßig 40 Pf. Ferner sollten für Akkordarbeiten bis 8 M. 10 Proz., 8— 9 3)1. 7H und 10 M. 8 Proz. bewilligt werde».— Die hierauf stattgehabten Lohnverhandlungen sind aber gescheitert, weil die Transportarbeiter 80 Pf. Zuschlag ab Dezember forderten. Es ist aber eine Wiederaufnahme der Verhandlungen angebahnt worden. Die Tarifverhandlungen der städtischen Angestellten führten am Donnerstag zu Verhandlungen im Reichearbeitsministerium, die er- g e b n i s l o s verliefen, da der Oberpräsident in einem Brief mit- teilte, daß die Gehälter der Angestellten die der Besoldungs- ordnung nicht über sie igen dürfen. Dikler Eingriff des Oberpräsidenten in ein schwebendes Verfahren rief bei den Ange- stellten lebhaften Unwillen hervor und führte zu einer aus- gicbigen Debatte über die Rechtsfrage. Heute soll die Dis- kussion im Beisein des Oberpräsidenten fortgesetzt werden. Die An- gestellten werden keinen Versuch unterlassen, der zur Einigung iühren kann. Verantw. fite don repakt. Teil: Ar. Wrrnrr Peiscr, clharlottentzura: für An» zrigcn: Tip Glocke, Berlin. Verlag Vorwärto-Vcrlag G. m. b. H., Berlin. Bruck: Vorwiirto-Buchdruckerei u. Berlagsanltalt Paul yinger n. Co., Berlin. Lindenstr, S. WewinnrAuszua der 18. Preu�-Lsidd.(244. Preust.) Ksasscn-Lotterfe 5. Klais«. IS. ZietzungZtag. 27. Opobrr 1921. ajuf j«6» gezogrn« CNumnirr|ln0 zwei Qirla> Hol)««!>»ir>l»n» artall rn. und zwar i» r>n»r out dl» Los« sgrichrr IKummrr In den 0«ld»n , Adwllunpen I und N Lhn,«ewiltzr. Nachdruck derboun. 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