Nr. Sil ch ZS. Jahrgang Ausgabe A Nr. 25$ Bezugspreis: StettcIiäi)tL36,— SU monatl. 12,— M. frei ins»aus, oorsus zahlbar, Postbezug: Monatlich 12,— M. einschl. gu- siellungsgebllhr. Unier Kreuzband siir Deutschland, Danzig. das Laar- und Memelgebiet, sowie die ehemals dcut- scheu Debiele Polens, Oeslerreich Ungarn und Luxemburg 22,— M., für das übrige Ausland 2g,— M. Post- destellungen nehmen an Oesterreich. Ungarn, Tschecho- Slowakei, Dane- mach Holland. Luxemburg, Schweden und die Schweiz, Der„Vorwärts" mit der Sonntags- beilage„Volk und Zeit", der Unler- Haltungsbeilage„Heimwell" und der Beilage„Siedlung und Kleingarten" erscheint wochentaglich zweimal.Sonn- tags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: »Sozialdemokrat Berlin- Morgen-Ausgabe c ) Verliner Volksbltttt AnzeigSUPreiS: Die neungespaltene NonpareiHezeske kostet 6r- M,„kleine Anzeigen- das lettgedruckte Morl 2,— M.(zu- lässig zwei settgedruckte Wortes, ledes weitere Wort 1.— M. 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ZNaa ist durchaus der Ansicht, daß der vormalige Kaiser Karl entweder abdanken oder offiziell ent- thront werden muß. Zn dieser Frage stimmen die Große und die Kleine Entente überein. Die englische Ansicht geht dahin, daß für ein Ultimatum keine Rotwendigkeil besteht, da die gesamte Frage auf friedlichem Wege gelöst werden kann. Man ist der Meinung, daß der Friedensvertrag aufrechterhalten werden muß und daß eine finanzielle oder territoriale Kompensation auf Kosten Ungarns mit dem Friedensvertrag nicht vereinbar sein würde.(Und die Abrüstung? Red.) Graz. ZS. Oktober. WTV.) Die„Tagespost" meldet aus Belgrad: Das aufgesetzte Ultimatum wurde vorgestern nach Prag und Bukarest gesandt, heute erwartet man in Belgrad die end- gültige Redaktion von beiden interessierten Staaten. Aus Grund der jugostawlschen Verfassung muß aber auch die Ratio naloer- sammlong das Ultimatum genehmigen. Zu diesem Zweck wird für Spunabeud. den 29. Oktober, eine Sitzung einberufen. Mafarpk an üie Entente. Prag. 28. Oktober.(WTB.) Anläßlich des dritten Zahres- kages der Ausrufung der tschechoslowakischen Republik empfing heute Präsident M a s a r y k das diplomatische Korps und hielt dabei folgende Ansprache: Die Ereignisse der letzten Tage sind keine Ueberraschung. Das Problem, das uns der Krieg hinter- lassen hat, ist gewiß zNm großen Teil ein mitteleuropäisches Pro- blem. Für uns ist es selbstverständlich, daß wir im Einvernehmen mit der Entente arbeiten und darin sortsahren werden. Es han- dclt sich bei uns darum, die Autorität der Entente für Europa zu erhallen. Zn diesem Sinne haben wir im Lause des Krieges gearbeitet und arbeiten wir auch nach dem Kriege. Die kleine Entente ist durch die mitteleuropäische Situation geschossen worden. Das erklärt ihre Einmütigkeit in allen wichtigen Fragen, die die Organisation Mitteleuropas betreffen. Wir wollen den Frieden, wir wollen nicht den Krieg. Das unvornehme und un- würdige Vorgehen des Exkaisers beweist den politisch denkenden Menschen, daß die monarchistische karlistische Bewegung vom politi- scheu Gesichtspunkte aus hohl ist, uud daß die politischen Ratgeber des Exkaisers Karl die Lage Mitteleuropas mißverstehen. Seine monarchistischen Anhänger sollten nunmehr begreifen, daß der Kaiser nicht allein seine Person, sondern das Prinzip des Motp» archismus kompromittiert hat. Wer sich von Habsburg nährt, stirbt daran! Prag. ZS. Oktober. lWTB.) In Beantwortung der Glückwünsche des Kammerpräsidenten Tomaschek sagte Präsident Masaryk n. a.: Wir müssen darauf bestehen, daß die magyarische Regierung endlich mit ihren Zweideutigkeiten aufhört. Wir bestehen auf den Friedensverträgen uud verlangen ihre loyale Durchführung, wir sind aus einig mit der Entente, weil wir eben nichts wollen, als was mit ihr zum Abschluß gelang! ist. Gberschlesien unü Zahlungsfähigkeit. Eine Rede Wirths in Karlsruhe. Karlsruhe. 28, Oktober. lWTB,) In einer von Tausenden he- suchten Versammlung im großen FesthaUensaale sprach Reichskanzler Dr. Wrrth über die Rcichspolitik, wobei er insbesondere die oberschle fische Frage und die Genfer Entscheidung berührte. Der Reichskanzler sagte dabei unter anderem: Nicht nur die Ober- schlesier, sondern das gesamte deutsche Volt hätten das Gefühl, jetzt keine Politik einer etwaigen wirtschoftlichsn Verelendung in Ober- schlesien betreiben zu dürfen. Aber die Wegnahme dieser wichtigen deutschen Produktionsstätten, die als ein Raub vor aller Welt bezeichnet werden müsse, berühre auf das empfind- lichste die deutsche Produktionsfähigkeit. Die deutsche Lei- st u n g s f ä h i g k e i t für die Reparation sei dadurch wesentlich geschmälert. De? Kanzler nannte den Versailler Vertrag den Hexenhammer der europäischen ZerstörungspoliNk, aber er entholte einen Paragraphen, der Deutschland das Recht gebe, seine Leistungsfähigkeit von Zeit zu Zeit nachprüfen zu lasten. Dieser Fall sei hier gegeben. Der Kanzler verlas vor der Versammlung die bekannte Rechtsverwahrung, die die deutsche Re- gierung an die Botschastertonferenz gerichtet habe, und fügte hinzu, dieses historische Dokument müsse Gemeingut des deutschen Volkes werden. Am Schlüsse seiner heutigen, durch stürmi- s ch e n Beifall unterbrochenen Rede, besprach der Reichskanzler die durch die Gewaltpolitik der Entente herbeigeführte Welt- Wirtschaftskrise, die Enlwerkung der Mark durch die Reparationszahlungen und erklärte, es sei unmöglich, ein Kü-Millionen-Volk als Käufer aus dem Weltmarkte auszu- schalten, was durch die Entwertung der Mark geschehe, ohne daß die Volkswirtschaft der Gläubigerstaaten dabei selbst zugrunde gehe, Der Kanzler schloß mit einem Appell zur inneren Einig- k e i t, die auf der Derantwortungsfreudigkeil aufgebaut werden müsse,_ tzarömgs Erwartungen. Washiugkou. 28. Okkober.(WTB.) Präsident hardlng hat sich gestern in einer Rede über seine Stellung zur Abrüstungs- frage ausgesprochen. Er crmahnte die amerikauische Nation zur Einigkeit und zu einer Haltung, die dauernde sreundschastliche Beziehungen zwischen allen Völkern möglich mache. Wenn die Derakuuge» übe? die Herabsetzung der Rüstungen scheitern sollleii. so werde die Verantwortung dasür nicht auf Amerika fallen. Der Frieden sei wohl vereinbar mit einer angemessenen Verkcidi- gung Amerikas. Es läge auf der Hand, daß die Vkenschheik ge- neig! fei, es mii diesem Experiment zu versuchen, und Amerika wolle den Völkern beim Betreten des neuen Weges helfen. Die cntgegenlommcnde Annahme der amecikanisthea Einladung zur Konferenz lasse die Annahme zu. daß mau zu guten Ergebnissen gelangen werde. Amerika habe in der, Frage der Abrüstung so- wohl vom nationalen, als vom internationalen Standpunkt gelernt, und dürfe hassen, daß die ganze Well, belehrt durch die letzte ungeheure Tragödie, zur gleichen Einsicht kommen werde, harding betoute zum Sckzluß, er werde die nationale Unabhängigkeit Amerikas in keinem Punkt opfern. Amerika werde zunächst für, Amerika da sein, aber es werde nie ein egoistisches Amerika sein, das sich einbilde, seinen vorteil aus dem Unglück der anderen ziehen zu können. Die flrbeitszeit öer Lanüarbeite?. Genf, 28. Oktober.(EP.) In der heutigen Sitzung der Ar- bsitHkonserenz, betonte Jules G au tiev namens der französischen Regierung, i daß Frankreich die Beschlüsse.des Genfer Kongresses'a u f keinen Fall annehmen könne. Frankreich, habe eine Reihe von Reformen für die Industriearbeiter lange vor der Konferenz von Washington durchgeführt, und auch für die Seeleute sei die achtstündige Arbeitszeit lange vor dem Kongreß von Genua be- schlössen worden, während in Genua nur eine schwache Mehrheit er- zielt worden sei. L e d e r e r- Wien erklärte, Deutschösterreich v e r- lange die Durchführung der landwirtschaftlichen Reformen. Nach- dem noch andere Redner, namentlich aus Luxemburg und der Tschechoslowakei, in diesem Sinne gesprochen hatten, führie Fa aß-Berlin unter großer Aufmerksamkeit in deutscher Sprache aus, daß Deutschland völlige Durchberotung der landwirtschaftlichen Reformen wünsche. Er fordert auch wirksame Mittel, um die Landflucht der Arbeiter zu verhindern, und berichtete, daß in Deutschland in der letzten Zeit über 100 ländliche Tarisoerträge ge- schassen werden konnten, so daß die infolge der Umwälzung be- fürchteten unheilvollen Zustände verhindert seien. Genf, 28. Oktober.(WTB.) In der Abstimmung über den An- trag der französischen Regierung, die landwirtschaftlichen Fragen von der Tagesordnung der Konferenz abzusetzen, stimmten 63 Dele- gierte für die Behandlung der Frage, 39 dagegen, die notwendige Zweidrittelmehrheit war also nicht erreicht. Die Abstimmung über die anderen die ländlichen Arbeiter betreffenden Fragen wurde auf morgen oertagt. Die deutschen Delegierten haben alle für das Derbleiben der Regelung der Arbeitszeit auf der Tagesordnung gestimmt. Die Ablehnung hat bei den Delegierten der Arbeiter große Erregung hervorgerufen. verkaust Deutscklanüs Kunstschätze? Loudon, 28. Ottober.(Reuter.) Auf die Anregung eines Abgeordneten im Unterhause, die Alliierten sollten im Hinblick auf die von Deutschland gemachten Schwierigkeiten, die Reparation?. zahkungen zu leisten, der deutschen Regierung vorschlagen, deutsche Kunstschätze zu verkaufen, versprach Minister Sir Robert hörne, diese Anregung zur Kenntnis der Rcparationskommission'zu bringen. Mckenna für Einkshr. London. 28. Oktober.(WTB.)„Daily Mail" berichtet, daß die Rede des gewesenen britischen Schatzkauzlers McKenua in Chi- cago in hiesigen amtlichen Kreisen, insbesondere beim Schatzamt, einen günstigen Eindruck gemacht habe. Die Ansicht gewinne Boden, daß nicht nur die interalliierten Schulden gestrichen werden müßten, sondern daß auch dieReparationspoiitik eine R e u- rcgelung erfahren müsse. Der Sturz der deutschen Mark sei ein furchtbarer Schlag für den brilischen Handel. Man hege über die Wirkung der Reporationszahiungcn aus den Wert der deiüschen Mark eine so ernste Ansicht, daß das britische Kabinett sich bald gezwungen sehen werde, Maßnahmen dagegen zu erwägen, daß die Zahlung künftiger Reparationen durch die jetzige finanzielle Lage Deutschlands gesöhrdet werde. London. 28. Oktober.(DA.) Dos englische Auswärtige A m t läßt in der amerikanischen Presse eine Erklärung verösfent- lichen, die kategorisch jede Absicht Englands bestreitet, auf der: Washingtoner Konserenz die Frage der internationalen Verschuldung' und Finanzlage der Welt zur Diskussion zu bringen, was natürlich keineswegs bedeutet, daß England eine solche Diskussion nicht höchst � willkommen wäre, für den Fall, daß Amerika sie anregen würde.- »Vorzeitige* Einigung! Von Victor Schiff. W ä h r e n d des Weltkrieges ist von den Annexionisten aller Länder das abscheuliche Wort vom„vorzeitigen Frieden" geprägt worden. Nach dem Weltkriege hat sich die Arbeiter- klasse aller Länder, dem unheilvollen Beispiel J>es deutschen Proletariats folgend, gespalten. Zugleich aber setzte der Vor- marsch der Bourgeoisie ein, der um so schneller und gefähr- licher fortschreitet, je erbitterter sich in devl verschiedenen Län- dem die einzelnen Teile des Proletariats bekämpfen. Unter diesen Umständen müßte es doch die Pflicht eines jeden Führers sein, nach der möglichst baldigen Wiederher- stellung des M a x i m u m s an E i n i g u n g, das heute schon erreichbar ist, zu streben. Wer könnte es in der jetzigen Si- tuation verantworten, eine solche Einigung als„vorzeitig" ab- zulehnen? Und dennoch hat sich in den letzten Tagen das Schwer- verständliche ereignet, daß erfolgversprechende Verhandlungen zur Herbeiführung einer weitgehenden internationalen Eini� güng, in der der eine Teil ein Entgegenkommen zeigte, das bis zur Selbstausschaltung ging, an der ablehnenden Haltung des anderen Teiles scheiterten. Was sich in der vergangenen ! Woche in London abspielte, als die Augen der Arbeiter- klaffe auf die Ereignisse in Deutschland und in Ungarn ge- richtet waren, bedarf einer eingehenden Erörterung. In Ausübung des Mandats, das sie von dem Genfer Kongreß der Zweiten Internationale erhalten hatte, hatte d i e englische Arbeiterpartei das Exekutivkomitee der Wiener Internationalen Arbeitsgemeinschaft ersucht, am 19. und 20. Oktober eine gemeinsame Konferenz in London abzu- .halten, auf der die Möglichkeit einer Einigung der beiden Internationalen geprüft weden sollte. Wie erinnelich. hatten sich Anfang April d. I. in Amsterdam die„Wiener" geweigert, unter den Auspizien der Gcwerkschaftsinternationale mit der„Zweiten" über, die Reparationsfragen gemeinsame Beschlüsse �zu fassen! Mit. der gleichen Engherzigkeit lehnten sie die Einladung zu. einer gemeinsamen Konserenz zwischen den beiden Exekutivkomitees zur Herbeiführung der Einigung ab, erklärten sich aber bereit, eine solche Besprechung mit der Leitung derLaboprParty abzuhalten. In einer' Unterredung niit einem Vertreter des„Vorwärts" kennzeich- nete Genosse Henderson an dieser Stelle(Nr. 342 vom 22. Juli d. I.) dieses Verhalten mit beißender Ironie: „Die Wiener Arbeitsgemeinschaft lehnt eine eigentliche Einigung aus grundsätzlichen Bedenken ab, erklärt sich aber zu unverblnd- lichen Besprechungen, die rein inforpiaiorischcn Zweck haben sollen, bereit. Selbstverständlich sind auch wir bereit, solche infor- motorische Besprechungen mit den der Wiener Arbeitsgemeinschaft angeschlossenen Parteien abzuhalten. Es kümmert mich sehr wenig. ob eine lln'.ernationale die Zweite, die Zwcineinhalbte oder meinet- wegen die Dreiundzwanzigste heißt! Alle Meinungsverschieden- Helten und auch alle persönlichen Gegensätze müssen gänzlich in den Hintergrund treten gegenüber der Notwendig- k e i t, eine einheitliche, große, starke llnternaiionale auszurichten. Das Verhalten der französischen Genossen ist mir unoer st änd- l i ch. Lonzuet verhandelt mit dem henderson von der L a b o u r Party. Aber mit dem henderson von der Zweiten Jnter- nationale verhandelt er nicht. Das ist nichk die Art, ernste Dinge ernst zu bchandelni Trotzdem war die Bereitwilligkeit auf unserer Seite so stark, daß das Exekutivkomitee der Zweiten Internationale im August das Mandat der Labour Party erneuerte und sogar erweiterte: Man war im Interesse der Einigung bereit, die Zweite Internationale als solche a u f f l i e g e n zu lassen! Man konnte wohl hoffen, daß. nachdem in den letzten drei Monaten der jilnnäherungsprozeß zwischen den einzelnen Par- 'teien dieser getrennten internationalen Organisationen ganz bedeutende Forlschritte gemacht hatte, diejer Einigung nichts mehr im Wege stehen würde. In Deutschland z. B. hatten sich nach der Ermordung Erzbergcrs SPD. und USPD. zu großen einheitlichen Aktionen zusammengetan, ja die Unab- hängigen haben in den letzten Wochen sogar ihre bisherige grundsätzliche Ablehniing der Koalition mit bürgerlichen Par- teien preisgeben. Wer könnte„danach noch einen erheblichen prinzipiellen oder taktischen Unterschied zwischen den beiden Parteien und darüber hinaus zwischen den beiden Jnternatio- nalen konstatieren? ' Die Besprechung hat in der vergangenen Woche in London stattgefunden und ihr Ergebnis ist ein fast völlig n e g a- tive s! Die Labour Varty erklärte im Namen des Exekutivkomitees der. zweiten Internationale, daß es selbst bereit ist, sich und damit die ganze Zweite Internationale aufzulösen. wenn die Wiener Arbeitsgemeinschaft desgleichen täte. Es sollte sodann ein großer, gemeinsamer internationaler Kon- greß einberufen werden, auf dem die Wiederherstellung der sozialistischen Internationale erfolgen würde. Das haben die „Wiener"(Friedrich Adler, Longuet, Ledebour, Grimm und Shinwell) abgelehnt. Das Schreiben, in dem sie diese Ablehnung begründen, ist bereits hier erwähnt worden; die Argumente, die es vorbringt, sind außerordentlich schwach und konnten übrigens nicht anders fein. Zu einer Selbstauflösung kabs das Exekutivkomitee der Wiener ArVeitsgemeinschaß kein Mandat erhalten; was es erstrebe, sei eine Wiedervereinigung aller internationalen Organisationen, während die Labour Partn einen solchen Versuch nach der Richtung der kam m u- nistlschen Internationale nicht vorschlage und an die ita- lienische Partei nicht gedacht habe(letztere Behauptung beruht übrigens auf einem Irrtum); das einzige, wozu sich die„Zwei- einhalb" bequemen würde, wären gemeinsame Aktionen von Fall zu Fall über einzelne konkrete Fragen. In seiner Antwort hat Henderson noch einmal mit schlagender Deutlichkeit den Standpunkt der„Zweiten" festgestellt und die Schuld der„Wiener" an der Ergebnislosigkeit deses neuesten Annäherungsversuches nachgewiesen. Von den Unterhändlern der Wiener Arbeitsgemeinschaft hat sich bisher nur Longuet im„Populaire" vom 26. Oktober zu dem Ausgang der Londoner Verhandlungen gs- äußert. Er versucht, das von der Labour Party vor- geschlagene Vorgehen zu ironisieren: Henderson und seine Freunde hätten als„notwendig und ausreichend" erachtet, einen Kongreß nach London in einigen Wochen einzuberufen oder sogleich die beiden Internationalen aufzulösen und„eins, zwei, drei" jene neue Internationale zu gründen, die alle Ar- beiterparteien mit Ausnahme der Kommunisten enthalten hätte. Und nun schreibt Longuet wörtlich: „Das war einfach und schnell, viel zu einfach und viel zu schnell in Anbetracht der außerordentlichen Kompliziertheit dieses Problems und der' erheblichen Schwierigkeiten, die es in den meisten Ländern des europäischen Kontinents und Amerikas— zum Unterschied von England— bietet." So viel Worte, s o viel leere Redens» arten. Es wa in der Tat möglich,„eins, zwei, drei" aus zwei Internationalen, zwischen denen es überhaupt keine prinzipiellen und taktischen Gegensätze mehr gibt— namentlich seitdem die deutschen Unabhängigen die Koalitions- Politik für eine Frage der Taktik, nicht des Prinzips, erklärt haben—, eine einzige zu machen, und zwar war das von HeNderson vorgeschlagene Vorgehen das einfachste und das schnellste. Wer dieses Vorgehen ablehnt mit der Begründung, daß damit die absolute Einigung, also die Einigung mit Mos- kau, nicht hergestellt wird, der will offenbar die Einigung überhaupt nicht. Oder glaubt etwa ein Anhänger der Wiener Arbeitsgemeinschaft, daß es möglich fein wird, die Einigung mit den kommunistischen Jnternatio- nalen in absehbarer Zeit zu erreichen? Die Parteien der Dritten Internationale gehen immer mehr im Anarchismus unter. Will die Wiener Arbeitsgemeinschaft diese reinliche Scheidung, die die geistigen Väter der Internationale, Marx und Engels, für so unerläßlich hielten, daß sie ihr eigenes Werk zerschlugen, wieder verwischen und die sofort erreich- bare Einigung aller marxistischen Sozialisten einer m weiter Ferne liegenden und höchst problematischen Verschmelzung mit den Neobakunisten opfern? Zur gleichen Zeit, als gegenüber dem klaren Vorschlage der Engländer die„Wiener sich mit solchen Haarspaltereien befaßten, wurde zwischen Berlin, Wien und Prag, zwischen zwei Parteien der„Zweiten" und drei Parteien der„Zweieinhalb", binnen wenigen Stunden eine gemein- same Kundgebung und gemeinsames Handeln beschlossen gegen die durch die Rückkehr des Habsburgers nach Ungarn neuerlich akut gewordene Gefahr der Gegenrevolution: Niemand hat dabei auch nur eine Sekunde daran gedacht, sich mit den kommunistischen Wirrköpfen darüber zu verständigen. Die Ausreden Longuets sind so nichtssagend, daß mau annehmen muß, daß irgendwelche Motive, die er nicht aus- sprechen kann und will, sich hinter diesem ablehnenden Ver- halten der Wiener Arbeitsgemeinschaft verbergen: vielleicht betrachten die Franzosen und die Unabhängigen die Einigung aller Sozialisten deshalb als„vorzeitig", weil sie in den näch- stcn Monaten einen Zuwachs von kommunistischer Seite er- hoffen: die französische Kommunistenpartei, deren Führer in allerhand dunklen Korruptionsgeschichten verwickelt sind, geht ihrer Auflösung entgegen, ebenso rechnet man vielleicht auf eine Entwicklung der„Kommunistischen Arbeitsgemeinschaft" Paul Levis nach, rechts? Jedenfalls ist durch das Verhalten des Wiener Exekutiv- komitees die Wiederherstellung einer einigen s o z i a l i st i- s ch e n Internationale, die schon jetzt möglich war u n d i st, um einige weitere Monate verzögert worden. Die deutschen Unabhängigen haben unserem Parteitag in Görlitz vorgeworfen, daß er die Schaffung der Koalition mit der Deutschen Volkspartei höhergestellt habe, als die fortschreitende Einigung der deutschen Arbeiterklasse. Auch wer in unserer Partei gerade von diesem Gesichtspunkte aus Bedenken gegen den Görlitzer Beschluß bzw. gegen die Art, wie er von gewissen Seiten begründet wurde, ebenfalls hat, kann sich der Erkennt- nis nicht verschließen, daß manches schwerwiegende Argument f ü r den Görlitzer Beschluß sprach. Was sich aber in London abspielte, ist das i n t e r n a ti o n a l e Gegenstück zu Görlitz. Denn dort wurde eine sofort er- reichbare internationale Einigung mit Rücksicht auf die Kommunisten durch die Vertreter der Internationale Zweieinhalb vereitelt. Es ist notwendig, daß die deutsche Ar- beiterklasse darüber unterrichtet wird, und da kaum anzu- nehmen ist, daß die Argumente, die der in London gewesene Vertreter der USPD. vorbringen wird, stichhaltiger sein wer- den als die gewundene Rechtfertigung Longuets im„Popu- laire", so kann man schon jetzt behaupten, daß die internatio- nale Einiaung der sozialistischen Arbeiterklasse überflüssig ver- zögert worden ist._ die Regierungsumbilöung in Preußen. Die„Kreuzzeituna" regt sich in einem Artikel, der die preußische Regierungsfrage behandelt, schrecklich auf. Sie meint, es. zeige sich immer deutlicher, daß Preußen mit Gewalt zur Hausmacht des Sozialisten kanzlers Wirth und des Par- teipräsidenten Ebert gemacht werden soll«. Das preußische Volk, der Preußische Landtag und der preußische Minister- Präsident würden einfach vergewaltigt.— Wir verstehen nicht recht, warum' die deutschmonarchistische„Kreuzzeitung" den preußischen Ministerpräsidenten Etegerwald plötzlich alz He» loten schildert. Wir fühlen uns aber nicht berufen, das auf- zuklären. Uns scheint viel wichtiger, daß Stegerwald selbst in einem Interview, das er gestern dem Chefredakteur des „Deutschen" gewährt hat, erklärte: „In Preußen ist durch die Vorgänge im Reich die bisherige politisch« Regierungsbasis erschüttert. Die Einbeziehung der Sozialdemokratie in die preußische Regierung ist jetzt sowohl ein Gebot politischen Anstandes als auch der Staats- Notwendigkeiten. Der Sozialdemokratie kann nicht zuze- mutet werdm, im Reich in allen entscheidenden Stunden in die Bresche zu springen, in dem größten Bundesstaat dagegen von der unmittelbaren Mitwirkung an den Staatsgeschäften ausgeschaltet zu bleiben. Wir stehen zudem vor einem sehr schlimmen Winter und vielleicht vor einem noch schlimmeren Frühsommer. Unter diesen Umständen wird die Einbeziehung der Sozialdemokratie in die preu- ßisch« Regierung bald erfolgen müssen." Wir erkennen diese politische Einsicht gern an. Sie hat leider nur bedingtes Gewicht, well der preußische Minister- Präsident immer noch meint, daß es kein« andere Regie- rungsmöglichkest gibt als die der„großen Koalition". vis Justiz hat versagt. Die Erschießungen in Mitteldentschland. Die Freitog-Sitzung des Untersuchungsausschusses förderte ahn- liche Ergebnisse zutage wie die am Donnerstag. Nach dem Fall Staube, über den bereits berichtet wurde, untersuchte der Ausschuß die Erschießungen, die sich an das Gefecht von Besenstädt anschlössen. Zeuge H e i n r i ch L e h m a n n hat als Schutzpolizeibeamter an dem Gefecht teilgenommen. Er berichtet über die Erschießung des Amtsvorsteher-s von Trebnitz. Dieser ist einer Gruppe vorgeführt worden, die aus dem Leutnant v. d. Tann und zwei Hallenser Zeitfreiwilligen bestand. Leutnant v. d. Tann beschimpfte den Gefangenen furchtbar und gab dann den Befehl, ihn dem Hauptlb.ann vorzuführen. Leise aber sagte er den ab- fuhrenden Schutzpolizisten:„Ihr nehmt den Weg durchden Hohlweg und dann..."» dabei machte Leutnant v.d. Tonn mit dem Zeigesinger die Bewegung dos Gewehrabdrücken». Der gefangene Amtsvorsteher mußte dann vor den drei Schutz- Polizisten hergehen. Etwa hundert Meter entfernt, vergrößerten diese den Abstand. Der Gefangene ging weiter, blieb aber ein paar Mal stehen und drehte sich um, dann fiel ein Schuß und der Gefangene sank tot zu Boden. Leutnant v. d. T a n n hat auf ähn- liche Weise schon vorher einen anderen Gefangenen be- seitigen lassen wollen. Es war dies ein Schutzpolizeibeamter der Technischen Hundertschaft, der vorher von den Kommunisten als Geisel verschleppt worden war. Weil er über seine Behandlung bei den Kommunisten nicht ungünstig aussagte, hielt ihn v.d. Tann für einen Spion. Auch bei seiner Abführung machte v. d. Tann d i e Bewegung mit dem Zeigefinger. Zufällig kam ein Be- amter der Technischen Hundertschaft vorbei, der den Gefangenen als Kameraden erkannte, wodurch dieser gerettet wurde. Es folgt der Fall der Erschießung des Ortsvorstehers Müller im Klostermannsfeld. Schuhmachcrmeister Feige und seine Frau haben als Zeugen von dem Fenster ihrer Wobnung aus gesehen, wie Müller aus dem erleuchteten Hotel„Deutscher Kaiser, dam Standquartier der Schupo, um 11 Uhr nachts mit starker-oe» deckung abgeführt wurde. Bald daraus fielen Schüsse. Müller wurde später als Lsiche gefunden., Ueber die Erschießung des Ortsvorstehers Mosen hau er m Oßmünde sagt der Zevae Lichtenberger aus, der der Schutz. polizel angehört hat. Mosenhauer mußte während des Transports auf einen Acker gehen. Da gerade ein paar Telegravhenorbeiter vorbeikamen, ließ man ibn wieder zurückkommen. Als d'« Arbeiter fort waren, mußte Mosenhauer wieder auf den Acker und wurde dort erschossen. Ferne? hat Lichtenberger gesehen, wie ein Wachtmeister einen anderen Gefangenen erst qeobrfeigt und dann mit dem Revolver erschossen hat. Auch dieser Zeuge belostet den Leutnant v.d. Tann sehr schwer. Im Leunawerk habe v. d. Tann einen Gefangenen eigenhändig erschießen wollen und, als der Hauptmann ihn daran hinderte, mit einem Blick auf d:e Wacht» meiste? gesagt: �ta. dan nwerdca es andere besorgen". Der Zeuge hat dann seine Kameraden von der Erschießung abge, halten. Er führt seine Entlassung aus der Schutzpolizei daraus zu- rück, daß er sich mißbilligend über die Erschießungen geäußert habe. � Damit ist die Vernehmung der Zeugen beendet. Abg. Kilian stellt den Antrag, zu diesem Thema noch weiter Zeugen zu verneh. men. Staatskommissar Dr. W e i s m a n n, der schon vorber im Auftroge der Regierung erklärt hatte, daß der Minister des Innern auf Grund der gestrigen Berhandlungm sofort den Justiz« m i N i st e r um Untersuchung der neu bekanntgewordenen Fälle er- sucht habe, vertritt den Standpunkt, daß die weitere Untersuchung der Staatsanwaltschaft überlassen werden solle. Abg. Kaui- mann(Dnat.) und Heiderich(DBp.) pflichten dem bei, von der Linken wird sehr deftig widersprochen. Don feiten der Linken wird namentlich ausgeführt, daß die bisherigen Verhandlungen ein vollkommenes Versagen der llosti; ergeben habe. Obwohl sisben Monate seit dem Märzaufstalld ver- flössen sind, seien die meisten der hier gehörten Zeugen noch nicht einmal gerichtlich vernommen worden. Dabei habe Rechtsanwalt Hegewisch als Vertreter der Hinterbliebenen die Namen der Zeugen der Staatsanwaltschaft mitgeteilt. Die krosscstcn hier aufgedeckten Erschietznngsfälle hat die Statsanwaltschaft überhaupt nicht ln V-arbetlung genommen. Der Vorsitzende führte aus, daß der Ausschuß den Gerichten nicht vorgreifen wolle. Aber die bisherigen Ermittlungen hätten zweifellos wichtiges Material für neue gerichtliche Untersuchungen gefördert. Wenn der Ausschuß weiter in der Loge sei, den Justiz- behörden n e u e A n h a l t s p u n k t e für die Untersuchung zu bieten, so könne er sich dieser Aufgabe nicht entziehen. Der Vorsitzende schlägt vor. die Beschlußfassung über den Antrag Kilian auszusetzen bis die neuen Beweisanträge formuliert find. Der Ausschuß beschließt dementsprechend. Von den sozialdemokratischen Mitgliedern des Aus- schusses ist ein Antrag Drescher und Genossen eingegangen, auf Grund der bisherigen Ergebnisse durch den Landtag an dos Staats- Ministerium folgendes Ersuchen zu stellen: 1. mit aller Beschleuni- gung Ermittlungen darüber anzustellen, welche Abtei- l un gen der Schutzpolizei bei den in Frage kommenden Vorfällen NoröwestöeuMer Sauernspuk. Bon I. K liche. Die Ecke zwischen Bremen und Wilhelmshaven. Aus den feuchten Marschenwiesen steigen graue Nebelmassen. Dicht und schwer lagern sie an den Bormittagen über dem breiten Küstenstrich. Gegen Mittag verscheucht sie die milde Spätherbstsonne ein wenig, aber des Abends fordern sie wieder ihr altes Recht. Auf den herbstbetauten Wiesen weidet Vieh aller Arten. Pferde und Rinder, Schweine und Schafe. Ueppig und voller Kraft. Nord- westdeutscher Bauernsegen. Die grasenden Pferde und Rinder, die Schafe und Schweine sind durchweg ohne Aufsicht. Und Tag und Nacht vagabondieren sie'auf den nassen Wiesen umher. Fast nie kommt ein Stück abhanden. Das ist so seit altershsr und ist auch so geblieben heutigentags. Die Menschen, die in den umliegenden Städten wohnen, in Bremen und Emden, in Aurich und Oldenburg, in Wilhelmshaven und anderswo, sie haben keinen Nutzen von dem Blühen und Ge- deihen all der fetten Tiere. Der Marschenbauer hat gute Absatz- quellen. Aus dem besetzten und unbesetzten Industriegebiet tummeln sich die Wucheragenten ins Land und zahlen im Bunde mit den Auftäufern von den nahen friesischen Inseln Preise, bei deren Nen- nung jedes Bauernherz vor Freuden Tango tanzt. So ist es mit dem Bieh, so ist es mit der Butter, den Eiern, den Kartoffeln. Ganz schüchtern und zaghaft hatte die oldenburgische Regierung verfügt, daß der Erzeugerpreis für Kartoffeln nicht über fünfzig Mark den Zentner beiragen dürfe. Darauf Boykott auf der ganzen Linie. Große Bauerndemonstration(unTr volksparteilicher Füh- rung versteht sich) in der ehemaligen„Residenz", deren Ministerial- gebäude heute wie vor grauen Zeiten die schöne„grohherzogliche" Inschrift trägt. Die Regierung gab klein bei und zog die Fünfzig- Mark-Berfügung zurück. Dieweil eben die Bauern nicht nur das Heft, sondern auch die strotzenden Kartofselsäcke in den Händen halten. Satt und selbstbewußt, mit festlich geschmückten Leiterwagen und Musikkapellen voran, zog das zu Tausenden zum„großen Bauerntag" in die Stadt gekommene agrarische Landvolk durch �dis Straßen Oldenburgs.„Wir sind da, wer will uns was? Potz Wetter, es lebe der Bauersmann!" Bon einem erzählt man, er fei durch die Straßen der Stadt gefahren und habe in einem Fenster irgend etwas Großes, Kastenähnliches gesehen. Daraus zum Geschäfts-' inhaber:„Wat kost de Kommod?" Und dieser:„Das ist keine Kam- mode, das ist ein Konzertflügel, kostet zehntausend Mark." Darauf wieder der Bauer aus seinen Wagen weisend und die Brieftasche ziehend:„Na, da schmeiß mi moß dat Ding hinten ruffl" An einer Ecke standen verhärmte Arbeiterfamilien. Als der Rauernzug vorüber kam, hielten alle den Bauern leere Kartoffel- sacke entgegen. Eine schweigende Demonstration, die die Bauern wenig anfocht.„Wat kehrt mi dat!" Dos Ganze ein nachrevolutionärer Spuk wirtschaftlicher Art. Eine Schaustellung der Leute aus den Nebelbezirken.„Wi wullt einfach nichl' In der Tat, sie wollen nicht. Was helfen da die Schreibereien von dreihundert Geheimräten? Was die(nicht bil- ligen) Zusammenkünfte von zwei Dutzend Ernährungsministern? Sie wollen nicht; und die viugcnannte Erfassung der Goldwerte? Nun sie vertrauen auf den Gustav Strescmann. Der wird schon, meinen sie, dafür sorgen, daß sich so mancherlei in grqpen Nebel und blauen Dunst verflüchtigt. Die gleiche Hoffnung hegen die auf Helgoland, auf Wangeroog und Spickeroog, auf Borkum und auf den anderen benachbarten ostsriestschen Insclbädern verbliebenen Goldwertbcsitzer. Sie trinken steifen Grog und schweren holländischen Doornkaat und fühlen sich, trotz Erzbergers Steuerreform und trotz allen Küstennebels von keinen Sorgen und Nöten bedrückt. Musikalische Sommerspiele.(S ch i l l e r s a a l.) Die m u s i- kalischen Hauskomödien Dr. Erich Fischers haben sich bei einem feinsinnigen Publikum schon längst eingebürgert. Die Handlung dieser kleinen Lustspiele ist meist sehr einfach, aber psycho. logisch und gefühlsmäßig sehr vertieft. Der Witz und Humor ist ftisch und originell, niemals von der Seichtheit und der dummen Dreistigkeit unserer Operettenmache angekränkelt. Helene und Erich Fischer haben auch heute wieder in dem„Alten Die- n e r, dem„H e r r n D o k t o r" und dem„RomaninderWasch- k ü ch e" absolut Wertvolles geschaffen.' Und die von Erich Fischer dazu zusammengestellte und bearbeitete Musik von Offen dach, Schubert und Dittersdorf klang im Schillersaal wieder neuSr und aktueller als die meisten„Perlen" unserer besten Ope- rettendichter. Und wie amüsiert sich das Publikum! Da ist auch nicht ein Hauch literarischer Ausgrabungshochachtung, die so oft -dämpfend wirkt. Man hatte wirklich Mühe, gesittet und anständig zu bleiben bei diesen unwiderstehlichen Heiterkeitsausbrüchen. Die Regie von Herbert Neustadt war vortrefflich, das Klavierspiel von Ernst Balopp charakteristisch, entbehrte aber etwas der feineren. Kultur, dafür war feine musikalische Leitung ohne Tadel. Der Löwenanteil unter den Darstellern gebührt der mit Humor un- erschöpflich begabten Claire Jache. Wenn ihre Stimme auch nicht ganz in Schönheit getaucht ist, so oerrät sie doch viel Schule, und der musikalische Ausdruck trifft den innersten Nerv. Dazu äußerste Sicherheit und eine Darst-llungskunst, die nur wenig eben- bärtige Rivalen hat. Ein famoser Partner war ihr nach beiden Richtungen M a x M e n s i n g. Die Damen P a e ch und S e i b d, sowie Herbert Neustadt boten tüchtige Mithilfe, namentlich die erstere mit ihrem klangvollen Mezzosopran. H. M. „wie trete Ich aus der Regierung aus?" Unter diesem Titel läßt der Borstand der Deutschen demokratischen Partei einen Leitfaden erscheinen, der wegen seiner neuen, eigenartigen Ge- sichtspunkte allgemeine Beachtung verdient. So wird darin gesagt: „Beim Austritt aus einer Negierungskoalition dringe man darauf, sämtliche bisherigen Ministerposten zu behalten, falls man nicht vorzieht, noch einige dazu zu beanspruchen. Nur so wird der Austritt vollen sachlichen und moralischen Erfolg erzielen. Be- gibt man sich zugleich mit dem Austritt in entschiedenste Opposition, so verabsäume man nicht, wenigstens d i e Minister der eigenen Partei auf ihren Posten zu belassen, die sich bisher durch sachliche Unfähigkeit ausgezeichnet haben. Die Opposition beweist man dadurch, daß man den fachlich tüchtigen Männern den Eintritt in die Regierung verbietet." Goldene Worte spricht der Leitsaden auch über das Wesen der Koalition:„Eine Koalition auf möglichst breiter Grundlage ist immer das nach außen zu verkündende Prinzip. Das darf jedoch nicht hindern, in der Praxis auf möglichst kleine Koalitionen hinzuarbeiten, weil hierdurch die Anzahl der auf die eigene Partei entfallenden Minister größer ausfällt. Erklärt man z. B. für Deutschlands einzige Rettung die Koalition von der Bolkspartei bis zu d«n Sozialdemokraten, so biete man unter der Hand dem Zentrum an, mit ihm allein eine klein« Mittelkoalition zu bilden." Dem Leitfaden ist ein Anhang beizegeben:„Wie lehne ich ein Ultimatum ab?" Hier heißt es:„Eine Politik der Verständigung nach außen hin erscheint immer als das Gegebene. Zwingt diese Politik jedoch dazu, einen für das eigene Land unangenehmen Per- trag zu unterschreiben, so rette man sich durch einen gewaltigen Sprung aus der Regierung. Nach geglückter Flucht kann man wieder in die. Regierung eintreten, sobald die anderen unter- schrieben haben. Man richte es stets io«in, daß der Negierungsaus- tritt bei solchen Anlässen nie länger als vierzehn Tag« dauert." Sehr beachtenswert find auch die Ausführungen über Eni- fendung von Kommissaren:„Gegen eine solche Entsendung erhebe man flammenden Protest. Man stürze jede Regie- rung, die Kommissare entsenden will. Haben jedoch die anderen die Entsendung eines Kommissars beschlossen, so sorge man dafür, daß dieser aus den Reihen der eigenen Partei entnommen wird." Ueber dem Leitfaden stehen als Motto die Worte:„Grundsätzliche Politik ist die Kunst, aus Angst vor der Agitation de? anderen bewußt das Falsche' zu tun." Der Leitfaden schließt mit den Worten:„Kops hoch, in Deutschland ist noch niemand an Lächerlichkeit gestorben." Mich. o. L i n d e n h e ck e n. Amerikanische Hygiene im Film. Keine Gesundheiksbehärde der Welt bat wühl di« hervorragende Bedeutung des Films für die hygienische Volksaufklärung früher und besser erkannt als die des Staates New Pork. Eine Anzahl neuer hygienischer Filme, die in jüngster Zeit von d«n amerikanischen Gesundheitsämtern erworben wurden, behandeln noch der„Münch. Med. Wochenschrift" Mund- Hygiene, Augenschutz für die Jugend, Fliegenbekämpfung, gesunde Wasserversorgung. Diese Film« werden kostenfrei verliehen. Eine andere wirksame Maßnahme der hygienischen Dolksaufkiärunq be- steht in der in allen größeren Städten durchgeführten Einrichtung oolkshyaienifcher Kurs«, die etwa eine Woche dauern und aus Vor- trägen sowie Demonstrationen auf dem Gebiete der Kinderhygiene, Ernährung. Gcsundbeitsverwaltung usw. bestehen. Auch bei diesen Kursen spielt der Film eine bedeutende Rolle. FortdildungSlcbrgAnge iitr Lehrer und Lehrerinnen Groß- Berlins. Die staaliiche x->aupistcllc ssir den natuNi'Issenschastlichen Unterricht veranstaltet in diesem Winter 18 maibematische und natiirwissmichestllch« Sehrgänge, zum Teil für Lehrer und Lehrerinnen an allen Arten von Schulen, zum Teil insbesondere sür Lebrer und Lehrerinnen an den höheren Schulen. Die Lehrgänge dauern in der Regel 13 Wochen, eine vollständige Uebersicht wird an alle Schulen Gron-Beriins versandt. Mildnngcn zur Teilnahme find mündlich von 11—4 Uhr lSormabcnds 11—2 Uhr) oder ichrisllich an die staatliche Hauptstclle, Verlin W. 83, Potsdamer Stratze 120, zu richten. beteMgt gewesen sind, f. ebenso befdjfeuntqt zu ermitteln, welche Beamten sich rechtswidrige Handlungen haben zuschulden kommen lassen oder als Vorgesetzte geduldet haben, 3. für schuldig befundene Beamte aus der Schutzpolizei rücksichtslos zu ent. fernen, 4. in allen Fällen, wo Verstöße gegen das Strafgesetz vorliegen, die Staatsanwaltschaft mit deren Verfolgung zu beauftragen, 5. dem Landtag über das Ergebnis der Ermittlungen alsbald Bericht zu erstatten. Der Antrag, den auch der RegierungWertreter begrüßt, wird einstimmig angenommen. Die Verhandlungen werden darauf bis auf weiteres vertagt. » Der amtliche preußische Pressedienst verbreitet zu den gestrigen Ausführungen des„Vorwärts" über das Resultat der Untersuchun- gen eine Erklärung der Regierung. Darin wird gesagt, daß der Schutzpolizei vor ihrem Einsatz nachdrücklichst zur Pflicht gemacht wurde, jede unvorschriftsmäßig« Behandlung der Gefangenen unter allen Umständen zu unterlassen. Soweit trotzdem Rechtswidrigkeiten bekanntgeworden seien, habe die gerichtliche Untersuchung eingesetzt. Einzelne Fälle werden aufgeführt. Dazu ist zu bemerken: Der Ausschuß hat festaestellt, daß gerade in den hauptsächlichsten Fällen von Massenerschießungen (Bischhofrode, Schraplau, Leuna) keine gerichtlichen Unter- s u ch u n ge n eingeleitet worden sind, daß ferner in anderen Fällen das Verfahren wegen mangelnder Beweise eingestellt wurde, ohne daß die vom Ausschuß gehörten Augenzeugen, die dem Gericht auch erreichbar gewesen wären, vernommen wurden. Woher es kommt! Essen. 28. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Bei der E s s e n e r Schutzpolizei werden in letzter Zeit Methoden angewandt, die die Beamten der Schutzpolizei fast zur Verzweiflung treiben. Wir lesen darüber in der»Essener Arbeiterzeitung" u. a. aus dem Brief eines Schutzpolizeibeamten folgendes: Am 26. September 1321 hatte die Nachrichtenhundertschaft der Schutzpolizei vormittags Ausbildung im Waffendienst unter Auf» ficht des Leutnants Keller. Klappte mal bei diesem oder jenem der eine oder andere Griff'nicht sofort, so hieß es:»Reißen Sie sich zusammen, sonst werde ich s ch l e i f e n und nachexerzieren lassen." Oder:»Reihen Sie Ihre Hammelbeine zusammen, sonst schmeiße ich Ihnen eine Rolle Stacheldraht ins Maul." Oberleutnant L o e b e hat kürzlich den Beamten einen Vortrag ge- halten, in dem ex ihnen sagte, dag in Zukunft jedem, der sich trank meldete, vom Arzt aber nicht krank geschrieben würde, als Strafe der Sonntagsurlaub entzogen werde. Major Pfeiffer meinte:»Schon bei unserem Auftteten müssen die Kommu- nisten die Kugeln im Leibe spüren." Auf diese Weise wird der Kasernenhofgeist gezüchtet, der nach außenhin die»wohldisziplinierte Mustertruppe" schafft,.nach innen hin aber zu jener Verrohung führt, wie sie gerade bei der rheinischen Schutzpolizei vor dem Untersuchungsausschuh fest- gestellt wurde. De? Kampf um öie Schule. Im Hauptausschuh des Preußischen Landtags wurde am Freitag die Beratung des Kultusetats fortgesetzt. Abg. Dr. Gottschalk(Dem.) will nicht Preußentum, aber auch nicht das allgemein Menschliche in den Mittelpunkt gestellt wissen, sondern die deutsche Art usw. Abg. H a e n i s ch(Sbz.): Der jetzig« Minister will die Personal- Politik in anderem lseisie führen, als ich es getan habe. W i e er sie treiben will, hat er aber nicht gesogt. Trotz meiner ökonomischen. Auffassung bin ich der Meinung, daß die Personalpolilik in den IMikelpunkt der Reform stehen muß. Mit neuen Formeln ohne neue Menschen kommen wir nicht weiter. Selbst Bismarck sagte:»Die besten Ge- setze nützen nichts, wenn der Beamtenapparat versagt." Die Beamten neuen Geistes brauchen nicht durchweg neue Männer zu sein: auch Beamte des alten Staates haben geistige Elasti- z i t ä t genug gezeigt. Leider ist das nicht die Regel, besonders nicht in den Prooinzialverwaltungen. Die notwendige Personalpolitik zur Erneuerung dieses Geistes hat der Minister Becker nicht ge- trieben. Der Regierungspräsident in Arnsberg hat nicht einen Herrn, der sein Vertrauensmann sein könnte. Den Schutz zeit- gemäß denkender Oberlehrer J)at Herr Becker vermissen lassen. Lehrer, die ihrer Treue zur Republik Aus- druck aeben, werden oft in schamloser Weise bedrückt. Einem Lehrer, der historisch getreu in einer Versammlung über die Königin Luise sprach, wurde Das Land ohne Regen. Das in Südafrika gelegene Betschuana- land genießt den fragwürdigen Ruhm, daß in den einzelnen Strichen des Landes nur alle 12 Jahre Regen fällt. Ueber diese ungewöhnliche meteorologische Erscheinung machte der italienische Missionar Pater Porte interessante Mitteilungen.»Es klingt unglaublich." schreibt der Missionar,„aber es ist nichtsdestoweniger wahr: es regnet überall, nur nicht hier. Während in Transvaal und im Basutoland Mais und Korn üppig stehen, kann man hier noch nicht einmal daran denken, zu säen. Livingston« schilderte bereits vor rund 60 Iahren das Land als unfruchtbar, und im Lauf« der Zeit hat sich daran nichts geändert. Livingstones Beobachtungen hatten den einwand- freien Deweis erbracht, daß im Betschuanalande nur olle 12 Jahre ein wirklich ausgiebiger, fruchtbringender Regen niedergeht. Die seit- herigen Erfahrungen bestätigen seine Angaben durchaus, und auch unsere eigenen Aufzeichnungen belehren uns darüber, daß im Bet- schuanaland tatsächlich nur alle 12 Jahre Regenfall eintritt. Was das in einem Lande bedeutet, für dessen Bevölkerung Getreidebau und Viehzucht die Grundlagen des Lebensunterhaltes bilden, braucht nicht erst hervorgehoben zu werden. Das ganze Sinnen und Trachten der Bevölkerung ist denn auch nur auf die Regenfrage gerichtet, und auch die Religion der Eingeborenen besteht nur aus abergläubischen Bräuchen, durch die sie Regen herbeizulocken suchen. Infolgedessen besitzen auch die Regenmacher den größten Einfluß, und die Einge- borenen warten in der Erkenntnis, daß ohne Regen ihre Arbeit ja doch unnütz ist, mit verschränkten Armen, bi« die Regenmacher Erfolg haben. Ist das freudig erwartete Ereignis endlich eingetreten, dann herrscht im Lande, dos dann auf reiche Ernten hoffen darf, eitel Freuds und heller Jubel." Fraueafelbsimorde während des Krieges. Die Bewegung der Selbstmordziffern lassen bei der Prüfung und beim Vergleich im all- gemeinen nur schwere Schlüsse auf die Ursachen zu. Aber die Ziffern über die weiblichen Selbstmorde in den Großstädten sind sprechend. In den Städten mit über 100 000 Einwohnern stieg die Zahl der weiblichen Selbstmorde wie folgt: 1911: 1102, 1916: 1121. 1316: 1368, 1917: 1371». 1918: 1491. Man geht sicher nicht fehl, wenn man die Ursachen dir�r Steigerung in der Gestaltung der sozialen Ver- hältnisse in den Großstädten während des Krieges sieht. Der Mangel an Lebensmitteln machte sich hier natürlich am stärksten bemerkbar. Die Zahl der in den Munitionsfabriken weit über das Maß ihrer Körperkräfte arbeitenden Frauen war ebenfalls in den großen Städten verhältnismäßig am größten. Diese besonders ungünstigen Verhältnisse werden die seelischen Voraussetzungen geschaffen haben, die jedes Jahr mehr Frauen in den freiwilligen Tod hetzten. Grobe VolkSoper. DaS 9. Abonnements-Konzert mit dem Vbil- bannonüchen Orchester in der Philharmonie am 4. November ist Richard Straub gewidmet. Gustav Brecher dirlaioi die Alpexiinsonie und Till Eirlenwiegel. Barbara Kemp singt die drei Hymnen nach Hölderlin als Uraufführung. Urania-Vortröge im Teblvslparkiheater. Die Urania hat mit der Leitung des Schlohparktheniers ein Ablommen dahingehend getroffen- daß au San ii tag- Nachmittagen um 4 Ubr regeiniäzig Urania- Bor t r i g r im»Großen Hause" gehalten werden, die den Bewohnern der westlichen Vororte das reiche Matciial der Urania beiaimtmachen sollen. Der erst« Bortrag findet am Sonntag, den 30.. nachm. 4 Uhr, bei lleiucn Preisen statt. Thema:»Von der Zugspitze zum Watzmauu." der Geschichtsunterricht entzogen, obwohl dienstlich nichts gegen ihn vorlag. Die Reaktion in den Prooinzialverwaltungen hat wieder Oberwasser» weil sich das Kabinett stützen muß auf die Parteien der Rechten. Ratio- nalistische Propaganda wird von manchem höheren Schul- beamten in einer Weise betrieben, die ein Wahnsinn und ein V e r b r e ch e n ist. Die Schuldlosigkeit Deutschlands am Krieg, die Dolch stoß-Legende usw. werden zu Schulaufsätzen benutzt. Aon den Erklärungen des Ministers zur Lehrerbildung sind wir nicht befriedigt. Er sprach von der Möglichkeit der Rückbildung der beut- schen Oberschule zu einem siebenklassigen Seminar. Der Minister betonte auch den geschlossenen Widerstand des Volkes gegen manche Lehrerbildungsforderunqen, der aber in Wirklichkeit gar nicht besteht. Fortschritte, die vom Ministerium beabsichtigt sind, werden unsere Unterstützung finden/ wo es rückwärts geht, wird die Sozialdemo- kratie mit schärf st em Kamps antworten.— Minister Dr. Becker bestreitet eine Rechtsschwenkung seiner Politik.— Fort- setzung der Generaldebatte Sonnabend. Reichswirtschaftsrat unü neue Steuern. Der Vorläufige Reichswirtschastsrat beschäftigte sich mit einer Reihe der von den Ausschüssen durchberatenen neuen Steuervorlagen. Das Präsidium des Reichswirtschaftsrats hat sofort an das neue Kabinett ein Ersuchen um Auskunft über sein Steuer- Programm gerichtet. Es oerlautet, daß das neue Kabinett be- züglich der Besitz steuern andere Bahnen gehen will, als sein Vorgänger. Für die Beratung der Steuergesetze hat der Reichswirtschastsrat folgenden Generalvorbehalt gemacht: „Der Vorläufige Reichswirtschaftrat kann sich, auch bevor er an die Prüfung des Gesamtsteuerdeckungsplanes herantritt, der Aufgabe nicht entziehen, zu den von der Regierung vorgelegten einzelnen Steuergesetzen Stellung zu nehmen. Dabei kann(ich seine Prüfung nur auf die Grundsätze und die Fassung der bisher vor- gelegten Einzelgesetze erstrecken. Ob ein Einzelgesetz in den Rahmen des Eesamtdeckungsplanes hineinpaßt, oder welche Wirkungen auf die Erträgnisse anderer Steuerqefetze eintreten, kann der Vorläufige Reichswirtschastsrat naturgemäß erst dann entscheiden, wenn alle wirtschaftlichen und finanziellen Zusammenhänge des Gesamt- Problems von ihm geprüft sind." Ueber den Entwurf eines Kapitaloerkehrssteuergesetze» berichtet Generaldirektor Dr. Wussow(Vertreter der Kleinbahnen und Straßenbahnen): Für die Börsen umsatz st euer, die sehr erhebliche Erhöhungen erfahren soll, schlägt der Ausschuß eine andere Staffelung nach dem K u r s w e r t der Aktien vor. Das In- krafttreten des Gesetzes will der Entwurf vom 16. Februar 1921 ab datieren: der Ausschuß hält einen früheren Termin als den 1. August nicht für zulässig.— Ohne Erörterung wird der Gesetzentwurf nach den Vorschlägen des Reparationsausschusses einstimmig ap- genommen. Frowein(Arbeitgeber der Industrie) erstattet den Bericht des Reparationsausschusses über die llmfatzsteucr«. Die Regierung will den Satz der allgemeinen Umsatzsteuer von Iii Proz. auf 3 Proz. verdoppeln. Der Unterausschuß hat sich für 2 Proz. entschieden. Der Reparationsgusschuß hat aber einen Satz von Proz. vorgeschlagen, mit Rücksicht aus die für Frankreich geplante Umsatz st euer. Der Ausschuß hat die von der Regierung geforderte Aufhebung der bisherigen Steuer- befreiungen nicht im vollen Umfang gebilligt. Er will für die Ein- fuhr wichtiger Lebens- und Futtermittel eine Freiliste schaffen. Die Luxuestcuer soll umgebaut werden nach Einholung von Gut- achten eines Sc-chverständigenausschusses des Reichswirtschaftsrats. Bästteln(Direktor des Zentrawerbandcs der Konsumvereine) begrüßt einen Antrag der Berbrauchergruppe, den Umsatzsteuersatz nur auf 2 Proz, zu erhöhen: Die Erhöhung der Steuer belastet in erster Linie die Verbraucher und das ist besonders beim Lebensmittel- verbrauch sehr bedenklich. Die 2illcrärmsten werden durch diese- sürch- lerliche Steuer zum Hunger verurteilt, weil der letzte Verbraucher die Steucrbeträge aller Vorgänger auf dem Wege vom Produzenten bis zum letzten Verbraucher zu decken hat. Beim Brot zahlt der Landwirt 2'A Proz. Umsatzsteuer für sein verkauftes Korn. Die ärmste Frau muß aber, in ihrem Brotpreis 12)4 Proz. Steuern decken, die auf dem'Wege über Müller und Händler gezahlt werden. Diese ganze Steuex, von der nur 60 Proz. dem Reiche zufließen, 10 Proz. hinterzogen werden, darf nicht bestehen bleiben, sondern muß bald einer gerechten Steuerreform weichen. (Beifall.) Dr. Zeillin(Vertr. der deutschen Schriftsteller): Im Hinblick der Notlage der Angehörigen der freien Berufe beantragen wir, daß bei einem Einkossimen aus Gewerbe und Beruf von nicht mehr als 60 000 M. auf Antrag des Umsatzfteucrpflechtigen die Umsatz- steuer a u f d i e Einkommensteuer anzurechnen ist. �Der Künstler und Schriftsteller wird wohl selten die Möglichkeit haben, die Umsatzsteuer auf sein Honorar aufzuschlagen. Zllarkus(Vertr. der bildenden Künste) wünscht Milderung bei der Luxussteuer für Erzeugnisse der bildenden Kunst. Tornow(Vors. des Deutschen Holzarbeiterverbandes) unterstützt den Antrag Bästlein und erklärt, die Slrbeitnehmervertretcr machten ihre Zustimmung zur Umsatzsteuer von einer schärferev steuerlichen Erfassung des Besitze, abhängig. Wir behalten uns vor, nach Erledigung der Einzelvorlagcn zu dem Gesamtvlan der Steuervorlagen Stellung zu nehmen. Tohen(von der Reichsregicrung ernannt) bittet trotz aller guten Gründe gegen die Idee der unerfreulichen Umsatzsteuer überhauvt angesichts der Finanznot des Reiches an dem Ausschußvorfchfog fest- zuhalten. Im Reichstag wird die sozialdemokratische Fraktion sicher für 2)4 Proz. eintreten. Geheimrat Takobl vom Reichsfinanzministerium er- klärt namens der Regierung, daß diese durch' die Verhandlungen sich überzeugt habe, daß 3 Proz. zu hoch sind und sich mit 2)4 Proz. einverstanden erMrt. Einer weiteren Erhöhung muß sie widersprechen. Es würde eine Ausnahme von dem Prin- zip des Umsatzsteueraesetzes sein, das die freien Berufe miterfasse, es müßten dann z. B. euch Kauflcute verschont werden, denen die Abwälzung nicht gelingt. Der Antrag Bästlein�und Gen. auf Herabsetzung der Umsatzsteuer auf 2 Proz. wird angenommen. Abgelehnt wird der Antrag Lange aus Steuerbefreiung der Han- delsagenten.— Angenommen werden die Anträge Dr. Meyer und Gen. auf Freilassung der aus dem Meere eingebrachten Fiiche und Dr. Luther und Gen. auf Besteuerung von Elektrizität, Gas und Wasser durch zufammeubängende Leitungen mehrerer Unternehmun- gen nur bei der ersten Lieferin.— Der Antrag Dr. Z e i t l i n aus Anrechnung der.Ilmsatzsteuer auf„Sonstige Leitungen" auf die Ein- kommensteuer b-i einem Einkommen aus Gewerbe und Beruf von nicht mehr als 60 000 M.(frei» Berufe) wird abgelehnt.— Der Antrag Markus betreffend Milderungen der Luxussteuer für Er- zeugnisse der bildenden Kunst wird angenommen. Den Beschlüssen des Reparationsausschnsses bzw. seines Unter- ausschusses wird mit Ausnahm« des durch Annahme des Antrages B ä st l« i n erledigten Antrages zugestimmt. Eine Entschließung Siemens, die einen Ausbau der Umsatzsteuer verlangt, wird an- genommen. Sndann berichtet Gewerkschaftssekretär Kreil über das Kör- perschafts st euergesetz. Der Ausschuß hält die Mehrbesteue- rung der Körperschaften in gefordertem Umfang für Frträqlich, die Besteuerung der Gesellschaftsgewinne ausschließ a n der Quelle, für erstrebenswert. Die Regierung wird er- sucht, schleunigst einen neuen Eytwurf auszuarbeiten und die Wünsche des Reichswirtschaftsrats zu berücksichtigen. Das Haus schließt sich diesen Vorschlägen an Der von Geheimrot Dr. E ch w a r tz erstattete Bericht über das Vermögens st euerges«�, das Vermögenszusatzsteuergesetz usw. findet die Zustimmung des Hauses. Die Gesamtabstimmung über die Vermögenssteuergesetzentwürfe wird auf Sonnabend vertagt. Ein Antrag Heute auf Auf« Hebung der Steuerbefreiung der Reich»-, Lön- der- und Gemein dcverbände für gewerbliche Unter- nehmungen von der Umsatzsteuer, wird abgelehnt. Die Regie- rung soll �prüfen, ob die Nefreiungsvorschriften für die Elektrizitäts- Wirtschaft fortfallen können, ohne die Gemeindefinanzen stark zu ge- sährden._ die Leisttzer zum Staatsgerichtshof. Der Reichsrat hat in seiner Sitzung vom 27. Oktober die Wahl von fünf Beisitzern zum Staatsgerichtshof und ihrer Stell- vertrete? vorgenommen. Es wurden gewählt als Beisitzer: Uni-» versitätsprofessor Dr. S m e n d in Bonn, Staatsminister a. D. v. S e i d l e i n in München, Präsidmt des sächsischen Oberver- ivattungsgerichts v. R o st i tz in Dresden/ Oberlandesgerichtsprä» fident Mandry in Stuttgart und Oberverwaltungsgerichtsrat Dr. Frenke» in Köln und Dr. Best in Darmstadt, die Unioer- sitätsprofessoren Dr. A n f ch ü tz in 5)eidelberg, Dr. L a u n in Hamburg und Dr. G e n z m e r in Rostock. Diese Personenauslese scheint uns keineswegs glücklich. Man hat fast ausschließlich Juristen genommen, die— bei allen anzuerkennenden Fachkenntnissen— erfahrungsgemäß mit ihrer Ge- samtpersönlichkeit im Geist des alten Obrigkeitestaates wurzeln. Einzelne Ausnahmen, wie Professor Anschütz, bestätigen die Regel. Ein Staatsgerichtshof aber soll sich nicht durch juristtsche Tief« sinnigkeit, fondern durch gesundes politische» Empfinden au». zeichnen. )-— die Srotverforgung gesichert. Oldenburg, 28. Oktober.(WTB.) Die Konferenz de? Ernährungs- und Landwirtschaftsminister hat sich heute nach der Aussprache über die Kartoffelversorgung mit der Frage der Brotgetreidevcrsorgung beschäftigt. Der Präsident der Reichsgetreide stelle berichtete über den Stand der Ab- lieferung von Umlagsgetreide. Bis zum 16. Oktober war die laut Ge- fetz bis zu diesem Zeitpunkte verlangte Menge an abgeliefertem Getreide— Gesamtumlage— erheblich überschritten. Di« Abliefe- rung bis einschließlich zum 26. Oktober betrug 1066 802 Tonnen gleich 13 Prozent der Gesamkumlage. Schon dieses statistische Er- gebnis der Erfassung sichert zusammen mit der getätigten Ein« fuhr die Brotversorgung bis �um Frühjahr. Die Konferenz sprach sich dahin aus, daß mit allem Nachdruck die weitere Einbringung der Umlage betrieben und gegen schuldhafte säumige Landwirte unnachsichtig mit den gesetzlichen Handhaben vorge- gangen werden solle. Die nächste Konferenz findet in Darmstadt statt. GeZen öen Wucher! Essen, 28. Ottober.(Eigener Drahtbericht.) Der Bezirksausschuß der freien Gewerkschaften für Essen-Sjadt und Land hatte heute nachmittag zu einer Massendemonstration gegen den Lebensmittelwucher aufgerufen. Tausende von Arbeitern, Beamten und Angestellten nahmen an der Demonstration auf dem Gerning- platz, wo die Gewerkschaftsführer in kurzen Reden das schamlose Treiben der Wucherer brandmarkten, teil. Ein riesiger Demo'n- strationszug, in dem massenhaft Schilder, die sich gegen den Wucher richteten, mitgeführt wurden, kennzeichnete die tiefe Er- regüng der werktätigen Bevölkerung des Industriegebiets und den Ernst der Lage. Möge hie Regierung das Gebot der Stunde be- herzigen. Die machtvolle Kundgebung oerlief in größter Ordnung. (dberfchlesien unü öie grauen. Auf der Frauenkonferenz in Görlitz wurde eine Entschließung angenommen, deren wesentlichster Teil lautet: Die Genossinnen der gesamten deutschen Republik haben mit dem größten Mitempfinden die Leiden Oberschlesiens in den ver- gangenen Monaten verfolgt: sie sind stolz aus die würdige Art, in der sie gerade von der klassenbewußten Arbeiterschaft einschließ- lich der oberschlesischcn Genossinnen getragen werden. Unseren oberschlesischen Schwestern unsere herzlichsten Grüße, in der Hoffnung, daß die Leidenszsit bald vorüver sein möge, und die Fraum und Mütter Oberschlesiens zusammen mit un» allen einer glücklichen Zukunft entgegensehen, einer Zukunft, in der wir gemeinsam arbeiten werden.an der Ueberwlndung de» nationalistischen Hasses durch den Sozialismus. Run ist es doch wahr geworden, was wir nicht glauben wollten, was zu glauben sich unser Gefühl sträubte. 220000 erwachsen» Männer und Frauen nebst ihren Kindern, zum größten Teil der Arbeiterklasse zugehörig, wurden gegen ihren klar ausgesprochenen Willen polnisch. Das oberschlefische Volt, seine Frauen und Kinder hqben einen langen Schmerzcnsweg hinter sich— und dieser Weg hat wahrschein- lich noch nicht sein Ende erreicht. Zu der politischen Ungewißheit gesellte sich materielle Not. Um der Ueberzeugung willen aus der Heimat getrieben, vielfach aus dem Beruf gerissen, aller Habe be- raubt, irren viele umher— Flüchtlinge— angewiesen aus die Hilf« ihrer Mitmenschen. Der Strom der Flüchtlinge wird sich vermehren. Viele werden in dem enger gewordenen Deutschland die Heimat suchen. Die sozialdemokratischen Männer und Frauen wissen, was Frauennvt und Kinderelend heißt, wissen, daß einem solchen großen Elend nur durch außergewöhnliche Mahnahmen, die von breiten Volksschichten getragen werden, gesteuert werden kann. Darum«nt, ziehen sie sich trog eigener Rot dem„Oberschlesischen Hilfswerk" nicht. Hauptausschuh für Arbeiterwohlsahrt. I. A.: Marie Iuchacz. Die norwegischen Wahlen. Kristiania. 28. Oktober.(MTB.) Vorläufiges Ergebnis der Storthmg-Wahlen: Rechtsparteien 296 000 Stimmen, Kommu- nisten 186000, Linksfartei 176 000, Bauernbund 117 000, So- zialdemokraten 84 000, Arbeiterdemokraten 23 000. Danach die voraussichtliche Stärke der Fraktionen: Rechtsparteien 66(bis- her 60), Linke 37(61), Kommunisten 29(9), Bauernbund 18(3), Sozialdem.o traten 8(9), Arbeiterdemokraten 2(3). Mehrere Abgeordnete des Bauernbundes gehären zu den Rechtsparteien. Da» Regierungsblatt„Dagbladct" schreibt: Di« jetzige Linksregierung wird jedenfalls bleiben bis der neue Storthing im Januar zusammen- tritt. Wenn eine Partei eine neue Regierung wünscht, muß der neue Storthing die Initiative dazu ergreifen. Aufruhr an üer Wolga. Kopenhagen, 28. Oktober.(WTB.)»Berklngske Tidende" wird aus helsingsors telegraphiert: Bach einem osfiziösen Bericht aus Bloskuu ist am 18. Oktober an der Wolga ein Aufruhr au»- gebrochen. Die Aosrührer besetzten Kasan; die Garnison schloß sich den Aufrührern an. die aus Kosaken, deutschen Kolonisten. Kirgise« und Tataren bestehen und von zaristischen Offizieren geführt werden. Soargebiel für Oppau. Di« Regieeungskommission de» Saar- gebiet» hat der Reichsregierung für die Opfer de» Oppauer Unglücks eine Spende im Betrage von 100 000 Mark übermtttelt. Sie ist dem Reichshilfsausschuß für Oppau zur Weitergabe an die örtlichen Behörden überwiesen worden. Gswer�sthostshewegung krankenkassenmitglieöer! Wir machen nochmals auf die heute von 1 Uhr nachmittags bis 9 Uhr abends stattfindende Wahl des Ausschusses der Allgemeinen Ortskrantenkasse der Stadt Berlin aufmerksam. Jedes Mitglied, das ü b e r 2 1 I a h r e a l t ist, m u ß zur Wahl gehen und die Lifte 1 wählen, wenn es seine eigenen Interessen nicht sträflich vernach. lässigen will. Wer noch keinen von der Krankenkasse ausgestellten Wahlaus. weis besitzt, der lasse sich sofort von seinem Arbeilgeber eine Bescheinigung darüber ausstellen, datz er heute noch in versicherungspflichtiger Beschäftigung steht. Diese Bescheinigung dient dann als Ausweis! Die Christlichnationalen glauben ihrer Liste damit eine beson- dere Zugkraft verleihen zu müssen, daß sie mit der Agitation für ihre Liste gleich„K a r t o f f e l b e st e l l u n g e n" verbinden. Also trotz der für die gesamte arbeitende Bevölkerung so fühlbaren Kar- tvffelnot haben die hinter der christlichnationalen Liste stehenden Drahtzieher entweder große Kartoffelmengen zu vergeben, oder sie täuschen es nur vor. um damit Dumme zu fangen. Die ganze Er- bärmlichkeit dieser gelben Gesellschaft drückt sich darin aus und wir glauben soviel gesunden Sinn und soviel Reinlichkeitsgefühl bei allen denkenden Arbeiterinnen, Arbeitern und Angestellten voraussetzen zu können, daß sie alle diesen Kapitalsknechten die verdiente Ant- wort geben werden, indem sie alle einhellig nur die wählen. Au wähle (LI. 2. 3. RW. 4. R. 5. 6. 7. R. s. NO. 10. 0. 11. 12. SO. 13 14. S. 15. SW. Iß. W. 17. Lifte 1 der freien Gewerkschaften f jede Stimme n I kommt es an! Jeder muh Wahllokale: Jugendklubzimmer der 130. Gem.-Schule, Niederwallstr. 7. Turnhalle der 24. Gem.-Schule, Hinter der Garnisonkirche 2. „.. 8.163. Gem.-Schule, Gipsstr. 23?.. „ �„ 41/242. Gem.-Schule, Wiclefstr. 52/53. „ 183./196. Gem.-Schule. Müllerftr. 1-58/159. .,„ 244./45. Gem.-Schule, Panlffr. 20/22. ., 223. Gem.-Schule, Putbuser Str. 3/6. „„ 209./15. Gem.-Schule, Dunckerstr. 65/66. „ 110./174. Gem.-Sch., Schönhauser Allee 166?. 139./161. Gem.-Schule, Georqenkirchstr. 2. '„ 268.'278. Gem.-Schule, Frankfurter Allee 37. „ 52./71. Gem.-Schule, Fruchtstr. 38. „.. 20. Gem.-Schule, Waldemarstr. 77. >,., 50.168. Gem.-Sch., Reichenberger Str.- 44/45. ., 47. Gem.-Schule, Stallschreiberstr. 54. „„ 28./217. Gem.-Schule, Wilmsstr. 10. „ 99. Gem.-Schule, Steinmetzstr. 79. Der Skanöal im Gastwirtsgewerbe. Nach allem, was sich bisher in diesem Lohnstreit gezeigt hat, scheint es, als ob den Unternehmern an einer möglichst bal- digen Beilegung der Differenzen wenig gelegen sei und sie die Absicht oerfolgen, die A n g e l« g« n h e i t m ö g l i ch st la n g e hinzuziehen, in der Erwartung, d>e Reihen der Streikenden zu erschüttern. Den Schiedsspruch des Schlichtungsausschusses lehnten sie ab. Verhandlungen gingen sie aus dem Wege unter Berufung aus Ausschreitungen der Streikenden. Auch nachdem man selbst im Arbsitgeberlagcr zugeben mußte, daß„Ausschreitungen" nicht mehr vorgekommen seien, ließ man sich zu V e r- Handlungen reichlich Zeit und entdeckte inzwischen neue „Ausschreitungen". Als Man beim besten Willen sich nicht länger von Verhandlungen fernhalten konnte, kam man nach Vorwürfen über Ausschreitungen zu dem Schluß, auf Grund des ausgeklügelten Trinkgeld-Prozentsystems zu verhandeln. Die Wortführer der Unter- nehmer lehnten es ab, ihren Auftraggebern den Vorschlag des Verhandlungsleiters, den Streitfall einem völlig unparteiischen Schiedsgericht zu unterbreiten, auch nur zur Annahme zu empfehlen. Die Versammlung der Arbeitgeber lehnte denn auch diesen Vorschlag ab.' Gestern nachmittag wurde wiederum ver- handelt. Der Verhandlungsleiter, Assessor Körner, schlug nun vor, zu dem geplanten Schiedsgericht auch Fachleute hinzuzuziehen. Den Vorschlag suchte er dann weiterhin annehmbar zu mächen durch die Modifizierung, ddaß die Parteien einen Schiedsspruch nur dann annehmen sollen, wenn er mit Zweidrittelmehr- h e i t gefaßt wird. Hierzu erklärten die Untcrnehmervertreter, daß dieser neue Vorschlag möglicherweise eine Verhandlungsbasis bilden könnte, daß ihre Vollmacht aber für diesen Fall nicht ausreicht. Am Sonntag vormittag soll erst wieder weiter verhandelt werden. So wird das Verhandeln zum Hinzögern! Wir zweifeln nicht daran, daß die Unternehmer im Gastwirts- gewerbe den Streik und die Aussperrung finanziell noch eine ganze Weile ertragen können. Eine andere Frage aber ist, ob sie die Unkosten aus eigener Tasche tragen oder sie durch erhöhte Aufschläge auf Speisen und Getränke auf das Publikum abwälzen. Da die Antwort auf diese Frage kaum zweifelhaft ist, so hat das Publikum auch aus diesem Grunde mit ein Interesse, die Rücksichtslosigkeit der Unternehmer nicht lange mehr mit anzusehen. Umsoweniger ist mithin auch daran zu zweifeln, daß, wie die BS.-Korrespondenz meldet, in der Berliner Arbeiter- und Angestelltenschaft eine Unter st ützungsaktion für die um Lohnzahlung kämpfenden G a st w i r t s o n g e st e l lte n vorbereitet wird. Es wird angedeutet, daß„die Unterstützung in erster Linie durch den Eintritt in den Belieferungs- .streik bei den Gastwirtsbetrieben erfolgen soll, die mit HUfe von Arbeitswilligen offengehalten werden. Von Organisationen käme hierfür-zunächst der Deutsche Transportorbeiterverband in Betracht, in dem das gewerbliche Personal, Fahrer, Packer usw. , der Lebensmittelbranche organisiert ist. dann aber auch !der Braueretorbeite, verband, dem die Bierfahrer ' angeschlossen sind". Beschwören die Unternehmer durch ihr weiteres Verhalten einen solchen Kampf herauf, dann sollen sie ihn haben! Es ist dies keine Drohung, aber der feste Entschluß, wenn es durchaus nicht anders geht, in diesen Kampf einzugreisen, um seine endliche Beilegung zu erwirken.__ Auffällige Berichterstattung. Unterm 28. Oktober verbreitete die Telunion eine Drahtnachricht aus Hamburg, die sie mit der Auffchrift versah,„Reue Lohn- bewegung der Hamburger Hoch- und Strahenbah- n er". Wie steht es nun mit dieser„neuen Lohnbewegung�? Der Nachricht zufolge„verlautet"„aus Kreisen der organisierten Hoch- und Straßenbahner", daß beabsichtigt sei, an die Ortsverwaltung den Antrag zu stellen, im nächsten Monat in eine neue Lohnbewegung einzutreten, wofür die Begründung angeführt wird. Eine Dersamm- lunq der Vertrauensleute und Betriebsräte dürfte demnach(!) in den nächsten Tagen die Kündigung des Tarifvertrags zum 30. November und den Eintritt in eine neue Lohnbewegung be- schließen. Einfach rührend, dieser Eifer, eine„neue Lohnbewegung auszuposaunen, weil aus Kreisen der Mitglieder beabsichtigt sei, der Ortsverwaltung einen Antrag auf Kündigung des Tarifvertrages zu unterbreiten. Angenommen, daß die Meldung durchaus richtig fei, kommt uns doch solche voreilige Nachrichtenverbreitung etwas ver- dächtig vor. Gibt es für die bürgerliche Presse wirklich zu wenig t a t f S ch- l i ch e Lohnbewegungen, um schon im embryonalen Zustande von solchen zu berichten? Wenn es den Herrschaften Spaß macht, können wir ihnen verraten, daß in Deutschland Hunderte und aber Hunderte von Kreisen der organisierten Arbeiter„beabsichtigen", Anträge an ihre Ortsverwaltungen zu stellen. Besser wäre schön, mindestens so- lange zu warten, bis die Arbeiter ihre Forderungen formuliert und sie den Unternehmern unterbreitet haben. Denn dann erst kann von einer Lohnbewegung gesprochen werden. Also hübsch abwarten! Das möchten wir übrigens auch der B8.- Korrespondenz empfehlen, die jetzt schon von neuen Forderungen der städtischen Arbeiter Berlins berichtet, die am 1. Novem- der den siebenten Lohntarif zum 1. Dezember kündigten. Das Kor- tell der beteiligten Verbände werde in der kommenden Woche zu den Forderungen der verschiedenen Betriebe Stellung nehmen und. schon jetzt lasse sich sagen— und was läßt sich nicht olles sagen!—, daß eine durchschnittliche Aufbesserung der Löhne aller Arbeiterkate- gorien von 40 bis 50 Proz. verlängt werde. Das müsse zu einer außerordentlich, starken Mehrbelastung des städtifchen Auggabeetats führen usw. Da eine vorzeitige Signalisierung unter Umständen für die beab- sichtigte Einleitung und Durchführung einer Lohnbewegung recht nachteilig sein kann, dürfte es sich für die Ä e w e r t s ch a f t s f u n k- t i o n ä r e empfehlen, zeilenhungrigen Ausfragern erst dann Mit- teilungen zu machen, nachdem' entsprechende Beschlüsse gefaßt sind, und die Arbeiterpresse informiert ist. Achtung Metallkartell. Die am Montag unterbrochenen Verhandlungen mit dem Ver- band Berliner Metgllindustrieller nehmen am Sonnabend, den 29. Oktober, vormittags 11 Uhr, im bekannten Lokal ihren Forlgang. « Die bereits angezeigte Generalversammlung des DMV.. OrtS- verwaliung Berlin, findet umständebalber nicht am 4.. sondern e r st am 11. Dezember statt. Anträge zu dieser Generalver- iammlung sind bis zum 11. November zu Händen ver Orts- Verwaltung einzureichen. Achtung, Tapezierer! Sonntag, morgens um 9 Uhr, findet eine Versammlung der Tapezierer aller Branchen statt in BoekerS Festsälen, Weberstr. 17. Da sich diese Versammlung mit unserer Lohnbewegung befaßt, ist Erscheinen aller Kollegen unbedingt notwendig. Bauarbeiterstreik iu Halle. Freitag früh sind Amtliche Maurer und Bauhilfsarbeiter irr den Streik getreten. Veranlassung gaben angeblich die Verband- lungen der Bezirksorgane vor dem Tarislohnamt. Der Arbeit- geberverband für das Baugewerbe fordert Verlängerung der Fertig« stellungSfristen._ Eine Arbeitseiustellun g bei der GEG. iu Gröba. Die Großeinkaufsgesellschaft Deutscher Konsumvereine m. b. H. in Gröba berichtet, daß die in ihrer Teigwarenfabrii beschäftigten 94 Arbeiter und Arbeiterinnen mit Zustimmung ihres Verbandes der Bäcker und Konditoren am 21. Oktober die Arbeit einge- stellt haben, weil die GEG. sich angeblich geweigert habe, ein Tarifverhältnis zu schaffen. Demgegenüber erklärt die GEG„ daß für ihr« Teigwarenfabrik der Jndustrie-Rsichsmanteltarifvertrag feit seinem Bestehen durchgeführt sei. Dem Verlangen, an Stelle dieses Vertrages den mit dem Tronsportarbeiterverband abgeschlossenen Sondertorif für die Konsumvereine oder einen Sondertaris für die Teigwarenindustrie zu fetzen, habe nicht entsprochen werden können. Bei Verhandlungen im März seien weitere.Zugeständnisse, insbefon- dere bezüglich Ferien und des jz 616 BGB. gemacht worden, die über die Bestimmungen des Jnduftrie-Reichstarifvertrages hinaus- gingen. Die neuerdings gestellte Forderung nach weiterer Aus- dehnung der Ferien und des 8 616 BGB. seien abgelehnt worden, was zur Arbeitseinstellung geführt Hobe. Diese Forderungen seien augenblicklich gegenstandslos und rechtfertigten nicht die Lahm- legung der genossenstbafilichen Eigenproduktion. Die GEG. hat dem Zentralverband des Bäcker- und Konditorenverbandes vorgeschlagen, die Entscheidung der Differenzen dem Allgemeinen Deutschen Ge- werkschaftsbunde zu. übertragen. Kommt es zum Eisenbahncrstreik in Amerika? Dem„Daily Telegrapb" wird aas Chicago gemeldet, daß der Streik der Eisenbahner setzt als unvermeidlick, betrachtet wird, da die EinianngSverbandlungen geübeitert sind. Es siebt beinahe fest, daß die Eisenbahner am Sonntaa die Arbeit niederl-gen werden. Der Ausbruch des amerikanischen Eisenbahnerstreiks dürste nach einer New Porker Depesche der..Chicago Tribüne" sicher sein, da die Unternehmer es auch am Mittwoch noch ablehnten, den Lohnabbau hinauszuschieben. Wie dem Reuterbureau aus Chicago gemeldet wird, ist der Eisenbahnerstreik abgesagt worden.— Es bleibt abzuwarten, was nun wird.._ Aus Bochum wird gemeldet, daß die Arbester der Schwer-, und'Metallindustrie den vom Reichskommissariat gefällten Schiedsspruch, der eine Lohnerhöhung von 1,40 M. pro Stunde vorsieht, mit großer Mehrheit abgelehnt hoben. In der Solinger Industrie ist eine neue Lohnbewegung im Gange. Die Heimarbeiter fordern eine 600prozzntige(?) weitere Teuerunaszulaae. Die Forderung der Fabrikarbester beträgt 50 bis 60 Proz. Zuschlag auf die jetzt gezahlten Löhne. flus aller Welt. „Vaterland" kaputt. Die amerikanische Regierung hat verschiedene Werften aufgefordert, Borfchläqe über Art und Kosten der Wieder- Herstellung des ehemals deutschen Riesendampfers Vaterland zu machen. Die Vorschläge müssen bis Ende dieses Jahres vorliegen. damit dos Schiff den Winter über repariert und im kommenden Frühjahr wieder in Dienst gestellt werden kann. Verantw. für den redakt. Teil: Dr. Werner Pciscr. Tharlottenburg! für An- zeigen: Th. Stocke, Berlin. Verlag Dorwiirts-Berlag®. m. b. H., Berlin. Druck: Borwärts-Buchdruckereiu. Verlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin, Lindenstr. Z. Hierin I BeUage. }(affee wird billiger durch 3ugabe von Web er' s Carlsbader JCaffeegewürz, 6s veredelt das jTroma, verbessert die färbe, erhöht die Jffusgiebigkeii des ffefrankes. 2>ie alte, bewahrte Würfelpackung ist wieder überall zu haben. ® Unlerm alt.Par:eigen.® «jjjAlexPrötrowski® ® j. 60 Beburtelage die( W berzllch.EliickwIinsche i & Die Genossen der/ «p 16« Abtl«.. vnch« Am Freitag, den 21. d. M.. nachmittags 2 Uhr, cotschltes nach kurzem. Ichwercm Leiden infolge Unglücksfalles im blühenden Alter von 28 Jahren mein herzensguter Mann, mein treusorgenber Vater. Bruder, Schwager und Onkel, der Kaujmann Bekanntmachung Wir machen hierdurch bekannt, datz in »«OEkOsesHDH« m Erich Herzog M Ilnferm Itefc. fliennffpn M BS. ... Ilnferm lieb. Genossen | Herrn Michaelis® t'1 Winsstr 48, u lein er M V junq. Frau zur ksoch., (Ii zeit die k,er,I«>hsteu M «v Sliickwlil-sche � ® 247 61 24.«dteiluna.•) »»SÄSKAASSSS» DeutscherMtta larbeltir verband Derwaltungsst.Berllu Den Kollegen zurNach- richt. datz unser Kollege, der Schmied Richard am 26. d. M. gestorben ist. ,01/8 Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 20. d M., nachmittags 3", Uhr. von derLetcheu» datlc des Friedhojes in Tegel aus statt. Ferner starb untere Kollegin, die Arbeiterin Gkrirud Zobel Prinz-Snaen-Stratz« 24 am 26. d M. Die EinSscheruno er- iolgt am Sonnabend, den 2g. 1 0.21, vormittags g Ubr. im Krematorium Serichtstratze. Rege Beteiligung wird erwartet. Shr�hrem Andenken! Dt» Ort»Verwaltung. Im Rckmen der Hinterbliebenen Frau Anna Herzog; geb. Gieshoit, und Sobn. Die Beerdigung findet am Montag, den! j 81. Oft, nachnu IVj Uhr, von der Leichenhalle de» Zentrol-Friedhofes am Bahnhos Lichten» berg-Friedtichsselde aus statt. 130'I6| Hierdurch ttjüHsn wir die traurige Pflicht, von dem am 21 d. M eriolgten Hinscheiden| unsere» hochverehrten Vertreter». Herrn Erich Herzog I Mitteilung zu machen. 130/1" Derselbe hat in langieihriger Mitarden| die Interessen unseres Haute» in geradezu tbildlicher 9Sr''" vorbildlicher Weite wahrgenommen und war j e:n gewifienhatter Mensch mit besten Cda- raktereigeuschasten. Seinen Heimgang be» dauern wir Uderaus schmerzlich. Sein Au- denteu wird von uns hochgehalten werden vis Imhader der Firpia Wilhelm Gieshoit, Likörfabrik.{ Berlin Berlin-Dahlem ,»Friedenau ,»Srutiewold I ,»Martendorf .-tv urienielde »»Niederichisnewelb« .»Schmargendorf ,»Schöneoerg ,»etcglii» ,»Tempelhos „»Wilmersdorf Buckow «Sroh-gieth»» Srnnewald-Forst Kleiv-Machnow Lichtenrade Neukölln» H»«lspeichl btr SaSfr-f voll t pstiob Zock» mtd t-flet nur 75 Pf. GbSltlich in lrolonialn»ar»n». Orogenhandlnngeu und Ztgulhelen. von dem Tage ab. an dem im Monat November 1921 die lausenden Gasmesserstilirde ausgenommen werden, der Preis für da» Kubikmeter Sa« bis auf weiteres I,S0 M einschl Sohlen- und Umsatzsteuer beträgt. FUr da» durch MUnzgasmefler entnommene Gas erhöht fich dieser Preis um die Gasmeffereinrichlungs- miete. Der Unterschied zwiichen diesem neuen Preise und dem. auf den der Mllnzopvarat noch eingestellt ist. wird bei der Entleerung der Münzgasmesser durch die Beauftraglen der Gesellschaft gegen Empsangsbescheini- gung besonder» eingezogen. 664D Berlin, den 27. Oktober 1221. Gasbetrlebs-iesellschast, Attl engesellschasl Oer Vorstand: ll. Körilng Inserate imVorwärts verbürgen Erfolg! Pfandscheine r B r i 1 1 a n 3 e n, 6o I d SiSbsrcEruch) Piatm Zahngebisse Zahn 10 bis 150 Mark Prismen• Feldstecher Ankauf«um Auslandskurs Einwechseln von ausländischen Gold- und Silber m.U n z e n Kurt Kehlert, Berlin Lothringer Str. 34 Dr. Hoffbatiers ges. gesciu Vollkommen uaschädl.u.erfolgreiches Mittel hei| Korpulenz- Fettleibigkeit i ohne Einhalten einer Diät Keine stark wirken- 1 den Arzneimittel, keine Schilddrüse enthaltend Nicht abführend.— Leicht bekömmlich. arads Broschüre versendet auf Wunsch Elefsnten-Äimtlieke. Berlin, Leipziger Str. 74! 1(OönhoffplaU).— Amt Zentrum 7192. Sneeksilber! k a u U Metall» Kontor John. Alte Jakobstr. 138 • Klaviere Q• Teppiche. MSbelstllcke. pelze, Gold-. Silber. beuch n.(vegeustände kauft zu höchsten Preisen Klein, ehorloltenburic. Krummesir.SZ. Wilh 7605 Platin Sold», Sllderbr., Zähne Zinn Blei.Knpscr.Qucckfilb.usw. lauslz.Gngrospr.Scnarnow, Langeltr. 85. am Schkes. Bhf. SsöwvZ'kdgiZön I schwinden schnei x schmerzlos durch J Myrobnlannm, sich I hewährt, äußerliche{ .Anwendung, tu M. I Otto RclcheltBerlin I 42, Hisenbahnstr. 4.) iStsenbeiu), auch ganz un» brauchbare, kaust PleBnc-r, Schmtdstratze 10, part. Fritz Klein ehem. Inhaber der Kon- fetttonsfirma Fritz Klein& Co., teilt mit. datz er mit dem im.Vorwärts" er» wähnten Fritz Klein nicht identisch ist. 470b. welche mit nachweisbarem Erfolg Nerven Iramps und Lähmungen geheilt hat, empstehlt sich. Sprechstunden van S— lUhr Frau tloktrnann, Berlin W.. Schöueberg, Gustav» Müller- Str. ZLa, l. Oer banüüenkzlender des arbeitenden Volkes ist der VORWÄRTS ALMANACH 1922 In Tiefdruck herg�Petlt, reich iUu|tricrt, entkiit er viele intereffantc Auf- f itreüberwienttge Gegcn- w�Äfragen, ferner Er- rat�.�rnger.. Anekdoten, U.A. nu. für Jung und alt Preis w künfü. Menr- farbsnurnfcfclag Mark 4,- Buch Handlung VORWÄRTS BERUM SW. 68, ! IMDFMSTR C Zinn LSt- n. Relnzlnn tum Selbstverbrauch v Händlern u. Fabrikant, kauten grolle u kleine Hosten Gebr. Wlnkelslcin, Schünbauser Alice ÜL Nr. 511 ♦ ZS. Jahrgang Seilage öes Vorwärts Sooaabenü, 29. Oktober 1921 Hememfamehauswirtsihast> eineFeitforöerung Ein Weg zur Entlastung der berufstätigen Frau Die Veranstalwng der Deutschen Gartenbaugesell- schuft, des Vereins für gemeinnützige Einküchen- Wirtschaft, de? Deutschen Vereins für Wohnungs- r e f o r m im Bürgersaal des Berliner Rathauses, über die wir gestern berichteten, hat in weiteren Kreisen das Interesse für die Umwälzung der Hauswirtschaft erregt. Schon vor dem Kriege sind Einküchen häufiger eingerichtet worden, sie waren indessen nicht so gut sundamentiert, daß sie sich halten konnten. Die Pläne, die von den drei obengenannten Vereinen ausgehen, sind von anderer Art. Hier spricht vieles mit, was vor dem Kriege noch gar nicht in Frage kommen konnte, weil es noch nicht existierte. Die Absichten geben dahin, die berufstätige Frau zu entlasten, ihr die Mög- lichkeit zu geben, ein ruhiges, gesundheitsgemäßes Leben zu sichern, damit sie nicht, frühzeitig gealtert, durch das ewige Einerlei mürbe geworden, ihr Leben als eine Kette von lästigen Pflichten empfindet, ohne Lebensfreude, ohne innere Ruhe. Der Gedanke ist nicht nur schön, er ist auch gut. Tausende von Frauen sind zur Berufsarbeit gezwungen, sie müssen in geistiger und körperlicher Not verkommen, � weil sie nicht in der Lage sind, ihren Beruf mit ihren Wirtschafts- pflichten in Einklang zu bringen. Neue Formen der häuslichkelk. Die Häuslichkeit kann und muß in neue Formen gebracht wer- den. Es ist in jeder Beziehung rückständig, daß alle Tage, zur selben Zeit, viele Hunderte von Frauen in> Gemüsehandlungen, in Fleischer- lüden die tägliche Nahrung für sich und ihre Familie im wahrsten Sinne des Wortes„erstehe n" müssen; wieviel Kraft, wieviel Nerven gehen hier ungenutzt zugrunde. Wenn es schon früher unend- lich schwer war, als arbeitende Frau, ganz gleich welchen Standes, die Hauswirtschaft zu erledigen» so hat sich dieser Zustand in letzter Zeit erschreckend verschlechtert. Wohnungsnot, Mangel an Haus- gehilfen, ständige Verteuerung der Möbel und oller Wirtschafts- oeaenstände, die schließlich doch von Zeit zu Zeit ersetzt werden müssen, all dies wirkt zusammen; es muß ein Ausweg gefunden werden. Der einzelne kann nichts erreichen, die Gesamtheit muß helfen. Wenn sich eine Anzahl gleichgesinnt«? Menschen zusammenfiudet, die die gleichen Ziele verfolgen, dann kann das Wort in Erfüllung gehen: Geteilter Schmerz ist halber Schmerz, geteilte Freude ist doppelte Freude!— Es läßt sich nicht leugnen, eine solche Gemeinschaft wird, um zum Ziel zu gelangen, vielerlei auf sich nehmen, nicht nur in praktischen Dingen, die Gemeinsamkeit wird zur Duldung, zum praktischen Mitempfinden erziehen, das soziale Gefühl wird gestärkt werden. Dies gilt nicht nur für die Frau, hier wird der Mann ebenso stark betroffen, und die heranwachsenden Kinder, die stets in der Gemeinschaft gelebt haben, die in die neuen Verhältnisie hineingeboren sind,.sie werden nielleicht die Träger großer Gedanken sein. Die Gemeinschaft der Familien. Die sich im einzelnen solche gemeinnützige Einküchenwirtschast gestalten soll, läßt sich vorher kaum sagen, die Praxis wird sicherlich immer wieder Veränderungen, Derbesserungen bringen, denn da, wo viele Menschen zusammenleben, die nicht nur an sich, sondern auch an andere denken müssen, weil es die Lebensweise erfordert, da wird es auch an Anregungen nicht fehlen. Täglich wird uns allen Ein- fchränknng gepredigt, täglich umlauern uns die widrigsten Sorgen, die Sorgen um das tägliche Brot, vielleicht ist es der Genossen- schaft, dem Zusammenschluß möglich, hier Wandel zu schaffen. Vielleicht kann durch den Engroseinkauf der Lebensmittel, die durch Verwaltung geregelte, von geeigneten Kräften erledigte Hausarbeit, eine Ersparnis erzielt werden. Ebenso wie die Heizung, die Badeversorgung, die Wäsche und r' Küche durch eine» geregelten Betrieb sachgemäß behandelt werden wird, so wird auch die Wohnungsreinigung in dieser Weise besorgt werden. Gemeinsame Kinderwartung der Kleinsten,- Beobachtung der Größeren gehört mit in dies Programm, das beliebig, den Bedürfnissen entsprechend, erweitert werden kann. Es ist ein trauriger Irrtum, wenn manche Männer annehmen, daß in solcher gemeinschaftlicher Wirtschast dos Familienleben leiden wird, die WirMchkeit lehrt, daß die meisten Zerwürfnisse von den k'rinlichen Sorgen des Alltags herrühren, daß meist da Hader und groenseitige Unlust zu finden sind, wo die Frau trotz ehrlicher Be- mübungen den doppelten Anstrengungen des Berufs und der Wirt- schaft nicht gewachsen ist. Die Folgen sind stets die gleichen: die Frau verkümmert in körperlicher und geistiger Hinsicht, Mann und Kinder leiden darunter, ohne ihr helfen zu können. Die Koskcnverkeilung bringt Ersparnis. Sicherlich werden auch gewisse Ersparnisse gemacht werden können, es ist schließlich doch ein Unterschied, ob jede Familie eine eigene Küche einrichten und erhalten muß, oder ob sich die K o st e n auf eine Gemeinschaft verteilen, es werden auch in der Wohnung verschiedene Möbelstücke überflüssig werden, manche Dinge nicht angeschafft zu werden brauchen. Büfett und Anrichte sind solch überflüssige Möbel, Eßgeschirre für 12 Personen, Glas- waren für den Hausgebrauch gehören ebenfalls zu den entbehrlichen Gegenständen in einem gemeinsamen Haushalt. Dielleicht wird gerade die Erleichterung der Lebensführung dazu führen, so manch einen Hausstand zu gründen und Lebenskameraden zusammen- zuführen, die sonst an eine Lebensgemeinschaft nicht denken können. Auf alle Fälle wäre es einseitig gedacht, wenn man nun von dieser Reform des Wirtschaftslebens von Anfang an alles Gute verlangen würde, es ist vor allem nötig, selbst viel guten Willen, soziales Gefühl, d. h. Tterantwortlichkeitsgefühl mitzubringen, nur dann darf auf eine Verbesierung des eigenen Lebens, auf eine Erneuerung des Geistes gerechnet werden. Das Ergebnis üer öezirksverorönetenwahlen. AuS den 2V Verwaltungsbezirken liegt jetzt das amtliche Er- gebnis der Verteilung der Bezirksverordneten- Mandate auf die Parteien vor. An den insgesamt 760 Mandaten sind die Bezirke und die Parteien so bereiligt: einschließlich zwei Mandate„Dentschnationale Wäblerschaft". � 10 Mandate„Freie Vereinigung".") 11 Mandate„Ordnungsblock". 5 Mandate„Los von Berlin". H 2 Mandate„Liste Heyn". 's 11 Mandat-„Wirtschaftliche Einheitsliste". Seit vielen Jahren lebt der Angeklagte mit der Polizei in er- bitterter Fehde, er rempelt jeden Polizeibeamten an, um ihn dann mit einem einzigen Fau st schlage niederzuschlagen. Er hat bei seinen Kämpfen mit Polizeibeamten nicht weniger als 26 schwere Säbelwunden davongetragen.— Elliesen wurde im Jahre 1919 von dem außerordentlichen Kriegsgericht wegen eines Raubanfalles auf den Kaufmann Ferrer in der Culmftraße zu z e h n Jahren Zuchthaus verurteilt, entwich aber auf dem Transport und wurde wiederholt in gewissen Bars im Westen beobachtet. In der Rocht zum 19. September 1919 drang der frühere Kriminal- kommissar Behrendt mit mehreren Beamten in die Kolibri- Bar in der Motzstraße ein, in der Elliesen sich gerade in den Armen einer bekannten Filmdiva im Tanze wiegte. Als die Beamten zugriffen, schüttelte sie der Ringkämpfer mit einer kurzen Bewegung ab, so daß sie unter die Tische zwischen die Wein- flaschen purzellen. Als E. mit einem erhobenen Stuhl auf die Be- am.tcn eindrang, gab der Kommisiar einen Schuß ab, der E. in die Brust traf. Der Angeklagte lief blitzschnell in die Küche, wo er einen zweiten Schuß erhielt, erst ein dritter Schuß auf dem Hofe machte ihn kampfunfähig. Elliesen hat infolge der erlittenen schweren Ver- wundungen lange Zeit auf dem Krankenlager zubringen müssen. Vor Gericht behauptete E., daß er seinerzeit unschuldig zu 19 Jahren Zuchthaus verurteist worden fei. Der Kriminalkom- missar a. D. Behrendt habe ohne zwingenden Grund auf ihn ge- schössen, da er seinerzeit darüber mißgestimmt gewesen sei, daß er nicht Polizeipräsident geworden sei. Der damalige Kommissar Behrendt sei nur deshalb zur Sozialdemokratie übergetreten, da er den Ehrgeiz hatte, Polizeipräsident zu werden.— Der Gerichtsarzt Dr. L. Hirsch bezeichnete den Angeklagten als einen leichterreg- baren Menschen, dessen Wutanfälle sich lediglich gegen Polizeibeamte richten, also den typischen Fall von sogenanntem Blautoller darstellen.— Der Amtsanwalt beantragte 2 Jahre Gefängnis. Das Gericht beließ es bei 6 Monaten Gefängnis, da der Angc- klagte durch die erlittenen Verletzungen schon schwer bestraft sei. Äer Mann mit Sem Slaukoller. Ein Kampf in der Kolibri- Dar. Unter ganz besonders strengen Vorsichtsmaßregeln wurde gestern der Ringkämpfer und Boxer Fritz Elliesen dem Amtsgericht Berlin-Schöneberg vorgeführt, um sich wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt zu verantworten. Elliesen gilt bei der Berliner Kriminalpolizei als einer der gememgefährlichsten und gewalttätigsten Verbrecher, der über große Kräfte verfügt, von denen er den Polizeibeomten gegenüber in brutalster Weise Gebrauch macht. f wilöwest. Ein Poskamt überfallen und ausgeraubt. Große Aufregung herrschte gestern abend in dem stillen Havel- ort Ketzin. Gegen 6 Uhr abends fuhr plötzlich in schneller Fahrt ein mit 6 Männern besetztes Automobil in die Ortschaft und hielt vor dem Postamt, Die Insassen sprangen aus dem Kraftwagen heraus, eilten in das Amt hinein und zwangen mitvorgehal- tenen Schußwaffen die dort tätigen Beamten, sich nicht von der Stelle zu rühren oder Lärm zu schlagen. Die Ueberraschten konnten auch keinen Widerstand angesichts der stark bewaffneten Uebermacht leisten und mutzten ruhig zusehen, wie meh- rere Mitglieder der Räuberbande sich daran machten, die Geld» lassen und Wertzeichenbehälter zu plündern. Die Bande raffte schnell alles, was mstnehmenswert war, zusammen und sprang in den Wagen, der fahrbereit mit angekurbeltem Motor auf sie wartete, und jagte in wildem Tempo in der Richtung nach Berlin davon. Die Verfolgung gestallete sich beson- ders schwierig, da die Räuberbande fast sämtliche Telephon- leitungen und Telegraphendrähte zerstört hatte. Später erfuhr man, daß das Automobil mit den Räuber« noch in Kremmen gesehen worden war. Von dort aber fehlt von ihm j e d e S p u r. Da es keinem Zweifel unterliegt, daß es sich um eine Berliner Räuberbande handelt, wurde die Berliner Kriminalpolizei verständigt, die sofort alle Vorkehrungen traf, um die Spur der Bande weiter zu verfolgen, die 8 9 999 Mark ba» res Geld und' eine Menge Postwertzeichen, zusammen für unge- fähr 290—399 999 Mark, erbeutet hatte. Mitteilungen in dieser Angelegenheit nimmt das Raubdezernat in Zimmer 89 des Berliner Polizeipräsidiums entgegen. „Ausbeutung". Ein in Lübeck erscheinendes deutschnattonoles Btolt bracht« vor kirrzem folgende Notiz: ..Sozialdemokratische Kinderausbevtung. Zu den Berliner Stadtverordnetenwahlcn ließen die Sozmidimokrateu ihre Flugblätter und Stimmzettel vielfach durch Kinder, selbst kaum schulpflichtigen Alters, in den Häusern verleileu. Das ist sehr auffallend bei einer Partei, die doch sonst nicht genug über Kinderausbsutung zetern kann, wenn sie selche bei Angehörigen anderer. Parteien wahrzunehmen glaubt. Die so jugendlichen sozialdemokratischen Zettelausträger waren dabei keineswegs etwa befonders sorgfältig: im Geaenteil, sie machten sich die Sache oft recht beguem, steiwillige Hilfskräste waren es sonach wohl nicht. Aber freilich, die Löhne sind reck? hoch und Kinder wesentlich 49s Fräulein. Von Paul Enderling. Der einzige, der sprach, war Oberlehrer Sanders. Er erzählte Schüler- und Lehreranekdoten.- Alle waren dankbor. Er ahmte Professor Grunski nach.„Du weißt, Hermann, der Lämmergeier. Professor Grunski hatte einen seiner'be- rühmten Reinfälle erlebt. Ein Schüler hatte im Homer ge- treu der geheimen gedruckten Uebersetzung Flechten für Locken gesagt. Professor Grunski, der vollauf damit zu tun hatte, auf Ueberfälle aufzupassen, kannte Flechten nur als Krank- beit und protestierte dagegen. Resultat: donnernder Jubel der Unterprima und die Karussellfahrt des Zeigefingers um den pegonienroten Hals.»Der Gute bringt rosarote Froh- lichkeit'in den Ernst des Lebens. Man muß ihm dankbar fein, dem Lämmergeier." „Otto, du solltest von deinem Kollegen nicht so vor seinen Schülern fprechen." Der Oberlehrer tot, als ob er nichts gehört hätte, und trank Hermann einen- ordentlichen Schluck zu:»Prost. Kammer- gerichtsreferendar!" »Du greifst den Ereignissen zu weit vor." tadelte Görke. Er hatte alle Ursache, jede Anfpielung aus Hermanns juristische Lausbahn mißtrauisch aufzunehmen. »Ja, darin bin ich Optimist," sagte der Oberlehrer.„Der Jugend traue ich alles mögliche zu. Sie hat ja tausend Wege offen." „Aber einen kann die Jugend doch wohl nur gehen," sagte Görke scharf.„Unst das sollte sie über den tausend nicht vergessen." X Die Tanten nickten eifrig. Sie nickten immer eiftig, wenn Görke sprach. Ihre Augen- bekamen dann jedesmal einen seltsam angestrengten Ausdruck, als dächten sie heftig über den Tiefsinn der Worte des Hausherrn nach. Hermann war dem Onkel im Grunde nicht dankbar da- für, daß er ihn in den Mittelpunkt geschoben hatte. Er sollte nachher mit dem Vater etwas besprechen. Er wußte schon, was diese„Befprechung" bedeutete. Aber er hob doch sein Glas gegen den Onkel.»Prost, Onkel Otto, auf den Weg!" Fräulein lächelte dem Oberlehrer zu. und Tante Berta potierte sich dies Lächeln im Gedächtnis auf,.Sollte der Oberlehrer etwa- mit Fräulein anbändeln, mit dieser in die Familie Hineingeschneiten Person? Man konnte nicht wissen. Es waren schon die merkwürdigsten Dinge passiert, und es hieß, im Interesse der Familie natürlich, aufzupassen.-- »Wo warst du gestern?" fragte Julius Görke seinen Sohn, als sie nach dem Essen in sein Zimmer gegangen waren. Hermann setzte eine harmlose Miene auf.»Gestern?" »Ja, gestern abend." »Bei meinem Freund Prechtler." »Die ganze Nacht?" »Ich blieb bei ihm im Hotel." »Warum hast du nicht zu Hause übernachtet?" »Es wurde zu spät, und ich war zu müde—" »—' vom vielen Trinken." „Ja," sagte Hermann und versuchte ein leichtes Lochen. »Limonade höben wir nicht gerade geschlürft." »Du hast dir anscheinend von Onkel Otto angewöhnt, über ernste Dinge schlechte Scherze zu machen." Er rückte sich fester im Sessel zurechi.„Ich hasse diese Sauferei, das weißt du gut."' „Es handelte sich um keine Sauferei, Vater, sondern um ein harmloses Beisammensitzen zweier Komilitonen. Hast du das in deiner Jugend nicht auch gemacht?" Der Vater fuhr auf.»Wenn ich das in deinen Jahren getan hätte, wäre ich nicht, was ich bin." Hermann sah vor sich hin.„Ich tue das, was alle jungen Leute meines Alters tun, was sie zu allen Zeiten getan haben. Mag sein, daß das Unsitten und keine Sitten sind—" es sind Unsitten!" »Aber jedenfalls habe ich sie nicht dekretiert, Vater. Auch ich weiß bessere Unterhaltung und bessere Zeitausfüllung." Wieder überflog das seltsam alte Lächeln die Züge des jungen Menschen. Julius Görke brauste auf.»Ich lasse mich von dir nicht belehren." Hermann ging zu ihm.„Ach, daß du es doch tätest. Vater!" sagte er leise.«Daß du lerntest, daß ich etwas an- deres bin als das Menschengebilde, das du aus mir formen! möchtest! Ach, daß du dich um ein paar Jahrzehnte zurück- schrauben könntest und sehen, fühlen, wie du damals gesehen und gefühU hast." »Du irrst. Ich habe nie anders gefühlt." »Dann tust du mir leid, Vater." Seine Stimme zitterte. .Denn dann bist du nie jung gewejen." Julius Görke sah zum Fenster hinaus. Draußen lief seine Enkelin vorbei mit den Kindern der Wirtsleute. Sie spielten„Greifchen". Julius Görke fühlte sich weich werden. Und um das nicht aufkommen zu lassen, sprach er schroffer. als er eigentlich gewollt:„Und woher hast du gestern das Geld zu der jugendlichen Feier gehabt?" Hermann zögerte einen Moment. Als er in d's harten Augen des Voters sah, sagte er ruhig:»Prechtler hat mich eingeladen." „Und morgen wirst du dich revanchieren?" »Vielleicht schon heute, Vater." „Und woher nimmst du dazu das Geld?" .Hermann senkte die Stirn und schwieg. „Run? Willst du deinem Vater nicht antworten?" »Ich bin kein Kind, Vater!" Julius Görke lachte.„So lang« du nichts selber ver, dienen kannst, bist du in meinen Augen ein Kind." »Ach, das Geld!" Hermann lächelle.„Das ist doch nur ein Vorurteil, Vater!" „Wie?" Julius Görke sah ihn starr an. Ihm war, als rüttle einer an den Säulen, die sein Dach trugen. „Ja, Vater; wirf es von dir. Wende dich wieder zu uns. Du siehst uns ja gar nicht mehr. Du und Mutter, was wißt ihr denn von euren Kindern? Wir sind wie Wachs. Mit Wärme und Liebe könntet ihr aus uns machen, was ihr wolltet: mit dem kleinen Finger könntet ibr uns umformen. Aber doch nicht mit Kälte, Vater... Du bist in tausend Dingen so klug! Fühlst du gar nicht, wie hier im Wichtigsten deine Klugheit ganz versagt? Ihr habt eine goldene Mauer um euch, die euch blendet. Alles andere bleibt euch verschlossen. Vater, Vater, mach dich doch nicht ärmer durch das Geld!" Görke sprang auf.„Du bist toll. Aber ich sage dir—" „Vater, sieh zu, was du sprichst." Sah der alte Mann da denn nicht, daß er um ihn warb, daß er nur seine Liebe wollte? »Du bekommst keinen Pfennig von mir, ehe du nicht über jeden Pfennig abgerechnet hast." Hermann hielt die Hände vor die Ohren, um nicht zu hören... Warum sprach der Voter immer von Geld, wo e r von Liebe sprach! „Ueber jeden Pfennig, hörst du?" Julius Görke faßte den Sohn am Arm und schüttelte ihn.» »Nein, Bater." Korts. folgt.) WtOfjsr als Erwachsene, und Vis So.',ialdenwkra!en pflegen im eigenen Betrieb besondere Grundjäi?e über Ausbeulung zu haben. So ziehen sie es denn vor, anstatt Erwachsenen hohe Löhne zu Z3l)len, lieber Kinder auszubeuten. Man muß sie eben nach ihren Worten, nicht aber nach chren Taten beurteilen." Man muß stets nach den Taten, nicht nach den Worten urteilen, das ist auch unsere Meinung, und wir werden sehr darauf achten, daß die deutschnationalen Wahlversprechungen, die doch immer zunächst nur Worte sind, auch in die Tat umgesetzt werden. Wir fürchten sehr, daß alsdann Worte und Taten wenig übereinstimmen werden. Die Behauptung, daß Kinder bezahlte Wahlarbeit geleistet haben, ist richtig, nur war es nicht die Sozialdemokratie, sondern, wie vielfach festgestellt wurde, insbesondere diejenige Partei, die es jetzt für nötig hält, derartige«nkstellte Nach- richten in die P r o v i n z p res s e zu lanzieren, um dort Stimmung gegen die Sozialdemokratie zu machen. Vielfach haben sich ganze Familien mit Begeisterung und Hingebung im Dienste imserer guten Sache betätigt, und wir glauben gern, daß solche Ar- beitsfrcudigkeit unseren Ceanern höchst unerwünscht ist. Die ge- samte Wahlarbeit der Sozialdemokraiie wird von ihren Mitgliedern unentgeltlich geleistet, und sie ist stolz daraus, diese Tatsache feststellen zu können. Wir beuten niemals Kinder oder Menschen aus, wohl aber die Schwindelnachrichten unserer Gegner, die in so reichem Maße verbreitet werden, daß wir daran niemals Mangel leiden. Mutterhilfe. Der Jahresbericht, den Frau Francis S k l a r e k, die Vorsitzende der„DeutschenGesellschaftfürMutter-undKindes- rech t", in der Generalversammlung der Gesellschaft erstattete, gab ein anschauliches Bild von der Tätigkeit des Vereins während der letzten drei Jahre. Wie groß das Hilfswerk war, das im Heim „Kriegsmutterhilfe", Schönhauser Allee 147a, sowohl als auch in der Beratungsstelle in Eharlottenburg, Dahlmonnstr. 25, bewältigt wurde, niögcn einige kurze Angaben beweisen: In den drei abgelaufenen Geschäftsjahren wurden im ganzen 5320 Mütter beraten: eine Unter- bringung der Mutter oder des Kindes in Heime und Pflegestellen gelang in 1312 Fällen, 208mal war es möglich, der Mutter eine Stellung zu verschaffen, in der sie mit ihrem Kinde zusammenbleiben konnte. In Kassen-, Vormundschafts- und Rechtsangelegcnheiten wurde die Beratungsstelle 3S3mal in Anspruch genommen, 84mal wurden Nähr- und Stärkungsmittel verabreicht, 535 Säuglinge konnten mit Wäsche ausgestattet werden und 471 Familien erhielten durch Vermittlung der Gesellschaft Kleidung und Lebensmittel. In den beiden Heimen— im letzten Jahr nur in der„Kriegsmutterhilfe", � da las andere Heim,„Mutterhilfe", der fehlenden pekuniären Mittel wegen im September 1920 geschlossen werden mußte— wurden 1719 Schützlingen— Schwangerm, Müttern und Kindern— Unterkunft und Verpflegung gewährt.— Der Kassenbericht ergab ein wesentlich günstigeres Bild als in den Vorjahren, so daß mit neuem Mute in die Zukunft geblickt werden kann. Leider hat die bisherige erste Vorsitzende, Frau Francis Sklarek, die den Borsitz seit der Begründung inne hatte, wegen Ueberlastunq mit beruflicher Tätigkeit ihr Amt niedergelegt. Ihre wertvolle Kraft wird jedoch, da Frau Sklarek im Vorstand bleibt, der Gesellschaft weiter erhalten. Darüber hinaus wird ihr Name und ihr Wirken in Gemeinschaft mit Frau Adele SchreibcrcKrieger auf immer mit der Gesellschaft und deren Werden und Aufstieg verbunden bleiben. Als ihre Nachfolgerin wurde einstimmig Fräulein Helene von Le- vicka gewählt, oie in jahrelanger sozialer Tätigkeit ihre Eignung für diesen verantwortungsvollen Posten erwiesen hat. Als neues Mit- glied trat Frau Justizrat Koppel in den Vorstand ein: die übrigen Vorstandsmitglieder— an ihrer Spitze Frau Adele Schreiber-Krieger, j>ie zweite Vorfltzende der Gesellschaft— wurden wiedergewählt. Der betrunkene Palient. Gestern nachmittag erschien der Dach- decker H o e ch obs Kaulsdorf bei einem Zahnarzi in der Kantstr. 14, um sich einen Zahn ziehen zu lassen. Da er angetrunken war, verweigerte man ihm die Hilfe und wies ihn aus der Wohnung. Darüber geriet Hoech derart in Wut, daß er auf den Arzt eindrang, ihn mit Fäusten bearbeitete und ihn die Treppe h i n a b st i e ß. In der Notwehr gab der Arzt mit einem Revolver einen Schuß auf seinen Angreifer ab, der verwundet wurde. Schutz- polizcibeamte brachten ihn nach der Charite. Ein gefährliches Nachllagcr. Gestern morgen wurde der Kgjäh- rige Pförtner August Höste in seiner Wohnung im Hause Tier- gartenstr. 6a tot aufgefunden. Sein Wohnraum war m i t G a s a n g e f ü l l t. Die Ermittlungen ergaben, daß sich H. zum Schlafe auf den Gaskocher gelegt und dabei den Schlauch abge- risfm hatte. Die Aulodroschken fahren wieder. Die am gestrigen Freitag mittag Im Lehrcroereinshaus abgehaltene Versammlung des Ver- bandes Berliner Kraftdroschkenbesitzer beschloß, im Hinbllck aus die Einführung der zehnfachen Autotaxe am heutigen Sonnabend früh den Kraftdroschkenverkehr wieder in vollem Umfange aufzunehmen. Eine alle Büchse mit 38 Aünszigmarkscheinen fanden gestern zwei spielende Knaben aus dem unbebauten Teil der R ü t l i st r a ß e in Neukölln. Der Vater des einen Finders übergab den Schatz Wr Polizei. Wahrscheinlich hat jemand das Geld irgendwo ge» stöhlen oder unterschlagen und vorläufig vergraben, um es später abzuholen. Schachuntcrricht im Iugendhekm. FuaendUchcn und Tchülcrn in den tzluftcndhcime» Neukölln Sonnabends Stcinmetzsir. Itg, Donners- tggS Schicrtcslr. st wird abends 7 Uhr unentgeltlich Schach gelehrt. Der amtliche Steaographieunkerricht(System Stolze) im Preußi- schen Landtage(früheren Abgeordnetenhaus) beginnt am Dienstag, den 1. November, abends 7 Uhr. Er setzt gute Schulbildung voraus und ist namentlich für Schüler von höheren Lehranstalten und Hoch- schulen bestimmt. Für das hungernde Jlußland veranstaltet die Vereint au ug der Freunde von Religion und Völkersrieden am DlcnS- tag, den 1. November, abends 7'/. Ubr, in der Lcibniz-Oberrcalschule,(ihar- lottenburg, Schillerttr. 125(an der Hardcnbcrastraße, Nähe Knie. Savignh- platz, Zoo), einen Vortragsabend des soziald. PsarrerS Blcicr. �Programm: „Einleitimg" Alwine Wellmann, MesangSvorträgevomMänuerchor Harmonie, „DostojewSky" Psarrec Bleicr. Eintritt frei. Im Saale findet eine Tamm- Iimg zugunsten der„RufjlandHilsc" statt. Der Ertrag wird an die Berliner Gowerkfchastslo in Mission abgeliesert. Um Massenbesuch wird gebeten I „Der Mord auS Verworsenliel!' oder.Ein Raubtier' konstruiert. Dieser Film rollt in den 5tant-r'icht!pieleti in Ebarlollenburg. Er ijl wirklich nicht besser als sein Name und seine Untcrttlel vcnnutcn lassen. Alhed Abel bietet zwar als.Raubtier' eine achtbare Leistung, aber man wird sihrer nicht froh, denn der Ftittt hat andere Ausgaben zu lösen, aiS Anregungen zu verbrecherischen Taten zu geben. Einen sozialen Film bat die Dculig-Filmgesellschast bergcstellt, und zwar.Uusallvcrhüiungen in gewerblichen Betrieben' unter Mitarbeit der Herren Vrosessor Dr. C b a j o s und Dr. Schmidt von der Charlotten- burger Technischen Hochichule. Der Film wird in nächster Zeit zur ersten Vorsiihrung kommen. Es ist unseres Wissens der erste Versuch, die Ke- fahren der gewerblichen Arbeit, aber zugleich auch die neuesten Wege, diesen Gcsahren zu begegnen, im Wandelbild vorzuführen. Filmschau. Ter Filmverleih Terastberger u. Co., der in diesen Tagen den Thristusfiim in der Philharmonie vorlührte, biitcj uns, mitzuieilcn, daß er an der mangelhastett Icchniichen Wiedergabe des Films, der die Wirkunz so outzcrordcnilich beeinliächligt habe, keine Schuld trage. Die mit der «cileilung des ülpparatcs bettaute Firma, die als angciehen bekannt ist, Hobe völlig versogt, woraus wir aua> in unserer Kritik bereits hingewiesc» haben. Ein Raubtier. HhanS Werke haben eine ganz besondere Eignung sür den Film. Daber stürzt man sich mit Fleiß und Elser aus sie und so wurde jetzt ein Kriminaischauspiel.Dir Geschichte deS grauen Hauses' oder Groß-Serliner partelnachrichten. heule, Sonnabend, den 29. Oktober: «th-rloiteaburg. Die juristische Epuchstunde in der Rosinen straße fallt heute 11. Ätt 7 Uhr Funktionsirsitzung bei Berger, Lenetzow-, eck« Iagowstrasie. 2t. und 25. Abi. 7 Uhr Schulentlassungefeier. Rezitationen. Lieder zur Laut». - cm,.«» fT;r*»rt4+owriiieT(i irftn. Eintritt für ÄinÄer und Scnul» 5«.____ 192. Abt. Baumschulinweg. Nochmittag« s Uhr Handzctteloerbreituua zur allgemeinen(ilternvirsammlung am Montag im Lnzeum. Tre>fpur.rt im Lokal von Ebert, Vaumschulenstr. 14. zahlreiche, Erscheinen dringend er- 112. �Abt. � tiahndvrf. 8 Uhr gahlabend im Restaurant L-bitzti, Rahnsdorfei Mllble. Wichtig- Tagesordnung.........._.. Iunaso.'ialisten. Grnpvcnkonferenz 7 Uhr in der Juristischen Evrechstundc, Lindenstr. 8, 1. Sof linko parterre. Tag-oo-dnung: ,.?.u-iichrlich- Berichte K,. Ort-nriiBOfn Uder ihre aeiftiat. oraanisatorische und agitatorische Tätig- rei:. uc» �lytusuursujuntu.--- Arbeitsausschuß. Sämtliche Gruvpenleitungen müssen vouzahUg ve sein.—«rb-it»aemclnlchast Dr. Schütte. Nächster Arbeitoabend erst Conn. abend, den 5. November.— Heimabend. Morgen ab 4 Uhr im Jugend' heim des Ostens, Große Frankfurter Str. IS. Ttloraen, Sonntag, den 30. Oktober: 12. Abt.(früher 40.). Früh 10 Uhr FunktionSrfitzuiig bei Triller, BcrUchingcn. 18. Abt?(früher 48.) Früh g'.h Uhr Sitzung siimtlicher B-zirksfllhrer, Betrieb«. vertraucnolcute bei Diebel, P-ntstr. 82. Erscheinen dringend noimendtg. 20.«bt.(früher 45.). Früh«>/. Uhr Sitzung silmtlicher Funkttoniire bei Pose, Koloniestr. 15. Erscheinen aller Genossen dringend notwendig. 19». Abt. Köpenick. Früh S'/o Uhr Norstandssitzunz bei Müller, Alter Markt. 97. Abt. Neukölln. Die Abteilnng-v-rsammlung findet nicht am 2. November, sondern schon am 1. November im„Neuen fllubhau», Hermannstr. 109,167, statt.__ �ugenüveranftaitungen. Verein Arbeiter- Jugend. Sekretariat: SB. 68, Lindenstr. S, 2. Has link«, 2 Treppen rechts. Telephon: My!« 121 C8— 10, heute, Sonnabend, den 29. Oktober: Eins Konferenz aller AbteUnnasiasilerer. findet beute abend M UH« im sientr-lliua-ndbeim, 39». 68, Lindenstr. 8, 2. chof, 3 Treppe», statt. S'.ortrnq dc» Geaasten Richard Bernstein über!„Die Bürarrl�che Poesie. Da, Erscheinen aller itafficrer ist»nbrdinzt notwendig. Da» Mitgliedsbuch ist als Ausweis mitzubringen. Abteilung R-rdost.«in«Iternabend findet 1» der Aula der Realschule, Pastourstrahe 44, mit reichhaltigem Programm statt. Anfang 7 Uhr. Unlostenbettrag 1 M. Abt. Steglitz» ikttebena».«Iternabend In der Aula der«emeiabe- schule vffendacker Stroh» 5a. Reichhaltiges Programm. Anfang 7 Uhr. llatostcubeltrag> M. Die Harten sind an dc- Äaff« zu haben. Morgen, Sonntag, den 30. Oktober: «ritz. Wanderung Bernau— Birkenwerder. Treffpunkt zh7 Uhr?dtal-?au- kantine.— Fricdrichshogcn. Wanderung nach dem Maxfee. Treffpunkt 9 Uhr —--.—.„rf,.{„.a OTN,r-,,n-«, eTr-fnuinf»!H9 Uhr Bahnhof Treffpunkt 9 Uhr ufeum«. Treffpunkt Bahnhof.— cholenfee. Bestich eine, Wufeum,.' Treffpunkt �9 �Uhr� Bahnhof jenfce.— Mablsdorf. Wanderung Nlih __ chnhof.—«ttalonrr Viertel. Besuch der, »zz Uhr Rudolsplotz.— Schönhauser Poepadt I. Wanderung durch das Blumen. tal. Treffpunkt M6 Uhr Bahnhof Schönhauser Allee.— Eüdwesten. Schnitzel sagd Michendorf— Ferch— Potoda'm. Treffvunkt 9 Uhr Blücherplatz.— Beißra» see. Wanderung. Treffvunkt 7 Uhr Anionplatz. /irbsktersport. Futzballfpiclc der Mörkischen ttag, den 90. Oktober, nachmittag« Weisiensee, Rennbahn.— ffladcf low, Turner— Pankow 08 in Pankow, Andrea ,.Hofcv»Platz.— Lichtenberg Union in Lichtenberg.— Ss'öncberg— Adle: 08 in Schöncberg, Rubens-, Eck« Hauptstraße.— Weiüensee— Frvh-Frei in Waißensee, Rennbahn.— Liegten. bcrg II— Viktoria in Lichtenberg, Stadion, Herzberqstraße.— Brandenburg- Minerva In Lichtenberg. Hauffstraße.— Borussia— Nowawc« in Rettiickendorf, Echiller.Promenad« beim Rathaus.— Teutonia— Rcukölln in Berlin, Christia. ni«. Ecke Echwcdcnstraße.— Luckenwalde U— Rordiska in Luckenwalde, Ber» lenbrücker Straße.— Frifch.Frei— R. B. C. In Riederschöneweid«.— Rcinlcken. darf- Viktoria(Ebw.) in Reinickendorf, Auguste-Viktoria-Allee.— Eisenspal» terei— Fichte 9 in Eberswaldc, Wolfsrvinkcl.— Spandau— Rathenow in Span» dau.— Hennigsdorf— Hohenneucndorf in Hennigsdorf am Bahnhof.— Fichte. Süd— Hertha iit Berlin, Tcmpelhofer Feld, Einsame Pappel.— M. S. Luckenwalde III in Tcmpelhof, Kaiser.Wilhrlm.Straßc.— Lichtenrade— Luckenwalde 5 in Lichtenrade, Martenfelder Straße.— Potsdam— Lankwitz in Potsdam.— Jüterbog— stickers in Illtesbog.— Niaderlehme— Treptow-Slid in Nte- dcrlehme.— Alt-Glienicke— Fichte-Sittzost in Alt-Dlienickc, Rudowcr Straße.— den Mark schwebende Schulden aufnehmen müssen. Ins- gesamt wurden durch diskontierte Schatzanweisungen bisher 214.8 Milliarden Mark zur Deckung des Haushalts aufgebracht. Diese Zahlen zeigen- die ungeheure Finanznot des Reiches, zu deren Be- seitigung alle Kreise bedeutend erhöhte Steuern ausbringen müssen. Gegen den Ausverkauf in den Grenzvrken. Die Handels- kammer Mainz beantragte bei den Staatsbehörden, eine Ber- ordnung zu erlassen, wonach von nicht ansässigen Ausländern ein Valutazuschlag erhoben werden kann, ausgenommen die An- gehörigen der Rhemarmee. Ferner empfahl man die Beschränkung der W a r e n a b g a b e auf den normalen Bedarf. Der Inlernattonalismus des Kapitals. In der Unternehmerwelt ist neuerdings die sogenannte„V e r s ch w e i z e r u n g" der Aktien- gesellschaften üblich geworden, d. h. die Verlegung des Sitzes der Gesellschaft au» dem Lande oder den Ländern, wo der Industrie- betrieb vorhanden ist, in die Schweiz und die Gründung einer neuen Gesellschaft zu diesem Zweck in diesem Lande. In Mittel- europa geschieht dies manchmal als Folge der Zerstückelung oder Aufteilung der Länder laut dem Friedensvertrag, um die Aerwal- tung der Gesellschaft, mit Betrieben in verschiedenen Ländern, in einem neutralen Lande zu haben. Am häufigsten aber wird diese Operation vorgenommen, um die Steuerhinterziehung leichter zu bewerkstelligen. Die englische Zeitschrist„The Economist" berichtet z. B. von der„Berschweizerung" einer mit englischem Kapital arbeitenden Kupferbergwerk-Aktieng-sellschllst, deren Sitz nach ihrer Meinung ausschließlich wegen Steuerflucht in die Schweiz verlegt wurde. Sie schreibt:„Wir haben hier den komplizierten Fall, vor un», daß die Gesellschaft ihren Betrieb in B.o l i v i e n(Süd- oMerika), ihren Sitz in Genf, ihre Aktionäre in England hat. die J a h r e s b e r i ch t e in französischer Sprache verfaßt und dib finanziellen Ergebnisse in Schweizer Franken aus- drückt." Ein hübsches Beispiel für den Internationalismus des Kapitalsl Äiarlaälösm Uleilfsröranö öingerLa-Ktu Vertreter: C, H. Biizenhofer, Berlin W 50« Füriher Str. 5 Ausgereift-und&ö&tWcb« Lesif erriii zum Aufbau des geschwächten Körpers und zur Erlangung vollwertigen Blutes. �erztiich cmpfohletn für BStatarme, Bieichsllcliiige9 Oescfewächte; sehr angenehm von Gesehmaek. in Apotheken. Tüealer, Lidilsplele sisw. s arxxoooooooaxuKyy�aorx Opernhaus Tosca VI, Uhr Volksbühne Theater am Bülowplatz 7v,u.ßiBeralsillionär Schauspielhaus AuSer Abonnement Peer Cynt VI, Uhr Deutsch. Theater 7'/« Uhr: Kenn, Sic. V/,: Louis Ferdinand Prinz Ton Preußen Kammerspiele 8 Uhr: Der Hübnerhot Sie.ZVj; FrflhllncsErwach. 8 Uhr- Der Hühnerhof Or. Schaospielh. (KarlstraBe) 7 Vi Uhr: Die RS über Slg 71/j U,; Die Räuber Theater i. d, KöniggrätzerStr. Ailabenaiich 7.30 Uhr: Manen Lescaut (Orska, Janssen. Kiemncn, Büdt, Brandt, Picha, Reh- köpf, Appell, Klupp, May) Eomödienhaus Die Fahrt ins Blaue OiäBner, Richard, Engl, Pröckl, Slieda, Dernburg Beriiner Theater Täglich 7 30 Uhr: tyrinseffin QMk �Lsr/SPWWWWw FritziMassaryao. Ralph Art. Roberts Pepi Zampa, Kiper Cenlral-Theater Tu. u.: D.Mekllffniädel OouUches Opernhaus �u.: Tosca Friadr. WilhelmatSd:. TH. « uhr: Amerleiin Cirl Intimes Theater 8 U.: Die Spelunke/ Lauf doch nicht Iraner nackt herum Klalnoe Schauspielhaus ?>/, U.: Kiki(Uustsp.) Luetspielhaus uhr-. Die Sclinijpieler Metropol-Theater föDle StrafiensäBjfErin Neues Operettentheater 8 uhr: Käsigii 1 Kacht Neues Theater am Zoo vnJas Ewlg-HännllEhe Neues Volkstheater 7 Vi uhr: Die Wildente Schiller-Th. Charlottenb. SV.: Stützen d. ücsellschaft £ Uhr: Meine Prau, die Holschauspielerin SchloBpark-Th. Steglitz 7»/iUhr! Elte Thalia-Theater Tv.u.Äin'iirt, Lotte Theat a. Nollendorfplatz 3 Vi: Das Bztcmperale uhr Vetter ans Dingsda Theater dee Westens 7'/.u.: Braut ILseuilos Th.i d Kemmandantenstr. (Jüd. Kfinstler-Theater) 7V« Uhr Dybuk Wallnap-Theater 7',. Uhr: Nixctien Volksopgr. Walhalla-Th. uhr:GlC'ekenT.ConiBvlile ResideuzTlieater Täglich?>/, Uhn OlgaLimbiirg, Kaiser-Titz, Else Wasa. Eugen Rez Kleines Theater Täglich Vi, Uhrt Frle Josette -meine Frau Eugen Burg, Carola Toclle Falkenstein, R. Maall Trlanon Theater Täglich T/i Uhr: Mein FreuDd Teddy Arnold kor«. Lotteklinder W Bendow, Qis.Schneider- N lesen, Fr. SchOnemann Dehrengtr. 84 Der uMKertreMede Oktoher-gpieiplan Lessing-Theater Heute u sonntag 7V, U.: ie Spielereien einer Kaiserin Montag 7 Vi: Der lasterhafte Herr Tschu Deutssiies Riiaslier-Tb. Allabendlich VI, Uhr: Die Ballerina des Königs (Leopoldine Konsfantinf (Rose. Theater) 3'/,: HSnael und Qretel T/t Uhr: Fite Brüder Theater am HstenhDi Allabendl.8 Uhr ilogeborgi i Eckersberg, Sandrock, Uoetz.(iümiier,<« , Walter K : Tribüne,»uvr-' WeUlauf mit I dem Schatten i Heims, Winterstein. Oppen GrShenwahn > Leitung; RosaValettl AllabendJ. 8'/i Uhr Casino-Theater Lothringer Str. 37 Nur noch bis inkl. Z.�ov. Exzellenz Maxe Freitag, 4. Nor. z. 1 Male: Oer Weg zum Qlüch. Volksstück in 4 Aufzen Sonnt. 3'/,: Pantoffelheld FOLIES CAPRICE Lintenslr. 132, am Oranienburger Tor Täglich S Uhr: Nanons Dehnt Posse mit Gesang mit Ferd. Qrünecker Toi.: Norden*650 I Reines Tariete-Progranm! Rauchen gestattet I Theat a.KoHbus. Tor Setfflloeigp!. 18077 Tagt tv, Uätimb Sonnt n«d)m.3U. Bllte-Säinger S.nnobrnb 8 Vi IL Kind«. Märchen. BersteAung: .»otfSnz»chru- tleine Preise i Nebsiisüsn-Tb rtattlaar Sänger TV ♦♦♦♦*♦♦♦♦♦♦♦♦ liirils-Pilast Heute fällt die Vor. Stellung weg. Balifest. Ilchkclt(Tsnzderby) aus ÄrDteroteo Schübe VX: Abrakahbra ♦♦♦♦♦♦♦»♦♦♦♦♦ Clrcus Busc |rgl.7'/i, Stg. auch 3 U.J Am Sonntag Nachmittag 3 Uhr 1 Kind frei! BVorvk.Werth.u Circ.«.1 •ä-WNZ'M-Tv. M. V 1;. Vv 3__.:■.vw..* k'\lrVr- r~fl'7'~, l It[•■'■.■. JA-./--TJ•. J Einberufung der Naüonaiversammiung der Tiere, verbunden mit dem Welt-Kongress der Wüstenkönige, Königstiger und Könige der Polarmeere zum l.lteimrobo'? no/is 30 Uhr nach W. Hagenbecks größter Baubtierdressur- schau der Erde im Kleistpark an der Potsdamer Straße(Alter Botanischer Garten). opstr a otREK-non JAMES KLEIN AllabQuäNoh 8 Uhr ■at persönl. L«lt von Paul Unsk. AUofrondUct Vi�Ota Die groSe Revue: Dsrlerr isr WeH 75 Damen BaXlattl Keine BQhna der Welt bietet Roloh« Praeht- ausstattuRf a. Namen bwOhrotor Darsteller. 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Aus der Gruppe der Arbeitgeber: t ermann Nhauba ermann Kaußman» Bruno Lischt« EmU Sroche Versicherten: Karl Dottesmann Paul Hauptmann Friedrich Reese Hugo Hoizweiß Paul Riemer Emil getsche Ferdinand stiebert Emma Loose. Einspräche gegen die Wahl sind vi» zum 28. November 1921 beim Aassenvorstand oder Bersicherungsamt der Stadt Perlin anzubringen. Jtorl Goitesmann, Bors. Friedrich«eese. Echrtstf. Die Srbea der ran 24. März 1920 verstorbenen, zulegt in Berlin, Lüssow- strasse 41, wohnhalt gewesenen Hausdame Frau- lein Minna Schmibtft «erden gesucht. Die Verstorben« M sin Jahre 1SH zu ZU, schwitz, Kreis Stow, al« Tochter des Zieglermeisters Heinrich Schmibtfe und seiner She- srau Martha geb. Lossin, zuletzt in Stow wohnhast, geboren. ErbaniprÜche find bei dem unterzeichneten Nachlast- Pfleger geltend zu machen. Berliu-SchSnebcrg, Grost-Sdrlchenstr. L den 27. Oltsber 1921. Der Rachlastpflegrr: Dr. Engel, RedstsanwaK. u. ffibclmefoO« zu höchst. 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