Nr.S?2 4 ZS. Jahrgang Ausgabe lK Nr. 254 Bezugspreis: DierteI'Shrl.36,— M., monatL 12,— M. frei ins Kons, voraus zahibar, Post- bezugi Monatlich 12,— M. einsS>l,fZu- siellungsgebllhr. Unter Kreuzband für Seutschiand, Danzig, das Saar- und Wcmeigebict, sowie die ehemais deut- Ichen Gebiete Polens, Oesterreich Ungarn und Luxemburg 22,— M.. für das übrige Ausland 2g,— M, Postbestellungen nehmen an Oesterreich, Ungarn, Tfchecho- Elowalei, Däne« Marl, Holland, Luxemburg, Schweden und die Schweiz, Der.Vorwärts" mit der Sonntags- beilage„Volk und Zeit", der Unter- haltungsbeilage �»eimwelt" und der Beilage„Siedlung und Kleingarten" erscheint wochentägiich zweimal, Sonn- tags und Montags einmal. Abend-Ausgabe Telegramm-Adresse: „Sozialdemokrat DerNn» Berliner Oolksblatt ( 30 Pfennig) Anzeigenpreist Die neungespaltene M-Nvareillezelle kostet ti,— Ak.„Nieine Anzeigen' das iettgcdruckte Wort 2,— Al.auptveraMwortung. Jedes Publikum hat eben die Kunst, die es verdient. Ueber die„Handlung" des DetektiomSdels könnt« wohl nur der Verfasser Aufklärung geben, und auch das ist nicht ganz sicher. Die Musik zeichnet sich hin und wieder durch flotte Märsche aus. Das Ensemble gab sich redliche Mühe, Witz und Schwung in die Sache zu bringen, und da zwei erstklassige Operettenstars, M o l l y W e ff e l y und Lea S e i d l. dabei waren, wurde die Claque durch das zahlende Publikum übertrumpft. Der Luxus der Ausstatwng wirkt in der jetzigen Zeit herausfordernd. Hunderttaufende werden für Kleider, Mäntel, Pelzwerk— über deren Provenienz der Theaterzettel detaillierte Angaben enthält— hinausgeworfen, aber für die Renovierung des schmutzigen Bühnenvorhanges ist ort- scheinend kein Gell» da. D. Sch. Ein Staatsexamen im Eierlegen. In den nächsten Tagen werden sich aus allen Teilen des britischen Reiches Tausende von Hühnern in London zusammenfinden, um hier unter den Augen einer Prü- fungskommission eine Probe ihrer Leistungsfähigkeit im Eierlegen zu geben. Der Wettbewerb wird in der letzten Oktoberwoche feinen Anfang nehmen und sich über 14 Tage erstrecken. Sein Zweck ist die Feststellung der besten Legerassen. Die ausgesetzten Preise schwanken je nach dem Ergebnis der Konkurrenz zwischen Iv und 500 Pfund Sterling.. Wie wichttg solche Feststellungen sind, ergibt sich aus der Tatsache, daß die Eiererträge der Zuchthennen in den letzten 20 Iahren nahezu eine Verdoppelung erfahren haben. (krttaufführungen der Woche. Dieust.: SussipielbauZ:.Peter Breuer".— Mittw.: Tb. am Nollendorfplasi:.Die Ehe im Kreise".— Dann.: Deutsch. Kflnstlerlh.:.Derbcil. AmbrosinZ".— Kreit.: Schauipielhaus Potsdam:.Jedermann".— Sonnab. i Schlojjparklheater:.Das Konzert". Urania-Vorträge. Montag, Donnerstag:.Im Flugzeug zum Monde": Dienstag. Freitag. Sonnabend:.Die Wunder des Schnee schubs". Mittwoch spricht in der Reihe der Gelebrtciwortrögc Eduard Mörikc über:.Musik und Naturempfindung'. Sonntag: .Die deutsche Donau". Kunstchronik. Frlh Gurlitt eröffnet am 1. November eine Ausstellung von Zeichnungen und Aquarellen OScar Kokoschkas.— Tie November. g r u p p e eröffnet ihre Ausstellung am 1. November, 11 Uhr, bei Altmann, Lützowuser 13. Di« Angst vor Schaljapin. Wahrhaft grotesk gebärdet sich die ftanzösiiche Bourgeoisrepublik aus Furcht vor Bolschewistenansteckung. Der russtiche Sänger Schaljapin wollte in Frankreich zugunsten der Hungernden in Rußland ewige Konzerte geben. Die sranzöfische Regierung hat ihm jedoch die Einreiseerlaubnis verweigert! Volksschule und �rbeiterbildung. Wie Herr Becker„reformiert". In der gestrigen Sitzung des Haupiausschusses des Preußischen Landtags hat der Kultusminister Becker, dessen Tätig- keit je länger je mehr das schärf st e Mißtrauen aller Freunde des Schulfortjchritts verdient, einige Acußerungen über beabsichtigte„Reformen" getan, die den energischsten Widerspruch herausfordern. Daß Herr Becker die unter dem Ministerium chaenisch aufgehobene geistliche Schulaufsicht ebenso als sein Ber- dienst in Anspruch nimmt wie das vom Reich geschaffene Grund- schulgesetz, mag man der Eitelkeit eines Ministers zugute halten, der noch auf keine eigenen Leistungen hinzuweisen hat. Dafür will er nun aber in Preußen auf dem Gebiet der Lehrer- bildung„die Führung übernehme n". Und wie sieht diese Führerrolle aus? Die Seminare sollen in„deutsche Aufbau- schulen' oder— wörttich!—„in s'ebcnklassige Seminare verwan- delt werden". Die Seminare in Seminare umwandeln— so will Preußen in der Reform der Lehrerbildung fortschrittsfreudig vor- angehen! Auch gegen die Umwandlung in Aufbauschulen nach dem System der deutschen Oberschule(so soll wohl der unoerständ- liche Ausdruck„deutsche Aufbauschule' gemeint sein) hat sich die Lehrerschaft mit Recht energisch gewehrt, weil dadurch wieder Sonderschulen„nur für Lehrer" geschaffen werden würden. Weiß cherr Becker davon nichts? Oder glaubt er die Lehrerschaft hinter sich zu haben, wenn er kategorisch erklärt:„Die Universitätsbildung ist ab- zulehnenl"? Und zwar ausdrücklich nicht nur der Kosten wegen, sondern„um der Aufgaben willen, die die Volksschule an den Lehrer stellt'. Der Dorfpfarrer braucht also Hochschul- bildung, der T i« r'a r z t desgleichen— für den Volks- erzieher auf dem Lands aber ist sie nicht erforderlich. Für ihn soll dafür die„Ausbildung auf den Gebieten der Land- Wirtschaft besonders berücksichtigt' werden. Sollen Geflügel- zucht und Imkerei fortan zum Hauptberuf des Landlehrers wer- den? Ist das nicht ein Hohn auf Artikel 143, Abs. 2 der Ver- fafsung? Und so etwas nennt sich„führend' auf dem Gebiete der Lehrerbildung! Was sagt übrigens das Reich, das sa nach Artikel 143 die Lehrerbildung einheitlich regeln soll, zu dieser„Reform"? Sollte etwa das Geheimnis, das über dem Lehrerbildungsgesetz des Reiches seit Monaten lagert, dahin zu deuten sein, daß sein Entwurf g l«! ch f a l l» aus die Universitätsbildung der Lehrer verzichtet und daß Herrn Beckers angekündigte„Reformen" ihm gegenüber noch einen Fortschritt bedeuten? Es dürfte höchste Zeit sein, daß sich das Reichsministcrium des Innern und sein sozialdemokratischer Staatssekretär klipp und klar zu dieser Frage äußerten. Unsere Reichstagssraktion würde hoffentlich einem solchen Gesetz einen ebenso energischen Widerstand entgegen- setzen, wie wir dies von der preußischen Landtagsfraktion den .Reformen' des Herrn Becker gegenüber als selb st ver st Snd- lich voraussetzen. Die Sozialdemokratie weiß, daß sie hier- bei die gesamte deutsche Lehrerschaft nahezu ge- schloffen hinter sich haben wird. Ebenso räiselhaft sind aber di« Ausführungen des preußischen Kultusministers über das Arbeiterbildungswefen. Deffen Förderung ist in der Tot Sache des Reiches, und wir hoffen, daß sich das Reich diese Aufgabe nicht durch die Ministerien der Länder aus der Hand nehmen lassen wird. Auch wenn die Aeußcrungen des Herrn Becker sich.nur auf die„wirtschaftliche Schulung" der Arbeiterschaft im Sinne der Vorschläge des Genossen Woldt beziehen sollten, so sind wir der Ansicht, daß im Zeitalter der»Freizügigkeit auf diese Aufgabe nicht dem Zufall der Regie- rungsmehrheit in einem einzelnen Lande überlassen werden darf, sondern wir halten es für selbstverständlich, daß sich d a s Reich gerade einer solchen Ausgabe annehmen wird und annehmen muß. Wirtschaft Vortrvslungsb-strebungen im deutschen Bankgewerbe. Trotz der M i l l i a r d e n g e w i n n e, die von den deutschen Großbanken in den Iahren 1920 und 1921 erzielt wurden, zeigt sich bei diesen Institutionen gegenwärtig eine ausfallende Geld- k n a p p h e i t. Die Bankkundschaft, die gerade durch die Depositen- kaffen der Großbanken mit Rat und Tat bei ihren Börsenspekulatio- nen sehr stark unterstützt wird? nimmt gegenwärtig weit über ihre Bareinlagen hinaus Spekulationskrcdite in Anspruch und behindert dadurch die Banken in ihren eigenen Dispositionen. K r e- dite für Handel und Gewerbe sind heute von den Banken nicht mehr zu haben. Der ungeheure Geldstrom, der durch ihre Kaffen fließt, wird in vollem Umfange an die Börse gelenkt, denn dort winken Gewinne, gegen die auch die höchste Verzinsung eine Bagatelle bleibt. In den Direktionsbureaus der Großbanken ist man der Meinung, daß die Börsenhausse ihr Ende noch lange nicht erreicht hat. Man verweist auf das Beispiel Wiens, wo Kurse von 20 000 bis 30 000 allerdings keine Seltenheit sind. Um an dieser„Kata- strephenhausic�' noch mehr als bisher zu verdienen, suchen die Bonken Mittel und Wege, um ihr Eigenkapital zu vervielfachen. Zwischen der Commerz- und Privatband und der D a r m st S d t e r Bant haben in der vergangenen Woche bereits Fusionsver- Handlungen geschwebt, die vorläufig zum Stillstand gekommen sind, weil man erst prüfen will, wie sich die hohen Gebühren, die bei einem Attienumtausch zu entrichten wären, etwas vermindern lassen. An der Börse will man ferner wissen, daß eine Annäherung der Nationalbank für Deutschland an die Dresdner B an k beabsichtigt sei. Die Mitteldeutsche Ereditbank erhöht Ihr Aktienkapital von 00 auf 140 Millionen Mark. Die Deutsche Bank und die D i s c o n t o- G e s e l l s ch a f t werden voraussichtlich in absehbarer Zeit ihren Wettlauf um die erste Stelle im deutschen Bankgewerbe fortsetzen und sich weitere Provinzbanken angliedern. Die Berliner Handelsgesellschaft, die unter Fürstcnbergs Leitung sich eine gewiffe Unabhängigkeit erhalten hat, wird wahrscheinlich ihre Beziehungen zu-Amerikanischen Finanz- kreisen zu einer Stärkung ihrer Betriebsmittel ausnutzen. Bcmer- kenswert ist. daß bei käst allen Instituten die Rücksicki) auf das Spekulationsgeschäft den treibenden Faktor für die bevorstehenden großen Transaktionen bildet. Am Wiederauf- bau des deutschen Wirtschaftslebens beteiligen sich die Großbanken in verhältnismäßig recht bescheidenem Maße. Gewinnbringender Verlust. Der..Plutus' schreibt:„In Börsenberichten vom 20. Oktober wird das Steigen der Kurse der Aktien der Gesellschaften des Anilinkonzerns begründet mit dem Schaden von einigen hundert Millionen Mark, der durch das Unglück von Oppau verursacht worden ist. Zum Wieder- aufbau wird, so argumentiert die Börse, die Anilin-Gruppe neues Kopital benötigen. Die Kapitalserhöhungen ober werden, so glaubt man nach den bisherigen Erfahrungen, mit wertvollem Dezugsrecht verknüpft fein. Ob diese Erwartungen sich erfüllen werden, steht dahin. Zunächst ergibt sich die paradoxe Erscheinung, daß Aktionäre, die Besitzer der von einem großen Schaden betrof- fenen Unternehmungen, infolge dieses Unglück» Kurs» gewinne erzielen. Gleichzeitig aber sammelt man in ganz Deutschland Geld- und Materialspenden für den Wiederaufbau des zerstörten Ortes Oppau...' GrofcBerlw Lieöer auf der Straße. In Berlin singt es und klingt es, trotz Rot und Sorgen. Die Konzertsäle hallen wider von den Klängen der alten und neuen Meister, auf den Straßen aber tönen die Lieder, die das Volk singt: Operettenschlager, die plötzlich da sind, die alsbald jeder kennt und ebenso schnell vergißt, alte schöne Volkslieder, deren Texte leider nur zu wenige fingen, und dann die bekannten„Gassenhauer", die der Leier- kästen brutal mit lauter Stimme hineinschreit in den Lärm der Riesenstadt. Auf den Höfen in den Arbeitervierteln drehen sich die Kleinen im Walzcrschritt, und der Leierkastcnmann ist ihnen noch immer ein so lieber Gast, wie er es schon vor Jahrzehnten gewesen ist. Sie halten ihm unwandelbare Treue. Er aber dreht seine Lieder aus dem Kasten heraus und äugt nach den kleinen Gaben, die ihm gespendet werden. Oft singen auch Geigen auf den Höfen, und mancher Künstler zieht als„Hofmusiker" von Haus zu Haus in Wind und Wetter— ein trauriges Los. Was trifft man aber sonst noch für merkwürdige Musikanten! Da ist der Mann, der aus fsingeschliffencn Weingläsern die schönsten Melodien hervorzaubert, und ein anderer hat sich aus einer kleinen Kiste, die mit einem Griffbrett und einer einzigen Saite versehen ist, ein Musikinstrument gar sonderbarer Art geschaffen, und meisterlich versteht er es zu spielen. Man trifft ihn auf den Märkten, er streicht sein Instrument und bannt die Menschen, reißt sie für einige Mi- nuten heraus aus ihren Alltagssorgen und zieht dawn weiter. Während man im Straßengetriebe seinen Weg sucht, schmeicheln sich plötzlich Orgelklänge in die Ohren. Von einer Menschenmauer umgeben, sitzt dort an einer Straßenecke ein anscheinend blinder Musiker und spielt auf einem Miniaturharmonium. Er spielt und singt. Mehr als fünfzig Lieder umfaßt sein Repertoire. Alphabetisch ge- ordnet hat er sie auf Tafeln verzeichnet. Die„Herrschaften" mögen wählen: Solveigs Lied von Grieg, das„Ave Maria" von Schubert oder das Largo von Händel oder irgendeine bekannte Opernmelodie? Er singt und spielt, und das dankbar- Publikum wirft schmutzige Geldscheine in seinen Hut. Feierlich schwingt sich das Largo empor — plötzlich naht ein Trupp von Wandervögeln, den Rucksack auf dem Rücken, die Laute in der Hand. Im Takte ihres Schrcitens singen sie Wanderlieder und begleiten sie auf ihren Lauten. Das Largo ist wie ausgelöscht von dem lauten Sang der Vorüberziehenden. Was scheren sie sich um das Lied eines Straßenmusikanten, was kümmern sie die unwilligen Blicke, sie wandern und marschieren und singen ihre Lieder auf den Straßen. Die Räuber von Glindow. In dem vergangenen Winter hatte sich in dem alten, Berliner Ausflüglern wohlbekannten Dorf Glindow bei Werder eine reguläre Räuberbande gebildet, deren Haupt der övjährige als Einbrecher gefürchtete Kluth aus Werder war. Zu ihm gesellten sich der 24jährige Arbeiter Wilhelm Kühle aus Glindow und der 26jährige Töpfer Alfred Fresdorf aus Werder. Fresdorf wurde zum Schein in die Häuser geschickt, angeblich um Töpferarbeiten auszuführen, in Wirklichkeit aber, um Gelegenheiten auszubaldowern. In der letzten Silvesternacht ging es nach Bliesendorf. Das Haus des Eigen- tümers Koppen war das Ziel. Man wußte, daß die Bewohner auf einer Feier außerhalb waren, brach ein und machte große Beute. Am 3. März zogen Kluth, Fresdorf und Kühle, durch Ruß im Ge- sicht unkenntlich gemacht, mit Wasfen und Gummiknüppeln wohl versehen, abermals nach Vliesendorf. Spät nachts wurde beim Rentier Schmidt geklingelt. Frau Schmidt, die sich meldete, wurde sicher gemacht, indem man ihr sagte, es fei wichtige Post aus Groß- Kreuz da. Als sie öffnete, sah sie entsetzt drei schwarze Gestalten vor sich. Ihr Geschrei wurde jedoch sofort erstickt: man hielt ihr die Kehle zu. Als Herr Schröder hinzueilte, feuerten die Räuber mehrere Schüffe ab. Einer hat fein Ziel verfehlt: die Kugel traf den Räuberhauptmann Kluth. Auf der Flucht ließen ihn seine Spießgesellen liegen, und verblutet fand man ihn frühmorgens am W�zesrand vor. Fresdorf und Kühle wurden verhaftet. Die beiden standen nun vor den Potsdamer Geschworenen, sie wurden des versuchten schweren Raubes, des schweren Einbruch- diebstahles, der fahrläffigen Tötung für schuldig befunden und Fresdorf zu vier Iahren Gefängnis und sechs Jahren Ehrverlust, Kühle zu fünf Iahren vier Monaten Zuchthaus, zehn Iahren Ehr- verlust und Stellung unter Polizeiaufsicht verurteilt. Alle Anträge aus Haftentsaffung und Strafaufschub wurden abgelehnt. fortgesetzte Attentate auf Züge. Das gefährliche Schiehen auf Stadtbahn- und Vorortzüge, über das schon so oft berichtet wurde, will immer noch kein Ende nehmen. So erhielt erst jetzt wieder, ein Stadtbahnzug, als er kurz nach 3 Uhr nachmittags einen Vorortzug dicht bei Baumschulenweg kreuzt«, einen Schuß aus einer 6-Millimeter-Waffc. Das Geschoß durchschlug eine Fensterscheibe eines Abteils dritter Klaffe, traf aber zum Glück keinen Fahrgast.— Hinter dem Bahnhof Wedding wurde frühmorgens von der Ecke der Lynaer. und Maxstrahe viermal geschossen, nach dem Knall ohne Zweifel aus einem'Armeerevolver. Die Kugeln gingen alle fehl. Mehrere Personen hörten sie deutlich pfeifen.— Mit Steinen beworfen wurde abends K}4 Uhr ein ug, der vom Potsdamer Bahnhof abgefahren war, zwischen den altestellen Großgörschenstraße und Friedenau, auf einer Strecke, auf der offene Höfe dicht an den Bahnkörper heranstoßen. Von einem dieser Höfe kamen faustgroße Steine in ein Abteil geflogen, getroffen wurde niemand. Die Eisenbohndirektion hat jetzt zur Steuerung des groben Unfugs für die Ermittlung der Täter Belohnungen bis zu SlXK) M. in jedem Falle ausgesetzt Mitteilungen, die zur Aufklärung dienen können, nimmt Kriminalkommissar Dr. Ricmann im Zimmer 34 des Berliner Polizeipräsidiums entgegen. Sie werden streng ver- traulich behandelt. Die«eue Autotaxe. Vom Polizeipräsidium ist nunmehr die Polizeiverordnung er- laffen worden, die die Droschkcnordnung entsprechend den ncuen Ver- einbarungen zwischen dem Magistrat Berlin, den Droschkenbcsitzern und dem Polizeipräsidium abändert. Die Grundgebühr des Fahr- Preisanzeigers bleibt mit 70 Pf. bestehen, ebenso auch die Bestim- mung, daß für alle Fahrten ohne Rücksicht aus die Zahl der be- förderten Personen der Fahrpreisanzeiger auf die dritte Taxe ein- geschaltet wird. Die von dem Fahrpreisanzeiger ermittelte Summe wird bei den Pfcrdedroschken versiebenfacht, bei den Kraftdroschken, ohne Rücksicht darauf, ob es sich um elektrische oder Benzin-Kraft- fahrzeuge handelt, verzehnfacht. Die Vervielfachung gilt auch für die Wartezeiten, so daß die auf volle Stunden berechneten Wartcgebllhren sich bei Pferdedroschken auf 10, SV M., bei Kraftdroschken aus 30 M. stellen. Sieben- bis zehnfach berechnet werden auch die Gebühren für! die Mitnahme von Gepäck und von Hunden. Für die Vorbestellung einer Droschke von der Straße aus, bei der der Fahrpreisanzeiger erst nach Ankunft an dem Orte, von wo aus die Fahrt angetreten werden soll, eingestellt werden darf, beträgt die Gebühr auch nach der Erhöhung der übrigen Sätze 2 M. � Für Fahrten von Kraftdroschken nach bestimmten entfernt liegenden Vor- orten, die in der Droschkenordnung unter§ 25 besonders aufgeführt werden, wird in dem Falle, daß eine Droschke nicht zur Rückfahrt benutzt wird, eine Gebühr von 3 M. erhoben. Uebertretungen wer- den mit 60 M. Geldstrafe oder 14 Tagen Hast bestrast. ftus See monarchistischen Ecke. Germania mit der Kaiserkrone. Lange genug hat diese Dame mit dem Symbol der Monarchie auf dem Haupt die Briefmarken des Volksstaates geschmückt, sie ist nun glücklicherweise im Begriff zu verschwinden. Die Reaktion aber findet immer Mittel und Wege, um ihren Anhängern die alten monarchistischen Smbole in der Erinnerung wach zu halten. Der bekannte„Verein für das Deutschtum im Ausland" gibt Brief- verschlußmarken heraus, die eine fchwarz-weiß-rote Umrandung zeigen, in der Mitte den alten Reichsadler und auf diesem den Kopf der Germania mit der Kaiserkrone auf dem Kopf. Solange sich diese Vereine nicht entschließen, die Symbole der Republik aus ihren Kundgebungen zu zeigen, ist es Pflicht eines jeden Republi- kaners, ihre Arbeit in keiner Weise zu unterstützen. Es ist tief be- dauerlich, daß die Rot der Zeit die Leiter des Vereins nicht veran» lassen konnte, sich auf die neue Zeit einzustellen. Der Zusammen- schluß aller Auslandsdeutschen wird auf diese Weise nie erreicht werden. Die Mehrheit in den Bczirksvcrordnetcnvcrsammlungcn. Bürgerliche Blätter haben die Mitteilung gebracht, daß bei der in den 20 Verwaltungsbezirken amtlich jestgesetzten Verteilung der Bezirksverordneten auf die Parteien sich für 10 Verwaltungs- bezirke eine nichtsozialistische Mehrheit ergeben habe. Aus der im „Vorwärts"(Nr. Sil vom Sonnabendmorgen) veröffentlichten Zu- sammsnstellung der Mandateocrtcilung für die Bczirksverordneten- Versammlungen ist ersichtlich, daß eine Mehrheit der drei linksstehenden Parteien in 10 Bezirken erhalten geblieben ist, ein Gleichgewicht zwischen den links- st ehe n den und den bürgerlichen Parteien in einem Bezirk besteht, eine Mehrheit für die bürgerlichen Parteien in 9 Bezirken sich ergibt. Die bürgerliche Presse hat den einen Bezirk, in dem die Linke und die Bürgerlichen gleich stark sind, ohne weißeres den Bürgerlichen als Mehrheitsbezirk ge- bucht. Allerdings hoffen die Bürgerlichen, daß die Zuweisung der Stadtverordneten an die Bezirksverordnetenversammlungen noch das Wahlglück korrigieren und in«inigen Verwaltungsbezirken den Einfluß der Bürgerlichen steigern wird. Ucber diese Zuweisung entscheidet die Stadtverordnetenversammlung, in der ja nunmehr die Bürgerlichen, wenn sie ausnahmslos zusammengehen, die Mehr- heit haben. Die Errichtung einer wettlichen Schule in Treptow(15. Ver- waltungsbezirk) ist zurzeit Gegenstand der Beratungen einer Ar- beitsgemeinschaft, die aus Vertretern der am Orte befindlichen drei sozialistischen Parteien zusammengesetzt ist. Die steigende Zahl der vom Religionsunterricht befreiten Kinder erfordert unbedingt die Zusammenfassung derselben in einer besonderen Schule. Näheres über die beabsichtigten Maßnahmen wird noch bekanntgegeben wer- den. Alle Arbeitereltern sollten di« Arbeiten dieser Kommission unterstützen, indem sie, soweit es noch nicht geschehen ist. ihre schul- Pflichtigen Kinder schon jetzt vom Religionsunterricht befreien. An- träge dazu können jederzeit gestellt werden. Es genügt, den Kin- der einen Zettel mit dem schriftlichen Ersuchen um Befreiung des betreffenden Kindes vom Religionsunterricht an den Lehrer oder Rektor der Schule mitzugeben. Antragsformulare, sowie jede Aus- kunft erteilen die Genossen Robert Ianell, Graetzstraße 23, Oskar Sander, Kiefholzstraße 18d, Willi Bulan, Krüllstraße 1. Ein Landheim des Dorotheenstädtifchen Realgymnasiums wird heute in Arnsberg bei Oberichmiedeberg im Riesen- gebirge eingeweiht. Aus den Eltern, der Lehrerschaft und dem Berein ehemaliger Schüler dieser Schule- hat sich ein Verein Land- heim E. V. gebildet, der die Mitte! aufgebracht hat. Man hofft später alle Schüler der Anstalt etwa alle 2 Jahre dort auf 4 Wochen unterbringen zu können. Die Schüler werden auch in dieser Zeit von Lehrern der Anstalt unterrichtet. Wetter für morgen. Nerlin und Umgegcud. Etwa? kühler, zeitweife aufklarend, aber noch iibcrwicaend trübe mit geringeren Medci schlagen und jrijchcn westlichen bis nordwestlichen Winden. ?ugendveransta!tungen. verein Arbeitcr-Zugenb. vetretariat: SN.«>. Li-denste. Z, Z. Hof Not», 2 Treppen recht,. Telephon! Mol. 121 OK— 10, Heute. Sonnabend, den ZS. Oktober: Abteilung Nordosten. Der Elternabend findet nich! in der Realschule Pasteurstr. U statt, sondern In der Aula der«emeiadefchule Pasteurstr.S. � Theater der Woche. Wo», 30. Oktober bis<>. November. volkobiiha«: SO., 81., 2. n. 6. Masse Mensch. 1. Äapitiin Brassbound» Bekehrung. 3. Räch Damaekuo, 2. u. 3. Teil. 4. Der Bauer als Millionär. 8. Das Postamt. Di« ÄomSdie der Irrungen.— Opernhaus! 3». Flicgcndcr Holländer. 31. Madame Putterfly. I. Cavalleria rusticana und B-rjazZi. 2. Turandot und Arlecchino. 3. Rigoletto, Sinfonie-Konzert. S. Fidslio. Ii. Die Meistersinger. 7. Maskenball.— Echauspiclhaus: 3t). u. 4. Die gescsselte Phantasie. 31. König Richard Iii. 1. ssiesko. 2., 5. u. 7. Peer Tont. 3. Der Marguis v. Keith. ö. gieslo.— Deutsches Theater: 30., 31., 2., 5. it. 6. Prinz Louis Ferdinand. 1. u. 4. Kcan,— Kammerspiele: Der— Lcsssng-Iheater: 30., 2., 3., b. u. 0. Die Spielereien einer Kaiserin, 31., 1. 'u. 4. Der lasterhaste Herr Tschu.— Theater in der Königgiäst:. T-iiassc: Manon Lescaut.— Deutsche» Opcrnhans: 30. u. 3. Der flieacndc H.lliinder, 31. Die toten Augen. 1. Don Juan. 2. Lohcngrin. 4. Die Fir r.maus. 5. Tannhäuser. 6. Der Troubadour.— Schillcr-Theater: 30., 31., J. u. 5. Meine Frau, die Hosfchauspielcrin, 1. Der Raub der Sabinerinnen, 4. Der Richter von tzalamca. 0. Die Eilltzen der Eescllschast.— Srsstcs Ellauspick. hau»: Di« Räuder,— Reue» Volks-Theatcr: 30., 31., 3. u. 4. Die Wildente. 1., 2., 5. ii. 0. Rose Bernd.— Theater am Kurfürstendamm: Inacoorg.— Dentschco Aiinstler-Theater: 30. u. 31. Die Ballerina des Königs. Äd I. Der heiliär Ambrosius.— Komädicnhau«: Die Fahrt ins Dlanc.—«crUncr Theater: Prinzessin Olala. Kleine» Schausptelhana: Kiki.— Trlanon, Theater: Mein Freund Teddy.— Rcfiden,-Theater: Der König in Paris.— ?entral>Theater: Da» Detektiviniidel.— Theater in der Kommandanienstrahe! Dqbuk.— Fricdrich-Wilhelmstädtische, Theater: American-Dirl.— Komisch« Oper: Der Herr der Welt.— Lnstspiclhaus: 30. u. 31. Die Echausviclcr. Ah 1. Peter Brauer.— Metropol-Thcatcr: Die Straßensängerin.— Rene, Operettcn-Theater: Die Köniain de: Nacht.— ThaUa-Thcatcr: Schäm' Tick» Latte.— Theater am Rallendoisplast: 30. Der Vetter ans Dingsda. 31. u. 1. Geschlossen. Ab. 2. Die Ehe im Kreise.— Theater des Westens: Die Braut des Lucullus.— Kleine» Theater: Fräulein Iosette— meine Frau.— Wallncr. Theater: Rixchcn.— Wakhalla-Thcater: Die Glocken von Eorncville.— Theater de» Osten»(Rosc-Theater>: Fidele Brüder.— Kassno- Theater: 80. die. 3. Ezzcsscuz Mare. Ab 4. Der Wey»um Glllck.— Neues Theater am Zoo: Das Ewig-Männliche.— Schlohpari-Theater St-glist: 30. Der Rangierbahnhof. 3t. Minna v. Barnhcim. 1. u. 4. Ehe.. 2. u. 3. Alles uM Geld. 3. u. 0. Da» Konzerl.— Falles Eapriee: Ranons Debüt.— Admir-lspalaft: 31., 2.. 4. u. 0. Die roten Schuhe. 30., 1., 3. u. 8. Abrakadabra.— Schauspielhaus Potsdam: 30. ii. 3. Der Licbesdiplomat. 31. u. 5. Geschlossene Vorstellung. I. Maria Magdalena. 2. Bunbury. 4. u. 6. Jedermann.— Intime» Theater: Lauf doch nicht immer nackt herum. Die Spelunke. Rachmitt-gsoorstellungeu. Voltobiihnc: 30. u. 6. Der Bauer als Millionär.— Schauspielhaus: 30. Die Journalisten. 6. Kronprinz.— Deutsche» Theater: 30. Was ihr wollt. 0. Potaich und Perlmutter.— Kommer. spiele: 30. Frilhlinas Erwachen. 6. Die Büchse der Pandora.— Lessiv.g- Theater: 30. u. ii. Die Maryuise von Arcis.— Theater in der Köuiggräher Strah«: 80. u. 8. Salome.— Deutsche» Opernhaus: 30. Der Pastillou von Lonjumeau. 8. Utlhr: Sinsonic-Konzerli 2s; Uhr: Die Schwätzerin von Saragossa.— Schiller-Theater: 30. u. 8. 5oelden. l. Don Carlos. 2. u. 5. Die Cliltzcn der Gesellichast.— Große» Schauloicltzau»: 6. Die Weber.— Reue» Bolks-Thcater: SO. Jugendfreunde. 8. Die Wildente.— Deutsche, ' Künstler-Theater: 30. u. 6. Flamme.- Komödicndau»: 80. u. 0. Die Sache mit Lola.— Berliner Theater: 30. u. 8. Der letzt« Walzer.— Kleines Schauspiel. han«: 30. Kindcrträgödic.— Trianon-Thcater: 30. Mein Freund Teddy.— Restdenz-Theatcr: 30. Euchen Humbrecht.— gcntral-Theatcr: 30. Kabale und Liebe.— Fried, ich-Wilhelmstädtische, Theater: 30. Der Troubadour. 8. Mar. garet«.— Lustspiclhao»: 6. Die Schauspieler.— Thalia-Theater: 30. Rumpelstilzchen.— Theatee am Nolenhorfplatz: 30. Wenn Liebe erwacht. 3., 4. u. 3. Heimat. 8. Der Vetter au» Dingsda.— Theater de. Weiten,: 30. u. 8. Der ersten Lied« golden« Keit. 2. Jugendfreunde. 3. Renaissance.— Kleine, Theater: 30. Easanava» Sohn.— Walhalla-Theater! 30. u. 0. Sherlock Holme«. — Theatee de» Osten»: 30. n.». Da» Glück ber kleinen Leute» 3. Dornröschen. — Kaflno-Theater: 30. Der Pantoffekheld.—«chlohvaek. Theater Strglitz: 30. Sans Huckebein. 8. Die Laune des Verliebten. Die M-.tichuldigen.— «dmiralsvalast: 30. u. 6. Die roten Schuhe.—?-�me» Theater: Drei Sin- Ott«», GewerGhostsbewegung kei« amerikanifther Eisenbahnerstreik. Die deutsch«« Telegrophenbureaus haben w den letzten Tagen so eine Unmenge von sich widersprechenden Nachrichten über den amerikanischen Eisenbahnerstreik gebracht, daß man wirk- lich nicht wußte, wie die Dinge jenseits des großen Teichs liegen. Einmal war der Streik abgesagt, einmal war er ausgebrochen, «in andermal sollte er ausbrechen. Solch« und andere Meldungen schwirrten durch die Welt. Jetzt melden verschiedene Tele- graphenbureaus, darunter auch Reuter, übereinstimmend, daß Nachrichten aus Chicago vorliegen, nach denen der Streik der Eisenbahner in letzter Stunde durch das Zu- st anbekommen einer Einigung oerhindert wurde, Das gemeinsame Komitee der amerikanischen Eisenbahnen soll sich damit einverstanden erklärt haben, daß ein« Lohnreduktion so lange nicht stattfindet, so lange die Problem« der Lebens- mittelteuerung noch nicht geregelt sind. Auf Grund dieser Einigung haben die Eisenbohngewerkschaften ihre Sekretäre telcgraphijch benachrichtigt, die Streikordex für den 30. Oktober zurückzuziehen. Generawersammlung üer Hememöearbeiter. Unkersttihungsattion für die Gasttvirfsangesielllen. Die Generalversammlung des Verbandes der Gemeinde- und Staatsarbeiter(Ortsoerwaltung Berlin) hatte eine sehr reichhaltige Tagesordnung zu erledigen. Ein Antrag, vom 1. Punkt der Tages- ordnung: s) Geschäftsbericht, b) Kassenbericht, c) Bericht der Revisoren,») und b) zu streichen, wurde mit der Beschränkung ange- yommen, nur d) zu streichen, weil der Kassenbericht gedruckt vorliege. Hierauf erstattete Polenske den Geschäftsbericht für da» 3. Quartal. Der Redner kam in seinen Ausführungen auf die wichtigsten Vorgänge im Verbände und auf dessen Tätigkeit zu- rück und berührte insbesondere auch die schwierigen Kämpfe auf dem Gebiete der Lohnbewegung, sowie die entstandenen Grenzstreitig- 'leiten. Hinsichtlich der zukünftigen Aufgaben sei zu bemerken, daß es ohne schwereKämpfebei den Bestrebungen, die Lage der Verbandsmitglieder zu verbessern, auch in der Zukunft nicht abgehen werbe. Im Namen der Revisoren beantragte Krumm, dem Kassierer Entlastung zu erteilen. Dies« wurde von der Versammlung ein- stimmig ausgesprochen. Der 2. Vunkt betraf Anträge auf Aenderung de« Orts- sta t u t s. Zwei Anträge, die dem Sinne nach verlangten, daß die Betriebsräte, ohne als Delegierte gewählt zu sein, mit Sitz und Stimme an den Generalversammlungen teilnehmen können, wurden abgelehnt. Es folgte dann die Wahl der unbesoldeten Mit- glieder der Ortsverwaltung. Das Resultat der Wahl werden wir bekanntgeben, sobald es uns vorliegt. Als letzter Punkt standen Verbandsangelegenheiten auf der Tagesordnung. Polenske brachte bei diesem Punkt den Kampf der G a st w i r t s g e h i l f e n zur Sprache und ersuchte die Ver- sammelten, die um den Bestand ihrer Organisation schwer Ringenden nach Kräften zu unterstützen. Einmütig beschloß die Versammlung, von allen Mitgliedern eine Mark zwecks Unterstützung zu erheben und den sich hieraus ergebenden Betrag von rund 83 000 Mark sofort den Streikenden zu über- mittel». Ferner wurde ein Beschluß gefaßt, der den Streikenden eine Unterstützung im weitesten Maße zusichert. Eine sehr ausgedehnte Diskussion riefen einlg« Anträge hervor, die sich auf die Feier des 9. November bezogen. Mehrere Redner sprachen sich für die Feier dieses Tages ohne Entschädi- g u n g aus und fanden bei den Versammelten lebhaste Zustimmung. Ein Antrag, der nur die Feier dieses Tages forderte, wurde mit ge- ringer Mehrheit abgelehnt. Ebenso ein anderer Antrag, den 9. November zu feiern, aber am Bußtag zu arbeiten. Es kam da- mit zum Ausdruck, daß die Versammlung willens war, sich den Be- schlüssen der Gewerkschaftskommission anzuschließen. Angenommen wurde ein Antrag, bei den gesetzgebenden Instanzen die Auf- Hebung de? Bußtages und andererseits zu fordern, daß der 9. N ovemberzumgefetzlichenFeiertage erhoben werde. Die vom Borstond bewirkte Neuregelung der Bezüge für die Ber- banbsangcstellten fand die Zustimmung der Versammlung. Zentrulverband der Maschinisten und Heizer. Verbandsvorstcnd und Beirat nahmen in gemeinsamer Sitzung zur Finanzlage des Verbandes Stellung. Die vielen und schweren Kämpfe der letzten drei Monate, welche Millionen an Unterstützungen erforderten, machten es notwendig, den Mitgliedern eine Vorlage aus Beitragserhöhung zu unterbreiten. Vorgesehen ist eine Staffelung der Beitrüge von 8,30 M. bis 8 M. in 10 verschiedenen Klassen. Mit der Beitragserhöhung ist eine wesentliche.Erhöhung der Unterstützungssätze für Streiks und bei Erwerbslosigkeit ver« bunden. Die Entscheidung wird durch U r a b st i m m u n g in den Versammlungen im Reich getroffen werden. Die Konferenz nahm Stellung zu dem in der Duisburger Schwereisenindustrie auszutragenden Kampfs. Durch die Arbeitsein st ellung von 800 Maschinisten und. Hetzern sind mehrere große Werke stillgelegt. Der Kampf dürfte in den nächsten Tagen auf andere Werke übergreifen, wenn nicht in letzter Stund« die Unternehmer ihre bisherige Einstellung einer Revision unterziehen. Die Konferenz nahm einstimmig eine Eni- schlicßung hierzu an, in der unter Hinweis auf die Forderungen auf Anerkennung des tariflichen Mitbestimmungsrechtes und der Orga- nisation als Vertrogskontrahent, Verbandsvorstand und Beirat im Namen der Gesomtorgaaisation den kämpfenden Berufskollegen ihre volle Sympathie und Solidarität erklären und versichern, diesen Kampf mit allen Mitteln und allen Kräften des Gesamtoerbandes nach allen Seiten und gegen jeden Gegner nachdrücklichst zu unter- stützen. Die Verbandsinftanzen appellieren an die Kämpfer in der Schwer- eisenindustrie, auszuhallen und den Kampf mit den schärfsten Mitteln zu führen. * Die Generalversammlung der Ortsgruppe Berlin des Verbandes nahm Ergänzungswahlen zur engeren Ortsverwaltung vor. Es schieden aus wegen Ab- Haltung durch auswärtige Beschäftigung Bär und K o s l o w s k y wegen Krankheit. Gewählt wurden S i e r i n g und Fleisch- mann. Einer von ihnen hat zugleich die Vertretung in der Ge- werkschaftskommission zu übernehmen. Für den Ausbau der bodenständigen Heizer- schule zu Berlin, einer von den Heizern schon lange er- strebten Einrichtung, bewilligt« die Versammlung aus Antrag der Ortsverwaltung 3000 M., die dem Schulausschuh überwiesen werden. Für dieOpfervonOppau wurden der Gewerkschaftskommission 1000 M. überwiesen und die gleiche Summe wurde für die Hun- geraden in Rußland bewilligt. An die Rußlandhilfe sind bereits etwa 9000 M. aus. Sammlungen abgeliefert. Alle wich- tigen Sammlungen sollen tn Zukunft per Stimmzettel erfolgen. Transportarbeiter üer Metallinüustrie. Morgen 9V4 Uhr Vollversammlung aller in der Grofz- Berliner Metallindustrie beschäftigten Transport-. Hilfsarbeiter und Arbeiterinnen in den Sammersälen, Telkower Skr. 1—4. Bericht über den» Stanö öer Lohnbewegung und Sefchlußfaffung. Verbandsausweis legitimiert. Die Seklionsleilung. lieber die Zusammenlegung der Berliner Ge- werkschaftsbibliothek referierte S i g l e. R e i n c f e l d richtete einen Aufruf an die Kollegen, be! Soli- daritätsmaßnahmen zugunsten der kämpfenden Gastwtrtsangestellten, die eventuell von der Organifations- leitung angeordnet werden, ihren Mann zu stehen. Soziales. Militärmusiker. Nachdem der R e i ch s w e h r m i n i st e r zum Schutze der Zwilbrrufsmusikcr besondere Bestimmungen erlassen hat über die außerdienstliche öffentliche Musik-rtöligkeit der Militärmusikcr, schien der alte Streit zwischen beiden Teilen beendet und der Frieden ge- sichert. Freilich nur unter der Voraussetzung, daß die Militär- kopeven nun auch die Bestimmungen beachten, die dahin gehen, daß die Ankündigungen in den Tagesblätlern in sachlicher Art zu geschehen haben und daß rcklamehafte Zusätze verboten seien. Der Unternehmer hat sich den Bestimmungen anzupassen, anderenfalls der Militärmusik die Genehmigung zur Aus- führung entzogen wird. Für die Unternehmer aber scheint die Zuziehung resp. Bevor- zugung von Militärkapellen eben deshalb zn erfolgen, weil sie be- sonder« Reklame damit machen können. Wenn nun das Musik-! karp« derHannoverfchenJäger Rr. 10, G o s l a r, zu seinen bistorilchen Welfenmärschen gar„Iagdbörner aus Schloß Sybillenort mit allerhöchster Genehmigung" mit- bringen kann, läßt stck der Unternebmer im Munsterloqer dieses, „Zugmittel" in seiner Reklame natürlich nicht entgeben, der außer i der genannten noch zwei weitere Militärtopellen(I.-R. 17 und Artl.-Regt 6, Minden) angenommen hat. 'Der Reichswehrminister scheint uns aber im Interesse seines Ansehens verpflichtet, dafür zu sorgen, daß seine Anordnungen befolgt und nicht in geradezu herausfordernder Weise mißachtet werder_% Der drohende Streik in der Vochumer Elsenindustrie. Das end- gültige Ergebnis der Abstimmung über den Schiedsspruch des Ver- treters des Reichskommissare für die Hütten- und Maschinenindustrie ergibt: 0671 Stimmen für die Ablehnung und 1619 für die Annahme. Der alte Tarif läuft bis zum 1. November. Wenn es nicht gelingt, in wenigen Tagen eine neue Vereinbarung zu er- zielen, die von beiden Selten anerkannt wird, so ist nicht nur damit zu rechnen, daß auch das Stahlwerk des Bochumer Vereins, das bisher noch weiter arbeitete, llillgelegt wird, sondern daß auch andere Betriebe der Hütten- und Maschinenindustrie am 1. November zum Streik kommen.__ Mus aller West. Stinkbombenkampf. Lord Derby iollle in der Londoner Central- ball« vor den Unionisten sprechen. Kommunisten verhinderten die Bersammlung. Stinkbomben wurden von den Galerien geschlendert, und nach 20 Minuten vergeblicher Versuche, die Ordnung herzu- stellen, mußie der Vorsitzende die Beriammluna schließen. Auch Frauen beteiligten sich in großer Menge an diesen Kundgebungen. Die Produktivgenosienschaften der Bauarbeiter. Im April d I. haben sich die Bauhütten für Rheinland und Westfalen zu einem Betriebsverband, Sitz Dortmund, zusammen- geschlossen. Dieser Verband erstreckt seinen Wirkungskreis nicht, wie der Name vermuten läßt, über die ganzen Provinzen Rheinland und Westfalen, sondern umfaßt nur das Ruhrkohlengebiet und die Bezirke Hagen und Münster. Düsselovrf, Krefeld usw. gehören schon nach Köln und Bielefeld nach Hannover. Im Bezirk des Ber- bandes bestehen soziale Baubetriebe in Bochum, Buer-Gladbeck, Dortmund, Essen, Gelsenkirchen, Hagen, Münster und Witten. An- geschlossene Malereigenvssenschaften befinden sich in Essen, Hagen und Hamm. In den 8 Baubetrieben waren am 31. Juli 939 Ar- beiter und Angestellte beschäftigt, das sind durchschnittlich 10S Personen auf einen Betrieb. Bei den Malereigenossenschaften stehen 34 Gehilfen in Arbeit. Für 30 Millionen Mark Aufträg« befinden sich augenblicklich in der Ausführung, während 13 Millionen noch der Erledigung harren. Bis zum 31. Juli d. I. sind von den Bau- Hütten Neubauten für 794 Wohnungen übernommen. Mit Fug und Recht kann behauptet werden, daß die sozialm Baubetriebe sich durchgesetzt haben. Je mehr Arbeiten zur Ausführung gelangen, desto mehr wächst das Vertrauen der Auftraggeber. Wenn so die genügend fundierten und gutgeleiteten sozialen Baubetriebe sich ausgezeichnet entwickeln, so hat die.Soziale Bau- Wirtschaft", die Zeitschrist des Verbandes sozialer Baubetriebe, um so mehr recht, vor der Gründung solcher Produktiogenossenschaften zu warnen, wenn weder die nötigen Betriebsmittel noch.eine ge- eignete technische und kaufmännische Leitung noch ein tüchtiger Ar- beiterstamm vorhanden ist. Der Vorstand des Deutschen Bau- arbeiterverbandes hat feine Orts- und Bezirksoereine aufgefordert, auf die Gründung sozialer Baubetriebe ein wachsames Auge zu haben, damit nicht ungesunde Gründungen den Ruf der großen Sache schädigen. ?erantw. für den redakt. Teil: Dr. Weener Peisee, Eharlottenbura: fllr An- zeigen: Tl>. Stocke, Berlin. Verlag Vorwiirts-Nerlag s. m. b. H., Berlin. Druck: Borwärts-Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer u. To., Berlin, Lindenstr. 3. Gewinn-Auszug der 18. Preuß.-«üdd.(244. Preutz.) Klassen-Lotterie 5. il lasse. 13, Ziehung« tag. 28. Oktober 1921 atuf\tbt gezogene 0! um»irr sind zwei gleich hob»«vewlnne gesaden, und zwar l» einer aus die Los- gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II Ohne G-wichr. «achdruck«erböte» ZS«0 40000 4« ITT 48277 48697 69435 68872 68167 64022 64934 76843 77726 76177 79664 81648 88363 92163 92927 86366 100760 In der Vormittag«, lehung wurden Kewumr wer«9« Mark 1 zn lf000 M 212400 12 za 6000 il 71364 78996 220819 278476 463902 994091 112 za 3000 II 4530 6026 10182 16144 18007 16839 2 151 46266 46644 60246 81246 63181 59740 74200 76734 76980 81833 97649 99434 100204 104693 105612 111412 123349 123367 182310 133373 140067 1420«4 146233 147291 148849 148516 177368 177834 186173 168262»6168 202400 203821 206994 207992 220800 229513 246792 247408 268143 261604 263697 264788 274773 276569 277716 284042 287670 266696 372 za 1000 M 48 687 3636 3677 4642 6644 6946 644» 6720 11082 11627 14337 14872 17663 17661 20601 24667 26240 26686 27060 27715 30161 30298 32184 34029 34802 49531 60 48 64958 66395 66467 66867 66644 70658 70345 72186 73382 75266 81969 84499 89666 87902 68640 89112 101193 102067 106444 108209 108864 112293 112682 113516 118908 116821 120901 121362 321716 122105 124766 12666» 126018 126371 126664 127800 128165 130295 130663 133407 134421 134487 134647 184803 186647 187157 137664 138113 143380 144301 146416 14871« 163676 164207 166169 187491 168468 166079 161661 166224 106240 166764 168727 188848 168487 108847 171097 171602 174812 178369 180220 180713 181018 183473 18347« 186802 188082 188633 189366 190604 191909 193962 196034 196466 197486 1994�0 203029 213064 214076 218402 218970 220828 228804 231002 231622 282181 233860 236361 236743 240781 240873 24278« 243274 246348 246629 246306 24709 L 248640 248630 280878 26.690 262729 266000 266064 266724 267868 267860 267902 269768 263610 263944 265689 266846 271446 271449 273672 87.881 276677 276766 282761 28.864 283280 23463» 286300 286360 292466 186447 297584 In der Nnchmittagiziehung wurden Sewvme üb« 490 Raa gezog«: 2 zu 40000 il 262264 6 za 10000 M 66327 138361 231083 20 za 6000 II 7468 7683 17726 48778 67888 120684 126776 200112 265183 265416 124 za 3000 M 29684 32071 38334 40973 69182 61481 81703 82965 63149 63909 64498 64613 64746 66619 66078 68288 88666 74643 76262 76418 70239 89027 91674 93214 94968 99772 104887 108090 113842 120677 124009 162348 176078 179668 183730 190181 187914 208449 211608 213398 214330 216419 219920 223007 236814 237744 238037 242146 24.370 244473 248460 2.6490 247604 266833 263302 270862 278036 280278 281303 283684 28.448 292142 366 zu 1000 U 2660 2772 7712 8826 10367 10803 11603 11863 1346» 13621 13580 16661 16276 18173 1878» 20032 20650 21783 25873 30281 31184 31246 33772 3378» 34781 34786 86121 38307 80808 37236 37476 89118 40907 46191 4868? 47806 49689 61448 62420 68780 88028 69090 01198 01894 8174» 88410 86824 86780 66837 67802 08636 88807 89607 80912 70860 71210 72131 72300 74082 75193 78291 77880 79678 83806 83863 88809 89611 97433 93872 100444 101413 102272 103059 106000 108876 107602 110565 111227 111823 114808 116«04 118830 119938 120328 1.2647 123608 127910 127617 136044 130277 142444 143748 146222 146662 161171 16«0 162687 160868 104325 107208 187339 185286 168608 173043 173828.73867 173963 1768.1 176244 178620 180693 163329 188647 183697 186607 192026 10.823 193668 194842 197861 166626 200077 202389 202674 305.80 208224 207466 207768 308467 208651 213422 216266 216794 216236 '224654 326643 226336 220103 220533 226645 328365 233058 236960 238138 333738 241607 243101 344905 248328 24740» 248628 264572 268400 258467 289845 268801 281112 203:01 283482 283568 203840 267163 287643 268445 270384 372398 273295 274048 274193 276643 279352 280884 381126 281476 28.876 38.382 283203 283890 285586 286394 287210 289331 289768 291840 294564 285894 2605.9 267805 268532 289103 290438 296578 299942 Tie Iii dem vorftehenden lSewinn-ÄuSzug nicht«»lhalten«» niedrigeren lsrwtnne sind au« den Ikiften»u«riehen, vi« bei den staatlichen Lottcrie-Einnehmern zur uncutgeldlichen Tiusicht »»«liegen.' einmal aemobt— immer gelabt. 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