Nr.S?Z �3S. Jahrgang Busgabe A Nr. 259 Bezugspreis t Di dcnkens schwächlich im Stich. Und dennoch zweifle ich nicht daran, daß auch wir eines Tages wieder gebraucht werden— nicht als Borkämpfer des Kopitalismus, wie der„Vorwärts" uns gern bezeichnet. Ueber die„deutsche Treue" der deutschnationalen Mannen gegen Ehrhardt kann nur erstaunt sein, wer diese Gesellschast nach ihren Worten anstatt nach ihren Taten beurteilt. Aber wie sollen die Deutschnationalen sich auch für Herrn Ehrhardt einsetzen, wenn er so unvorsichtige Wahrheiten ausspricht, wie z. B. die, daß die Regierung K a h r in Bayern durch den Kapp-Putsch ans Ruder gekommen ist?! Diese deutschnationalen Nibelungen- Helden halten es trotz allem mit Heinrich Heines Vers:„Blamier mich nicht, mein schönes Kind, und grüß mich nicht Unter den Linden.. Lenins wanSlung. Wir veröffentlichten vor einigen Tagen eine Unterredung mit Litwinoff. Der russische Gesandte gab mit einer Osien- heit, die wenig zu wünschen übrig ließ, den Bankrott des Bolschewismus zu. Kurz darauf hielt Lenin auf dem 2. Kon- greß für politische Aufklärung eine Rede, die nach den ersten dürftigen Meldungen aus einen noch schärferen Bruch mit den bisherigen bolschewistischen Methoden hinzudeuten schien. Nach einem Bericht der„Dena" veröffentlicht die Sowjetpresse aus der Rede u. a. folgende Einzelheiten: .jedermann siebt, welch scharfe Schwenkung die Sowjetregie- rung und die kommunistische Partei durch den Uebergqng zur neuen Wirtschaftspolitik vollzog, die ihrem Wesen nach mehr Altes enthält als unsere bisherige Wirtschaftspolitik. In unserm neuen Wirt- schaftssystem tritt an die Stelle der Requisition die Naturalsteuer. Die Konzessionserteilung an ausländische Kapitalisten und tapita- listische Pächter ist gewissermaßen eine Wiederherstellung des Kapitalismus. Es handelt sich nur darum, wem die Bauernschaft folgen wird, dem Proletariat, das den Aufbau der sozialistischen Gesellschaft erstrebt, oder dem kapitalistischen Leben, das an sich einfacher ist. In diesem Kampf muß die proletarische Regierung eine wirtschaftliche Verbesserung der Lebenslage der Be- völkerung anstreben und sich auf das parallel mit der Wiederher- stellung der Industrie wachsende Proletariat stützen. Nun entsteht die Frage: Wird es den Kapitalisten eher gelingen, sich zu orzani- stercn und werden die Kommunisten versagen, oder wird sich die proletarische Regierung, gestützt aufdie Bauernschaft, fähig erweisen, die Kapitalisten in gehöriger Distanz zu halten, um einen dem Staat untergeordneten, ihm dienenden Kapitalismus zu schaffen? Dieser Kamps wird schwieriger, rücksichtsloser sein als der gegen Kol- tschak und Denekin. Jetzt tritt der Feind nicht offen auf, sondern ist unsichtbar in unserer Mitte. Um zu siegen, müssen wir die Klein- bauern organisieren, ihre Produktivkräfte entwickeln und sie mit unserer Macht stützen, oder die Kapitalisten werden die Klein- bauern von sich abhängig machen. Davon hängt der Ausgang des Kampfes ab. In unserm verarmten Land« ist der Kampf zwischen dem kommenden Sozialismus und der kapitalistischen Entwicklung eine Frage auf Leben und Tod, die uns keine Sentimentalitäten ge- stattet. Die russischen Kapitalisten, die ausländischen Konzessionäre und ihre Pächter werden jetzt 100 Proz. Gewinn einstreichen. Laßt sie sich bereickjern, dvch lernt von ihnen wirtschastcn, denn nur so werdet Ihr eine fähige kommunistische Republik errichten. Diese Lehr- zeit ist schwer und hart, doch es gibt keinen anderen Aus- weg, denn die Technik der Großindustriellen ist übermächtig. Die Zeiten der Manifeste und Dekrete sind vorüber. Run müssen wir politische Erfahrung erwerben und p taktisch arbeiten. Entweder sind die politischen Errungenschaften der Sowjetmacht dem Untergange geweihh oder wir müssen ihnen eine sichere wirtschaftliche Grundlage geben. Auch müssen wir ein bestimmtes Bildungsniveau erreichen, damit unser Land erfolgreich gegen die traditionellen Uebel Ruß- lands: Bureaukratie und Bestechlichkeit kämpfen kann. Drei hauptfeinde sind zu bekämpfen: Die kommt t.isiische Eitetkcii. der Glaube, durch bloße Herausgabe low unistifcher Dekrete alles lösen zu können, ohne den Inhalt der Dekret- im Leben je zu verwirklichen: die Unwissenheit und die Bestechlichkeit." Lenin packt hier die üebel des Bolschewismus an der Wurzel. Es sind die Uebel, die die Sozialdemokratische Partei stets bekämpft hat. Sie wurde deshalb Verräter an der Sache der Arbeiterklasse und Verräter am Sozialismus geschimpft. Ist auch Lenin ein Verräter? Die Wege, die Lenin ankün- digt, um zu einer ernsten sozialistischen Aufbauarbeit zu kommen, geht die Sozialdemokratische Partei Deutschlands bereits seit der wahnwitzigen Spaltung der Arbeiterklasse. Die Sozialdemokraten wurden deshalb als Kompromißler ver- schrien. Ist auch Lenin ein Kompromißler und gibt es eine andere Ppkitik. die?um Ziele führt? Wenn man dieso Frage verneint, dann bobü-">'• TazisKemokratische Partei recht. iiußiand selbst ist weniger die Rede Lenins aus- Für Rät besitzt, um mit seinen drei Hauptfeinden auch wirklich ab- rechnen zu können. Lenins innere Wandlung ist feit geraumer Zeit bekannt. Sie konnte keine Folgen zeitigen, weil die Vabangue-Spieler in Sowjetrußland alle politischen Reformen zu verhindern wußten. Die Politik der Gemalt und Voraussetzungslosigkeit. die Lenin zu seinem ersten Staats- grundfatz machte, ist heute sein größter Feind. Sie hat eine Atmosphäre der Korruption, des Mißtrauens, der Unlust und der Unzuverlässigkeit geschaffen, deren Reinigung aus große Schwierigkeiten stoßen muß. Der Mangel an einer klaren und zuverlässigen Gerichtsbarkeit und der furchtbare Druck, der auch auf allen denen lastet, die sich zwar nicht der Kommunistischen Partei anschließen können, es aber im übri- gen mit dem Aufbau der Sowjetrepublik ernste? meinen als mancher Kommunist, zwingen einen großen Teil der russi- schen Intelligenz, sich dem politischen Leben fernzuhalten. Auch hier hat die kommunistische Diktatur versagt und nur die Demokratie kann Wandel schaffen. Bemerkenswert ist es, daß Lenin sich in seiner Rede vor allem an die Bauern wendet. Die Bauern haben sich dem Zwang der Sowjetkommissare und Dekrete om erfolgreichsten widersetzt. Sie sind trotz aller Mißernten heute das w i r t- f ch a f t l i ch st ä r k st e Element in Sowjetrußland. Sollt? Lenin die Zeit für gekommen hatten, den Schritt von der Diktatur des Proletariats zur Bauerndemokratie zu wagen?__ Die Steuern im ReichsWirtfchaftsrat. Der vorläufige Reichswirtschaftsrat befaßte sich gestern zunächst mit den drei Vermögenssteuern. Der Bericht des Reparationsausschufles über das Vermögens- steuer. und Vermögenszuwachs st euergefetz findet ein- st i m m i g Annahme. Der Bericht über die Steuer vom Ver- mögenszuwachs aus der Nachkriegszeit wird im Hammelsprung mit SS gegen 63 Stimmen gegen eine starke Minder- heit der Arbeitnehmer abgelehnt. Zu dem Bericht des Reparationsausschusses über die Er- hLhung einzelner Verbrauchssteuern befürwortet Be- richterstatter Bälllein namens des Ausschusses die Annahme der Regierungsvorlagen über die Leuchtmittelstsuer, Zündwaren-, Bier- und Mineralwassersteuern. Die Zündwarensteuer wird auf dos Doppelte, die B i e r st e u e r auf das Vierfache des bisherigen Steuersatzes erhöht. Aus der bisherigen Abgabe auf Auslands- Zündhölzer werden dem Reiche 15 Millionen überwiesen zwecks Vermeidung einer Nachbcstel'erung.. Der Ausschußbericht wird ein- stimmig angenommen, die Beratung der Kohlensteuer ver» tagt. Bei Beratung der Z o l l e r h ö h u n g e n führt Bästlein aus: Der Ausschuh stimmt der Erhöhung für Kaffee, Gewürz, Schokolabe zu, hat aber den Zoll für Kakao herabgesetzt. Die Er- mäßiaung des Kasfeezolls wurde vom Ausschuß abgelehnt mit der Begründung baß» Sosfee ein Luxusg-nußmiiiel sei. Mit der Erhöhung der Jndustriezölle hat sich der Ausschuß trotz starker Bedenken einverstanden erklärt, weil das System des Zoll- tarifs durchbrochen wird. Er empfiehlt daher Beschleunigung der Revision des Zolltarifs. Die Arbeitnehmer bean- tragen eine Zollerhöhung für Kaffee, Kaffoeschalen nur auf 160 M. für den Doppelzentner. Nach längerer Debatte wird der von Adolf Cohen unterzeichnet: Antrag auf Ermäßigung des Kaffeezolls mit großer Mehrheit angenommen. Mit dieser Aenderung wird ciMj der Ausschußvorschlag angenommen. Beim Ausschußbericht sür die B er s i ch e r u n g sft« u« r be- merkt Munzel(Arbeitnehmervcrtreter des Verstcherungewefenstt Noch der eingetretenen Geldentwertung hätten Versicherungen ppn mindestens 60 000 bis 60 000 M. von jeder Steuer freibleiben müssen. Redner befürwortet einen Antryg euf Heraussetzung der steuerfreien Versicherungssumme aus 30 000 M. und der steuerfreien Jahresrente auf 3060 M., sowie aus Freilassung aller Lebensoersicherungen von der Besteuerung, die nach dem Gesetz von der Mitgliedschaft zur Angestelltenversicherung befreien. Ein Antrag auf Steuerbefreiung her Feuer-, Hagel- und Vieh- lebensversicherung wird nach Einspruch Tornows(Holzarbeiterver- band) abgelehnt, die Anträge Schmidt, Munzel und Grün- feld werden angenommen: mit diesen Aenderungen auch der Ausschußbericht. Die Kraftfahrzeug st euer findet nach den Ausschußopr- schlä-en Annahme. In der gestrigen Sitzung oes Vorläufigen Reichswirtschaftsrats erklärte der Staatssekretär im R e i ch s f i n a n z m i n i st e- r i u m Zapf, daß die Reichsregierung an den Steuer- vorl'agen, wie sie dem Reichstag am 23. Oktober vorgelegt worden sind, festhalte. Lediglich die K o h l e n st e u e r mußte zurückgestellt werden, weil mit Rücksicht auf den Beschluß des Reichskohlenratcs eine Nachprüfung dieses Entwurfes sich als net- wendig crwiefen hatte. 553$7 5 Stimmen wurden jüngst bei den Stadtverordnetenwahlen für die alte Sozialdemokratische Partei abgegeben. Nur ein Teil dieser unserer Anhänger liest den„Vorwärts". Sic bleiben auf halbem Wege stehen! Die Partei, die Du wähltest, die für Dich eintreten soll, auf deren Wirten Di, Deine Hoffnungen setzt, braucht eins ständige Bcrbindung mit Dir. Sie wird durch die Zeitung, durch den„Vorwärts" hergestellt. Du mußt ihn lesen, er ist ja das Blatt, das D e i n c Interessen vertritt, das D i ch, den Wähler der Sozialdemokratischen Partei, unter- richten will und soll. Es ist für D i ch da. filso laß den„vorwärts" ins tzaus. Nachstehender Bestellzettel ist auszufüllen und an die Hauptgeschäftsstelle des„Vorwärts", Berlin SW. 68, Linden- straße 3, einzusenden. Ich abonniere den„Vorwärts" mit der illusirieiten Sonntagsbeilage„Volk und Zeit", der Unterhaltungsbeilage „Heimwelt" und der 14tLgig erscheinenden illustrierten Beilage„Siedlung und Kleingarten" in Groß Berlin täglich zweimal frei ins 5)ous für 12 M. pro Monat November. Name Wohnung: -- Straße Nr- > vorn Hsf—— Seil jist.— Tr. lm's— rechts GewerGhQstsbewegung Mehrleistung ohne Lohnerhöhung! Die„Deutsche Arbeitgeber-Zeitung" hat endlich den Ausweg entdeckt, der aus dem Kreise herausführt, Erhöhung der Lebens- mittelpreise, deshalb Lohnzulagen: weil Lohnerhöhungen, Er- höhung der Preise. Wenn der Leitartikler des Scharfmacherblattes auch nur einmal die Nase in die Gewerkschaftspresse hineinsteckte, dann könnte er nicht immer wicver mit dem Vorwurf kommen, die Arbeitnehmer wollten nicht einsehen, daß ihnen mit Lohn- erhöhungen nicht gedient ist, wenn und solange die Berechtigung zu ungerechtfertigten weit höheren Preis- steigerungen der Lebensmittel daraus abgeleitet wird. Würden sich die Lebensmittel- und Warenpreise auch nur um den Betrag der jeweiligen Lohnerhöhungen erhöhen, dann würde zwar dem Arbeiter mit der Lohnerhöhung auch nicht weiter gedient sein, doch könnten wir auf diese Weise zu einigermaßen stabilen Ber- Hältnissen kommen. Allein dem Arbeiter wird als Konsument stets weit mehr wieder weggenom- msn als das was er in Gest alt von Lohnzulagen mit Mühe und Not bekommen hat. Das Unternehmerorgan aber predigt dem Arbeiter, daß er jede Lohnerhöhung obendrein durch eine ent- sprechende Erhöhung seiner Arbeitsleistung zu quittieren habe. Gesetzt den Fall, die Arbeiter eines Betriebes be- folgen diesen guten Rat und strengen sich an, soweit als irgend- möglich. Sie erreichten damit wohl eine bessere Rentabilität des Betriebes, eine Steigerung der Dividenden, beileibe aber keine Verbilligung ihrer Lebenshaltung. Und ihre Lebenshaltung müßte schon etwas besser sein, sollten sie schuften, anstatt arbeiten. Gewiß, wenn es der Gesamtheit der Arbeiter- und Angestell- tenschaft möglich wäre, auch nur einen Monat lang den Schwächt- ricmen noch enger zuschnallen, dann könnte es vielleicht da- hin kommen, daß die Lebensmittelpreise insgesamt im Preise ein wenig zurückgehen. Doch schon die Boraussetzung ist nur thevre- tisch denkbar, in der Praxis einfach ein Unding. Es gibt gewiß viele Gründe für die Behauptung des Blattes, der Arbeitgeber habe das größte Interesse an einer zufriedenen Arbeiterschaft. Nur die Begriffe über die„Zufriedenheit" gehen etwas ausein- ander. Richtig ist zweifellos der Satz:„Eine Besserung der materiellen Lage der Arbeitnehmer kann nur durch Verbilligung der Waren eintreten." Doch ist es eine Unverschämtheit sondergleichen, die nur in der totalen Unkenntnis der gegenwärtigen Lebenshaltung der Arbeiter und Angestellte» eine gewisse Entschuldigung finden könnte, wenn im Anschluß an diesen Satz behauptet wird:„Bei den Inlandwaren ist hierfür Mehrleistung ohne Lohnerhöhung in jedem Stadium des Herstellungsprozesses erforderlich." Umgekehrt besteht sehr wohl die Möglichkeit für das Unternehmertum, eine Herabsetzung der Lebensmittelpreise für die Dauer eines Monates etwa ohne Lohnkürzungen herbeizu- führen. Dann würde die Arbeiterschaft ohne weiteres in eine ent- sprechende Lohnkürzung einwilligen können, weil die Lebensmittel- preise niedriger sind. Mit der Verteuerung der Lebensmittel- preise wurde der Anfang der Lohnerhöhun- gen gemacht. Mit der Verbilligung der Lebens- mittelpreise muß daher auch der Anfang ge- macht werden zur nominellen Verringerung der Löhne. In einer Zeit, in der das Unternehmertum nicht weiß, wohin mit seinem Dividendensegen, dem Arbeiter Mehrleistung ohne Lohnerhöhung anzusinnen, das ist der Gipfel, bis zu dem sich das Scharfmacherdlatt versteigen kann. Es will den Achtstundentag beseitigt wissen, ohne Lohnerhöhung, ohne Verbilligung der Lebensmittel- preise, die ihm nebensächlich ist, was sein Eintreten für den„Abbau der Zwangswirtschaft" deutlich genug erkennen ließ. Der Streik im Hastwirtsgewerbe. Die Ausgesperrten nahmen gestern in 11 überfüllten Versamm- lungen den Bericht über die letzten Verhandlungen und die Lage entgegen. An der lebhaften Aussprache, die sich fast nur mit der unehrlichen, hinschleppenden Taktik dex Unternehmcrorgonisationen beschäftigte, beteiligten sich Z i s k a von den Metallarbeitern, Ortmann von den Transportarbeitern, Vollmer- Haus und K i t t l e r von der Berliner Gewerkschafts- k o m m i s s i o n. Unter allgemeinem Beifall wiesen sie auf die nun- mehr einsetzende, wesentlich stärkere praktische Hilseder Ber- liner Arbeiterschaft hin. In ollen Versammlungen wurde einstimmig folgende Entschließung angenommen:„Die Versammel- ten geloben nach Kenntnisnahme der Sachlage, unerschütterlich im Kampfe auszuharren und diesen solange durchzuführen, bis das bru- tale Unternehmertum gezwungen ist, dem Willen der Ausgesperrten und Streikenden Rechnung zu tragen." » Der Genfer verband, dem nachgesagt wird, er habe sich abge- sondert und mache den Streik nicht mehr mit, tritt diesen falschen Berichten mit folgender Erklärung entgegen: Der Genfer Verband sieht in Berlin'eine gewerkschaft- liche Interessenvertretung i m Zentralverband der Hotel-, Restaurant- und Cafeange st eilten. Er vertritt als„Fachoerband" nur ethische, kulturelle und fach- liche Interessen und sieht seine vornehmste Aufgabe in der Aus- und Fortbildung der Berufskollegen. Aber auch die Mitglieder des Genfer Fachverbandes sehen in der Einführung des Prozent- systems(Bcdicnungsgeld, das vom Gast zu erheben wäre) nichts anderes als eine Abwälzungder Entlohnung vom Un- ternehmer auf den Gast und können eine solche Entlohnungs- art niemals befürworten, weil sie nichts anderes als ein verkapptes Trinkgeld vorstellt. Alle gegenteiligen Meldungen der bürgerlichen Presse sind aus der Luft gegriffen und geeignet, das Publikum und einen Teil der urteilslosen Kollegen irrezuführen. * Der BS.-Korrespond«nz wurde von unterrichteter Seite mit- geteilt, es bestehe viel Wahrscheinlichkeit dafür, daß die Gast- wirte sich nunmehr mit dem erweiterten Vor- schlag des Assessors Körner einverstanden er- klären werden.— Heute nachmittag sollen die Verhandlun- gen im Oberversicherungsamt fortgesetzt werden. Tarifverhandlungen der städtischen Angestellten. Bei den Verhandlungen am Freitag über den Tarif der. An- gestellten der städtischen Werke vor dem Schiedsgericht des Reichs- arbeitsministeriums wurde in stundenlangen Besprechungen die Frage behandelt, ob das sogenannte Sperrgesetz vom Juni 1320 auf die städtischen Angestellten zur Anwendung gelange. In diesem Gesetz ist das Verbot enthalten, Staats- und Kommunalbeamte höher zu bezahlen als Reichsbcamte. Die Auffassung des Oberpräsidentsn und des Berliner Magistrats, daß dieses Sperrgesetz hier berück- sichtigt werden müsse, wurde von den Angestelltenorganisationen aufs heftigste bekämpft, mit dem Hinweis, daß ein vom Demobilmachungs- kommisiar für verbindlich erklärter Schiedsspruch des Schlichtungs- ausschusies Groß-Berlin diese Frage bereits im Sinne der An- gestellten entschieden habe Nach längeren Verhandlungen fällte das Schiedsgericht einen Teilschiedsspruch, wonach das Sperrgesetz auf die städtischen Angestellten nicht zur An wen- d u n g kommt. Mit dieser Entscheidung war der Weg für die eigentlichen Tarifverhandlungen freigemacht. Beiden Parteien wurde empfohlen, in direkten Verhandlungen zu einer Annäherung zu ge- langen. Die Verhandlungen vor dem Schiedsgericht wurden gestern fortgesetzt. Falls eine gütliche Verständigung zwischen dem Ma- gistrat und den Angestellten nicht zustande kommt, soll ein end- gültiger Schiedsspruch gefällt werden. Protest der Eisenbahner. Die Betriebsversammlung der Eilenbahii-Hauptwerkstatt Berlin 2 nahm Stellung zu den G o ß I a r e r Richtlinien und der neuen Arbeitsordnung, welche im Entwurf vorliegt.. Kollege Jentsch erläuterte in fast zweistündigem Referat diese beiden Machwerke der Eisenbahnverwaltung. Während des Referats sowie in der Aussprache brachten die Versammelten ihre Entrüstung darüber zum Ausdruck. daß man der Eisenbahnerschaft zumutet, unter solchen Zwangs- Paragraphen zu arbeiten. Folgende Resolution wurde einstimmig angenommen: Die zirka 2000 versammelten Arbeiter der Eisenbahn-Hauptwerkstatt Berlin 2 nahmen in der Betriebsversammlung am 2S. Oktober 1921 im überfüllten Saal der Viehhofbörse mit Entrüstung KeniUniS von den Maßnahmen der Verwaltung. Insbesondere von den Goßlarer Richtlimen, der neuen Arbeitsordnung und Beschneidung der Rechte der Betriebsräte. Die Versammelten erheben den schärfsten Protest gegen die Machenschaften der Eisenbahnverwaltung. Sie beauf- tragen daber ihre Betriebsräte, bei den zuständigen Organisationen dahin zu wirken, daß diese Zwangsparagraphen nicht zur Durch« führung gelangen. Die Versammelten geloben auch, im gegebenen Falle geschlossen hinter ihren Organisationen zu stehen. Abkommen in der Berliner Metallindustrie. Die mit dem Verband Berliner Metallindustrieller einerseits und dem Deutschen Metallarbeiterverband resp. dem Metallkartell andererseits geführten Verhandlungen auf Grund des Tarisver« träges sür die Berliner Metallindustrie vom b. Mai 1921 sind am Sonnabend, den 29. Oktober, zum Abschluß gelangt. Das Metallkartell hat seine Zustimmung zu den ver- einbarteu Sätzen gegeben. Die Veröffentlichung des Abkommens erfolgt, sobald die beiderseitigen VerHand- lungSkommiisionen redaktionell alles geregelt haben. Bericht über die stattgefundenen Verhandlungen erfolgt in den Vertrauensmännerkonferen�en. Zu diesen Vertrauensmännerkonfe- renzen haben die Betriebsräte und die Delegierten der Generalversammlung Zutritt. Die Ortsverwaltung. SPD.- Metall« rbeiter-Vertrauensleuie. Wichtige Konferenz am Montag abend 6 Uhr»Sophiensäle�, Sophiensir. 18. Partei« und Verbandsbuch legitimiert. Der Fraktionsvorstand. Graphisches Gewerbe! Die Kollegen der Buchdruckmaschinen-Reparatur-WerksiStten sind am 28. Oktober in Streik getreten. Wir ersuchen die Betriebsräte und FunktionärederBuchdruckereien darauf zu achten, daß alle Monteure fauch auswärtige, sowie alle Hilfskräfte, falls sie irgend welche Reparaturen oder Neu-Montagen ausführen) mit einer von der Streikleitung ausgestellten Ausweiskarte versehen sein müsien. Die Streikleitung befindet sich„Dresdener Gesellschafts- hauS", Dresdener Straße 116. Deutscher Metallarbeiterverband. Graphische Arbeiter und Arbeiterinnen Grost-Berlins! Sitzung des AktionSauSschnsieS und sämtlicher Funktionäre der Richtung Amsterdam am Dienstag, den 1. November, abends 6 Uhr, im Restaurant Kannenberg u. Wegener, Alte Jakobstr. 64. Tages- Ordnung wird in der Sitzung bekanntgcmacht. Pflicht aller Funk- tionärinnen und Funktionäre ist eS zu erscheinen, da wichtige Angelegenheiten besprochen werden. Parteibuch und Funktionär« ausioeis legitimiert. Aktionsausschuß der graphisch. Arbeiter u. Arbeiterinnen Groß-Berlin» lRichtung Amsterdam). Berantw. für den redakt. Teil: Dr. Werner Peiser, Tharlottenbnrq: für An» zeigen: Th. Slocke, Berlin. Verlag Bornjiirts.Verlag®. m. d. H., Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckereiu.VerlagsanIlalt Paul Singer u. S»., Berlin, Lindenstr. Z. Hierzu 3 Beilagen. Sind Lun�enleiden heilbar? Bei Asthma, Lungren. n. Keblkopttuberkalase, Schwindsucht, Lungen- spitzen. Katarrh, veraltetem Husten, Verscblelmung, langbestehender Heiserkeit lese jeder die Broschüre mit ooigem Titel. Der Verfasser, Herr Dr med Quitmann, Chefarzt der FInsenkuranstalt zeigt darin in volksverständlicher Weise natürliche Wege zur Beseitigung dieser schweren Leiden. Jeder Kranke erhält diese Broschüre auf Wunsch vollständig umsonst Man schreibe ""karte an5' kMmAU,& Co., Berlin 224, MBggelstr. 25a. Z ahne 4 u. 7 JKIh. mit Triedenshantsehnk 5 Jahre schriftl. Garantie. Zahnziehen mit Betäubung bei Bestellung von Gebissen gratis. Kronen v. 30 Mk. an. Spez.: Zähne ohne Gaumen. 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Die großen, von den Künstlerorganisationen veran- stalteten Ausstellungen haben dank des sie beherrschenden Cliquen- wesens solche Erfolge in der Regel nicht aufzuweisen. Ein weiterer Vorzug der juryfreien Schau ist die erzieherische Wirkung, die sie auf das Publikum ausübt. Die Besucher wissen, daß sie hier nicht bevormundet werden, da keine höhere Instanz ihnen sagt: was ihr zu sehen bekommt, sind Kunstwerke von Qualität. Die Besucher verlieren daher aus der einen Seite das Gefühl der Sicherheit, auf der anderen wird ihr natürliches Oppositionsbedürfnis wesentlich eingeschränkt. Es dämmert das Bewußtsein eigener Vcrant- wortung für die mehr oder weniger temperamentvoll geäußerten Urteile. Roheiten und� Albernheiten, wie man sie aus anderen großen Ausstellungen häufig zu hören bekommt, werden hier nur selten laut. Ganz ohne Jury ist freilich auch diese Schau nicht zustande gekommen. Die Beteiligung stebt jedem frei, aber das Arrange- ment liegt in den chänden einer Kommission, die näch ihrem Urteil bemüht ist, durch Anordnung und Placierung die Spreu vom Weizen zu scheiden, Zusammenstimmendes zu vereinigen und System ins Tanze zu bringen. In den wenigen chauptfälen ist das untergebracht, über besten künstlerischen Wert ein Zweifel nicht be- stehen kann. Die Frille der Nebenräume beherbergt den Dilettantis- mus und die offensichtliche Impotenz. Es finden sich da Schreckens- kammcrn, in denen vom süßlichen Kitsch bis zum mißverstandenen Expressionismus alle Greuel der Marktproduktion vertreten sind. Ich halte es nicht für richtig, daß Künstler von anerkanntem Ruf die juryfreie Ausstellung beschicken. Sie können nicht zurück- gewiesen werden, aber sie sollten sich selber sagen, daß ihr Erscheinen dem Zweck der Veranstaltung widerspricht. Es fei denn, sie hätten sich von einer neuen Seite zu zeigen mit Werken, die bei anderen Ausstellungen abgelehnt werden. Das trifft bei den hier vertretenen Arbeiten von Willi I a e ck e l, Waste D i x u. a. nicht zu. Etwas anders liegt die Sache bei S ch m i d t- R o t t l uf f, der in Zimmer 21 eine Schar von jüngeren und jüngsten Berliner Künstlern um sich vereinigt, wodurch eine ganze Richtung in ihren inneren Zusammenhängen sowie in ihrem Ausgangs- und Gipfelpunkt beut- lich wird. Man sieht, wie die elementare primitive Exotik Schmidt- Rottluffs im Schaffen ernster und begabter, aber weniger urwüchsger Künstler eine kunstgewerbliche Note annimmt, wie die eruptive Leiden- schaft eines ganz Großen mit klugem Verständnis und kultiviertem Geschmack in leichtere Münze umgeprägt wird. Nicht als ob etwa die Werke von W. R. H u t h oder M. S ch w i ch t e n b e r g an sich nicht vollgültig wären. Die energisch gezimmerten düsteren Bild- flächen, in die krnth seine Fischer, chirten und Landarbeiter faßt, die strengen Liniengerüste der Frau Schwichtenberg und ihr farbig sehr feines und originelles Blumenstilleben zeugen von Kraft und Eigenart— aber die ganze Richtung ihres Schaffens tendiert zum Kunstgewerblichen, die Gemälde sprechen stark und eindrucksvoll, zu unseren Sinnen, aber sie wühlen nicht das Innerste der Seele auf. Es kann sich aus dieser Richtung, die bewußt oder unbewußt auf die meeresticfe feierliche Gefühlskunst Schmidt-Rottluffs zurückgeht, eine Art„Monumentalität für den Alltag" entwickeln, die zweifellos auch ihre Berechtigung hat. Kunstgewerblich, im weitesten Sinne verstanden, ist auch das Schaffen von Franz Radziwill, der vom Maurerhandwerk zur Malerei gekommen ist und in besten Adern russisches Blut strömt. Chagall Haides ihm angetan, aber in den Farben zeigt er sich von erfreulicher Selbständigkeit, und wenn er auch nicht imstande ist, wie sein großes Vorbild Glanz und Jubel, Todesbangen, Grauen und Entsetzen in unseren Herzen zu entfachen, so schafft er doch sympathischen und distingierten Wand- schmuck. Dasselbe gilt von S. Schott, der in Radziwills Spuren wandelt. Direkt an Schmidt-Rottluff knüpft wieder R. I a c o b i an, der mit seiner„Fischräucherei" eine dekorative Leinwand ge- schaffen hat, deren farbiges Raffinement kaum zu überbieten ist. Die neue Art, in der sich Rudolf H e l l w a g hier produziert, ist ebenfalls durchaus auf leichte farbige Schmuckwerke gestellt— Mattiste heißt hier der Nährvater—, aber dieser Stilcharakter paßt schlecht zu den religiösen Stoffen, die behandelt werden. Ein farbenfröhliches Golgatha geht nicht. Daß schöne sinnliche Wirkun- gen sich mit tieferem seelischen Ausdruck sehr wohl vereinigen lasten, zeigt K. L. f). Soltze, deren„Kreuzigung" in schwingenden Linienrhythmen und lodernder Farbenglut von Verzweiflung, Er- gebung»nd gläubigem Jossen zu erzählen weiß. Kunstgewerblich dekorativ, aber von der vornehmsten Art. ist auch die Kunst A. Heinsohns, an dessen zarten und doch suggestiv wirkenden koloristischen Harmonien man sich nicht sattsehe:, kann. Er scheint mir der größte Gewinn dieser Ausstellung zu sein. Von neuen Namen wären schließlich noch Herwig, Schwarz und Honigberger zu nennen. C. H. H e r w i g ist mit nicht weniger als sechs umfang- reichen Gemälden vertreten. Die Ausstellungsleitung muß sich also wohl besonders viel von ihm versprechen. Meiner Meinung nach nicht mit Recht. Ueberhitztcs Wollen, das die Grenze des Könnens weit überschreitet, wäre bei einem Anfänger verzeihlich. Bedenklich aber stimmt der Mangel jeder Eigenart und ein sehr übler Hang zur Effekthascherei. E. Honigberger zeigt namentlich im Porträt einer geigenden Dame, daß er es versteht, kennzeichnende Momente festzuhalten. Er wird vielleicht ein„ge- suchter Vildnismalcr" werden. Sympathischer als diese beiden ist mir der junge Autodidakt H. Schwarz, der auffallend zielsicheres Wollen mit einer beachtenswerten Fülle urwüchsiger Kraft ver- bindet. Energische lineare Flächenauftcilung und einfache Farben- gebung, die den Stimmungsgehalt des Bildes deutlich herausbringt, sind seine Vorzüge. Eine Sonderausstellung ist dem jung dahin- gegangenen Erich Kuithan gewidmet, einem liebenswürdigen, aber völlig im Banne Hoblers stehenden Talent. Während die Graphik auf der Ausstellung recht gut vertreten ist— ich nenne nur die Aquarelle des Arbeitermalers Otto Na g s l und die Holzschnitte und Zeichnungen von Wilhelm O c st e r l e und Kurt B r i e g e r—, ist es mit der P l a st i k sehr schlimm bestellt. R. B a u r o t h sucht bald Maillol, bald Hildenbrand zu kopieren: F. Wein gart verficht Barloch mit einem frühchrist- lichen Einschlag und streut kräftig Zucker über das Ganze: T. Albert läßt sich durch Tante zur Herstellung einiger eleganter Schnörkel inspirieren. Am relativ höchsten stehen die Arbeiten K. I s e n st e i n s, der mit sparsamen Mitteln ein paar feine männ- liche Bildnisköpfe und kräftig wirkende Reliefs(besonders eine sehr schöne Pietä) geschaffen hat. Im allgemeinen ist aber von dem ! Geiste, der die moderne europäische Plastik belebt, trotz allem zu- sammcnballendcn Kubismus und langgereckter Gotik hier kein Hauch zu verspüren. Wie im vorigen Jahre, hat man auch diesmal der monumen- talen Wandmalerei eine besondere Pflege gewidmet, und man ist wieder in den Fehler verfallen, nicht die Qualität, sondern die Quantität als Maßstab zu nehmen. Aber ein vergrößertes Staffelei- bild ist noch kein Wandgemälde, und Monumentalität ist kein Flächenmaß. Die Begabung und das ehrliche Wollen der hier ver- trctenen Künstler in Ehren— aber aus diese Weise läßt sich das Problem, das wichtigste für die zeitgenössische Malerei, nicht lösen. Daß die Gemälde von K o b b e und Robert und Erik Richter weitaus am besten wirken, verdanken sie, abgesehen von ihrer künst- lerischen Qualität, vor allem dem Umstrnd, daß sie in der koloristi- schen Haltung mit dem farbigen Charakter des Raumes zusammen- gehen. Der einzige Künstler der Ausstellung, dem man zutrauen würde, daß er die Aufgabe zu lösen vermöchte, ist Thomas Ring, der im Plastikensaal(2) wenigstens eine leise Andeutung gibt, wie die Sache onzusaffen ist. Wenn der Ausstellungsleitung ernsthaft darum zu tun ist. die Grundlagen für«ine moderne monu- mentale Wandmalerei mitfchaffsn zu helfen, so stelle sie jedem der dafür in Betracht kommenden Künstler einen ganzen, nicht zu großen Raum zur Verfügung und sorge dafür, daß die gesamte Arbeit, vom ersten Entwurf bis zum letzten Pinselstrich, an Ort und Stelle aus- geführt werde. Nur so läßt es sich ermöglichen, daß Raum und Raumschmuck. Architektur und Malerei zu einem einheitlichen lebendigen Organismus zusammenwachsen. Im übrigen verdient die Tätigkeit der Ausstcllungsleituna, an deren Spitze der Maler H. S a n d k u h l steht, wieder das höchste Lob. Auf die kluge und aeschmacksichere Anordnung wies ich schon bin. Jedes Werk ist mit genauer Bezeichnung versehen, einen Katalog braucht man daher nicht, sondern ein„Saalverzcichnis", das die alphabetisch geordneten Künstlernamen»nd den Raum an- gibt, in dem ihre Arbeiten zu finden sind, genügt zur Orientierung. Der Besucher, der seinem eigenen Urteil oder dem Kritiker seiner Zeitung nicht traut, findet überdies in den jedem Stück angehefteten Verkaufspreisen den sichersten Anholt für die Bewertung der einzel- nen Kunstwerke. Soziales. Die Honorarberechnung des Grosz-Berliner Aerzkebundes. In Nr. 419 unseres Blattes veröffentlichten wir unter der Ueber- schrift„Die Honorarberechnung des Groß-Berliner Aerztebundes" einen Artikel von Karl Schulz. Hierzu erhalten wir vom Groß-Ber< liner Aerztebund folgende Erklärung: 1. Nach dem Vertrage galten die Bestimmungen für das Honorar nur bis zum 1. Juli d. I. Die Aerzte haben also vertraglich Anspruch auf N e u f e st s e tz u n g d e s H o n o r a r s. Diesen Anspruch haben sie vor dem 1. Juli bereits angemeldet. 2. Das bisherige Honorar war nicht wie Herr Schulz behauptet, um das 7fache, sondern nur um das öfachederVorkriegszeit erhöht worden. 3. Der Wert eines Monatsgutscheines hat bei gleichem Kopfpauschale von 30,— M. niemals 12,25 M. betragen, sondern in der Zeit vom 1. April 1920 bis 28. Februar 1921 im Ouartalsdurchschnitt nur 9.35 M, d. h. nicht 39,1 Proz., sondern nur 16 Proz. mehr. Aber auch dieses Mehr ist nur ein scheinbares. Herr Schulz berücksichtigt nicht, daß neben dem Gutschcinwert 20 Proz. des Gesamthonorc.rs für Sonderlcistungen(Besuche, Geburten, Opera, tionen) verteilt werden gegenüber früher 12tz$ Proz. 4. In der bis jetzt einzigen Veröffentlichung über die Honorar� Verteilung die ärztlicherseits ergangen ist und Herrn Schulz vorgelegen hat, ist ausdrücklich hervorgehoben, daß die Honorare errechnet sind, abzüglich 7J4 Proz., von denen aber nur 2Z� Proz. für Verwol- tungszwecke Verwendung finden und nicht, wie Herr Schulz be< hauptet, die gesamten 7'i Proz. 5. Eine Gutscheinentwertung durch Ueberweisungs- s ch i e b e r e i ist nicht nachweisbar. Ueberweisungen, namentlich an Fachärzte sind selbstverständlich notwendig. Unter allen Gutscheinen befinden sich nur 5,5 Proz. Ueberweisungsscheinc. Selbst wenki man ein Drittel dieser Ueberweisungen als entbehrlich unterstellen wollte, würde der Wert des 30-Tage-Äutscheins nur um ganze 17 Pfennige steigen. 6. Eine Gutfcheinentwerwnq durch Gutscheinjägerei der Aerzte in irgendwie nennenswertem Umfange ist ebenfalls nicht nach« weisbar. Im Durchschnitt von 3 Monaten entfallen auf den ein« zelnen Kranken nur 1,27 Gutscheine, außerdem hat eine Ueber« schreitung dieses Durchschnittes über eine bestimmte Grenze hinaus im Einzelfalls für den betreffenden Arzt Honorarkürzung zur. Folge. 7. Nach der Bcrcchrnmg des Herrn Schulz müßte ein Betrag von 2 835 448,26 M. übriggeblieben fein, wenn der Gutscheinwert nur 8,80 M. beträgt. Die Rechnung ist aber falsch: die von dem Kassen- verband zur Auszahlung an die Aerzte angewiesenen 10 785 129 M. enthalten nicht nur die Honorare der Krankenkassen des Verbandes, sondern worüber Herr Schulz von den Unterzeichneten aufgeklärt worden war, auch die Honorare der übrigen Kassen, mit denen der Aerztebund im Vertrage steht, in Höhe von 625 134 M. Alle Vermutungen des Herrn Schulz über verschleierte Zurück- Haltungen zum Zwecke der Niedrighaltung des Gutscheinwertes sind hinfällig. Herr Schulz ist bereits vor Erscheinen seines Artikels von den Unterzeichneten persönlich ersucht worden, durch Einsicht in die Bücher der ärztlichen Abrechnungsstelle sich jede Aufklärung zu ver- schaffen, ohne daß er dem bisher entsprochen hätte. 8. Völlig irreführend ist der von Herrn Schulz angegebene Krankenstand von 66,7 Proz., den er auf völlig falschen Unterlagen errechnet. Der tatsächliche Kranken st and betrug 45,6 Proz. und ist fast gleich dem, der im Jahre 1920 auf gleichen Grundlagen für die'Mitglieder beim Verein Berliner Kassenärzte versorgten Kassenmitglieder von 44,7 Proz. errechnet worden ist. 9. Im letzten Vierteljahr haben von den rund 3000 Berliner Kassenärzten 279, d. h. 9,3 Proz., aus kassenärztlicher Tätigkeit Ein- nahmen von 10 000 M. und darüber gehabt. Ein einziger davon 51 000 M. allerdings mit 80 Proz. anteiligen Betriebsunkostern Um bei dem jetzigen Honorar jährlich auch nur 40 000 M. Hrtzu- nehmen, muß ein Kassenarzt gegen 300(1 Kranke im Jahr behandeln, d. h. bei 270 Arbeitstagen im Durchschnitt täglich 11— 12 neue Fälle in Behandlung nehmen. Da erfahrungsgemäß jeder Fall im Vierteljahr durchschnittlich 5 ärztliche Inanspruchnahmen nötig macht, kon>men zu diesen 12 neuen Fällen noch täglich 48 alte Fälle zur Erledigung. Selbst bei 10 und mehr Arbeitsstunden täglich wäre das Ergebnis rein kassenärztlicher Arbeit ein Rein-' ertrag von noch nicht 30 000 M., da mehr als 25 Pro-, von seinen Einnahmen für Berufsunkosten in Abzug zu bringen sind. 10. Herr Schulz glaubt, die l'/s Millionen Berliner Kassen- mitglieder von 600, im Notfalle sogar von 300 A e r z t e n versorgen lassen zu können. Da davon mindestens Ys, d. h. 200 bzw. 100 Fachärzte aller Grupen sein müßten, obläge jedem praktischen Arzt die Versorgung von 7500 bzw. 3750 Versicherten, jedem Facharzt ein Vielfaches davon. Unter Zugrundelegung der festgelegten Er- krankungsziffer würde also jeder praktische Arzt durchschnittlich im Vierteljahr rund 3400 bzw. 1700 Krankheitsfälle zu je 5 Leistungen zu behandeln haben. Was würden die Kranken dazu sagen? San.-Rat Dr. S t e r n b e r g, Dr. G. Ritter. öriefkasten der Redaktion. Briefliche Auskunft wird nicht erteilt. «. A. los. KUimttttnttbunb. Geschäftsstelle Friedenau, Isoldcstr. Id. UDOLPH HER! RR/■"-%'' BERLIN C2 BREITEgTRASSE BRUDERSTRASSE ">•«' v-'-'' iL'*•.v r«. jp«. t-;... v-•»:• j/'r•; R X■' VX'.iJlR:-'... i-• X-h■: ABTEILUNG EUR KINDER-KLEIDUNG Schlupf- Anzüge Knaben-j Oft dunkel gemusterte Stoffe, Größe 2.. von M. XOU'an Jacken-Anzüge 9� praktische Stoffe, hübsche Formen, Gr. 3, von M. Z-.Jvan V. 99£ in kleidsamw Mocherten, Größe 8... von M. Litt** t loppen-Anzüge KNABEN-MÄNTEL für Jedes Alter, in Jacken- undSchluplform, einfache und beste Ausführung BACKFISCH-KLEIDUNG Straßen-Kleider aus reinvoll. Stötten in med. Macharten von M. an GesellschöftS-Kleider 4�. /- aus weich. Seidenstoff., in all. neuen Färb., von'M. T:TOan V Tanz-Kleider aus weiß.Tüll, weißem ocRfarbigem Voile, vonM. an X I•• i. 1 aus einfarbigen odergemusterten Stoffen, IViamei fesche Formen, in allen Preislagen 226, Kinder-Kleidchen oa reinwoll. Stoffe, hübsche Machart., 45 cm, vonM. 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Janssen, Riemann, Blldt, B rannt, Pieha, Reh- kopl, Appell, klapp, May) Komödienhans 3: Die Sache mit Lola Täglich 7 30 Uhr: Die Fahrt ins Blaue (ilüßncr, Richard, Engl, PrOckl, Stieda, Dernburg Boriiuer Theater 3: Der letzte Walzer Täglich 7.30 Uhr: (PrtnSQffin QMä FritziMossarya g. Ralph Art. Roberts Pepl Zampa, Kiper Central-Theator TV. u.: D. Detsktivuiäiiel Deutsches Opernhaus Sf?D.IliEgEn!leHolländeF Friedr. Wilheimstädt. Th 3 Uhr: DerTroubedour s uhr: Americiin Girl Intimes Theater 4 Uhr: Drei Einakter 8 U.: Die Spelunke/ Laut doch nicht immer nackt herum Kleines Schauspielhau* 7'/-U.: KMd-uetsp.) Lustspielhaus Zl/4 U.: Die Schauspieler u�: Die ScIiauspiEler Metropol-Theatep 3 Uhr: Die blaue Mazur u'tDte StraßEDSängerln Neues Operettentheater 8 uhr; KGoigin iL Nactit Neues Theater am Zoo uhr Ulis Ewig-üäiiDiiEtiE Neues Volkstheater Heute und morgen Vit Uhr: Die WlidenU Schiller-Th. Charlottenb. 3 Uhr; Helden 8 Uhr: Meine Fran, die Hotschausplelerln SchloBparlt-Th. Steglitz 3 Uhr: Hans Mnckebcin 7v-uhr.- Rangieplialiaiiol Thalia-Theater 8V2U: Rumpelstllzcbon w-uJeMm'Dicli, Lotte Theat a. Nollendcrfplatz 3V,: Wenn Liehe erwacht uhr: Vetter ibs Dingsda Theater lies Westens ZV.: Erste Liehe gcld. Zelt 7v-u.- Braut-dluciillBs Th.i d.Kommandantenstr. (Jüd. Künstler-Theater) 7Vj Uhr: Djbuk Wallner-Theater SV- U.: Die Tanzsrüfln Tv-uhr- Nixciien Volksoper. Walhatla-Th. 8" Uhr: ResidcuzTheater Heute S'�O. kleine Preise: Evchen Humbrecbt Täglich 1/18 Uhr: Der Kcii 111 Paris OlgaLimburg, Kaiser-Titz, Else Was», Eugen Rex Trianon-Theater Heute 4 U. kleine Preise: Wer.Dieb Täglich Vj8 Uhr: Mein Freund Teddy Arnold Xorff, Lottek linder W.Uer.dow, vis. Schneider- Nissen, Fr. Schönemann Kleines Theater Heute 4 U. kleine Preise: Casanovas Sohn Täglich V,8 Uhr: Früul. Josette — meine Frau Eugen Burg, Carolt Toelle Fal kenstein, R. Maaii Volksbühne Theater am Bülowplatz Plf Dan er als Millionär v!'. Masse Mensch tessing-Theater Vit Uhr: Die Spielereien einer Kaiserin Montag u. Dienstag 7V,t Der lastrrhafto Herr Tnchn Mittw. u Donnerstag TV-t Die Spielereien einer Kai«orln DeotscDes Kiinstler-Th. Heute bis Mittwoch 7V, (Leopoidlne Konstantin) Donnerstag 7, z. 1. Male: Der heilige Ambrosius Allabendlich VI, Uhr: Der heilige Ambrosius (Rose.Thsater) 4; Das Glück d. klein. Leute T/t Uhr: Fidele Brüder ««»»«««»»»«»» ® Theater am|[ Kiirlürstciidainni;; Aliabcndl. 8 Uhr II ilngeborgii k Eckersberg, Sand- 1» »rock, Deetz. Günther. 1 1 5 Walter, 1 1 Tribüne. 8Uhr-!! Wettiauf mit J[ ! dem Schatten\, Heims. Winterstein.,, Oppen< 1 Größenwahn!! [Leitung: RosaValettll» Allabendl. 8V, Uhr] j Caslno-Theater Lothringer Str. 37 Nur noch bis inkl. 3. Nov. Exzellenz Maxe Freitag, 4 Nov. z. I Maie: Der Wex zum Glück, Volksstück in 4 Aufzen Sonnt 3V,- Pantoffelheld FOLIES KAPRICE Linjenslr. 132, am Oranienburger Tor Täglich 8 Uhr: Nanons Debüt Posse mit Gesang mit Ferd. 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Nör. von Sclma Lagerlöl Fcgic s Maarilz Stiller Der Schicksafstag Schauspiel in 5 Akten von Alfred Feketc mit Mady C h ris tians Regie: Adolf Edgar Licho Judas Film der Ufa- Sonderabteihxng Knoppchen brummt B. B. Lustspiel in 2 Akten Das Panzerseschcss HL Flucht ins Ungewisse IV. Im"Wasser u. unter der Erde IMy raa ksiMisie Eine Goldgräbergescbichte in 5 Akten mit Doro thy Dalton Das schüchterne Prinzchen B. B. Lustspiel mit Leo Peukcrt Das Rätsel der Sphinx mit Ellen Richter Amor am Steuer mit Ossi Oswald« M ' Unfcr Alöskes Urw ,»-7 Uhr.>> Oiensla�, den 1. I�vveiuder, sdends 8 Ilhi weisse Seuche (Tuberkulesa) Großfüm desmedizinischen Archivs der Ula Marmorsaal am Zoo Lehrerverelnshaus Neue Welt Begleitwort;Dr.med.L.Panetb Dr.ined.Kauffmann Dr. med. OHendorn ninniBTXmi■■■! F Philharmonie: 31. Oktober 1921, abends 8 Uhr Unterwelt des Seelenlebens Begleitvortrag: Dr. med. L. Paneth Karten für beide Veranstaltungen bei Bote& Bock, Warenhaus Wertheim, Musikhaus H, Bading. 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TÜhde�iccäAau/in. avetetsn. �el�axies fieurts: 72acAm�dii� a� ßeMzustJunj�ssle/le de? ReieHsmonopolVsrwnltung für Branntwein JUUedung Jlejdin. 70.9. Nr. 513 ♦ ZS. Fahrgaag 2. Seilage öes Vorwärts Sonntag, 30. Gktober 192? Herlin einen Monat ohne Gaststätten. Die Angestellten in ihrem Kampf um festen Lohn. Volte vier Wochen liegen jetzt 35 WO gastwirtschciftliche Ange� stellte aller. Branchen(nicht nur die Kellner) auf der Straße. Sie streiken oder sind ausgesperrt. Wer die bürgerliche Presse liest, muß zu der Meinung verleitet werden, diese Angestellten, nennen wir sie kurz die Kellner, seien die rabiateste, ungebildetste, roheste und ge walltätigste Arbeiterschicht, die man sich in Berlin denken kann; als seien sie nur aus purem Uebermut aus den Hotelküchen, den Nestau- rank auf die Straße gegangen, um die Wirte, die Unternehmer des Gewerbes durch„Ausschreitungen" aller Art und durch„Terrorakte" zu schädigen. Wer je mit den Kellnern zu tun hatte, der weiß, daß das nicht richtig sein kann. Doch der gedankenlose Leser der bürger- lichen Presse, dem jeden Tag eine ganze Reihe von neuen„Aus- schreitungen" und„Terrorakten" serviert wird durch die Unternehmer, muß dieser Suggestion unterliegen. Aus der Vorgeschichte des Kampfes. Man stelle sich vor, daß diese 3S 000 Menschen nichts an- deres wollten, als was jeder Arbeiter, jeder Angestellte ohne weiteres hat, einen bestimmten Wochenlohn oder ein f e st e s Monatsgehalt: daß dies bisher auch die Kellner hatten, es ihnen jetzt aber entzogen werden soll. Seit vielen Jahren kämpften die Kellner um Lohnzahlung, um die Abschaffung des sie demoralisierenden Trinkgeldes. Ein solch alteingefressenes Uebel kann nicht von heute auf morgen beseitigt werden. Die Kellner wußten von vornherein, daß sie das Ziel nur um den Preis erheb- sicher materieller Nachteile erringen können. Nach der Revolution gingen sie zum Sturm über gegen das ver- haßte System, das ihre Menschenwürde fortgesetzt untergrub. Die fortschreitende Verteuerung der Lebensmittel entwertete ihre ge- ringen Löhne immer mehr. Dabei mußten sie mit ansehen, wie das ganze Kriegs- und Reparationsgewinnler-, das ganze Schiebertum, die ausländischen Valutagünstlinge mit Papicrgeldschcinen um sich warfen, in ein paar Nachtstunden oft mehr verzechten, als der Kellner im ganzen Monat mit seiner Familie zum Leben hatte. Trotz der erhöhten Zehrkosten drängte man ihnen das Trinkgeld direkt auf. Wer wollte ihnen einen Strick daraus drehen, daß sie wieder Trink- geld nahmen? Die Unternehmer, die es in der Hand hatten, die Annahme von Trinkgeld zu verbieten, ließen es stillschweigend zu, in der Erwägung, sonst höhere Löhne zahlen zu müssen. Die Organisation aber, der Zentralverband der Hotel-, Nestau- rant- und Eafeangestellten, sah ein, daß es so nicht weitergeht. Mit dem Ablauf des bisherigen Lohnabkommens forderte er: Ausreichende feste Wochenlöhne, Vefciligung jeder Umsatzbeteiligung und tas Trinkgeldes. Die Arbeitgeber dagegen forderten die Abschaffung jeder festen Entlohnung, Einführung eines Bedienungs- geldes von 10 Proz., das der Kellner von jedem Gaste besonders er- h�bsn und entweder in die Tasche stecken oder es zunächst in einen ,.T r o n c" legen sollte. Aus diesem„Tronc" werden dann die Oberkellner, die nicht servieren, die KommK, die nicht kassieren, und die Aushilfen bezahlt. In diejenz Streit fällte der Schlichtungsausschuß nach zwei stundenlangen Sitzungen den Schiedsspruch, daß die Entlohnung in der bisherigen Weise zu erfolgen habe: neben einem festen Grundgehalt wird ein prozentualer Anteil vom Umsatz gezahlt, der 8 Proz. nicht übersteigen darf.„In den Be- trieben ist durch Anschläge und durch Vermerk in den Preisverzeich- nisjen darauf hinzuweisen, daß der Bedienungszuschlag in sämtlichen Preisen einbegriffen und daß dem Bedienungspersonal die Annahme von Trinkgeldern verboten ist." Der Schiedsspruch stellte ausdrücklich fest, daß das Verlangen der Arbeltgeber einen sozialen Rückschritt bedeutet, daß eine Umsatzbeteiligung von höchstens 3 Proz. genügen müsse, das Interesse des Kellners an guter Bedienung wachzuhalten, daß das Trink- geldalsabgeschafftzubetrachtenfeiunddaßbeide Parteien gemeinsam es völlig ausrotten müßten, daß das Publikum ein Anrecht darauf habe, klar über die Entlohnungsverhältnisse und über das Trinkgeldverbot unterrichtet zu werden. Die Befürchtung der Angestellten, daß mit der festen Enlloh- nung der Kellner auch die achtstündige Arbeitszeit verschwinden werde, wurde als gerechtferttgt anerkannt. Die U n t ernehmer lehnten den Schiedsspruch ab, und lehnten es selbst ab, auf der Grundlage dieses Schiedsspruches weiterzuverhandeln.. S i e haben sich darauf ver st eist, die Lohnzahlung von sich abzuwälzen und wollen davon nicht abgehen! Das Ultimatum, das ihnen die Angestellten dann unterbreiteten, Zu erklären, ob sie bereit sind, 1. aus Grund des Schiedsspruches zu verhandeln, 2. sämtliche Kündigungen rückgängig zu machen und 3. von einer betriebsweisen Einführung des Bedienungsgeldes ab- zusehen, ließen die Unternehmer ohne Antwort, und so beschlossen denn die Angestellten in 11 Versammlungen, ab 1. Oktober in einen allgemeinen Abwehr st reik gegen die Entziehung des Lohnes einzutreten Die Angestellten waren jederzeit zu Verhandlungen bereit. Die Unternehmer nicht! Unter allen möglichen Vorwänden hielten sie sich wochenlang von Verhandlungen fern. Jetzt kommen zwar ihre Vertreter zu Verhandlungen hin, doch offenbar in der Absuht, sie zu verschleppen. Da es keine Kleinigkeit ist. 35 000 Menschen zu unter- stützen und sie trotz der verhältnismäßig sehr geringen Unterstützung und der lockenden. Angebote der Unternehmer bei der Fahne zu halten, spekuliert man daraus, daß durch möglichst langes Hinaus- ziehen die Angestellten schließlich zu Kreuze kriechen. Die Rollen sind ungleich verteilt: die Kellner müssen die Kriegskosten au» ihrer Tasche zahlen, die Unternehmer wälzen sie aus die Gäste ab. Den Terror, den sie den Streikenden vorwerfen, üben sie selber in den eigenen Reihen. Konventional st rasen und Schi- kanen aller Art drohen den Arbeitgebern, die die Forderungen der Gehilfen anerkennen. Auf das Publikum nimmt man keine Rücksicht. Die Kellner würden heute schon wieder arbeiten, wenn die Unternehmer der Rechtmäßigkeit ihrer Sache soviel vertrauten, wie die Gehilfen, die sofort bereit waren, ihre Sache einem unparteiischen Schiedsgericht zu unterbreiten. Die Unternehmer aber fürchten, daß ihre durch das ganze Terrorismus. geschrei und die Ausschreitur.gzmacherei ziemlich verdunkelte Ab- sicht, sich von jeder Lohnzahlung zu drücken, nirgends außer in ihren Reihen gebilligt werden könnte. Das Wort dem Publikum. Hier muß endlich das so rücksichklos behandelte Publikum, das den Unternehmern auf alle Fälle die Zeche zu zahlen hat, ein Wort mitreden, jeden Betrieb meiden, der die Forderungen der Ange- stellten nicht anerkannt hat. Hut ab vor den Kellnern! Sie kämpfen nicht um ein paar Papiermark mehr in der Woche, sie kämpfen um ein sittliches Prinzip, um die endliche Abschasfung des Trinkgelds. Und wie sie in diesem Kampfe die Gesellschaft für Sozialreform auf ihrer Seite haben, sa auch die Gesellschaft aller rechtlich denkenden Menschen, all derer, die sich das notige Rechtsempfinden in sozialer Beziehung bewahrten, um das ganze Schmiergeld- und Trinkgeld- unwesen zu verabscheuen. Die Uebelstände, die der Aesthet nur mit den Spitzen der behandschuhten Finger berührt, muß der Gewerk- schafter mit der Faust anpacken, um sie auszurotten. Heute sind die Unternehmer abermals versammelt, um zu ent- scheiden, ob sie die letzte Brücke zur Verständigung betreten oder ab- brechen sollen. Noch also besteht die leise Hoffnung, daß der Ab- wehrstreik in den nächsten Tagen beendet wird. Von den Unter- nehmern hängt es ab, von ihrem heutigen Beschluß. Kommt es jetzt noch nicht zur Verständigung, dann ist der Kampf nicht mehr ein Kampf der Eastwirkangestellten, sondern ein Kampf der gesamten organisierten Arbeiter- und Angestelltenschaft Groß-Berlins, der ohne Rücksicht auf alles„Terror"-Gcschrei mit voller Wucht geführt wird. Ist doch kein schlimmerer Terror denkbar, als Arbeiter zu zwingen, um Trinkgelder statt um Lohn zu arbeiten. Geheimräte als ffausangeftellte. Die billigen Kartoffeln im Ministerium des Innern. Man schreibt uns: Das werktätige Volk stöhnt unter der Last der Wucherpreise für das einfachste und notwendigste Nahrungsmittel: Kartoffeln. Doch es gibt Stellen in. Berlin, so schreibt man uns, die ein Kartoffeldorado darstellen. Und zwar im ureigensten Machtbereich des Demokraten Dominicus Unter den Linden 72, im ehemals Königlich Preußischen, jetzt wahrhast republikanischen Ministerium des Innern. Nachts fahren dort in den Ministerialhof Schupo-La stautos, nicht mit Razziagästen, sondern mit— Hunderten von Zentnern deutsch nationaler Kartoffeln, die deutschnatto- nale Landräte durch Aufruf in ihren Landkreisen gesammelt und die pro Zentner für 20 M., wörtlich: zwanzig Mark— da staunste, Proletarier, was!!— an die kartofselnotleidenden„Hausangestell- ten" des wahrhaft republikanischen Ministeriums des Innern abgc- geben werden. Und das Interessante an der Geschichte ist, daß die hochw ohllöblichen Herren Geheimen, obergeheimen und noch viel geheimeren Herren Räte des wahrhaft republikanischen Mini- steriums in diesem Falle sich auch ganz plötzlich zu den„Haus- angestellten" mit rechnen, um die günstige Gelegenheit dieses billi- gen Kartoffelein kaufs sich nicht entgehen zu lassen. Ja. das ist was anderes! Sonst würde der„Herr Geheimrat" es sich ernstlich verbitten, etwa zu den Hausangestellten gerechnet zu werden. Wehe dem Unglücklichen, der dies wagte. Aber hier handelt es sich ja um deutschnationale Kartoffeln, immerhin schon einer Ausnahme wert. Eine Staötanleihe von 500 Millionen. Umwandlung schwebender Schulden. Der Berliner Magistrat plant eine neue Stadtanleihe, deren Betrag sich auf reichlich eine halbe Milliarde Mark belaufen wird. Durch sein Nachrichtenamt gibt er darüber folgendes bekannt: „Die Stadtgemeinde Berlin beabsichtigt die Genehmigung einer neuen Anleihe in Höhe von 560 Millionen Mark nachzusuchen, die, abgesehen von 30 Millionen Mark für das alle Berlin, den in den früheren Vororten während der Kriegs- und in der Nachkriegszeit entstandenen Anleihebedarf zusammenfaßt. Der Anleihebedarf verteilt sich auf die großen Werke(Gas, Wasser, Elektrizität, Kanali- sation, Güter) mit 73 Millionen Mark, die Nord-Süd-Bahn(Neu- köllner Strecke) 60 Millionen Mark, Wohnungs- und Siedlungs- wesen 105 Millionen Mark, Straßen- und Brückenbau 59 Millionen Mark, Gesundheitswesen 17,3 Millionen Mark, Schulwesen 32 Mil- lionen Mark, Park- und Friedhofsanlagen 30 Millionen Mark, Kriegs- ausgaben 81 Millionen Mark. Der Rest verteilt sich auf die ver- schiedensten Zwecke. Aus der Notstandsaktion vom Herbst 1920 sind in der Anleihe 73 Millionen Mark enthalten. Die Begebung soll sowohl durch Ausgabe von Inhaberpapieren als auch durch Aufnahme von festen Darlehen erfolgen. Der Zinssatz soll noch nicht festgelegt werden, soweit feste Darlehen in Betracht kommen, soll bis zu 5 Proz. vorgesehen werden. Die Anleiheaufwendungen sind s a st restlos bere its durch schwebende Schulden gedeckt, die neue Anleihe vermehrt daher den Schulden st and nicht: sie bedeutet einen Schritt zur Umwandlung der schwebenden in feste Schuld." Diese Anleihe bedeutet also— das ist zu beachten— keine Vermehrung der Schulden. Die Schulden sind längst ge- macht, und zwar großenteils jchon in der Kriegszeit. Sie sollen jetzt nur in eine feste Anleihe verwandelt werden, was während des Krieges nicht möglich war. Aber diese Anleihe m a ch t a u ch keine n e u e n M i t t e l f l üs s i g. Die Betrage der schwebenden Schulden sind größtenteils bereits ausgegeben. Die halbe Milliarde ist immer erst ein Teil der gesamten schwebenden Schulden Berlins. Beim Schluß des Etats- I jahres 1920, am 31 März 1021, belief ihr Gesamtbetrag sich auf rund 1% Milliarden Mark, neben einer festen Schuld von etwa 2% Milliarden Mark. Demgegenüber hat die Stadt noch erhebliche I F o r d e r u n g e n an d a s R e i ch für Kriegsausgaben, 580 Sstil- I lionen Mark. Der Wert der noch aus der Lebensmittelversorgung '• vorhandenen Waren wurde im Frühjahr 1921 auf 288 Millionen Mark geschätzt. Wahrscheinlich wird die neue Stadtoerordnetenver- s a m m l u n g sich schon in einer ihrer ersten Sitzungen mit dieser neuen Stadtanlcihe zu beschäftigen haben. Die Gartenarbeitsschule— eine Schule, keine Gärtnerei! In der„Deutschen G a r t e n b a u g e s e l l s ch a f t" sprach Rektor Heyn- Neukölln über.»Die Gartenbauschule als Grundlage für den Gartenbau unddas Siedlungs- w e f e n". Heyn hat die Gartcnarbeitsfchule der Stadt Neukölln gegründet und leitet sie noch jetzt. In den Eingangsworten seines Vortrages betonte er, daß es sich um eine Schule handelt, aber um eine solche, die zwischen der Schule alter Art und einem Garten- wirtschaftsbetrieb steht. In dieser Arbeitsschule schaffen 3000 Kinder 41] Fräulein. Von Paul Cnderling. „Du widersprichst mir?" Nie seit Jahrzehnten hatte einer aus dem Familienkreise einen Widerspruch gewagt. Jeder Satz von ihm war ein Orakel gewesen. Und nun wagte es dieser blasse, schmächtige junge Mensch-, der sein Sohn war? Er hob die Hand, als wolle er ihn schlagen. Hermann sah ihn mit glühenden Augen an.„Vater, bring mich nicht zum äußersten!" „Was ist das?" „Du kennst mich noch nicht, Vater." Der Vater lachte.„Du willst mir wohl drohen? Du— mir?" Hermann stand dicht vor dem Vater. Er wich keinen Schritt zurück. Er musterte ihn mit einer Art trauriger Neu- gier. Wie weit würde Bater wohl gehen? Görke machte Kehrt. Die Haltung des Sohnes machte doch etwas Eindruck auf ihn.«Geh hin, wo du willst. Tu, was du willst. Aber komm ja nicht zu mir wegen Geld." Hermann sah ihn böse an. Immer das Geld— immer das Geld!„Soll ich es mir von Onkel Dtto geben lassen?" fragte er lauernd. Er wußte, daß er damit eine von Vaters wunden Stellen traf. Er hatte Oberlehrer Sanders bei der Erbschaftstellung gründlich hineingelegt:„Du bleibst und wohnst bei uns. Du hast deinen Gehalt, was willst du mehr? Das Geld, steckt im Geschäft, und jederzeit kannst du es haben." Das Geld, das „im Geschäft steckte, bekam der Oberlehrer nie zu sehen. An- fange war er mit ganz anderen Gedanken beschäftigt, später hatte er zwei-, dreimal nach dem Geld gefragt, um dann vor des Schwagers Ausreden sich zurückzuziehen. Sollte er pro- zessieren? Und allmählich gewöhnte er sich an diesen Zustand. Eine leichte Verlegenheit kam jedesmal über die Familie, wenn von Onkel Ottos Kapital die Rede war. „Hinaus!" schrie Julius Görke.„Hinaus!" Hermann ging. Draußen lachte er. Aber es war kein befreiendes Lachen. *** Am Strande sollte ein Feuerwerk sein.„Wollen wir auch H-ngehen?" Frau Görke liebte solche Unterhaltungen, Venen man ohne ein Billett zuschauen konnte. Aber sie kamen nur bis zu dem großen Restaurant an der Ecke gegenüber dem Kurhaus. Auf der Terrasse saß van Steen — Kohenkaufmann van Steen aus der Roepergasse— und winkte.„Sie werden doch nicht in die Drängelei—? Kommen Sie, trinken Sie lieber ein Grogchen auf die Hitze. Ich halt nuscht von dem Zeug." „Fräulein, dann gehen Sie wenigstens mit Werner! Vom Nordpark aus ist es ja gut zu sehen." Die Terraße war voll besetzt. Helle Kostüme schimmerten. Man hörte Russisch und Polnisch und das Französisch der Bonnen. Aus den Cafss klang Musik heraus. Einige sangen die Melodien mit. Man lachte und stieß mit den Gläsern an. Fräulein ging vorüber... vorüber an dem Lachen und Klingen. Sie war müde und hätte gerne geschlafen. Die See- luft griff sie an, und es war viel zu tun, denn die Damen des Hauses badeten vormittags. Da hatte sie mit dem Mädchen Haushalt und Küche zu besorgen. Denn man aß natürlich zu Hause. „Ein nettes Marjellchen, Ihr Fräulein," sagte van Steen. „Bescheiden und gar nichts Flunkeriges in den Augen." Julius Görke saß stumm bei seinem Kaffee. Nur die blau« Rauchwolke, die er aus der Zigarre ausstieß, bewies, daß Leben in ihm war. Er hatte eine unangenehme Entdeckung gemacht: ihm fehlte Geld. Von Zeit zu Zeit, in gewissen Abständen fehlte ihm in der Kassette Geld. Die Kassette, für die Ausgaben des Haushalts bestimmt, stand in seinem Schlafzimmer und war immer verschlossen. Spuren von Gewalt waren nicht erkenn- bar gewesen. Seiner Frau sagte er nichts. Er wußte, daß sie Ach und Weh schreien und so den Dieb, der im Hause sitzen muhte, warnen würde, Dem mußte er aber auf die Spur kommen. Van Steen sprach von der Waldoper: sie hatten den Zigeunerbaron gespielt.„Ausgezeichnet!" Er imitierte den Schweinebaron Czupan und lachte über seine eigene Kunst- leistung, daß ihm die Tränen in die Äugen traten. Und beim Hunderennen hatte er seinen Terrier mitlausen lasten. Der hatte einen Preis gewonnen und war auch beim Ver- führungsrennen, wo man Würste auf die Rennbahn gestreut hatte, als dritter durch das Ziel gekommen.„Kein Hundchen hat ein Wurstchen genommen, was denken Sie wohl? Die Spielleiter sind ja dwatfch. Die Hundchen sind alle was Bester«» gewohnt als so« Dittchemvurst." Görke nickte nur und rauchte vorsichtig seine Havanna. Das war der einzige Luxus, den er sich gönnte. Seine Frau schauderte vor den schwindelnd hohen Preisen zurück, die er dafür zahlte. Fräulein ging mit Werner die Nordstrahe entlang, dem Manzenplatz zu, wo das Feuerwerk sein sollte. Ein kleiner, untersetzter Herr mit einem Kneifer kam ihnen entgegen. „Weißt du, wer das war?" fragte Fräulein.„Max Halbe, der Dichter deiner Heimat." Werner sah dem Davongehenden nach.„Ein Dichter? So, so. In unserem Lesebuch ist er noch nicht drin." Für Werner war der Fall damit erledigt. Fräulein ärgerte sich. Immer und immer wieder hatte sie sich um Werner bemüht, der ja denselben Vatersnamen trug wie der Mann, den sie liebte. Aber gegen di�fest aus Autoritätsgefühl und Bequemlichkeit errichtete Mauer, die sein Inneres umgab, langte ihre Kraft nicht aus. Sie tröstete sich: ich verschwende meine ohnehin geringen pädagogischen Talente da an ein untaugliches Objekt. Schließlich können nicht alle Eck- und Ziersteine werden. Er wird ein guter Baustein werden. Fräulein brauchte seit einiger Zeit gern Vergleiche aus dem Gebiet der Architektur... Als sie im Schein einer Laterne Werners Gesicht scharf beleuchtet sah, erkannte sie deutlicher als je die Görkefche Familienähnlichkeit. Nein, er hatte nichts von den Franzius.� Cr artete nach dem Großvater und würde wie er, nun ja, er würde ein guter Baustein werden. Und fast erleichtert ging sie mit ihm weiter. Im Gedränge sahen sie nicht allzuviel von dem Feuer» werk, das da hinten abprastelte. Die Menge wogte durchein»- ander, und beide mußten sich an den Händen festhalten, um nicht voneinander abgedrängt zu werden. Große feurige Sonnen zischten und prastetten in das Dunkel. Die Menge machte„ah"— Sterne und Buchstaben flammten auf und erloschen jäh— Raketen knatterten in die Höhe, platzten oben und sandten einen Sprühregen bunter Kugeln über den Nachthimmel. Fräulein fühlte sich von dreisten Händen umfaßt. Nein. man mußte fort. Und nun spürte sie einen Kuß auf ihren Nacken. Sie fuhr herum. Im fahlen grünlichen Schein einer Rakete glaubte sie einen Augenblick Hermanns blasses Gesicht zu sehen. Aber das Dunkel schlug wieder seine Welle in die Umgebung. (Forts, folgt.) der NeuMlner Demelndeschulen unter Leiwng von S7 Lehrern, sedes Kind an je zwei Tagen der Woche. Sie treiben Gartenarbeit und Kleintierpflege, erhalten da draußen naturwissenschaftlichen Unter» richt, tummeln sich in Turnen und Spiel. Heyn erklärte ausdrücklich: Gärtner wollen wir nicht ausbilden. Durch diese Arbeitsschule werde, abgesehen von ihrem erziehlichen Einfluß, in den Kindern die Liebe zur Natur geweckt, ihr Verständnis für Gartenarbeit ge- foroert, den zu solcher Arbeit neigenden Kindern eine Vorbereitung für die Bewirtschaftung von Laubenland und schließlich auch für die Lehre in der Gärtnerei gegeben. Leider fehlte einem beträchtlichen Teil der Zuhörerschaft das rechte Verständnis für die Ausführungen Heyns. Namentlich die Eartenbaufachleute übersahen, daß es sich bei der Gartenarbeitsschule nicht so sehr um eine gärtnerische als um eine erziehliche Veran- staltung handelt, um eine Schule, wie Heyn deutlich genug gesagt hatte. Aber vielleicht hatte er selber durch die nicht glückliche Fassung des Thema».Die Gartenarbeitsschule als Grundlage für den Gar- tenbau und das Siedlungswesen" und durch eine zu optimistische Bemessung des gartenbaulichen Wertes seiner Schule die'Kritik der Gartenbaufachleute herausgefordert und ihre Oppositionslust gesteigert. Zu ihrem Wortführer machte sich der frühere Lichterfelder Gemeindeschöffe Dr. Lengner, der von sich rühmte, er habe viele Jahre die Lichterfelder Parkoerwallung als Dezernent geleitet. Ob er sonst noch Gelegenheit gehabt hat, aartentechnische„Fachkennt- Nisse" zu erwerben, und welcher Wissenschaft Doktor er ist, sagte er nicht. Den Rektor Heyn samt den 67 Lehrern suchte er als nicht- fachkundige Leute abzutun. Er hatte die Neuköllner Garten- arbeitsfchule, über die er sich In absprechender Weise äußerte, an demselben Tage zum ersten Male besucht, am 27. Oktober, wo(neben- bei bemerkt) die Kinder ihre Beete größtenteils bereits abgeerntet hatten. In dieselbe Kerbe, wie Dr. Lengner, hieben noch andere Redner, wobei auch sie den Fehler machten, die Gartenarbeitsschule vom Standpunkt des Gärtners statt von dem des Pädagogen zu bs- trachten. Anders urteilen über sie die Fachleute des Schulwesens, sowell sie nicht von vornherein Gegner der Arbeitsschule sind. v!e Tragöüie einer Schuldlosen. Selbstmord aus Verzweiflung. Wieder hat sich ein Fall abgespielt, der auf das Konto einer jener Verurteilungen auf Grund des Indizienbeweises zu setzen ist, die noch immer durch unsere Rechtspflege spuken. Eine Hausdame Anna M. stand vor einiger Zeit unter der An- klage des schweren Diebstahls. Sie hatte mehrere Monate hindurch bei einem unverheirateten Mann, der von einer Frau eine aus sechs Zimmern bestehende möblierte Wohnung gemietet hatte, die Wirtschaft geführt, diese Stelle aber aufgegeben, als der Hausherr in mißllche. finanzielle Verhältnisse geriet. Die Wirtschaft führte dann eine ander« Wirtschafterin und schließlich zwei Schwestern des Mieters. Als dieser die Wohnung aufgab und die Vermieterin diese abnahm, stellte sie fest, daß das verschlossene Büfett durch einen falschen Schlüssel vorübergehend geöffnet sein mußte und daß von dem dort aufbewahrten Silbergeschirr verschiedene Stücke im Werte von 30— 46 Ovo M. fehlten. Der Verdacht der Täterschaft wurde auf die M. gelenkt und durch meh- rere Zeugenaussagen verstärkt, doch handelte es sich in der Haupt- fache um Indizien. Die Angeklagte bestritt jede Schuld und verwies auf die verschiedensten Möglichkeiten der Täterschaft, sei es der späteren Wirtschafterinnen, sei es der Herren, die der Jung- geselle öfter zum Besuch empfing. Rechtsanwalt Dr. S. Eisenftaedt hatte zur Entkräftung der Indizien mehrere Beweisanträge gestellt und das Gericht dringend gebeten, insbesondere zwei von ihm benannte Zeuginnen zu vernehmen, die die Unschuld der Angeklagten würden beweisen können. Das Gericht lehnte sedoch die Beweis- anträg« ab, da es aus den Aussagen der vernommenen Zeugen die voste Ueberzeugung von der Schuld der Angeklagten gewann. Diese wurde zu 1 Jahr Gefängnis verurteilt. Das vom Verteidiger angerufene Reichsgericht hat die Ablehnung der Beweiserhebung durch Vernehmung zweier weiterer Zeugen für ungesetzlich erklärt, da« Urtesl nebst den chm zugrunde lieaenden Feststellungen auf- gehoben und die Sache an die Dorinstanz zurückverwiesen. Di« abermalige Verhandlung vor der Strafkammer ist jetzt da- durch hinfäMg geworden, daß sich die Angeklagte aus Verzweiflung über ihr Schicksal in den Fluten des Wannsees ertränkt hat. Das Geheimnis um üen platknsihmuck. Cm Taschendieb stahl mit recht geheimnisvollen Beglell- erscheinungen gibt jetzt der Berliner Kriminalpolizei einige Rätsel auf. Einer Sängerin Charlotte Wand er war au» einer Hand- tasche ein kleines braunes L e d e r e t u i mit einem Halsschmuck im Werte von 66 000 M. gestohlen worden. Der Halsschmuck bestand aus zwei Platinketten, wovon die eine einen ungewöhnlich großen Brillanten trägt, der in Platin gefaßt ist. Die Bestohlene erließ nun ein Zeltungsinserat, in dem sie für die Wiederbeschaffung des Schmuckes eine Belohnung von 10006 M. ausbot. Am ver- Sangenen Mittwoch erschien in ihrer Abwesenheit ein Mann in der Uniform eines Wachtmeisters der Schutzpolizei, der sich der Gesellschafterin gegenüber Oberwachtmeister Meinicke nannte. Er berichtete, daß ein englischer Offizier den Schmuck auf dem Wittenbergplatz gefunden und ihm übergeben habe. Er habe den Fund seiner vorgesetzten Dienststelle abgeliefert und dort könne ihn die Bestohlene in Empfang nehmen. Als Ausweis über- reichte er ein Papier, auf dem Oberwachtmeister Krause als Vor- stehsr dem Oberwachtmeister Meinicke bescheinigte, daß er das Etui mit Inhalt abgeliefert habe. Auf diesen Schein, der auch gestempelt war, schrieb Meinicke, daß seine Borzeigerin berechtigt sei, den Fund abzuholen. Als das geschehen sollte, ergab sich, daß alles Schwindel war. Bei der Dienststelle gibt es weder einen Oberwachtmeister Meinicke noch einen Krause. Der Schmuck war nicht vorhanden, die Unterschrift und der Stempel auf dem Schein gefälscht. Von dem Verbleib des Schmuckstücks ist noch keine Spur gefunden worden. Angaben''�u seiner Ermittlung nimmt Kriminalkommissar Dr. Rie- mann im Zimmer 34 des Berliner Polizeipräsidiums entgegen. Auf die Wiederbeschaffung ist eine Belohnung von 20 000 M. ausgesetzt. Bürgerliche Mißwirtschaft. Zu den in Nr. 467 und 430 des„Vorwärts" am 4. und 11'. Ot- tober d. I. erschienenen Auflätzen„Bürgerliche Mißwirt- s ch a f t", die sich mit der Hochbauverwalhing der früheren Gemeinde Äerlin-Wilmersdors befassen, sendet uns das Bezirksamt S, Wilmcrs- forf, eine Berichtigung, in der zunächst gesogt wird, daß die Bezirks- verordnetenversammlung die hier in Frage stehende Angelegenheit als erledigt ansah und zur Tagesordnung übergegan» g e n i st. Die G'samttosten des damals geplanten Stadthausumbaues wurden Anfang Oktober 1319 ü b e r s ch l ä g i g auf 3,5 Millionen Mark geschätzt. Als erste Baurate wurden zunächst 1,5 Millionen Mark bewilligt. Das Projekt des Neubaues wurde aber aufgegeben. Der Magistrat Berlin gab die Zustimmung zum Umbau des Ioachim-Friedrich-Gymnasiums für die Zwecke des Be- zirksamts. Die Baukosten wurden auf 11860000 Mark fest- gesetzt. Maurerarbeiten sind nicht in Höhe von 3,2 Millionen Mark, sondern bisher in Höhe von nur 1407S80 Mark ausgeführt. Die Ausführung erfolgte nicht durch einen Arbeitgeber, sondern durch 6 Unternehmer. Die in Frage kommende Stuckateurfirma hat nicht Arbeiten in Höhe von 300 000 Mark ausgeführt, sondern nur Auf- träge in Höhe von 113 725 Merk. Die Verträge bezüglich Ausfüh- rung der Zentralheizungsanlage schließen ab mit einem Betrage von 624 090 Mark. Gezahlt wurden bisher für Ausführung der Zentralheizungsanlage 1 267 151 Mark. Bei der Submission, betref» send Vergebung der elektrischen Lichtanlage, hat der Höchst- bietend« den Zuschlag erhalten, weil er seinem Angebot das beste Material zugrunde gelegt hatte, das für die Ausführung nach Ansicht der Hochbaudeputation allein in Frage kam. Die große Ueberschreitnng der Kostenanschlagssumme ist auf nachträaNche Erweiterung der Anlage sowie auf die Steigerung der »srf>,it«fehp» und Watertalpreise zurückzMhren. Der Ausführende ist nicht ein gelernter„Handlungsgehilfe", sondern ein gelernter Elektromonteur. Wir weisen darauf hin. daß unser Genosie Kämpfer sich bereit erklärt hat, die von uns veröffentlichten Angaben einer Kommission. der auch Bezirksverordncte angehören, zu unterbreiten, weil er, wie auch die Fraktion der SPD., ein Interesse an der Aufklärung dieser Fälle hat. Im übrigen bestätigt die Berichtigung im Allgemeinen das, was wir mitgeteilt hatten. Die Gründe, die für die Ueber- fchreitung geltend gemacht werden können, werden dieselben sein, wie sie auch der sozialistische Magistrat anführte und der trotzdem der„Mißwirtschaft" beschuldigt wurde. Die nächste Sitzung der Berliner Skadwerardneken-Versammlung ist nunmehr für den 17. N o v e m b e r in Aussicht genommen. Die Aach- und Bezirksamis-Arbciksnachweise in Berlin mutzten vorübergehend geschlossen werden, infolge des wilden Treibens gewisser Gruppen. Die Deputation für Arbeit und Gewerbe sowie der Magistrat hoben den folgenden Mahnahmen der Erwerbs- lofenfürsorge zugestimmt: Die Stempel des sogenann» ten Aktionsausschusses der Erwerbslosen wer- den zur Auszahlung der Erwerbslosenunter- stützung nicht anerkannt. Soweit Zahlung auf Grund dieses Stempels erfolgt ist, ist sie wieder in Abzug zu bringen. Der Arbeitsnachweis Wusterhausener Straße sowie die Arbeits- nachweise der einzelnen Verwaltungsbezirke, soweit sie am Freitag und Sonnabend geschlosien waren, werden morgen wieder geöffnet sein. Die notwendigen Schutzmaßnahmen sind durch- geführt. Ein neuer Arühzug nach SSuigswuflcrhansen. Eine nachträgliche Verbesserung erfährt noch der Winterfahrplan der Vorori« strecke Görlitzer Bahnhof— KönigSwu st erHausen, die bereit» von morgen(Montag) im WerktagSfahrplan zur Durch- fübrung kommen soll. Vom Montag, den 81. d. M., ab wird zur besseren Bedienung de» Arbeiter- und Berufsverkehr» zwischen Königswusterhausen und Berlin ein neue» Zugpaar in den frühen Morgenstunden eingelegt. Der eine der beiden neuen Züge wird vom Görlitzer Bahnhof um 5.10 früh abfahren und trifft in König»- Wusterhausen um 6.00 morgen» ein, während der Gegenzug von KönigSwusterbauien um 6.2S morgens abfährt und um 7.20 vorm. in Berlin, Görlitzer Bahnhof»intrifft. Schwerer Anfall auf dem Bahnhof Ariedrlchstraße. Al» am Freitagabend der Kölner D-Zug Nr. 7 den Bahnhof Friedrichstraße in der Richtung Alexanderplatz verlaflen hatte, fand man auf den Schienen eine Frau auf, der beide Beine abgefahren waren. Man schaffte sie nach der Klinik in der Ziegelstraße, wo aber bald nach der Aufnahm« der Tod infolge von Verblutung eintrat. Nach vorgefundenen Papieren scheint die Tote identisch zu sein mit einer Frau Martha Cirotzki au» Klein-Boschpohl bei Neuenburg in Pommern. Ob sie aus dem Zuge gestürzt und einem Unfall zum Opfer gefallen ist oder Selbstmord begangen hat, be- darf noch der Aufklärung. Verlängerung der Slratzeubahnllnie 7. vom 1. November d. I- ab wird die Linie 7 von der Birkenstraße über Putlitzstraße, Puilitz- brücke und Föhrer Straße bi» zum Augustenburger Platz verlängert.— Mit dem gleichen Tage erhält die Grunewaldbahn Steglitz-Dahlem einen LO-Minutenbetrieb. � höhere Brikrttprelse. Da» Kohlenamt teilt mit: Infolge der ab 1. November in Kraft tretenden bOprozentlgen Erhöhung der Babnfrachten ist eine entsprechende Erhöhung der Kleinver- kausspreise für Briketts notwendig geworden. Die Preise betragen demnach ob 2. November für Küchen« und Ofenbrand ab Lager: 18,65 M., frei Keller: 19,65 M., für Kleingewerbe, ZetralheizungS- anlagen usw. bei suhrenweiser Lieferung ab Loger: 18,65 M., frei Keller: 19.60 M. Vrotkarteustichwort. In der Dache vom 81. Ottover vi»«. November darf Brot und Mebl nur aus die Brotkarte abgegeben und entnommen werden, deren Abschnitte das Stichwort Hermann Tietz, Wohlselle Woche, tragen., VczirrsVildunqSanSschuß. Heut« nachm. S Mr in der.Urania' Taubenitr. 4Si4S,„Der Kroßglockner, Kattem und die Salzburger Alpen'. Einlrittslarten zum Preise von 1,7S M. im Vorraum de» Theaters. Di« Verlosung der Plätze und Besichtigung der Experimentiersäle beginnt um 1 Uhr.— AvonnementSfestkonzert«. Neuauflage eine» Avonng- mentS für die solgenden dier Konzerte zusammen 18,29 M. im Bureau de» Be- zirlsbildungsauSschyffeS und bei den Mitgliedern der ZdreiSbildungsauSschsisse. Sonntag, den 6. November�abend» 8 Uhr, im Sophicn-Ghmnasium. Wein. meisterstr. 15, Einssihrungsabend sür da» am 18. November statt. findende Mozart- Konzert. Vortrag mit Demonstrationen am Klavier Dr. E. Fall, Gesang Frau Gertrud Wolf. Eintritt IM.— Freitag, den 2. Dezember, abend» 5'/, Ubr, in der Neuen Welt, Haien- Heide 108/114,„S i e g s r i e b', von Richard Wagner, 2. Tell au» der Tri- logie„Der Ring der Nibelungen' in erster Besetzung de» Deutschen Opern- Hause», unter künstlerischer Leitung de» Direktor» Herrn Hartmann. Karten ä 8 M. und Textbücher k 1,50 M.(VorzugSprel») zu haben im Bureau de» BezirUbildungSauSschuflc», bei den Mitgliedern der KreiSblidungSau». schüfle und in der Buchhandlung Borwärt», Lindenftr. 2.— Sonntag, den 27. November, abend» 8 Ubr, in der Aula de» Sophie«- Gymnasium», Weiinneisterstr. 15, findet der SinsührungSabend zur Oper.Siegsried' statt. Erläuternder Vortrag, Gesang und Demonstrationen am Flügel Dr. A. Kuttmann. Eintritt IM.— Die Karten sür die Aufführung des .Troubadour" am 18. Dezember d. I. find vergriffen Tas Programm de» Wohltätigreitsfeftes. da» der Verein Berliner Journalisten zugunsten seiner Witwen» und Waisenkasse unter dem Namen.Da» Fest der Journalisten' am 5. November im Zoo veranstaltet, hat eine Bereicherung erfahren. Zu den bisher gewonnenen Künstlern gesellen sich u. a. der Kammeriänger Jadlowkcr, Frau Kammer- sängerin Mafalda Salvatlni und Frau Valerie Doub. Der Kartenverkaus bat bei A. Wcrtheim, dem Hauptrestaurant Zoo, Eofä Josth, Potsdamer Platz, und dem Jnvalidendam bereit» begonnen. Zilmschau. Ju der Schaudurg kommt ein Programm zur Abwicklung, da» gut 3'/, Stunden füllt. Zuerst gibt e» einen Wildwest-Fllm.Sterne de» Westen»'. Motto: Dein Revolver ist der einzige Freund, ans den Du Dich verlaffen kannst. Dazu gehören viele galoppierende Pferde, Morde en eiQB und en ckätail, Verliebungen, Verlobungen, Heiraten und eine gestörte Hinrichtung. Darauf solgende Bühnenschau wird diesmal zum Lichtblick. Sie ist.Der Würger' betttelt und stellt eine Szene au» dem russischen Volksleben dar. Der starke Beisall war ein Fingerzeig dafür, daß dem Publikum ernstere Sachen sehr genehm kommen und daß es durch- auS nicht nur aus die kitschigen EnttleidungSstücke eingeschworen ist, wie man gerne glauben machen will. Lobenswertes ist auch vom Film»Der Schatten der Gaby Leed" zu jagen, der Karl Boele zum Ver- sasser und Regisseur hat. Dieser Film ist sehr großzügig aufgefaßt, er birgt eigenartige Reize, zeigt Naturausnahmen von seltener Schönheit und Treue und läßt li» WS Klewfte den sewsinnigen Künstler vcrsvüren. Die Be- setzung ist gut, doch müffen Grete Hollmann, Marha Tzatschewa und WU- Helm Dlegömann noch sonderlich erwähnt werden. Groß-öerliner parteinachrichten. Morgen, Montag, den 31. Oktober: 2.«reis. Lieraartea. 7 Uhr interfraktionelle Sitzung im«onfersnzzimmec der Schule Waldenssrstr. 20. Elternbeiräte, Ersatzmitglieder und sozialistische Lehrer sind Singeladen. 7. Kreta. Eharlottenburg. 7 Uhr im Sekretariat, Rostnrnstr. 4, Abschlußsitzung de» Festausschusses vom Wawsest. Rur die eigentlichen Mitglieder, von jeder Ableiluitg 2 Genossen, nicht Helfer, find eingeladen. 14. Kreil. Neukölln,«ritz, Bnckam und Nudow. 7 Uhr Funttionäroertamm- tnng in der Aula des Realgymnasiums, Kaiser-Frledrich-Str. 210. Tagesordnung: 1.„Die politische Lage". Ref. Franz Krüger, M. d. L. 2. Dis- kussion. 8.„Die Stadt- und Bezirksverorduetenwahleu". Ref. Anton Wen- deler. 18. Kreil,«eißeusee. 7H Uhr im Lokal Grawe, Lichtenberger Str. 8, Kreis. funktioniiroersammlung. 15. Abt.(früher 94.). 7 Uhr Sitzung der Parteifuuktwnör« und Betrietsver- trauensleute hei Obligo, Strolfunder Str. n. 18. Abt.< früher 95.). 7 Uhr bei Krüger. Huffitensir. 94, Sitzung sämtlicher Funktionär«. Erscheinen aller unbedingt notwendig. ». Abt.(früher 44.). Funkttonärsitzung 714 Uhr bei«erfin. P-nkstr.«0. 21. Abt.(früher 48.). 7 Uhr Funktionärversammlung bei Böttcher, Utrechter Straße 18. Parteifunktionär« und Betriebsoerirauensletibe müffen uubt- {bififtt 29.»it.(früher 48.). 7% Uhr Fliukttonärionf-renz bei T-Üde. MiMerflr.«2». Tezirt-führer und Detriebsvertrauensleute mühen auch erscheinen. 24. Abt. 7 Uhr Sitzung der Bezirksführer,«reisvertreter und Glt-rnbeiräte bei Winzer, Christburger, Ecke Winssiraße. Erscheinen Pflicht. 27. Abt.(früher 92.). 7)4 Uhr bei Kalter, Eleimstr. 45. Sitzung sämtlicher Funktionär«.._,______ 28. Abt. 7)4 Uhr Sitzung sämtlicher Funktionäre in der Schulaula Schog. 35. �Ä".' 7 Uhr Funktionärsitzung bei Schonack, Samaritersir. 8. 44. Abt.(früher g,). 7 Uhr Sitzung der Funktionäre bei Gläser,«ottbufer Ufer 99/40. Erscheinen Pflicht..... �' 45. Abt. 7 Uhr Sitzung des Abteilungsvorstandes wtt dem Komitee und den Kontrolleuren bei Wolf, Forster Str. 44.„.,. 48. Abt.(früher 19.). 7 Uhr gemeinsamer gahläbend sämtlicher Bezirke bei Gliesing, Wasscrtorstr. 88. v 85. Abt. Tcmpclhol. 8 Uhr Funktionärkonferenz IN der WerderfchU«. Werder-, Ecke Fried rich-Wilhelm-Straße. Erscheinen aller KrelSdelegierten drMzeiid 25. Ä'bt�ieulölln. TV, Uhr bei Srieger, Lessingstr. 9, Gesangssiund». Alle sangeslustigen Genossen werden gebeten, zum Einsiben von Marfchliedcrn zu erscheinen. Liederbücher sind mitzubringen; be» weiteren sind auch Liederbücher in der Gesangsstunde zu haben.... 130. Mt. Pankow. 7(4 Uhr Funktionärsitzung bei Korgtkowsli, Florasir.(3. 136."libt Sicinickendors-Lst. Funktionärsitzung bei Lindstedt, Refidenz'ir. M. Arauenveraastalwngea: 8. Abt.(früher 27.). 7(4 Uhr bei Dodrohlaw, S-pnemllnber Str. 11.$i« Genossinnen werden bringend ersucht, zu erscheinen._ 94. Abt.(früher 18.). Bei Burmeister, Eadincr Str. 21. Thema:„J5 218, 33. Abt.'(fcühe?5«�.� 7(4 Uhr in der Gemeindeschule Höchstestr. 94. Thema: Die ssrau und der Sozialismus" von Bebel.„_ 47. Abt.(früher 12.). 7(4 Uhr bei Brandt, Muskauer Str. 1. Thema:.Fronen- kranlhciten". Ref. Dr. gadcck. Die Frauen aller Mitglieder und Gaste 58. Abü�Eharlottenbnrg. 7(4 Uhr in der Schulaula PeftawulsKaß. 40.»bra,°- �reie Schule" Ref. Pfarrer Bleier. Besonders Gegner sind eingeladen. 51. Äu EH-elott-nburg. Di« Genossinnen beteiligen sich an de- Veranstas. 81. Abt? �Friedenau�7(� Uhr Luisenschule, Goßlersiratze. Thema:„Die Be- deutung der Konfumzenossenschaft". Rest Emil Buchholz. 103 Abt. Obcrschuncwcldc. 7(4 Uhr im geichensaal de» Realgyinnanuins. ge�pelinstraß«, Vortrag des Genossen A. Bcrgemann. Frauenangelegen- ltC U Uebsrmorgen, Dienstag, den 1. November: U e'Ä dS ©U bisherigen fowie die neugewählten Stadt- und Bezirk-ver-rdnelen 2. JUeU*" r>ergÄen"�7�Uhr' Areisvorstandssitzung. 9 Uhr erwettert» kreis- 7.°««SdÄ �"b.?B?�"H°lste.nisch« Str. 60,«dteilunoe- �rUmwnm SaVsortnung:„Die bÄ« Lage und die«trtschafchche .. Bedeutung. yberschsestens. U�«tm°i.r.«lubhan-, 91 ast.'s c�kö II n.7(4'"uii't«bteilung-v-rsraimlung im Reuen Klubhaus, ' Hermannstr. 188/187. Thema:„Die politisch« Lage. Res. Heinr. Bierbücher. Frauenveranstaltungen: 121 Abt.«arl.horsi. 7(4 Uhr bei Belau. Rädel-, Ecke Prinz-Adalbert-Straß.. „Die Mitarbeit der Frau in der Kommune. Res. gabel. » 98.«it.(früher 92.). Die sür Mittwoch, den Z. November, ragesetzt« Mit- gliederversammluna findet erst am 9. November statt.„■ � 8. Kreis,«..»iberg. DI« Mltgll-derversammlung-n samtlicher««ellragra de- «reife» zum Mittwoch, den 2. November, fallen-u-" Dafür s-ndet d-e Kreismltglledervrrsammluna am Mittwoch, de» 2. November, rn k-ie„is Festsälen. Vasenheid« 18, ftatt- 8«reis,«renzberg. Mittwoch, de« 2.«ovember, 7(4� Ahr, Kreis- mital'lederoerfommlung i»«liem» Fefffäle», Hasenheid« 18. Thema: Parteitag". Franz Krüger. R. d. L. �ugenüveranstaltungen. verein«rirlter-Inge-d.«ekeetariatt SD. N. Lind»»str. 8. 2. Hos links 2 Treppe» rechts. Telephon! Mpl. 121 08—10. Heule. Sonntag, den 30. Oktober: «in Elternabend Nnbet von der Abteil»«« Treptow WIugeadheim Ell'? W nVä Ä lär ZNoraen. Montag, den 31. Oktober: WaZSSTSSMwfc Sport. Renne« z« Grunewald am Sonnabend. 29. Ottober. Erste» Rennen. 1. Schipper(Lüder), 2. Rotbart9•" Korsett aus lila Drell/ f mit 1 Paar Haltern•■■" Korsettau» mode Dretl/'(. mit I Paar Haltern" Korsett aus rosa Drell�yo wascbb£inl.m.lPJdal>*®*— � Büjtenli«Itcrr«nUtk.l2.50 WirkWaren Herren-Hemden wollgcmischt, Mittelgr.�ö-" Herren-Beinkleid wollgemischt, Mittelg.4<5.DU Dam en- Ref ormkemkletd weiche Qualität, ÄQI� .................... QO.ID Damcn-Hemritosen«q feingestrickt......... Ol/,"" Schürzen Sckmucksckürze.- GatislnilStickerriiÜamclwakD.— Sckmucksckürze mit«« TrI|.J«ti»liii�tick.�ini.Ai».«5".— Blusensckiirsea.grau.jj � Ness� tu, Borte gorniert��-*" Kleiderackürxe, Wien. Form, grau Nessel mit ein- An farbigem Paspel..... wä. Heirenkleidung H aus J Opp Clla.warm. 1 aq Stoff mit Agraffen.. X�ö.** Schlafrock z. Knöpf., q» in vielen Farben... i- a� U.— in vielen Farben.. Winter-Joppe warm gelüttert... Sportpelze, flotte Ausführung in großer Auswahl Herren-Hüte Herren-Hut in verschied. Farben«50.~ Haarfila-Hnt...... 78.- Strickbinder in ver- q aebiedenen Farben... Selbstbinder sfa»Ftia25.. Hosenträger i» ka vwifk LsdeXPÄtleifc Gardinen Erbstüll-Halbvorbaoff mit Bändchenarbeit. Halbvorbang aus gewebtem Tüll mit Figuren-Fries.,. Erbstüll-Gamitur. qq 2 Flügel, I Querbehang GewekteXull-Garn.-t a/\ 2FlügeI, I Querbehang Transport, Öfen EiserneDauerbrand-Ofcn m. feuerfester Chamotte-Analage 210.- us 725,- Kactel-Oren aus feuerfesten Majolika-Kacheln 500.— b» 2500.— Ei™, öt«£££•*- SPAMOAUEftSTRAS&fi ck V&ivtfdyaft Die Deutschen Merke bedroht. Durch die Maßnahmen der Interallierten Kontroll» k c m m i s s i o n sind die Reichsbetriebe der Deutschen Werk« A.-G. auf das Schwerste bedroht. Die Interalliierte Kommission hat die Aufgab«, aus die Durchführung der Entwaffnungsvor- schritten zu achten. Dabei hat ste sowohl gegen die Privatindustrie wie jetzt gegen die Reichswerte Vorschriften' erlassen, die an blinde ZerstSrungswut grenzen. Die frühere Pulver. fabrit in Hanau wurde daran verhindert, Schießwolle, die vorher eigens zu diesem Zwecke freigegeben war, zu F i l m w o l l e zu verarbeiten. Das Werk selbst soll zerstört, die Gebäude bis auf den Erdboden vernichtet, elektrische und Dampfleitungen herausgerissen und sogar die unterirdische Kanalisation zertrümmert werden. In Spandau wurde für die Stahlformgießerei eine neue Walzwerkanlage benötigt, also ein Betrieb, den jedes Privat- unternehmen sich ohne weiteres beilegen kann. Die Entente ver» bat diese Anlage und stellt damit den Betrieb in Frage. Aus dem Werke Haselhorst wurden von den 14 500 Maschinen, die bei Kriegsend« da waren. 5500 Maschinen zerstört, 4190 andere, ganz normale Werkzeugmaschinen müssen entfernt werden. In dem Werk Erfurt wird die Fabrikation sämtlicher Jagd- und Sportwaffen verboten. Alle diese Maßnahmen erfolgten ohne Rücksicht auf das Fabrikations Programm der Werke, sie bedrohen ihre Fortführung, und bringen, wenn sie tat- sächlich angewandt werden. Taufende von Arbeitern um ihre Ar- beitsstelle. Dabei handelt es sich, wie schon aus der Zusammen- stellung ersichtlich ist, auch um Anlagen, die auch für Friedens- zwecke benutzbar sind. Das Vorgehen der Interalliierten Kam» Mission ist um so bedauerlicher, als es den Deutschen Werken unter dem erbitterten Widerstande der Privatindustrie gelungen ist, sich in großem Umfange auf die Friedensproduktion umzustellen. An. gefangen von Stahl- und Walzwerken, Maschinen- und Eisenbahn- bedarfswerkstätten hat man sich auf die Fabrikation von Möbel- wagen, Automobilbestandteilen, Erntemaschinen, Holzhäusern, Automaten usw. umgestellt und so die Werke zu einem Wirtschafts- faktor gemacht, der berufen war, die Reichsfinanzen erheblich zu stützen und so Deutschlands Zahlungsfähigkeit für die Wiedergut- machung zu fördern. Aus lauter Rüstungshysterte verhin- dern nun die Ententeoffiziere den weiteren Aufbau dieser Werke und fordern die Beseitigung selbst solcher Anlagen, die zweifellos der Friedensproduktion dienen können. In weitestem Maße ist man bisher den Forderungen entgegengekommen. Die Grenze ist aber jetzt erreicht, wenn nicht überschritten. Die Entente sollt« sich doch selbst sagen, daß es sinnlos ist, die Zahlungskraft des beut- sehen Volkes durch Zerstörungsmaßnahmen an seinen Produktions- Werkstätten zu schwächen. Die Regierung wird sich in einer Rote an die Entente wenden. Wir hoffen und wünschen, daß sie mit ihren Vorstellungen auf die Kontrollkommission Eindruck machen und sie von solchen törichten Schritten fernerhin abhalten wird. ver Stand der Nack. Im Vergleich zur vorigen Woche zeigt die Mark eine erneute- wenn auch nicht starke Entwertung. Der Dollar stieg von. 157 auf 177 M. im Preise. Sehnlich entwickelten sich die übrigen'De- Visenkurse. Im Vergleich zu früheren Stichtagen ergaben die wich- ttgsten Notierungen folgendes Bild. Man zahlte für: 1. 10. 17. 10. 22. 10. 29. 10. 3896.10 5894,10 5644.35 5033,95 452,50 704,25 659.30 599,30 124,37 184,31 167,33 177,57 874,10 1348,55 1199,75 1238.70 2147,85 3595,40 3051,90 3245.75 am 23. 7. 100 boll. Gulden 2477.60 1 Pfs. Sterling 1 Dollar... 100 französ. Fr. 100 Schweiz. Fr. 100 österr. Kr. abgestempelt 9,13 100 tschech. Kr. 101,25 239,70 81,03 620,85 1321,15 7,82 127,35 9,23 179,80 8,78 174,80 7.98 171,80 Die amtlichen Notierungen fremder Wechsel an der Berliner Börse waren also am Wochenende nicht mehr weit von ihrem Höchststand am 17. Oktober entfernt. Der Verlust der deutschen ZahliingSlraft im Laufe dieses Monats wird ersichtlich, wenn man die Preise fremder Geldsorten vom 29. und vom 1. mit einander vergleicht. Die Mark hatte bi« MonatSmitte fast ein Drittel ihrer damaligen Zahlungskraft eingebüßt, und seitdem ist dieser Stand fast unverändert geblieben. Tie Verheerungen, die dieser Baiutasturz anrichtete, nachdem schon die letzten Monate eine allmähliche Verschlechterung der Mark gebracht hatte, werden mehr und mehr fühlbar. Die Preise. besonders diejenige» ausländischer Lebensmittel, zogen scharf an, und diese Entwicklung ist noch längst nicht abgeschlossen. Immer noch kann der Ausländer in Deutschland bedeutend billiger ein- kaufen als im Ausland, weil die Kaufkraft der Mark im Inland bedeutend größer ist, als es nach den Devisen- lurse den Anschein hat. Der Ausverkauf Deutschlands, der trotz Verschleuderung der Waren den Verkäufern bedeutende Valuta- gewinne bringt, ist nur eine einfache Folge diese« ZustandeS. Um ihm entgegen zu wirken, und einen Teil der Valutagewinne zu er- fassen, wurde die Erhöhung der Ausfuhrabgabe be- schlössen. Der neue Tarif, der eine ganze Reihe von Waren bis zu 10 Prozent, andere je nach ihrem Gehalt an ausländischen Roh- stoffen geringer belastet, ist soeben veröffentlicht worden und tritt am 1. November in Kraft. Die Unterbietung anderer Staaten am Welt- markt wird auch dieser Tarif nicht beseitigen. Und so wird die Entwertung der deutschen Mark weiter die Siegermächte Wirtschaft- lich schädigen, die Staaten sowohl und ihre Wirtschait, wie noch mehr das Proletariat, das durch die Ueberschwemmung mit deutschen Waren zur Arbeitslosigkeil und zur L o h n h e r a b- s e tz u n g verurteilt wird. Hier hat es der Wille der kapitalisti- schen Sieger trefflich verstanden, in die internationale Solidarilä der Arbeiterinteressen eine Bresche zu legen, indem er einem Volk zur Abwehr bewaffneter Gewalt riesige Arbeitslasten auf- zwang, die die Produktion der anderen Länder brachlegte. Keine Hochschutzzölle können über diese Tatsache hinwegtäuschen Die LorsiLnge im Eifenmirischaftsbund. Im Cisenwirffchaftsbund haben sich bekanntlich starte Ausein- andersetzungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitern abgespielt. Die letzteren vertraten den Standpunkt, daß es an der Zeit sei, durch Höchstpreise das Herauffchnellen der Eisenpreise zu bremsen. Die Forderung wurde von den Arbeitgebern abgelehnt. Darauf gaben nach dem Bericht der„Deutschen Werkmeisterzeitung" die Arbeiter und Ange st eilten folgende Erklärung zu Protokoll: „Die Vertreter der Arbeiter und Angestellten im Inland- Arbeitsausschuß des Eisenwirffchaftsbundes halten die sofortige Wiedereinführung von Hoch st preisen angesichts der Preisentwicklung auf dem Eisenmarkt für ein unbedingtes Erfordernis. Nachdem durch den geschlossenen Widerstand der Erzeuger-, Händler- und Berbraucherunternehmer die Wiedereinfüh- rung von Höchstpreisen mit Stimmengleichheit abgelehnt wurde, sehen sich die Vertreter der Arbeiter und Angestellten zu folgender Erklärung verpflichtet: Diejenigen Vertreter der Arbeiter und Angestellten, die in der Sitzung vom 22. April 1921 der Aufhebung von Höchstpreisen zu- stimmten, haben es erst nach der Zusicherung des Ver» lreters des Reichswirtschaftsmini st ers getan, die Hoch st preise wieder einzuführen, wenn sich die Marktpreise den letzten Höchstpreisen des Eisenwirtschafts- bundes nähern würden. Obwohl die heutigen Marktpreise bereits mehr als 60 Proz. über den letzten Höchstpreisen liegen, hat der Reichswirtschafts- minister von seinem Rechte auf Wiedereinführung der Höchstpreise noch keinen Gebrauch gemacht. Deshalb fordern sämtliche Vertreter der Arbeiter und Ange- stellten das Reichswirtschaftsministerium dringend auf, im Interesse der schwer gefährdeten Volkswirtschaft nunmehr un» o erzü glich von seinem Recht nach der Verordnung zur Regelung der Cisenwirtschaft Gebrauch zu machen. Schon heute lehnen die Vertreter der Arbeiter und Ange- stellten die Verantwortung für die bisher eingetretenen und sich weiter verschärfenden Folgen der Preisentwicklung auf dem Eisemnartte ab." Die Vertreter der Erzeugerunternehmer gaben durch den Herrn Direktor Ohly ebenfalls nachstehende Erklärung ab: „Wir bitten, die Beschlußfassung über den heutigen Beratungs- gegenständ„Aussprache über die allgemeine Lage und etwaige Maß- nahmen" bis zum 22. November v. I. auszusetzen, da die wirt- schaftüchen Verhältnisse zurzeit unübersichtlich liegen, daß es un- möglich ist, heute zu bestimmten Abmachungen zu gelangen. Am 22. November soll eine Ätzung des Inland-Arbeitsausschusses statt- finden, in welcher die Beratungen über die etwaige Wiederein- führung von Höchstpreisen oder über andere durch die Sachlage gebotme Maßnahmen fortgesetzt werden sollen. Inzwischen soll eine auf freier Vereinbarung beruhende Kam- Mission sich bemühen, durch Festsetzung angemessener Richtpreise dem Handel und den Verbrauchern die nötigen Unterlagen für ihre Preisstellung zu bieten. Die Arbeitnehmer sollen zur Teilnahme an den Arbeiten dieser Kommission ein- geladen werden." In dieser Erklärung wird-die kleine Kommission genannt, zu der die Arbeitnehmer als Zuhörer eingeladen werden sollen. Aus eine Anfrage des Vertreters des Reichswirtschaftsministers, ob in dieser Kommission die Parität gewahrt und die Arbeitnehmer mit gleichem Stimmrecht zugelassen würden, erklärte der Vorsitzende ausdrücklich:„Rein, diese Kommission steht außerhalb des E W V., vom Stimmrecht kann dort keine Rede fein: es wird auch nichts abzustimmen geben." Hierdurch kommt klar zum Ausdruck, daß eine Ausschaltung des EWV. beabsichtigt war, zu der die Arbeitnehmer nicht ihre Zustimmung geben tonnten: andererseits würden sie damit auch ihren Appell an den Reichswirffchaftsminister preisgegeben haben. Unheimlich schnell hat dann die kleine Kommission gearbeitet. Um 7 Uhr abends ging der EWV. rcsultatlos auseinander, und um 6 Uhr des darauffolgen- den Morgens konnte man in den„Düsseldorfer Nachrichten" schon die Richtpreise, die die kleine Kommission beschlossen, nachlesen. Wir sind nun gespannt, was der Reichswirtschaftsminister zu tun gedenkt. haben wir zuviel Fukkermitlel? Uns wird geschrieben: Die Landwirtschaft klagt über Futtermangel und weiß nicht, wie sie das Vieh durch den Winter bringen soll. Trotzdem gehen ober Futtermittel, welche für die Erhaltung des Vichstandes dringend notwsizdig sind, ins Ausland. Die in den Oclmüblcn als Rest- bestände gewonnenen O e l k u ch e n. die zu den besten Futter- mittel» gehören, werden zum größten Teil nach dem Ausland ver- kauft. Soll unsere Viehzucht nicht schwersten Schaden leiden, muß hier schnellstens eingegriffen und die Ausfuhr verboten werden. Der Ausvorkaus in Bayern. Im bayerischen Landtag wurde von demokratischer Seite eine Anfrage an die Regierung eingebracht, welche darauf hinweist, daß der Sturz der Valuta auch in Bayern unhaltbare Zustände geschaffen habe. Der Ausverkauf deutscher Waren sei für die deutschen Verbraucher im höchsten Grade verderblich. Die Ausländer kaufen auch in Bayern die Läden völlig leer, so daß es nicht zu verwundern fei. wenn sich der Be- völkerung eine von Tag zu Tag immer größer werdende Unruhe bemächtigt. Die Staatsregierung wird gefragt, ob sie diesen gefähr- lichen Zuständen nicht so rasch als möglich entgegentreten will. Der Absatzmangel der Saargruben. Auf Montag, den 31. Ok- tober ist die fünfte Feierschicht aus den Saargruben infolge Absatzmangcls eingelegt worden. Seine Karlosselverschiebungen nach Essaß-Loihringen. Die in der Presse verbreiteten Gerüchte, wonach angeblich die von Deutsch- land in das Saargebiet gelieferten Kartoffeln nach Lothringen verschoben worden seien, werden nachdrücklichst durch eine Er- klärung sämtlicher Gewerkschaften des Saargebietes widerlegt._ Vorträge, vereine und Versammlungen. D-Ntsch« Tran-port-rietttr.Vc-band. Hrute!>'( Uhr V-llversammluna aller in In Wroß-Bcriinec Metallindustrie belchäsiigicu Transport», Hilfs- arbeitcr und Arbeiterinnen in den Nammersälen, Teltorpe- Str. 1—4, Ecke Belle-Alllance-Straste. Bericht stder den Stand der Lohnbeweznna und Ve- schluhfassuna. Verdandsauow. legitim.— Branche 3(Sisen,«Sias, Export, Spiel- waren, Alt»Metall, Alabaster). Montag K Uhr im großen Saale des Gewcrtschafts- Hauses, Engelufer 24/25, Branchenocrsammlung.— Handclshilfsarbeitcr und -arbeiterinnen aus allen Betrieben des Fell- und Hiiutcgrohhandelsl Montag 7 Uhr bei Witte, Poststraße 2g, Gruppenvcrsammlung. iZeutraloerbaud der Schuhmacher. Branchenversanimlung der Einleister. Montag« Uhr bei Scnschcl, Köpenicker Str. 127a, Branchcnoersammluug der Ballschuhmacher SZH Uhr bei Bocker, Weberstr. 17. In beiden Versammlungen: „Unsere Lohnforderungen". Steinholzleger. Montag 7 Uhr Versammlung Gewerlschafishaus, Engel- ufcr, Saal 10. Bericht der Lohnlommisfion. gciitraloerbaud der Angestellten. Montag! Ware», und KredithSuser: Mitgliederversammlung 7Z? Uhr Neue Philharmonie, Köpenicker Str. S«/g7.— Dienstag! Holzhandel: Mitgliederversammlung 7)4 Uhr in der Neuen Phil- Harmonie, K-ipenicker Str. 06/97. Deutscher Vertehrsbnnd. Seltionsleitungo- und Branchenleitungsmit- glreder, Funliionäre, Betriebsräte und Bertrauenslcutc! Monurg 7 Uhr Ke- werkschaftshau», Engcluser 24/25, Sitzung.— Mittwoch b Uhr Tewerisc Haus, Engcluser 24/25, Seltionomitgli'''"''" Lage und die neuen Gehalts, und Lo Betriebsräte bei stehen. Donnerstag Versammlung. ..... igeluser 24/25, Sitzung.— Mittwoch 6 Uhr Gewerischafts- ,, Engelufer 24/25, Eektionsmitgllederversammlung. Unsere wirtschastl'.che uen Gehalts, und Lohnforderungen. der Berwaltnnasbezirte 1—«, die den Bezirlsämtern unter» »g 5 Uhr Schulaula Margareten-Lyzeum, Ifslandstraße, Boll. Demvsthcues beginnen am 1. November un- stotternd� Damen�uud Herren. Negelmäßig ...... rschi» Oderrealschule, 3« Berel», entgeltliche Unterrichtsnöende____________________________________ jeden Dienstag, abends 8 Uhr, in der Friedrich-Werderfchen Oberröalfchüte" Riederwall ftraße 12.— Berliner Arbeiter. Schach kliib, Abt. Eharlottendurg. hat fein Lokal nach Laiser. Friedrich-Straße 84, Ecke Wallstraße, verlegt. Ber. einsadcnd jeden Donnerstag von 8—12 Uhr abends sowie Sonntags vor» mittag freier Schachverichr für jedermann.— FreireligiSle Gemeilld«. Heute, varmrttag 11 Uhr, rm Rathaus, Siinigstrabe, Sortraa des Herrn Dr. H. Hasse: „Bom goldenen Kalbe". Harmonium: Aus„Der Freischütz*(Weber). Gäste willkommen. (Schluß de» redaktionelle» Seils.) Gliederreißen, Gicht, Nervenschmerze«. „Togal hat in kurzer Zeit Wunder gewirkt." Herr Lehrer Sl. Röstel, Berlin, ersucht um Veröffentlichung folgender Mitteilung:„Seit einem Jahrzehnt litt ich an heftigem Gliederreißen. Ich versuchte Einreibungen mit russischem Spiritus, Massage, heiße Bäder und Dämpfe, elektrische Ströme, alles half nichls. Eines Abends wälzte ich mich vor Schmerzen in meinem Bett. Meine Frau las den L,-Anze>ger und fand das Inserat von dem Togal. Am nächsten Morgen holten wir aus der Apotheke Ihre Pillen. Sie haben in kurzer Zeil Wunder gewirkt. Ich kann sie mit gutem Gewissen empfehlen." Derartig überraschende Er- folge wurdey mit Togal nicht nur allein bei Gliederreißen erzielt, sondern auch bei Gicht, Rheuma, Ischias, Hexenschuß, Nerven- lind Kopfschmerzen, was zahlreiche, freiwillige Anerlennungsschreibcn bestätigen. Hervorragende Aerzte verordnen Togal! Ein Versuch überzeugt 1 In allen Apotheken erhältlich. sfejfäöM&ivVr*'■% rjRfsp.■' Gesdlidiafl XKL Ö. H. * B E R LI N N, a4* FR I --V.Ä« vjiL_.r Verkauf im 2. Slock/ Fahrstuhlbenulzung Gegenüber der Karlstrabe . 110-1 ■" 4 V �?vä Kein Laden/ Geöffnet von 81/» bis 61/» Uhr Besonders günstige Angebote Damen-Kleidung? 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Denn sie wird im Preußischen Landwg einmal mit..?» entscheiden haben über die Frage: In welcher Weise soll sich der Preußische Staat finanziell mit der von ihm getrennten Kirche auseinandersetzen? Daß die Trennung von Staat und Kirche endgültig vollzogen werden wird, ist unbezweifclbar und ist gut. Aber nun sollen die sogenannten smovzielle.n Verpsikchtungen des Staate? on die Kirche irgendwie abgelöst werden, es sei denn, daß dt« Kirche von sich aus aus idealen Beweggründen darauf verzichtet, was nicht sehr wahrscheinlich ist. Denn leider hat sich die Kirche der Bergangenhest ebenso stark als eine Rechtsinstitution entwickelt, wie als«ine religiöse Stiftung ihres Gründers. Bei dieser Sachlage wird unendlich viel darauf ankommen, bei Zeiten rechtlich klarzustellen: Welche menschliche Gemeinschaft darf sich als christliche Kirche bezeichnen und zwar in diesem Falle als evangelische christlich« Kirche in Preußen? In der vorläufigen Tagung der oersassunggebenden Versammlung haben sich Stimmen dchür erhoben, die die Zugehörigkeit zur Kirche der Zukunft mög- Ii ölst erschweren und ihre Grenzen so eng ziehen wollen, daß Millio- nev von denen, die heut« zur Kirche gehören, draußen bleiben müßten. Sie verlangten ein« möglichst streng« Bindung des Ein- z einen an„die Bekenntnisse der Väter" und hatten dabei insonder- büt das viel umstrittene Apostolikum im Auge. Nur, wer die Aus- tagen dieses Lehrbekenntnisses„glauben", d. h. für wahr holten kann, fall als ein vollberechtigter Christ gelten und an allen Rechten d>»r Kirche wie der Einzelgemeinde teilnehmen dürfen. Die Ber- -■'er dieser Forderung beharren dabei auf der trügerischen Voraus- '> ung, daß die Sätze des Apostolikums ein« kurze Zusammen» i'jsstmg der biblischen Grundwahrheiten seien und daß ihre Tendenz in der Hauptsache den Tendenzen des Evangeliums entspräche. Diese Boraussetzung ist von der protestantischen Forschung als ein grober Irrtum erwiesen worden. Ihre Fehlhaftigkeit liegt so auf der Hand, daß auch der Laie sich davon überzeugen kann, wenn er die Bibel einigermaßen unbefangen, d. h. unbeirrt von traditionellen Auslegungskünsten, zu lesen oermag. Er wird dann erkennen, daß das Apostolikum Sätze enthält, die in unvereinbarem Widerspruch mit den Lehren der Bibel stehen(„Auferstehung des Fleisches"), daß ste Dinge zu Hauplsachen macht, die in der Bibel völlig zurück- rreten und eine ganz untergeordnete Bedeutung haben(Jungfrauen- eeburt, Höllenfahrt, Himmelfahrt), vor allem aber, daß das Aposto- likum eine Menge von Dingen verschweigt, die dem biblischen Evan- gelium die allerwichtigsten sind. Das Apostolikum sogt kein Wort von der Reichs-Gottes-Berkündigung, die Christi Lebensaufgabe war, kein Wort van der Versöhnung, die er zu stiften gekommen war, lein Wort von der großen göttlichen Paradoxi«, die dos ganze Neue Testament durchklingt, daß die Mächtigen ußd Gewaltigen dieser Welt in Gottes Augen Schwächlinge find, und daß alles wahrhaft Crosse und Herrliche in der W-rtt von den Geringen zustande gebracht wird, von dem Zimmermannssohn aus Nazarsth und von seiner Jüngerschaft aus verachteten Volksklassen. Das Apostolikum weiß überhaupt nichts davon, daß die sittlichen Forderungen Jesu weit- aus die Hauptsache im Neuen Testament sind, daß das biblische ''■nsteiitum eine Religion der Gesinnung und nicht des Fürwahr- !•■ e is von Lshranschauungen ist. Christus hat die Zugehörigkeit zu seiner Gemeinschaft niemals von der Uebereinstimmung in Welt- anschauungsfrogen abhängig gemacht, wohl ober von der Grund- lichtuvg des menschlichen Herzens, von seiner Empfänglichkest und Begeisterungsfähigkeit für die hohen sittlichen Ziele feines Evan- geliums. Wer demgegenüber das Apostolikum als das Wesentliche in der K'nh? ausgibt, der verläßt damit den Boden des Evangeliums und begibt sich des Rechts, als Vertreter der„evangelischen" Kirch« an» gesprochen zu werden. Solchen Leuten gegenüber sollten sich die zusammenschließen, di« ihre Zustimmung zu den ethischen Tendenzen des neutestamentlichen Christentums ihr„Bekenntnis" nennen. Sie foll'en sich dessen bewußt werden, daß sie als Gesinnungsgemein» schaft eine Glaubensgemeinschaft bilden, die sich auf Christus als ihr Haupt berufen darf. Denn in Christi Auffassung ist Glaube Gesinnung gewesen, nichts anderes. Und sie sollten den Anspruch er- beben, daß sie die wahr« Kirche darstellen, weil sie mit dem Grund- satz der Reformation, das Evangelium soll in der Kirche entscheidend« Bedeutung haben, nicht irgendein menschliche, Bekenntnis, Ernst machen. Eine solche Gemeinschaft wird Zuschüsse vom Staat resp. eine große einmalige Abfindung schwerlich auf dem Rechtswege zu er- langen suchen. Sie wird, wenn sie nicht ganz daraus verzichtet, vielleicht um Beihilfen zur Erleichterung des Uebergauges bitten. Des Bittens wird sie sich nicht schämen, weil sie, von christlichen Grundsätzen orientiert, keinen falschen Würdebegriff mitbringen wird. Einer buchstabeugläubigen Kirch« gegenüber aber, die das bisherige Joch der Bekenntnisse womöglich noch verschärfen, dos Portal zur Kirche, wie sich einer dieser Vertreter der Rechten auf der Synode ausgedrückt hat, verengern mächt«, wird sich's der Staat zehnmal zu überlegen baben. ob«r ifir irgendeine Abfindung schuldig ist. Denn er wird ihr bestreiten können, daß sie die Rechtsnach- solperin der von Luther und den Resormatoren gegründeten„«von- geli'chen" Kirche ist. Auf der Synode selbst hat der sozialdemokratische Abgeordnele für Magdeburg, Eewerkschaftsarchivar Henneberg. Ausführungen gemacht, die obigen Darlegungen durchaus entsprachen. Die. Si)- node weiß also, welch eine Verantwortung sie trögl bK der rwn ihr zu treffenden folgenschweren Entscheidung. Mus alier Welt. Raubmord an einem Geldbrieslräger- Nach der„Dortmunder Zeitung" wurde am Freitag abend im benachbarten Brackel der Geldbriefträger Redicker auf der Straße vor dem Post- amt durch mehrere Schüsse schwer verletzt und ihm ein Geld- betrag von 1S0(>l> Mark geraubt. An den Schußver- letzungen ist Redicker gleich nach seiner Einlieserung in das Krankenhaus gestorben. Der Täter ist unerkannt entkommen. Künstler als Falschmünzer. In München wurden als Falsch- münzer ein ehemaliger Opernsänger, ein Schauspieler und ein Konzertdirektor aus Landshut festgenommen, die sich mit der Herstellung von grünen Fünfzigmark-Banknoten(Aus. gäbe vom 24. Juni 1919) befaßten, von denen sie bereits für hunderttausend Mark hergestellt hatten. Bon dem falschen Geld konnten 46 909 Mark noch beschlagnahmt werden. Bauiöiigkeil aus den» Riesengebirgskamme. Aus Hirschberg wird gemeldet: An der neuen K a m m l, a u d e, auf deutschem Gebiet, gegenüber der Riesenbaude, wird rüstig gearbeitet. lieber SO Arbeiter sind damit beschäftigt, die Baude noch vor Eintritt des Winters unter Dach zu bringen. Die Baumaterialien werden von Brückenberg über die Hampelbaude angefahren. Auch die idyllisch am Kleinen Teich gelegene kleine Baude wird einem Um- und Erweiterungsbau unterzogen, mit dem jetzt begonnen worden ist. Ferner wird noch das Hotel„W a n g" bei der Kirche Wang in Brückenberg vergrößert. Im Westen des Gebirges schreitet der Bau der neuen Baude auf dem Reifträger rüstig vorwärts. Ein Passagierdampfer gekentert. Ein Passogierdampfer, der zwischen Antwerpen und der Themse verkehrt, kenterte beim Verlassen der Londungsstelle in der Scheide. Zehn Passagiere sind gerettet. Man befürchtet, daß über zwanzig Personen ertranken. Das Alkoholverbot für die farbigen Truppen. Drei betrunkene marokkanische Soldaten hotten ihren Vorgesetzten beleidigt und an- gegriffen. Es wurde festgestellt, daß sie den Alkohol von dem Gast- wirt Karl Schneid erhalten halten. Das Urteil des Wormser Entente- Kriegsgerichts gegen den Gastwirt lautete aus 1599 M. Geldstrafe und drei Monate Sperrung des Lokals für Militär. Die Be- strafungen von Gastwirten wegen Alkoholoerlaufs an farbige Trup- pen werden an dkm Uebel der Ausschreitungen Farbiger nichts ändern können, da diese meist unter Drohungen in den Gast- wirtschaften die Herausgabe von Alkohol erpressen. Clemenceaus„Privak"denkmak. Das Gewerkschaftsblatt„L e P e u p l e" mußte 1 5,2 S Frank entrichten, dem Urheberge- f e tz gemäß, weil es eine Reproduktion des Clemenceau- d e n k m a l s in St. H e r m i n e veröffentlicht hatte. Das Blatt erklärt, es hätte nicht gewußt, daß dieses Denkmal privater Art sei. Es wäre vielmehr der Ansicht gewesen, das Denkmal, da es auf einem öffentlichen Platze stand, photographieren zu dürfen. Da man aber von ihm nunmehr dem Urheberrecht gemäß eine Gebühr verlangt habe, so verstehe das Blatt jetzt, warum Clemenceau bei der Denkmalsenthüllung keinen Photographen zu- lassen wollte. Der spanische Dampfer„Torre de lloro" hat S ch i f f b r u cb erlitten. Von den 24 Mann der Besatzung konnten sich nur zwei reiten. Durch einen schweren Gewikiersturm ist in Florida(Kali- sornien) ein Sctmven von mehreren Millionen Dollar angerichtet worden. Fünf Personen fanden den Tod. Die Explosion des Forks St. Elena. Wie„Corriere della Sera' meldet, hal die Explosion der Pulverkammer des Forts St. Elena an der Niviera das Dorf Cergagi voll st än big zerstört Bis jetzt wurden gegen 29 Schwerverletzte geborgen. Es gab gegen 199 Leichtverletzte und mehrere Tote. Der Waldbrand in der italieuischen Niviera bei Bado Ltgure, der zu der Explosion des Pulverlagers von St. Elena führte, dauert infolge eines heiligen Sturmes mit utr vermin- berter Kraft an. Auch in der Stadl Savona kam es bei der Explosion zu SchreckensszeNen. Nach einem Bericht des„Seccolo' forderte die Erplosion zahlreiche Tolc als Opfer. Infolge Hochwassers ist die Brücke über den Amatofluß, die 129 Meter lang ist, der Reggio Calabria eingestürzt, als der Schnellzug P a l e r m o— N o m darüber fuhr. Die Lokomotive, der Gepäck- und Postwagen stürzten in den Fluß. Von dem Per- sottal des in den Fluß gestürzten Zügteiles har sich nur der Hetzer retten können. Die gesamte Post einschließlich der Wertsachen ist verloren. In dem Zuge befand sich auch der Post- minister G i u f f r i d a. Ein weiblicher Rlandari. Ein merkwürdiger Kriminalsall be- schästigi die Oefsentlichkeit Japans. Eine junge Japanerin namens Koneki hat 18 Männer vergiftet, nachdem sie jeden von ihnen zum Abschluß einer Lebettsversichenxng zu ihren Gunsten veranlaßt hatte. Sie stammt aus bester Familie und ihre hohe Geisteskultur wird überall gerühmt. Sie wußte alle Aerzte und Versicherungsgesellschaften trefflich zu tauschen. Den ersten Mord beging sie an ihrer eigenen Schwester, in deren Gatten sie-sich verliebt hatte. Sie lockte die Männer, die sie zum Todesopfer aus- ersehen hatte, in ein Teehaus und setzte ihnen vergifteten Wein vor. Erst nach dem 18. Morde gelang es, ihrem Treiben ein Ende zu machen. Wetterbericht bis Montag mittag. 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