Nr. 51 4 ♦SS.�ohrgoftQ Ausgabe B Nr. 255 Bezugspreis: M-rtelj«l>rl.8L.- M.. monatt. Ii- SJt frti ins öaus. voraus zahlbar. Post- Bezug l Monatlich 12,— M. einschl. Zu» ftellungsgedllhr. Unter Kreuzband fstr Deutschland. Danzig, das Saar, und Mcincigedict, sowie die ehemals beul- scheu Gebiete Polens, Oesterreich Ungarn und Luxemburg 22,— M., für das übrige Ausland 2g,— M. Post- Bestellungen nehmen an Oesterreich, Ungarn, Tscheche- Slowakei, Düne- man, Holland. Luxemburg, Schweden und die Schweiz, Der.Vorwärls" mit der Sonntags- Beilage»Volk und Zeit*, der Unterhaltungsbeilage.Leimwe'it" und de« Beilage.Siedlung und Ülemgarlen* «scheint wochenlaglich zweimal. Sonn» tags und Montag» eimnall Telegramtn-Adreffe: «Sozialdemokrat S-rN»» Abend-Ausgabe Verlinev Volksblstt (Z0I»k«?,nig) Rnzeistenpreiö: Die neungespalteni Nonoareillczeil« tostet 6,— P.„filalne Aitzeigcn- das fettgedruckte Wort 2,— M,(zu- lässig zwei fettgedruckte Mörtel. leve» weitere Wort 1,— SBL Stellengesuch« und Schlasstellenanzeigen da» erst» Wort t.— M»>edcs weitere Wout so Psg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. ssamilien-An» zeigen für Abonnenten Keile ÜW M. Die Preise verstehen sich einschließlich Teuerungszuschlag. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis S LH« nachmittag» im Hauvtgeschäft. Berlin EW 68, Linden- straße 8. abgegeben werden. Geöffnet von S Uhr srüh bi» 6 Uhr abend». 2entralorgan der rozialdcmohrati fehen parte» Deutfchlands Neüaktion unS Expedition: EW SS, Linöenstr. 3 Äe-vnkt,r-d,er> Redaktio« Morihpiast»SIVS-S? zigernspre-nicr. Expedition Moritzplatz lI7SZ—S4 Vonvärts-Verlag G.m.b.H., EM öS, Linüenstr. 3 Nernittrorltov- Verlag,«xpeditiou und Inseraten. hchernspreryer. Adteilung Moritzplatz msa-M wahlerfolge in Saöen. Sozialöemokratischer Stimmenzuwachs.— Zwei- ürittelmehrheit üer Regierungskoalition. Sarlsruhe, 31. Oktober.(Gig. Drahtbericht.) Die badischen Landtagswahlen haben bei einer Wahlbeteiligung von 50 bis 80 Prozent der Regierungskoalition einen vollen Er- folg gebracht. Die Sozialdemokratie erhielt 201 SZl Stimmen, was gegenüber der letzten Reichstagswahl(100 298 Stimmen)«ine Zunahme von IS 000 Stimmen bedeutet. An dieser Stimmenzu- nähme beteiligten sich Mannheim mit rund 3000, Freiburg und Hei, delberg mit rund 10 000 Stimmen. Außer den Sozialdemokraten hatten nur noch die Kommunisten auf Konto der Unabhängigen eine Stimmenzunahme von 14 471 auf 35 378 zu verzeichnen, während sämtliche übrigen Parteien seit der letzten Reichstagswahl einen Stimmenrückgang erfuhren. Geradezu vernichtend wur, den die Unabhängigen geschlagen. Durch die Stimmen- abnähme von 102 SSS ans 27 102 ist der Ardeiterzersplitterung durch die UEP. ein vernichtendes Urteil gesprochen worden. Vom gesamt- sozialistischen Standpunkt aus ist es freilich sehr zu bedauern, daß infolgedessen die Arbeiterschaft insgesamt sehr geschwächt wird, da Zehntausende von Arbcitcrwählern. wie das schon häufig beobachtet wurde, durch die Zersplitterung angewidert, übcrhauptnichtge- wählt haben. Bon den bürgerlichen Parteien erhielten da» Jen- trum 341055 Stimmen gegenüber 344 027 Stimmen bei der letzten Reichstagswahl, Demokraten 70 167 gegenüber 110 308 Stim- men. Ferner blieben die Hoffnungen der deutschliberalen Volks- partei, die 54 303 Stimmen erhielt, was gegen die letzten Reichstags- wählen eine Abnahme von 10 000 Stimmen bedeutet, unerfüllt. Sehr starke Verluste erlitten die Deulschnationalen, die nur 70 012 gegenüber 112 554 Sklmmen bei der letzten Rcichstagswahl auf- brachten. Der Verlust der Deutschnotionalen, sowie der übrigen bürgerlichen Parteien kam größtenteils dem badischen Land- b u n d zugute, einem neu aufgebauten politischen Gebilde, über dessen politische Partcistellung noch keine völlige Klarheit besteht, wenn es auch verschiedene Abgeordnete in sich faßt, die vor- her der deutschnationalen Fraktion angehörten. Immerhin beweisen die für den Landbund abgegebenen 74 780 Stimmen, mögen auch dessen Vertreter teilweis« nach rechts neigen, daß die Landbevölie- rung zwar sehr stark agrarisch orientiert ist, aber die parteipoli» tische Mache der Deutschnationalen ablehnt. Weiterhin er- hielt noch die Wirtschastevereinigung der Haus- und Grundbesitzer j 11 725 Stimmen. Danach verteilen sich die Sitze im badischen Landtage voraus- sichtlich wie folgt: Zentrum. �........ 34 Sitze Sozialdemokralen...... 20„ Demokraten........ 7„ , Kommunisten........ 3„ Unabhängige........ 2„ Deutschliberale Volkspartei... 5„ Deutschnaticnale...... 7„ Landbund......... 7„ Wirtschaftsvereinigung.... 1 ,, Der badischs Landtag wird also in der Folge 80Mitglieder zählen, während in ihm bisher 107 Mitglieder saßen. Wenn auch die Verhältnisse, wie schon nach dem letzten Reichs- tagswahlergebnl» zu erwarten war, sich nicht mehr so einfach ge. stalteten wie bei der Landtagswahl unmittelbar nach der Revo» lution, wo den 100 Mitgliedern der Mehrheitsparteien(30 Zentrum, 30 Sozialdemokraten, 25 Demokraten) die Deutschnationalen als ein- zige Opposition gegenüberstanden, so ist doch die Regierungs, koalition absolut geblieben. Zentrum, Sozialdemokraten und! Demokraten haben zusammen 01 Sitze, denen 25 Sitze der Opposi- tionsparteien gegenüberstehen. Die badische Regierung hat somit � eine starke Mehrheit hinter sich, ja sogar noch 4 Stimmen über die ZwÄdriilelmehrheit. Der Ausgang der badischen Wahlen bedeutet somit ein starkes Volksvotum für den Ausbau der demokra- tischen Republik, wenn wir auch bedauern müssen, daß durch die Arboiterzersplitterung dets Resultat für die Arbeiterklasse speziell � nicht besser ausgefallen ist. Neuregelung öer Heamtenbefolüung. � lieber die Zrage des veuansbaues des vefoldungswefens und die wegen der weiter eingetretenen Teuerung für die Beamten zu treffenden ZNaßnahmen haben die seit mehreren Tagen gcsührken Verhandlungen zwischen den Verlretcrn der Reichsrcgicrung und den veauftraglen der Spitzenorganisalionen zu einer Verständigung geführt. Wenn auch die Wünsche der Bcamtenorganisaticnen nicht restlos erfüllt werden konnten, wurde doch eine Erhöhung der Srund- gchZltcr zugestanden, die sich als nokwcndig erwiesen hat. weil sonst di� wandelbaren Tencrm'gsbe'Lgz In ein zu krasses Wißverhällnis zu den festen pensionssähigen gekommen wären. Auch der Orts- und der Linderzuschlag sellm wcscnllich erhöht werden. Dagegen kann der Tcuerungzznschlag wieder in ein gesundes Verhältnis zn den Grnndbezügen gebracht werden; es ist ein Satz von zwanzig Prozent vorgasrhcn. Der durch diese Maßnahmen erwachsende Mchrauswand ist ein erheblicher, aber wegen der veränderten wirtschaftlichen Verhältnisse unvermeidlich. Der veamtenschafi des Reiches und der Länder wird durch die vereinbarten Verbesserungen, die mit Wirkung vom 1. Okiober 1021 gcwährl werde» sollen, eine wesentliche Hilfe In ihrer derzeitigen Zlottage zuteil. Alle beteiligten Faktoren sind sich darüber einig, daß die Mehraufwendungen an die Beamtenschaft mit größter Beschleunigung ausgezahlt werden sollen. Die Rdchsregiening wird die Geselzesoor- läge den gesetzgebenden Körpecschaslen ungesäumt unterbreiten. lieber die für die Angestellten und Arbeiter vorzunehmenden Verbesserungen wird unverzüglich im Anschluß an die Veamlenverhand- lungen vrrSindelt werden.'_ Srnuchteruna on öer Sörfe. Obwohl an der heutigen Berliner Börse der Dollarkurs auf 181 bis 181 stellte, machte sich am Effektenmarkt und sonders bei den sogenannten schweren Spckulationspapieren ne Abfchwächung bemerkbar, die darauf zurückzuführen ist, N hie Bernfsspekulalion aus Furcht vor höheren Börsen- msatzstcuern und vor stärkerer Besteuerung der Börsen- Gewinne einen Teil ihrer Engagements löst. Im Verlauf der Börse wurde bekannt, daß zwischen der Nationalbank für Deutschland und der Darmstädter Bank ein Interessen- gemelnschaftsabkommen perfekt geworden ist. Es handelt sich um keine Fusion in der bisher üblichen Weise, sondern um eine lose Vereinigung, bei der die hohen Fusions- spesen vermieden werden, Zur öen Wfeöeraufbau Noröf?ankre:chs. Eine Delegation von deutschen Gewerkschaftsführern und Tech, nlkern ist In Paris eingetroffen, um mit französischen Gewerkschasts- führern und Technikern die Möglichkeiten einer Beteiligung deutscher Arbeitsträste am Wiederaufbau eines bc- stimmten Abschnittes der zerstörten Gebiete Nordsronkreichs zu be- raten. Die deutsch« Delegation besteht aus den Genossen Silber- schmtdt und Sassen dach vom ADGB., Kaufmann vom Afa-Bund und Dr. ing. Martin Wagner vom BUTAB. Sie wird zuerst Besprechungen in Paris pflegen und sich sodann in Begleitung der Vertreter der entsprechenden sranzösischen Organisationen nach Nordfrankreich begeben, um die gemeinsame Prüfung der Arbeits- Möglichkeiten an Ort und Stelle weiterzuführen. Der neue Kurs in NußlanA. Die Sowjetregierung hat der britischen Regierung am 28. Ok- tober eine Rote überreichen lassen, in der sie sich bereit erklärt, die zaristischen Schulden vor dem Jahre 1014 an zu er- kennen. Sic könne ihr Versprechen aber nur erfüllen, wenn die Großmächte mit ihr einen endgültigen Frieden abschlössen, und wenn die Sowjetregierung von den anderen Mächten anerkannt werde. Zu diesem Zwecke schlägt die Sowjetregierung vor, schleunigst ein« internationale Konferenz einzuberufen, die sich mit difsrr Frage befassen, die Forderungen beider Seiten prüfen und»inen endgültigen Friedensvertrag ausarbeiten solle. Nur eine Konferenz dieser Art könne einen allgemeinen Frieden herbeiführe», Entwaffnung Unaorns? Paris. 20. Oktober.(WTB.).Peili Pariflrn' kellt mit, die «votschaftcrkonfercnz sei enlschlossen. die Herabsetzung der ungarischen Heeres stärke z« überwachen. Sie habe es jedoch abgeiehnl, die Mobilisierungskoslen der kleinen Enkenle Ungarn aufzuerlegen._ Türkiscke Konzessionen für Frankreich. Paris. 31. Oktober.(EP.) Der türkische Außenminister Jus» suf Kemal Bey hat an Franklin Bouillon einen Pries gerichtet, m dem er erklärt, daß die Angorarezierung bereit ist, K o n z e s- s i o n e n für die Ausbeutung der Eisen-, Brom- und Sllberberg- werk« in H a r ch i t« t a l für die Dauer von 00 Jahren zu gewähren unter der Bedingung, daß das Konzessionsgesuch innerhalb 5 Jahren gestellt wlrv und türkisches Kapital in Höhe von 50 Prozent an den Untcrnchmungen beteiligt ist. Die türkische Regierung zieht auch Klnzcssionserteilungen sür die Ausbeutung von Bergwerken, Eisen. bahnen, Hafen und Flußläufen in A n a t o l i e n in Erwägung, so- wie die Anstellung französischer Professoren an den Be- rufsschnlen. Die Angorare-ierung ersucht die französische Regierung, den französischen Kapitalisten die Anknüpfung wirtschaftlicher und finanzieller Beziehungen mit der Angoraregicrung zu, gestatten. Die Ruhiandhilfe.„Labour News" meldet, daß der Arbeiter- abgeordnete O' G r a d y, der sich ougenbticklich in Genf aufhäU, von dem Internationalen Gewerkschastsbund (Amsterdam) ersucht worden sei, sich nach Rußland zu begeben, UM die durch den Gewerkschastsbund gesammelten Gelder zur Unter. vützung de? HuiZgerlxidenökn iu Autzlanh zu wnväitdM Ankläger aus öem Grabe. Ein Buch Bethmanns gegen Ludendorff. Zwei Tage nach dem Erscheinen des neuesten Ludendorsf, der gestern an dieser Stelle besprochen wurd�, erscheint jetzt bei Reimar Hobbing„Th. v. Bethmann Hollweg, Betrachtungen zum Weltkrieg. 2. Teil. Während des Krieges", herausgegeben von dessen Sohn Felix. Es ist ein unvollendetes Buch; ein jäher Tod hatte dem Verfasser die Feder auz der Hand geschlagen. Beide Bücher zusammengehalten entschleiern vollständig ein Bild, das während des Weltkriegs den Massen des Volkes verhüllt hlieb. Fest steht die geschichtliche Tatsache, daß da- mals, als das deutsche Volk gegen eine Welt von Feinden rang, b i t t e r st e r Hader die Kräfte seiner obersten Lei- tung verzehrte. Politische und militärische' Führung standen einander als Todfeinde gegenüber. Ludendorff sah in Beth- mann, Bethmann in Lüdendorff den schlimmster Berderber der Nation. Hebe? diesen feindlichen Kräften waltete ein nur in Redensarten starker unschlüssiger Monarch, der schließlich, einem trotzigen Ultimatum seiner Generäle folgend, den Mann seines politischen Vertrauens entließ. Konnte ein Volk siegen, das in einem solchen Kampfe so geführt war? Bethmann» Buch ist eine warmherzige Verteidigung des deutlchen Volkes gegen seine Verleumder und eine furchtbare Anklage gegen den militärischen Führer Lüdendorff, der zwar den Kanzler, aber nicht die militärischen Gegner Deutschlands besiegt hat. Gegen die Dolchstoßliige führt Bethmann aus: Unvergänglich steht hinter allem Menschlichen und Allzumensch- lichen, hos auch in die größten Weltcxeignisse untrennbar verwoben ist, her Wer t der Gesamtleistung. Vier Jahre lang hat sich Deutsch- land an der Seite seiner Verbündeten gegen eine sein Lebensmark aushöhlende Blockade unh gegen eine vielfache Weltühermacht mit wuchtigen Schlägen behauptet, vcrfagk hak feine Widerstandskraft erst, vis, von dem Zusammenbruch seiner Bundesaenosien beglclket. amerikanische Kriegshilfe das feindliche Aebergewichk an Menschen und Material zum Ueberquellen brachte. Einer Koalition, her eine Bevölkerung von 573 Millionen die Streiter stellte, die stet über die Sriegsmltlel fast der gesamten West verfügte, sind die nahezu hermetisch abgeschlossenen Zenlralmächte mit ihren 142 Millionen Menschen nach heißem Ringen zum Opfer gefallen. Da» ist der weltgeschichtliche Vorgang. An einer anderen Stelle heißt es: Zusammengebrochen sind Armee und Heimat erst, als der große Endkampf, in den sie voll Mut und Zuversicht und in unerschüti terlichem Glauben an ihre Heerführer gezogen waren, urplötzlich mit einer Riesenenttäuschung endete. Volks- Massen ertragen es nicht, daß die lauten Siegesfanfarcn von gestern heule von dem Schreckensruf abgelöst werden: Hanizibal vor den Toren! � Das Verhältnis zwischen politischer und militärischet Führung blieb erträglich unter der ersten und der zweiten Heeresleitung- Es änderte sich, als die dritte mit Luden- d o r f f ans Ruder kam; Es gab kaum eine Frage der Politik, in der er für die Oberste Heeresleitung nicht ollein die Mitwirkung, sondern auch die Entscheidung verlangte. Begründet wurde die militärische In- gerenz fast durchgehend mit der Erklärung, daß sonst der Krieg vor» lorengehe und der Fekdmarschall von Hinbenhurg sonst die Verant- wortung nicht länger tragen könne. Dabei lag, jedenfalls seit der Erkrankung, die den Feldmarschall im Winter 1010/17 befallen hatte. die eigentliche Entscheidung weniger bei diesem, als beim General Lüdendorff. Anfangend mit der Adoption persönlicher und geschäsl- licher Verkehrsformen, die gedeihliche Zusammenarbeit fast au»- schlössen, sich steigernd von Richtunterstützung bt» zur Be« kämpfung her politischen Leitung haben die Verhält- nisse in der Lulikrisis 1017 zu einem Regime geführt, da» die Alleinherrschaft der militärischen Leitung außer Zweifel stellte.... Die Diktatur aber, die General Ludendorsf on- strebte, stieß. Indem sie den Reichskanzler zum ausführenden Organ ihrer eigenen Entschlüsse machte, unsere staatliche Ordnung um. Ludendorfs der erste Umstürzler im Weltkrieg, Luden» dorff, der Ankläger wider den Umsturz anderer! Bethmann schildert dann ausführlich den Kampf, den die Oberste' Heeresleitung, unterstützt durch alle rechtsstehenden Kreise, gegen ihn führte.„Im April 1917 drängte er(Luden- dorff) die politische Leitung zur urkundlichen Verein- baxung von Kriegszielen, die nur ein Diktat- frieden verwirklichen konnte, und Ende Juni er- klärte er(zu Wahnschaffe), meine Politik nicht unterstützen zu können, weil ich die Begeisterung des Volkes nicht durch belgische und baltische Zukunftsbilder zu ent- flammen verstehe." Ludendorff wurde inzwischen„zu einer politischen Macht, vor der sich auch der Kaiser zu b e u- gen hatte", Durch die Drohung mit ihrem Rücktritt er- zwang die OHL, den Rücktritt des Reichskanzlers. Wer waren die treibenden Kräfte bei Bethmanns Sturz? Ludendorff vor ollem, dann Kapp, her„Pirat der öffent- lichen Meinung", und Oberst Bauer, der Vertrauensmann Ludendorffs und.Protokollführer bei den entscheidenden Per- Handlungen Ludendanf— Kapp— Dauer, das Kleeblatt vom 13. Marz 19201 Die rechten Leute, um sich über Umsturz zu beklagen! Ein besonderes Kapitel behandelt den verbän�nisvollen U-Boot-Krieg.„Gelungen ist es, bei abgeschwächtem U- Boot-Krieg offenen Bruch mit Amerika hintanzuhalten. Aber dafj ein unbeschränkter U-Boot-Krieg den Bruch bringen werde, war unleugbar ge- worden.... Auch über den Sommer 1915 hat General n. Falken Hayn an der Ansicht fe st gehalten, daß wirdie Belastung eines Zutritts Ameri- kas zu unfern Feinden nicht mehr vertragen könnte n." Durch das Interview vom Dezember 1914 mit einem Amerikaner hatte Tirpitz ohne Vorwissen der politi- ichen Leitung„den Feind avertiert, sich auf eine U-Boot- Blockade einzurichten, öffentlich dos Volk auf den Besitz eines unfehlbaren Kriegsmittels hingewiesen.... Auf unterirdischen Wegen wurden geradezu märchenhafte.� aber angeblich auf Morineautoritäten gestützte U-Boots-Zifsern im Volk ver- breitet." Die politische Leitung konnte nicht sagen, daß die Zahl der U-Boote in Wirklichkeit ganz unzureichend war. Das preußische Slbaeordnetenhaus wurde mobil gemacht. „Mitten im Krieg wuroe der führende Bundesstaat gegen die Reichsleitung aufgerufen", Presse und Reichstags- Mehrheit wurden bearbeitet. Der unbeschränkte U-Boot-Krieg wurde beschlossen, und mit dem Eintritt Amerikas in den Krieg kam das Verhängnis. Ein großer Teil des Buches ist den Friedensbe- mühungen gewidmet. Die interessanteste Stelle darüber erzählt folgendes: Unabhängig von den österreichischen Demarchen haben sich zum rkstenmäl während des Krieges im Irfihjohr 1917 Anzeichen nufge- tfln, alsobdieEntentezuKesprächenüberdenFrie- d e n dereit zu werden beginne. Berläßlich wurde festge- stellt, daß einsluhreiche Männer Frankreichs und Belgien» nicht abgeneigt sein würden, sich mit uns zu begegnen. .?ür Frankreich war es Rriand, desicn Bereitwilligkeit zu einer Aus- spräche angedeutet wurde. Die Fäden wurden von der Eegenseite ohne Geschästigkei! gesponnen, aber den ganzen Sommer über nicht sollen gelassen. Jur September ist eine Zu- ssimuenkuust des Barons von der Lancken mit Herrn Briand fest vereinbart, allerdings im letzten Augenblick durch Herrn Bibot verhindert worden. Auch auf die Friedensaktion des Papstes fällt manches neue Licht. Betlpnann beschäftigt sich weiter auch mit den Fragen der inneren Politik, die während des Krieges Deutsch- land bewegten. Frühzeitig erkennt er die Notwendigkeit der preußischen Wahlreform, deren Durchführung aber ohne schwere und offene Kämpfe nicht möglich ist, da sich die Bevorrechteten hartnäckig hinler ihre Privilegien verschanzen. Er klagt über„die provokatorische Heftigkeit, mit der im preußischen Herrenhaus reaktionäre Dogmen einer veralteten Zeit verfochten worden waren".„Der preußische Landtag diente der konservativen Partei als In- sirument ihrer Agitation in den Fragen des U-Boot-Krieges, der Kriegszielc und allen sonstigen außenpolitischen Ange- legenheiten." Die Regierung, die andererseits auch mit dem Reichstag arbeiten mußte, war„in lähmende Halbheiten ver- strickt": Politisch und sachlich war nur das' gleiche Wahlrecht möglich. Aber sein« Zujag» hatte die all er schwer st en Wider st ände xi, ermart»n. Nicht mir innerhalb des preußischen Staatsministe- rimn» und in der Odersten Heeresleitung, auch in der. Umgebung des Kaiser» vad beim Kaiser selbst.... Die Ober st e Heereslei- tung war entschiedene Gegnerin. Dem General L u- bendorss galt die Osterbotfchaft als ein Kotau vor der russischen Bevolukion.... Dieser bekannte sich in einer Unterredung mit dem Untcrstaotssekretär Wahnschafse als Gegner meiner Politik, insbe- sondere der in der Osterbolschast angekündigten polltischen Konzessio- nen. da sie nur den Frieden verzögerten, und lehnte meine Unter- stützung ab, weil ich das Poll nicht durch große außenpoli- tische Ziele zu begeistern verstehe. Auf die Erwiderung, daß nicht Unterstützung, sondern nur Verzicht auf aktive Bekämpfung oerlangt wurde, ging der General nicht ein. Diese Auszüge mögen genügen, um den interessanten In- halt des neuen Buches zu kennzeichnen. Es zeigt die Ursachen der deutschen Niederlage mit zwingender Deullichkeit auf. Feindliche Uebennacht, leichtsinnige Herausforderung neuer Gegner zum Eintritt in den Kampf, verhängnisvoll falsche Einstellung einer alleinhcrrschendcn Obersten Heeresleitung in allen Fragen der äußeren und inneren Politik, vergeblicher, aber kräfteverzehrender Kampf der politischen Leitung gegen volksverderbenden Wahnsinn. Darum fiel Deutschland trotz aller verzweifelten Anstrengungen der Sozialdemokratie, es zu retten, trotz einem Opfermut der Massen, der in der Weltgeschichte seinesgleichen nicht findet. Jetzt aber stellen sich die Schuldigen, die den Krieg in Herrschaftsmacht, Sicherheit und Woblleben verbrachten, auf den offenen Markt und schreien:„Nicht wir, sondern ihr— das leidende, verhungerte, verblutete Volk— ihr tragt Schuld, daß alles so gekommen ist." Bethmanns Buch erteilt diesen Menschen, deren Verleum- düngen das deutsche Volt nur allzu geduldig trägt, eine wür- dige Antwort. Es ist aus dem Grabe heraus eine erschütternde Anklage und eine Mahnung an das deutsche Volk, nie zu den Zuständen einer Zeit zurückzukehren, denen es die furchtbarste Lehre der Weltgeschichte verdankt. Zum zweitenmal erhebt sich die Stimme eines toten Reichskanzlers aus dein versunke- nen Kaiserreich— Bethmann nach Bismarck— und lehrt uns, fe st zuhalten an der Deutschen Republik. Zweierlei Hochverräter. Das Reichsgericht hat den verhafteten Kappisten Schiele gegen eine Kaution von Ivb Mark ausderhaftentlassen. Auch Iagow und Wangenheim sind gegen Kautionen auf freiem Fuße geblieben. Einen sehr interessanten Parallelfall teilt Rechtsanwalt Dr. Graf in der„Freien Presse",, unserem Leipziger Parteiblatt, mit: Der kommunistische Parteisekretär E w e r t ist dieser Tage vom Reichsgericht von der Anklage des Hochverrats freigesprochen worden. Das Bcweismaterial gegen Ewert war von vornherein ganz unzulänglich. Trotzdem hat Ewert volle 6 Monate in Untersuchungshaft sitzen müssen, nicht einmal seine Angehörigen wurden zum Besuch zugelassen. Am 22. April wurde Ewert verhaftet. Erst am 21. September durste er nach vielen Bemühungen seines An- walts einen viertelstündigen Besuch seiner verlobten Braut empscm- gen, also nach fünf Monaten. Ein Angebot, Ewert gegen Sicherheitsleistung mit der Untersuchungshaft zu verschonen, ist mit der Begründung abge- lehnt worden, daß Ewert eine Sicherheit im ausreichenden Betrag aus eigenen Mitteln nicht zu stellen vermöge, eine von dritter Seile für ihn geleistete Sicherheit aber keine Gewähr gegen einen Fluchtversuch biele. Iagow, Wangenheim und Schiele haben ihre Kautio- nen auch nicht aus eigenen Mitteln geleistet, nach der eigenen Erklä- rung Jagows und Wangenheims sind die bedeutenden Kautions- summen für sie von dritter Seite hinterlegt worden. Trotz- dem hat sich bei ihnen das Reichsgericht mit dieser Art der Sichex- heitsleistung zufrieden gegeben, und zwar— dies ist der höhe- punkt— derselbe Senat, der Ewerks Entlassung gegen"anflon abgelehnt hat! • In der„29. a. M." wird der Fall eines Remscheidter Kommuni st en mitgeteilt, der in den Kopp-Tagcn einen Pclizeioberwachtmeister verwundete, jetzt vor Gericht wegen Not- wehr freigesprochen wurde. Er hat die vollen 17 Monate, �se seitdem vergangen sind, in Untersuchungshaft zu- bringen müssen, während die Urheber der damaligen Wirren auf freiem Fuß belassen werden. Zweierlei Justiz. In Bonn wurden vor einiger Zeit die Arbeiter Mannero, Verth und Jungermann wegen Beschmimmg des Kaiser-Wilhelm- Reformation unö Nationalismus. Zum 31. Oktober. Als Luther feine Schrift von der weltlichen Obrigkeit schrieb, mar sein Landesherr Friedrich der Weise„so froh, daß er das Büch- lein abschreiben und sonderlich einbinden ließ und sehr lieb hatte. wußte er doch nun, was der Fürstenftand vor Gott war". Die Freude mag bei manchem anderen deutschen Duodezfürsten nicht minder groß gewesen sein, die landesherrliche Autorität so auf lutherische Bibelsprüche gegründet zu sehen. Die Einrichtung eines landesherrlichen Kirchenregiments mußte die alten fürstlichen Macht- ansprüche fördern. So wurde in Deutschland die Reformation zum Werkzeug der Fürsten im Kampf gegen den Kaiser. So befördcrle die Reformation die Kleinstaaterei, schwächte den zentralistischen Reichsgedanken. Wie ganz anders in England, wo die Reformation das Werk der Krone war. Auch in Frankreich wurde die Einheit des Bolke» durch reformatorische Bestrebungen keineswegs gefährdet. Dennoch wird Luther als Nationalheld in Anspruch genommen. Abgesehen von dem Anachronismus, der darin liegt, denn Nation und Nationalismus waren damals noch völlig fremde Begriffe, würde eine solche Benennung zutreffen? Wäre nicht dem Kaiser Karl oder gar dem Hohcnzoller Joachim I., dem Kurfürsten von Brandenburg, bei seinem Uedereifer sür die katholische Sache ein Ausdruck wie „valcrlandeloser Geselle" viel eher zuzutrauen? Stand und fiel nicht gerade mit den Siegen oder Niederlagen der fremden Mächte die Sache der Protestanten? Waren nicht Türken und Franzosen die .Oelsershelser des Protestantismus? Hat nicht gerade ein protestanti- scher Fürst, der Kurfürst Moritz von Sachsen, sich der Hilfe des sranzösische» Königs versichert und dafür ihm Metz, Toul und Verdun versprochen? Einer an» dem Geschlecht der Hohenzollern war es, der diesen hochverräterischen Plan des sächsischen Kurfürsten am französischen Hof zum Gelingen brachte. Er mochte sich seines Auf- träges schämen, nahm er doch für diese traurige Mission einen falschen Namen„Paul von Biberach" an. Er stellte dem französischen König vor.„wie eng oerknüpft die Aufrechterhaltung der deutschen Freiheit mit den Interessen und der SicherheitFrankreichswäre".(!I) Der König von Frank- reich als„Retter der deutschen Freiheit, um aus göttlicher Eingebung die Freiheit der Deutschen zu schützen, nicht seines eigenen Dorteils wegen, sondern lediglich um der Dankbarkeit der Deutschen willen"! Und wie waUs im 17. Jahrhundert, der Zeit de« unglückseligen dreißigjährigen Religionskrieges, wo Franzosen und Spanier, Dänen pnd Schweden sich auf deutschem Boden tummelten? War nicht Gustav Adolfs Zug gegen München der„erste Spatenstich" gegen die deutsche Einheit? Und der Westfälische Friede setzte das Siegel unter die französischen Erwerbungen im Elsaß, die schwedischen an den deutschen Flußmündungen. Stehe» wir nicht noch heute, besonders I was das Elsaß anbetrifft, unter den Nachwirkungen dieses längsten Krieges? Also die Kindheit des Protestantismus weiß nichts von natlo- nalen Bestrebungen zu berichten. Wie steht's aber heute? Pro- testantismus und Nationalismus sind enge Verbündete. Ist es auch echtes Nationalgefühl, das den Protestantismus von heute beseelt? Wir müssen es verneinen. K. Gth. Die Erholungsschule. Die Erholungsfürsorge unserer Schul- kinder, di« infolge der langen Unterernährung so dringend not tut, wird dadurch erschwert, daß die richttge Auswahl nicht immer ge- lingt und nicht selten gerade die Kinder, die es am nötigsten haben, übergangen werden. Man ist daher in den letzten Jahren oersuchs- weis« dazu übergegangen, ganze Klassen zur Erholung fort- zuschicken und so der Gesamtheit die Wohltat eine» gesunden Land- aufenthaltes zu gewähren. Noch weiter ist man, wie Stadtarzt Dr. Fischer-Defoy in der„Umschau" ausführt, in Frankfurt a. M. gegangen, und hat in diesem Sommer sämtliche Frank- surter Kinder im Alter von 1 3— 1 4 Jahren zur Erholung fortgeschickt.. Der Ort, an dem die Frankfurter heranwachsende Jugend sich kräftigen durfte, ist der 500 Meter hoch im waidigen Spessart wun- derschön gelegene ehemalige Truppenübungsplatz Weg scheide, auf dem 39 solih und praktisch gebaute Baracken 1600 Kindern zu gleicher Zeit Unterkunft gewähren. An diese Erholungsstätte sind die Schulklassen sowohl der Balbs- wie mittleren und höheren Schulen von den Lehrern gebracht worden, und es wurde während der Zeit weiter unterrichtet. Der Lehrer führt die Kinder hinaus in die Natur und schlägt vor ihnen dieses Wundcrbuch auf, indem er Pflanzen-, Tier-, Wetter-, Boden- und Heimatkunde mit ihnen be- spricht. Er kommt dadurch auch in einen engeren Zusammenhang mit seinen Schülern und lernt sie besser kennen, richtiger beurteilen. Die Kinder müssen sich selbst bedienen, das Bett in Ordnung halten, für Reinhaltung der Baracke sorgen, ihr Eßgeschirr abwaschen. Die reichliche und kräfttge Verpflegung wurde durch die Frank- furter„Vereinigung für Wohlfahrtseinrichtungen" geliefert: der Bei- trag der Eltern pro Kopf und Tag betrug nur 3 M., wird aber im nächsten Jahre unbedingt erhöht werden müssen. Der günstige Ein- fluß dieser neuen Form der Erbolung ließ sick, schon in der Körper- länge und im Gewicht bei den Kindern statistisch nachweisen. Man hatte gerade die 13— 14jährigen gewählt, weil sie unter der Hunger- blockade wohl am meisten gelitten haben und für die künftigen An- strengungen des Berufslebens gekräftigt werden mußten. Schauspielerschnh und krillkersreihell. Zu der Rechtsverwah. rung der Berliner Theatertritiker, die im Namen der Freiheit der Kritik gegen die Verurteilung des Kritikers Ihering protestierten, nimmt der Bezirksverband Berlin der Genossenschaft Deutscher Bühnenangehörigen als Vertretung samt- licher Berliner Schauspieler Stellung:„Dr. Czempin und Erich Otto haben gegen Herrn Ihering Klag« eingeleitet, weil er ihr Ein- treten für die wirtschaftlichen Forderungen der Berliner Bühnen- angehörigen zum Zlnlaß genommen hat, sie in der Ocffentlichkeit Denkmals mit roter Farbe zu Gefüngnlsslrafen von durchschnUkllch zwei Jahren verurteilt. Wie uns der Bund„Neues Daterland" mit- teilt, ist auf sein Betreiben den Verurteilten ein Teil der Strafe im Wege der bedingten Begnadigung erlassen worden. In Wien dagegen hat der O b e r st e Gerichtshof einen L a n d g e r i ch t s r a t, der in einem Gasthaus das K a i s e r l i e d spielen ließ und stehend mitsang, zu einer empfindlichen D i s z i p l i- n a r st r a s e verurteilt. In den Gründen ist ausgeführt, daß ein Richter, der in den Diensten der Republik steht, berufen sei, deren gesetzmäßige Berfassung zu schützen und sich daher nicht einmal dem Schein einer Stellungnahme gegen diese Verfassung aussetzen dürfe, weil er dadurch das Vertrauen der Allgemeinheit in seiner Person und in den ganzen Richterstand gefährde. Das sind vernünftige Worte, die man gern einmal auch aus reichsdeutschem Richtcrmund hören und von reichsdeutschen Richtern in die Tat umgesetzt wissen möchte. Wie deutsche Richter„den Schein vermeiden", gegen die jetzige Staatsform zu wirken, dafür können wir ein klassisches Beispiel an- führen: Aus dem großen Sitzungssaal des Leipziger Reichs. g e r i ch t s ist die Büste Wilhelms II. entfernt worden. Sie hat dafür Aufstellung gefunden im Beralungszlmmer des vereinigten 2. und 3. Strafsenats! fluf der Spur der �uer-Mentäter. München, 31. Ottober.(Eigen« Drahtbericht.) Die München« Polizei ist den Attentätern, die aas Au« schassen, auf d« Spur. 3m Laufe des Sonntags sind von d« Kriminalpolizei fünf F e st n a h n, e n. mit denen sich Haussuchungen»«banden, «folgt. Die Festgenommenen werden unverzüglich v«nommen. Im Anschluß an das Ergebnis sind weit«e Erhebungen im Gange. Festgestellt wurde n. a„ daß die Tat« die Dunkelheit am Talort künstlich erhöhten, indem sie die Straßen- lalernen auslöschten. Zur Borb«eitung. des Attentats hatten sich die Betreffenden am Abend d« Tat gegen?410 Ahr l n das Gewerkschastshaus begeben unter dem Borgeben. sick) die Kegelbahn mieten zn wollen, und zwar in vegleilung von sechs bis sieben Personen. Ein bayerischer Teuerungsprotest. München, 31. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Der Landes- ousschuß Bayern des Allgemeinen Deutschen Gewerk- schastsbundes und des Allgemeinen Freien An« geftelltenbundes haben an die Reichsreglerung und die bay«ische Regierung Eingaben gerichtet, in denen die auf dem Warenmarkt bestehenden Zustände beschrieben werden und darauf hingwicsen wird, daß das Unternehmertum dem guten Willen der Gewerkschaften zur friedlichen Lösung der drän- gendsten Zeit-, Lohn- und Gehaltsfragen den schärfsten Wider st and entgegrngesetzt. Heute morgen wird in der ge- samten sozialistischen Presse Bayerns ein Aufruf dieser Organisa- tionen veröffentlicht, in dem es heißt: Wir erleben augenblicklich eine Katastrophe, deren Folgen noch nicht zu übersehen sind. Ein wahr« Sturm auf die Vnkaui�cichüfle hat eingesetzt. Wie in den Zeiten der bittersten Kriegsnot stehen die Käufer an, um ihre Papierscheine in Waren umzutauschen und heute noch um einige Prozente billiger zu kaufen, als das voraussichtlich morgen mag- lich sein wird. Der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund ver- langt, daß die Behörden im Reich und in den Ländern sofort zn durchgreifenden Maßnahmen schreiten, um dem völligen Ausverkauf und der wahnsinnigen Preistrei- b e r e i Einhalt zu run. In der Boraussicht drohender Konflikte wenden sich die freien Gewerkschaften an die Oeffcntlichkeit und an di? Staatsgewalt und fordern eindringlich, diesem Geschehen nicht weiter mit Untätigkeit gegenüberzustehen. Sie wenden sich an alle Arbeiter, A n g e st e l l t e und Beamte, sowie an die Verbraucher mit dem dringenden Appell, die Gewerkschaften in ihren Bestrebungen zu unter- st ü tz e n. » D« aus der Landtagsfraktion der Bayerischen'Volkspartei ausgeschlossene Dr. Z a h n b r e ch« r ist durch ein Parteischieds- gericht rehabilitiert worden. Das Schiedsgericht hat die gegen Zahnbrccher erhobenen Vorwürfe für unbegründet erklärt. in beleidigender Form künstlerisch herabzusetzen. Es kann keine Rede davon sein, daß„die Freiheit de» Kritikers eingeengt werden soll", wenn es sich um eine Beurteilung der künstlerischen Lelstun- gen eines Schauspielers handelt. Es ist Klage erhoben worden, weil Herr Ihering in eine Besprechung wirtschaftlicher Forderun. gen eine Kritik der künsllerlschen Fähigkeiten d« genannten Schau- spiel« eingeflochten hat/ ohne daß eine Kunstleistung zur Beur- teilung stand. Der durch diese Besprechung den Klägern zugefügte Schaden ist Gegenstand der Klage." Wie d« Gummireifen«funden wurde. Wie bereits kurz ge- meldet, ist der Erfinder des pneumatischen Gummireifens, der heute in der Welt des Kräftwagens eine so große Rolle spielt, John B. Dunlop, im Alter von 81 Iahren in Dublin gestorben. Dunlop war eine Ersindernatur, die alle möglichen Ideen zu verwirklichen suchte, bevor durch einen Zufall ihm der Gedanke in den Schoß fiel, der seinen Namen berühmt machte. Aber erst 1888 kam er aus die Idee, einen Gummireifen mit komprimierter Luft zu füllen und da- durch der Welt eine leichte, elastische und praktische Bereifung zu schenken. Sein zehnjähriger Sohn hatte von ihm ein Dreirad ge- schenkt bekommen, dessen feste Reifen sich auf den schlechten irischen Wegen rasch abnutzten. Der Junge beklagte sich darüber bei dem Vater, und dieser versprach ihm, ihm ein paar Reifen herzustellen, die sein Rad zum schnellsten und besten in der ganzen Stadt machen sollten. Der Bater ging an die Arbeit. Aus amerikanischem Ulmen- holz machte er einen Reifen und rollte eine dünne Gummidecke zu einer Röhre zusammen. Ein Stück von der Röhre einer Milchslasche für Säuglinge diente ihm als Ventil. Als Hülle wurde die Gummi- röhre mit einem Streifen von grauem Leinen umnäht, und damit war der erste Dunlop-Reifen fertig, der nun mit Luft gefüllt wurde. Im Hof feines Hauses machte fein Sohn mit dieser Bereifung eine erste Versuchsfahrt. Der Versuch glückte so gut, daß sich Johnny bald mit dem neuen Reifen auf die Straße wagte, wo er allgemeine Verwunderung erregte. In, Mai 1889 aber wurden bereits die ersten Rennräder mit dem neuen Reifen versehen, und damit war eine der praktischsten Erfindungen der neueren Zeit eingeführt. Konzertchrvnik. Jim Mittwoch 7 Nbr veranstaltet der Organist Preuß in der Marienkirche ein Kirchenkonzert zum Besten der Oppanliilse. — BeetbovenS Groicn mit dem Biütdner-Orchestcr unter Eduard Mörike kommt mit cim'übrcndem Vortrag zur Aussührung am Sonnabend nachm. 4 Uhr im Uja-Palast am Zoo. Im Deutschen Opern banse findet am DlcnZiag eine Ausführung btl„DonIuan" in der neuen Einrichtung von Georg Hartmann statt. Ein Bübnenkartell in Oesterreich. Nach dem Muster des deutschen DühncnkartclIS, an dem alle am Theater interessierten Verbände vertreten find, wurde auch in Oesterreich die Schaffung eines BütmenkariellS beschlossen. Gleichzeitig wurde die Bildung eines Tbeatcrrates beschlossen, der m allen gemeinsamen Fragen des TheatcrlcbenS und der Kunst in Aktion zu treten hat. Maxim Gorki reist in diesen Tagen von HelsingforS über Reval und Riga nach Berlin und Nauheim. Er beabsichtigt, in einigen Lochen nach Rnsiland zurückzukehren. Er wird seine Verhandlungen über den Druck russischer Literatur, die bisher zu keinem Ergebnis gejührt haben, fortsetzen. Entente und Rechtsverwahrung. Die Antwort der Botschafterkonferenz. Die Antwortnote der Botschofterkonferenz auf die Note der Deutschen Regierung vom 27. Oktober, die dem deutschen Botschafter in Paris ausgehändigt wurde, hat folgenden Wortlaut: Eure Exzellenz haben durch Ihre Note vom 27. Oktober d. I. mir mitgeteilt, daß die Deutsche Regierung gemäß der von den Alliierten Mächten am 2V. Oktober 1921 getroffenen Entscheidung über die Festsetzung der Grenze zwischen Deutschland und Polen in Oberschlesien die in dieser Entscheidung vorgesehenen Delegierten, deren Namen ohne Verzug mitgeteilt werden müssen, bezeichnen wird. Ich habe die Ehre, Ihnen zur Kennwis zu bringen, daß die Alliierten Mächte von dieser Mitteilung Kenntnis genommen haben, aber sie können nicht zugeben, daß die von ihnen auf Grund des Artikels 88 des Vertrages von Versailles getroffene Entscheidung irgendwie eine Verletzung dieses Vertrages darstellt. Infolgedessen betrachten sie den Protest der Deutschen Regierung als unbegründet, null und nichtig. Sie wollen von der Mit- teilung, die Ihnen von Eurer Exzellenz gemacht worden ist, nur die bedingungslose und vorbehaltlose Erklärung der Deutschen Regie- rung zurückbehalten(retenir), daß sie sich allen Anordnungen der Entscheidung vom 20. Oktober mit den sich daraus ergebenden Folgen fügen wird, wie sie der Friedensvertrag Deutschland auf- erlegt. Zranzösischer Sozialiftenkongreß. Eine Ansprache Ledcbours. Paris, 30. Oktober.(WTB.) Auf dem Soziali st enkon- g r e ß hat in der heutigen Vormitagssitzung der Abgeordnete Blum den Bericht der Kammerfraktion vorgetragen, der einstimmige An- nähme fand. Die elsaß-lothringischen Delegierten protestierten energisch gegen den Plan, die elsaß-lothringischen Eisen- bahnen der französischen Ost bahn anzugliedern. Während der Sitzung erschien als Vertreter der deutschen Unab- hängigen Sozialisten der Reichstagsabgeordnete Ledebour. Er wurde vom Präsidenten des Kongresses, M a y e r a s, lebhaft begrüßt. Der Beifall der Versammlung beim Erscheinen des deutschen Reichstagsabgsordneten wurde vom Präsidenten als ein Zeichen der Entspannung der Geister bezeichnet, um zu einer vollkommenen Ver- brüderung der Völker zu gelangen. In der Nachmittagssitzung kamen die ausländischen Vertreter zu Wort. Für die deutsche Unabhängige Sozialistische Partei sprach Reichstagsabgeordnetsr Ledebour. Er erklärte, die Wieder- Herstellung der Internationale ohne Ausschluß irgend- einer sozialistischen Gruppe, sogar mit Einschluß der Kom- munisten, die auch Arbeitervertreter seien, sei notwendig. Jedoch erklärte Ledebour es für erforderlich, daß jeder nationalen Partei ihre Unabhängigkeit in Fragen der Taktik belassen werde. Es sei von Wichtigkeit, daß alle ausländischen sozialistischen Parteien, insbeson- dere die französische, energisch gegen den Militarismus und den Im- perialismus ihrer Regierungen vorgingen, damit sie den deutschen Sozialisten ihre Aufgabe im Kampf gegen den„Chauvinismus, das Alldeutschtum und den Militarismus" erleichterten. Ledebour sprach in französischer Sprache. Paris, 30. Oktober.(EE.) Der Generalsekretär der Partei, Paul Favre, stellte in seiner Rede fest, daß die Partei zurzeit 68 Gruppen mit 55 000 Mitgliedern umfaßt. Es wur- den besonders Klagen laut über die schlechten Fortschritt« in der Propaganda. Man erblickt die Ursache hierzu darin, daß bei der Spaltung der Partei die kommunistische Gruppe einen Teil der Parteigslder an sich nahm. Der chauptberatungsgegenstand des Kongresses soll die W a h l t a k t i k der Partei sein. Bor allem soll festgestellt werden, ob Abmachungen mit den linksstehenden Bürgerlichen oder mit den Kommunisten getroffen werden sollen. Am S. November Arbeitsrnhe in Sachsen. Die in Leipzig tagende Konferenz der sächsischen Eewerkschaftstar- teile im Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund nahm nach lebhafter Aussprache eine Entschließung an, in der es laut TU. heißt: Die Landeskonferenz der Ortsausschüsse der freien Gewerk- sthcften in Sachsen beschließt:„Alle Ortsausschüsse Sachsens werden beauftragt, die Arbeiterschaft zur Arbeitsruhe am 9. No- nemtcr auszuwroem." Auf dem Wege zur Lernmitlelsreiheit. In der letzten Chemnitzer Stadtvcrordnetensitzung fand ein Antrag der sozialdemokratischen Fraktion mit Mehrheit Annahme— die Deutschnationalen und die Dolksvarteilcr stimmten dagegen—, der verlangt, daß ab Ostern 1922 in den Volksschulen die Schreibhefte unentgeltlich an die Schüler abgegeben werden. Weiter soll das Schulgeld an den höheren Schulen nach dem Einkommen qe- st a s s e l t werden._- GeoMerku Der poftkampf gegen Drucksachen. Bei der Post sind die ihr zur Beförderung llbergebenen Druck- sachen unbeliebt. Der Gewinn, den sie an Drucksachenporto hat, scheint ihr nicht hoch genug. Aus dieser Abneigung erklärt sich wohl die Engherzigkeit, mit der die Post den Begriff„Drucksache auslegt. Die Beamten müssen die Drucksachen nach Verstößen gegen die Beförderungsvorschriften durchsuchen— und dann wehe dem Unkundigen, der irgendeine„unzulässige" A e n d e r u n g, einen„verbotenen" Zusatz oder dergleichen sich erlaubt hat! Ein freigewerkschaftlicher Verband hatte in Sachen des Tarifs an die Arbeitgeber eine gedruckte Mitteilung geschickt und um Ant wort bis zum 28. Oktober gebeten. Vor uns liegt ein als Druck fache versandtes Exemplar dieser Mitteilung, das von der Post als Brief betrachtet wurde, so daß sie Strafporto haben wollte. In dem gedruckten Text war handschristlich der„28. Oktober" durchstricheu und durch„1. 11." ersetzt worden. Das galt der Post als„unzulässige Aenderung", die aus der Drucksache einen„Brief" machte. Es mgg eine Vorschrift geben, auf die zur Begründung der Strafportofordcrung die Post sich berufen kann. Aber wenn sie dos kann, so soll man die Anwendung der Vorschrift auf Fälle der hier geschilderten Art schleunigst beseitigen. Raubmord an der Großmutter. In Dresden wurde Ansang September eine Greisin ermor- det. Die Tat erregte in der sächsischen chauptstadt um so größeres Aufsehen, als der Verdacht auf einen Enkelder Ermordeten fiel. Es handelte sich um die 68 Jahre alte Arbeiterfrau Anna Helene Urban. Bares Geld und Wertsachen waren geraubt. Der Täter wurde in dem Enkel der Ermordeten, einem 19 Jahre alten Johann Georg Urban vermutet, der di« Großmutter besucht hatte und nach dem Verbrechen spurlos verschwunden war. Es wurde ferner festgestellt, daß mit ihm ein ebenfalls 19 Jahre alter Hans Noack aus der Erziehungsanstalt entwichen war. Die Vermutung, daß sich beide nach Berlin gewandt hätten, um hier unterzutauchen, fand gestern ihre Bestätigung. Kriminaloberwachtmeister Brumme stieß mit einer Streife in einer Speisewirtschaft in der Friedrichstraß- auf die beiden Burschen, die zunächst den Raubmord leugneten, ihn aber bald einräumten und heute nach Dresden gebracht und dem zustäfr digen Untersuchungsrichter vorgeführt werden. Nächtliche Dampfertataftrophe anföemwannsee Verschulden eines Schisfsführers— Kapitän und Steuermann verhaftet Die Zahl der Toten unbekannt. Die letzten wagemutigen Ausflügler, die gestern den klaren Herbstsonntagnachmittag zu einer Dampferfahrt benutzt hatten, wer- den sich glücklich fühlen, einer schweren Katastrophe entgangen zu sein. Viele jener Naturfrohen, die mit ihnen das herbstliche Potsdam be- suchten, sind nicht mehr zurückgekehrt, sie sind einem folgenschweren Dampferzusammenstoß zum Opfer gefallen, der sich nach Eintritt der Dunkelheit auf dem Wannsee ereignete. Die erste amtliche Meldung über das Unglück, das zu den folgenschwersten seiner Art in der Umgebung Berlins gezählt werden muß, besagt: Am Sonntag stießen die Dampfer„Storkow" und„Kaiser Wil- Helm", beide der Sterngesellschaft gehörig, zusammen. Die„Storkow" die aus der Richtung Kladow kam und ungefähr 99 Personen sassen soll, wurde von dem Dampfer in der Mitte ge Sobald dies geschehen ist, soll sofort mit den Hebungsarbeiten be- gönnen werden, da damit zu rechnen ist, daß die übrigen Vermißten in der Kajüte den Tod gefunden haben. Die Unfallstelle ist in weitem Bogen abgesperrt. Ueber die Ursache des Unglücks erfahren wir, daß entgegen anders lautenden Nachrichten, beide Dampfer die vorschriftsmäßigen Positionslaternen führten, daß also der Zusammenstoß nicht auf mangelnde Be- leuchtung zurückgesührt werden kann. Allerdings sollen die Laternen des Dampfers„Storkow", eines der ältesten Schiffe der Gesellschaft, so ungünstig angebracht, sein, daß sie nur wenig querab leuchteten. Allem Anscheine nach trifft dem Führer des„Kaiser Wilhelm", Kapi- tän M i ch e l m a n n, die Hauptschuld an dem Unglück. Nach den Berichten der Augenzeugen kann es als feststehend bezeichnet werden, rammt.„Kaiser Wilhelm war leer, da er erst kurz zuvor der„Storkow" sich auf dem richtigen Kurs befand. Ob sich der Personen für einen Potsdamer Pachlklub befördert hakte. Wieviel Personen sich auf der„Strokow" befanden, ist noch nicht festgestellt. Es sind bisher 16 oder 17 Personen gerettet worden. Das Unglück geschah auf der Mitte des Wannsees. Die Schuldfrage ist noch nicht geklärt. Wie der Zusammenstoß erfolgte. Ueber das Unglück erfahren wir folgende Einzelheiten: Es han- delt sich um den Dampfer„Kaiser Wilhel m", der der Stern- gesellschaft gehört und um den Dampfer„Storks w", derselben Gesellschaft gehörig. Der Dampfer„Storkow" vermittelte den Ver- kehr zwischen Kladow und W a n n s e e und hatte gestern abend. etwa um 7� Uhr, die Höhe des Havelccks passiert, als ihm der bedeutend größeren Sterndampfer„Kaiser Wilhelm" entgegenkam. An Bord des„Storkow" befanden sich etwa 50 bis 60 Per- fönen, während der„Kaiser Wilhelm" leer war, da er eine Privatgesellschaft in Wannsee abgesetzt hatte und sich jetzt auf der Rückfahrt nach Potsdam befand. Es herrschte tiefe Dunkelheit, die es allerdings nur zum Teil erklärlich macht, daß der große Dampfer den kleinen nicht sichtete. Von einem der Dampfer(von welchem ist noch nicht genau festgestellt) ertönte ein Warnungssignal, aber es war bereits zu spät und im nächsten Augenblick erfolgte der Zu- lammenstoß. Der große„Kaiser Wilhelm" fuhr in fast unvermin- derter Fahrt in die Vreitseike des kleinen„Storkow" hinein, der in wenigen Minuten mit dem Hinterschiff unter Wasser ging. Durch diese Bord-an-Bord-Lage der beiden Dampfer gelang es einem Teil der Passagiere des„Storkow", auf den„Kaiser Wilhelm" hinüberzuspringen, was allerdings nur die Beherztesten ausführen konnten. Minutenlang herfchte ein unbeschreiblicher Tu- mult, Hilferufe durchhalllen die Stille der Nacht und riefen von den ziemlich weit entfernten Usern Rettungsmannschaften her- bei. Aber ehe diese eintrafen, war die Katastrophe vollendet. Der „Storkow" versank unter den Wasserspiegel und riß mit sich einen Teil der Passagiere, die sich nicht zeitig genug auf Deck hatten begeben können. Einige Schwimmer hielten sich noch not- dürftig über Wasser und konnten von den an Bord des„Kaiser Wil- Helm" geeilten Passagieren gerettet werden. Inzwischen nahten die erster, Boote der umliegenden Villen- bescher, die die Hilferufe ghört hatten, und beteiligten sich an den Nettungsarbeiten. Auch der Rcichsmasierschutz von Potsdam, der auf die Alarmsignate des„Kaiser Wilhilm" in kurzer Zeit zur Stelle war, konnte sich, ebenso wie die Poiizcibereiischaft von Zehlen- dork. an dem Rcttuiigswerk beteiligen Die ganze Nacht hindurch wurde die Unfallstelle vf, allen verfügbaren Privat- und Dienst- booten abgesucht und es gelang, noch hier und da einige der mit dem Wasser kämpfenden zu r.-t'en Die Rettunzsarbeiken gestalteten sich bei der Dunkelheit äußerst schwierig. Jeder Ueber- blick über die Zahl der im Wasser treibenden Personen fehlte, viele wurden vom Dampfer„Kaiser Wilhelm" aufgenommen, andere wie- der von Motorbooten schleunigst an Land gebracht. Die Feststellun- gen über die Zahl der Vermißten waren dadurch erschwert, daß viele Passagiere, deren Begleiter inzwischen von anderen Booten auf- genommen waren, diese in Unkenntnis der Lage als vermißt ange- geben hatten. Erst im Laufe der späten Abendstunden gelang es den Bemühungen der Wannseer Polizei festzustellen, daß insgesamt vier Personen vermißt werden, an deren Tod nicht zu zweifeln ist(inzwischen hat sich diese Zahl auf zehn erhöht). Heute m o r- gen wurden die Nachforschungen fortgesetzt. Gegen 8 Uhr morgens fand man am östlichen Wannseeufer bei Beelitzhof eine männliche Leiche angeschwemmt. Die Personalien des Der- unglückten waren bis zur Stunde noch nicht festgestellt. Von der Stern-Gesellschaft trafen heute früh zwei Dampfer an der Unglücks- stelle ein, die die Betriebsinspektion und Vertreter der zuständigen Behörden an Bord hatten. Zurzeit ist man damit beschäftigt, die Lage desWracks desDampfers„Storkow" festzustellen. von verschiedenen Seiten geäußerte Verdacht bestätigt, daß der Führer des„Kaiser Wilhelm der Große" etwa unter dem Einfluß ge- nossenen Alkohols ein falsches Steuermanöver ausgeführt hat, muß abgewartet werden. Nach übereinstimmenden Meldungen hat Kapitän M i ch e l m a n n im Augenblick des Unglücks völlig den Kopf verloren. Heute mittag wird amtlich gemeldet: Der Kapitän und der S t e u e r m a n n des Dampfers„Kaiser Wilhelm" sind von der Kriminalpolizei verhaftet worden, da sie. wie bereit» mitgeteilt wurde, einen falschen Kurs gefahren sein sollen. Die Gpfer. Di« am heutigen Montag morgen von den Polizeibehörden ein- geleitete Untersuchung läßt das gestrige Unglück auf dem Wannse« doch noch schwerer erscheinen als die ersten Meldungen erkennen ließen. Von den etwa 50 Passagieren des Dampfers „Storkow" konnten bisher nur 25 einwandfrei als ge» rettet festgestellt werden, doch ist damit zu rechnen, daß sich diese Zahl noch erhöht, da viel« Gerettete sich noch nicht bei den Be- Hörden gemeldet haben. Die Zahl der als vermißt Gemeldeten Hot sich leider auf sieben erhöht und es steht zu befürchten, daß die wirk- lich« Anzahl der Berunglückten sich auf etwa 12 bis 15 belaufen wird. Nach den Feststellungen der F a h r k a r t e n a u s g a b e soll die Zahl der Toten etwa zehn betragen. Bon den Ertrunkenen konr.'e bis- her ein gewisier Otto Begier aus Potsdam geborgen werden. Sericht eines Schiffbrüchigen. Bor Iahren fuhr ich mit einem Pasiagier-Motorbooi von den Müggelbergen nach Grünau. An einer Kreuzungsstelle wären wir beinahe von einem Dampfer gerammt worden, da der Führer un- seres Motorbootes völlig betrunken war und den Kurs nicht halten konnte. Das Unglück wurde gerade noch vermieden, das Motor- boot aber rannte in dem flacheck Wasser fest und konnte nur mit Mühe und Not flottgemacht werden. Jahrelang habe ich keinen Dampfer mehr betreten, bis ich mich verleiten ließ, gestern mit der „Storkow" eine Wasserfahrt zu machen. Zwischen Schwanenwerder und Havcleck kam wieder ganz wie damals ein Dampfer aus uns zu und ehe noch irgendjemand die Lage recht begriffen hatte, erfolgte der Zusammenstoß, bei deni ich zu Boden geworfen wurde. Als ich mich erhob, war das Deck fckon völlig vom Wasser bespült und. im nächsten Augenblick batte ich mich auf das Deck des großen unbekannten Dampfers gesibwunqen. Dos Hinterteil der„Storkow" sank zuerst weg. Die Schiffbrüchigen schrien und das Ganze wurde durcki die berrschende Dunkelheit noch unheimlicher. Der Kapitän des„Kaiser Wilhelm", der die„Stor- low" rammte, lzatte jede Geistesgegenwart verloren. Plötzlick wurde bekannt, daß auch der„Kaiser Wilhelm" cm D o r d« r st« v e n ein großes Leck aufzuweisen habe. Daraufhin bemächtigte sich auch der an Bord genommenen Schiffbrüchigen eine große Aufre- gung und viele von ihnen sprangen in die inzwischen berangekomme- nen Segel- und Motorboote. Das fast undurchdringlicke Dunkel, das Geschrei der Fabrgäste, die Sirenenrufe, die übers Wasser hallten, verstärkten das Unheimliche unserer Lag«. Eine Anzahl von Passa- gieren waren in der Kajüte des„Storkow". Ich weiß nicht, ob sie gerettet wurden. Viele meiner Leidensgenossen haben Rucksäcke, Hüte und Mäntel verloren und ich war froh, als ich wieder festes Land unter meinen Füßen fühlte. Die Unfallstelle liegt etwa in der Höhe der äußersten-Spitze der Halbinsel, die durch Wannsee und Havellauf gebildet wird. Es ist das sogenannte Tiefe Horn, gegenüber dem Schwanenwerder. Die gerammte„Storkow" kam von Kladow und war im Begriff, in das eigentliche Wannfec« wasfer einzulaufen, während der„Kaiser Wilhelm" aus Wannsee kam und den Kurs der„Storkow" brcitfeits passieren mußte. Es ist un- erklärlich, wie bei dem trotz der Dunkelheit gutsichtigen Wetter der „Kaiser Wilhelm" die Backbord- und Steuerbordaternen der„Stor- low" nicht beachtet hat. Ebenso unerklärlich ist es, daß die klein« „Storkow" die Positionslatcrnen des„Kaiser Wilhelm" nicht sichtete. Auf jeden Fall wird sich die Untersuchung vor allem nach der Seite hin zu erstrecken haben, welcher von den beiden Dampfern keine La- lernen geführt hat. Eine blutige Liebestragödie. In der vergangenen Nacht gegen 12l4 Uhr erschoß der 24jäbrige Kaufmann Erich Stiel er aus der Maxstr. 5 die 2öjährige Kontoristin Elisabeth W a e h n e r, die bei ihren Eltern im Hause Elbinger Str. 9 wohnte, vor dem Eltern- hause, weil die Wachner die Verlobung mit Stieler aufgelöst hatte. Dann richtete er die Waffe gegen sich selbst und verletzte sich durch einen Schuß an der Stirn. Eine Streife der Schutzpolizei nahm den Täter fest und brachte ihn nach einem Krankenhaus. Ein erfolgreicher Pädagoge, der Pastor Plaß, der viele Jahr« hindurch das in Zehlendorf untergebrachte„Erziehungsheim Urban" leitete und Ende 1920 wieder eine Pfarrstelle in Neukölln übernahm, ist vor kurzem g e st o r b e n. Plaß war es gelungen, aus dieser Anstalt eine in mancher Hinsicht vorbildliche Stätte der Jugenderziehung zu machen, ein wirtliches Heim für die„Verwahr- losten", die er— zum Entsetzen oller Anhänger der althergebrnckuen Gewaltpädagogik— nach humaneren Grundsätzen behandelte. Man braucht seine Bedeutung nicht zu überschätzen, aber ckianche von den Neuerungen, die im letzten Jahrzehnt sich in Füriorgeerziehungs- anstalten durchgesetzt haben, waren bei Plaß längst eingeführt. Nicht nur viele Pädagogen besuchten sein Erziehungshe-m, um sich über seine Grundsätze zu unterrichten. Auch Berliner Arbeikkrorgani- sotionen fanden öfters Gelegenheit, an der Stätte seines Wirkens sich über Erziehungssragen zu belehren. Aus jotchsn Besuchen ist Plaß vielen unserer Genossen und Genossinnen bekannt geworden. Deutschböhmens Geistesleben. Die deutschösterreichische Lieder- tafel hotte am Sonntag zu einer Mittaasveranstaltung in die Sing- okademie geladen. Pros. Dr. Alfred K l o a r sprach über„Kunst und Literatur in Deutschböhmen". In anschaulicher Weise redete er von der in alle Lebensorgane strömenden Einheit, die darch Blut und Abstammung, Kultur, Sitte, Wissenschaft und Kunst Deutschböhmen mit dem Deutschtum verbindet. Als Unterstreichung seiner Behaup- tungen ließ er geschichtliche Tatsachen sprechen. Und im goldenen Prag, der jetzigen Hauptstadt der Tschechoslowakei, in deren Straßen kein deutsches Wort erklingen darf, reden die Steine im deutschen Wort. Den Musik- und Kunstsinn erörternd, wies der Vortragende nach, daß aus der gewerblichen Arbeit die künstlerische emporwuchs und daß aus dem volkstümlichen Boden starke Begabungen hervor- qingen. Prof. Dr. Ferdinand Gregor, rezitierte dann aus den Werken deutschösterreichischer Dichter. Restlos zog er die Zuhörer in seinen Bann und die Dichter lebten in ihrem Wollen und Streben, anregend zum Nachdenken stimmend. Ferner erfreuten die Darbie- tungen des Konzertiängers Schneider und des Kammervirtuosen Willy Dickert sowie Gesangsvorträge der deutichösterreichichen Lieder- tafel unter Dr. de Neres Leitung die Zubvrer, die bald, ob i'"- auserlesenen Genüsse, in beifallsfreudiger Stimmung waren. Wetter für morgen. Verlin nud Ilmgegend. Ziemlich mild, überwiegend bewölkt und etwa? nebelig, mit leichten Regensällcn und mäßigen westlichen Winden. Sport. Rennen zu Mariendorf, Sonntag. Zk>. Oktober. 1. Rennen. 1. Preciosa III(F Schlager),?. Siegmund Silver, 3. Faust IL Tot: 38: 10, Plah: 2i, 45, 29: 10. Ferner liefen: Eduard T, Ärgentaria, Humor T, Jose Spbinx. Lad atme. Klau«, Hildcbrandt, Verdun. Brabant, Jung Pikant.— Z.Rennen. 1. Volkslied(Höhne), 2. Dr. Gugg, 3. KriegSlreiwilliger. Tot.: 98: 10, Platz: 20, 24, 15; 10. Ferner liefen: Averlony, Ril, Carl Kuier(al« 3. diSgu., 60 Proz. der Platzwctten zurück), Daphne I. Dr. Prestbourg. Prekusa. Fibel Hartenjels.— 3. Nennen. Christel D.(Weidmilller), 2. Küchcnmädchen, 3. In arid Kuier. Tot.: 59:10, Platz: 19. 19, 20: 10. Ferner liefen: Mokassine, Pikanlriie, Spbinxlandtochler. Maurice, Sahar, FloriS 51— 4. Rennen. 1. Eilzug lWilishire), 2. Johannes, 3. Dolomit. Tot.: 57: 10, Platz: 20, 15,17:10. Ferner liefen: Mädel, Schlivs, Kulertrud, Feuerwehr. Ehrcligabc, Matador I, CcdruS, Brocade. Arciia I, Jung Bcrgsried. Mo» narchist.— 5. Rennen. 1. Bärbel(GtoRmann), 2. Aurel, 3. Frühauf. Tot.: 17: 10, Platz: 12, 13. 25:10. Ferner liefen: Miraboli» I, Cypresie I, Prin, Kuckuck. Jbiri« Onward, Lindra. Huschabell.— 6. Rennen. 1. Great Night(Doeiemann), 2. Shady Reapcr, 3. Donua 2odd. Tot.: 22:10, Platz: 20, 34: 10, Ferner licsen: Dragoner, Alücke. Manteuffel.- 7, Rennen, 1. Walstich(Weiß), 2. Melusin«, 3. Feuerball. Tot.: 26: 10. Platz 11. 13. 12: 10. Ferner liefen: Edler, Francisco, Daphne I. Respekt, Jupiter III, GlaSkiriche,— 8. Rennen. 1, Blumenmädchen W,(JauS jr.), 2. CrocuS, 3. Künitbr. Toi.: 88; 10, Platz: 21,15,18:10. Ferner Uesen: Ehrengabe. AUenuurhlcn, Dr. Ehel. sea, Araber. 1 Gewerkschaftsbewegung Das schlechte Gewijsen üer Gastwirte. Im Vertrauen auf die Gleichgültigkeit des Publikums und die Wirkung ihrer Terrorismusmache treiben die Scharfmacher im Gaftwirtsgewerbe ihr von vornherein sehr gewagtes Spiel zu weit. Die gestrige Versammlung im Zoo lehnte es ab, die Schlichtung des Konflikts einem Schiedsgericht mit drei Unparteiischen zu überlassen, dessen Spruch nur mit Dreiviertelmehrheit gelten sollte. General- dixektor Bartuschek machte den Witz, es konnte da. wie bei dem Spruch über das Schicksal Oberschlesiens, ein„Chinese" mitwirken, womit er stürmische Heiterkeit erzielte. Di« Strelkbrecher und die Unternehmer feien mit der Einführung des Prozentsystems zu, frieden. Die Behauptung aber, daß auch das Publikum, dem dieses System einfach aufgezwungen werde» soll und das damit außer mit den bereits erhöhten Preisen auch noch obendrein mit den ganzen Lohnunkosten der Unternehmer belastet wird, damit durchaus einverstanden fei, wird nachzuprüfen sein. Den Herren lietjt natürlich jede starre Unnachgiebigkeit fern: sie behaupten sogar, auch jede Hetztätigkeit liege ihnen fern, wovon bisher nur wenig zu merken war. Wenn die Herrschaften ihren Borftand beauftragten, mit den Streikenden— und den von ihnen Ausgesperrten!—- nur direkt und unter Zugrundelegung des Prozentsystems zu verhandeln, so ist das Spiegelfechterei, weil sie im voraus genau wissen, daß von Verhandlungen auf Grund ihres Diktats, den Angestellten die Löhne zu entziehen und sie dafür auf Prozente der Gäste anzuweisen, keine Rede sein kann. Der Syndikus Rechtsanwalt Hampe— auch ein Fachmann!— vertrat vor dem Einigungsamt diesen Standpunkt, und als ihm auf seine Behauptungen hin von einem Arbeitnehmervertreter gesagt wurde, sie seien unwahr, hatten die Arbeitgeber»inen Grund ge- funden, um auf die herausgcsorderte Aeußerung hin als die Be, leidigten die Verhandlungen abzubrechen, die keine mehr sein konnten. Die Berliner Arbeiter- und Angesiellienschast wird die Ankwari daraus geben. Bctriebsräteschnle! Im Laufe dieser Wocke geginncn folgende beiden Lehrgänge: DounerLtag, den 3. November, nachm. tihr. im Sophieii-Lyzeunh Woiniiieisierstr. lg, 17, Gesangiaal: .ArbeitSwissenschastliche Besprechungen smit einer Führung durch das städtische Berufsamt, mit B a r f ü h r u n g von Lichtbildern und PrüfungS- a p p a r a t e n. j" Freitag, den 4. November, nachm. b Ubr, städtische Höhere Fachschule für Texlil- und Bekleidungsindustrie, Warichauer Play C 8. Zimmer!17., „Buchhaltung und Bilanz a l S Kontroll mittel (für Hörer mit Vorkenntnissen, insbesondere für Techniker und kaufmännische Angestellt e.s" Teilnehmerkarten sind im Bureau der Freigewerkichastlichrn Bctriebsrälezentrale. Engelufer 24 25, 2. Hof J, zum Pren'e vo» k> M. erhältlich(ÄrbeiiSlose unentgelllichs. Ferner können die Kollegen die Hörerbciträge auch bei dem in der ersten Stunde zu wählenden Kursvertrauensman» entrichten. Freigewerkschafllichr BetriebSrätozentrale, BeteiebSräleschule. Ein neues Lohnabkommen für die Buchbindcrbranche wurde nach dreitägigen Verhandlungen am 30. Oktober in Weimar abgeschlossen. Das Abkommen sieht für die 1. Ortsklasse neue Stundenlohnzuschläge vor in Höhe von 1.10 M. für das J, bis 4. Gehilfeniahr und von 1.50 M. für die Zeit nach dem 4. Gehilfen- jähr für ledige Arbeiter. Verheiratete Gehilfen erhalten in allen Altersklassen 1,75 SJl. Zulage. Arbeiterinnen unter IKSahren erhalten pro Stunde 0,60 M. VvrgeübteArbei, t e r i n n e n über 16 Jahre erhalten im 1. Halbjahr 0.60 M, im 2. Halbjahr 0,80 M. Geübte Arbeiterinnen über 16 Jahre erhalten in allen Altersstufen 1.-~ M. pro Stunde. Diese Zulagen werden auf die seitherigen Löhn« gezahlt, und zwar ab erster voller Lohnwoche im November. Ende Rooember sollen neue V« r, h a n d l u ng e n stattfinden, um die dann gegebene Lage zu über- Prüfern Mit der neuen Zulage werden in der 1. Ortsklasse Spitzen- löhne erreicht von 7,85 M. für ledige Gehilfen, von 8,50 M. für verheiratete Gehilfen und 4,95 M für Arbeiterinnen. Der seitherige Zuschlag von 80 Proz. aus die Akkordgrundlähne des Reichsakkord- lohntarises wird auf 120 Proz. erhöht. Akkordarbeiter und-arbeite- rinnen, die nicht nach diesem Akkordtarif entlohnt werden, erhalten obige Zulagen als feste Sätze._ Lohnbewegung der Tapezierer und Sattler. Mit der Lohnbewegung beschäftigte sich eine übervolle Mit- gliederversammlung der Tapezierer und Sattler am Sonntag in Bökers FestsAen. Müller berichtete: Es fanden erst direkte Verhandlungen mit den Arbeilgebern über folgende Forderungen statt. Ein Aufschlag von 2,50 M. pro Stunde auf alle bestehenden Löhne für alle im Beruf beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen. füp Akkordarbeit ein Zuschlag von 35 Proz., als Werkzeugentschü- digung Z! Proz. des Lohnes, rückwirkend ab 1. Oktober, Die Per- Handlungen führten zu keinem Ergebnis, da die Arbeitgeber zu geringe Gegenangebote machten. Die Arbeitgeber haben nun den S ch l i ch t u n g s a u s I ch u ß angerufen, der am Won- tag, den 31. Oktober, entscheidet. Nach der Diskussion wurde in einer Entschließung der Lohn- kommission Vertrauen ausgesprochen und den Beschlüssen der Lohnkommisfion und der Vertrauensleute zugestimmt, daß überall dort, wo am 1. November die Forderungen nicht bewilligt werden. in den Streik zu treten ist. Die Anrufung des Schlichtungs- ausfchusses durch die Arbeitgeber ändert daran nicht», wenn nicht der Schlichtungsausschuß einen Spruch fällt, der den Forderungen gerecht wird. Heute abend wird eine neue Versammlung um 7 Uhr in der „Neuen Philharmonie", Köpenicker Straße, zu dem zu erwarten- den Schiedsspruch Stellung nehmen. Streik oder nicht ist jetzt die Frage._ Verbindlich erklärter Tarifvertrag für Sellerarbeiker. Auf Verfügung des Reichsarbettsministeriums ist unter dem 20. Oktober 1921 gemäß der Verordnung nach§ 2 vom 23. Dez. 1918 mit dem Ar» beitgeberverband der Getränkeindustrien und verwandter Gewerbe von Groß-Bcrlin E. V. und dem Deutschen Transportarbeiterverband am23. Aug. 1921 getroffene Lohnabkommen für die Weingroßhand- lungen sowie Likörbetriebe für den Geltungsbereich der neuen Stadt- gemeinde Berlin für allgemein verbindlich erklärt worden. Die allgemeine Verbindlichkeit beginnt mit Wirkung vom 1. September 1921. Reg. Nr. 917/30. IV. v. Tarifverträge sind im Bureau des Deutschen Transportarbeiter- Verbandes, Engelufer 24-25, Zimmer 38, gegen Vorzeigung des Mit- gliedsbuchcs zu haben. Arbeiter und Arbeiterinnen, welche den ta- rifmäßigen Lohn nicht erhalten, wollen sich daselbst melden. Zur Lohnbewegung in den CSpenicker Dampswäfcherelen nahm eine gul befucbte Versammlung siellung, in der G I a ß mitteilte, daß der Spruch deS Schiichlu»gsau4sch»sfeS, wonach die Wäschereien die Berliner Lohnsätze minus 8 Proz. zahlen müssen, nur von drei Firmen ancrkann! wurde. Ka y ser vom Trausport» arbeiterverdand erstaltete Bericht über die Verhandlungen und da? Resultat. In der Disku'sio» lehnten«S sämtliche Redner ob, unter den Berliner'Lohnsätzen zu arbeiten. Es gelangte eine Re- iolut'on zur Annahme, weiche die Organisationen beausiragt. von den Arbeitgebern die Anerkennung der Berliner Lohnsätze zu fordern. Die Antwort müsse bis spätestens 1. November im Besitze der Or- ganisationen sein. Die Arbeitnehmer verpflichten sich, mit allen ihnen zur Verfügung siehenden Mitteln für ihre Forderung ein- zutrete». Die Zahl der englischen Arbeitsiojen hat in der letzten Woche gegenüber der Vorwoche eine Zunahme von 4 000 00 er- fahre». Der Streik in Zlordfrankreich noch nicht beendet. Entgegen allen früheren Meldungen der Presse, daß der Streik in Nordsrankreich be- endet sei. meldet.Lumanitö". tzah der Streik vielfach weitergeführt wird. Ln R o u b a i x, wo allerdings ein großer Teil der Arbeiter die Arbeit wieder aufgenommen hat, stehen nur noch die Spinnerei-. arbciter und die Wollarbeiter im Streik. In Turcoing dauert der Streik noch vollständig fort. In Halluin haben die Streikenden nach zehnwöchigem stampf die Arbeit wieder ausgenommen, nachdem ihnen die Beibehaltung der Teuerungszulage von 45 Centimes für die Stund» zugesagt worden war. In der Mailänder Metallindustrie finden heute vor dem Prä- selten Verhandlungen statt, in denen entschieden werden wird, ob es zum Streik der Metallarbeiter von Mailand und Umgebung kommt. Das Aktionstymit-e der Metallarbeiter hat alle Lokal- sckttonen aufgefordert, in Permanenz zu bleiben und für alle Mög. lichkeiten Vorsorge zu treffen. »und der technische«»naestellte« und Beamten, vrtearuppe Nvrdm-b I: Mitgliedervsrianimnrng mit Lichthtld-rvortrag am S. Raaember abends Tfi Uhr im Rcitaurcmt Mntk«, Tulinstr. 7« Groß-Serliner parteinachrkchtea. Wahlkreis Z<«°ddi»g).®U Fraktwnssttzung der B-zirksverordn-te» stöbet nicht heute, sondern Donnerstag um ö Uhr im Ledlgenheim statt. Heute. Alontag, den 3t. Ottober; Arbeitsgemeinschaft über Bslkswirtschast. 7'/, Uhr Semew. Punbuser Sic. 3,6. Nene Teilnehmer kiinnen sich heut- noch anmelden. gebühren für die gesamt« Arbeitsgemeinschqst 10 M. : i i r ii« iBt- Zrauenveranstaltungen heute abend: 101.«it., Treptow! T/, Uhr bei Jaeckel, Bouchestr. 86, Eck- Niefheljstr. Schema:„Die Frauenarbeit im Landtag.- A-ferentin: Frau Luise Ki-hier, M. d. L........ 137. Adt., Reinick-ndorf.ZSest- 7Vj Uhr in der 6. S-meindefchul- Augusts ViNoria-Allee 37. Thema:„Die Wohlfahrtstagung m Sorlitz. Referentin: Fran Weide. Verantw. für den redakt. Test: Dr. Werner P-is-r. Eharlottendurg: für An- zeigen- Th. Stocke, Berlin. B-rlag BorwSrt-.V°rl-g S. m. b. H., Berlin. Druck, Vorwarts-Buchdrucksrei u. Berlsgsanstalt Paul Singer u. Berlin, Lindenstr. 3. Gewinn-Auszug der 18. Prrnß.-SSd!».(244. Preuß.) Klassen-Lotterie 5- Maift._ 1». ZiehungStag. zs. Oktober ISA. Aus Jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Sewinne gesr>0en. I und zwar ,e einer auf die«ose gleicher Nummer In Den beiden I -Abteilungen I nnd II I Nachdruck berbmr». über«« Mark s-zav»» Ohne Gewähr. I« d« Pormütagsziehung wnrha, 4 M 10000 If 72861 128086 373£a4 m0 U 47870 83282 T4381 188831 136381 176730 2SOTS4 186*0 3000 M 2911 33106 34319 34632 37118 38720 40238 48431 84195 61707 73407 78947 82681 8489 i 85878 91204 91463 100Ö09 102068 107753 108371 110128 111922 115063 117763 130264 130658 132068 138859 144203 150682 151218 154311 181602 161872 166401 168879 173505 174734 181463 183920 184093 188966 189474 194236 200669 201260 202712 203816 212116 216640 223164 224255 229133 231893 333888 247455 25262 352838 268596 280940 256568 269043 273605 274204 276507 295113 297497 363 eu 1060 11 1140 3117 4287 4702 5600 7987 18844 19649 21282 21034 24638 25891 29012 33308 32861 336,1 34300 36343 38426 44103 46613 62084 67128 62993 63147 63737 63796 68401 67681 69332 69536 70969 72764 74161 78632 70818 80056 80381 82370 84804 85850 86352 90816 91430 93037 93139 94470 96870 96475 97898 99071 99815 109691 101330 102279 10371? 10623. 107156 110151 110787 112403 114266 116368 116680 11638, 117383 113271 120089 123602 133851 124304 127533 133*40 13505:- 135548 136074 137527 137798 13910? 130548 14287a 146549 147078 147225 148068 148118 150382 160528 152886 163118 155396 16070) 15877 16734u 168902 162147 188351 183983 164071 105633 167987 189694 189782 170855 171791 174633 177795 179307 179405 179450 179689 181073 184606 184930 185936 188545 189089 198145 198331 198628 198195 199002 199001 200747 202462 203170 205020 206552 206763 20939- 210058 210337 211186 215818 218983 219263 220066 221739 226103 329976 231721 233071 234110 238678 238205 238438 341480 244066 248719 262874 255087 259394 260036 280087 284672 271247 272422 273905 278529 279212 279401 280480 281187 282081 283823 285934 2389'1 237827 Z87907 290846 891498 391910 293070 293090 294855 297265 2987ST 299389 299774 I» her Aachminagszi-Hung wurde» Gewinne über 420 Wart 2-zogc»! 2»n 39090 M 161845 2 KU 16000 U 140050 16 KU 6000 U 29069 33859 134009 223346 227723 231106 388804 266430 04 ni 3000 U 1303 10573 22611 33017 36708 89375 48636 63662 61400 63688 66980 70432 72168 76036 100201 101334 103201 103238 127615 127826 130575 130730 1342,5 138691 148384 148617 l"5 22 164667 184682 179884 185796 186557 193730 195482 197338 2t-ZS 221402 233432 220088 231921 239812 265607 274948 278916 291918 292977 298742 074 KU 1000 M 1256 2881 8353 8916 8742 816? 8188 11600 13505 14031 15638 17699 13998 21281 22019 34177 27674 29563 33801 S3884 40874 41887 41786 43862 40151 47194 47080 51990 51997 63159 62447 52905 63120 54491 56189 58506 59174 61568 61822 03955 65617 67138 67166 67543 67656 60522 69608 69877 70139 70930 71284 71880 72164 78379 77513 78800 70857 80118 81540 82853 85780 85973 88848 87818 89229 89489 91747 92341 03683 96617 87715 103590 103224: 10657 111414 113473 114003 H4714 116182 117723 119208 120320 132405 129264 139387 130054 130334 134010 134472 136740 136917 13'37a 137841 144363 147136 147018 149030 150284 161751 161C8X 162769 154111 165793 157079 159979 161273 161793 163164 166735 169048 170911 171458 173807 174333 174778 177695 170231 184010 184791 188361 190022 191170 101553 191707 193178 108459 198601 201919 204504 204952 205820 303383 208401 208570 008319 210734 210745 210778 211027 212848 213247 218781 216925 217350 217595 219571 322095 3,. ,418 229193 203289 234869 236801 236041 339544 240348 343334'Ä3347 248799 8480S3 249380 249773 358336 256704 267980 258129 260118 265500 268107 383538 279911 271895 272891 274378 278599 279767 383319 284828 206107 800818 291970 295344 286359 398855 298728 399387 099741 Dir in dem vorftehenven Gewinn-Auszug nicht enthaltene« niedrigeren Gewinn« sind ans den Bist«» zu ersehe», die bei den staallichen Lottcrte-Einncbmer» zur nnentgeldiicheu»ioficht anfliegen. iiiiiBiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiBiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiitiiiiiimuHiiii-is SOENNECKEK BON NA* FEDER UeberaM erhältlich F. 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Beichreibung und Zeichnungen der ge- planten Anlag» liegen in »nse>emB.ir«au,Karl, Horst, Trestowallee 44, ginime« 8, an den Seschiittstggen in der geil»on g bis 3 Uhr während der oben dezeich- neten Frist zur Einsicht aus. stur mündlichen Erör» terung der rechtzeitig er, hobonen Einwendungen wird ngr unserem Nom» missar.Stadisekretär Weigel, aus Freftag. den>8, Sio- vember tLi. normitmgs II Uhr, In unserem Bureau »In Tennin anberaumt, zu dem der ljnternedmer iowie die Widersprechenden unter der Eröffnung geladen wer» den, daft auch bei ihrem Ausbinben mit der Erör- terung der Einwendungen varaeaangsn wird. Bsrlin-Karishorst, den 27. Oftober ISSl, Skadlanaschntz Berlin Abieiinng V. In Vertretung: vr. tiraeilnsr. Vei-Ksuks GÄWn./�-. elegante Damenmöntel U9.-. streu, fllchse 78,- usw. Riescnauswahl, zu fabelhaft billigen Prei» sen in besten Qualitäten. stein« iiontbardwar». Seil Haus Poxbagenerftr. strenzfiichse�83 i Loni!5ard-8aDS � K H.Oraii.Leipz. St 75112 -HSchste Bcleihunag. 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