Nr.SIS �ZS. Jahrgang Ausgabe B Hr. 256 Bezugspreis: Slkrteyilhrl. 36,— M, monatf. 18,— M- frei Ins Haus, voraus zahlbar. Post- dezug: Monatlich 12,— M, einschl. gu- stellungsgebUhr. Unter Kreuzband mr Deutschland. Danz-.g. das Saar- und Memelgeblet. sowie die ehemals beul- fchen Gebiete Polens, Oesterreich, Ungarn und Luxemburg 22,— M., für das übrige Ausland 2S,— M. Post- destellungen nehmen an Oesterreich, Ungarn, Tschecho- Slowakei, Däne- mark, Holland, Luxemburg, Schweden und die Schweiz. Der„Potwärts" mit der Sonntagsbeilage»Poll und Zeit", der Unter- haitungsdeilage„Heimtvelf und der Beilage„Siedlung und Kleingarten� erscheint wochentäglich zweimal. Sonn- tags und Montags einmal. Telegramm-Adreffe: «Sozialdemokrat Bertte" Abend Attsgabe c Devliner Volksblstt Anzeigenpreis: Die neungesvaltene Ztonvareillezeile kostet 6,— M.„Kleine Anzeige»' das fettgedruckte Wort 2,— M. lzu- lässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 1,— M. Stellengesuche und Schlafstellenanzeigen das erste Wort I.— M., jedes wei'.ere Wort 60 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen fstr zwei Worte. Familien-Aa- zeigen für Abonnenten Zeile 3,50 9)1. Die Preise verstehen sich einschließlich Teuerungozusch lag. Anzeigen für die n L ch st e Nummer mllsien bis a Ahr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin SW 68, Linden» strafce 3, abgegeben werden. Geijsinet von 9 Uhr früh b!» b Uhr nachmittag». Zentralorgan der rozialdemokratifchen parte! Oeutfcblands Neüaktion und Expedition: SV? öS, Linöenstr.Z M-veekkee-eeriteer- Redaktion Moritiplay ISliiS—»7 �eri,,pre«,er. Moritzplat» 1I7SS— S4 Dienstag, den 1* November 1921 Vonvarts-Verlag G.m.b.H., SW HS, Lindenstr. Z Nerniktr-ri,-?- Verlag,«xveditiou und Inseraten- ffivnipvvafKf. Abteilung Moridplap 117 HZ—»4 Ungarn gibt nach. Vudapcst, 31. Oktober.(EE.) Die Vertreter der Großen Entente erschienen heute bei dem Ministerpräsidenten Graf Bethlcn und überreichten eine Note, in der es heißt, daß sie sich die Forderung der Nachfolgestaatm bzw. der Thronentsetzung zu eigen gemacht haben und nun nicht nur die Proklamierung des Thronverlustes Karls, sondern des gesamten Hauses Habs- bürg fordern. Dieser Schritt ist von der größten Bedeutung, da nunmehr die Haltung der Kleinen Entente durch die Große Entente unterstützt wird und nunmehr in dieser Frage kein Gegensatz mehr zwischen der Großen und der Kleinen Entente besteht, von dem man in ungarischen Kreisen gehofft hatte, ihn zu gewissen Dingen aus- nutzen zu können. Sogleich nach der Nebergab« der Note fand ein außer- ordentlicher Mini st errat statt, der sich bis in die späten Abendstunden ausdehnte. Die Auffasiung der Regierung geht dahin, daß Ungarn als souveräner Staat allein befugt sei, sich seinen König zu wählen, daß aber die ungarische Regierung anerkenne, daß die Frage der Habsburger internationale Bedeutung habe und daß daher im Zusammmhang mit dieser Lösung auch der internationalen Faktoren gedacht werden müsie. Doch gibt es für die ungarische Regierung bei der Erfüllung dieser Ententeforderung Schwierig- keiten zu überwinden, vornehmlich auf innerpolittschem Gebiete. Die Regierung kann wohl den Thomverlust des Königs bzw. des Hauses Habsburg feierlichst proklamieren. Dieser Akt ist aber nur dann von internationaler Bedeutung, wenn ihn sich die National- Versammlung zu eigen macht oder in Gesetzesform aus- gesprochen wird. Das Kabinett Bethlen steht also vor der Frage, ob es für das Gesetz des Thronverzichtes des Hauses Habsburg in der Nationalversammlung eine Mehrheit finden wird. Diese Mehrheit ist zwar durch die Proklamierung der Thronentsetzung Karls gefunden, aber nicht für eine solche des ganzen Hauses Habs« bürg. Abschließend läßt sich zür gegenwärtigen Lage sagen, daß die ungarische Regierung gewillt ist, die Forderung der Großm und der Kleinen Entente bzw. der Thronentsetzung des Hauses Habsburg unter Betonung der Souveränität Ungarns nachzukommen, daß sie aber keine Bürgschaft für die Haltung der Nationalversamm- lung übemehmen kann. Die Nationalversammlung wurde für Donnerstag einberufen. Die Regierung will in dieser Sitzung sofort den bett. Gesetzesvorschlag einbringen. Budapest, 31. Ottober.(WTB.) Wie die Blätter melden, wer- den König Karl und Königin Zita in der Nacht zum Mittwoch von Tihany nach Duna-Földvar gebracht werden, wo sie von dem inzwischen dort eingettoffenen KanonenbootGlowworm aufgenommen werden sollen. Für die Ueberführung werden die gegenwärtig in Tihany weilenden Militäroertteter Englands, Frankreichs und Italiens Sorge tragen. Horthy Thronkandidat? Budapest, 31. Oktober.(US.) Seit einigen Tagen werden in der Hauptstadt und auf dem Lande Flugzeltel ohne Unter- schrift verbreitet, die unter Hinweis auf die Bcrdienste'des Reichs- verwefers seine Proklamation zum Sönig fordern. Die Flugschriften, die nicht zensuriert sind, erregen großes Aufsehen und werden allgemein besprochen. Es ist das erstemal, daß in der Oeffentlichkeit in nnverhüllter Weise für eine Sönigs- kandidatur horthys Stimmung gemacht wird, während bisher sein Rame nur in Verbindung mit der Kandidatur Erzherzogs Albrecht genannt wurde, ills Führer der Leivegung. die horthy zum König machen will, wird der Abgeordnete Julius GZmbös genannt. Die Großmächte gegen eine Intervention. London, 1. November.(WTB.) Reuter glaubt zu wissen, daß die Regierungen der Kl e i n e n Entente benachrichtigt worden sind, daß die Großmächte jede aktive Intervention gegen Ungarn im Augenblick mißbilligen. » Wien, 1. November.(WTB.) Wie die„Deutschen Nachrichten' melden, wurde über den tschechischen Bezirk Rokitzan der Be- lagerungszustand verhängt, weil die einberufenen Tschechen sich weigern, dem Mobilisierungsbefehl nachzukommen. Prag, 1. November.(WTB.) Aus Lipto Czent Mikols wird gemeldet, daß dort ein Sohn Stefan Rakovszkys ver- haftet worden ist. die Taktik öer französischen Sozialiften. Paris, 1. November.(WTB.) Der sozialistische Par- teitag behandelte gestern die Frage der Taktik der Partei. Der Generalsekretär der Partei, Paul Faure, will keine' Allianz mit den bürgerlichen Parteien, auch keine Allianz mit der äußersten Linken. Die Partei müsse bleiben, was sie sei und was sie seit der Spaltung gewesen fei. Der Redner sprach auch von der Wahlkampagne, durch die die Partei einen Teil ihrer Anhänger verlieren könne. Die Partei müsse sich das Recht vorbehalten, eine Koalition einzugchen, wenn die Wah- len vor der Tür ständen. Der Abg. Blum warnte den Kongreß vor einer Ueberstürzung gefährlicher Entscheidungen. Er ersuchte, keine Entschließung über die innere Politik der Partei anzunehmen. In der augenblicklichen Kammer sehe er nicht die notwendigen Elemente, um einen Block der Linken zu bilden. polen unü öas Wirtschaftsabkommen. Warschau, 1. November.(Intel.) Der Ministerrat be- schloß in seiner letzten Sitzung für das deutsch-polnifche Abkommen u. a. folgende Forderungen zu erheben: Die Eisenbahn bleibt in Kattowitz und wird für ganz Oberschlesien zuständig sein. Die not- wendigen Eisenbahnanlagen im polnischen Gebiet werden als Teil des deutschen Bahnnetzes ausgeführt werden. Die polnische M a r k soll zu einem noch festzusetzenden Kurs umberechnet und der deutschen Mark gleichgesetzt werden. Amerikas ßorüerungen an Rußland. Paris, 1. November.(WTB.) Wie der Sonderberichterstatter des„Matin' aus Washington meldet, wird Staatssekretär Hughes vor der Konferenz mit den Russen folgende drei Bedingungen stellen: 1. Aufgabe des Systems des Terrors sowie jeder Agitation im Auslände; 2. Wiederherstellung eines normalen politischen und wirtschaftlichen Regimes, mit dem man verhandeln könne, und 3. Garantien, daß dieses Regime dauernd sei und das Privat- e i g e n t u m schütze. Das Programm von Washington. Paris, 1. November.(EE.) Aus New Park telegraphiert Per- tinax dem„Echo de Paris': Die Bureaus des amerikanischen Staats- departements haben alle Berichte auf die Fragen vorbereitet, die von der Konferenz erörtert werden können: Abrüstung zu Lande und zur See, Wiederherstellung der Unabhängigkeit und der Integrität Chinas, europäische Finanzproblemc, die zwar nicht offiziell auf der Tagesordnung stehen, aber gemäß einer Aeußerung des Unterstaatssekretärs im Schatzamt, Wadsworth, erörtert werden sollen. Man weiß noch nicht, ob die amerikanische Abordnung einen Gesamtplan aufstellen wird, welcher die gesamten Arbeiten der Kon- ferenz regeln soll, oder ob sie nur das Programm der amerikanischen Politik festlegen wird und es der Konferenz überläßt, sich ihr eigenes Programm aufzustellen. Harding neigt der letzten Auffassung zu, denn er glaubt, daß gewisse Beratungen zunächst fallen gelassen und später wieder aufgenommen werden könnten. Bezüglich der Abrüstung sollen Harding und Hughes, dem „Echo de Paris" zufolge, auf dem Standpunkt stehen, daß Frank- reich Garantien gegeben werden sollen, um es zufrieden- zustellen. Heber die Art dieser Garantien verlautet inzwischen noch nichts. Ferner wünschen Harding und Hughes, daß die Flotten- Verhältnisse festgesetzt werden sollen, und zwar nicht nur die bestehenden, sondern auch die der im Bau befindlichen, wobei die zu verteidigende Küste, die budgetären Einnahmen, die Bevölke- rungsverhältnisse usw. in Betracht gezogen werden sollen. Bezüglich Chinas werden auf der Konferenz folgende Empfehlungen vorgelegt werden: Aufhebung der Einflußzone, die zugunsten Ruß- lands, Japans, Englands und Frankreichs in den letzten 2S Iahren in China geschaffen wurde, mit der etwaigen Ausnahme, daß der Pachkertrag Japans auf der Insel Liao Toang, der im März 1923 abliefe, verlängert wird. K i a u t s ch a u kann vielleicht ohne den Hafen von Tfingtau bei Japan verbleiben, während S ch a n t u n g unbedingt aufgegeben werden muß. Alle Rechte und Konzessionen, die seit 1911 erworben wurden, sollen einer Revision unterzogen werden. Diese Revision soll sich auch auf früher erworbene Rechte erstrecken, insbesondere auf den chincsisch-japanischen Vertrag von 18S0, der Tokio in der Mandschurei ein Wirtschaftsmonopol sicherte. Das Finanzkönsortium, das von England, Amerika, Japan und Frankreich am 15. Oktober 1929 gegründet wurde, wird seine Operationen bis in die Mandschurei ausdehnen. Als Gegengewicht gegen die Aufhebung der japanischen Privilegien wäre die Neu- tralisierung der chinesischen Eisenbahnen zu be- trachten. Von Tibet soll nicht auf der Konferenz gesprochen werden. Es soll auch weiterhin unter englischem Einfluß bleiben. Pertinax ist der Ansicht, daß Frankreich auf eine Mitarbeit Amerikas nicht rechnen dürfe, da sich dieses hauptsächlich um seine Angelegenheiten und um die des fernen Ostens kümmern müsse. Das günstigste, was Frankreich erhoffen könne, wäre, daß Amerika es ihm überließe, seine, Frankreichs, Interessen nach Gutdünken zu verteidigen. Inoffizieller Sörsenverkehr. Obwohl heute in Berlin keine offizielle Börse stattfand, haben sich doch zahlreiche Börsenbesucher in den Börsenräumen zusammengefunden. Bei dem inoffiziellen Verkehr, der sich auch an den börsenfrcien Tagen nicht ganz unterdrücken läßt, zeigte sich eine bemerkenswerte Zunahme des Angebots» aus den Kreisen der Bankkundschaft. Das Heer der kleinen Speku- lanten scheint der Berufsspekulation zu folgen, die bereits gestern die hohen Kurse benutzte, um ihre Engagements zu lösen. Man erwartet für die nächste Zeit eine Senkung der Effettenkurse. Sehr fest war die Tendenz heute lediglich für alle russischen Werte im Hinblick auf die Note Tschitscherins an England betreffs Anerkennung der russischen Vorkriegsschul- den. Am Devisenmarkte hielt sich der D o l l a r bei schwachem Geschäft auf ungefähr 182. & Valuta und /lusfuhrabgaben. Von Wilhelm Keil. Das furchtbare Valutaelend Deutschlands ist zu einer Ge- Mark im Wechselverkehr mit den valutastarken Ländern sinkt, steigen die Preise für die landwirtschaftlichen Er- Zeugnisse. Die kleinen 5)emmungen, die in früheren Jahren dem raschen Aufeinanderfolgen von Valutavcrschlech- terung und Steigerung der Nahrungsmittelpreise durch die „Zwangswirtschaft" bereitet wurden, sind mit der Herstellung der Freiwirtschaft gefallen. Da auf ein rasches Ansteigen des Markwertes nicht zu hoffen ist, müssen wir uns in den nächsten Wochen und Monaten auf Preissteigerungen gefaßt machen, die alles bisher Erlebte in den Schatten stellen. Der kapita- listisch betriebenen Landwirtschaft werden daraus noch fabel- haftere Gewinne erwachsen, als sie bisher erzielt hat. Der Industrie geht's nicht schlechter, namentlich, so- wiet sie für die A u s f u h r arbeitet. Je tiefer der Markkurs, desto größer die Konkurrenzfähigkeit der deutschen Industrie gegenüber dem Ausland mit besserer Währung. Denn trotz der auf die Markentwertung folgenden Preissteigerung wachsen die Produktionskosten nicht in dem Maße, in dem die Mark sinkt. Vor allem der aus Arbeitslohn bestehende Teil der Produktionskostest bleibt hinter dem Ausstieg der Preise in immer größer werdenden Abstand zurück. Mit anderen Wor- ten: je geringer der Wert der Mark im Auslände, desto größer� der Unterschied zwischen den Löhnen in Deutschland einerseits, dem valutastarken Ausland andererseits. Kostet der Dollar 15(1 Mk., so gilt die Mark noch 2,8 Friedenspfennige, und der Arbeiter, der 10 Mk. Stundenlohn bekommt, verfügt damit über 28 Friedensvfennige. Ein Stundenlohn von 10 Mk. ist heute schon ein respektabler. Der amerikanische Arbeiter arbeitet nicht für 28 Friedenspfennige, sondern be- ansprucht das Sechs- bis Zehnfache dieses Betrages. Um den ganzen Betrag der Differenz zwischen der Höhe der Löhne im Inland und in Amerika ist der deutsche Exporteur seinem amerikanischen Konkurrenten voraus. Er kann aus deüi Differenzbetrag die Transportkosten und Spesen bestreiten, kann den amerikanischen Konkurrenten unterbieten und wird immer noch beispiellos hohe Gewinne erzielen. Wir wünschen nun nicht etwa, daß der deutsche Unter- nehmer zugunsten des ausländischen Käufers auf diese Ge- winne verzichtet. Im Gegenteil, wir wollen, daß er mit seinen Preisen möglichst nahe an die Gestehungskosten herankommt, um die dieselbe Ware im Ausland erzeugt wird. Andernfalls fördern wir den Ausverkauf Deutschlands, treiben Schleuder- konkurrcnz mit dem kostbarsten Gut, das wir haben, mit der menschlichen Arbeitskrast. Am sichersten wird diesen Gefahren vorgebeugt, wenn der deutsche Exporteur die Preise seiner Waren in ausländischer Währung berechnet. In diesem Falle vermag der ausländische Bezieher der deutschen Ware nicht jeden Sturz der deutschen Mark in einen Riesen- gewinn umzumünzen, wie es bei der Zahlung in Mark der Fall ist. Aber der deutsche Exporteur hat keinen persönlichen Anspruch auf den großen Gewinn, den er zu machen in der Lage ist. Vermag er, obgleich er nur den 5- bis lOsachen Friedenslohn zahlt, den 3(1- bis �llfachen Friedenspreis zu er-' zielen, so verdankt er hgs dem grauenvollen Finanzelend des eigenen Landes und Volkes. Der exportierende Unternehmer soll daher dreierlei tun: erstens seine Arbeiter so bezahlen, daß sie ihre Leistungsfähigkeit nicht einbüßen, zweitens eine von voltswirtschaftlichen, nicht von privategoistischen Beweggrün- den geleitete Finanzpolitik treiben, die ihm über die Schwierig- keiten einer etwaigen Rückbildung des Markkurses hinweghilft, drittens einen angemessenen Teil seiner Riesengewinne an die Volksgemeinschaft, aus deren Not sie entspringen, abführen. Dieser letzteren Pflicht des Exporteurs sei noch ein Wort gewidmet. Im Prinzip ist die Abführung eines Teils der Valutagewinne für die Zwecke des allgemeinen Wohls schon in der zweiten Kriegshälfte anerkannt worden. Hslfferich hat als Staatssekretär des Innern bereits im Herbst 1916 eine Vorlage zwecks Erhebung von Ausfuhrabgaben an den Bundesrat gebracht, sie aber während der Beratung zurück- gezogen und die Erhebung solcher Abgaben auf dem Wege freier Vereinbarung mit den Interessenten betrieben. Die Abgaben reichten schon damals, als die Mark noch auf mehr als 86 Centimes stand, bei manchen Waren, so bei der Kohle, bis zu 10 Proz. des Wertes heran. Im Herbst 1919, nachdem inzwischen(trotz des sinkenden Markkurses!) unter dem Druck der Unternehmer die meisten Waren von der Ausfuhrabgabe befreit waren, wurde eine neue Grundlage geschaffen. Die Mark stand schlecht. Bis aber die neue Ausfuhrabgaben- ordnung in Kraft trat, kam das Frühjahr 1920, die Mark stieg wieder etwas, und rasch schritt man wieder zum Abbau der Abgaben mit der Wirkung, daß von einer großen Zahl von Waren eine Abgabe überhaupt nicht mehr erhoben, für die übrigen Sätze von 1 bis 3 Proz.(!) festgesetzt wurden. Da das Erträgnis für soziale Zwecke Verwendung fand(Verbilli- gung der Lebensmittel, Förderung des Wohnungsbaues, Cr- werbslosenfürsorge), sprach man von der„sozialen Ausfuhr- abgäbe". Während das Erträgnis im Dezember 1920 314 Millionen, im Januar 1921 261 Millionen betrug, war es dank der erfolgreichen Abbautätigkeit des vollsparteilichen Wirtschaftsministers Scholz im Juni 1921 auf 65 Millionen zusammengeschrumpft. Aufgabe des im Mai 1921 wieder an die Spitze des Wirtschoftsministcriums getretenen Sozialdemokraten Robert Schmidt war es, wieder gut zu machen, was der volksparteiliche„Fachmann" verdorben hatte. Mit dem er- neuten Marksturz in diesem cherbst verschärfen sich die Gründe für eine Erhöhung der Ausfuhrabgaben. Jetzt aber lehnten sich die vom Volksparteiler Scholz verwöhnten Unternehmer mit allen Mitteln gegen eine Erhöhung auf. Der Wirtfchafts- minister hatte die Erhöhung der Ausfuhrabgaben um durch- schnittlich 4 Proz. und Ausdehnung derselben auch auf die ausfuhrfreien Waren(während sie bisher nur von Waren er- haben wurde, für die Ausiuhrgcnehmigung erteilt wurde) vorgeschlagen. Darüber Zetermordio!"Der Export werde unterbunden, die Industrie rumiert, die Arbeiter brotlos ge- macht! Das alles wegen der 4 Proz.! Dabei waren noch weit- gehende Milderungen vorgesehen bei Waren, die ganz oder vorwiegend aus ausländischen Rohstoffen oder Halbfabrikaten hergestellt sind und bei denen der Lohn nur einen kleinen Teil des Wertes der Fertigwaren ausmacht. In heißem Ringen hat das Wirtschaftsministerium feine Vorschläge vor dem wirtschaflspolitischen Ausschuß des Reichs- wirtlchaftsrats, in dem die Sachverständigen, d. h. die Jnter- essenten entscheiden, zu verteidigen gehabt. Bedenkliche Ein- schränkungen sind vorgenommen worden, die namentlich in der Freilassung bereits erteilter Aufträge und in weitgehenden Be- fugnisfen der Außenhandelsausschüsfe bestehen. Die Folge wird fein, daß die Unternehmer nach wie vor ungeheure Valutagewrnne einstecken und zu ihrem persönlichen'Nutzen verwenden, die sie der zunehmenden Verarmung Deutschlands und Verelendung der deutschgp Arbeiterschaft verdanken. Im Rechnungsjahr 1920 sind 1150 Millionen Mark an„sozialen Ausfuhrabgaben", 1081 Millionen Mark an Nock bestehenden alten Abgaben für Kohle, Holz und Sohz erhoben worden. Zehn Milliarden hätten aus dieser Quelle gewonnen werden können ohne jeden Schaden für die Industrie, wenn das Unter- nehmerwm nicht eine wirklich soziale Abgabenpolitik unmög- lich machen würde. KreAithilfe oüer Steuerangft: Reichsverband der deutschen Industrie gegen das Reich. Der Reichstagsabgeordnete Hugenberg versendet an die schwerindustrielle Presse ein Schreiben, in dem er zur Frage der Krcdithilfe in beachtenswerter Richtung Stellung nimmt. Hilgenberg ist bekanntlich im Präsidium und im Vorstand des Reichsverbande? der deutschen Industrie sowie auch bei dessen Münchener Tagung für den bekannten Vorschlag einer Kredi thilfe der deutschen Industrie zugunsten des Reiches eingetreten. Hugenberg betont heute, daß er dies damals unter Ausschaltung aller parteipolitischen Gesichts- punkte getan habe. Um so auffälliger erscheint, daß er jetzt einen Richhrngswechsel des Reichsverbandes der deutschen Industrie qn'ündigt, der aus keinem anderen als aus parteipolitischen Gesichtspunkten erfolgt. Die jüngste außenpolitische und wirtschaftliche Entwicklung habe nack Ansicht der meisten Werkleiter die Aussichten einer freiwilligen Kredithilfe außerordentlich zusammenschrumpfen lassen.„Es wäre verhängnisvoll, wenn man glaubte, gleichwohl den ein- mal gefaßten Plan nunmehr im Wege des Zwanges durch- führen zu müssen!" Hugenberg betont, daß nach seiner Kenntnis der Dinge der Reicchsverband der deutschen Industrie demnächst sogar gegen den sogenannten Hachenburgschen Gesetzentwurf einer Kredithilfe der deutschen Industrie Stellung nehmen werde, weil dieser, den wir wegen seiner unglaublichen Begünstigung der großindustriellen Devisengeschäfte und der damit beabsich- tigten Aushöhlung de? Staatsmacht scharf kritisierten,„wie Das Zlüsterhaus. Don Walter Victor. Dies ist keine Spukgeschichte, wie der Titel sagen könnte, o nein! Sondern eine gar sehr aktuelle aus unfern Tagen, und wer ein- mal einen langen Weg durch die Stadt macht, der kann manch neues„Flüsterhaus" entstehen sehen, und so viel« Fenster es hat, so viele Menschen freuen sich auch schon darauf, daß es fertig wird und daß sie darin eine Wohnung bekommen sollen. Wer, wie ich, das Glück hat, schon in solcher Behausung Obdach gefunden zu haben, der weiß Bescheid. Denn die Wände... ja, die Wände sind, als wären sie eigens zur Weiterleitung jedes Geräusches präpariert. Was oben, unten, was rechts und links vor sich geht: der Wandersatz leitet's treulich weiter, und wollte ein jeder so tun, als wär' er zu Haus, wozu er doch recht eigentlich allen Grund hätte: kein Nachbar hätte eine ruhige Stunde. Da wir nun alle nette und liebenswürdige Menschen sind(I) und keine Veranlassung haben, unser Haus zur Fundgrube für einen Humoristen zu machen, der es natürlich lieber sähe, wenn oben eine Sängerin, unten ein Saufbruder, rechts«in Tanzinstitut und links ein besseres Nachtlokal den Bewohner zur Verzweiflung brächte, wir im Gegenteil lauter einigermaßen gesittete Arbeitsmen- schen sind, so nehmen wir die kostenlose Lebensschule der gcgensei- tigen Rücksichtnahme gerne hin und— flüstern eben. Und darum wohnen wir im„Flüsterhaus". Unser„Flüsterhaus", das mit seinem stischen Anstrich sich vor- läusig noch recht gut ausmacht(die Wände kriegen schon Risse, aber da» tut fast gar nichts: hellhöriger kann der Bau dadurch nicht mehr werden!), hat noch einen anderen Vorzug. Da hat sich der Architekt nämlich mit uns Bewohnern einen Scherz erlaubt, oder hat uns. ohne uns zu kennen, schon vorher wie der Wiener sagen würde: a bisserl frozzeln wollen, und machte über den Eingang des Neubaus, auf den ein Dutzend junger Paare mit Schmerzen wartet, einen großen Spru chhin:„Neue Kraft— neuer Wuchs!" Und dann kamen wir mit Sack und Pack und zogen ein. einen großen Spruch hin:„Neue Kraft— neuer Wuchs!" Und der„neuen Kraft". Und well es eine wunderfeine und unvergeß- liche Rocht war, will ich noch davon erzählen. Gleichzellig wachten wir aus und gleichzeitig wußten wir es: unten ist es so weit! Und dann haben wir unsere warmen Hände gegriffen und dem Weinen gelauscht, das die Flüsterwänd« so eigen singend herauftrugen. Weh und schmerzlich, aber doch so lebens- gewiß klang e» Und Angst hatten»ir, immer«ehr, und den Atem hielten mir an und flüsterten nach leiser, wenn man ab- und zuging drunten, und verfolgten olle», und erlebten alles: als«ine ganz groß», weihevolle Stunde, in der neue» Leben wurde. Und eine Auslieferung des deutschen Privatvermögens an den Zu- griff der Entente bezüglich des internationalen uns feindlichen Kapitals" wirke. Diese Behauptungen sind nur dann zu ver- stehen, wenn man die dahinter versteckten parteipolitischen Ge- sichtspunkte beachtet. Es ist doch notorisch, daß das deutsche Finanzkapital, daß die Großindustrie und der Handel bisher aus Gründen des Prositinteresses rücksichtslos und systematisch die deutsche Produktion immer mehr der Ueberfremdung durch ausländisches Kapital preisgegeben haben. Jetzt soll plötzlich die Hergabe von Devisen, die aus dem Erportgeschäft von der deutschen Industrie erworben worden sind und oft genug im Ausland stehen blieben, um sie dem Steuerfiskus zu entziehen, eine Auslieferung des deutschen Privatvermögens an die Entente sein. Das kann man nur denen glaubhaft machen, die nichts von den Dingen verstehen. Hugenberg will auch mit seiner Ankündigung der kommenden Beschlüsse des Reichsverbandes der deutschen Industrie in Wirklichkeit etwas anderes. Seine Mitteilungen find cineDrohungandie derzeitige Reichs- regierung, sie sind die offizielle Mitteilung von komvetenter Stelle, daß das deutsche Großkapital nicht gewillt ist, ernst- Haft an der Wiedergutmachung teilzunehmen, daß es nicht die Absicht hat, Deutschland aus seinem Elend mitherauszu- helfen. Das können diejenigen tun, denen zehn und mehr Prozent vom Lobn oder Gehalt abgezogen wird. Hugenberg und seine Freunde fürchten für den kommenden Winter nicht nur die Zwangskreditorganisation, sondern auch deren „schlimmste Form", die Erfassung der Sachwerte. Zu unserem Teil möchten wir heute nur bemerken: Bange machen, Herr Hugenberg, gilt nicht! Im übrigen noch ein ernstes Wort. Glauben die Führer des Reichsverbandes der deutschen Industrie, wenn sie schon der Meinung sind, daß sie der deutschen Regierung eine lange Nase machen können, daß das Ausland, das die Geschäfte und die Gewinne und die bisher geringen steuerlichen Leistungen der deutschen Industrie sehr genau kennt, sich ein X für ein 17 vormachen läßt? Wir hoffen immer noch, daß Herr Hugenberg, der in seinen Acuße- rungen doch wohl nur das Mundstück stärkerer Kräfte ist, mit diesen gemeinsam vor Toresschluß einsieht, daß ihnen ihr Mundspitzen nichts helfen wird, es muß gepfiffen werden. Warum blieb Geßler! Die Frankfurter„Volksstimme" zitiert aus einer Rede Rathenaus in Frankfurt a. M. folgenden Satz: Ich hätte es für ein großes Unglück gehalten, wenn Geßler aus» geschieden wäre und ihm die verdienten Männer in der Armee folgen würden. Unser Frankfurter Parteiblatt erinnert dann an eine Aeußerung des„Vorwärts", daß„gewisse Opportunitäts- gründe" im Augenblick gegen einen Wechsel im Reichswehr- Ministerium sprächen, und fragt barm aufgeregt: Was waren das für„gewisse Opportunitätsgründe", die unsere Fraktion veranlaßt« n, wenn auch nicht„leichten Herzens", den Mann zu halten, von dem es„heißt", daß„die Führer der Reichswehr" sich„lebhaft für ihn eingesetzt" hatten? Heraus mit der Sprache! Der„Vorwärts", der die Gründe kennen muh, da er zugibt, daß sie stichhaltig sind, hat jetzt die Verpflich- t u n g, sich der aufhorchenden Menschheit zu offenbaren. Darauf ist zu erwidern, daß sich die Annahme Rathe- naus,„verdiente Männer der Armee" würden zugleich mit Geßler aus dem Amt scheiden, nicht auf Tatsachen stützt, die uns oder der Fraktion bekannt wären. Wir haben viel- mehr Grund zu glauben, daß es sich auch bei Rathenau um eine bloße Vermutung handelt. Die Fraktion und der„Vorwärts" wußten und wissen auch bis heute nichts anderes, als daß bei der Umbildung des Kabinetts Bedenken dagegen auftauchten, die Reichswehr in die politische Krise mit hineinzuziehen. Dazu trat der Wunsch, einer Wiederherstellung des Kabinetts Wirth mög- lichst wenig Schwierigkeiten zu bereiten. Das waren die „Opportunitätsgründe". dann noch ein Schrei, der uns den Hals zuschnürte,— und dann nichts— und dann Sprechen... Lachen... und dann wieder nichts... und dann ganz deutlich:„Ach, is ganz egal, ich freu' mich!" Und neben mir sagt mein Kamerad:„Ein Mädel!" Da haben wir uns gegenseitig eine Träne aus dem Auge ge- wischt und sind dem Wandersatz und unscrm„Flllsterhaus" dank- bar gewesen für eine heilige Stunde. Ein Afsenexperlment über die Schuhfärbung. Einem Affen war es vorbehalten, eine vielerörterte Frage der Naturwissenschaft zu lösen. Darwins heute yart angegriffene Theorie von der natür- lichen Anpassung, die sich im Tierreich in der Schutzsarbe äußert, ist durch eine lange Reihe von Versuchen gestützt worden, bei denen ein Affe die Hauptrolle spielte. Der englische Naturforscher Dr. G. D. H. Carpenter hat nach einer Mitteilung in der Londoner Entomologischen Gesellschaft im früheren Deutsch-Ostastika Unter- suchungen über die Bedeutung der Schutzfarbe angestellt. Er wollte herausbekommen, ob diejenigen Insekten, die die Schutzfarbe be- sitzen, von den Tieren lieber verspeist werden als solche Insekten, die durch eine leuchtende Farbe ausgezeichnet sind. Wird das Insekt mit der Schutzfarbe als Nahrungsmittel bevorzugt, dann ist nach seiner Ansicht de? Beweis für den Nutzen dieser Form der An- passung erbracht. Er begab sich also mit einem Affen, den er ab- gerichtet hatte, auf die Wanderschaft im Urwald und machte xin- gehende Aufzeichnungen von jedem Insekt, das der Affe verspeiste, und von dem Gcsichtsausdruck oder den sonstigen Aeußerungcn des klugen Tieres, die darauf schließen lassen konnten, wie ihm die Nahrung geschmeckt habe. Durch etwa 1009 Notizen stellte er die Reaktion des Tieres bei den verschiedenen Insekten fest. Es war ganz deutlich zu beobachten, ob dem Affen eine ihm dargereichte Speise schmeckte oder nicht: im letzteren Falle machte er ein komisches, angeekeltes Gesicht oder schlug wütend um sich. Nachdem nunmehr die langwierige Arbeit der Einteilung und Registrierung der ein- zelnen Aufzeichnungen vollzogen ist, zeigt es sich deutlich, daß der Affe tatsächlich nur solche Insekten mit Behagen aß, die zur Klasse der Tier« mit Schutzfärbung gehören, während ihm die leuchtend bunten Insekten durchweg schlecht scbmeckten. Daraus ergibt sich nach Carpenters Ansicht, daß die buntgefärbten Insektenarten den Tieren widerwärtig sind und eine Schutzfärbung nicht nötig haben. Theakerkourneen im Flugzeug. In England vermehrt sich un- aufhörlich die Zahl der Theatsrtourneen, die von der Hauptstadt ausgehen, um die Provinz mit Vorstellungen zu versorgen. Die unternehmenden Direktionen jucken nun diese Abstecher in die Provinz mit den Vorstellungen in London zu vereinen, damit der .Gewinn so groß wie möglich wird, und sie lassen z. B. ihre Schau- spieler nachmittag? in Manchester und abends in London austreten. Das ist nur mit Hilf« des Flugzeugs möglich. Alles ist aufs ge- naueste berechnet, damit die Schauspieler rechtzeitig zur Abend- »orstellung tu die Hauptstadt zurückkommen. Aber«u« stellen sich die Klagen ein. Väat für Leistungen kcuu wohl das Londoner Publikum von Schauspielern erwarten, die nach einer anstrengen- den Vorstellung in Manchester im Flugzeug oder Auto nach Loa- don zurückgeschleppt werden, um dort abend» aufzutreten? Ahm H. November. Der Aufruf der Berliner Organisationen der SPD. und USPD. zu gemeinsamer Begehung des 9. November gibt der „Noten Fahne" Anlaß, sich über sozialdemokratische und unab- hängige„Zcrsplitterungstendenzen" zu beschweren. Sie stellt den Sachverhalt so dar, als wolle man die kommunistischen Arbeiter von der Feier des Revolutionsgedenktages fernhalten. Diese Auffassung ist völlig irrig. Niemand hindert die kam- munistische Arbeiterschaft' daran, den 9. November mit den beiden sozialistischen Parteien gemeinsam zu begehen; nur muß man— nach den bisherigen Erfahrungen— die Hoffnung aussprechen, daß die kommunistische Zentrale die gemeinsame Kundgebung nicht dazu benutzt, durch Angriffe gegen die sozialistischen Parteien jene Zersplitterung herbeizuführen, die die kommunistische Presse neuerdings beklagt. Ein ftaatsgefährlicher dichter. Dem dänischen Dichter Andersen Nexö, der zur Herstellung seiner angegriffenen Gesundheit nach dem Bodensee reisen wollte, ist von der deutschen Gesandtschaft in Kopenhagen die Einreise ver- weigert worden, weil er„bolschewistischer Umtriebe" verdächtig ist. Der Abg. Breitscheid hat deswegen eine Anstage im Reichstag eingebracht. Wir nehmen an, daß der Fehler der Gesandtschaft noch vor Erledigung der Anfrage korrigiert werden wird. Darüber hinaus sollte man aber im Auswärtigen Amt ernstlich darüber nach- denken, ob es die Aufgabe der Gesandtschaften ist, dem Ausland An- laß zu boshaften Bemerkungen über das neue Deutschland zu geben, deren Berechtigung sich leider nicht bestreiten läßt. Severing über üie Republik. Breslau, 1. November.(Eigener Drahtbenät.) Genosse Severing sprach gestern in einer überfüllten Mitgliederversamm- lang des Sozialdemokratischen Vereins Breslau über den politischen Kurs in Preußen und den Wiederaufbau Deutschlands. Die Sozial- demokratische Partei hätte wohl gewußt, warum sie bei der letzten Ncichskrise dem Aushilfsvorschlog der Demokraten, auch für das Reich eine Regierung auf der s ch m a l st e n Basis allein aus Demokraten und Zentrum zu bilden, schärfste Opposition� ansagte. Das preußische Vorbild für diesen Plan hätte gezeigt, daß eine solche Regierung, wenn sie sich auf ihre Mehrheiten abwechselnd_ links und rechts stützte, praktisch in stärkster Abhängigkeit von den beiden Rechtsparteien kommen mußte. Stcgerwald möchte in de? Oeffentlichkeit unterstreichen, daß das Zentrum nicht nur Linkspolitii im Sinne Wirths treibe, daher feine der Reichsregierung vor- greifende laute Protesterklärung in der oberschlesifchen Frage, wie sie nur im preußischen Landtag abgegeben werden kannte, während ein verantwortlicher Reichspolitiker mit einer- derartigen Erklärung nicht nur Material für den Papierkorb der Ententestoatsmänner aeliefert hätte, sondern auch für die Denunziation durch die aus- ländisch- deutschlandfeindliche Hetzpresse. In der Durchdringung der inneren Verwaltung mit republi- kanisckem Geist und demokratischen Männern hätten die preußisch'» Koalitionsregierungen, an denen die Sozialdemokratie beteiliat gewesen sei, nur aerinqe Fortschritte gemacht, da sie ständig durch die Versucke von R e ch t s p u t s ck i st e n oder beginnenden Linksputschen gestört worden sei. Aber das Wenige, was damals für die Reform der inneren Verwaltung oeleistet wurde, fei allen büraerlichen Partelen, auch den Demo- traten, zu viel, und besonder? demjenigen Demokraten, der heute das Innenministerium leite. Severing gab dann einen ausführlichen historischen Rückblick über die Geschichte der Schupoorgani- sation, wobei er außerordentlich bedauert, daß die Sozialdemo- kratische Landtaqssraktion aus Widerspruch gegen ein Zusammen- gehen mit der Voltspartei don Zeitpunkt der Etatisicrung außer- halb der Regierung verstreichen ließ und sich damit entscheidenden Einfluß auf die Zusammensetzung des Offizierkorps nahm. Wir setzen unsere Schupo mit dieser wachsenden Militarisierung neuen Anariffen der Entente aus, wir gefährden die Repu- blik, wenn wir zusehen, wie gewisse ober.e Schupobeomte De- .Ziehungen nicht nur zur Reichswehr, sondern auch zum Selbst- schütz anknüpfen und eine Truppe vorbereiten, die auch einmal gegen die Republik geführt werden könnte.(Zwischenruf: P o n i n s k i.) Genosse Severing streifte dann die o b e r s ch l e- fische Frage, in der er den deutschnationalen Annexionisten das Ein neues Element in den Sonnenflecken. Professor H. R. Russell, der berühmte Astrophysiker, Hot bei einem Besuch der Mount- Wjlson-Sternwarte in Kalifornien festgestellt, daß das Element Rubidium— das vierte in der Reihe der Alkallmetalle— Im Spektrum der Sonnenflecken vorkommt, in dessen ultrarotem Teil die wohlbekannten Linien dieses Elements mit Sicherheit identifi- ziert werden konnten. Die Entdeckung ist auf Grund photographischer Aufnahmen des Sonnenfleckenspektrums gemacht worden, die mit dem größten Turmtelofkop der Sternwarte hergestellt worden sind. Dieses besonders für Sonnenoufnahmen gebaute Instrument erhebt sich fast fünsizig Meter über den Boden und darunter liegt ein- 25 Meter tiefe Grube für den Spektrographen. Die Bedeutung der Entdeckung besteht vor allem darin, daß Rubidium zu den Elementen gehört, die bestimmt nicht im Spektrum der Sonnenobersläche vor- kommen. Sein Erscheinen in den Flecken muß daher auf die ver- schiedenen physikalischen Zustände zurückgeführt werden, die In den einzelnen Gebieten der Sonnenatmosphäre bestehen. Ein Denkmal für einen Apfelbaum. Die berühmteste Apfel- forte in Kanada, durch die die dort fo fehr blühende Apfelzucht eigentlich erst ins Leben gerufen wurde, ist der„rote Mackintofh", so genannt nach einem Schotten John Mackintojh, der vor vielen Jahren auf feiner Ansiedlung an dem Nordufer des St. Lawrence- Flusses einen wilden Apfelbaum fand und von ihm die ersten vor- trefflichen Früchte gewann. Die zahllosen Mockintosh-Apfelbäume, die heute in Kanada und in den Vereinigten Staaten fo reiche Ernten liesern, stammen also von diesem Urvater ob, und der Baum erregte so viel historisches Interesse, daß er von Apfelzüchtern vielfach be- sucht wurde. Dieser Patriarch der kanadischen Apfelbäume ist aber nun vor einiger Zeit bei einer Feucrsbrunst, die auf der Besitzung ausbrach, verbrannt. Die Obftzüchtcr Kanadas veranstalteten darauf eine Sammlung, bei der 500 Pfund einkamen, und es wurde an der Stelle, wo der historische Apfelbaum gestanden hatte, ein Denk- mal errichtet, das erste, das bisher einem Apfelbaum geweiht worden ist. Schauspielerin bis zuletzt. DI« areife Sarah Bernhardt hat am Busen von Biscayo ein winziges Felseninfelchen gekauft, das sie zu ihrer Begräbnisstätte erwählt bat. Seit aeraumer Zeit führte sie auf Reilcn einen Sarg mit. Jetzt beschäftigt sie sich mit dem Bau ihres Mausoleums auf der Insel, der, wie es scheint, noch über ihren Tod hinaus Reklame für sie machen fall. Die Bargclckichtliche iilbteiluug de? MukeumZ für Nölkerkunde wird unter der Leitung von Kail Schuckbardt inZ erste Stockwerk de? be- nackibartcn KunstaemerbemuleilmS Übergriülirt, wo die Denkmäler der Vor- und Frübgeschichtc Europa? und der Miltelmeerländer in tK Sälen»um ersten Male eine zulommenhänqende würdige Aiifslellung finden Da? große Serk düist- nocki etwa*1, Jahre beanspruchen und im Sommer »der Herbst ISSZ eröffnet werden. «ruft Kriedrich spricht.V-rermende Seit". Tregtbie trän Öcano Gchöal-nk. Dinnei-ew, 7'/, Uhr i»»er tlrieUer.Kuaffaalstetluna, Peter«- burger Str.«».«„tritt 1 M. Pros. Wilhelm Erb, der hervorragende Lehrer und Erforscher der Reroenheillunde, rst, fast Li Jahre all, in Heidelberg gestorben. Recht zur Entrüstung abspricht. Durch den Verlust des oberschle- fischen Gebietes sei die Mehrheit der alten Koalition im Landtag wahrscheinlich verloren und die Unabhängigen seien als Bundes- genolle leider nicht zuverlässig. Gerade für die nächste Zeit stünden in Preuhen Entscheidungen bevor, wie die Verabschiedung der wich- tigsten Gesetze für die kommunale Selbstverwaltung und die große Verwaltungsreform. Die Deutschnationalen würden dabei die Regierungsprästdien konservieren wollen, für deren Beseitigung unter Beibehaltung der Oberpräsidenten wir aus Sparsamkeitsrücksichten eintreten würden. In diesen wichtigen Fragen sei eine Position in der Regierung und ein Zusammengehen mit der Volkspartei möglich und notwendig. Es gilt mitzuarbeiten im Interesse der deutschen Arbeiterschaft mit oller uns zur Verfügung stehenden Kraft. Nur wenn die Sozialdemokraten jetzt wieder aus der preußischen Regierung a u s g e- schlössen werden sollen, dann werden wir zeigen, daß wir auch in der Opposition eine Macht find und daß flogen unsere parlamentarische Aktion kein Gesetz in Preußen fertiggestellt werden kann. Aber wir sind zur Mitarbeit bereit, um das Schlimmste für Preußen und für Deutschland in der kommenden sckMcren Zeit zu oerhüten. In einer lebhaften Aussprache wurde auch der abweichende Gesichtspunkt in der Koatitionsfrage mit Schärfe vertreten, wobei insbesondere die Befürchtimg ausgesprochen wurde, daß ein Ruck der Partei nach rechts in Preußen die parlamentarische Grundlage der Regierung Wirth im Reiche, die auf der Mitarbeit der Unabhängigen beruht, erschüttern könnte. Severing teilt diese Meinung nicht und beruft sich dafür auf das Eintreten Wirths für die große Koalition. Er verteidigte im Schlußwort auch insbesondere die Wirksamkeit seines Ministeriums in Oberschlesien, wo eine Erneuerung des alt- preubüchen Beamtenkörpers in vielen Fällen durch die I n t c r- a'liierte Kommission verhindert worden sei. Llopö George und Jrlonö. Die Verhandlungen zwischen England und Irland schleppen sich von Woche zu Woche ohne sichtbare Resultate bin. Mitunter kommt es zu geräuschvollen Explosionen, beide Teile drohen mit Abbruch der Verhandlungen, aber im letzten Augenblick scheut man sich immer wieder, die letzten Konse- quenzen zu ziehen, und der Vorhang diplomatischer Verschwie- genheit fällt wieder über die geheimen Beratungen. So war es auch nach dem Brief des Sinnfeinerführers de Valera an den Papst, der in den Kreisen der englischen Regierung wie eine Kriegsansage wirkte. Es ist nicht verwunderlich, daß die englische Oeffentlichkeit den Verhandlungen mit steigender Unruhe folgt. Ein Teil der oppositionellen Unio- nisten, die dem Kabinett Lloyd George Unenischlossenheit und zu große Nachgiebigkeit den Iren gegenüber vorwerfen und eine rasche Lösung der Frage mit dem Säbel in der Hand wünschen, nahm die letzten Vorgänge zum Anlaß, um ein Mißtrauensvotum gegen Lloyd George im Unterhaus zu beantragen� Sie hofften wahrscheinlich auf die Unterstützung der Arbeiteropposition und der oppositionell Gestimmten unter den Liberalen, die ihre Gründe haben, mit dem Kurs der Lloyd Georgeschen Politik unzufrieden zu sein. Biel- leicht lag es auch in ihrer Absicht, durch die Interpellation die Ausschreibung der Neuwahlen herbeizuführen, auf die weite Kreise Englands warten. Die Unioniften haben das Gegenteil ihrer Absicht erreicht. Lloyd George erhielt ein Vertrauensvotum, wie es günstiger nicht gedacht werden kann, seine Stellung hat sich neu ge- festigt. Nicht einmal die Gruppe der Unioniften. die im gan- zcn 49 Sitze innehat, stimmte geschlossen gegen Lloyd George. Und so tragen sie neben dem Schaden auch noch den Spott davon. Lloyd Georges Ausführungen über den Stand der eng- lisch-irischen Verhandlungen waren nicht von starker Zuversicht getragen. Möglich, daß er den oppositio- nellen Säbelraßlern zuliebe absichtlich schwärzer auftrug als es notwendig war. Aber es läßt sich doch nicht verkennen, daß man die rettende Formel nach monatelangen Verhand- lungen nicht gefunden hat und daß die Gegensätze zwi- schen den Interessen der englische Krone, der kacholischen Iren und der protestantischen Ulsterbewohner sich in keiner Weise ausgeglichen haben. Dadurch wird die politische Aktions- fähigkeit des Kabinetts Lloyd George nach innen und außen gelähmt, die persönliche Teilnahme Lloyd Georges an der Washingtoner Konferenz, zu der Brianü bereits unterwegs ist, erscheint fast nicht mehr möglich, und die Frage der Neuwahlen in England, die von Tag zu Tag brennender wird, bleibt in der Schwebe. Das Taöelsvotum abgelehnt. London, 31. Oktober.(WTB.) Das Unterhaus war an- läßlich der heutigen Debatte über Irland sehr stark besucht. Lloyd George wurde bei feinem Erscheinen lebhaft begrüßt. Oberst G r e t t o n brachte unter ironischen Zurufen und Gelächter eine Entschließung ein, in der erklärt wird, daß das Unterhaus mit ernster Besorgnis die Verhandlungen der Regierung mll den Dele- gierten Südirlands ansehe, die sich eidlich der irischen Republik ver- pflichtet und die Autorität der Krone verneint hätten. Lloyd George erklärte darauf in einer längeren Rede, es fei wesentlich, daß die Lage geklärt werde, damit die Regierung wisse, was die Ansicht des Unterhauses über die irische Politik sei. Zur Frage des Bruches des Waffen st illstandes von feiten der Sinnfeiner sagte der Premierminister, die Einnfeiner täten ihr Bestes, um die von ihnen gegebenen Garantien durchzuführen. Es feien zum Beispiel feste Garantien gegeben worden, nachdem die Regeirung Beweise erhalten hatte, daß Vorbereitungen für eine Waffenlandung in Irland ge- troffen wurden. Lloyd George erklärte weiter, daß keine Ueber- e i n k u n f t, die im Verlaufe der irischen Verhandlungen eingegangen »werden sollte, ohne die Ermächtigung des Parlaments in Kraft treten sollte. Das Unterhaus müsse entweder seinen Unter- Händlern vertrauen oder, sie durch andere ersetzen. Er und seine Kollegen wollten wissen, ob dys Unterhau» wünsche, daß sie ver- suchten, den Frieden herbeizuführen. Wenn das Unterhaus das nicht wolle, so gebe es einen Mann, der froh sein würde, zu seinem Souverän zu gehen und ihm zu sagen: Ich überreiche Ihnen hiermit mein Portefeuille. Lloyd George sagte, wenn die gesamten Fragen im Unterhaus erörtert würden, so würde dies das Ende der Konferenz bedeuten. Er gebe zu, daß sich alle Sinnfeiner zu einer R e p u b lik erklärt haben» und daß all« Sinnfeiner die Autorität der Krone verwerfen. Wenn man aber aus diesem Grunde nicht mit den Sinnfeinern ver- handeln wolle, so gebe es niemanden in Irland, mit dem man ver- handeln könne. Es fei nicht das erste Mal, daß Großbritannien mit Rebellen mit gutem Erfolge für das Reich oerhandelt habe. Der einzig« Punkt, den das Unterhaus entscheiden müsse, sei nicht der, ob man mit Rebellen verhandeln solle, sondern der, ob man überhaupt»ine Konserenz stattsind»» lassen wille. D« Beschluß, de» da» Hau» zu fassen l�ibe, sei von großer Bedeutung. Es bandle sich darum, ob da« Hau» der Legierung saoen«erde: „Gebt de; Verhondolu auf, unterdrückt zuerst de« Aufstand und zwingt dann Irland eine Regierung auf, die dem Parlament gerecht erscheint." Es handle sich hierbei um eine Kostenfrage. Sollte die Konferenz abgebrochen werden, so würde das ciHe fein, was die Regierung tun würde, das Haus zu ersuchen, die Streit- macht der Krone beträchtlich zu verstärken. Bevor man das tue, müsse man vor allen Dingen erst das englische Volk über- zeugen, daß keine andere Wahl besieht. Der Premierminister er- klärte, die Verhandlungen mit den Sinnfeinern gingen weiter. Er würde froh sein, wenn er würde mitteilen können, daß, die G e- s ch w i st c r n a t io n e n, die das Reich begründet haben, beschlossen haben, dem Jahrhunderte währenden Streit ein Ende zu machen und Kameradschait an seine Stelle zn setzen. Er könne dem Hause jedoch nicht die Möglichkeit verheimlichen, daß er vielleicht die furcht- bare Mitteilung werde machen müssen, daß es unmöglich fei, ohne Gefahr und Schande zu einer Regelung zu gelangen. Wenn diese furchtbare Stunde jedoch kommen sollte, und es für das Land notwendig würde, große Opfer zu bringen, dann müsse das Gewissen Großbritanniens frei fein, und man müsse das Gefühl haben, daß alles getan wurde, was getan werden konnte. Lloyd George sagte, wenn die Sicherheit Englands bedroht, wenn der Thron nicht anerkannt wird, wenn das britische Reich verstümmelt und Irland zu einem fremden Staate werden sollte, wenn Englands verwundbarste Flanke die Freiheit erhielte, mit den Feinden Abmachungen zu treffen und den britischen Handel zu bekämpfen, und wenn der britische Handel An- griffen an der irischen Küste ausgesetzt werden sollte, ohne daß Groß- britannien das Recht erhielte, die Küste Irlands zu feinem eigenen Schutz zu benutzen, wenn auf Abmachungen bestanden würde, die den Bürgerkrieg zwischen Katholiken und Pro- testanten bedeuten würden, dann würde Großbritannien die. not- wendigen Opfer bringen, rm solches Unheil abzuwenden. Asquikh gab seiner Dcftiedigung darüber Ausdruck, daß die Regierung end- lich eine Politik angenommen habe, für die die Opposition von Anfang an eingetreten sei. Seine Partei werde die Regierung da- bei mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln unterstützen. Asquith stimmt mit Lloyd George darin übercin, daß die Konferenz der Regierung mit den Sinnfeinern streng privat und vertraulich fein müsse. Es dürfe jedoch keine Regelung ohne das Por- l a m e n t erfolgen. Wenn die Derhandlungen abgebrochen werden sollten, so werde man sich einer Lage von beispiellosen Schwierig- leiten und Gefahren gegenüber gestellt sehen. Das Unterhaus lehnte das Tadelsvokum gegen Lloyd George mit 4ZS gegen 4Z Stimmen ab. GrofrBerltü Die Taucher am Wannseegrabe. Beginn der Bergungsarbeiten.— 17 Todesopfer. In den frühen Morgenstunden wurde heute an die Stelle des Wannseefahrwassers, wo sich am Sonntag abend die Dampfer- katastrophe ereignete, jene Fahrzeuge geschleppt, die für die Apparate der beginnenden Taucher- und Bergungsarbeiten einge- richtet sind. Im Lauf« des gestrigen Abends war es noch gelungen, die genaue Lage des gesunkenen Dampfers„Storkow" festzustellen und abzustecken. Gegen mittag wurde von Tauchern der Versuch gemacht, in die Kajütte der„Storkow" einzudringen, um festzustellen, ob. ste noch die Leichen einiger Verunglückten um- schlössen hält. Der erste Versuch gelang nicht vollständig, da die Lage der„Storkow" auf dem Boden des Sees ein Eindringen der Taucher in die Schiffsräume zunächst verhinderte. Später soll dann der Versuch gemacht werden, das gesunkene Schiff zu heben, wozu ebenfalls die erforderlichen Gerätschaften bereitgestellt sind. Es ist anzunehmen, daß noch heute im Laufe des Tages die Zahl der Opfer genau ermittelt werden � kann. D i e Suche noch weiteren Verunglückten/ die an den Ufern des Wannfecs und der Hovel im Laufe des hcuti- gen Vormittags fortgesetzt worden ist, ist er g e b n i s l o s ver- laufen. Außer den beiden ersten bereits gestern erkannten Leichen sind weitere Verunglückte nicht aufgefunden. Di« Zahl der Ge- retteten ist jetzt auf 31 Personen festgestellt, während noch 14 Personen vermißt werden. Es wird nicht damit gerechnet, daß noch weitere Leichen im Wasser treiben, vielmehr wird angenommen, daß die noch als vermißt gemeldeten 14 Personen in der Kajüte der„Storkow" ihr nasses Grab gefunden haben. Der Reichs- wcsserschutz hat aber für olle Fäll« einen umfangreichen B e o b- o ch t u n g s d i e n st in der Umgebung der Unglücksstelle einge- richtet, um etwa noch treibende Leichen sofort sichten und bergen zu können. Auch die Haoelufer, vor allem das Schilf, werden von Polizeibeamten abgesucht. Außer den Leichen des Kaufmanns P e i l e r und der Frau Dr. H o f f m a n n konnten Verunglückte nicht geborgen werden. Nach den letzten Mitteilungen liegt das Wrack der„Storkow" in 10 Meter Tiefe, zirka SOO Meter vom Haveleck entfernt. Die Urikersuchung über die Schuldfrage läßt es jetzt als wahrscheinlich erkennen, daß entgegen anders- lautenden Zeugenaussagen der Dampfer„Kaiser Wilhelm der Große" vorschriftsmäßig mit Bug- und Pofilionslaterncn beleuchtet war. Wie ferner feststeht, war der Kapitän Nichelman» nicht im Besitz eines Führerscheins, doch steht nicht fest, daß er betrunken war. Der Steuermann G o l d m a n n war infolg«. überreichlichen Aikoholgenusies unfähig zur Erfüllung seiner beruflichen Pflichten. Detter steht fest, daß das Schiffspersonal dieses Dampfers im Augenblick der Katastrophe v o l l ft ä n d i g den Kopf verloren hatte und keinen Finger rührte, um den mit den Wellen Ringenden Rettung zu bringen. Die Unter- suchung hat festgestellt, daß es nur der aufopfernden Tätigkeit zweier Passagiere der„Storkow", des Rittmeister a. D. v. Borries und des Antiquars Rudolf Schmidt zu danken ist, daß noch eine verhältnismäßig große Zahl von Passagieren gerettet werden konnte. < Der„Lokal-Anzeiger" schreibt mit Bezug auf den angeblich be- trunken gewesenen Schiffsführer folgendes: Ob er betrunken war, ist nicht einwandfrei festgestellt, sicher aber ist, daß Goldmann völlig bezecht war. Gott, wie sie bei Scherl doch so fein unterscheiden können. Der„Segen" See freien Wirtschaft. Ein Liter Milch 5 Mar?. Ein« Berliner Korrespondenz meldet: Seit dem 1. Oktober d. I. war man gezwungen, um die Zufuhren von Frischmilch nicht zu gefährden oder teilweise ganz abzuschneiden, den Milchpreis in ein Verhältnis zum Butterpreis zu bringen, so daß die Butternotiz des laufenden Monats für den kommenden Monat die Grundlage für den Milchprei» frei Bahnhof Berlin bildet. Dies hatte zur Folge, daß dieser Preis unter Berücksichtigung de» Um- stand«» der Berbistiaung der Kartenmiich und der teur«n Emulsion»- milch aus einenn Berlin i» einem Pensionat ain Kursürstendamm wohntl Dort»nur- den von einer bisher unbekannten Person ihre Zimmer unbemerkt geöffnet lind noch ihren« Weggang wieder verschlossen, so daß nichts auffiel. Später entdeckte man. daß aus einem größeren Koffer, ein kleinerer, ein bpaunlederncr Handkoffer gestohlen worden waren. Dieser Koffer enthielt 15100 französische Franc und den Familienschmuck: eine Perlenkette, die aus mehreren Htm- dert ungleichen Perlen zusammengesetzt ist, zwei Brillantohrringe, i eine goldene Drosche, eine Brillantbroschc, eine Brosche mit Perlen, ! die ein grünes Blatt mit Blumen ans Brillanten darstellt, und mehrere, zum Teil E. K. gezeichnete Dinge. Auf ihre Wieder- bclchafsung ist eine Belohnung von 10 Proz. des Wcrtcs der herbei- geschafften Sachen ausgesetzt. Mitteilungen nimmt Krimino.lkom- missar Gennat, Dienststelle 151,4, im Zimmer 105 de» B Polizsiprösidiums entgegen. Täglicher Markt in Neukölln. Da4 Marklwesen im Verwaltungsbezirk Renkölln, da? sich von eher cineZ aiitzerordentlicheii ZuipruchZ der Bevölkerung au? allen Teilen des Südostens erfreut, ist seit einiger Zeit in der Weise ausgebaut worden, daß nunmebr täglich in der Zeit von 8 bis 1 Uhr regelmäßig ein Wochcnmarkt und in den MorgeNsttiiideii von 4— g Uhr am Maybach-Uicr ein Fnihmarkt für Lebensmittel statt« findet. Die örtlich verschiedenen Wochennrärlte werden tvic folgt abgehalten: Montag und Donnerstag ainMaybach-Ufer. Dienstag und Freitag in der Schillerpromenade, Mttwoch und Sonnabend am Kranoldplatz. Daneben wird an jedem Sonnabend von 2 bis 7 Uhr nachmittags ein weiterer Wochenmarkt, sogenannler Äbcnd- markt, ain Maybach-Ufer veranstaltet, Inden angrenzenden Neben- itraßen der Wochenmärite sind noch eine Rnzahi Stände von der städtischen Marktvcrwaltung zu vergeben. Abbruch der Polsdatr.rr Lustschifshalle. Laut Friedensvertrag wird jetzt mit dem Abbruch der großen Potsdamer Lustschifshalle bc- gönnen. Das Dach ist bereits abgenommen: bis zum 1. April muß die Halle vom Erdboden verschwunden sein. -veihnachlspakele nach den überseeischen Ländern, mit denen ein Paketoerkchr zurzeit mvalich ist, namentlich nach Amerika, empfiehlt die Post, schon Ansang November einzuliesern, damit die rechtzeitige Aushändigung dieser Sendungen an die Empfänger gesichert ist. Ein Lehrgang zur Ausbildung von Turn-, Schwimm- und Auderkehrerinven beginnt am 5. Januar 1S22 an der preußisebe» Hochschule für Leibesübungen(Londesturnanstalt) in Spandau. Be- 'werbcrinnen, die im Lehramt stehen, haben bei ihrer vorgesetzten Behörde, solche, die noch nicht im Schuldienste beschäftigt sind, bei der für ihren Wohnort zuständigen Regierung, die in Berlin woh» nenden bei dem Polizeipräsidium daselbst bis zum 15. No- vcmber 1921 ihre Meldungen einzureichen. Betreffs Meldung und Aufnahme wird auf die Bestimmungen in den Erlassen vom 10. März 1831, 11. September 1303 und 22. Juni 1312 verwiesen. Der Lehrgong dauert neun Monate. Das Provinzialschulkollcgium weist darauf hin, daß es vielfach an gut vorgebildeten Lehrkräften mangele und daß die Beteiligung an dem Lehrgang deshalb zu emp- fehlen fei. «-in Hochschul-FortbildungSkursu» über elektrische Maschinen. umfassend Wechsel« und Meichstrom-Gcneratoren und Moloren, wird in der Zeit vom 41. November bis 2. Dezember d. I. Freitags pünktlich S— 8 Uhr im Hörsaal 441 der Technischen Hochschule von Gebeimrat Professor Dr. W. W e d d i n g sür Ingenicure, Installateure. Ingeuicur-Ztausleitte, Slnler- Wickler und Elektroprnttikcr aus Veranlassung de? JnsiallationS.Zechnlschen Verbandes S. 33., Lcrlin, abgehalten. Der Kursus umsasjt vier Vortrags. abcnde. Teilnehmerkarten zu 40 M. lür den ganzen Kursus und zu 4b JH. luv jeden Einzelvortrag find von Patentanwalt Dr. Oskar Arendt, Berlin W 50, Kurslirlumdamm 227, schrisitich oder telcphonisch noch erhältlich, Arbeiter. Espern ii»istkii. DienStng, den 4. Nov., pünktlich 7'/, Uhr, W»«att»krs«mmlunz i»»ophien-Lhzeum, Mnnmeisterswihe. Wette« für morgen.' verkN» oub Utnaegcnb. Zimächl� mtkde, übeiAürcpnch trübe mit Kczensällcn und ziemlich starten westlichen btS nordwestlichen Winden, nachher ausklarend und kühl«. GeweMhafwbewegung Zum Kampf im Gaftwirtsgewerbe. Lohnzahlung eine fixe Idee? Ein Aufruf der Unternehmer im„Tag" sucht zunächst die Ab- lehnunz des Schiedsgerichts zu rechtfertigen mit der faulen Ausrede, daß„über das Entlohnungssystem" eines derart verschiedenartig gestalteten Gewerbes nur der Fachmann ent- scheiden kann. Wie es mit der Fachmannschaft gerade unter diesem Unternehmertum, insbesondere aber dem seiner Führer, mit einem Rechtsanwalt an der Spitze, bestellt ist, das haben wir bereits ge- zeigt. Tatsache ist, daß dieselben„Fachleute" bereits feste Löhne bis Ende September gezahlt haben, wie es in allen verschiedenartig gestalteten Gewerben und Industrien so der Brauch ist. Die Unternehmer aber wollen dem gesamten Bedienungsper- sonal anstatt Lohn eine Anweisung auf die Taschen der Gäste geben. Die Kellner werden aufgefordert, auf Grund dieses„Zugeständnisses" schleunigst wieder zu den Fleischtöpfen ihrer Gönner zurückzukehren. Die Unternehmer richten die Frage cm die Angestellten: „Wollt Zhr wegen der fixen Idee einzelner Führer Eurer Ge- werkschaftarl»-Berlag G. m. b. H., Berlin. Druck: VorwSrts-Buchdruckerei u.Berlagsanstnlt Paul Singer u. To., Berlin, Lindenstr. Z. Gew-inn-Auszug der 18. Preuß.-Südd.(244. Preutz.) 5 i> lasse. 15. Ziehungitag. Klassen-Lotterie 51. Ottabn 1931. aiuf jrd» gezogene Plummer sind gtort gleich hohe wesvinne gesoliea, und zwar>» einer ans Sie Los» gleicher Mummer in den vride» Mbrrilunqen I and II Ohne Gewähr. Nachdruck»erböte». I» der Normiitaglzi-yung wurde» Gewinne über«so Marl gl«-»-»: 2 zu 40000 M 166253 3 za 15000 M 111724 4 za 10000 M«4238 257577 20 zn 6000 M 32361 169175 178386 19481» 584386 558550 577905 282263 282646 297583 ICO» 3,00 603 2069 12177 14078 18111 20589 51884 25» 3« 26818 44482 66633 58557 68008 70791 75863 8080 i 83436 86141 86433 91093 96876 102722 104877 106690 111331 119273 184721 136380 147022 167774 1G'816 161077 166767 166378 174584 189993 190359 205018 298860 216405 217487 210092 231016 202479 262627 274793 278600 28076« 287697 298680 384 za 1000 M 1346 3813 3985 4840 6443 10786 16603 118 6 12991 1448(1 14816 16706 22604 23072 23111 24765 26140 27068 28291 30824 34301 34661 34916 40724 41305 43422 44748 48164 48761 68341 67046 -7708 60160 60961 61016 62222 68088 60028 70172 70887 72932 73421 75834 761:92 77238 78337 78488 70768 80987 86449 86927 87236 87843 89.62«0030 01314 96291«7358 97795 09083 10026» 106181 108164 109848 109055 113074 118261 118463 121066 121339 123227 125436 130682 130907 13276« 132830 134654 135795 139224 141490 142483 142688 142010 144,30 147127 151961 156484 180674 161360 161740 162247 183546 166948 167781 1679,0 168926 169943 170018 170918 173416 17811» 179260 17S409 173478 182612 184934 185891 186282 188833 189318 169940 193037 193427 195694 05771 197816 198466 199721 200866 208102: 04600 207068 207637 210649 211780 215191 210686 218030 290265 221800 226102 226223 228772 225944 229364 232988 284366 234761 236161 235165 236686 235827 237460 236642 246611 246916 246601 247127 248046 248051 248836 240662 249793 260794 261513 26446« 264863 565040 296116 256344 266261 267334 267684 268672 269113 260761 262868 263199 263323 266284 267053 269848 270646 274022 275354 276613 277126 57838» 270604 586063 58679» 286730 287301 287608 288106 28857» 289470 290947 295036 207240 209331 260897 3« der Nachmittag«, lehun» wurde»«ewtene übet 490 Marl g-z-ge», 2 za 40000 dl 203128 6 ZU 10000 41 26729 47773 149453 12 U 6000 M»1748 05548 104841 126857 216720 284657 126 ZU 6000 41 4117 8806 10667 12372 14737 22782 26108 33738 36739 40288 40700 42809 46303 63730 64421 66261 67394 68236 60798 62489 66685 76781 83392 92251 94787 98480 102620 106637 111456 112366 117054 117404 129868 140223 144338 162510 166248 167771 167760 162767 164469 171197 171980 182410 192065 193781 197368 204081 20-953 209212 214593 216407 216390 219469 236246 244331 245408 246678 262064 273737 2782-0 287666 299549 346 za 1000.» 1080 3268 6766 8378 10757 11004 11278 13476 20277 20298 20007 20062 20976 21318 23796 27499 30838 34087 38386 38829 39482 41265 41695 42467 4391» 48376 49912 60441 61573 62090 62730 64330 64906 66668 68690 60264 63671 66884 68782 70309 70666 73069 74244 76021 78819 76832 76853 77,36 75322 75447 80664 80746 82812 88416 93162 94618 87403 99439 100728 102194 102667 107492 107667 113812 118971 119684 126739 127766 128864 129708 131117 132260 133668 133696 134094 134542 136620 139231 146713 1416,8 144362 144064 148010 146065 163476 168485 168496 168633 16177» 164593 16-479 1666.5 169.66 1688,4 171827 171036 174783 176038 176334 177606 179606 179818 182700 162818 182907 183662 186896 184081 186063 187762 188162 199882 200766 201918 206003 206007 206612 288802 213163 214829 216103 218894 220029 221662 224336 224460 226262 226401 226002 22832) 229606 23206) 232238 .33716 235330 266822 266325 268042 239146 239667 240668 243320 243306 243402 243702 246164 246601 243639 254751 266443 26677» 260044 261186 261660 266676 268206 266476 260634 27.672 27JT21 272766 270626 270063 279161 284882 236096 287328 281696 293402 294911 286703 29»b79 208013 Die in dem v-rfteh-nSen gtrmiiiu«i>»,ug nicht enthnlienen niedrigeren Gewinne sind an» den Liften zn ersehen, die dei den ftaatlichen Lotterie-Einnehmern»nr nnentgeidlichen Einftchi an»lleo«n. Lonnlag morgen 7Uhr entschlief plötzlich und unerwartet mein lieber Mann und unser treu- sorgender Vater, der Schriftsetzer krsllz Aberger Im 67. Lebensjahre. In tiefer Trauer V«. 4. Zderger nedst Kinder». Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 3 Roy., nachut. i'i, Uhr, von der Holle de« Reu- löllner städtisch. Fried- Hofes Rudower Srratz«. au« fialt. GOLD Silber- 1 Piatin-» Kamt Silbe 1-Zentrale lolzMislr. II Am»0. Oltobez starb im67.Lebensjahre unser früher. Milarbeiler, der Echristsetzer-Invalidc kränz Aberger Tis Jahre gehörte e unserem Betriebe als Setzer und Karreitor an. bis Anfang 191« Mtersgebrechen ihm die weitere Ausübung fei- neo Berus» unmöglich machten. Wir werden dem Ber» storbenen ein ehrende» Andenlen bewahre». Personal und fieschälls- leilung der Vorvlrts- Druokerel. Die Beerdigung findet Donnerstag, 3. Novdr., nachm. B'l, Uhr, von der Hall« des Neuköllner städlifchen Frtedgoss, Rudower Etr, au, statt| Tapeten, Wachstuch«, Linoleum. Dauerwäsche perkauft Szillat. 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