Nr. 524 ♦ ZS.Fahrgattg Ausgabe B Nr. 260 Bezugspreis: Niertcljiihrl.�S,— M., vionatl. Ii,— W» trei ins Haus, voraus zahlbar. Post- dezug: Monatlich 12,— M, einschl. Au- stellungsgebü hr. linier Kreuzband nlr Deutschland, Danzig, da»«aar- und Wemelciebiet, sowie die eheuials beut- ichen Gebiete Polens, Oesterreich! ll.igarn und Luxemburg 22,— M., sür da» iibrlze Ausland 29,— M. Post» bestellungen nehmen an Oesterreich, Unqarn, Tichecho- Slowakei, Däne- rnark, Holland, Luxeinburg. Schweden und die Schwei» HDer„Vorwärts� mit der Sonntags- beilage»Volk und Zeir', der Unter- haNungsdeilage»Heimwelr' und der Beilage„Siedlung und Kleingarten' erscheint wochentäglich zweimal. Sonn» tags und Montags einmal. Telegramm-Adresse: �»»zialdewokrnl verlin- Abend Ausgabe Derlinev Volksblntt ( 30 Pfennig) Anzeigenpreis: D!« neiingespalten« Nonpareillezeile lostet K,— M.„Rlcine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 2.— M.«zu- ILfstg zwei seitgedruckte Worte), jedes weiter» Wort l.— M. Stell engejuche und Schlaistellenanzeigen das erste Wort I,— SIL jede» weitere Wort vi) Psg. Worte über lb Buchstaben zählen silr zwei Worte. ffaniilien-An- zeigen für Abonnenten steile Z.bll M. Di« Preise verstehen sich einschließlich Teuerungszuschlag. Anzeigen für die n ä ch st e Nummer müssen bi« 6 Ahr nachinittag» in, Hauptgeschäft, Berlin SW W. Linden- siraße 3, abgegeben werden. Deäffnet von S Uhr früh bis b Uhr nachmittags. Zentralorgan der rozialdemokratifcben partei Deutfchlands Ueüaktion und Expedition: SW 68, Ltndenstr. Z Redaktion Moril-plat? IvIPS—»7 zhernlpreryer. Moritzplap ll7sa— S4 Sonnabend, den s. November 19Ä1 vorwärts-verlag G.m.b.tz., SW 65, �indenstr. Z Zkernivreckcr' Berlag. Exp-ditio» ttltd Inseraten- ■ Avtetlun» Moritzplat, 11753-54 Die vorläufige Mimfierlifie. ?n der interftaktioncllen Sitzung am heutigen vormittag e-nizien sich die Parteien nach vreislündigen Verhandlungen auf folgende vorläufige Ministerliste: Präsidium: Oeser. Inneres: Severing. Landwirtschaft: Otto Vraun. Handel: Siering. Finanzen Dr. v. Richter(DVp.). Sulwsministerium(Besetzung unbestimmt, durch DVp.). Mohlfahrtsministerium: Stegerwald. Justizministerium: Am Zehnhofs. Am t Uhr krat die sozialdemokratische Landtagsfwktion zusammen, die über diese vorläufige Ministerliste.Beschluß fassen wird. »» » Ueber die diesem Beschluß vorangegangenen VerHand- lungen ist zu berichten, daß der Landtagspräsident Genosse L e i n e r t die ihm angebotene Ministerpräsidentschaft nach Rücksprache mit der Stadtverordnetenfraktion und den Ge» werkschäften in Hannover endgültig abgelehnt hat. Der interfraktionelle Ausschuß trat deshalb um 10 Uhr vormittags zusammen, um sich über die Kandidatur des Ministerpräfi- deuten schlüssig zu werden. Mit der Kandidatur des Genossen Braun, der von der Sozialdemokratie vorgeschlagen wurde, erklärten sich die bürgerlichen Parteien nicht einverstanden. » Es ist bei Schluß des Blattes noch unbestimmt, ob die für 3 Uhr nachmittags vorgesehene Plenarsitzung mit der Tagesordnung: Wahl des Ministerpräsidenten zu diesem Zeitpunkt schon stattfinden kann. Eine Vertagung ist zu erwarten._ �verräteryeschrei!" Der mit geringer Mehrheit gefaßte Beschluß unserer Landtagsfraktion, ihre Unterhändler trotz schwerer Bedenken zu Verhandlungen auf der Grundlage der großen Koalition zu ermächtigen, hat begreiflicherweise Aufiehen erregt. Zu ihm äußert sich Gen. Heilmann, der zur Minderheit der 41 gehörte, in der„Soz. Korr." folgendermaßen: Auch die USP. kann sich nicht zweifelhaft darüber sein, daß die Sozialdemokratie mit ihren Entschließungen nur dem Interesse der Arbelkerttasie dienen will. Hat doch die„Freiheit" seldst dutzend- mal betont, wie wichtig es wäre, einen Dominicus aus dem Mini- sterium des Innern zu entfernen. Mit dem verrätergeschrei soll man un» also vom halse bleiben. Glückt dos Experiment, um so bester: wir wollen gern die sein, die Unrecht beholten. Mißglückt es, wie wir annehmen, dann darf für die spätere Zeit das Verhält» nis zwischen Sozialdemokraten und Unabhängigen nicht wieder heil» los vergiftet sein. Die„Freiheit" prophezeit aber trotzdem, der Beschluß der Fraktion werde„den Riß in der Arbeiterbewegung vcrtie- fen", und meint, die Reaktion sei durch ihn gestärkt worden. Auch die„Freiheit" muß aber wissen, daß dieser Beschluß gerade in der Absicht gesaßt worden ist, der Reaktion einen Damm entgegenzusetzen. Ob das gewählte Mittel das richtige ist, darüber kann man verschiedener Meinung sein. Die ehr- liche Absicht zu bestreiten, ist aber n i ch t ehrlich. Die„Rote Fahne" deklamiert:„Kalten Biuts haben die Sozialdemokraten den Hyänen des Großkapitals die Herr- schaft überliefert". Wie muß sie ihr Publikum einschätzen, wenn sie glaubt, mit solchen blödsinnigen Stilblüten Eindruck machen zu können?_ weitere Verschlechterung öer Mark. Der Dollar steigt weiter. Am heutigen Berliner De- visenmarkte schwankten die Preise für Dollarnoten zwischen 244 und 2S2. Amtlich wurden notiert: Kabel New Pork 249, London 982,3, Amsterdam, Rotterdam 8600. Die starke Steigerung des Dollarkurses ist mit der Knapp- heit an Devisen am Markt, die sich u. a. durch die erhöhte Ablieferung der Außenhandelsstellen ergibt, nicht restlos er- klärt. Die Regierung steht weiter vor großen Schwierigkeiten bei der Beschaffung fremder Zahlungsmittel, und trotzdem muß die R e i ch s b a n k nock Devisen auf den Markt werfen, um das Herausschnellen der Kurse wenigstens etwas zu'brem- sen. Auffallend ist, daß die rechtsgerichtete bürgerliche Presse die Verschlechterung der Mark immer wieder als ein fenfatio- nelles Ereignis verbucht und daraus die ungünstigsten Schlüsse auf Deutschland? Volkswirtschaft zieht, ohne daraus die Not- wendigkeit herzuleiten, daß endlich einmal etwas Durchgreifendes zur Abhilfe des Dcvisenclends geschehen muß, so- weit das in unseren Kräften steht. Wir haben schon wieder- holt betont, daß sich hinter dieser Auffasiung politische Absichten verbergen. französische Teutungen. Paris, 8. November.(Eigener Drahtbericht.) Die französische öffentliche Meinung beschäftigt sich lebhaft mit dem neuerlichen Sturz der deutschen Mark. Die Preste begleitet die letzten Äaluiaschwanku»- gen mit Kommentaren. So schreibt u. a das„Petit Journal" heute früh:„Was uns interessiert, ist die Frage, ob der Zusammen- bruch der deutschen Valuta uns hinsichtlich unserer Reparation s- forderungen fühlbar berührt. Wir können auf diese Frage mit„Nein" antworten, wenn wir das Gaukelspiel des Geldmarktes oerlasten und uns auf den Boden der Realitäten stellen. Die Pro- d u k t i v i t ä t der deutschen Industrie in ihrer Gesamtheit bleibt von dieser Krist» unberührt." Der Artikel schließt mit der Frage:„Was geht un» die Ent- wertung der deutschen Mark an? Eine Lokomotive bleibt eine Loko- motive und ein Haus bleibt ein Haus." „Petit Journal" hätte recht, wenn Frankreich von uns statt Gold nur Sachleistungen fordern würde. Englische Einsicht. ' London. 4. November. Die englische liberale„Westminster Gazette" schreibt, die deutsche Mark müsse weiter fallen, da neue N«- parationen fällig würden. Jede neue Reparationszahlung werde zu einem schlimmen Sturze der Mark führen. Wenn der Repa- rationsplan nicht schleunigst abgeändert werde, so werde ein neues Wien oder Rußland in einem großen Gebiete Europas geschaffen. Es sei lächerlich zu behaupten, daß der Zu» sammenbruch der Mark das Ergebnis deutscher Manipulationen sei, da er für Deutschland eine Katastrophe sei. Das Unterhaus für Abrüstung. Nach eindringlicher Rede des Genossen Elyne». der All« anderen Redner und auch Minister Chamberlain zu- stimmten, hat das englische Unterhaus einstimmig eine Reso- lution angenommen, in der erklärt wird, daß das Unterhaus der internationalen Konferenz in Washington warm zu» st i m m e und darauf vertraue, daß die größten Anstrengungen gemacht würden, um zu einer Vereinbarung zu gelangen, die eine wesentliche und fortschreitende Herabsetzung der drückenden Rüstungslasten sichere.___\ Koreas Rache an tzara. London, 5. November.(EP.) Wie aus Tokio gemeldet wird, ist der Mörder Horas verhaftet worden. Es handelt sich um einen jungen Koreaner, der sich im Wortesaal dritter Klaste versteckt hatte und den Ministerpräsidenten überfiel, als dieser den Zug nach Kyoto besteigen wollte. Der englische Botschafter in Lon- don hat bis heute früh noch keine offizielle Bestätigung der Ermor- dung des Ministerpräsidenten erhalten. Spätere Depeschen aus Tokio melden, daß der Täler ein koreanischer Kn a b e sei, der in dem Wartesaal dritter Klaste der Zentralelsen- bahn als Kellner beschäftigt war. Er sprang plötzlich aus Horas zu und versetzte ihn mehrere Dolchstiche. Die Polizei, die sofort herbeieilte, kam zu spät, um den Ministerpräsidenten zu retten. Hiernach also Racheakt für die japanische Militärtyrannei in Korea. Kolonialjuftiz. Kairo, 4. November.(WTB.) Die Regierung des Sudan gibt bekannt, daß Abdullah!, der Führer der letzten Erhebung in Nyala, zum Tode verurteilt und am 28. Oktober gehängt worden ist. Der Gouverneur von Darfur hat die Gefährten Abdullahis aus- gefordert, sich zu ergeben, widrigenfalls energische Maßnahmen er- griffen werden sollen. London, 4. November.(WTB.) Das Gericht in Calicut in Indien hat 38 der Anteilnahme an dem Aufruhr in Malabar im Monat August Angeklagte abgeurteilt. Dreizehn Personen wurden zum Tode verurteilt, 22 zu lebenslänglicher Verbannung und Einziehung ihres Besitzes. vrsndler geflüchtetl Der Vorsitzende der BKPD. Brandler wurde bekanntlich vor einigen Monaten zu S Jahren Festung ocr- urteilt. Seine opportunistische Verteidigungsrede erregte damals Aufsehen. Brandler hat verstanden, sich in der Festung Gollnow viel Bewegungsfreiheit zu verschaffen und hat diese Vergünstigungen nun zu einem erfolgreichen Fluchtversuche benutzt. Er ist flüchtig und bisher nicht zu ermitteln gewesen. Der Uebertrilt Dr. Paul Nathans zur Eozialdsmokraiie gibt dem „Berk. Togebl." Anlaß zn folgender Bemerkung:„Für die vcrant- lichen Instanzen der Demokratischen Partei sollte der Borgang, der nicht der einzige seiner Art ist, in Verbindung mit zahlreichen Kundaebungcn der demokratischen Organisationen(zuletzt in Berlin und Stettin) Veranlassung zu einer grundsätzlichen Nach- Prüfung der Politik geben, die im letzten Jahre verfolgt worden ist." — Diese Nachprüsuna wird sich zweckmäßig auch auf die politische Leitung des„Verl. Tagebl" erstrecken müsseTll Amerlkanerlos in Frankreich. Der nordamerikanische Senat er- mächtigte dos eingesetzte Komitee, die Anklagen W a t s o n s über die Behandlung der amerikanischen Krieger in Frankreich durch Ver- hör von Personen festzulegen. General Per shing erklärte, daß unwahrere Anklagen als die Watsons nie erhoben worden seien. Die Antwort der Regierung. Von Otto Hue. Das Reichsverkehrsministerium hat ans meine Anfragen betr. die Duissturg-Ruhrorter Häfen in danken«- wert klarer Weise geantwortet, es stehe dem Plane, die Hafen- Verwaltung einer fast rein privatkapitalistischen Betriebsgesell- jchost zu ubertragen,„fern" und sei„auch an seiner Vorbe- reitung nicht beteiligt." Die große volkswirtschaftliche und verkehrspolitische Bedeutung des Objektes betonend, erttärt das Reichsverkehrsministerium, es habe bei den VerHand- lungen über die V e r r e i ch l i ch u n g der Wasserstraßen „niemals einen Zweifel darüber gelassen, daß es auf die Verwaltung der Duisburg-Ruhrorter Häfen maßgeben- de n Einfluß erhalten müsse. Preußen hat dem Reich- Vorschläge über die künstige Gestaltung der Verwaltung der Häfen in Aussicht gestellt, istabermttsolchenbis- her nicht hervorgetreten." � Die Antwort der preußischen Regierung ist viel weniger präzise, aber nicht minder interessant. Sie beginnt mit der lapideren Erklärung, seitens der Staatsregierung bestehe nicht der Plan, die betreffenden Hafenanlagen„einem privatkapita- listischen Konsortium zu übertragen."„W eder der Hau- delsminister nochdie Staatsregierung haben sich bisher mit einem solchen Plan befaß t", meine Befürchtungen seien„daher gänzlich unbe- gründet." Hinterher aber muß die Antwort zugeben, daß sich an den Verhandlungen über die Vorschläge einer Verwaltungs- änderung„Vertreter der S t a a t s r e g i e r u n g" beteiligten. Diese Verhandlungen„im Hasengebiet" hätten .k-ineswegs Ergebnisse gezeitigt". Schließlich wird erklart, die„Vorschläge" seien„in endgültiger Form noch nicht an die Staatsregierung gelangt". Demgegenüber stelle ich vorerst fest, daß ich im„Vor- wart?" vom 29. Oktober nicht gefragt habe, ob der Regierung „endgültige Vorschläge" vorgelegt seien, sondern ob und seit wann ihr von dem„P l a n", die Hafenoerwalwng einem privatkapitalistischen Konsortium zu übertragen, Mitteilung zu- ging und wann und in welcher Form dem zuständigen Land- tag davon Kenntnis gegeben sei. Geantwortet wird.„Ver- treter der Staatsregierung" hätten an den Ver- Handlungen teilgenommen. Mit welchem Auftrag? Die Verhandlungen nahmen ihren Ansang schon am 21. Januar 1921 im Duisburger Rathaus in Anwesenheit von Regierungsvertretern. Schon damals wurde, wie Herr Ober- bürgermeistsr Dr. I a r r e s- Duisburg dem Hafenbeirat mit- teilte, das Projekt: Verselbständigung der Hasenverwaltung in Form einer pachtweiscn Uebertragung auf eine gemeinnützige Hafenbetriebsgesellschaft m. b. H.„besonders eingehend" be- raten, weil„dieser Vorschlag doch zurzeit der i n erster Linie beachtenswerte" sei! Schon im April d.?. wurde im Aufsichtsrat des Rheinisch- Westfälischen Kohlensyindikatg dieser Plan in großen Umrissen mitgeteilt unh die Summe von 050 000 M. als Beteiligung des RHeinisch-Westfälischen Kohlensnndikats an der projek- tierten Hasenbetriebsgesellschaft angefordert! Ich lehnte dies ab und erklärte, mich" nicht an die geforderte„Vertraulichkeit" binden zu könen, da ich als Mitglied der zuständigen gesetz- gebenden Körperschaft in dem skizzierten Plan eine S ch ä d i- gung der Staats- und Reichsinteressen erblicke. Weitere Schritte behielte ich mir vor. Unterm 23. Mai teilte icb den Sachverhalt brieflich dem preußischen Handelsminister mit. um Auskunft ersuchend, was er, als Ressortchef, von der Sache wisse. In der Antwort des Ministers vom 10. Juni heißt es, die Staatsregieruug habe zu der Frage einer Um- Wandlung der Duisburger-Rnbrorter Hafenvsrwaltung„noch nicht Stelluna genommen". Was den von mir abgelehnten Plan anbetreffe, so könne es sich„nur um Gedanken han- deln. die in der Aufsichtsratssitzung des RHeinisch-Westfälischen Kohlensnndikats mitgeteilt worden find!" Diese„Gedaftken" hatten sich im Avril d. I. zu der B e- reitstellung von 650000 Mark Beteiligung an der G. m. b. H. seitens des Kohlensnndikats verdicktet! Die..gemischt-wirtschaftliche" Bctriebsgesellschaft soll nach dem sorgfältig ausgearbeiteten Entwurf wie folgt fundiert werden: Vom Stammkapital übernehmen der Staat 33 000 M.. die Stadt Duisburg 33 000 M.. Handelskammer Duisburg- Wesel 34 000 M.. Koblensnudikat, Kohlenkontor und Bergbauoerein je 650 000 M., Genossenschaft der Duisburger Reeder, Genossenschaft der Spediteure daselbst, Genossenschaft der oewerblicken Betriebe in den Duisburg-Ruhrorter Häfen cbenlalls ie 650 000 M. Die Anstandsbeteiligung des Staates und der Stadt von ganzen 66 000 M. ändert an dem privat- kapitalistischen Charakter des Unternehmens natürlich nichts. Im Juni hatte die Staatsregiernna noch„keine Stellung genommen": obgleich„Vertreter der Staatsregierung" auch an der Besprechung über den Entwurf des Gescllschaftsstatuts teilnahmen, haben sich bis in den November hinein„weder der Handelsminister noch die Staatsregierung" mit„einem solchen Plan befaßt"! So heißt es in der am 3. November oeröffent- lichten Erklärung der preußischen Regierung. Haben denn die Rcgierungsvertreter in Duisburg auf eigene Faust ge- arbeitet? Ist dem Ressortminister niemals ein Bericht über den Stand der Verhandlungen erstattet worden?- Herr Ober- bürgermeister I a r r e s hat in einem Schreiben vom 17. Au- gust an die Mitglieder des Hafenbeirats erklärt, die preußische Regierung habe sich zwar„noch nicht zustimmend" zu dem Verpachtungsplan geäußert, aber dieser Plan sei zurzeit der beachtenswerteste: jedenfalls ist auch keine Ablehnung des Planes durch die Staalsregierung erfolgt. Zweifellos ist also mindestens schon im August die Staats re- gierung vor die Frage der Annahme oder Ab- t e h n u n g d e s P l a n e s g e st e l l t w o r d e n! In diesem Studium wenigstens hätte die Staatsregierung die Pflicht gehabt, zumindest dem Hauptausschuß des Landtages Kenntnis von den Vorgängen zu geben. Dieser hat sich wiederholt mit einer Reorganisation der Verwaltung der Staatsbetriebe befaßt. Ein Beschluß, diese Verwaltung an eine G. m. b. H., wie sie der Duisburger Plan vorsieht, ist n i ch t gesaßt: immer ist nur eine Entbureaukratisierung der Verwaltung verlangt worden, vornehmlich von den Sozialisten. Aber eine ilebertragung an ein privatkapitalistisches Konsortium ist von keiner Seite beantragt worden. Bei dieser Sachlage mußte die Staatsrcgierung den Duisburger Plan ahne weiteres und unzweideutig ablehnen. Oder ober sie mußte wenigstens dem Hauptausschuß, der seit Monaten die Haushaltspläne berät, Gelegenheit zur Willenskundgebung geben, nachdem die „Gedanken" in Anwesenheit von Regierungsvertretern bereits zu dem Entwurf des Gesellschaftsvertrages ausgereift waren. Die„naheliegenden Gründe" der„vertraulichen" Behandlung der ganzen Vorgänge müssen interesiant sein. Sechs große ka p i t a l i st i s ch e Organisationen mit taufenden Mitgliedern kennen die Vorgänge, diskutieren darüber in ihren Vertretungen, stellen fast 4 Millionen Mark Beteiligungskapital bereit, aber der Landtag, die verfassungs- gemäße Volksvertretung erfährt von dem Plan, einen außerordentlich wichtigen Teil des Staatseigentums unter privatkapitalistische Direktion zu stellen, nichts!" Der preußische Staat ist als Grubenbesitzer Mitglied des Kohlensyndikats und dadurch auch des Kohlen- k o n t o r s. Im Aufsichtsrat des Nheinisch-WestfAischen Kohlensyndikats sitzt auch ein Vertreter der westfälischen Staotszechen. Deren oberster Verwaltungschef ist der preußische Minister für Handel und Gewerbe. Weiß der Chef auch nicht, daß sein Beauftragter im April der Bereit- stellung von SSV vvv M. Beteiligung an der G. m. b. H. seitens des Syndikats zugestimmt hat? Hierdurch wurde der Duisburger Plan seitens des Bergfiskus bereits sanktioniert, während uns nun dasselbe Ministerium. welchem die Bergwerks- und die Duisburg-Ruhrorter Hafen- Verwaltung unterstellt ist, antwortet, es habe noch gar keine „Stellung" genommen, an der ganzen Sache sei eigentlich gar nichts dran, meine Befürchtungen seien„gänzlich unbegründet"! Die Regierungsantwort erweckt auch den Eindruck, als ob die Duisburg-Ruhrorter Hafenverwaltung ein Defizitbetrieb sei. Tatsächlich weisen die Betriebsberichte, mit Ausnahme der von 1918 und 1919, keine Zuschüsse aus und die Zubuße 1918/19 ist inzwischen durch Mehreinnahmen aus- geglichen. Nun kann ich es der Oeffentlichkeit ruhig überlasten, zu beurteilen, wessen sich der Staat und das Reich zp versehen hat von den privatkapitalistischen Plänen gegen hochwichtige Staats- und Reichsbetriebe, wenn die Volksvertretung nicht rechtzeitig einen festen Riegel vorschiebt. Die Wahrheit schmeckt ihnen bitler. Gegen die Mastenverbreitung der hier besprochenen Kösterschen Schrift„Konnten mir im Herbst 1918 weiterkämpfen?" hat sich die deutschnatio- nale Reichstagsfraktion mit einer kleinen Anfrage ge- wendet. Wir können schon begreifen, daß den Herrschaften die Der- breitung dieser Schrift höchst unangenehm ist, durch die ihre gesamte Dolchskoßlüge in Vichts aufgelöst wird. Kriegserklärung an öie Republik. Die nationalistische„Deutsche Zeitung" veröffentlicht heute an bemerkenswerter Stelle in fettem Druck eine Kundgebung, die in unverschleierter Form die Aufforderung an die I n d u- strie enthält, das Reich in den Stunden der Gefahr im Stich zu lasten. Es seien Umstände eingetreten, so heißt es, die es notwendig machten, das Angebot der Industrie zu über- prüfen, da sich die Lage infolge des Verlustes eines Teils der oberschlesischen Industrie sowie des weiteren Valutasturzes erheblich geändert habe. Sodann geht es wörtlich weiter: Die Hauptfrage bei dem Problem der Kredithilfe ist also nicht mehr die, ob sie gewährt wird, weil sie der Fiuanzkalamität des Reiches Abhilfe bringt, sondern es ist die, ob sie gewährt werden muß, damit sie das A l l e r s ch l i m m st e der nächsten Zeit v e r- hütet. Das ist aber zu verneinen, weil eine kredilhilfe in den möglichen Grenzen angesichts der dem Reiche aufgebürdeten Lasten— die g e st r i g e Ncichstagssitzung gab darüber Aufschluß— bedeutungslos bleiben muß. Sie aber aus innerpolitischen Gründen trotz dieser Einsicht in Szene zu setzen, hieße ein fri- o o l e s Spiel mit der wertvollen Substanz deutscher Wirtschaft treiben: Gestern haben bereits Beratungen des Neichsvcrbandes der Industrie stattgefunden und heute sollen sie fort- gesetzt werden. Auch in den besonnensten Industrie- kreisen herrscht große Erreg.ung darüber,«daß man auf dem Wege einer Zwangsorganisation„Krediwereinigung der Gewerbe" die Dcvisenbcihilfe an das Reich ertrotzen will. Es bleibt sehr zu wünschen, daß von den maßgebenden Stellen noch recht- zeitig eingesehen wird, daß dieser Weg verfehlt ist. Die„Deutsche Zeitung", bzw. die hinter ihr stehenden großkapitalistischen Kreise halten es also nicht mehr für not- wendig, der Finanznot des Reiches zu steuern, da diese doch einen Umfang angenommen habe, bei dem kde Hilfe von vornherein zwecklos sei. Eine seltsame Logik! Werden die deutsch- nationalen Reichstagsabgeordneicn bei den Stcuerberatungen den gleichen Gesichtspunkt geltend machen, wenn über die Frage beraten wird, inwieweit die breiten Massen des werktätigen Volkes mit neuen Steuern zu belasten find? Das Treiben der Großindustrie müßte als landesoerräte- r i f ch bezeichnet werden, wenn es tatsächlich den in der„Deut- schen Zeitung" vorgezeichneten Bahnen folgen sollte. Nationalistische TeauerkunAgebungen. Musterhafte Haltung der Mnnchener Arbeiterschaft. München, S. November.(Eigener � Drahtbericht.) Die große monarchistische Irauerparade ist heute vormittag dank der Disziplin der Münchener Arbeiterschaft, die nach der von der sozialistischen Presse ausgegebenen Parole geschlossen der Demonstration fernblieb, ohne Zwischenfall oerlaufen. Die Drahtzieher des alten Regimes zeigten dem gaffenden Dolk noch einmal mit Hilfe der Theaterrequi- fiten des Wittelsbacher Hofmarschallamtes den Glanz der verflossenen Zeit., Charakteristisch für die ganze Aufmachung war, daß eine '„republikanische" Reichswehrkompagnie im Paradeschritt vor dem Leichenwagen hermorschierte und daß zwischen den Kolonnen der Krieger- und Jünglingevereine lange Züge von Deputationen der gesamten bayerischen Reichswehr einherzogcn. Wenn die große Demonstration, welche das Weichbild Münchens mit Menschenmassen füllte, verlaufen ist, ohne daß es zu Blutver- gießen kam, so haben wir dies weniger der Beherztheit der bayerischn Beamtenschast von Kohr herunter bis zum letzten Sicherheitsbeamtcn zu verdanken, auch nicht der Vernunft der Osfiziers- und Studenten- Vereinigungen, sondern lediglich dem festen Entschluß der Ar- beiterschaft jeden monarchistischen Putsch mit harter Faust niederzuschlagen, sowie der Besonnenheit weiter Kreise der Boye- rischen Volkspartei, welche den Staatsstreichelementen inner- und außerhalb der Regierung zu erkennen gegeben haben, daß ste mit den bayerischen Königsmachern keineswegs gemeinsame Sache zu machen gedächten. Dielleicht hat auch der Dämpfer, welchen die Münchener Arbeiter- schast den Nationalsozialisten in einer Lärmversgmmlung gestern abend aufgesetzt hat, gewirkt, als der erste Dersuch, den Mordhetzern ihr Lügen- und Berleumdermaul zu stopfen. Die national- sozlaNstisch« Arbeiterpartei hatte nämllch unter dem Thema„Wer sinJ» die Mörder?" zu einer Versammlung einberufen, in der sie be- absichtigte, den Mordanschlag auf den Genossen Auer zu rechtfertigen und zu neuen Gewalttaten aufzureizen. Die Münchener Arbeiterschaft griff zur Selbsthilfe und warf die Mordpropagandisten, obwohl ihnen die Polizei nach Möglichkeit bc,- stand und trotzdem sie selbst sich mit Pistolen und Knüppeln zur Wehr setzten, zum Saal hinaus. Schließlich räumte die Sicherheitspolizei den Saal. Schützer öer Republik. Im Rechtsausschuß des Reichstages wurde ein Antrag der Deutschnationalen, der Deutschen Volkspartei, der Unabhängigen und der Kommunisien auf Aushebung der Verordnung des Reichs- Präsidenten vom 29. August mit 14 gegen* 13 Stimmen abgelehnt. Dieses Ergebnis, das im Interesse des Schutzes der Republik und besonders angesichts der unaushörlichen Provokationen von nationalistischer Seite begrüßt werden muß. veranlaßt den deutsch. nationalen„Lokal-Anzeiger" zu der Bemerkung, es schein«, als wenn die demokratische Republik sich unfähig fühle, ohne Ausnahme- Verordnungen und No teesetze zu existieren. Diese Aeuherung macht sich besonders nett bei Leuten, die in Kahr-Bayern ihr Ideal erblickten, solange es unter dem verschärften Ausnahme- zustand regiert wurde, und die mit offenkundigem Mißvergnügen das System Lerchsnfeld beobachten, daß auf Drängen der Reichs- regierung wenigstens die schwersten Verstöße gegen die Reichsver- fossung abgebaut hat._ �bsetzungsöebatte in öuöapeft. Budapest, 4. November.(MTB.) Die Nationalver- sammlung behandelte den Gesetzentwurf betreffend das Erlöschen der hcrrscherrechte des Königs Karl und des Erbfolgerechis des Hauics haboburg. Nachdem der Referent des staatsrechtlichen Ausschusscs. Abgeordneter Rubinak, den Gesetzentwurf beleuchtet und zur An- nähme empfohlen hatte, erklärte Ministerpräsident Gras B e t h l e n, der Gesetzentwurf sei keine Folge der Entwicklung des normalen verjassungsmäßigcn Lebens, sondern die Folge der Ereignisse der letzten zwei Wochen. Bei dieser Gelegenheit müsse er cheir, namens f der ungarischen Regierung und der ungarischen Nation scierliche Verwahrung gegen jede ausländische Einmischung erheben. lLebhafce Zustimmung.) Die ungarische Regierung habe alles, was sie getan. aus eigenem Antriebe getan. Feierliche Verwahrung müsse auch dagegen erhoben werden, daß viel weitergehende, gegen d�n Vertrag von Trianon verstoßende Forderungen gestellt worden seien. Bezüglich der Forderungen, deren Folge der vorliegende Gesetzent- wurf sei, betonte der Ministerpräsident,� daß die ungarische Nation den friedlichen Weg wählen müßte. Die Erklärung liege darin, daß Ungarn nicht ausgehört habe, seine Aaziehungs- kraft auf alle im Karpathenbecken wohnenden Völker auszuüben. Der Ministerpräsident betonte schließlich, daß Ungarn an dem Frie- densvertrag festhalte. Darauf sprach Graf Apponyi. Er protestierte gegen die Der- letzung des Friedensvertrages von Trianon durch Androhung be- waffneten Einschreitens und die Forderung der Kleinen Entente be- züglich ihrer Teilnahme an der Entwaffnung. In Besprechung der Forderung der Kleinen Entente noch Thronentsetzung der Habsburger betonte Redner, daß die Frage der Staatsform eine innere Ange- legenheit Ungarns sei. Als die Regierung die Rückkehr des Königs mit bewaffneter Gewalt verhinderte, hätten die Nachbarländer dies mit Befriedigung zur Kenntnis nehmen müssen, sie hätten sich jedoch damit nicht begnügt. Graf Apponyi schloß, es handle sich nicht nur um die Ehre und die Würde de» Landes, sondern auch um die persönliche Sicherheit eine» jeden ungarischen Staatsbürgers, da die Auslieferung eines Ungarn, näm- lich des Königs, gefordert werde. Die Regierung habe dem Zwange nicht widerstehen können. Er oerstehe die Zwangslage, in der sich die Regierung befinde, vollständig und werde ihr infolge- dessen keine Schwierigkeiten bei der Annohme der Vorlage bereiten. Er erkläre jedoch, daß die Entthronungsvorlage die Ein- richtung des ungarischen Nationalkönigtums in ihren Grundlagen angreife. Die» widerstrebe dem Rechtsempfinden, und er müsse sich öraunkohle. Von P. Haupt. Unten, in der Lausitz, hinüber nach Schlesien, wo das Land platt ist wie ein Wasserspiegel, wo der Blick vom Dorfkirchturm über nichts als Kiefernkuscheln und Birkengruppen geht, wo das Wasser kaum einen Meter unter der Erde liegt, dahindämmert in oersumpften, vertorsten Tümpeln und flachen Gräben, regt sich ein Neues und schreckt Land und Leute auf. Wunden, meilenweite, breite, klaffende, werden geschlagen in Wald und Heide, frische Zäune versperren den Gräben den Weg, schnurgerade Kanäle entwässern sie. Leben zieht ein in die scheuen wendischen Holzdörfer, in die schmucklosen, kleinen Kreisstädte. Und wo der Wald fiel, da bauen sich eines Tages riesige Bagger auf. Massig wuchtend auf kräftigen Schienen greifen ihre meter- langen Arme gierig über das Land, hacken ihre Schaufeln ein in den armseligen Sand. Das Transportband rollt Stunde um Stunde, lädt die Erde in unermüdliche Lorenzüge ein, willfährige, tatkräftige Trabanten.» Eisen und Ziegel, kaum trockenes Holz und frischgeschmiedete Cisenklammern fügen sich zusammen zu Schuppen, Fabrikhallen. Seitwärts türmt sich die ausgebaggerte Erde zu Hügeln, öden, kahlen. Und eines Tages greifen die Schaufeln der Bagger schwarze, braune Brocken, gerippt und geädert wie Holz— Braunkohle. Gleise werden verlegt, die Bagger verstellt, die Lorenzüge schaffen nun- mehr ihre schwarze Fracht in die Fabrik. Bis aus dem Gerippe aus Eisenmasten und-trägem, das von den Maschinenschuppen und Hallen hinunterstieg in die Grube: eine Bahn geworden ist mit gedrungenen steinen Karren. Ueber die ganze Gegend legt sich brauner Staub. Am Rande der Grube atmen und schaffen die Pumpen. Un- ermüdlich. Tag und Nacht. Saugen das Wasser auf, das hinein- drängt in die Grube, speien es hinein in die schnurgeraden Gräben, daß sie dahinschießen mit schmutzigen, rotbraunen Wellen. Und dazwischen die Menschen. Klein und winzig in der gähnen- den Weite der Grube, in der Leere der abgeholzten Fläche, neben den massigen Maschinen. Arbeiten ihre Zeit, braunbekrustet, empfangen ihren Lohn und— wissen nicht wohin in dem zerstörten, umge- wühlten Lond. Baracken inmitten der Trostlosigkeit der Baum- stumpfe, roh zusammengebaut, ungemütlich frisch, vollgepfropft mit Menschen. Ihr Heim für Wochen, Monate. Dollgepfropft auch die Dörfer, Städte, deren Bewohner die Konjunktur längst begriffen. Siedlungshäuser, vom elegantesten des höheren Grubenbeamten bis zum einfachen für den Arbeiter, sollen inmitten geschonter Kiefern erstehen. Ste werden im nächsten Jahre fertig. Wenn die Kon- junttur anhält.... Dann werden Grube, Fabrik, Siedlung dastehen, herrisch, wie aus dem eroberten Land, die Wendendörfer überragend, ein neues Leben. Ein Leben, das sie alle an sich reißt, die dritten und vierten Bauernsöhne, und die Bauern selbst, die mühsam aus dem Sand- boden Kartoffeln und Roggen ernteten, zum Berkauf verlockt. So ist der Taumel: Geld bringen die neuen Gruben, die vielen neuen Menschen ins Land. Geld, viel Geld, selbst für die ärmlichste Stube, für Hühner und Eier, Brot und Kartoffel. Bis das viele Geld der Gruben Felder und Wälder und Wiesen und— Bauern verschlingt. Als Rentner dämmern ste ein träges Leben zum Tode. Ihre Söhne werden Arbeiter im großen Heer, Kämpfer für eine neue Welt. Professor Oscar Montelius ist Freitag abend in Stockholm im 79. Lebensjahre gestorben. Montelius, der in seiner lieimat als Reichsarchivar der nordischen Altertumsforschung vorstand, war der führende Mann auf diesem Gebiete. Seine Untersuchungen über die prähistorische Kultur Europas haben fruchtbare Erkenntnisse er- schlössen. Insbesondere hat er Licht über die Bronzezeit in ihren Typen und in ihrer Periodisierung verbreitet. Montelius war ein warmer Freund Deutschlands: seine wissenschaftliche Bedeutung war in der ganzen wissenschaftlichen Welt anerkannt. Die wahre Ursache der Sonnenfleckenperiode. Eine der rätsel- haftesten und bisher völlig ungeklärt gebliebenen Erscheinungen in der Physik der Sonne ist die Dauer der Fleckenperioden, die, wie man weiß, rund elf Jayre umfaßt. Diese Perioden hatten bisher jeder Erklärung gespottet! die mancherlei zu ihrer Deutung aufge- stellten Theorien erschienen durchweg so unwahrscheinlich, oaß mit ihnen ernstlich nichts anzufangen war. Mehr als 300 Jahre sind seit der ersten Wahrnehmung der Sonnenflecken oergangen. Unmittel- bar nach der Erfindung des Fernrohrs, im Jahre 1610, wurden sie zum ersten Male beobachtet, und schon im Jahre 1776 hatte Horebow die Bermutting ausgesprochen, daß die starken Schwankungen der Zahl und Größe der Sonnenflecken periodischer Natur seien. Der erste, der die elfjährige Periode in der Zunahme und Abnahme der Sonnentätigkeit ziffernmäßig festgestellt hat, war der Hofapotheker Schwabe in Dessau(1843). Aus der Gesamtzahl der Sonnenslecken- Beobachtungen von 1610 bis heute bestimmt sich die Größe der Periode auf durchschnittlich 11,11 Jahre. Der Zeitunterschied vom Maximum zum Minimum beträgt 6,6 Jahre, während sich der Wechsel vom Minimum zum Maximum schon in 4.5 Jahren vollzieht. Der amerikanische Astronom See hat seit vielen Iahren Unter- suchungen über die Fleckenperiode angestellt und jetzt wie Dr. Archen- hold im„Weltall" mitteilt, einen vorläufigen Bericht über seine For- schungen veröffentlicht, der zum ersten Male eine plausible Erklärung dieses Phänomens gibt. See führt die Entstehung der Flecken- Periode auf in die Sonne stürzende Meteormassen zurück, die einer gemeinsamen Wirkung von Jupiter und Saturn zuzuschreiben ist. Diese beiden großen Planeten sind in Zwischenräumen von 9,9 Iah- ren in Konjunktion und Opposition, während sich Jupiter in 11,9 Jahren um die Sonne bewegt. See weist darauf hin, daß durch Saturn die Hauptwirkung des Iupiterumlaufs bei der Sonnenslecken- Periode um"'w Jahre verkürzt wird. Die auf die Sonne nieder- strömenden Meteorschwärme haben ihren Ursprung in den Mitglie- dem der Kometenfamilie des Jupiter. Cowell und Fatheringhcun haben durch Untersuchungen der alten Sonnenfinsternisse eine Sä- kularbeschleunigung der Erdbewegung errechnet, die sich durch das Niederströmen von Meteorschwärmen erklären läßt, woraus See schließt, daß hierdurch die oben auseinandergeletzte Erklärung der Entstehung der Sonnenfleckenperiode große Wahrscheinlichkeit für sich in Anspruch nehmen kann. Die größte Uhr Europas. Eine riesige Uhr, die die größte Europas ist, wurde während des Krieges in Siemensfladt bei Berlin fertiggestellt und in der„Umschau" gibt nun Hans Bour- quin genauere Zahlen über dieses Meisterwert deutscher Technik. Die Uhr ist auf einem viereckigen Tumr angebracht, der bei einer Höhe von 75 Meter nicht weniger als 18 Stockwerke entbätt. Dcr Durchmesser der vier Zisterblätter beträgt je 7 Meter. Jeder der vier großen Zeiger ist drei Meter lang, die kleinen Zeiger messen 1,75 Meter: das Gewicht eines Zeigerpaares beträgl 700 Kilogramm. Der kleine Zeiger ist durch ein Gegengewicht ausgewogen, das eine ansehnliche Scheibe an einem eisernen Arm darstellt. Zifferblätter und Zeiger erscheinen bei Nacht leuchtend. Das Schlagwerk ist nicht hinter dem Zifferblatt angeordnet, sondern lynter diesem befindet sich nur eine Fortschaltvorrichtung, auf die d.e elektrischen Antrieb« einwirken, die sich unten in einem ge- schützten Raum befinden. Die Zcitgebung geht von einer Uhr- zentrale aus, und selbstverständlich geht die Uhr ganz genau, wobei Ueberwachnngscinrichtungen sofort erkennen lassen, wenn an irgendeiner Stelle eine Störung eingetreten ist. Ein deutsches Kunstoer lagsgeseh in Vorbereitung. Um ein erstes deutsches Kunstoerlagsgefetz vorzubereiten, haben sich jetzt nach über 17 Jahre--rstreckendcn Bemühungen die beiden Parteien, die Künstler und die Verleger, zu Verhandlungen zusammengefunden. Diese Beratungen, die von den Vertretern des Reichswirtschaftsver- bandes bildender Künstler Deutschlands und der Vereinigung dcr Kunswerleger geführt werden, nehmen einen günstigen Verlauf, so daß Aussicht besteht, daß eine zwangsweise Regelung der Materie durch das Reichsjustizministerium oermieden werden und das Gesetz auf freiwilligen Bereibarungen der beiden Parteien aufgebaut werden kann._ Erstaufführungen der Woche. Mont. Trohe« TchaulpIelbauS: .Götz von Bcrlichinlzen.'— Freit. Walhalla-Theater:.Jung muh man sein.* NraniavortrSge. Sonntag und Sonnabend:»Im Flugzeug zum Monde*.? onnerStag:.Die Wunder de« Schnee. ichubs".!!m DienStag. Freitag:.Wie ein Film entst-htl* Mittwoch spricht Gras Larijch über:. Sturmwelle n. Hochs«- und Brandung*. Im„Theater am Nollendorkplach» findet am Dienstag. 8. d. M., uachmiltagz Z>/, Uhr. die erste Märchcnvorstellung von .Schneeweih und Rosenrot* statt, die dann an jedem Dienstag und Freitag wiederholt wird. Sin die Charlottenburger Kunftgewerbefchnle ist der Mater und Graphiker Max H e r t w i a als Lehrer iiir Schrift beruicn worden. Die ülnstalt hat dem Maler Otto Marcus einen Lehraustrag erteilt zur Einsührung in die rechllicheu und geschästlichea Bedingungen de« Künstler- berujet. baljcr der weiteren Beratung entziehen.(Graf Appanyi verließ hierauf mitzwölfAbgeordneten den Sitzungs- f o o l.) Der Präsident der Nationaluersammlung nahm gegen die Erklärung des Grafen Apponyi Stellung. Budapest, 4. November.(WTB.) Wie in parlamentarischen Kreisen verlautet, wird mit Rücksicht darauf, daß die von der Entente gestellte F r i st für die Entthronung der Habsburger am Montag abend abläuft, die Nationalversammlung am Sonntag eine Sitzung abhalten. Nach Erledigung der Vorlage werde die R e- gierung zurücktreten. Die Entente läht nicht lorker. Paris, 4. November.(Havas.) Die B o l s ch a f t e r k o n f e. ? c n z wird binnen kurzem die ungarische Regierung wissen lassen, daß es sich gehöre, daß die ungarische Nationalversammlung die U n- wählbarkeit zum Thron für alle Mitglieder lcs Herrscherhauses .Habsburg in b e st i m m t e r Form ausspreche: der von dieser beschlossene Wortlaut proklamiere nur den Thronverlust des Exkönigs Karl, ohne diese llnwählbarkeit. irgendwie zu erwähnen. Jür üeutsche flrbeitskraft. Paris, S. November. sEigener Drahlberichk.) Der Präsekt des S o in m e- Departemanks hat gestern den Bürgermeister und Dcksvorf.hendcn der Ortschaften des Gebietes empfangen, die seinerzeit zerstört worden sind und die, wie von den deutschen Ge- werkschastsvertreteru vorgeschlagen morden war, m i t deutschen Arbeitern wieder aufgebaut werden sollen. Der Präfekt legte den Ortsvorständen die Frage vor, ob sie und die durch fle vertretene Bevölkerung mit dem Zviederausbau durch deutsche Arbeiter einverstanden seien. Die Orksvorstände haben diese Frage bejahend beantwortet. Der Präscti wird darum morgen auf einer Konferenz, die im französischen Wiederaus- tauministerium stattfindet, über diese Umfrage berichten. England gegen das �ngora-�lbkommen. Paris, 8. November.(EE.) Der Londoner„Matin"-Korrespon- dent meldet, daß die Protestnote der englischen Regie. r u u g gegen das französisch-kemalistische Abkommen den Vorwurf gegen Frankreich erhoben habe, daß es trotz der Abmachungen vom August 1920 einen Vertrag mit Mustapha Kemal abgeschlossen habe. Die Note wird in größter Osscnheit gehalten sein und einer- scirs hervorheben, daß Frankreich die Verpflichtungen gegenüber einer Regierung einging, die offiziell kein Recht habe, Gebiete zu besetzen, die die Engländer eroberten und für die das vom Völker- bund erteilte Mandat Frankreichs bisher noch nicht bestätigt wurde. Frankreich müsse begreifen, daß die Lage in diesem Gebiet, in dem England wichtige Interessen zu vertreten habe, für England von großer Bedeutung sein müsse. Deshalb errege es England, daß entgegen den Bestimmungen des zwischen Briand und Bckir Eami Bcy unterzeichneten Abkommens dieser neue Vertrag abgeschlossen worden sei, der einen Teil der Bagdadbahn auf türkisches Gebiet verlegt. Außerdem hätten die Franzosen den Kemalisten das Recht zuerkannt, diese Eisenbahnlinie zu Truppentransporten zu benutzen. Das könne eine ständige Beunruhigung Europas be- deuten. England wisie nicht, welche Verpflichtungen Frank.in Bouillon(der französische Unterhändler in Angora. Red.) Justus Kemal Bei) gegenüber eingegangen ist, aber die Tatsache, daß der an A r i o n d in dieser Angelegenheit gerichtete Brief bisher unbe- antwortet geblieben sei, beunruhige England. Es müss: darüber Aufklärung erholten. Ee verstehe sehr gut, daß Frank- reich das Leben seiner Soldaten in Cilicien schonen wolle, ober dieser Zweck wäre besser zu erreichen, wenn es General Gourand ausfor- derte. direkt mit einem temalistischen General zu verhandeln. Die Vertrauensmänner von Lord Curzon verhehlen nicht, daß die An- erkennung des frcmzösisch-temalistischen Abkommens für Englands Unabhängigkeit eine Gefahr bedeute. Nachspiel zum Gesellenmorüprozeß. München, 8. November.(WTB.) Dos Voltsgericht München verurteilte den am Gesellenmord im Mai 1919 beteiligten ehemaligen .Husar L a t o s i wegen schweren Diebstahls zu 10 Jahren Zucht- bau?, während die Schuldfrage bezüglich Totschlags mangels schlüs- siger Beweise verneint wurde. Latosi war am 8. Mai in den Keller eingedrungen, wo sich die gefangenen Gelellenvereinsmitglieder be- fanden und hatte mit einem Revolver aus die Leute geschossen, mit einem Dolch auf sie eingestochen und den Leichen verschiedene Wert- gegenstände abgenommen. Onkel Sams Kamps gegen den Alkohol. Der Budgetplan steht für das nächste Jahr zehn Millionen Dollar gegen Zlh, Millionen Dollar im Vorjahre, für die Anwendung des Gesetze? gegen den Per- kauf alkoholischer Getränke vor. Wirtschaft « Die Teuerungswelle.* Die Rückwirkung der Entwertung der deutschen Mark aus die Lebenshaltung der breiten Volksschichten wird von Tag zu Tag fühlbarer. Am schärfsten sind die Preissteigerungen aus denjenigen Marktgebieten, deren Versorgung ganz oder teilweise von Aus- landszufuhren abhängt. Leider handelt es sich hierbei gerade um diejenigen Produkte, die für die Voltsernährung unentbehrlich sind. Die nachstehende Tabelle zeigt die Bewegung der G r o ß h a n- delspreise für Weizenmehl, Roggcnmehl und Vittoria-Erbsen, sowie die Kleinhandelspreis« für Eßkartosfeln, Eßbuttor und Hühnereier. Den amtlich ermittelten Durchschnittspreisen für die Scptembermonate wurden die Berliner Marktpreise vom 2. November d. I. gegenübergestellt. Sept. 12 Sept. 20 Sept.Zl 2. Nov. 21 Weizenmehl l dz... SO, 50 238.90 395,58 840-910 Roggenmebl 1 dz... 24,83 219,60 259,14 610-700 Vikioriaerbsen 1 dz.. 30,68— 640,22 800—860 Eßlarlofseln 1 kg... 0,07 0,78 1,45 1,90 Etzbutter 1 kg.... 2.70 35,06 59,28 76-80 1 Hühnerei..... 0,03 2,08 2,09 3,10 Nach dem Verlauf des Geschäfts an den deutschen Getreide- börsen in den ersten Novembertagen zu urleilen, dürste die Steige- rung der Getreidepreise vorläufig in scharfem Tempo fort- schreiten. Die Mehlvorrätc bei den Mühlen sind außerordentlich gering, auch der Großhandel verfügt über keine Reserven, da in diesem Jahre der Ausdrusch des Brotgetreides auffallend langsam fortschreitet. Bemerkenswert ist auch die Knappheit am Futter- mittclmarkte. Die Preise für Mais, Haser, Kleie und Rauhfutter sind in lctzier Zeit außeeordrnllich scharf gestiegen. Wenn bisher der Austrieb an dvn Piehmärkten nod) sehr reichlich und die Be- wegung der Fleitchpreise eine für heutige Verhältnisse ruhige war, so sind hieraus durchaus ni.ht etwa günstige Schlüsse zu ziehen. Der ohnehin dezimierte Vichbrstand Deutschlands ist in den letzten Wochen infolge der Futtcrtnappheit durch Notschlachtungen weiter eingeschränkt worden. Die Wirkungen di«sex Vorgänge werden sich erst im kommenden Winter in einer allgemeinen Ein- schrönkung der Versorgung mit Milch, Butter und Fleisch äußern. Ein Ende der jetzigen Teuerungswelle ist vorläufig noch nicht ab- zusehen. GroMerün Ein mißlungener Schlag. Nachwort zum Prozeß gegen die..Viktoria"-Zlagestelltcn. Der Landfriedensbruchprozeß gegen die Angestellten der ,.Viktoria"-Versicherungsgesel!schaft wegen der Zerstörung eines im Berliner Geschäftshaus der„Viktoria" aufgefundenen Waffenlagers Hot mit Frei- s p r e ch u n g der Angeklagten geendet,(Vgl, Berichte im„Vor- wärt?" Nrn. 821 und 523,) Die Geschworenen haben hier ein Urteil gefällt, das dem gesunden Empfinden weitester Kreise der Bevölke- rung entspricht und der Gcrechiigkeil zum Siege veriiiift. Weniger als die Angeklagten werden über das Ergebnis dieses Prozesses verschiedene andere Leute erfreut sein, die in ihm als Zeugen eine Rolle spielten, sid) aber als die eigentlichen Angeklagten betrachten dürften. Die Direktion der„Viktoria" glaubt vielleicht, rein- gewaschen dazustehen, weil ihr Generaldirektor erklärt hat, daß er von dem Wasfenlager nidzts gewußt habe. Ein Rätsel bleibt dod', iv i e ein Führer der Einwohnerwehr sich her- au'nehmen konnte, im Keller des„Viktoria"-Ge- b ä u d e s ein Woffendcpot anzulegen. Das läßt min- destens auf viel Zuversicht zu einer stillschweigend billigenden Di- rektion schließen: denn ohne solche 5)offnung würde wohl selbst ein Einmohnsrwehriührer, wie der Zahnarzt Richard Falz, der sich dieses Stücklein leistete, und auch vor Gericht sich sehr keck be- nahm, nicht den Keller des„Viktoria"-Gel'äudee als Sdstupfwinkel zu benutzen gewagt haben. Im Prozeß wurde festgestellt, daß auch ,,V!ktoria"-Angesteilte in die Einwohnerwehr eintraten, damit sie zu Waffen kamen. Nimmt man dazu das vertrauliche R u n d f ch r e i- ben des Arbeitgeberocrbandes der Versicherung s- g e s e l l s ch a f t e n, der für den Lohnkampf zum Schutz von„Ar- beitswilligen" die Hinzuziehung von Sicherheitspolizei und nötigenfalls auch Fühlungnahme mit der Reichswehr empfahl, dann begreift man's, daß bei Auffindung des geheimen Waffen- lagcrs die Mehrzahl der„Viktoria"-Angestellten die Absicht eines gewaltsamen Borgehens der Direktion für glaubhaft hielt. Unge- klärt blieb in dem Prozeß die Frage, ob die Direktton an die Ein- wohnerwehr eine Entschädigung für den Verlust des Waffenlagers gezahlt oder wenigstens die Absicht einer solchen Zahlung anfangs gehabt hat, Von dem Prozeß wurde anscheinend auch erwartet, daß er sich als ein Schlag gegen die freigewerkschaftliche Organi- sation der Versicherungsangestellten bewähren werde,„Störend" wirkte freilich, daß unter den Angeklagten auch ein paar sozusagen„ordnungsliebende" Leute waren, die nach dem Grundsatz„mitgefangen, mitgehongen" behandelt werden mußten. Zu den �Höhepunkten" dieses forensischen Dramas gehörte die Ver- nchmung eines Führers dcutschnationaler Versiche- r u n g s a n g c st e l l t e n, des Herrn Springfeld. Dieser Mann, der sich immer wieder in Widersprüche verwickelte, war eine der Hauptstützen des schließlich so kläglich zusammenbrechenden Gebäude» der Anklage.«■» • Freigesprochen und anfS Pflaster geworfen! Soeben, als diese Zeilen niedergeschrieben waren, erfahren wir, daß die sieben der freigesprochenen Angeklagten, die bisher noch bei der„Viktoria" beschäftigt geblieben waren, heute früh vom Direktor Tiedtke zur Kündigung aufgefor. dert worden smd. Andernfalls hätten sie sich, drohte er, am Montag als enstaffen zu betrachten. Zu dies ein Entschluß sei er gekommen, nachdem er aus dem Gerichtsverfahren sich über die Sache unterrichtet habe, Unter den in so empörender Weise aufs Pflaster ge- worfenen Angestellten stnd alte Leute, die bis zu 17 Jahren bei der„Viktoria" beschäftigt stnd und Pension zu be- anspruchen hätten.__ die Bergungsarbeiten auf öem Wannsee. Die Ertrunkenen noch immer nicht geborgen. Am heutigen Sonnabend Morgen sind die Nachforschungen nach den bisher noch vermißten Personen weiter sortgesetzt woi2>en. Leider finden die Behörden bei den Familien der Ver- mißten nicht die erforderliche Unterstützung, so daß bei Leichen- funden, die an anderen Stellen des Wannsees gemacht werden, nicht mit Gewißheit festzustellen ist, ob es.sich etwa um Ertrunkene des untergegangenen Storkow handelte, die von der Strömung ab- getrieben sind. Wie jetzt einwandfrei festgestellt ist, ist der Kauf- mann A l i n mit dem sinkenden Schiff in die Tiefe gerissen war- den, da noch durch Zeugen beobachtet wurde, daß der Kaufmann beim Verlassen der Kajüte bewußtlos zusammenbrach. Man ist der Ansicht, daß die nod) vermißten Personen in der Nähe des jetzt angehobenen Dampfers liegen, doch konnte gerade dieser Platz, der durch Ketten. Trösten usw, gesperrt ist, bisher nicht in der er- forderlichen Weise mit den vom Reichswasserschutz konstruierten Suchleinen kontrolliert werden, Gewißheit dürste man erst am Montag erhalten, da die Hebungsarbeiten des Storkow sich voraus- sichtlich über Sonntag erstrecken werden, Die polizeilichen Ermittlungen sind jetzt abgejchlosten und dem Untersuchungsrichter übergeben morden, der jetzt das Versah- ren gegen den Kapitän Nichelmann und den Steuer- mann Gold mann einleiten wird. Die abgeschlossenen Zeugen- aussagen lauten für Nichelmann außerordentlich b e l a st e n d, während der Steuermann zwar nicht schuldlos gewesen zu sein scheint, aber doch im kritischen Augenblick entsprcd)end den Änmei- jungen des Kapitäns gehandelt hat, * Das Polizeipräsidium meldet vor Schluß des Blattes: Leim heben des Storkow wurden zwei weitere Leichen auf- gefunden, ön der eincn wurde der Topograph Adolf Gutt- mann, Tempelhof. Dorustiastr. 4, erkannt. Die Personalien der zweiten Person konnten noch nicht festgestellt werden. 7 Die Geschworenen verneinten sämtliche S ch u l d f r a g e n, die sich aus Lcndfriedensbrud) beziehen und ebenso die Frage nach Nöti- gunz bei 9 Angeklagten. Das Gericht verurteilte daraufhin die An- geklagten Göritz, Rothenburg und Friese wegen Nöti» gung zu je einem Monat Gefängnis, Zacke zu 480 M. Geldstrafe. Die übrigen Angeklagten wurden f r e i g e- f p r o d) e n. Zur stillen Freude der deutschnotionalen Rummelstudenten von Dahme ist also wenigstens etwas hängen geblieben, wenn es auch mit dem„Landfriedensbruch" nichts war Segclflugversuche aus dem Tcmpclliofcr Feld. Nach Beendigung des Wettbewerbes für motorlose Segclfluz- zeuge in der Rhön, wo in diesem Jahre ganz unerwartet hohe Flug- ldstungcn bis �21 Minuten erzielt wurden, beabsichtigt der Berliner Modell- und Ecgelslugverein auch über die Wintermonate hindurch Segelflüge zu veranstalten. Die ersten Flüge finden Sonntag, den 13., 20, und 27, November, vormittags 10 Uhr, auf dem Tenrpelhofer Felde bei der P a r a d e p a p p s l mit neuen Segel- flugzeugniodellen statt. Die Modelle werden aus einer Höhe won ca. 200 Meter vom Drachen des Dradicnkonstrukteurs B, Horstenke aus gestartet und die Flugdauer gewerkt. Damit möglichst■viele Mitglieder mit der Handhabung und dgm praktischen Bau von Segelilugzcugcn Erfahrungen sanimeln können, ist der Bau eines Sänilflugzeuges in der Vcreinswerkstait in Angriff genommen, auf dem dann praktischer Flugunkrricht erteilt wird, Interessenten erfahren näheres bei der Gefchästssteik: Paul Schlaf, Berlin R. 58. Pappel-Allee 18. Aus dem Fluchtiingslaqer Adlersbof kommen neue Klagen. Di« Baracken, die in der Kriegszeit nur zu vorübergehender Unter» bringung von Militär errichtet wurden, lasten sid) beim besten Willen nicht in wohnliche Behausunge» umwandeln. Dos Bezirksamt Treptow, an das der Mieterausschuh sich wegen sciileuniger Beseitigung der Mängel wandte, erkannte dies« Forderung an, aber die für das Flüchtlingslager bereitgestellten 100 Ollst M. reichten nicht aus. Den Antrag des Bezirksamts, 840 000 M, zu bewilligen, genehmigte der Magistrat Berlin nicht. Jetzt wird bitter ge- klagt, daß lurz vor Eintritt des Winters noch'die Ocien und 5)erde der Reparatur harren, durch die undidzten Wände der Wind pfeift, in die Räume Waffer eindringt. Aborte und Sickeroirlagen sich in fkan» dalösem Zustand befinden. Wie wir hören, sollen die nötigsten Aus- besserungsarbeiten ausgeführt werden, aber dem Grundübel ist natür- lid) nicht abzuhelfen, weil die Barocken«ben nicht von vornherein als Dauerwohnungen erbaut sind. Es wird beobsichtictt, dies« Notbuden zum Herbst nächsten Jabres übe?» Haupt außer Benutzung zu setzen, falls bis dahin den Bewohnern andere und bester« Ouactier« belchafir werden können. Ob das ober möglich sein wird, ist nach sehr sragst.ch, Aus Anlaß des Zösöhrlgen Bestehens des Gemeinde- und Staats» arbeiler-Berbandes hatte die Ortsverwaltung Berlin eine würdige Feier in den Räumen der Bnauerei„F r i e d r i ch s h a i n" veran- staltet, die durch die gerade in Derlin tagende Reichs- und Staats- arbeiterkonfercnz außer den etwa 2000 Berliner Besuchern über 100 Vertreter des Verbandes aus allen Teilen des Reiches aufwies. Das Festprogramm wies einen so künstlerisch hochstehenden Inhalt aus, daß es sich verlohnt, es auch an dieser Stelle zu erwähnen. Wuchtig setzte die Ouvertüre zu„Robespierre" von Litolff ein, init gutem Ausdruck vorgetragen von dem Tonkünstlervereins- Orchester tinter Emil Thilos bewährter Führung, Feinsinnig wirkten auch die bekannten vier Stücke aus Edward Griegv Musik zu „Peer Gynt". Dore Busch brachte dann sehr wirkungsvoll die Arie der Elisabeth aus Wagners„Tonnhäuser" zu Gehör, Der Gesang- verein„Namenlos"(M, d, DASB.) begann den zweiten Teil mit Uthmanns herrlichem Festchor:„Das heilige Feuer". Damit war der Rahmen geschassen für den Festprolog von Ernst Preczang, der von Emil Kähne vorgetragen wurde. Ihm folgte der Festvortraz de» Beoollmächtlgten Karl P o l e n» k e, der die Entwicklung d-Z Verbandes wie der Berliner Filiole eingehend würdigte, linier den weiteren Vortrügen wirkte besonders stark der„Vespergesang", ein russisches Volkslied mft choralartigent Charakter, Der Matrolenchor aus Wagners„Fliegenden Holländer" verfehlte auch hier nicht seine rhythmische Wirkung, die dann noch ihre höchste Steigerung erfuhr in dem die Massen so stark ansprechenden Dehmelschen„Erntelied" von Fried. Alles in allem darf gesagt werden, daß diese Fest- veranstaltting der Bedeutung der Feier durchaus entsprach. Wetter für morgen. Verli» und Umgegend. Kühler, viclsach bciter, jedoch unbeständig mit' geringen Niederschlägen und sttscheii westlichen bis nordwestlichen Winden. Theater öer Woche. vom 6. Iiis 13. Roveniber. ralhfeihne: 8., 9. und 13. Masse Mensch. 7. flapiiä» Brahbound» Vc- kehrung. 19., 12. Der Bauer als Millionär, lt. Da» Postamt. Die Komodi« der Irrungen.— 0)Ktich4 Uhr: Tanzmaiinre Klein Rulh. Ritter. Z'-i Uhr, Totrntan».- Dcutlche»«ünitier. Theater, 6. und 13. Flamme.— Komödienhaua: 6, Die Sache mit Lola, 13, Ionny» Bustnireund. - Berliner Theater: 0. Der lebte Walzer. 13, Das Milliardensoupcr,- Kleine» Schauspietban»: 0, Kindcrtragädie,- Triau-n-Theater:«. Die große Leiden. schalt.- Residenz. Theater: 0, Evchcn Humbrcch!,— Zentral-Thcotcr, fi. Ka- i baic und Liebe.— Friedrich-Wilhelmstadtische» Theater: 6. und 19. Margarete , Faust).— Lustspielhon»: 0. Die Schauspieler.— Thalia-Theater: 6. und 13. Rumpelstilzchen,— Theater am Rollcndorsplah: 0. und 13. Der Beiter au» Dingsda. 8. und 11. Schneeweisi und Rosenrot. 9., 10. und 12. Der fliegende Solländer.— Theater de» Westen«: 0. und 13. Der ersten Liebe goldene Zeit. 8. Renaissance. 4. und 12 Hänsel und Grctel. 11. Die Haubenlerche.— Kleine« Theater: 3. Drr Dieb.— Malholla-Theatcr: 0. und 13. Sberlock ! Solme».- Rase. Thealer: e. und 13. Da- Glück der kleinen Leute,>2, Dorn. ! röschen.— Kasia-'Thcater: 0, Pantoffelheld.— Schlohvarl�heater Steglitz! ! 8. Die Laune des Perliebten. Di- Mitschuldigen. 13. Minna v«, Barnheim. ,— Bdmiralopalast: 8. und Ii, DI- roten Schuhe,— Theater am Ä-rslirltcn. bamm: 13. II1* Uhr: Rbitthmilch-Vlostische Ausführungen der Dalcroze-Schn!« j s-llerau 314 Uhr: Bunburn.— Intime, Theater: 6. Rechter Hand, linier > van», ver Herr, der unverwundbar ist. titu Liebeonacht. Gewerkschaftsbewegung Bn üie arbeitende Sevölkerun« Gerlins! Arbcikeri Arbelkerinnen i Angeskelllei Die Plenarversammlung der Eewerkschaftskommission Berlins ..d Umgegend am 2. November hat beschlossen, daß, wenn nicht .nnerhalb drei Tagen zwischen den streitenden Angestellten im Gastwirtsgcwerbe und ihren Arbeitgebern eine Einigung zustande kommt, der Generalstreik zur Unterstützung der Streikenden proklamiert werben soll. Mit der Ausführung dieses Beschlusses wurde der Ausschuh der Gewerkschaftskammission betraut. Inzwischen sind die Bemühungen, den Streik aus dem Der- Handlungswege zu einem beide Parteien befriedigenden Abschluß zu bringen, fortgesetzt worden. Diese Berhandlungen haben zu dem Ergebnis geführt, daß sich nunmehr die Unternehmer bereit- erkoren, vor einem Schieosgericht mit drei unparteiischen Bor- sitzenden zu erscheinen und oessen Spruch sich zu unterwerfen. Nach dieser so veränderten Situation hat der unterzeichnete Ausschuß beschlosien, zunächst noch mit der Proklamierung des Generalstreits zurückzuhalten, bis das Ergebnis der Berhandlun- gen des Schiedsgerichts vorliegt und bekannt ist, ob die Unter- nehmer ihr Wort, den Schiedsspruch anzunehmen, auch einlösen werden. Die Arbeitnehmerschast aber rufen wir auf, Gewehr bei Fuß zu stehen und lich bereitzuhalten, damit sie sofort in Aktion treten kann, wenn sie gerufen wird. Halten die Unter- nehmer nicht Wort, kommt es also zu keiner Derständigung zwi- schen den Parteien, dann wird der Generalstreik proklamiert und rücksichtslos durchgeführt. �er Ausschuß der G e w e r k sch a ftsk om m issi o n Berlins und Umgegend. G. S a b a t h. �on,erenz der Reichs- und Staatsardeiter. Eine Konferenz der im Verband der Gemeinde- und Staats- arbeiter vereinigten Reichs» und Etaotsarbeiter tagte Ende Oklober in Berlin. Verbandsvorfltzendcr M ü n t n e r gab einen Rückblick über die Entwicklung der Sektion der Staatsarbciter im Verband. Diese Kategorie hat erst nach dem November 1918 ihre Organisation aufbauen können. Ueber„Die Organisations- und sozialen Vcrhältnisie der Reichs- und Staatsarbeiter" referierte S t e t t e r, Berlin. In fast zwei- stündizem Referat ging der Redner auf die Verhältnisse der Staatsarbeiter in Vergangenheit und Gegenwart ein. Ueber eine Million Arbeiter sind in'Reich und Staat be- s ch ä f t i g t. Da wir für die Verkehrsarbeiter nicht zu- ständig sind, so bleiben für den G e m e i nd e- und Staats- arbeiterverbandnoch etwa 150 009 Arbeiter or g a n i- s i e r b a r, die sich aber zurzeit noch in etwa 20 Organi- s a t i o n e n befinden. Dem Verband gehören 17 800 Reichs- und 28 900 Ctaatsarbeitcr a i. Der Referent schildert« di« sozialen Ver- Hältnisse vor dem Kriege: Schlechte Bezahlung,, lange Arbeits- zeit und geringe soziale Fürsorge. Inzwischen ist dank der Arbeit der Organisationen ein tariflich geregeltes Lohn- und Arbeitsverhältnis mit achtstündiger Arbeitszeit, Differenzbe- Zahlung in Krankheitsfällen, Lohnfortzahlung bei kurzen Ar- beitszeitvcrfäumnissen. Urlaub und anderen Erungcnschaften durchgesetzt werden. Die Löhne sind der herrschenden Teue- rung leider noch nicht entfernt angepaßt. Die untersten Lohngruppen sind noch immer weit entfernt vom Existenzminimum. Zur Organisationsfrage wurde ein Antrag dem Ber- bsndsvorftand überwiesen, welcher die Regelung der Lohnoerhält- nisse nach dem Prinzip der gleitenden Lahnskala verlangt. Ein Antrag, einen besonderen Arbeitsnachweisfür Staats- arbeiter, eventuell unter Angliedcrung an die Gemeindearbeiter- nachweiss, wurde angenommen. Eine Entschließung bringt zum Ausdruck, daß die Vertreter der in Reicks- und Staatsbetrieben be« schäftigken Arbeiter ihre wirtschaftliche Interessenvertretung in der einheitlichen Zusammenfassung in großen Arbeit. nehmerorganisationcn erblicken. Vcn den dem ADÄB. angeschlos- sencn Gewerkschaften w'rd Verständnis und Unterstützung erwartet, damit dieser Zusammenfassung im Gemeinde- und Staatsarbeitcr- verband keenerlei Schwieriakciten bereitet werden In einer zweiten Entschließung protestieren die Versammelten gegen die in den Gesetzentwürfen über Arbeitszeit und Schlichtungsordnung zum Ausdruck gebrockte Ausnahme- stellung für die in Reich und Staat beschäftigten Arbeiter, sowie gegen diese Entwürfe überhaupt. Ueber„Die tarifliche Regelung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse in Reichs- und Staatsbetrieben" re- federte Schulz- Berlin. Er gab eine eingehend« Darstellung über die Grundstagen des Tarifwcsens in öffentlichen Betrieben. Ist auch beute das Arbeitsrecht noch nicht vereinbeitlickt, so seien doch immer- hin Ansätze zu einer neuen umfangreichen Gesetzgebung vorhanden und es fei zu wünschen, daß auf diesem Gebiete etwas schneller ge- arbeitet wird. In der ausgiebigen Diskussion wurde eine R e i ch s t a r i f- tommission gefordert und folgender Beschluß gefaßt: „Die Reichskonferenz der Staatsarbeiter erblickt in der beab- sichtigten Einführung der„Disnstbereitschaft" eine Maßnahme der Regierung, um den achtstündigen Arbeits- t a g in einer verschleierten Form zu durchbrechen und lehnt deshalb�« ine derartige Arbeitszeitregelung ab. Es wird dem Berbandsvorstand aufgegeben, auch bei den übrigen an den Tarifen der Staatsarbeiter beteiligten Gewerkschaften dahin zu wirken, daß eine gleiche ablehnende Stellungnahme gewähr- leistet ist." Ueber„Die Einführung einer Ruhelohn- und Hinterbliebenen- Versorgung für Reichs- und Staatsarbeiter' referierte S ch a r l a u- Berlin. An der Hand eines Entwurfs des Gemeinde- und Staats- arbeiterverbandes begründet er di« Notwendigkeit einer Ruhe- lohn- und Hinterbliebenenversorgungskasse. Nach gründlicher Diskussion wurden der Entwurf sowie die dazu gestellten Anträge dem Berbandsvorstand als Material überwiesen. Ein Referat über„Die Ausgaben der Betriebsräte in den Reichs- und Staatsbetrieben" von N ö r p e l- Berlin bildete den letzten Punkt der Tagesordnung. Auch hieran schloß sich eine ausgiebige Diskussion, die zum Teil vom kommunistischer Seite ins politische Gebiet übertragen wurde. Der Referent wies in seinem Schlußwort nach, daß nur in geeinter gewerkschaftlicher Arbeit die Betriebs- räte ihren Aufgaben nachkommen können. Di« Staatsarbeiter Berlins. Die Berliner Staatsarbeiter der Branche 13, die die p r e u- ßischen Verwaltungsarbeiter umfaßt, hatten am Don- nerstag bei Boeker eine Obleutekonferenz. Richter berichtete über die Verhandlungen der Reichskonferenz der Staats- arbeiter im Staats- und Gemeindearbeiter-Verband, die durch Auf- rüttelung der Kollegenschast und durch manche Anregungen viel gutes für die Organisation, namentlich für die Sektion der Staatsarbeiter, bewirken werde. Fischer ergänzte das Referat. Ueber die Tariffrage der Staatsarbeiter referierte Mai, indem er einen Bericht von den jetzt abgeschlossenen Ver- Handlungen mit der Regierung gab. Für die von den versammelten Obleuten vertretenen Berliner Staatsarbeiter des preußischen Staates sind das Ergebnis Stundenzuschläge von 1,80 M. in Gruppe 1 von 1,80 M. in Gruppe 2 und von 1,50 M. in Gruope 3, während für die Arbeiterinnen die Stundenzuschläge 1,10 M. in Gruppe 1 und 1,05 M. in Gruppe 2 betraqen.(Es kommen in der Branche 13 nur zwei Gruppen weiblicher Arbeitskräfte in Frage.) Die Kinderzuschläge sind von 20 Pf. auf 80 Pf. pro Stund« erhöht worden und werden künftig unter gewissen Vor- aussetzungen gewährt. Das Nähere werden die im Druck noch nicht vorliegenden Vereinbarungen ergeben. Das Ergebnis ist end- gültig. In der Diskussion wurde, wie auch schon vom Referenten, her- vorgehoben, daß in Zukunft nnt der A b st u f u n g der Zuschlag« nach Gruppen lHandwerker, Vorarbeiter, Angelernte und Unge- lernte) zu brechen sei. An der Demonstration am 9. November beteiligen sich auch die Staatsarbeitcr. Die versammelten Funktionäre wurden ver- pflichtet, für vollzählige Teilnahme einzutreten. Ebenso wurde die Verpflichtung zur Solidarität gegenüber den streikenden Gast- wirt-ange st eilten allseitig anerkannt. Hoffimn-z auf die Entente? „Rationierung der deutschen Sozialfürsorge?" Mit dieser Uebcrschrift versah der„Börsen-Courier" am Freitag (Nr. 518) die folgend« Notiz: „Wie wir aus parlamentarischen Kreisen hören, kam im Reichstagsausschuß für Sozialpolitik auch zur Sprache, es drohe die Gefahr, daß die Entente eine Ueberwachungs- kam Mission in das deutsche Finanzministerium setzen werde, welche die deutschen Maßnahmen der Sozialversicherung überprüfen und darauf achten werde, daß kein« Einrichtung unserer sozialen Fürsorge besser sei, als die Sozialgesetzgebung in dem am weitesten fortgeschrittenen Lande der Entente." Damit handelte die Ertente ganz im Sinne der goldenen Jnternationgle. Wenn unserem Unternehmertum jedwedes Ein- greifen der Entente in unsere Angelegenheiten noch so sehr verhaßt wäre, eine„Ration:erung" der Sozialfürsorge ln Deutschland durch die Entente würde ihm wahrschein- lich sehr erwünscht sein und es mit manchen anderen ihm unbe- quemen Maßnahmen der Entente aussöhnen. Trotz aller„völki- schen" Vorbehalte etwa würde man das Walten der Entente auf diesem Gebiet« mindestens als erfreuliche Nebenwirkung begrüßen. Am Ende würde man»s selbst nicht an guten Ratschlägen fehlen lassen, wie diese Rationierung am wirksamsten erfolgen kann. Die Sache hat jedoch einen Haken. Sollte die Sozialversiche- rung in Teutschland durch die Entente abgebaut werden, mit oder ohne gefälliger Mitwirkung unserer Patrioten, dann würde die deutsche Arbeiter- und Angestelltenschaft diese Anschläge unter allen Umständen so zu parieren wissen, daß weder die Entente noch das deutsche Unternehmertum viel Freude davon haben würde. Es frägr sich daher noch sehr, ob es nicht auch vom Stand- punkte unsere» Unternehmertum» au» besser wäre, wenn die Entente die Finger von de' deutschen Sozialversicherung ließe. Es kommt dabei nichts Gutes heraus. Achtung, zyleifchergeseNen und Hilfsarbeiter! Zuzug von Fleischerqesellen und Hilfsarbeitern nach Weste- r a d e(Holstein) zu der Firma Gebr. Raedler ist bis auf weiteres streng fernzuhalten. Zentraloerband der Fleischer. Der verband preußischer Zusiizamlsmänner tagt gegenwärtig im Nordwesthotel, um Stellung zu den Besoldungsfragen und der Justiz- und Derwaltungsreform, sowie auch zu den Wirtschafts- fragen zu nehmen. Zu dieser Tagung sind Vertreter des preußischen und des Reichsjustizministeriums, ferner einer großen Anzahl anderer Behörden erschienen. Mehrere Landtagsabgeordnete sind anwesend. Nach den Begrüßungsansprachen, aus denen hervor- ging, daß eine Bereinigung aller bestehenden Beamtenorganisa- tionen auf dem Gebide der Rechtspflege mit Erfolg angestrebt wird, folgte«in Vortrag über Besoldungsfragen. Wir werden über den Verlauf der Tagung weiter berichten. �ius aller Welt. Besserung. Der Befehl des Andernacher amerikanischen Ortskom- Mandanten, der die Zivilbevölkerung verpflichten sollte, die amerika- Nische Flagge durch Abnehmen der Kopfbedeckung zu grüßen, ist auf Anordnung des amerikanischen Oberkommandos wieder ausgehoben worden. Auch der Befehl der amerikanischen Behörde in Andernach, wonach beim Spielen der Nationalhymne die männliche Bevölkerung der Stadt Ehrenbezeugung zu ervxisen hatte, ist zurückgenommen worden. Radiumdiebslahl in München. In einem Anwesen in Schwa- hing wurde am Mittwoch von zwei noch unermittelten Männern Radium im Werte von über 1% Millionen Mark gestohlen. Eines der Präparate befand sich in einem 3,52 Zentimeter langen Silberröchchen und hat die Nummer Ptr. 1262 und die Jahreszahl 1919. Das Präparat enthält 25,28 Milligramm Radiumelement. Das zweite Präparat befand sich in einem Platin- röhrchen mit der Nummer 4635. Das Röhrchen war von einem 5,76 Zentimeter langen Glasrohr umschlossen und trägt die Num- mer Ptr 1553 und die Jahreszahl 1921. Das Präparat enthält 26,76 Milligramm Radiumelement. Man vermutet, daß sich die Täter nach Berlin oder Frankfurt a.M. gewandt haben. Explosion einer Granate. Auf dem Lagerplatz der Alteisen- Handlung Falk-Adler in Cannstatt explodierte eine Granate. die sich unter Alleisen befand. Durch die Explosion sind drei Arbeiter getötet worden. Feuerschäden in Petersburg. Nach einer Meldung der„Kraß- naja Gaseta" ist die einzige russische Seilfabrik„Got" in Petersburg das Opfer einer gewaltigen Feuersbrunst geworden; man rermutet Brandstiftung. Am gleichen Tage ist eine Naphtharaffinierie in Brand gesteckt worden. Das Blatt fordert eine Verschärfung der Kontrolle über die Fabriken und Vorsicht bei der Handhabung der bevorstehenden Amnestie. Auch in der Petersburger Akademie der Wissenschaiten hat eine Feuersbrunst gewütet, worunter die Laboratorien beträchtlichen Schaden gelitten haben; es gelang, die Bibliothek der Akad�m'c zu retten. Verantw. für den rcdatt. Teil: Dr. Wer»-- D-iser, ckharl-tte-bura: fitr An. »iqsn: Th. Elockc, Pe-lin. Verlag Borwärts-Derlag<8. m. b.S., BerllN. Druck: Voroärts.Buchdruckereiu.Verlagianltalt Paul Singer u. To., Berlin. Lindenstr. Z. Gewinn-Auszug der 18. Preuß-Sudt».(244. Preutz.) Klassen-Lotterie 5 Klasse. 19. Zichunl,»ta» 4. November 1921. 3iuf ir6r gezogene JJumnirt sind zwei nleicli yov» UN» zwar>» einer aus d!» Lose gleicher 0i2/20 S Verlchiedene». Beschwerden und An- sragen. welche Atteneinslcht eriordern. müssen drei Tage vorher dem Boeüond scheist- lich eingereicht werden. B«rlw-WUmer»korf, den 4. Novemdee 1921. R.Engelhirdt, Sotfitzenbet. belli der ftanbl- dal die Nah ei» Zlatz,»»«!?- ist die Z,ea, »istlest?- 7'tbi da Sab»?- fdjrjr da« pserb?- fn'St die Sa» id« Zerteil»so. 7 Oiese Kragen J tmb eilt anderen stdee die ledrn-grwod». deiie» and Si,e»Iidaste». sowir aber die I laeckw iiiigst, Sastung unserer fico« Ken deaalwarlet de» Sausiier-Vredm da« neue illastrüne Ibach ton lh. Zell,.Unsen Saazlier,- da« di» Tiere oerstede» an» liebe« lehn and dem Tierball«» stlatze» driagr I prei«»e. Zt. 20.-,««».«. 2X- jVuchhaMung Vorwärts Sali, GOLD' I Silber- 1 Platin-» kauit Silber-Zentrale I .13 Klaviere besten, zahlend tauft Herer, ffiübenftr. 8. Nollend 1154. Arbeitskleidung Hosen von 45,— bis 225,— M Hemden, Unterhosen, Socken Berufskleidung ftHgr Gute Ware:~V8 Billigste Preise Gerh. Kohnen N e u k S5 1 n. Hermann- slraBs 76/77. 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