nt.SM» ZS. Jahrgang flusgabe A Nr. 267 Bezugspreis: Si»rttIiäI)tL36,- M.. monatt. 12,- 51. ttei ins Saus, voraus zahlbar. Post- bezug: Monatlich 12.— M, einschl. Zu- stellungsgeblihr. Unter Kreuzdand tstr Deutschland, DanzP, das Saar- und Memelgebiet, sonne die ehemals beut- schen Gebiete Polens. Oesterreich. Ungarn und Luxemburg 22,— M., für das übrige Ausland 22,— M. Post- bestellungen nehmen an Oesterreich, Ungarn. Tschecho- Siowalei, Diine» mar!. Holland, Luxemburg, Schweden und die Schweiz. Der„Vorwärts" mit der Sonntag» deilage„Polt und Zeit", der Unter- haimngsdeilage �>eimwelt" und der Beiiage„Siedlung und Kleingarten" erscheint wochentäglich zweimal. Sonn- tags und Montags einmal. Telegramm-Adreffe: «Sozialdemokrat Berlin- Morgen Ausgabe Devlmev Dolksblntt ( 40 Pfennig) Anzeigenpreis: Di« neungespaltene Nonvareillezeil« lostet«,- M.„kleine Anzeigen- das settgedruckte Wort 2.— M. lzu» lLsstg zwei settgedruckte Worte), sede» weitere Wort t— M. Stellengesuch« und Schlasstcllenan, eigen das erste Wort U— M., jedes weitere Wort 60 Psg. Worte über IS Buchstaben zllhlen für zwei Worte. Famiiieu-An» zeigen für Abonnenten Zeile Z.S0 M. Die Preise verstehen sich einschliestlich Teuerungszuschlag. Anzeigen für dl» u I ch st e Rummer müssen bis 8 Ahr nachmittags im Hauptgeschült, Berlin SW 68, Linden» strasse 3. abgegeben werden. Geöffnet von 2 Uhr srüh bis 5 Uhr nachmittags. Zcntralorgan der rozialdcmokratifcben parte» Deutfcblands Redaktion und Expedition: SW öS, Lindenstr. 3 Rrdaktion Moriffplat, 15la5— 97 ,tsern,prrairr. Spedition Morihplah II7SS—»4 vorwärts-verlag G.m.b.H., SW öS, Lindenstr. 3 Ze«>r»i»,re-lki,«-r- Verlag. Srvediiton und Inseraten. »tsrrnsprcryrr. U�tlung«iorinplah ll7S»— S4 Geburtstag öer-Republik. Zum 9. November. Don Otto Braun. Die Republik begeht heute ihren dritten Geburts- t a g. Das ist ein Anlaß, nicht zu Jubelfeiern, aber zu ernstem Gedenken. Die Monarchie in Deutschland ist nicht an der Kraft ihrer inneren Gegner zugrunde gegangen, sondern an ihrer eigenen U n f ä h i g k e i t. sich in einer Weltkrise zu behaupten. Alle Parteien stimmen darin überein, daß die Politik des kai- ferlichen Deutschland nach Bismarck verhängnisvoll falsch ge- wesen ist. Selbst bei den Monarchisten findet sie keinen Der» teidiger. Und doch haben diese einst mit dem Ruf„Wir wollen keinen Schattenkaiser!" das persönliche Regiment Wilhelms II. Ikemt die Monarchisten jetzt wieder von der„Kaiser- i d e e" sprechen, so schulden sie uns Aufklärung darüber, was sie darunter verstehen. Einen Kaiser, der chofbälle veranstaltet und Orden verleiht, ohne auf die Politik Einfluß zu haben? Oder einen Monarchen, der die Rechte der Volksvertretung beschränkt und das Volk in den alten Zustand politischer Un- »nündigkeit zurückwirft? Das erste wäre eine Lächerlichkeit, das zweite ein Verbrechen. Nach der totalen Auflösung der alten Ordnung wäre Deutschland ins Chaos versunken, wenn nicht die A r b e i- t e r die Führung übernommen und die deutsche Republik auf- gerichtet hätten. Das bleibt ein Ruhmesblatt in der Ge- schichte der deutschen Arbeiterbewegung, soviel auch später durch Zersplitterung und Bruderkampf gesündigt worden ist. Das Recht stolz zu sein, haben aber vor allem diejenigen Ar- beiter, die in allen Fährden und Röten der S o z i a l d e m o- kratischen Partei treu geblieben sind. Denn sie waren es, welche die Notwendigkeiten der Zeit am klarsten erkannt hatten. Sie begriffen dank ihrer politischen Schulung, daß die Entwicklungsstufe, für die Deutschland im Augenblick seiner Niederlage reif wurde, keine andere war als die der d e m o- kratischen Republik. Sie begriffen, daß man nun dieses Erreichbare schaffen und mit den Fäusten festhalten mußte, um für spätere Fortschritte erst einmal den Boden vorzubereiten. Wären die Arbeiter in ihren Massen politisch weniger reif gewesen, hätten sie sich von dem Trugbild Sowjetrußland verleiten lassen, das jetzt längst allen Glanz verloren hat, welches Unheil hätten sie über sich selbst und über das ganze deutsche Volk heraufbeschworen? Damals war es nur eine Minderheit, die irrte, ein großer Teil von ihr hat seinen Irrtum längst erkannt. Jetzt gilt es, sich fest auf den Boden der Tatsachen zu stellen und ohne Illusion, aber auch ohne Schwäche alles zu tun, um den weiteren Niedergang aufzuhalten, dem Auf- stieg den Weg zu ebnen. Wir Sozialdemokraten sind heute noch eine Minderheit in einem Staat, dem seine Handlungen in wesentlichen Punk- ten durch die Macht der Sieger im Weltkriege vorgeschrieben werden. Täuschen wir uns also darüber nicht, daß unsere Macht nach innen und außen begrenzt ist. Was folgt daraus für uns? Daß wir unablässig be- strebt sein müssen, für unseren Staat mehr Bewegungsfrei- heit nach außen, für unsere Partei mehrMachtim Innern zu gewinnen. Beides hängt eng miteinander zusammen. Der Kampf gegen den Nationalismus der Entente kann nicht vom deutschen Nationalismus, sondern nur vom beut-! schen und vom internationalen Sozialismus geführt werden, i Der Nationalismus von hüben und drüben fetzt Gewalt gegen Gewalt. Da sind wir geschlagen. Der deutsche und der inter-! nationale Sozialismus setzt gegen die plumpe Gewalt die I Macht der Ideen. Nur auf diefem Felde können wir noch hoffen zu siegen. Den Kamvf der Ideen gegen die plumpe Gewalt hat die deutsche Sozialdemokratie jahrzehntelang im Innern füh- � ren müssen. Dabei hat sie manches gelernt, vor allem auch,' daß der schwächere Teil seine Lage durch Verzweiflunasstreiche' nicht verbessern kann. Wie oft haben wir da die Zähne zu- � sammenbeißen und tragen müssen, was unerträglich schien. Die besitzenden Kreise, die Angehörigen der bürgerlichen! Parteien, vor allem aber die Mitglieder der alten Herrenkaste kennen diese harte Schule nicht. Sie haben zum großen Teil aus den bitteren Erfahrungen der Niederlage wenig oder gar nichts gelernt. Darum neigen sie zu einer Desperado» Politik, die unsere äußere Lage nicht verbessern, sondern nur verschlechtern kann. Man stelle sich vor, Deutschland würde über Nacht wieder Monarchie und triebe eine„Politik des Widerstandes" nach deutschnationalen Rezepten. Welche Folgen würden sich dar» aus entwickeln? Selbst die Deutschnationalen reden ja nur von einer' solchen Politik, weil sie wissen, daß es keine Mög- lichkeit gibt, in ihrem Sinne zu handeln. Selbst von ihnen würden die allermeisten, wenn es ernst würde, vor den grauenvollen Folgen zurückschrecken, nur eine Schar gewissen- loser Abenteurer würde übrig bleiben, um das Schicksal des Voltes in seine Hand zu nehmen. Deutschland kann nicht Politik treiben unter der Parole „Monarchie und Revanche", sondern nur unter der Parole „Republik und Frieden". Alle Macht der Tatsachen spricht für die Politik, die wir Sozialdemokraten treiben. Darauf gründet sich unsere Hoffnung, für sie einen so großen Teil der bürgerlichen Parteien gewinnen zu können, daß wenigstens die allerfchlimmsten Gefahren äußerer Gewalt und inneren Bürgerkriegs von unserem Volk abgewendet werden. Wer leugnet, daß es tausendmal besser wäre, wir brauch- ten uns nicht mit solchen Hoffnungen abgeben, die trügerisch sein können, sondern wir könnten uns ganz aus unsere eigene Kraft verlassen?! Ich verstehe, daß man ein Gegner der Koali- tionspolitik sein kann. Aber ich verstehe nicht, daß man aus dieser Gegnerschaft einen anderen Schluß ziehen kann als den: Die Sozialdemokratie muß durch die Kraft ihrer geistigen Waffen, durch die Werbekraft ihrer Anhänger, durch Einigkeit, Geschlossenheit, Disziplin so stark werden, oah sie keine Koalitionen mehr braucht. Ich verstehe n i ch t, daß man aus dieser Gegnerschaft den Schluß zieht, die Sozialdemokratie müsse auf jeden Anteil an der politischen Macht verzichten und tatenlos zusehen, wie sich die Feinde der Republik der Herrschaft über die Republik be- mächtigen. Durch solches tatenloses Beiseitestehen würden wir nie den Einfluß erringen, den wir erringen wollen, wir würden dadurch nicht stärker, sondern nur schwächer werden. Auch wenn wir kn die Opposition gehen, dürfen wir es nicht tun, um zu warten, bis wir die ganze Macht ergreifen können, sondern müssen uns bereithalten, auch einen Teil von ihr wiederzuergreifen. Durch verantwortungsfreudig« Mitarbeit werden wir die Achtung unserer Anhänger wie unserer Gegner erringen, die es uns schließlich möglich machen wird, uns ganz durchzusetzen. Wir vertrauen auf die Zukunft. Wir sind fest davon überzeugt, daß der am 9. November betretene Weg der ein- zige ist, der zur Rettung unseres Volkes führen kann, während der ihm entgegengesetzte nur schnell ins tieffte Verderben führt. Deutschland wird und muß Republik blei- den. In der deutschen Republik wird der Einfluß der Ar- beiterbewegung steigen, wird die Mehrheit des Volkes für die Gedankenwelt des Sozialismus gewonnen wer- den. Inzwischen mutz alles getan werden, damit sich das deutsche Volk die Reste seiner Selbständigkeit erhält und sie nicht in einem Anfall kopfloser Verzweiflung den Gewaltpoli» tikern des Auslands preisgibt. Kein ehrlicher Mensch in der ganzen Welt soll daran zweifeln können, daß wir keine neuen gewaltsamen Auseinandersetzungen suchen, sondern daß wir nach dem Wahnsinn des Krieges und der Siegesdiktate nichts anderes anstreben als eine ehrliche Verständigung von Volk z u Volk, die Europas dauernde Ruhe und seinen ökonomischen Wiederaufbau verbürgt. Noch sind wir über das Schwerste nicht hinaus. Der Sturz unserer Währung bedroht das wirtschaftliche und infolgedessen auch das politische Leben mit tiefen Er» schiitterungen. Mehr denn je gilt es, den Kopf oben zu be- halten. Nur Geduld, Arbeit und die feste Zuversicht, daß wir trotz allem auf dem rechten Wege sind, können uns retten. In diesem Sinne feiern wir heute den 9. November als den Tag. an dem das deutsche Volk unter Führung seiner Arbeiter sich von den verhängnisvollen Irrtümern der Ver- gangenheit loßriß und auf einem neuen Weg zu einer beste» ren Zukunft den entscheidenden ersten Schritt tat. Unerschüt- terlich auf ihm zu beharren, weiterzukämpfen für Demokratie Sozialismus und ehrlichen Völkerfrieden, fei unser Gelöbnis zu seiner dritten Wiederkehr. Gesitz und vaterlanöspflicht. Heute, gerade am 9. November, kommt die interalliierte Reparationskommission nach Berlin, um über die Reparationsverpflichtungen zu verhandeln. Diese Tatsache er- innert daran, was die Revolution vor drei Iahren noch zu tun übrig ließ, daß wir erst am Anfang einer Aufgabe stehen, die viele schon erfüllt sehen wollten. Wäre, wie es manche gefor- dert haben, die gesamte deutsche Wirtschaft mit radikalen Ein- griffen sozialisiert, so lasteten ganz auf dieser sozialisierten Wirtschaft Kapitalschulden von 132 Milliarden Gold- mark, eine Schuldenlast, die den Ertrag der Arbeit Jahr für Jahr um viele Milliarden gemindert, die Ursache an der Minderung des Arbeitsertrages dem Sozialismus zugeschoben hätte. Wir stehen eben noch vor der Lösung des Wiedergut- machungsproblems, nicht der Wiedergutmachung im Sinne des Friedensvertrags, sondern der wirtschaftlichen Ueberwindung des Krieges und seiner Folgen. Und zur gleichen Zeit werden die Steuern beraten. Im Parlament debattiert man, streitet um persönliche Auf- fastungen und Meinungsverschiedenheiten, mit dem Ziel bei den Regierungsparteien, ihre Politik finanziell zu stützen, bei den Oppositionsparteien, sie zu untergraben. Morgen, Donnerstag, kommt der Ausschuß des Reichsverbandes der deutschen Industrie zum Reichskanzler und wird ihm die Pläne und Bedingungen zur Gewährung eines Zwischen- kredites an das Reich unterbreiten. Es scheint, daß selbst das engere Präsidium sich nicht mehr zu den Münchener Be- schlüssen bekennt, die einen langfristigen Kredit immerhin in Aussicht stellten. Statt dessen macht man jetzt, so besagt wenig- stens die Resolution, den kurzfristigen Zwischenkredit von Forderungen abhängig, die eine einseitige Einfluß- nähme der Industrie auf die Regierung be- deuten. Die Industrie ist im Begriff, die durch die Revolution verlorene Regierungsgewalt der Rechtsparteien unter Aus- Nutzung der Notlage des Reiches wieder zu erkämpfen. Nicht sie selbst will zahlen, sondern die Reichsbetriebe sollen zur»nel- kenden Kuh werden, zum Unterpfand des Kredites. Natürlich wünschen auch wir, daß die Reichsbetriebe wirtschaftlich wer- den. Aber nicht um den Preis eines Verzichts auf den Acht- stundentag und auf die gemeinwirtschaftlichen und sozialen Fortschritte, die die Revolution gebracht hat. Das, und nicht weniger, will aber der Reichsverband. Die Reichsbetriebe sollen zum Unterpfand der langfristigen Anleihe gemacht, sie sollen an das Ausland verpfändet werden, damit die Industrie nicht zu zahlen braucht. Der Besitz sträubt sich zu zahlen. Cr entzieht sich seiner Vaterlandspflicht. Der Dollar steht auf 310. Weite Volksmassen verelenden. Nicht nur Hondarbeiter, auch breite Schichten des sogenannten Bürgertuins werden von der Geld- entwertung erdrückt. Die Industrie, die Landwirtschaft, die Banken aber, die an der Geldentwertung nur gewinnen, wei- chen ihrer Staatsfjslicht aus und tragen so dir Schuld an den Zuständen, die jetzt Deutschland beherrschen. Auch die gekaufte Preste wird nicht verhindern können, daß das Bürgertum die Schuldigen erkennt. Darum warnen wir die Regierung, auf überspannte Forderungen der Jndu- strie einzugehen, und die Unternehmeroerbände, ihre Macht und ihre Interessen zu überschätzen. Wenn die Arbeiterschaft einig und wachsam ist, wird der Industrie ihr Anschlag nicht gelingen. Kermes gegen Srann und �vorwärts". Der provisorische Verwalter des Reichsfinanzminifte- riums, Minister Dr. Hermes, hat gestern im Reichstag ge- glaubt, einen Trumpf gegen unseren Fraktionsredner in der. Steuerdebatte ausspielen zu können, indem er behauptete. nicht er, der Minister, trüge die Verantwortung für die von ihm vertretenen Steuervorlagen, sondern die Regierungsparteien trügen sie einschließlich der Sozialdemokratie. Er bemängelte auch die Ueberschrift im gestrigen Morgenblatt des „Vorwärts"„Kritik an Hermes' Steuerpolitik" und meinte, sie müsse richtig heißen:„Kritik des Dr. Braun an der bisherigen Steuerpolitik der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion". Damit hat Herr Minister Dr. Hermes einen billigen rednerischen Effekt erzielt, den die Rechte mit heiterem Beifall quittierte, er hat dies aber nur auf Kosten der Tat- fachen vermocht, von denen er sich weit entfernte. Herr Dr. Hermes muß sehr genau wissen,'daß die sozialdemokra- tische Reichstagsfraktion die Steuervorlagen in Hinsicht auf die Belastung des Besitzes nie für hinreichend erachtet, son- dern stets weitergehende Forderungen vertreten hat. Auch eine Festlegung auf die einzelnen Vorlagen ist niemals er- folgt, die Fraktion hat die Hände frei. Herr Minister Dr. Hermes kann ahfo nicht glauben, er sei gegen Kritik schutzgeimpft, weil er eben nur die Vorlagen des Kabinetts vertritt und nichts weiter. Man darf auch von ihm Ideen verlangen oder das Eingehen auf Ideen, die ihm entgegengebracht werden. Auch hat der Sturz der Mark eine veränderte Lage geschaffen, und die Anpassung an sie muß vom Leiter des Reichsfinanzministeriums ausgehen, auch wenn er sein Amt nur provisorisch versieht. Daß die Leitimg des Reichsfinanzministeriums kein Ber, gnilgungsposten ist, wissen wir, aSer das kann uns nicht daran hindern, Kritik vorzubringen, wo wir sie für notwendig halten. Herr Dr. Hermes sollte sich einer solchen positiven Kritik, die ihm die sachliche Führung seines Amtes nur erleich- lern kann, eigentlich freuen. Diese Kritik will dem Reichs- finanzininister mehr Geld bringen, und das ist wichtiger als die Schonung persönlicher Empfindlichkeit. Hegen üie Devisenhamsterei. Der Gesetzentwurf der Neichsregierung. Das Reichskabinett hat dem vom Reichswirtschafts- Ministerium eingebrachten Gesetzentwurf über den BerkehrmitDeoisen, fremden Geldsortcn und Bank- noten seine Zustimmung erteilt. Der wesentlichste Inhalt des Gesetzentwurfs ist folgender: l. Der Handel mit Devisen, fremden Gcldsorten und Banknoten soll von nun an an die Danken gebunden sein. Also nur durch die Vermittlung von Banken und Dankiers können in Zukunft Devisen- und ähnliche Geschäfte abgeschlossen werden. 2. Die Banken sind verpflichtet, von jedem, der init ihnen ein Devisen- oder ähnliches Geschäft eingehen will, eine genügende Legillmation zu verlangen. lt. Die Banken sind verpflichtet, über jede» abgeschlossen» De» vifen- oder ähnliche Geschäft nach höhe, Rurs usw. einen Schluh- Ichein auezustellen. Dieser Schuldschein motz von den Banken dem betreffenden stinanzaent desjenigen, der ein Devisengeschäft einge- gangen ist, überwiesen werden. Die Finanzämter nehmen dann ihrerseits die überwiesenen Schlußscheine zu den Steuerakten. Der Gesetzentwurf wird binnen kurzem dem Reichsrat und dem Reichstag zugehen. Er ermöglicht in hohem Maßd die Unterbindung der wilden Devisenspekulation und die Er- sassung der Gewinne, die aus Devisengeschäften entspringen. Die Teuerungsaktion für üie Seamten. Im preußischen Landtage fand am Dienstag nach. mittag eine Besprechung von Vertretern der Landtagzfraktionen über die in Aussicht genommen« Teuerungsattion für die Beamten usw. statt. Die Angelegenheit ist derartig beschleunigt worden, daß die Auszahlung der erhöhlen Gehälter sofort erfolgen kann, nachdem der Reichetag und Landtag Ihre Zustimmung aus« gesnrochen haben. Bis Ende dieser Woche dürfte da» ge- schehen sein. « Der Preußische Staatsrat nahm am Dienstag die Ge- setzentwürf« über die Aenderung der Dienst- und Dersor- qungsbezüge der unmittelbaren Staatsbeamten und die Neuregelung der Dien steinkommen der Lehrer und Lehrerinnen an Volks- und Mittelschulen usw nach den Vor- schlügen de» Hauptausschusses einstimmig an. Diese Neu- regelung bedeutet eine Mehrbelastung von 2% Milliarden Mark. Erwartet wird, daß das Reich den Ländern und Gemeinden die Mehrlasten zurückerstattet. Gesordert wird ferner, daß bei veränderten Berhältnissen auch ein» Rückschrau» b u n g der Gehälter eintrete.— Die Sorge wegen einer Aenderung der Teuerungsverhältnisse erscheint leider sehr unbegründet. kvlfe für üie Jnvaliüenrentner. Der Sozialpolitische Ausschuß de« Reichs- tage« setzte am Dienstag die Beratung über Notstandsmaßnahmen zur Unterstützung von Rentenempfängern aus der Invalidenversiche- rung fort. Im§ 1 der Regierungsvorlage war ursprünglich gesagt, daß nur„notleidende" Änvalidenrentner einen Zuschuß erhalten sollen. Nach eingebender Aussprache wurde gemäß einem Antrage Andre(Ztr.) das Wort„notleidend" aus dem Gesetzentwurf ge- strichen. Dafür soll§ 2 des Gesetzes so abgefaßt werden, daß ein Mißbrauch unmöglich wird. Ferner soll durch Erlaß von Aus« sührungsbestimmungen näher umschrieben werden, wer Notstand». Unterstützung erhalten soll. Die Abstimmung über die weiteren Vorschriften des Gesetzes wurde ausgesetzt und auf Donnerstag vertagt.« Die Drahlverkehrzensur ln der Tschechoflowakel ist aufgehoben. Ob auch in den östlichen Standrechtsgebieten, wird nicht gemeldet. Es ist Revolution! Zur Erinnerung an den 9. November 1918. Feucht und hätzlich glöazke der nasse Asphalt. Die Häuser hüllten die Giebel in schwärzlichen Nebel«in. Es war. als schüttle sich die Stadt vor Elend, und alt und hungrig, verzerrt und angstvoll krochen die Menschen hinein in die knarrenden Tore, die kreischenden Treppen hinauf, warfen sich aus da» Lager, müde und ausgepumpt. Tausenden tat sich nach Arbeit and Fron eine Stätte des Elends auf. Heimat genannt, verkommen, verrlnfamt, verlump». Eine Frau sah ich an diesem Tage nach Hause geha. Einen Knaben, ein blasses Kind, führte sie an der Hand. Ihre Augen waren in Furcht und Leiden so abgewandt ins wesenlose, als wäre ihnen der Erde Furchtbarste» geschehn. wie sie so mit Schritten, als trüg' sie ganz untragbare Last, die ihren Rücken niederbückte, ihre Brust zusammenzwang. die Straße hinschritt, stürmke in wilder hast ein Soldat ihr entgegen, keuchend die grauen hüuser entlang, eine Fahne in der emporgeschleudertea Hand. im Gesicht Triumph, Sieg. Ausschrel, DergeUuag uud Hohn. und schrie, brüllte, pausenlos, unverwandt: Es Ist Reoollltioai Es ist Revolution! Das Weib stand plötzlich, wle es den Soldaten, die rote Jahne sah, wie es den heiseren, gellenden Schrei vernahm. starr, als wenn lhr da» heiligste Wunder geschah. al» wenn plötzlich ein Engel zu ihrer Erniedrigung kam. Stand, während Lausen von lausend Schritten kam. wie gebannt, schrie, während sie plötzlich von Srast beseelt ausschritt, schrie mit dem gleichen Ton von Triumph, Sieg, Dergelkung und Hohn, wa» sie glaubte, hoffte, darbte, fürchtete, litt, ungeheuer mit den Worten hinaus: E» ist Revolution! Und aufschreiend wieder:»Es ist Revolution! Lief mik den Tausenden, die sich zusammengeballt. wle eine dunkle, drohende, sieghafte Allgewalt. und schrie, wie tausend Stimmen schrien: E« ist Revolution! Ditlersler Zahre Leid rauschte in diesem Wort.. Tod und Angst und Entsetzen versank in diesem Wort. Die Zukunft, das Licht, das Glück brauste in diesem Wort, Die Befreiung der Menschhell sang in diesem tausendfälklg gesungenen wort. Da» Kind hielt sich angstvoll an den Schullern der Mutter fest. Abertausend Menschen sangen den gleichen Zubelgesang. Das Weib, eben noch elend und schwach, hatte Erobercrgang. und an dem flammenden Wort hielt sie sich wie an stützenden Armen fest. Heber der dunklen Skadt glühte es aus wle himmlisches Licht. �irtsiefer Wohlfahrtsmmifter? Wie die PPN. erfahren, hat die preußische Zentrums- fraktion für den Posten deS preußischen Wohlfahrts- m i n i st e r K nunmehr den Zentrumsabgeordneten im Preußi- schen Landtag H i r t s i e f e r in Aussicht genommen. ES steht aber noch nicht bestimmt fest, ob Hirtsiefer, der zurzeit in Italien weilt, der Berufung zum preußischen Wohlfahrtsminister Folge leisten wird.— Hirtsiefer gehört zu den Führern deS Christlichen Metallarbciterverbande», dem er als Schlosser beigetreten war. Seit 1Ll)4 war er Bezirksleiter, seit 1920 Verbandssekretär. * Von zuständiger Stelle wird der TU. mitgeteilt, daß über die Besetzung de« StaatSselretärposten« im RcichSmrnisterium deS Innern bisher noch keine Entscheidung getroffen ist. Raübruch unü üer Verbrecher. Einem sürchterlichen Standel ist der„Lokal-Anzeiger" aus die Spur gekommen. Der Reichsjustizminisier, Genosse Dr. Rad- beuch, unterhält Beziehungen zu einem Verbrecher! Zwischen ihm und dem Verbrecher besteht sogar nach dem„Lokal- Anzeiger"»in».gewiffe Intimität". Die Folge ist, daß Radbruch sich sogar für die Befreiung des Verbrechers einsetzen will. Da haben wir einen sozialistischen Justizminister! Zur Beruhigung des entsetzten Publikums wollen wir mit- teilen, daß der Verbrecher kein anderer ist— als der Dichter Ernst Toller, der noch immer von der bayerischen Regierung in der Festung Niederschönenfeld gequält wird und nicht einmal Urlaub zu der Uraufführung seines Dramas„Masse Mensch" er- halten Hot. Toller ist bekanntlich wegen rein politischer Vergehen, unter ausdrücklicher Zuerkennung der ehrenhaften Gesinnung zu Festungehaft verurteilt worden. Daß zwischen diesem Mann und einem Justizminister Beziehungen bestehen kön- nen, ist allerdinK der Gipfel dessen, was in einer Republik paffieren kann. Unter dem alten System wäre es ganz undenkbar gewesen, daß ein I u st i z m i n i st e r mit einem g e i st i g hoch- stehenden Menschen Verkehr gehabt hätte, dieweil die geistig hochstehenden Menschen meist nur mit i h r e s g l e i ckz e n verkehren! Auch in Kahr-Bayern haben die Justizminister den Der» kehr mit steckbrieflich verfolgten Kapp-Derürechern vorgezogen. Dem„Lokal-Anzeiger" wollen wir aber gleich einm Tipp für seine nächste Sensation geben: Im Staatlichen Schauspielhaus werden die Dramen eines andern Verbrechers, eines desertier» ten Militärarztes ausgeführt. Der Mann heißt Friedrich Schiller, und die Republik scheut sich nicht, sein« Dramen aufzu- führen, obwohl dieser Verbrecher seinerzeit seinem gnädigen Für- sten ohne Urlaub bei Nacht und Nebel entwichen ist. Oranülsrs Zlucht. Die„Rote Fahne" bringt die Nachricht von der Flucht ihres ehe- maligen Parteivorsitzenden aus der Festungshaft unter der jubelnden Ueberschrift„D r a n d l e r fr e i". Brandlsr hat bekanntlich einen ihm erteilten Urlaub dazu benutzt, um auf Nimmerwiedersehen zu verschwinden. Er hat sich damit zwar selber von seiner Festungshaft, die, nach den Umständen der Flucht zu urteilen, nicht allzu bequem gewesen sein kann, befreit, er hat damit aber das Schicksal seiner bis- herigen Leidensgenoffen verschlimmert. Für Sozialdemokraten, die zu Freiheitsstrafen verurteilt waren, galt stet» da» Gebot, die verhängte Strafe ruhig auf sich zu nehmen und sie abzusitzen. Sie handelten so, weil sie wußten, daß sie sonst da» Lc» ihrer Genoffen verschlechterten, indem die Aufsicht über sie verschärft, ihre kleinen„Freiheiten" im Gefängnis aufgehoben wur- den. So zu handeln, war sür sie ein G e b o t d e r S o l i d a r i t ä t, das für Drandler offenbar nicht gilt. Wenn die verurteilten Kommunisten im Gefängnis schlechter be- handelt werden, können sie sich bei L r a n d l e r dafür bedanken. Und wenn jemand die verbrecherische Lust verspürt, einen gefangenen Kommunisten in den Rücken zu schießen, so wird er die bequeme Ausrede haben, es habe Fluchtversuch a la Brandler vorgelegen. Da» hat Brandler, der ehemalige Vorsitzende der KPD.-Zentrale und INenschheilshofsnung besiegte der Slerne zaghaften Schein. Wir schritten geschlossen, alle mit ctnem verklärten Wenschengesicht und Slerne ln hohen Händen in die Zukunft hinein. ___ Hans Gothmann. Revowtionsürucke. von Alwin Rudolph. Dde eigentlichen Novembertage waren arm an Neuschöpsungen: denn noch standen wir alle zu erschüttert vor der Tatsache, daß nach vier Jahren unmenschlichster Opfer doch nichts anderes als der völlige Zusammenbruch unser Los sein sollte. Gewiß, der Sturm der neuen Zeit war allgewaltig und wir erlebten den Zusammenbruch zugleich m't dem freudigen Bewußtsein, daß er die Bcstetung von altem Plunder bedeutete. Aber Befreiung unseres Inneren Menschen war es nicht. So fehlte uns seder Sinn, für die sich überstürzenden Er- eignissc«in treffendes Wort zu prägen, und vor allem fehlte uns der Humor, er fehlt« uns sogar für die Posse, die uns Wilhelm der Letzt« als würdigen Abschluß seiner Tragikomödie vor aller Welt aufführt«. Bor allem fehlte uns in den Novembertagen das Lied, da» die Massen ergriff und sie anführte. Sehen wir von der Unmenge der Flugblätter ab, die sich ein- ander den Vorrang abzujagen suchten, so waren die ersten Druck- erzeugnisse, die die Press« verließen, die P l a t a t e. Es begann ein« Plokatierungsfucht ohnegleichen. Di« Plakatierung begann an allen Orten mit den Grüßim der sozialistischen Republik an die heimkehrenden Soldaten, mit den Aufrufen der Arbeiterräte, sich der Revolution anzuschließen. Sie prangten an allen Mauern, Zäunen und Kandelabern, um alsbald den Ptakaten der Regierung Platz zu machen, die von ersten Künstlern entworfen ein« große Wirkung hatten. Die ersten waren reine Schristpfakate, deren Text nur kurz fein tonnte. So bracht««in großes Plakat von über einem Quadratmeter nach einem Entwurf non R. M. Tay nur die Wort«:„Arbeiter helft" w großen roten Buchstaben, dann in weiß auf rotem Grund«:„am Aufbau der sozialistischen Republik", dann wieder rot auf weiß:„Deshalb Selbstzucht! Einigkeit! Ge- schloffenheitl" Wie die Probleme in den Köpfen der Massen, so begannen auch die Plakate, sich einander abzulösen. Demobilmackmng. nach der man sich so lange gesebnt und von der setzt so viele nichts wiffsn wollten, Arbeit, Brot, Frieden— dieses Jasen brachte Heinz Fuchs sehr wirkungsvoll zum Ausdruck in einem Plakat, auf dem er«inen in voller Hast dahineilenden Demonstrationszug Tafeln mit den Worten, auf die es jetzt ankam, tragen ließ. Diese Reihe der Pla- kate wurde abgelöst durch die Frag«, die die Volksleidenschaft noch einmal bis in Abqrundtie'e aufwühlte: Nationakversammlunq oder Räteherrfchgst? Ein regelrechter Wettkampf begann nunmehr um dl« größte Wirkung. Mancbmal l-Wen es, als feien dl« stärkeren Talent« auf der Sei!« der Räteherrschakt zu finden, aber schließlich überschlugen st« sich und endeten in blutigen Schreckbikeern. Dies« Serie führten dann über in die Wahlpropaggnd-i. mit der sich die Parteien nicht genug tun konnten. Auch d'g Kommunisten wetteiferten mit den andern, ober als Gegner der Vetciligmig. Aus der großen Menge sei als besonders schön und wirkungsvoll ein von Ehrenvorsitzende des Z. Kongresses der Moskauer Internationale. den gefangenen Kommunisten angetan, um sich selber die Unbequem- lichkeit einer, wie gesagt, nicht allzu schweren Festungshaft zu er- sparen. Zeiten und Sitten ändern sich. Uns dünkt, die Sozialdemokraten hätten sich in der Zeit, in der sie verfolgt waren, besser bewährt als die ultrarevolutionär ihr Wort brechenden und radikal ausreißen- den Kommunisten von heutel ck Nach einer Meldung der DA. soll Brandler bereits vor zwei Tagen in Moskau eingetroffen sein. „lveitn sie es nur getan hatten/ Fromme Wünsche eines Ersten TtantsanwultS. In Königsberg fand vor kurzem der Prozeß des Polizeiprasi- Kenten Genossen L ü b b r i n g gegen den Chefredakteur der„Ost- preußischen Zeitung", Eberhard Kenkel, wegen Beleidigung statt, wo- bei der angeklagt» deutschnationale Verleumder zu 400 M. Geldstrafe verurteilt wurde. In dem Prozeß spielte sich eine Interessante Episode ab. Es stand unter anderen Punkten auch die Haftentlas- sung eines Kommunisten in Labiau unter Beweis. Der Erste Staatsanwalt Willi wurde hierzu als Zeuge vernommen und sagte auffällig ungünstig gegen Genoffen Lübbring aus. Nach- her erwähnte Lübbrings Rechtsbeistand, Rechtsanwalt Schönfeld, in seinem Plädoyer, daß Lübbring um Haaresbreite am 9. März 1919 von spartakistischen Matrosen meuchlings ermorde: worden wäre. Da machte der Erste Staatsanwalt Willi die Zwischenbemerkung:„Wenn sie es nur getan hätten!" Gestützt auf die Angaben eines Polizeibeamten, teilte Genosse Lübbring diese Aeußerung sofort dem Gerichtsvorsitzenden mit. Der in die Enge getriebene Erst« Staatsanwalt bestritt die Aeußerung nicht, aber er behauptete, sich ihrer nicht mehr zu entsinnen! Das Gericht lehnte ab, ihn unter Eid über seine Aeußerung zu ver- nehmen, indem es diese al» wahr unterstellte. So sehen die höheren Justizbeamten aus, die entrüstete Protest- rcsolutionen soffen, wenn ihre Unparteilichkeit angezweifelt wird. Die Serechnung üer ZrieSensmiete. Im Wohnungsausschuß des Reichstages wurde am Dienstag 8 2 des Reichsmietsgesetzes nach der Regierungs- vorläge angenommen. Es wurde bestimmt, daß bei Berechnung der Miete von dem am 1. Zuli 1914 vereinbarten Mietzins auszugehen ist. Vergütungen, die in der Friedensmiete für Heizstoffc, Sammelheizung oder Warmwafferversorgung oder für anders von der obersten Landesbehörde bestimmte Nebenleistungen enthalten sind, sollen abgerechnet und die oberste Landesbehörde er- mächtiqt werden, für die abzurechnenden Beträge Hundertfötze der Friedensmiete festzusetzen. Wenn über die 5)öhe der Frledensmiet« Streit oder Unklarheit besteht, so soll sie auf Antrag eines Dertragsteils von dem Einigungsamt festgestellt wer- den.— Abg. Stlberfchmidt(Soz.) hob in der weiteren De- ratung den Dorteil der Vorlage hervor, daß sie die großen I n> standfetzungsarbeiten, die vom einzelnen Mieter nicht qo- tragen werden können, auf die Allgemeinheit abwälzt. Eine Ordnung, die allen Teilen, Mietern und Vermietern gerecht wird. ist schleunigst herbeizuführen. Ein vom Redner gestellter Antrag umschreibt die laufenden Instandsetzungsarbeiten. Die Abstimmung über die Z 4 bis v wurden noch ausgesetzt. Der Dusitag in Thüringen aufschoben. welmar, 8. November. sWTB.) Der thuringifSe Landtag br.t in seiner heutigen Sitzung gegen bis Stimmen der bürgerlichen Parteien di« Aufhebung der Bußtage alö gesetzliche Feiertage beschloffen. Al» UebcrgangSmaßnahme soll auf Wunsch Urlaub für die Lehrer und Schüler zum Kirchenbesuch gewährt werden. Der Landtag vertagte sich darauf bis Anfang Dezember._ Zum deukschen Sesandken In Lettland ist der bisherige Ver« treter DeuIschlandS in Finnland Dr. Wallret ernannt worden. Der bisherige deutsche Geschäftsträger von Radewitz erhält einen anderen Posten. Die Tatsach« der Ernennung wird von der lrtl- ländischen Presse als Zeichen der Annäherung begrüßt. Kirchdach entworfenes Plakat hervorgehoben, das einen kleinen Buben zeigt, Bluse und Hos« mit kleinen sauberen Flicken, der Ge- sicktsausdruck mit einer liebreizenden Bitte und von ernstem Ver- stehen, di« eine Hand lässig im Hosensack, die andere mahnend er- hoben:„Mutterl Denk cm mich! Wähl« soziaköemokratisch." Es war m Sinn und Aufsosfung das Best«, das überhaupt herauskam. In den Tagen der Ptakatierungswut Hub ein« Flut von Zeit- schrlsten cm, neben rein literartsch-künstlerischen, die politischen und die„revolutionären". Daneben mochte sich ein« Unmenge von Schmutzliteratur übelster Sorte breit. Don den vielen„W!tz"blätt?rn kommunistisch«? Tendenz schien es, als strebten sie danach, dem Schund'den Rang abzulausen. Es war ihnen nichts zu gemein, die junae Revubtik und ihr« Vertreter und Verteidiger damit zu be- werfen. Unsere alte» Witzblätter versagten völlifl. Wie in der Politik des Tages und später auch im Reichrtog, so zeiaten sich Kapitalismus und Linksradikalismus als Vater und Sohn, Hand in Hond zu gemeinsamem Kamvf gegen'die Republik auch in der Presse. Wenn die illustrierte Beilege der„Deutschen Tageszeitung" die Reaierung der neuen Republik als eine vor- nehm« Jagdgesellschaft zeigte, so wahrt« hier der Zeichner noch An- stand. Ebenso belächeln konnte man das Bild„Im Schatten der Titanen", die Ebert-Büst« vor dem Nationoltheoter in Weimar auf dem Sockel des Goethe- und Schillerdenkmals. Aber Ebert auf dem Thronseffel darzustellen mit dem Ausspruch: Proletarier, schlagt euch den Schädel ein", oder Erzcherger al» den Bluffauger. der dem Arbeiter den letzten Tropfen Blut als Steuer abzapft, wie es der „Zeitgeist für das revolutionäre Proletariat" tat, das war ohne ieden Witz und alles ander« al» revolutionär, das konnte im Dienste des Kapitalismus nickt bester gemocht sein. Ein Buch von kösttichem Humor hebt sich über alle anderen: „Der umgestürzte Huber" von Julius Kreis, Tagebuchbläiler und Zeichnungen aus der Revolutionszeit von dem als Justus Guckind'lust bekannten Münchner. Der umgestürzt« Huber ist der revolutionär gewordene Münchener Maßtruanbilistcr, der unter seinem roten wasserdichten Regenschirm sein dickbäuchiges Spießer- tum getreulich bewahrt und der alte Bierbankpolitiker bleibt. Hier bat geistreicher Witz di« Feder und den Zeichenstift gcnU,rt. Dos Gegenstück bilden die„Bremer Sturmtage", di° Revv'utions- tage in Bremen, dargestellt in SO Bildern nach Radierungen von Ida E. Ströoer. 5)ier hat der gewaltige Ernst der Erschütterungen den Stift der Künstlerin gelenkt und ein W«rk von bleibendem Wert geschaffen, dos uns beute noch beim Durchblöt:»-» mächtig anpackt. Jedes Bild ist Erschütterung, Austußr, Ekstase. Leider das einzie« Wert dieser Art, das wir aus der Revolutionszeit auf- zuweisen haben.__ Das Karlsruher Schlosimnleum. Auch Karlsruhe hat nun sein Schloßmuseum erhalten. Dieses neue badische Landes- museum, das vor kurzem eröffnet wurde, bat die..historischen Zimmer" de» Karlsruher Restdenzschloffes in ihrem urlvrünalichen Aussehen beibehalten. An diese Räume schließt sich die Waffen» fammlung vom 15. bis 18. Jahrhundert an, die der Großherzog dem Landesmufeum überlasten Hot. Dos eigentliche Museum ist im linken Flügel untergebracht. Auch hier wurde zwi'chen Studien- und Schausammlung unterschieden, sa daß da» Landesmuseum selbst nun die vorzüglichsten Werke in lockerer Aufstellung zeigt. Verringerung der Sejatzungskosten? Paris, 8. November.(WTD.) Haoas veröffentlicht einen Bericht der Kommission, die auf Grund des Beschlusses des Obersten Rates vom 30. August über die> herabsehong der Okkupakionskosien und der Unterhaltungskosten mit den verschiedenen Zivilverwaltungen im besetzten Gebiet beraten hat. Nachdem die Kommission auf der Grundlage des Okkupationsbestandes die Höhe der Ausgaben für das Besatzungshcer festgestellt hat, ist sie zu dem Ergebnis gekommen, daß die Kosten für das Jahr 1922 um 22 Millionen gerin- ger sind als für die vergangenen Jahre. Die Kommission hat andererseits verfügt, ein vollständiges Budget auszustellen für die Leistungen, die Deutschland nach Artikel 8 bis 12 des An- nexes zum Friedensvertrag von Versailles zufallen. Es handelt sich hier um die Unterbringung der Mannschaften und Offiziere, um die Stellung von Licht und Heizung und den Transport der Truppen zu Wasier und zu Lande, ferner um die zu gewährende Portofreiheit. Verschiedene Vorschläge seien gemacht worden, um eine noch st ä r- kere Verminderung der Kosten als die angekündigte zu er- zielen, aber die verschiedenen Delegationen hätten zu keinem einheiklichea Beschlutz kommen können. Infolgedessen sei ein Programm ausgestellt worden, das dem Obersten Rat zur Annahme empfohlen wird, in dem allerdings nicht die zu erzielende Herabsetzung der Ausgaben be- ziffert ist, das aber betont, daß durch gemeinsame Anstrengungen ein Erfolg zugunsten der Reparationen erzielt werden müßte. Um zu einem derartigen Ergebnis zu gelangen, werde die Schaffung eines Ausschusses vorgesehen, der aus Vertretern der verschiedenen Besatzungsheere zusammengesetzt ist. In einem umfangreichen Resolutionscntwurf seien in allen Einzelheiten die Grundlagen mitgeteilt, die für die Regelung der Kosten der Be- satzungsheere zur Anwendung gelangen unter Einbeziehung der Anstrengungen, die gemacht werden könnten, um sie herabzusetzen. Die Kommission habe auch die Frage der Ausgaben für die Zivil- kom Missionen geprüft, dabei aber die Prüfung der Unterhal- tungskosten für die militärischen Kontrollkommissio- nen beiseite gelassen. Die Kommission habe festgestellt, daß außer der interalliierten Oberkommission für die Rheinlande, deren Tätigkeit mit der Okkupation aufhöre, die meisten vom Friedens- vertrag vorgesehenen Kommissionen, deren Lasten Deutschland zu- fallen, ganz oder teilweise demnächst ihre Arbeit beendet haben wer- den. Was die rheinische Oberkommission anbetreffe, so habe die Kommission gefunden, daß es u n m S g l i cy sei, Vergleiche zu ziehen zwischen den Kosten der verschiedenen Delegationen ange- sichts der Entfernungen, die die verschiedenen Okkupations- zonen trennen. Die Kommission hat jedoch für möglich gehalten, dem Obersten Rat vorzuschlagen, die rheinische Oberkommission zu ersuchen, in eine ernstliche Prüfung der Maßnahmen einzutreten, die die Herabsetzung der Kosten aller Kategorien von Ausgaben her- beiführen könnten, damit sie auf ein mit ihrer Mission im Einklang stehendes Minimum zurückgeführt werden könnten. Um die Verwendung deutscher Arbeiter. Paris, 8. November.(WTB.) In der Unterredung, die Minister L o u ch e u r gestern mit Vertretern rerschiedener Organi- sationen über den Wiederaufbau der 11 Ortschaften in der Gegend von Ehaulnes hatte, erklärte er, der Hauptzweck fei, die Ordnungsmaßnahmen zu prüfen für den Fall, daß deutsche Arbeiter beschäftigt würden. Das Gelingen eines derartigen Unternehmens sei abhängig von der formellen Zu- stimmung der Bevölkerung. Auch die Geschädigten müßten durch Unterschrift die Dorschläge annehmen. Inzwischen tonne er dem Studium nur einen vorläufigen Charakter zuerken- nen. Die in Aussicht genommenen Maßnahmen des Allgemeinen polizeilichen Sicherheitsdienstes zur Sicherstellung der Ordnung wurden angenommen. Eine neue Zusammenkunft wird nicht statt- finden, solange nicht die Liste der Geschädigten mit ihrer Zustim- mung dem Präfekten des Departements Somme übermittelt wor- den ist. Kartoffeln. Von Ernst Degner. Das Ernührungsmintsterium— ich weih nicht, ob der Name Unterernährungsmtnisterium bereits eingeführt ist— gibt an: Von Kartoffelmangel kann keine Rede fein, der Ertrag der Ernte wird auf 24 Millionen Tonnen geschätzt. Trotzdem sind Kartoffeln teuer. Zunächst dachte ich an Wucher. Aber der„Lokal-Anzeiger" verteidigt den hohen Preis, indem er drei Zuschriften von Land- wirten veröffentlicht. Der eine schreibt:.Daß der Bauer für einen Dampfdreschsatz mit 12 MO M. Normalpreis jetzt 250 000— 300 000 Mark zahlen muß, das fällt wohl nicht ins Gewicht!" Da haben wir's wieder! Die Stadtleute schimpfen und haben keine Ahnung von der Landwirtschaft. Ich muß zugeben, ich hätte es tatsächlich nicht für möglich gehalten, daß Kartoffeln gedroschen werden müssen. Er schreibt weiter.„Von den Löhnen soll gar nicht ge- sprachen werden." Ist auch nicht nötig. Kartoffeln kosten das Dierzigfache des Friedenspreises, und die Landarbeiter bekommen demgemäß bekanntlich vierzigfachen Friedenslohn. Und trotzdem hat der gute Landwirt noch Schwierigkeiten, genügend Arbeits- krüfte zu bekommen. Wie sollte man sich sonst die Anschläge am schwarzen Brett der Berliner Universität erklären:„Student ge- sucht zur Kartoffelernte!" An demselben schwarzen Brett finden wir folgendes Angebot: Hauslehrer, deutschnational gesinnt, für vier Knaben, Real- gymnasium, gesucht. Gewährt wird freie Wohnung und Vor- pslegung und 150 bis 200 Mark monatlich. Da sieht man, was für horrende Löhne gezahlt werden müssen. Bereits nach cinemhalbjähriger Tätigkeit kann sich der Student für den Erlös seiner Arbeit einen Anzug und ein Paar Stiefeln taufen. Und was noch dazu das Essen kostet! So ver- fressen, wie heutzutage Studenten sind. Da muß die gebildete Hausfrau ihren ganzen Charme aufbieten, um den Hungerleider im Zaum zu halten. Sie sagt z. B. bei Tisch:„Ich, mein Mann und die Kinder sind satt. Wünschen Sie vielleicht noch etwa», 5)err Kandidat?" In der Ttaatsoper wird Mittwoch wegen mehrfacher Erkrankungen statt.Turandott und.Arlecchino".Bajazzi" und„Arlecchino" gegeben Musttchronik. Der Komponist Jean Gilbert dirigiert am Frei- tag, Sonnabend und Sonntag seine Operette«Jung muh man sein" im Walballatbeater. Witt?« Memoiren. Der erste Band der Memoiren de» trüberen rriistichen Ministerprösidenien Grafen Witt« ist in der russischen Original- feffung im Slowo-Verlag in Berlin erschienen. Anna Ritter, eine der wenigen deutschen Dichterinnen, die in den lebten Jabrzehnlen mit einem einzigen Bande schlichter, inniger, vieisach ertcbtcr.Gedichte" Erfolg und Ruhm erlangten, ist in Marburg— 56 Jahre alt— gestorben. ßrankenterror im volkerbundftaat. Saarbrücken, 8. November.(WTB.) In der heutigen Skadwerordnetensitzung, die zu der Regelung der städlischen Besol- dang und zum Streik Stellung nehmen sollte, erklärte der sozial- demokratische Abg. S ch a e f e r im Namen der drei großen Fraklio- nen, daß die Stadtverordnetenversammlung nach wle vor auf ihrem Beschlüsse beskehe. Das Verbot der Regierungskommission, diesen Beschluß auszuführen, insbesondere irgendwelche Gehaltserhöhungen in Mark auszuzahlen, stelle einen unzulässigen Eingriff in die Selbstverwallung dar und zwinge die Sladlverordnelenversammlung, sich beschwerdeführend an den VSlkerbundrai zu wenden. Der Bürgermeister verlas dann ein Schreiben der städtischen Beamten, die den Präsidenken der Regierungskommission bitten, vom Aufsichts- recht des Eingreifens Gebrauch zu machen, und ein Schreiben des Präsidenten Raoult, der mitteilt, daß er der Stadtverordnetenver- sammlung Gelegenheit geben wolle, von ihrem Beschlutz ab zu- gehen und der Verordnung Geltung zu verschaffen. Sollte jedoch innerhalb 48 Stunden kein entsprechender Bejchlutz gefaht worden sein, so sehe er sich gezwungen, infolge der durch den Streik geschaffenen unhaltbaren Zustände die erforderlichen Au- ordnungen zu lresfen. Darauf erklärte Schäfer: Ich spreche im Na- men meiner Fraktion, wenn ich sage, daß wir bei dem bleiben. was wir vorher erNärt haben, und es der Gewalt überlassen, die Angelegenheit zu regeln. In ähnlichem Sinne sprachen sich die libc- ral-demokrakische Arbeitsgemeinschaft und das Zentrum aus. Dann wurde mit allen gegen fünf kommunistische Stimmen der interfraktlo- nellen Erklärung zugestimmt und das Verlangen der Regierung-- kommisfion abgelehnt. Darauf verließen die Stadtverordneten unter Protest einmütig den Saal. « Auf Antrag der französischen Besatzungsbchörde hat die Saar- rcgierung neuerdings wieder mehrere Eisenbahnbeamte aus- gewiesen. Der Grund soll unfrendliches Verhalten gegen«inen fran- zösischen Offizier fein, sie hatten eine Forderung des Offiziers abgelehnt, weil ihre Ausführung technisch einfach unmöglich war. Aus Elfaß-Lothringen sind im September 1104 Per- fönen ausgewandert. Davon sind 117 Personen ausgewiesen und 987 freiwillig gereist. In Eupen-Malmedy herrscht unter der katholischen Ein- wohncrschaft große Erregung darüber, daß die nach August 1914 nach Eupen gekommenen Geistlichen nur bis Ende dieses Monats verbleiben dürfen. Ein deswegen an den Bischof von Lüttich ge- richtetes Schreiben ist bis jetzt unbeantwortet geblieben. Erweiterte Sowjetamneftie. Moskau, 8. November.(OE.-Funkspruch.) Da» Allrussische Zenkralexekutwkomitee hat anläßlich der vierteu Iahresseier die bereits gemeldete Amnestie auch auf die wegen gemeiner und poli« tifcher Verbrechen zu Gesängnisstrasen in Sowjelrutzland Verur- teilten ausgedehnt. Lenin blamiert die Kommunisten. Vloskau, 8. November.(OE.-Funkfpruch.) In einem Artikel der Moskauer„Prawda" vom 6. November schreibt Lenin: Im Vergleich zu unserer früheren revolutionären Methode ist die neue Wirtschaftspolitik scheinbar ein Reformismus. Di« Mensche tristen meinen, wir hätten mit dem Reformismus beginnen müssen. Das ist Sophismus oder Gaunerei. Es ist jedoch lächerlich, anzunehmen, daß eine große Rcvoluklon unbedingt alle Aufgaben auf allen Gebieten auf revolutionäre Weife lösen müsse. Der Brester Frieds war schlimmer als aller Reformismus, ist aber heute als richtige Taktik anerkannt. Beendet ist nur die bürgerlich-demokra tische Periode unserer Arbeit. Die proletarische oder sozialistifch« Periode zerfällt in drei Teile: 1. die bereits vollzogene Abkehr vom Imperialismus, die in den anderen vorgeschrittenen Ländern noch durchzuführen ist, 2. die noch unvollendet« Schaffung des Sowjetfyftcms und 3. das Wesentlichste: die Belebung de, Handels und der Industrie. Der Handel ist das einzig mögliche Band zwischen dem Kleinbauerntum und der Großindustrie. Di« gegen- wärtigen Reformen find nach dem Sieg« de» Proletariats«Ine not- wendige Atenipauf«. Je geringer die Vorurteil« sind, mit denen dieser Rückzug unternommen wird, desto sicherer und rascher wird später der neue Vorstoß verlaufen. Lenin verbrennt also, was die Kommunisten(nach seinem höchsteigenen Beispiel) uns mit Feuer und Schwert zwingen wollten, an- zubeten. Der Petljura-Krieg. Warschau, 8. November.(OE.) Auf die bei Schmerinka kon- zentrierten Hauptkräft« der Eowjettruppen rücken von verschiedenen Seiten aufständifch« ukrainische Abteilungen vor. Winnitza Ist von den Aufständischen befetzt. Aufständische haben dl« Eisenbahn» brücke über den Teterew(Kiew— Koweler Bahn) zerstört. Im Gouvernement Podolien sind gleichfalls Aufstände ausgebrochen. Bei Tirafpol find Abteilungen Machnos aufgetaucht. Der tfchechffch-polnische Vertrag. Prag, 8. November.(WTB.) Dem„Pondelnik"(Montagblatt) zufolge enthält'das tschechisch-polnische Abkommen eine Bestimmung, wonach sich die beiden Staaten in Angelegenheiten, an denen einer von ihnen nicht direkt interessiert ist. gegenseitige Neutralität ver- bürgen, während sie sich in den beide Republiken berührenden Fragen gegenfeitig unterstützen. Das Abkommen ist nicht gegen Rußland gerichtet, es enthält keinerlei territoriale Aenderungen. Die Tschechoslowakei übernimmt keine Bürgschaften für die Ostgrenzen Polens, sie verpflichtet sich jedoch, sich in die ostpalnischen Probleme nicht einzumischen._____ welche Tendenz bat in varis gesiegt! In der„Freiheit" nimmt Ledebour zu der Frage der sozialistischen Einigung Stellung, wie sie auf dem französischen Parteitag in der vergangenen Woche zur Debatte gestellt wurde. Aus seiner Darstellung müßte man den Eindruck gewinnen, daß der Kongreß sich mit seinem Standpunkt, d. h. mit der Derschlep- pungspolitik des Wiener Exekutivkomitees auf der Londoner Eini- gungskonfcrenz einverstanden erklärt habe. Er stützt sich dabei auf einen Satz L o n gu e t s im„Populaire", wonach es nicht zweifelhaft fei, daß von den verschiedenen Anregungen zur Verwirk- lichung der internationülen Einigung diejenige von Ledebour die meiste Zustimmung erhalten habe. Lcdcbour vergißt aber hinzu- zufügen, daß es sich bei diesem Artikel von Longuet um ein subjektives Stimmungsbild und um eine nicht minder subjektive Stimmungsmache handelte: Longnet, der in London mit Adler, Grimm und Ledebour konform gegangen war, versucht« eben mit diesen Zeilen die Delegierten v o r der Abstimmung in seinem Sinne zu beeinflussen. In Wirklichkeit ist es bei aller Kompromißler«!, die das Merkmal aller am Schluß des Kongresses angenommenen Resolutionen bildet, unzweifelhaft, daß in der Sache nicht die Tendenz Longuet-Ledebour, sondern die entgegengesetzte Richtung R e- Internationale zusammenzubringen, nichts wissen, ehe nicht auch die Moskauer Internationale sich gleichfalls zur Einigung bereit er- klären würde. Renaudel-Grumbach erklärten dagegen ausdrücklich, man dürfe nicht die Einigung an den Kommunisten scheitern lassen. Dieser Standpunkt findet aber sinngemäß seinen Ausdruck in der angenommenen Resolutton. Es käme fast einer Irreführung der deutschen Arbeiterklasse gleich, wenn man den kompromißarttgen Charakter der Schlußrefolution dahin deuten wollte, daß sich der französische Parteitag mit den Haarspaltereien Adlers, Longuets und Ledebours, durch die die Londoner Konferenz leider gescheitert ist, identifiziert habe. Glücklicherweise ist das Gegenteil der Fall. Mißglückte Denunziation. Wegen der Vorgänge am roten Sonntag hatten die Pots- damer Deutschnationalen eine Anzahl Führer der Linke- Parteien bei der Staatsanwaltschaft Potsdam wegen„Landfriedens- brucheS" angezeigt. Runmehr teilt der Oberstaatsanwalt mit, daß das Verfahren gegen fämtlicheAngeklagte eingestellt worden ist. Revoluttonsfetern In Sachsen. Ministerpräsident Buck hat an- geordnet, daß am 9. November als dem dritten Jahrestage der Gründung der deutschen Republik die Regierungsgcbäude in den Reichsfarben beflaggt werden. Die Sozialisten planen für den Abend des genannten Tages einen Fackelzug durch die Hauptstraßen der Stadt._ Wirtschaft ver fiüerlaß öer deutschen Volkes. Die Valutakranlheit, die jetzt die deutsche Volkswirtschaft erfaßt bat. alle Preise maßlos in die Höhe treibt und für die Lebenshaltung des deutschen Volkes die schwersten Befürchtungen weckt, rückt von selbst die Beobachtung des Außenhandels in den Vordergrund. Von ihm hängt es in hohem Maße ab. ob die Valuta sich noch weiter verschlechtern kann oder nicht. Wird der Wert der Ausfuhr größer als derjenige der Einfuhr, haben wir einen Ueber- schuß an erzeugten Waren über den Bedarf, so übersteigen die Be- träge, die das Ausland für gelieferte Waren an Deuifchlond zu zahlen hat. und der Wert der Mark muß sich naturnotwendig heben. Nun war Deutschlands Handelsbilanz immer passiv. Seine großen Guthaben im Ausland, keine große Schiffahrt und andere Leistungen, die es auf anderen Wegen alö über die Warenausfuhr leistele, alichen den Unterschied aber auS. Seit dem Kriege jedoch hat sich der Einfuhrüberschuß bedeutend erhöht, die übrigen Einkünfte fremder Währung kamen durch die Ablieferung der Handelsflotte und durch die Liquidierung des ausländischen Besitzes deutscher RcichSangehöriger so gut wie ganz in Fortsall, und so bleibt Deutschland vorerst nur die Möglichkeit, durch eine Erhöhung der Warenausfuhr und ihres Wertes seine Zahlungsbilanz ins Gleichgewicht zu bringen. Die Schuldenfeite ist durch die NeparationSverpflichtungeii neu und in erhöhtem Umfange belastet. Wie steht es nun mit dem Außenhandel selbst? Die folgende Tabelle gibt über die Eni- Wicklung der letzien Monate nach den Zahlen des Statistischen ReichSamteS Auskulist: Sin fuhr SBeriin— Ausfuhr August 1921.. Juli 1921... Juni 1921,, Mar 1931... Dezember 1920. Danach haben also Ein dem Werte nach beträchtlich Mmqc w Mlllwn. Menge in Million. ajcait Doppelzentner 18,27 15,58 15,08 11.45 17,58 und Ausfuhr der zugenommen. Di« Doppeizentner 2U0 19,24 18.28 15,84 20,07 9418 7580 6409 6488 Wert in Mill. Mari 6688 6212 5482 4558 7868 Menge und Verhältiiis« mäßig günstigen Ziffern des MonatS Dezember v. I. sind im August dieses JahrcS bereits überholt. Die Steigerung der Einiubr er- streckt sich vor allem auf die Gruppe Lebensmittel, die allein 2,6 Millionen Doppelzentner mehr als im Juli eingeführt hat. währciii» andere Einfuhren, so besonders die von Erzen zurückgegangen find. Die Steigerung der Ausfuhr wird von der Zunahme des Exports von Kohle uns Eisen in ocr Hauptsache bestrilten. Die Erhöhung der Ausfuhr erklärt sich zu einem guten Teil au» der verfchlechterteu Valuta. Sie erleichtert der deutschen Industrie die Konkurrenz auf dem Weltmarkt, verschafft ihr so er- höhte Beschäftigung; eS schien fast, ald sollte die allgemeine Ver- leuerung der Lebenshaltung dadurch einiqermaßen auSgeglichcir werden. Da macht sich aber die Talsache bemerkbar, daß mir der Verschlechterung der Valuta zwar die Einfuhr im Werte stieg, die Ausfuhr aber längst nicht den gesteigerten Erlös brachte, den man erwarten mußte. In demselben Maße, wie der Dollarpreis stieg, stieg auch der Ernfuhrüberfchuß dem W e r l e nach. obwohl er der Menge nach geringer wurde! Die allgemeine EntwickelungSrichtung zeigt folgende Gegenüberstellung: Ernfubrüberfchuß Mai Juni Juli August Menge in Millionen Doppclztr. 8,89 845 866 2,83 Wert in Millionen Mark.. 928 977 1368 2785 Preis eines Dollars im Monatsdurchschnitt.... 62.80 69.88 76,67 84,31 Danach stieg zu gleicher Zeit, wo der Dollarkurs von 62,80 auf 84,31 hinaufging, der Wert der Mehreinsuhr aus fast das Dreifache, während der Menge nach der Iloberschuß der Warcneinfubr zurückging, also eine Besserung der Handelsbilanz anlündigte. ES vollzieht sich also ein Aderlaß an der deutschen Volks- Wirtschaft, die an das Ausland ihre Waren billiger abgibt, als sie dorr wert sind. Wenn schon bei so geringen Valutaveränderungen dieser Verlust so deutlich wird, wie groß mag er erst sein, nachdem der Dollar auf 310 zu stehen kommt? ES gibt kein Beispiel, daS eindringlicher zeigte, wie notwendig die jetzt von den Interessenten bekämpfte AußenbandelS- k o n l r o l l e und ihr gemeinwirtschaftlicher Ausbau ist! Immer weller... Die weitere Entwertung der Mark an der gestrigen Börse geht aus folgender Gegenüberstellung der amtlichen Notierungen für die wichtigsten fremden Zahlungsmittel hervor: Ein Dollar gestern 309,69, vorgestern 286,71; 100 holländische Gulden 10 589,40, vorgestern 10 489,50; 1 Pfund Sterling 1178,80, vorgestern 1128,58; 100 französische Franken 2237,75, vorgestern 2197,80; 100 Schweizer Franken 5744,25, vorgestern 9684,30. Die Spekulation den Reichen. Der Dörsenvorstand hat be- schloffen, daß vom 1. Dezember d. I. ab in Dividendenwerten nur Aufträge von 5000 M. und dem Mehrfachen hiervon bzw., soweit es sich um Aktien in Stücken von 600 und 1200 M. handelt, von 6000 M. und dem Mehrfachen hiervon von den Kursmaklern zur Ausführung angenommen werden dürfen und daß nur Ge- fchäfte in diesen Beträgen Anspruch auf Berücksichtigung bei der amtlichen Kursfestsetzung haben.— Wir haben es immer bekämpft, daß Aktiengesellschaften und Banken durch ihre Politik während der Geldentwertung die Kleinspckulation gereizt haben, so daß heute fast alle Kreise spekulieren. Jetzt beschränkt die Börse den Handel auf größere Mengen, also Eroßbesitzer. Die Spekulation an der Börse wird den Reichen überlassen; damit ist natürlich nicht gesagt, daß die Kleinspekulation aufhört. Sie muß ihre Papiere verwerten können und wird darauf angewiesen sein, die Papiere mit größeren Aufträgen zusammen von der Bank erledigen zu lassen ohne die Gewißheit zu haben, daß sie an einem bestimmten Tage zu einem bestimmten Kurse gekauft oder verkaust werden. Oder aber sie wird sich in Grupven vereinigen und so Sammelaufträge aufgeben. Die Banken werden weiter ihre Tips ausgeben, die Aktiengefellfchaf- ten weiter ihre Kapitalien verwässern und unsinnige Dividenden naudel-Grumbach den Sieg davongetragen hat. Longuet- Ledebour wollten von einem Berjuch� hie Wiener und Hie Londoner j ausschütten— doch die Moral ist gerettet! Sewe�schastsbeivegung Neue Unruhe im Gaftwirtsgewerbe. ZNahregelungen der Angestellken. Änstatt sich an die getroffenen Vereinbarungen zu halten, die streikenden und ausgesperrten Angestellten wieder einzustellen, scheint ein großer Teil des organisatorisch offenbar schlecht disziplinierten, dafür aber um so protzigeren Unternehmertums nunmehr an den Angestellten Rache zu üben, sie auf der Straße zu lassen und ihre Organisation zu ruinieren. Entgegen den protokollarischen Festlegungen des Schiedsgerichts über die Wiederein st ellung, entgegen den weiteren mündlichen Zusicherungen, wird selbst in den Betrieben, die während der Bewegung geschlossen waren und gegen die nicht das geringste unternommen wurde, wie z. B. im„K a i s e r h o f", Musterung geholten. Die Unternehmer haben einer gelben Organisation auf die Bein« geholfen und machen zur Bedingung für die Wiederein st ellung, daß die An- gestellten ihrer Organisation den Rücken kehren und dieser gelben Bereinigung beitreten. Sie müsien erst deren Mitgliedsbuch vorzeigen, durch deren„Arbeitsnachweis" gehen, dann sollen sie erst der Gnade teilhastig werden, wieder zur Arbeit zu- gelösten zu werden. Die Unternehmer— durch deren unglaubliches Verhalten der Streik erst provoziert und über fünf Wochen lang hingezogen wurde — setzen damit ihrem wenig sympathischen Treiben die Krone aus. Wie vereinbart sich die Niederträchtigkeit, dieAngestelltenmit der Hungerpeitsche in die gelbe Bereinigung zu treiben, mit den Beisticherungen ihrer Bcrbände, daß„von Zertrümmerung der Angestellten organisation keine Rede" sein könne? „Wir wollen weder das Koalitionsrecht beschrän- ken, noch Eure Organisation oder Gewerkschaft a n t a st e n" erklärte die Arbeitsgemeinschaft der Arbeitgeberver bände. Hat diese Arbeitsgemeinschaft nicht die Absicht oder nicht den Willen, diese Erklärungen aufrechtzuerhalten? Glaubt man die unter der Autorität des Reichsarbeits- Ministers abgegebenen Versicherungen bezüglich der Wiederein- ftellung der Angestellten nicht halten zu müssen? Will man den Schiedsspruch, nur soweit er auf die 10 Prozent Zuschlag für das Publikum Bezug hat, gelten lasten und sich im übrigen über den Schiedsspruch lustig machen? Die Herrschaften treiben ein sehr gewagtes Spiel! Sie sollten sich überlegen, daß die Tausend« von Ausgesperrten das ihnen zu- gefügte Unrecht, die unerhörte Provokation, nach allem was vor- aufgegangen Ist. nicht ruhig hinnehmen werden, sich weder dem Hunger noch der gelben Seuche ausliefern lasten. Sit selber tragen die Verantwortung für alles, was daraus immer entsteht! Wir bitten die Ange st eilten, sich nicht provo- zieren und zu Ungehörigkeiten verleiten zu las- s e n, obschon wir gestehen müssen, daß eine ganz außerordentliches Maß von Besonnenheit dazu gehört, ruhig zu bleiben, wenn gegen den hungrigen Magen die Hungerpeitsche geschwungen wird. Auf olle Fälle muß den Ausgesperrten geholfen werden, ihr Recht auf Arbeit vor Willkür geschützt werden! Ein Appell an die Einsicht der Unternehmer, scheint uns wenig erfolgreich. Um so mehr müssen wir an die Staatsgewalt appellieren, die sich mit aller Kraft für die endliche friedliche Beilegung des Streiks eingesetzt hat, dafür zu sorgen, daß die getroffenen Vereinbarungen gehalten werden. damit nicht der kaum hergestellte Frieden in der unverantwortlichsten Weise gebrochen mw erneut Gefahren für das Berliner Wirtschafts- leben heraufbeschworen werden. Bei jedem Kampfe bleiben schließlich ein paar Mann auf der Strecke. Das ist nicht zu vermeiden. Doch darum handelt es sich hier nicht, sondern um eine Niedertracht gegen die Streikenden all- gemein. Mit dem Ausschuß der Gemaßregelten erheben wir schärfsten Prolest gegen dieses vorgehen. Lasten die Unternehmer nicht unverzüglich von ihrem Treiben ab, dann wird die Ge- samtheit der Berliner Arbeiter- und Angestelltenschaft noch ein Wort mitreden. „Verlängerung der Arbeitszeit"! ®a9 Wtos A und O der ganzen gegenwärtigen Unternehmer- fÜ air' � iüngsten Tagung der Vereinigung der Deut- Ichen Arbeitgeber-Berbände in die Erscheinung trat und wie sie von chrem Organ fortqesetzt propagiert wird. In ihrer letzten Nummer behauptet die„A r b« i t g e b e r-Z e> t u n g",„der unoerheiratete Arbeiter verdient fraglos zum Teil erheblich mehr, als er unbedingt notiq hat: dazu braucht man nur einen Blick in die Wirtshäuser. Tasas und sonstig« Vergnügungsstätten zu werfen." Demnach be- fände sich der unverheiratet« Arbeiter in der Gesellschaft der Unter- nehmer, nur mit dem kleinen Unterschied, daß er in die Lokal«, die von letzteren besucht werden, sich doch nicht hineingetraut, zumal er auch hinsichtlich der Zeche nicht ganz an deren jener heranreicht. Wer sein« wirtschassiichen Kenntnisse an solchen Orten sammelt, sollte lieber »Wir wissen aber genau so gut wie der„Vor- w ä r t s, schreibt das Scharfmacherblatt,„daß im Gegensatz zum un- verheirateten Arbeiter die Lebenshaltung des verheirateten Arbeiters mit noch nicht oerdienend-n Kindern keineswegs glänzend ist." Doch fei sie noch wesentlich besser als die zahlreicher Beamten fwelcher Beamten?) und der Rentner, die früher ihr Auskommen hatten und nun von ihrem 95 Proz. entwerteten Geld« leben Ein« Besserung könne nur dadurch eintreten, daß ohne Verteuerung de, Produktionsprozesses mehr Waren in der gleichen Zeit als birher fertigvestellt und auf den Markt gebracht würden. Fl-ben Vervollkommnung der O'ganssation der Fabriken und der Maschinen und angespannterer Arbeitsweise ist das i n d e r H a u p t» fache nur�durch Verlängerunq der Arbeitszeit zu erreichen." Das obendrein obnc Verteuerung'des Produttions- Prozesses, olio bei gleichbleibenden Löhnen. Der SlchtstunNm'ng in nns-rer ietziaen Lage lei ein Unsinn. Uns schelni die wahnsinnig« Vrositznacherei in unterer ietziaen Laae ein arötzerer Widersinn zu sein. Eme anaelpann'er« A-beitswci'e ergäbe sich wahrscheinlich von 'altzer. soba'd eine bessara Ernährvnasweise sie e'möa'icht«. Dem i trir fn r
>'"�Ii!iIi>iii!il>iiii>il>>>l!i!iiii>il>i>»l!!>!iI>!U>>II>MU!!ilI!1IlIlWiili!iI!i!i!Ii>!i!lUi!>ii!!i>�>>, An unsere Leser! Infolge der heute nachmittag stattfindende« j ß Oemonstrationen wird die heutige Abendnummer I g von den Botenfrauen nicht ausgetragen, um diesen -W die Teilnahme an den Demonstrationen zu er. jJ möglichen. Ebenso schließen die Ausgabestellen jI der Zeitungszentrale nachmittags i Ahr. Die Ii Abendzeitung wird deshalb mit der Donnerstag - 1 früh erscheinenden Nummer zusammen den [0 Abonnenten zugestellt. Im Straßenhandel ist die Abendausgabe des 1 1„Vorwärts" erhältlich bei ollen Straßenhändlern, il Kiosken usw. Der„VorwärtS">Verlag(Hauptexpedition und !i Inseratenabteilung) schließt um 2 llhr. Die Parteigenossen, welche von den Abteilungen Ii zum Stravenverkaus des„Vorwärts" bestimmt iß sind, werden gebeten, beute nachmittag pünktlich i|| 1 llhr sich in der Hauptexpedition. Lindenstr. 3, 1 i 4. Hof einzufinden. II = 1 m ,VorVärts�'Verlag G. m. b. H. "iWI»!>!>!!IIIIIIII!>l!IIi!ili!ii�!!!.E� "»NlniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiinittiiiiittirtrittriiriiittitiittttttitiiiiittittiiitNttiruttin«""' tritt, wie es die Entwicklung des Mitgliederbestandes zeigt. Vertreten waren insgesamt 102 O r t s v e r w a l t u n g e n sowie die Hospitantengruppen, in denen die Studierenden an den technischen Lehranstalten zusammengefaßt sind. Im Vordergrund der Verhandlungen standen Erörterungen über die Verfassungsfragen des Bundes, über die Aufhäuser referierte. Der Referent vertrat den Standpunkt, daß unter Zu- grundelegung de; zentralistischen Systems die Satzungen des Bundes soviel Elastizität aufweisen müßten, die es gestattet» den außerordent- lich oeränderten Wirtschaftsverhällnissen Rechnung zu tragen. Dem au» ehrenamtlichen und beamteten Mitgliedern bestehenden Haupt- vorstand muß es möglich sein, im gegebenen Augenblick weittragend« Entschlüsse fassen zu können, um seiner Aufgabe, die darin besteht, g;r die Sicherstellung der wirtschaftlichen Existenz der technischen erufsstände«inzutreten, gerecht werden zu können. Aufhäuser betont« weiter die Notwendigkeit, den Kernpunkt der Verfassung, der eine Umstellung des heutigen Wirtschaftssystems als einzige Möglichkeit für die Sicherstellimg der wirtschaftlichen Existenz der Gesamtheit der Arbeitnehmer bezeichnet, klar herauszuarbeiten. Die gegenwärtig geradezu katastrophale wirtschaftliche Entwicklung ver- lange gebieterisch, daß die Gcsamtmitgliedschaft mehr wie bisher hierauf eingestellt werde. In der anschließenden, auf einem beach- tenswert hohen Niveau stehenden Diskussion zeigte sich, wie gerade der Techniker den außerordentlich komplizierten Wirtschaftsvorgängen ein außergewöhnlich großes Maß von Verständnis und Sachkenntnis entgegenbringt, so daß es eigentlich verwunderlich erscheinen muh, daß dem Techniker in den Verwaltungskörper. schastenusw. immer noch nicht der Platz«inge- räumt wird, auf den er unbestritten den größten Anspruch hat. Nach der Wahl de» Gauvorstandes bestätigten die Delegierten den bisherigen Gauleiter Scholz. Der Versammlungsleiter konnte am Schluß der Tagung feststellen, daß der diesjährige Gautag eine Reihe positiver Arbeitsergebnisse aufwies und deshalb für die Eni- wicklung der Einheirsorganifation der Techniker von nicht zu unter- schätzender Bedeutung sei._ Neuer Tarifvertrag in der fcinkeramischen Industrie. Nach dem Scheitern der Tarisverhandlungen in Eisenach setzten in der gesamten feinkeramischen Industrie lebhafte örtliche Lohn» bewegungen«in. Die Unternehmer erklärten überall, durch Be- jchlüsse ihrer Organisation gebunden zu sein. Di« Folge waren um- f a n g r« i ch« S t r« i k s, in die mit Ablauf der letzten Okiober- woche zirka 30 000 Mitglieder des Porzellanarbeiter. verbände», von run'o 60 000 Mitgliedern überhaupt, verwickelt waren. Die Unternehmerorganisation hatte beschlossen, am 29. Ok- tober sämtliche Arbeiter und Arbeiterinnen der feinkerami'chen In- dustri« auszusperren. Die Arbeiter in den bayerischen Por- zellansabriken wandten sich an das Landeseinigungsamt in Nürnberg um Einigungsvechandlungen., Demzufolge waren die Parteien für den 20. Oktober nach Nürn- berg geladen samt den Zeniralvorstän'den der beiderseitigen Organi- sotionen. Die Arbeitgeber lehnten es ob, einem etwaigen Sonder- tarif für Bayern zuzustimmen und verlangten, daß Verhandlungen zum Abschluß«ine» neuen Reichstarifs vor dem Reichsarbeitsministerium in die Wege zu leiten seien. Es wurde vereinbart, in Dresden ein Schiedsgericht zu bestellen mit einem unparteiischen Vorsitzenden, den das Reichsarbeitsministe- rium stellen soll«. Nur die Fragen, über die e» eine Verständigung nicht geben sollt«, wurden der Entscheidung des Schiedsgerichts vor- behalten. Am 23. Ottober begannen die Verhandlungen in Dresden unter'Dem Vorsitz des Ministerialrats H a a ck vom sächsischen Arbeitsministerium. Da der im Lande tobend« Kampf seine Wellen auch in den Verbandlungssaal hineinwarf, gestalteten sich die Derhond- lungen äußerst lchwieria. Nach sechstöoigen Verhandlungen kam der Abschluß eines Manteltarifes und eines neuen Lohnabkommens zustande, dem beide Parteien zustimmten. Der Manieltarii ist bis 30. Sep'ember 1??2 befristet Das Lohnabkommen gilt für drei Monate, bis 31. Dezember 1921. Da» neu« Lobnabkommen bat ein weientssch anderes Ausseben «'halten als es in Eismach der Fall war. Es messt kür Facha'beiter über 24?oh-e einen Stundenlohn von 7,20 M. aus und«in« kkordbosis von 9 M. Vom 1. November ab kommt auf die Effektivverdienste ein Zuschlag von 3 Proz., und vom 1. De« zember ab von weiteren 5 Proz. Für Dezember wird ungefähr das Lohnniveau erreicht,'das in Eisenach gefordert war. In allen übrigen Berufs-, Alters- und Ortslohnklassen ist das prozentuale Verhältnis so ziemlich dos gleiche. Die sogenannt« soziale Z u-la g e für verheiratete Arbeiter und Arbeiterinnen, deren Ehemänner nicht erwerbstätig find, auch Witwer, die noch Kinder zu versorgen haben, sowie unverheirateie Arbeiterinnen, die Kinder zu versorgen haben, deren Bärer nicht erwerbstätig sind, bleibt in bisherigem Umfange bestehen. Diese beträgt sür die Ehefrau pro Woche 25 M. in den beiden ersten Ortslohnklassen, und 20 M. in den beiden letzten Ortsklassen, für das erste und zweite Kind 12 resp. 10 M., sür das dritte und jedes weiter« Kind 8 resp. 7 M. Im Manteltarif konnten manche Verschlechterungen abgewehrt werden: in der Frage des Ferienurlaubs wurde eine geringe Ver- besserung erzielt. �. Nachdem beide Vertragsparteien dem neuen Tanf und Lohn- abkommen zugestimmt hatten, wurden die Bedingungen formuliert, unter txnen die Arbeit wieder aufzunehmen ist. Di« hauptsächlichste Bestimmung ist, daß bis auf einige Ausnahmen alle Arbeiter wieder«ingestellt werden. Ueber die Ausnahmen aber baden die beiderseitigen Berbandsleitungcn sich zu verständigen. Damss war die angekündigte Aussperrung hinfällig. Soweit sich übersehen läßt, vollzieht sich die Arbeitsaufnahme ziemlich glatt. An fast allen Orten, an denen die Porzellanarbeiter im Kampf« standen, stand ihnen die übrige organisiert« Arbeiterschaft mit ihren Sym« pathien wie auch mit weitgehender materieller Unterstützung hilfreich zur Seit«._ Anssperrunn in den Deutschen Kabelwerken. Wegen Lobndifferenzen s23 Pf. bei einem Objekt von 40 M.) hat die G u m m i r e i f e n f a b r i k der D. K. W. die Arbeiter der Wickelei ausgesperrt reip. fristlos entlassen. Da die Firma nicht die im Tarifvertrag vorgesehenen SchlichlunqSinstanzen zur Reaelung der Differenzen angerufen hat, wird hiermit über den Betrieb die Sperre verhängt. Zuzug von Gummi- arbeiiern ist unter allen Umständen fernzuhalten. Arbeiter- freundliche Blätter werden um Abdruck erluchs Verband der Fabrikarbeiter Deutschlands. Ortsverwaltung Groß-Berlrn. Der Kampf der Portiers. Am 9. November wird sich der D e m o b i l m a ch u n g s- k o m m i s i a r mit dem am 3. Oktober gefällten Schiedsspruch für die Portiers und Hausreiniger beschäftigen, dessen Verbindlichkeitserklärung der Deutsche Portieroerband beantragt hat. Aus Anlaß der Verhandlungen richtet die genannte Organisation einen Appell an die organisierte Ar- beiterschaft, in dem es u. a. heißt: „Gewerkschaftsgenossen! Wir wenden uns an Euch, um uns in unserem gerechten Kamps« durch Eure Solidarität zu unter- stützen. Vor allem aber an die Gewerkschaftsgenossen und-genosssn- nen, welche Portier stellen und Hau-reiniaungen innehaben und in anderen Verbänden organisiert sind, damit die Bewegung einheitlich durchgeführt werden kann. Lang genug hat unsere Geduld gedauert, alle Verschleppungen und sonstigen Manöver haben wir über uns ergehen lassen, nun aber heißt es genug damit, wir erwarten, fall, wir zum Kampfe gezwungen wer- den, strengste Solidarität der gesamten Arbeiter- schalt." Zu jeder Auskunft ist stets der Portierverdand. Dayreuther Straße 31, bereit._ Eine Versammlung der Erwerbslosen des Bezirks XI Schöne« berg-Fnedenau zeigte die llnzuiiiedenveit der EnveibSiosen. her« vorgerusen durch die in das Unendliche steigende Teuerung der notwendigsten Lebensmittel und gab der testen Erwariung auf ausreichende Beickästigung oder eine der Teuerung emiprechende Unterstützung Ausdruck. Gewünscht wurde eine Sonderbewilligung zwecks Beichaffung von Brennmalerial und Winierkleidung. um einer weiteren Verbreitung der Tuberkuloie nicht noch mehr Bor- l'chub zu leisten. Die anwesenden Erwerbslosen, ohne Uulerichied der Partei, richteten einen dringenden Appell an sämtliche Jnstiu«, tione». Wohlfahrtseinrichtunaen. ÄrbeitSminisierium und die Se- werksÄaslen, towie alle politischen Parteien, mit ihrem ganzen sozialen Emvsiuden und ihrer Macht sich für die Linderung der surchibaren Nor der Erwerbslosen einzusetzen und durchgreifende Maßnahmen gegen den überhandnehmenden LebenSmittclwucher zu sordcrn. Streik in der Dornoper Salklnduflrie. Die pesamie Belegschaft der Kallrndsirie in Dornap bei Elberfeld ist wegen Lohnfor- dcrungen in den Ausstand getreten. Slraßenbahnerbewegung in Rheinland-Westfalen. Die Per« bqndlniigen sür die Slratzenbohnen der Gruppe Dortmund-Essen und Elberfeld wurden als nutzlos abgebrochen und beschlossen, den Schiedsspruch des ReichSkommissar» Mehlich in Dortmund anzurufen. Bkiboud d« Auchbiatxr»»d Papler-erardeiter. Unsere Kollegenschost ist vervflichtct,«u der Demonstration heute nachmittag vollzählig zu erscheinen. Treffpunkt um 2 Uhr am Spittelmarkt, rkingang Untergrundbahnhos. Abmarsch von dort 2,20 llhr. Metall»rbciter-Betrietar ilt«! Besucht dl,«rur-pen-ersammlungl Der Frattionovorstand. Beriand de« angestellten Dentisten and Hrlserinnen. Sitzung Mittwoch 8 Uhr Jnselstratze, Eck« Reue Iakobstratz«. Deutscher Holzarbeiterverband. Kiavierarbeiier! Donnerstag 40, Uhr Im Reichenderger Hof, Reichenderger Str. 147 Bersamlung der Betriebsräte, Dencrat- veriammlungsd regierten, Obleute und Vertrauensmänner. Tagesordnung: Untere Forderungen zum nächsten Lohnadwmmen.— Bodenieger und Bohnert Der Bau der Bodenlegerstrma Etbtnaer, Mohren-, Ecke zri-drichtlr(Ktofterkellerl ist sllr olle Bodenleger und Bohner gesperrt.— Am Mittwoch sind dir Bureauräumc au» An- iatz de» dritten Jahrestage» der deutschen Revolution von 2 Uhr ad geschtofsen. Die Ortsverwattung. Transportarbelter-Berianb. Branche Graphisches Gewerbe. Donnerstag 7 Uhr bei Fepfara, Melchiorstr. Ii, Bertrauensmännersttzung aller Gruppen de» graphischen Gewerbes.— Branche S», Eisen, Eisenwaren, Röhren, Werkzeug» Handlungen. Donnerstag 6 Uhr tm Restaurant de» Gewerlschaflshause», Engel- User 24— 25, Vollversammlung. Verband der Gärtner und Gärtnerelarbeiter, Gruppe Sandschastsgärinerei. Sonnabend 7 Uhr im Eewerkschastshaus. Engeluser 24, Saal 5, Gruppenver- sammlung. Verlaus der Lohnbewegung. Verantw. für den redakt. Teil: Dr. Werner Pciser, Charlottendurg: für An- zeigen: Th. Glocke, Berlin. Verlag Borwärts-Beriag G. m. b. H.. Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckerei u. Berlagsanstalt Paul Singer u. To., Berlin, Lindenstr. 3. Hierzu 2 Veilaaeu. MtLihnGrtEs äjcs&n Hornhaut, Schwielen u Warzen ) beseitigt da* är'Hich empfohlene mi&onenfoch bcwShrh Schjch/e/ HiSO mApolhektn Drogerien erfäl/fc/i ttr. 52Y ❖ Z8. Jahrgang 1. Heilage ües Vorwärts Mittwoch. H. November1H2l vor örei fahren. Als der Zusammenbruch kam.— In Berlin und an der Front. Der Revolutionszug. Zwei Tage vor dem 9 November, hunderte von arbeitenden Berliner Frauen hatten in den kalten Herbsttagen Kartoffeln ge- buddelt, draußen, weit von der Riesenstadt entfernt, hatten sie ge- schafft, sich abgerackert um des lieben Lebens willen. Nun faßen sie todmüde mit ihren Kartoffclfäcken in dem Eisenbahnzuge, der endlich nach langem Warten von Hamburg gekommen und sie nach Berlin bringen sollte. „Werd' schon schaffen, werd' schon schaffen" sangen im ewig gleichen Takte die Räder. Plötzlich stand der Zug. Im trüben Lichte lag der Bahnhof da Aufgeregte Menschen rannten am Zuge entlang.„Hat keiner Waffen?" riefen ein paar Matrosen.„Ka- mcradcn, wenn Ihr Waffen habt, kommt doch raus."— Zag drückten sich die Frauen in die Ecken. Die draußen bekamen Hilfe und dann fuhr der Zug wieder weiter in die Nacht. Dort auf dem Bahnhof hatte ein blutjunger Leutnant die Weiterfahrt des Zuges verhindern wollen. Ein baumlanger Matrose hatte ihm die Faust unter die Nase gehalten. Da war er still geworden. Zwei andere Matrosen waren hurtig auf die Lokomotive geklettert, und nun stampften die Räder wieder ihr altes Lied, und bei jeder Umdrehung war der Zug einige Meter auf Berlin zu gerollt. Das war in der Nacht vom 7. zum 8. November. In Neustadt an der Dosse waren Maschinengewehre eingebaut. Soldaten— blutjunge Rekruten waren bereit, auf den Zug, der aus dem Gebiete der stegreichen Revolution kam, zu schießen. Um Mitternacht zog ein Teil der Angekommenen in der Rich-! tung nach Berlin weiter: Werftarbeiter, Matrosen und, wie sich später herausstellte, einige Offiziere in Zivil. Matrosen, die ihre Habe mit sich schleppten, blieben ermattet liegen. Nach anstrengen- dem Marsche wurde Nauen erreicht. Plötzlich gellte ein Ruf durch das Bahnhofsgebäude: „Die Bolschewislen kommen. die Matrosen sind dal" Und richtig, keuchend und stampfend schleppte eine Lokomotive einen D-Zug heran, der auf dem Bahnhof hielt und in dem fast ausschließlich— Frauen und Kinder saßen. Das war günstige Gelegenheit zur Weiterfahrt. Langsam fetzte sich der Zug in Bewegung, aber alle Augenblicke mußte er halten: das Geleise war in gewissen Abständen aufgerissen, und im Handumdrehen wurde der Strang durch herausgenommene Schienen aus dem Neben- geleife fahrbar gemacht. So ging es aemächlich weiter bis Staaken. Dort stgnden wieder Soldaten mit Maschinengewehren, und Offi- ziere untersuchten frstcmatisch die Abteile, vor die sich dann jedesmal drohend die Maschinengewehre aufpflanzten. Berlin war im Ver- teidigungszustand, was aber nicht hinderte, daß die aus dem„Ham- burger Reoolutionszug" Entwichenen eiligst verschwanden und zu Fuß nach Spandau wanderten, dessen Lichter lange in der Ferne lickren. Kleine Soldatenpatrouillen trieben sich im Gelände umher. Sie waren schwer bewaffnet und aus ihren Gewehren prangte das blanke Seitengewehr. Meist diskutierten sie eifrig die politische Lage. „De? Banernkönig soll abgedankt haben."„Ganz Deutschland ist von den Revolutionären besetzt, nur Berlin ist noch frei." und anderes mehr. Freudig hörten sie die Bestätigung von der siegreichen Re- volution. Sie waren es müde, Soldaten zu fein.— Bald war Berlin erreicht: Spannung hatte alle ergnsscn. Die kommenden Ereignisse kündigten sich an. Der November. Die Nacht vom 8. zum 9. November verrann ruhig. Dann ging die Sonne auf und leuchtete an jenem Tage, der die Befreiung brachte, der die Sache der Revolution fast unblutig abschloß. Ge- waltige Dcmonstrationszüge durchzogen die Straßen: Um 19 Uhr l hatte die Sozialdemokratische Partei den Generalstreik proklamiert. I Fenster und Bürgcrsteiae waren dicht besetzt. Welche Beaeisterung * löste bei allen freiheitlich Fühlenden das Gerücht aus, daß sich die �Naumburger Jäger den Arbeitern angeschlossen hätten, und dann kündete die zweite Extraausgabe des„Borwärts", daß das Alexanderregiment und die vierten Jäger geschlossen zum Belke übergegangen seien und die Offiziere sich den Soldaten angeschlossen hätten. Die Arbeiterschaft hatte die Macht. Sie wußten von nichts! Die einer den 9. November draußen erlebte. In den ersten Tagen des November wuchs bei unserer Truppe, die ermüdet, zerschlagen unter dem ungeheuren Anstürmen der Eng- länder und Franzosen alle Kraft bis aufs äußerste hergegeben hatte, das Lied des lange vorausgeahnten Zusammenbruchs zu einer Elendssymphonie. Seit September befanden wir uns auf dem Rückzüge. Das irgend etwas vorging, bewies das sinnlose Dirigieren der Truppen von einem Frontabschnitt zum anderen. Wir wanderten Nächte, Tage, wurden zerlumpt, kaum mit dem Notdürftigsten be- kleidet, ohne Ruhepausen in Abschnitte von 3 Kilometern Länge ge- warfen. Drüben lauerten in denselben 3 Kilometern 199 Eng- länder, frisch, gut genährt und trefflich ausgerüstet. Die schreckens- volle Not kroch gieriger heran. Es kam, wie es kommen mußte. Bon einer überlegenen Führung war nichts zu spüren. Befehle kreuzten und verwirrten sich. Bei den Stäben stand sede Vernunft Kopf. Es regnete in Strömen und Kälte stieß durch die Glieder. In der Nacht von Noyon am 31. Oktober fraß ein französischer Massenangrifs drei nur halb gefüllte Kompagnien Hungernder. Rasch zurück. Keine Bagage, keine Nahrung. Regen, Regen unablässig. Beaucamp eine halbe Nacht, dann waren die Granaten hinterher. Straße nach Avesnes am S. November. Die Auflösung macht Fort- schritte. Fußtruppen, Kolonnen bunt durcheinander. In Avesnes am 7. November stehen die Einwohner vor ihren Häus?rn:„Da guerre kinie, la guerre finiel" Eine weiße Fahne flattert am Kirch- türm hoch. So weit ist es schon mit uns. Jetzt tragen plötzlich Leutnants Tornister und der Oberst ißt aus der Feldküche. Der Franzose sitzt auf den Fersen, seine Kugeln streifen schon die Straße ab. Am 8. November Rückzug bis zur belgischen Grenze. Gegend, die noch keinen Krieg gesehen. In Tirlemont Halt. Feuchte Wiesen, Weiden, Regen, Regen immerzu. Auch drüben scheinen sie zu halten. Nachts häufen sich die Leucht- kugeln. Am 9. November früh dringt der Franzose von neuem vor. Wir sind ein schwacher Haufen im Straßengraben, schießen, schießen. Zuweilen bringt einer Patronen.„Kein Brot, Kamerad— morgen vielleicht." Nichts Neues, keine Hoffnung, kein Ende. Berzweiflung sitzt an der Kehle, als sie uns in der Nacht vom 19. zum 11. No> vember befahlen, in die Wiesen zurückzukriechen. Wa» dort? Bis zum Krepieren liegen bleiben? 12 Uhr am 11. November. Sie schießen nicht mehr. Es heißt: Waffenstillstand, wir stehen auf und gehen frei durch den Regen. Am Abend versammelt ein Major unsere Elendsrcste. Er spricht von „ruhig nach Deutschland zurückkehren". Die Frage: Wa» ist in Deutschland? ruht auf oller Munde. Er weiß nichts, will nichts wissen. Am 13. November erzählt uns zum erstenmal eine Frau in Bcaumont:„Xaiser parti" und gab jedem ein Butterbrot und wieder- holte: „Gut für Soldat, ICaizer partil" Da ließen wir sie hochleben. Groß'�erltn Organisierte Reraernisnahme. Der Aufmarsch der Tugend. Der Prozeß gegen Frau Gertrud E y s o l d, Direktor S l a d e ck und weitere 11 Bühnenmitgliedcr wurde gestern sortgesetzt. Der An- drang der Zuhörer war derart, daß in dem kleinen Saal eine stickige Atmosphäre herrschte, die die Berhandlung geradezu zu einer Stra- paze gestaltete. Die Entlastungszeugen Eanitätsrat Dr. P e y s e r und der praktische Arzt Dr. Römer erklärten, daß sie an der Aufführung keinen Anstoß genommen hätten. Der Zeuge S t e i n w e g, Direktor des Zentralan slchusses der inneren Mission, erklärte auf Befragen der Verteidigung, daß er die Karte zur Reigen- Ausführung von Professor Brunncr er- halten habe.(Bewegung.) Die Verteidigung stellte hierauf fest, daß es sich also um eine wohlorganiflerke Acrgernisnahme handele, um eine Organisation des Professors Brunner, und Rechts- anwalt Wolsgang Heine stellte fest, daß der Staatsanwalt an 2 2 Organisationen die Anfrage gerichtet habe, eb sie Aergernis nähmen. Die Zeugin R e i n e ck von der Deutschen B a h n h o s s m i s s i o n, die den„Reigen" zweimal gesehen hat, ist in ihrem„sittlichen Eitzwinden auf das tiefste gekränkt" worden. Tie Zeugin Frau Margarethe von Arnim und der Bankbeamte Tschermanski habön eben- falls an der Aufführung Anstoß genommen. Zeuge Bankbeamter H i g m a n n hat an der Aufführung nichts onsz setzen, wobl aber an dem Stück selbst, das zu realistisch sei. Dem Ersuchen des Zeugen, die Ocffcntlichkeit aus- anschließen, weil es ihm peinlich sei, über diese Dinge zu sprechen» wurde nicht entsprochen. Zeugin Frau Doris W! t t n e r hat weder bei ihrem Besuch der Premiere, noch gestern Aergernis genommen, noch begriffen, wie an dem Werk Anstoß genommen weroen könne.— Der 72jährige Kauf- mann K ö h n e ist mit seiner Frau aus Verabredung mil anderen, die einen Protest erlassen wollten, im August in eine Aufführung des„Reigen" gekommen. Seine Frau ist Borstandsmitglied des Berliner Frauenvereins gegen den Alka- h o l i» m u s. Die moralische Tendenz des Stückes sei nicht wirksam; es möge vielleicht auf den gerciktcn, willensstarken Menschen ab- schreckend wirken; aber auf die Jugend wirke es demoralisierend. Zeugin Frau Rektorin Christ, V�orlitzende des Vereins Berliner Lehrerinnen, hat den Protest gegen die Ans- fübrung des Stückes unterschrieben; dos Werk habe keinerlei erziehe- tischen Wert Durch das Stück werde die Stellung der Frau er- niedrigt. Lehrerin Fräulein Grade erklärt den ganzen Inhalt des „Reigen" für unkünstlei�isch und unsittlich. Zu denen, die großes Aergernis genommen haben, gehört der Zeuge Rcgicrungs- und Baurat Biermann, Mitglied der christlichen Stu- dentenvereinigung und des christlichen Stnden- ten-Weltbundc», und Zeuge Dr. Schreiber. Tbcaloge und Vorsitzender'der Deutsch» evangelischen Mission für Fragen der Dolkssittlichkelt. Dieser hat Anstoß genommen als Deutscher, Preuße und Berliner, denn in Wien, München. Dresden sei die Aufführung des Stückes unmöglich gemacht worden. Lehrer Rost, Mitglied des Deutsch- völkischen Vereins, erklärt, daß er„empört" gewesen sei über das, was er da gesehen habe und was dort als Kunst„verzapft" wurde. Er habe schließlich solche„Schweinerei" nicht mehr mit ansehen können. Rechtsanwalt Hein« gibt Eitzzel- bciten über den Ausbruch des Theaterskandals und dessen Berlaüf. Zu den damals durch die Polizei Verhafteten gehört auch der Lehrer S i e b e r t, der einen ekelerregenden Eindruck empfangen hat.— Auch Frau Hauptmann Mült�r, Mitglied des Völkischen Schutz, und T r u tz b ü nHri i ss c s. des„Herold", des „Aufrechten", des Deutschen Offiziersbundes, de« Verbandes deutsch nationaler Soldaten usw., hat gewußt, daß am 22. Februar das Kleine Theater„aus- geräuchert" werden sollte.— Direktor S l a d e k behauptet, daß diese Zeugen im Foyer großen Lärm gemacht und mehrfach geschrien haben:„Das verdanken wir diesen Iudenbengelsl" Die Zeugin erklärt dies für unwahr, hält es aber für durchaus be- nreiflich, daß sich das deutsche B o l t eine so„bodenlose Schweinerei? nicht mehr gefallen lasse. Die Zeugin gibt zu, daß sie am Sonntag ihre beiden 21- und 29jäh- rigen Söhne unbefugt mit in die nicht öffentliche Vorstellung genommen habe— weil sie„ein lebhaftes Interesse" daran gehabt hätten, dieses Stück kennen zu lernen und sich selbst ein Bild davon zu machen". Nach der Mittagspause wurde die Zeugenvernehmung fortgesetzt. Die Ctäöte foröern Hilfe vom Reich. Im„VoiwärtS" winde bcrciis kuri gemeldet, daß die Stadt Verlin angesitbiS der nnaukiveickili-ben Nolwendigkeit. die Kebälter und Löbne immer wieder gn erhöben. nckammen mit anderen Städten mit Hilfe vom Reick» drinnen will. Die für Donnerstag und Freitag nach Berlin einberufene nußerordeniliche H a u p t v e r i a ni in l» n g d e s Deutschen SiädlMageS» n d des Reichs st ödlebundes, der beiden Organisationen der größeren und kleineren Städte. wird sich mit dieser Forderung beschäftigen, ohne deren Er'üllmig viele Gemeinden den Zusammenbruch ihrer Finanzen nicht abwenden zu können glauben. Der Velsuch, das iortae'eht wachsende Mehr der GemeindeanSgaben durch immer neue E'hvhilna der Taiife für Gas. Wa�rr, Elcklnziiät. Straßenbahn niw. zu decken, sindcl feine Grenze an der Linstungssähiakeit der konsumierenden Massen, die schon die bi: her'ge Bclastuna kaum noch ertraaen können. Die gemeinschaftliche Taguna der beiden ?>ädieoraan>sätionen will eine Kundgebung sein, die der Re'chtieaiernna. dem Reichsrat und dem Reichstag vor Auien iüh'en soll, daß die Städte nicht sich selbst und ihrem Schicksal überlassen werde» dürren. Die Stadt Berlin bat ans den»eiien Gebalis- und Löbnerdöhnngen eine MebrauS- aabe von Ig9 Millionen Mark für Gehälter und 309 Millionen Mark kür Löhne ,» erwarten. Sie und viele andere Städte können, nachdem das Reich den Gemeinden da» Einkommen st euer« recht genommen hat, ihre Pflichten gegenüber ihre» Arbeitern, Angestellten und Beamten schwer erfülle», wenn nicht das Reich ihnen anderweitige Deckung ermöglicht. Neue Morütaten. Ein entsetzliches Verbrechen hat sich gestern nachmittag in dem Hause Linien st raße ISöa abgespielt. Der 19 Jahre alte Arbeiter Franz C a g a ck i hat dort in Gemeinschaft mil seiner Geliebten, einer 17 Jahre alten Gertrud Inda versucht, seine 47 Jahre alte Mutter umzubringen. Der Bursche schlug die Mutter mit einem Beile nieder, östnete der sich Wehrenden die Pulsadern und warf sie, da er sie für tot hielt, in Gemeinschaft mit seiner Geliebten ins Bett. Darauf kauften sie Kuchen und tranken gemütlich mit einem Freunde in der Woh- nung Kaffee. Inzwischen aber hatte die schwer- verletzte Mutter die Besinnung wiedererlangt. Unter Aufbietung ihrer letzten Kräfte befreite sie sich und schleppte sich ans Fenster. Von diesem aus rief sie, ohne daß die anderen in der Wohnung etwas merkten, um Hilfe. Polizcibcamte nahmen daraufhin den Sohn, die Geliebte und den Freund fest. Die Schwer- verletzte wurde durch einen Arzt verbunden und dann nach dem Hedwigkrankenhause gebracht. Es ist noch sehr fraglich, ob sie mit dem Leben davonkommen wird. Der Mörder und seine Ge- liebte wurden in Haft genommen. Beide sind gestän- big. Ein Verbrecken, dem ein Mädcken zum Opfer fiel, wird ouS Glasow bei Madlow, Kreis Teliow. gemclrel. Der dortige Lehrer Kirchhof unterhielt ein LiebesverhälunS mit einer 29 Jadre allen Minna Retlig, deren Eltern ebensallS im Orie wohnen. Der Lehrer ei schien nun bei den Angehörigen des MädckenS und teilt« diesen mit. daß die Tockicr lot im Sckiilzinmicr liege. Nachdem sie testgestellt hatten, daß die Tochter tatiäcklich tot ,m Schiilzimmer lag, flüchtete der Lehrer auS dem Ort. Voi her hatte er die GaShähne geöstnet, vermutlich, um eine V rgitlung vorzutäuschen. Ein hinzugerusener Arzt vermochte die TodeS- Ursache nicht t r st z u st e l l e n. Der zuständige AintSvorsteber von Mahlow beließ die Leiche am Fundort und benachrichtigte die StaatSanwaltschait, die sich an die Berliner Kriminalpolizei wandte, von der nun die nötigen Nachforschungen vorgenommen werden. fehlende Badegelegenheit im alten Westen. Nachdem in allen Stadtteilen die dort bestehende» städtischen Badeanitalten, wenn auch langsam, wieder ihrer eigentlichen Be» stimmnng übergeben wurden, hofften die Bewohner de» allen Westens, daß die dort seit Ausbruch des Krieges nickt mebr be- nutzte Badeanstalt in der Dennewitzstraße eben'alls wieder zur Benutzung sreigegebe» würde. Dahingehende An« regunge» an den Berliner Magistrat gnben, wie man uns mit« leilt, unsere Genossen in der Bezirksversammlung und im Bezirks« amt, jedoch ist bisher seitens des Magistrats in dieser Sacke nicht» getan. Das ist beionderS darum anßerordenllich bedauerlich, weil die badebedürftige, arbeitende Bevölleimig. die die Woliliar einer Badeeinrichtung im eigeneii Heim nickt hat(und die» sind»9 Proz), gezwungen ist, weite Wege znriickzulegen. um des Genusses eines Bades reilhaflig zu werden. Auch die Ingeiid entbehrt durch das Fehlen einer guten Badegelegenheit außeroidentlick viel. E« wäre Aufgabe des Magistrats und der da'ür verantwortliche» Instanzen, daß die Benutzung des Bades baldigst ermöglicht und vorzunehmende Reparaturen mit oller Beschleunigung auSgesührt werden. ES ist höchste Zeit, daß endlich auch diese Anstalt ihrer Bestimmung wieder übergebe» werden kann._ Der sozialistische Pfarrer unter NnSnahmezustand! Wie erinnerlich, wurhe ror wenigen Wochen dem sozialistischen Pfarrer Bleier der Urlaub zur Teilnahme am 19. deutschen Pazifisten-Kongreß in Essen verweigert. Ein telegraphischer Protest des Pazifisten-Kongresses, in dem daraus hingewiesen wurde, daß im Bezirk Halle ein deutschnationaler Pfarrer zwecks Agitation für den Landbund längere Zeit beurlaubt worden ist, war erfolglos. Für eine Bortragsrcise, zu der nunmehr anläßlich der Abrüstungswoche Bleier von der westdeutschen Arbeitsgemcin» schaft der Deutschen Friedensgesellschast zusam- men mit den Gewerkschaften eingeladen worden ist, um für die Döltervcrsöhnung in Aachen, Bochum. Köln, Essen, Hagen und einigen anderen Orte» in öffenttichcn Versammlungen zu sprechen, ist wiederum ein zehntägiger Urlaub abge» lehnt worden. Selbst eine Reise von vier Tagen, die jeder Pfarrer hier ohne Urlaub seiner Behörde machen kann, und die Bleier benützen wollte, um wenigstens in den Orten, wo alle Vorbereitungen be» reits getroffen waren und die Veranstalter nicht im Stiche zu lassen, zu referieren, wurde Ihm„für diesen Zweck" durch Eilbrief von der Behörde kategorisch unter« sagt. Dies alles, trotzdem eine Deputation bei dem Konsistorium rechtzeitig vorher vorstellig wurde, um den Präsidenten auf die Folge» für die Kirche, die f-lches Verhalten der kirchlichen Behörde nach sich ziehen wird, dcutl ch hivzuweisen. Die Deputation ent- deckte bei dieser Gelegenheit in dem Amtszimmer des Konsistorial- Präsidenten ein K a i s e r b! l d, das nach Ausspruch dieses Prä» fidenten„dort auch hängen bleiben wird". Selbstverständlichl Denn der Präsident billigte ausdrücklich die am Sedantage in einer Kirche für den Dcutschnationolcn Jugendffund von einem„Hof"» prcdigcr veranstaltete Sedanfeier, die stmtfand. als derartige Feiern auf freien Plätzen und in öffentlichen Lokalen verboten waren. Stolz sagte der Konsistorialprästdent: Berfügungen des Polizeipräsidenten kommen für die Kirche nicht In Betracht, hier hat niemand anders zu verfügen. Monarchistische Geistliche können unbeschränkt Agitationsrcden halten, das Kaisertum fehern und die demokratische Republik verhöhnen. Aber Pfarrer Blcier hat schweren Anstoß erregt, daß er sich als Pazifist, gegen die natio- nalistische Verhetzung unseres Volkes wendet und sich offen zum Sozialismus bekennt. Da man aus diesem Grunde ihn bisher durch kein Disziplinarverfahren aus der Kirche entfernen konnte, verbucht man jetzt seine öffentliche Tätigkeit als Pazifist und Sozialist unmöglich zu machen. Dem Konsistorium der Mark Brandenburg wäre dringend zu empfehlen, schleunigst seine Aemtcr niederzulegen, damit auch nicht mehr ein Pfennig Zuschuß von dir Republik in seine Taschen fließt. Andernfalls hab n d>e zuständigen Regierungsstellen dafür zu sorgen, daß die Kcrruvtion in dieser Kirchenbehörde sich auf das unter den monarchistischen Himmelsfähnrichen übliche Maß be- schränkt._ Die unterirdische Brücke. Die Nordsüdbahn kreuzt bei ihrer Linienführung durch die Friedrichstraße zwei Moor st recken, von denen sie eine, die auf einen Pfahlrost au» Eiscnbetanpfählen gegründet wurde, zwischen der Bcsselstraße und dem Bcllc-Alliance-Platz, bereit« fertiggestellt ist. Die zweite Kreuzung der Bahn mit einer Moorstrecke ist' r tz t im Bau. Sie liegt zwischen der Weidendamer Brücke und dem Bahnhos Friedrichstraße. Um nun die teuere Gründung auf e!n«n Pfahlrost zu sparen, wird an dieser Stelle eine regelrechte unterirdische Brücke über dem zu kreuzenden Moor errichtet, mit deren Bau jetzt besannen wurde. Nach Fertigstellung des letzten Bauabschnitte» des Spree- tunnels, der jetzt belm Rol*'au bis aus die Ausführung der f ü d. lichen Wehrkam ner. einer Einrichtnng, die bei einem etwaigen Wasscreinbruch den Sprcctunncl nach Norden und Süden gegen die übrigen Str.cken abschließen wird, fertiggestellt ist, wird mit der Einbringung der Eisenkonstruktionen begannen, dle inner halb der Asphaltdichtung in der Tunnelsohle und den Wänden liegt. Diese Eisenkonstruttione.i reichen trotz der verhältnismäßigen Tiefe, in der der Tunnel an duser Stelle liegt, bis dicht unter die Straßenpslasterung, so daß zwischen dieser und dem eigentlichen Tunnel ein Luftraum entsteht, der den sonst erforderlichen Ueber» füllboden erspart und damit auch die Tragfähigkeit des Moorbodens nicht höher in Anspruch nimmt, als die bisher auf dem Moor ruhende Bodenmenge. Di.' neuartige Methode, ein« Moorstrecke mit einer Untergrundbahn zu kreuzen, wird also erhebliche Summen an den Baukosten sparen und gleichzeitig e» auch ermöglichen, die Uistcrgrundbahn ohne Gefahr für die in der Nähe befindlichen 5) aus er fertigzustellen. Arbeiter Samariter. Ein« von der Arbeiter-Samarite,«Kolonne abgesplitterte Gruppe hat»inen selbständigen Samariterdienst unter dem Namen „B r o l e t o r i s ch« r G e I II n d b e i t s d i e n st" eingerichtet. Der Bezirksvorstand der SPD. hat nach Kenntnisnahme der. Berhand- lungen, die mit der GewerlschastSlommission und den Arbeiter- Samaritern geiührt worden find, beschlossen, daß die Arbeiter- S a m a r i t e r»K o l o n n e Berlin nach wie vor die- jenige Organisation ist, die bei unseren Ver« an staltungen den Gesundheitsdienst verrichtet. Die Kreis- und Abteilungsleitungen werden um Beachtung dieses Beschlusses ersucht. Beschwerden über Wohnungsamter. Der Magistrat gibt bekannt, daß Beschwerden über Wohnungsämter zunächst nur bei dem zuständigen Bezirksamt anzubringen sind. Unmitrelbare Be- schwerden bei dem preußischen ZvohliahrtSminister, dem Ober- präsidenien oder dem Zentralomt flir Wohnungswesen der Stadt Berlin brauchen längere Zeit zur Erledigung, da sie steiS dem Bezirksamt zugelerret werden müssen.— Entscheidungen des MrereinigungSamle» sind an sich unanfechtbar. Beschwerden sind nur dann zulässig, wenn da» MieteinigungSamt seine Zuständigkeit üb erichrillen oder VeifabrenSvorichrisien oder Bestimmungen de» materiellen NechlS außer ach» gelassen oder verletzt hat. Be» schwerden sind beim ersten Vorsitzenden deS MietSeinigungSamteS, Berlin C. 2, Neue Friedrichstr. 80, 3 Tr., anzubringen. An der Unfallstelle des Dampfer»»Storkow- wurden gestern die Leichen des Kaufmanns A l l i b n auS Dahlem, die der Frau Bogt aus Berlin. Lehrler Str. 14/15. und die der Frau Marie Reiner. Berlin, Tilsiier Sir. v, auigesilndeii. Die Leichen sind in die Leichenhalle Wanniee übeifübrt woiden. Nach der Auffindung dieser Personen rühr noch ein Verunglückter im Wannlee. Durch Skarkstrom gekölet wurde gestern vormittag der Monteur Georg B i l i» e r auS Weißcnsee bei der Ausführung von Arbeiten an einer Starlstromleuung der AEG. in Obcrschöneweide. Er halte sich in den Raum für Sichernngkanlagen begeben und muß dort veri ehe ntlich eine Starkstromleitung berührt haben. B i t l n e r war alsvoriichtiger und be« sonne ii er Arbeiter bekannl. Die Leiche wurde»ach der Halle in Obcrichöiiewcide gebracht. Gasvergistuag Infolge eigener Unachtsamkeit. Gestern bor- mittag wurde die Ibjabrige Emabcth Schul, in ihrer Wohnung in der Liilberitraize bewußtlos aufgefunden. Der Schlafroum war mit Gas geiüllt. Sie wurde gerettet und nach dem Kranken- bau« Westend geschafft. Wie sich beraiitstcllte, hatte sie den Ga«- Hohn nicht gänzlich geschlossen. Nur elu»xoldner Sonulag-. Die Verkaufszeiten am Toten- tonntoge und an den Sonnlagen vor Wkibnachten werden soeben durch einen Erlaß de» Polizeipiäsidenteir- für diese« Jahr wie folgt -feiigeietzt. Am Toienionntag<20. November) dürfen Blumen« geichätle im Bezirke der neuen Stodtgememde Berlin von 12'/, Uhr bis 5 Uhr nachmittag« feilbalten. Am letzten Sonntage vor Weibnachten, dem 18. Dezember, ist der Gewerbebetrieb in offenen Lerkouisstellen in der geil von 1 bis S Uhr nachmittag« gestattet. Städtisches Mariooettcntheater, Meinickcndorf. Am Donner«- tag, dem tv. und am Sonnabend, dem 12. d. M., nachm. 4 Mr. findet in der.Juaendhallc'(Seebad), Rclidenzfir. 4S, eine Marionctten-Thealervor- fielluna statt. Gelvielt wild:»Nolannde. da« Dundertier des Mobren» fürlten� von Dr. Paul. Eintrittspreis für Kinder 75 Pf., für Erwachsene Groß-Serliner parteinachrichtea. heute, Mittwoch, 9. November: S. Krei». Deddlaa. Stevolutionsstier in de» Pharussillen, Mllllerstr. 142, abend« 7>4 Uhr. Mitwirlende: Da» Lamdinoii-Quartett, Emil ttlibne, Rezitationen, und der Meinecksche MSnnerchor. Festrede: Genosse Albert tirlifc. Eintrlttsiarten zu 2,50 M. find noch am Eingang zu haben. Reg« eleiligung wird erwartet. L fleei*. Prenzlauer Berg. Die Genossinnen und Genossen, welch» nicht von den Betrieben au, zur Demonstration mitgehen, treffen sich nachmittag« 2 Uhr an der Hochbahn Danziger Strasse zum Abmarsch nach dem Hum- boldthain. Fahnen mitbringen. «. ltcei».«reuzbcrg sfrUher Hallesche« Tori. Rcvolution«f«Iern: SO.,«ewerl- schafiohau«, Engeluscr 24—25; EW., Bockbrauerei, Fidieinstrasse. Beginn 6 Uhr. gilt Familienunterhaltung isi bestens gesorgt. Um reg« Beteili- U. «ung wirb gebeten. irei«. Schlnedcig.Frlcdenan. „„_________ Die Genossinnen und Genossen, welche an der Demonstration der Betriebe nicht teilnehmen, treffen sich vor dem Restaurant Will, Martln-Luther-Etr. 09, zum gemeinsamen Zug nach dem Wittenbergplass. Jede Abteilung stellt fünf Ordner. III. Abt. tfrllhcr 04.). Alle Genossinnen und Genossen, die nicht von den Be- trieben ou» demonstrieren, tresfen sich zum Abmursch mittag» 2 Uhr bei Obligo, Etralsunder Str. II. 0«. Abt.< früher 3.). Die Mitglieder der Abteilung beteiligen sich an der De. monstratton aus dein Naiser-Friedrich-Plass. Ebenso wird um rege Betei- liaung an der Abenbfeier in der Bockbrauerei, gidicinstr. 2—3, gebeten. «0. Abt. fsriiher t.}. Die Mitgliederoersammlung fällt au». Di» Genossen nehmen an der Revolutionsfeier im , Fidicinstr. 2-3, teil. Ein. tritt»karten bei lteufner, Hagelbcrger Kir. 20». 81. Abt. Marleadoif. Die in Mariendorf arbeitenden und wohnenden Ge- Nossen resp. Genossinnen werden gebeten, sich zweck, Teilnahme an der Demonstration um 2 Uhr auf dem Marktplatz, Chausseestrasse, einzufinde». Anschluß an den gug der Betriebe Daimler, Stock usw. II«. Abt. Lichtenberg. Der Revolution»?-!«! wegen findet der gahlabenb a« 23. November in den bekannten Lokalen statt. Morgen. DonnerÄag, 10. November: «. Krei». Krenzberg. TA Uhr bei Wolfs, Förster Str. 44, Sitzung der Obleilt« der Elternbeiräte. Wichtige Tagesordnung. 23. Abt. iirüher 48.). Zusammcnkunst sämtlicher Betriebsvertrauenileute bei Lewandowski, Scestr. 104, abend» TA Uhr. Jeder Bertrauensmann muß erscheinen, um Streichung zu vermeiden. Mitgliedsbuch und Funltionär- karte sind mitzubringen oder, wenn Erscheinen unmöglich, hinschicken. 24. Abt. 7 Uhr Sitzung der Bezirksführer, Nreisvertreter und Elternbeirllte be! Schütz, fielterftr. 2. Wichtig« Tagesordnung. EhalloUenbul». 32. Abt. TA Uhr Abteilungsversammlung bei Heidt, Kaiserin. Augusia-Wee 03, Ecke Taurogqencr Sirobe. Thema:„Die politische Lage". Ref. Heinrich Bierbücher.— 80. Abt. TA Uhr Ahteilungsversammlung bei Janeck. Pestalozzistr. 34. Ref. Genosse Sievert.— 58. Abt. TA Uhr Mitgliederversammlung bei Siein, Passauer Str. 35. Thema:„Der Gbrlitzer Parteitag". Ref. Emil Lehmann. 24. Abt. gchlendars. 3 Uhr Borstand»- und Funktionärfltzung beim Genossen Mickten. Potsdamer«Ir. 25. tzeitunnstowmission Grotz-Berli«!&A Uhr Sitzung im Konfeienzfaal der Bor- wär»»redali!on, Lindenstr. 8; 4 Hof link» l Tr werden gebeten, gleichfalls zu erscheinen. Treppen. Dl« Spediteure Frauenveranslallungeu. «3. 2l>t. Eharlottcnburg. TA Uhr bei Lur. Ufnauftr. 1. Themat ,�tand de, Valuta und der Einsluss auf dem Wirtschastsmarkte". Ref. Gen. Dr. Loewen- thal. ?ugenüveranftaltungen. Morgen. Donnerstag. 10. November: GrSnau.Fallcnbcrg. Jugendheim Falkenberg. Baubude, Vortrag!„Das isi Bildung?.— Reutolla-Rold. Jugendheim Münchener Etr. 52, Bollsianze. - Norde». Ing-ndh-im Schule Puiibufer Str. 3-5. Vortragt„Sl-uben und Wissen".— Stalauer Btcrtcl. Jugendheim Schule Raglerstr. 3. Vortrag: ..Trieberziehung".- Reinickendorf.«-?,. Jugendheim Bollshau» Scharnweber. strasse, Vortrag:„Moses oder Darwin".— SchSnh-uscr«orftadt l. Schule s-nn-nburg-r Str. 20, L-seab-nd:.Lugend und sexuell- Frage.— Süden. Jugendheim Schule St-llschr-iberstr-ße. Lortra«:„Revolutwnare Dichtungen. Berel» Arbeiter. singend. Setretariat:«ffl. 08, Lindenstr. 3, 2. Hof Unk«. 3 Treppen recht» Telephon: Mpl. I2l 08-10. Heute, Mittwoch. 9. November: Alle Abteilungen beteiligen sich au den ReooluNousfetern der Varlei. Revolutionsfeiern. Am Abend des 9. November finden künstlerische Veranstaltungen, bestehend aus Muflk. Gesaug, Rezitalioneu. Festreden usw. statt. t. Keei»«erfln.Mtte: Abend» 7V4 Uhr. vranerei Kölligstadt. Schönhauser Allee 10/11. Festrede: Paul Hirsch. 2. kreis Tiergarten: Abends 7 Uhr. Gemeindeschnl« waldenser- sirahe 20/21. Festrede: hugs Helmann. Z. Kreis Wedding: Abends 7� Uhr. Pharussäle. Müller str. 142. Fcslrede: Albert horlih. 4. Kreis Prenzlauer verg: Abends Ahr, vöhow-vrauerei, Prenzlauer verg. S. Kreis Friedrichshain: Abends 7 Ahr. Konzerkhans«Friedrichs- Hain", am Königslor. 6. Kreis Krenzberg: Abends 7� Uhr: 1. Pahevhofer vrauerei. Fidicinstr. 2 3. 2. Gewerkschaslshaus. Engeluser 25. Festrede: Karl hehschold. 7. Kreis Charlotlenburg: Abends 7 Vi Ahr. Leibniz-Oberrealschnle. Schillerstr. 125/127..____ 8. Kreis Spandan: Abends 7� Ahr, Oberrealschole. Moltte- Ecke Friedrlchstraße. S. Kreis Cladow: Nachmittags 4 Uhr. Lokal VSumann. Festrede: Dr. Dstrowski. S. Kreis Wilmersdorf: Abends 7% Ahr. vlktoriagarteu. Wilhelms- aue 114/115. Festrede: Pfarrer Francke. 10. Kreis Wannsee: Abends 7 Ahr, Rest..Zürstenhof", SSnigstr.40. Festrede: Georg Ucko. 12. Kreis Sieglitz: Abends S Ahr. Lyzenm 1. Rothenbnrgflr. IS. Festrede: Robert Breuer. 12.«reis Lichterfelde: Abends S Uhr. Aula des Realgymnasiums. Dratcstr. 72. 12. Kreis Lankwitz: Abends» Ahr. Lehmanns Festsäle. Salser-wil- Helm- Straße. 13. Kreis Tempelhof: Abends 7W Uhr. Realgymnasium, Kaiserin- Augnsta- Straße. 13. Kreis Mariendorf: Abends 7% Uhr, Gymnasium. Saiferstraße. 13. Kreis Lichlenrade: Abends 7% Uhr bei Rohrmann. Hilpertstraße. 14. Kreis Neukölln: Abends 7V2 Uhr. großer Saal der.Neuen well", Hasenheide 114. Festrede: Dr. Soester. 15. Kreis Dberfchöncwcide: Abends 7 Uhr, Realgymnasium. Zeppe- linstraße. Festrede: Prof. Oestrcich. 15. Kreis Adlcrshof: Abends 7 Uhr. nicht Lokal Wöllstein, sondern Ziege, vismarckstr. 29. Festrede: Marquardt. 15. Kreis Nlederfchüneweide: Abends 7 Uhr, im Wirtshaus Loreley. Berliner Skr. 101....... 15. Kreis Zohannislhal: Abends 7 Uhr, Restaurant„Einsiedler. Festrede: Tausendschön. IS. Kreis Köpenick: Abends 8 Uhr. großer Saal des Skadtlheaters. Festrede: Emil DIllmer. 18. Kreis Bohnsdorf: Abends 8 Uhr bei Wirlh. vahnhofstraße. Festrede: Fritz Saar. 18. Kreis Grünau: Abends 7 Uhr, bei Werner, SSpenicker Skr. 108. 17. Kreis Lichtenberg: Abends 7% Uhr, EScilleulyzeum. Ralhansstr. Festrede: Franz Krüger. 17. Srels Karlshorst; Abends 7 Uhr. Im Festsaal des Kauk-Realgym. uaflums, Treskowallee 44. 17.«reis Mahlsdorf: Abends 7 Uhr. Rest..Berliner Rathaus- bären", Grunowstraße. Festrede: Kurl Siehmann. 17.«reis Kaulsdorf: Abends 8 Uhr, in Hamanns Gesellschafkshaus. Frankfurter Straße. Festrede: Rlchard Welmann. 18. Kreis Weißensee: Abends 8 Uhr. Oeltes Festsäl«. Verllaer Allee 215. Festrede: Joachim. IS. Srels Pankow: Abends 7 Uhr bei Liuduer, Breite Straße. Fest- rede:"Dr. Sarsen. 19. Kreis Niederfchönhaufen: Abends 7 Uhr. im Restaurant„Sans- fonci" fZnh. Innsch), Nordend. Festrede: Dr. Zechlln. 19. Kreis Buchholz: Abends 7 Uhr bei Saehue, Berliner Str. 39. Festrede: Hedwig Wachenheim. 19. Srels Karow: Abends 8 Uhr. Rest..Baukgrafeu". Festred«: Arthur häußler. 20. Kreis Rosenkhal: Abends 8 Uhr. Schneider, hanplstr. 3. Fest- rede: LIsbeth Riedger. 20. Kreis hcrmsdors: Abends 8 Uhr, Rest..Bellevne". Festrede: Dr. hisserich. 20. Kreis Wittenau: Abends 7% Uhr. in Tegel, in der Humboldt- � schule. 20. Kreis Blankenburg: Abends 7?4 Uhr bei Klng. Dorfstraße. Festrede: Willi Möbus. Referenten für die Demonstrationen sind: Bon der SPD.: Robert Hreuer. Arthur hänhler. Karl hehschold, Kurl heinig. Erich knttnerl Hermann Lüdemann. Dr. Loh- wann, Dr. Ostrowski. Heinrich Pierbücher. Von der USPD.: Alfred Berger. Paul Brühl. Dr. Hertz. Richard Küter, Dr. Loewcnsteiu. Dr. Moses, Otto Meier, Emil Ra- bald, Gerhard Seeger. Bon der Gewerkschaft: Emil Barth, Karl Polenste. Ml- Helm Reimaan, Karl Bollmerhans, Otto Ziska. wir bitten unsere Genossen und Genossinnen, sich zahlreich an diesen veraustallungeu zu beteiligen. des Zweiparteiensystems, auf dem der englische Parka- mentarismu» ruht, herbeigeführt. Neben dieser Tätigkeit der Landespolitik beruht das große Ver- dienst Keir hardies aber dann noch in seiner Arbeit in der Zweiten Internationale. Wir sehen ihn aus ihrer Grün- dungskonferenz zu Paris im Lahre 188S, wir treffen ihn mit vielen in der Entwicklung der Internationale führenden Genoffen, mit Bebel, Jaures, Adler, huysmans, mit henderson, William Morris, hyndman, Guesde und Vollmar u. a. immer wieder auf den Zu- sammenkünften der Internationale, deren englisches Bureau er bei Kriegsausbruch leitete: wir finden ihn auf der letzten Zusammen- kunft der geeinten Internationale in Brüssel, als schon die Anzeichen des Weltkrieges drohend am europäischen Himmel aufflammten: mit Jaures nimmt er an deffen letzter öffentlicher Kundgebung gegen den drohenden Krieg in Brüffel noch am 29. Juli 1914 teil. Bald nach Jaures ist auch er dahingegangen. Der glühende striedensfreund, der den Aufruf der englisäzen Sektion gegen den Krieg unterzeichnet hotte, der am ö. August mit Mac Donald im Unterhaus gegen den Krieg gesprochen hatte, obwohl beide wußten, daß alles verloren war, hat es noch erleben muffen, daß sein eigener Wohlkreis ihn in einer pazifistischen Dersammlung nicht zu Worte kommen ließ: 1915 ist er dann gestorben— sicherlich haben die furchtbaren Aufregungen und Erlebniffe dieser Tage den schon kranken Sechziger vorzeitig gebrochen. Seine Schöpfung aber, die JLP., ist seinem Gedanken der absoluten Kriegsgeqnerschaft treu ge- blieben(bei der Beschreibung dieser Dinge ist die Darstellung, gewiß abstchtslos, nicht immer frei von Animosität gegen die SPD.), sie fühlt sich noch immer als Erbe seines Werkes. Wir muffen hoffen, daß sie es vor allem im Sinne seiner wahrhaft internationalen Ge- sinnung fortführen wird. Die schöne, in liebevoller verehrender Freundschaft geschriebene Einleitung, die sein alter Kampfgenoffe MacDonald dem Buche geschrieben hat. bringt uns den Bortämpfc- aus den Ansanaszeiten der sozialdemokratischen Bewegung menschlich ganz nahe. CH.L. Der Kongreß der deuls6?en sozlaldemokrallschen parkei in der Tschechoslowakei findet am 11. Dezember in Teilchen statt. Tic lichechoiiawische sozialdemokratiiche Partei delegier« zu dem Kongreß die Genossen Nemec und Aster. Soziales. Nachprüfung von Pensionsansprüchen? Man schreibt uns; Eine große Anzahl von Beamten und Lehrern hat sich in der Nachreoolutionezeit frühzeitiger penlionieren lassen, als es nach dem Gesetz zulässig war. Es sind dabei ärztliche Zeugnisse maßgebend, wenn«in Beamter vor dem 85. Lebensjahre in den Ruhestand treten will. Erstaunlich bei einer großen Anzahl von Fällen ist es nur, daß die betreffenden Herren, die auf Grund eines ärztlichen Zeugnisses frühzeitiger in den Ruhestand getreten sind— es sind vielfach Leute im Alter um 50 herum—, nun noch«ine reichliche private Tätigkeit auch ganz anstrengender Art ausüben, ihr Ruhegehalt beziehen und nun dazu noch ein ganz großes Stück Geld nebenbei verdienen. Da ist der eine Kinobesitzer, der andere leitet Prioatschulen, der dritte ist Agent, andere sind Amtsvorsteher oder betreiben andere Vermitt.ungsgeschäste, noch andere sind Eeschästssührer von Zeitungen. Fast alle aber, die wir feststellen tonnten, sind meistens An- � Hänger der Rechtsparteien, die zwar oön dieser vielgcschmäh- ! ten Republik das Ruhegehalt beziehen, die ihr aber keine Dienste leisten wollen und die offenbar jene Pensionierung durchzcsetzt haben, um sich den mooernen Verhältnissen zu entziehen. Bei Lehrerinnen ist es gar nicht fetten, daß si« sich vor ihrer Vcrheira- � tung pensionieren lassen und so eine reichliche Mitgift in die Ehe ! hineinbringen. Da in allen Fällen das ärztlich« Zeugnis die Grundlage für u« frühzeitige Pensionierung abgibt und man wohl annehmen darf, oaß die Lerzte nach bestem Wissen kiese Zeugnisse ausstellen, sc- muß man sich nur wundern, daß die Kräfte all dieser Herrschaften au-re:ch«n. um ganz umfängliche Prwatuntcr. nehmen zu leiten. Der Staat zwingt den Schwerkriegsbeschädigten dauernd Nochuntersuchungen auf und kürzt ihnen rücksichtslos ihre Rente, wenn auch nur eine geringe Besserung ihres Zustandcs ein- getreten ist. Di« Kürzung ist so stark, daß ein Drittel der Rente oft verloren geht, obgleich der Betroffene nach dem ärztlichen Zeug- nis 109 Proz. erwerbsunfähig und zwei Drittel siechtumspflege- bedürftig ist. Man muß tech fragen, aus welchem Grunde der Staat die Nachuntersuchungen, die er bei den Schwer- kriegsbeschädigten so rücksichtslos anordnet und anwendet, nicht auch in diesen eigenartigen Fällen der Arbeitsfähigkeit trotz erfolgter Pensionirrung zur Geltung kommen läßi. Hier könnten viele Millionen erspart werden. Was den Kriegsbe- | schädigten recht ist, sollte den aus Antrag vorzeitig Pensionierten ; billig sein._ Jus aller Welt. Mus öer Partei. Eine Biographie Keir Hardles. Eine Biographie Keir Hardies. herausgegeben im Auftrage der Jndependant Labour Party von William Stewart. 1921. fft in Lon- don vor«inigen Tagen erschienen. Keir Hardie hat sein Leben der politischen Arbeiterbewegung Englands gewidmet, er ist eigentlich der Schöpfer der Teilnahme der englischen Arbeiterklaffe am politischen Leben ihres Landes. So ist die Geschichte seines Lebens auch die Geschichte der bisherigen Arbeiterpolitik Englands und im engeren Sinne vor allem die G e- schichte der Jndependant Labour Party, die ihn als ihren großen Führer und Förderer verehrt und feinem Gedächtnis jetzt dieses umfangreiche biographische Werk gewidmet hat. Mit liebe- voller Verehrung verfolgt der Derfaffer, lange Zeit Mitarbeiter Keir Hardies, den an Arbeit, aber auch an schwer errungenen Er- folgen reichen Lebensgang dieses Mannes mit dem warmen Herzen und dem unbeirrbar klaren Verstand. Er mußte als Mitglied der liberalen Partei seinen Weg ins Parlament suchen, wo er bald die Notwendigkeit erkannte, die Arbeiterklaffe politisch von den alten Parteien unabhängig zu machen. So wurde die JLP. 1393 gegründet, lange vor der eigentlichen Labour Party; lange Zeit hat sie gegen die Energielosigkeit in den eigenen Reihen des Proletariats kämpfen muffen, das seine Parlamentskandidaten noch sehr lange in den Reihen der liberalen Partei beließ, lange nachdem die deutschen So- zialdemokraten schon so»gefährlich" für den Bestand des Bismarck- schen Machtstaates schienen, daß man sie der furchtbaren Zeit des Sozialistengesetzes aussetzen zu muffen glaubte Mit dieser Grün- dung einer eigenen Arbeiterpartei, die sich klar zum Sozialismus betonnte und mehr sein wollte, al» ein« bloße Gewerkschoftspartei, hat so Keir Hordie auch im innerpolitischen staatsrechtlichen Aufbau seine» Landes Einschneidendes getan er hat prinzipiell das E n d e Todesurteil gegen eine kindesmörderin. Das Schwurgericht Hannover verurteilte nach fünftägiger Verhandlung die Kaufmanns- ehefrau Luise Z e r w e ck, geb. Tröste, wegen Mordes in zwei Fällen, begangen an den Kindern Liselotte und Erika zum Tode. Von der Anklage des Mordes an dem Oberprimaner Hans Nölke wurde sie freigesprochen. Auch Gottes Fügung 7 Nach Beendigung des Nachmittags- goltesdieiistes in Eis. Rheinland, für die SSullinder hielt die Lehrerin die Kinder wegen deS S'.urme« länger in der KirSe zurück. Plötzlich kam der Kirchturm in« Wanken, fiel herunter und brach das Dach der Kirche durch. Sech» Rinder waren sosorr tot. weitere sechs wurden schwer, mebrere andere leicht verletzt.— Die Kathedrale von B oul o gne in Frankreich ist ein- gestürzt. Verluste an Menschenleben sind nicht zu bellagcn, doch ist der angerichtete Schaden sehr groß. Der Sturm riß da« im Fährhafen von Burg(Fehmarn) liegende Fährschiff lo« und entführte es in den Fehmarninnd. wo die hoch- gehenden Wellen es aui holsteinischer Seile 200 Meter weit auf den Strand warfen. Bei fallendem Wasser war keine Möglichkeit. da« Schiff frei zu bekommen, so daß Fehmarn ohne Fähr- Verbindung mit dem Festlande»st. Feuer In einer Kaserne. In der Radeßkykaserne In Budapest brach Freitag nacht um 2 Uhr ein Brand au». Das Feuer konnte erst in den Morgenstunden aus seinen Herd beschränkt werden. Nach den bisherigen Feststellungen fanden bei dem Brand acht Personen den Tod. 3n der Moskauer staatlichen Schahkammer gestohlen hatten 84 Beamte. Der Oberste Gerichtshof hat mebrere von ihnen er- schießen laffen. Ter Werl des gestohlenen Edelmetalls beträgt 15 Milliarden Sowjetrubel. Vorträge. Vereine unö Versammlungen. echnssp-rband der«ckiwerhlrige»«. B. Sonner»taz, den 10. d. St.. abend« Ti Uhr, Schwerliörigenschllle, Gethsemaneslr. 4, Ablese- und Sprachpfiegeuntcr. richt. SSste willtpmmen._ Sriefkaften der Redaktion. B r i» fll ck»« B u» t u n f t wir» nicht ,r»«ilt.- Zeder für den Brief. kalten bestimmten Anfrage füge man einen Buchstaben und ein« Rummer bei. Eilige Anfraaen trage man in der Zuristifchen Sprechstunde. Lindenstr. 3, 1. Hof pari. link», vor. Schriftstücke und Bertrüge sind mitzubringen. 8. 44. Aufnahme der alten Frau in einem Hafpital der Stadt Berlin fz. B. Altersheim in Buch) wäre unentgeltlich. Für Aufnahme in Altersvrr. forgungsanstalien»an Stiftungen werden allerlei Bedingungen gestellt: Alter. Konfession, Beruf de» verstorbenen Ehemannes, oft auch Einzahlung eine» grösseren Geldbetrage»._ Wetter bis Donnerstag mittag. Etwckl kälter, zeUtoets«.heiter, meist trocken bei mähigen nördlichen Winden. Ttieaier, lidüspiele usw.! PTnnnnnn1i..wg.i»«Haomjuouocncoooocoooco-joooaoocelBi Opernhans ToraniioL Arleecliino 7'/, Uhr Schauspielhaus Fiesco _ Ti, Uhr_ Deutsch. Theater T1'»' Louis Ferdinand. Prinz von PrcuKcn Donnerst 7l/i; Loui» Ferdinand, Fi Inz von PreuOoo Kammerspiele B: Oer HQhnerliot Do, 8 s Der HGbnerbof Gr. Schausplelh. (Karlstra6«> 1: C5tz von öerlichlnren Donnerstag' Uhr: Ofltz von Berllchlnten Theater I. d. PnigprätzerStr. Täghcb 7.30 Uhr: Manon Lescaut (Orr ka, Janssen. Riemann, BUdt, Brandl. Plcha. Reh kopl, v. Twardowskl. Appell, Klopp) Romödlenhaus Th u.: Die Fahrt ins Blaue (GlUner, Riebard, Er(l, Pröckl, Stleda) Berliner Theater Täglich 7.30 Uhr: (Prtnseffin Qjfaßa, fritziMassarjao. Ralph Arthur Roberts, Pepl Zampa, Hb. Klper Residenz Theater Täglich V«8 Uhr Der Sil io Paris OlgaLimbnrg, Kaiser-Titz, Else Witt Trlanon Theater Täglich'/� Uhr: Meid Freund Teddy Arnold Kortf, Lotte» linder W.Bendow, Ols-Schnelder- Nlssen. Fr. Sehönemann Kleines Theater Täglich Uhr: Frl. Josette - meine Frau Engen Burg, Carola Toelle Falktnsteln. R. ManB Volksböhne Theater am Bülowpiat? u' Masse Mensch Lessing-Theater !>,, Uhr: Die Spielereien einer Kaiserin Donnerst. 7 ,,! Der lasterhafte Herr Tsthu Freitaa bis Sonntag 7>/,: vis Spielereien e. Kaiserin Oeotsebes RDnstier-Th. Allabendlich?>/, Uhr: Der beilige Amliroslns (Max Adalbert) iv.iperiv. 1 Dir Jam. Klein| Die große Revue Centrat-Theater ti.v.-. DJetektlimädel Oeotsebes Opernhaus O.ZIgennerliaron Frledr Wilhelmstadt. Tb. s uhr: American Girl Intimes Theater SU; Die Spelunke' Laut doch nicht Immer nackt herum Kleines Schauspielhaus Klkl fi-ustsp) Lustsplelhaus n/,u: Peter Brauer Metropol-Theater S;*Die Straßensängerin Neuea Onerettentheater 8 uhr: Königin 1 Raclit Neues Theater am Zoo Julias Gwig-Maonliciie Neues Voiksthealer 7«/, uhr; Jngeniiirennile Sohlller-Th Charlottenb. 3 Uh: Don Carlos 8 Uhr; Meine Pmu. die Holschausplelerln 8chlo8park-Th. Steglitz vit u. ginnav.Barntieim Thalia-Theater 7«/,u.: Schäm' Dieii.Lotte Thea! a. Nollendorlplatz ä>/,: Oer flieg Holländer l,. Die Ehe Im Kreise Theater des Westens 4 Du Hfinsel und Gretel 7>/,u. Braut ILncullus Th.l d.Kommandantanstr. (Jüd, Künstler-Theater) Vit Uhr Oybulc Wallner-Theater t/, uhr Nixchen Volksoper. Walhalla Th. i;r GlGCkenvXornevillei Keine Bühne der Weit bietet solche Praehtans- s(att.u.Kam.hg- rühmlDarslell. Max Landa Bruno Kästner Sascha Gura Wilb. Hartsteinl Franz Groß P.Westermeyerl L. Werkmeisterl Albert Faulig 7i;Damen-| »3 Ballett! Vorverkauf ununterbfochen i uh. Theater Uliri >lr. Jam. Klein[ Die Sensation Barlins Frau Luna i Große Ausstatt Operette von Paul Llneke mit dem 1 TGrigo!atis-| Luft-Ballett Oskar Sabu a.G.| Eise Berna Martin Kettner Fritz! Area Fritz Steidi Damen- Ballett!) Vorverkauf I unutirerbrocheiTl 50 FOLIES CAPR1GE Limenstr. 133, am Oranienburger Tot Täglich 8 Uhr: Die Dan im Bett mit Perd. Qrönecker Tel. Norden röäo Mnsik. Kammerspiele Bismarckst.i in, a.t- nie SU. Claim JA CHE In Doktor» Waschküche Clrcus Busch | Tut. 7''» Stg. auch t Der Oebsenzug! Eine neue Leistg v | CIsenKOni" breitbart I Carl Hnrenbecksl Stellingen Indische Tierschau I Vvkl Werth u Circ Kl O waren en gros Einzelverkauf Alnskafüchse.Kreut- füchse, Pelzkragen v. 100 M. an, Pelzmäntel, Herren-Sportpelze lesii Neue Königstr. 21 (Ordonnanz-Haus) kein Laden, II. 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Ehr. seinem Andenlen t Zentrirloerband der Angeslellken Ortsgr. Gr.»Berlin> Die Ortsverwaltung Die Einäscherung findet am Donnerstag. den Iv. November, mittags L2 Uhr. im Krematorium in der Kertchistratze statt. Wir erwarten rege Beleiliguug v/i8 Das Mitglied uniercr Bertreterversamm- lung, unser lieber Kollege Erick Glaucke iflam7.November19>l in jungenIahrenpIötz- iich verschieden. Wir werden seiner als eines ireuen Mitarbeiters und Freundes gedenten. Der Ausschuf, da» Ortsknrtells de» Allgem. freien Angestelllendunde». Die Einäscherung findet am Donnerstag. den 10. November 192 1, mittag» 12 Uhr, im Krematorium in der Derichlstratze' |il»tzl!i!!iel iiels lildcltil- lerliinit Verwaltungsst.Berlin Den Milgiiedern zur Nachricht, dafi unser Kollege, der Dreher Kurt Prix Hochlir.»6 am S.Nov gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Einäscherungs- feier findet statt am Freitag, den It. Nov., nachm Z Uhr, im Krc» maiorium Gerichistratzc Nege Beteiligung er» wartet i02.l Die Orlsverwaltung. Ganz»nerwariei wurde uns durch den Tod unser längs Mitarbeiiir Herr Lfieti Glaucke entrissen. 5»?!6b Durch Fleiß und treue Pflichleriüllung hat sich der Verblichene ein dauerndes Andenken bei uns eiworben. Die Inhai er der Firma & Götz. Mimet MMltetoetM Verwaltungsstelle Berlin Jt 54, Cinienstr. 83-85 Geschäftszeit von vormittags 9 Uhr bis nachmittags 4 Uhr Telephon- Amt Norde» 185, 1289, l!«?. 9714 Achtung! Achtung! Gold- nnd Silberschmiede Vonnerstag, 40. ZTovember 4924, nachm. V zAhr: Sratichetiversammlung im Dresdener Garten Dresdener öir. 47. Tagesordnung: I Bericht der Berhandiungs» kommisstonen.— 2 Dislussion.— 8. Branchenangeiegen» heften 402/2 Die Branchenkommisfionsmiiglieder kommen um d Uhr in demselben Lotal Zusammen Alle Kolleginnen und Kollegen find verpflichtet, zu erscheinen. Die Ortsoerwalkung. Kriegsanleihe wird zu 84% in Zahlung genommen. Koch biÜtg! Wir erwarten rege Beteiligung statt. k 19 PtinVOCCO Rat' Beistana, mädige Preise. I I UZiCätloC reilrahlung. Ehe-, Alimenten-, Stratsachen Gnadengesuche I.andger.'Rat Dr. t. Kirchbach, tiesellschaft, Alexanderst, 45(am Alexanderpi, gepenüb. rietei, (M— 7). Glanz. Erfolpc 1 Beohachte. Tel.; Köni-st!59- Vantiagung Fllr die wohlwollenden Beweis« herzlicher Teil- nähme und die reichen Blumenspenden deilN Hin- scheiden meines lieben un- vergeßlichen Mannes u. gu- ien Vaiers Rudolf Adam lagen wir ollen Freunden und Belannien. de» betei- iiglen Kollegen u. Vereinen. insbesondere den Herren Rednern far den ehrenden Nachrui am Garge meines lieben Mannes, sowie den Sängern der Tvoographio unseren herzlichsten Danl. »edwlg Adam und Sohn Filiale Berlin Sebasttanstt. 37 38 Oonncrslaa. den 40. Hoaember, abends T Ahe. bei Schulz, Am Königsgraden 2, illr die Knoden- nnd vnrichen- konsetlion. und an dem gleichen Tage nach-i-ittags S Uhr bei Präger, Michael» Archstrafie 29a, ftir die Gnmmimdntel- Konsektton Mitglieder- Versammlung Tagesordnung: 105 10 Bericht von den Berhandlungen mit den Arbeitgeber». 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Von mächtigen Imprlsen bewegt, sahen wir am 9. No- vember 1918 über alle Not hinweg, bereit sie zu lindern mit dem besten was in uns ist. Arbeit, Gemeinschafts- arbeit sollte die Folgen des Krieges fortschaffen, nicht nur bei uns, auch bei den andern. Waffenstillstand und Friedens- vertrag, ausgehend von kapitalistischen Grundsätzen, lähmten die Wiedergutmachungskraft der schaffenden Arbeit. Wieder- gutmachung! O wie gern griffen wir dieses Wort auf. Die Gewerkschaften der in Frage kommenden Länder einigten sich auf wohldurchdachte Pläne für den Wiederaufbau zer- st L r t e r G e b i e t e. Gegenwärtig verhandeln in Paris über deren Ausführung Vertreter französischer und deutscher Ar- beiter. Die Arbeiterschaft hüben und drüben bekennt sich vor- bebaltlos zur Wiedergutmachung. Nicht so die politischen und militärischen Machthaber, auf die es letzten Endes ankommt. Für sie ist das Problem ein politisches Machtmittel, für die Unternehmerschaft aber eine Bereicherungsquelle. Wie kann man auf diesem Gebiete vorwärtskommen, wenn die Unter- nehmerschaft entweder ganz oder ausschlaggebend im Besitz der politischen Macht oder mit ihr versippt ist? Und wie kann man es verantworten, wenn ihr da, wo diese Macht ihr schon genommen war. sie ihr wieder in die Hände gelegt wird? Mit dem Wiederaufbau Frankreichs ist das Problem der Wiedergutmachung nicht erschöpft. Es zieht seine Kreise über alle Länder und ihren gesamten Kulwrbedarf. Jedes politische Ereignis, das die Förderung aller Fragen, die damit zusam- menhängen, hemmt, schädigt alle Länder. Deutschland steht im Brennpunkt des Problems. Ihm sind die schwersten Verpflichtungen auferlegt. Es mutz versuchen, das Vroblem von dem Wege der einseitigen Verpflichtung auf den Weg der internationalen Verpflichtung hinüberzuleiten. Diesen Weg verlegt sich das deutsche Volk, wenn es die poli- tische Macht den Kreisen in die Hände spielt, welche die Pflicht zur Wiedergutmachung weder einseitig noch allgemein aner- kennen. Alle unsere bürgerlichen Parteien stehen auf dem Standpunkt:„Macht geht vor Recht!" Haben der Krieg und seine Folgen noch nicht klar genug bewiesen, wohin dieser Standpunkt führt? Wie ist es möglich, daß so viele Frauen mit all den Scbrecken der Vergangenheit und Gegenwart spielen? Nichts Schlimmeres als das aber tun sie, wenn sie bei den Wahlen diesen Parteien ihre Stimme geben oder etwa ihr Wahlrecht nicht ausüben. Die internationalen Folgen sind so unmittelbar nicht erkennbar, desto mittelbarer aber die Fol- gen am eigenen Herde. Täglich bringt die Preste den Frauen Beweise für den Zusammenhang zwischen Wahlausfall und Lebenshaltung. So brachte die Morgenausgabe des„Vorwärts" vom i. November das Ergebnis eines Valutageschäftes in Reis. Durch An- und Rück- und Wiederkauf wurde bei diesem Ge- schüft der Preis für den Sack Reis von 357 Mk. auf 787 Mk. in die Höhe getrieben. Müssen wir uns dauernd mit diesem System abfinden? — Nein!— Die deutsche Republik ist der Boden, auf dem es in zähem, unermüdlichem Kampfe abgebaut werden kann, wenn wir alle auf dem Posten sind. Zunächst müssen solche Sündengewinne durch steuerliche Erfassung dem all- gemeinen Nutzen zugeführt werden. Das ist nur möglich. wenn die Volkskreise, die an einem solchen Ausgleich inter- essiert sind, sich den Einfluß, den sie haben können, auch sichern. Das geschieht einmal, wenn sie bei allen Wahlen restlos ihre Stimme für die Sozialdemokratische Partei abgeben. Damit wäre eine solche Machtposition geschaffen, daß die erfolgreiche Durchsetzung solcher Forderungen ohne weiteres sicher ist. Eine zweite Voraussetzung ist es aber, daß die Vertreter dieser Partei auch dann, wenn ihnen eine solche Machtposition durch den Wahlausfall nicht restlos ge- geben wird, dennoch jede Position, die ihnen auch im Minder- heitsverhältnis Einfluß auf den Gang der Dinge gibt, wahr- nehmen. Es ist ein tragisches Geschick für die Arbeiterschaft, daß Wirkung immer wieder zur Ursache wird. Armut hält in Un- wissenheit gefangen. Unwissende aber werden nicht nur im alltäglichen, sondern auch im politischen Leben Opfer schlauer Betrüger. Darunter hat auch der Mann gelitten. Er leidet noch heute darunter. Er hat aber trotzdem mit der Partei eine Arbeits- und Lebensgemeinschaft geschaffen, die den F r a u e n das Zurechtfinden wesentlich erleichtert. Es kommt nur auf die Frauen an, in dieser Arbeits- und Lebensgemeinschaft zu lernen. Unter der NichtVerantwortlichkeit für die Politik, als die Frauen das Wahlrecht nicht hatten, standen die Frauen mit ihrem ganzen Sein unter fremder Verantwortlichkeit. Bei dem Ergebnis, das dadurch gezeitigt worden ist, trifft man mit dem Worte Unverantwortlichkeit das Richtigere, Wehe denFrauen aber,dieihre Verantwortlichkeit nicht erkennen! Darum sei uns dieser Tag ein Tag der Besinnung auf unsere Verant- wortlichkeit.__ öolsihewisnms einst und jetzt. Don 21. Grigorjanz. Zum vierten Male jährte sich am letzten Montag der Tag des bolschewistischen Umsturzes vom 25. Oktober— 7. November— 1917. Es gilt einen Blick auf den zurückge- legten Weg zu werfen. Ungeheure Entwicklungen von der größten historischen Bedeuwng haben sich in diesen vier Jahren auf russischem Boden vollzogen. Unverändert geblieben ist nur die Phraseologie des Bolschewismus von der angeblichen Dil- tatur des Proletariats. Wessen Herz würde nicht höher schlagen, wenn man wüßte, daß die jahrhundertelang niedergedrückte und von dem Genuß der Kulturgüter unserer Zeit zurückgehaltene Arbeiterklasse tatsächlich Herr ihres Schicksals geworden ist? Leider ist hinter diesen Worten nichts als ein Wahn. Vor vier Jahren noch Verheißung, sind sie heute zum Symbol des Bankerotts geworden. Niemand hat zur K o m p r o m i t t i e- rung des sozialistischen Ideals mehr beigetragen als gerade die bolschewrstischen Gewaltpolitiker. Waren es im Oktober 1917 die breiten Lolksmasien, die durch die Fortdauer des Krieges empört, den Bolfchewiki die Bahn zur Herrschaft ebneten so verdankt heute die wenig zahlreiche Partei der Bolschewik! die Fortdauer ihrer Herrschaft dem Umstände allein, daß sich noch keine Kräfte aus dem Bestände des Volkes her- auskristallisiert haben, die in den Augen der Bauernschaft, dieser ausschlaggebenden Schicht der Bevölkerung Rußlands. Sicherheit für ihren Landbesitz bieten würden. Dieses negative Moment allein bildet den soziologischen Unterbau der Sowjet- macht. So gesehen, ist uns die ganze Entwicklung des Bolsche- wismus in Rußland erklärlich. Im I u l i 1 9 1 8 nahm der 5. Allrussische Sowjetkongreß in Moskau die Verfassung der Russischen Sozialistischen Föde- rativen Sowjetrepublik an. Es heißt darin:„D i e R u s s i s ch e Republik ist eine freie sozialistische Gesell- schaft aller Arbeitenden in Rußland." Schon auf dem 3. Sowjetkongreß im Januar 1918 wurde die „Deklaration der Rechte des arbeitenden und ausgebeutetenVolkes" angenommen. Von den darin als Beschlüsse aufgeführten sieben Thesen besagt die vierte folgendes:„Der 3. Allrussische Sowjetkongreß betrachtet das Gesetz betreffend Annullierung der von der Regierung der Zaren, Gutsbesitzer und der Bourgeoisie getätigten A n- l e i h e n als den ersten Schlag gegen das internationale Bank- ! und Finanzkapital, und er bringt die Zuversicht zum Aus» ! druck, daß die Sowjetmacht mit Festigkeit auf diesem Weg« weiterschreiten wird bis zum vollen Siege der internationalen Arbeitererhebung gegen die Unterjochung durch das Kapital." Vergegenwärtigen wir uns diese beiden Zitate, so können wir erst den Abstand ermessen, der uns von jenen Tagen des bolschewistischen Umsturzes trennt. Erst dieser Tage sandte die Sowjetregierung an den englischen Minister des Aus- wärtigen eine Note, in welcher sie die Bereitwilligkeit erklärte, „die Anleihen der Zaren, Gutsbesitzer und der Bourgeoisie" anzuerkennen. Und kein anderer als Lenin hat in seiner, auch in diesen Spalten kürzlich abgedruckten Rede mit erstaunenswerter Offenheit zugegeben, daß die Bolfchewiki in ihrer wirtschaftlichen Politik vollständig geschlagen worden sind. Lenin gibt zu, daß die Sowjetregierung einen Rückzug antreten mußte und bemerkt ergänzend, daß dieser Rückzug in förmliche Flucht ausarte. Nun appelliert Lenin an den Eigennutz des ein- z e l n e n, er will, daß sich jedermann vom persönlichen Inter- esse leiten läßt, und er erwartet davon die besten Resultate. Er belehrt die Arbeiter ferner, sie sollen sich jetzt von den Kapi- talisten ausbeuten lassen, und zwar, wie er in seiner ungelenken Weise bemerkt, bis zu 199 Proz. ausbeuten lassen, sie werden aber dabei, sagt der Bolschewiki-Apostel weiter, den Vorzug haben, zu sehen und zu lernen, wie gewirtschaftet werden müsse. Lenin und seine Nachbeter geben als der Weishest letzten Schluß wirtschaftliche Gedanken aus, die nichts anderes sind, als längst veraltete und abgedroschene Ideen der klein- bürgerlichen Vulgärökonomie. Das alles wird mit der Miene eines die Welt beglückenden Erfinders aus» gesprochen und in hochtönende Worte gekleidet, die zum stän- digen Jnventurbestand des Bolschewismus gehören. Die Aehn- lichkeit mit diesen kleinbürgerlichen Auffassungen, die enge Verwandtschaft mit ihnen wird noch deutlicher, wenn man ver- nimmt, daß sie, die die Methoden der kapitalistischen Wirt- schaftsführung überall— im Steuerwesen, in den Lohnfragen usw. usw.— durchführen, in allen Tonarten wiederholen, daß die Freiheit des Handels und der Industrie, die sie nunmehr gegeben haben, nur der kleinen und der mitt- leren Industrie zugutekommen soll. Eine privatkapitalistische Großindustrie soll es nicht geben. In einem Schreiben an den kürzlich stattgehabten Kongreß der Elektrizitätsfachleute schrieb Lenin, nur die Groß» i n d u st r i e könne das Fundament des Sozialis» mu s bilden. Diese Binsenwahrheit wird jetzt aufgetischt, nach» dem die russische Industrie in Scherben geschlagen worden ist, nachdem von ihr fast nur die Erinnerung und die Gebäude übriggeblieben sind. Daß diese Wahrheit fetzt so gelassen aus- gesprochen wird, ist wieder ein Beweis für die Ungeniertheit, mit der die Bolfchewiki handeln. Vier Jahre lang wurden alle Ohren voll gepredigt, der Sozialismus, der Kommunismus sei in Rußland, dem Agrarlands, errichtet, um nun am Ende mit der Entdeckung herauszurücken, die Grundlage des Sozialis- mus sei die Großindustrie. Aber gerade die Großindustrie wollen die Bolschewik! nur ausländischen exterritorial wirken- den Konzessionären vorbehalten, im übrigen aber in Hcjnden ihrer eigenen Organe belassen, deren Wirtschaftsfähig- leiten und Talente das bolschewistische Reich in den kläglichen Zustand gebracht haben, den wir jetzt beobachten. Sie müssen die Großindustrie auch aus dem Grunde in der Hand behalten wollen, um das Aufkommen großer und aktiver Massen des Proletariats nichtzuzulassen, denn sie wissen zu genau. daß das ihre Sterbestunde würde. Das ist eben das sonderbarste an der ganzen Sache. Ein« Partei, die auf der Grundlage des wissenschaftlichen Sozialis- mus die Interessen des Proletariats vertreten soll, hat im Laufe dieser Jahre immer mehr die Fühlung mit den Massen verloren. Mit Ausnahme einiger Zehntausende i ihr treu gebliebener Arbeiter auf dem gesamten Territorium des Riesenreichs stützt sie sich fast nur auf die ungeheuer an- gewachsene Verwaltungs- und Parteibureaukratie und da» � Heer. Ihrem Ursprünge nach eine Arbeiterpartei, entfesselte > sie eine Agrarrevolution von nie gesehener Tragweite. lös Fräulein. Von Paul Enderling. Zu Herrn Schopenhauer. Der Oberlehrer begann in diesen Tagen zu kränkeln. Anfangs glaubte niemand, daß es etwas Schlimmeres sei: er selber am wenigsten. Immer, wenn der Herbstwind die Kastanien von den Bäumen schlug und der kalte Seenebel stoßweise in die Stadt gejagt kam, begannen seine Bronchien schwerer zu arbeiten. Aber diesmal saß es doch tiefer. Mit ein paar Glas Grog war diesmal nicht zu helfen. „Wie geht's Ihnen, Herr Oberlehrer?" Fräulein brachte Aspirin von Frau Görke, die selber nicht kam, nach ihrem Bruder zu sehen: sie hatte eine bebende Angst vor Kranken und Krankheit. Und dann:„Man hat sich für seine Kinder doch zu erhalten, nicht wahr?" Fr�'- lein sah traurig in des Oberlehrers zerfallenes Ge- ficht.£ ine Augen waren trübe, und im Weiß des Augapfels saßen gelbe Streifen. Wie schwer er ging, und wie matt seine Stimme war! „Wie es mir geht? Gott, ich lebe ja noch." „Im Ernst, fühlen Sie Schmerzen?" „Ja. und Grog hilft auch nickt mehr. Ich glaube, der Weinfritze bat nickt mehr den rechten Rum. Es muß See- wasser dabei sein." Fräulein gab ihm die Hand.„Es tut mrr so leid— — d"ß der Rum nickt? tauat? Nun. man kann ja die Dosis vendonveln. Und besser wie der Kamillentee meiner Frau Schwstzer ist er immer nach." „Sie missen ganz gut, was ich sogen will: es tut mir leid, daß es Ihnen nickt gut aebt." Er li�ß sich ickwer im Sefstl nieder.„Ich wollte galant sein, aber ich muß vor Lbnen Platz nehmen. Meine Knie- keb'en erlauben mir nickt, wie jener tapfere Roulbold im Stehen zu sterben. War's m'ckl der tolle Christian?" „Ich alaube: Graf Mansfeld." � „Sie sind dock immer um einen Grad gescheiter als der Oberlehrer Doktor Sanders. Der Oberlehrer... schade! Ich stand dicht vor dem Professor." „Wie meinen Sie das?" „Mein Herr Schwager wt mir leid. Nun hätte er fast in seine Feld-, Wald- und Wiesengenealogie einschreiben können: Professor Sanders gestorben. Nun wird es nichts damit." „Aber Herr Oberlehrer!" Er lächelte.„Sagen Sie ihm, daß ich nichts dafür kann. Und auch, daß ich ihm aus Höflichkeit gern den Vortritt ge- lassen hätte. Er soll nicht denken, ich hätte das aus Tort be- gangen." „So dürfen Sie nicht reden." Er drehte sich mühsam im Sessel herum zur Schopenhauer- büste.„Ja, liebes Fräulein, bald werde ich Herrn Schapen- bausr begrüßen, der es auch nicht bis zum Professor gebracht hat, und werde. ihn fragen, ob er trotz aller Theorien nicht doch noch einmal leben möchte." In Fräuleins Augen standen Tränen. Sie konnte nicht sprechen. Er sah sie an.„Sie werden doch nicht etwa um mich weinen? Sie— Sie liebes dummes Kind Sie?" Erschreckt griff er nack ihrer 5)and.„Bin ich Ihnen denn etwas gewesen, in dieser Zeit?" Sie nickte zwei-, dreimal, schwieg aber immer noch. Er errötete wie ein Schulknabe.„Ja, aber— aber— das hätte ich nie gedacht." Fräulein wollte sagen, daß er ihr bester, ihr einziger Freund gewesen war, der einzig», zu dem sie immer hätte kommen könnew und daß dies ihr Trost gewesen sei. Aber sie brachte nur hervor:„Es wird nicht fo schlimm sein." „Doch," sagte er besser.„Diesmal ist es schlimmer." „Was sagt der Arzt?" ..Der Arzt schätzt mich nickt. Er verordnet mir die greu- lick" �»chen. Ick bin dock kein Kind, daß ich glaube, immer I nur was ickleckt schmeckt, sei gesund" „Dann wird es auch nicht so schlimm sem," sagte sie wieder. „Ich weiß es aus besser Quelle, wie unser Jntelligenzblatt immer sagt. Ich sah nämlich— erschrecken Sie nicht— den Klabautermann." „Herr Oberlehrer!" „Und Sie wissen: dann geht das beste Schiff auf den Grund." Fräulein erhob sich.„Ich glaube, man hat mich gerufen. Ich komme bald wieder nach Ihnen sehen." „Nein, tun Sie es nicht." „Warum nicht?" Der ernste, fast herrisch« Ton, den sie gar nicht am Ober» lehrer kannte, hatte sie stutzig gemacht. Er lächelte schon wieder.„Kommen Sie wieder, wenn ich ganz gesund bin... ganz gesund... Ich empfinde Krank- sein immer als eine Demütigung, die mir ein Mächtigerer, Brutalerer zugefügt hat. Und eim Gedemütiater läßt sich nicht gern von einer Dame betrachten, die er... die er... achtet." Fräulein fühlte deutlich, daß er etwas anderes batt« sagen wollen. Sie gab ihm aber nur die Hand— wie kraftlos er heute den Druck wiedergab!— und ging hinaus. Er lehnt? den Kopf zurück in den Stuhl und lauschte. Schritt für Schritt hörte er Fräuleins leickte Füße die Trevpe hinaufgehen: und er glaubte auch ibr Kleid an da» Geländer streifen zu hören.„Liebe, liebe Kleine," sagte er. Und ein Läckeln wie aus einer anderen Welt lag um seine welken, eingefallenem Züge. ».»> 4> Man ging fetzt leise, wenn man an der Türe des Ober» lshrers voriiberkem. Seit einer Woche lag er zu Bett. Der Arzt war a"h»r sich gewestn, daß er es nickt längst getan hatte. Der Ober- ! lehrer hatte sin Kompromiß schließen wollen:„Auf dem Sofa. ! Doktor, auf dem Sofa will ick aern liegen. Lang ausgestreckt, w?nn S'e wollen, und Stumpfsinn und Trübsal blasen. Aber Bett— das ist so unanpetitlick und blamabel. Bedenken Sie ! doch, wenn ick Damenbesuch bekomme!" Abs» der Arzt knurrt? aus sein»m buWgen Bart etwas I Nnverssändlick»? be-mar. da- si-�er keine Anerkennung war. Er halk ibm selbst beim Auskleiden. „Das ist die Vorstufe, Doktor. Es geschieht auf Ibr- V�r- I antwartz'va" „Vorstufe? Wozu denn?" „Z"m letzten Lager, dem auf Habe's'mnen." „Unsinn. Sie tanz»n nack. V.'ss»" Sie m"* aus'" „Tanzen? Kein übler Gedanke. Zlber weiter als bis zur Polonaise habe ich's nie gebracht bei den Bällen. Und. wenn ich's reckt bedenke, auch im Leben nicht." „Nun, nun." slWts. foicn> Sie trieb diese Revolution so weit, bis die landhunArigen Bcuiernmasscn ihr langersehntes Ziel erreicht haben,«sie er- griffen die Zügel der zusammengebrochenen Staatsgewalt und arbeiteten mit rücksichtslosester Energie darauf hin, den zer- fallenen und auseinanderstrebenden Stgot zusammenzuhalten und die Voraussetzungen für eine neue Staatsmacht zu schaffen. Die Industrie aber und die Proletariermassen, die die Grund- läge jeder sozialistischen Politik bilden müssen, verfielen mehr und mehr,.indem die im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung an sich schon nicht zahlreiche Arbeiterklasse Rußlands in ihrer Mehrzahl in der Bauernschaft aufging. So wurde eine revolutionäre sozialistische Partei zur Voll» zieherin einer großen geschichtlichen Aufgabe■— der Durchführung der Agrarrevolution, während sie sich und die Welt täuschen wollte, sie begründe den Sozia- lismus. Anstatt dessen begründete und befestigte sie den bäuerlichen Be s i tz, und sie ist im Grunde nur Platz» h a l t e r für die neuen Herren, die da kommen müssen. Jetzt zeigt es sich, daß die Grundlagen der Landwirtschaft völlig morsch geworden sind. Die Sünden der Zarenzeit haben in den Jahren der Revolution nicht ausgemerzt werden können. Die Landwirtschaft, diese nach der geschilderten Entwicklung ausschlaggebende Hilfsquelle des Staates, treibt dem Nieder- gange zu. Erschrocken und in ihrer Sicherheit ernstlich be» unruhigt, suchen die Bolschewiki nach Mitteln, um eine Besse- rung herbeizuführen. Und wir Den, was in der Geschichte noch nie dagewesen ist, daß die Macht, die die Trägerin der Revolution war, mit eigenen Händen alles von ihr Geschaffene abbaut. Man fragt sich, was hätte ein reaktionärer Nach» folgsr der Bolschewiki, würde ein solcher ihre Erbschaft jetzt an- treten müssen, noch abzubauen, zumal politisch das a u t o- kratische System unverändert geblieben ist? Da liegt aber ihr Haupttrumpf. Sie hoffen— und sie versichern und schwören, daß es ihre Ueberzeugung ist—, daß gerade dadurch, durch die starke Konzentration der Macht, sie in der Lage sein werden, die ihnen gefährlichen Folgen ihrer neuen Wirtschaftspolitik rechtzeitig zu bannen. Währenddessen vollzieht sich der neu eingesetzte Prozeß der Akkumulation des Kapitals mit bewunderns- werter Schnelligkeit.„D i e n e u e B o u r g e o i s i e" ist schon ein feststehender Begriff. Die neue wirtschaftliche Entwicklung muß die engen, hemmenden Formen des politischen Daseins mit der Unsicherheit des Rechtes, der Unsreiheit des Indivi- duums und der Gesellschaft, unvermeidlich sprengen. Wer weiß, was wird folgen? Indem sich die Bolschewiki gegen diese Entwicklung stemmen, erweisen sie sich als Schrittmacher der Reaktion, der Herrschaft der Autokratie. Nicht umsonst entdecken gerade in der letzten Zeit markante Ideologen des Zarismus, Koltschakismus und Denikinismus ihr warmes Herz für die Bolschewiki. Wie dem aber sei, das Gefährlichste für die Weiterentwicklung des Bolschewismus und der voll» tischen Lage in Rußland wäre unter den gegenwärtigen Um» ständen, wenn Abenteurer wieder ermutigt würden, einen Krieg gegen Sowjetrußland zu entfesseln und so die aus- sichtsreiche friedliche Entwicklung zunichte zu machen. Schluß öer Steueröebatte. Im Reichstag wurden am Dienstag zunächst Anfragen erledigt. Auf«in« USP.-Anfraae wurde mitgeteilt, daß das in den Leunawerken eingeführt« Prämiensystem die Arbeite- bedingungen nicht verschlechter«. Ein« Katastrophe wie in Oppau sei dort nicht zu befürchten, da Produkte wie in Oppau dort nicht hergestellt werden.— Zur Linderung der Not unter den Klein- rentnern sind im Haushalt für 1S21 100 Millionen eingestellt für Zuschüsse zu den Unterstützungsleistungen der Gemeinden. Auch in steuerlicher Beziehung wird auf die Kleinrentner Rücksicht gc- nomine», soweit die Finanznot des Reiches das zuläßt.— Für die Verbesserung der Lage der Kriegsbeschädigten sind 8S Millionen ausgeworfen worden. Bei der Beschränktheit der Mittel konnten nur Schwerbeschädigte und Hinterbliebene berücksichtigt werden. Die Umanerkennung(?) der Renten wird mit allen Mitteln be» schleuniat. Im Bezirk Stuttgart sind von �0 000 Kriegsbeschädig- ten bisher 11000 endgültig abgefunden worden.— Eine Borlage zur Erhöhung der Bezüge der A l t r e n t n e r der Sozialversiche- rung— Anfrage Meier- Zwickau(Soz.)— ist dem Reichstage zugegangen.— Di« Ausfuhr ron Kartoffeln in das Ausland wird auch im besetzten Gebiet grundsätzlich nicht genehmigt. Da» Jnter- alliierte Ausfuhramt tn Ems hat jedoch in zwei Fällen AusfuhrbewiMgungen für Sartoffeln erteilt, und zwar über S00 Tonnen für die Firma Mond in Aachen und über 250 Tonnen für die Firma B a r z in Köln. Inzwischen hat sich herausgestellt, daß der Name der Firma Mond von einer belgischen Firma mißbraucht worden ist. Der Reichstommissar für die besetzten Gebiet« hat die Rheinlandkom- Mission ersucht, Weisungen zu erlassen, Ausfuhrbewilligungen von Kartoffeln von dem Ems«r Ausfuhramt und von Melmedy aus nicht mehr erteilen zu lassen. Zur Verhinderung von Verschieb»»- gen von Kartofstln in das Ausland ist bereits im April eine ver- schärfte Auslondstontroll« angeordnet worden.— Eine Erweiterung der Postgebührenvergünstigungen zugunsten der Kranken- kassen.— Anfrage Giebel(Soz.)— kann nicht stattfinden.— Auf«ine USP.-Anfrage teilt die Regierung mit, Sie verhanölung gegen Jagow unü Genossen sei ursprünglich auf den 27. Oktober anberaumt gewesen. Damals befanden sich verschiedene Angeschuldigte noch nicht in der Gewalt der Justiz. Am 11. Oktober wurde Dr. Schiele festgenommen. Der Oberrcichsanwalt versuchte darauf da» Versahren so zu be- schleunigen, daß die Verhandlung am 14. Oktober stattfinden konnte. Jnwischen lief von den anderen Angeschuldigten der An- trag ein, sie mit der Untersuchungshaft zu verschonen. Bauer, Ehrhardt usw. erklärten, sie hätten das dringende Interesse, möglichst bald abgeurteilt zu werden. Sie würden sich pünktlich stellen und auf alle Fristen verzichten. Der Oberreichsanwalt be- antrngte Ablehnung. Das entsprach auch der Ansicht des Ministers. Trotzdem hat der erste Strafsenat des Reichsgerichts den Angeklagten freie» Geleit zugesichert.(Lebh. Hört Hört! links.) Er hat sie allerding, aufgefordert, einen bestimmten Wohnsitz nicht zu verlassen und j«d«r Ladung zu folgen. Eine Aufhebung der Haftbefehle ist nicht erfolgt. Daraufhin beantragt« der Verteidiger die Aufhebung des Jagow-Termins, damit die Verfahren zufam- mengelegt werden können. Das Reichsgericht hat daraus den Ter- min ausgehoben, mit der Begründung:»Das entsprach der gegebenen Sachlage." Die Verhandlung gegen Ewert wurde erst nachträglich auf den 27. Oktober angesetzt, um diesen Tag auszu- nutzen, der frei war. Nach Aufhebung des Termins hatte Ehr- Hardt in der Presse behauptet, daß er in neuester Zeit feine Bereit- Willigkeit, sich zu stellen, nicht erklärt habe. Der Verteidiger Grün- svach hat dagegen erklärt, daß er am 14. Oktober mit Recht des Glaubens gewesen sei, daß sich die Angeschuldigten zur Der- Handlung stellen wallten. Er Hab« sich dazu auf Grund früherer Aeußerungcn der Angeschuldigten berechtigt gehalten, namentlich durch ei» Schreiben Bauers vom 14. September d. I. Bei einer Besprechung mit dem Oberreichsanwait hat der Rechtsanwalt aber mitgeteilt, daß nach fein«» neueren Informationen die Angefchul- digten nicht mehr die Absicht hätten, sich freiwillig zu stellen. Daraufhin hat der Oberreichsanwalt die Aufhebung des sicheren Geleits beantragt, diesem Antrage ist am 24. Oktober stattgegeben worden. Der Aufenthalt von Dauer, Ehrhardt und Schnitzler ist der Reichsregierung nicht bekannt: sie sollen sich im Auslande be- finden. Die Verhandlung gegen Iagow, Wangenheim und Schiele soll am 7. Dezember stattfinden. Die Unterstellung, daß eine Derfchleppungsabsicht b«t den Behörden vorliegt, muß zurückgewiesen werden. Abg. Dr. Rofenfcld(U. Soz.): Es ist nicht wahr, daß der Termin gegen Ewert nachher angesetzt worden ist. Der Vor- sitzende hat dem Verteidiger Elverts erklärt, daß beide VerHand- lungen am gleichen Tage stattfinden sollten.— Der Regierungsvertreter erwidert, er könne nur wiederholen, daß nach den Mitteilungen des Oberrcichsanwalts der Termin gegen Ewert erst angesetzt worden ist, nachdem der geg«n Iagow aufge- hoben worden war. Die Sclbstschutz-Interpellation der USP. wird in der gcschäfts- ordnungsmäßigen Frist beantwortet werden. Zortsetzung üer Steueröebatte. Reichswirtschaftsminister Schmidt: Dr. Helfferich hat gestern behauptet, Staatssekretär Hirsch vom Reichewirtschastsministcrium habe seinerzeit im Auswärtigen Ausschuß ein anveres Bild von der Leistungsfähigkeit Deutschlands gegeben, als da» gestern hier zum Ausdruck gekommen ist. Es ist möglich, daß vle Meinung des Staatssekretärs von meiner und der meines Vorgängers abweicht. Dr. Hirsch sagte, daß wir unsere Einfuhr nach Möglichkeit«in- schränken müssen, um unsere Außenhandelsbilanz zu oerbessern. Nach Abschluß de» Ultimatums ergab sich aus politischen Gründen für eine ganz kurze Zeit eine sehr erheblich« Besserung des Mark- kurfcs.(Widerspruch rechts.) Dieser Zetträum ist dazu ausgenutzt worden, um ganz erhebliche Devifenkäuf« vorzunehmen. Im Mai d. I. konnten 2S4 Millionen, Im Juni 228 Millionen Goldmark beschafft werden. Freilich wurden die gehegten Erwartungen dadurch nicht erfüllt. Die Unterbrechung der glatten Erledigung der Enlwasfnungsirage und der Sonfllkt mit Layrrn kamen störend dazwischen. Staatssekretär Hirsch ist mit meiner Billigung stets dafür eingetreten, daß diese kurze günstige Lag« nach Kräften ausgenützt würde. Darüber hat niemand einen Zweifel ge- lassen, auch der Staatssekretär nicht, daß mit diesen Manipulationen unsere Reparationsschwierigkeiten nicht gelöst werden könnten. Daß der Kurssturz der Mark so weit gehen könnte, wie er heute zu ver» zeichnen ist, konnte allerdings niemand voraussehen. Abg. Becker-Hessen(D. V?.): Der Minister hätte lieber nicht den aussichtslosen Versuch unternehmen sollen, Staatssekretär Hirsch von etwa» reinzuwaschen, von dem er nicht reingewaschen werden tonn.! (Lebh. Zustimmung rechts.) Staatssekretär Hirsch hat doch gerade den Gegenbeweis führen wollen, daß das Ultimatum erfüllbar! sei.(Erneute Zustimmung recht».) Die Stückwerkarbelt darf unter, keinen Umständen fortgesetzt werden. Auch der Steuerzahler kann. Khließlich nicht mehr hergeben, al» er hat. Es muß verhindert wer- en, daß das Reichstabinett im Einverständnis mit der Linken den Besitz nach Annahme dieser Steueroorlagen vielleicht noch scharfer heranzieht. Scharf zu brandmarken sind die Ausführungen des Abg. Braun, die im Auslande dahin verstanden werden, wenn da» Reich nicht mehr zahlen kann, kann sich Frankreich an deutschem Privat- eigentum schadlos halten.(Zuruf des Abg. Hoch lSoz.I: Der- leumderl— Ordnungsruf.) Wie wollen Sie(z. d. Soz.) aus einem Volksvermögcn, das ISV Milliarden beträgt. 150 Milliarden Gold- werte herausziehen? Die Einkommensteuer darf im Zusammenhang mit den anderen Steuern nicht so hoch werden, daß sie zu Steuer- Hinterziehungen, Defraudationen und Bermögensslucht ins Ausland zwingt.(Zustimmung rechts.) Der Grundbesitz kann nur nach dem Ertragswert geschätzt werden. Abg. Dr. Hertz(11. Soz.): Die Aufforderung Helfferichs an die Regierung, unsere Zah» lungs Unfähigkeit zu erklären, war die Geste eine» verantwortungslosen Pollllker», dem da» Schicksal des deutschen Volke» gleichgültig und nur das Interesse seiner Partei wichtig ist. Wenn eine solche Klärung Erfolg s haben soll, darf sie erst erfolgen nach der LetätigunK des'deutschen Zahlungs willens. Vorher würde sie einfach die Katastrophe be- ' deute». Freilich scheint eine Jnteressentengruppe, der diese Kala- strophe erwünscht wäre, auch in der Demokratischen Partei maßgebenden Einfluß gewonnen zu hoben. Während des Krieges ist gerade von der R e ch t e n eine Broschüre ausgegangen, in der eme Kriegsentschädigung von 350 Millionen Goldmark gefordert wurde.(Große Unruhe rechts.— Zurufe: Berräter. Jude!) Sie (nach rechts) sind es, die das Vertrauen zur Mark untergraben und den Valutasturz verschuldet haben. Die Behauptung Hirschs, datz unmittelbar nach der Annahme des Ultimatums der Dollar staken würde, hat sich als völlig richtig erwiesen. Erst einen vollen Monar nach der Annahme begann infolge anderer Einwirkungen aas Steigen de» Dollars. Der Sturz der Mark und die daraus folgende neue Teuerungswelle schädigt vor allem die Arbeiterschaft und die Gehaltsempfänger. Die Regierung hat dem unseligen lkreislaus zwischen Teuerung und Lohnerhöhung schon zu lange u n t a t i g zu- gesehen. Minister Hermes aber scheint das Finanzministerium über- nommen zu haben mit dem Ehrgeiz, nach dem Zusammenbruch unserer Ernährung nun auch noch den Zusammenbruch unserer Finanzen herbeizuführen! Die bisherigen Maßnahmen zur Er- füllung der Reparation waren unzulänglich, auch dieses Finanzpro- gramm ist ungenügend und in dieser Form nicht annehmbar. Wir fordern zunächst beschleunigte Einziehung des Reichsnotopfers bis zum Dezember nächsten Jahre» sowie sofortige Einziehung aller bis- herigen Besitzsteuern. Erhöhung der Auefuhrabgabe auf mindestens 15 Proz.. schärfste Erfassung der Devisen und Kontrolle der Außen- Handelsstellen, Kontrolle der Devisen durch das Reich. Es ist ein unerhörter Zustand, daß«in Teil der Industrie seine Devisen im Ausland stehen läßt. Da» Kreditangebot der Industrie ist «In polltische» Schwindemanöver. Auf diese Art und Weise oersucht man am Reiche Erpressun- g« n. Man will das Chaos ins Ungemesscne treiben. Die deutsche Wirtschast ist im Gesunden, ungesund sind nur die deutschen Finanzen, die. solange die Besitzenden in der passiven Resistenz verbleiben, auch nicht gesunden weroen. Die Steucrbelastung des Besitzes ist in Deutschland geringer als in England: auch sind die Steuerhinterziehungen in England infolge der Technik der Einkommensteuer sogut wie unbekannt. Reichsfinanzminister Dr. Herme«: Die Kritik des Abg. Braun an meiner Rede ist mir unverständlich. Die von mir vertretenen Vorlagen sind von dem früheren Kablnctt gebilligt und dem Reichstag« vorgelegt worden. Die Artikelüber- schrift des.Vorwärts"„Kritik an Hermes Steuerpolitik" ist eine Irreführung der öffentlichen Meinung. Sie hätte lauten müssen: „Kritik an der Steuerpolitik de» früheren, von der Sozialdeino- krati« mitgebildeten Kabinetts durch den Abg. Braun."(Heiter- keit rechts.) Die Industrie muß bald mit ihren Krediworschlö- gen an uns herantreten. Jede vorhandene Steuerquelle muh im Rahmen de» wirtschaftlich Erträglichen bis aufs Aeuherste ausgc- nützt Bierden. Die Dcrmögenssteuer stellt schon einen Versuch der Erfassung der Sachwerte dar.(Hört! Hört! links.) Wenn auch die Forderungen der Entente unersüllbar sind, so müssen wir trotzdem im Rahmen unserer Leistungsfähig- keit alles tun, um die übernommenen Verpflichtungen zu erfüllen. Di« am 15. November sällige Rate von 275 Millionen Goldmark gilt durch die bereit» getätigten Sachlieferungen als abgegol- ten.(Beifall.) lieber die Rate vom 15. Januar sind die Ler- Handlungen mit der Earanttekommission noch nicht abgeschlossen. Di« Lörsenumsatzsteuer wird bis zur Grenze des wirtschaftlich Möglichen erhöht werden. B-i Kundengeschästen soll sie 1 Proz., bei Händlergeschäften 1 vom Tausend betragen. Bei letzteren empfiehlt sich nicht der Höchstsatz. Lei der neuen Deoisensteucr kam 1 Proz. nicht in Betracht. Es sollen die Sätze des Kapital- verkehrssteuergefetzes übernommen werden.(Unruhe links.) Abg. Koenen(Komm.) beantragt um CV* Uhr Vertagung, damit der Kommunist nicht vor leeren Bänken reden müsse. Man müsse auch darüber sprechen, ob nicht am v. November im Reichs- tag eine feierliche Veranstaltung stattfinden soll.(Gelächter rechts.) Der Vertagungsantrag wird nur von einem halben Dutzend Kommunisten unterstützt und Abg. höllein(Komm.) spricht vor leeren Bänken. Er fordert Beschlagnahme der Goldwerte. Abg. Dr. Geyer(Komm. Arbeitsgem.): Die neuen Steuer"/ i>. beweisen auch diesmal die Unzulänglichkeit der Finanzpcüiit oer Reichsregierung. Damit schließt die Aussprache. Abg. Lroun(Soz.) spersönlichj: Der Reichsfinanzminister hat gemeint, daß unsere Partei den Steuervorlagen unter dem vorigen Kabinett zugestimmt habe. Das ist n i ch t der Fall, wir hatten unsere Zustimmung von d e nü A u s> bau der Besttzsteuern abhängig gemacht. Den Borwurf, ich sei mit Brtand im Einverständnis und habe das Einschreiten der Entente herausgefordert, weise ich zurück. Ich habe nur Sätze von Briand zitiert, die jeder Zeitungsleser kennt. Die Bcsitzsteuern werden dem Steuerausschuß, die Verbrauchs- steuern und das Gesetz über das Branntweinmonopol Sonderaus- schüssen überwiesen. Der Präsident schlägt vor, die nächste Sitzung Donnerstag 1 Uhr mit der Tagesordnung abzuhalten: Interpellation Heil? (Dem.) gegen die Erschwerungen des Verkehrs mit Deutschösterreich, Interpellation Agnes(U. Soz.) über den Schutz der Entwicklung der Kunst, Interpellation Müller- Franken(Soz.) über die Deut- schen Werte, Besoldungsvorlage. Abg. Schultz-Bromberg(Dnat.) beantragt, Mittwoch zu tagen. Abg. Müller-Franben(Soz.): Ich begreife, daß aus deutsch- nationaler Seite nicht das Bedürfnis besteht, den S. November zu feiern.(Zuruf rechts: Ein Trau er tag!) Wenn Sie jetzt gegen unseren Wunsch Bedenken tragen, nehme ich an, daß Sie auch be- reit sind, am Bußtag zu tagen.(Zuruf rechts: Gesetzlicher Feier- tag!) Wir haben auch schon an gesetzlichen Feiertagen getagt. Die Aigg. Erisplen(U. Soz.), Koenen(Komm.) und Henke(U. Soz.) fchtießen sich diesen Ausführungen an. Bor der Aostimmuno bezweifelt Abg. Müller(Soz.) die De- schlußfähigkeit. Der Präsident stellt die Beschlußfähigkeit fest; es bleibt also bei Donnerstag 1 Uhr mit der angegebenen Tagesordnung. Schluß%10 Uhr. HMenlssse der Versoilen-MMbk" tsekks-Mlillg zu Veen». Bekanntmachung. tzur Neuwahl der Ver- sscherreri- und der bei drr Kasse zustiindigen Arbeit- aeber-Vertieler zum Aue- s-bub sind keine weiteren Wahworichiiigr einqe- Bannen. Die an, L Dezember 1921 festgesetzte Mab! wird hirrmit aufgehoben und gilt der unier dem 20. Oktober 1921 betanntgegebcneWohI- Vorschlag nunmehr ai» ge- nehmigt. 13/2 Bcrssn, 7. November 1921. V«r Vorstand. Ludwig Strebt. jyäunxen « n««ituntnnüvn kaunliall, Berlin, MWiUieliustr. 46/47 ünzen zum Auslandkurs Platin Golik Siltierbmeb z. höchst. Tageskurs Zalmgebisse, al,e Münzen ZA 18-1 M. Seibatier Charlottenburg WittenbergplatzS Vordh., Verb. Unterpdb, xo# Caranh'ert Friedensquolihaf", überall erhältlich. Fabrikant Ii. Minlos& Co. A.-6., Kotn-Ebrenf e!d TÜhltD«nn ö M- Iei'*ahh!.5J.üar. Kronen ISM. bdilflU lOU 0 an 2ahnz m.Elnspr.h.schmerzld. •7.... L'marb.schlechts.Qeb.Rep.sol Zahn-Arzf Dr.wolt Potsd.Sl.5S. Hochb-St.Sprz.9-7 Stoffe siilAiWemMWe zu verhättiiiSmäßig billigen Preisen Tnchverfandhaus Brann Holzmarktstrafte SS:: II. Etage iftcln Coden| Möbel solange Vo, rat reicht DA bekannt billigen r* xu alt- Preisen. Tellzahlnin MöbeI*Gross Gr. Frankfurter Str. 141 �Inyalidenstr. 5, Bing. Ackerttr.� I Liefere auch auswärts F Oormarlsfltebenbennd| Erfinder Düte Vrrdirnstmöglichkrtt.! Aufklärung und Anregung gebende Vrokchllre: Ein neuer Seist 7 sendet grat 9. Sebmaan» So.. 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