Nr.SZI» ZS.�ahrgaag Ausgabe M M.2HS Bezugspreis: Viertcljiihrl. 36,— M.. monatl. 12,— M. kei ins Saus, voraus za iiibar. Pofi- bezug: Monatlich 12.— M. einschl. Zu- stellungsgcdiltlr. Unter Kren, band tilr Dentsltiland, Dan) g, da« Eaar- und Mcmelgediet, sowie die ehemals beut- scheu Gebiete Polens. Oesterreich, Ungarn und Luxemburg 22,— M., für das übrig« Ausland 2g,— M. Post» bestellungen nehmen an Oesterreich, Ungarn, Tscheche» Slowakei, Dane- mark, Holland. Lnreuiburg. Schweden und I* Schweiz, Der„Poraäcts* mit der Sonntagsbeilage„SoUl und Zeit", der Unter- haltungsdeilage„Heimwelt" und der Beilage„Siedlung und Kleingarten" erscheint wochentäglich zweimal. Sonn- tags und Montags einmal. Telegramm-Adresse: «Zazialdernokrot Berlin" Morgen Ausgabe Berliner VolksblnN (40 Pfennig) Anzeigenpreis: Sle neungcspaltene Ronvareillezeile kostet 6,— M.»klein« Anzeigen" das fettgedruckte Wort 2,— M. izu- lässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort l,— M. Stellengesuch« und Echiafstellenanzeigen das erst« Wort I,— M., fcdes weit«« War! 00 Pfg. Worte über ld Buchstaben zählen für zwei Worte. ssamilien-An- «eigen für Abonnenten Zeile 3,50 M. Die Preise verstehen sich einschließlich Teuerungszuschlag. Anzeigen für die n ä ch st e Nummer müssen bis S Ahr nachmittag, im Hauptgeschäft, Berlin SW 68, Linden- straffe 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachmittags. �entralorgan der fozialdemokrati fehen parte» Deutfchlands Neöaktion und Expedition: SW HF, Linöenstr. 3 Redaktion Moriiiplaft I51»5— 07 zlzernfprernrr. Vxp�ition Moritzplag„7SZ-S« Donnerstag, den 10. November INÄI vorwärtS'verlag G.m.b.H., SW bS, LinSenstr. Z - Verlag. Expedition und Inserate». zyrrni�rrnirr. Abteilung Moriyplatz kl? SS— St Stundung der �anuar-Reparationen? TNailand, S. November.(EP.) Der.Secolo" meldet aus London: Zn britischen Alnanzkreisen verlautet, dah die Alliierten Deutschland �nen Aufschub der Zanuarzahlnu- gen bewilligen würden, um dessen Lage und die der allgemeinen Valuta nicht weiter zu verschlechtern. Dies werde jedoch nicht ein ganzer Verzicht auf die Wiedergutmachung bedeuten. Wenn Deutschland bankerott machen wolle, werden es die Alliierten nicht daran Hindern, sie würden vielmehr P s ü n d e r für ihr Guthaben zu erlangen suchen. In diesem Zusammenhang wird auf den wert- vollen Lcsih Deutschlands an Eisenbahnen und kohlen- bergwerken hingewiesen, deren Ausbeutung durch die Alliierten vorgenommen werden könnte. Vlit anderen Worten: Deutschland würde einer Kontrolle durch seine Gläubiger unterstellt, wie es Eng- land mit der Türkei bereits in Aegypten und Griechenland getan hat. Diese Drohung mühte vielleicht Deutschland veranlassen, der Notenausgabe ein Ziel zu sehen und andere Finanzmittel zu be- schaffen. Indessen bleibt die englische Oeffentlichkeit überzeugt, dah die von Deutschland geforderten Wiedergutmachungen übertrieben sind, und die Alliierten besser tun würden, wenn sie sich so bald wie mögllch mit verlin über eine Herabsetzung verständigen, und die ganze Wiedergutmachung in Erwägung ziehen würden. Parts, S. November. sEE.) Der„Temps" präzisiert den Zweck der Berliner Reise der Neparattonskommission nach verlln folgendermaßen: Um die Zahlung von Süll Millionen Goldmark am IS. Januar sicherzustellen, hat das Garantiekomitee eine V o r s ch u H- Zahlung für den 15. November und eine solche sür den 1. Dezember vorgeschrieben. Die erste Zahlung sollte aus den Iolleinnahmen bestrillen werden, die zweite au» der Aus- fuhrabgabe. Diese Garankievorschüsse sollten vier Fünftel der halben G o l d m I l l i a r d e. die am 15. Januar fällig ist. ausmachen. Die Rcparatlonskommifsion wird sich darüber klar werden, welche Mahnahmen die deutsche Regierung in dieser Richtung ergriffen hat. Sie wird sich serner mit den Bedingungen für die Kredite befassen, die die deutsche I n d u st r i e dein Reiche bewilligen will, ferner mit der Rückwirkung des Kurssturzes der deutschen Mark, mit der Gesundung des deutschen Haushaltes und mit der Schaffung neuer Einnahmequellen zur Erfüllung der Zahlungsbedingungen. Andererseits ist es wahrscheinlich, dah die Reichsregierung und die deutschen Industriellen die Anwesenheit der Reparattonskommission benutzen werden, um gewisse vedin- gungen bezüglich der Zahlungsfristen zu stellen, die laut Artlkl 24 S des Friedensvertrages von der Reparatic-nskommission bewilligt werden können. Dabei wird auch das Vorzugsrecht, dah die Alliierten auf gewisie Güter und Einnahmequellen des Deut- fchen Reiches und der deutschen Länder haben, ausgehoben werden. » Es ist vielleicht nicht unrichtig, die Meldung des„Secolo" mit der Verlautbarung des„New Pork Herald"(vgl.„Vor- weirts" Nr. 530) in Zusammenhang zu bringen. Danach würde die Reparationskommission die am 15. Januar nächsten Jahres fällige Rate stunden, dafür aber sofort einen Vor- schuh auf diese Rate verlangen. In der Folge hätten dann Verhandlungen über eine Neuregelung des Repa» rationsproblems stattzufinden, da sich der vorgesehene Zahlungsmodus als ungangbar erwiesen hat. Die Besserung des Markkurses scheint darauf hinzudeuten, daß man in Finanzkreisen derartige Gedankengänge nicht ohne weiteres von der Hand weist. Die Meldung des„Temps", die nicht in allen Teilen klar ist, würde dieser Annahme nicht widersprechen. Auch hier wird angedeutet, dah man in der Frage einer Abänderung der Zahlungsmodalitäten mit sich sprechen lassen will. Augen- scheinlich legt man auf der Gegenseite Wert darauf, auch die Kreise der Großindustrie in die Verhandlungen einzubeziehen. Dagegen läßt sich an und für sich nichts einwenden. Wir mäch» ten aber betonen, daß bisher die Arbeiterorganisa- t i o n e n das Rückgrat der Erfüllungspolitik gebildet haben, während das Programm der Finanz-, Handels- und Wirt- fchaftskreise jeden festen Kern entbehren ließ. Deshalb ist es nicht mehr wie recht und billig, wenn auch die Arbeitnehmer- kreise bei den Verhandlungen zu Wort kommen. Frankreich kündigt den Handelsvertrag mit Italien! Rom, ll. November.(WTB.) Die französische Regierung hat den Ende Februar 1922 ablaufenden H a n d e l s v e r t r a g und alle Zujahabkommeu mit Ikallen gekündigt. Das Programm üer englisthen Opposition« London, S. November.(EP.) Der Führer der Liberalen S« q u i t h hielt gestern eine große politische Rede, in der er auS- fübrie. daß da» Ende der Regierungskoalition nahe bevorstehe. Er protestierte gegen die Wiederaiisnahme deS Krieges mit Irland. Die Lösung der industriellen Krise sei an drei Be- dingiingen geknüpkt: Sparsamkeit im Innern, Revision der R ev a r a ti o nS k la u l e lit der verschiedenen Friedensverträge, Aufhebung der Schulden der Alliierten an England unter der Voraussetzung der Abrüstung. Maßnahmen gegen üie Markentwertung. DaS Reichskabinett wird am Donnerstag Be- ratungen über Eindämmung der Markentwertung pflegen, um Richtlinien für die komnienden Beratungen mit dem Reparationsausschuß aufzustellen. vor öen üeutsch-polnischen verhanülungen. Wie die PPN. an zuständiger Stelle erfahren, fand zur Vor- bereitung der deutsch-polnischen Verhandlungen über Oberschlesien heute im Auswärtigen Amt unter dem Vorsitz des Ministcrialderektors v. Stockhammern eine Sitzung des Unterausschusses für das Z o l l w e s e n statt. Bei der eingehenden Besprechung waren neben den Vertretern aller dabei beteiligten Ressorts sowohl der Reichs- als auch der preußischen Staatsregierung auch der deutsche Bevoll- mächtigte Reichsminister o. D. Schiffer sowie sein Stellvertreter, der Stootssekertär v. Lewold, zugegen.« Fernerhin nahmen an der Besprechung u. o. teil der Generalbevollmächtigte der preußischen Stootsregierung, Staatssekretär o. D. v. Gäppert sowie als Ge- famwertreter für die Wirtfchaftsfragen Reichsminister a. D. v. R a u- m e r. Während der mehrstündigen Verhandlungen sind die für Oberfchlesien und für das Reich überaus wichtigen Zollfragen sowie olle Fragen der Ein- und Ausfuhr im Zusammenhang mit den Be- stimmungen des Genfer Diktats einer genauen sachlichen Prüfung unterzogen. * Der stellvertretende deutsche Bevollmächtigte für die deutsch- polnischen Verhandlungen über Oberschlesien, Staatssekretär v. Le» wold, und der preußische Generalvertreter beim deutschen Bevoll- mächtigten, Staatssekretär o. D. Dr. o. Göpper t, werden in den nächsten Togen in Breslau und Oberschlesien mit Vertretern der Untemehmer wie der Beamten, Angestellten und Arbeitnehmer so- wie mit den Reichs-, Staats- und Kommunalbehärden die aus der Botschafterkonferenz über Oberschlesien sich ergebenden Wirtschaft- lichen und verwaltungstechnischen Fragen erörtern und dadurch in die Lage kommen, die Wünsche des Abstimmungs- gebietes wie der Propinz Schlesien noch einmal mit berufenen Ber- ttetern dieser Gebiete eingehend zu beraten. Generalstreik in Rom. Rom, 9. November.(EP.) Infolge mehrerer Zwischenfälle zwischen Foscisten und Eisenbohnern wurde in Rom der Gene- r alstreit erklärt, der je nach Umständen ein bis zwei Tage dauern kann. �Heute nachmittag ging kein Zug mehr ab. Die mehrere tausend am Kongreß teilnehmenden Foscisten drohen mit Gegenmaßnahmen und der zwangsweisen Wiederherstel- lung des Betriebes. Es werden weitere Zusammenstöße befürchtet. Die Behörden tteffen Vorsichtsmaßnahmen. Die Ursache des Streiks ist darin zu suchen, daß es bei der An- kunft einer Gruppe Foscisten aus der Provinz auf dem Bahnhof von Rom zu Schießereien zwischen Foscisten und Bahnarbeitern kam, wobei ein Bahnarbeiter verletzt wurde. Die Einreiseerlaubnis nach Sowjetrußlanü. Riga, 9. November.(OE.) Der Rat der Volkskommissare hat angeordnet, daß die Einreise von Ausländern in die Russische Sowjetrepublik nur auf Grund von Genehmigungen erfolgen darf, welche bei den sowjetrussischen Auslandsvertretungen nachzu- suchen sind. Einreisegenehmigungen nach einer der Sowjetrepubliken der russischen Föderation ermächtigen nicht zur Einreise in das eigentliche Sowjetrußland. Die Einreise ohne Genehmigung soll von den Gerichten mit Freiheits st rasen geahndet werden. — Die amtlichen Moskauer„Iswestija" veröffentlichen eine Der- fügu�ß des Rates der Volkskommissare, wonach die d i p l o m a- tische Bagage nach Sowjettußland 10 Kilogramm für eine Per- son nicht übersteigen darf. « Das Allrussische Zentralexekutivkomitee hat die Wiederein- sührung der Strafonsiedlung verbrecherischer Elemente in den entlegenen Randgebieten der Sowjetrepublik beschlossen. Diese Strofmoßnahme wurde in Rußland seit altersher angewandt und ist erst kurz vor dem Kriege durch die Zarenregierung abge- schafft worden! Zur üen Konsumentenschutz. München. S. November.(WTB.) Da« bayerische Gesamt» Ministerium hat zum Schutze der Verbraucher einen Erlaß ver« öffentlicht, worin es heißt, daß viele gewissenlose Leute die Not des Volkes infolge der rapid wachsenden Teuerung mißbrauchen, um sich in krasser Selbstsucht und Habgier maßlos zu bereichern. Gegen diese VolkSauSbeut« solle durch umfangreiche Maßnahmen und empfindliche und sofort wirksame S t r a f e n seitens der Gerichte und Polizeiorgane energisch vorgegangen werden. Loucheurs Wafhinglonreife demeakieri. Der„Temps" stellt die. Nachricht, baß Brimrd Loucheur nach Washington gerufen habe, als, unzutreffend(sin. 1 Die Konferenz von Washington. Am 12. November, einen Tag nach dem Jahrestag des Waffenstillstandes, tritt die Konferenz von Washington zu- sammen, an der neben den Vereinigten Staaten, Großbritan- nien und Japan als den Hauptbeteiligten, auch Frankreich, Italien, Holland und China teilnehmen. Der amerikanische Botschafter in London, H a r o e y, bezeichnete es im Mai dieses Jahres als den Zweck der Konferenz,„Abkommen für die Dauer statt vergänglicher Kompromisse abzuschließen und die Beziehungen so zu gestalten, daß die beiderseitigen Regie- rungen in Zukunft alle Weltprobleme instinktiv von dem- selben gemeinsamen Gesichtspunkt und als unauflösbarer Konzern betrachten werden". Die angelfächfischeWelt- Hegemonie wird hier mit nüchternen Worten angekündigt. Dem setzen sich zwei Widerstandszentren entgegen: einmal das Bestreben Englands, selbst der erste Beherrscher der Meere zu sein, und das andere Mal der Anspruch Japans, im Kon» gern der seebeherrschenden Großmächte zum mindesten als gleichberechtigter Faktor anerkannt zu werden. Die Frage ist, ob sich diese Gegensätze ausgleichen lassen. England war vor dem Kriege der Geldgeber der gesamten Welt. Schon während des Krieges traten die Vereinigten Staaten an die Stelle Englands. Nach dem Kriege schuldeten England. Frankreich, Belgien, Italien, Canada mit Neufund» land und Rußland den Vereinigten Staaten an öffentlichen Anleihen eine Summe von 11 803 624 816 Dollar. Eng- land steht mit 5 094 633 000 Dollar bei weitem an der Spitz e der Schuldner. England nannte vor dem Kriege die größte Handelsflotte der Welt sein eigen. Auch hier hat sich das Berhältnis erdrückend zugunsten der Vereinigten Staaten verschoben. Die englische Handelswnnage nahm in den Jahren 1914—20 um 781 000 Tonnen ab, die der Ber» einigten Staaten um 10 379 000 Tonnen zu. Die amerika» nifche Handelsflotte beförderte im Jahre 1920 die Hälfte aller aus den Vereinigten Staaten kommenden Güter gegen weniger als ein Zehntel vor dem Kriege. Sie umfaßt zurzeit zwei Drittel der englischen. Hinzu kommt, daß die Ver- einigten Staaten billiger verfrachten als England. Auf wirt- schaftlichem Gebiet ist die Lage für England nicht minder niederdrückend. Vor dem Kriege hielt sich die K o h l e n a u s» fuhr der Vereinigten Staaten in bescheidenen Grenzen. Eng» land beherrschte das Feld. Heute ist die Kohlenausfuhr de») Vereinigten Staaten größer als die Englands. Sie belisf �ch im Jahre 1920 auf 7 694 296 Tonnen gegen 923 261 Tonnen• im Jahre 1914. Die Zunahme beträgt also 6 771 035 Tonnen. Die amerikanische Industrie ist im Laufe des Krieges von dem Export an Rohstofsen und Halbzeugfabrikaten immer mehr zur Herstellung von Fertigfabrikaten übergegangen. Der amerikanische Außenhandel hat während des Krieg?« Märkte erobert, die vor dem Kriege rein englische Absatz« gebiete waren. Der Export nach Canada hat sich verdreifachr. der südamerikanische vervierfacht, der asiatische verzehnfach!. Der Exportüberschuß, der in den Jahren 1911— 14 zwischen 500 und 600 Millionen Dollar schwankte, erreichte nach den. letzten Veröfkentlichungen drei Milliarden. Die Vereinigten Staaten sind demnach fiir England ein ungleich gefährlicherer und unangenehmerer Handelskonkur- rent geworden, als es Deutschland vor dem Kriege war. Auf friedlichem Wege kann diese Konkurrenz weder ausgeschaltet noch eingeschränkt werden. Soll England seinen Konkurrenten durch einen Krieg zerbrechen? Bei Deutschland gelang das Experiment. Für einen Krieg mit den Vereinigten Staaten würde Japan als Bundesgenosse unschwer zu haben sein. Aber die Stimmung im Lande selbst kommt einem derartigen Unternehmen in keiner Weise entgegen. Außerdem stehen von den britischen Kronländern Australien, Neuseeland und Canada in scharfem Gegensatz zu Japan. Auf der b r i t i- schen Reichskon ferenz im Juni und Juli d. I. erklär- ten die Vertreter Australiens, Neuseelands, Eanadas und Süd- afrikas, keinem britisch-japanifchen Bündnis zustimmen zu können, das seine Spitze gegen Amerika richte. Die Erneue- rung des Allianzvertrages, der am 13. Juli abgelaufen ist, kam nicht zustande, so daß der Vertrag zwar automatisch weiterläuft, der Zwischenzustand ohne einen festen Vertrag aber doch zu einer Neuregelung des englisch- japanischen Verhältnisses drängt. Inzwischen nehmen die Flottenrüftungen aller drei Großmächte ihren Fortgang. Nach einer Ausstellung von Archibald Hard wird im Jahre 1924 die Flotte der Vereinig- ten Staaten 35 Schlachtschisse und Schlachtkreuzer mit elner Gesamttonnage von 1 150 650 Tonnen umfassen, die Groß- britannicns 31 Schlachtschisse und Schlachtkreuzer mit 883 290 Tonnen und die Japans 17 Schlachtschiffe und Schlachtkreuzer mit 479 950 Tonnen. Die Vereinigten Staaten wer- den nach dieser Berechnung im Jahre 1924 nicht nur die größte, sondern auch die bestarmierte und schnellste Flotte besitzen. Es ist möglich, daß Großbritannien dies Ver- hältnis zu seinen Gunsten zu verschieben suchen wird, indem es einzelnen Kronländern die Schaffung eigener, selbständiger Kriegsflotten überrägt. In dieser Hinsicht scheint die Reichs- tonferenz ein günstiges Resultat gezeitigt zu haben, und die Ankündigung der englischen Presse. Singapore fei als Basis für eine große englische Stille-Meer-Flotte ousersehen, kann mehr als ein Bluff seim Es ist auch möglich, daß die in Aus- ficht gestellte Vergrößerung der holländischen Kriegsflotte nicht ganz frei von englischen Beeinflussun- gen ist. Aber es muß trotzdem bezweifelt werden, ob das eng- lische Kolonialreich als Sieger aus diesem fieberhaften Wett- rüsten hervorgehen würde. Die Flottenrüstungen nehmen das Staatsbudget außerordentlich stark in Anspruch, und es ist wohl nicht ganz falsch, wenn von Sachkennern vorhergesagt wird, der längste Beutel werde auch den längsten Arm haben. Das Flottenbudget der Vereinigten Staaten verschlingt öW Millionen Dollar, die japanischen Rüstungsausgaben 50 Proz. der gesamten Staatseinkünfte, und Englands Flotttenetat ist seit 1914 von 49 Millionen auf 91 Millionen Pfund an- geschwollen. Bei einem Wettrüsten würde weder England noch Japan gleichen Schritt halten können. Die Vereinigten Staaten führen hauptfächlich zwei Um- stände nach Washington. Die diplomatischen Vertreter Ameri- kas schieden vorzeitig aus den Friedensverhandlungen in Paris aus. Die Entscheidungen, die dort gefällt wurden, ent- sprachen nicht immer seinen Interessen. Es erhob Protest gegen die Zuteilung der Insel Pap und der Gebiete von Schantung und K'autschau an Japan: es erhob Protest gegen die einseitige Zuteilung der Oelvorkommen in Mesopotamien an England. Der amerikanische Widerstand richtet sich also vor allem gegen die Verteilung der'früher deut- schen Kolonien. Insofern wird sich die Konserenz von Washington mit einer Revision des Versailler Vertrages zu beschäftigen haben. Hinzu kommt, daß die Vereinigten Staaten eine Beteiligung an der Ausbeute der P e t r o l e u m- quellen in Holländifch-Jndien wünschen, die trotz energischer Interventionen des Weißen Hauses am Haag bis auf weiteres in den Händen der englisch-niederländischen Shellgesellschaft(Royal dutch) sind, während die amerikani- schen Interessenten ausgeschaltet bleiben. Um die Bedeutung dieser Frage für die Vereinigten Staaten würdigen zu können, ist es notwendig, einen kurzen Rückblick auf die Handelspolitik der Vereinigten Staaten zu werfen. Die Vereinigten Staaten sahen seit jeher im Stillen Ozean ihr Handelsmeer. Nach dem Kriege mit Spanien be- fetzten sie im Jahre 1898 die P h i l i p p i n e n und die I n s e l G u a m im Stillen Ozean. Von dort breiteten sie ihre wirt- schaftliche Interessensphäre nach China aus. Amerikanische Ratgeber beeinflussen die chinesische Regierung, die wichtigsten Eisenbahnkonzessionen und die Finanzierung des chinesischen Staates sind in ihrer Hand. Jede Llusbreitung Japans be- droht die amerikanischen Interessen im Osten. Die Zuteilung der I n s e l P a p aus dem deutschen Kolonialbesitz im Stillen Ozean an Japan mußte Amerika um so schmerzlicher empfin- den, als diese Station durch Kabel mit Guam unde Holländisch- Indien verbunden ist und als Flottenstützpunkt bedrohlich wer- den kann. Die Abtretung K i a u t s ch a u s und Schau- t u n g s gibt Japan die Brückenköpfe, von denen aus es die Umklammerung Chinas vornehmen kann. Hier fordert Ams- rika Revision der Vertragsbestimmungen, und es ist wohl kein Zufall, daß sich China gerade jetzt mit aller Energie geaen die japanische Invasion zur Webr setzt. Die Vereinigten Staaten werden in der chinesischen Frage die Unterstützung Englands und Frankreichs finden. Englands, weil ein Teil seiner Kronländer gleich den Vereinigten Staaten in einer japani- schen Expansion eine Bedrohung ihrer eigenen Existenz be- furchtet; Frankreichs, weil Frankreich in China verhält- nismäßig geringe Interessen hat, und weil es sich durch feine Unterstützung auf diesem Kampffeld die M i l i t ä r h e r r- sch a f t über Europa verbriefen lassen möchte. Nicht minder dringend ist für die Vereinigten Staaten eine Neuregelung der Ausbeute der Erdölvor- kommen.� Bor dem Kriege schien Amerika der Weltbeherr- scher auf dem Petroleummarkte zu sein. Zuverlässige Statt- stiken errechneten, daß zwei Drittel des gesamten Erdöls in Zehn Minuten. Von Artur Zickler. Was ist die Zeit? Die Philosophen balgen sich feit Jahr- taufenden um den Begriff. Oes ist wie mit der Elektrizität: wir nützen sie, kennen ihre Gewohnheiten, ihre Gesetze und Wirtungen— sie selbst kennen wir nicht. Und die Zeit? Wir mesien sie in Krügen, die wir Uhren nennen, bezeichnen sie in Quantitäten als Minuten, Stunden, Tage, Monate, Jahrhunderte— aber ihr Wesen ist uns fremd. Minuten können uns Ewigkeiten werden, Jahre wie ein Traum entschwinden— und der Mensch, der vom Dache eines vier- stöckigen Hauses fällt, erlebt in den Sekunden des Sturzes fein ganzes Dasein noch einmal! Jahrhunderte bereiten eine Stunde vor, jene Stunden, die Ge- schicke ganzer Völker wie Eisgebirge gegeneinander türmen. Das gibt dann die großen Daten der Geschichte. Das sind die Momente donnernder Erfüllung: jeder hört sie, und alle sind ohnmächtig dagegen. So im August 1914, im Herbst 191S. Lawinen der Zeit! Aber es gibt auch Minuten, die klopfen nur an, die warnen nur, mahnen zur Besinnung, künden an. Sie sind für solche, die hören können und wollen, sind wie die Klopfgeister, an die der Spiritist glaubt: Hüte dich, Mensch! Besinne dich, ehe es zu spät wird! Dabei erinnere ich mich, wie man in England der Wiederkehr des Tages gedachte, der Hie Einstellung der Feindseligkeiten des Weltkrieges brachte. Nur zwei Minuten lang gerann der Verkehr der Riesenstadt: doch diese zwei Minuten genügten, um dem so leicht vergeßlichen Geschlecht einen Wind jäher Erkenntnis durchs Hirn zu blasen: Wißt Ihr, was war? Vier Jahre lang! Was haben wir gelitten! Welcher Wahnsinn! Die Toten! Das verlorene Gut! Nie, niemals wieder...1 Gestern fuhr ich mit der Hochbahn. Zweiter Klasse. Mit der „besseren Menschheit" von Berlin, die den höheren Tarif gern be- zahlt, um nicht in die Verlegenheit zu kommen, vor einer alten müden Arbeiterfrau aufstehen zu müsien. Ich wollte ihre Gesichter sehen, wenn die rasende Hast der Schnellbahn stockt, um für eine Weile in die Zeit zu horchen. Ein Blick auf die Uhr. Drei Uhr vier- zehn Minuten. Wir haben eben den Bahnhos Bülowstraße in Rich- tung Gleisdreieck verlassen. Einige Herren, die es besonders eilig hatten, standen bereits auf, um als erste den überfüMen Wagen verlassen zu können. Drei Uhr fünfzehn! Auf offener Strecke hall der Zug. Das fällt zuerst nicht auf, es kommt oft vor, daß der Zng keine Einfahrt hat. Da sagt es einer laut:„Zehn Minuten dauert es. Die Hochbahner feiern die Revolution.. Mit einem Schlage sind die Gesichter verändert. Ohne daß jemand spricht, fühlt man: jeder nimmt Stellung zu einer Sache, der er sich nicht entziehen kann— der sich mit eiserner Notwendigkeit ändernden Zeit. Es klopft. Die Zeit klopft an die- reklamegezierten Scheiben der Hochbahn zweiter Klasse: amerikanffchen Händen waren. Die neuen Skaiistiken kassen kein klares Bild darüber zu, wie stark sich das Verhältnis ver- schoben hat. fest steht aber, daß die Vereinigten Staaten längst nicht mehr die Alleinherrscher sind und daß die Lebensdauer der nord amerikanischen Petroleumquellen stark begrenzt ist. während in anderen Gebieten, hauptsächlich in Niederländisch- Indien, fortwährend neue Quellen gesunden werden, die viel ausgiebiger zu sein scheinen. Da man inzwischen in der Kriegsmarine und Industrie vielfach zur Erdöl- f e u e r u n g übergegangen ist und sich diese Befeuerung als sehr rationell und praktisch erwiesen hat. bemühen sich die Ver- einigten Staaten und England um die Wette, sich die besten Quellen zu sichern. So bietet heute die bereits erwähnte eng- lisch-niederländische Shell gruppe der früher allein herrschenden Standard Oil Company eine scharfe Kon- kurrenz. Der Hauptkampf geht um Mittelamerika. China, Rußland und Holländifch-Jndien. ' Während sich beim ersten Fragenkomplex die Front der Vereinigten Staaten gegen Japan wandte, wendet sie sich in diesem Punkt gegen England. Wie hier die Kräftever- teilung auf der Konferenz sein wird, läßt sich nicht übersehen; es ist jedenfalls ein außerordentlich kluger Schachzug der fran- zösifchen Regierung, daß sie kurz vor der Abreise ihrer Re- gierungshäupter nach Washington den schwerwiegenden Kon- traktmitderkemalistlschenRegierung einging, der in London so bitterböses Blut erregte und der Frankreich auch in der Frage der Mesopotamischen Oelvorkommen zu einem Faktor von entscheidender Bedeutung macht. Uebersieht man das Ganze, so ergibt sich, daß Amerikas Stärke in seiner ungebrochenen wirtschaftlichen Entfaltungs- kraft liegt, die sich durch den Krieg wichtige Vormachtstellun- gen zu erobern wußte, und die den maritimen Rüstungen jene die Weltherrschaft sichernden Grundlagen verleiht. Eng- lands Stärke beruht auf seinem mächtigen, über die ganze Welt verbreiteten Landbesitz und auf seinen alten Beziehun- gen, sie beruht auf jener geschickten Außenpolitik, die sich unter dem Deckmantel der offenen Tür überall Sonderstellungen sicherte. Japan endlich, das in den letzten Jahrzehnten eine erstaunliche Aufwärtsbewegung zu verzeichnen hatte, kann feine zentrale Lage unmittelbar im Kollisionszentrum ins Feld führen. Es liegt kein Anlaß vor, daran zu zweifeln, daß die Vereinigten Staaten mit dem ehrlichen Willen nach Washington gehen, Friedenspolitik im guten Sinne des Wortes zu treiben, wenn das Prinzip der offenen Tür, wie sie es wünschen, durchdringt. Sie sind in der glücklichen Lage einer jungen Weltmacht, stark genug zu sein, um Frei- Handel und offene Märkte als vorteilhaft zu empfinden. Schwerer ist es für England, auf seine bisherige Weltherr- schaft zu verzichten und an die Stelle des britischen das Banner der angelsächsischen Welthegemonie zu pflanzen. Den bittersten Kelch wird Japan zu leeren haben. Hier ist eine junge Großmacht, deren Bevölkerung und Industrielle Entwicklung über die eigenen Grenzen hinausdrängt und der der bisher landläufige Weg zu ungehemmter Entwicklung ver- baut werden soll. Erschwerend kommt hinzu, daß man ge- rade in den Vereinigten Staaten und in einzelnen Kronlän- ländern Großbritanniens Japan tzie offene Tür mit sieben Riegeln verfverrt, die man von ihm in China und am Stillen Ozean fordert. Die Schwierigkeiten eines Interessenausgleichs der drei hauptbeteiligten Großmächte sind außerordentlich, und vielleicht ist es schon viel, wenn man von der Konferenz in Washington die Klärung der Frage erwartet: Amerikanisch- englische Interessengemeinschaft oder Erneuerung des englisch- japanischen Kampfbündnisses. Sela Verbot des Erfurter.Noten Echos". Do« Erfurter„Note Ecbo" sollte einer Meldung»u'olge verboten sein. Wie den PPN. Von der Pressestelle de« ObervräsidiumS in Magdeburg mit- geteilt wird, trifft diese Nockirickit nicht zu. Neuwahlen In Portugal. Durch Dekret wurde die Auflösung der portugiesischen Kammer verfügt. Die Neuwahlen wurden auf den 11. Dezember festgesetzt. „Wir! Alle Räder...1 Wer von Euch darinnen glaubt, wir seien nicht mehr aus der Wacht, weil wir schweigen und arbeiten, während Ihr schreit und spekuliert aus dem Leib der deutschen Arbeit— hütet Euch!" Zehn still rinnende Minuten reden ihre Sprache, vernehm- bar und bestimmt. Dann ziehen langsam die Räder wieder an.., Ein zerstärtes Paradies. Durch die Schriften Karl Withs und G. Krauses ist uns die Insel Bali als ein Paradies geschil- dert worden, aus dem sich eine ursprüngliche Kultur und Kunst frei und schön entwickelte. Aber auch dieses Paradies ist nun»er- nichtet worden, durch die Gewalt der Natur und durch den Unver- stand der Europäer. Wie F. M. Huebner Im„Kunstblatt" be- richtet, wurde die Insel Bali im Januar 1917 von einem gewalti- gen Erdbeben heimgesucht, das viele Tausende von Ein- wohnerhäusern und Kullstätten zerstörte. Di« Eingeborenen wolle» noch immer nicht an den Wiederaufbau gehen, da sie aus der Der- wüstung der Tempel den Groll der Götter zu entnehmen glauben. Die holländische Regierung hat nun den Vorsitzenden des Bundes niederländisch-indischcr Kunstvcrcine Mooijcn mit einer fachmänni- schen Begutachtung beauftragt, die dieser in einer Denkschrift nieder- legte. Er betont, daß mit der fortschreitenden.Zivilisierung" Balis durch die Holländer die berühmten eingeborenen Kunsthand- werkergilden immer mehr oerschwinden und häßliche Nutzbauten die Schönheit der Insel beeinträchtigen. Es gab früher neun ver- schicdene Gattungen von Künstlergilden, in deren Händen die Tradition des Bauens lag: sie waren von anderen Arbelten befreit und erhielten von den Landesfürsten alle Mittel des Leberfdunter- Haltes umsonst. Die niederländische Regierung zieht nun diese Künsllar wie alle anderen Balileute zu Dienstverrichtungen heran, und so sind die Träger der künstlerischen Ueberlieferung auf wenige zusammengeschrumpft. Es wäre daher notwendig, dieses Gilden- wesen wieder neu zu beleben. Zugleich müßten auch die modernen europäischen Bauten eingestellt werden.„Warum werden aus Bali," fragt Mooijen,„Schulen gebaut und Klubhäuser errichtet, die nichts mit der Art dieses Volkes gemein dabcn. die sein geistiges Gleichgewicht zerstören und die es nicht besser und nicht verstän- diger machen?" Cr verlangt daher Gesetze zum Säiutze der Kultur- denkmäler und gibt Hinweise zum Wiederaufbau der Tempel sowie zur Neubclebung der Schaffenslust unter den Balileuten. Synthekischer Alkohol. In Burgbausen iOberboyern>. ist, wie die. Umschau" meldet, eine Versuchsanlage im Bau begriffen, die jährlich etwa lO 000 Hektoliter Weingeist au« Kalkiumkarbid synthe- tisch wird erzeugen können. Die Badische Anilin« und Sodasabrit stellt seit Ende 1920 KarbidsvirituS her. um die durch den Frieden«- vertrag geforderten Farbstoffmengen erzeugen zu können. Im ersten Bierteliabr 1921 wurden in LudwigShafen 1000 Hektoliter Weingeist hergestellt, die LeistungStähigk-it der Anlage kann aber aui 15 000 bis 30000 Hektoliter jährlich gesteigert werden.— An SnlffiipirituS- sabriken sind noch 10 im Gange. Sie haben 1920 nur 33000 Hekto- liier Weingeist erzeugt. Eine wirtichafiliche Gewinnung von Holz- spiritu« erwie« sich als unmöglich, die letzte zu Versuchszwecken noch betriebene Fabrik ist 1921 stillgelegt worden. Demokraten unA ErfüllungspoUtik. Die Ankunft der Reparationskommission in Berlin ver- anlaßt das„B. T.", in einem bemerkenswert eindringlichen Artikel die Frage aufzuwerfen, welche Finanzlage die Reparationskommisflonvor findet. Das„B. T." rückt von aller Katastrophenpolitik deutlich ab und stellt eine Reihe von Forderungen auf, die im demokratischen Lager ernsthafe Beachtung verdienen: Die Hoffnung, daß nur das Ausland uns helfen kann, ist trügerisch. Zunächst müssen wir uns einmal selbst zu Helsen versuchen. Dazu gehört eine möglich st beschleunigte Verabschie- dung der Steuergesetze, die, je länger ihr Inkrafttreten hinausgezögert wird, mehr und mehr an Wert verlieren. Dazu ge- hört eine ganz wesentliche steuerliche Erfassung der Valuta- und sonstigen Spekulationsgewinne, wie sie bereits von der Reichsregierung beschlossen ist. Dazu gehört«ine neuerliche, oerstärkte Aussuhrkontrolle, um dem Ausverkauf vorzu- beugen, und eine beträchtliche, allgemeine Heraufsetzung der Ausfuhrabgaben. Dazu gehört vor allem eine Kontrollie- rung und Nutzbarmachung der Auslandsguthaben. Dazu gehört, so oder so, eine Erfassung der Sachwerte.' Das„Tageblatt" weist auch die Bedingungen, die die In- dustrie an ihre Kreditoorschläge geknüpft hat, als Pro- vokation einer Art industrieller Nebenregierung zurück und bestreitet, daß die Kredjthilfe als ein Ersatz für die Erfassung der Sachwerte angesehen werden kann. Zur Re- form unserer Währung verlangt das„B. T.": Unsere Auslandsguthaben sind durch Kapitalsverfchie- bungen und stehengelassene Gegenwerte für geleistete Waren heute bereits, schätzungsweise, auf mehrere Goldmilliarden angeschwollen. Kann man dieses Geld nicht sruktifizieren, kann man diese Goldwerte nicht zum Aufbau einer deutsch-inter- nationalen Währung benutzen und mit dieser Pari-Währung die nächsten Barverpflichtungen an die Entente erfüllen? Aus dem Wege dieser Er- fassung der Sachwerte, aus die hin eine amerikanische oder eine inter- nationale Zettelbank dann Noten in dreifachem Betrage(bei zwei Milliarden also sechs Milliarden) ausgeben könnte, würde die ganze Welt unmittelbar an dem finanziellen Wiederaufbau Deutschlands und an der Reparation interessiert werden. Die Forderungen, die das Berliner demokratische Organ hier aufstellt, enthalten kein Wort, das nicht auch von uns unterschrieben werden könnte. In der Frage der Erfassung der Sachwerte genügt.aber die Beschlagnahme der verschobenen Kapitalien nicht, ihr muß eine Heranziehung der im In» l a n d verbliebenen Sachwerte an die Seite gestellt werden. Die Beschlagnahme des steuer- und landesflüchtigen Kapitals bedarf der Mitwirkung aller anderen Welt- mächte, und es würde viel Zeit verstreichen, bis diese er- reicht ist. Auch hier sind wir also z u n ä ch st aus die S e l b st- Hilfe angewiesen, müssen jedoch fordern, daß die Entente uns in dem Bestreben, die Auslandsguthaben zur Wiedergut- machung heranzuziehen, unterstützt. Würden sich alle demokratischen Kreise über die drin- gendsten Forderungen der Stunde ebenso klar sein wie das „B. T." in diesem Artikel so wäre ihre ganze Vogel st rouß- Politik der Demokraten in der Erfüllungssrage überflüssig. Die Zeier in Hamburg. Hamburg, 9. November.«Eigenkr Drahiberichl). In Homburg wurde der 8.(lahreilau der Nevoliiiion in fekil'chcr Weile begongen. In, ganzen StaalSgcbiet fanden 25 stark beiuckte TemonslrononS- versammlungcn slali, in denen der Bedeunmg de« Tage« vö?i Rednern gedockt wurde. Am Vormittage waren unter starker Be- keiligung der Parteigenossen an den Gräbern der Revolulion«opier von der sozialdemokraiiscken Paiiei und vom Arbeilerrai Groß- Hamburg Kränze niedergelegt worden. Die Neichezeulralflelle für Kriegs- und Zivilgefangene teilt mit. daß Dir», lag in Ewinemünde der Tninpfer Aaniot mit 016 Heimkebrenden an« Rußland einaetroffen ist. Bon dielen sind 29 ehemalige Kriegrgesangene und 202 zivilgefangene Reich«- deutsche au« der Ukraine. INassenlelephongespräche. In Amerika ist soeben ein verbesserter drahtloser Fernsprechopparat In die Praxis eingeführt worden, der. wenn er das hält, was die amerikanischen Sachverständigen sich von ihm versprechen, bestimmt ericheint, eine Revolution Im Fernsprech- wesen einzuleiten. Ist es doch mit seiner Hilfe möglich, einer Menge von Hunderitausenden von Zuhörern, die aus den Plätzen oder in den Sälen einer Stadt versammelt sind, die Reden eines Ministers im Parlament so deutlich zu machen, als wenn die Zuhörer im Sitzungssaal anwesend wären. Die Probe auf das Exempel ist am vergangenen Sonnabend von dem Präsidenten Harding gemacht worden, der in Washington gelegentlich der Eröffnung der droht- losen Zentralstation in Lortg-Island bei Rem Port eine Rede hielt, die in New'Jork und Chicago so deutlich wie in San Franziska zu hören war. Dos Instrument, das den Laut der Stimme über eine Entfernung von rund 5000 Kilometern trägt, ist unter dem populären Namen„Lautsprecher" bekannt, ober weUaus vervollkommneter als die bisher schon benutzten Lautverstärker. Der Apparat ist so klein, daß er bequem in einem Blumenstrauß oder in einem der aus der Ministerbank stehenden Briefkästen Platz finden kann. Er überträgt die Laute so treu und deutlich, daß die Stimme gegebenenfalls tausendmal verstärkt werden kann, ohne daß sie an Deutlichkeit der Aussprache irgendwie verliert. Neue Erpedikionen zur Nachprüfung der Relokiolkälslheorie werden von England und Amerika ausgerüstet werden, um im Sep- tember nächsten Jahres die totale Sonnenfinsternis zu beobachten. Die Forschungsreisen gehen nach der Nordwestküste des westlichen Australien, wo die längste Dauer dieses Himmelsoorganges vom festen Land aus beobachtet werden kann. Die englische Expedition hat zu ihrem Beobachtungsort die Weihnachtsinfcl. etwa 2000 Kilo- meter nordwestlich von der australischen Küste, ausgewählt, während das amerikanische Lick-Observatorium Wollal an der australischen Küste auserkoren hat. Der Hauptzweck der Expeditionen besteht darin, von den Sternen in der Nähe der Sonne in dem Augenblick der völligen Verfinsterung photograpbische Aufnahmen zu machen und diese Aufnassmen zur Prükung der Einsteinschen Theorie zu benutzen, indem die Loge der Sterne auf den Photographien der Sonnenfinsternis mit Photographien derselben Sterne verglichen wird, die nach diesem Vorgange genommen werden. Musik. Die Maurische Rbavsodie von Humperdinck, ein seit Jahren in Berlin utcht auigefiilirtcs Orcheiterwerk de« wrzlich vcrslorbkncn Meister«, wird am Donnei etag 7'/, Ubr im Marmorsaat am Zoo aufg-küvrt. Clcmcn« Schmalliich dirigiert de» jüngst gebildeten Orchesterverern derSchlidvolizei.— Im Grobe» Schailspielban« findet Tonntag. den 13.. II1/, 11 br. ein Konzert sllr den Verband der konzertierenden Künstler unter Miiw'itung hervorragender Solisten und der SrankSkaPelle stalt. Das Deutsche Tbeater bringt Strindberg«„Ostern" am 10. zum ersten Male. Die Regie führt Karlheinz Martin. Borträge. In der Geselllchalt sür VollSbildiinq svricht Freitag 8'/, Dr. Gustav Manz im Hörsaal 12i der Universität über Deutlche"il r- beiterdtchtung. ftuitiichronik. Die Akademie der Künste veranstaltet dem« nächst eine Ausstellung von Werken Karl B l e ch e n s. des ausgezeichneten Künstlers, der zu Beginn de« vorigen Jahrhunderts den Grund ,uc modernen Laiidschailsinalerer gelegt bat. Blechen bat nach romantischen Ansängen Lust, Licht und Farbe io überzeugend wiedergegeben, dag er aiS «wer der wichtigsten Vorläuser der Impressionisten bezeichnet werden muß 6ie künftige Leamtenbesolöung. Die neuen Neichsbcnmtenbesoldungsgesctze sind dem Reichstage zugegangen, die preutzisclie Vorlage wird dem Landtage heute vorgelegt werden. Beide Vorlagen wer- den noch ini Laufe dieser Woche verabschiedet werden. Bis zum 13. d. M. sollen alle Beamten die fälligen Nachzahlungen erhalten, und zwar Ouartalsgchaltsempfänger eine Nach- zahlung für das laufende Quartal, die Monatsgehalts- empfängcr die Nachzahlungen für Oktober und Noveniber. Für das Reich ergeben sich Mehrkosten von 7'/z Milliarden Mark, hiervon entfallen auf das Verkchrsministcriuni 3,75, aus die Post 2,2b, auf die anderen RessortS 1,5 Milliarden Mark. Für Preußen sind L'/z Milliarden Mark erforderlich. Die Wartcgeldcr werden von 18 000 auf 60000 M., die Witwengelder von 900—9000 M.(Höchst- betrag) auf 3000 bis 28 000 M. erhöht. Die Dienstbezüge für Ortsklasse A betragen für einen verheirateten Beamten mit 2 Kindern als H ö ch st g e h a l t nach Abzug der Steuern in Gruppe 1: 23040 M., in 2: 24 760, in 3: 26 680, in 4: 28340, in 5: 29 950, in 6: 32110, in 7: 84610, in 8: 37920. in 9: 41440, in 10: 45400, in 11: 50 335, in 12: 58915, in 13: 73855 M. was Frankreich erwartet. Paris, ll. November.(WTB.) In der heutigen Sitzung der Kammer ergriff bei der Beratung der Finanzläge Frankreichs der Berichterstatter des Finanzausschusses de Lasteyries das Wort. Er erklärte, er spräche mehr um die Negierung zu fragen, welche Maßnahmen sie ins Auge fasse hinsichtlich der Lage, wie sie in Deutschland durch den mehr oder weniger gewollten Mark- stürz herbeigeführt wurde. Frankreich habe große Opfer ge- bracht, es habe auf ein viertel seiner Forderungen gegen Deutschland verzichtet. Die Reparationskommission sei eus chrer Lethargie er- wacht und nach Berlin gereist. Der Sturz der deutschen Mark und der österreichischen Krone würde nur den geldlichen Bankerott Deutschlands, aber nicht den wirtschaftlichen Bänke- r v t t herbeiführen, weil Deutschland seine gesamte wirtschaftucye Ausrüstung bewahre. Durch den Sturz der Mark werde der Mittelstand In Deutschland grausam In Mitleidenschaft gezogen und dieser zeige die Tendenz, sich aus Verzweiflung der extremen Linken oder Rechten anzu- jchließen. Es gebe einen Teil der Bevölkerung, der die«schulden Deutschlands begleichen könne, aber die Alldeutschen unternähmen alles, was sie könnten, um die Erfüllung der Verpflichtungen Deutschlands un- möglich zu machen. Was wolle die Regierung unternehmen, wenn Deutschland baldigst die Anwendung des Artikels 234 des Friedensvertrages verlange? Der Sturz der Mark sei nicht aus die Reparationen zurückzuführen. Frankreich habe damit nichts zu tun. Im Gegenteil habe es vorgeschlagen, Deutschland entgegen- zukommen, aber andere Alliierte hätten verlangt, daß dieses Entgegenkommen dazu diene, daß die Summe bezahlt würde, die man ihnen schulde. Von diesem Tage an sei die Mark gefallen. Frankreich habe nicht nur nichts getan, um den Sturz der Mark herbeizmührcn, es habe im Gegenteil durch das Abkommen von Wiesbaden viel zur Erleichterung der geldlichen Lage Deutlchlands beigetragen. Die heutige Ursache des Marksturzes sei die Unordnung der deutschen Finanzen. Die Zahl der Beamten sei beträchtlich erhöht, namentlich um ehe- malige Offiziere unterzubringen. Wenn da« deutsche Budget ein Defizit aufweise, so sei es nicht deshalb, weil man eine Polilik des wirkfchaflllchen Wiederaufbaues im großen Stile betreibe. Die deutschen Steuern beruhen noch auf dem deutschen Ein- kommen von 1918. Man dürfe sich also nicht wundern, daß sie nichts einbrächten. Die indirekten Steuern seien zu gering im Vergleich zu Frankreich, namentlich was Getränte, Zucker und Kaffee anbetreffe. De Lasteyrie sprach auch von der Inflation und erklärte, der Franzose zahle drei- oder viermal mehr Steuern als der Deutsche. Angesichts dieser Lage müsse die Garantiekommistion funktionieren, um die Kontrolle der Steuereinnahmen und des gcfamlen Dcviscnhandels in Deutschland sicherzustellen. Für den nächsten Versallstag müsse Deutschland Im Auslande die Kredite erlangen, die es nötig habe. England und Amerika schwämmeu im Solde, litten ober unter Arbeitslosigkeit. Die Alliierten hätten direkt noch dem Kriege eine Politik der Finanzsolidarität betreiben müssen. Entweder Deutsch- land oder Frankreich bezahle. Einen Mittelweg gebe es nicht. Es verlange von der Regierung zu wisten, schloß de Lasteyrie, wie sie die Zahlung sicherzustellen gedenke. Das Wiesbadener Abkommen. Im Reparotionsausschuß des Reichswirlschaftsratcs erläutert« und verteidigte der Wiederaufbau- minister a. D. Dr. R a t h e n a u das Wiesbadener Abkommen, dos bei unserer heutigen Lage immer größere Bedeutung gewinnt. In der anschließenden lebhaften Erörterung wurde von verschie- denen Seiten als ganz lxstondcrs günstig hervorgehoben, daß das Wiesbadener Abkommen der Industrie eine Beschäfti- gung auf lange Frist gewährleistet. Die Pariser votschasterkonserenz hat den Beschluß über die Fest. setzung der albanischen Grenze unterzeichnet und beschlossen. diese Entscheidung der albanischen, der griechischen und der tugo- slawischen Regierung, sowie dem Völkerbund zu notifizieren. Außer- dem ist beschlosten worden, Oesterreich zur Ratifizierung des Protokolls von Venedig aufzufordern. Die Botschafter- konferenz hat ein Schreiben der ungarischenRegie- r u n g zur Kenntnis genommen, das ihr durch die alliierten Ver- treter in Budapest zugegangen ist und in dem die ungarische Rc- gierung sich verpflichtet, den Beschlüssen der Botschafterkonferenz vom Februar 1920 und April 19?l> Folge zu leisten. Durch diese -Beschlüsse wurde die Wiedereinsetzung der Habsbur- ger untersagt. kein Geheimvertrag zwischen England und der Türkei. Eine Bariser Morgen, eiuing batie den Texl eines GebeimvcriraacS ver- öffenllilbt, der 1919 zwn'chen England und der Türkei abgeschlossen worden sein soll. Die englische Botschaft in Paris erklärt, daß der Tert des angeblichen Vertrages in allen Stücken ge- fälscht sei. Die italienischen Gewerkschaften für Amsterdam. Der Allge- meine rtalieniiche GewerkschaftSbund bat gegen die Stimmen der Kommunisten beichlcsten, in der Amsterdamer Internationale zu verbleiben. v. Berger Verlagsleiter der.Zeit". Zu dem EntlostungSgesuch des preußischen Gesandten in Dresden, v. Berger. erfahren die PPN. noch, daß Herr v. Berger die VcrlagSleitiing der.Zeil" Über- nehmen wird..Die Zeit' ist ein neues volkSparteilicheS Organ. Da- Waffenlager im„Kaisertruh". Nach einer Meldung deS .B. T.' ist in Görlitz ein, weites Waffenlager der Orgesch gefunden worden und zwar im.Kaisertrutz', der früheren Hauplwache. Der Zugang zu dem Lager war vermauert. Schreckensherrsihast Nieöersthönenfelö. Versteckte Vtorddrohungen.— Tie„aufgehetzte" Reichsregierung.— Bayerische Vertuschuugsmrthodeu. Vor einiger Zeit hatten wir Veranlassung, uns mit den auf der bayerischen Festung Niederschönenfeld herrschenden Zuständen wiederholt zu beschäftigen. Konnte man damals noch annehmen, daß die Verantwortung für das schamlose Treiben der Vollstreckungsbehörden das Regiment Kahr- Pöhner-Roth zu tragen habe, so muß man heute mit Be nende Antwort erhalten. Als sich Schiff in dieser Sache an seinen Bater wandte, und sich nach den rechtlichen Grundlagen für ein solches Verbot erkundigte, wurde er mit bestraft. Um Einzelhaft und Hofentzug die Gefangenen besonders zu drangsalieren, verbietet der dauern feststellen, daß sich an den skandalösen Zuständen unter. menschenfreundliche Staatsanwalt den Kauf von Büchern und Zci- der Aera Lerchenfeld nichts geändert hat. Noch immer tungen. Den FA. Taubenberge r, Podulevky und Wol» ist der deutschnationale Oberstaatsanwalt Kraus aus Augs- l e n b e r g verbot er die Bestellung technischer, philosophischer und bürg, der übereinstimmend als ein Mensch von nahezu sadisti- wissenschaftlicher Werke mit der Begründung, daß sie„nur dazu be- scher Brutalität geschildert wird. Herr über die Festung und nutzt-vürden. den Umsturzzu fördern". TemFGKropf wurde damit über das Schicksal von Dutzenden Gefangenen Im Verschärfung semer Strafe durch dauernde Emzelhaft angedroht, folgenden geben wir zur Zeichnung dieses Herrn und zur Charakterisierung seiner Schreckensherrschaft einige seiner markantesten Aeußerungen wieder, wobei bemerkt sei, daß wir in der Lage wären, sie um zahllose, von durchaus glaubwürdiger Seite uns übermittelte Aeußerungen zu vermehren: Am 10. Jun! 1921 sagte Staatsanwalt Kraus zum Festungs- gefangenen O l f ch e w f k i:„Ich bin mit den weitestgehenden Vollmachten ausgerüstet. Ich bin der Festungsvorstand. Sie der Gefangene. Ich befehle Ihnen. Ich weiß, warum ich hier bin. Ich bin hergekommen, um durchzugreifen, und ich greife durch: wenn es sein muß, mit Waffengewalt.' Im Juli siel dem Festungs- gefangenen M u r b ö k gegenüber folgende Aeußerung:„Ich kann mit den Fcstunasgcfangcnen machen, was ich willl Wollen Sie das etwa bestreiten?'— Der FG. Wiedeinann wurde mit verschärf- ter Einzelhast bestraft, weil er beim Betreten des Rapportzimmers nicht die vom 2. Vorstand gewünschte„vorschriftsmäßige Stellung' einnahm. Der FG. Nickel desgleichen, weil er keinen—„vorschriftsmäßigen Gesichtsausdruck" trug. Besonders beachtet zu wer- den verdient die folgende Aeußerung:„Ml einem Landtagsaboeord- neten Sauber werden wir ebenso fertig werden, wie wir mit Gareis fertig geworden sind. (Am S. 7. 21 zu Sauber.)— Zu dem FG. h u l e äußerte er:„Wenn Sie sich nicht fügen, werden Sie es noch körperlich zu fühlen be- kommen".— Der Oberwerkführcr Fetsch, der am 6. Juni den FG. h o g e m e i st e r mit der Pistole bedroht hatte, der am 2. Au- gust den FG. Binde! niederschlug, daß er blutig zusammen- brach, der am 28. September den FG. Toller tätlich angriff, ist noch heute im Amt. Bindet zwang man indirekt zur Unterlassung der Stellung einem Strafantrages, ndem Kraus baldige Bcwäh- rungskrist in Aussicht stellte, wenn Bindet die Sache ruhen lasse.— FG. K u l l m a n n gegenüber fiel die Aeußerung:„Wer nicht seine Gesinnung ändert, wird nicht entlassen."— Dem FG. Murbök erklärte Kraus:„Ich werde in Niedcrschövenfeld Zustände schaffen, daß Sie mit Sehnsucht an die früheren Zustände zurück- denken werden. Ich sperre Ihnen auf Wonake Tag und Rächt die Zellen ab mii nur einer Stunde hofceil."— Dem FG. Marschall, der an schweren Magenkrämpfen leidet, wurde ausdrücklich ver» b o t e n� während der Nacht ein Licht anzuzünden, um bei einem Anfall die ihm vom Arzt verordnete Medizin nehmen zu können. — Den FG. Egensberger und S e f f e r t wurde die Genehm!» guna zur Zahnbehandlung nur dann als besondere„Vergünstigung" in Aussicht gestellt, wenn sie sich„gut führten". E. litt an schmerz- haftcr Kiefervereiwrung. S. an den heftigsten Zahnschmerzen.— Dem FG. Schiff gegenüber machte Kraus folgende Bemerkung: „Es ist ganz selbstvcrständlch, daß in allen Fällen die Verwand- t e n vom Strafvollzug mehr oder weniger mitbetroffen werden müssen. Dem Schiff wurde die Heiratser'laubnis verweigert; gleichzeitig erklärte Kraus, daß er sich selbstverständlich auch an eine höhere Stell« wenden könne, daß er ihm aber jetzt schon aus dos bestimmteste verstchcre, er werde dort diefelb ableh» wenn er sich„weiter mit solchen Dingen beschäftige".— Dauernde Absonderung wurde auch dem FG. Schiff angedroht, weil er zwei- mal(„wiederholt") um ein Bücherregal gebeten hatte.— Ein Schreiben des FG. Wollenberg an den Reichspräsiden- ten wurde beschlagnahmt, weil es„eine Aufhetzung der Relchsregierung gegen Bayern. besonders gegen Niederschönenfeld, sowie eine Bedrohung des Bar- standes bedeute und agitatorischen Zwecken diene". Beschwerden der Gefangenen werden als„Unzufriedenheit" oder „Viclschreiberei" bezeichnet und enden fast immer mit Einzelhaft. So sagte Kraus zum FG. Murbök:„Die Gefangenen kommen ! andauernd mit Bitten und Beschwerden, ich kann diese Schreiberei nicht gebrauchen. Ich habe anderes zu tun. Deshalb ordne ich an: Wer innerhalb 14 Tagen mit mehr als einer Bitte kommt. von dem nehme ich drei Monate lang keinen Wunsch mehr entgegen. Die Bist« bleibt volle drei Monate lang liegen und wird nicht berücksichtigt, auch wenn der Inhalt der Vilke den Fall betrifft, daß die Frau oder die Eltern gestorben sind."(!!) Ein Strafantrag, den der FG. Kropf anläßlich des Auf» morsches der Sipo gestellt hatte, wurde vom zuständigen Staatson- walt Renner in Neuburg abgewiesen, da Kraus„eben eine an- der« Auffassung vom Zwecke des Strafvollzugs habe."— Festgenagelt zu werden verdient noch die folgende Aeußerung dem FG. Murbök gegenüber:„Es kostet mich nur eine Zeile an unseren Staatskommissar, der ganz vorzüglich ist, und der Mann hat den Fcstungsstaub noch nicht von den Füßen ge, schüttelt, io ist er schon an einem Ort, der ä h n l i ch ist wie Festung.' (Womit Schutzhaft gemeint ist!) Nach der Beförderung des Kraus und nach feiner Ver- setzung nach Augsburg änderte sich nichts an den Methoden in Niederfchönenfcld, die der jetzige Reichsjuitizminister Prof. Dr. R a d b r u ch auf dem Görlitzer Parteitag als „ein Mittelding zwischen Gefängnis und Zuchthaus" bezeich- net hatte. Der unmittelbare Nachfolger Kraus', Staatsanwalt H o f f m a n n, wandelt in den gleichen Bahnen seines Vor- gängers und mit ihm alle Beamten, die sich bei der vorgesetzlen Dienstbehörde beliebt machen wollen.§ 7 der Hausord- n u n g lautet im Zweiten Absatz: Die Festungshast ist diejenige Form der Strafhast, bei der die durch die Slraie ge» botcnen Eingriffe in die persönliche Freiheit sich auf das gering fte Maß beschränken." Wie ist diese Bestim- mung in Einllang mit den schmachvollen Mißhandlungen zu bringen, die in Nicderschönenfcld an der Tagesordnung sind? Die bayerische Justizbehörde wird gegen den„Vorwärts"— wie schon einmal geschehen— ihren großen DemeiLierapparat ins Werk fetzen. Durch Ableugnen ist jedoch der Sache nicht gedient, und wir verlangen, daß endlich einmal— gegebenenfalls von Reichs wegen— in diese dunklen Vorgänge hineingeleuchtet wird. WLetschast Markbcsserung. Die Mitteilung, daß durch eine Kontrolle der Devisengeschäfte eine Besteuerung der Kursgewinne in der Devifenfpeku- lallon bevorsteht, hat genügt, um den Dollarkurs an der gestrigen Vörie und mit ihm auch die Notierungen der übrigen Devi'en be- tröchilich herabzusetzen. Das künstlich aufgebaute Kursgebäude, das sich in hohem Maße aus die heimische Spekulation stützt«, ist damit ins Wanken geraten. Der Dollar, der vorgestern amtlich mit 309,69 notiert worden, im freien Verkehr aber über 330 hinauf- gestiegen war, ging nach der gestrigen amtlichen Notierung aus 232,74 zurück. 100 holländische Gulden ermäßigten sich von 10 289 auf 8891, 1 Pfund Sterling von 1178,80 auf 981,50, 100 sronzösische Franken von 2237,72 auf 1798,20 und 100 Schweizer Franken von 2744,22 aus 4890,30. In Anbetracht der großen Dalulaverschlcchte- rung der letzten Woche bedeutet natürlich dies« Besserung der Mark noch nicht viel. Sie zeigt aber bereits, wie sehr der Markkurs durch spekulativ« Machenschaften beeinflußt war. Jetzt, nach. dem die Valutafchicber und-Hamster besürchten müssen, daß sie ihre Gewinne nicht mehr in Sicherheit bringen können, ohne daß die Steuerbehörde davon erfährt und diese Einnahme über die Einkommensteuer viel schärfer erfaßt, als es etwa durch die De- visenumsatzsteuer möglich ist, hat der Goldwert der fremden Zahlungsmittel erheblich verloren und man wirst Devisen auf den Markt. Das vollzog sich am Tage der Ankunft der Reparation?- k o m m i s s i o n. Es ist durchaus wahrscheinlich, daß auch diese Tatsache bei der Besserung der Mark mitgewirkt hat. Solange in Paris, London, Spa und Genf übe? die deutsche Zahlungsfähigkeit diskutiert und diktiert wurde, konnte man darauf rechnen, daß die Schiedssprüche der Entente den Balutafpekulcmten Vorschub leisteten. Jetzt kommt die Rcparationskommissson nach Berlin. Sie kann es mit eigenen Augen beobachten, wie der Markkurs mit ganz wenig Angebot und Nachfrage an der Berliner Börse gemacht wird, der im Ausland die verhängnisvollsten Folgen nach sich zicR, sie kann auch ferner sehen, wie die nichtbesitzenden Kreise bemüht sind, eine Erfüllungsvolitit zu treiben, während der Besitz sich an dem all- gemeinen Elend noch bereichert. Sie wird die Beschränkt- b e i t der deutschen Zahlungskrast leichter erkennen, als das nach den amtlichen und nichtamtlichen Berichten der Diplomaten und Agenten möglich ist, und sie wird daraus ihre Schlüsse auf die nächsten Zahlungen und auf die Zahlungsweif« der Reparationen ziehen müssen. Es gibt niemand in Deutschland, der diesem Schiedsgericht mit sonderlichem Optimismus entgegensieht. Man kann ober mit gutem Grunde annehmen, daß dl« Reparattonskommissson sich ihre Reise nach Berlin erspart hätte, wenn sie einfach auf dem alten Zahlungsplan bestehen wollt«. Daß eine Verschärfung der ZahlungspslichVn nickt möglich ist, weiß man in Paris ebenso wie in Berlin. Bleibt also nur die Mög'ichteit, daß es nun endlich zu einer Aussprache mit den beteiligten Behörden und vielleicht auch mit privaten Wirtschaftern kommen wird, die die Grenzen der ZohlungFähigkeit für die nächste Zeit festzustellen hat. Dann aber sind die Erwartungen der Katastrophenpolitiker, die wünschen, daß Deutschland sich einfach als bankerott erklärt, über den Haufen ge- workn. Gewiß wird es darauf ankommen, daß die Reparations, kommifsion der deut'chen Finanznol und dem Valutaelend, da« vor allem durch die hohen Go'dzahlungen verursacht ist. mehr Ver» ständn!« entgegenbringt als bisher. Aber sie wird sich der Gewalt der Tatsachen nicht ganz entziehen können und darum«ine Vtr- stöndigung anstreben müssen. Sonst hätte die Prüfung der deutschen Zahlungskrast überhaupt gar keinen Sinn. Unlererfeits muß alles getan werden, um die Politik der Gr» f ü l l u n g im Rahmen d-:s Möglichen weiterzuführen. Der Vor- schlage sind genug gemacht worden. Die Regierung wird be- fchleunigt zu erklären beben, ob sie mm die Erfassung der Sach- ! werte durchführen wird oder In welcher Weise sie sich die Er- . füllung der nächsten Zahlungspflichten denkt. Durch das Kredit- � cmgebot der Industrie, das an unerfüllbar« Bedingungen geknüpft wurde, wurde die brennend wichtige Frage der Erfassung der Sachwerte lange genug Kiiauszöge. Jetzt aber, wo die � Entente auf ein« Entscheidung drängt, ist es notwendig, daß die i Regierung klar und eindeutig ausspricht, wie sie die Aufbringung i der Goldmilliardcn ermöglichen will, wenn die Industrie auf ihrer ablehnenden Haltung beharrt. Das würde uns um einen wesentlichen Schritt vorwärtsbringen. Erneuke starke Verteuerung der Wargarine. Der Margarine- oerband E. V. Berlin teilt mit: Da die Marqarineinduftrie ihre Rohstoffe mit Auslandsdeoifcn bezahlen muß, hat sie sich gezwun- gen gesehen, eine weitere Erhöhung ihrer Verkaufs- preise vcrzultchmen, entsprechend der seit der letzten Preisfest- setzung eingetretenen Verschlechterung des Wertes der deutschen Mark, so daß sich die marktgängigen Sorten auf 31 bis 35 M. Grundpreis für gesalzene Margarine dem Kleinhändler stellen. Ueber die Einzelheiten, welche für diesen Schritt mitbestimmend waren und die Kalkulation, welche den neuen Preisen zugrunde aelegt ist, hat die Margarineindustrie der Regierung vorher Mitteilung gemacht und ist mit ihr wegen einer obiektiven Nach- Prüfung der kalkulatori'chen Notwendigkeit durch das Crnäh- rungsminifterium in Verbindung getreten.— Wir hoffen, daß das Reichsernährungsminifterium dazu Stellung nehmen wird, od eine solche Verteuerung der Butter des armen Mannes durch den Valutarückschlag ausreichend begründet ist. Reue Erhöhung der Eifenpreife? Innerhalb des Eifenmirt- fchaftsbundes wird für eine baldige Erhöhung der Eisenpreise Stimmung gemacht mit der Begründung, daß die Löhne und Unkosten erheblich, der Erzbezug ganz außerordentlich in die Höhe gegangen seien. Die Arbeitgeber stehen der Einführung von Höchstpreisen ablehnend gegenüber. Die A r b e i t n e h- m e r dagegen legen nach wie vor auf Einführung von Höchstpreis«? Wert. Das Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer im Eisenwirtfchaftsbund ist nach wie vor gespannt. Es ist zu for- dern, daß der R e> ch w i r tf ch a f t s m i n i st« r durch Erlaß von Höchstpreisen der Preistreiberei am Eisenmarkt Schranken auf« erlegt. Grenzsperre für die Warenausfuhr im kleinen. Durck Bekannt- mackunaen des Re«chs>v>rtsckatlsmi»isteriums mar die«»Siubr von Waren des füniten Abickniites des ZolliariiS i T e x«> l- waren uiw.) im kleinen Grenzverkehr an der badiick- ickweizerifcken Grenze, der westlichen Grenze und der deuiick- dänischen Grenze obne Bewilligung der zuständigen Stellen ver- boten worden. Da der Ausverkauf auch andere Grenzgebiete N'S Reiche« ergriffen hat, ist dieses Verbot nunmehr o u f d i e g a n z e ReichSgrenze ausgedehnt worden. OeweÄschQstsbeivegung Streikultimatum gegen öie Staüt Serlin! Eine Vollversammlung der Betriebsräte der Gemeinde Groß- Berlin am 8. November befaßte sich mit der Frage von Massen- entlassungen. Die Entlassungen seien nur eine Machination des Magistrats, um den Etat der Stadt auf Kosten der Arbeiter zu entlasten. Die Betriebsräte stellten sich auf den Standpunkt, dag. wenn den verschiedenen Borschlägen, die aus ihrer Mitte heraus an den Magistrat gemacht wurden, Folge geleistet würde, keine Entlassungen s attfinden brauchten. Eine Resoluticn, die dies: Tatsache dem Magistrat zur Kenntnis bringt, wurde gegen eine Stimme angenommen. In der Resolution wird verlangt, daß keine Entlassungen stattfinden dürfen, bis 1. sämtliche Privatunternehmer aus den städtischen Betrte- den entkernt sind, L. daß Arbeiten, die ohne Aufwendung größerer Mittel in eigener Regie hergestellt werden können, der Privatindustrie entzogen werden und 3. solange noch irgend- welche lieber stunden gemacht werden. Die Vollversammlung verlangt vom Magistrat, daß er sich spätestens bis Donnerstag, den 24. November 1921, zu dieser Frage äußerst. Sie ist weiter ge> willt, zu den schärfsten Mitteln zu greifen, um in dieser Frage ihren Willen zum Durchbruch zu bringen. Es wurde dann auch noch über die Lahnfrage, speziell über die lOOZ M. Wirtschaftsbeihilfe gesprochen. Zu diesem Punkt nahm die Versammlung fast einstimmig eine Entschließung an, welche besagt, daß der ZNaglstrat bis zum 11). November, mittags 12 Uhr, einen endgültigen Bescheid geben(oll, ob er gewillt ist, die 1000 211.«»szuzahlen, widrigenfalls die Betriebsräte die Konfe- quenzeu ziehen werden und an dem Beschluß der Funktivnürvcr- Sammlung vom. 2. November festgehalten wird, der dahin ging, ulls die 1000 2R. nicht gezahlt werden, die Arbeit niederzulegen. zulegen. Die Fuuktionärversammlung sprach weiterhin der Tarifkom- Mission ihr schärfstes Mißtrauen aus, weil sie sich angemaßt hatte, bei der Verhandlung über den 9. November den Beschluß der Funkiionöroersammlung zu ignorieren. Sie verlangt eine Neu- wähl derselben unter Hinzuziehung des Verbandes der Kopf- und Handerdeikr(!), um so die geschlossen« Einheitsfront der städti- schen Arbeitnehmer herzustellen. Wciterhin sprachen die versammelten Betriebsräte den gemäß- regelten Sastwirtsangestellten ihre volle Sympathie aus und der Gewcrkschaftskommission das schärfste Mißtrauen, weil sie die Gastwirtsangestellten verraten und verkauft hat, so daß 3Ml> bis 4000 der Streikenden von hcm Unternehmertum gemaßregelt war- den sind und nicht wieder in die Betriebe hineinkommen. Soweit der Bericht. Uns scheint denn doch, der Betriebsrat war nicht wohl beraten als er beschloß, in welcher Weise eine Wirtjchaftsbeihilfe zu erzwingen fei. Ob gestern am gan- zen Tage oder nur am Nachmittag die Arbeit ruhen sollte, das zu entscheiden war Sache der Gesamtheit der Berliner Gewcrk- schafts- und Afa-Derbände. Kommt er den Gewerkschaftsorganisa- tionen mit den Kopf- und Handarbeitern, dann muß der allgewaltige Betriebsrat schon zugeben, daß dies ebenfalls ein sehr unüberlegter Beschluß ist. Der Gewerkschafts- k o m m i s s i o n den Vorwurf zu machen, sie habe die Gastwirls- angestellten verraten, das gehört nicht zur Kompetenz des Be- triebsrats und ist auch nicht richtig. Bevor man derartige Beschlüsse faßt, sollte man sich in Ruhe überlegen, was damit bezweckt werden soll. Co aber geht es nicht! Der Zenkralverband der Angestellten, Ortsgruppe Groß- Berlin, teilt den Funttirnären des Verbandes in den Be- trieben und der Verwaltung der Stadtgemeinde mit, daß er bei dem Zustandekommc» des Beschlusses, der unter Streik- androlzung bis heute mitlag eine Zusage auf Zahlung von je 1000 M. fordert, nicht mitgewirkt hgt und fordert seine Funktionäre auf, nur den Weisungen der Organisation Folge zu leisten. Ob die übrigen in Betracht kommenden Gewerkschaftsorganisationen beim Zustandekommen dieses Be- schlusies mitgewirkt hoben oder darüber befragt wurden, entzieht sich unserer Kenntnis, doch müssen wir dies einstweilen stark be- sich unserer Kenntnis, doch müssen wir es einstweilen stark be- zweifeln. Ohne die Organisationen aber wird es trotz„Kopf- und Handarbeiterverband� nicht gut gehen. Inzwischen hat das Lrhnkartell der städtischen Arbeitnehmer mit dem Magistrat verhandelt. Der Magistrat erklärte, daß er selbständig über die Lohnforderungen einschließlich der Wirtschafts- beihilfe von 1000 M. nicht entscheiden könne, sondern daß er mit Rücksicht auf die Deckungsfrage zunächst die Angelegenheit der Stadtoerordnetenvcr'ammlung unterbreiten müsse. Die heutige Stadtverordnetenversammlung kann sich mit den Lohnfragen jedoch kaum befassen, da zunächst die Konstituierung erfolgen muß. In- folgedessen wird erst in der kommenden Woche da? Stadtparlament sich mit dieser Angelegenheit beschäftigen können. Konflikt bei der Straflenüahn. Wegen der Entlassung eines Fahrers kam es gestern zu einem Sympathiestreik de? Personals mehrerer Bahnhöfe. Die Bcrhackd- lungen unter dem Vorsitz von Baurat Dr. Adler führten in der Sache selbst zu einer Verständigung darüber, daß der entlassen« Fahrer vom Dienst solange suspendiert bleibt, bis der Schlichtnngs- onsschuß entschieden hat. Run aber stellten die Vertreter der am Streik Beteiligten die Forderung, daß ihnen der Tag bezahlt werden solle. Das wurde abgelehnt im Hinblick auf die Konsequenzen, die sich aus derartigen Aktionen ergeben, worauf die Arbciteroertrcter die Verhandlungen als abgebrochen erklärten. Wie man auch dies: Forderung beurteilen mag, ein Anlaß zum sofortigen allgemeinen Streik der Straßenbahner ist sie jedenfalls nicht. Eine Unüberlegt- heit wird nicht besser, wenn ihr eine zweite, weit größere folgte. Ist der Fahrer zu Unrecht entlassen, mußte er zu seinem Recht kommen, ohne daß die Straßenbahn das Fahren einstellte. Der Verkehr in Berlin erfordert immerhin gewisse Rücksichten. Andauernde Unruhe im Gaftwirtsgcwcrbc. Die Erwartung, daß der am Sonnabend gefällte Schiedsspruch das Ende des Streites bedeuten würde, hat sich nicht erfüllt. Der Schiedsspruch bestimmt zwar, daß Maßregelungen nicht statt- finden dürfen, aber trotzdem sehen sich jetzt Tausende von An- gestellten auf die Straße gesetzt. Außerordentlich groß ist die Zahl der B e t r i e b s r a t s m i t g l i e d e r, die nicht wieder eingestellt worden sind, obwohl im Protokoll zum Schiedsspruch aus- drücklich gesagt ist, daß eine Maßregelung der Betriebs- rate, sofern sie sich keine strafrechllichcn Aergehen haben zuschulden kommen lassen, unter keinen Umständen stattfinden dürfe Auch die Bestimmung, daß bei der W i e d e r e i n st e l l u n g die Dien si ältesten und Verheirateten zunächst zu berück- sichtige�sic��schein�uemg�eachte��we�cm�em�in�de�gröht� Hotels hat nicht weniger als 13 Leute auf der Straße gelassen, die 12—27 Jahre in diesem Hause tätig waren. Es scheint uns an der Zeit zu sein, daß der Schiedsspruch, dem sich die Parteien bedin- gungslos unterworfen haben, nun auch allseitig durchgeführt, und daß dabei jede von altem Groll diktierte Maßnahme unterlassen wird. Das Publikum wünscht dringend, daß der ehrliche Friede nicht nur beschlossen ist, sondern sich auch aus der ganzen Linie be- merkbar macht._ Kein Tarifbruch. In der Sonntagsausgabe des„Vorwärts� vom 6. November 1921 wurde eins Berichtigung des Verbandes Berliner Me- t a l l i n d u st r i e l l c r, die unter Hinweis auf§ 11 des Pressegesetzes eingeschickt war, veröffentlicht. Diese Berichtigung ist, wie uns geschrieben wird, unzutreffend und irreführend. Die in den Hausdruckereien der Berliner Metallindustrie beschäftigten Buchdrucker waren und sind berechtigt, neue Lohnforderungen zu stellen. Tarifliche Abmachungen mit dem Verband Berliner Metall- industrieller stehen diesen Forderungen keineswegs entgegen. Aller- dings besteht der Mantelvertrag vom 3. Mai 1921 noch zu Recht. Dagegen ist der Teil 3 B des Tarifoertrages vom 3. Mai 1921, der die Tarifsätze enthält, am 13. September 1921 zum 31. Ottober 1921 ordnungsgemäß gekündigt worden. In der Zwischenzeit sind zwar zwischen dem Metallarbeiteroerband und dem Verband Berliner Mctallindustrieller neue Vereinbarungen über die Tarifsätze getroffen worden. Diesen Bereinbarungen ist aber der Verein Berliner Buchdrucker und Schriftgießer für seine Mitglieder n i cht beigetreten. Hiernach bestehen zurzeit bindende Tarifsätze für diejenigen Mitglieder des Vereins Berliner Buchdrucker und Schriftgießer,' die in den Hausdnickereien der Ber- liner Metallindustrie beschäftigt waren, nicht. Die in diesen Be- trieben beschäftigten Buchdrucker verlangen Lohnzulagen in der Höhe, daß für jeden einzelnen Arbeiter ein der entsprechenden Klasse und Staffel des Buchdruckertarifs gleichkommender Verdienst erzielt wird. Der zur Erringung dieser buchdruckertariflichen Arbeitslöhne unter- nommene Streik verstößt hiernach keineswegs gegen eine tarifliche Bindung.__ Kommunistische Gcwerkschaftsfrcund c. In der Abneigung gegen di« Zahlung von Gewerkschaftsbeiträgen im allgemeinen und gegen jedwede Erhöhung derselben im besonderen, erkennt man die ehemaligen Gelben wieder, die haupköchlich deshalb ins kommunistische Lager abgesuiwenkt sind, weil die Parolen„gegen die Gewerkschaften",„gegen die Gc- werkschaftsbureautratie",„gegen die Gewerkschostsbonzen", eine große Anziehungskraft für solche Geister haben. Für die neue Parole: gegcnBeikragscrhöhungen, hat Schuhmacher einen warmen Anhänger gefunden, der ihn noch übertrumpft und aufs Ganze geht. Die„Rote Fahne" stellt den Helden— Leon Saul benannt— als„einen Genossen aus dem Betriebe" vor. Sie ver- säumte leider hinzuzufügen, wie lange der Mann im Betrieb ist und wie lange er gewerkschaftlich organisiert ist.„Es sieht eben so aus"— schreibt dieser Sachverständige—„als ob neben vielen arbeitsgemeinschaftlichen Bedenken der K o st e n p u n k t die Hauptrolle bei den heutigen G e w e r k s ch a f t s- führern spielt", nämlich bei Streiks. Der Kostenpunkt ist für die Kommunisten in ihrer Großzügigkeit freilich stets Nebensache, Geld spielt keine Rolle für sie, solange„die anderen" zahlen müssen. „Roch nie haben wir vor Ausbruch eines Streiks gefragt: Wieviel und wie lange zahlt die Gewerkschaft Unter st ützun g". Wir haben schon manchen so reden hören, der sich zuvor in den Satzungen der Gewerkschaft über diese Fragen die nötige Auskunst verschaffte, bald aber der Streikleitung gedroht hat, wenn nicht bald mehr Unterstützung gezahlt werde, müsse man wieder in den Betrieb hinein. Die nominell erhöhten Beiträge würden zur Schassung von großen Reklame- und Repräsentationsräumen verwendet„mit all- zuviel bequemen Sitz- und Beratungsangelegenheiten, Hu oermehr- tcn Beamten- und Instonzcnapparaten, zu dickleibigen Gewerk- schaftszeitungen.. die doch keiner liest und ernst nimmt... Das ist so eine kleine Stichprobe, in welch objektiver Weise über Anträge auf Beitragserhöhungen geurteift wird. Wir— Leon Saul— wallen und wünschen, daß die jetzt- gen Gewerkschaftsführer mit den bisherigen ge- zahlten Beitragssätzen auszukommen habe n." Wer keine Gewerkschaftszeitung liest, kann sich um so leichter auf die Höhe solcher Arroganz schwingen. Wie groß muß doch die Verlegenheit in dem Kreise um Schuh- macher um Vorwände sein, gegen die Gewerkschasten zu wühlen, wenn man die Aktion schon auf die Stimmungsmache gegen die unvermeidlichen ziffernmäßigen Erhöhungen der Gewerkfchaftsbei- träge beschränken muß Den Herrschaften steht es ja frei, die Gewerkschaftsbeiträge gänzlich zu sparen. Ungeteilte Arbeitszeit im Eisenbahnbetr!'.-I Von der Ortsverwaltung Groß-Berlin des Deutschen Eisenbahner- Verbandes wird uns u. o. geschrieben: Der reaktionären Verwal» tungsbureaukratie schwillt immer mehr der Kamm. Jetzt will man im Bereich der Eisenbahndirektion B e r l in dazu übergehen, d i e Goslarer Richtlinien insofern durchführen, als in den ein- zelnen Dienststellen die geteilte Arbeitszeit eingeführt wer- den soll. Die Mittagszeit soll eine Stunde betragen. Diese Maß- nähme kann nur als eine Provokation der Eisenbahner- s ch a f t aufgefaßt werden, denn zu rechtfertigen ist eine derartige Verfügung unter dem Gesichtspunkt der Groß-Berliner Verhältnisse niemals. Wer soll die„Vergünstigung" genießen, bei seiner Familie zu Mittag zu essen, wenn er in Rummelsburg beschäftigt ist und in Charlottenburg wohnt? Es ist klar, daß die Verwaltung da- mit die Eisenbahner allmählich an eine längere Arbeits- zeit gewöhnen will. Eisenbahner, seid auf der Hut! Vom Bszirksbetriebsrat der Eisenbahndirektion Berlin wurde sofort nach Bekanntgabe der Goslarer Richtlinien oersucht, eine Dcr- ständigung in der Frage der geteilten Arbeitszeil herbeizuführen. Die Direktion erließ auch eine Berfügung, die besagte, daß für den Bezirk Berlin aus den nicht weiter anzuführenden Gründen die durchgehende Arbeitszeit gelten muß. Jetzt erklärt man, daß überall, wo der Einführung dcr geteilten Arbeitszeit Schwierigkeiten gemacht werden sollten, diese trotzdem durchgeführt werden soll, denn dies sei eine Verwaltungsmaßnahme, die ohne B e- fragen der Betriebsräte vorgenommen werden kann. Ja, was ist denn keine Verwaltungsmaßnahme? Am 4. November 1921 befaßte sich eine Funktionärsitzung des Deutschen Eisenbahnerverbandes, Ortsgruppe Groß-Berlin, mit dieser Maßnahme. Ein Fall, dcr die reaktionäre Gesinnung der Direktion kraß beleuchtete, wurde besonders gegeißelt. Hat sich z. B. der Herr Abteilungsdirektor Wallbaum kürzlich die folgende Aeußerung er- laubt:„Ja, die alten Wächter, das waren noch Kerle, aber die von heute, die jungen Wächter, müßten glattweg crjchos- s e n werde n". Die Funktionärsitzung faßte folgenden Beschluß: „Die am 4. November 1921 tagende Funktionärsitzung des Deut- schen Eisenbahnerverbondes, Ortsgruppe Groß-Berlin, lehnt die Einführung der geteilten Arbeitszeit für den Wirt- fchaftsbezirk Groß-Berlin ab. Ganz besonders geißell die Bersamm- lung die reaktionären Aeuherungen des Abteilungsdirektors Wall- bäum. Sie stellt fest, daß derartige Aeußerungen der Arbeiterschaft ins Gesicht schlagen. Die Funktionäre des Deutschen Eisenbahner-- Verbandes verlangen die sofortige Entfernung des betreffenden De- zernenten." An alle Eisenbahner kann nur der dringende Mahnruf gerichtet werden: Haltet zusammen, rüttelt die Trägen aus, denn ein geeinter Wille und der Wille, sich seine wenigen frei- heitlichen Rechte nicht noch weiter oerkümmern zu lassen, kann diese Reaktion dämmen. Roch einmal: Eisen- bahner, seid auf der Hur! Wahlsieg der Wiener Handlungsgehilfe«. Bei den Wahlen zum Gehilfenausschuß der Hondlungs- gehilfen wurde diesmal die sozialdemokratische Liste einstimmig gewählt. Der Gehilsenausschuß verwaltet die Gehilfenkrankciikasse und die Stellenvermittlung. In früheren Iahren hatte gerade bei diesen Wahlen stets der heftigste Kampf zwischen Sozialdemokraten und Christlichsozialen getobt. Gegen lleberffunden. Die Betriebsräte der Solinger Industrie beschlossen, Ileberstunden unter allen Ilmständen abzulehnen. Die Wiederaufnahme des Betriebe» in den 2Nannheimer Benz- Werten mackie die Tire'lion bei Besprechungen nnl dcm�Temobil- machungZlommissar davon abhängig, daß Garantien daftir geboten werden, daß lünitig Ruhe und Ordnung in den Betrieben� herriche und die persönliche Freibeit der BetriebZbeamten gewährleistet wird. Sie will, daß diejenigen Arbeiter, welche wiederholt� die Ruhe und Ordnung in den Verrieben gestört baben und Anlaß zu Demonstrationen gaben, von der Wiedercinstellung ausgeschlossen werden. Eine Veriainmlung der Arbeiterschaft nimmt zu diesen Bedingungen Srellung. Teutsöer B-kleiduvg-arbelter-ZZcrbaiid. Die Berhandlungen in der Damenkonfektion finden noch nicht statt, infolgedessen fällt die Mitglied eron» semmlung am Sonnabend aus. gentralverband der Angestellten. Donnerstag. Baugewecbe, Bergbau. Fect,' gruppenverfammlung IVs Uhr in der Neuen Philharmonie, Lzöpenlcker Straße- Nr. 96—97.— Hüte. Millen. Mitqliedcrver�mmlnng 6 Uhr in den Sovhlen- säten. Soxhienstr. 17—18.— Kaufhäuser. Mitgliederversammlung 7�4 Uhr r» dcr Neuen Philharmonie. Köpenicker St?. 96—97.— Leder. Mitgllederversamm» lung 7 Uhr in dcr Neuen Philharmonie, Kövenicker Str. Freltag. Damenwäsche. Mitgliederversammlung 5�4 Uhr in der Neuen Philharmonie, Köpenicker Str. 96—97.— Gemeindebehörden. Funktionärversammlung 7 Uhr im Noscnchaler Hof. Rosenthalee Str. 11—12.— Textil-, Baumwoll-, Lelnen., Kleiderstoff-Großhandel, Samt, und Seide. Funktionärversammlung 7� Uhr in den Sophiensälen, Sophienstr. 17— 18.— Zeitungsgewerbe. Mitgliederversammlung 7' 4 Uhr in Havcrlands Festsalen, Neue Friedrich str. 35. Deutscher Vcrkchrebund. Abteilung Kraftfahrer. Versammlung der Ben» zindrofchkenfahrcr Freitagabend 6�» Uhr im Gewcrkschaftshaus, Engelufer 24/2.-?, Restaurant. Stellungnahme su? Lohnkürzung.. Deutscher Transportarb'eiter-Vcrband. Freitag. Gruppe Papier u. Pappen engros. Persammlung um 5 Uhr in der Schulaula Stallschreiberstr. 54.— Branche 3F, Altmetallhandel. Versammlung um 6 Uhr bei Feyfara, Melchlvr- j straße 15, Die Gehälter der Versichernngsauqefiellten in Direktions- und Verwal» i tungsaeneralagenturbetrieben sind durch die Vereinbarung vom 12. Oktoben ! 1921 ab 1. September neu geregelt worden. Nicht geregelt wurden bisher die Gehälter der Provisions-Generalageniurangestellten. Das Neichsa�etts- Ministerium hat Smlichtungsvcrhandlunacn geqen den Arbeitaeber-Reichsvcr- band deutscher Bersichcrungovertreter auf den 15. November 1921 festgesetzt. Zilmschau. i T« alv'ne Zportfilm„ktn den Höben deS ZchweiaenS-. dn in ber Scc-niibnrg nm Pciedamer Play einem geladenen Pnbliknm vor» geführt wurde, unterscheidet sich von den üblichen Bergsportülmc» dadurch, daß er nicht nur die Schönheiten und Schrecken der HochecbrgSnaiur, sondern den Klelieilvort Iclbit in allen haarsträubenden und gäniebaut- erzeugenden Cinzilbeiten vorführt Wir begleiten waghalsige Alpinisten beim erklimmen von senkrechlen, glatten Wänden und bimnielhobcn Sta- Minen, wir icben aus närbürr Nähe mit verhaltenem Atem, wie sie ange- teilt, mit prüjendcn Tritten bröckelnde Felsengratc balanzierend überschreiten, durch Nebel und lZZcwitterstürmc dringen und sckließtich am Ziel, aus der ichwindelnben Spitze triiimvbierend, Fuß fassen. Die Ausnahmen sind.echt' 1 und bieten daher dem SportSmann gewiß noch mebr als dem Laien, der , iich aus ftaunciide, grnseinde Bewunderung beschränken muß. ach. „Der Tod im Nacken- ist ein sünsaktige» Film-.ASenIeuer- mit ictohanne» R i e m a n n, da? diese Woche im Sportpalast. 1 Potsdamer Straße, läuft. Er bringt weder inhaltlich noch in der Szenerie j irgend etwa? Neue?. Ein Lirbbabcrdetektlv, der im gewöhnlichen Leben ein bekannter Tchanlpielcr iii und sonderbarerweise neben seinem Engagement noch Zeit bat, sich aus ausreibende Verbrecherjagden zu begeben, will eiiierr riifsischen Fürslrn vor dcr Dersolgung zweier Anarchisten retten. Eine junge Dame, seine Ecbilsin, die er sich eines Nachts von einem Brücken- geländrr geholt bat, ans daS sie in selbstmörderischer Abficht gellettert war. unterstübt ihn dabei. Natürlich gelingt eS dem Schauspielerdetettiv nebst Assistentin, den von den Dersolgcrn gefangenen und gesesselten Fürsten ac- rade eine Sekunde vor dcr Sprengung des KcsängnisseS zu befielen. Ter eine dcr beiden Anarchisten fliegt dabei durch Zufall mit in die Lust. während der andere renmülig sich zur Besserung liekebit und— dcr logilche Zusammenbann ist nicht ganz klar— Schauspiclerdctcklio und Gehilgn sich zum LebenSbünd veremigen.— Tie Aussübrung litt übrigens noch darunter, daß die Bilder in rasender Geschwindigkeit abgedreht wurden. ich. Bus aller Welt. 2Nassenmöcdcc Landru vor Gericht. Bor dem Schwurgericht in Versailles begann am Montag die Verhandlung gegen Landru, der des Mordes an 10 Frauen und an einem jungen Mann bezichtigt wird. Landru wird von dem Advokaten de Moro-Giv- serri verteidigt. Die erste Sitzung wurde mit der Verlesung der Anklageschrift ausgefüllt. Für die Verhandlungen sind etwa drei Wochen vorgesehen. Bluttat eines Farbigen. In der Nacht auf Sonntag ist ein algerischer Soldat, der in Biebrich stationiert ist, in Bingen mit einer Zivilperson in Streit geraten, in dessen Verlauf der Soldat von seinem Seitengewehr Gebrauch machte und die Zivilperson sowie die herbeieilende Polizeimannschaft bedrohte. Schließlich wurde der zufällig des Weges kommende Arbeiter Franz K r o l y von dem Soldaten ohne jeden Grund angepackt und niedergestochen. Kroly erlitt einen Stich in die linke Brustseite, an dessen Folgen er bald darauf verstarb. Kroly ist 49 Jahre alt, hinterläßt eine kranke Frau und mehrere unversorgte Kinder. Der Täter wurde verhaftet. Kroly war Unterkassierer der SPD. Der Mörder� war gerade auf der Flucht und stach den ihm Begegnenden nieder. Hökek Euch vor Rumäaien! Der rumänische Abgeordnete und frühere Minister Dr. Lupu teilt mit, daß in den englischen Banken Plakate mit folgendem Inhalt aufgestellt sind: Bsrvsrs o Eournania!(Hütet Euch vor Rumänien!) Die rumänische Presse ist darüber höchst empört und verlangt Aufklärung von der rumänischen Regierung. Lcrantw. für de» redak!. Teil: Dr. Werner Pciser. charlottenbura: für An» zeigen: Th. Sloike, Berlin. Verlag Z�rwärls-Berlag K. m. b. H., Berlin. Druck: Borwärts-Buchdruckerei u. Berlagsanftolt Paul Singer u. To., Berlin. Lindenstr. 3. Hierzu eine Beilage und Uaterhaltnng-dcilag»„Heimwclt'. Nr. SZl«ZS.�ahrgang u-uarai�>iuiüJj. j„ ,! 4 Seilage öes Vorwärts Donnerstag, IS. November lH2l urfMJint;.'■incrarR-n Der gestrige Tag war der Tag des arbeitenden Volkes. In un übersehbaren Scharen strömte die Berliner Arbeiterschaft zu unseren Feiern und Versammlungen, Männer und Frauen, jung und alt, festen Schrittes. Werktagskleidung trugen sie, zum Symbole gleich- sam, daß der Tag der Revolution Künder der freien Arbeit, des freien Mannes ist. Keine rauschenden Feste wurden gefeiert. Ernst war die Stimmung und doch gehoben, weil alle eins waren in dem Bewußtsein, den Tag des Volkes zu begehen, eins im Gedanken, die Revolution nicht versanden zu lassen. Das klare Winterwctter be- günstigte unsere Feiern. Kein Nebel legte sich lastend auf die ge- waltigen Massen, die den Worten ihrer Führer und Genossen folgten, innerer Zustimmung voll. Die Republik kennt keine Feiern, wie Wilhelms Geburtstagskomödie sie alljährlich befahl: Feiertage sind ihr Bekenntnis, sind ihr Gelübde, festzuhalten am Errungenen und es auszubauen zu neuer Gestaltung. Jeder der Teilnehmer an den Versammlungen ging mit dem Gelöbnis heim: Kämpfer zu fein für die gemeinsame Sache des Proletariats, Hüter der Republik und Streiter für jene Gesellschaftsform, die Klassen und Klasienherrschaft allein überwindet. Dann brachte der Abend die Feiern im engen Kreise mit Re- zitationen und Gesangsaufführungen, die auf die Bedeutung des Tages gestimmt waren. Fahnenschmuck lenkte am„V 0 r w ä r t s'» H a u s in der Lindenstraße die Blicke der Passanten auf sich. Vom Dach hingen zwei mächtige Fahnen herab, eine rote und eine schwarzrotgoldene. Aus den Fenstern des ersten Stockwerks flatterten kleine Fahnen in rot und fchwarzrotgold. Auch das Afa-Haus in der Belle- Alliance-Straß« fiel durch Flaggenschmuck auf. Aus dem dritten Stockwerk, in dem die Afa-Bureaus untergebracht sind, hingen zw« große Fahnen in rot und in fchwarzrotgold. Der Wittsnbergplatz bot ein ungewohntes Gepräge. Statt des gewohnten Schieber- Publikums in Gehpelz und Sealmantel füllten ihn Tausende und ober Tausende von Proletariern. Bon fünf Stellen wurden An- spmfren gehalten. Für die SPD. sprachen die Genosien Breuer und Kuttner. Genosse Breuer führt« aus: Gegen den Willen des Bürgertums, dessen Zeitungen den 9. November totgeschwiegen baben, begehen wir diesen Tag in Erinerung an den Aufstand des Volkes gegen blutige Kriegsdiktatur. Ludendorff, blau bebrillt, floh: das Volk rettet«, während die Ratten sich ver- krochen. Aber die Ratten kehren wieder: schon nagen sie an den Stützen der Republik. Darum sei uns der 9. November ein Tag des Entschlusses. Tod den Rattenl Proletarier, die Paläste de« Reichtums blicken auf Euch herab. Ihr habt sie gebaut, Ihr er- haltet sie und die darinnen wohnen. Ihr habt erworbenes Recht, die neue freche Diktatur des Kapitals im Kekme zu ersticken. Cure Eintracht allein kann und wird den Sieg bringen.— Genosse Kuttner führte aus: Di« reaktionären Blätter verhöhnen uns, daß wir den Gedenktag der Republik feiern, und fragen, ob es uns denn so gut ginge? Wir können mit dar Gegenfrage antworten, warum denn diese Leute jede Weihnachten den Geburtstag des Friedensgottes feiern, nachdem sie mit Wollust vier Jahre lang das scheußlichste Menschenmorden bejubelt haben! Das Elend ist gewiß groß, die Mark fällt, die Preise steigen. Aber wir wissen, daß dies Elend mit dem Krieg« begonnen hat. Die Kriegshetzer be'euern zwar, daß sie den Krieg nicht gewollt hätten. Der Ka- pitän, der auf dem Wannfee den Dampferzusammenstoß herbei- führte, hat das Unglück auch nicht gewollt, ober er hat es ver- schuldet. Und wie mit dem Dampfer„Kaiser Wilhelm" ist es mit der Person des Kaiser Wilhelm. Er ist der fahr- lässige Steuermann, der bAeucrte, daß sein Kurs der rich- tige sei. Aber er hat das Schiff in den Untergang ge- st e u e r t. Geschichtlich ist die Reaktion erledigt. Wenn sie immer wieder zum Leben zurückkehren möchte, ist die Uneinigkeit der Arbeiterklasse daran schuld. Die Arbeiter allein sind die Stütze der Republik, wenn diese Stütze sich spaltet, so kann die Republik nicht feststehen. Will man uns jetzt mit monarchistischen Leichennsrad-n schrecken, so denkt an das Bibelwort:„Laß die Toten ihre Talen begraben, Du aber folge mir nach!" Wir folgen Die Revolutionsfeiern in Herlin Massenaufgebot zu den Nachmittags-Versammluugen. der Fahn« des Lebens, der Zukunft» der Kultur, dem Sozialismus! Er und die Deutsch« Republik lebe! Da nach Schluß der Rede noch neue Züge eintrafen, so sprach Genosse Kuttner nochmals vor einem Auditorium von mehreren tausend Zuhörern. ?n öer hasenheiöe. Auf dem Kaiser-Friedrich-Platz erschienen schon kurz nach 2 Uhr die ersten roten Fahnen. Rasch füllte sich dann der weile Platz, an dem zur festgesetzten Zeit eine große Menschenmenge Kopf an Kopf gedrängt stand. Die Redner wiesen auf die Bedeutung des Tages hin und forderten auf zum Kampf gegen die Reaktion und zur Einigung der Arbeiterklasse. Genosse Lüdemann, auf den Stufen der früheren Garnisonkirche stehend, führte etwa folgendes aus: Der Zusammenbruch des alten Staates hat von der Arbeiter- schaff nicht voll ausgenutzt werden können, weil die Sozialisten un- einig und gespalten waren. Trotzdem hat die sozialistisch denkende Arbeiterschaft alle Ursache, die dritte Wiederkehr des 9. November zu feiern, weil an diesem Tage der demokratische Volksstaat aufge- richtet worden ist, der für das Proletariat die besten Möglichkeiten zur Verwirklichung seiner sozialistischen Kampfziele bietet. Leider haben weite Volkskrckf« die Ursachen des Zusammenbruches noch nicht erkannt oder bereits wieder vergessen. Infolgedessen hat sich der Nationalismus in den letzten Monaten sehr ausdehnen können und ist, wie die letzten Wahlen beweisen, noch im Wachsen begriffen. Das Abenteuer des letzten Habsburger und die„Proklamation" des Prinzen Rupprecht in Bayern sind Beweise dafür, wie stark sich die Nationalisten und Monarchisten bereits wieder fühlen. Gleichzeitig hat es der Kavitalismus verstanden, die Not des Volkes auszunutzen und zugleich feinen Einfluß auf die Staatspolitik immer mehr zu verstärken. Der letzte Beweis dafür ist das Verhalten der Indu- ftriellen in Sachen der Millionenkredite. So tritt zu dem Diktat der Entente, das in dem von Ludendorff verschuldeten Frieden von Versailles begründet ist, für das deuffche Volk das Diktat der Kapitalisten. Die Anbäufuna der Profite auf der einen Seite bringt es aber mit sich, daß ein Winter der Teuerung vor der Tür steht. Da ist die Einigkeit aller Arbeiter not. Eine Annäherung auf dem Boden der Demokratie ist bereits«riolgt. Wir müssen dahin streben, wie in Thüringen, Sachsen und Braunschweig eine sozio- listische Mehrheit zu bekommen. Di« parlamentarischen Verhältnisse bringen es für uns mit sich, daß wir gel>:acntlich mit denen pak- tieren müssen, die nicht zu uns gehören. So kam erst kützlich in Preußen jenes Kabinett zusammen, dem viele unlerer Varteigenossen ablehnend gegenüberstehen.«Sehr richtig! aus der Versammlung.) E» wurde gebildet, um Schlimmeres zu verhüten, und hoffen wir, daß die Rerbt behosten, die sich Vorteile von diesem Experiment ver- sprechen. Wir müssen«ine Politik des tatsächlichen realen Einflusses treiben. Als geschlossene Macht muß die Arbeiterschaft den Vertretern des Nationalismus und des Kapita- lismus gegenüberstehen. Wir stehen vor einem trauriaen Winter, und wir haben Parlamente, in denen die bürgerlichen Parteien die Mehrheit haben. Da ergibt sich für uns die Aufgabe, den Einfluß der Arbeiterklasse zu stärken. Von unserer Partei sprach ferner Genosse Kurt H e i n i g. Das Hoch auf die Republik unh.den Sozialismus wurde stürmisch und begeistert aufgenommen und pflanzte sich auf dem Kaiser-Friedrich- Platz rundnim die Kirche fort. Der Abmarsch der Arbeiter und An- gestellten vollzog sich, ebenso wie dos Anrücken in mustergül- tiger Ordnung. Besondere Aufmerksamkeit erregte dabei'der kleine Zug der Jugendlichen der„V 0 r w ä r t s"- B e tr i e be, die ihre Baner nach der Lindenstraße unter fröhlichem Marschgesang zurückführten. 7*uf üer Neberwlese im Osten Berlins an der Frankfurter Allee sprach Heinrich Vi e r- bücher: Es ist kein Freudenfest, das das Volk zusammenführt, sondern ein ernster Gedanke. Vor drei Iahren hat sich gezeigt, daß die Mächte der Vergangenheit nicht mehr für die Politik zu ge- brauchen waren. Unter dem Anprall des gesamten deutschen Pro- letariats sank das ganze schändliche Gebäude in Trümmer. Niemals, solange Weltgeschichte geschrieben worden ist, ist ein Volk schlimmer betrogen worden als da; deuffche. Niemals ist auch ein Volk gedul- diger gewesen. Was sich 1918 zugetragan hat, war recht und billig. 1918 hatten wir die Macht, aber wir verstanden es nicht, sie auszu- nutzen, weil das alle Erbübel der Deuffchcn, die Uneinigkeit, auch das Proletariat zerspalten hat. In diesem nutzlosen Bruderkampf ist mehr Energie vergeudet worden als gut ist. Deshalb müssen wir heute nicht z u sehr Parteileute als vielmehr Sozia- listen sein. Schritt für Schritt hat uns die Reaktion zurückge» drängt. Wir müssen aber alle Kräfte aufbieten, um das Verlorene wieder einzuholen. Denn eines ist uns geblieben: die Republik mit allen ihren Fehlern zwar, aber auch mit all ihren Möglichkeiten der Verbesserung. Die Grundlage der Republik muß aber besesffgt wer- den, und es kann nur dadurch geschehen, daß die Arbeiterschaft sich festigt und einigt. Auf dem Boden der Republik kann nur der sicher stehen, der aufgehört hat, den Brudertampf weiterzuführen. Die Angehörigen einer Partei müssen es lernen, auch die der anderen Partei richtig einzulchätzen und zu wür- d i g e n. Es ist nicht ausgeschlossen, daß die Republik vielleicht in Wochen, vielleicht aber schon in wenigen Tagen eine schwere Krise zu bestehen haben wird. Da heißt es, den Kopf hoch und die Besinnung behalten, auf der Hut fein. Vorwärts und auswärts aus diesem Chaos heißt die Parole. Vorwärts geht es aber nur dann, wenn wir endlich zum Sozialismus durchdringen. Das ist das einzige Mittel, zurzeit aber auch der einzige Gedanke, der noch imstande ist, die im Elend bald verzweifelnde Mass« emporzureißen. Der Redner schloß mit den Worten:„Vereinzelt sind wir nichts, ver- eint haben wir all« Macht in Händen" und mit einem dreifachen Hoch auf die. internationale Sozialdemokratie, in das die Anwesen- den brausend einstimmten. Außerdem sprachen noch Polenske für die SPD., Dr. Hertz und Z i s k a für die USP. Die ganze Demonstration verlief in vollster Ruhe und Ordnung und wurde nur dadurch sehr erschwert, daß um den ganzen Platz erst vor wenigen Tagen ein Drahtzaun gezogen worden war, den die gewaltio? Masse nur durch zwei schmale Zugänge passieren konnte. Im humboiüthain lauschte eine nach vielen Tausenden zählende, fast unabsehbare Menge den Worten der Redner. Es waren erstste Mahnungen, die Gen. H e tz s ch 0 l d an die Versammelten richtete. Heute vor drei Jahren, so führte er aus, wurde die Republik ausgerufen, nachdem offenkundig die Tatsache vorlog, daß das Volk von den Machthabern, den Militaristen und Vertretern des alten Regimes schmählich ver- raten, belogen und bettogen war. Die Militaristen mußten ihr eigenes Lügennest zerreißen, mit Ihrer Herrlichkeit war es vorbei: der Zusammenbruch war da. Seit diesem historischen Tage hat die Republik ihre Daseinsberechtigung glänzend be- wiesen. Und andererseits hat das arbeitende Volt bewiesen, daß es völlig einig in der Abwehr aller Bestrebungen ist, die daraus gerichtet sind, den Bestand der Republik anzutasten. Das alte Regime war vom Kapitalismus beseelt, der kalt berechnend über Leichen hinweggeschrittcn ist, um seine Macht zu befestigen. Er ist schlauer als der blöde Militarismus und hat sich in die neue Zeit herübergerettet. Der Kampf des Proletariats gegen seine Macht wird auch in der Zukunft nicht leicht sein. Die Republik bildet aber einen Boden, auf dem der Klassenkampf von dem arbeitenden Volke mit Erfolg geführt werden kann. Es wird dem Kapital nicht ge« lingen, uns den Achtstundentag wieder zu entreißen und die Ar- beitskraft des Volkes bis zum Weißbluten auszubeuten und in Ge- meinfchaft mit anderen nationalistischen Elementen die Völker in einen neuen Krieg zu Hetzen. Die Republik bedeutet den Frieden, den Aufstieg des Volkes zur Kultur. Das weiß die Arbeiterschaft zu würdign. Wie der kapitalistische Betrieb über den heutigen Tag denkt, lehrt eine Drohung in den AEG.- Werken, daß man angesichts der Beteiligung der Ar- bdter an der heutigen Demonstration gewillt fei, die Nachmittags- schicht wieder nach Haufe zu schicken.(Stürmische Entrüstungsrufe.) Daneben habe man merkwürdigerweise bekanntgemacht, daß oni Bußtag nicht gearbeitet werde. Durch derartige Dinge werden wir uns von unseren Entschlüssen nicht abbringen lassen, solche Macht- sprüche zeigen uns aber ggpade, wie notwendig es ist, in völliger Einigkeit für die Errungenschaften der Revolution und den weiteren Ausbau der Republik weiter zu kämpfen. Der Geist des 9. No- v e m b e r muß hineingetragen werden in die noch nicht aufgeklärten Volksmassen, mit diesem Geist muß der Unverstand der Massen, der jener Feind ist, den wir am tiefsten hassen, bekämpft werden, so werden wir endlich zum Siege gelangen. ÜOj Fräulein. Von Paul Enderling. „Walzer tanzen, Doktor! Welche Herrlichkeit liegt in dem Gedanken, welche Jugend I" „Ja, ja. Also die Umschläge alle zwei Stunden wechseln und—" „Jugend ist doch das einzige, weshalb das Leben gelebt werden soll. Und gerade dies wird uns verpfuscht, oder wir verpfuschen es uns selber. Sehen Sie meinen Neffen Her- mann. Wie froh könnte er sein, und er läuft umher, als wenn er die Welt auf seinen abfallenden Schultern tragen müßte. Für ihn ist die Jugend Zwangsarbeit." „Ja. arbeiten muß man beizeiten lernen." „Und Jugend sollte doch Tanzen sein. Fliegen, Schweben, Herumeseln." Der Arzt emvfahl sich. Er werde abends wieder nach ihm sehen. „Noch einen»Augen blick. Doktor. Sie müssen mir noch etwas sagen,©eben' Sie mich mal an. Glauben Sie, daß ich ein Mann bin?" � „Potztausend, ja!" „Also sagen Sie es mir, obne Umschweife, ohne Hörner und Klauen, wie der streitbare Gottesmann sagte: Wie lange Zeit aeben Sie mir noch?" Der A'-Zt zuckte die Achseln.„Es gibt eine Menge Leute in meiner Praxis, die kränker als Sie waren und noch herum- laufen." „Also viel Chancen sind nicht mehr?" fragte der Kranke hartnackig.'' � „Ihre Natur ist kräftig. Sie hilft sich schckn durch. Nur den Willen baben!" � � „Ja. da hapert's. Das Wollen habe ich nicht mehr recht. Nur eins möchte ich noch: auf den Marienturm möchte ich noch mal klettern' „Donnerlüttchen!" „Wird es das nach mal für mich geben?" „Es ist möglich." �. „Schwören Sie es, daß es das noch einmal geben wird! „Nun. gerade schwören—" Der Arzt wand sich etwas. Der Oberlehrer sah ihn fast triumphierend an.„Sehen Sie wohl, Medizinmann? Nun weiß ich Bescheid. Nun tun Sie mir aber den Gefallen und nennen Sie mir einen guten Notar." „Einen Notar?" „Ja, ich möchte Sie zu meinem Universalerben ernennen, Doktor." Der Arzt stimmte in sein Lachen ein.„Das sollen Sie tun, wenn es Sie beruhigt, und abends bring' ich einen mit." „Schicken Sie ihn lieber nachmittags her!"- '„Warum?" „Sicher ist sicher. Und das Testament soll doch nett aus- sehen. Nicht so in der letzten Stunde vor den großen Ferien gemacht, wie es meine Sekundaner immer taten." Kopfschüttelnd ging der Arzt. Nun lag der Oberlehrer allein. Er blinzelte zur Decke empor. Es war ein trüber Tag. Der Nebel, der tagsüber die Stadt wie in Watte gepackt hatte, war gegen Abend gelichtet, aber noch nicht gewichen. „Ich hätte ein großer Gelehrter fein können," dachte der Oberlehrer,„ein Astronom wie der alte Hevelius, der mir bloßen Augen die Sterne kontrollierte.— Ach kaum, meine ?lugen sind immer schwach gewesen. Aber einen Stern habe ich zu guter Letzt doch nocb entdeckt. Den Zlbendstern... den Stern meines Abends. Wie gut meint es doch das Leben im Grunde mit uns." Die Hobe Standuhr rasselte, ächzte, stöbnte, klapperte und 'klingelte endlich mühsam die Stundenzahl heraus. „Die letzte? Nein. Nun, gleichviel— in einer dieser Stunden wirst du sterben, wie es in dem alten Klosterspruch bieß. Aber gut müßte es doch fein, in solch einer Stunde eine liebe Hand auf der Sffrne zu fühlen... eine Hand, die streickelt und kühlt..." Die Tür ging leise auf. Fräulein kam. nach ihm zu sehen. Er schloß die Augen fest, als ob er schliefe. Lautlos ging Fräulein zurück. Er hörte ibre leichten Schritte wieder auf der Stufe. Die Schritte zögerten. Ging sie so langsam heute? Oder empfand er alles nur schneller? Von oben hörte er Stimmen, die ängstliche Stimme seiner Schwester und Fräuleins ruhige, merkwürdig tiefe Stimme. Die Stimme der Schwester fragte etwas. Fräuleins Antwort war kurz. Er hörte alles. ' Die Sonne kam noch einmal durch. Mit großer Anstrengung, trotz der schmerzenden Stiche an den Schulterblättern, drehte er sich herum. In einem kleinen Glas welkte ein Büschelchen Reseda. Die bescheidenen graugrünen Blüten sandten einen feinen, leichten Duft herüber.„Wenn Fräglein einen Vornamen hat, muß sie Reseda heißen. Ich muß es ihr doch noch vorschlagen." Die alte blanke, geschweifte Kommode blinkte im Sonnenlicht. Im Bücherregal blitzten die Goldbuchstabe» der Buchrücken. I i: r g e r mit Eiiibaltung einer guten Lwie im Stil und Dezcn- gespielt. Schnihler war da Vorbild: Uebermüttg und toll ging e« bei der.Dam? im Bett- Elly H o l m a n n ivar besagte Dame, eine ganz waschcch!« Berliner Belle mit dilo Mundwerk. Fcrd. Grünlicher lieg dicr weit mebr das .Insolvent" leine« feinen Humor lpielen. Man fühlt bei ihm immer M-nschennäbe. Rudoll B e r g l gab cipcn Mazzclabrikanien au« Meie,:z Itipiiche ähnliche Züge, während er im„Intolvent" einen Irestlich karrilicrien Duchhalicr au« dem ScichästSviertel der Wiener Leapaldstadi au! die Be-ne stellte. Maiie«rü N e ck er, Grete Dierkes, Erich Wilde(trefflicher Spezialist für Eharaktertypen:«lnmal ein stotternder Handelsmann, da« andere Mal ei» schüchterner und dann zur Liebe erzogener Jung«) und Mlle Bland-Strobel taten mit gutem Gejchick da« ihre zum Ganzen. DaS TtaatNche SchauspiclHnus i» NkukSlI». Heute, avend? 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IV, Uhr bei Rose, Droße Franlfurter Str. 17, grobe Funltionärsitzung. 75. Abt. Wannsce. 7)ß Uhr Mitgliederversammlung bei Hannemann, Chaussee- i:„Bericht vom Parteitag'. Res. Emil Lehmann. s. d�b Uhr bei Madsen, Lokal.�sur Tonne', Hirschbera- iiulpflichtigrn Kinder werden wegen einer Weihnachtsaus- »u erscheinen. Abi. Lichtender Itraße l. All- fi sithrung gebeten, ». Kcel». Wllmerodors. Nltgliederverfanimlung im„Bittortagarten', Wil- H-Imsauc llt— 115. Schema: ,,Die Regierungsbildung in Preußen'. Die im Zcntealnachweiscamt sir» Kri-g-rv-rlust« und Nrtigeraraber in Lx beschäftigten Parteigcnosicn(Arbeiier, AngrsirUtc und Beamte) tress: MM II. d. M.. nachmittag»' M»M besch. Freitag. llbner, Spandau, Wilhelm-, Ecke«»nkordiastraße. Spaildau.>MMMMM>M anbau W�WWI�W!) tressen sich von S�s, Uhr ab im Lotal von Alfred Znngsozialisten. Straße 35, Vortrag über:„Monismus Sruppe Jugendheim, Roqätstr. 53, IV» Uhr im Jugendheim, Echarnweberstraße, Borlraas Schönhaiisee«orstadt. IV. Uhr bei Carl, Wichertstr.«2, Srupp« Treptow. V* Uhr im Jugendheim, Clsenstr. 3, Vortragsabend. Srnppe Friedrtchihain. V/, Uhr in der Ecmeindefchule, Etraßmannstr. „Die Entwicklung des modernen Proletariat»". Ref. Robert Keller. Vortragsabend. Jugendheim, — Gruppe Reukölln. IV, Uhr im Neuendorfer 7-4 Uhr im —«Sruppe Friedlichshago». Lorlragsadend.— Gruppe Vortragsabend.— Vortragsabend.— Wetter bis Kreitaz mittag. Trocken und überwiegend heiter. bei meist schwachen nördlichen Winden. Außer in den Tagesswiiden geltnder Frost.» ■pUOmUElT*! Qarantierf ersfe Quallfdf py" Volksbühne Theater am Bülowplatr T'/eu.BanerälsHiliicnär Lessing-Tbeater 7'/, Uhr: D.lasterhaltfiBerrTsEiin Freitaa bis Sonntag 7'/,: Die Spielereien c. Kaiserin OeotscltES Könstler-Tii. Allabendlich 7'/, Uhr: Der heiiige Änteiüs (Max Adalbert) Kleines Theater Täglich tß Uhr: Frl. Josettc -meineFrau Eugen Burg, Carola Toelle Falkenslclp, R. MaaQ Triauon-Theater Täglich'/jS Uhr: Hein Freunil Tei!� Arnold Korli.LotteKllndcr W.Bendow, Gis. Schneider- Nissen, Fr. Schönemann (Roae•Theator) 7% Uhr i Fidels BrOder TV. Opernhans Versiegelt Josephs-Lcgcndc VI, Uhr Schauspielhaus Anbei Abonnement Peer Qynt VI, Uhr Deutseh. Theater 7%: Louis Ferdinand, Prinz von Preußen Freiiaj? 7'/,: Loul« Ferdinand, Prinz TOj» Preußen Kammerspiele 8: Der Huhnerhof Fit. L* Der tiübnerhoff Gr. Sciiauspielb. (Karlsira5F> 7: Götz von Ucrlichingen Freitag/ Uhr; Götz von Berlfchingea Theater I. d. KoniggrätzerStr. Täglicb 7Jo Uhr: Manon Lescant (Orska, Janssen. Riemann, Bildt, Brandl. Plcha, Reh- kopl, T. Twardowskl, Appell, Klupp). Komödienhans 7'/, u.- Die rskrt ins öisue (GläZner. Richard, Engl, Pröckl, Stleda) Berliner Theater TögMch 7.30 Uhr: tyrinseffin (mfo FritziMassarya o. Die große Ralph Arthur Roberts, � Pepl Zampa, Hb. Klper Csntrai-Theater tu u.■. D. DBtekliviÄl DeuUchss Opernhaus 7/,u.: Rigoletto Friede. WithelmstSdt. 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