Itc.533 ♦ 58. Jahrgang Musgabe A Nr. 269 Bezugspreis: MrrtelZährl.ZS,— M., monatl. 12,— M> frei ins Kaus, oorau» zahlbar. Postbczug: Monatlich 12.— M. einschl. Zu- stellungsgebuhr. Unter Ureuzdand lür Deutslbland, Dan, g. das Saar- und Memelgediet. sowie die ehemals beut- üben Gebiete Polens. Oesterreich, Ungarn und Luxemburg 22,— M., für dos übrige Ausland 29,— SR. Post- beslellungen nehmen an Oesterreich, Ungarn, Tscheche» Elowalei, Däne- marl, Holland, Luxemburg, Schweden und die Schweiz. Per„Borwäris" mit der Sonntag s- deilage»Volk und ZeiN, der Unterhaltungsbeilage �(immelf und der Beilage.Siedlung und Kleingarten" «scheint wocheniüglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telearamm-Adrefle: »Sozialdemokrat verll»- Morgen-Ausgabe Oerliner Volksblstt Pfennig) AozeigeupreiS: Dl««eungespaltrne RonpareiLezeile kostet 6,— M..kleine Anzeigen- das fettgedruckte Wort Z— M.(zulässig zwei seltg, druckte Worte), jedes weitere Wort U— M. Stellengesuche und Echlafstellenanzergen das erste Wort U-- M., jedes weitere Wort so Psg. Worte über 15 Nuchstaben zählen für zwei Won«. Knnilien.A:,- zeigen für Abonnenten Zelle 2,50 M. Die Preise uerstehen sich einschließlich Teuernngszuschlag. Anzeigen für die nächste Rümmer müssen bis S Ahr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin EW KS, Linden- strahe S, abgegeben werden. Geöffnet von S Uhr früh bis 5 Uhr nachmittag». 2�entralorgan cler rozialdemokratitchen Partei Deutfcblanda NeSaktion nnd Spedition: 6tD 68, Linöenstr. 3 S�vnttir�eliof Redaktion Moritlplah I51U5— 97 tycrntyrcosci:. �px�ition Morihvla« lI7SZ— 34 Freitag, den 11. November 19Ä1 vorwärts-veelag G.m.b.H., SM 68, Linöenstr. 3 Sorttfoi-i-tfiov- Verlag, Exveditlou und Inseraten- »Periitprelqer. Moritiplah ,1738-34 Regierungserklärung in Preußen. Die Erklärung, die der Ministerpräsident Otto Braun gestern im preußischen Landtag verlas, war kein persönliches Bekenntnis des Genossen Otto Braun und seiner beiden sozialdemokratischen Ministerkollegen, sondern sie war eine Kollektiv erklärung der neuen preußischen Regierung, die von Sozialdemokraten, Zentrumsleuten. Demokraten und Bolksparteilern gebildet wird. Zu den Richtlinien, die sie zeichnet, sind die Mitglieder des Kabinetts solidarisch ver- Kunden. Das besagt natürlich nicht, daß die einzelnen politi- schen Persönlichkeiten der Regierung und die Parteien, die binter ihnen stehen, nicht Ziele verfolgen können, die weit über den engen Rahmen des Regierungsprogramms hinaus- greifen, wohl aber besagt es, daß sich alle Parteien wenig- st e n s zu dem verpflichten, was durch ihre gemeinsame Erklä- rung in Aussicht gestellt ist. Für die Sozialdemokratische Partei kann nur die Frage entstehen, ob ihr das, was das Programm verspricht, für den Augenblick genügen kann. Daß sie alles das, was hier ausgesprochen wird, noch viel entschiedener will, daß sie noch viel mehr will, darüber besteht kein Zweifel. Die Frage ist. ob sie sich mit dem Entwicklungstempo, das sich hier ankündigt, zur Rot vorläufig abfinden kann, um gänzlichen Stillstand oder Rückwärtsbewegung zu verhindern. Etwas anders liegt die Sache für die bürgerlichen Par- teien der alten Koalition: Zentrum und Demokraten. Sie werden reichlich zufrieden sein, denn sie hegen, wahrhaftig, keine ausschweifenden Wünsche, sie sind kejne Himmelstürmer. Das Programm ier neuen großen Koalition sieht ziemlich ge- nau so aus. wie die meisten Programme der alten, kleinen, die wir bisber gehört haben. Es werden Forderungen an die Zukunft gestellt, demokratische Forderungen, soziale Forderungen, aber sie sind so bemessen, daß der gute Bürger ihret- wegen nicht gleich auf den Rücken zu fallen braucht. Und nochmal anders liegt die Sache für den neuen vierten Mann im Spiel, für die D e u t f ch e B o l? s p a r t e i. Denn alles, was dieses aufgefrischte alte Koalitionsprogramm ver- heißt, sind doch Dinge, die die Deutsche Volkspartei bisher ganz entschieden nicht gewollt hat. Sicherung und Ausbau der sozialen Gesetzgebung. Kampf gegen den Preiswucher unter dem Gesichtspunkt, daß das Gemeinwohl über dem Bereiche- rungsstreben des einzelnen stehe, Erfüllung des Schulwesens mit dem Geist der neuen Verfassung, die bekanntlich eine re- p u b l i k a n i s ch e ist, Verpflichtung der Beamten auf die neue Verfassung und Erlaß eines Disziplinargesetzes in diesem Sinne, Sicherung des demokratisi' n Selbstbestimmungsrechts des Volkes— das sind alles Dinge, von denen die Herren Dr. B o e l i tz und v. Richter bisher nicht geredet haben und von denen man bisher wohl auch in volksparteilichen Ver- sammlungen nicht reden konnte, ohne in Gefahr zu geraten, hinausgeworfen zu werden. Bereitet sich hier eine Wandlung vor? Vielleicht, vielleicht auch nickt! Daß in dieser schnellebigen Zeit Menschen um- lernen können, ist bewiesen. Vor drei Iahren und zwei Tagen waren Demokraten und Zentrumsleute noch Monarchisten, seit mehr als zweieinhalb Iahren bilden sie aber mit den Sozial- demokraten— unter mancherlei Wechselfällen— einen r e- publikanischen Block. Damals hielten uns die Grup- pen links von uns für Verräter, weil wir nickt direkt auf sowjetrussische Ziele losgingen, sondern die demokratische Re- publik unter möglichst starkem sozialistischem Einfluß für die näcksie Entwicklungsstufe Deutschlands hielten. Heute bringen sie Gesetzentwürfe zum Schutz der demokratischen Republik ein, deren Verteidigung gegen reaktionäre Angriffe selbst Clara Zetkin für ein unbedingtes Erfordernis erklärt. Warum sollten also nicht auch Bekehrungen an der andern Seite möglich sein? Sie sind denkbar, nur ist es gut, möglichst wenig zu prophe- zeien und möglichst scharf aufzupassen. Festzuhalten sein wird darum, daß das neue Regierungs- Programm ein Mindest Programm ist, und daß die Zu- stimmung zu ihm eine moralische Bindung in sich einschließt. Wird es verwirklicht, so ist fürs erste allerlei, getan, was für die Zukunft nützlich ist. Stößt die Verwirklichung auf Binder- nisse, dann wird man gegen die Väter dieser Hindernisse die allerschwersten Vorwürfe erheben dürfen, denn sie werden es dann sein, die ihrem Wort untreu geworden sind. Das neue Regierungsprogramm sagt, das treibende Motiv für die Schaffung der großen Koalition sei das Be- streben gewesen, mehr Stetigkeit und Sicherheit in die preußische Politik zu bringen. Der Zweck ist ebenso be- kannt wie löblich, nur ob er durch die große Koalition erreicht werden wird, steht dahin. Man darf und mu� aussprechen, daß das Gefühl, mit dem die Masten der Sozickldemokratie diesem neuen Gebilde gegenüberstehen, sich von Sicherheit und Vertrauen noch recht weit entfernt hält: die Besorgnis, daß sich unsere Genosten in der Regierung„einseifen lassen" könnten, ist nicht gering. An ihnen und an der Sozialdemokratischen Fraktion wird es liegen, den Beweis zu führen, daß solche Be» sorgnis unbegründet ist und daß die Partei diesen gesähr- lichen Uebergang ohne Unfall traoersieren kann. Zu dieser Probe wird ihnen jeder Genosse, mag er mit seinem Herzen zu den 46 oder zu den 41 der Fraktion gehören, nur aufrichtig Glück wünschen können. Von ihrem Glück, noch mehr von ihrem Geschick hängt unendlich viel ab. Aber die Massen der Parteigenossen können nicht ihre Be- friedigung darin finden, bei diesem Vorgang die unbeteiligten Zuschauer zu spielen oder darüber zu streiten, ob das, was ge- schehen ist, hätte geschehen sollen oder nicht. Die Genossen in der preußischen Regierung und im preußischen Landtag müssen bei jedem Schritt, den sie sich durch das Gestrüpp der großen Koalition durchkämpfen, die Massen der Parteigenossen hinter sich haben. Denn von dem Krästeverhästnis zwischen Kapitalismus und Arbeiterbewegung hängt doch schsießsich ab, was aus dem Ganzen wird! *» • Im Landtag gab gestern nachmittag Ministerpräsident vraua im Namen des neuen Kabinetts folgende Erklärung ab: Gemäß Artikel 4S der Verfassung haben Sie mich zum Minister- Präsidenten gewählt. Ich danke Ihnen für das mir entgegengebrachte Vertrauen. In Erfüllung der mir nach der Verfassung obliegenden Pfllcht habe ich die Bildung des Kabinetts vorgenommen und die folgenden Herren ernannt: Dr. Am Zehn hoff als Iustizminister..? f Severing als Minister des Innern," f* von Richter als Finanzminister, Dr. Mendorfs als Minister für Landwirtschast, Siering als Minister für Handel und Gewerbe, Dr. B o e l I tz als Minister für Wissenschaft, Kunst und Volks- bildung, H i r t f i e f e r als Minister für Volkewohlfahrt. Gewerksthasten und Kreditangebot. Die frcigcwerkjchafllichen Spihenverbändc haben folgende E n l- schließaag gefaßt: Die Vorstände de» Allgemeinen Deutschen Gern er k schaslsbuvdes und des Allgemeinen freien Ange ftelltenbundes sehen in den Beschlüssen des Reichsverbande» der deutschen Industrie zur Gewährung einer Kredithilse an das Reich eine Provokation der gesamten werktätigen Bevölkerung. Die organisierten Unternehmer knüpfen an die steuerlichen Vorschuhleistungen Bedingungen, die in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht zur Entrechtung und materiellen Schädigung der Arbeiter. Angestellten und Be- amten führen müssen; sie fordern von der Reichsregierung poli- tische Garantien zugunsten des Unternehmertums, die in letzter Linie eine Einschränkung, wenn nicht Beseitigung des Mitbestimmungsrechts der Arbeitnehmer in den Betrieben, eine Entstaatlichung der Eisenbahn- und sonstigen Reichsbetriebe und die Durchbrechung oder Auf Hebung des Achtstundentages bedeuten. Der Wortlaut der Ealschliehung läßt erkennen, daß allgemein mit der Gewährung der Kredithilfe das Reich damit die breiten Schichten der Bevölkerung in eine wachsende und unerträgliche Abhängigkeit von den kapitalistischen Unternehmern gebracht werden sollen. Die Sredllakllon der Industrie, die anfangs als eine nationale Tat angekündigt wurde und die auch die Zustimmung der Gewerk schafien gefunden hätte, ist durch die Beschlüsse des Reichsverbandes der deutschen Industrie als ein neues Machtinstrument des organisierten Unternehmertums entlarvt worden. Die vereinigten gewerkschaftlichen Spitzcnverbände erwarten von der Reichsregierung, daß sie die von den Industriellen in Verbindung mit der Gewährung der Sredilhilse erhobenen For- derungen unbedingt ablehnt. Sie wollen üie Eisenbahnen! Der Reichsoerband der deutschen Industrie hatte, wie be- kannt, am Ende der vergangenen Woche in Sitzungen des Prä- sidiums und der Generalversammlung erneut zu der Frage Stellung genommen, auf welche Weise durch eine Kredit- aktion dem Reiche Goldvaluten zugeführt werden könnten; das Ergebnis dieser Aussprachen wurde in einer der Oeffentlichkcit bereits bekannten Resolution niedergelegt. Zu einer Erläute- rung dieser Resolution hatte der Reichskanzler heute die Ver- treter des Reichsverbandes der deutschen Industrie zu sich gebeten. Der Sprecher des Reichsverbandes, Dr. Sorge, führte nach Ueberreichung der Resolution etwa folgendes aus: Abgesehen von den umer Mitwirkung der parlamentarischen Instanzen zu lösenden Fragen der sparsamen Finanzwirtschaft und der Befreiung des Wirtschaftslebens von den ihm auferlegten Fesseln kommen zunächst Akte der Gesetzgebung in Frage, die es ermöglichen, mit den Reichseisenbahnen beginnend, die sonst in öffent- licher Hand befindlichen Betriebe in prlvaZwirlschastliche Formen zu bringen. Die Durchführung solcher Maßnahmen ist möglich auf Grund eines durch die Gesetzgebung zu schaffenden Ermächtigungsgesetzes, das den Verkauf zunächst der Reichseisenbahnen an eine privatwirl- schafllich-juristische Person in die Wege leitet. Die Industrie wird Vorschläge ausarbeiten und sie zu gegebener Zeit den zuständigen Stellen vorlegen, aus denen ersichtlich ist, in welcher Form diesem Ermächtigungsgesetz praktischer Inhalt gegeben werden muß. Rein wirtschaftlich muß diese Aktion dahin führen, daß von einem nicht zu fern lltgenden Zeitpunkt ab die Eisenbahnen ein zu vereinbarendes Kapital der juristischen Person verzinsen und daß gleichzeitig da» Reich von allen persönlichen und sachlichen Lasten aus diesen Unternehmungen befreit wird. Die Entlastung de» Reich» von Arbettskräften, die weder ihrer Zweckbestimmung nach noch in wirtschafllicher Be- Ziehung volle Nutzung finden, kann nach Auffassung der Industrie nur in Verbindung mit großzügigen Siedlungen erfolgen, die wieder an sich und nach ihrer örtlichen Lage die nutzbringende Be- schäftigung dieser Personen sicherstellen. Die Industrie ist sich darüber klar, daß die Durchführung dieser Aktion, insoweit der Versailler Artikel 248 Rechte des Auslandes be- gründet hat, entsprechende Verhandlungen mit den Vertragsgegnern erforderlich macht, die gleichzeitig dazu führen müssen, im Zufam- menhang mit der Lösung dieser Frage auch die Verpflichtungen aus dem Ultimatum einer anderweitigen Lösung zuzuführen. Auf diesen Grundlagen wird oie Industrie in Verhandlungen mit deutschen Banken eintreten, um, insofern eine Aenderung des Londoner Ultimatums sich nicht schon aus den vorher angedeuteten Verhandlungen ergibt, diejenigen Kredite zu beschaffen, die not- wendig sind, um die finanziellen Verpflichtungen des Reiches sowie die Entwicklungsmöglichteit der angestrebten Neuorganisationen der Reichsbetriebe zeitlich und sachlich sicherzustellen. Die Durchführung dieser Krcditaktion einschließlich der Vor- Handlungen mit den auswärtigen Kreditgebern kann nur unter Führung der deutschen Industrie und im Einoernehmen mit den deutschen Banken erfolgen. Selbstverständlich muß. wenn sich die deutsche Volkswirtschaft mid damit der deutsche Staat aus den jetzigen Verhältnissen heraus- arbeiten will, die Volksgesamtheit, d. h. der Staat, denjenigen, die heute diesen jetzt freiwillig übernommenen Kredit zur Verfü- g u n g stellen, in zu vereinbarender Weise entsprechende Enllastung gewähren. Der Reichskanzler nahm diese Mitteilung entgegen und erklärte, daß die Reichsregierung zu den Ausführungen der Industrie mit der gebotenen Beschleunigung Stellung nehmen werde. Das Reichskabinett wird sich bereits heute nach- mittag mit diesen Forderungen der Industrie befassen. ck Gestern waren Vertreter der Gewerks äjaften der Eisenbahn- beamlen und-arbeiler sowie Hauptbeamtenrat und szauptbetriebs- rai der Reichsbahnen zufammengelreten, um mit dem Verkehrs- minister die Frage der Zweckmählgkrit einer Enlstaaflichung der Reichsbahnen zu erörieva. SämMche orzamfalionc» und die Be- triebsverlrelungen sprachen sich mit großer Schärfe gegen jede Aenderung in der Belrlebssorn» der Reichsbahnen aus. Sie über- reichten dem Verkehrsminister folgende Entschließung mit der Bille, sie unverzüglich zur Kenntnis der Reichskegiening zu bringen: Die heute im großen Sitzungssaals des Potsdamer vahnhoss versammel- !cn bevollmächkigten Vertreter sömkllcher Grcßorganisaionen des Eiscnbahnpcrsonalo sind sich darüber einig, dch die deutschen Reichs- eisenbahnen nur in der Form des unmlkleibcren Betriebes durch das Reich die Gewähr für eine richtige Erfüllung ihrer volkswirtschast- lichen Aufgaben bieten können. Sie lehnen deshalb aus vaterlän- difchen und wlrtfchafMchen Gründen eine Vrivatislerung der Reichs- bahnen in seder Form ab und erklären, daß sie den Bestrebungen auf Enkstaatllchung der Bahnen mit der größten Entschiedenheit ent- geger.trcten und in dieser Lebensfrage der deutschen Eisenbahner auch vor der Anwendung äußerster gewerkschaftlicher ZNitlel nickst zu- rückschrecken werden, vom Herrn Reichsverkehrsminister wird er- wartet, daß er seinerseits mit allen Kräften den versuche» nach Privatisierung der Lahne» sich eutgrgenstellt. ®cn ausscheidenden Ministem spreche ich den Dank aus für ihre dem Lande geleisteten wertvollen Dienste. Ich habe nicht den Ehrgeiz, den drei feit der Staatsumwälzung hier vorgetragenen Regicrungsprogrammen ein viertes zuzugesellen. Denn die Situation, in der sich unser Land befindet, heischt nicht Worte, sondern Taten, hingebende Arbeit zum Wohle des Bolksganzen. Ich werde mich daher darauf beschränken, kurz die allgemeinen Richtlinien für ÖU Politik des neuen Kabinetts aufzuzeigen. Schwer lostet wirtschaftliche Not und Bedrückung auf unserem Volke. Die Faust des Siegers brückt mit unverminderter Wucht auf uns und hämmert uns immer wieder die Erkenntnis ein, dasj wir einen Krieg verloren haben, einen Krieg von einem Um. fange und von einer so vernichtenden Wirkung, wie ihn die Welt- gc-schichte noch nicht aufzuweisen hatte. Preußen wird am schwer- stcn getroffen von den Auswirkungen des Friedens, der den unseligen Krieg formell beendet». Ich sage formell, weil zahlreiche Mahnohmen unserer ehemaligen Kriegsgegner nicht nur nicht mit den Bestimmungen von Versailles, sondern auch mik einem wahre« Iriedenszustande nicht in Einklang zu bringen sind. Noch immer seufzen rheinische Städte unter dem Druck der rechtswidrig verhängten militärischen Sanktionen, für deren Aufrechterhaltung jetzt vollends jeder Rechtsboden fehlt, nach? dem auch die Umstände, die zu ihrer Verhängung zum Anlaß ge- uommen wurden, längst fortgefallen sind. Den deutschen Volksge- nassen links und rechts des Rheins, die unter dem Druck der Be- segung leiden, spreche ich die wärmste Sympathie der Staatsregierung aus, die erneut verspricht, ihnen nach Kräften beizustehen in ihrer schweren Bedrängnis.(Lebhafter Beifall.) Aon den Reichslanden ovgesehen, trifft der ganze Verlust an Land und Bolk allein Preußen. Hunderttausende gut deutscher Männer und Frauen sind zum Teil unbefragt unter fremde Slaakshoheit gezwungen worden. Die Früchte jahrzehntelanger, ja zum Teil jahrhunderte- langer deutscher Kulturarbeit, wirtschaftliche Kräfte von hohem Wert, von großer Bedeutung vornehmlich für unsere Aolksernährung, sind unserem durch de« Krieg und seine Folgen verarmten Lande ver- Korengegangen. Der schwerste Schlag aber ist Preußen, besonders seiner Wirt- schaft versetzt worden durch die Entscheidung über Oberschlesie«. lieber 700 Jahre Ist Oberschlesien deutsche» Land und verdankt seine hohe wirtschaftliche Blüte allein deutscher Intelligenz und deutscher Arbeit, lieber CO Proz. der Bevölkerung hatten sich für das Wer- bleiben be! Deutschland atwgesprochen. Gleichwohl hat man eine Grenze diktiert, die da« industrielle Wirtschaftsgebiet willkürlich zer- reihl und fast 40 Proz. der oberschlesischen BeoZlkerung und über SO Proz. der industriellen Anlagen Polen ausliefert. Ich hoff« und wünsche, daß es den deutschen Vertretern bei den uns aufgezwungenen Verhandlungen mit Polen gelingen wird, da» wirtschaftliche Ver- hältnis zu dem polnischen Staate so zu gestalten, daß katastrophale Folgen für die obxrschlesische, für die gesamt« deutsche Wtrischaft vorerst vermieden werden, und den Oberschlesier», die au» unserem Staatsvcrbande auszuscheiden gezwungen sind, in ihren materiellen und kulturellen Rechten ausreichender Schutz gesichert wird. (Zustimmung.) Mit ihnen bleiben wir im Geiste verbunden! denn der Machtspruch de» Siegers kann wohl geographische Gebilde zerreißen und neue Grenzsteine setzen, die geistige und kulturelle Gemeinschaft eines Volkes kann er nicht zerreißen.(Lebh. Sehr wahr!) I Der ungerechte, mit den Friedensbestimmungen nicht im Ein- klang stehende Machtspruch führt auch zu den ärgsten Befürchtungen für unsere Staatsfinanzen. Roch ist keine Deckung für den l Fehlbetrag gefunden. Trotz aller Sparsamkeit, dt« auch weiter auf allen Gebieten der Verwaltung geübt werden soll, bringt doch jeder 'Tag neue Anforderungen, die, soweit flc unabweisbar stnd, befrie- digt werhen müssen. Soll es gelingen, den Staatshaushalt zu balancieren. dann muß die steuerlich« Lraft unsere» Volkes noch Neuer angespannt und vor allein der Besitz nach Maßgabe der von der Rcichsgeletz- gebung belassenen Lesieuerungsmögltchkeiten in»ollem Umfange seiner Leistungsfähigkeit heran-'ezogeiz werden.(Lachen bei den Kommunisten.) Ich oerstehe nicht, waren Sie gerade hiergegen protestieren! Größere Selbstttndigkeit der Finanzen des Staate« und der Ge- meinden können nur durch Erschließung eigener ausreichender Einnahmequellen erreicht werden; sie können aber nur ergiebig fein, wenn unsere Wirtschaft prosperiert. Deshalb wird die Staats- regierung all« Maßnahmen unterstützen, die geeignet sind, das Wirt- schaftslcven zu fördern und dl« wirtschaftliche Kraft unsere» Volke» erstlos einer unsere Volkswirtschaft befruchtenden Auswertung zu- zuführen. Zur Hebung unserer landwirtschaftlichen Erzeu- gung wird die Regierung der Steigerung des Bodenertrages, der Vermehrung unserer Anbauflächen durch Urbarmachung von Moor- und Oedländercien und einer gesunden, umfassenden Siedlungs- tätigtest auch fernerhin ihr regstes Augenmerk zuwenden. Den schädlichen sozialen Begleiterscheinungen einer intensiven Wirtschaftstätigkeit muß durch Sicherung und Ausbau der sozialen Gesetzgebung entgegengewirkt werden. Auch müssen die Auswüchse de» krassesten Egoismus, wie sie in den wucherischen Preisireibertie« und den wilden, hemmungslosen Spekulationen auf dem Waren-, Effekten- und Devisenmarkt in die Erscheinung treten, mit allen Machtmitteln der Justiz und der Exekutive bekämpft und der Grundsatz zur Geltung gebracht werden, daß das Gemeinwohl über dem Bereicherungsflreben des einzelnen steht. Soll indes eine nachhaltige Besserung erzielt werden, dann muh dieser Grundsatz Gemeingut des ganzen Volkes werden, was nur zu ereichen ist, wenn er schon zur Grundlage der Jugenderziehung in den Schulen gemacht wird. Das wird ganz be- sonders zu der dringend notwendigen Versöhnung der Volksschichten beitragen. Wenn dazu noch eine rückhaltlose, oewußte Erziehnug der Jugend zur Staatsgeslnnung hinzukommt, der Will« zum Staat, der allein die Kräfte des Aufbaues entbindet, dann wird auch der Geist der neuen Verfassung volles Eigentum der Jugend werden. Im übrigen soll die Um- und Ausgestaltung unseres Schul- wefen» lm Rahmen der Reichsverfassung fortgesetzt werden mit dem Ziele, alle intellektuellen Kräfte unseres Volkes zur vollen Eni- faltung und höchsten Ausbildung zu bringen und sie so dem Wohle des Volksganzen dienstbar zu machen. Eine unserer wichtigsten Aufgaben wird es fein, die Verfassung zu sichern, und zu festigen und in der Gesetzgebung de» Landes und in allen Zweigen feiner Verwaltung zur vollen Auswirkung zu bringen. Di« zur Verwirklichung diese, Zieles und zur Demokrattsie- rung der Verwaltung bestimmten Gesetze werden mit tun- ltchster Beschleunigung vorgelegt werden. Auch die Beamtenschaft muß sich der Pflicht bewußt sein, in ihrem Amte ebenso die Verfassung gegen jedermann mit allen Mitteln in Schutz zu nehmen und für die Autorität de» Frei- staates und der verfassungsmäßigen Regierung ewzu- treten. Auch außerhalb des Amtes muß sie. unbeschadet der Freiheit ihrer politischen Meinungsäußerung bei ihrem Berbalten stets der besonderen Pflichten eingedenk sein, die i h r gegenüber dem Staats und der Regierung obliegen. Neben dieser selbstverständlichen Ver- pflichtung muß Indes bei der Zulassung zu Staatsämtern die per- sönllche Eignung, sowie die fachliche Tüchtigkeit und Erfahrung der Anwärter in erster Linie maßgebend sein. Die neuzeitliche Regelung der Nechtsoerhällnlsse der Beamten wird durch Schaffung eines zeilgemäßen Diszlpssnargesetzes elnge- leitet werden. Für die Sicherung des demokrakischeu Selbstbestimmungsrechts des Volkes wird die Staot»r«ierung sich jederzeit einsetzen, indes kann sie Bestrebungen auf Aosplitterung einzelner Ge- bietsteile aus dem preußischen Stcatsgesüge nicht unterstützen, Denn nur durch ein ungeteiltes und ungefchwöchtes Preußen im Reiche kann die Reichseinheit gewahrt und in organischer Fortent, Wicklung der Weimarer Verfassung sen« Vereinheitlichung des Reiches und seiner Verwaltung angebahnt werden, die im Hinblick auf die wirtschaftliche Verarmung unseres Landes unerläß- lich erscheint. Da Preuße» und da» Reich aufeinander angewiesen stnd. Preußen nicht ohne da» Reich und das Reich nicht ohne Preußen leben kann, ist ein gedeihliches Ausammenarbeiten der Regierungen dringendes Gebot. Die Regierung wird daher, unter Wahrung der verfassungsmäßigen Rechte Preußens auf ein gutes Verhältnis zur Reichsregierung und ew reibungsloses ZufckMmsnarbestsn mit ihr stet» Bedacht nehmen. Das sind tm wesentlichen die Richtlinien der Regierungzpolitlk. wie ich sie im Benehmen mit den Mitgliedern bestimmt habe. Ei« stehen im Einklang mit den Vereinbarungen, die für die Zusammen- arbeit der Koalitionsparteien getroffen sind. Das treibende Motiv für die Schaffung der großen Koalition der vier Parteien, die da, neu« Kabinett stützen, war dos Bestreben, mehr Stetigkeit und Sicherheit in die preußisch« Politik zu bringen und der Staatsregierung die Möglichkeit zur planmäßigen, ersprießlichen Aufbauarbelt zu geben. Bei der Eigenart unseres deutschen Parteiwesens und bei den starken politischen und wirtschaftlichen Gegensätzen in unserem Volke ist es unendlich schwer, vier politische Partecen auf einer Regie- rungsplattform zu gemeinsamer Arbeit zu vereinen. Jede Partei muß dabei Opfer bringen, sich in ihren Ansprüchen bescheiden. Daß es gleichwohl gelungen ist, die Arbeitsgemeinschaft der vier Parteien in Preußen nach langen Bemühungen zu ererichen, ist ein Beweis dafür, daß innerhalb dieser Parteien aus der Erkenntnis der furcht- bar ernsten Situation unseres Volkes heraus der Wille gewachsen ist. zur Verhütung de» Schlimmsten eine Einheitsfront aller derer zu bilden, die auch in dem Chaos dieser Zeit den festen Glauben an den Wiederauf st leg unseres Volkes nicht verloren haben, und die daher ihre ganze Kraft einsetzen wollen, um unser Land und Volk vor dem Zusammenbruch zu bewahren und es in langsamer, aufopfernder und zäher Arbeit aus ven furchtbaren Nöten unserer Zeit einer besseren Zukunft entgegenzuführen. Die Aufgabe, die wir uns gestellt hauen, ist groß, ihre Lösung schwer. Unserer Verantwortung vor dem ganzen Volke bewußt, gehen wir mit festem Willen und zukunstssroher Hoffnung ans Wert, zu dem wir Sie um vertrauensvolle Mitarbeit bitten.(Beifall links und in der Mitte.). Es folgt die Besprechung der Erklärung: Abg. hauschlldt lSoz.): Wir billigen die Regierungserklärung.(Zuruf von den USP.: Auch dt« cllf) An ihrer Durchführung«rnslhast mitzuwirken sind wir bereit wie es überhaupt unser Will« ist, der Republik und unserem Volke im Geiste unserer Weltanschauung und Staatsauf- fassung zu dienen. Um das so stark wie nur möglich tun zu kön- nen, nimmt meine Partei aua) an der Regierung teil. Allein oder mit anderen sozialistischen Parteien zusammen die Regierung»- gewalt zu übernehmen, sind wir zurzeit leider nicht stark genug. Deshalb sind wir schon früher Koalitionen mit bürger- lichen Parteien eingegangen. Die Koalition ist nicht unser Ideal, sondern nur ein Gebot der Vernunft, Ginge es nach unserem Wunsch, wir würden die klein« koalision, erweitert durch dl« Unabhängige-, mit Freuden begrüßen. Aber stärker als un�er Wunch ist die Macht der realen Verhältnisse. (Sehr richtig b d. Soz.) Vor die Alternative gestellt, entweder mit der Volkspartei an der Regierung teilzunehmen oder die bür- gerllchen Parteien weiterhin allein regieren zu lassen, entfchie- den wir uns für da» erflere, nachdem ein Arbeiteprogramm ver- einbart war, dessen Tendenz dem Geiste unserer Görlitzer Koalitionsbedingungen entspraä).(Sehr richtig! b. d. Soz.) Es war von seh'.? unser Bestreben, zu verhindern, daß Preußen sich zu einem zweiten Bayern entwickelt.(Sehr wahr! b. d, Soz.) Wir wollen nicht, daß d!« Hergt und Genossen Gelegenheit erhalten, von Preußen wle von Bayern aus die deui- sche Republik nach ihrem Willen m die Zange zu nehmen. Wir haben vollauf genug an einem Bayern. (Sehr richtig! b. d. Soz.— Unruhe b. d. Komm.) Wir wollen nicht, daß an der weiteren Entwicklung der Dinge In Preußen, das drei Fünftel des ganzen Reiches umfaßt, die Helfferlch und Westarp hellste Freud« habcn. Darum sind wir an dle Regierungs- bildung mit dem Vorsatz herangetreten, wenn lrgendmöglich,»ine sozialistcnreine Regierung zu verhindern. Es schien uns im Volksintcrelse unbedingt geboten, so zu handeln. Wir hoffen, daß der Ministerpräsident auf der gekennzeichneten Bahn erfolgreich eine groß« Wegstrecke zurücklegen kann. Die» ist möglich, wenn jede der beteiligten Parteien Verständnis für die politischen Notwendigkeiten der Zeit bekundet.(Sehr richttgl)— Es kommt nun darauf an, doß im Geiste der Regierungscmärung gebandelt wird. Wir erwarten, daß uns di« vom Herrn Minister- Präsidenten angekündigten Gesetze, insbesondere die Gesetze zur Demokratisierung der Verwaltung bald vorgelegt werden. Fruchtbringende Gesttz-»arbeit lm Valksinteress« ist notwendig. Des Volles Wohl, des Volkes Wille soll dabei ausschließlich der Leitstern unsere, Handeln« sein.(Vravo b. d. Soz.) Abg. Herold(Z.) gibll oft durch lärmende tommunlstifche Zu- ruf« unterbrochen, ein« Erklärung ab. in der er bedauert, daß nicht Etegerwnld an der Spitze de» erweiterten Koalttione- kabinclls steht. Dt» Koalition war aber nur zu erreichen, wenn wir von der Perlon des Herrn Stegerwald Abstand nahmen. (Hört! Hört! rechts.) Die Zusammensetzung des Ministeriums ent- spricht zwar nicht ganz unseren Wünschen, aber im Interesse der Koalition haben wir Konzessionen gemacht. Wir hoffen, daß die 5« M. Dostojewski. Zu seinem Ivo. Geburtstag. „Wenn es auf der Welt ein Land gibt," schreibt einmal Dosts- jewski,„das andern Ländern unbekannter und unerforschter, unver- stöndlichsr und unverstandener ist als sämtliche übrigen Länder, so ist es zweifellos Rußland für feine westlichen Nachbarn. Ehina und Japan liegen entfernter und find schwerer zugiingllch; Rußland da gegen ist für Europa offen, die Russen zeigen sich den Europäern, wie sie sind, und doch ist der Charakter des Russen Im europäischen Bewußtsein noch schwächer umrissen al» der de» Chinesen und des Japaners. Ruhland ist für Europa ein Sphlnxrätsel: man weiß, daß dort Menschen wohnen, russische Menschen, aber wo» sind das für Menschen?"—- Zweisellos keine so rätselhaften, so unerklärlichen, wie dieser beste Kenner der russischen Seele, wie Dostosewstt selbst, e» ist. Dostosewskis Leben wie feine Kunst fcheinen aus lauter Reak- tionen zu bestehen. Eine schwere, finstere Kindheit— das entsetzliche Milieu der„Gebrüder Karomasow" enthält viele Züge der eigenen Jugend— mochte ihn einsam, belesen, feinfühlig. Er fügt sich wi- derspruchslos dem Willen feines krankhaft strengen, bösartigen Va- ters, erduldet noch vier Jahre nach dessen Tod die aufreibende Mlli- tärdilziplin der Ingenieurschule und gibt erst«in Jahr nach deren Ab- soloierung.den Staatsdienst auf, um sich ganz der Literatur zu wid- nien. Fünfundzwanzigjährig, schreibt er, der Adlige, sein Erstlings- werk,„Arme Leute", einen naturalistischen Roman, der ihn be- rühmt macht. Er schließt sich in sener Zeit, in der sogar zu denken verboten war, an«inen Kreis von Fourier-Anhängem und Atheisten an. um von europäischen Fortschritten zu träumen, und schreibt In den nächsten drei Jahren eine Reihe von Romanen und Novellen naturalistischen Genres mit ziemlich farblosen Phantosiehclden, bereu Seelen Experimente über psychologische Einzelfälle sind. Typisch ist, bah hier schon die Annen die seelisch Reicheren sind, daß er schon Probleme anschneidet, die erst Wedekind In„Frühlings Erwachen" aufzustellen wagt, und daß er den Satz von der„Kunst um ihrer selbst willen" predigt. Das Jahr!!M3, das Europa eine Ahnung von Freiheit gab, ließ in Rußland die Reaktion noch wachsamer werden. Der Kreis der „Verschwörer" wurde entdeckt. Sie wurden vor Gericht gestellt, und die Roheit des Zaren ließ sie zum Tode verurteilen, um sie dann auf dem Richtplatz im Angesicht des Todes zum Zuchthaus zu begnadigen. Der 28jährige Dostojewski wird nach Sibirien verbannt. Er nahm das Schicksal mit demselben äußeren Gleichmut wie die früheren Unterdrückungen auf sich, über di« inneren Vorgänge aber berichten die Worte:„Ich war nahe der Verzweiflung. Jene vier Jahre(im Zuchthaus) rechne ich-l» ein« Zeit, in der ich lebendig begraben war und in. einem geschlossenen Sarg lag." Dann kam der Strafdienst in einem sibirischen Regiment, und erst zehn Lahre nach der Per- schickung wurde Dostojewski„die Gnade" zuteil, nach dem europät- schcn Ruhland zurückzukehren. Dieses dem Ich so fürchterliche Jahrzehnt formt« den Menschen und Künstler Dpstojewski. Da? Evangelium, die einzig« erlaubte Lektüre, und die Wirklichkeit, dle jeden Gedanken des Evangeliums ins Ungeheure steigerte, muhte das mitfühlende Herz Dostojewskis für immer den„Unglücklichen" zuwenden. Dostojewski wird das Gefühl eigen, daß auch der„verworfenste" letzte Mensch doch Mensch und(sein) Bruder lst". Lächerlich erscheint ihm das Unterfangen der„Volksbeglücker". wie er selbst früher einer fein wollte. Er schreibt:„Nicht vieles können unsere Weisen das Volk lehren; um» gekehrt, sie selbst müßten bei ihm in die Lehre gehen." Diese Liebe zum Menschen ist die Grundlage von Dostojewskis Religiosität. Wie weit e« mit seinem so gern ausgemünztem Pan- flawismus her ist, zeigen die Sätze:„Für uns Russen gibt es zwei Vaterlande: unser Rußland und Europa. Europa ist«ine furcht- bare, heilige Angelegenheit. Einem Russen ist Europa ebenso kost- bar wie Rußland. Oh, sogar noch kostbarerl" Nur die Eurppa- Nachäfferei oerwarf er, aus der Erkenntnis, daß jedes Volk seinen eigenen Weg gehen müsse. Sein Monarchismus ist eine Reaktion auf den Nihilismus. Er glaubte, daß die Seele seines russischen Volle« die Selbswerantwortung und die autoritätslose Freiheit nicht ertragen könnte, und verlangte des- halb zuerst das Schaffen von Hemmungen gegen das Böse in der Seele eines jeden. Da der jung« Zar Zllexander II. gerade die Leib- eizenfchaft aufgehoben hatte, erwartete Dostojewski gemäß seiner Natur. ,chie immer und in allem bis zur letzten Grenze ging", von ihm die Rettung. Die russische„Intelligenz" bezichtigte den Dichter deswegen des Verrats. Nachdem die nächste Gruppe der Romane. von dem„Gutshof Stepantfchikowo" bis zu den„Me. m 0 i r e n a u s d e m T 0 t e n h a u s e"(d. h. aus der sibirischen Ber- bannung) erschienen war. begann der Kampf zwischen Dostoscwski und der Intelligenz. Während er von sich selbst schreibt:„Ich bin ein Literat-Proletarier, und wer meine Arbelt will, muß mir Leben»- Möglichkeit geben", während er in Einsamkeit, drückendster Armut eine Riesenwerke auf Bestellung wie ein Lkkordarbeiter schafft, richtet er Anklage aus Anklage gegen die revolutionäre, goldene Ju- gend. Diese Anklagen sind, wie er selbst schreibt, keine vorgefaßten Ideen. Seine Gedanken entstehen wahrend de« künstlerlschen Schaf« i fens als das Ergebnis de» Charakter» der geschilderten Person. Da»! ist das Rätsel Dostojewskis. Beim Beobachten und Zergliedern der anderen versetzte er sich mit genialer Intuition in ihre Seelen, so daß er als sie dachte, fühlte und empfand und keine Mögtichteit mehr hatte, sich selbst gesondert von Ihnen zu erfassen. So konnte dieser subjektivste Dichter der Welt vollständig objekttv«, für sich lebende Mensche» geben: nur so ist e« ihm möglich geworden, in seine» größten Werken, wie dem„Idiot",„S ch u l d und Sühne" und „Gebrüder Karamasow" eine eigene abgeschlossen« Welt zu erschaffen. Vor diesem künstlerischen Genius beugten sich seine Gegner; bei seinem Tode(1881) beugt« sich zuerst ganz Rußland und dann Eu- rapa. Seine Menschen erleben in wenigen Minuten, was die ge- wöhnlichen Menschen in Ihrem ganzen Leben nicht erleben könne'». In alle Abgründe der menschlichen Seele leuchtet er hinein. Er kennt nichts so Grausizes, so Verworfenes, so Verbrecherische», das nicht in einer Brust mit dem Menschlichsten leben könnte, und um dessen willen er zu allen Menschen eiye grenzenlose, selbstaufopfernde Liebe fordert. Er weiß,„durch Menschlichkeit kann man jeden ver- menschlichen. Selbst jene, in denen das Gottesantlitz schon längst oerdunkelt ist." Cr zeigt uns die Welt des Entsetzens und des Uiitec- gangs, aber er glaubt und verspricht ihre Erneuerung. Nicht ourch irgendeinen Gottmenschen, auf den man warten und hoffen soll, sondern durch uns selbst! Michael Eharol. 1• Dostosewskl ist der Prophet der russischen Revolution. Doch, wie das häufig mit Propheten geschieht, ihm selbst war der wahre Sinn seiner Prophezeiungen verborgen. Ein unversöhnlicher Widerspruch klafft zwischen der Suberen Schale und dem inneren Wesen Dosto- jewfkis. Von außen ist es die tote Schale zeitgebundenen Irrtums, von innen— der lebendige Kern ewiger Wahrheit. D. Mereschkowsti. Mesbach in Berlin. Endlich weht mir der Zufall einmal den „Miesbachcr Anzeiger" in die Hände. Aue Stößen von Zeitungen leuchtet mir der Titel entgegen. Ich freue mich auf die Lektüre des berühmten Blattes. Es mit Genuß zu lesen schnell noch eine Karte zweiter Klasse, dann hinein in die Untergrund. Ich bin nicht enttäuscht. Ein Bericht über das Leichenbegängnis des bayerischen Exkönigopaares. Sehr interessant zu erfahren, wie schön geordnet die Konditorinnung, der Verein rei'cnder Schausteller. der Gärtnerverein Moosach, der Deutsche Offiziersbund. Herr Lichendorff usw. yn der Demonstration teilnahmen. Auch die Gugel- männer, die Signalraketen, der Priisentlermarsch und die„prächtigen Wackersberger mit geschulterter Büchse und Rucksack" machen tiefen Eindruck auf mich. „Den letzten Kranz, der om Katafalk niedergelegt wird, widmet „ein kleiner Bayer", ein dreijähriger Bub." Ich leiste dir Abbitte. Bayenwolk, du mußt politisch wirklich sehr reif sein, wenn in deinem Land schon dreijährige Buben über die Frage Republik oder Mon- archie urteilen können und offizielle Kranzspenden niederlegen lassen. Bei uns zu Hause, im roten Thüringen, bekleckern sie in dem Alter noch die ersten Höschen. Oder tut das dein kleiner Bayer ouck. wenn er nicht gerade mit Fragen der Politik anderweitig veschäf- ttgt ist? „Im Anwesen de« Landwirte» Josef Schmauß ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen." Stur dort?—— A.©. Koalition auf Grund des Programms zum Wohl des Volkes arbei» ten wird.(Beifall im Z.) Abg. Dr. v. Krause(D. yp.)(HSufig durch Zwischenrufe der Kommunisten unterbrochen«: Die jetzige Koalition ist eine Arbeits- gemeinschaft. An der Sp'tz, der Arbeit der Parteien muß das Vaterland stehen. Der unserem Volke so eigentümliche yndividua- ligmus muß eingeschränkt werden. Aber auch der flu er tri e- den» Parteiegoismus muh zurückgedrängt werden. Eine Lösung, die allen Parteien gefällt, war nicht zu erreichen. Eine Lösung auf einer Basis ganz link» oder ganz rechts mußte v«r> hindert werden. Ein festes Programm fehlt allerding» der Regie- rung. Das läßt sich im gegenwärtigen Augenblick auch nicht auf- stellen. Die Richtlinien verschaffen aber eine Grund st im- mung. die der Regierung das Arbeiten ermöglicht. Wir werden sehen, wie die Arbeit des Ministerium» sich gestaltet. Wird sie richtig angepackt, kann die Koalition den wneren Frieden herbei- rühren. Gut wäre es. wenn der Etat in kürzester Zeit zum Ab- schluß gebracht würde.(Beifall rechis.— Lärm links.) Abg. Dr. Zlleyer-Ostpreußen(Komm.): Die Richtlinien des neuen Kabinetts finden also den Beifall der Kapitalisten, und den- klben Richtlinien geben nun auch die Rechtssozialisten ihren Segen. Das ist charakteristisch für die rechtssozialistische Partei, Sehen wir unz das neue Kabinett an, dann finden wir neben Severing, dem Kapplstenverfolger, den Kappist Dr. Richter. Wir erinnern uns noch an die Reden Hönisch« gegen die SchuireaMonäre wie Bülitz, und heute finden wir Herrn Bölitz auf der Minislerbank neben den Rechtssozialisten! Die Koalition muß scheitern, wenn die Rechtssozialisten nicht zu Verrätern an den Arbeitern werden wollen. Der Bertreter der Zentrums wünschte eine kräftigere Re- gicrung für Ruhe und Ordnung. Die Arbeiter wissen, was dar- unter zu verstehen ist. Die Aussprache wird nunmehr abgebrochen. Die neuen Lesolduvgsvorlagen kür unmittelbare Staatsbeamte, Lehrer, Gewerb«, und Handels» hhrer werden an den Beamtenausschuß überwiesen. An den Hauptausschuß geht ein Entwurf, der für die Stromerzeugung im deren Ouellgebset der Weser Staatsmittel anfordert. Präsident Leinerl schlägt dem Haus« vor, die Fortsetzung der Slusfproche al» einzigen Punkt auf dl« Tagesordnung für die morgige Sitzung zu setzen. Abg. Meyer(Komm.) wünscht, daß auch verschiedene kleine Anfragen, dt« von der früheren Negierung monatelang unbeant- mcrtet gelassen worden seien, auf die Tagesordnung gesetzt werden. lecrner wünscht er ein: sofortige Erledigung«iner kleinen Anfrage über die Freilassung der angeblichen Mörder de? spanischen Mi- nistcrpräsidcnten Dato. Von der Staatsregierung ging inzwischen die Erklärung ein. laß«ine Beantwortung der kleinen Anfragen nicht zugesagt«er- de-, könne. Das Staatsmmisterium müsi« erst Beschluß darüber fassen. Der Antrag d-r Kommunisten wird daraufhin abgelehnt. — Freitag 11 Uhr: Fortsetzung der Besprechung der Erklärung de, Ministerpräsidenten. Schluß 5 Uhr. Reichskanzler unö ReparationskommWon. Am Nachmittag empfing der Reichskanzler in Anwesen- heit von Vertretern der beteiligten Reichsressorts die in Berlin eingetroffene Reparationskommission, die von ihtxm Präsidenten Dubois geführt wurde. In der Aussprache, die lediglich einleitenden Charakter trug, gab der Reichskqnzler einen kurzen Ueberblick über die finanzielle und wirtschaftliche Lage Deutschlands, wobei er die in einem Teil der Auslands- presse vertretene Auffassung zurückwies, daß die deutsche Re- gierung den Zusammenbruch der Mar! absichtlich fordere. lieber den Gang der weiteren Verhandlungen und ihre vor- oussichtliche Dauer können vorläufig Mitteilungen nicht ge» macht werden, das Ende öer fiusnahmesustkz« Der„Deutsche Reichsanzeiger� veröffentlicht soeben eine Vorordnung vom 5. November über die Beendigung der Tätig- keit der außerordentlichen Gerichte und Anklagebehörden, die gemäß der Verordnung des Reichspräsidenten vom 30. Mai 1920 und den in Verfolg dieser Verordnung erlassenen Aus- Analole France als RobclpreisirSger. Die schwedische Akademie hat beschlosien, Anatole France den diesjährigen Nobelpreis für Lite- ratur zu verleihen. Der große Künstler, der seine Ironiker, der sozio» listisch« und pazssistische Kämpfer besteht auch ohne diese Ehrung: aber einen Würdigeren hätten sie nicht treffen lönnenl Doslojewski-clleratur. Den großen rnssticken Schriflsteller lernten wir in Deutiwiond aueist butdi die Reklamausgabe dcS Raskol- » i k o f f kennen. Reben Zola und Ibsen war dies Buch in den Keimjahren de» Naturalismus das maßgebende Werk. Reclom bat dann auch weiUr für Dostojewskis Popularisierung gesorgt, die .Memoiren auS einem Totenbaus' sowie kleine Erzählungen erschien«» bei ihm. Der Raskolniioff bebauplcte auch in 'päicrsr Zeit feinen Vorrang(zahlreiche Ausgaben u. a. bei I. E. BrnnS, Helle u. Becker, im Jnlelverlag. der auch in der billigen Jnielbücherer den grandiosen.Großinquisitor' brockte). In der billigen Sammlung Janke waren auch andere Erzählungen(Weiß« Rächte. Der Svieler. Der Dov�lgänger). Den zweiten großen Roman: Der Idiot übersetzte mustergültig Aug. Sckolz(verlog Bruno Cassirer). Eine großangelegte, würdige GelamtaiiSgab« Dostojewskis unternahm unter der Mn- nrbeiiersckaft von Mereschkolokfi und Möller van den Bruck in LS Bänden der Münchener Verlag von R. Piper u. Co. Sie ent- bält nicht nur die erzählenden Werk«(vor allem d>« fünf großen Romane: Raskolnikofi. Der Idiot. Di« Dämonen. Der Jüngling. Die Brüder Karamasoff«. sondern auch die auiobiographiicken, ntelarischen und politischen Schriften, die erst ein Geiami- bild de« Denker« nnd Publizisten geben. Drei Bände, die die küiiiiiialisnschen Schriften enthalten, stehen noch au«. Auf die lleberietzung. die sonst bei russischen Autoren oft manches zu wünschen läßt, ist größte Sorgfalt verwendet; Einleitung und Vorreden venniiieln olleS literarhistorisch und menschlich Wichtige. Doiiojeivski hat damit die KlasstterauSzabe in Deutschland erhalten. die seiner Bedeutling entipricht. D o si o j e w s l i s Briefe liegen in einer deutschen llebersetzung von A. Eltasberg vor(ebenfalls Verlag R. Piper). Eine Bio- praphie. die viel Persönliches und Familiäres bietet, verdanken mir seiner Tochter:..Doitojewiki, geschildert von seiner Tochter' (Verlag E. Reinhardt. München). Kür Dr. Adolf Hellborn, den mntigen Verteidiger Haeckel» gegen leinen Nackiolger Prol. Plate, erläßt ein« Kruppe Hoeckevchliler, Gele irrten und Knnlilcrn ein« Sympatbieertlärung. Gi« fordert gleichzeitig, da das bekrrmdende Weimarer Urteil gegen tdn rechtSkräslig geworden Hl, zu einer Ehrengabe Illr lfm auf. Spenden sind an Juslizrat Dr. G. Lotze. Sena. Marli 19, zu richten. Musen uissübrungen durch Direktorlalbearnie finden am Sonntag <13 Ii i g'/ Ulir, im Kailer-., riedrich-Muleum(Vorderastatilche AbleUung mid siolieniW K-mäldc) und Im»Ilten Museum(Äntlle VUdwerte) statt. Ludwin Hardt spricht in der Berliner T-zclsion. Sonnabend: Drota von Heine V Hebel. Daudet, Bang, Franz Kaika, Verse von Llaudw«; Sonntag-'Heitere Idyllen. Märchen und Grotesken. Wjrderauluahme der deutsch«: MerreSforkchnng. Der Reichs- sorschun-sdampier.Polelldon' bat im Aultrag« der deutlchen wissenschast. lichen Kornmiifion eine ls tägige fiorschungßsahrt b>» in das innere Elagerrak und die nördlich« Nordsee ausgeführt. Sie war der Untersuchung der Was. verhältnill« de» Meereswasier«»»n der Oberfläch, bis zum Bodm gewidmet. fuhrungsbestimmungen vom 20, Mal und 8. Juni 1S20 ein- gesetzt sind. Die Tätigkeit der außerordentlichen Gerichte endet mit Ablauf des 15! November 1921. Hauvtverhandlungen, welche bereits begonnen sind, aber bis zum Ablauf des IS. November 1921 nicht abgeschlossen werden können, werden noch zu Ende geführt. Die Tätigkeit der bei den außerordentlichen Gerichten gebildeten Anklagebehörden endet mit dem Ablauf des 15. De- zember 1921, die Tätigkeit des dem Reichswehrmini- sterium zugeteilten Leiters dieser Behörden mit dem Ab- lauf des 31. Dezember 1921. Verfahren, welche bis zu den oben bezeichneten Zeit- punkten nicht endgültig beendet worden sind, gehen nach Maß- gäbe der Vorschriften des Gerichtsverfassungsgesetzes und der Reichsstrafprozeßordnung über die sachliche Zuständigkeit der Gerichte und über den Gerichtsstand an die ordentlichen Gerichte über._ Das präsiöium öes baöischen Landtages. Karlsruhe. 10. November.(TU.) Der Landtag wählte in seiner gestrigen Sitzung mit 70 von 85 abgegebenen Stimmen den Zentrums» abgeordneten Ministerialrat W i t t e m a n n zum Präsidenten, den sozialdemokratischen Abgeordneten Emil Bäte r-Heidelberg zum ersten Vizepräsidenten und den Führer des badifchen Landbundes, Abgeordneten Landwirt G e b h a r d. Evpingen, zum zweiten Vize- Präsidenten. Di« Kommunisten und Unabhängigen gaben weiße Zettel ab.__ Erhöhung der Gütertarife. 3m ordentlichen Haushalt der Reichsbahnen für 1921 war der Fehlbetrag auf 6,6 Milliarden berechnet. Inzwischen hatten sich die Ausgaben infolge der Gehaltserhöhungen im August und Oktober und infolge der starken Steigerung der Materialpreise um 10,5 Mil- liarden erhöht. Diesen Mehrauegaben stehen Mehreinnahmen in Höhe von 2,7 Milliarden aus der Erhöhung der Gütertarife zum 1. November und der zum 1. Dezember bevorstehenden Er- höhung der Personentorife gegenüber. Der voraussichtliche gehl- betrag würde sich damit um 7# Milliarden oder von 6,8 auf 14,S Milliarden erhöhen. Der Reichsverkehrsminister hat dem- gegenüber eine weitere Tariferhöhung im Güter- und Personenverkehr um je 80 Proz. in Aussicht nehmen müssen. Es Ist dabei berücksichtigt, hinsichtlich der Gütertarife eine organische Durchbildung vorzunehmen, wobei eine weitere Staffelung der Tarife zugunsten der für den Bezug ihrer Bedarfsartikel und den Absatz ihrer Erzeugnisse ungünstig gelegenen Gegenden, nament- lich Ostpreußen, vorgesehen ist. Di« Vorschläge für diese Um- bildung der Gütertarife werden dem Borläufigen Reichseisenbahnrat vorgelegt werden. Di» Borarbeiten sind so weit gefördert, daß die neu durchgearbeiteten Gütertarife zum 1. Februar 1922 eingeführt werden können. Auch im Personenverkehr wird die Tariferhöhung vor diesem Zeitpunkt aus technischen Gründen nicht durchgeführt werden können. Die Monate Februar und März des laufenden Haushaltsjahres würden durch diese Tariferhöhung Mehreinnahmen von zwei Mil- liarden erwarten lassen, so daß noch ein Fehlbetrag von 12,8 Mil- liarden übrig bliebe. Infolgedesien sieht sich der Reicheverkehrs» minister genötigt, für den Güterverkehr bereits vom 1. De- zember 1921 ab den Zuschlag von SV Proz. durch rein rechnerische Erhöhung der Tarife eintreten zu lassen. Gin verhängnisvoller Frrtum. yu der„Freiheit" nimmt Georg Ledebour zu unserer kurzen Notiz in Nr. 529„Welche Tendenz hat in Paris ge- siegt?" ausgiebig Stellung. Er widerspricht der von uns vertretenen Auffassung, daß die vom französischen Parteitag einstimmig angenommene Resolution— deren Kompromißcharakter er übrigens bestätigt— in der Sache der Richtung Renaudel-Grumbach weit mehr entgegenkommt, als der von ihm, Longuet und dem ganzen Exekutivkomitee der Wiener Arbeitsgemeinschaft auf der Londoner An- Näherungskonferenz verfochtenen These, wonach man nur eine „allumfassende" und keine„halbierte" Jntematio- nale wiederaufbauen dürfe. Ledebour bestätigt ausdrücklich, daß er in der Tat gegen die Bildung einer neuen Internatio- nale war und ist, die nicht auch die Kommunisten ein- schließt. Wir halten die bereits hier ausgesprochene Ansicht aufrecht, daß die Mehrheit des französischen Parteitages über diesen Punkt anders dachte als Ledebour. aber wir muffen zugeben, daß es allen Anschein hat, als ob dem klaren Willen dieser französischen Mehrheit nicht Rechnung getragen werden wird. Denn Ledebour teilt anschließend mit. daß er an das Sekretariat der Wiener Arbeitsgemeinschaft, also an F r i e d. r i ch Adler, bereits den Entwurf einer Einladung an die Zweite und an die Dritte Internationale zu einer K o n f e- renz gesandt hat, deren Zweck lediglich die Herbeiführung einer Verständigung über gemeinsame Aktionen(also nicht einer Verständigung schlechthin, einer wirklichen Cini» gung) sein soll. Das rasche und spontane Vorgehen, der mitteleuropäischen Arbeiterorganisationen in den Tagen des Karl-Putfches beweist, daß eine besondere Konferenz zu diesem beschränkten Zweck ganz überflüssig ist. Im übrigen hat die Leitung der USP. seit der Erzberger-Demonstration und noch am Revolutionsgedenktag mit einer erfreulichen Konsequenz gezeigt, daß sie auf gemeinsame Aktionen mit den kommunisti- schen Wirrköpfen und Quertreibern keinen Wert legt. Wir glauben daher nicht, daß der Standpunkt Ledebours der An- ficht der Mehrheit seiner eigenen Partei entspricht. Es würde insbesondere wertvoll sein, zu erfahren, ob Ledebour die Zustimmung seiner Parteigenossen findet, wenn er schließlich schreibt: „Diese vorlämpferaufgaben erfüllen wir am sichersten dadurch, daß wir unsere volle Selbständigkeit bi» zum Zusammen- schluß aller bewahren. Ein französischer Genosi« machte in Paris die lreffende Bemerkung:..Die ersehnte Einigung wird viel leichter aus einem dreigeieillcu als aus einem zweigeteilten Proletariat erwachsen!" . Wir betrachten diese Behauptung nicht als„treffend", andern geradezu als wahnwitzig! Die logische Schluß- olgerung, die man daraus ziehen müßte, wäre, daß ein in vier Teilen gespaltenes Proletariat sich leichter wieder ver- einigen ließe, als ein dreigeteiltes, ja, bah je m e h r S p l i t- terparteien, desto leichter die Einigung! Mit solchen paradoxen Witzen darf man ein so ernstes Problem wie das der Wiedervereinigung des internationalen Proletariat» nicht abtun. Wer. wie Ledebour, solche„Argu- mente" als treffend bezeichnet und überhaupt an der Auf- fassung festhält, daß keine internationale Verschmelzung ohne die Zustimmung Moskaus erfolgen darf, der muß sich schon den Vorwurf ver Verschleppungspolitik gefallen lassen. Am besten ist diese Verschleppungspolitik auf dem'Po- riser Kongreß durch den Abgeordneten Gen. Leon Blum gekennzeichnet worden, als er mit einer deutlichen und geift- reichen Spitze gegen die Richtung Longuet-Ledebour sagte, man dürfe die Wiedervereinigung der Internationale nicht bis zu den„calknües rasset" verschieben. Auf deutsch:„bis zum Sankt Lenins tag". So liegt in der Tat das ganze Problem. Gin Gestellter. Der unabhängige Reichstogsabgeordnet« Dr. R ud. Breite scheid schreibt uns: Es häufen sich in letzter Zeit die Andeutungen, bah mein« Partei und insbesondere ich persönlich von der Entente ge- tauft seien. 3n vertrauteren Kreisen werden sogar Summen ge- nannt und wird gleichzeitig der Weg bezeichnet, auf dem diese Betröge zu mir gelangen. Es ist schwer, die Verleumder zu fassen, da sie sich natürlich hüten, offen mit der Sprache herauszukommen. Immerhin hat einer von ihnen, der ehemalige Sozialdemokrat Emil Kloth, in den letzten Tagen sich in Artikeln, die in der„Täglichen Rundschau" und vor allem in dem zu Essen erscheinenden„Freien Wort" stehen, weiter vorgewagt, und obwohl er auch da noch versucht, sich ein« Rückzugslinle offen zu halten, habe ich gegen ihn die g e r i ch t l l ch e Klage eingeleitet. Die englische Thronrede. Anerkennung des guten Willens Deutschlands. London, 10. November. Z« der Thronrede, die bei der heutigen Vertagung des Parlaments verlesen wurde, heißt es, die deutscheReglerung habe besriedlgendeAortschr Ute gemacht in der Ausführung der ihr durch den versailler Verlrag auf- erlegten finanziellen und Snlwasfnungsverpslichtungen. Aus der Relchskonferenz hätten die Premierminister sich einstimmig da- hin ausgesprochen, daß die Stärke de» brillschen Weltreiches zur SeederjederanderenZNachtglelch sei« sollte. Deutschösterreichs Nrvokutionstag. Wien, 10. Novbr.(WTV.I Die.Arheilerzcitung" verösfenl- licht eine Entschließung, die der Vorstand der sozioldemotrattichen Partei den Volksversammlungen au» Anlaß des Gründungslages der Republik veulfchöstcrrelch am 12. November vorschlägt. Darin heißt es: Am dritten Jahrestag der(Sründung der Republik er» nenert das Proletariat feierlich den Schwur unverbrüchlicher Ere»? und erklärt, daß kein Verbot militärisch und politisch noch so starker Faktoren imstande ist, e» vom Festhalten an dem damals gleich- zeitig aufgestellten Ziele des Aoschlnsse» an Deutschland abzubringen._ Der Proteststreik in Rom. Eine römisch« Wolffrneidung, die offenbar«ine RcgierungS« Nachricht übermritelt. sagt: Infolge de« GeneraistreikS verkehren keine Straßen. bahnen und Droschken, auch sind leine Mdrgenblätter erschienen, doch sind die Läden fast alle geöffnet. Der Post- und Tel«graphe»v-rtehr ist nicht gestört. Zahlreiche Eisenbahner sind gegen den Streik und meldeten sich heute trüb wr Arbe't. Dt« Züg« nach Neapel, Pisa und Florenz konnten oblabren. Mebrer« tausend Faseisten kamen mit der Eisenbahn au« Toseana und anderen Gegenden an und marschierte« durch die Stadt, ohne dotz Zwischenfälle vorkamen._ Drianü gegen Reparationsöebatte in Washington. Paris, 10. November.(MTB.) Pertinox meldet im„Echo de Paris" aus Washington, Ministerpräsident B r i a n d hoffe, vor der Eröffnung der Konferenz Staatssekretär Hughes die Grundsätze erläutern zu können, die ihn leiten. Frankreich denke nicht daran, die Ratifizierung des von Wilson unterzeichneten Schutz- vertrage»(des geplanten Defensiobündnisscs zwischen Frank- reich, England und den Vereinigten Staaten. Red.) zu verlangen, weil es von den Amerikanern keine Maßnahmen wünsch«, die ihren Traditionen und ihren augenblicklichen Tendenzen widersprächen. Der Washingtoner Wortführer Frankreichs habe eine Diskussion über die Beschränkung der kontinentalen Rüstungen nicht zu fürchten, aber cs sei uicht zulässig, daß die Debatte sich aus das Reparallousproblem und die damit im Zusammenhang stehen- den Fragen ausdehne. Die Debatte dürfe nicht aus dem offiziell festgestellten Rahmen heraustreten. Wenn es zweckmäßig erscheine, eine Prüfung der finanziellen und der wirtschaftlichen Angelegen- hellen zu unternehmen, so scheine Paris viel eher als Der. Handlungsort geeignet zu sein als Washington. wovon wir nichts merken. London, S. November.(MTB.) Auf dem Guildhall-Bankett wie» Lord C u r z o n in einem Trinkspruch auf da« diplomatisch« KorpS auf das zunehmende internationale Verstehen und Zusammenwirken hin. wie cS das Werk des Völler- bundeS und die Konferenz in Washington zeige, und etklärie, ein geschlossenes irrteriialionaleS Vorgehen sei daS einzige Heilmittel gegen die Uebel. unter denen die Welt leide. Der Reichsral nahm gestern das ArbeitSnachweiSgeietz an. das die einhertiiche Einrichtung von örtliche» Arbeitsnachweiien und Landesämiern iür Arberlsvermittluiig unter dem Rerchsanrt für ArberlSvermitllung bezweckt und airstrebi. in diesen behördlichen Stellen in Zukunit auch die ganze bisherige öffentliche und private ArbejtSsteUenvermitlluug zuiammeuzufasien. Eine gewaltige Kundgebung der Arbeikerschafl fand gestern in München unter Beteiligung von 70 000 bis 80 000 Personen statt. Die Parole der Feier war das Motto:„Nie wieder Krieg!" Di« Kundgebung war eine gewaltige Demonstration gegen die nationa» listischm Provokationen der letzten Zeit. Rlördergeld. Die oberösterreichische Landgemeinde Nur olz- Münster an der bayerischen Grenze hat Geldscheine mit dem Konterfei des EisnermorderS Graf Arco-Valley ausgegeben. Spionageverdacht gegen einen französischen Offizier. In De» scnwon wurde der Rittmeister Proust vor etwa zehn Tagen unter der Beschuldigung verhastet, vor dem Zdriege Spionage für Deutschland getrieben zu haben. Er habe mit einem deutschen Agen- ten in der Schweiz in Verbindung gestanden. Ein von den Deutschen in Belgien zurückgelassenes Papier habe die Angelegenheit auf- gedeckt. Zur Aufklärungt Genosse Robert Breuer schreibt uns: Einige bürgerliche Blätter möchten unterrichtet sein über das, was ich durch meine Ansprache bei der Rcvoiutionsseier auf dem Wlltcnbergplaij zum Ausdruck gebrocht habe. Es wird genügen, daraus hinzuweisen, daß der Bericht de»„Vorwärts", soweit er mein« Ausführungen wiedergab, von m t r f e l b st verfaßt worden ist. OeWerFschsstsbewegung Setriebsräte und Gewerkschaften. Die Vernunft siegt! Die Aufgaben der Betriebsräte sind durch das Betriebsrätegesetz festgelegt und umgrenzt. Bei aller kritischen Stellungnahme zu oiescm Gesetz bleibt die Tatsache, daß den Betriebsräten ein solch großer Aufgabenkrcis gegeben ist, daß noch recht viele Schulung dazu gehört, um innerhalb dieses Kreises in den einzelnen Betrieben, den Großbetrieben zumal, die Posten gehörig auszufüllen und im Inter- esse der Belegschaften zu wirken. Denn große Worte tun es nicht, auch wenn sie noch so radikal klingen. Die nötige Kenntnis der Dinge ist dabei unerläßlich. Die Berliner Gewerkschaften haben daher auch alle möglichen Gelegenheiten geboten, um den Betriebs- raten diese Kenntnis zu vermitteln. Soviel aber müssen die Betriebsratsmitglieder gleich jedem einzelnen Arbeiter und jeder Arbeiterin wissen, daß nicht! die Betriebsräte sondern die Gewerkschaften mit der' Wahrnehmung der Lohninteresfen der Arbeiterschaft betraut sind, und zwar die f r e i e n Gewerkschaften, nicht gelbe, syndikalistische oder sonstige Bereinigungen. Betriebsräte und Gewerkschaften sollen sich ergänzen. Bis jetzt stehen die Gewerkschaften immer noch über den Betriebsräten. Sie oertreten nicht die Interessen der einzelnen Betriebsbelegschaften, sondern die der Gesamtheit der Arbeiter und Hilfsarbeiter der einzelnen Berufs- oder Industncgruppcn. Ihre Sachs ist es, die Lohnforderungen zu formulieren, darüber zu vcr- handeln, die Tarifverträge abzuschließen und sonstige Vereinbarungen allgemeiner Natur zu treffen. Das ist so selbstverständlich wie nur irgend etwas. Doch angesichts des Verhaltens der Betriebs- räte in den Betrieben der S t a d t g e m e i n d e Berlin ist es notwendig, die Begriffsverwirrung zu entwirren durch Klar- stellung der Sachlage. Bor uns liegt z. 23. die Entschließung einer Betriebsver- sammlung des Straßenbahnhofs 17 vom 7. November. „Es wird ersucht, die Resolution ungekürzt zu bringen." lWollten wir all die Entschließungen, die von den einzelnen Betriebsräten ge- faßt werden, veröffentlichen, gar ungekürzt, reichte der Raum des ..Vorwärts" nichr aus. Entschließungen, die die L o h n f r a g e n oder sonstig« rein gewerkschaftliche Angelegenheiten berühren, sind den z u st ä n d i g e n Gewerkschaften zu unterbreiten.) In dieser Resolution heißt es nun: „Wir erheben den schärfsten Protest gegen alle Gewerkschaften und deren Taktik, denn bis jetzt haben die Gewerkschaften noch keine positive Arbeit gegen die Ausbeutung der Arbeiterschaft geleistet. Wir rufen Euch, die Ihr im Sessel wohlgenährt sitzt, in letzter Stunde zu: „Wollt Ihr der Arbeiterschaft auch nur das nackte liebem erhalten, so nehmt den Kampf gegen den Wucher aus mit Taten und nicht mit leeren Worten. Geht Ihr nun auch noch diesem Kampf aus dem Wege, so sind wir und auch Ihr verloren..." Hält man auch der Erregung manches zugute, bleibt sie doch ein schlechter Berater. Nur mit und durch die Gewerk- schaften kann das Erreichbare erreicht werden, nicht aber ohne sie oder gar gegen sie. * Gestern nachmittag waren die Obmänner der städtischen Betriebe im Gewerkschastshaus zusammengekommen, um aus ihrem Streik- Ultimatum die Schlußfolgerungen zu ziehen, nachdem es selbst dann, wenn es materiell ohne weiteres zu erfüllen wäre, formell unmöglich erfüllt werden konnte. L i e d l o f f schilderte die Soch- lage.� In sehr langer und zeitweilig erregter Aussprache wurden vernünftige Stimmen laut, die sich gegen ein übereiltes ZZorgehen wandten, während die radikalen Stimmen den Streikbeschluß durch- geführt wissen wollten mid dies durch Beschimpfungen gegen die Gewerkschaftsvertreter und das Lohntartell zu motivieren suchten. Die Kollegen müßten entweder den Parolen der Betriebs- räte folgen oder denen der Gewerkschaften. Es komm« nur darauf an, wo die Mehrheit ist. lZuruf: Bei den Gewerk- schaften!) Die Gewerkschaften würden den Streik als einen wilden Streik betrachten, und von anderer Seite würde der Vorwurf des Tarifbruches erhoben. Der Streikbeschluß dürfe aber kein Srück Papier bleiben.(Er wäre besser Papier geblieben.) Das Lvhukariell für die Gemeindebetriebe hatte ebenfalls be- raten, und seine Vertreter, P o l e n s k e und O r t h m a n n, waren auf dem Wege zur Obmännervcrsamnllung, die sich bis zu deren Kommen vertagte. Polenske gab dann die bereits in der Abendausgabe des „Vorwärts" veröffentlichte Erklärung des Lohnkartells ob. O r t h m a n n erklärte, daß er als Vertreter des Transport- arbeitcroerbandes nur mit freigewerkschaftlich organi- sierten Vertretern verhandeln könne. Die Versammlung endete mit dem Beschluß, das Lohnkartell zu ersuchen, bis spätestens nächsten Dienstag eine Funktionärvcrsommlung zu berufen, die weitere Beschlüsse fassen soll. Spv.-Metallarbetter l Sonnkag vormittag SV, Uhr in den Sophlensälen, Sophien- strahe 17 IS, großer Saal, Versammlung mik der Tages- ordnung;.Unsere Aufgaben nach Jena und unsere Stellung in der Berliner Verwaltung-. Referent: Kollege W. Siering. Mit- gliedsbuch des Verbandes und der Partei legitimiert. __ Der Araktionsvorfkand. Protest der unteren Beamten. Die Angehörigen der Besoldungsgruppen 1—7.waren gestern abend in der„Neuen Welt" und in einer Parallelversammlung in Kliems Fcstsälen zusammen, um zur Neuregelung ihrer Gehaltssätze Stellung zu nehmen. Falkcnberg vom Deutschen Beamtenbund referierte. Beschlossen wurde, gegen die Zurücksetzung der Besol- dungsgruppen 1—7 zu protestieren und eine soziale und gerechtere Neuregelung zu fordern. Streik in der Reichsversicherungsanstalt. In der ReicbSversiSerungSanstalt für Angestellte haben die Angestellten gestern nacbmitlag mit 2744 Stimmen, von 2SK3 Stimmen, beichlosien, sofort in den Streik einzutreten. Bei dem Warten aar die feit 1% Jahren vom Diretlorium und VerwaltungS- rat beschlossene Eingruppierung in die Reichöbeioldungsordniing vom 30. Avril 1920 riß ihnen endlich der Geduldsfaden. Bei allen anderen Behörden ist die Eingruppiernng durchgeführt. Den übrigen Beanilen des Reiches wurden berciis Ausbesierungen auf Grund der tetzle» Vorlage gegeben, während die Beamten der RiA. seil l1/« Iabre aus die Bezüge der RBO. vom 30. April 1920 warten. Auch die Beanitenschait muß so zur Erkeiintnis kommen, daß nur durch festen Zusammenschluß auf gewerkschaftlicher Grundlage ihren Interessen die nötige Beachtung gesichert werden kann. Wer treibt Zersplitterung? Das Rote Fähnchen der kommunistischen Parier, unter derem Schuypalronat der.Verband der Hand- und Kopfarbeiter" steht, bezeichnet die Drohung der städtischen Betriebsräte, diese Art Organisation gegen die Gewerkschaften auszuspielen, als einen„im Jntercsie der proletarischen E'.nheitssronl hochcrfrculichen Beschlutz' und vermerkt es uns sehr übel, daß lvir dieses Spiel als un- überlegt bezeichneten. Damit beweise der„Vorwärts" anfs neue, daß er ein große? Jnteresie an der Zersplitterung der Arbeiterschait habe. Demnach war die Gründung dieser Sonder- Vereinigung keine Zerspliiterung, sondern ein Schritt auf dem Wege der prolerariichen EhiheilSfront. wie man sie im kominunistischcn Lager verstcht. Auf dem gleichen Wege zur Einheitsfront liegt wohl auch die fijftematiidhe Propaganda in der„Roten Fahne" gegen jede Erhöhung der G-werkichaftsbeiiräge. In den Gewerkschaften besteht die Einheitsfront trotz aller lommn- mstiichen Treibereien. Nichts bedroht dicie Einheiisfront mehr als die kommunistische Maulwurfsarbeit, die sich auch in der Lohnbewegung der städtischen Arbeiter wieder als aemelnschädlich erweist. Die Melhode, beim Erwischen auf frischer Tat davonznlanien und zu schreien:„Haltet den Dieb", ist etwas veraltet. Es Hilst den l o m»i u n i st i s ch e n Zersplitterern nichts, wenn sie„proletarische Einheitsfront" rufen, zu deren Schaffung in ihrem Sinne sie auch den letzten Rest der bestehenden proletarischen Einheitsfront in Atome zersplittern müssen. Die„Rate Fahne" muß daher schon gestatten, daß der„Vorwärts" solche OrganisalionSgcbilde wie den„Hand- und Koprarbeiter- verband" als gewerkschaftliche Orgoniialion nicht gelten lassen kann und ihn als ein sichtbares Zeichen der Zersplitterung einschätzt. Tic Prokura für den Streikbrecher. � Die Firma W i n d l e r, Chirnrgiemechanik, Friedrichstraße, be- schäfligt u. a. zwei Herren, welche nahezu 35 Jahre und darüber bei ihr tätig sind. Im Jahre AOOO erhielten diele zwei Angestellten Handelsvollmacht. Diese Würde verpflichtete die Beglückten, die Post zu unterichreiben. wenn die beiden Inhaber der Firma dem Geschäft ierndlciben mußten, wenn sie zur Jagd gefahren oder sonst verhindert waren. An dein letzien Streik beteiligien sich auch die beiden Aligestcllteil. Die Snafe für dieieS solidarische Verhalten war, daß ein Streikbrecher zum Prokuristen "mannt und den beiden Handelsbevollmächtigten die Vollmacht entzogen wurde. Die in Ungnade gefallenen Angcstelllen erstihren von der Entziehung ihrer Handelsvollmacht erst durch ein allgemeines Rundschreiben. Das Verhallen der Firma paßt gut zu dem früheren Hoflieferanlcntitel, der heute noch stolz an den Firmenschildern prangt. Erwerbslose Mitglieder des ZdA.! Der Zentralverband der Angestellten(OrtS- gruppe Berlin) har beschlossen, den Kindern der erwerbslosen Vcr- handsmitgl.eder zum Fest der Wintersonnenwende eine besondere Zuwendung zu machen. Falls die cingeleilete Sammlung einen ausreichenden Ertrag ergibt, sollen auch die Arbeitslosen ohne Kinder bedacht werden. Alle stellungslosen Mitglieder haben sich zu diesem Zweck während der Geschäflssiunden in der llnterslützungs- kasie anzumelden. Die Meldung kann anÄ bei der Auszahlung der nächsten Ciiverbslosennnterstütznng im Bureau erfolgen. Berück- sichligt werden können nur Verbaudsmitglieder. welche am 1. No- veinber oder später stellungslos und im Släduschen Arbeitsnachweis eingetragen waren. Zur Anmeldung sind erforderlich: das Mit- gliedsbuch, die Kontrollkarte vom Arbeitsnachweis und GeburtS- schein der Kinder oder Familiensrammbuch. Die Meldung muß bis zum 2. Dezember im VcrbandSbureau vollzogen werden. Spätere Anmeldungen können nur berücksichtigt werden, wenn die Arbeits- losigkcil nach diesem Termin eingetreten ist. Als letzter Anmelde- termm gilt der 10. Dezember. tzn der sinnlichen Meiallmdusirie droht eine Aussperrung. Ab 3. Dezember sollen die Arbeitnehmer aller Betriebe des Arbeitgeber- Verbandes, 7000 an der Zahl, ausgesperrt werden, falls sie nicht verzichten auf die Wiederelnstellung der feit März bei einer Firma Streikenden und auf die Entlastung der Streikbrecher. verbiiird hrt Smssiad-r*nb Pin>icr»uaritit«r. Heute nachmittag 5 Uh: an Packer, Weberltr. 1", Versammlung der Etuis» undd Kartonnagcndranche. tzentraloerdand der Angestellten. Feidgrupac(ScmeindcbeMrdcn. Zu der Enntiionärversaminlung heute abend 7 Uhr im Rosenthaler Haf, Roscntheler Straße, sind auch die Betriebsräte eingeladen. Vorträge, vereine und Versammlungen. Tara, und Evortoereia„Fichte". Sonntag, den tZ. Norcmber, Gcneralver» samnllung des Pereins in der Aula, Beinmeisterftr. 16—17, pünktlich 9 Uhr morgens.— Internetianaler«und der«ri-gs-pser. lt. Berwaltungsbezirk. grcitag, den 11. d. M., abends 7 Uhr, Generalversammlung in der Aula des Kaiser. Frietrich-Gamnastums. Ortsgruppe 31. 9. Ocffentliche Persammlung am Montag, den lt. d. M., abends 7 Uhr, in Kellers Fesisäl-N, Iergstr. V9. Ref. Gen. Tiedt und Mothes. Sport. Rennen zu Mariendorf, TonnerStag. de» 1«. November. t. Nennen. I. SilverinSe gegen Vergütung abzugeben bei O. Thomas. Goßler- siraße 27. Seilenflügel II. oder beim KreiSvorsitzenden G-nosien Georg Buchmann, Srralauer Allee 25. Trcbietecr BilduugsauSkchnh. Im Zeichensaal der Gemeinde- vlldendnichiir 54 III, findet am Freitag, den lt. November. aiei-dS 7 Ubr. der zweite Voitrag de« Genossen Dr. S t r i e m e r über da« Thema.SirtschaftSstufen und wirtschaftliche Lehr. m e i nun fl t n' fifltt Der erste Vortrag.Grunddeg, iffe der Dirischaft" wird wiedahoU. Weitere Teilnehmer am Kurfu« können sich noch anschließe�. Groft-öerliner parteinachrkchten. Heule. Arellag, den 11. Aoocmber: 4. ttreia. Prmzlaeer Berg. Die bereits angesagte Bestchtiguua der drahtlosea nunlentelcariuihl- in Nauen muh umständehalber ausfallen. Urbanst? zg � � U�t«r-lS-orstandsstKuilg bei»«im, s-'liS SiSÄ.'Äf"siÄrÄTÄS."?: l;®*äiicbetB>ffticbtnon. 6 Uhr trnchtige Sifcuna de,«reisyorsianbe- unb der Ltadt. und Beiirssacrorbneten im neuen Rathau», Zimmer Ii«. ..««wer darf fehlen. Beain» der Eibung rllnltlich. 12. St«cts. Steglitz, tzichterselde, Lankwitz, fi:'~ »8.«it. m • O ilchterselde, L-akwItzl liursus Dr.' Barchardt pünktlich( IM Zeiä'ensaal der 7. Semeindesthule am Markusnlotz in Steglttz-Siidl Slyr ende. Die für heute angesagte Äunltionärsttzung sälli aus. .«elnickendaif.Ost. Die Genassinnen und Genossen beteiligen Nch so- weit wie möglich an der Einäscherung de, Genossen Hinge.(Siehe Bor- wartsannonee vom Donnerstag.� ZungsozialM-n. Snlppe Paukow. VA Uhr im Jugendheim, Bceitesk. 82, Bor- trag!./Da» ESrli�-r Programm« sffoZsetzung).. Ref. Volles INN.- Srupp« Gruppe ... �rogram..___.______________ H«rmsk®tf. Hi Uhr im Jugendheim Roonstrahe. Vortraapadend.— Lichterselde. Jugendheim Albrechtstr. I«», Vortragsabend.— Gruppe A�sde». 7b, Uhr Gemeindeschule Puttbuser Str. g— 6, Vortragsabend.— «cbcit.BcmcinWttfi. Landigem eiitdehaus. Eophienstr. 22—28, Doswiewski- abend. Achtung! Erwerb« loj auf dem Baden L der Erwerbslofenfürsorg« ZNorgen, Sonnabend, den 12. November vsrtraa de,.„______________ Interessierte Genossen und Genossinnen find d-zn�eingel-den. ______ 103. Sit. Ob-rsSSneweid«. 8 Uhr FunltionSrsitzung bei Schönicke, Wilhel- mmenholitr. 23._ ?ugenüveranstaltungen. Betelo«rbeiter.Zngend. Seiretariat:«SB. 88, LIndenstr. 8. 2. Hos Ihtl», 3 Treppen recht«. Telephon: Mpl. l2l 08-10. heule, Freilag. den 11. November: �. Atritz- Jugendheim Thausseeftr.««. Diskussion:„Worum bin ich in der Arbeitcriugend.-«dlershos. Jugendheim Sachenbergstrahe, Vortrag:„Ar- bettc-r-mpse in vergangenen Zeiten".— S-lcose«. Iugenbherm Joachim. Fried- rlchstrahe«z, Dlslussion:„Warum bin ich in der Arbeiterjugend".— Morien- d°.f. Jugendheim Essmle Käninstraße. Vortrag:.Lweck und Ziele de, Vereins Arbelteriugend.— RenkSva-ÄIid. Jugendhecin Noaatstr. 38, Portrag:„Dl- Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung".— Moabit~""' Quitzowstr. 115, Vortrag SRcaifcfjuIc A ' cim t IL Juaenbbeim Schule I v< . 115, Vortrag:„flumot in der Literatur".— Nordoste». Jugeudheim ! Pastcurstr.««. Vortrag:„Die alten Römer".— Tegel. Jugend- nbosstr. 18, Bortrag:„Die deutsche Revolution von 1848.— Weiße». e«. Jugendheim Ledigenheim Woelckpromenade, Vortrag:„Arbeiterlugend und Larte!. ftn» N»det am Mittwoch, den t«. b.«. sB-tztag). ha «ch-lier. Theater_ S�a-lott- uburg nachmittaq»(bä llhr� statt. � Zur«ussiijrn: ....... Richter pon gatamea" von e-lberon. ei»'tritt»ka"ten ünm�reise ova 0st!0 M. find im Zngcndsetretariat, Ltndevstr. 8, 2. Hos. 3 Treppe», z» gelongt ooa 0," habe»._ Bdetirr biS Sonnabend mittag. Zeilweise etwa« nebelig, sonst trocken und überwiegend heiter bei mäßigen östlichen big mndösllichen Windet». Außer in den MitlagSstiurden Frost.. Auf der Tagesordnung der gestrigen Reichstagssitzung steht die Beratung der sozialdemokratischen Inter- pellotion über die Deutschen Werke. Das Wort hierzu nimmt flbg. hoch(Soz.): Beim Ausgang des Krieges waren in den Betrieben der Mi- litär- und Marineverwaltung, soweit sie zur Herstellung von Waffen, Kriegsgerät und Munition dienten, mehr als 200 000 Arbeiter und Angestellte beschäftigt. Nachdem die alliierten Regierungen sich mit der Verwendung der angegebenen Gegenstände einverstanden erklärt hatten, soweit es mit den Bestimmungen des Friedensvertrages� ver- cinbar war, ist die Aktiengesellschaft„Deutsche Werke" gegründet worden, deren Aktien sämtlich im Besitz des Reiches sind. Die Aufgabe dieser Aktiengesellschaft ist die Uebersührung jener Betriebe auf Friedensarbeit. Nach langen und unendlich schwierigen Bemü- Hungen ist es gelungen, die Werke derartig auszubauen, daß jetzt in den 14 Werken rund 20 000 Arbeiter und Angefiellte beschäftigt werdeir. Jetzt greift die Interalliierte Militärkommis- s i o n in diese Entwicklung in einer Weife ein, die die Deutschen Werktz aus das schwerste schädigt. Ich bin in der Lage, aus eigener Anschauung zu bekunden, daß ee von Anfang an das Bestreben der Leitung der Deutschen Werke gewesen ist, eine völlig einwandfreie Fabrikation durch- zuführen und jeden Verstoß gegen die Bestimmungen des Friedens- Vertrages zu vermeiden. Bei dem Eingriff der Interalliierten Mi- litärkontrollkcmmission, die dem Werke„Wolfgang" die Herstellung von Filmwolle und Kunstleder verboten hat, handelt es sich nicht um Maßnahmen, die aus dem Sinne des Friedensvertrages, aus dem Bestreben, nicht wieder Kriegsbetriebe aufkommen zu lasten, gerechtfertigt sind.(Sehr richtig! bei den Soz.> Ich muß ouch feststellen, daß die Deutschen Werke in weitestem Maße den Anforderungen der Interalliierten Kommission nachgekommen sind. In dem deutschen Werke„Wolfgang" allein ist eine so große An- rhl von Gebäuden und Maschinen zerstört worden, daß allein an rbeitslohn für die Zerstörungsarbeit fast 10 Mil« lionen Mark ausgegeben worden sind. Und wenn wir in Betracht ziehen, was überhaupt zerstört worden ist, so bekommen wir die Summe an Arbeitslohn von ungefähr 37 Millionen Mark. Der Wert dieser Gegenstände, der natürlich viele Milliarden erreicht, läßt sich bestimmt gar nicht ausrechnen. Bei den Werken„Erfurt" und„Haselhorst" ist die Herstellung von Jagd- und Sportwaffen verboten worden. Der ganze Geist, in dem das Eingreifen der Interalliierten Militärkon- trollkommission in dieser Angelegenheit erfolgt ist, zeigt sich ja bei dem letzten Eingriff, bei dem Eingriff im Werk„Spandau". Da handelt es sich nur darum, daß ein neues Walzwerk errichtet und daß neue Generotoren aufgestellt werden sollen. In dem Werk „Spandau" besteht schon ein Walzwerk, und gegen dieses alte Walz- werk wird auch kein Einspruch erhoben. Weshalb gehen nun die Werke daran, in dieser Zeit, wo derartige Umbauten ungeheuer viel Geld kosten, ein neues Walzwerk zu errichten? Einzig und allein deshalb, weil das alte Walzwert veraltet ist und mit diesem Walzmerk ein wirklich rentabler Betrieb nicht möglich ist.(Hört! hört! bei den Soz.) All das, was geschehen ist— im Werk„Wolfgang" die Verarbeitung von Schießbaumwolle in Filmwolle, im Werk Erfurt" die Herstellung von Jagd- und Sportwaffen, im Werk Spandau" die Vorbereitung des neuen Walzwerkes— all das ist nicht etwa hinter dem Rücken der Interalliierten Militärkontroll- kommission vor sich gegangen» sondern die Reichswerke haben alle Einzelheiten ihrer Maßnahmen, bevor sie durchgeführt worden sind, den Herren der Interalliierten MMtärkontrollkommission vorge- legt. Liese Maßnahmen sind von den Herren ausdrücklich ge- nehmlgk worden. fHört! hört! bei den Soz.) Dem Werk„Wolfgang" sind für seine Verarbeitung von Schießbaumwolle in Filmwolle und für die Kunstlederfabritation die Rohstoffe selbst zurDerfügung gestellt worden, denn ohne die Zustimmung konnte ja gar nichts oerarbeitet werden. Also für mich besteht gar kein Zweifel darüber, daß von unserem Rechtsstandpunkt aus diese Eingriffe geradezu eine unerhörte Vergewaltigung des Friedensvertrages sind.(Sehr richtig! bei der Soz. und in der Mitte,) Man sollte meinen, in dieser ernsten Zeit sollten wir wenigstens in der Grundanschauung alle übereinstimmen, daß wir durch unsere Wehrlosigkeit in militärischer und wirtschaftlicher Beziehung aufs äußerste gehemmt sind und uns jeden Schritt, den wir tun, sorgfältig überlegen müssen. Aber wie ist es mit der Einigkeit des deutschen Volkes,, mit der Gewisienhaftig- keit der Rechtsparteien bei derartigen Fragen bestellt? Ge- radezu unerhört ist es, well die anderen Parteien nicht denselben Weg betreten wollen, nun den anderen nationale Ehre, die natio- nal« Würde und die nationale Ehrlichkeit abzusprechen.(Sehr richtig! bei den Soz.) Die Rechtsparteien haben auch diese Gelegenheit be- nutzt, und haben in der Oeffentlichkeit, namentlich in den Lokal- blättern, die Arbeiter aufzuputschen versucht mit der Behauptung: es liegt ja nur an der Regierung, an der Schlappheit, an der Feig- heit, an der elenden Vaterlandslosigkeit der Regierung, die nicht energisch und entschieden dagegen auftritt. Sic sagen nicht, daß uns die kaiserliche Wirtschaft erst in diese Sache hinein- gebracht hat, das ist ja alles vergessen. Die Regierung und auch die Parteien, und zwar alle Parteien, hohen ihre Pflicht und Schul- digkeit zu tun. um alles in Bewegung zu setzen, damit unser gutes Recht gewahrt werde. Aber man kann nicht sagen, wir brauchten nur mit der Faust auf den Tisch zu klopfen, nur das Maul möglichst weit aufzureißen, nur Drohungen auszusprechen, an deren Durch- führung man selbst nicht glaubt, dann würde die Interalliierte Mili- tärkontrolllonunission umfallen und uns alles genehmigen, was wir oerlangen. Auch die Eisenbahn anlagen müssen zerstört werden. Ferner ist es bezeichnend, daß auch die Arbeller, die jetzt entlassen sind, nicht in dem Betriebe bejchöst'g� werden dürfen, der die Re- paratur der Wagen und Lokomotiven vornimmt, sie könnten ja sonst noch einmal für andere Sachen verwendet werden. Man könnte auch die Förderung von Kohlen verbieten, denn Kohle ist gewiß zur Herstellung von Kriegsgerät verwendbar. Vor allen Dingen müsse man die Menschen beseitigen, denn sie sind sicher eine nicht zu unterschätzende Kraft bei der Herstellung von Kriegsgerät. (Heiterkeit und Zustimmung.) Wir kommen hier also auf einen unmöglichen Weg, der, weiter und weiter getrieben, zu unerträg- lichen Zuständen führt. Wir haben bei der jetzigen Teuerung eine so ungeheure Not in unser"m Belke, daß man dieses Volk in der Tat bewundern muß, wenn es derartige Zustände noch erträgt. Den nächsten Monaten sehen wir mit der größten Sorge entgegen. Es wird uns das Gespenst einer ungeheuren Ar- beitslosigkeit wieder vor Augen treten und ausgerechnet in einer solchen Zeit führt man Maßnahmen durch, die die Zahl der Tätigkeit zu urteilen, dieser Belehrung nicht bedarf. Andererseits müssen wir aber in allen diesen Dingen uns die Tatsache vor Augen halten, daß wir noch ein Beamtentum aus der alten Schule, von altem Geist und aufgewachsen in den Ueberliefe- rungen der früheren Zeit haben, ein Beamtentum, das sich leider oft genug am deutschen Volk versündigt hat und noch ocr- sündigt, weil es die Notwendigkeiten unserer Zeit zu verstehen nicht in der Lage ist. Ich habe die Hoffnung und bin der Uebcrzeugung, daß. wo immer sich Widerstände bemerkbar machen, daß Ministerium scharf und entschieden durchgreisen wird, und ich würde wünschen, daß auch das F i n a n z m i n i sdtzj: tum in Zukunft alles, was eben möglich ist, tut. um den Dekpflichtungen des Friedensvertrages gerecht zu werden. Auf der anderen Seite ist es notwendig, daß wir die Teffachen in aller Oeffentlichkeit darlegen, die unser wirtschasll'ches Leben erdrücken, daß wir ohne Rückhalt und ohne Scheu in die weite Oeffenllichkeit alles das bringen, was uns zugemutet wird.(Lebb Beifall bei den Sozialdemokraten.) Zur Beantwortung der Interpellation erhält das Wort der Reichsschatzminkster Sauer: Es ist bekannt, daß nach Artikel ISS des Friedensvertrages die alliierten Mächte bestimmen können, daß Betriebe, die ausschließlich der Heeresversorgung gedient haben, geschlossen werden müssen. Von diesem Recht, das der Friedensvertrag den Entente. mächten gibt, hat die Bot�chafterkonfcrevz keinen Gebrauch gemacht. Die deutsche Nationalversammlung hatte sich aber bereits zeitig mit der Fpage beschäftigt, bei der Botschafterkonferenz den Antrag ge- stellt� die Genehmigung zum Umbau dieser Werke in Friedens- betriebe zu erteilen. Das hat die Botschafterkonf-renz durch eine Note vom 10. Februar 1S20 getan und diese Entscheidung muß als durchaus fach» und vernunftgemäß anerkannt wer- den. Nur auf Grund dieser Entscheidung war es möglich, die Deutschen Werke zu gründen und den Umbau der Kriegsbetriebe zur Friedensarbeit vorzunehmen. Die Regierung wäre gar nicht dazu übergegangen, wenn man hätte annehmen müssen, daß, nach- dem alle Maßnahmen und Schritce nur mit Zustimmung der Bot- schaftertonserenz und der'nteralliierten Militärkontrolltommission zur Durchführung gelangt waren, angesichts dieser Tatsachen eines �' Berfügung über uns schönen Tages wieder eine........ ergehen würde. Jetzt sollen die Materialien vernichtet werden, die Fabrikation soll völlig eingestellt und auch sämtliche Anlogen über und unter der Erde völlig zerstört werden. In einer Zuschrift der Distriktekommission Frankfurt a. M. an das Wert Wolfgang heißt es wörtlich: „Ich erinnere Sie daran, daß diese Zerstörungen, welche ge- fordert werden, nicht allein die Maschinen und Gebäude über dem Erdboden, sondern auch große und kleine Eisenbahnschienen, die elektrischen Leitungen mit den Transformatoranlagen, die verschiedenen Gräben usw. betreffen." Es soll also eigentlich alles dem Erdboden gleichge- macht und auch das, was unter den Erdboden liegt, zerstört werden. Bezüglich der Gewehrfabrik Erfurt und des Betriebes Spandau-Haselhorst liegen die Dinge auch so, daß die Aus- nähme der Fabrikation von Jagd- und Sportwaffen im ausdrücklichen Einverständnis mil der Znleralllierleu Kommission aufgenommen wurde. Was das Werk Spandau an- langt, so hat der Herr Abg. Hoch darauf hingewiesen, daß dort der Neubau eines Schmelzofens oerboten wird. Damit sind aber die Maßnahmen gegen den Spandauer Be- trieb noch nicht erschöpft. Mir ist gerade in diesen Tagen von dem Landesfinanzamt, das diese Dinge zu bearbeiten hat, die Liste zugegangen, die die militärisch« Distriktskommisston heraus- gegeben hat und in der eine Reihe von Vernichtungen gefordert werden. Diese Liste ist Ende Oktober herausgegeben worden, und' da heißt es: Knollquecksilberlaboratorium: Zerstörung des Gebäude« und der Spezinleinrichtungen, Kleinhütte: Zerstörung Jbes Gebäudes ller Inneneinrichtungen mit Ausnahme der Elektromotcre", Arbeitslosen bei uns ganz beträchtlich oermehren müssen.' Die Maßnahmen, die uns von der interalliierten Mililärkoutroll- kommissioo aufgelegt werden, würden die onmillelbare Folge haben, daß von den jetzt beschSfligten Zö ooo Arbeitern 11000 ent- lassen werden müssen. In erster Linie müssen wir von der Regierung verlangen, daß alles geschieht, um den A-.foroerungen gerecht zu werden, im Rahmen des Möglichen, die an uns gestellt werden. Jede Unter- lassungssünde in dieser Richtung erschwert uns die Arbeit aufs schwerste. Von dem jetzigen Herr Minister bin ich fest überzeugt, daß er seinen ganzen Anschauungen nach und nach seiner bisherigen und ai die mit B zu bezeichnen sind. Bei der Bezeichnung mit B handelt es sich um technische Ein- richtungen, Maschinen usw., die unter der Rubrik„Zerstreuungs- Maschinen" registriert werden: diese Gegenstände müssen also aus den Betrieben heraus; sie müssen zerstreut werden, ohne daß man sie zu zerschlagen braucht. Außer diesen Beispielen führt der Minister noch weitere Zerstörungswünjche der Militärlontrollkommission an und fährt dann fort: Sie sehen an der ungeheuren Liste, welche Auflagen uns jetzt gemacht werden, nachdem doch drei Jahre seit dem Kriegsende ver- flössen sind und auf Anordnung der Interalliierten Kontrollkom- Mission bereits ausgedehnte Zerstörungen vorgenommen worden sind. Durch diese ständige Beunruhigung und immer neue Zerstörungsforderungen muh eine wirtschaftliche Führung der Betriebe geradezu unmöglich gemacht werden. In den Deutschen Werken sind bisher an Maschinen rund 5500 Tonnen mit einem Anschasfungswert von 1500 M. je Tonne zerstört worden, also für 250 000 Goldmark; dazu Anlagen, Apparate, Einrichtungen der Pulverfabriken mit einem Anschaffungs- wert von etwa 1 750 000 Goldmark: insgesamt also für 10 Millionen Goldmark, was zur Zeit der Vernichtung einem Popierwert von etwa 200 Millionen gleichkommt. An Gebäuden sind für etwa ZU Millionen Goldmark vernichtet, was auch nach dem damaligen Stande der Mark einen Wert von etwa 50 Millionen Papiermark ausmachte. Mag man die Zerftörungsforderungen noch so objektiv wür° digen und mag man noch so sehr bestrebt sein, auch die sachlichen Gründe der Gegenseite auf sich wirken zu lassen— ich meine, trotz dieser sachlichen Prüfung wird man immer zu dem Ergebnis kam- men: Es handelt sich um Maßnahmen, die durch nichts rechtlich begründet sind, ja geradezu unvernunslig sind, weil sie Werke zer- slöeeu und unser Wirtschaftsleben auss ungünstigste beeinstusscn. stören und unser Wirtschaslsleben aufs ungünstigste beeinflussen. Ob wir in der Lage sind, eine angeordnete Zerstörung, falls es dabei blei- ben sollte, wirklich auszuführen, ist zweifelhaft, weil die Ar- beiterschaft, die davon betroffen ist, derart erregt ist, daß sie uns einmütig erklärt hat: Wir rühren keine Hand und schlagen jeden nieder, der unsere Arbeitsstätten vernichten will. Hier lie�t eine ungeheure Schuld der Interalliierten Kam- Mission vor, die die Uebersührung der Werke in Friedensbetriebe gestattete und dann eines schönen Tages ohne jede moralische Ver- antwortung sagt: Nun ist es zu Ende, jetzt dürft ihr diese Dinge nicht weiter bearbeiten. Dos ist doch ein so unglaubliches Vorgehen (Sehr richtig!), daß ich inich der Hoffnung nicht verschließen will, daß schließlich die Botschaftertonferenz, so trübe Erfahrungen wir auch mit ihr gemacht haben, in diesem Falle das klare Recht der Deuffchen Werke A.-G. anerkennen und die Maßnahmen der Kam- misston, die hier besprochen sind, zur Aufhebung bringen wird. Auf Antrag Müller- Franken(Soz.) wird die Besprechung der Interpellation beschlossen. Abg. Erflug(Z.): Diesem Schritt der Entente wird bald ein zweiter und dritter folgen, um unser Wirtschaftsleben endgültig zu zerstören. Wir bitten den Minister, das Recht des deutschen Volkes mtt allen Kräften wahrzunehmen: mögen wir endlich zu einem ge- schlossenen nationalen Einheitswillen des deutschen Volkes kommen. Abg. Hartwig(Dnat.): Diejenigen, die den Friedensvertrag und das Ultimatum unterzeichnet hoben, tragen die Schuld daran.(!) Nur eine christliche und nattonale Politik kann uns wieder zu einer rechten Volksgemeinschaft führen. Zlbq. Btßtrtngfiaus(D. Dp.): Wir hoffen, daß die Reparation«. tommisfion, die morgen hier eintrifft, sich mit den Deutschen Werken beschäftigt Abg. Gokhein(Dem.): Können wir mit Verhandlungen nicht» er» reichen, dann müssen wir den Schrei vor der ganzen Welt erheben, gegenüber dem Unrecht, da« un« angetan wird. Und in diesem Pro- test wollen wir alle un« oereinigen.(Beifall.) Abg. Brande»(U. Soz.): Wenn die Kontrollkommission die Her» stellung von Kriegsmaterial verbietet, findet sie die volle Zu» stimmung der Arbeiterschaft. Diese hat sich sogar geweigert, Uebungs» Material für Reichswehr und Schutzpolizei herzustellen. Wer solche unsinnigen Maßnahmen. wie die Zerstörung der Deutschen Werke, müssen einen S t u r m d e r Empörung nicht nur der Arbeiterschaft, sondern im ganzen deutschen Volke hervorrufen, und, wie ich hoff«, der ganzen Welt.(Betsall bei den Unabhängigen Sozialdemokraten.) Abg. Malhahn(Komm.): Wir warnen die Arbeiter, sich aus die Unterstützung der Arbeitgeber zu verlassen. Wir fordern die voll» kommen? Umstellung der Betriebe in die Friedenswirtschaft. Das Schlußwort hat der Abg. hoch(Soz.): Die Besprechung der Interpellation hat eine Einstimmigkeit in den wesentlichen Punkten gezeigt. Trotzdem mußte ich auch das zur Sprache bringen, worin wir mit den anderen Parteien nicht übereinstimmen. Ich habe derartige Dorwürfe erwartet. Ich würde mich aber der elendsten Heuchelei schuldig gemacht haben, wenn ich behauptet Hölle, wir wären in dieser Frage ein herz und eine Seele. Wir Sozialdemo. traten haben seinerzeit erklart, daß der Friedensvertrag von uns Unmögliches fordere, und daß wir Ihn nur unter dem Druck der Verhältnisse unterschreiben, hätten wir uns geweigert, so wären die Franzosen in Hanau einmarschiert, und kein Stein wäre von den Deutschen Werken aufeinander geblieben. Damit ist die Interpellation erledigt. Die Sesolüungsvorlage. Es folgt sodann die erste Beratung des neuen Bcamtenbesol» dungsgesetze». Abg. Lübbring(Soz.) gibt für die Sozialdemokratische Partei eine Erklärung ob, in der mit Genugtuung festgestellt wird, daß der Forderung nach einer grundsätzlichen Neuregelung der Beamtinbesoldung von der Reichsregierung Rechnung getragen ist und anerkennt, daß die Staffelung der Teuerungszuschläge nach Ortsklassen und die unterschiedliche Entlohnung der männlichen und weiblichen Diätare b es e I t i g t ist. Leider ist aber der gleiche pro- zentuale Teuerungszuschlag wieder nicht beseitigt worden, so daß die berechtigten Wünsche der unteren und mittleren Lesol» dungsgruppen nicht befriedigt sind. Die Spitzenorganisa» t i o n e n der Beamten haben sich mit den unbefriedigenden Zuge» ständnissen nur abgefunden, um einen Bruch und die Entfesselung eines wirtschaftlichen Kampfes zu vermeiden. Die Reichsregierung wird deshalb ersucht, in erneute Verhandlungen mit den Beamten einzutreten, um auch die billigen Wünsche der unteren und mittleren Besoldungsgruppe zu befriedigen. Dabei muß der gleiche prazen» tuale Teuerungszuschlag endlich aufgegeben werden. Ferner muß da» Gesetz über die Ortsklasseneinteilung schleu« n i g st zum Abschluß gebrocht und in eine Prüfung der Frage der Ersetzung des Ortszuschlags durch ein wohnungsgcld eingetreten werden. Dem»orliegenden Gesetzentwurf stimmen wir zu. weil jede Aenderung der Vorlage eine erhebliche Verzögerung ihrer Verabschiedung bedeutet. Wir erwarten aber bestimmt, daß ein Ausgleich für die unteren und mittleren Besoldungsgruppen umgehend erfolgt.(Bravol bei den Soz.) Die Abgg. hoefte(Z.) und Vogel(Dnat.) stimmen dem Gesetz zu, desgleichen Abg. Moralh(D. Vp.). Abg. Frau Zieh(U. Soz.) verlangt eine gründliche Durchbera« tung der Lorlage. Abg. Dauer(Bayr. vp.) stimmt ebenfalls unter vorbehalten zu. Ein Vertreter des Finanzmini st eriums erklärt, daß das Reich bereit sei, den einzelnen Ländern zur Aufbesserung der Be- amtengehälter Vorschüsse vierteljährlich im voraus zur Verfügung zu stellen. Damit schließt die Aussprache.— Die Vorlage wird in erster Lesung angenommen. Gegen die sofortige Dornahme der zwei» ten Lesung erhebt Abg. C r i s p i e n(U. Soz.) Widerspruch. Da» hau» vertagt sich auf Freitag. 2 Uhr: Anfragen, Besol» dungsvorlage, Notstandsmaßnahmen für die Invalid enrentner, Teue- rungsinterpellationen. Schluß gegen 7 Uhr. Weascr, litMsztfeie ksw. Opernhaus Der iliepile Bolländer VI, Uhr Schanspielhans Neu cmsiudlertl Othello Vi, Uhr Deutsch. Theater Louis Ferdinand, Prinx ▼on Preußen Sonnab. TV,: Louis Ferdinand, Pr inz von Preußen Rammersplele 8: Der HQhncrhot So. 8 s Der Hübnerhol Gr. Schanspieih. (Karlstraße) 7: Götz von derllchlngen Sonnab.' Uhr: Oötz von Berllchingen Theater I. d. PnippratzerStr. Täglicb 7_ju Uhr: Manon lescant (Or., Das indisch. | Manege- ichaustOck l.Ole Schlang« ] der Durjfa" Per önl. Auftreten: Paula Busch als Amara. die Schlangen-Tän | icrln m. leb Riesen schlan: en. Schwim mende Elefanten Schwimm Wasser. nü fei. Außerdem die Nov.-Seneatlon, Sonnt, nachtn 3 17, I Kind frei. Elsen- | kSuig Breitbart u „Im Reiche de» Porzei'ana" Gasino-Tbeater LoibrlDg.Str.37 Tägi. 7«., Qinzl. neue« Programm. Der Schlager der Solelzelt Der Weg z. Glllck VolksstUck in 4 Aufzügen Volkstümliche Preise! 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Die| eifrige Mitarbeit des i Verstorbenen wird uns I allen in dankbarer Er- innerung bleiben. Ehre seinem Andenken! j Der Vorstand. Die Einäscherung sin- det Freitag, 11. Novbr.( mittags l Uhr, im Krematorium Gerichtstraße L statt. Wir erwarten rege| Beteiligung. 247/10 1 Orfskrenkcnkesse für das MaarernewAbe zu Berlin. Berlin G 25, Hankesir. 4. Einladung zu der am ffreitag, 13. Novbr. 1921, abdo. jiün tlich Uhr, im Gastdans Musiker»'»est. siile, Berlin E 23, Kaiser- Wilhelm» Str. 31, Hos. geradezu, eine Treppe lSpciscfaal) stattfindenden Ausschuft-Titznng der Bcrtretcr der Arbelt» geder nndstasienmitglieder Tagesordnung: I.Wahl des Busschufivor» sitzenden und seines Stell- Vertreters. 2 Festsetzung und Dcschlutz- iassnng über den dem Bcrsicherungsamt einzu- reichenden Voranschlag der Einnahmen und Aus» gaben fllr das Geschästs- jahrlMll. tz. Wahl be» Rechnungs- ausschusses zur Priilung der Iatzresrechnunz siir das Geschäftsjahr 1921 gemätz§ 91 der Kassen» latzung. fi. Beschlußfassung Uber die 13. Sainingsabänderunq betr. fiS 19, S3b, 21, 50 und 51. Als Ausweis dient die übermittelte Einladung. Berlin, den 11. Nov. 21. Der Vorstand der Orts- krankenkasse für das Mnurergewerbe zu Berlin. A. Vogel, Vorsihender. R. Freund, Schriftführer. UUZZKrev DriS-ahuBaussallie t). Ilamaussch!., Flech- j ten, Bein- u. Krampf- 1 adergeschwär., Frost- i schal., ItSRiorrhoiden 6 ein bestbewährtes u I schnellheilend. Mittel. I Orgl-Dose7.2S u. H�O[ Elefanten-Apotheke Berlin SW. 213 * Leipziger Str. 74 Dönlioffnlatz Casicfits-n. Körperpflege Wickeln und Flechte heilt (Zens, Schäneberg, Altienstr 30. lll. Commtrz- und Privat- Bank Aktiengesellschaft. Die Aktionäre unserer Gesellschaft werden hierdurch ru einer am DSenstasv den 29. November 1921, vormltfa?» 11 Uhr, im Sitzungssaale der Bank in Hamburg. Neß 9, siatlfindencen außerordentlichen General- Versammlung eingeladen., T agesordnungr Beschlußfassung über die Erhöhung des Aktienkapitals um nom. M. iSOcOutOO Aktien mit Dividendenberechtigung vom 1. Januar 1921 ab unter Ausschluß des gesetz ichen Bezugsrechts der Aktionäre und entsprechende Aenderunpen der Satzungen wie sie sich aus obiger Beschlußfassung ergeben. Dieienigen Aktionäre, welche sich an der Genra'versammlunß beteiligen wollen, haben ihre Aktien spätestens am 23. November d. J. während der ünlichen Ge�chäftsstunden bei unseren Niederlassungen in Hamburg, Berlin und Magdeburg, unseren sämtlichen Fil den und Zweigstellen und außerdem in Berlin für die Mitglieder des Giroeffektendepots auch bei der Bank des Berliner Kassenvereins, sowie in Cassel bei dem Hessischeh Bankverein Ahtlengcsellschafti „ Chemnitz bei unserer Niederlassung und bei dem Chemnitzer Bank-Verein, „ Köln a. Rh. bei unserer Niederlassung und bei Heim J. H. Stein, „ Dresden bei unserer Niederlassung und bei dem Chemnitzer Bank-Verein, „ Falken- lein bei der Vogtländischen Credlt-Anstalt, „ Prankfurt a. M. bei unserer Niederlassung und bei den Herren J. Dreyfus& Co«« „ Gera(Reuß) bei der Firma Gebr. Oberlaender« „ Löbau bei der Löbauer Bank, „ München bei unserer Niederlassung und bei der Bayerischen Vereinsbank, „ Weimar bei unserer Niederlassung und bei der Thüringlsclien Lar.desbank Aktiengesellschaft zu hinterlegen und bis zum Schluß der Generalversammlung daselbst zu belassen oder die Hinterlegung bei einem deutschen Notar dadurch nachzuweisen, c aß sie einer der genannten Anmeldestellen spätestens am 25. November d. J. einen ordnungsmäßigen Hir terlegungsschein des Notars in Verwahrung geben. Dieser Hlnteriegungsschein gilt nur dann als ordnungsmäßig, wenn darin die hinterlegten Aktien nach Nummern genau bezeichnet sind, und wenn überdies in dem Hinterlegungsschein selbst bescheinigt ist, daß die Aktien bis zum Schluß der Generalversammlung bei dem Notar in Verwahrung bleiben. Gegen Hinterle ung der Aktien oder hinreichung der no«ariel:en HInterlefungsscheino- werden Eintrittskarten ausgehändigt. Die zu hinterlegenden Aktien können ohne Gfewinnanteilscneine und Erneuerungsschein eingereicht werden. Hamburs, den 5. November 1921. Der Vorstand. Bekanntmachung. Berliner Stadtsynode. Nach§ 18, Absatz 1, de» Kirchengeietze, vom 26. Mal 1905(Kirchliches Gesetz» und Verordnung»- blatt. Seile 31) wird hiermit zur össenliichen Kenulnis oebracht, datz nach dem Haushalispian der Berbner Sladtivnode aus Grund des am ig. April 1921 tirchen» anisichliich und am 6 Juni 1921 staatsau sichtlich ge- nrhmigten Umiagebeschiusses dieser Synode vom 30. März 1921 siir das Rechnungsjahr 1921 5 Prozent der für das Eieuerjahr 1920 an das Reich entrichteten Einkommensteuer als Kirchensteuer erhoben werden Die siulendung der Veraniagungsbenachrichfigungen iowie die Einziehung der Kirchensteuern erfolgt durch die Finanzämfer. Die Sebeperioden sind die gleichen wie|lir die Reichseinkommen steuer. Eine Abholung der Kirchensteuer durch Steuer. erHeber findet nicht statt. Berlin, den 4 November 1921. Der gefchSjfssühreade Ausschust der Berliner Stadisynsde. Burghart. Pfandscheine Brillanten, Gold Silbss*(Bruch) Platin Zahngebisse Zahn 10 bis 150 Mark Prismen- Feldstechor Ankauf zumAuslandskurs Einwechseln von ausländischen Gold- und SMbermünzen Kurt Kehlert, Berlin Lothringer Str.34 Paletots Jsd!8!f-B.teaj Anzüge Ersatz.für Maßl OasieiHlmlektia Möbel. Einrichtungen in 4 Etagen. S Kmeittulir Str. 44-47 Ankauf (Soiif-, niöBiw Barren, Uhren. Sohnmeii.achen aller Art, Medallien, Beeteeheo Hunzen ßlntin etigen Sammlungen AbiSUcn, ZehnaU�ten, Brenn spitzen etc. Zniin- letsim Infolge der nngün- Markbewer-. tung haben■ äm t- � liebe Edel-, Metalle die denk», höchste Bewertung erreicht. 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Berlin-Oberschönewelde« Die hiesige Stelle des Stadtaats}ür Koehbau (Magistratsmitglied) soll neu besetzt werden Die Wahl erfolgt i.acn den Bestimmungen der j Städteordnung vom 30. Mai 1853 auf 12 Jahre. Bewerber müssen abgeschlossene Hochschulbildung besitzen und sich in verantwortiieher Stellung bewährt haben Nebender Behetrschune I des Hochbaues nach der künstlerischen wie. nach der wirtschaftlichen Seite wild insbesondere| auf Ben flhrung im Städtebau und L.cdlunxs- weeen Weit gelegt Gehalt mindestens entsprechend dem der 1 Gruppe XIII der neu zu regelnden staatlichen Besoldungsordnung. Beginn des Besoldungsdienstalters mit Ab- 1 lauf des sechsten Jahres nach der Diplom Ingenieur-Prüfung. Alters- und Hinterbliebenen- versorgung nach ortsstatutarischen Vorschrirten. Meidungen nebst Lebenslauf, Zeugnissen und Belegen über bisherige Leistungen bis zum 28. November d. J. an das Stadtverordneten bureau im hiesigen Rathause. 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