Hr. 535 ♦ ZS.�ahrga«g Ausgabe A Nr. 270 Bezugspreis: SierteIiäl)tL36,— M.. monatl. Ii,— M- kei ins Haus, voraus zahlbar. Post- be�ug: Monatlich>2.— M. einschl. Zu- stellungsgebiihr. Unter Kreuildand tür Deutsltiland. Danz g. da» Saar» und Memelgebiet, sowie die ehemals dem- Wen Gebiete Polens. Oesterreich, Ungarn und Luxemburg 22,— M., für das übrige Ausland 29,— PI Post- bestellungen nehmen an Oesterreich, Ungarn, Tschecho- Slowakei, Däne- mark, Holland. Luxemburg, Schweden und die Schweiz. Der„Vorwärts" mit der Sonntagsbeilage„Voll und Zeit", der Unter- hattungsdeilage„Heiniwelt" und der Beilage„Siedlung und Kleingarten" erscheint wochentäglich zweimal. Sonn- tags und Montag» einmal. Telegramm-Adreste: «Sozialdemokrat Berlin- Morgen-Ausgabe •Berlmev NolkslileM (40 Pfennig) Anzeigenpreis t Die neungespaltene Ronvareillezeile kostet S,— M.«Steine Anzeigen- das fettgedruckte Wort 2.— M. izu- lässig zwei fettgedruckte Worte), sede» weitere Wort l.— 211. Stellengesuche und Schiafstellenanzelgen das erste Wort l,— M., jtdes weitere Wort KS Pfg. Worte Uber IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Familien-An- zeigen für Abonnenten Zeile S.SV D!.' Die Preise verstehen sich einschließlich Tencrungszuschlag. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 5 Ahr nachmittags im Hauptgeschäsl, Berlin SW S8, Linden- straße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 3 Uhr früh bis ö Uhr nachmittag». Zcntralorgan der fosialdcmokrati fehen partei Oeutfchlands Neüaktion und Expedition: SWb8, Linöenftr. 3 Rrdnktioa oiiorihpiat,»Klus— g? lyernfprrriicr. ��dition Morippla« Il7SZ-.-.t Sonnabend, den 1Ä. November 19ÄI vorwärts-vedog G.m.b.H., SW 6$, LinSenstr. 3 SCchrttttari-efu-f• Brrlag. Vxvcdition und Inseraten. aiütcllnng Nioxinplat! 11758-51 harömgs Grunöfähe für Washington. w a s h i n g i o n, Ii. Rovember.(EE.) Präsidenl h a r d i n g hat die Grundsätze der Abrüstungskonferenz in einer Erklärung fesigelegt, die er den Journalisten gegenüber abgab. Diese Erklärung lautet: t. Eine engere internationale Zusammenarbeit ist erforderlich. Ohne dah Amerika dem Völkerbund beitritt, würde es sich doch dessem Wirken nicht entgegenstellen, vorausgesetzt, dotz sich dieses auf Europabcschränkt. Wo es einer engeren internationalen Zusammenarbeit bedarf, wird man die Wittel dazu in persönlichen Zusammenkünften nach der Art der Washingtoner Konferenz finden. 2. Obgleich die vereinigten Staaten energischer Anhänger der politischen Unabhängigkeit und territorialen Unversehrtheit Chinas sind, halten sie es für notwendig, in genau abgesteckten Grenzen den Ansprüchen Japans Rechnung zu tragen, damit dieses sich außerhalb feiner Grenzen auszudehnen im stände ist. Die Schwierigkeit wird aber die Frage fein, unter welchen Bedingungen und bis zu welchem Grade eine solche Ausdehnung Japans vor sich gehen könnte. Z. Bei der Festsetzung der Grenzen der Abrüstung muß die Abhängigkeit Englands von der übrigen Welt betreffs der Zufuhr von Lebensmitteln und Rohstofsen berück- s i H t i g t werden. 4, Die Lage Frankreichs muß ln Betracht gezogen werden, damit Frankreichs Befürchtunzen beseitigt werden. Der Garan- tieoertrag zu Dreien(Amerika, England. Frankreich) kann nicht Wiederaufleben, unter welcher Form es auch immer fei. Aber Amerika kann, wenn der Augenblick geeignet ist, Frank- reich dadurch unterstützen, indem es auf Deutschland einen Druck ausübt. i. die zu weit gehenden Hoffnungen der radi- kalsten Pazlfisteu dürfen keine Ermutigung erfahren,->) ins be sondere nicht in der Richtung ein er etwaigen vollständigen Unterdrückung der Rüstungen. 6. wenn diese Konferenz leinen Erfolg haben sollte, so wird sie doch wenigstens den Zweck gehabt haben, die Hindernisse für den allgemeinen Frieden offenzulegen und jene bloßzustellen, die sür diese Hindernisse die Verantwortung tragen. « Am Grab« des unbekannten amerikanischen Soldaten hielt Prä- siden harding eine ausgesprochen pazifistische Rede, erklärte aber ausdrücklich, daß er nicht als Pazifist spreche, der den Krieg fürchte, sondern als«in Mann, der die Gerechtigkeit liebe und den K r i e g h a s I e. Er schloß mit den Worten: Gegen den Krieg muß es eine oberste Stimme der pflichtbewußten Zivilisation geben. DaS Arbeitsprogramm der Konferenz. Paris, 11. November.(EE.) Nach einer Washingtoner De- pesche werden die eigentlichen Arbeiten der Konferenz am 14. No- oember beginnen. Als erste Frage steht die Abrüstung zur See auf der Tagesordnung. Staatssekretär Hughes soll die Absicht haben zu fordern, daß alle Verträge zwischen den auf der Konferenz vertretenen Mächten mit China oder alle Verträge, die sich irgendwie auf China beziehen, auf den Konferenztisch gelegt werden sollen. Was die Sonderabmachungen anbetrifft, die Amerika vorschlagen wird, um eine Regelung der Frage des fernen Ostens herbeizuführen, so läßt sich nach zuverlässigen Mitteilungen dar- über folgendes sagen. 1. Die Zugänge nach Sibirien, die gegenwärtig von Japan blockiert werden, sollen freigegeben werden. 2. Die oft chinesische Eisend ah n soll internatio- n a l i s e r t und neutralisiert werden. 3. Ein Finanzkonsortium soll gegründet werden als wirksames Mittel für die Durchführung einer internationalen Aktion. Die Mandschurei und die Mongolei sollen in diese Aktion mit- einbezogen werden. 4 Japan wird seine Rechte auf die südmandschurische Eisenbahn behalten und seinen Postvertrag sür die Hauptinsel Liaotung im Jahre 1923 erneuern. 5. Alle öffentlichen chinesischen Anleihen, sowohl Staats- wie Provinzialanleihen. sollen durch Vermittlung eines Konsortiums zur Ausgabe gelangen. g. Allen Privatuniernehmungen soll Gleichheit der Rechte zuerkannt werden. 7. Alle Prioritätsbestimmungen und Exklulivitäts- rechte die irgendeiner Macht eine Art Monopol erteilen, sollen in Zukunft ausgeschlossen sein. Die Konferenz über die Fragen des Stillen Oieans wird sich mit drei den fernen Osten betreffenden Fragen befassen, und zwar: 1. chinesische Angelegenheit, 8. sibirische Angelegenheit, 3. Zuerteilung der Mandate über gcwisie Gebiete. Die Fragen, die auf China und Sibirien Bezug haben, zerfallen in folgende zwei Gruppen: 1. Grundsätze, 2. Anwendung dieser Grundsätze. Die letzte Gruppe wird in sechs Abschnitte zerfallen: 1. Territoriale Unversehrtheit, 2. Aufrechtcrhaltung der Verwaltungsrechte, 3. Offene Tür, 4. Außerordentliche Rechte, Monopole und Privi- legien, die zugestanden werden sollen, 5. Chinesische Eisenbahnen, insbesondere die ostchinesische Eisenbahn, 6. Gegenwärtige Loge und Erwägung, inwieweit die internationalen Verpflichtungen in China erfüllt werden. der öeutsth-ameri'kaniscbe frieden ratifiziert Berlin, lt. Bonember. Die Rakifikakionsur- künden zu dem am 2S. Ausiusi von den BevoLmachkigten Deutschlands und dem Bevollmächtigten der Bereinigten Staaten von Amerika unterzeichneten Bertrag sind heute abend im Slnswörtigen Ztmt ausgewechselt worden. Damit ist der Bertrag in Kraft getreten und der Friedenszustand wieder hergestellt. Eine unglaubliche Maßnahme Le Ronüs� Lewald und Göppcrt dürfen nicht nach Oberschtesien! Berlin. II. November. Die Interalliierte Kommission in Oppeln hat die Einreisegenehmigung des stellvertretenden deutschen Bevollmächtigten für die dentsch-poln'.schen Verhandlungen über Oberschlesten Staatssekretär Dr. Lewald und des Staats- sekrclärs Dr. G ö p p e r t, die sich honte abend zu Vorbesprechungen mit Vertretern der oberschlesischen Bevölkerung nach Oberschlesten begeben wollten, verweigert. Lewalüs Nachfolger. Berlin, 11. November.(WTB.) Der Ministerialdirektor im Reichsministerium des Innern, Freiherr von W e l s e r, ist zum Staatssekretär im selben Ministerium, der bisherige Geheime Negierungsrat Brecht in der Reichskanzlei zum Ministerialdirektor im Neichsministcrium des Innern ernannt worden. Die bürgerliche Presse hat sich in den letzten Tagen verschiedent» lich mit dem Rückttitt des Staatssekretärs Lewald beschäftigt. Im Anschluß Hieron wurde die Art der Verabschiedung bemängelt, und in diesem Zusammenhang gegen den Reichsminister des Innern Dr. K o e st e r Vorwürfe erhoben. Hierzu ist zu bemerken, daß der Rerchsminister der Nachricht der PPN. vom 27. Oktober über einen Rücktritt Lewolds völlig fernsteht. Es entspricht ferner nicht den Totlachen, wenn behauptet wird, daß der Minister am Vormittag des 27. Oktober nicht erreichbar war. Dr. Koester hat sich an dem fraglichen Tage bis 11 Uhr vormittags im Mmistcrium ausgehalien und dort auch mit Lewald telephoniert. Auch während der Kadi» n e t t s s i tz u n g, die noch 11 Uhr stattfand, hat Dr. Koester mit Lewald telephonilch gesprochen. Trotzdem setzte sich Lcwalo mit der Reichskanzlei in Verbindung und regte an— ohne den Minister gesprochen zu haben—, die Nachricht der PPN. amtlich dementieren zu lassen. Während der Unterbaltung am Nachmittag nahm Lewald die Mitteilung von der Totiache seines Ausscheidens aus dem Reichs- dienst in aller Form zur Kenntnis und erklärte sich sofort bereit, als Kommissar der deutschen Negierung an den Verhandlungen über Oberschlesien teilzunehmen. Inzwischen ist auch Lewald die Urkunde über seine einstweilige Versetzung in den Ruhestand zugegangen. Der Reichspräsident benutzte diesen Anlaß, um an den Staatssekretär ein Schreiben zu richten, das den Dank für die dem Staate geleisteten Dienste ausspricht. Litauen besteht auf öem üeutscben Memel. K o w n o, 11. November.(Wlb.) Aus die Jnkerpcllaklon der sozialdemokraki schen Fraktion betreffend die W e m e l- landfrage antwortete der Außenminister Durickis, die Regie- rung unternehme alle Schritte, um die Angliederung des Wcmellande s zu beschleunigen. Litauen gewähre dem Gebiete volle ökonomische und kulturelle Autonomie. Sämtliche 2l b- g e o r d n et e stimmten der Rcgicrungspolitik über das Wemel- gebiet z u.__ Deutsch ö'sterreich darf enülich besetzen. Wien, 11. November. fassenden Zeugenbeweis zu erheben. Man will u. a. auch die Leiter des Vereins deutscher Zeitungsverleger vernehmen. Das reicht nach unserer Auffassung Aus Träumen und Schwärmen weckt uns unsanft der weithin hallende' Ton der Dampspfeise, und am Bvrdermast unseres schwim- wenden Gasthauses geht der„blaue Peter" hoch, die weiße Flagge mit blauem Rand, die anzeigt, daß die Kohlenübernahme beendet und alles zur Abfahrt bereit ist. Es heißt jetzt zurück in die Welt der Tatsachen, aber diesmal nehmen wir in einem richtigen breiten Schlitten Platz, der auf dem aus kleinen Kieselsteinen zusammen- gesetzten Pflaster der Bergstraße mit fast beängstigender Geschwin- digkeit zu Tale gleitet..Hinter uns aus den Kufen steht der Führer und lenkt sein Gefährt mit der Sicherheit alter Gewöhnung durch seitliches Anstoßen der Füße. Während die Sonne langsam im Meere versinkt, setzt sich unser Schiff in Bewegung. Und als Madeira den Blicken entschwindet, bleibt die Erinnerung, voll von Sehnen und Locken und lieblichem Klang, in uns zurück; fast zu reizvoll, um jemals Wirklichkeit gewesen zu sein! Exkaiser haben es gut: was uns armen Sterblichen Traum und Sehnsucht fürs Leben bleibt, wird ihr„Berbannungs"-Ort. Gibt es für Abenieurer und Friedc.isbrecher wie Karl und Zita keinen anderen Strafanfonthalt? Well» warnt vor einer Katastrophe. Der englische Schrift- steller und Rogiandichier H.A. Wells hat sich nach Washington be- qeben, um für ein« Anzahl großer amerikanischer und europäischer Blätter Berichte zu lieser». In einer einleitenden Betrachtung, die cr„Das Ungeheure der Aufgabe und die Nichtigkeit der Menschen" betitelt, warnt er die verantwortlichen Männer dringend davor, ans den bisherigen Wegen einer veralteten Diplomatie weiterzugehen. Er schildert die furchtbaren Gefahre» de? gegenwärtigen Weltlage. „Die Weltaufgabe der Wiederherstelluna von Handel und Wandel," schreibt er,„ist nur möglich unter Regierungen, die ehr- lich im Frieden sind, und infolge des Fehlschlaaes von Versailles aibt es noch keinen solchen ehrlichen Frieden. Ueberall rüsten die Regierungen, vor ollem Japan und F-ankreich, mitten in der stän- digen Auslösimg der gegenwärtigen Wirtschaft bereiten sie sich für neue Kriege vor, die nur das eine Ende haben können: eine Aus- dehnung des Hungers und des gesellschaftlichen Zusammenbruches, der scbon Ruhland verschlungen hat, aus den übrigen Teil der Welt. In Rußland, Oesterreich und in vielen Teilen Deutschlands ist dieser grsellschasiliche Niedergana bereits sichtbor. Aber auch im westlichen Europa, in Frankreich und England, herrscht ArMut, herrscht ein sichtbarer Verfall sür jeden, der scharf sieht." „Wenn man, wie ich, von Europa nach Amerika kommt, so ist man erstaunt über die unerschöpfliche Lebenskraft und den Reich- tum New Porks. Aber diese sprühende, wimmelnde Stadt erhält doch nur ihre erstaunliche Lebendigkeit vom Handel, vom Handel, dessen Wurzeln absterben. Mit der vielleicht einzigen Ausnahm« von London scheint mir die Laoe New Porks die qeführiichstc, die irgendeine Stadt in der Well hat. Was wird aus dieser ungeheuren Menschenmenge, wenn der Handel, der sie ernährt, stockt? Und er wird sicherlich stocken, wenn nicht der Verfall der europäischen Geldwirtschaft und des europäischen Handels aufgehalten wird. bei weitem nicht aus. Wir empfehlen, auch d!« Geschäftsbücher der Telunion einmal genauer anzusehen. Dielleicht würde sich auch lohnen, die Behauptung nachzuprüfen, daß in bestimmten rheinisch- westfälischen Jndustriekreisen ein hochbezahltes Abonnement bei der Telunion zu den pfiichtmäßigen Maßnahmen gehört. Wir hoffen, daß der Kampf um die Reinhaltung der deutschen Presse von politi- scher und wirtschaftspolitischer Beeinflussung durch das Kapital recht bald ausgetragen wird. Der Kundige hat es heute schwer, über- Haupt irgendeine unbeeinflußte Presseinformation zu erhallen. Die Verschmutzung der öffentlichen Meinung ist in bestimmten schwer- industriellen Konventikeln schon lange zu einer gemeingefährlichen politischen Waffe ausgebildet worden. Em verurteilte? Verleumöcr. Neustreiilz, 11..November.(Eigener Drahibericht des„Bore märts".) Der Sekretär des Landbundes Gollata wurde wegen Beleidigung des Genossen Becker- Bartmannshagen anläßlich feiner Wahl zum Landdrost vom Landgericht Neustrelitz zu einer Geldstrafe von 300 M. und Tragung der Kosten verurteilt. Dem Kläger wurde die Publikationsbefugnis zugesprochen. Als unter dem alten System Becker-Bartmannshagen selbst wegen B-leidizung des Landrats angeklagt war, verurteilte ihn die Straf- kammer zu neun Monaten Gefängnis. Es ist billiger ge- worden, Landräte zu beleidigen, seitdem auch linksstehende Personen Landrat werden können. Die Stäöte als Gehaltszahle?. Zu unserem ausführlichen Bericht über die Kundgebung des Deutschen Stüdtetoges in der gestrigen Abendausgabe sei noch cr- gänzend berichtet: Bürgermeister B u r o w, Vorsitzender des Land- gemeindebundes, schilderte die Not der Landgemeinden, die die höhe- ren Gehälter nur zahlen können, wenn das Reich sich zu einer Unter- stützungsaktion entschließe. Oberbürgermeister Adenauer-Köln und 1. Bürgermeister Dr. S ch ö n- G u m b i n n e n, Bürgermeister Löfsler-Zeitz, Beigeordneter Kohlmann-Dresden und Oberbürgermeister Schmid-München sprachen in gleichem Sinne. Beigeordneter Asch-Hoch st a. M. wies darauf hin, daß die Gemeinden, die die erhöhten Beamtengehälter auszuzahlen haben, auch bei der Festsetzung mit beteiligt werden müßten. Die unteren Beamten seien bei der neuen Regelung wieder zu kurz gekommen. Oberbürgermeister Dr. K u g e l in e i e r, Vorsitzender des badischen Städtebundes, wandte sich besonders dagegen, daß die Städte bei der Hilfeleistung des Reiches von den Ländern abhängig sein sollen. Lebhafte Zustimmung fand Oberbürgermeister Wagner- Breslau, als er einleitend darauf hinwies, daß die Interalliierte Kommission die Vertreter der oberschlesischen Städte abgehalten habe, hier zu erscheinen. Stadtrat Stolt-Berlin vertrat die kommunistische Auffassung, während Oberbürgermeister D e i m s- Magdeburg den sozialdemokratischen Standpunkt zum Ausdruck brachte. Er wies auf die ernste» Gefahren hin, die den sozialen, chantativen Einrichtungen der Städte durch die Mehrforderungen der Beamten, Angestellten und Arbeiter drohe. Wir brauchen eine feste Hand in der Reichsiinanzverwaltung. Die Dinge sind jetzt soweit gediehen, daß wir Fraktur reden musien, wenn die Schwer- Hörigkeit an gewissen Reichsstellen aufhören soll.— In ähnlichem Sinne äußerte sich Stadtverordneter Rings- Köln. Die Eni- s ch l i e ß u n g des Vorstandes wurde einstimmig angenamM». Von der beantragten Entschließung Asch und Scn.(USPD.) wurde nur der erste falgend« Teil angenommen: Die deutschen Städte protestieren dagegen, daß die Besoldimgs- Ordnung ohne Mitwirkung der Gemeinden geschaffen worden ist, obwohl die Städte durch"die notwendige Gleichstellung ihrer Be- amten, Angestellten und Arbeiter mit denen des Reiches an der Regelung ini stärksten Maße interessiert sind. Der übrige Teil der Resolution, der eine Krittk der Vesoldungs- ordnung enthält, wurde mit starker Mehrheit abgelehnt. Zurückgezogene Ausweisung? Saarbrücken, 11. November.(Mtb.) Wie uns mitgeteilt wird, ist die gestern erfolgte Ausweisung des Redakteurs der sozia- listischen„Volksstimme", Ernst Braun, aus Antrag der sozia- listischen Parteien bei der Regierungskommission wieder zurück- gezogen worden.— Eine Bestätigung dieser Nachricht von zu- ständiger Seite war noch nicht zu erlangen. Das neueste Berliner Kabarett. Im Seitenflügel des„Theaters des Westens" wird seit einiger Zeit der 13. Muse gehuldigt. Nun, wenn schon, denkt der Leser: Diese Kabaretts sind alle für die neuen Reichen, die man kitzelt, aber nicht zu peitschen, sondern höchstens zu neppen wagt. Nichtig. Aber die„W i l d e B ü h n e" hat etwas mit Kunst zu tun, sie ist ein Brettl, das wieder mal Eigenart, Rc's: und Schmiß hat. Die Prinzipalin, Trude Hesterberg, hat den Brettlieusel im Leibe und weiß ausgesprochene Kabarettalents um sich zu sammeln. Die besten Texte sind van Leo Heller und Walter Mehring, zwei Meistern des Großstadtchansons, der frech- witzig, prickelnd, sentimental sein kann. Den Höhepunkt bildet Mehrings Börsenlied, das ganz das rasende Tempo und die hektische Verrücktheit des Galopps der Pleite zu aufweist. Ein wahrhafter Totentanz um den Dollar, kongenial in Musik übersetzt von Friedrich Holländer. Die 5)esterberg gibt ihm unheimliches Leben in einem schwarzen Kostüm, das grell mit Börsenhierv- glyphen bemalt ist, vor dem Hintergrund eines von grotesken Kari- katuren erfüllten Börsensaales. Groziösc Koketterie und kecken Wirbel zeigt die in allen Sätteln gerechte Künstlerin in andern Chansons. Feine, andächtige Musik erschallt dazwischen aus Geige und Laute. Alfred Veierle gestaltet als Schauspieler(und leider nicht als Rezitator) allzu wuchtig Wedekinds„Keuschheitsballade". Moritaten und anderes singt zur Laute ein wackerer jährender Gc- sslle. Voll guter Einfälle und schlagenden Witzes ist Wilhelm B e n d o w, der mit Klonte ein köstliches Telephongespräch hält und seine„tätowierte Dame", die er mit eigenhändigen Erklärungen als echte Jahrmarttsnummer vorführt, ist ein Illt höchster Qualität (freilich im Polinschen schwach). Grelle Bilder aus dem Berliner Nacht- und Straßenleben läßt Kurt Gerron erstehen— vorüberhuschende Momentaufnahmen, ein Wortkino im Hetztempo. r. Eine �enefelder-Ausstellung. Zum ISO. Geburtdtog Seii?kelder5, deS Erfinders der Lilhograpbie. Hai die Münchener Slaaribiblioibek au? ihren reichen, sonst unzugänglichen Schützen eine Aukstellimg veranstallet, die des Erfinders ganzes lithographisches Lebenswerk umfaßt. Das früheste lilhograpbiiche Erzeugnis ist das Büchlein „Der Brand von Neu-Oetting", worin auch zum ersten Male bildliche Darstellungen, Bignetizeichnunge» von Senefelders eigener Hand lnhograxlnsch hergestelll wurden. Dann solaren die ersten Versuch« mit der lithozravdi'chen Wiedergabe von ZerchnungSvorlagen, T er» und Pflanzenvorstellungon für den Unierricht, die ersten lrtbo- aravbicrien Landkarlen. Dann wagte sich Seneielder an die Wiedergabe Dürerscher Stiche, bis endlich in dem Attas der „Münckener Flora" Seneielderö Kunst ihren technischen und iünst- lerischen Höhrpunk: erreicht. Das Blütbner-Orchester bringt in seinem SonntagS-Konzert am 13., abends 7>/, Uhr, Ltüthner-saal, eine Uraufführung von£)Iio Krcderich.Sangesopfer", sins. Dichtung in 4 Gesängen nach Rabindranrilh Tazur sür eine Solostimme mit Orchester zum Vortrag. Dirigent: Eamstlo Hildebrand, Solistin: Kammersängerin Anna Karmvlert(irranlsurt a. M.). Das drahtlose Delephon ans dem Grffeliurm. Am dem Pariser Eijselttrim wird der-rnächsl der drahlioie lelrphoaische Nachriqiendiensl aus- geuommkir werdest, der pranaten Organisalionen wie Banken und Jeiiungs- betrieben die Möglichkeit gewähren iols, die Meldungen durch lbre eigenen Tclevbonapparate zu empfange». Man hofft, dag in naher Zukunft jeder Teilnehmer innerhalb lurzer Zeit tu Verbindung mit einem drabttojeq Telephon.treten tan», «"Schluß ous der Abendausgabe.) 3n der gestrigen Landtagssitzung führte Abg. Oeser(Dem.) weiter aus: Unerhört ist«s, daß der Abg. Winckter dem Reichs-- kanzkr Wirth die Schuld am Verlust Oberschlestens zuschiebt. Dabei hätte auch Wincklcr als Reichskanzler die Entscheidung über Ober- schlesien nicht verhindern können.(Zustimmung links.) Abg. Leid(U. Soz.): Das neue Kabinett ist völlig ungeeignet, etwas Wesentliches zugunsten der Arbeiterklasse zu leisten. Nach den Richtlinien'des Kabinetts wird sich niemand richten. Am Re- gisrungskarren werden zwei vorwärts ziehen und vier rückwärts. Wir sind überzeugt, daß auch eine Schwalb« Severing noch lange keinen Sommer machen wird. Entscheidend ist für uns, ob irgendetwas von unseren Mindestforderungen wirklich« Berücksichtigung findet, und wir möchten von der Regierung über die Enteignung der chohenzollern etwas Genaueres hören.— Grotesk ist es. daß ein Mann wie S�i e r i n g, der das Zusammengehen mit der Deutschen Vostspartei für die Sozialdemokratie als eine Unmöglichkeit hin- stellte, nun selbst zusammen mit den Vertretern des Großkapitals im Kabinett sitzt. Das Experiment kann nicht gelingen. Die Ar- beiterklasse fragt sich, warum denn die Sozialcemokratie, wenn sie schon bei den Stmnes-Leuten angelangt ist, nicht auch noch den letzteren Schritt bis zu den Deusichnationalen tue. Von Dr. B ö l i tz, dem Vertreter monarchistischer Ideen, bis zu den Deutschnationalen ist wirklich kem weiter Weg mebr. Wir klagen die Sozialdemokratie an, daß sie sich zum Helfershelfer des Großkapitals erniedrigt hat. Es ist uns unmöglich, für das Vertrauensvotum zu stimmen. Abg. Dr. Meyer-Büllkau(Welse) spricht gegen die Zentrali- sierungsbestrebungen der preußischen Regierung. Ministerpräsident Braun: Der Abg. Dr. Meyer-Ostpreußen erklärte, das Programm der Regierung könne von allen kapitalistischen Parteien genehmigt wer» den. Ich sagte schon, es kommt auf die Taten und nicht auf die Worte an.(Zurufe der Kommunisten.) Tun Sie einen Vlick nach Moskau! Sie sehen dort, daß die Wirtschaft in Rußland heute rein kapiia- listisch und die Politik ü b e r z a r i st i s ch ist.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Dr. Meyer erklärte serner, was. ich über die deusche Kultur Oberschlesiens gesprvchen habe, sei nicht richtig. Dr. Meyer soll nur nach Obcrschlesien gehen und sich jenseits der Grenz« ansehen, was die Polen aus einem Land mit reichen Naturschätzen gemacht haben. Dann soll er damit das vergleichen, was diesseits der Grenze deutscher Fleiß geschaffen hat. Dr. Meyer meint, daß unmöglich Sozialdemokraten und- Monarchisten in einem Kabinett sitzen können. Er soll sich bei seinen kommunistischen Freunden, die als Stadträte zusammen mit Leuten anderer politischer Richtung arbeiten, erkundigen, wie ein solches Zusammen- erbeten möglich ist.(Sehr gut! bei den Soz.) Ich habe mich gefreut, daß die Dcutschnationalen meine Arbeit im Landwirtschastsmini- skrium heute anerkennen.(Widerspruch bei den Deutschnationalen.) Ich verstell den Widerspruch nicht, der Abg. Winckler lobt« doch die Amtstätigkeit des srül)«ren Landwirts chastsministers W a r m b o l d, und Herrn Warmbold habe ich leinerzsit gegen"den Widerspruch der Deutschnatisnalen in das Ministerium berufen. Heut« schreibt die deutlchnationo'e Presi« gegen den neuen Landwirtschaftsministcr AZendorff in dem gleichen Tone, den sie früher mir gegenüber an- ge'chlagen hat. Das zeigt, daß die Angriffe seinerzeit gegen mich nicht dem angeblichen Richtfachmann— Minister Wendorff ist ja Fachmann— galten, sondern vielmebr meiner Varteizuaehörigkeit. lieber die Meinungsfreiheit der Beamten saaen die Richtlinien, daß der Beamte keiner Pflicht aegen Staat und Regierung eingedenk sein muß. Außerhalb der Amtstätigkeit ist ein fachlicher Meinung?- kämpf denkbar, unmöglich dagegen ist Beschimpfung der Regierung "furch rrnm Beamten. Es handelt sich hier um eine Frage des Taktes. Schließlich will Ich aegen di-> Art und Weise, wie hier der Reickskrnnler von de u> schnob' analer Seite ana>: griffen wurde. Ein- fvrvch erheben. Es ist ein Unsinn, zu sagen, die Politik des Reichs- kanzlers habe den Verlust Oberschlesiens berbeiaesührt. Ich will bi-r nicht z. B. an senes dsutschnationale Wort von der..W offen- schmiede"', die Ober'chlekien darstelle,«rinnern. ich will nur dos eine sagen: wenn s« Oberschlesien preisgegeben und gefährdet war, dann in den Oktobertagen lS18. Damals brängke die Oberste Heeresleitung au? den Abschluß des Waffenstillstandes auch aus die Gefahr des Geblöks- Verlustes hin. Und was die von den Deutschnationalen empfohlene Reln-Politik de- triff!— nun wir haben ja vor nicht allzulnnger Zeit ein solches „Rein!" erlebt. Und die Reaierungsmännsr disler Demonstrationspolitik wurden ja nach ihrer Rückkehr nach Berlin mit großem Jubel empfangen. Aber es blieb nicht bei dem Rein, weil es nicht dabei bleiben tonnte, weil die Politik des Widerstandes, die Polttik„Gewalt gegen Gewalt" für Deutlchland Wahnsinn und Verbrechen bedeutet. Deutschland ist wehrlos und es ist gar keine andere Politik denkbar und möglich als die des Kampfe? der Ideen.(Beifall.) Der Nationalismus eröffnet uns keinen Aus- weg aus der furchtbaren Situation. Wir müssen nüchtern und klar versuchen, aus ihr das beste für unser Volk herauszuholen. Wer das tut, bandelt wahrhaft national.(Zustimmung links und i» der Mitte. — Widerspruch rechts.) Ich wünscht«, die Idce, die ich vertreten, hätte vor 1914 nicht nur bei uns, sondern in"der ganzen Welt gegolten— das furchtbar« Unglück, das über Deutschland und die ganze Welt gekommen ist, wäre vermieden worden. Die Idee der Völkerversöhnung muß und wird am Ende siegen. Das Eine wer- "den die Völker zumindest aus dem letzten Blutbad gelernt haben. Nie wieder!(Lebbaser Beifall bei den Soz.) Eingegangen ist ein gemeinsamer Ankrag der ASP. und KPD.. der dem Staatsministerium das Vertrauen versagt, weil seine Zu- sammenictzung den Interesieir des werktätigen Bylks widerspreche und einen Täuschungsversuch darstelle. Die zweite Rednerreihe eröffnet Abg. Schulh-Rcukölln(Komm.), der die l>albstündige Redezeit überschreitet. Schließlich fordert der Vizepräsident ihn auf. die Tribüne zu verlassen. Da er trotzdem fvrtfäbrt, erhält das Wort der Abg. Herold(Zentr.), der die lincrbörten Angriffe des Abg. Winckler gegen den Reichskanzler Wirth fazarf zurückweist und als ein Verbrechen am ganzen Lande bezeichnet. Abg. Obuchalb m der Re- giervngserflärung gelogen, wenn über den Jammer der deutlck'en Wirtschaft hinsichtlich der Enischeidnng über Oberschlesien geklagt werde. O ja. die Kurse der Werk« sind gestiegen— die Kurse Deutschlands sind leider da'ourch gefallen.(Sehr wahr links i-.nd ini Zentrum.) Deutichnational« wie Kommunisten können nicht unterscheiden zwischen dem berechtigten S-elbsterholtungstrieb des deutschen Volkes und verstiegenem Nationalismus, der andere Völker ' mit Füßen zu treten sucht.(Unruhe bei den Deutschnationalen.) . Mtx sind der Ansicht, daß richtig verstandener Jnternattonalismus jedem Volk sein Recht beläßt.— Vor mehr als Jahresfrist habe ich hier den Deutjchnatio- nalen vorgeschlagen, mit Rücksicht aus Oberfchlesien keine Wahlen abzuhalten, allen inneren Streit zu lassen, alle Krast aus die Er- Haltung Oberschlesiens zu konzentrieren. Hohngelächter war die Antwort der Deutschnationalen.(Sehr wahr bei den Soz.— Widerspruch rechts.) S i e haben den inneren Kampf entsesselt, Sie haben kein Recht, heut« Herrn Dr. Wirth anzuklagen.(Zuruf rechts: Und die Ausnahmeverordnung?) Erst wurde Erzberger ermordet, "dann kam die Abwehr!— Nun einig« Worte zur Negierungs- bildung. Jck> verrat« kein Geheimnis, wenn ich sage, ein erheblicher Teil meiner Freund« ist über die große Koalition nicht entzückt. Wir glauben noch heute, daß eine Regierung auf schmälerer Basis innerlich gefestigter, aktionsfähiger wäre als eine Regierung auf breiter Basis, aber mit starken Gegensätzen. Wir glaubten, daß die alte Koalition, die es in der Hand hatte, Hilfe von rechts und von links zu bekommen, durchaus möglich war. Aber es gelang uns nicht, die Demokraten und"die Zsnirumspartei dafür zu gewinnen und wir standen vor der Frage, entweder ganz aus der Regierung auszuscheiden oder uns mit der großen Koalition ab- zufinden. Die Unabhängigen, sagen, wir hätten aus der Regierung ausscheiden und uns auf die Zlkkion der Acbcllerklasse verlassen sollen. Aber wo w a r denn die große Aktion zur Zeit des Kabinetts Stegcrwald? Die„Freiheit" schrieb am 9. November, die Arbeiterklasse habe eine Schlacht verloren und infolge des Bruderkampfs Stellung um Stellung preisgegeben. Das ist historische Fest- stellung für die oesamt« Arbeiterbewegung seit der Revolution.(Sehr richlig bei"den II. Soz.) Wenn wir das aber feststellen müssen, dann müssen wir uns auch fragen: Sollen wir es jetzt darauf ankommen lassen, daß in Preußen ein neues Kabinett Stegerwald-Dominicus gebildet wird ohne die Sozialdemokratie, oder sollen wir es mit der großen Koalition versuchen, um wenigstens einigen Einfluß auf die Regierung zu aewinnen? Gewiß gab es in unserer Fraktion e'me Mehrheit und Minderheit, aber darübe? waren wir alle einig,"oaß. ein Kabinett mit Braun, Severing und Siering besser war als das frübere Kabinett Stegerwald-Dominicus, dem heui« die Deutsch- nationalen blutige Tränen nachweinen. Die Minderheit in der Fraktion hatte nur«ine Sorge: D!« groß« Koalition werde den Streit in der Arbeiterklasse neu entfachen. An Ihnen(nach links) liegt es, ob durch diese Uebernahme einiger Regierung? Plätze, die nach der übereinstimmenden Meinung unserer Fraktion sachlich richtig war, neuer vergiftender Streit in die Arbeiterklasse getragen wird oder ob trotzdem einheitliche Aktionen der gesamen Arbeiter- flasse möglich bleiben.(Sehr gut! bei den Soz.— Zuruf bei den U. Soz.: Das hängt von Ihren Taten ab!) Nein, das hängt auch zum großen Teil von dem Willen der anderen sozialistischen Arbeitergruppen ab. Wenn man es spricht, wie Kollege Leid heut«, dann wird der Streit wenigstens nickst die Arbeitermasscn in das Lager der Gleichgültigkeit treiben. Wenn man aber die Tonart des Herrn Obuch anschlägt und die alten Schlagworte von'verrat und Lumperei wiederholt,"dann wird die Arbeiterklasse den Schoden davon haben. Ob die Regierungsbildung in Preußen ein« Regierungsumbil» dung im Reich zur Folge haben werde, weiß ich nicht. Das wäre nur möglich, wenn man sich auch im Reiche über Richtlinien der praktischen Arbeit einigt. (Lachen bei den Ii. Soz.) Hier in Preußen har man sich auf solche Richtlinien geeinigt, in denen mit Ausnahme der Frag« der Hohen- zollernabfndung alle gegenwärtig praktisch wichtigen Fragen eine Rolle spielen. In der Reichspolitik steht im Mittelpunkt die Sleuersrage. Sie(nach links) brauchen nicht daran zu zweifeln, daß wir im Reiche,-nachdem das kredilangebot der Industrie zurückgenommen oder mit ungeheuerlichen, wahrhaft unverschämten Bedingungen belastet ist, im Dunde mit Ihnen die Forderung der Erfassung der Goldwerte mit allem Nachdruck vertreten werden. (Sehr gut! bei den Soz.) Wir werden sie entweder durchsetzen oder e? wird darüber zum Kampfe kommen, und wir hoffen dann, auch von den 5xrren auf der äußersten Linken, daß sie sich unseren For- lxru ii gen anschließen. Die Kommunisten kommen in ihrer Kritik über das Wort„S t i n n e s" nicht hinaus. Ehe diese Regierung gebildet wurde, habe ich einmal Hennann Müller gesagt, man dürfe nicht vergessen, daß das Wort Stinnes den Massen«ingehämmert worden ist. Müller erwiderte mir, er habe Stinnes erst kennen gelernt, als er ihm durch Herrn K r a s s i n, den Abgesandten Sowjetrußlands vorgestellt wurde.(Große Heiterkeit im ganzen Haufe.) C o intim wird unser« Partei nicht mit Herrn Stinnes werden wie die Moskauer Herren�(Große Heiterkeit.) Die Kommunisten hoben gefragt, ob die 41 Sozialdemokraten, die gegen die große Koalition gestimmt haben, zusammen mit den Kommu- nisten Opposition machen wollten. Wir haben den gesunden Grund- sotz, daß die Minderheit sich der Mehrheit fügt(Lachen bei den Komm.), und wenn Ihr dort drüben diesen Grundsatz immer boch- geheilten hättet, dann wäre die Arbeiterklasse niemals zersplittert worden(Sehr wahr! bei den Soz.)— Unruhe und Widerspruch bei den Komm.) Mehrheit und Minderheit in unserer Fraktion werden den Versuch mit der neuen Regieningskoalition ehrlich unterstützen, und es soll uns freuen, wenn entgegen den Befürchtungen Erfolge zutage treten. Nicht Lieb« zur Denttchen Volkspartei hat uns zu dieser Koalition getrieben, sondern lediglich der Wunsch, die Arbeier- Nasse nicht ganz aus der preußischen Regierung verdrängt zu haben. — Wir wünschen ein« stark« Regierung, wir wünschen besonders, daß z. B. der Kultusminister(Hört, hört! bei den U. Soz.) stark ist gegen Lehrer, die etwa erklär-.m, daß sie nach dem Abschied des Kultusministers 5>aenisch wieder die alten monarchistischen Lese- bücher einführen wollen— wie ein Oberlehrer Im Hauvtausschuß de? Preußischen Landtages neulich erklärt haben soll. � Wir haben die Koalition nicht nach unserem Gefallen uns aussuchen können, das alte Wort Shakespeares hat recht: die Rot schafft sonderbore Schlafaeiellen.(Große Heiterkeit.) Es ist"die Not, die dieses Ka- binett schuf. Die Unabhängigen rossen sehr sorgfältig auf, daß das Kabinett Wirth nicht etwa durch die Opposition von rechts gestürzt wird, weil sie dieses Kabinett für das kleinere Uebel holten. Nach der Lehre vom kleineren Aebel erschien uns das fetzig« Kabinett in Preußen besser als das Kabinett Stegerwald-Dominicus. Möglich erscheint mir die Politik der Ein- hcit in der Mitte, wenn diese Einheit oui dem Boden der Revublik und der Demokratie feststeht. Am 14. Juni, im bitziosten Kampf geg vi das Kabinett Stegcrwald, habe ich unseren Standpunkt dabin umschrieben: wir wollen ehrlich mit allen zusammenarbeiten, die gleich uns Revublik und Demokratie wollen. Wir wollen schroff und stark alle Feinde der Republik bekämvfen. Di« neu« Regierung wird nur Bestand baben, wenn sie klar undiest aus r e p u b l i- konischem Boden llebt. Unter diesen Boraus'etzunpen ober glaube ich. daß die neue Regierung Nützliches für die breiten Massen der werktätiaen Bevölkerung wird leisten können. Im Grunde ge- nommen ist der Kamnf bie? eine Auseinanderletztzung zwischen denen. die wollen, daß das deutsche Bclt lebt, und denen, die wollen, daß es neu« schwere Leiden auf sich lädt. Für die Kommunisten ist es klar, daß der Uebsraong zur Röterepublik durch eine Hölle von Oval und Leiden führt, und für die Deuflchnationalen bot Herr HelUerich in feiner letzten Relchstoasred« erklärt, das deutsche Volk müsse lernen, mit Ehren unter?» geben. Wir aber wollen den Block derer bilden, die nicht wallen, daß das deutsche Volk unter- geht. Wir wollen, daß das Volk lebt.(Beifall bei den Soz.) Abg. Locker(Duat. Bp.): In Ungarn ist es gelungen eine Revision des Friedensvertrages In wichkigm Punkten durchzu- setzen(daß man das deutsche Burgenland womöglich weiter mad- gansieren kann! Red.). Dem großen deutschen Volk ist das noch nicht möglich gewesen. Denken Sie an die Türkei, an Irland. Stahl- harter Wille ist nötig. Der Ministerpräsident hat falsche Behaup- tungen über die Oberste Heeresleitung ausgestellt. Vergessen Sie nicht die verhängnisvoll« Revolution 1918! Dieses Kabinett ist kein Kabinett der Mitte, sondern der Linken. Ministerpräsident Braun: Nick/t die Revolution ist schul» am Zusammenbruch. Unsere Krast war in Wahrheit am 28. September 1918 bereits dal, in. Damals forderte die Oberste Heeresleitung binnen 48 Stunden den Wassenstillstand.(Hört, hört! links.) Hindenburq teiegravhierte, nach menschlichem Ermessen könne keine Macht den Feind a»fl>alten. (Erneules Hört, hört! links und in der MWe.t Die Revolution war nicht die Ursache, sondern die Folge des Zusammenbruchs.(Wider- spruch rechts.) Das Telegramm vom 28. weptember 1918 soll nun ein Irrlum gewesen sein! Kein Irrtum ist verhängnisvoller für unser Vaterland gewesen als dieser.(Zustimmung links.) Wenn ick einen W.llcn durchsetzen will, dann muß ich fragen, ob ich auch die Mittel dazu l>ab>?, sonst ist es ein unsinn iaes Unternehmen Das neue Kabinett wird eine ruhige und vernünftige Politik treiben.(Lachen rechts.) Früher, als es sich um freisinnige Beamte handelte, da wäre« die Deutschnationalen alles andere als Beamtenfreund«.(Sehck richtig links.) Abg. Dr. Leidig: Wir sind!n die Regierung hineingegangen, um zu reiten, was zu retten ist. Unter Zurückstellung mancher Wünsche, aber ohne unsere Prinzipien aufzugeben, wollten wir "diejenigen zulammensassen, denen die Festigung des deutschen und preußischen Staates am Herzen lieqt. Auch im R-ttche muß es zu der gleichen Koalition kommen. Auch die Sozialdemokraten habe« manches zurückstellen müssen. So erwünscht uns die Mitarbeit der Deutschnationalen in der Regierung gewesen wäre, so müssen wir doch zurzeit darauf verzichten. Damit schließt die Aussprache. Auf Antrag Linbcrtz(Soz.) wird die Abstimmung über"bie Anträge zur Vertrauensfrage bis zu? nächtten Sttiimg vertoot. Nachträglich auf die Tagesordnung gesetzt werden die Gesetz- entwürfe über �bänöerung öer SesolSungsgssehe. für Staatsbeamte, Lehrer, Handelslchrer usw. Nach kurzer Debatte werden unter Ablcbnuna der Abandr- rungsanträge die Borlnaen mit einer Ausschußentschließung enge- nommen, wonach dl- Zustimmung erteilt wird, weil die Notlage der Beamten eine sofortiie Auszahlimg dringend erfordert: eine weitere Nachprüfung der Besoldungsgesetze und der Bestimmungen über die Aufwandsentschädigung soll schleunigst erfolgen. Donnerstag. 17. November, 2 Uhr: Abstimmung über die An- träge zur Vertrauensfrage, Anträge zur Kärtoffelversorguug, kleine Vorlagen, Haushalt. Schluß k Uhr. �ussthußberatunaen. Entwurf eines LuftverkehrsgesetzeS. Im Reichstagsausschuß zur Vorberatung de? Entwurfs eines Lustverkehrsgesetzes wurde am Freitag zunächst vom Vertreter des Reichsverkehrsminisisriums ein allgemeiner Ueberblick über die gegenwärtige Lage des Luftverkehrs und der Luftfahrtindustrie, Ins- besondere unter Berücksichtigung des Friedensvertrages und des Ultimatums gegeben: hierbei wurde die Notwendigkeit begründet. das Luftverkehrsgeletz trotz der bestehenden Beschränkungen auch mit Rücksicht auf die mit dem Auslande abzuschließenden Derein- barunqen sehen jetzt einzubringen. Ueber die bisher mit fremden Staaten getroffenen Verein- barungen wurde kurz berichtet. Bei der Beratung des ersten Abschnittes des Gesetzentwurfes wurde insbesondere der ausreichende Schutz des deutschen Verkehrs innerhalb Deutschlands zur Svrache gebracht. Abg. Stsinkopf(Soz.) forderte eine rasthe Erledigimg der Ent- schädigiingsfrage im Interesse der Arbeitnehmer der Luitfahrtindu. strie. Regierungsseitig wurde eine möglichst rasche Erledigung zu- gesagt. ?sba. Delius(Dem.) vermißte eine hinreichend« Propaganda für den Luftverkehr seitens des Reichspostministeriums. Das Publikum fei nicht genüaend über den Luftpostvcrkehr und seine Veförde- rungszeitcn unterrichtet. Bekämyfunc; der Geschlechtskrankheiten. Im Reiehstagsausschuß für Vevölkerungspolitik wurde unter Vorsitz der Abgcordnetin Frau Schreiber-Krie�er("Soz.) der Stand der Vorarbeiten für den Gesetzentwurf zur Bekämpiung der Ge- schlechtskrankheiten besprochen. Bei der darauf folgenden Beratung von Petitiaucii referierte Abg. Mumm(Dnat.) über das B-rlanaen non drei Moabiter Schulen, daß die Ererzierplötze von Moabit für Turn- und Sportzwecke der Schuljugend freigegeben werden mögen. Notstandsmaßnahmen für Rentenempfänger. Im Sozialpolitischen Ausschuß des Reichstags wurde die zweite Lesung des Gesetzentwurfs über Notstandsmaßnahmen zur Unter- stützung von Rentenempfängern aus der Invaliden- und An- aestelltenversichcrung vorgenommen. 8 1 des Gesetzes wurde in der Fassung der ersten Lesung angenommen. Bei 8 2 wurden Zusätze gemacht, wonach entsprechend der Unterstützung in der Invaliden- Versicherung auch Zuwendungen an Empfänger von Ruhegeld oder Ltinterbliedenenrente aus der Angestelltcnvcrsichcrung zu gewähren sind, an Witwkn jedoch nur, wenn sie erwerbsunfähig im Sinne der Invalidenversicherung sind. Bei 8 3 wurde beschlossen, bei etwaigen Unstimmigkeiten die Festsetzung der Unterstützung tunlichst unter Hinzuziehung von Personen aus den Kreisen der Versicherten oder Rentenempfänger vorzunehmen.§ 5 Abs. 1 wurde in folgender Fassung beschlossen:„Erhält der Rentenempfänger in einer Anstalt lInvalidenheim. Altersheim) Wohnung und Verpflegung, so Ist an seiner Stelle die Anstalt berechtigt, innerhalb der aus 8 2 Abs. 1 sich ergebenden Einkommcnsgrenze Zuschüsse zum Pflegegeld zu verlangen, die aber nur bis drei Biertel der Gesamtbezüge des Rentenempfängers beansprucht werden können." Bezüglich' der Kasten wurde beschlossen, daß die Gemeinden 89 Praz. vom Reiche zurückerstattet erhalten. Weiterberatung: 13. November. Kommunistische firdeiSerschäöigung. Berlin, 11. November. Der Zentralbetriebsrat der Deut- schen Werke A.-G. in Spandau richtete an den Reichstag fol- gende« Telegramm: Mit Befremden haben der Zentralbetriebsrat und die Vorsitzenden der Betriebsräte der Deutschen Werke von den Aus- führungen des Abg. M a l z a h n(Kommunist. Red. d.„2.") Kenntnis genommen. Der Zentralbetricbsrat und die Vorsitzenden der Be- triebsräte stellen einstimmig(mit Einschluß der Kommunisten) fest. daß die Ausführungen de-s Abg. Malzahn über die Umstellung der Deutschen Werte in keiner Weise den Tatsachen entsprechen. In den Werten werden weder Kriegswaffen noch Kriegs» Munition angefertigt. Der Zentralbetricbsrat und die Vorsstzen- den der Betriebsräte Protest leren entschieden gegen die ent st eilende und arbeiterschädigende Darstellung. Malzaßn war offizieller Redner der kommunistischen Fraktion im Reichstag. Wenn auf feine unwahren Vehaup- hingen fußend die Entente bsl ihren Zerstörnngsforderungen beharrt, dürfen sich die brotlas gewordenen Arbeiter bei der KPD. bedanken._!« -____________________________ Z EeVerWmstsbewsgung Kn Sie Krbeiterschast Groß-öerllns! Die Kapedisten sind in größter Verlegenheit. Es geht ihnen alles zu ruhig ab. es kommt nicht zu den großen Aktionen, auf die sie bei jeder Gelegenheit spekulieren. Es war nichts mit dem 7. N o o e m b e r zu machen und auch nichts mit dem Plan, wenig- stens zum 9. N o v e m b e r die Arbeiterschaft durcheinanderzubringen. Auch der großangelegte Plan, zwischen die Betriebs- röte und die Gewerkschaften einen Keil zu trei- b e n, um so die„Einheitsfront des Proletariats" herbeizuführen, ist trotz aller„Entschließungen" gegen die Gewerkschaften im allge- meinen und die Berliner Gcwerkschaftskommisjion im besonderen vorbeigelungen. Es sind zwar Teilerfolge zu verzeichnen, allein sie sind kein rechter Ersatz für große Aktionen. Ohne„Aktionen" können die Kommunisten nicht leben und nicht sterben. Deshalb „Aktionen" um jeden Preis. In der niederträchtigsten Weise wird Mißtrauen gegen die Gewerkschaften gesät und versucht, jede vernünftig« Gewerkschaftstaktik zu durchkreuzen. Der Generalstreik war zu dem Zweck von der Berliner Gewerkschaftskommission und de?„Afa" beschlossen worden, um schon durch seine Ankündigung den nötigen Druck auf die Unter- nehmer im Gast wirtsgewerbe und die amtlichen Stellen auszuüben, zu ernsthaften Verhandlungen zu kommen und die Differenzen durch ein Schiedsgericht beizulegen. Beide Parteien hatten sich im voraus dem Spruche des Schiedsgerichts unterwor- fen. Mit dem Augenblick, in dem der Schiedsspruch abge- geben war, hatte der Beschluß des Generalstreiks seinen Zweck erfüllt und mußte daher ausgehoben werde». Er wäre durchge- führt worden, wenn es nicht anders ging. Als ein Akt der Not- wendigkeit, der in erster Linie die Arbeiter- und Ange- st e l l t e n s ch a f t in stärkste Mitleidenschast ziehen mußte. Für die KPD. mar die Aufhebung des Gencralstreikbeschlusscs wieder eine verlorene choffnung. Sofort schrie die KPD. in der„Roten Fahne", die Gastwirisgehilfen seien verraten worden. Da sich nun die Wiedereinstellung der großen, auf eine ganze Unmenge von EinzelbcHeben verteilten gastwirtschaft- lichcn Angestellten nicht so glatt vollzieht, wie es wünschenswert wäre, da einzelne Unternehmer sich offenbar nicht an die Verein- barungen über die Wied�reinftellungen halten, sucht der Be- zirksverband der KPD. auch hier wieder im Trüben zu fischen. Ihn als politische Organisation geht diese g e- werk schaftliche Angelegenheit, di? von d«n berufenen Stellen zu verkolgen und zu erledigen ist, absolut nichts an. Dennoch maßt diese Parteiorganisation sich an, einen Ausruf an die Ar- deiterschast Groß-Berlins zu richten, worin sie gegen die Gewerkschaftskommission den läppiscken Vorwurf er- hebt, hinter ihrer Drohung mit dem Generalstreik habe der Wille zur Tat gefehlt. Nicht als Mittel zum Zweck betrachtet sie einen Generalstreik, sondern als Selbstzweck. Die Sache der Gast- wirtsgehilfen aber ist dieser Gesellschaft als Mittel zum Zweck gerade gut genug. Jedwede Lohnbewegung, an der ein größerer Personentreis beteiligt ist, suchen die Kommunisten zu einer„Aktion zu fruktifizieren. Sic verdächtigen jedwede Maßnahme, jede Gewerkschaftsinstanz, dle solche Differenzen durch Verständigung und Vereinbarungen beizu- legen geeignet ist, als„Verrat der vroletarischen Interessen", als Mangel an Courage, als Feigheit. Die Gewerkschaften haben jahrzehntelang ihre Kämpfe geführt, die erforderlichen Ak- tirnen untcrnommen,«h» an eine kommunistische Partei zu denken war, ehe ihre Strategen ihre gegenwärtige noch ungespaltcne kom munistische Ueberzeugung entdeckt hasten. Das Münzstraßenprojekt der politischen Betriebsräte ist gescheitert. Nun sucht man sich des Apparates der g e w e r k- schaftlichen Betriebsräte zu bemächtigen, um ihn zum Zwecke der kommunistischen P a r t e i a g i t a t i o n zu mißbrauchen. chaben die Betriebsräte nicht sofort gestreikt, weil das Streik- Ultimatum gegen de» Magistrat nicht erfüllt werden konnte, so sollen sie jetz» auf B e f e h l d e r K a p e d i st e n zu einer Voll- Versammlung berufen werden, um einen General st reik zu inszenieren, der angeblich die Sache der Gastwirtsgchilfen, ihre Wiedereinstellung fördern soll. Bei all diesen Treibereien müssen wir den Kommunisten auf die Finger sehen und wenn sie gar zu skrupellos und niederträchtig manipulieren, ihnen schließlich auch einmal drauf klopfen, ihnen das schmierige Konzept verderben. Jeder Arbeiter, zumal jeder gewerkschaftlich organisierte Arbeiter und Angestellte muß sich zu schade dafür halten, zu den Parteizwecken der 5sapedisten sich mißbrauchen zu lassen; wir alle müssen es uns verbitten, daß mit unseren gewerkschaftlichen Jnter- essen von dieser Partei Schindluder getrieben wird. Die SPD- und die USBD.-Mitglieder der Betriebsräte müssen vor allem darauf achten, daß den kommunistischen Ouer- meibcrn in den Betrieben das Handwerk gelegt wird. Passive Resistenz nach dem Streikultimatum. Im Anschluß an den ergebnislosen Ablauf des Ultimatums an den Magistrat haben die Arbeiter im Städtischen Gaswerk Eharlottenburg beschlossen, einstweilen in passiver Resistenz zu verharren. Tie Arbeiter kommen zur Arbeit, ver- richten jedoch nur die dringendsten Rotstandsarbciten. Infolgedessen muß der Betrieb der öffentlichen Beleuchtung vorläufig eingestellt werden. Auch die Hausbeliefcrung wird in Mitleidenschaft ge- zogen, so daß oünstigstenfalls die Bewohner des ersten und zweiten Stockwerks notdürftig mit Gas beliefert werden. Der Betriebsrat wurde auf das Törichte des Beschlusses hin- > gewiesen, da nur für volle Arbeit Lahn gewährt werden könne. Außerdem ist die Gewerkschaft mit diesem wilden Streik nicht ein- verstanden. Auch fehlt die Zweidrittelmehrheit, die für einen Streit erforderlich ist. Die Städtischen Elektrizität»- und Wasserwerke sind nach wie vor in vollem Betriebe. Während sich die Belegschaften aller übrigen Betriebe zunächst damit einverstanden erklärten, daß am Dienstag erneut in einer vom Lohnkartell einberufenen Versammlung weiter beraten wird, glaubt man also im Gaswerk Eharlottenburg, eine Aktion auf eigene Faust unternehmen zu müssen. Ob in dieser Sache System liegt oder ob sie lediglich eine Spezialleistung der betreffenden Beleg-, schaft ist, entzieht sich unserer Kenntnis. Wahrscheinlich sind die Cborlottenburacr Eoswerkscirbeitsr von ihrem Betriebsrat, viel- i wehr dessen Hintermännern nur vorgeschoben. Man fordert irgend- welche Gegenmaßnahmen heraus und schreit dann über Bergewalti- qung, um an die Salidarität der übrigen Belegschaften zu appcllie- rcn, damit nur ja eine friedliche Regelung der Angelegenheit ver-! mieden wird. Es ist ein übles Spiel, das d» getrieben j wird. Im Crnstsalle bedürfen die städtischen Arbeiter nach wie vor der Snmpothien der öffentlichen Meinung, mindestens die! der Gewerkschaften und Angcstclltenverbände Berlins. Mögen sie darauf Bedacht nehmen und ihrer Gewerkschaft die Durchführung! der Lohnbewegung überlassen. Wir raten der städtischen Arbeiter- schaft, sich nicht aufpsttschcn zu lassen. ♦ Dem Bericht der BS.-Korrcspondenz entnehmen wir hierzu: Dem Vorgehen der Belegschaften der Gaswerke in Eharlottenburg hatten sich in der zweiten Rachmittagsstunde die Arbeiter der Gas- onstalten Schmargendorf und Lichtenberg angeschlossen ' und ebenfalls die Arbeit niedergelegt. Im Schmargendorfer Werk � erfolgte die Stillegung des Betriebes auf direkte Beeinflussung der Charlottenburaer Kasarbeiter hin, die eine Deputation nach � Schmargendorf entsandt hatten. In Lichtenberg wurde der Streik- ! befchluß in einer im Laufe des gestrigen Bormittaas abgehaltenen � Betriebsversammlung des Gaswerks gefaßt. Infolgedessen waren ' gestern abend die westlichen Bezirke Eharlottenburg, Wilmersdorf ! sowie Lichtenberg in Dunkel gcl'üllt, soweit die Straßenzüge mit Gasbeleuchtung versehen sind Auch in den Prioatbaushaltungen war die Gaszufuhr abgesrfmitten. In den übrigen Berliner Gas- anstolten wird man sich erst heute früh über einen eventuellen Streik schlüssig werden. Die Betriebsversammlungen in den Gaswerken Teael, Danziger und Eitschiner Straße beginnen heute bereits um 7 Uhr. S�d.-MstallarbeZter! Sonntag vormittag 9', Ahr in den Sophienfälen, Sovhien- slraße 17 13, großer Saal, Versammlung mit der Tages- ordnung:„Unsere Aufgaden noch Zeno und unsere Stellung in der Berliner verwoltuna". Referent: Kollege W. Siering. Mit- gliedsbuch des Verbandes und der Partei legitimiert. Der Fraktionsvorstand. Zum Streik bei der Beichsvcrsicherungsanslmt für Angestellte teilt das Direktorium mit, es babe mit dem Berwaltungsrat am 7. und 8. Juni d. I. eine neue Besoldungsordnung der mittleren und unteren Beamten aufgestellt, die auch die Zustimmung der Bc- amtenschaft gefunden habe.„Nachdem vor kurzem die zuständigen Reichsminister gegen die Ausführung dieser Besoldungsordnung, soweit die lebenslänglich Angestellten in Betracht kommen, auf Grund des Sverrgesetzes Einspruch erhoben haben, konnte vom Direktorium lediglich der Durchführung der Regelung für die nicht lebenslänglich Angestellten Fortgang gegeben werden. Demnach ist die Auszah- lung der für diese Beamten zuständigen Gehälter beschlossen worden. Trotzdem ist die Beamtenschaft in Kenntnis dieses Beschlusses in den Stseik getreten." Die Streikleitung erklärt hierzu; Die lebenslänglich angestellten Beamten lmben durch die Maßnahme des Direktoriums folgende Nachteile: Sie müssen erstens die vom Präsidenten Koch ausgefertigten Urkunden auf Beförderung zurückgeben, zweitens be- reits empfangene Gebühren, die ihnen ab 1. April 1920 zustanden, in vier Raten wieder zurückzahlen. Den nicht lehenslänglich Ange- stellten(mit vierteljährlicher Kündigung) wurde von den Regierung»- räten erklärt, daß ihre Cingruypierung nur unter dem Vorbehalt erfolge, daß die Kündigungsfrist bestehen bleibe. Die Streikenden sind der Auffassung, das Direktorium, ins- besondere der Präsident Koch habe es in der Hand, jede Willkür walten zu lassen, so daß die nicht lebenslänglich Angestellten sich mit den lebenslänglich Angestellten solidarisch erklärten. Räch monate- langem Verhandeln seien sie in den Streik getreten, weil sie die Der- Hinderung der Ausführung des Beschlusses des Verwallungsrats durch das Direktorium nicht länger mitansehen wollten. Verband der Buchbinder und papierverarbeller. Die durch De- schluß der Generalversammlung vom 19. August 1921 festgelegte Frist von 10 Wochen zur Leistung der R u s s e n h i l f e ist ver- strichen. Am Dienstag, den IS. November, ist der letzte Tag der Ausgabe dieser Marken. Jeder Kol- lege und jede Kollegin ist durch obigen Generalversnmmlungsbeschluß verpflichtet, mindestens 10 Marken(Koll-gen a 2 M. und Kollegin- nen a 1 M.) zu kleben. Wir erwarten die vollständige Jnnshaltung dieses Beschlusses. Zu der von der graphischen Arbeiterschaft veranstalteten Revo- lutionsfeier am Sonntag vormittag 10 Uhr, in der Brauerei Friedrichsbain sind noch Einlaßkarren zum Preise von 4 M. in den Bureaus der vier graphischen Aerbände zu haben. , Die Ortsverwaltung. Die Varmarbetter und-arbeilerinnen in Hamburg stehen im Stre>k wegen Lohndifferenzen. Zuzug rst fernzuhalten. Zentralverband der Fleischer. Lohnabbau auf den französischen Saargruben. Die Berhand- langen über den Lohnabbau auf den französischen Saargruben um 4 Franken, die bereits in der ersten Sitzung ergebnislos verlaufen sind, haben auch gestern keinen Erfolg gezeitigt. Die Arbeiter- Vertreter erklärten, daß sie den Lohnabbau unter keinen Umständen anerkennen würden, und das um so weniger, als die Saarregierung mit allen Mitteln auf die Einführung des Franken dränge und die Verhältnisse von Tag zu Tag schlechter würden. Nach einer Pause erklärte die Gruhenverwaltung, den Lohnabbau auf drei Franken zu beschränken; aber auch dieser Dorschlag wurde abgelehnt, so daß die Verhandlungen abermals ergebnislos abge- brachen werden mußten._ Nnhland- und Georgienhilfe. Z?ci der SewerksSilifwkommiffizn B-rllns und Umgegend gingen ferner fol- gende Beiträge in Merk ein: Deutscher Holzardeiter-Verbgud 17 evv, Unterkem- Mission Erkner I06K, Verband der Todakcrbeitcr IM«. Verband der Fabrik- arbeiter 15 OVO, Deutscher Eisenbabner-Terband 477,50, Tischlerei A. Ditngc: 55, Kegelklub„Lustige Brildcr" 275, Verein der Berliner Buchdrucker 10 000, Ver» band der ssleischcr 2000, Bezilksverband der USPD. 5455, Unbekannt 5, Orts- grupve Drcesen 20, Frl. Degelow 50, Iaser(Eisenbahner-Verbandl 152, Werner 50, Jngber 130, Köhler 16, Wilhelm Spart 10, Verband der Friseure 136, Kol- legen der Firma Bischossmerder 30. Verband der graphischen Hilfsarbeiter 808,45, Verband der Glasarbeiter ll 520, Verband der Schuhmacher 8000«, Pächtervcrein„Wilbclinsböhr II" 375, Bolksbildungsamt Reinickendorf 104, G. Müller, Lindenstrage, 2057,2«,„Fre'e Schwimmer" durch E. Schlich 10«, Ver- band der Tabakarbeiter 15««, Verband der gimmercr 90«, Deutscher Metall- arbciier-Vcrdand 15«««0, Küppers u. Grcpvoch durch W. Richter 200, Kartell Bernau i. M. 475, Deutscher Bauarbeiter-Vcrband 5850, Verband der Textil- arbeiter 3167,10, Verband der Dachdecker 473,50, Sammlung Pfarrer Blcier in der Bereinigung der Freunde von Religion und Pölkerfrieden 1920, Verband der Maler 1787,50, Verband der Gemeinde- und Stoatsarbciter 7. Rate 16 601.35, Verband der Asphalteure 515,10, Verband der Sattler und Tapezierer 7780,5«, Deutscher Transvortorbciter-Verband 32 ON«, in Summa 290 540,20 M., bereits quittiert 1 5V4 722,25 M., Gelamts-mm- 1 795 262,45 SR. Die S a m m c l l i st e n 63, 140, 469, 530, 1560, 2666, 3722, 4207, 4212, 4610, 4802, 4904, 5209, 5219, 5574, 5829, 8900, 8542 bis 8547, 945S, 9499, 9505, 9918, 5994, 14 093, 14 264 und 14 5009 sind verloren gegangen: wir bitten diese anzuhalten und im Bureau der GewerkschaftskommWon, Engciufer 24—25, l, Zimmer 12—13, abzugeben. Gelder durch die Post sind on die Adresse Hans Vicwcgcr, Berlin SO. 16,! Engelufer 24—25, zu richten._ Porteseuiller, Täschner und KofscrmnGer sowie die in dieser Branche iiitigen Buchbinder. Sonntag vormittag VelO Uhr Versammlung bei Boekcr, Weber- strahe 17. Bericht von den Lohnvcrhandlungen. Freigewerkschastlich« Betricbsrätczentrale. Die Betriebsräte werden ge- belen, die am 15. Rooember 7 Uhr in der Stadthalle im neuen Ratbaus, Stralauer Str. 65, stattfindende Bcrsammlnng des Vereins proletarischer ilin- derfreunde zu besuchen. Tagesordnung:„Die proletarische Erziehungsarbeit in Wien". Ref. Bürgermeister Genosse Winter, Wien. Deutsche? Wcrkmcister-Vcrband. Holzindustrie. Heute nachmittag 3 Uhr im Schultheiß, Neue Jakobftratze 24—25. Wetter bis Tonuta-i mit-ag. Zeitweise heiter, jedoch überwiegend bewöiit de: ziemlich Icharsen Oitlichen Winden und inagizcm Froit. Biel lach icichie Schnceiälle. j Wirtschaft Gegen den Sarkoffelnmcher.*■ Der preußische Staatskommissar für Dolksernährung hat einen Runderlaß herausgegeben, der folgendes ausführt: Infolge der ungewöhnlich gesteigerten Nachfrage nach Kartoffeln haben die Preise nicht unerheblich das Maß dessen überschrit« t e n, was selbst unter Berücksichtigung der Entwertung des Geldes und des Steigens der bei der Kartosfelversorgung entstehenden Un- kosten als zulässig bezeichnet werden kann. Eine solche Entwicklung entspricht in keiner Weise der wirklichen Marktlage. Auch die L a n d» Wirtschaft hat, wie seitens der«pitzenorganisationen der Land- Wirtschaft anerkannt ist, an einer derartigen Preisgestaltung kein Interesse. Der legitime Handel sieht sich durch die anormale Gestaltung der Preise in steigendem Maße veranlaßt, sich von dem Handel mit Kartoffeln zurückzuziehen. Daher dürfte ein schnelles Einschreiten und eine nachdrückliche Bestrafung in den Fällen, in denen einzelne durch nichts gerechtfertigte Preisfordeungen sich übermäßige Bermögensvorteile verschaffen, geeignet sein, abzu- schrecken und ein weiteres Anziehen der Preise zu verhindern. Die Frage, ob eine Preistreiberei vorliegt, wird nur von Fall zu Fall entschieden werden können. Ueber die Angemessenheit des geforderten Preises wird vor Einleitung eines Strasoersahrens das Gutachten eines zuverlässigen Sachverständigen zurate zu ziehen sein. Die Bemühungen, durch ein Zusammenarbeiten der Verbraucher- und Erzeugerorganisationen eine Besserung in der Versorgung der Bevölkerung mit Kartoffeln her- bcizusühren, sind mit Nachdruck fortzusetzen. Hierbei wird der Land» Wirtschaft und ihren Vertretern kein Zweifel darüber zu lassen sein, daß, wenn es nicht gelingt, eine ausreichende Versorgung der Be» völkerung zu erträglichen Preisen herbeizuführen, es notwendig wer- den wird, erneut zu Zwangsmaßnahmen zu greifen. In diesem Sinne hat die Konferenz der Ernährungsminister, die Ende Oktober in Oldenburg getagt hat, beschlossen, daß für den Fall, daß dringende Notstände in der Kartosfelversorgung eintreten sollten, seitens des Ncichsministeriums für Ernährung und Landwirtschaft eine Bestandaufnahme zwecks Vorbereitung weiterer gesetz- licher Maßnahmen für die Sicherung der Versorgung der Vevölke- rung vorzunehmen ist._ Am gestrigen Devisenmarkt schwankten die Kurse wieder außer- ordentlich stark. Die amtlichen Notierungen ergaben wieder eine Verschlechterung der Mark, und zwar stieg der Dollar von 272 auf 287, 100 holländische Gulden erhöhten sich von 9340 auf 9990; 1 Pfund Sterling von 1063 auf 1133; 100 Schweizer Franken von S194 auf S364 und 100 französische Franken von 2007 auf 2047. 964 Millionen Mark neuer Banknoten. Wie sich aus der Wochen- Übersicht der Reichsbank vom 7. d. M. ergibt, ist der B a n t n o t e n- umlauf weiter um 1082,3 Millionen Mark auf 926 10 Mill. M. gestiegen, während der Umlauf an Darlchnskassen- scheinen um 118,9 Mill. M. auf 7197, S Mill. M. a b n a h m. An papiernen Zahlungsmitteln zusammen mußten rund 964 Mill. M. neu in den Verkehr gegeben werden. Am Häutemarkt kam es am Donnerstag zu außerordentlich star» ken Preiserhöhungen. Die Preise der verschiedenen leichten Sorten zogen um 40 bis 60 v. H., einzelne sogar um 75 v. H., an, während schwerere Sorten um 25 bis 40 v. H. höher bezahlt wurden als auf der letzten Auktion. Jnfelae der schlechten Valuta steigen auch hier die Preise und treiben die Lcder- und Schuhpreise in die iiohe. Soziales. Schiedsspruch im Zlcrzleslreit. Ein im Reichsarbeitsministerium unter Vorsitz des Unterstaats- sekretürs a. D. Dr. Caspar zusammengetretenes Schiedsgericht hat in dem Streit zwischen den beteiligten Hauptverbänden der Aerzte und Krankenkassen folgenden Schiedsspruch gefällt: Vom 1. August bis 30. September 1921 ist auf das gezahlte Aerztehonorar ein nachträglicher Tcuerungszuschlag von 30 Proz. zu leisten. Vom letzteren Tage ab sollen für Berntungen beim Arzt 5,50 M., für Besuche beim Kranken 11 M.(gegenüber 4 und 6 M. nach Schieds- spruch vom 2. Juni 1920), für Sonderleistungen 40 Proz. Zuschlag zu den Mindest, ätztze» der neuen preußisäien Gebührenordnung ge- zahlt werden, weitere Ausschläge von 30 bzw. 40 Proz. für die Wegegebühren, ebenso Zuschläge von 30 und 50 Proz. aus die Ge- bühren wegen Zeitversäumnis. Die neuen Sätze sollen auch für die Behandlung der Familienangehörigen sowie für alle Fälle der Wochenhilfe und der Wachenfürsorge gelten. Die Erklärung der Parteien über Annahm» oder"Ablehnung des Schiedsspruchs muß bis zum 16. d. M. abgegeben werden. Vcrvntp,. für den redakt. Teil: Dr. Werner Peifer, Eharlottenburg: für An- zeigen: Tb. Glocke, Berlin. Verlag Boriväriz-Vcrlag G. m. b. H., Berlin. Druck: Vörwärts-Buchdruckerei u. Bcrlagsanstalt Paul Singer u. Ca., Berlin. Lindenstr. z. Hier»» 1 Beilage. aoslaM" Vaslilleo igel. gelchüvtt zu« vesinseklion der Mund- und RacheahLhs« besonder» bei l&FhktiO hesserkcil. ßal-cnizZndung. ver« wlMyC« schleimung. Erhältlich in den Apotheken u. Drogerie». al» Schusiinarke einge: ragen.— Por Nachahniung wird gewa-nt. 21-®. vorm. Apolheker Richard Brandl. Schaffhaus-a(Schmelz) und Singen a. hohrntwiel«Baden). Sdiatla ttldlfarbraw) Bingen a.Rh. Vertreter: C H. Bitzcnhofcr, Berlin W 50, Fürther Str. 3 •/lusgereift und köstlich- ür. 535<» ZS. Jahrgang Heilage öes vorwärts Sonnabenö, 12. November 1921 Die Mbeit öes Jeuerstrahls Das Meisterwerk der geflickten Strastenbahnschienen. Ein te6,nischcr Film, der das autogene SchroeiKen und Schneiden ansckou�ch aarstellt, wurde Interessenten in Berlin gezeigt. Eine große süddeutsche Seezblfirma hatte ihn zur Ver- anschaulichunz des Arbeiisoorganges in ihren Werken herstellen lassen. Berlins Straßen sind heute mehr wie je eine große Werkstatt. Technische Wunder entwickeln sich vor aller Augen, zwischen Wedding und Lelle-Alliance-Platz beim Bau der mächtig vorwärtsschreitenden Untergrundbahn, alltäglich im Kleingetriebe der ewig aufgerissenen Straßenbahnschienen. Der chastende staunt, daß das Eisen gleich einem Stück döapier ist, daß man es im Nu zerschneidet und zusanimenpappt, I trennt und verbindet mit dem Strahl einer Flamme, kaum großer als di« einer Kerze. Da liegen zahlreiche Notgleise auf den Straßen Berlins über die die„Elektrische" langsam hingleitet und an dem danebenUsgcnden Schienenstrang wird emsig gearbeitet. Dort, wo Zwei Schienen zusammenstoßen, ist ein Stück herausgeschnitten, um durch eiu neues ergänzt zu werden. Funken sprühen, das Eisen fliegt an den Berührunqsstellen zusammen, es bildet sich ein einziger, fest in sich gefügter Schienenstrang. Wie mühsam wurden die Gleise früher durch Laschen mitcinänder verbunden. Für Viele, die einige Augenblicke diesem Schauspiel zusehen, ist das nichts weiter als ein schöner Anblick. Wie dos Werkzeug entsteht. Welche Unsumme von geistiger und körperlicher Arbeit steckt in Viesen so unscheinbaren Apparaten, die das Eisen sprühen lassen, mit deren Hilfe es zusammengefügt und getrennt wird. In großen Fa- briken arbeiten Tausende von fleißigen Menschen an der Herstellung dieser Werkzeuge. Es wird nach den modernsten Methoden der Ar- i>eitsteilut:g geschaffen. Alle, die dort wirken, haben ihren Anteil an dem fertigen Werkzeug, das fast wie ein Spielzeug aussieht. In der Gießerei glühen die Oefen. Das flüssige Gelbmetall wird mit kleinen Tiegeln aus ihnen geschöpft und in die bereitstehenden Gießkästen, die die Formen wie ein eiserner Wall umschließen, gegossen. Sorg- fältig entfernt ein Arbeiter die Schlacke, die sich auf der Oberfläche des Metalles im Tiegel schnell gebildet hat und hält sie mit einer langen Stange während des Gusses zurück und das reine, leuchtende Metall schmiegt sich in dünnem Strom in die gewundenen Hohlräume und nimmt den Weg, der ihm von Menschenhand vorgczeichnet wurde. Alsbald wandern zahlreiche und zierliche Gußstücke in das Rohlager, werden dort in viele Fächer eingeordnet, um nach und nach in die Dreherei zu gelangen. An jeder Revolverbank steht«in Arbeiter, der das wechselnde Eingreifen der Werkzeuge besorgt. Unerbittlich heben und senken sich die Werkzeuge, gehen schnell zurück und fressen sich wieder langsam in das Arbeitsstück hinein. Die Materialstangen werden automatisch nachgeschoben, und dieses Spiel wiederholt sich in stän. digem Kreislauf. In dieser Maschine feiert der Geist des Ingenieurs seinen Triumph. Trotzdem aber muß sie ständig überwacht werden. -Die Wertzeuge nutzen sich ab, Schrauben geben nach: Ungenauig» keiten sind die Folge dieser Mängel. Besonders genau zu arbeitende Teile werden aber noch immer auf Drehbänken hergestellt, an denen geübte Dreher ihres Amtes walten. Mit feinsten Meßwerkzeugen tasten sie die Maße ihrer Arbeitsstücke ab und in der Kon' rolle werden alle diese Teile einer sorgfältigen Nachprüfung unterzogen, bevor sie zum Zusammenbau in die Montage gelangen, in der nun die vielen Modelle der Schweiß- und Schneidbrenner, die Reduzierventile usw. zusammengestellt werden. Der Maler gibt ihnen dann den legten Schllff: sauber lackiert wandern die Apparate in das Ausgangs- magazin. Dort werden sie verpackt und treten dann ihren Weg m die Welt an. In einem anderen Teil dieser großen Werke liegt die Sauersiosfabrik. 5zier wird der zum Schweißen und Schneiden des Eisens nötige Sauerstoff aus der Luft gewonnen. Die Luft besteht be- kanntlich aus einem Gemenge von Stickstoff(zirka 78� Proz.), Sauerstoff(21 Proz.) und Argon(mehr als � Proz.) Das Verfahren zur Gewinnung des Sauerstoffs besteht darin, daß die Luft zunächst unter hohem Druck völlig verflüss zt wird und dann unter Wiedergewinnung der zur Derflüßi- gung erforderlichen Kälte(200 Grad Celsius) einer Rektifikation unterworfen wird. Dabei verdunstet der leichter flüssige Stickstoff, während ein hochprozentiger Sauerstoff(SS Proz.) zurück- bleibt. In einer Panzerkammcr wird der Sauerstoff unter einem Druck von 150 Atmosphären in schlanke, aber starke Stahlflaschen gefüll:.(1 Atmosphäre ist der Druck von 1 Kilogramm auf 1 Ouadratzentimeter. Bei 150 Atmosphären drücken also auf jeden Ouadratzentimeter der Innenwände der Stahlsloschen?. Zent- ner.) Die Flamme schneidet und kittet. Die autogene Schweißung wird nun in der Weise vorgenommen, daß die Schweißstellen mittels eines Schweißbrenners durch eine Stichflamnie so weit erhitzt werden, daß sie bei dünnen Blechen zu- sammenfließen, während bei stärkeren Teilen ein gleichartiges Material eingeschmolzen wird. Die Flamme wird in der Weise er- zeugt, daß dem„Brenner" Azetylen und Sauerstoff zugeführt wird, wobei der unter hohem Druck stehende Sauerstoff das unter sehr geringem oder gar keinem Druck stehende Azetylen mit sich reißt. Die beiden Stahlflaschen, die man auf der Straße bei den Gleis- reparaturen sehen kann, enthalten also diese beiden Gase. In ähn- licher Weise wird auch beim Schweißen mit Wassergas an Stelle des Azetylens verfahren. Das autogene Schneiden erfolgt mittels be- sonders gearbeiteter Brenner. Die Schnittstelle wird hierbei mit der Schweißflamme auf Schmelztemperatur erhitzt. Dann wird die Azetylen- bzw. Wasserstoffzufuhr abgesperrt, so daß nur noch der Sauerstoff allein unter einem Druck von etwa S0 Atmosphären auf die Trennungsstelle einwirkt, wodurch eine sofortige Verbrennung des Eisens oder sonstigen Materials an der betreffenden Schnitwaht entsteht, deren Nachbarschaft jedoch nicht erheblich erwärmt wird. Zur Erzielung sauberer Schnittflächen hat die betriebsame Technik eine ganze Anzahl von„Fiihrungsmaschinen" gebaut. Da sind Maschinen, die gestalten, den Brenner in gerader Linie bis zu einer Länge von 4 Metern zu führen. Mit anderen werden sauber kreisrunde Löcher in das Eisen gebrannt, und wieder andere schneiden Profileisen im Winkel von 4S Grad. Dos autogene Schweiß- und Schneideverfahren hat geradezu eine Revolution in der Technik her- vorgerufen. Welch eine mühselige Arbeit war es früher, ein kleines Mannloch in einen Dampfkessel zu machen. Mit Bohrer, Meißel, Hammer und Feile wurde tagelang gearbeitet, um ein« Leistung zu vollbringen, die mittels des Schneidbrenners in wenigen Minuten beendet ist. Hinter den sprühenden Funken, die in den Straßen Berlins in den Abendstunden zauberhaft leuchten, verbirgt sich mehr technisches Denken, mehr Arbeit und Fleiß, als mancher ahnt, der sich des schönen Schauspiels freut. Luöenöorff in Serlin. Nach der Demonstration vom 9. November am Wiitenbergplag begab sich ein Trupp von etwa 150 Mann— meist Postbeamte— nach der Maahenstraße 29, um dort einem„hohen Herrn" ihre Ovationen darzubringen. In dieser Villa wohnt jetzt der Hasardeur des Weltkrieges, Luden- d o r f f, dem auch die Beamtenschaft ihr jetziges klägliches Los zu verdanken bat. Er ist dort Gast der Hauseigentümerin, einer ver- witweten Baurat Heckmann. Mit den wiederholten Rufen:„Hoch die deutsche Republik! Nieder mit dem Massenschläch- t e r L u d e n d o r f f!" setzte sich der Zug in voller Ordnung weiter in Bewegung. Die Schreckenstot einer Mutter. Unter''»v Anklage des kindesmordee. Eine Frau tötet ihre beiden Kinder. Was der Polizsibericht als Ursache bezeichnet, ist das Schreckensbild einer zerrütteten Ehe, unter dessen Eindruck die Frau, die nicht mehr Herr ihrer Handlungen war, das Verbrechen beging. Das Schwurgericht des Landgerichts III hatte sich mit einem solchen Fall zu beschäftigen. Angeklagt war eine Frau Auguste R. aus Lichtenberg. Die Beweisaufnahme entrollte das übliche Bild einer Unglück- lichen Ehe, in der der Mann behauptet, die Frau trage die Schuld, während die Frau wiederum alle Schuld dem Manne zur Last legt. Der Ehemann behauptete vor Gericht, daß seine Frau verschwende- risch gewesen sei und alles Geld für Naschereien ausgegeben habe. Die Angeklagte dagegen behauptet, daß ihr Mann ihr nicht ge- nügend Wirtschaftsgeld gegeben und alles Geld mit seiner Geliebten ausgegeben habe. Als Tatsache wurde festgestellt, daß der Mann an dem Abend, als die Angeklagte die jetzt zur Anklage stehende Tat beging, mit seiner Geliebten in einem Kino saß. An diesem Abend brachte die Angeklagte ihre drei Kinder im Alter von IW, 2'A und 7 Iahren wie sonst zu Bett und öffnete sämtliche Gashähne. Als der Mann spät nachts nach Hanfe kam. fand ei- die Wohnung dicht mit Gas gefüllt. Während die sofort angestellten Wiederbelebungsversuche bei der Angeklagten und dem siebenjähri- gen Mädchen von Erfolg waren, ver starben die beiden jüngeren Kinder. Die Geschworenen folgten den Ansfüh- rangen des Vertcidiaers und bejahten nur die Schuldfrage nach Tot» schlag unter Zubilliaung mildernder Umstände. Das Urteil lautete auf neun Monate Gefängnis bei bedingter Be» gnadigung._ „Verein" für eine Nacht. Vielen Tanzlustigen in Berlin und manchen seßhaften Zechern genügt die Verlängerung der Polizeistunde bis 1 Uhr nachts nicht. Um der Polizei ein Schnippchen zu schlagen, werden für einzelne Abende besonders„Vereine" gebildet, da diele ebenso wie geschlossene Gesellschaften nach der Gesetzgebung und Rechtsprechung keiner Polizeistunde unterliegen. Die„Zufuhr" von Gästen wird durch „Schlepper und Anreißer" geregelt, so daß sich die„Gründung" lohnt. Um die Polizei in ibrer Kontrolle solcher strafbaren Machenschaften zu unterstützen, haben die Verbände der Gast- und Schankwirte sich bereit erklärt, ihre Mitglieder anzuhalten, auch alle privaten Veranstaltungen polizeilich an zu- melden. Bei nachweislichem Mißbrauch der polizeilichen Eon- derstellung der Vereine und geschlossenen Gesellschaften wird vom Polizeipräsidenten auf Grund des äs 4 der Polizeiverordnung vom 27. August 1921 eingeschritten, wonach für einzelne Lokale die Po- lizeistunde allgemein auf 10 Uhr abends festgesetzt werden kann. Zur Reform der Lehrerbildung hat der Hauptvorstand der Arbeitsgemeinschaft sozial- demokratischer Lehrer, der soeben im Reichstagsgebäude zu einer Sitzung zusammentrat, eine Entschließung angenom- inen, in der festgestellt wird, daß der Hauptvorstand mit größtem Befremden von den Ausführungen des früheren preußischen Unter- richtsministers Becker im Hauptausschuß des Landtags Kenntnis genoinmen hat. Mit aller Entschiedenheit sei gegen das dort ver- treten« Programm einer„Lehrerbildungsreform", die in Wirklichkeit nur die alte Abseits- Bildung der Volksschullehrer verewigen würde, aufzutreten. Es wäre ein Verhängnis für die Volkshochschule und für unsere Schule überhaupt, wenn Preußen nach der Auffassung seines früheren Uuterrichtsministers Decker die „Führung" in der Frage der Lehrerbildung im Sine des Artikels 143 der Reichsvcrfassung und der hierauf gegründeten Beschlüsse der Reichsschulkonfercnz nicht aus der Hand nehmen läßt. Der Hauptvorstand kordert von der Rcichsregierung die sofortige Veröffentlichung ihrer Pläne für die Lehrerbildungsreform, damit die Lehrerschaft Gelcaenheit z» ausreichender Mitwirkung erhält. Er richtet aber zugleich an alle Mitglieder der Ar- bcitsgemeinschaft die. d r i n g l i ch e Aufforderung, auf der Wacht zu stehen und die Grundsätze für die neue Lehrerbildung den Unterrichtsministerien ihrer Länder gegenüber mit allem Nach- drucke zur Geltung zu bringen. Die Städkevertrcter im Berliner Rathaus. In den von der städtischen Borkoerwaltung mit Blattpflanzen geschmückten Fest- räumen des Berliner Rathauses fand gestern abend aus Anlaß der Tagung des Deutschen Städtctages und des Rcichsstädtebundcs ein zwangloses Beisammensein der Stödtevertreter statt, an dem auch geladene Gäste teilnahmen. Der Magistrat hatte, einem Brauch früherer Städtetage folgend, zu dieser schlichten Veranstaltung ein- geladen. Oberbürgermeister B ö h und Bürgermeister Ritter begrüßten die Vertreter der Reichs-, Staats- und Provinzialbehör- den, des Reichs- und Landtages im Senatorcnsaal. Ein 0rchesterabend der Schutzpolizei im Marmorsaal de? Zoo haüe unter Leitung des KapellineiilerS Clemens Scknnalslich eine zahlreiche Kunstgemeinde zusammengeführt. Das auS etwa 80 Be- Fräulein. Bon Paul Enderling. Aus der unteren Etage klang eine Zießharmonita her- auf, jauchzend und schmerzlich in langgezogenen Tönen, die kein Ende hatten. Sie sangen: Wie schön ist das Leben... Wie noller Bitternisse ist das Leben... Tante Tine kam mit dem Kaffee und dem Zucker.� Sie hatte einen ganzen Berg Kuchen besorgt und nötigte Fräulein und Eva Stück für Stück auf, bis sie nicht mehr schnaufen konnten. Sie unterhielt sie dabei mit ihrem Hauptthema: von dem Spender des Kaffees und Zuckers.„Sagt' ich Ihnen schon, daß er singen konte?" „Nein, das sagten Sie noch nicht." „Er konnte singen wie ein junger Gott. Im Männer- gesangverein, im Kirchenchor und bei anderen Gelegenheiten hat er die stärkste Stimme gehabt. Und der Superintendent hat damals gesagt:„Sie sollten was für Ihre Stimme tun, mein Lieber, es ist ja ewig schade drum." „Tat er denn etwas dafür?" „Nichts. So Tnd die Männer." Sie klagte lange über die mangelhafte Ausbildung dieser Stimme, die ihr etwas Ueberirdilches gewefem„Und dann mußte der Aermste ja fort, und ich siste nun hier als altes Tantchen." Fräulein lobte den Kuchen, um doch etwas zu sagen. 2lber sie bereute es gleich. Denn sie mußte nun noch ein Stück pro- bieren, wenn sie die Gastgeberin nicht schwer beleidigen wollte. „Ist der Kaffee nicht köstlich? Sie haben noch gar nichts über den Kaffee gefagt, Fränlcinchen." Er schmeckte wie ge- trck.tes Stroh. Er stand ja schon dreiviertel Jahre. Und der Zucker haste merkwürdige Nebengerüche aus dem Schlaf- Zimmer, io nach Toiletteneffig und Pomade. Fräulein lobte schnell alles..,„ „Finden Sie, daß Tbea'brcn Bräutigam gut behandelt? Nein sie sollte anders sein. Sie ist viel zu fidel. Eine Brout muß ein bißchen gerührt sein. Sonst ist sie gar keine richtige Braut."_ Sie hatte recht. Thea war kein«„richtige Braut". Sie bummelte wieder mit ihren Freundinnen die Langgasse auf und ab und ließ Henning zu Hause warten. Und wenn sie von der Hochzeit sprach, die näher rückte und ja nun wegen des Todesfalls nur klein ausgerüstet werden konnte, sprach sie, als ginge es sie eigentlich gar nichts an. Den armen Henning kommandierte sie hin und her, fand aber, wenn auf ihn die Rede kam, allerlei gute Eigenschaften an ihm zu entdecken. „Und Hermann? Was ist mit Hermann? Man sieht ihn ja gar nicht mehr. Die großen Ferien sind doch noch nicht zu Ende." „Er ist auch zu Hause nur bei den Mahlzeiten." „Vorige Woche sah ich ihn auf dem Langen Markt im Weinlokal sitzen, ganz vorn am Fenster mit seinem Freunde aus Berlin und zwei Damen. Sie sollen Schauspielerinnen sein." Den letzten Satz hauchte Tante Tine nur. Mit dem Begriff „Schauspielerinnen" verband sie ein Bild von schwüler Ver- führung und entarteter Verderbnis. „Das sieht Hermann eigentlich gar nicht ähnlich," sagte Fräulein. „Und wo hat er nur das Geld dazu her, ich bitte Sie! Äulius gibt ihm doch keins, weil er nicht mit ihm abrechnen wollte." Fräulein dachte an den Abend im Zoppotcr Garten und an Cäsar Iustitz.„Das weiß ich auch nicht." „Und wir hatten schon immer Angst, er würde sich in Sie verlieben, denken Sie nur." „In mich?" Fräulein wurde doch verlegen. Tonte Tine nickte näher.„Ja. Es wäre ja kein Wunder ' gewesen: Zwei hinge Menschen so dicht beisammen—" „Aber das ist doch noch kein Grund, sich zu versieben." Tante Tine legte ihre breite, knochige Fubrmannshand auf Fniul-uns Rechte.„Er bat nach Ihnen geschielt und ge- blinkert. Das fühlt ja ein Blinder mit dem Krückstock. Und ich habe schon solche Angst gehabt—" „Angst? Aber dos ging Sie doch nichts an." Fraulein lächelte. Ein bißchen Uebsrmut blitzte in ibren Augenwinkeln. „Es ging mich wohl an. Denn dann hätte meine Schwä- gerin Sie ja entlassen müssen." „Ach so!" „Ja," si'hr Tante Tine gemütlich fort,„ein Fräulein, � das dem Sohn vom Hans den Kopf verdreht, kann sie doch nicht im Haufe behalten." Fräulein schob ibren Teller mit einem Ruck zurück.„Wenn er nun aber um mich angehalten und ich Ja gesagt hätte?" fragte sie kampflustig. „Ach Gottchen, daran war ja doch nicht zu denken. Ein junger Mann aus so guter Familie!" „Wissen Sie, ob meine Familie schlechter war?" „Ich will ja nichts gegen Ihre Familie sagen, behüte. Aber Sie sind nun doch mal in Stellung. Und Unterschiede müssen nun ja einmal sein. Sie hüstelte und versuchte zu lachen. Ihre gelben Pferdszähne wurden in ihrer ganzen Größe sichtbar.„Sie haben doch auch so'ne gute Stellung. Und wenn Sie mal alt werden wie ich. werden Görkes schon für Sie sorgen. Für mich wird ja auch gesorgt." „Also Sie meinen, ich werde einmal so leben wie Sie?" „Hoffentlich, mein Kindchen—" Sie sprach den Satz nicht zu Ende. Fräulein lehnte sich im Sofa zurück und lachte... lachte, daß ihr die Tränen über die Wangen liefen.„Fräulein bleiben, mein Leben lang?" Sie sah Tante Tine an und dachte an dieses zwecklose, un- fruchtbare, aussichtslose Leben. Aber war es denn nicht mög- sich, daß sie Recht behielt? Hatte Tante Tine nicht auch ein- mal von Liebe und Glück und einer bunten Zukunft geträumt, ehe der Aschenregen des Lebens all ihre Träume verschüttete und vergrub, daß sie unkenntlich, unförmig wurden? Und wieviel Jahre trennten sie denn von der da drüben? Ein vaar Iahrzebnte. die so schnell vergehen. Und heute batte Fräulein sich vor dem Spiegel das erste graue Haar ausgerissen. Als Fräulein daran dachte, wurde ihr Lachen stiller... Vielleicht wanderte sie ibr Leben lang von SteTma zu Stellung, von einer Familie Görke zur anderen, von Demüti- gung zur Ernicdrig'mg. einen ganzen langen Schmerzensmeg entlang, um in Lächerlichkeit und Elend zu enden— wie diese da. Wenn sie nicht vorder entgleiste, wie so viele... so»'W- Nein, verlieren würde sie sich nicht. Dazu seblten ibr das leichte Blut und die leichten Flotterflügel— leider, bäste sie fast gedacht. Ein inneres Schwergewicht hielt sie. Sie würde ein braves Mädel bleiben. Bis zuletzt, obn' ihr Verdienst und Würdigkeit. Und sie würde alt und häßlich, vielleicht auch ver- bittert, gallig und schrullig werden. Keiner würde glauben. daß sie auch ein Liebesleben gehabt, das ihre junge Seele ausgefüllt hatte. Keiner würde ohne Lachen daran denken. daß je ein Mann sie geliebt und still umworben habe. (Forts, folgt.) nmtcn ßeflc�fnic Orchester rief durS seine Wiedergabe der schwierigen Tonbilder der maurischen Rdaviodie von Humperdinck groszen Beiiall hervor. Auch die �u Gehör oebrachlen anderen Orchesterwelke bewiesen, daß die instrumental» Durchbildung schon jetzt auf noch größere künstlerische Darbietungen diese-Z jüngsten Berliner SinsonieorchesierS hoffen läßt. Auf Abschnitt„H" der Grost-Berliuer Kebcndmittelkarte cnt> salien d 0 0 Gramm a m e r i t a u i s ch c S A e i> c n m c Ii l zum Brcise»on n, 8 0 Sit.(7,2ö M. je Kllogr.). Die Ausgabe erfolgt ohne Voranmeldung in der Zeit vom t2. bi» r!S. Novcniber at in den durch blaue Aushängeschilder lennllich gemachten VeitausSftellen, b> in den Verlaussilrilen der Meierei C. Bolle, r) i» den Vertauststellrn der Koulum- genollenickiast und des Bconilenwiilschaltsvereins für deren Mitglieder. Kien Händler, die Mehl ans Marken veiabsolgen. das nicht vom Magistrat Veilin geliesert wordcn ist. hoben sliajrechtlichc Bcrsolgung zu geivürligen. Tas N�xtrovol-Vartet�-Kabarett wartet mit einem neuen und bcachtenZwerleii Programm aus. In dieser Irrster: Zeit dachen dervorzu- zaubern rst nur darrkenSivert. Max Marzctli belourml es rertig. Der Aame 2 a ch h i l I c n w o l s s lägt zrvar an eine Vaiictsiuimmer zweiten Rang'« denten, aber der Komiker, der nach drm bekarrrrlen Rezept: Du tollst und»ruht lachen! arbeitet, zwingt sein Pudlikirm doch. K ä I lr c und Nilti lanzerr apach sch mit Ausdruck und Rassrnement, die Tänzerin Erna A n r e iu, je nachdem, ein holder Tä inetiertrna oder«irr luiliqer Kobold. Erara Wartmus gar zaubert mit Tanzgeslcu der Zchönbeit Telig» keilcu berab. Die 4 Millens offenbareii bewuudernsivcrte schöubcit des nrenschilchk!, Körpers in edelsten Posen. Riax Lovereign spielt sabelhaft sicher Drabolo. Alles in allem. Dank der Regte Ziegmuud glato.vs, cm echt grogslädttscheS gediegene« Programm. Wucheröebatte im Reichstag. Srsß-öerliner partesnachrichten. heule, Sonnabend, den 12.?rose,nber: tlhnrleitenburg'Lgandori. Juristische Epecchstunde jeden Sonnabend vo» 5 bis 6 Uhr im Jugendheim, Slosinenstrahe«, vorn 1 Treppe. Aeitungsquittung, Porlei- oder wewerischl-ftsbuch legitimiert. 8S.!t!bt. Steglitz.« Uhr Agitotions-Ausschub»S>tzung bei Ltoroasscr, Stephan- straß« l. Ng.ozraliste». Arbeitsgemeinschaft. 7>4 Uhr Gcmeindeschul: Stragmonn- brahe 6,„Sturm» und Drangperiode in der Sucratur".— Sonntag von t Uhr ab Heimabend im Jugendheim des Ostens, Er. Frankfurter Str. I«. Morgen, Sonniag, den 13. November: IS. Abt. f früher 43.). 7)4 Uhr Sitzung sämtlicher Bezirlsführer und Betrieb». vrrirauensleute bei Giebel, Pantftr. 3. Erscheinen sämtlicher Genossen drin- send erforderlich. »4. Abt. Früh 9 Uhr Defichtiguiig der Gasanstall Danzigcr Etratze. Treffpunkt vor dem Henprporlal. A. Abt. 9i4 Uhr bei Goldschmidt, Eiolpische Str. 86. Wichtige ttcnferenz aller Abteelunassunktionäre. Erscheinen Pflicht. 4«. Abt. ftäpeniik. S Uhr bei Stippckehl, Schön-rlind-r Str. s. Funktionär. konferenz. Iungsozialiste». Gruppe Pankow. Besichtigung de» Schlotzmuserrm«. Tresf- punkt 8'4 Uhr im Jugendheim, Breite Stratze r.2. �ugenüveranstaltungen. verein Arbeiter. Zugend. L-kr-tarta»! EW. 6». lllndrustr. 3, 2. Hos link. 2 Treppe» richts. Telephon: Sipl. lbl bS-t«. Morgen, Sonnlag. den 13. November: .. Wanderung nach Erkner— Strausberg. Treffpunkt 7 Uhr Bahn» ' j?efundbrnnn«».— Schtzneherz I. Wanderung»ach dem ütonnenflieh. Treff, Punkt Eannabend, den 12., Bahnhof Schäneberg.— Sitden. Sauderung nach Strausberg— Erkner. Treffpunkt 7 Uhr Moritzplatz(Normaluhr). Arbeitersport. Frei« Tnruerfchast Echtzncterg.Berll». Sonnabend 7 Uhr Sitzung de» Turnrat«, Eesclllgieitoausschussr» und der Turnwarte Riederrvallstrase Ib.— Sonntag 9 Uhr vormittags Generalprobe Prinzcnltr. 79(Moritzplatz).— Fuß. ~~'' com ball-Bdteiluna Echdncberg. Sonntag Äetlfpiel argen Froh-Frei' auf Jugendbeimplatz I» Schön-b-rn pugenovermplatz IN Schoneberg. Fußballfpieje»er Stärk ilche,,«viel. tag, den 19. November, nachmittags 2)-> in vk"">-----_..._ Berclulgvng(Groß. Berlin) cm Sonn- ,....... g» 2)4 Uhr. Oderivreo— Luckenwalde l(114, Uhr) in Obcrschönewerde, Ctädt. Spielplatz Wuhlheidc: Tichte-Gesundurnnuen— Sparta in Reinickendorf, Thuncr Straße am Schuserfee: Tcutonia.Zlenkäll Neukälln, Tcmpclhafcr Feld; � 1 m-----~l '~ rße. Ecke Neukälln— Merkur in „.,........ Turnverein Pankow— Riistig-Lormärt, tn Pan- kow, Trroler Straße, Ecke Andreas.Hoser.Platz! Union— Braudenburg in Pari. kow, Gemcindesportplatz Pichelsrverder: Viktoria— Adle? 9? Irr Tencpeldof, am ltanal, Nähe Ordenameistcrsiraße: Weißenfee- Lichtenberg I in Aeißensee, "'"'........ ichterseld Nennbah»! Froh.Fre!— Schäneberg in Lichterseld«, Tel'.ower Straße am Park. friebhof! Nordiaka- Frifch.Frei in Weißensoc, Trabrennbahn: Dorusfia— No» wawcs in Reinickendorf, Gcniclndcfporlplatz(Rathaus): R. B. E.— Steglitz in Reinickendorf, Schillervromenade: Luckcnwoide— Neukälln in Luckenwalde, Ber- kendriickcr Etrabe. Um 12,45 Uhr spiele» die?. Mannschäfien. Spieltermine dee Freie» Sockey.Pereiniguu.g am Sonntag, den 19. Novem» ber. Spielplatz Schänhaufer Allee, Gaudirstraße: Roland I— Moabit l von 9 bi» IOs-4 Uhr, Schröder— Jahn: Fichte 12 I— Gharlatkenburg I l'/a— 3 Uhr. Tefch— Schwarz: Lichtenberg lic— Fichte-Lst> S—i'i Uhr, Preißiger— Evcrt. Spiel- Pietz Lchonholz, Naschdorfftraße: Schänholz I— Lichtenberg I 2)4— 4 Uhr, Rlchler— Dubfc. Lorher II. Mannschaften. Ter Arbrlter.Schrrimmoerein„SLb-vst' veranswltet Sonntag, den 13. Ro, »ember, nachmittags 9 Uhr, im städlische» Hallenbad an der Schilling»drilcke m..■- he» Fcstfälcn de» sein diesjähriges Hcrdftfchwimmfest. Die Nachicler jindet in di Luisen-Thealer», Reichenbcrger Straße, statt. Ter Albeitcr.Alhleten.Bnud kÄrci» 4, Brandenburg), veranf t�g, �den 12. November, seinen djessil veranftelirt am Sonn» ..W........ gen großen Artisten-Wettslreit im GeseNschcstshaua, Wiclesfitraße 2>. Go Haien sich 22 große Eckiau» >. Ummern gemeldet. Da» Schiedsgericht wird gestellt von den ltollegcn der In» ternationalen Artisten-Loge. Anfang des Acttslrcit» pünktlich 4 Uhr. Brbciier.Radsehrcr.Bcrein„Groß-Bersin'. Sonntag früh 3 Uhr. Tour wird am Start bekanntgegeben: nachmittag 1>4 Ubr Mchlsdors.Sild(Kielemal) thrrtoffel. und 5zerinxstonr. Mittwoch, den 15., Bußtag, gemütliches Äeisam. mcnscin bei Piltzing, Neukälln, guldastr. 31. Tonristcnvcre!»„Die Nctr.rsrennde". Fahrten am Sonntag, den 18. Ra- »ember. Abt. ZieuköllN! Malchow— Nonnenslieb, Abs. Sonnabend 2�35 Uhr vimber. Abt. Rcutölln: Melchow— Noniiensließ, Abs. Sonnabend 3,35 Uhr R> hnhof BorfC! Abt. Norden: Strausberg— Faulenke«, Abf. 5,39 Uhr Nlceonder- pbatz-Bahnhos: Adl. Wedding: FTkilenIrug— Krämer, Abs. 6.29 Uhr Lehrter Mtienau, Ziordbohnhof: Abt. Mitte: Fvrsienwalde— Nauen, Abf. 7 Uhr Stralau-Rummelsburg: Abt. Lichtenberg: Erkner— Nobcnwall, Abs. 7,99 Uhr Stralau.Nummelsburg: Abt. Gharloltenburg: Kaulsdorf— Heidcse«. Abf. 9,45 Uhr Bahnhof Roo: Kinbersahrt: Rüdersdorf— Erkner, Treff». 7 Uhr Bahnhof Uedding und Bahnhof PnttlitzNraße. Albcitcr>N»dkahrer.Bu»b„Eollbaritöd'. Mittwoch, den 15. Zlovember. steankenftr. 19, abends TA Uhr Touren für Sonntag, den 19. und 1. Abt. Mandolinrnkonzert in der Lchulaula, 2. Abt. Wursteffen im Fctdschlkißchen, Maricn. Planufcr 59, Eck« Wilmsstraßei Mittwoch, of, nachmittag» 4 Uhr. 3. Abt. Küpe» __________________ W>>»>.fl<>er Platz, Kirche: Mittwoch, den IS., Eedenktafelrnthllllung für unsere krirgsgefallene» Bundesgenossen im Grünauer Garten, abends 6 Uhr. Erscheinen fämllichec Adteilungsmitglieder iü Ehren- fache: Sonnabend, den 12., Kortossel. und Heringetour»ach Johannisthal bei Pota, Stubcnrauchstraßs, Start 6 Uhr abends Lausitzer Platz, Kirche. 4. Abt. Pota, Stubcnrauchltraß», Start 5 Uhr abends Laustd Mahlsdorf, Rathausbürrn, Start 1 Uhr Meineler Park. 5. Äbt. Birienwerder (Japan), Start 1 Uhr Comtureiplatz. 6. Adt. Runtgenthal(Marr). Start I Uhr Kopenhagener Str. 26. 7, Abt. Wittenau(Eberhardt), Start 1 Uhr Kolonie- straß« 147; Mittwoch, den 16., Herren, und Aamentour, Fiel am Startplatz 1 Uhr. 3. Abt. Hakenfclde bei Spandau, Slart 1 Uhr Waldstr. 8. 2. Abt. Kehlendorf, Karlstr. 12, Start im Sitzungslokal, jetzt Schulftr. 114. 16.«dt. Sonnabend, de»"*' HeMaaSawa: Parkrestaurant. Bahn. II. 1 Uhr. 12. Abt. ihr. 12. Abt.(Motorfahrer). Beßchtsgung dcö Bau- und'Perk-hrsmuscnm», ffpu-""-— c-----(------------ 1 Treffpunkt 11 Uhr Haupteingang ZnvalidenNraß ''"!t— Birk> o WWW.�WWW. vrtsgr. Pankow, schnitze! iagd Summt— Btrlrnwerder, End'tel Glienicke(Nordbahn), Start 12 Uhr mit. tag, Florasir. 24. Ortsgr. Oberschöneweid«. Kartoffel» und Heringstour nach Ahrensseldc lSchneider), Start 1 Uhr Eiemenastraße 28. Im Reichstag wurden am Freitag zunächst Anfragen' er- ledigt. Dabei wird die Beteiligung der Reichswehr an den Bei- sctzungsfcierlichkeiten für Ludwig Witielsbach damit begründet, daß dcm gewesenen Eeneralseld Marschall die militärischen Ehren erwiesen wurden.— Dem dänischen Dichter Andersen Rexö ist die Einreiseerlaubnis nicht verweigert worden. Das Zlus- wärtige 2lmt hat die Gesandschaft in Kopenhagen angewiesen, ihm zu dcm gewünschten Termin, zum 1. Dezember, die Einreiseerlaub- nis zu erteilen.— Büsten Wilhelms II. sind aus den Dienst- räumen des Reichsgerichts entfernt. Das Gesetz über Roistandsmabnahmen zur Unterstützung von Jnvalidenrentenempfängern wird dem Sozialpolitischen Ausschuß üderwiesen. In der zweiten Lesung der dritten Ergänzung zum Besoldungsgesetz wird das Gesetz nach mehreren Wechsel- reden zwischen Frau Zietz(U. Soz.j und einem Rxgierungsvertreter gegen die Stimmen der Unabhängigen und Kommunisten an- genommen. Abg. krätzig fSoz.) begründet eine Interpellation negen die Preissteigerungen und den Wucher mit deuischen Waren. Nicht eine Well«, sondern eine ch o ch- f l u t des Wuchers bricht über da» deutsche Boll herein. Es ist charakteris isch, daß der Ruf nach Regierungshilfe jetzt selbst von denen ertönt, die geholfen Haben, alle Dämme fortzureißen. Es ist eine maßlose Heuchelei, wenn die Rechtsparteien in einer Anfrage den Schutz des Reallohnes fordern, denn f i e haben die Lohn- und Gehaltsempfänger durch die Freigabe der Wirtschaft in diese Lage gebracht. Der demokratische Abg. Külz hat kürzlich gesagt, wenn er diese Folgeerscheinungen vorausgesehen hätte, so hätte er bei der Freigabe der Wirtschaft nicht mitgemacht. Die Reichstagswahl machten Sie(nach rechts) unter der Parole: Für die freie Wirt- fchaft. die alle Preise sinken lasten wird! Das Volk kennt jetzt die Segnungen der freien Wirtschaft und es droht eine Panikstim- mung, der die Regierung unbedingt vorbeugen muß. Di« Ermah- nungcn des Ernährungsministers an die Landwirtschaft haben gar nichts genützt. Die Gsstchungskaften für Kartoffeln z. B. können im ungünstigsten Falle SS bis-tO TO. betragen, der Großhandelspreis betrug aber im Oktober schon 73 bis 73 TO. Daran ist nicht die unorganisierte Nachfrage schuld, sondern die organisierte Zurückhaltung des Angebots. Die Zwangswirtschaft der Reichskartoffelstelle ist ersetzt wordcn durch die Zwangswirtschaft des Landbundss. Wie waren die Verfchie- b'.maen von Kcmtoffsln ins Ausland möglich? Wir warnen den Ernährungsminister, sich mit Worten zu begnügen: es darf nicht so weit kommen, daß die Bevölkerung zur Selbsthilfe greifen muß. Der Gipfel der Unmoral ist die Ausnutzung der Gstreidefchieberei in Bayern zu politischen Zwecken. Nicht norddeutsche Juden, son- dern die Christen des Dr. Heim haben nachgewiesenermaßen in Bauern das Getreide aufgekauft,(chört! hört! links.) Sie haben 6 Proz. Provisiion bekommen. Die freie Wirtschaft hat Bankrott gemacht.(Unruhe und Widerspruch rechts.) Sie meinen nicht? Dann waren also die Preissteigerungen Zy? Ziel bei der Aufhebung der Zwanaswirtfchaft. Damals sagten Sie freilich. Sie wollten damit die Preise senken. Ueber einzelne Maß- nahmen zur Bestcrung der Lage werden wir im Volkswirtschaft- lichsn Ausschuß beraten. Die Verantwortung tragen die An- bänger der freien Wirtschaft— wir haben rechtzeitig gewarnt. Der Preis des freien oder bester gesagt Wuchergctreides wird auch zur Gsfcchr für den Preis des Umlagegetreides, der bisher gerecht war. Die Regierung muß dafür sorgen, daß das Umlagegctreide bis zum 31. Dezember abgeliefert wird, sonst erhäst ste es nie! Mit den Unabhängigen fordern wir Erhöhung der Mshlration und der Um- lagcgctreidemenge. Arbeiter und Angebellte können du- jetzigen Preise nicht zahlen, denn Löhne und Gehälter(z. B. der Beamten- besoldung sind nur um das Bierzehnsache, die Lebensmittelpreise sind aber um das Bierzigfoche gestiegen! Dabei müffen die Sozialrentner und Kriegsinvaliden verhungern. Die Rechtsparteien fordern immer Annäherung der Preise an den Weltmarktpreis, verschweigen ober, daß in Amerika, wo d«r Wrllmacktprcls herrscht, auch Ivettmarkklähne gezahlt werden. Und von einer solchen Steigerung der Löhne wollen Sie nichts misten. Bon einer Notlage der Lendwirtschaft kann nicht die Rede sein. Die Landwirte können sich jeden Luxus gestatten, wie der„Lokalanzeiger" Ende vorigen Jahres schrieb. Dageaen sind in Sachsen 30 Prozent aller Schulkinder stark unterernährt. (Hört! hört!) Der Konsum an Nahrungs- und Beklcidungsmitteln ist nach amtlichen Angaben überhaupt stark zurückgegangen. Und dabei will man noch den Achtstundentag abbauen! Die Betleidungs- not ist eine Folge der Zwangswirtschaft der Kartelle, die alle Be- triebe, die da nicht mitwuchern, vernichten. Die einzig wirksame Slbwehrmaßnabme. die Versorgung der Arbeiterschaft mit Kleidungs- stücken durch die Worenvcrteilungssiklle der Gewerkschaften, ist jetzt auch gefährdet, weil die Regierung den Sewerkschafteu den ZS-ZNillionen-Sredlk gekündigt hat.(Lebhaftes Hört! hört! bei den Scz.) Das benutzen die Liefe» ranten als Vorwand, um sich ihren Pftichten zu entziehen. Die Kündigung dieses Kredites muß unbedingt zurückgenommen werden. (Sehr wahr! links.) Wir fordern auch eine paritätische Zusammen. setzung der Außenhandelsstelle und stärkere Rücksicht bei der Cr- teilung der Ausfuhrerlaubnis aus den Bedarf der Verbraucher. Auf die Dauer wird der ganzen wucherischen Preispolitik der Boden zu entziehen sein nur durch die Mittel, die in unserem Görlitzer Pro- gramm angegeben sind. Aber schon jetzt muß die Regierung zu schleunigen Maßnahmen schreiten, wenn ste unserem armen Volk beistehen will.(Lebhafter Beifall bei den Soz.) Nach einer Rede der Abg. Frau Wurm(U. Soz.) spricht Neichsernähriingsininister Hermes: Die Zwangswirtschaft kann heute nicht mehr aufrechterhalten werden. Di« Zwangswirtschaft mußte versagen, da sowohl Er- zeuger wie Verbraucher an ihrer Zerrüttun!- jahrelang zusammen gearbeitet haben. Nach meiner personlichen Auffastung ist die Umlage nur ein Uebergang. Aber die Regierung kann heute noch kein Urteil über die verhält- niste des Lahres 1922 abgeben. Stände unsere Mark noch so wie im Juli, so wäre heute kein Anlaß zu dieser Debatte. Bis zum September sanken die Preise für Getreide, dann stiegen die Preise I ständig. Dazu kam geringere Beschickung des Gctreidsmarttes in» I folge der Erntearbeiten. Die Preise. 600 bis 800 Mark für den i Doppelzentner, decken heute nicht die Produktionskosten.(Unruhe links.) Nur Saatgetreide darf für bestimmten Veredlungsverkehr unter besonderen Kontrollmaßregcln ausgeführt werden. In keinem einzigen Falle konnten Verschiebungen von Getreide ins Ausland nachgewiesen werden. Die Gründe für die sprunghaste Kartoffel- Verteuerung liegen zum Teil in dem großen Bedarf West- und Süd- dcutschlands und in der Unmöglichkeit der Einfuhr holländischer Kartoffeln. Bon Zurückhaltung der Kartoffeln durch die Landwirt- schaft kann man nicht sprechen. Der direkte Verkehr zwischen großen Berbraucherorganisotionen und den landwirtschaftlichen Organisa- tioncn ist bereits erfolgreich aufgenommen und muß wefter aus- gebaut werden. Festsetzung von Höchst- und Richtpreisen würde jetzt nur Verwirrung erzeugen. Der Antrag Agnes(U. Soz.), eine Um- läge von 6 Millionen Tonnen Kortoffeln fell zusetzen, ist nicht durch- sührbor. Nach Deutschöslerreich wurden 6000 Tonnen zur Ausfuhr freigegeben. Außerdem mußte das Reich 3200 Tonnen Saattar- toffeln auf Grund der Versailler Bestimmungen nach Belgien und Frankreich liesern. Eine Ausfuhrgenehmigung nach England ist nicht erteilt worden. Die Ueberwachung der Grenze im besetzten Gebiet ist uns leider verlorengegangen, auch hat sich die Rheinland- tommission die Regelung der Ausfuhrgenehmigungen vorbehalten. 5ür die Rentenempfänger sind 230 Millionen in den Etat eingesetzt worden und werden noch überschritten werden. Maßnahmen zur Linderung der Wohnungs- not sind im Gange. Die Regierung ist sich ihrer Vcrantwortunz bewußt, aber grundleqende Abhilfe ist nur möglich, wenn es gelingt, die Entwertung der Mark aufzuhalten.(Zustimmung b. d. Mehrheit.) Vizepräsident Rieher verlieft«ine Depesche des Zentralbetriebs- rats und der Betriebsratsvorsitzcnden der Deutschen Werke, Abt. Spandau, in der es heißt: Wir stellen einstimmig mit Einschluß der Kommunisten fest, daß die Ausführungen des Abg. Maitzahn(Komm.) über die Uni- stellung der Deutschen Werke in keiner Weise den Tatsachen entsprechen.(Lebh. Hört, hört!) In den Werken werden weder Kriegswaffen noch Munition angefertigt. Wir protestieren gegen die entstellende und die Arbeiterinteressen schädigende Darstellung. Abg. kocncn(Komm.) erklärt, der 2lba. Maltzahn Hab« nicht behauptet, daß dort Waffen hergestellt wurden, sondern nur, daß die Kontrollkommission dies festgestellt haben wollte. Donnerstag, 17. November, nachmittags 1 Uhr: Deutschnatio- nole Interpellation über Wiesbadener Abkommen und Gesetz gegen Schmutz und Schund, kleine Vorlagen, Fortsetzung der Teuerung?- debntte, kommunistische Interpellation über Landungjpverbot für russische Schiffe in Stettin. Schluß 349 Uhr. Ms aller Welt. Explosion«ine» holländischen Doole». Tos im Hofen von Loloiubo(Ceylon) liegende holländische Unterseeboot ist das Opfer einer Explonon geworden. Tie Explosion erfolgi« in der vorderen Batterie. Tas Boot treibt auf dem Wasier. Von der Besatzung wurde ein Mann getötet, zwei schwer verwundet. Schisssunglück. Bei Leba strandete in der Ostsee der Hamburger Zweimastschoner„Kurt Hartwig'. Von der Besatzung sind vier Manu ertrunken und»in« gerettet. Deutsche tu Argentinien. In einer Sitzung der Liga Patriotica sagte der Präsidenl Tr. Manuel Carle?, daß unler den Em» wandernden, die nach dem Kriege nach Argentinien kamen, am be- gcbrcnöwertesten die Deuticbcn seien, weil unter ihnen der größte Prozentsatz Intellektueller sei. Bluiigc Gemeinderakewahlen. Aus New Dork wird gemeldet, daß bei den Gemeinderatswahlen im Staate Kentucky Zu,ammen- stoße stattfanden, bei denen vier Personen getötet und sieben ver- wundet worden sind.___ Vorträge, Vereine und Versamnilungen. Zietchsdund dee Krieosbetchädigten. Bej. 4(Gilden). Ssnntaq. den 13. Nu- vemder, nachmlrtegs 6>z Uhr. im Festsaal des griedrich.Neal.Gvmnasiums, Miltenwalder Str. 37(Nähe Marheineckcplast): Heiterer Bsrtragsabend untee Mitmirluna erster Künstler zum Besten des Wcidnachtsfonds. Karle» 2,59 M. bei den Funllinären und am Saaleinaang. Bezirl Norde» 14. Bezirksversamin- luna TA Uhr Montag, den 14., in BüUners Fcslsiilen, Echwedtcr Straße 22—23. — Berliner Lander, Ilub. Am Gonntaa, den 19., führt Dr. H. Michaetson den L. SB. E. in alte Häuser und Winlel Berlino. Dem Klub nicht angenärende Ganghoserstr. i, Delegiertensißung.— Freie Gchulzesellfchclt Weißcnsee. Mit- zliederversammluna am Montag, den 14., TA Uhr, im Berliner Hos. Vortrag: „Die sexuelle Auftläruna unserer Kinder. Alle interessierten Parteigenossen sind eingeladen.— Arbeiter. Abstinente». Bund. Ortsgruvpr Berlin. Eonnadend, den 12., Portraz: ,.®ci» Alkoholkapilal". Res. Gen. G. Davidsohn. Sophien- schule, Weinmcisterstr. 16—17, TA Uhr. Eintritt frei.— SSertin sozialistischer «erzte. Montag, 14., 7% Uhr, im Deutsche» Fahnärztehaua sWuttmannsaal), Bülowitr. 194:„Aerztliches ans dem Preußischen Landtag". Ref. Herr Weiss. — Freireligiöse Gemeinde. Sonntag vormittag II Uhr im Raihaus, Könia- straße, Vortrag des Herrn Prof. Dr. K. Hasse:„Der nationale Aberglaube als wirlende Ursache der Pollsreligion. Harmonium: Ossianklänge(Vade). Gäste willkommen. (Schluß de» redaktionelle« Teils.) 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Baier als Hlllonir lessing-Theater Heute und morcen 7l/3: Die Spielereien einer Kaiserin Momag l Oer lasttr- haite Herr Tschu Deutsches Rinsller-Th. Allabendlich lli7 Uhr; Der heilige Änihrosius (Max Adalbert) Residenz Theater Heute i U. kl-ine Preise: Hau und Tiurltz Täciicii'(jS Uhr UWittm Trlanon-Theater Heu e 4 U. kleine Preise: liotkd|ipcheii laglich'»jü Unr; Arnold Kortf In Meiß Freiintl Teij Sonntag 4U. kleine preise: Die groUeLeldenschaft Kleines Theater Heute 4 l). kleine Preise: Schneewittchen räulicn'i# Uhr: Frilul. Jose tte — meine Frau Sonntag 4 U. kleine Pre sc: Der Dieb Schanspielhaus 2l/a Nathan der Weise, 7V»U. Aubei Anonntment Peer Cynt Dentsch. Theater V/,' Louis Ferdinand« Prinz von Preulien St Buchse d.Pandora T'/t Uhr. LOuis Ferdinand, Prinz von Preußen Kammerspiele 8: Der Hüancrhot St 2V2 Frühiln�« Erwach. 8 Uhr; Der HGbnerhof Gr. Schanspieih. (Karlsiiatle1 7: flßti von rterllcMnjten StA. 2lr|Uhr. Die Rttubsr; ■ U; Gütz von Bcrlichinzen SonmagZ ,, kleine Preise: Theater I. d. Evchen Humbrecht KöniggrätzerSth Täglich 7.du Uhr; Manon Lescaut luidka, Janssen. Ritmann, Bildt, Brandt. Plcha, Rehkops, V. Twardowskl, Appell, klupp) Komödienhans 7>/,u.. Die Fahrt ins Biaue (Giäßner. Richard, Engl, PrSckl, Sileda) berliner Theater Täglich 730 Uhr: QrxnzQffin Q/a&i FritziKassaryaa. Ralph Arthur Roberts, Pepl Zampa, Hb. Kiper Oenlral-Theatar vuu. D. Dctcktivriiäilei Deutsches Opernhaut 71/, u.: Eugen ßnegla Frlodr. Wllhelmstädt. Th. 8 uhr; American Cirl Intimes Theater 8U; Die Spelunke/ Laul doch nicht immer nackl herum Kleinst Schauspielhaus 7>/s U.: Klill(i-usltp.) Uueteplelhaue Ti/su: Peter Rraaer I/Ietrcpci-Thenler! �?DIe �lmZenznngerln Heues Opereiienlheaior s uhr; Rßnioin d. Hactit Neues Theater am Zoo JfeDasEwig-Süüinllche Neues Volkttheater I 7«/.uj Rase Bernd Schiller-Th. Cnarlottenb. 3'lf Slüttcnd.tiesellschail u8 Raubd.SabMoen SchloSpnrk-Th. Steglitz 71/, Uhr: DaS RUIlZfirt i Thalia-Thealer 7«/. u.;Sctiäin'Dic!i. Lotte Thea! a. I.'ollendorfplatz zi, Der flieg Holländer N Die Ehe im Kreise Theater des Wettens 4 U. Münsel und dretet tv, u.: Braut ILucuilus Th.l d.Kammandantenstr. (Jlid. Klinsiler-Theatcr) 71/, Uhr Oybuk Wallner-Theater 71/, uhr Nixchen Walhaila-Theater vi] Jung moS man sein Mu�llCs Kammerspiele a Knie Bismarckst.] 10, HU. Clalr. J A G H E in Doktor• Waschküche / Walhalla-Theater ah 11. Hsvember,(ägiieh'AS Ohr J Mitwirkende: Else BSttcher a G. Alfred L3utner a. Q, Theo Lucas a. G., Grete Sellin, Maria Grimm» Einödshofer, Sophie Kaniss, Martha Winter, Harry Coliin, Karl Neisser, Hans H. Zerlett Der berühmte Komponist Jean Gilbert dirigiert Freitag, Sonnabend, Sonntag persönlich Schlager auf Schlager Montag, 14. November: Zum 50. Male: Die Fahrl ins Blaue Lustspiel In 3 Akten von Caillavet, de Flers und Hey Hauptdarsteller: Erika Glaessner, Frieda Richard Otga Eng!, Emst Prftckl, Heinz Stieda, Emst Demburg, Karl Eckhof, Helene Brahms, Jenny Marba, Charlotte Ander, Lina Saiten, Emst Behmer, Adolf Kurth, Paul Pruegel, Willy Appelt, Elisabeth Botz, Robert ». Klupp, Conrad Callehn»» lUhr mcaici Uhrl Hr. J.m, Klein| Die Sensalicn Berlins Welt biete! sei- che Pfacblans- slsii.u.Käiii.bz- riibmLDarslell, Kai Landa Bruno Kastner Sascha Dura Wilb. Haristein Franz GroS PJesternieyer L. Werkmeister j Albert Pauiig fCOamen- Jdaliettli Vorverkauf j ununterbrochen I Deutsche! Als die Not der oberschlesischen Bevölkerung unerträglich wurde, habt Ihr Eure Opfenreudigkeit bezeugt. Schon wieder muS ein Hilferuf an Euch ergehen. In den an Polen abgetretenen Gebieten leben zahllose deutsche Familien in bitterer Not. Arbeiter und Angestellte werden brotlos gemacht. Handwerker, Bauern und Kaufleute haben durch Unruhen schweren Schaden an Hab und Gut erlitten und werden bei der unheilvollen polnischen Wirtschaft weiter schwer um ihr Fortkommen ringen müssen. Wenn irregeleitete polnische Volksteile versuchen, unsere deutschen Volksgenossen aus ihrer Heimat zu vertreiben, dann wird der Versuch an deutscher Heimatliebe zerbrechen. Unsere Ehrenpflicht ist es, den deutschen B-Qdern und Schwestern zu zeigen, daß die staatliche Trennung das Bewußtsein der Volksund Schicksalsgemeinschaft nicht aus unseren Herzen reißen kann. Deutsche im Mutterland! Gedenket der Deutschen in Polen! Helft ihnen aus ihrer Not! Spenden werden auf das Konto„Deutsche Not' bei der Direktion der Diskonto-Gesellschaft, Depositenkasse Berlin WS, Unter den Linden. 3S und den übrigen Depositenkassen und Zweigniederlassungen sowie auf das Postscheekkonto der DEUTSCHEN STIFTUNG Nr. 1 13 456. Berlin NW 7, erbeten. Der Staatskommissar für die Regelung der Wohlfahrtspflege hat unter dem 15. Juli 1921 die Sammlung von Geldspenden durch Werbeschreiben und Aufrufe gestattet Aronsohn, Geh Kommerzienrzt, M. a. Pr. L Baltrusch. Oesamtverband der ehrlztllchen Oewei-ichaftcn. M. dR. W. R Margarete Behm, M. J. R. Dr. BöHmv, Deutscher Bauernbund, M. d K., M d. Pr. L. Busch Maatssekietir a D., M a R, M. d Pr. L Dr. Dernvurg, Reichsminisier a. D, M. d. R Faner Veiein Deutscher Ze tungiverleger. Fenrennach, Reichskanzler a. D, M. d. R. Qrassmann, Allgemeiner Deutscner Qewerktchartsnund. Hartmann, Qewersscialtsring. M a. Pr. U. Hergt, Staaisminlater a. D. M d. R. HuienDerg, Geh Finanzrat. M. d. R. v. Kardorlf, La.drat i. D,«t d. R Ke naih. Zemralverband des Deutscne> Großhandeis, M. d. R. rlor an Klöcknei, M d R. Di Crone-Munrenrock, ieiitral- verband De t scher Bauernvereine,«t d. pr. U. Löse, Präsident des Reichstages. Plate, Deutscher Handwerks u. Gewerbekarmnertag. Pro! Dr Rießer. Geh Justirrat, rtentral- vernand des Deutschen Bank- und Banki rgewerbei, M d R Sc lultz-Brombcrg. Gen. iustiz ai, W. d. R. Dr|ng. h c Sorge, Kcchsverba id der Deutschen Industrie, M. d R, L 0. R. W. R 0> Gustav Strescma in. M. d. R. Wissel). Reicnsmlnister a. D, M. d. R. ZuschrlHen and Aal CbarlottcaburK 2, Passage-Variete und Bier-Kobarett Direktion: So imon» Behrenstra�e 51 Das fibwechfifun�srelche Novemijer-Riesen-Prograiniii! Chong Chaplin/ Oscar Sabo Orig. Tanz-Truppe Espanola „Maluza" Orig Russ. Qvsangs-Ouintett Anny Trautner PrSnzc Sylva Karl de Ego Han.on und Hanson/ Alberti.Ouett Pepl und Gustav Onnzer (Große Ausstatt.- Operette von Paul Llncke mit dem |Grigoiatis-| Luft-Ballett I Oskar Sabo a.G. Eise Bereu Marlin Kettner Fritzi Aren Fritz Steidi CA Damen-! üUBallettil Vorverkauf f unumerbtochen 1 onntag Z'/z D. Frau Luna Original- BesetzrJ KrmSß»'reiise Triampsi Palast 1 Dlrek tlea feltz Bab Oranlenstr.53 54(MorHzpla1z) Varietö grössten Stils Täglich: Sensations-Programm! 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Joflot Die«»sie proietaiische Revleiung/ Clara Zetkins Die russische Revolution eine Quelle moralischer Kraft/ Beta Kun t.Nieder mit den Sowie»|-/ Charles Rappoport i Die Oktoberrevolhiion und da, französische Proletariat. A. Thulhclmcr: Die ru-siscne und die deuticne Revo ution/ Prltx Heckertl Die Oktober- revo uiiun im unteritdlschen Deutschland/ Franz Korllschoner i Die Oktoberievoiutlon und das alte Oestenelch/ J. Skalakt Die Wir.uncen der Oktoherrevolut on m Böhmen M. Vanekt Tschechische Legionen jnd die Oktoberrevolution' Karl Krelhlch t Die russische Revo tu ion und das Proieiariit der Tschechoslovakel/ Julia, Alpart: Die proletarische Revolution in Rußland und die ungarische Arheiterschalt/ War van Overalrueten t Die russische Revolution und das begl-c e Proletariat I Allan Wallenius: Die russische Revolution und Finnland/ Henrielte Rolnnd-Holsti Die Wintungen der russischen Revolution auf die hol ändische Arbeitet kiasse i Ivon Jones i Was wußten wir über die Oktoberrevolution in Süd-Afrika? I M. Philip, Price: Der EmLuß der russischen Revolution in Westeuropa Illustrationen; Es lebe der Weltoktober der pioie arischen Revolution(mehtlarbiges Plakat)/ Am Qrabe der Kontetrcvoiutlon(mehrtarhiges Plakat)/ Volkse rsatnmlung aui dem Urltzklplatz In Petrograd(Photographie)/ Aus den Julikämpfen In Petrograd(Photographie) Maniicstation der Koten Armee in Moskau(Photographie) 74 Seiten Zu«beziehen durch die Pre'S Mk" 2'~ Verlagsbüchhandiung Carl Hoym Hachf, Louis Cahnbiey, Hamburg I) IMMMMMMMMMMMMMI'MMsiMINIWWl'IIS SOENNECKEN BONNA- FEDER Ueberau erhältlich r. SOENNECKEN• BONN• BdflinW, Tautwnatr. 18-18 liiHlllllilillllllllllUIIUIUlimilllllllUlllilllllllUllllllllllllUhNlIlUIIIIMIIIIIIIlllMi ! leulsoherMeta Ijrbeltsr-I rcrbsnil | V»r«a>tili>g»st.Berlin I Den Mitgliedern znr � s Nachricht daß unser! \ Zsoilcge, der Mechaniker! KvztsvWÜer I am S. geilorbeu Ist. | Ehre seinem Andenken!| Die Einiischcrung sin- I d'>t am Dien-stag. den! 1 15. 3Ion., nachm. 2 Uhr.> unKrematoriumVaum- ichulenweg«icfdoi�- \ straße. itait. Oleae Beteiligung er- ! martet tl>Z4! Di- Ortsverwaltung. I itoMsii'rt!. Berlin SP3. 31. Abteilnnq. Unteren Mitglieder» dielraarigeMilteiluna da» unser teder Denone M\ Goföscluniiit nerstorden ist Die Ad- tcilung wird diesem stets tiedenswürdigen Ge- nassen ein treue» An- denken bewahren. Ruhe sanstl Um rege Beteiligung bei d Beerdtgung bittet Die Adt.-Leitung. ZeiiWll UMsrWkmeckMli verwcliungvsielle Leriin Jl 54, Ciulcnffr. 83-85 SeklHäftszeit von vormittags» Ahr bis nachmittags 4 Uhr Telephon: Amt Norden SSä, 1239, 1987, 9714 AM»!!«! Velkitbslöke.- Montag, den 14. November, in der Zeit von 1 Uhr uachmittcgs bis 7 Uhr abends: Wahl der Delegierten zum Neichs» Betriebsräte- Kongreß der'-vietall- Industrie in Leipzig. Wahlberechtigt sind nur diejenigen aktiven Betriebs- sowie Arbeiterräte, welche im Besch der von der Orga- nisation veriandien Wah legitimation sind. Ger noch keine Legitimation erhalten, hol sich dieselbe in unserem Burea», Linienstr. 83 85, Zimmer 3, aa. Das Bureau Ast am Gonnabend und Montag bis 7 Uhr abends geöffnet. VHCT Ohne Legitimationskarte und Mitglieds- auswew kann niemand wählen. Montag, den 14. November, nachm. 5 Uhr, in der Schulaula. Koppenpiah 12: Branchen- Versammlung der chirurgische» Branche. Tagesordnung: I. Bericht äber das neue Lohnadlolnmen. 2. Branchenangelegenheiten. 102/3 Die Drtsverwalkung. den und Parteigenaffen hiermit die traurige Nachricht, daß im irr lieber,„nvergeffucher Sohn und Bruder turi vor semem 22. Ge- dultsiaae, am Diens- tag. 10',, Uhr. nach!ur- t?m, aber schwerem straukenlager sanrt eni- schlafen ist. 247->er h "Elik » r.c iL tmmwmMmMiA MCIDCM Vertreter: Emil Halbarth BERLIN W8, Prledrichstraße 55a TELEPHON; Zentrum 10440 Ami TillzaStlung Anzüge Cutaways, Ulster. Schlüpter, Raglans, Mafiard.. mober. Sachen. bequeme diskr. Raienllg l.e!8kr Kottlied ttviienäoristr. IZall ibiitbe dinllenLnrkplatrs Garansfert Friede nsquahlat. tiberall erhältlich. Fabrikant L. Minlos& Co. A.-G., Köln-Ehrenf eld Dr. Hoffbauers ges. gesch. Vollkomnien unsctaädl.u.eriolgreichesMiiteibe' I Korpulenz■ Fettleibigkeit j ohne Einhalten einer Diät. Keine stars wirken- 1 den A zneimittel, keine Schilddrüse cnthaitend Nicht anführend.— Leicht bekömmlich. Gratis Broschüre versendet auf Wunsch Elefanten-Äpatlieke, ßEiiin, Leipzigef Str. II| (Dönhoffplatz).— Amt Zentrum 7192. Mg. OrlskranMasse Berlin-Wilmerstlflrl. Bekanntmachung Für die Dahl des Bor» standes find ans gültigen Wahlvorschlägen nur soviel Bewerber genannt worden wie tu wäblen find Gemäß 6 9 der Wabiordnung aeltsn dirieiben daber als gewählt. Es find dieses Arbaikaebar- voritandsmilglieder: l. Sei- r-ch,Wilhe>m.Ber»n» Wilmersdorf. Aachener c-t afie 3. 2 A'drina, Richard. Berlin» Saleniee, Kursürsten. dämm iI7. 3. Masle. Louis. Beelin- Wilmersdorf, Bruchsaler Elrafie 7. Als Ersatzmänner gelten die in der Liste unier Nr. 4—!> beginnend mit dem Namen Siermann Lenz aufgeführten Bersonen. Wrftcstnchmcr- vorslnndsmllgNeder: I Eugeiharl», Richard. Ber- iiii-Wilmersdorj, Kaiser- viah 5. 2. Wiemann, Franz. Berlin- Echönederg, Belziger Eiraße 6s 3. Friste, Wlihelm. Berlsn- Wilmersdorf, Bruchsaler Straffe 6. 4 Stasseldt.Hiinrilb Berlw- Wstmeesbori, Aschaffen- burgee Straße 23 Barth Mag Neukölln, Iohann-Suß-Etraße 4. Neich», Marie, Beelin- Wilmersdors, Brinz-Re- gen'en-S'.raße 48 Ais Ersatzmänner gelten die ln der Liste unter Nr 7— 18 deginnend mit dem Namen Jakob Aeill» atilgeillhtten Personen. Einivriiche argen die Wahl find innerhalb eines Mo- nai? nach der Be'annt- magiung des Wahlerged- niffrs bei dem Bcrüche- rungs'Ml der Stadl Berlin oder beim Kaffenvorftand eininreichen. Die.>um 36 November d. I einberufene Ausschuß- sitzung findet, da von ieder Gtuvpe nur ein gültiger Wahivorsching eingereicht ist, nidit statt 13,4 Berlin-Wilmersdorf, den 3 November 1321. Der Vorstand. R. Engelhard. Porfiaender OttoTolkra ilt, Schriftführer zur Such» Selbstverwertung MM u. Edelmetall« zu höchst Preisen G-Sostllepkaolr« Juwelier• Friedrichilraße 210 Ecke Kochstraße NIMM» Nl ÄWllilll und verw. Gewerbe zu Berlin Einladung Die Ansschußmitqliede? werden hiermit zu der am Dienstag, den 22. Nov, abends tt Ubr. im LandrS- ansfchank. Etralaner. Ecke Wai enftrahe stat'nndenden Ordentlichen Ausschuhsitzung eingeladen 13 13 Tagesordnung: I. Proio vllverlemng 2. Boranschlag lür>322. 3. Satzungsändernna der 68 20.'25 28, 31 und 47 4 Wahl der Revisoren zur Priisung der Jahres- rechn-ng. 5 Berichiedene«. Der Vorstonb K. Gottesmann, Borst Fr. Kcese, Schruiiührer N B D-e für dieWahIperiode >322-25»euhlnzugewählten Ausichiißmllglieder haben zu obiger Sitzung keine» Zuteilt__ Konium. Produkttv- und Sparverein Zehlrudorf u. Niilgeg, e.G m. b.S. ln Liquidation. Die ordentliche Generaiversainmlung findet am Sonntag, d n 20 November>321, nach- mittag» 4 Ubr. im Gesell- schastshau» oon Döri e in gehlendorf, Karistr. 12, statt Tagesordnung: Bericht des Borstande» u de» Ans- stchtsrals 2. Entlastungs. crteilung llir den Borstand 3 Bericht der letzten Ber- baudsreviston.4 Verteilung de» Reingewinns 5. Ge- noffenschailiiches 55ib Der Au sichksral Valentin. Botsttzender. ggf»ti.TöiltZiilunii kulant. Bedingungen Bürgerliche Wotmungseinrlciilang. 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