Hr. 538 ♦ ZS. Jahrgang fiusgabe ät Hr. 267 Bezugspreis: lJiert»näI)tL36,— SIL. monotL 12,-5*. frei ins Kons, voraus zahlbar. Post» bezug: Monatlich 12.— M, einlchL Zu» stellungsgeblidr. Unter Kreuzband lür Deutstbland, Drnz g, das Saar» und MemelgebieL lowie dir ehemals dem- Abend Ausgabe Oeslerreich. -DL. wr fchen Drdiete Polens. Ungarn und Luxemburg 22. das Übrige Ausland 2g.— HL Post- beftcllungen nehmen an Oesterreich, Ungarn. Tschecho- Eloroakei. Däne- marL Holland. Luxemburg. Schweden und die Schweiz. Der.Vorwärls" mit der Sonntags» beilage„Boll und ZeiN. der Unler» haiwngsbeilage �leimweln und der Beilage»Siedlung und Kleingarten" erscheint wochenläglich zweimal. Sonn» tag» und Montags einmal. Zelearamm-Adresse: JlozialoeBiottot Oer Ha" WV f Oerlinev Volksblstt ( 30 Pfennig) Anzeigenpreis t Di»»eungespaltene Itonpareillezeile kostet M.»Slelne Sinzeigen" das fettgedruckte Won 2.— M. fzu- lässig zwei fettgedruckte Worte), lrde» «eitere WoN M. Stellengesuche und Schlafstellenanzeigen das erste WoN L— 9JL, fedes weiter» Wort w Pfg. WoN» ltder lä Buchstaben zählen für zwei WoN». Aamil�en-An- zeigen für Abonnenten Zeile Z.öv M. Die Preise verstehen(Ich»inschlieZIich Teuerungszuschlag Anzeigen für die n d ch st-»rammer mlisten bis S Ahr nachmittags im Hauptgefchäst. Berlin SW W. Linden» stratze g. abgegeben werden. Eröffnet von, Uhr früh bis i Uhr nachmittags Zcntralorgan der fozialdemokrat» fchen Partei Deutschlands Rcdoftlon nnd Expedition; SW 68, Linöenstr. 3 S-ttnknrecker- Rrduktto» Mortttplaq lKI»S—»7 »hernipreaier. texpitdttiou M-ripvla« li7SZ-a4 Montag, den 14. November 19Ä1 Vonvärts-Verleg G.m.b.H., SW SS, Llnöenstr. 2 » Verlag. Expedition nnd Inseraten» .„dteilnug Morivplap 11753-54 Die Seamten gegen den Inöustrieraubzug. Der Deutsche Veamtenbund teilt mit: Der Deutsche Veamtenbund Hat sich mit den Forderungen des Reichsverbandes der Deulsckien Industrie beschäftigt und wehrt sich mit aller Entschiedenheit gegen den versuch, die Rot des Volkes auszunuhen. um die Reichseisenbahnen und die übrigen Reichsbetriebe, den wertvollsten Besitz des deutschen Voltes, in die Privathand zu bringen. Die Kreditaktion, die ursprünglich als eine patrlo» tische Großtat ausgegeben wurde, soll nunmehr zur S t ä r» kung einseitiger politischer Rlocht benutzt wer» den. Die Sanierung der Eisenbahnen, die nötig ist, kann ohne Auslieferung der Reichseisenbahnen in die Hand des privaten Großkapitals bei Durchführung gesunder wirts6,'ast!icher Grundsähe erreicht werden. Mit der Eisenbahr.beamtenlchaft sind auch alle anderen im Deutschen Veamtenbund organisier» ten Beamten darüber einig, daß dieser selbstsüchtige, mit dem Alloemeinwohl unvereinbare versuch der Industrie mit allen Zsiitteln abgewehrt werden muß. falsche Gerüchte. Gewisse interessierte Kreise verbreiten unwahre Ge» r ü ch t e über die Stellung der Gewerkschaften zu den vom Reichsverband der Deutschen Industrie an die Kredit- Hilfe geknüpften Bedingungen. So wird behauptet, der Bundesvorsitzende L e i p a r t habe dem Reichskanzler gegen- über erklärt, daß der Allgemeine Deutsche Eewerkschastsbund und auch die Sozialdemokratische Partei bereit wären, sich auf eine Entstaatlichung der Reichseisenbahnen einzulassen. Das Gegenteil ist richtig. Genosse Leipart hat den Reichskanzler in der Besprechung am 11. d. M. darauf ver- wiesen, doh der Vorstand des Allgemeinen Deutschen Gewerk- schaftsbundes schon am 3. d. M. in Uebereinstimmuug mit dem Vorstand des Afa-Bundes einstimmig beschlossen habe, die von den Industriellen erhobenen Forderungen unbedingt ab- z u l e h n e n. In der Entschließung der beiden Bundesvor- stände, die wir bereits veröffentlicht haben, heißt es bekannt- sich, die Forderungei. der Industrie ließen erkennen: „daß mit der Gewährung der Kredithilfe das Reich und damit die breiten Schichten der Vevölkerung in eine wachsende und uner- trägliche Abyängigeeit von den kapitalistischen Unternehmern gebrocht werden sollen. Die Kreditaktion der Industrie, die anfangs als eine nationale Tat angekündigt wurde und die auch Me Zustimmung der Gewerkschaften gesunden hätte, ist durch die Beschlüssr des Reichsverbandes der deutschen Industrie als«in neues M a ch t i n st r u m e n t des organisierten Unternehmertums entlarvt worden." Diese Entschließung der Gewerkschaften ist dem Reichs- kanzler und dem Reichsverkehrsminister auch schriftlich über- mittelt worden, und in der erwähnten Besprechung bei dem Reichskanzler hat Leipart auch mündlich die bestimmte Erwar- hing ausgesprochen, daß die Reichsregierung die unerhörten Unternehmerforderungen strikte ablehnen werde. Einen anderen Standpunkt soll, wie wir hören, allerdings der Geschäftsführer B a l t r u s ch von den ch r i st l I ch e n G e- werkschaften eingenommen haben. Darauf ist es wohl zurückzuführen, daß das„Berliner Tageblatt" am Sonnabend- abend die Meldung brachte, ein Beschluß über den end- gültigen Standpunkt der Gewerkschaften liege noch nicht vor. Es kann sich hierbei nur um die christlichen Gewerk- schalten handeln, was schon daraus zu schließen ist, daß in der Meldung des„Berliner Tageblots" von dem Ausschuß des „Deutschen Gewerkschaftsbundes", der bekanntsich nur die christsichen Gewerkschaften umfaßt, die Rede ist. Wir können im übrigen nicht glauben, daß wirklich die christsichen Gewerkschaften sich in dieser für die gesamte deutsche Arbeiterschaft so überaus wichtigen Frage von den übrigen Gewerkschaften trennen werden. ffuflhes �lbrüstunasreSe. Räch der Rede chardings und nach der Wahl des Staatssekretärs der Bereinigten Staaten ch u g h e s zum ersten Vorsitzenden, ergriff dieser das Wort, um den Abrüftungsvorschlag der Der- einigten Staaten vorzubringen und zu verteidigen. Es wäre dem Präsidenten der Dereinigten Staaten, so führte er aus, onge- nehm gewesen, alle Mächte nach Washington einzuladen, aber da die Kontrolle über die Rüstungen in den chänden der alliierten und assoziierten chauptmächte liege, habe man die Einladung auf diese Eruppe�ieschränkt und im übrigen nur die Mächte herangezogen, die an der Regelung der Frage im fernen Osten direkt be- teiligt seien, also Belgien, cholland, Portugal und China. Ein Abrüftungsvorschlag sei an und für sich nichts Neues. Bereits da» Manifest des ehemaligen Zaren Nikolaus II. habe darauf hin- gewiesen, wie gänzlich unproduktiv die übertriebenen Rüstungsaus- gaben seien. In der Tat sei die Krise In der W e l t w i r t- s ch a s t zum großen Teil auf die übersteigerten Rüstungen und ihre Folgen zurückzuführen. Die Fortdauer dieser Zustände müsse zur Katastrophe führen. Deshalb sei es unbedingt geboten, sich in den militärischen Rüstungen Beschränkungen aufzuerlegen. Am besten beginne man mit der Beschränkung der S e e r ü st u n- gen, da man hier sofort und wirksam vorgehen könne. Das chauptübel liege in dem Wettbewerb der verschiedenen Flottenbauprogramme. Diesem Zustand müsse« I n Ende gemacht werden. Das ersordere aber Opser aus allen Seilen. Oer Abrüftungsvorschlag Namens der Delegation der Bereinigten Staaten machte fjughes darauf folgende Dorschläge: Die beteillgien Möchte beginnen sofort mit einer Schiffsbau» pause, deren Dauer auf zehn Jahre seslgeseht wird. Vei Att- nebme de» Programms seien die vereinigten Staaken bereit, ihre fünfzehn augenblicklich im Lau besintlichcn Kriegsschiffe zu streichen. Großbritannien, die vereinigten Staaten und Japan werden künfllg Insgesamt sechsundsechzig Großkampsschlsfe mit einem Ge» famlkonnengchall von 1 S/S 04Z Tonnen aus der Liste der Kriege fchiffe streich««: davon eulsallen auf die Verclniglen Siaalen 845 740 Tonnen, auf Großbrikannien 583 375 Tonnen nnd aus Japan «48 028 Tonnen. Großbritannien wird also 22 Grohkampsschifse(504 450 Tonnen). Amerika IS(500550 Tonnen) und Japan 10 (299 wo' Tonnen) behalten. Süt diese Schiffe dürfen innerhalb ,-hn Jahren keine Ersatz. bauten vorgenommen werden. Räch Ablauf dieser zehn Jahre soll für die Flollenslärke eine Grundlage von je 500 000 Tonnen für England und die vereinigten Staaten und von 300 000 Tonnen für Japan gellen. ym weiteren Verlauf feiner Red« schlug chughe- vor. sofort in We Erörterung der Abrüstungssrage«inzutrelen und dl» Frage be» Still«» Ozean, nnd serneu Osten» demgegenüber vorläufig zurückzustellen. Da bei der Frage der Seerüstunge» Italien» und Frankreichs infolge des letzten Krieges be- sondere Bedingungen vorlägen, schlage er vor, auch diesen Gegen- stand später zu erörtern. Nach der Rede von Hughes, die große Bewegung hervorrief, wurde eine Abrüstungskommission aus den Führern der Abordnungen der fünf Großmächte gebildet: dazu treten als Bei» geordnete für die Fragen des Stillen Ozeans je ein Abgeordneter der vier anderen Mächte. vrkanü spricht. Darauf verlangten die Mitglieder der Konferenz nach einer Rede Briand» und riefen wiederholt seinen Namen. Briand, der sehr überrascht schien, hielt eine Ansprache aus dem Stegreif und sagte darin, als Frankreich die Einladung Hardings erhalten habe, habe es„hier!" gerufen sowohl aus unauslöschlicher Dank» barkeit gegenüber den Bereinigten Staaten, al» auch au» persön- sicher Eingebung und geleitet von dem brennenden Wunsche, bei der Lösung jeder Frage mitzuarbeiten, welche der Befestigung de» Friedens diene und geeignet sei, ihn im Rahmen des Möglichen zu einem dauernden zu machen. Briand erinnerte dann daran, daß die Lsreinigten Staaten Frankreich zu Hilfe geeilt seien und mit den Alliierten dazu beigetragen hätten, die Unob- hängigkeit Frankreichs zu schützen.„Da wir zusammen den Krieg gewonnen haben", sagt« Briand,„müssen wir uns gemeinsam be» mühen, den Frieden zu gewinnen". Briand fügte hinzu, daß Frankreich trotz der ihm von der Rachbarsseite drohenden Gefahren mit ganzem Willen und ganzem Herzen aus der Konserenz die Mittel suchen wolle, die kostspieligen Rüstungen ein- zuschränkcn. Frankreich habe schon viel getan; es werde diesen Weg bi» zu Ende gehen. Besser als sonst jemand wisse Frankreich, was ein Krieg toste, und es liebe daher über alles den Frieden. Briand schloß seine Red«, indem er sagte, wenn mar» gen die Sicherheit Frontreich, wiederhergestellt sei, werde e, bereit sein, zu sagen:„Die Waffen nieder!" Nach Briand sprachen die Vertreter Japans, Itasien», Del« giens, China», Holland» und Portugal». Heratungen. Di««nglischen Marinesachverständtgen sind am Sonnabend nachmittag zu Beratungen über Hughes' Dorschläge zu- sammengetrcten. Auch die japanischen Sachverständigen traten in Erörterungen über den amerikanischen Plan ein. Zahlreich sind die Kommentare, die sich mit der angeblichen Haltung der englischen und sapanischen Delegierten zu den unerwar» tet weitgehenden Dorschlögen Amerika» befassen. Auf beiden Seiten soll man entzückt sein. Aber in welcher Situation ist ein Diplomat einem Pressevertreter gegmüber nicht entzückt? Von Interesse ist lediglich die Meldung, daß England und Japan voraussschtlich in der nächsten Sitzung, die am Dienstag stattfindet, die D e d i n- g u n g» n vortragen werden, unter denen sie bereit sinh, dem ameri tonischen Vorschlag näherzutreten. Der Sieg der Demokratie. von Rudolf Illovy. Di« folgenden Ausführungen unsere» Prager Mit- arbeiters geben die in der tchechoslowakischen So» zialdemotratie vorherrschenden llufsassungen wie» der. Wir verkennen dabei nicht, daß für die Ausführung der gegen den Karl-Putsch getroffenen Maßnahmen die Sorgen der Tschechoslowakei und Jugoslawiens um die Erhaltung ihres Besitzstandes mindestens ebenso wirksam gewesen sind wie demokratisch« Strömungen. Redaktton des„vorwärts". Das Gesetz über dt« Entthronung der Habs- b u r g e r ist vom ungarischen Parlament angenommen und tritt sofort in Kraft, Karl und Zita befinden sich schon auf dem Wege nach Madeira und die Tschechoslowakei führt soeben ihre Demoblilisierung durch. Das Spie! mit dem Feuer, welches Karl so leichtsinnig begonnen hatte, ist beendet, und es hat nicht viel gefehlt, daß aus dem Funken, den er entfachte, ein Weltbrand geworden wäre. Frei atmen alle demokratisch gesinnten Elemente Mitteleuropas auf, denn die aefährlichste Reaktion, die klerikal-monarchistische Meute der Habsburger- freunde, erlitt eine vollständige Niederlage. Die Reaktion ist besiegt und ein Wiederausleben der Habs- buraischen Gefahr ist, hoffentlich für alle Zeiten, beseitigt. Dieser freiheitliche Erfolg ist einzig und allein dem energischen und selbstbewußten Auftreten der Kleinen Entente zu ver- danken, die die Entthronung der Habsburger verlangte und sie auch trotz anfänglicher ungarischer Intrigen in den Kreisen der Großen Entente durchsetzte. Die durchgeführt« Mobilijie- rung verlieh ihren Forderungen Kraft. Interessant ist es, daß vielfach österreichische Sozialdemokraten ein militärisches Ein- schreiten der Tschechoslowakei und Jugoslawiens in Ungarn nicht nur begrüßten, sondern direkt verlangten. Die Magyaren selbst haben sich als Vortrab der Reaktion erwiesen, und es gibt gewiß keinen freiheitlich gesinnten Menschen, welcher mit ihnen sympathisiert hätte. Natürlich nicht das ungarische Vokk als Ganzes, da, selbst geknechtet ist. sondern magyarische Feudale ynd K a p i t a l i st e n. die für die Wiedereinsetzung der Habsburger so eifrig tätig waren. Der Kampf Horthys und der Regierung Dethlen gegen Karl ''war ein Scheinmanöver, demi im Prinzip waren alle drei einig und trachteten nur durch kluge Schachzüge ihre wahren Absichten zu verbergen, um gleichzeitig sich selbst retten zu können, falls es scyicf gehen sollte. Was wird jetzt aus Ungarn werbenk Ein« Monarchie unter einem Ententeprinzen als König? Werden die Wittelsbacher in Budapest ans Ruder koinmen oder wird Horthy selbst die„königliche Gewalt" an sich reißen? Ein Ententeprinz als magyarischer König dürfte jetzt den magyarischen Magnaten willkommen sein, da sie sich durch einen solchen in ihren Hoffnungen auf die Wiedergewinnung der verlorenen Gebiete bestärkt missen würden. Ein Wittels- bacher als König würde eine neue reaktionäre Union Ungarn- Oesterreich-Vayern bedeuten, für die sich bereits bei dem Karl- Putsch gewisse klerikale Elements eingesetzt haben. Die deutschen Ehristlichsozialen in der Tscbechostowokei unterhielten während dieses Putsche» rege Beziehungen zu den bayerischen Monarchisten eineilelts und vermittels der österreichischen Christsichsozialen andererseits. Aber, mag was immer in Budapest geschebsn, eine Monarchie wird sich dort nicht lange halten können, denn schließsich wird und muß doch das ungarische Volk aus seiner Lethargie erwachen. Der Horthy-Terror wird sich nach der jetzigen Schlappe nicht mehr lange halten können und wird einem demokratischen Regime weichen müssen. Es scheint, daß Karolyi wieder der kommende Mann sein wird. Erst wenn Ungarn tatsächlich eine demokratiscfie Republik setn wird, hört eo aus, der ewige Störenfried in Mitteleuropa zu sein. Dann wird es sich auch in freundschaftlicher Anlehnung an seine Nachborn rubig politisch und wirtschaftlich entwickeln können. Der Sturz der jetzigen Negierung und die Cwfiihrung einer demokratischen Regierungssorm in Ungarn war in den Tagen, da es hieß. die Tschechoslowakei und Jugoslawien werden gegen Budapest marschieren, auch wirklich beabsichtigt. Damit künftig alle Versuche der Reaktionäre im Keime erstickt werden, ist es nötig, daß sich alle demokratischen Ele- mente aller Staaten Mitteleuropas einander nähern. Die Aufrichtung und Erhaltung von Demokratien in ganz Mittel- europa ist ein vitales Interesse der tschechoslowakischen Re- publik, welche gewiß alle zu diesem Ziele führenden Bestre- 1 bungen begrüßen und. soweit es möglich ist, unterstützen wird. Die beste Stütze der Demokratie ist jedoch die Arbeiterschaft. ; Die Bourgeoisie ist überall mehr oder weniger reaktionär, und es kam feit jeher nur der Arbeiterschaft die Aufgabe zu, die Demokratie gegen alle Angriffe zu schützen. Aus diesem Grunde sollten die sozialistischen Parteien speziell in den von , der Reaktion bedrohten Staaten in eine engere Fühlung als bisher zueinander treten, um im Rotsalle auch eine„svzia- , listische Entente" gegen die Reaktionäre zu bilden. Die Bou» ' geoisie ist zwar in den letzten zwei Iahren in allen Staaten vroß geworden, aber ihre jetzige Machtstellung hat keine feste Grundlage. Der Sozialismus ist trotz der kommunistischen Ab- splitterung und trotz der manchmal hochgehenden kapitalisti» schen Welle überall im Wachsen begriffen und sozialistische Re- gierungen werden bald überall die jetzigen Koalitionsregie- rungen ablösen müssen. Je früher es geschieht, desto besser für die Demokratie der Staaten und für ihre friedliche, un- gestörte Entwicklung. Wenn, wie vorauszusehen ist. die �Horthy-Regierung in Ungarn bald gestürzt wird, die Tschechoslowakei, Oesterreich und Deutschland von vorwiegend sozialistischen Regierungen beherrscht werden, dann ist weder an eine Rückkehr der fjabs» burger, Hohenzollern und Wittelsbacher zu denken, noch irgendein anderes reaktionäres Regime zu befürchten. Wenn außerdem noch in Rußland ein sozialistisches Regime das jetzige System des Bolschewismus ablösen sollte, wäre Mittel- europa und der Osten ein Hort der Freiheit und der Demo- kratie. Die tschechische Sozialdemokratie hat daher, um die drohende Reaktion in Mitteleuropa abzuwenden, alle Maß- nahmen der Regierung unterstützt, welche dahin zielten, die Habsburger zu vertreiben, die Reaktion niederzuzwingen und dem demokratischen Gedanken zum Siege zu verhelfen. Die Tschechoslowakei hat gemeinsam mit Jugoslawien durch ihr Auftreten Ungarn vor den Habsburgern gerettet; ihr dipioma- tischer Erfolg in der Affäre ist unbestreitbar, aber auch un- bestreitbar ist hierdurch ihr Verdienst um die Festigung der Demokratie in allen Staaten Mitteleuropas geworden. Vahlerfolg in Lübeck. Lübeck, Ii. November.((Eigener Drahibcrlcht. Bei der gestrigen Bürgerfchaftswahl in Lübeck wurden abgegeben ZI»öS f ozialdemokratifche und 4317 kommunistische Stimmen gegen 28 385 bürgerliche. Bon den letzferen entfielen auf eine„Einheitsliste- 19 794, auf die des Bürgerbundes Z515 und auf eine hausbesitzerliste 5076. Die Arbcilerfchasl gewinnt zwei Mandate. Die wahrscheinliche Berkeilimg der Mandate ergibt für die Sozialdemokraten 39, die Kommunisten 5, die Bürgerlichen insgesamt Zö. Gegenüber der Reichstagswahl von 192» zeigt die Stim- menzahl der nlchtfozialistlschen Gruppen eine Abnahme um rund 400». Die Bnabhängizen, die bei der Reichskagswahl noch 509» Stimmen gegen K79 kommunistische aufbrachten, sind jetzt ganz verschwunden. Ihre Wähler sind kommunistisch geworden. Aber nicht weniger als 1542 von ihnen sind der Wahlurne ferngeblieben. Die sozialdemokratische Slimmenzahl hat gegenüber der letzten Bürgerschaftswahl neuen Zuwachs erfahren. Sächsische Staütverorünetenwahlen. Dresden, 14. November. lEigener Drahtbericht.) Hier fanden cun Eonntag wie in einer Anzahl Städte Sachsens die Wahlen zur Stadtverordnetenversammlung statt. Die Bürgerlichen hatten den Kampf gegen die Sozialdemokratie auf ihre Fahne geschrieben und eine Einheitsliste von den Demokraten bis zu den Deutschnationalen zustandegebracht. Die Beamten und Angestellten aber konnten sie nicht für ihr« Liste gewinnen, so dah außer der mehrheitssozialistifchen, unabhängigen und kommunistischen Liste auch noch«ine Beamten- und Angestelltenliste bestand. Die Wahlbeteiligung betrug trotz reger Wahlagitation und scharfer Schlepparbeit aus allen Seiten nur etwa 66 Proz. Die Einheitsliste erhielt 112 896 Stimmen, die SPD. 9Z854, die USP. 37 134. die Kommunisten erhiellen 13 714, die Beamten 26 354, die Angestellten 5426 Stimmen. Das bedeutet für die in der Einhcits- liste gesammelte Reaktion 35 Sitze, für dle Beamten 7 Sitze, für die Angestellten 1 Sitz, mährend die SPD. 29, die USP. 8 und die Kommunisten 4 Sitze erhalten. Es besteht also keine sozialistische Mehrheit. Doch wird e» vielleicht möglich sein, mit den Beamten und Angestellten zusammen eine Linksmehrheit im Kol- leglum zu bilden. Andernfalls bilden die Angestellten und Beamten das Zünglein an der Wage. Im alten Stadtparlamenl stand die sozialistische Linke mit 43 Sitzen 41 Bürgerlichen gegenüber. Gperettenmoral. Don Poldi Schmidt. Gehört Moral überhaupt in die Operette? Jedenfalls ist sie da, infolge Arbeltsteilung in der Opsrettenfabritation. Zwei bis drei ehemalige Dichter vereinigen sich und fchreiben ein Buch, da» Libretto. Der eine mit der fentimentalen Ader liefert den Schluß des zweiten Aktes, der immer jene ernste Wendung birgt, die das früher üblich gewesene große Finale mit zwanzig Ballett- und vier- zig Ehordamen vergesien losien muß. Hier hat der Mindesttarif für Chor« und Ballettpersonal eine künstlerische Wendung bewirkt. Zwei bis drei zukünftige Dichter schreiben die Gesangseinlagen, denen die Moral als Tendenz beigemischt wird. Z. B.:„Hab' ich nur deine Liebe...; Wer wird denn weinen...; Die Tugend der Not heißt Treue... usw. Mit Kontrapunkt, mit leitmotivischer Verarbeitung und mit polyphonifcher Durcharbeitung läßt sich derartige Moral nicht ver- einbaren. Derlel" Musikantenkünste sind gut genug für Sinfonie- konzerte. Der Komponist der Operette begibt sich gern sämtlicher Ansprüche auf künstlerisch« Wertung seiner Arbeit, wenn der Musik- Verleger, die Grammophonfabrik und die Tonsetzergenossenschast. Ab- teilung Tantiemen zahlen. Der Hörer anerkennt Text und Musik der Operette nur vereint, und die Urheber der Operette wissen, daß es so unbescheidene Leute gar nicht gibt, die von beiden Faktoren Gutes beanspruchen sollten. Die Musik der Operette glaubt längst nicht mehr daran, länger zu leben, als sie es verdient. Für Leute aber, die der Handlung oder den Licdtexten mit Psychologie und Logik beikommen wollen, ist eine Operette nicht komponiert, nicht gedichtet worden. Wenn nun die wahre Kunst schon nach Brot geht, dann kann die leichtbeschwingte Kunst der Operette Kuchen und Butter noch viel eher ergattern. Das große Publikum will sehen und hören, wie man lebt, wenn man anders lebt. Darum klingt ein richtiger Ope- rettenschlager stets und immer in einen Wahlspruch aus, in einen Kehrreim, an dessen Inhalt sich Gatt sei Dank niemand kehrt. Denn die darin gestellten ethischen Forderungen sind bei dem besten Willen nicht erfüllbar. Immerhin, es tut wohl, nach jeder vierten Prosa- szene mit Musikbegleitung zu erfahren, daß der Dompfaff die Lie- benden traut, daß et im Leben Momente gibt oder daß zum Hei- raten drei gehören. Ueberhaupt die Liebe! Sie hat besonders in unserer zensurlosen Zeit so viele Widersacher, daß es ordentlich wohl- tut, sich in dieser schwierigen Materie auf die Autoritäten der Ope- rette berufen zu können. Wer würde ohne den kategorischen Im- perativ des Operettenschlagers in Liebessachen überhaupt zu einem gedeihlichen Ende gelangen? Solche Zitate sprechen deutlicher und überzeugender zu der Geliebten als geistige und körperliche Vorzüge od« glühend, Beteuerungen. Diese Liebeslieder der Operette haben Leipzig, 14. November.(Eigener Drahtbericht.) Die Wahl- beteiligung bei der gestrigen Stadtverordnetenwahl betrug etwa 86 Proz. Es erhielten: Sozialdemokraten 26 433, die USP. 114 733, die Demokraten 29 386, die Kommunisten 36 346 Stimmen. Für die bürgerliche Gemeinschaftsliste wurden 134 6l9 Stimmen abgegeben. Die Deutsch-Sozialisten erhielten 3983 Stim- men. Nach den bisher oorliegenden Ergebnissen dürfte Stimmengleichheit zwis6)en den bürgerlichen und jozialtstischen Parteien zu erwarten sein, bei 36 sozialistischen und 36 bürgerlichen Sitzen. Bisher standen 39 sozialistischen Vertretern 36 Bürgerliche gegen- über. Die Unabhängigen zählten 33 Mandate, die SPD. 6 Sitze. Nach der Spaltung trat eine unabhängige Stadtverordnete zu den Kommunisten über. Um Itzehoe« Siel, 14. November.(Eigener Drahtbericht.) In Itzehoe in Holstein fanden am Sonntag die Neuwahlen für das vom Minister Dominicus ausgelöste Stadtverordneten- k o l l e g i u m statt. Bekanntlich wurde am 27. Februar der Ge- nvsje Schinkel mit 4766 gegen 4666 Stimmen zum zweiten Bürgermeister gewählt. Im Verfolg dieser Wahl lcgleu 14 bürgerliche Stadtverordnete und 3 Stadträte ihre Aemter nieder. weil sie mit dem Genossen Schinkel nicht zusammenarbeiten wollten. Das Stadtverordnetenkollegium blieb aber mit 16 Mitgliedern noch immer beschlußfähig und beschloß die Neuwahl für die drei ausgeschiedenen Stadträte. Genosse Schinkel führte darauf die drei Neugewählten in ihre Aemter ein, weil der erste Bürgermeister die Einführung angeblich auf Anweisung höheren Orts verweigerte. Das Kollegium wurde Mitte Oktober ausgelöst. Auch die Bestätigung der Wahl des Genossen Schinkel wurde versagt. Bei der am Sonntag stattgefundcnen Neuwahl des Stadtverordnetenkollegiums wurden nun von der bürgerlichen Einheitsliste 15 Stadtverordnete, von der sozialdemokratischen 11 und von der kommunistischen Liste 4 Stadtverordnete gewählt. Das Kollegium zählt 36 Mitglieder. Die Zusammensetzung des neuen Kollegiums ist also die gleiche geblieben, 15 sozio- listischen stehen 15 bürgerliche Sitze gegenüber. Die SPD. hat einen Sitz an die Kommunisten abgeben müssen, doch werden hierdurch die Mehrheitsverhältnisse nicht beeinflußt. Die Morüer ermorden einander! Neue Bluttaten der Oberländer Fsehnte. München, 14. November.(Eigener Drahtbericht.) Die Mün- chencr sozialistischen Blätter besprechen— unter tiefstem Schweigen der bürgerlichen Presse— die Mordtat, dle durch den Oberland- Studenten Berthold an einem anderen Mitglied des Freikorps Oberland namens Schweighardt in der Näh« von Graz verübt worden ist. Fest steht, daß ein Schweig- Hardt an dem politischen Mord im Forstenrieder Park beteiligt war, ferner stand fest, daß Schweighardt im drin- gendem Verdacht steht, Garcis ermordet zu haben. Fest steht wei- ter, daß B e r t h o l d. der seinerzeit den Mordübersall aus Dobner inszeniert hatte, ebenfalls der Mitkälerschast an der Ermordung Gareis dringend oerdächt ist. Die Münchener„Post- glaubt, daß durch die neuerliche Oberländer-Mordta« Licht in das Dunkel des Erzberger- Mordes gebracht worden fei. Das USP.- Organ, die„Morgenpoft-, schreibt, daß hierdurch der Schleier, der über dem Attentat auf Gareis lag, gelichtet worden sei.— Die Münchener Polizeidirektion aber schweigt und sieht sich nur unter dem steten BruC der Sozialisten gezwungen, den Verdachts- Momenten nachzugehen. Aurückhattung am devifenmarkt. Jin Zusommenharig mit den verschärften Bestimmungen der Ädrechnungsstelle für Devisen an der Berliner Börse und mit der Ankündigung des Gesetzes über den Deviscnverkehr macht sich eine fortschreitende Verringerung der Umsätze bemerkbar. Die Spekulation hält sich sehr zurück. Der Dollar setzte mit 254 ein und ging im Berlaiis der ersten Börsen- stunde auf etwa 246 zurück. Auch der Effektenmarkt zeigte im Hinweis auf die Anwesenheit der Reparationskom- Mission und auf die gespannte innerpolitische Lage eine be- merkenswerte Zurückhaltung. zudem den Vorzug, daß sie auch mit den Beinen gesungen, daß sie getanzt werden können. Bei einiger Kenntnis der Literatur ist der Erfolg oerbürgt. Der Gras von Luxemburg heiraKt das süße Mädel, der arme Jonathan kriegt di« Dollarprinzessi». die moderne Eva jeglichen Standes kriegt den Mann, der arm sein darf, wenn er recht gut singen und tanzen kann. Das Problem hat ausgelitten. Der Ernst des Lebens hat nur noch einige Gewalt über die Mu- siker, die die Schlager außerhalb des Operettentheater» spielen müssen. Jeder Leiter einer Kapelle konstatieri vor jeder Uraussüh- rung, daß die ihm vom geschäftstüchtigen Verleger ins Hau» ge- schickten neuen Schlager beim Publikum absolui kein Verständnis finden, so lange die neue Operette nicht ungefähr 2Smal über die Bretter gegangen Ist. Nur in dem Falle gelingt e» der Kapelle, einig« Aufmerksamkeit zu erwecken, wenn das Publikum erfährt, wo- her die neue Melodie stammt. In jedem anderen Falle zeigt es völlige Gleichgültigkeit gegen diesen Schlager, den es wenige Wochen später selbst im Schlaf singen, pfeifen und— hören wird. Weh dem, der dann etwas Böses von dem Schlager denttl Das 2. Festkonzert des Bezirksbildungsausschusies Groß-BerNu der SPD. im großen Saale der„Philharmonie- war M o. zart gewidmet, dem göttlichen Mozart. Im Januar 1341 schrieb der Klassiker der Musikkritik Robert Schumann nach einem Mozart. Abend:„Ist cs nicht, als würden Mozarts Werke immer frischer, se mehr man sie hört", und meinte, manche von ihnen„dufteten wie jung« Veilchen.- Richtiger hätte es geheißen:„frische" Veilchen: jedoch der von Eros Geliebte dachte wohl dabei an junge Mädchen, und ähnlich empfindet auch heute der Gleichgestimmte seinen Mo- zart, und Rose Walter gab das Rezitativ und die Arie der Gräfin aus„Figaros Hochzeit", die Arie der Sandrina aus„Die Gärtnerin aus Liebe" mit jungmädchenhaster Süße und Lieblichkeit. Auch gcsangstechnisch eine schöne Leistung. Sicher in allen Registern und schattierunosreich. Metall auch bei zartester Dämpfung. Felo R o o n f e l t spielte das Klavierkonzert in v-Moll. Klavicristlsch einwandfrei: doch Hütten wir es uns duftiger, erdferner, sonniger gewünscht. Die Ausfassung des Dirigenten strich— schien's uns— an der eigenwilligen Stirn der jungen Künstlerin ein bißchen vorbei. Dennoch— der rauschende Beifall war verdient. Dr. Stiedry (Kapellmeister der Staatsopsr), Musiker bis in die Fingerspitzen, brachte die, das Programm crösfnende„Figaro".Ouvertiiilre niit Schwung und ließ sich keine der delikaten Feinheiten in der das Pro- gramm beschließenden V-Dur-Sinfonie entgegen. vn. Zensur- Humor. Die in Czernowltz erscheinende„Deutsche Valkszeitung' steht, wie alle Zeitungen in' den neu erworbenen Ge- bieten Eroßrumäniens, unter Zensur. Die Zeitung wollte nun in ihrer Nummer vom 22. Oktober ein Artikelchen bringen, das der Zensur zum Opfer fiel. Stehengeblieben ist nur die Ueberschrist „Eine sonderbare Art" und der erste Saß:„Die Gendarmerie hat bei uns sehr viel Macht".. Dann aber folgt zur Bekräftigung dessen die große weiße Lücke mit dem festen Eindruck: Zensurierll Keine Stunöung öer �anuar-Fablung? Die„B. Z. am Mittag" will von unterrichteter Seite er- fahren haben, daß die Reparationskommission und das Garan- tiekomitee sich darüber geeinigt hätten, die englische An- regung einer Stundung der am 15. Januar jalligen Repa- rationsrate fallen zu lassen. Sie hätten vielmehr beschlossen. aus pünktlicher Einhaltung des ganzen Zahlungs- planes ohne Diskussion mit der Reichsregierung zu beharren. Auch würde irgendeine Prüfung der deutschen Zahlungsfähigkeit nicht stattfinden. Ob diese Hiobsbotschaft den Tatsachen entspricht, darüber war an amtlicher Stelle bis zur Mittagsstunde angeblich nichts bekannt. Es wird dort versichert, daß irgendwelche o s f i- z i e l l e n Verhandlungen zwischen Reparationskommission und Reichsregierung bisher überhaupt nicht stattge- funden haben. Und über den Stand der offiziösen Besprechungen vermag man keine authentische Auskunjt zu geben. Die„B. Z." fügt, gewiffermaßen beruhigend, hinzu, daß die Reichsregieruno sich den für die nächsten Zahlungen er- forderlichen Devisenbet,rag bereits gesichert hätte. bis auf einen Rest von 46 Millionen Goldmark, für dessen Be- schaffung aber gewisse Jndustriekreise die Bürgschaft über- nomine» hätten. Was an diesen verschiedenen Mitteilungen den Tatsachen entspricht, läßt sich, wie gesagt, bis zur Stunde nicht feststellen. Sollten die Beschlüsse der Reparationskommission wirklich in dem angeführten Sinne lauten, dann würde dies die Zerstö- rung auch der sehr bescheidenen Hoffnungen bedeuten, mit denen wir der Reise der Reparotionskommission nach Berlin entgegengesehen hatten. Die Folgen einer solchen Jntranfi- gcnz wären unabsehbar, auch wenn es wahr sein sollte, daß der Devisenbedarf des Reiches für die nächste Reparations- zahlung gedeckt ist. Oder waren diese von Reichs wegen ge- hamsterten Devisen ursprünglich für andere Zwecke, etwa für Lebensmitteleinkäuse in Aussicht genommen?' Wie dem auch sei, glauben wir, daß man bester tut, amt- liche Beschlüsse und Mitteilungen abzuwarten, ehe man sich übertriebenen Befürchtungen über die Gestaltung der wirt- fchaftlichen Verhältniste Deutschlands im kommenden Winter hingibt. Wenn es aber wahr ist, daß. wie die„B. Z." aus Paris meldet, die französische Presse die ablehnende Haltung der Reparationskommission auf den„schlechten und ob- kühlenden Eindruck" zurückführt, den das Kredit- Programm derJndustrie auf sie gemacht hätte, dann haben die Herren vom Reichsverband der deutschen Industrie eine schwere Schuld auf sich geladen. Aber diese Schuld wird nicht ohne Sühne bleiben: denn je schmerer die finanzielle und wirtschaftliche Lage Deutschlands sich gestaltet, desto rücksichts- loser wird man den einzigen rettenden Ausweg, die Er- fossungderGold-undSach werte, beschreiten müssen._ Tagung öes �e:chsheamtenbe?rats. Am 12. und l3. November tagte der Neichsbeomtenbcirat im Sitzungssaal des Parteivorstandes, um zu wichtigen Beamtenfragen Stellung zu netzmen. Auf der Tagesordnung stand: Der Görlitzer Parteitag und die Beamtensragen(Referenten: Hermann Wäger. Wilin Steinkapfl. 2. Die BeamtengewerNrbaftsbemegung(Referent: Ministerialrat o. D. Folkenberg. 3. Beamtenrätegesetz und Disziplinarrecht(Referenten: Dr. Noelker und 97t o- Gronefeld). 4. Organisation und Agitation (Referent: Hermann Wäger). Die Tagung wurde vom Kenosten Franz Krüger mit einer kurzen Begrüßungsansprache und einem Hinweis auf die Wichtigkeit der zur Verhandlung stehenden Fragen eröffnet. Zur Tagung liegen 47 Anträge aus oer'chiedencn Städten oor. Einen Bericht über die Tagung lasten wir folgen. Der Kampf um üie üeutscken Werke« Heut« früh wurde, wi« di« PPN. hören, der Zentral- betriebsrot der Deutschen Werk« von General Rollet empfangen. Ueber das Ergebnis der Verhandlungen vertautet bis jetzt noch nichts._ Sredlthilse. Kredit? Vampir Kapital zwinkerte mit den Triefaugen, blähte den un- förmigen Leib, den vier Jahre Morden gemästet: Gewiß, ich helfe! Und aus feinem Munde spie er Goldstücke. Spärlich, umströmt von widerlich eklem Gestank. Der roch nach Blut und Stöhnen, nach schaler Neige übersättigten Prastens und Hungerschweiß. Während ober der Vampir geizig Gold spie, drängte« brutal seine Saugarme in das Land, in das Volk, daß cs, ausgesagt, ge- martert, aufschrie. Er aber lächelte nur. ein gemeines, frostiges Grinsen und sprach:„Ihr lalltet mir noch dankbar sein, daß ich nicht alles, was meine Saugnäpfe schlucken, für mich behalte. Ich helfe euch dochi" Und wieder stank Blut und Schweiß und faule Uebersattheit aus seinem Munde, fiel ein Goldstück. Ringsum aber schrien Millionen auf, denen das Gold hundert- fach ausgepreßt war. P. H. Ein neuer Urmenschenfund. Ein neuer Urmenschenfchädel, der viel älter ist als der des Reanderiaimenschen, soll Im British Museum Ausstellung stnden. Der Fund wurde in einer Höhte der Bröken» Hill-Mine in Rhodesia gemacht. Es war der einzige menschliche Ueberrest, der in dieser 66 Fuß unter der Erde geleaenen Höhle ge- macht wurde.„Es waren da", berichtet der Finder William F. Har- ri»,.Hunderte von Zentnern oerstcinerte Tierknochen aufgehäust, darunter solche von Elefanten, Löwen usw., zahllose Knochen von kleinen Bögeln. Der einzige große Knochen in der Nähe der lieber. reste dieses frühen Menfchenoorkahren war der zerschmetterte Schädel eines Löwen, und ein runder Stein lag dabei." Der bekannte Prä- Historiker der Londoner Unioersität. Prof. Elliot Smith, behauptet. daß es sich bei diesem Schädel um einen bisher aanz unbekannten Typus des Urmenschen handle, der sehr viel älter sei als der Neandertalmensch. aber nicht ganz so alt wie der seinerzeit auf Java gefundene Pithecanthropus. Z»(r-firen von Franz Tieberich wird die BolttbllSne am Mon'ag. den LS. Nov., im Nalbausinal eine e d ä ch, u i s j e i e r veranNatten. Ioiei llmtvold Eiern au» Wie» wird Worte de» Gedenken» im ecken. Ida Hoiih zu Riede» mit»ilfred Wiuenberg. Smmh Gellog»»d Borovki werden die von Vaul Echewpfwg komponierte!! ZLorpSweder SI'mm»iu!en zum Borlraq bringen, Enifl Friedrich iprichl Diedenwicke Gedichte. Niilabkaneu zu» St in der NeschältSlielle der Vollsbühne. Linienstrave 27, der LollS- bühnenbuchbandlung, bei Zieh uiw. Der Stnbruch eiöfsnet im.Großen Eckaiilpielhonke' eine Reibe vo!k». lümiicher M a b I e r.»i n s s g h»„ n g e n" m:t pmi PbUbarmoniicken Oi. [heiler unter Leitung von Klaus Prln geheim mit der S. Linfonie am 10. November. Die(«rofif BolkSoper Verl in Bringt am 81. Rovemb-r in der .Reuen Weil' Verdis Oper:„Ei,, x,' a s l c n b a l l- zur«lusilthrung. Lrhrslubl für fiiiiotedjiiif wird an der Berliner Technischen Pochichuie eingerichiet. Dr(toil stordi wird die Kuiolcchnil in einer ivöchciitltch zweistündigen Vorlesung behandeln. <7iii Tuberkulose. Preis. Da» Viäfidinm de» Deutschen stentrak- komüee» zur Belämpsuiig der Tuberiusose bn! den Pres» von M» m fgr ein neue» Versabren zur DeSinseklion de» AuSwiuse» von Zuberkulöicn der von Ilhlendiilb. Ioelten und jdailer eingereichten?!rbeil üb« DcSm» leUioo mit Muliihjol, Parol und KrcsoUaugen zuerlanut. Demokratischer Parteitag. der Sonnwgssitzunxi wurde die Auslpracl>s fortgesetzt. Unter den Diskussionsrednern verdient Erwähnung Slaatssekrelär o. D. Dernburg, der bedauerte, daß die Partei aus taktischen Eründen die besten Köpfe aus der Regierung herausgezogen Hobe, und er hofste, daß R a t h e n a u bald wieder in seinen Ent- fchlüssen frei werde, um sür den Fall einer Einladung hierzu in die Regierung einzutreten. Reichsminister a. D. K o ch ist der Ansicht, daß Wirth nach seinem Rücktritt nicht wieder hätte zurück- kehren dürfen. Der Opposiion warf er vor. daß sie die Partei immer angrisse, wenn diese irgendeine Dummheit der Sozialdemo- kratie nicht mitmachen wolle.(!) Im Anschluß daran polemisierte Koch heftig ge g« n d i e S o z i a l de m o k r a t i e. Es sei ein Irr- Iu«i,(?) daß die Sozialdemokratie einer starken Demokratie g ü n st i g gesinnt sei. Aus der Sleuerfrage wolle die Sozialdemokratie einen Ägitationsstoff sür die Sozialisierung machen. Schließlich erkannte aber selbst Koch an, daß die Gefahren von der Reaktion größer sind als die politischen Gefahren von links. Pro- feffor G e r l a n d- Jena wandte sich gegen die Opposition und gegen einen Wiedereintritt Rathenaus in die Regierung. Würde Rathenau wieder eintreten, so werde kein Mensch mehr an die Zielbewußlheit der Partei glauben.(Wer glaubt denn noch daran?) Auch Gerland polemisierte heftig gegen die So- Zieldemokratie. Dagegen wünscht« Dr. B e r n dt-Stettin, daß die "Partei im Kamps gegen die Reaktion die Führung übernehme. Die Groß« Koalition sei ein« Frage der Taktik, kein Glaubens- f a tz. Staatssekretär chausmann- Stuttgart verteidigt die Hai- tung der Reichstagsfraktion als konsequent. Er verwahrt sie gegen den Vorwurf, der Deutschen Volkspartei nachge- lausen zu sein. Schneider- Sachsen dagegen bedauert, daß die Fraktion nach rechts neige. Er tritt energisch sür eine Erfassung der Goldwtrle«in. lieber die ungerecht« Besteuerung herrsch: mit Recht große Erbitterung, kein Arbeitnehmer werde es sich aefallen lassen, daß die Industrie sich der Reichsbelriebe bemächtige. Wolle die Industrie nicht freiwillig geben, so müsse sie gezwungen werden. Dr. ch e u ß vertritt den Standpunkt der Fraktion und polemi- fiert scharf gegen den Reichskanzler Wirth, der in der bayerischen Frag«, in der Finanzverwaltung und gegenüber dem Auslande nichts geleistet habe. Staatssekretär a. D. Meyer be- dauert den Verlust des Handelsministeriums in Preußen. Reichs- tagzabgeordneier Erkelenz erklärt: die Partei sei bisher der Volkspartei in einer Weise nachgelnusea. die unerträglich geworden sei.(Lebhaster Beisall.) Sin der letzten Krise habe die Volkspartei nachweist. ch in vier Fällen die Haltung der Fraktion entscheidend beeinslußt. Er olemisiert äbnlich wie Schneider gegen das Verhalten der In- den is bei der Kreditaktton. Den Krieg habe man zum größten T« ve.toren, weil das liberale Bürgertum gegenüber der Re.ttcion kein Rückgrat gezeigt habe.(Lebhafter Beifall.) Freudenberg verurteilt als Lerttetcr der Industrie, daß diese die Krcdtz.aküon mit politischen Machtforderungen ver- knünft habe. Senator Dr. Pe t e r s e n bestreitet, daß� die Re:chs- aasfraktion sich von der Deut'chen Vo'ksoartei habe beeinflussen tasten. Die Frakion habe«in stimm ig beschlostan, daß sie nur«ine solche Re'o.'ution erträgt, die ihr das Vertrauen ausspricht.(Eine solche Re'otution ist eingegangen.) H a a s- Karl'ruhe begründet die Haltung der Minorität der Fraktion, die der obiaen En schießuna aus Gründen der Einig- keit?ugestimmt hat. Er ist für die Große Koalition, wenn aber «ine Partei nickt mitmachen wolle, so müsse trotzdem eine Re» gierung aus schmalerer Basis aebi det werden. Daraus wird der(in unserer Sonntaasnummer wiedergegebene) Anlrog der Opposition zurückgezogen. well die Antragsteller nicht beabsichtigt hätten, der Fraktion_ ein Mißtrauensvotum auszustellen. Damit ist die gefährlichste Klippe dies«, Parieiiägs takiisch umschifft. Es tritt die Mlttagsxaul« ein._ J, der Rachmittagssitzung wurde die politische Aussprache mit einem Schlußwort des Senators Dr. Petersen beendet. Folgende Resolution wurde unter großem Beifall e i n st i m m i g angenommen, die Teile der zurückgezvaenen oppositionellen Rcsolution ent- hält, am Schluß aber der Reichstagsfraktion da, Vertrauen aus- spricht: ..Die Deutsche demokratische Partei ist als eine ausgesprochen republikanische Partei begründet worden. Zweck ihrer Gründung und Inhalt ihres Partcivroqramms ist die Verwirklichung nalio- «--ler und sozialer voiilik aus dem voden der Demokralie. Eine suche Demokratie ist eine nationale Notwendigkeit zur Erhaltung der Einheit des Volkes und zur Wiederaufrichtung des deutschen Vaterlandes.. Unter den gegenwärtigen deutschen Parteiverhaltnisten ist eine R'.faierungscildung aus möglichst breiter Grundlage zur Verwirk- ichung dieses Zieles erstrebenswert. Ter Parteitag begrüßt d.e Mündliche und offenherzige Aussprache über die künftige Politik er Partei und spricht der Reichskagssraklion das verkranen aus. Hierauf wurden die Neuwahlen zum Vorstand vor- genommen, die folgendes Resultat ergaben: Senator �.r. Petersen wurde einstimmig zum Versitzenden der Partei und des Partei- rnisschusses wiedergewählt. Auf feine Bitte, ihn dadurch zu entlasten, daß der Vorsitz des Porteicorstandes, nunmehr in andere Hm'de geltfit werde, wurde Reichstagsabgeordneter Erkelenz zum Vor- sitzenden des Partcivorstandcs und Dr. Fischer- Köln zu seinem Stellvcrttetcr gewählt. Zu Stellvertretern des Pnrteivorsitzendcn Petersen wurden die bisherigen Stellvertreter Proscstor G e r l a n d- Jena, Ministerialrat Dr. Säumer und Staatspräsident Dr. H i e- !> e r> Stuttgart wiedergewählt. Darauf wurden saßungsgemäg die i! auswärtigen Mitglieder des Vorstandes gewählt, zu denen der .. r r r■» 1 TOrtv-fJ«*« � Mdn flrtf NNNI. Majsenkunö gebung für Sie Abrüstung. Krieq dem Kriege! In Amsterdam sind die Gewerkschafter des Internationalen Gewcrkschaftsbundes als Vertreter der schaffenden Proletarier der ganzen Welt zusammengekommen, um über Maßnahmen zu b e- schließen, die geeignet sind, unsägliches Elend zu verhindern—, in W a I h i n g to n aber oereinigten sich die Staatsmänner der En- Nachdem Hauptmann Willy Meyer im Sinne der Abrüstung gesprochen hatte, erhielt Genossin Antonie P f ii l f das Wort: Ucberall in der Welt, so führte sie aus, hat der Krieg Not und Elend hinterlasten. Daher werden auch die Männer, die in Washington zusammenkommen, sich ernsthaft mit dem Gedanken der Ab- tente, als Vertreter der Staaten, um über Abrüstungsfragen zu b-> I � VI-�1". Mit Dankbark� mir *• rt ♦ rt** Tirti t f fouurtthn- ctn+itfaifn erj-„ jener ut?, bcoor Dtr Strien mit Geenuet mor� raten. Deutschland ober nimmt lebhas.es Interesse an diesen Vor- � großes Liebeswerk für Deutschlands Kinder gangen und darum hatte der Akitonsausschuß„Nie wieder organisierten, da- ihnen den unauslöschlichen Dank der Krieg", der von einer Anzahl pazifistischer Organisationen gebildet deutschen Mütter eingebracht hat. Wir müssen die Schran- wird, im Verein mit der Berliner Eewerkschaftskom- ken niederreißen, die in den Köpfen der Menschen gegen den Frie- Mission am gestrigen Sonntag im Zirkus Busch eine Friedens- s denswillen errichtet sind.(Beifall.) Es muß abgerüstet wer- kundgebung veranstaltet, die von Tausenden besucht war, und bei! den mit der kapitalistischen Wirtschaft, die uns durch der namhafte Vertteter pazifistischer Organisationen zu Worte kamen. Wilhelm Dieterl«, Mitglied der Holländer-Bühnen der zur Einleitung Herbert Eulenbergs Gedicht.Leite der Zutlinft" sprach, gab damit den Auftakt zu der eindrucksvollen Veranstaltung. Armin Wegner widmete den Talen im Weltkriege eine tiefempfundene und mit lautem Beifall aufgenommene Ge- dächtnisrede. Für die Berliner Gewertschoftsiommission sprach Wilhelm R e i m a n n, der daran erinnerte, daß der Krieg der ar. beitendcn Bevölkerung niemals Segen bringe, sondern nur die Kassen der Kapitalisten fülle. Kapitalismus und Militarismus sind Geschwister, und daher ist die Konserenz in Wasbington nicht viel mehr als eine schöne Geste. Aber hinter den Männern, die in Amsterdam versammelt sind, stehen 25 Millionen organisierter Pro- ietarier.(Lebhafter Beifall.) Die Transportorbeiter der Welt haben beschlossen, im Falle eines Krieges sofort in den General st reik einzutreten, ein Beschluß, der von den englischen Transportarbeitern befolgt wurde, als Frankreich und England gemeinfam gegen Sowfetrußland vorgehen wollten, und der das Unternehmen vereitelte. Die eiserne I n t e r- nationale der Metallarbeiter aber hat beschlossen, im Kriegsfalle die Herstellung von Aiuniliou und Waffen za verweigern. Ueberall sind Zeichen der Besinnung zu bemerken. Redner erinnerte an die Ovationen, die dem Genössen Sasfenbach in Belgien dargebracht wurden. Amerikanische Gewerkschafter, die vor kurzem in Deutschland weilten, haben mit großer Freude, von unserem Kampf sür den Frieden der Welt Kenntnis genommen. Der Inter- nationale Gewerkschaftsbund ist für uns die Macht, die das Wort verwirklichen wird, das in der Weihnachtszeit von Toiilenden wie- dcrholt wird:„Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen.(Lebhafter Beifall.) Dr. Hans Simons jun. kennzeichnete die Washingtoner Konferenz im Sinne der Vorredners und erklärte, daß sich I m Völkerbund, so unvollkommen er auch sei, eine Weltre» gierung entwickle, und daß die Arbeiter alles daransetzen müßten. in ihm Einfluß und Macht zu erlangen, damit er ein wahr- Haftes Instrument des Friedens werde.(Beifall.) ihre eigene Schwerkraft in neue Kriege hineinzutreiben droht.(Bei- fall.) In dem Leid, das uns heute erfaßt hat, wüsten die Frauen die st arkeSiegeszu verficht haben, daß einmal das Gute siegen wird. Mögen die neuen Friedenskonferenzen endlich der Anfang fein eines neuen Zeilalkers der Menfchlichkelk. (Lebhafter Peifoll.) Genosse Paul Oe st reich führte aus, daß dle Erziehung zum Pazifismus schon bei der Jugend in der Schule beginnen müsse, und von diesem Standpunkts aus sei die Besetzung des Kultusministe- rium» mit dem deutschvolksparteilichen Abgeordneten Dr. Bälitz scharf zu verurteilen. Eine E n t s ch l i e ß u n g, die er vorlegte, und die mit brausendem Beifall begrüßt wurde, nennt diese Besetzung des Kultusministeriums eine Versündigung gegen den Geist der Reichsvcrfassung und fordert alle Pazifisten und Republikaner auf, mit allen tauglichen politischen Mitteln dafür zu arbeiten, daß Dr. Bülitz durch einen Republikaner ersetzt werde, der gewillt ist, die Artikel der Reichsverfassung auch in Preußen durchzuführen. Helmut v. Kerlach kennzeichnete den Wafsenfund in Görlitz durch die Wachsamkeit der Gewerkschasten, die man dafür als „unpatriotisch" bezeichnet hat. Er richtete an den Reichswehrminister (allgemeines Gelächter) die Frage, ob die schuldigen Offiziere, Hauptmann v. Falkenhorst und Major Beck aus Breslau be- straft worden sind. Er geißelte dos Leichengepränge bei der Bei- setzung des ehemaligen bayerischen Königs, an dem, weil er Feld- Marschall der deutschen Armee war. die Reichswehr teilgenommen hat. Schließlich forderte er die Konfiszierung des Hohcnzollern- Vermögens und die Verbannung der männlichen Hohenzollern und Wittelsbacher aus Deutschland. � An washingkon und Amsterdam wurden Telegramme gesandt. In dem ersteren werden die Staats- f Männer der Entente aufgefordert, ihre Beschlüsse trotz aller Wider st ände auf die Kernfragen internationaler Abrüstung einzu st eilen, in dem anderen wird der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß es dem Internationalen Gewcrkschaftsbunde gelingen möge,„seinen Beschlüssen bei den Regierun. gen Respekt zu verschaffe n"". Zum Schluß sprach Wilhelm D i e t e r l e Bcrangers„Heilige A l l i a n z d e r D ö l k e r". Leipzig, Oberlehrer L a n d a h l- Hamburg, Dr. Cohnstedt» Frankfurt a. M., Iustizrat Falk-Köln. Stadttat Dr. Grundt- Breslau, Landwirt Wachhorst de Wente und Reichstagsabge- c rdncter Haas- Karlsruhe. Zur vcmolrakisterung der Derwallong lag folgender Antrag vor: „Der Parteitag fordert die beschleunigte Durchfüh- rung der Demokratisierung der Verwaltung. Es genügt nicht, daß die Staatsform eine demokrattfche ist, notwendig ist vielmehr ihre Erfüllung mit verfassungstreuem Geist. Zur Verwirklichung dieses Grundsatzes müssen alle Beamten in Ministerien oder sonstigen politi'chen Stellungen, die in ihrem Amte die Demokratisierung unterbinden oder außerhalb ih-es Amtes die Republik und ihre Einrichtungen verächtlich machen, enlsernk und durch, nnbeblngl verfaisuugs- kroue Personen erseht werden. Wir wünschen weiter, daß alle ver- fassungstteuen Beamten gegen Verunglimpfung wie auch aeoen gesellschaftliche Aechtung wegen ihrer Gesinnung geschützt werden. Wir verlangen die Anstellung und den A u f- stieg der Tüchtigen, ohne Rücksicht auf Herkunft, Glaubens- bckenntnis Vermögen und Geschlecht unter Ablehnung jeder Krippenwirtschaft. Geeigneten Beamten des m i t t l e r e n u n d unteren Dienstes ist die Möglichkeit des Ausruckens inhöhereStellungenzu sichern." Dieser Antrag wurde unter großem Beifall einstimmig ange- nommen. Daraus wurden die Verhandlungen auf Montag vertagt. Die Montagsfitzung begann mit einer Aussprache übers die Flaggensraae. Die meisten Redner führten hier einen Eiertanz zwl'chen Schwarz-Weiß-Rot und Schwarz-Rot-Goid auf. zu dem der mit beiden Flagqenarien dekorierte Saal den stimmungs. gemäßen Hintergrund bot. Ein Vertreter der Jugend trat energisch für Schwarz-Rot-Gold ein. die anderen klagten über' unnötige Verschärfung des politischen Kampfes, empfahlen Toleranz usw. t GroßlBerlm Der Zug 6er Schlitten. Die sonntäglich« Schneedecke, die sich in der Umgebung Berlins noch in blütenweißer Reinheit erstreckt, ließ gestern die an und für sich auf das befcheidenst« eingestellten Wintersportgelüste des Der- lrner Publikums wieder erwachen. Das brach:« d«r Eisenbahn einen lebhaften Verkehr. Man wollte mit dem tufenbewehrten Winter- fportgerät, dem Rodelschlitten, ins Freie ziehen, um an Berg- abhängen einem gesunden Rodesport zu huldigen. Aber diese Rech- nung war ohn« die Ei'enbahnverwattung gemacht. In zahlreichen Fällen wurde die Mitsührung tcr Schlitten aus Grund einer noch immer bestehenden Kriegsoersügung von den Beamten an den Bahn- hvfssperren verweigert. Diese Kriegsverfügung wurde erlassen, weil die Schlitten möglicherweif« die Kleidung Milrei'ender beschmutzen konnten. Jetzt, wo die Uebcrsüllung der Vorortzüge nicht mehr den Grad erreicht wie in den Vorjahren, müßt« in dieser Hinsicht«ine mildere Bestimmung treten, um auch der Jugend einen Sport zu ermöglichen, zu den in gebirgigen Gegenden in den Zügen zur Mit- führung der Wintersportgeräte, wie Schneeschuhe, Rodelschlitten usw. sogar besondere Wagen eingestellt werden. Hierzu kommt sür die Umgebung Eroß-Berlins noch ein weiteres Moment, die die Eilen- bahnverwa'.tung bestimmen soll:«, die Zulassung der Mitführung von Schlitten in die Personenabteile unter bestimmten Voraussetzungen zu erleichlern. Unzählige Arbeitslose und Minderbemittelte schaffen sich durch das Groben von Stubbenholz in den Wäldern der Umgebung billiges Heizmaterial und auch einen bescheidenen Ver- dienst. Nicht immer ist es möglich, die Stubben schon an Ort und Stelle der Gewinnung soweit zu zerkleinern, daß die Desörderung des Holzes als Tragelost ohne weiteres möglich ist. Im Interesse der Jugend und der Minderbemittelten sollte dahe� die Eisenbahnverwaltung diese Verfügung baldigst, und zwar bevor der Winter vorüber ist. durch eine mildere Form ersetzen, die vielleicht die übrigen Reisenden vor Schlittenungetümen von unge- wohnlicher Größe schützt, einen kleinen Rodel- oder Lastichlitten sedoch eine besonder« Frachtberechnung wie ein« Tragelast bis zu einer bestimmten Grenze freiläßt. Erhöhung der Postgebühren. Das Reichspostministerium hat Mitte Oktober mit dem Der- kehrsbeirat über die Erhöhung der Post-, Telegraphen- und Fern- sprcchgebühren verhandelt. Dabei wurde über Post- und Tele- graphengebühren Einverständnis erzielt. Die Erhöhung der Fernsprechgebühren hielt der Verkehrsbeirat für verfrüht, ohne ober an den in Aussicht genommenen Gebührensätzen etwas zu ändern. Inzwischen ist die neue Desoldungserhöhung eingetreten, die mit der Lohnerhöhung und der Steigerung der Materialpreise einen neuen Iahresfehlbetrag von 3?� Milliarden Mark hervorruft. Die Reichsregierung konnte es, wie amtlich mitgeteilt wird, angesichts dieser Sachlage bei den ursprünglich geplanten Gebührensätzen, bei deren Einführung schon 1% Milliarden Mark ungedeckt geblieben wären, nicht bewenden lassen, und hat deshalb beschlosien, diese Gebührensätze um 50 Proz. zu erhöhen. Demzufolge ist im Vergleich zu der Vorkriegszeit bei der Berechnung der künftigen Gebührensätze statt des Verhältnisies I: 10 ein solches von 1: 15 zugrundegelegt worden. Diese Verhältnisrcchnung wird indessen nicht bei allen Gebührenarten streng durchgeführt: zum Teil ist wie beim Paketverkehr eine mäßigere Steigerung vor- gesehen. Die neue Vorlage, dle seht dem Reichsral zugegangen Ist. sich! folgende Gebührensätze vor: Im Orksocrkehr Postkarke 60 Pf., Brief (20 Gramm) 1 IN: im Fernverkehr Postkarke 1 M.. Briefe (20 Gramm) 1.50 M.: Drucksachen(50. 100, 250 Gramm) 40. 75. 150 Pf. Pas Kilopäckchen 4 M. Postanweisungen bis 100 M. ILO Rl. Auch die patelgebühreu werden entsprechend erhöht. Selbstmord dreier Geschwister. Drei Geschwister, dos 71 Jahre alte Fräulein Alwine Lausch, deren 63 Jahre alter Bruder, der Hausbesitzer A n- dreas Lausch und der Stiefbruder der beiden, der 63 Jahre alte Zeichner Gustav Recke, haben am Sonnabend ihrem Leben ein Ende gemocht. Der Stiefbruder wohnte mit der Stief- schwcstec in der Schönhauser Allee 171, während Andrea» Lausch in seinem chaiise in der Vrenzlauer Allee 43 wobnte. Die betonten Geschwister litten große Not. Da sie i n f o l g e i h r e s h o h e n A l. ters nichts mehr oerdienen konnten und ihre Erspar» nisse aufgebracht waren, so beschlossen sie, gemeinsam aus dem Leben zu scheiden. Slndreas Lausch sucht» seine Geichmister in der Schönhauser Allee auf und olle drei machten dort mit Leuchtgas Ihrem Leben ein Ende. Nachbarn nah- men gestern einen starken Gasoeruch wahr. Beamte des 42. Polizei- reviers verschafften sich gewaltsam Einlaß in die Wohnung der allen Leute und fanden sie alle drei tot vor. Die beiden Männer fagen in der Küche tot auf dem Fußboden. Es wurde sofort ein Arzt berbeiqeruien, der aber bei allen drei Personen nur noch den Tod feststellen konnte. D'e drei Leichen wurden beschlagnohml und nach dem Schauhause gebracht. Grostfeuer in Wilmersdorf. Der Conntognochmittog belchästizte dle Feuerwehr In Wil- merlsdorf, wo ein modernes Wohnhaus, Lauenburger Str. 8, in geraumer Ausdehnung in Flammen stand, so daß die Wehr län- gere Zeit mit mehreren Schlauchleitungen von Motorspritzen kräftig löschen mußte, um de» Feuers Herr zu werden. Der Dachstuhl des Hauses ist niedergebrannt, die oberen Geschosse haben durch Wasser gelitten. Erst nach mehrstündiger Tätigkeit tonnte die Wehr wieder abrücken.— Ein zweites Großseuer kam in der Nacht zum Sonnlog früh in 2 Uhr in Treptow, in der Kicfholz- itraße 316.319, auf dem ousoedehnten Holzlagcrplatz von Georg Müller aus noch unoufaeklürter Uriacke aus. Als die Feuer- wehr aus Nledcrschöneweide an der Brandstelle ankam, stand schon ein Holzschuppen in solcher Ausdehnung in Flammen, daß sofort mit mehreren Schlauchleitungen von allen Seiten anaenrifscn werden mußte. Aus die Großfeuer-Meldunq rückten auch Teile der Neu- köllncr und Berliner Feuerwehr nach Treptow aus. Den vereinten Anstrengungen gelang es, den Brand zu lokalisieren und die großen Holzvorräte zum größten Teil zu schützen. Der Schaden soll erheb. lich sein. Sport. Nennen zu lMariendorf. Tenutai. den 13 ktoftember. t. Rennen. 1. Pechnelke(Harttell), L. Perdun(3chSni. 3. Eideldeit(Sleistt. Toi. 710; tO, Dl. 142, 23, 25: 10. Ferner: Fallit II(4), Marieche» H. Balkan l. Ella Dcrsilngcr I, J-le Spbiny. Picciola IN. Sicamund Liwer. Ediiaid I. Hildcbrand. Cavatine, Apsilanii. Mokassine. Ebre�mann— 2. R e n n c n 1. wäiilcliesel(Pr-yre»lbcl>. 2..�eidemann(W. Freundt), S. Alpenlcr OIo» gowsii). Tot. 27:10. Pl. 15, 43, 18:10. Feiner: Heide: ole B(4> Oslermagda. Tevo, Mllrabilll» I, Loiil, Paul. Franko 1. Ibiri» Onward— 3. Rennen. 1. Tip Kuler(Baumgarl), 2. lauer(NöSIeri. 3 C,ern- iSlopZ). Tot, 103:10. PI. 25. 2t, 26:10. Ferner: ttneasminllier(4! Spbinx 95a4co I, Debora!, W. Wih lÄrcgor. Flieger, Bombax. Ma i(Ii' Kücheumädchen, Pilanlrieie. JaNuZ, CaU Kuscr.— 4. Rennen I. Block Jim jr.(Schönrock), 2. DonirMcheii 11(M. RinginS), 3. Tolomit iTeikt Toi. 12: 10. PI. 11, 13, 12:10. Ferner: Matador I ,4, Kn'erirud' Ehrengabe. Jung Bcrgsried.— 5. R e n n e n. 1. wreal Night(Doclemaiutt.' 2. Manleufiel(Jauh Jr.), 3. Donna Todd(Barluicki. Tot. 18: 10 PL 13 20, 26:10. Ferner: Lady Marion II l4>. Muckerl. Araber. Long B Bogdam Keraid A, Cleo Ku'er.— 6. R e n n e n. 1. Edier(Sdjlnncr). 2 ZIll-rtony (ariphan). 3. Mansred(&. Ncucnfelb). Tot. 61:10. PL 18, 19 15:10. Ferner: Madison II 14), Brünbilde III, Erilönig IV. Body. Flora'Bingen. ÄilveriuZ. Amorelle, Erdmaiin, Angrifs.— 7. Rennen.(1. Abiellung.) 1. Allenslcin(Sieger), 2. Ollomar(Hin. Schleus). 3 Dr. Pretzburg(Begoll). Tot. 44:10. PL 18, 21. 49:10. Ferner: Goldsinder(41, U. 9, Eibpriiiz l, Baron WallS. Jupiter III, Tranerrsche. Sniigre. Blnmenniädche» W(Janu jr.) kam als erste ein. wurde diSguoL: 80 Proz. der Einiäde zinstckgezadll.— (2. Ablcilung.) 1. Aulon(Speer). 2. Gudrun II(Kuöpiiadcl). 3. Relpekt (Werner). Tot.: 38: 10. PL 17, 34. 101: ,0. Ferner: Pretula(4), Nebel. Fosner Woodline. Francisco. Jgjcf, GlaSkirlche, ErocuS, WablilalL— 8. Rennen. 1. Leichlsiiin(Ja up>, 2. Lucille FrlSco(E. Trcudeiz), 3. s KnegSsiriwilliger(RöSIer). Tot.: 37:10. PL 18. 19. 36:10. Feiner: WUHelmina, Tiaiilenichö». Sigurd. Dr. Gugg, Chellealand. Künstler. Dar» danella itcine Wetten). Dr. Allinger, Dapbiie I, LaSbccker, Rch Toni S. i Wagehals, Ballipieler. Dody. GewerMlZftsbeVegung Die Gasarbeiterftreiks beigelegt. Bereits im Laufe des Sonnabendnachmitiags wurde im tfjm- blick auf die sofortige Auszahlung der erhöhten Lohnsätze für Oktober und November in den Gasanstaiten Schmargendorf, Danziger Straße und Gitschiner Straße die Arbeit wieder aufgenommen. Am Sonntag vormittag nahmen auch die Be- legfchaften der beiden Charlottenburger Gaswerke, die als erste in den Streib getreten waren, die Arbeit wieder auf. Di« Arbeiter der privaten Gasbetriebsgefellschaft waren offenbar nicht im Bilde und traten am Sonnabend nachmittag in Mariendorf in «inen Sympathiestreik für ihre städtischen Kollegen ein, und am Sonn- tag vormittag trat die Belegschaft der Gesellschaft in Schöneberg sn den Streik, aus Sympathie für die sympathiestreikenden Kollegen im Mariendorfcr Werk. Zum Glück war am Sonntag vormittag dle Funktionärversammlung in der„Neuen Welt". die dem Durcheinander ein Ende machte. Die Versammlung beschloß, wenngleich erst nach stürmischen Auseinandersetzungen, auf Empfehlung des Lohnkartells, die Wiederaufnahme der Arbeit in den noch bestreikten Betrieben. Im Verfolg dieses Beschlusses trat dann die Belegschaft des Gaswerks T e g e l um 4 Uhr nachmittags, die der Gasanstalt Lichtenberg um(5 Uhr abends wieder zur Arbeit an. Die Gasversorgung Groß-Berlins hat infolgedessen am Sonntag abend wieder in allen Bezirken der Stadt eingesetzt, was sich jedoch bei der Beleuchtung nach wenig bemerKiar machte. Der volle Druck im Röhrensystem wird wahrscheinlich erst im Laufe des heutigen Tages wieder eintreten. Bei der Gasbetriebsgefellschaft in Martendorf wurde der Streik heute früh beendet. In der Angelegenheit wird noch ein Wort zwischen den Gewerk- schalen und den Betriebsräten zu reden fein. Lohnbewegung im Textilgrohhandel. In einer stark besuchten Versammlung nahmen die Handels- Hilfsarbeiter im Textilzroßhandel Stellung zu neuen Lohnforde- rungen. In der Aussprache wurde zum Ausdruck gebracht, daß die bisherigen Lohnsätze den wirtschaftlichen Verhältnissen nicht mehr entsprechen und so die Beschäftigten trotz allerqünstigster Konjunktur und den Ricsengewinnen innerhalb der' Branche in Not und Sorge leben müssen. Die Vorschläge der Sektionsleitung wurden verworfen und darüber hinausgebende Sätze in Vorschlag gebracht. Die Organisation wurde verpflichtet, für alle männlichen Arbeitskräfte öllll M., für Weibliche und Jugendliche dementsprechende Wochenlöhne zu verlangen. Mit allseitiger Zustimmung wurde das Wucher- und Echiebertum, das aus egoistischen Motiven die Preise oller Lebensmittel und Bedarfsartikel verteuert, scharf kritisiert. In einer Resolution wurde verlangt, daß die Gewerkschaften mit allen Mitteln, event. durch Proklamicrung des Generalstreiks, die R e- gierung zwingen sollen, geeignete Schritte zu unternehmen, um einen Abbau der Lebensmittelpreise durchzu- führen. Zum Streik bei der Reichsversicherungsanstalt. Das Direktorium der Reichsversicherungsanstalt für Angestellte hat in der gestrigen Sonntagspresse große Inserate veröffentlicht, in welchen die streikenden Beamten aufgefordert werden, ihre Bereit- Willigkeit zur Wiederaufnahme der Arbeit dem Rechnungsrat G i I ch k o w, Wilmersdorf, Nasfauische Str. Ifo, zu erklären. Diese Aufforderung hat das Direktorium erlassen, ohne sich vorher des Einverständnisses des Rechnungsrats Gischkow zu dieser Maßnahme zu versichern. Wie wir erfahren, hat Rechnungsrat Gisch- low bei der Streikleitung erklärtz daß er nicht gewillt sei, Er- klärungen in diesem Sinne entgegenzunehmen. Dieser Vorgang zeigt, daß von den höheren Beamten der Be- Hörde keiner Lust hatte, sich für eine Entgegennahme von Streikbruchertlärungen zur Verfügung zu halten. Des- halb wollte man einem mittleren Beamten diese traurige Rolle ohne sein Wissen und Willen aufbürden. Es ist dies recht bezeichnend dafür, mit welchen Mitteln das Direktorium dieser DeHörde arbeitet. Zum Mctallarbeiterstreik in Düsseldorf. In der Düsseldorfer Hütten- und Metallindustrie ist am Msn- tag ein großer Kampf ausgebrochen; mit Ausnahme weniger Be- triebe liegt die gesamte Hütten- und Metallindustrie still. Die Zahl der Streikenden beträgt ca. 45 000 bis 50 000. Der Grund des Streiks liegt in den schiebten Verdiensten, die zuletzt erzielt worden sind. Schon vor 14 Tagen wurden die Verhandlungen mit der Arbeitgeber- Vereinigung abgebrochen, weil die Zugeständnisse der Arbeitgeber- Vereinigung die Arbeiterschaft nicht befriedigten. Die Arbeitgeber-. vereinitzung rief darauf den Reich skommissar als Schicds- j instonz an, während die Arbcitnehmerorganisationen den Schlich- tungsausschuß anriefen. Dem Schlichtungsausschuß wurde aber die j Angelegenheit durch den Reichskemmissar abgenommen, und es wurde dann am 4. November vom Reichskommissar ein Schiedsspruch gefällt, der in den Spitzenlöhnen eine Verdienstaufbesserung von 25 Pf. vorsah Allerdings hatte die Arbeitgebervereinigung inzwischen bereits speziell den schlecht bezahlten Arbeitern ein« Verdienstauf- besscrung zugestanden, die aber auch der Arbeiterschaft nicht im gc- rinzsten genügte, um ihre Existenz auch nur einigermaßen fristen zu können. Am 8. November wurde dann über den Schiedsspruch eine Ur- abstimmung vorgenommen und der Schiedsspruch abge- lehnt. Am Freitag traten dann nochmals die Funktionäre zu- sammen, um zu der Abstimmung Stellung zu n«Hm«n. Mit überwältigender Majorität wurde beschlossen, heute die Arbeit niedcrzu- legen. Aller Voraussicht nach wird dieser Kampf ein äußerst erbitterter werden, denn aller Wahrscheinlichekit nach hat die Düsseldorfer Arbeitgebervereinigung das Bestreben, die angeblich hohen Verdienstsätze der Düsseldorfer Arbeiterschaft mit den niedrigen Verdienstsätzen tm Lbrlgen Reich zuimgunsten der Düsseldorfer Arbeiterschaft in Ein- klang zu bringen." Aller Voraussicht nach wird ihr dies nicht gelingen. Demonstration bei Krupp in Essen. Essen, 14. November. fCigener Drahtbericht.) Bei der Firma Friedrich Krupp A.-G., Essen, veranstalteten am Samstag nachmit- tag zirka 7000 Arbeiter eine Demonsirativn vor dem Hauptgebäude, wo zur selben Stunde die Arbeitervertreter mit der Direktion der Firma wegen Lohnerhöhungen verhandelten. An der Demonstration, die weder von den Organisationen noch vom Arbeiterrat anerkannt war, beteiligten sich auch christlich organisierte Arbeiter. In einer überaus stark besuchten Dertrauensmännerversamm- lung des Deutschen Mctallarbeiteroerbandcs wurde am Sonntag auch das Ergebnis der Lohnverhandlungcn besprochen, wobei es zu stürmischen Auseinandersetzungen kam. Ein Teil der Vertrauens- männer forderte den sofortigen Streik und griff die k o m- munistische Ortsverwaltung des Metallarbeiterverbandes heftig an, weil diese dringend vor einem aussichts- losen Streik warnte. Schließlich wurde nach stundenlangen Debatten eine Abstimmung vorgenommen. Die neue Lohn- regclung wurde mit knapper Mehrheit angenom- m e n. Zu Zwischenfällen ist es bisher noch nicht gekommen. Der Srcik in der Luxuspapierbranche ist beendigt. In d«n chromo-lithographischen Anstalten und d«n photographischen Kunst- druckbetrieben legten am 31. Oktober 1700 weibliche und 310 männ- sich« im Verband der Buchbinder und Papierverarbeiter Organi-: sicrt«, außerdem 170 Transportarbeiter und zirka 143 im Fabrik- und' graphischen Hilfrarbciterverband Organisiert« die Arbeit nieder. Die| ab 16. Oktober gewährte Teuerungszulage war zu gering und die Unternehmer wollten erst Mitte November nach Verhandlungen mit den Steindruckern und den Lithographen mit den obzn genannten Gruppen verhandeln. Der Schlichtungsausschuß griff von Amts wegen ein und so kam es am 8. November zu einem Vergtsich. Der Vergleich geht dahin, daß den Arbeitern 50 M., den Arbeiterinnen' 40 M. und den Jugendlichen 30 M. beim nächsten Lohnzah'ungstage! als Vorschuß gewährt werden und daß über die Rückzahlung bei der: nächsten Lohn Verhandlung am 17. November eine Einigung erfolgen soll. Die Arbeit wurde am 10. November wieder aufgenommen. Berband der Gemeinde- und Dtaatearbelier tEektion Staatsbetriebe). Donners- taq, 7 lliir. in der„BoSbrauerei-, Berlin. Fidicinitr. 2-3: Wqemeins Mitltlieder- verfantmlnng aller in Reichs- und Staatsbetrieben beschSftictm Lohneltiplänger. Bericht über die legte Lohnbewegung. Deutscher Werkmctstrr-Berband tgartonbranche). Dienstag. 5 Uhr, Im Rest. Schulthciz. Brüüenstr. Si>: Wichtige Beschlußfassung. Groft-Serltner partemachricbten. Infolge technischen Versehens find die am Dienstag stallsindev. den Versammlungen unter Montag eingesetzt worden. Nachstehend die Derichtigung: Morgen, Dienslag, den 15. November:- z. Nrcis Weddinz. rtchtuug, sozialistische Eltern! Die drei öffentlichen Eltern» veuammlungen: Schulaula Wattstr IS. Echulaula Plantagenstr. IZ lg und Schulaula Müllerstr. 48, finden um? Uhr abends statt. Thema:„Was ww die treie Schulgcmcindc 7" Referenten: Dr. Karfen, Marquardt und Krcuzigcr. Ettcrn, erscheint in Massen! 7. Kreis. Eharlotteuturg. 7>,, Uhr Im Schiller» Realgymnasium. SchMerstr. 26 Thema:„Reaierunqsdildung und Koalition." Referent: Franz Krüger, M.d.L. 12. Kreis. Steglitz, Lichterielde, Laalwitz. 8 Uhr, Kreismitgliederoerlammlung im Cymnllfiunt Seeieitrane. Thema:„PrenßenloaU.ion." Ref.: Kurt Heinig. IZ. Kreis. RirdrrfchSnrweide. Kreismitgltederoersammlung 7>/, Uhr in der Schulaula. BerUncr Str. 31. Thema:„Partei und Koalition". Referent: E in Knttner, M. d L. TIcnkilll». It. KreiZ. 7 Uhr in der Liila der Gemeindeschule Kaller-Friedrich» Straße t(am Hermannlilaß). Beginn der Borträge:„Das Partei- Urogramm". Vortragende: Hedwig Wachenheim. Alle Genossinnen werde» ersucht, daran teilzunehmen. Die Vorträge find für drei Abende festgelegt. und zwar tiir jeden Dienstag des Monats t.'lqeno«2. und iJ. Rooetnoer.) 30. Rbt. Mitgliederversammlung der KonsumgenossenschaftZmltglicder der IZt. Berlaufsstelle. Feldhcrrnslr. 27. bei Hanifch. Carmcn-Sylva-Str. 22. Wahl deS GcnosseitfchaftsralsT Alle SPD.-Mitgliedcr müssen erscheinen. 38. Abt.(fr. 22.) 7 Uhr Sitzung sämtlicher Funltionlr«, Detriehsvertra-ens» lenls bei Bauer, Fronlfurter Str. 1. vharlottenburg. 51. Abt. Die am Dienstag angesetzten Zahlabende finde» nicht statt. Dafür allgemeine Mitgliederversammlung des 7. Kreises.— 33. Abt. 714 Uhr erweiterte Abteilungsvorstandslitzung bei Cur, Ufnatl- ftraße 1.— Der Vortrag deS Genossen Hirsch über:„Einsührung in die Bersaffung von Reich. Staat und Kommune" fällt der stattfindenden Kreis- Mitgliederversammlung wegen am Dienstag aus. Nächster Vortragsabend cm Dienstag, den 22. November, 7 Uhr.— 55. Abt. Tie Parteigenossen werden ersucht, ihre Klnder im Alter von 8— 12 Jahren am Dienslag, dem. 1». d. M., nachm. 4 Uhr. zur Genossin Erdmann, Svielbagenstr. IS/18, be- tresfend Reigenaussührung zur Weihnachtsfeier, zu schicken. ES wird ge- Velen, die Kinder zu veranlassen, an jeder Probe teilzunehmen. Pünlt- licheS Erscheinen erforderlich. heute, ZNonkag. den 14. November: 17. Kreis. Lichtenberg. Die Abteilungssührer werden ersucht, mit den Karten zur Reooluiionsseier, sowie zur Urania bis Dienstag, den 15 November, abend» 7 Uhr, adzurechnen.....» 140s. Abt. Wittenau. Die Bersammlung fällt au», wegen der am Freitag, den 18. d. M-, staitfirdende» Kre-smilglicderversammlung in Reinickendorf-Ost, im Neaiqymnafium, Berner Siraße. mck gleichem Thema 1«. Kreis. Köpenick. Abends 7 Ubr, Nathans, Zimmer 43: Sitzung de« Kreisvo» siandes»nd der Dczirisverordncien.— Abends 7 Uhr, In der Dororheenschule„ cfienlliche Ellernversammlung Thema: Die weltliche Schule. Res.: Gen BahUe.. Berantw. Mr den rcdakt. Teil: Dr. Werner Pciser. Charlottenburg: für An. zeigen: Th. Slocke. Berlin. Verlag Vorwäris-Perlag G. m. b. H.. Berlin. Druck: Vörwärts-Buchdruckcrci u. Vcrlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlrn, Lindenftr. 3. 31. Ab». 714 Uhr ÜJÜ marcks 3. Band u; itgliederverfammlung Schönfließer ind der Monarchismus." Ref.: Z Str. 7. Thema: Dr. Deiters. .Bis- „Ziofol", Brttst-Kara mellen, ein wirklich gutes Mittel gegen Hüfte» und Heiserkeit. Zu haben in den einschl. Scschästiu.— Laboratorium p.mne gefittlen» unft zwar je einer auf die Lose gleictier Nummer in den beiden Nbteilunoen I und II Ohne Gewehr. Rachdruck v-rbotm. In der LormittagSzithung wurde« Sewinur über 490 Mark gezog«» 2»« 15000 M 113140 4 zn 10OC0 M 133078 103877 32 za 5i 00 M 81405 �4009 67058 83009 125355 14122« 143839 154867 172104 20074'* 202184 213192 230471 250445 262194 253903 12«« 4£000 M 376 4818 4971 6151 181 0 22102 25429 20912 3703« 43999 45421 61 29 61680 52664 64212 64263 70066 71037 76947 82747 85189 92774 06343 101312 111289 11*3497 120717 133514 140846 14307L 14970« 167407 16 998 165510 166716 170666 171956 172308 178223 18278« 182873 184050 1890 7 191343 102033 106290 197321 210056 218435 23' 352 222614 232094 233163 23/665 238923 241306 243298 253539 275014 276543 27737« 278095 280804 260650 378 n 1000 M 1287 1329 3652 4477 4668 4900 7630 8224 8265 8459 0855 10026 12436 13199 17c69 18140 21362 27410 30141£00:7 31126 31813 32108 3 7l 6 i3l79 33630£3715£3855 34628 36589£7.45 38687 30372 42425 43247 43960 49775 49784 60116 52671 630G6 63324 54529 67'» 30 69146 69724 61765 635�5 64056 65193 65783 66017 68350 71085 74260 74-47 74865 78510 79273 79849 70914 80762 8632« 865.5 85985 86c01 67630*0093 8öi29 69335 89780 89902 94073 98728 100429 100792 10!372 103635 106141 107157 307693 109�.8 111992 115626 119435 119721 127697 139068 134078 134955 135�58 135369 136693 137�73 137444 138609 139901 143470 147682 143173 49745 150050 151 63 15r03i 155 60 155865 156742 36 244 160578 192859 6�868 163451 163538 164091 166758 163222 168004 1 70 I 28 171843 172913 175253 I7t>70l 180395 18046> 183096 183173 183678 384909 185918 187516 188856 100664 ,92 05 196213 200t 93 201635 20,660 206789 206437 20/091 209662'210.13 210870 211837 21 3 0 2lc4ö3 217671 217994 220044 221601 221775 223458 2236�6 229450 229011 231693 231644 234390 226787 237988 2409J5 24-178 243977 244514 246107 247838 248:01 249104 249400 251391 261764 2651.0 26 655 2611 0*6,810 272743 278 78 281200 282394 283039 284746 285637 18Ö015 280991 287667 283381 289äcO 294207 29568 1 3« der Nachmittasszirhung wurde» Gewinne üb« 490 Mark gezo«au 2 zu 40000 M 50<38 4 ZU iOOCO M 19323 196660 18 za 5000 M. 34367 98213 113073 120268 161721 225625 257660 2BC2e? 287*88 120 za 3C00 M 6173 8888 21403 22417 26663 20134 98806 43615 46231 47468 62606 51622 64391 662:0 67174 66063 69320 80735 86087 8770). 39069 9/636 987�7 ,04937 10317« 106155 113667 126514 261 oO 126690 13.620 136445 138764 143107 I4501L 14�93 1&8'26 102389 163297 164582 169193 174855 1-0662«.03864 203944 210529 214605 2 3,25 223935 245463 245759 245.30 247109 256132 260553 265417 273249 276939 28,315 297413 364 za 1000 H 670 1318 6644 10050 10906 12109 13377 18349 22659 24198*.7733 201,7 30262 c07oi 31724 32314 34602 34964 56148 37281 88128 40720 41669 42405 42858 43605 60381 52844 657,5 65860 57950 69565».0230 6,116 61894 02�70 63801 66,36 564,8 69,07 69931 7.9/2 77170 77650 7799 3 79752 80454 80510 81309 82095 82656 87o47 02293 03161 93659 95533 97364 99064 0»23« 101217 I031o9 1047.3 106669 109344 11 ,7c8 112381 ll23oo 113457 116269 116634 116933 113632 12.507 124377 125929 132484 ,33361 136öo3 137041 137521 140204 1418o4 141903 1432>70 145260 ,45-85 146478 ,48017 164833 164846 156290 167803 i67c40 156860 169064 lüo249 1o4C4j 174014 176404 177177 177278 178236 179373 279962.bl7o9 183056 184030 184893 185005 187062 18740. 1W5l,ö 2 9�549 19<.9i0 193590 193443]9öo70 190�88 200/74 201 43 t 202660 203,17 204140 205571 203940 209045 209917 216004 210308 2i7o77 218.50 220061 223181 224963.20975 2*7748 2«.8106 228444 232301 23j127 234803 238447 242,49 243038 244007 246l09 2432,6 250970 25.751 262849 253074 23�4 257604 259437 200202 262196 260648 27,511 2717,1 276834 276997 277744 ,85646 267224 28tC09.88044 288352 289363 291699 2926,7 29*906 294013 295630 2906.3 207342.98607 299963 Die in dem vorstehenden Gcwinn-AuSzug nicht euthalteuea nieorzgereu t�eiozuae nno aus oen Listen zu ericheu. die vei den staatlichen Lotterie-Einuehluera zur uuentgeldlichea Eiustcat ensliegen. 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