!?r.S4ZchZS.�abrgtMg flusgade V Nr.2H» Bezugspreis» «ttrWläi)tL:i4— SDL, monotL It-SB- frei ins ftaus, voraus zahibar. Poft- deMg: Monatlich IS.- M.. einschl. Fu» ftellungsgedUhr. Unter Kreuzband tür Deutschland, Don, g, da» Saar» und Memelaebiet, sowie die ehemal» deut» scheu Gebiet- Polen«, Oesterreich, Ungarn und Luxemburg 22>— 9Jt,(üt da» übrige Ausland 29.— 3JL Postbestellungen nehmen an Oesterreichs Ungarn, Tscheche- Clowalei, Däne» mark, Holland. Luxemburg, Schwede» und die Schweiz. Der.Vorwärts' mit der Sonntag«- beilage.Volt und Zeit', der Unter- haiwngsdeilage«Heiniwelt* und der Beilag»„Siedlung und Kleingarten' erscheint wocheniäglich zweimal. Sonn» tag» und Montag« einmal. Telegramm-Adresse: ■Sojtolftcmotcat Sern»" Abend Ausgabe Drvlinev Volksblstt (Z0 Pfennig) SluzeigenpreiS: Die zehngespaUene NonpareMczeile kostet 7,— an„Kleine Bnzeigcu' da» tettgedruckte Morl 3,— M.(zu- lässig zwei fettgedruckte Worte), sede» weitere Wort 1.S0 M. Stellengesuche und Kchlasstellenanzeigen da» erste Dort biO M, jede» weitere Wort ll.— M. Worte über 15 Buchstaden zählen für zwei Worte. ssamllien-An- zeigen für Abonnenten Zelle 4.— wi. Die Preis« verstehen sich einschließlich Teuerung»zuschlag. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bi, 4'/, Ahr nachmittag» im Hauptgeschäft. Berlin SW W. Linden. straße s, abgegeben werden. Scöffne! von S Uhr früh bi» d Uhr abend». Zentralorgan der rozialdemokratifchen parte« Deutfchlands Neüaktion und Expedition:€£0 6$, Lindenstr. Z �t�rnfür eriier• Rrdaktio» Morihpla«, 151»5— 97 jyernsyrcaier- Cö,e>jtioB Morihvlah 11755-51 Donnerstag, den 17, November 1931 vorwartS'verlag G.m.b.H.,€W 6$, Ltndenstr. Z aeernkAreeieer- Berlag, Expedition und Inseraten- . U�etlung Morttspla» 11753-54 Schluß mit öem Zerßörungswahnflnn! Ein Protest der Essener Arbeiterschast. Der Arbeiterrat der K r u p p A.-G., Essen hat an General Nallet folgendes Schreiben gerichtet: Essen, den 8. November 1921. Seiner Exzellenz cherrn General Rollet, Berlin. Es war der Kruppschen Arbeiterschaft bekannt und von ihr als f-ilbstverständlich anqesehen, daß alle SpezialMaschinen, die nur zur Herstellung von Kriegsgeräten irgendwelcher Art benutzt wurden, vernichtet werden sollten und zum allergrößten Teil auch bereits zerstört worden find. Die Kruppsche Arbeiterschaft hat diese Maßnahmen trotz der damit für sie verbundenen Schädigung im Interesse des Welt» friedens begrüßt. Sie ist fest entschlossen, ihrerseits jede Anfertigung von Kriegs- Material zu oerweigern. Nun wurde in den letzten Tagen den im Gebäude 10(Maschinen- bau 21) beschäftioten Arbeitern von der Betriebsleitung eröffnet, daß ein erheblicher Teil der dort zur Bearbeitung von reinem Friedensmaterial im Betrieb befindlichen Maschinen auf Befehl de? Interalliierten Kommission zu Reparations- zwecken abgegeben oder zerstört werden müßten. Die Belegschaft kann die Anordnung dieser Maßnahme um so weniger verstehen, weil aus diesen Maschinen nur Friedens» Material hergestellt wird und diese Herstellung durch Zerstörung der in Frage kommenden Maschinenniahezu unmöglich und dadurch nicht nur die Arbeiterschaft dieses Betriebes, sondern auch die der Stahl- und Walzwerke aus das schwerste geschädigt wird. Sie ist darüber aus des höchste empört und erblickt in der Be- scltigung oder Zerstörung ihrer Produktionsmittel einen durch nichts berechtigten Anschlag auf ihre Lebensmöglichkeitcn. Der Arbeiterrat hat nach Kenntnisnahme dieser Anard- nung eine eingehende Untersuchung vorgenommen und folgende» festgestellt: ?n dem oben erwähnten Maschinenbau wurden schon in der Borkriegszeit 50 Proz. Friedensmaterial hergestellt: in der Nachkriegszeit wird nur ausschließlich Fricdcnsmakcrial hergestellt, und zwar große Walzen, Kurbelwellen, Oefen, Zylinder usw. Ferner haben wir festgestellt, daß die zu zerstörenden Ma- schinen vollauf beschäftigt und die besten des Betriebes sind. Wohl sind noch �einige Spezialmaschincn vorhanden, die lediglich zur Her- ftellung von Kriegsmaterial verwandt werden können, gegen deren Zerstörung wir nichts einzuwenden haben. Auf Grund dieser Tatsache protestiert die Belegschaft aus das schärfste dagegen, daß ihr aus unverständlichen Gründen Ma- schinen zerstört werden sollen, die ausschließlich zur Anfertigung hoher volkswirtschaftlicher Werte benutzt und auch drin- gend benötigt werden. Wir betrachten die Anordnung der Zerstörung der Maschinen als eine unverantwortliche, vom wirtschaftlichen Egoismus diktierte Maßnahme, die geeignet ist, bi? deutsche Wirtschaft und damit die deutsche Arbeiterschaft auf das schwerste zu schädigen. Die über diesen Willkürakt aus da» tiefste empörte Belegschaft des Wertes, zusammengesetzt aus allen politischen und g e- werkschaftlichen Richtungen und Organisationen, hat den Arbeiterrat beauftragt, bei den zuständigen Stellen und in aller Ocffentlichkeit den s ch ä r f st e n Protest zu erheben. Wir erwarten deshalb, daß die verantwortlichen Stellen von dieser Maßnahme absehen und die Anordnung rückgängig machen. Sollten diese Stellen jedoch nach Darlegung der Tatsachen sich dieser Einsicht verschließen und an ihrem Verlangen festhalten, so sind wir von der Belegschaft beauftragt zu erklären, daß die Kruppsche Ar- bcllerfchast bei der eventuellen Zerstörung ihrer Produktionsmittel nicht mitwirken wird. Indem wir zum Schluß die Erwartung aussprechen, daß die an- geordneten Mahnahmen unterbleiben, zeichnet im Auftrage Die Geschäftsführung des Kruppschen Arbcitcrrats: ge. R e i n i r k e n s. gez. Müller, gez. Dabringhaus. Um Sie Reichseisenbahnen. Gestern sind die Besprechungen zwischen dem Reichsverkehrs. minister und den Vertretern der Eisenbahnbcamten und Arbester weiter fortgesetzt und bis zu einem gewissen Abschluß gebracht war- den. Eine völlige Uebcreinstimmung in allen Punkten ist allerdings nicht erzielt worden, da über die Frage, ob die Staatsbahnen als Ganzes aus den Einrichtungen des Staate» herausgelöst, oder ob sie weiter in der jetzigen Form betrieben werden sollen, inner- halbderVerbändeMeinungsverschiedenheitenbe- stehen. Dagegen herrschte zwischen dem Reichsverkehrsminister und den Eisenbahnervertretcrn völlige Uebereinstimmung darüber, daß an dem Charakter der Reichseisen. bahnen, an der Art der Reichseisenbahnen nicht gerüttelt werden dürfe und daß weiter das Lerufsbeamtentum als solches bestehen bleiben müsie. Eine Ueberführung in Prioathand würde noch Ansicht der Eisenbahner auch bei weitgehenden Garantien keine Gewähr dafür bieten, daß das Beamtentum erhalten bleiben werde. Dagegen war man sich allseitig über die Notwendig- k e i t klar, den Betrieb und die Verwaltung der Bah- nen möglichst bald in großzügiger Weise zu reorganisieren. Der Reichsverkehrsmini st er entwickelte sein Pro- gramm des Neuaufbaues, zu dem er die Organisationen der Beam» ten und Arbeiter, vor allen Dingen aber hervorragende Sachverstän- dige aus der Technik und der Industrie heranziehen will. Aus den Ausführungen des Ministers ging hervor, daß er eine vollständige Umstellung des setzigen Verwaltungsapparates etwa in einen kauf- männischcn Betrieb aus mancherlei Gründen nicht für empfehlens- wert halte, doch betonte auch er die unbedingte Notwen- digkeit, den Verwaltungskörper elastisch zu ge- st a l t e n, um eine schnelle und sichere Anpassung der Bahnen an die Notwendigkeit der Verkehrskonjunttur zu ermöglichen. Die Eisen- bahn müsse sich die großen Industriebetriebe zum Vorbild nehmen, die trotz ihrer riesigen Verzweigung und Mannigfaltigkeit der Pro- duktion sich ständig ohne jeden Zeitverlust der Marktlage anzuschmie- gen verständen. Eine direkte Beteiligung der Industrie an den Bahnen lasse sich jvdech kaum durchsührcn. In der heutigen Sitzung Wetteewinkel Gstpmißua. Aus Ostpreußen wird uns geschrieben: Von Zeit zu Zeit tauchen in reichsdeutschen Blättern Nach- richten über Ostpreußen auf, die mehr oder minder sensationell wirken. Danach scheint es meist» als ob der Republik von Ost- preußcn eine besondere Gefahr drohe. Auch in den letzten Wochen ist im Reiche wieder von Ostpreußen in diesem Sinne die Rede gewesen. Es ist nicht leicht, gegenüber diesen zum TeU wahren, zum Teil halbwahren oder ganzfalschen Darstellungen ein fach- lich zutreffendes Bild von der wirklichen Lage der vstpreußi- schen Insel zu geben. Man muß Ostpreußen von innen heraus beurteilen; wer aus dem Reiche nach Ostpreußen kommt und es nach den ihm geläufigen Vorstellungen beurteilen will, wird selten den Dingen und Menschen gerecht werden. Vor allem muß man wissen, daß Ostpreußen nicht nur wie Mecklenburg, Brandenburg oder Pommern Kolonialer Boden ist, sondern daß es infolge seiner politischen Schicksale die Eigenheiten des Koloniallandes weit stärker bewahrt hat, als jene Länder. Die Tatsache, daß es hier einmal eine Ober- der Mini st er Auffosiungen der im Anschluß an sein Eisenbahner selbst zur b i neN das sich mitjvm SchicfsaUer�lRdchseisenbaHnen � schicht fremder herrischer Eroberer und eine Unterschicht unter Urbewohner gegeben hat, wirkt immer noch nach, was durch die ländliche Besitzverteilung naturgemäß begünstigt wird. Hier hat es bis ins XIX. Jahrhundert hinein niemals einen gemeinfreien Bauern gegeben. Was an fremden Kleinsiedlern ins Land kam, Westfalen, Holländer, Salzburger, das ist von der Masse der ursprünglichen bäuer- lichen Bevölkerung aufgesogen worden und hat deren Denken und Verhalten angenommen. Die Unterwürfigkeit auf der einen Seite mußte naturgemäß dem Herrentum auf der andern zugute kommen. Das Bürgertum ist in Ostpreußen nie- mals stark genug gewesen, um politisch und gesellschaftlich zur Selbständigkeit und zum Selbstbewußtsein zu kommen. Das sind geschichtlich gegebene Tatsachen, die man nicht übersehen darf, weil sie auch heute noch fortwirken und darum nur durch sie die Eigenart dieser Provinz zu verstehen ist. Diese Tatsachen bewirken nämlich, daß hier d i e Zwischenschicht fehlt, die nach Zahl und Geist stark genug wäre, um zwischen der Gedankenwelt des agrarischen Herrentums und der des Proletariats den Uebergang darzu- stellen. Der Einfluß derkonservativenWeltanschau- u n g und Stellungnahme endet keineswegs da, wo die Deutsch- nationale Partei aufhört, sondern reicht weit in die b ü r g e r- lichenParteien hinein und selbst die Demokratische Partei ist nicht frei davon. Das kann das Selbstbewußtsein der Deutsch- nationalen natürlich nur noch mehr steigern, wie es die prole- tarischen Kreise noch mehr erbittern muß, und infolgedcsien haben wir hier trotz der außenpolitisch nicht ungefährlichen Lage Innerpolitische Gegensätze von einer Schroffheit, die auch hochgestellten Ansprüchen genügen wird. Es gibt hier wie überall Kräfte, die an einer Milde- rung der Gegensätze arbeiten. Aber die Spuren August Winnigs schrecken. Seine Politik der Versöhnung war ein schwerer Irrtum, der sich eben nur aus den oft- preußischen Verhältnissen erklären läßt. Was heute am Aus- gleich der Gegensätze arbeitet, ist durch die Bank mit etlicher Vorsicht zu genießen. Immer spielen hierbei zielbewußte deutschnationale Parteigänger erste Rollen und sie haben natürlich ihre Gründe dafür. Immer wieder stößt man auf die Frage: Besteht in Ostpreußen eine Putschgefahr? Ich halte mich beschäftigen wird, dürfte Programm auch die Sprache bringen. Im Laufe des heutigen Tages wird dann eine Sitzung stattfin- den, der zweifellos große Bedeutung beizumessen ist. D i e S p i tz e n» oerbände der Gewerkschaften werden mit den Ver- tretern der Arbeitgeberverbände in einer gemein- samen Sitzung zu dem Kreditangebot der Industrie und den Verhandlungen über die Eisenbahnen zwischen der Regierung und dem Rcichsverband der Deutschen Industrie sowie über die zehn Forderungen des Allgemeinen Deutschen Gewerkschafts- bundcs und der Afa-Stellung nehmen. Die Aussprache bat durch- aus unverbindlichen Charakter. Da sedoch führende Männer der i deutschen Wirtschast ihr Erscheinen zugesagt haben, um die Wirt- schaftsnotwendiakeiten zu erläutern, ist dieser Zusan--"--''mst sicher» lich besondere Bedeutung beizumessen. Gegen den Eisenbahnraub. Karlsruhe, 17. November.(TU.) Eine Funktionärversammlung des deutschen Eisenbahnervcrbandes, Bezirk Baden, sprach sich gegen die von der Großindustrie geforderte Entstaatlichung der Reichseisenbahnen aus und verlangle, daß die praktischen Forderun- gen der Fachleute sowohl im Betriebe wie im technischen Dienst mehr zur Geltung kämen. Bor allen Dingen müsse den Anträgen der Betriebs- und Beamtenräte mehr Geltung verschafft wer- den wirth gegen Sas Inüuftn'e-�ntebot. Im Reichsausschuß der deutschen Zentrumspartei, der gestern> zu längeren Beratungen zusammentrat, nahm der Reichskanzler Dr. W i r t h das Wort zu einer eingehenden Rede über die innen- und außenpolitische Lage. In seinen Ausführungen nannte er die politische Lage mehr als verworren und unübersehbar. Er aing dann ganz besonders auf das K r e d i t a n g e b o t der deutschen Industrie ein. Er nannte dieses Angebot unannehmbar und über-. Haupt nicht diskutabel. Don einem modifizierten Angebot der Industrie, wie es neuerdings nach den Pressemeldungen ausgearbeitet worden sein soll, sei ihm bisher noch nichts bekannt. Aus der Versammlung heraus wurde dem Reichskanzler bei feinem Urteil über das Industrieangebot lebhaft zugestimmt. Die schwerindustriellen Kreise des Zentrums ließen in der Ausschuß. sitzung keinen Zweifel darüber, daß sie mit der Entschließung des Rcichsverbandes der Deutschen Industrie sich niemals haben befreunden können. Die Tagung schloß mit der einstimmigen Annahme eines Vertrauensvotums für Dr. Wirth. Die erschrockene Dorfe. Die gestern veröffentlichten Forderungen der freien Ge- werkschaften und ckies Afa-Vundes haben der Börse einen ge- hörigen Schrecken eingejagt. Die Kurse der Industrie pur- zelten heute um Ivl) bis 500 Proz. Auch am Devisenmarkt herrschte große Zurückhaltung, der Dollar wurde um 260 ge- handelt., Ueberfall auf einen Rbgeorüneten. Franksurl a. M., 17. November.(WTB.) Der Reichstageabge- ordnete Seibert(Deutsche Volkspartei) wurde nach einem Vor- trag, den er in Planig gehalten hotte, auf dem Wege von Mainz nach Kreuznach von drei Personen überfallen und mit Stöcken mißhandelt. Cr trug leichtere Verletzungen am Kopfe davon. Sein Begleiter mußte sich in ärztliche Behandlung begeben. Die Täter konnten entfliehen. Aus der Meldung geht nicht hervor, von wem der Ueberfall ausgegangen ist. Jedenfalls ist er auf das schärfste zu miß- billigen. Die Manieren der deutschnationalen Raufbolde dürfen auf keinen Fall in anderen Volkskreisen Nachahmung finden. für berechtigt, darauf zu antworten: Nicht mehr als irgend sonstwo im Reiche. Es gibt zweifellos Personen unter den früheren Militärs, die nicht geringe Lust dazu verspüren. Aber die rechtsstehenden Kreise sind doch wohl in ihrer Minier- arbeit klug oder wenigstens vorsichtig genug, um einzusehen, daß ein solcher Streich heute wenigstens zu ihrem schwersten tyiheil ausschlagen würde. Wagten sie ihn wirklich, so würden sie jedenfalls außer unreifen Hakenkreuzbengeln keine Gefolgschaft finden und die Arbeiterschaft würde sich wider sie erheben, wie e i n Mann. Darüber ist sich jeder halbwegs urteilsfähige Mensch klar, daß ein solches Experiment schon bei der außen- politischen Lage der Provinz eine furchtbar gefährliche Sache. wäre. Darum soll man solchen Gerüchten mit der zulässigen Zurückhaltung gegenüberstehen. Ueber die gemeldeten W a f f e n f u n d e hat der Oberpräsident Untersuchung zuge- sagt, deren Ergebnis man gern abwarten wird; doch muß man fordern, daß es nun endlich einmal aufhört, daß verfasfungs- feindliche Zivilpersonen Militärwafsen zur Verfügung haben. Dieser Grundsatz muß mit äußerstem Nachdruck vertreten werden. In diesem Zusammenhange ist des öfteren der H e i m a t- b u n d genannt worden. Dieser Heimatbund ist eine von Kapp ins Leben gerufene Geheimorganisation, die im Winter 1919 ihren Geheimcharakter aufgab. Angeblich will sie die Provinz vor einem feindlichen Ueberfall sichern. Hoffentlich erstreckt sich die Untersuchung des Oberpräsidenten auch auf den Heimatbund und ermittelt, wozu die großen Geld- summen verwandt werden, die der Großgrundbesitz .dieser Organisation fortlaufend zahlt. Wir nehmen an, daß leine gründliche Durchleuchtung diese» Bundes Tatsachen er« J geben mirb, die es den Behörden zur Pflicht machen, ihm das Handwerk zu legen. Jedenfalls ist der Heimatbund für die verfassungstreuen Kreise der Provinz ein Moment der Be- nnruhigung und es würde die Luft erfreulich reinigen, wenn er verschwände. � Das Hauptstreben der rechtsstehenden Kreise richtet sich heute gegen die paar demokratischen und sozialistischen höheren Beamten. Die„Demokratisierung der Berwal- tung" in Ostpreusten ist überhaupt ein Thema für sich. Wenn sie in dem bisherigen Tempo weitergeht, so wird die Republik ihr hundertsährige? Jubiläum feiern können, ehe auch nur die Hälfte der politischen Beamten aus Bckennern der republi- konischen Staatsform besteht. Zufällig wird gerade heute wieder die Besetzung zweier Kreise mit Landräten gemeldet,— beide Land rate sind Herren vom alten Schlage. Bei allerAchtung vor der bürgerlichen Ehrbarkeit des Oberpräsidenten S i e h r muß man doch sagen, daß seine Schüchternheit allzuweit geht. Rur keinen Lärm der Deutschnationalen! Rur diese nicht er- zürnen und nicht zur Kritik reizen: darin ist Siehr der echte Vertreter dieses innerlich unselbständigen ostpreußischen Bürgertums. In ihren Mitteln im Kampfe gegen die neuen Beamten sind die Deutschnationalen wahrhastig nicht wählerisch, und die Leute von der Volkspatrei, die hier in der Tat ein sehr übles Kaliber haben, helfen ihnen nach Kräften dabei. Das häßlichste Beispiel für diesen Kampf ist ihr Vorgehen gegen den sozialdemokratischen Regierungspräsidenten B o l ck in Königsberg. Genosse Bolck war vor seiner Ernennung Notar in Tilsit. Er hat sich im Dezember 1918 der Partei ange- schlössen. Er ist reiner Idealist, aber auch ein hervorragender Beamter. Seine Beamten sind einig darin, daß noch nie ein Regierungspräsident die Geschäfte in solchen« Umfange be- herrscht und bewältigt hat, wie Bolck es tut. Dieser Mann ist -iljährig im August 1914 als Freiwilliger ins Feld gegangen, hat sich eine Hand zerschießen lassen und hat sich wiederum freiwillig zur Front gemeldet, um dann noch ein Bein einzu- büßen. Er hat das Amt angenommen, obwohl damit eine er- bebliche Einkommensverminderung verbunden war. Bolck tritt öffentlich und propagandistisch gar nicht hervor, sondern widmet sich allein seinen Amtspflichten. Was aber wühlt man gerade gegen diesen Mann! Und wie schmutzig sind die Mittel, deren man sich dabei bedient! Es ist zum Erbrechen, wenn man dies Treiben der dentschnationalen und volkspartei- iichen Natten verfolgt. Die Hetze gegen den.Königsberger Polizeipräsidenten Genassen L ü b b r i n g ist bekannt genug. Der politisclst Kampf in Ostpreußen ist schwer, aber wir können ihn�führen und fühlen uns stark genug, um immer auf einen Schelmen anderthalben zu setzen. Gerade darum soll man ihn aber nicht durch törichte Eespenstersehcrei und sinnlose tiebertreibungen erschweren. die tzölle Nieöerschö'nenfelü. Zu dem nahezu unerschöpflichen Kapitel Festung Nieder- schönenfeld, aus dem wir schon wiederholt grauenvolle Einzel- heiten über die Behandlung der Festungsgefangencn mitgeteilt hatten, gehen uns von glaubwürdiger Seite rleuerdings fol- gende Nachrichten zu: Der auf Niederschöiieafeld gcstmgengehaltene Dichter Ernst Toller bekam ein» Woche Einzelhaft, verbunden mit Kost- und Bettentzug, aus Grund folgenden Vorganges: In einer Zeitung stand vor kurzem eine Notiz über Toller und den preußischen Kom- inissar Weismann. Toller» Berichtigung wurde beschlagnahmt: des- gleichen eine zweit», dritte und vierte, die jedesmal gekürzt worden waren. Eine trlegraphische Beschwerde an den bayerischen Justiz- minister wurde aus der Festung nichr herausgelassen, Toller aber hierfür mit obengenannter Strafe belegt. Der Fcstungsgefangene Erich Wollenberg erhielt drei Wochen Einzelhaft, oon denen er vierzehn Tage ohne Hofbe- n u tz» n g in der Zelle oerbringen mußte. Außerdem erhielt er eine Woche Bettentzug, mußte also sieben Tage lang ohne Decke Hualitätsehre. Dir lesen:.Der Ilrzt Dr.... in... ist nach mehrmaliger, zu- letzt am 9. Dezember 1929 erfolgter Borbcstrafung wegen gleichartiger Verfehlungen durch rechtskräftiges Urteil... bestraft worden." Na, denkt der harmlose Zeitgenosse, der Mann ist erledigt. Ist ja traurig für den Kerl, aber schließlich ist ein Arzt ein Mensch mit akademischer Bildung: der muß sich doch vorher überlegen, was ihm passieren kann. Falsch geraien, lieber Zeitgenosse! Er hat sich das nämlich vorher überlegt und die strafbare Handlung doch begangen. Und es geht ihm ganz gut, und seine Praxis blüht und gedeiht. Denn er annonciert in der Tagesprcffe regelmäßig. Dieses aber darf er nicht, weil er damit die ärztliche Ehre besudelt. Nach Ansicht der ärztlichen ShrengericHe wenigstens, die ihre Zeit mit Erledigung dieser hochwichtigen Dinge ausfüllen. Nanu, sagst du weiter, der Malermeister Krienelke annonciert doch aber auch, und es findet kein Mensch was dabei. Du bist eben in die republikanischen Ideen nach nicht tief genug eingedrungen, lieber Leser, sonst würdest du die Sache verstehen. Herr Krienelke mag ein ehrenwerter Mann sein, ober er ist nur Malermeister. Der Arzt hat außer seiner per- sänlichen Ehre noch die Standesehre, vaastehstel Hut ob, vor den Aerz�n!»Jeder Arzt hat zwei Ehren, vorausgesetzt, daß ihm das Ehrengericht die eine nicht abgeknöpft hat. Die Zahnärzte hatten früher bloß eine Ehre. Da haben sie nicht geruht, bis sie auch die zweite bekamen. Was müssen die sich damals gefreut haben, als sie allesamt hastenichgesehn über Nacht eine Ehre dazu bekommen hatten. Im alten Deutschland gab es eine Ehre, die war mehr wert .als alle die anderen Ehren zusammen: die Standesehre des Offiziers. Dieses ist der offizielle Ausdruck. Denn hätte man in Anlehnung an die Aerzte vffizierliche Standesehre gesagt, so wäre der Klang -zierlich unpassend gewesen, die— weil es um die Ehre etwas Gigantisches war. Des Königs Rock muß geschützt werden, sagte mau, wenn ein Offizier gehen mußte, der sich nach dem Strafgesetz- buch richtete und eine Duellforderung ablehnte. Des Königs Rock, bitte sehr, soweit er nicht etwa von einem gewöhnlichen Muschko ge- trazen wurd». Wie das mit der Standcsehre in Herrn Aeßlsrs Reichswehr heut« gchandhadt wird, weiß ich nicht. Die alten Recken hauchen jedenfalls noch wilhelminischen Geist und besitzen stolz zwei Ehm. Denn das ist da. Feine, auch wenn der Beruf aufgegeben ist, lebt zweierlei kräftig fort: der Titel und die Standrsehr». Es gibt auch Menschen mit drei Ehren. Sind das überhaupt noch Menschen oder nicht vielleicht schon Götter? Z. B. Ludendorff. Eine hochwohllüdliche Kötiigsberger Fakultät Hot ihm wegen seiner Verdienste um das deutsche Boik bekanntlich ehrenhalber den Doctor medieinae verliehen. Herr Dr. med. Ludendorsf ist somit in der angenehmen Lage, mit drei Ehren aufwarten zu können, der per- sönlichen, der ossizierlichen und der ärztlichen. Halt, nein, die Rang- auf dem kalten Fußboden schlafen. Diese Strafe wurde ihm auferlegt, weil Wollcnbcrg— der Behauptung eines Aufsehers zufolge— einem Mitgefangenen namens Grusel einige Ziga- retten gegeben haben soll! Man fand jedoch tatsächlich keine Zigaretten, und beide Gefangene bestritten die Wahrheit der Angaben des Aufsehers. Am 23. Oktober erhielten die Fcstungsgefangenen keine Post � ausgeliefert, weil der Zensor, ein Beamter der Münchener politl- � schen Polizei, erklärt hatte, er zensiere nicht, well er von einem Ge- fangenen„Pöhner-Bandit" genannt worden sei. Es steht fest. daß kein Gefangener dieses Wort dem Zensor gegenüber gebrauchte; möglicherweise wurde ihm durch einen der Aufseher hinterbracht, daß sich die Gefangenen in begreiflicherweise nicht sehr freundlichen Worten über ihren Peiniger ausgesprochen hatten. Die Festungs- gefangenen K a r p f und O l s ch e w f k i wurden wegen des kürzlich in der„Roten Fahne" veröffentlichten Offenen Briefes an den Reichsjustizminister Radbruch in Einzelhast genommen und er- hielten Besuchs- und Schreibverbot. Auf unsere letzten umfangreichen Mitteilungen über die Tätigkeit des Staatsanwalts K r a u ß, des Vorgängers von Staatsanwalt H o f f m a n n auf Niederschönenfeld, haben die bayerische Regierung wie die bayerischen Strafvollstreckungs- behörden geschwiegen: nicht einmal der sonst beliebte Demen- tierapparat wurde in Tätigkeit gesetzt. Soeben geht uns nun die nachstehende Meldung über einen Selb st mordoer- s u ch eines zur Verzweiflung getriebenen Gefangenen zu, die unsere Angaben über Niederschönenfeld in vollem Umfange rechtfertigen: AILnchen, 17. November.(Eigener Drahtbcricht.) Ein schwer magenleidender Fcstungsgefangener in Niederschönenfeld bemühte sich seit langem um sachkundige ärztliche Behandlung. Sie wurde ihm trotz häufiger schmerzhafter Anfälle verweigert. Gelegentlich eines schweren Anfalles stellte sich starkes Erbrechen ein. Seine Bitte um Untersuchung hatte B e st r a f u n g mit Einzelhaft zur Folge! Vcr- zweifelnd ab der andauernden unmenschlichen Behandlung schnitt sich der Festungsgefangene die Pulsodern auf. Nur weil der Selbst- Mordversuch noch rechtzeitig bemerkt wurde, konnte der Gefangene gerettet werden. Auf Grund dieses Tatbestandes wurde folgende Anfrage an den La n d t a g gerichtet: „Will die Regierung dafür Sorge tragen, daß den Festungs- gefangenen endlich sachgemäße ärztliche Behandlung zuteil wird? Gedenkt die Regierung den Festungsvorstand zur Verantwor- tung zu ziehen, der durch seine unerhörte Rücksichtslosigkeit kranke Festungsgcfangene zum Selbstmord treibt?" Die bayerische Regierung ist nunmehr gezwungen, Farbe zu bekennen: es wird ihr nicht gelingen, diesen neuesten Erfolg ihrer Gesangenenpolitik, den Selbstmordversuch eines miß- handelten Gefangenen, wiederum totzuschweigen. Die Oefient- lichkeit hat ein Anrecht darauf, zu erfahren, was mit deutschen Reichsangehörigen geschieht— auch wenn es sich„nur" um das Leben von ein paar Dutzend Festungsgefangencn handelt. Konftikt mit Lerchenfelü? München, 17. November.(Eigener Drahtbericht.) Der baye- rische Ministerpräsident hatte die Führer der Koalitionsparteien cm Mittwoch zu sich gebeten, um sie von dem Gang seiner Berliner Verhandlungen zu unterrichten. Die Führerde r K o alitions- Parteien machten dem Ministerpräsidenten bei dieser Gelegen- heit bittere Vorwürfe darüber, dag er ohne Zustimmung der Per- teien oerhandelt habe. Die Beschwerden gingen so weit, daß Lerchen- selb gezwungen war, nicht nur sein Bedauern über sein Bcr- halten auszusprechen, sondern auch versprechen mußte, nicht wieder ohne Zustimmung der Parteien in Berlin zu verhandeln. Polnischer Ueberfall aus litauisches Gebiet. Die litauische Tele- graphenogentur meldet: Die Prien sind in die neutrale Zone bei P u n s k, Gouvernement Sur-alki, drei Kilometer tief ein- gebrochen und bedrücken die litauische Bevölkerung, die die Hilfe des Völkerbundes angerufen hat, mit der Bitte, die Sachlage an Ort und Stelle zu untersuchen. Ordnung ist falsch. Es muß heißen: der ärztlichen, der persönlichen Ehre und der Standesehre des Offiziers. Das Berliner Stadtpcrlament, dessen bürgerliche Mehrheit die sozialistische Mißwirtschaft beseitigen wird, will das Wichtigste vor- weg nehmen: die Oberlehrer sollen auch eine Standesehre erhalten. Iltis. Arth ülalt:„Die fchöpferifche Pause"(Verlag Eugen Diederichs, Jena). Ein pädagogisches Buch von seltener Zartheit und Unmittel- barkeit der Empfindung. Mit mütterlichem Instinkt Erkanntes aus weiblich-mütterlicher Uvbcwußtdeit erlöst, in philosophisch-dichterische Form gebannt. Zarte, weise Pädagogik vor dem Hintergrunde einer Naturphilosophie. Mit frommen, ehrfürchtigen Händen wird der werdende Mensch von der Geburt zur Höbe des Lebens geleitet, dem Tod entgegen, einem Tod, der das Antlitz des griechischen Gattes trägt. Das Ziel ist für alle dasselbe: tätige Gemeinschaft in Schlichtheit und Wahrhaftigkeit, der Weg für jeden bestimmt und bezeichnet durch den eingeborenen Rhuthmus stiner inneren Schwingungen, der Blut-, der Atem-, der Tages- und Jahresschwingung bis hinauf zum hohen Bogen der Lebensepochen. Aus all diesem Emporschwingen immer wieder hinabzutauchen in die dunkle Ruhelage, in die letzte Tiefe des eigenen Wesens, in der Ruhe zu verharren, bis die Zeit zu neuem Aufstieq reif ist, diese schöpferische Pause, in der olles Wcfenhafte sich bildet, nicht gewaltsam, krampfhaft zu verkürzen, lehrt Fritz Klatt als notwendige Lebensgrundlage für Mensch und Genieinschait. Er sucht zu zeigen, wie aus dem Ueber- rennen dieser Pausen Krampf und Gier, leere Schcinkultur, Herr» schaft der Dinge über den Menschen und das ganze haUlafe Gebäude der europäischen Zivilisation entstand. Seine Werte über das zu frühe Lesen- und Schreibenkernen, über die Leben vernichtende Wirkung des erstarrten Werts, über das Wesen der Kindessecle sollten ollen Lehrern und Erziehern, allen Eltern und Kultusministern mit leuchtenden Buchstaoen ins Herz geschrieben werden. Mit der Weltanschauung, die sich in den pädagogischen Lehren und den Lebenserkenntnissen offenbart, müßte man sich sehr kritisch auseinandersetzen, wenn sie als System und Dogmatil austräte. Doch dies tut sie nicht. Sie will nichts sein als„ein Gewand, das un- sagbare letzte Worte umhüllt". Und nun mallen wir dieses Gewand dankbar hinnehmen und aus eigenem hinzutun, was wir etwa daran vermissen sollten. Daß es diesem jungen Pädagogen gelungen ist, eine stille Wir- kungsstätte an der Ostsee zu gründen, ist im Interesse der deutschen Jugenderziehung zu begrüßen Berta Las k. Sckiller-Theoker:„Die Schmclkcrflvgsschlachl" von Sudarmann. Die Schn'etterlpiasschlackt, das in Aufbau und Eharatter sti? ge- rundetste der größeren Stücke Sudermcnns, in dem die Kehrseite seiner eigenarliaen dramatischen Bcgabuna. der Hang zum Theatra- tischen, kaum iraendwo strnend bc: vortritt bewährte in der Neuauf- führung seine alte Schlagkraft. Man spürte deutlich die intereyierte Anteilnahme des Publikum». Au» jener Zeit der neunziger Jahre deutsth-pblnische wirtschastsverhanölungen Vcrhandlungsbegiuu am 23. November. D e r l i n. 17. November.(IDIB.) Dem Vertreter der deutschen Regierung in Genf ist vom Sekretariat des Völkerbandes mitgeteilt worden, daß der Völkerbund der volschaflerkonferenz in Paris die Ernennung des schweizerischen Bundesrates Calonder zum Vor- sitzenden der deutsch-polnischen Kommission für die Wirtschafisoer- Handlungen über Oberschlesien amtlich bekanntgegeben habe. Eine schriftliche vliktcilung der Ernennung an die deutsche Regierung wird noch erfolgen. Bundesrat Ealonder hat die deutschen Beooll- mächliglen für diese Verhandlungen, Rei6>sminifler a. D. Schiffer und Slaalssekretär a. D. Lewald. zu einer Vorbesprechung eingeladen, die am 23. November in Genf statifinden soll. Loucheur über öas Wiesbadener Abkommen Paris, 17. November.(EE.) L o u ch e u r wurde gestern von den vereinigten Kommissionen für auswärtige Angelegenheiten und Finanzen im französischen Senat angehört. Die Sitzung wurde von Poincare präsidiert. Nach Schluß der Sitzung wurde folgender Bericht herausgegeben: Der Minister für die befreiten Gebiete, Loucheur, gab Aufklärungen über das Abkommen von Wiesbaden. In Beantwortung oon Fragen seitens verschiedener Mitglieder der beiden Kommissionen führte der Minister aus, dag er glaube, dieses Abkommen könne mit den Zahlungsbedingungen vom 5. Mai in Einklang gebracht werden. Ueber die Sitzung erfährt man ferner, daß an der Debatte u. a. Poincare, Ribot, Henri Cherot und Dousiet teilnahmen. Aus den Ausführungen Loucheurs wird bekannt, daß er die Frage aufwarf, ob Frankreich die Zahlungen in natura annehmen wolle und ob die Lieferungen Deutschlands in dessen eigenem Interesse auch den Interessen der französischen Industriellen entsprechen. Loucheur be- antwortete beide Fragen in bejahendem Sinne, glaubt aber, daß die Unterzeichnung des Abkommens nutzlos wäre, wenn es nicht die Zustimmung aller Alliierten fände. Die Haltung der englischen Presse konnte den Glauben erwecken, daß von eng- lischer Seite Einwendungen erhoben würden. Heute hat Frankreich die Gewißheit, daß dies nicht geschehen werde. Die englische Regierung sei enkschlossen, demnächst in dieser Hinsicht Er- klärangen abzugeben. Es ist weiter notwendig, daß die französischen Parlamente die Forderungen des Abkommens bezüglich der Trans- p o r t p r e i s e und der Zollsätze für die deutschen Lieferungen annehmen: denn die heutigen Zollsätze und Transportpreise würden Lieferungen z. B. nach St. Qucntin völlig unmöglich machen. Das Abkommen kann ferner nur zur Geltung kommen, wenn in Deutsch- land eine Negierung am Ruder bleibe, die Deutschland vor der Anarchie und vcr dem Bankerott retten könne. Es habe den An- schein, als ob die deutschen Kapitalisten und In- d u st r i e l l c n den Zusammenbruch Deutschlands be» schleunigen wollten. Doch glaube er, Anlaß zu der Annahme zu haben, daß der Kurssturz der Mark bereits alle Voraussichten der Industriellen übcrtroffen habe und daß sich bereits eine Reaktion gegen diesen Standpunkt der Industriellen gellend zu machen beginne. vor üer Demisilon Llopö Georges? London, 17. November.(EE.) Die Lage in Irland ist immer noch ernst. Man kennt immer noch nicht die Haltung, die Ulster ein- nehmen wird, und cb es feinen Entschluß, mit der englischen Re- gierung nicht zu verhandeln, w'derrufen wird. James Craig soll gestern eine neue Note an die englische Regierung gerichtet haben. Das ganze Interesse Englands wendet sich der heutigen Tagung der Union! st en in Liverpool zu, weil diese über die Möglichkeit, die Verhandlungen mit den Iren überhaupt fortzusetzen, entscheiden wird. Sollten sich die Unionisten gegen Lloyd George aus- sprechen, so erwartet man seine sofortige Demission und die Berufung E l y n e s zum Könige, der flzm die Frage vorlegen wird, ob er in der Lage sei, die Regierungsgeschäfte als Führer der stärk- sten Oppositionspartei zu übernehmen. Sollte Clynes ablehnen, würde Asquith berufen werden. stammend, in der nach 5?r.uptmanns Durchbruch der junge Natu- ralismus verheißungsvolle Fruchtbarkeit entfaltete und eine neue Bühnenära einzuleiten schien, zeichnet das Werkchen einen Kreis klar und schart gesehener Figuren, in deren Kontraftierung und wechselseitigen Beziehungen zugleich soziale Hintergründe anschaulich zur Erscheinung kommen. Eine Komödie von volksstückmäßigem Charakter, die in diesem ibren besonderen Genre im Verlauf der mehr als fünfundzwanzig Jahre, die seither verflossen, noch nicht überboten wurde. Keßler, der famos entworfene Typus eines gerissenen Reife- onkels, der mit den Gaben seines schnodderigen Mutterwitzes die Mädchenherzen bezaubert, kam in der Darstellung durch Alfred Braun höchst stilgerecht heraus. Die Rolle faß ihm wie angegossen: Tonfall und Miene gab jeder Pointe noch erhöhte Resonanz. Man empfand die nie versagende Unverschämtheit des Burschen, wie etwa sein Chef der alte Winkelmann. mit einer Art von widerwillig sym- pathisierender Bewunderung. Herr Kaufmann, der den qrles- grämigcn, zänkisch lackientierenden Alten spielte, hatte namentlich im letzten Akte vorzügliche Momente. Auch die Gegenpartei: die Frau Steucriiilpektorswitwe und ihre beiratslustigen Töchter waren durch Fanny Wolfs, Celle Idlis, Gusti Becker sehr entsprechend ver- treten. Ergötzlich wirkte K ö st l i n s dummpfiffiger Apothekerlehr- ling als Zubehör des kleinbürgerlichen Heims. Nur die. freilich auch im Texte selber recht undankbare Rolle des jungen Winkelmann blieb hinter dem übrigen Niveau zurück ck. Slussicllunge». Im Weihen Saal deZ SchloimifeuinZ finb bis Ende Dezember die neuesten Ai beiteil der KarlSrubcr Majolika-Manufaktur aus- xe'iellt. zumeist Einzellchöpsungeu vou Brak. Max Länaer. Die Aus. iicNung„Buch und BUd" im Kiinstgewerbe-Museum, Prinz-Arbrecht�trahe, bleibt auch am Toieusonntag geöffnet. In der Volksbühne beginnt die Erslaussiihrttng von Shakespeares „König Lear' beute bereits um 6'/4 Uhr. Spiel und Sport im Film. Die Urania wird ein kombiniertes Pro- grarnrn von Svort-Filmen am 18.» 21. Noa. vorführen. ES werden ge- zeigt werden: Turnen, Tennis, Wassersport, Fußball, Hockey, Leichtathletik und Pserdesport. Hauviniann-SPende für Oesterreich. Eerbart Hauptmann bat aus dem Erträgnis ieiner Vorlesungen in Wien Iba ovo Klonen sür die Wöbs- fahrtSeinrichtunaen der Universität und 59 000 Kronen sür den Verci» Kinderpflege vestimmt. Alter Werglaube— neueste Mode. In Zeilen primitiver An- schauruia bat mau bei vielen Lös crn Menschenopser unter den Fundamenten von Gebäuden begraben, die Segen brinacn oder BöieS abwenden sollten. Hcnte ist man zivilisierter geworden: in Prag hat man oon Verdun über- landte Erde in daS Mauel werk des Nnlbaulcs seierlich vermauert. Den Völlerbail, dieses gisligtle aller Uebel, hat man leider nicht einaemaucit n-ch gebannt. Er soll im Gegenteil duich dieses Symbol am Leben ge- halten werden. TaS Staklgebli,. Die gewaltige Teuerung von Gold und Platin bat zur Berwcnduug von Stahl in der zaluiärztüircu Technik gejüert. Ein nicht verrostender Ebiomnickelstabl wird neuerdings zur Heislellung von Gebitzplatten. von Gebihslislen und von Zabnkroncn bergcstcllt. Die �tahl- löhne sind viermal so bart wie die Goldzähne. Ueber ihre Eignung in der Praxis liegen bisher Erfahrungen nicht vor. Lobe über ö:e polw'sche Lage. Breslau, 17. November.(Tigener Drahtbericht.) Auf dem Be» zirksparteitag der Sozialdemokratischen Partei Mittelfchlesiens hielt gestern der Reichstagspräsident, Genosie Lobe, das Referat über die politische Lage. Löbe führte u. a. aus: Die parteipolitische Entwicklung in der letzten Zeit zeige eine gleichzeitige Stärkung der Sozialdemokratischen Partei innerhalb der arbeitenden Klassen und der Deutschnationclen innerhalb des Bür- gertums. Bei der letzten Regierungskrise sei eine Kabinettsbildung mit Einschluß der Unabhängigen nur an der Voreingenommenheit unserer bürgerlichen Koaltionsgenossen gescheitert. Die Kommunisten rückten mit ihren Proklamationen allmählich immer mehr in die Ge- fvlgschaft der alten Sozialdemokratie und propagieren jetzt bereits als Hauptforderung die von unserem Genossen Schmidt vorge- sehene Erfassung der Goldwerte. Die Stärkung der nationalistischen Tendenzen sei eine Folge der feindseligen Entscheidungen gegen Deutschland, wie das Genfer Diktat und Maßnahmen wie die des Generals Rollet gegen die Deutschen Werke, die den Chauvinismus bis weit in die Kreise der Arbeiterschaft hineintrügen. Unsere Finanzno� würde nur durch eine internationale Wäh- rungsregelung und Abänderung unserer Verpflichtungen ein Ende finden. Schon die jetzige Reise der Reparationstommission würde entweder mit einem Zahlungsaufschub Deutschlands enden oder aber mit der Einführung der Finanzkontrolle, die uns in die Rolle der Türkei oder Aegyptens herabdrücken würde. Dann würden alle die- Wenigen Maßnahmen durchgeführt werden, die wir aus freiem Willen nicht getroffen haben, nur würden sie, jeden sozialen Charakters entkleidet, allein die kapitalistischen Gesichtspunkte der ausländischen Gläubiger zur Geltung bringen. Auch Zugriffe auf das Privat- eig-ntum und Sicherheitsleistungen an öffentlichem und privatem Eigentum würden kaum abzuwenden fein. Gegen diese Drohungen stellen die jetzt vorliegenden Slcuervorschläg? ein so unzureichendes hilfsmillel dar, daß die Sozialdemokratie sie ablehnen muß, wenn nicht g'eichzeitiz der Zugriff auf die Gold- und Sachwerte erfolge. Die bisherige Tclaftung des deutschen Volkes durch die Äriegsfolgcn ruhe infolge der niedrigen Taluta in erster Linie auf der Arbeiter- klasie, während der Besitz sich ihm zu entziehen verstände. Da die Steuerrede des Volksparteilers Dr. Becker gegen die Erfassung der Sachwerte nicht anders gelautet hätte als Erklärungen Strefemanns in den Verhandlungen zwischen den Parteiführern, sei jedes Zu- fammengehen mit der Volkspartei im Reiche unmöglich. Die Pri- vatisicrung der Eisenbahn sei die schärfste Herausforderung, vor allem, weil die Ausgaben für Perfonalzwccke bei der Eisenbahn seit der Vorkriegszeit nur um etwa das llfache stiegen, während die Ausgaben für Material um das läfache erhöht wurden: also nicht die Gehälter und Löhne, sondern der Wucher der Stahlwerke und Kohlengrube» verteuere die Eisenbahnwirtschaft. Ihm müsse durch Soziclisierung der Schwerindustrie endlich ein Ende gemocht werden. Im anderen Falle sei unser Platz fortan auf den Bänken der Oppo- sition. Mögen dann die nationalistischen Elemente einmal vier Wochen lang die Probe aufs Exempel ihrer Agitationspolitik machon. Zusammenfassend verlangte Löbe Stundung und Minderung der Verpflichtungen von Versailles, London und Genf, Umwandlung der Zahlungsverpflichtungen möglichst in Sachleistungen, was durch Dr. Rathenaus Ausscheiden leider sehr erschwert würde, Aenderung der Druckpoltik des Auslandes, wie sie sich im Vorgehen gegen die Deutschen Werke und den Einspruch gegen den Anschluß Deut'ch-Ocstcrrcichs noch zeige, Monopolisierung der Rohstoff- Industrien durch den Staat und Erfassung der Sach- und Gold- werte. Rur wer uns in diesen Forderungen zustimmt, könne ein Weg- genösse der Deutschen Sozialdemokratie in den nächsten Kämpfen sein. die Parteiumbilüung in Gberscblejkn. KSlllgshükte, 17. November.(DA.)?m hiesigen Gcwerk- fchllstshaase hat eine große Parlcikonfercnz der Sozialdemo- r e c k i s ch c u Partei des abzulreleue» Gebietes getagt Als Er- gLÖnis dieser Konferenz ist zu berichten, daß sich die Sozialdemokralie als pclilische Partei für die Zukunft vollste Bcwegungssrei- heil sicheri und sich nur»ach reinsozlalistlschenGesichts- punkten orientieren wird. Sic lehnt die politische Dcrciniguug mit irgendeiner nicht sozialistischen Partei ab, will sich dagegen wohl an den deutschen Kullurbcstrcbungen beleiligcn. Es kommt nur ein Anschluß an selche soziallstische Parteien des polnischen Slaatsge- bieles in Frage, die inkcrnalional orientiert find. Das sind die So- zialdemokralifche Partei Polens mit Silz iu Bcomberg(deutsch), die SozialdOnokralische Partei des Tefchen-Vielitzer Gebietes(deutsch) und die polnische sozialistische Partei Oberschleflcns, nicht aber die Sszioldemokrctische Partei Kovgreßpolcns. die sogenannte PPS. Der Name der neuen Partei wird lauten„Sozialdew. okra- tische Partei für Polnisch. Schlesien". Ihre Haupt- ausgebe wird sein, sür die gesetzlich? Sicherung des Koalilicnsrechkcs sowie aller Rechte der Rlinderheilsschutzgesehe und des beuisch-polni- schon Wirtschaftsvertrages einzutreten. Ob das bisherig? Parteiocgan, der„3 olkswille", der in Kottewitz erscheint. Im ctrukrekcnden Gebiete verbleiben wird, konnte noch nicht mit Bestimmtheit gesagt werden. Sollte er bleiben, so wird sür das deutsche Gebiet eine neue Zeitung zu gründen sei». Sitvinuß, der Ueborpairiot. ßafkoreitz, 17. November.(DA.) Der Verkauf des Siwinna- Verlages, in welchem zwei ansehnliche deutsche Zeitungen erschienen, on die Polen hält die Gemüter dou Deutschen im abzutretenden Ge- biet noch sehr in Erregung. Um so mehr, als sich der Verleger, der Berliner Lottcriceinnehmcr Karl Siwinna, bisher als extre- mer Deutschnationaler und Hyperpatriot gebürdete. Der „Oberschlesische Kurier" erinnert daran, wiewährenddesKrie» PC s Siwinna sich damit brüstcte, daß seine Zeitung im Plcsssr Hauptguorticr als einzige oberschlesische Zeitung vom Kaiser gelesen würde, lieber die Zukunft des Verlages schreibt der„Volkswille", es toll eine polnische Aktiengesellschaft mit einem Kapital von 53 Millionen Mork gebildet werdetz. Der jetzige Druckcreibetrieb soll bedeutend ausgestaltet werden. ?nterKLtze!?a!e? LQNöcttbe!tersc!'?utz. <3?r.f, 16. November.(DTB.) Die. lag nachmittag stimmte iie Internationale Arbeitskonferenz folgenden vier Empfehlungen derlandwirtschoftlichenKommifsionzu: 1. Nachtarbeit der Frauen: Tägliche Ruhe von mindestens 3 Stunden, wenn möglich aufeinanderfolgend. 2. Nachtarbeit der Kinder und Halbwüchsigen: Tägliche Ruhezeit von min- iV ens 10 aufeinanderfolgenden Stunden für Kinder von 12 bis 11 Jahren und von mindestens 9 aufeinanderfolgenden Stunden für junge Leute von 14 bis 13 Jahren. S. Schutz der Mütter: Festsetzung der Zeit vor und nach der Niederkunft, während welcher die Frauen nicht zur Arbeit herangezogen werden dürfen, und Fest- setzung einer Entschädigung während dieser Zeit. 4. Unterkunft und Schlasräume der landwirtschaftlichen Arbeiter. Sreik-Enüe wöer Reichsversicherungsanftalt Im überfüllten großen Saal der„Kammersäle" wurde heute das Ende des Streiks bei der Reichsversichcrungsanstalt bekanntgegeben. Es ist erreicht, daß die Tesoldungsordnung für die Reichs- und Staatsbeamten auch auf die Angestellten der Reichsvsrsicherungs- ordnung Anwendung findet. Für die Gruppe 1 beträgt die Erhöhung de- Gehalts ungefähr 10 Proz. durch'ckmittlich, für die Gruppe 2 etwa 14 bis 16 Proz., Gruppe 3 etwa 23 Proz. und für die mittle- ren Gruppen ungefähr 33 bis 45 Proz. Die höchste Gruppe(13) erhält eine Ausbesserung von ungefähr 102 bis 108 Proz. Morgen früh um 8 Uhr wird die Arbeit wieder ausgenommen. Oehrauflrag für einen Pressereserenien. Der RegieruiigSrat im AiiSiväitigeii Amt und Rsscrenl in der Pccsseableiluiig der Reich-?- regierung. Dr. Oswald Schneider, ist von der rechts- und staats- wissenschaftlichen Fakultät der Universität Kiel im laufenden Semester �mit einem Lebrauitrag sür Wirtschaftsivissenschaften Fiiianzwisicnschafl und Nachrichtenwesen beanfiragt worden� GroMerlw Looth, öer Genera! üer Süßer. Eine der Hauptattraktionen des an Attraktionen so armen grämlichen Bußtags war Generai Bramweli Booth. Die Heilsarmee machte rührig Reklame, sie verschickte Einladung?- karten„Ew. Hochwohigcboren" usw. Vom Tempel herab flatterte ein großes Trairsparent, das schreck- haste Leute scheu werden ließ, während sich die Anhänger zu Straßenumzllgen mit Fahnen und viel Musik zusammengesundeii hatten. Der Tempel Dresdener Straße 34/35 macht einen sreuvdlichen Eindruck. Er ist mit Teppichen belegt, Blattpflanzen zieren ihn und unter der Kuppel schweben ein paar gemalte, leichte Wölkchen, die wohl den Blick der Menschen aufs Jenseits richten sollen. Die Kapelle ist bunt angezogen und scheint ganz sür den Zirkus bestimmt. General Baach oerlegt ja auch die Verfamm- lungen möglichst in den Zirkus oder in ein Theater, weil er meint, sich so auf das Empfinden der Völker einzustellen. Und die Schau- lustigen kommen, durch dt« ouftälligen Farben der Uniformen und das ganze Drum und Dran, auf ihre Kosten. Der weißhaarige General Bromwell Booib, werbend als Red- ner, hat viel von seinem Vater, deM/Gründer der Heilsarmee, der ein hervorragender Redner und Organisator allergrößten Formats war. Bramwell Doolh hat das typische Engländcrgesicht. Wenn er spricht, merkt man, daß er überzeugen will, und seine illustrieren» den, unterstreichenden Handbewegungen verraten, daß er viel vor Menschen redet, die seine Sprache nicht kennen. Er spricht englisch und sein Dolmetscher ist sehr genau, er übersetzt wortgetreu, ja, er ist so peinlich, daß er sogar ganze Satzbildungen übernimmt.„Hierr, rette Seelen" und„die Reinigung ist das Mittel gegen Reue" ist der bekannte Inhalt der Heilsarmeeversommlunzen. Di. Heile- soldaten erfrieren nicht in Ehrfurcht vor sich selbst„gr, on" sagt z. B. der General, gibt seinem Dolmetscher einen sreundschaftlichen Knufl und dann tritt ein anderes Paar auf. Interessant waren die Ausjüfyrunflcit einer Majorin, die aus Rußland zurückgekehrt war! Die Heilsarmee ist bekanntlich keine Pflegstätte sür Bolterhaß, sondern kosmopolitisch. Ihre Schilde- rungen— sie streifte mit keinem Wort die Politik— straften alle die furchtbar Lügen, die jemals von dem Sowjet-Paradics Ruß- land faseUen. Zum Schluß reckte Booth sich dann noch einmal auf, um die Sünder nach der Bußbank zu ziehen. Er hatte auch Erfolg, aber die großen Sünder, denen die Einkehr wirklich nötig tut, waren nicht darunter. Die betrügen, schieben und wuchern lustig weiter, weil dieses Geschäft gar zu einträglich ist. Man„renoviert". Wie ein Becssrgungslazsreik sein Personal los wird. Die vielen infolge des Krieges entstandenen Lazarette waren selbstverständlich nur als vorübergehende Einrichtungen gedacht. Ge- wiß wird manche dieser Stätten grauenvollen Elends, das der Krieg gebracht hat, noch Jahrzehnte hindurch weiterbestehen. Aber aus dem erfolgreichen oder nur zu oft leider erfolglosen Abschluß der Heilbehandlung von Verwundeten und Verstümmelten mußte sich doch ein allmählicher Abbau der meisten Lazarette ergeben. Solche Maßregeln verursachen begreiflicherweise fast immer eine starke Aufregung bei den Patienten, die noch in dem abzubauen- den Lazarett sind, und mehr noch bei dem Personal, das sich von einem Verlust der Existenz bedroht steht. Den Kampf um das Schloßlazarctt in Chariottenburg, der noch in frischer Erinnerung ist, führten die Patienten mit großer Erbitterung, weil sie Grund zu der Annahme hatten, daß man durch Schließung dieser Heflijätte die unbequem gewordenen Patienten los werden wollte. Das V e r- sorgungskrankenhaus in Spandau, in dem noch bc- handlungsbedürftige Kriegsbeschädigte liegen, ist jetzt der Schauplatz eines ähnlichen Konflikcs, weil das gesamte Personal die Kündigung zum 31. Dezember 1921 erhalten hat mit der Begründung, daß zu diesem Zeitpunkt die Schließung er» folgen wird. Geschlossen werden soll das Spondauer Versorgungskrankenhaus nur als solches. Es soll aber nach einer Verfügung des Reichs- arbkitsministcrs, dem das ganze Bersorgungswcscn untersteht, vom nachfien Jahre ab als„dauernd beizubehaltendes B e o b a ch- tungskrankenhaus" eingerichtet werden. Das erfordert eine Umstellung des Betriebes, bei der ein beträchtlicher Teil des Per- fonals entbehrlich wird. Warum aber hat das gesamte Personal die Kündigung erhalten? Sie ist, wie wohl auch der Reichsarbeits- miniflsr begreifen wird, in dieser Zeit ein harter Schlag. Das Per- sonal bestreitet, daß die notwendige Umstellung des Be- triebe? nur bei einstweiliger Schließung der Anstalt möglich fei. Begründet wird die Schließung mit baulichen Beränderungen, mit einer„R e n o v i e r u n g". Wenn ober eine solche nötig ist, so kann sie bei einigem guten Willen auch ohne Schließung aus- gestlhrt werden. Die Anstalt iit jetzt mit nur 80—90 Kriegsbeschä- Hgtsn belegt, während sie 200—230 Patienten aufnehmen könnte. Ganze Blocks stehen leer und harren der„Renovierung", die hier unter Ausrechterlwltung des wenig umfangreichen Anstaltsbctriebes möglich wäre. Das ist übrigens auch die Meinung des Reichsver- mögsnsamtcs, das in einer Aeußerunq über die Erneucrungsarbeiten betont hat, daß ohne Störung des Betriebes die jetzt unvollständig belegten Blocks nacheinander fertiggestellt werden können. Das Personal glaubt zu wissen, warum an zuständiger Stelle die einstweilige Betriebsstillegung für nötig gehalten wird. Beab- sichtigt soll sein, auch das Personal sozusagen zu„re- n o o i e r e n". Der Hauptzweck sei, dieLeutelos zu werden, nicht nur die infolge der Umstellung überflüssig gewordenen, sondern alle. Bei Umstellung des Bersoraungskrankenhauses in ein dauernd beizubehaltendes Beobachtungskrankenhaus will man, wird behauptet, die bisherigen Angestellten und Lohnempfänger durch Beamte und Beamtenanwärter ersetzen. Die Umstellungs- und Re- novierungsidee sei ein willkommener Anlaß, das gesamte Personal auf die Straße zu werfe m Versuche, eine Zurücknahme dieser Maßregel zu erreichen, die bei dem Personal große Erregung hervorgerufen hat, sind bisher erfolglos geblieben. Der Schflchtungsausschuß hat entschieden, daß das Hauptversorgungsamt der Provinz Brandenburg sich mit den Bezirksbetriebsrat der brandenburgischen Dersorgungsbehörden in Verbindung fetzen müßte. Aber im Hauptversorgungsamt, dcsse» Personaireferent ein deutschnationaler Medizinalrat Dr. Brockmann ifl, will man nichts davon hören, daß wegen der Entlassung der Bezirksbetriebsrat mitzureden habe. Daß dieser beiseite geschoben wird, sollte der Reichsarbeitsminister zulassen? Wir möchten das noch nicht glauben. Schwor wurde die Schließung der Anstalt auch die jetzt noch in ihr untergebrachten Kriegsbeschädigten treffen. Nach all den La- zarettaufiösungcn im Bereich des Hauploerforgungsamts Branden- bürg haben sich in dem Spandnuer Versorgungskrankenhaus viele Schwerkranke angesammelt, die dorthin überwiesen wurden. Unter ihnen sieht man Leute, die völlig gelähmt sind. Das könnt« ein trauriger Umzug werden!__ Ter Tod in der Einsamkeit. � Ein Mordgerücht erregte am Bußtag abend in Moabit große Aufregung. In der Lehrter Straße sollte eine einsam woy- nende Greisin ermordet und beraubt worden sein. In dem Hause 26a wohnte seit 7 Iahren die 78 Jahre alte Rent- nerin Marie Wendisch. Man hatte sie seit Montag im Hause nicht mehr gesehen. Ais man sie tot in der Wohnung fand, gab das Beravlasiung, de» Mordbereitschoftsdienst der Kriminalpolizei herbeizurufen. Die Ortsbesichiigung ergab zunächst ein Bild, das auf einen Mord schließen ließ. Die Greisin lag in voller Klei- dun? auf einem Ruhestuhl. Aus einer Kopfwunde war Blut herausgerieselt, dessen Spur von dem Stuhl bis auf den Woh- nungsflur führte. Es schien also, daß die alte Frau auf dem Flur erschlagen, und daß die Leiche nach dem Wohnzimmer getragen worden sei. Hierzu kam, daß zwei Bvrdcrziminer mit Gas angefüllt waren; dos. in dem die Leiche lag. und ein Reben- Zimmer. Gegen ein Verbrechen sprach jedoch der Umstand, daß in der Wohnung nichts berührt und alles in Ordnung war. Die Untersuchung der Leiche durch den Gerichtsarzt Professor Dr. Strauch beseitigte denn auch den Berdacht. Sic ergab, daß die Greisin wahrscheinlich infolge der Kopfverletzung gestorben und daß diese von einem Unfall herrührte. Die alte Frau ist allem Anschein nach auf dem glatten Linoleumbelag des Flures ausgeglitten und hat sich dabei die stark blutende Verletzung zugezogen. Mit dem Taschentuch sich dos Blut abtupfend, hat sie sich nach dem Wohnzimmer gefchleppt, hier auch noch versucht, die Gaslampe anzuzünden, das aber nicht mehr zustande gebracht. Das h'utbefudclte Taschentuch hatte sie noch in die Bluse gesteckt. Nach Aufnahme des Befundes und Bcsickitiaunq der Toten wurde die Leiche beschlagnahmt und nach Feststellung der Todesursache noch dem Schauhause gebracht._ Neuregelung bei der Brennkosten-Eiuziehung. Zur Vereinfachung der städtschen Verwaltung besteht gutem Vernahmen nach die Absicht, die Kosten für den Verbrauch von Gas und elektrischem Strom nicht mehr von besonderen Kassierern, son- dern von den Angestellten, die den Gas- und Strom- oerbrauch messen, einziehen zu lassen. Die Kassierer, die zum Teil schon lange Jahre rn ihrer Stellung sind, rechnen mit der boldigen Kündigung. Die geplante Maßnahme erscheint, abgesehen von der sozialen Seite, nicht unbedenklich. Die bisherigen Kassierer bleiben stets vor der Wohnungstür und sind dadurch gegen Ueber- fälle geschützt. Die Messer dagegen müssen in jedem Falle die Woh- nung betreten und haben dann mitunter viel bereits einkassiertes Gest» bei sich. Also müßte wohl, wenn die Verwaltung ihre Angestellten gegen Ueberfälle schützen will, Messung und Eeldentziehung zeitlich doch wieder getrennt werden, wodurch kaum eine erhebliche Erspar- nis erzielt werden dürfte._ Die Siadlverordnclenoorsteherwahl wird von der Stadtverord- nctenoersammlung heute vollzogen. Stadtverordneter Dr. Scholz, Mitglied der Deutschen Volkspartei, hat auf seine Kandidatur ver- zichtct. Die Unterstützung nur durch bürgerliche Parteien genügte ihm nicht. Als bürgerlicher Kandidat ist jetzt Stadtverordneter Dr. C a f p a r i, Mitglied der Deutschen Volkspartei, aufgesteM worden. Nach demokratischen Grundsätzen und parlamentarischem Brauch hat die stärkste Fraktion den Posten des erstens Vorstehers zu beanspruchen. Die Sozialdemokratische Fraktion, jetzt die stärkste in der Stadtverordnetenversammlung, hat den Genossen Franz Krüger als Kandidaten aufgestellt. Noch dem„Zcnlrclvark" am Bahnhof Fricdrlchstraße wurde gestern nachmittag die Berliner Feuerwehr gerufen. Dort brannte ein Wohnwagen der Schieifenbahn; Betten und Kleider wurden dabei vernichtet. Es gelang, die Flammen schnell zu löschen und iede Gefahr zu beseitigen.— An der Ecke der Prinz- Albreck!- und Köniagrätzer Straße brannte ein Automobil total. Die Fahrgäste und der Wagenführer kamen mit dem Sckrecken davon.— Außerdem wurden zahlreiche kleine Brände aus allen Stadtgegenden gemeldet. Frau L?vy-Ralhenou. demokratische Stadträtin im Derwal- tungsbezirk Tiergarten, ist gestorben. Sie war weiteren Kreisen dadurch bekanntgeworden, daß sie für die Frauen eine Be- rufsberatung schuf, die später Lorbild für die Berufsberatung der Stadt wurde. Bei Kriegsausbruch gründete sie zusammen mit Gertrud Bäum« den„Nationalen F r a u e n d! e n st", an dessen Arbeit auch sozialdemokratische Frauen unter Führung von Luise Zictz(die jetzt bei den Unabhängigen steht) sich beteiligten. Für vcrcivsachle Anträge auf Erlaß van Zchlrngsbefchlen hat der Pccußiscke Ricklei verein, Bezirlsverband Groß-Berlin, eine neue Form geschaffen, die sich grundsätzlich von den vielen meist ver- unglückte» Bei suchen, Mabngeinchsforwulare civzussibreu, unler- scheidet. Er bat ein Formular entwoifen, daS lediglich vam Gessich- steller zu datieren und zu untersSre'ben ist. Tiefes wird auf der in gewohnter Weiie ausgestellien Rechnung befestigt, die dadurch den Charakter eines MahnungSgcsnchcS erhält. Tos Publikum bat sich alio nickt einem Formular anzupasien; eS wird vielmehr der von der Aivilproießorduung voreeschriebene Formzwong den Oiewodn- Helten des Publikums ongepaßr. Die neuen Formulare sind im Verlag Ferd. Asbelm, Berlin% 39, erschienen. 3n den amlllcheu Ficlsckverkllufsskelleu des 20. Verwalkunzs.. bezirks, Reinickendorf-Ost, Residenzstr. 131, Reinickendort-West, Kögelstr. 3, Tegel, Schöneberger Str. 63, und Tegel, Bahnhofstr. 6/7, aelangt in diel« Woche billiges Schweinefleisch zu nachstebenden Preisen zum Verkauf: Bauch 20 M., Kotelett. Kamm und Schuft 17.30 M.. Schinken ohne Bein und Backe 16,30 M., Kopf und Beine 0 M., Rückenfett und Liesen 24 M. Wetter für morgen. Bertin und Umgegend. Ein wenig kälter, zeitweise etwa» aus» klärend, iiberwiegcnd trübe und nebelig, ohne erhebliche Niederschläge, frische westliche bis nordöstliche Winde. Groft-Scdiiier parteinachrichten. 128. Zlbt. Paakoiv. Morgen, ltzreitaq, den iS. November, 7 Mr bei Poll«,,«.llbienstrage 4S. Mitglicdcrvcrlammlung der 92 Bcrkeussstelle der Kouiumgenostenschajt._ Vorträge. Vereine unö Versammlungen. yi'-ird der Nlnderreichen kBezIrt Prenzlauer Tor). Heute abend 8 Ubr in der«l»'» des Lyi-ums Crc:f»mflibec Straße■ Wsrbe-Persammlung Als kinderreich aelten Tainilien mit mmdetteus vier und Witwen mit drei Kindern. Auslimri Georg Lehr, Ealdapcr Etr IS l.— Verein der Sarai- iirficr zu Gr-Vertiu. Jeden(tzrertaa abends s>/z!ll>r: Stammtilch im Restaurant Belvedere an der Jaimoivizdrürke. Gäste und LandÄeute rpilllommen. GeVerMastsbewegung Zur fiusfperruog in öer NflG. Die Vorgänge in der Nationalen Zlutomobilgesellschast schildert ein uns nahestehendes Mitglied des Betriebsrats wie folgt: „Am Montag, den 7. November, waren Betriebsversammlungen der Arbeiter und Angestellten, dle« i n st i m m i g den Betriebs-; rat aufforderten, einen Antrag auf Gewährung einer Wirtschofts- beihilfe bei der Direktion zu stellen Ein Angestellter des Metall- arbeiterverbandes wohnte der Versammlung der Arbeiter bei. Am Donnerstag, den 10. und am Sonnabend, den 12. November, wurde mit der Direktion verhandelt. Die Direktion er- kannte wohl die Notlage der Belegschaft an, lehnte aber den Antrag rundweg ab. Der Funktionärkonferenz wurde nun der ablehnende Bescheid der Firma unterbreitet. Der � Referent legte den Ernst der Situation dar und warnte im Hinblick auf den laufenden Tarifvertrag vor unüberlegten Schritten. In der Diskussion wurde aber die Notlage der Arbeiter und Angestellten in ergreifender Weise geschildert, gegenüber den Riesengewinnen, die jetzt unsere Firma«inheimst. Monatliche Reingewinne von etwa 7 Millionen Mark sind keine Seltenheit. Im Hinblick hierauf wurde be schloffen, der Belegschaft anheimzustellen, von Montag, den 14. No- vember, 9 Uhr morgens, passive Resistenz zu üben. Und zwar so lange, bis die Direktion mit dem Ersuchen um V e r» Handlungen an den Betriebsrat herantritt. Um 19 Uhr trafen Vertreter der Afa und des Metallarbeiter. Verbandes im Betriebe ein und machten die Mitteilung von dem Ultimatum. Die sofort einberufene Betriebsversammlung nahm einen Bericht des Betriebsrats über den Stand der Be- wegung entgegen und wurde von dem Ultimatum in Kenntnis ge- setzt. Die Organisationsvertreter ließen noch einmal. ihre warnende Stimme ertönen. Es wurde beschlossen, eine Urabstimmung sofort vorzunehmen. Zur Aeiterführung der Bewegung wurde vom Betriebsrat eine Dreiviertel. Mehrheit verlangt. Das Resultat der Abstimmung war, daß sich nahezu eine Bierfünftel-Ma- jorität für die Wetterführung der Bewegung entschied. Am Dienstag früh war das Werk geschloffen. Diese Bewegung ist aus der schrecklichen Not ent- standen, in der sich die Arbeiter und Aegcstellten befinden. Die gewaltige Steigerung aller Lebens- und Bedarfsartikel(die Mar- garine kostet jetzt 42 M. das Pfund) machte alle Tarifverträge zu- Nichte, und verlangt sofortige Hilfe, sofortiges Eingreifen der maßgebenden Kreise. Die Riesengewinne der Industriebarone müssen unbedingt der Allgemeinheit zugute kommen, denn der Ar- beiter hat ein Recht darauf, auskömmlich leben zu können/ Diese sachliche Darstellung des Verlaufs der Dinge gibt zu denken. Not bricht Eisen! Die Idee der Forderung einer Wirtschaftsbeihilfe konnte nur aufkommen bei der großen Notlage auf der einen, den Riesengewinnen auf der anderen Seite. Muß man auch der Forderung solcher Wirtschaftsbcihilfcn prinzipiell ablehnend gegenüberstehen. schon aus dem einfachen Grunde, well sie nicht von allen Betrieben gegeben werden könnten und es schließlich aus diesem Wege kein Halt mehr gibt, muß man weiter den Betriebsräten das Recht ab- sprechen, Lohnbewegungen auf eigene Faust, betriebsweis« zu füh. ren, so müssen wir uns denn doch auch darüber klar sein, daß es so wie bisher einfach nicht mehr weiter. geht, wann nicht die Verzweiflung Oberhand gewinnen und alle Dämme einreißen soll. Es muß etwas geschehen und es muß schleunigst eingegriffen werden. Die Zentralarbeits- gemein'chaft und dl« Gewerkschaften müsien zu den Dingen unverzüglich Stellung nehmen. Ein Ausweg muß gesucht und gefunden werden. Eine gründliche Herabsetzung der Lebensmittelpreise, vorab eine sofortige Unterbindung der Wucher- preise für Kartoffeln, Margarine usw., müßt« unverzüglich einsetzen und bis es dazu gekommen ist, muß den Arbeitern soviel Geld ge- geben werden, um die allernotwendigsten Aufwendungen für den Lebcnsunterhaltt zu bestreiten. Mag hier und da kommunistischc Agitation mll im Spiele sein, so ist es doch nichts anderes, als die brutale Not, die zu solch ungewöhnlichen Erscheinungen führt. morgen die Angestellten zum Teil ihr« Tätigkeit wieder aufge» j bei den 16 j nomine». Dagegen ist mit den Arbeitern bisher ein Uebereinkommen 18 jährigen, nicht getroffen worden. Die Aussperrung bei der NAG. dauert nach wie vor an und inzwischen hat sich die Bewegung auch aus ander« Firmen, wi« auf den Siemens- Konzern, Lenzwerke. mehrere Tempelhofer Firmen und auf'die K n o r r- bremse ausgedehnt, wo die Arbeiter demonstrierend vor das Di- rsktionsg>?bäude zogen. In den genannten Firmen wurde passive Resistenz ausgeübt. Der Metallarbeiteroerband hat mit den Leitun- gen der einzelnen Betriebe Verhandlungen aufgenommen, aber auch die Arbeitersckzaft darauf aufmerksam gemacht, daß ein Verharren in der passiven Resistenz als Tarifbruch aufgefaßt werden wird. Infolgedessen gelang es bisher in allen Fällen, mit Ausnahme der; NAG., den Konflikt zwischen den Arbeitnehmern und den Werk- leiwngen bis auf weiteres zu beseitigen. en, 14 M. bei den 17 jährigen, 19 M. bei den . bei den 19 jährigen, 29 M. bei den 26 jährigen und den älteren Arbeitern erhöht worden. Die Gedingclohnerhöhung beträgt 29 M., wovon IS M. auf den Grundlohn und 14 M. auf das«gsntliche Gedinge entfallen sollen. Z?ordcrunge« der Angestellte». Die vom Z. bis S. November d. I. in Rothsnburg o. d. T. statt- gefundene Konferenz des Beirats und Houptvor- standes des Zentralverbandes der Angestellten nahm in eingehender Weife Stellung zum Ausbau der Ge- werbe- und Handelsauf ficht. Die Landesregierungen oben bis jetzt von dem ihnen zustehenden Recht, aus den reisen der Angestellten besondere Beamte zur Ueber- wachung des Angestelltenschutzes zu berufen, sehr wenig Gebrauch gemacht. In Ueberdnstimmung mit der Haupwersammlung des Vereins deutscher Gewerbeaufsichtsbeamten wird deshalb die For- derung erhoben, die Eswerbeaufstchtsbczirke zu Gewerbe- und Hcmdelsaussichtsämtcrn auszubauen. Für jeden Bezirk soll ein Handelsinspettor mit soviel Hilfskräften eingestellt werden, daß jeder Betrieb mindestens einmal im Jahre kontrolliert werden kann. Die Beamten sind den Reihen der Angestellten nach Vor- schlägen der Organisationen zu entnehmen. Zur Ausübung der Auf- ficht über die Beachtung der gesetzlichen und tarifoertraglichen Schutzbestimmungen sollen den Beamten für ihre Tätigkeit alle amtlichen Befugnisse der O r t s p o l i z e i b e h ö r d e n zustehen. Vom Reichsarbcitsministerium wird die Beschleunigung der Vorarbeiten zu einer reichsgesetzlichen Neuregelung der Gewerbeaufsicht erwartet. Ihr Ausbau schafft erst die Voraus- setzungen zur Verwirklichung des Artikels 1S7 der Rcichsoerfassung, der die Arbeitskraft dem besonderen Schutz des Reiches unterstellt. Weiter beschäftigte man sich mit den bevorstehenden Wahlen zu den Dcrtreterkörperschaften der Angestellten- Versicherung sowie mit der Reform dieser Versicherung. Protest wurde eingelegt gegen die von den wirtschaftsfriedlichen Angcstelltcnverbänden versuchte weitere Verschleppung dieser Wahlen. In dem veröffentlichten Entwurf des Bureaus für Sozial- Politik über eine Verwaltungsgemeinschaft zwischen Angestellten- und Invalidenversicherung erblickt die Sitzung insofern einen nennenswerten Fortschritt, als durch sie den versicherten Angestellten jährlich viele Millionen Mark Vcrwaltzmgskoflen erspart würden. Der Streik in Saarbrücken beendet. Eine sehr stark besucht« Versammlung der streikenden städtr» schen Beamten, Angestellten und Arbeiter hat nach mehrstündigen Verhandlungen gestern nachmittag beschlossen, d e Streikleitung zu beauftragen, unverzüglich neue Berhandlun- gen zwecks genauer Festlegung der Einkommensbezüge einzuleiten. Erst wenn ein klares Bild vorhanden fei, und auch die Neb ens ragen befriedigend geregelt feien, könne die Arbeit wieder aufgenommen werden. Die Versammlung stand grundsätzlich auf dem Standpunkt der finanziellen Gleich st ellunq mit den staatlichen Beamten, Angestellten und Arbeitern des Saar- g e b i e t s. In Anbetracht aller in Frage kommenden Umstände war 'die Versammlung jedoch bereit, auf der Grundlage der Martentlohnung für Angestellte, Arbeiter und Straßenbahner j zu verhandeln. Noch gestern abend fanden neue Verhandlungen mit der Siodtverwaltung statt, als deren Ergebnis heute der Streik ein- gestellt worden sst._ PortrseoMer. Taschner, itoffermacher, sowie in der Lederwarenbranche be- schiistigte Buchbinder Freilag.'/j5 Uhr bei Boeler, Wedelst! aße 17. Ver- laminlung. Bericht von den neuen Lohnverhandinngcn. Der Saat niuß uni 7 Uhr . geriiumt werden, darum pUnkllich erscheinen! verband der Buchbinder und Papierrerarbeiter. Freitag 7 Uhr im großen Saal de» Sewersjchaslehausis außeroidentliche Generalversammlung. Erhöhung der Lokalteitröge. Zeder Delegierte muß unbedingt erscheinen. Teuerung öfordcrung der Jnnungsschmiede. Die bei Innungsmeistern beschäsiigten Schmied« hörten in ihrer Dollversammlung am Dienstag den Berich: des Altgesellen Stcppuhn über die letzten Verhandlungen mit der Schmiet«- innung, denen die Forderung einer Teuerungszulage von 8 9 P f. pro Stunde zugrunde lag. Selbst diese beschzidene Forderung wurde nicht anerkannt. Die Innimg bewilligte nur gemäß dem Vor'chlag ihres Vorstandes eine Zulage von S9 Pf. pro Stunde. Die Verfamn'ckung hatte nun über Ablehnung oder Annahme des ge- ringen Zugeständnisses zu entscheiden.— In dir Diskussion wurde bemängelt, daß schon die Forderung von L9 Pf. zu gering gewesen sei. S t e p p u h n erklärte, daß er diesmal so wenig gefordert habe in der Erwartung, daß die Innung davon nichts abhandeln werdo. In diese? s« bstre.ständlichsn Erwartung sei er allerdings getäuscht worden. Mit Anregungen aus der B-r'ammlung, zwar die 59?f. anzunehmen, aber angesichts des täaüchen Hochschnellen» aller Lebenemi chel?:«i>'e gleich wieder eine Teuerungszulage zu fordern, erklärte Redner sein Einverständnis. Von Bedeutung sei dabei, daß die Innungsmeister inzwischen auch ihre Preise erhöht haben. Nach werterer Diskussion lehnte die Versammlung das Zuge- ständnis von 59 Pf. als zu gering ab. Dann beschloß man«in« stimmig, den Gesellenausschuß zu beaustragen, mit der Innung in neue Verhandlungen zwecks Erreichung einer Teuerungszulage von 8 M. pro Stunde einzutreten. Die Verhandlungen haben zu einer gewissen Verständigung zwischen den Angestellten und den Arbeitgebern geführt. Bei der Nationalen Automobilgesellschaft in Oberschöneweide haben heute Erhöhung der Bcrgarbeikerlöhne im Nrchrbczirk. Die in den Berliner Verhandlungen bewilligte Lohn- crhöhung von durchschniltlich 29 M. pro Schicht wurde in der Vor- Handlung der Bezirksarblitergcmcinschaft am Montag für den Ruhr- bezirk auf die einzelnen Arbcitcrkateovrien verteilt, wobei eine voll- kommene Einigung erzielt wurde. Im einzelnen ergeben sich da- nach folgende Erhöhungen der Stundenlöhne: Für Uebertagearbeiter: 14 Jahre 9,55 M., 15 Jahre 9.85 M., 16 Jahre 1,25 M., 17 Jahre 1,75 M., 18 Jahre 2,45 M., 19 Jahre 3,15 M., 29 Jahre und darüber 3,79 M. Für Untertagearbeiter find die Schichtlöhne um 19,59 M. Wirtschaft Die Aufträge der Eisenbahnen- Die bahntransporte hat am Kartoffelmarkt bewirkt, sich staute, während dos Angebot bei steigenden So hat sie zweifellos einen Teil der Schuld an der Preissteigerung, wenn dadurch auch die Machenschaften der Preistreiber in keiner Weise beschönigt werden. Es scheint nun, als ob die O r g a n i- s a t i o n der Eisenbahnen noch sehr versagt und daß nicht mit der nötigen Umsicht und sicheren Disposition verfahren wird. Man wird den Eindruck nicht los, daß die Eisenbahnoerwaltung viel weniger für die Erneuerung des Materials sorgt, als notwendig wäre. Auf diesem Gebiet können wir unmöglich Er- sparnisse machen. Wir haben im Frühjahr und Sommer unter einer großen Arbeitslosigkeit gelitten und fortgesetzt die Eisenbahnver- maltung gedrängt, sie möge größere Aufträge herausgeben. Das ist leider nicht in dem notwendigen Umfang geschehen und gegenwärtig klagen die Walzwerke und klagt die Eisenindustrie, daß die Eisenbahnoerwaltung mit großen Aufträgen herauskommt, die ocrständigerweise viel früher hätten in Auftrag gegeben werden sollen. Daß bei der gegenwärtigen Preissteigerung dieses Verfahren mit großen B e r l u st e n für das Reich, das sich im Sommer hätte billiger eindecken können, verbunden ist, versteht sich von selbst. Zleue Wertpapiere in Sowsclrußlcnd. Eine KrciSverlammlung der Genossenswaiieii des GouverncmenlS Pikow beabssckiligt eine Anleihe im Betrage von 2 Milliarden Rubel aus- zugeben, in Obligationen von 19 999 bis ,u einer Mtllion Rubel. Tie Zinsen betragen 15Proz. jähilicb, zahlbar in drei Ralen. Tie In- Haber erhallen das erste Recvl a»s den Ankauf der Genosienicka'ls- erzeuanisse.— Der Münzhof in PtteiSburg prägt cieaeinnäriig biS zu 19 999 silberne Einrubelstücke und 5999 Fünfzig« lopeten stücke täglich.__ Ms aller Melk. Jener ln der Skukigartcr E-asf. brit. In emom der fc-jid« großen Gasbehälter der Stuttgarter Gasfabrik in Eaisburg brach Miit- woch mittag Feuer aus. Nach Mitteilungen von Augenzeirnin schlug bald nach Ausbruch des Brand««ine haushohe Flamme an den Wänden des Behälters empor. In Erinnerung en die Oppau?r Katcftropb« entstand in der Nochbarilbast der Fabrik u ist er der Bevölkerung ein« große Panik, well die Leute eine E5- piosson des Gaskessel» b-fürcbteien. Das Feuer entstand vermutlich dadurch, baß sich das sogenannte Uebergas entzündet«, das am Fuße des Gaskessels entweicht. Da in dem De-Hälter zwischen der Außen- und Innenwand Wasser in einer Breit« von 6 Metern sich befindet, wo? eine Explosionsgefahr gänzlich ausgeschlossen. Schlffeur.lcrgcng. New Port Herald meldet aus New Or- leans, daß der englische Dampfer Maryland im Ha'en nach einem Zusammenstoß mit einem japanischen Schis f unterge- gangen ist.__ Boranto. für den rebokt. Teil: Dr. Werner Pcller, Gharlottenbiirg: liir Pn- , eiqen: Th. Stocke, Berlin. Berlast LorrvSrt-.Bcrlost S. m. b. H.. Berlin. Druck: BarwärtS'Buchdruckereiu. Derlagaonftait Paul Einßer u. Co., Berlin, Lindenstr. S. ..... We Wim 01 ilt AiWii SM«! darüber, wie viele Frauen an Krankheiten sterben, die ste au» Schamgesüht vor der Bchandlu wie viele dei reditzeifiger Äufflärcna steretirt würden. Treten nickil die meisten Bräute leichlsiiinist üdcr dle wichtlgsien Aulgaben des Eheleben» total im Dnnleln stelasjen?— In keinem k>auihait! Die Irsrn als Hausärztm! r-fciritfffTlfTT-Nilllfl'ie-—■ Xie ttnae'ieure Stenicnanfponnnna de« GteUftirge« und>eio«r Folgen ionn ohne Schaden nur gut gemacht werben, wenn die Kc und. heilspstege zur höchsten Ausgabe der Frauen gemacht wirb. Aber die Uiiw» enyeit unter den Frauen. aus dem gebiete der? lunbhciisxstcge und üeilkunbe ist geradezu beängstigend. ES gibt feine Staiistit 1 U'—"m Drucke bleies unwürdigen Fustanbe» leiben und und ihre künstige Familie, von den Eltern med. Unna F>,'«h«r.Tücke:»a>->> iehien. darüber, wie viele Frauen an Krankheiten sterben, die ste au» Schamgesnht vor der Behandlung de» klrzte» verheimlichten, wie viele unter dem wie viele bei rechtzeitiger Ausklärnna gerettet würden. Treten nicht die meisten Bräute leichtsinnig in die Ehe odne jede itenntui» der Pflichten gegen sich seibst über die wichtigsten Ausaaben des Ehelebcns total im Tunlcin gclajjcn?— In keinem Hauihaite icUIe balier da» berühmte graste Prrchttvari von Frau Dr.... —— kiwnriiano dnhnndel» sind! Ansteckende Krankheiten— litsteriucken— Ausbleiben der ültenstruallon— üüjilüg— Deiruchtung— Blutungen—«estimmuna de» G-tchlecht»— Bebandlnng der Brüste- Eholera— Dammrig Diphtherie- Fieber— Fehlgeburt— Frübg-bnrt— Geburtshilfe— Gallen. steine— Selentrheumatlsmu»- Gelchiechtsieben und GeichlechtSkrau.heiten— Gicht— Grippe— Hämorrhoiden— LrebZ— Kinbbettsteber— lärntL Leber- und Lungeukcanlheiten— Tuberkulvie — Langlebigkeit— Leisten brua)— Maiern— Pocken— Scharlach— Scheibenirankhellen— Schioongerschast— Schönheilspstege— oiatschläge für Bräute und lungr Ehesrauen— B-ageriUcht — We-ßer Ftnß— Wochenbett— Bechseliabre— Zahnkrankheiten— llnier« Heilkräuter— über alle akuten und chronischen»ranlheiten, lolste erste HUje bei Unglückssälleu. Bedandal« sind nticki die so nrüsilichan<>aaHranth«licn rvta: Schuppenstechte— sresjeiibe Flechte»nstende Fiechte— Lippcnsteojte— Gurielrose und Skrosulose AevMSvörs bei Berlin, Weisbachstraße 2.— Postscheck-Konto Nr. 28 524 Berlin NW 7. 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Tagesordnung: l. Neuwahl der Gruppen. leuung und der Kommisston. 2. Berbandson. gelegenheiten. 3. Verschiedene». 102/> t_ Sie Orloverwoltnng. Hauen Sie Gold-, I Silber- oder Piaiin- liruch, Ringe, Ket'en. Löffel, Mllnzensarnrn- luncen, Zahngebisse, Urennstifte usw. zu I vei kaufen, dann gehen Sie nicht in eine kleine Verwertungs- oder Ankaufsstelle. •Vir sind Spezialisten hierfür und überbieten dahat jede Konkurrenz. Kommen Sie vertrauensvoll zu uns. 9— 7 Uhr. 1 Qebr.Fulirinann.Nollendorlstr.äP.Lad. Berliner Genossen- sehalts-B�ekerei ene Genossen» mit beschränkter Haslpsticht) Am 4. Dezember, abend» «>/, Uhr, Eerlchtftr. 2Z Ordentliche lieneril'Verzsiiiilllijijg Tagesordnung: t. Bericht be, Dorstand«, und Ailtsichtsrat». Vor- legunst der Bilanz Nied Boich hchsassung über dieselbe. ?. Entlastung de« Vor- standes und AussichtS- rate». 8. Neuwahlen. 4 Statutenänderungen. 5. Anträge uni Set- schiebene». Die Bilanz liegt den Mitgliedern im Kantor. 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